Titel: What the hell do I know?
Autor: Silentthunder
Inhalt: Spike und ein Halloweenabend, den niemand so schnell vergisst
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Dana
Storypic: Indiansummer
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

                                                          What the hell do I know?

 

Gelangweilt starrte Spike auf den Fernseher. Irgendein dusseliger, öder Film für Kinder quälte ihn jetzt seit über einer Stunde. Auf seltsame Art und Weise war der Film gruselig. So viele Menschen die einfach nur freundlich, lieb und nett waren. Die pure Hölle! Kein vernünftiger Mensch würde jemals so handeln und der Vampir schüttelte sich angewidert. Er hasste diesen verfluchten Mist im Fernsehen. Hasste sein Unleben und die verdammte Langeweile, die ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn trieb.

Seit Tagen herrschte Stille am Höllenschlund. Absolute Ruhe. Jeder Dämon mit auch nur einem Funken Stolz in sich, verließ seine Behausung erst wieder, wenn dieses furchtbare Halloween zu Ende war. Kein einziges, wahrhaft böses Wesen wollte mit den kleinen Monstern verglichen werden, die in der heutigen Nacht die Straßen Sunnydales unsicher machen würden und die ganze Zeit mit kindlich quietschender Stimme „Trick or Treat" brüllten.

Genervt setzte Spike die Flasche Whiskey an die Lippen und stellte mit Entsetzen fest, das er sie schon völlig geleert hatte. ‚Verdammt! Das auch noch!’, fluchte er lautlos und warf die Flasche wütend gegen die Wand, an der das schwere Glas in tausend Stücke zerbarst.

„Tja. Dann werde ich wohl raus müssen", brummte er unzufrieden, stand auf und griff nach seinem Ledermantel, der über der Lehne das Fernsehsessels lag.

Mal sehen, was die Jägerin und die Pseudo-Dämonenkiller heute noch so anstellen. Alles ist besser als das hier.’

Der Weg zum Summers Haus hatte bedeutend länger gedauert als üblich. Die Straßen waren überfüllt von Menschen. Glückliche Menschen mit guter Laune und strahlenden Gesichtern. Grauslich verkleidete Kinder lachten, schrieen und grölten und seine Laune näherte sich dem absoluten Tiefpunkt.

‚Sich mit einer Bohrmaschine Löcher in den eigenen Kopf zu bohren, ist interessanter als dieser Mist hier!’, überlegte er missmutig und drückte sich im nächsten Moment flach an einen Zaun. Eine Horde zwergenhafter Zombies jagte laut johlend an ihm vorbei und er wünschte sich, den furchtbaren Gören nur einmal wirklichen Horror zeigen zu können.

Endlich stand er vor dem Haus der Jägerin und musste feststellen, dass es in völlige Dunkelheit getaucht war. „Verdammt. Kann es noch schlimmer werden? Nicht mal der bescheuerte Welpe da!" Der blonde Vampir hatte so gehofft, jedenfalls Xander anzutreffen. Sich mit dem Vollidioten zu zoffen war bedeutend amüsanter als diese verdammte Langeweile, die sich scheinbar nie wieder vertreiben lassen wollte.

Übelster Laune machte er sich auf den Rückweg zum Friedhof. „Ach, guck mal, wie nett", murmelte er einiger Straßen weiter und betrachtete mit schief gelegtem Kopf die brennende Vogelscheuche, die im Vorgarten eines vornehmen Einfamilienhauses lichterloh brannte. ‚Da hatte jedenfalls mal Einer eine nette Idee.’

Die Eigentümer schienen nicht zu Hause zu sein, denn niemand schrie aus Leibeskräften und versuchte aufgeregt die Flammen zu ersticken. Enttäuscht stellte Spike Minuten später fest, dass das Feuer einfach so verlöschen würde. Ohne das Haus zu beschädigen oder irgendetwas anderes zu vernichten. Kurz umfassten seine Finger das Feuerzeug in seiner Manteltasche, doch dann ließ er den Gedanken fallen und machte sich wieder auf den Weg. ‚Langweilig! Öde! Langweilig!’

Drei dunkle Gassen und vier zu Tode erschreckte Menschen später, betrat er den Drugstore, kaufte alkoholischen Nachschub und fauchte den jungen Angestellten böse an, weil der es gewagt hatte ihm „Happy Halloween" zu wüschen. Seine Schlechte Laune, die sich gerade ein wenig gehoben hatte, war vollends zurück.

Die vor Angst verzerrten Gesichter der Menschen, denen er in der Dunkelheit ihr gesamtes Geld abgenommen hatte und das kleine Freudenfeuer in dem blöden Vorgarten, hatten ihn für kurze Zeit aufgemuntert. „Jedes Halloween der gleiche Mist!", schimpfte er unzufrieden und verfluchte den Tag zum tausendsten Mal.

