
Titel: Wrecked Dreams
Autor: Silentthunder
Inhalt: Ein kleiner Einblick in Drusillas Leben…oder ihren Tod?
Altersfreigabe: ab 16!
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Drusilla
Wrecked Dreams
Eisig blies der Wind durch die zerschmetterten Fenster, zog in klirrenden Strömen durch die große Halle und ließ die junge Frau erschaudern, die versteinert und starr vor Angst auf der Erde kauerte. Ihr Körper bebte wie Espenlaub, aber sie war sich nicht sicher, ob es an der schneidenden Kälte lag, oder an dem Hauch des Todes, der das ganze Gebäude fest in seinem klammen Griff hatte und beinahe greifbar war.
Wie gebannt starrte sie durch das zerstörte, ehedem wunderschöne Fenster und betrachtete angestrengt den Mond, der sich in dieser Nacht in seiner ganzen Pracht zeigte. Silbern leuchtete sein Licht und spendete eine trügerische Sicherheit, die sie bedauerlicherweise nicht mit einschloss.
Für einen flüchtigen Moment schloss sie die Augen und versuchte sich in die Phantasiewelt zu flüchten, die sie sonst so verachtete. So endlos tief verabscheute! Doch ausgerechnet heute wollte es ihr nicht gelingen. Immer dann, wenn sie es sich sehnlichst wünschte, versagte ihre Gabe ihr den Dienst. Aber vielleicht, ja nur vielleicht, war es ein wahrer Segen, nicht sehen zu können, was ihr noch alles bevorstand. Wie groß konnte der Horror noch werden, bevor sie sich gänzlich in ihrem unheiligen Wissen verlor und nie wieder einen Weg zurück in das rettende Licht fand?
Zu viel hatte sie in ihrem jungen Leben gesehen, zu viele schauderhafte Dinge erlebt, die große Narben tief in ihre Seele gebrannt hatten. Zu groß war der Schrecken und doch versagte ihr Verstand ihr den Gefallen zu tun, einfach in ein dunkles Nichts abzudriften. In eine Finsternis zu tauchen, die sie alles vergessen lassen konnte. Leise murmelte sie Gebetsfetzen vor sich hin, bemühte sich, in ihrem sonst so bedeutungsvollen Glauben zu versinken und versagte kläglich.
„Nicht doch", riss sie eine grausliche Stimme in die Realität zurück. „Ich hatte dir befohlen, zuzusehen!"
Sie schüttelte wild den Kopf, weigerte sich, der Stimme zu gehorchen und schloss verzweifelt die Augen. Nein, sie würde nicht hinsehen. Sie würde nie wieder sehen wollen. Zuviel barbarische Dinge waren geschehen und sie flehte den Tod an, sie endlich aus ihrem jämmerlichen Dasein zu befreien und sie in eine sorgenfreie und gottgefällige Leere zu begleiten.
„Sieh hin", schrie die grässliche Stimme und widerwillig öffnete sie die Augen.
Ein Schaudern lief über ihren Rücken und ihr Magen drehte sich um. Überall lagen entstellte Leichen, getaucht in Unmengen von Blut. Die leblosen, verdrehten Körper der Frauen, in deren Obhut sie sich geflüchtet hatte, als das absolute Grauen sie endgültig zu verschlingen drohte.
Kalte, grässlich verzerrte Gesichter, deren stumpfe Augen alle auf sie gerichtet schienen und noch im Tod deutlich machten, dass sie an dieser Hölle auf Erden die Schuld trug. Wieder überkam sie ein Schaudern und sie fühlte, wie sich ihre Seele zusammenzog, krümmte und zu einem mickrigen Etwas verkam.
Ihr verschleierter Blick wanderte auf ihre Hand hinab und sie sah zitternd auf das noch warme Blut, dass langsam ihren Arm herab rann und sie ließ verschreckt den leblosen Körper los, an den sie sich die ganze Zeit verzweifelt geklammert hatte. Verängstigt robbte sie einen Meter zurück, stieß auf einen weiteren kalten, leblosen Körper und schrie leise auf, als sie in die toten Augen einer ihrer Mitschwestern sah. Ängstlich suchte ihr Blick das große Kreuz, das am Ende der Kapelle hing und sie starrte wie gebannt darauf. Erwartete Hilfe von dem Wesen, an das sie uneingeschränkt glaubte.
„Der wird dir nicht helfen", lachte die Stimme des Monsters gehässig und sie fröstelte wieder, da die Stimme direkt aus der Hölle zu stammen schien.
„Oh, schau doch, wie schüchtern sie ist", sagte eine weibliche sarkastische Stimme und Drusilla konnte sich gegen einen flüchtigen Blick auf das Paar nicht wehren.
