
Welcome to the Horrorshow
Halloween! Sollte er dieses lausige Fest hassen oder einfach nur nicht beachten? Nicht gerade schlüssig über seine eigene Meinung runzelte er die Stirn. In den guten alten Zeiten hatte er das Fest der Toten allenfalls als langweilig empfunden und sich wie alle anderen echten Dämonen zurückgehalten und das verrückte Treiben aus sicherer Entfernung beobachtet. Allenfalls hatte er über die komischen, so sinnlosen Versuche der Menschen gelacht, sich mit den Verstorbenen auszusöhnen oder wie einige Wenige es versuchten, die Geister der Verstorbenen von ihren Häusern fernzuhalten.
Soweit er sich erinnerte, war der ganze Quatsch nur darauf zurückzuführen,
dass der Sommer sich verabschiedete und den dunklen Jahreszeiten Platz machte.
Gut, der Brauch, oder die Urform des Brauches, war uralt und die damaligen
Menschen hatten Geister weitaus mehr gefürchtet, als es heute der Fall war. Aber
rechtfertigte dass das Spektakel, dass nun aufgeführt wurde?
Überall leuchteten diese bescheuerten Kürbisköpfe in der Dunkelheit und kaum ein
Haus war nicht mit irgendwelchen Lichterketten geschmückt, die in einem satten
Orange in die Nacht strahlten. Hinzu kam natürlich die Dekoration mit all dem,
was Menschen gewöhnlich als eklig betrachteten. Dazu gehörten Fledermäuse,
Spinnen, Glubschaugen, Schleim und so manches Skelett baumelte im Wind. Es war
beinahe erschreckend lächerlich und so manches Mal wünschte er sich, er könnte
diesen primitiven Erdenbürgern einmal den wahren Horror näher bringen.
Aber dank der neuartigen Technik in seinem Kopf, war es mit seinem Unleben als wahrer Dämon nicht mehr weit her. Er war zahm geworden. Wie ein Schoßhund, dem man die Zähne herausoperiert hatte. Alles, was er noch konnte, war Menschen mit seiner grauenerregenden Maske fast zu Tode zu erschrecken. Der kümmerliche Rest von seinem einst so glanzvollen Leben.
Spike seufzte, drehte sich in seinem Sessel und starrte wieder auf die Mattscheibe seines Fernsehers. Er hatte sich entschieden, er hasste Halloween und damit Schluss. Dieses dämliche Spektakel war keinen weiteren Gedanken wert.
Aber war die Werbung, die gerade auf dem Schirm vorbeiflimmerte, besser? Es erinnerte ihn nur wieder an ein Leben, dass er nicht mehr führen konnte. Obwohl, die schwarze Corvette mit den roten Ledersitzen hatte schon was. Offensichtlich ein Aufreißerauto, aber das war nicht immer das Schlechteste. Vor allem, um ahnungslose Frauen anzulocken.
„Scheiße", murmelte er, als er durch die Kanäle zappte und kein vernünftiges Programm finden konnte. Diese dämliche Ratesendung war bestimmt nicht das, was er sehen wollte. Wer zum Teufel war denn schon Robert Lembke und was für einen bescheuerten Spruch hatte er geprägt?
Doch etwas neugierig geworden wartete er gespannt auf die Antwort. „Super", knurrte er wenige Sekunden später. „Also ein dämlicher deutscher Showmaster, der schon lange das Zeitliche gesegnet hat. Und der Spruch ist auch Scheiße! Geliebt zu werden kann eine Strafe sein. Nicht zu wissen, ob man geliebt wird, ist Folter. Hah! Der Mann hatte echt keine Ahnung, worüber er da sprach! Idiot!"
Genervt sprang er auf, stellte den Fernseher aus und griff nach seinem
Mantel. Halloween hin oder her, er würde jetzt rausgehen und sich sein
Abendessen besorgen. Somit hatte er jedenfalls etwas zu tun und vielleicht würde
ihm auf dem Weg in das Kühlhaus der Metzgerei ja noch etwas Interessantes über
den Weg laufen. Am Besten irgendein dämlicher Dämon, an dem er endlich mal
wieder seine ganze aufgestaute Wut ablassen konnte.
Ein starker Wind blies ihm ins Gesicht, als er über den Gottesacker marschierte
und das schmiedeeiserne Tor anstrebte, dass ihn hinaus in die Welt der Menschen
führen würde. Spike schaute hinauf in den Nachthimmel, wo sich grünschwarze
Wolken zu wahren Gebirgen auftürmten und er grinste hinterlistig. Ein Sturm zog
auf und würde dafür sorgen, dass sich diese abscheulichen Menschen zeitig in
ihren Häusern verkriechen würden, und so den echten Monstern wieder die Stadt
überließen.
Bunte Blätter wirbelten über die Straße, führten einen wirren Tanz auf und flogen im nächsten Moment in hohem Bogen durch die Luft. Doch der Vampir achtete gar nicht auf das Schauspiel der Natur. Eine kleine Person, die nur wenige Meter vor ihm herging, weckte seine Aufmerksamkeit.