Mit einem grimmigen Gesicht und wehendem Mantel legte er die letzten Meter bis zum Friedhof zurück und stieß mit dem Fuß heftig das eiserne Tor auf. Die Flaschen in seiner braunen Papiertüte klirrten bei jedem seiner Schritte und erinnerten ihn an den tröstlichen Gedanken, dass er sich zumindest in ein paar Minuten sinnlos betrinken konnte.

„Was, zur Hölle, ist das?", fragte er sich laut und betrachtete interessiert die Szene, die sich nur wenige Meter entfernt von ihm abspielte. Willow, Tara, Dawn Xander und Anya bildeten einen magischen Kreis und jeder von ihnen hielt eine hellgrüne, große Kerze in der linken Hand. Innerhalb des Kreises kämpfte die Jägerin gegen einen riesigen und wirklich abgrundtief hässlichen Dämon.

„Endlich was zu tun", grinste Spike hämisch, stellte den Einkauf auf den, vom Tau nassen, Rasen und rannte los. Er hörte noch eine schrille warnende Stimme, die „Spike, nicht" rief, aber da war es bereits zu spät. Er hatte das grünschimmernde Monster im Flug von den Füssen gerissen und ihm kurzer Hand das Genick gebrochen.

 

Das erste, das in sein Bewusstsein drang, als er wieder zu sich kam, war die stickige moderige Luft, die geradezu an ihm zu kleben schien.

„Auch wieder wach?", hörte er Buffy giftig meckern und er setzte sich langsam auf. Der Boden war uneben, wabbelig und schien sich in Wellen zu bewegen.

„Wo sind wir?"

„Keine Ahnung", schimpfte Buffy, die auf wackeligen Beinen vor ihm stand und versuchte dabei grimmig auszusehen. „Aber wo immer wir sind, das haben wir dir zu verdanken."

„Bist du betrunken, oder warum schaukelst du so hin und her?", fragte Spike hinterlistig, ihren Vorwurf komplett ignorierend.

„Betrunken? Schön wäre es. Schau dich mal um du Blödmann."

Genau das tat er dann, lange und ausgiebig. Allerdings konnte er nicht gerade behaupten, dass ihm gefiel, was er sah. Sie steckten in einer Art Blase. In einem weißgrau schimmernden, wabernden Irgendwas.

Mühsam stand der Vampir auf, schritt auf wackeligen Beinen zur nächsten Wand und drückte mit der flachen Hand dagegen. Es fühlte sich warm an. Weich, auf merkwürdige Art flauschig und doch undurchdringlich.

„Scheint nicht so, als könnte man die Außenhaut einfach aufbrechen", murmelte er leise vor sich hin, blickte dann auf seine Füße und zuckte mit den Schultern. ‚Ein Versuch ist es wert’, überlegte er sich und sprang mit Kraft ab.

Sekundenbruchteile später hüpften er und Buffy wie durchgeknallte Flummis durch die Blase, prallten an die flauschigen Wände und wurden wieder zurückgeschleudert. Die Jägerin meckerte und motzte ununterbrochen und versuchte jedes Mal, wenn sie an ihm vorbeisegelte, ihm einen Schlag zu verpassen.

Erst hatte Spike es ja ganz lustig gefunden durch die Blase gewirbelt zu werden, so langsam allerdings reichte es ihm. Die Kraft ihres Schwungs nahm nicht ab, sonder schien sich bei jedem Aufprall noch zu erhöhen. Der Vampir rotierte mittlerweile wild um sich selbst und versuchte krampfhaft eine Stelle in der Haut der weichen Kugel zu finden, in die er sich festkrallen konnte.

„Mir ist schlecht", hörte er Buffy mit krächzender Stimme sagen und blickte ihr ins Gesicht, als sie das nächste Mal an ihm vorbei geschleudert wurde.

Ihr Gesicht war grün, giftgrün. Beherzt griff Spike zu und riss sie an sich.

 

                                                          ***********************

 

„Was machen die Beiden bloß darin?", fragte Xander entgeistert und zeigte auf die wabernde Kugel, die etwa eineinhalb Meter über dem Friedhof schwebte.

„Also, bei den Bewegungen würde ich sagen, sie haben Se…"

„Anya", unterbrachen Willow, Tara und Xander die Ex-Dämonin gleichzeitig.

„Das machen sie mit Sicherheit nicht", stellte die Rothaarige klar.