Eisige Schauer eilten über ihren Rücken. Die teuflischen Dämonen liebten sich vollkommen hüllenlos im Blut der getöteten Nonnen, wälzten sich in den herausgerissenen Organen und labten sich an ihrer Angst. Der metallene Gestank des vergossenen Lebenssaftes wurde übermächtig und Drusilla drehte sich angewidert weg.
Ihr wurde schlecht, sie sackte zusammen und übergab sich auf den steinigen Boden. Bebend vor Angst faltete sie die Hände wieder zum Gebet und flehte ihren Gott an, sie endlich aus der absurden und grotesken Situation zu befreien, doch wieder hoffte sie vergebens. Alles was sie hörte, war ein grauenerregendes Gelächter.
Erneut schloss sie die Augen, aber auch diese erzwungene Dunkelheit brachte keine Entlastung. Die Gesichter ihrer geliebten Eltern tauchten vor ihrem geistigen Auge auf, doch auch sie brachten keinerlei Erleichterung. Keinerlei Hilfe. Drusilla sah das Blut, das ihre sonst so ebenmäßigen, liebenswürdigen Antlitze verunstalt hatte und spürte noch immer
die brennenden Augen ihrer Mutter, die ihr die Schuld an ihrem unseligen Tod gaben.Schon immer hatte Drusilla gewusst, dass ihre unselige Gabe ein schlechtes Omen war. Es konnte nicht von Gott gewollt sein, die Zukunft zu sehen und sie hatte jahrelang versucht, eben diese Gabe zu verdrängen. Sie tief in ihrem Bewusstsein zu vergraben, doch es war sinnlos gewesen. All ihre Versuche hatten nichts genutzt, und hatten stattdessen alles nur noch verschlechtert!
In ihrer großen Not hatte sie sich einem Priester anvertraut und damit das Schicksal herausgefordert. Denn der vermeintlich Geistliche war niemand anderes gewesen, als das Monster, das nun mit seiner Gesellin die heiligen Hallen des Klosters entweihte und in den Schmutz zog.
Er hatte sich vor Gott schuldig gemacht und das Gewand eines Priesters entweiht. Aber was noch viel schlimmer war, sie hatte ihn nicht durchschaut, sondern auf seine Hilfe gehofft. Sie hatte sich von seiner warmen seidigen Stimme und seinem engelsgleichen Aussehen einlullen lassen und ihm bereitwillig ihre Seele dargeboten.
Wut machte sich in ihr breit, doch sie schaffte es nicht, sich gegen diese Abartigkeiten zur Wehr zu setzen und wieder schloss sie hoffnungslos die Augen. Ihre Gedanken flogen, ließen chaotische Bilder entstehen und landeten schließlich am heutigen, so hoffnungsvoll beginnenden, Tag.
Heute war der Tag, an dem sie ihr endgültiges Gelübde ablegen wollte und sie erinnerte sich gut an ihre Freude am Morgen, dass ihre unruhige Seele nun endlich Frieden finden würde. Sie hatte sich für ein Leben in Gottes Diensten entschieden, doch nicht einmal der Allmächtige schien auf ihrer Seite zu stehen und ein wirres Lachen entfuhr ihrem Mund.
Langsam rappelte sie sich auf, strich ihre weiße Kutte glatt und verteilte somit das Blut darauf, dass nicht ihr eigenes war, aber noch immer an ihren Händen klebte. Die Mutter Oberin war in ihren Armen gestorben, mit weit aufgerissener Brust und zerstörtem Gesicht. Drusilla hatte sie gehalten, sich an sie geklammert und sich gewünscht, an ihrer Stelle zu sein, aber die Hölle schien andere Dinge mit ihr vorzuhaben. Weitaus schlimmere Dinge!
Ohne einen Blick auf das grausige Geschehen um sie herum zu werfen, rappelte sie sich auf und wankte langsam auf den Altar zu. Leise summte sie vor sich hin und bemerkte mit Erleichterung, dass ihr Verstand sich langsam abschaltete. Ein entrücktes Lächeln zierte ihr Gesicht, als sie endlich vor dem Kreuz stand und sie sank erleichtert auf ihre Knie.
„Ich hatte schon gesagt, dass er dir nicht helfen wird", sagte eine schneidende Stimme hinter ihr und sie drehte sich um.
Drusilla blickte in das Gesicht eines Engels und sie lächelte dankbar. Der Allmächtige hatte ihr in ihrer größten Not einen Retter geschickt und schnell kam sie auf die Füße und stürzte sich in seine Arme.
„Ich habe gewusst, dass du kommst", murmelte sie wirr und fuhr mit ihrem Handrücken über seine eisige Wange. „Mein Engel ist gekommen!"
Bilder stürzten auf sie ein, die alles andere als himmlisch waren. Doch sie verdrängte sie. Sie wollte die angsterfüllten Gesichter, das viele Blut und das entsetzliche Grauen nicht wahrnehmen und verbannte alles in den hintersten Winkel ihres Seins.