„An was erinnert mich das?", überlegte er mit gerunzelter Stirn und schlich
hinter dem kleinen Mann her, dessen Statur wenig Ähnlichkeit mit der eines
Menschen hatte. Der Fremde ging ihm kaum bis zur Brust und ein breites Grinsen
zierte sein Gesicht, als die Erinnerung zurückkehrte. „Hey, Rowan", rief er und
der kleine Kerl drehte sich erschrocken um. „Lange nicht gesehen!"
Das Gesicht des Fremden hellte sich auf. „Spike. Ach du meine Güte! Wie lange
ist es her, dass wir uns gesehen haben? Achtzig Jahre? Nein, es müssen noch mehr
sein." Er grinste über das ganze Gesicht und seine lange Nase wackelte im Wind.
„Auch egal", lachte Spike. Er hatte den kleinen Dämon eingeholt und klatschte
ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „Immer noch im gleichen
Gewerbe?"
„Allerdings", nickte Rowan. „Es ist äußerst einträglich, wenn du verstehst, was
ich meine."
„Aber sicher", nickte Spike feixend, doch dann schoss ihm ein teuflischer Plan
durch den Kopf und er sah seinen alten Freund aufmerksam an. „Hör mal", meinte
er hinterlistig grinsend. „Ich könnte deine Hilfe brauchen. Mir geht die hiesige
Jägerin dermaßen auf den Sender und wir…" Er beugte sich herab und flüsterte dem
Dämon etwas ins Ohr.
„Ich werde alles vorbereiten", nickte Rowan wichtig, dann lachte er und klopfte auf seine Schenkel. „Das wird bestimmt ein Höllenspaß."
*~*~*
„Das ist jetzt nicht dein Ernst!" Buffy seufzte innerlich. Es war Halloween, verdammt. Musste Spike ausgerechnet an diesem Abend mit seiner Schauergeschichte kommen? Es war schon peinlich genug, dass er sie überhaupt in ihrem Kostüm zu sehen bekam, und der aufkommende Sturm, der dauernd ihr knappes Röckchen hochriss, machte es nicht gerade besser.
„Vergiss es", knurrte Spike. Er hatte sie aus dem Bronze gezogen und ihr sein frei erfundenes Märchen über unmenschliche Schreie und verschwundene Menschen erzählt. „Mir ist das doch scheißegal! Sollen die Menschen in dieser beschissenen Stadt doch einer nach dem anderen krepieren. Geh und feiere deine bescheuerte Party!" Gespielt beleidigt drehte er sich herum und ging, immer davon überzeugt, dass sie ihn zurückhalten würde. Lange warten brauchte er auch nicht, sie rief seinen Namen und er wirbelte böse herum. „Was?", schnauzte er, doch er war hochzufrieden. Immerhin funktionierte sein Plan bisher völlig reibungslos.
„Bring mich hin", forderte sie ihn genervt auf. „Wahrscheinlich ist es ein falscher Alarm… aber sicher ist sicher."
„So?", lachte er und deute auf ihr altes Rotkäppchenkostüm. „Muss ich mich
jetzt als böser Wolf verkleiden?"
„Sehr witzig", knurrte die Jägerin und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ha!
Ha! Lange nicht mehr so gelacht! Falls du es vergessen hast… es ist Halloween
und ich war auf einer Kostümparty. Jedenfalls solange, bis du aufgetaucht bist
und mir den Abend versaut hast."
„Du hast nicht mal eine Waffe", blaffte er sie bösartig an. Immerhin musste er seine Rolle überzeugend spielen.
„Tja", erwiderte sie griesgrämig und öffnete ihr Cape. „Wofür so eine dämliche Verkleidung alles gut sein kann." Im Futter des Umhangs waren Schlaufen eingearbeitet und sie hatte Pflöcke, ein großes Messer und sogar eine kleine Armbrust darin untergebracht.
„Nicht schlecht", gab Spike zu und strich die Haare zurück, die der stürmische Wind zu Berge stehen ließ. „Trotzdem siehst du bescheuert aus in dem Ding."
Buffy verkniff sich jede biestige Erwiderung und funkelte ihn nur böse an. „Also, bringst du mich jetzt da hin, oder nicht?"
*~*~*
„Ganz toll", schnaufte die Jägerin wenige Minuten später und starrte auf das Haus, das bis gestern noch nicht da gestanden hatte. „Was ist das?"
„Ein Haus", grinste Spike und fing sich dafür einen Schlag in die Magengrube ein. „Was denn?", motzte er und hielt sich den Bauch. „Es ist ein Haus! Ein halb vergammeltes, aber ein Haus!"