„Was machen wir den jetzt?", meinte Dawn besorgt, ohne die hüpfende Blase auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Willow fühlte, das die Augen der Anderen auf sie gerichtet waren und sie sackte in sich zusammen. „Ich weiß es auch nicht. Aber wir werden einen Weg finden, sie da raus zu holen. Ganz bestimmt!"

 

                                                          ************************

 

Buffy krallte sich an Spikes Rücken fest und bemerkte erleichtert, das sie langsam aufhörten um sich zu rotieren und sachte auf den Boden der Blase zu schwebten. Scheinbar hatte die Schwerkraft die Überhand gewonnen und die Jägerin legte sich erleichtert flach auf den Rücken, um sofort wieder aufzuspringen.

„Ich dachte, dir wäre schlecht. Warum setzt du dich nicht einen Moment hin und lässt deinem Magen die Zeit, sich zu beruhigen?", fragte Spike und blickte die Jägerin neugierig an.

„Falls du es noch nicht bemerkt hast, der Boden schwankt. Da wird mir noch mehr schlecht. So kann ich das Gewackel zumindest ein wenig mit den Beinen ausgleichen." Buffy atmete tief ein und aus und ganz langsam normalisierte sich ihre Gesichtsfarbe wieder.

„Ein Bett, das sich den Bewegungen anpasst, wäre jetzt nicht schlecht", überlegte Spike laut und staunte nicht schlecht, als direkt neben ihm ein Wasserbett auftauchte.

„Was ist das hier?", zischte der Blonde und stand auf. „ Die wabbelnde Horrorkugel der Wünsche, oder was?", fragte er Buffy und setzte sich vorsichtig auf eine Kante des Bettes.

„Keine Ahnung. Mir auch egal. Wackelt es auf dem Bett auch so?"

„Nein. Alles ruhig hier", erklärte Spike schulterzuckend und legte sich lang auf das Bett. „So kann man es aushalten. Jetzt fehlt nur noch eine halbnackte, willige Blondine mit wirklich großen … Wow!" Überrascht grinste er lüstern das weibliche Wesen an, das jetzt auf seinen Oberschenkeln saß und ihn aufreizend anlächelte.

„Verdammt, Spike! Kannst du vielleicht einmal an was anders denken?", fauchte Buffy wütend und riss das weibliche Wesen von ihm runter. „Ich wünschte wirklich, du würdest einmal dein Gehirn für was Nützliches gebrauchen."

Spike setzte sich auf, rezitierte irgendwelche mathematischen Formeln und die Jägerin starrte ihn sprachlos an. Die Blondine hatte sich in Luft aufgelöst und dafür hatte sich der Vampir in einen Professor verwandelt. Er sprach ununterbrochen und Buffy verstand kaum ein Wort von dem, was er von sich gab. ‚Ich wünschte, er wäre wieder normal’, überlegte sie schnell und wartete gespannt auf die Reaktion auf ihren Wunsch.

„Du gönnst einem auch nicht den kleinsten Spaß", meckerte Spike beleidigt und Buffy atmete erleichtert auf.

Hm, scheinbar erfüllt dieses Ding wirklich Wünsche’, überlegte die Jägerin, ohne auch nur einen weiteren Gedanken an den enttäuscht wirkenden Vampir zu verschwenden. ‚Vielleicht reicht es, wenn wir uns einfach heraus wünschen.’

Aber dieses Mal hatte sie kein Glück. Die Kugel öffnete sich nicht. Verschwand auch nicht plötzlich, wie sie es gedanklich vorgestellt hatte sondern es tat sich gar nichts.

„Darf ich mir jetzt meine Blondine zurückwünschen?", murrte der Vampir und blickte Buffy mies gelaunt an.

Buffy hatte keine Lust mehr, sie war genervt, noch bedeutend mehr als das. Sie blickte den Blonden finster an und überlegte, was sie sich Schönes für ihn wünschen könnte. Ihr Lächeln wurde fies und sie kniff die Augen zusammen.

„Verfluchte Scheiße! Was soll der Mist?", schrie Spike aufgebracht und versuchte die Menge an Haaren zu bändigen, die plötzlich auf seinem Kopf wuchs.

„Du wolltest doch einen Blondine", erwiderte Buffy fies. „Jetzt bist du selber eine!"

Sie konnte sein Gesicht unter all den Haaren nicht mehr erkennen und wünschte ihm noch viele bunte Perlen und kleine Schmetterlinge, die die Haarpracht zieren sollten. Das Ergebnis ließ sie laut auflachen und sie wäre auf dem wackeligen Boden beinahe gestürzt.

„Ha ha. Das findest du also witzig", fauchte Spike böse, kniff die Augen zusammen und betrachtete wohlwollend die riesige Warze, die jetzt auf Buffys Nase wuchs.