Gott hatte sie nicht verlassen. Nein! Wie konnte sie jemals an seiner Macht und seinem guten Willen zweifeln? Niemals würde er seiner treuen Dienerin das Himmelreich verschließen! Niemals!
„Du hast es geschafft", drang eine Stimme in ihr Ohr, doch sie achtete nicht weiter auf sie. „Sie ist endgültig übergeschnappt."
„Ja", lachte Angelus böse. „Nun ist sie bereit, mein Wesen zu werden."
„Ich weiß gar nicht, was du so besonders an ihr findest", maulte Darla. „Vielleicht wird sie sich irgendwann für all das rächen, was du ihr angetan hast." Sie ordnete ihre Kleider, sah missbilligend auf einen kleinen Fleck im Saum und zuckte dann mit den Schultern.
„Mein Engel ist hier, um mich zu retten", schimpfte Drusilla und ihr Blick suchte das weibliche Wesen, dessen Stimme ihr durch Mark und Bein drang und kalte Schauer über den Rücken jagte. „Geh weg. Ich will dich hier nicht haben! Du bist böse!"
Sie hatte nur noch Augen für ihren Retter, sah an ihm auf und ab und bemerkte ein Strahlen, dass direkt aus seinem Körper zu dringen schien. Es tauchte ihn in ein gleißendes goldenes Licht und sie lachte verzückt. „Du bist ein wahrhaftiger Engel. Nein, du bist viel mehr. Du bist mein rettender Engel!"
„Na, ganz toll", nörgelte Darla und schüttelte genervt den Kopf. „Dann lasse ich euch zwei Turteltauben alleine und schaue mich hier ein wenig um. Vielleicht finde ich noch etwas Brauchbares."
Angelus achtete kaum auf seine Gefährtin, er nickte nur und betrachtete interessiert das hilflose Wesen in seinen Armen. Ihre Augen strahlten und drückten eine Bewunderung aus, die er genüsslich in sich aufnahm. Für einen kurzen Moment überlegte er, ob es wirklich eine gute Idee war, sie zu verwandeln. Doch dann lachte er schallend. Er hatte ganze Arbeit geleistet, sie war nicht mehr von dieser Welt und würde ihm vielleicht sogar einmal nützlich sein können. Und falls nicht, nun, es war ein Leichtes, sich ihrer zu entledigen.
„Bist du bereit?", fragte er leise und schüttelte sie sanft, als sie nicht sofort antwortete. Sie starrte ihn noch immer unentwegt an, doch ihre Augen schienen nicht im Hier und Jetzt zu sein, sondern Dinge zu sehen, die er nicht wahrnehmen konnte. „Bist du bereit?", fragte er ein weiteres Mal und sah, dass ihr Blick sich verfestigte.
Drusilla entkam ihrer Phantasiewelt genauso plötzlich, wie sie darin versunken war, erkannte sein wahres Wesen und versuchte mit Schrecken, sich von ihm zu lösen. „Lass mich gehen, bitte", flehte sie, doch sein Griff wurde fester.
Er zog sie nah an sich heran, bog sie nach hinten und küsste sie brutal. Seine scharfen Zähne zerfetzten ihre Lippen und sie schmeckte ihr eigenes Blut, während seine widerlich kalte Zunge ihr Innerstes erforschte.
Sie riss ihre Arme los, stemmte sich gegen seine Brust, doch er ließ nicht von ihr ab. In größter Not zog sie ihr Knie hoch, überrumpelte ihn so und floh, als sein Griff sich für einen Moment lockerte.
Er lachte höhnisch, eilte ihr nach und trieb sie ohne große Schwierigkeiten in die Enge. „Du gehörst mir", fauchte er heiser und Drusilla schrie, als er sie erneut an sich zog.
Tränen rannen ihre Wange hinab, als sie in das Antlitz des wahrhaftigen Bösen blickte. Gelb leuchtende Augen, die den Weg zur Hölle ebneten und ein grauslich zerfurchtes, entstelltes Gesicht, das vor Erbarmungslosigkeit nur so strotzte. Sie fühlte, wie sie herumgewirbelt wurde, spürte kalte Lippen an ihrem Hals und schloss ein letztes Mal die Augen. Das Ende nahte, das wusste sie so sicher, wie dass sie den Himmel niemals sehen würde.
Sie hatte jämmerlich versagt. Sie hatte ihre Familie nicht retten können und nicht einmal ihr eigenes beklagenswertes Dasein. Drusilla fühlte den brennenden Schmerz, als er mit seinen scharfen Zähnen ihren Hals aufriss und dämmerte selig einer Ohnmacht entgegen, die sie hoffentlich vor weiteren Schmerzen bewahren würde. Leise murmelte sie ein letztes Gebet und versank dann in einer nie enden wollenden Dunkelheit.
Ende