„Das kann ich besser", schrie Jägerin außer sich, nachdem sie das Gewächs auf ihrem Nasenrücken begutachtet hatte.

Schlagartig war es stockdunkel. Spike konnte die Hand nicht vor Augen sehen und tastete vorsichtig, um herauszufinden wo er sich befand. Es dauerte einen Augenblick, dann wusste er es. Er lag in einem Sarg und er fauchte laut. „Das wirst du mir büßen!"

„Du bist genau da, wo du hin gehörst", hörte er die gedämpfte Stimme der Jägerin. „Da solltest du auch einfach bleiben."

„Na? Wie fühlt man sich als Ziege?", fragte Spike hämisch, nachdem er sich aus dem Sarg befreit hatte.

Ein lautes Määäh war die einzige Antwort die er bekam, bevor er sich selbst in eine Fledermaus verwandelte.

„Freiheit für die Kürbisse", schrie Buffy aufgebracht, nachdem sie sich zurückverwandelt hatte und die kleine schwarze Fledermaus mit kleinen Zierkürbissen bewarf, die immer wieder neu in ihrer Hand erschienen.

„Verfluchter Mist!", brüllte Spike nachdem er wieder er selbst war und eines der kleinen Ziergewächse mitten ins Gesicht bekommen hatte. „Das hat verflucht weh getan", zischte er und überließ seinem Dämon die Überhand.

„Mal sehen wie dir das gefällt", fauchte er und sah fies lachend dabei zu, wie die Jägerin in einem riesigen Haufen feuchter, glitschiger Regenwürmer verschwand.

 

                                                        *********************

 

„Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, wir sollten uns beeilen und die Beiden daraus holen", meinte Dawn laut und schaute Willow ernst an, die erschöpft an einem großen Grabstein lehnte.

„Ich weiß ja, Dawn. Aber mir fällt wirklich nichts mehr ein. Ich habe alles versucht was ich konnte", erklärte Willow niedergeschlagen und ließ von Tara trösten, die die ganze Zeit neben ihr gestanden hatte und ihr nun sanft über die Wange strich.

„Wir finden einen Weg", flüsterte Tara leise und umarmte die enttäuschte rothaarige Hexe. „Wie haben bisher alles geschafft, dann schaffen wir auch das."

„Okay", versuchte Xander rational zu denken. „Wie haben, denke ich zumindest, alle magischen Möglichkeiten ausprobiert. Was bleibt uns sonst noch?"

„Ich kann die da nicht helfen", meinte Anya teilnahmslos wie immer. „So was wie das da, hab ich in meinem Leben noch nicht gesehen", sagte sie und zeigte auf die weißgraue wabernde Masse.

Dawn beobachte die Anderen eine Zeit lang und hatte dann genug von der schier endlosen Diskussion. Sie öffnete ihre Umhängetasche und kramte darin herum. ‚Das ist eine blöde Blase. Wollen wir mal sehen, was passiert wenn man ein Loch in sie piekst.’

„Dawn, was machst du da?", fragte Xander alarmiert und rannte auf sie zu.

„Ich beende das jetzt", schrie Dawn und rammte ihre Nagelfeile mit Kraft in die wabbelige Außenwand der Blase.

Ein Ohren betäubender Knall hallte über den Friedhof, ließ die Anwesenden zusammenzucken und sich die Ohren zuhalten. Die Blase explodierte und Willow und die anderen starrten verwirrt auf das, was aus dem immer größer werdenden Loch der schwebenden Kugel fiel.

Jede Menge Kürbisse, tausende von Regenwürmern, Spinnen, Eidechsen, Millionen von Maden und Kakerlaken, ein großes Wasserbett, rostige Ketten, falsche Augäpfel, Plüschhandschellen und zum Schluss Spike und Buffy, die grässlich entstellt und mit Furunkeln und Eiterbeulen übersät waren.

„Gott sei Dank, flüsterte die Jägerin erleichtert und sah dabei zu, wie sich alle Sachen aus der Blase langsam in Luft auflösten. Auch ihre Pickel und Warzen bildeten sich zurück und sie seufzte erleichtert auf.

„Um Himmels Willen! Was ist denn mit Euch passiert?", fragte Willow aufgeregt, half ihrer Freundin beim Aufstehen und sah dabei zu, wie die Überreste der schwebenden Kugel verschwanden.

„Glaub mir, das willst du nicht wissen", zischte Spike giftig, erhob sich und klopfte den Dreck von seinem Mantel. Er warf der Jägerin noch einen vernichtenden Blick zu, lief dann auf seinen Alkoholvorrat zu und hob ihn auf.

„Ich hasse Halloween", schrie er aus Leibeskräften und schlug die Tür seiner Gruft hinter sich mit einem lauten Knall zu.