„Das sehe ich selber", motzte Buffy und beachtete ihn nicht weiter. Das Holzhaus forderte ihre Aufmerksamkeit und sie sah auf die fast verfallene Fassade, die zum Teil zerstörten Fenster und das riesige Loch im Dach. „Tja", murmelte sie. „Ein Horrorhaus. Wie gemacht für Halloween." Sie seufzte. Das Haus selbst machte ihr wenig Angst. Viel schlimmer waren die Laute, die hinausdrangen und ihr in Mark und Bein gingen. Klar definieren konnte sie sie nicht. Es waren menschliche Stimmen, Tierlaute und eine Art schaurige Sirene, die ihre Ohren klingeln ließen. Alles zusammen war es ein schier unmenschliches Kreischen, dass einem die Fußnägel hoch rollen ließ.
„Gehen wir jetzt rein oder schlagen wir Wurzeln?" Spike versuchte sich eine Zigarette anzuzünden, doch der Sturm machte dieses Unterfangen fast unmöglich, und erst, als er seinen Mantel zur Hilfe nahm, funktionierte es.
„Und du bist dir sicher, dass Menschen in dem Haus verschwunden sind?", versicherte sich die Jägerin noch einmal und sah ihn aufmerksam an. Irgendwie traute sie dem Braten nicht. Spike benahm sich merkwürdig. Nun, jedenfalls für seine schon recht seltsamen Verhältnisse.
„Wären wir sonst hier?" Der Vampir blies gelassen den Rauch in die Luft und lehnte sich an den vergammelten Gartenzaun. „Okay", murmelte er. „Von mir aus können wir auch Löcher in die Luft starren. Aber beschwer dich hinterher nicht bei mir, wenn einer von deinen ach so geliebten Menschen zu Schaden kommt!"
*~*~*
Fünf Minuten später stieß Buffy die modernde Tür auf und blickte hinab in das Untergeschoss, das sich direkt vor ihren Füßen auftat. „Wer zum Teufel baut ein Haus so, dass man von der Haustür gleich hinab in den Keller muss?" Eine steile, glitschig aussehende Treppe führte hinab in die Dunkelheit und ein Lichtschalter war natürlich nicht zu finden.
„Das ist kein normales Haus. Ist doch ziemlich klar, oder?" Spike versuchte sie zur Seite zu drängeln, doch Buffy schubste ihn zurück. „Ich gehe zuerst", murrte sie und er grinste innerlich. Wieder hatte sie genauso reagiert, wie er geplant hatte. Er schnipste seine Zigarette in den vergammelten Vorgarten und hob abwehrend die Hände. „Dann los."
Buffy hatte kaum einen Schritt gemacht, da verwandelte sich die Treppe unter enormen Krach in eine schleimige Rutschbahn. Sie fiel auf den Rücken, rutschte hinab und landete in einem Meer von klebrigen, ekligen Nacktschnecken, die sofort auf jedem bloßen Körperteil saßen.
„Alles okay?", rief Spike und hatte alle Mühe, sein Lachen zu verbergen.
„Halt bloß die Klappe", schnauzte Buffy von unten und richtete sich mühsam wieder auf. Sie war über und über mit grünem, stinkendem Glibber bedeckt und eine der Nacktschnecken hatte sich in ihrem Ausschnitt verfangen. „Ist das eklig", murrte sie und versuchte zumindest den größten Dreck abzuwischen.
„Ich komm runter", sagte Spike und hangelte sich am Geländer vorsichtig hinab. „Wow", murmelte er und ließ sein Feuerzeug aufflammen. „Du siehst verdammt…"
„Sag nichts", grummelte sie ihn unterbrechend. „Ich will es nicht hören!" Sie deutete auf die Tür und zeigte mit dem Daumen darauf. „Diesmal gehst du vor."
Unbekümmert zuckte er mit den Schultern, watete durch das Meer von schleimigen Schnecken und gab der Tür einen Tritt, sodass sie weit aufschwang und den Blick in eine absolute Finsternis freimachte. „Das wird bestimmt interessant", murmelte er und verschwand in der Dunkelheit.
Buffy seufzte laut, folgte ihm langsam und wurde sofort von den Füßen gerissen. „Mist!", fluchte sie und drückte mit aller Kraft das mit Fell bedeckte Etwas von sich, dass sie angegriffen hatte. Sie hörte ein bösartiges Knurren, dann eine dunkle grollende Stimme, die ihr androhte, sie zu töten und sie angelte nach dem Dolch, den sie im Umhang mitgebracht hatte.
„Was ist denn los?", fragte Spike und er klang meilenweit entfernt.
„Irgendwas ist hier", erwiderte Buffy hektisch und versuchte ihren Gegner auszumachen. Doch erst als Spike sein Feuerzeug aufflammen ließ, konnte sie etwas sehen. Ein löwenartiges Wesen mit Flügeln und fast menschlichem Gesicht lauerte nur wenige Zentimeter entfernt und die Jägerin schnappte nach Luft, als es sein Maul weit aufriss und eine Reihe gefährlicher Reißzähne offenbarte. „Ein Mantikor! Scheiße! Das gibt es doch gar nicht!" Aber da kam das mystische Wesen auch schon auf sie zu und sie riss den Dolch nach oben.
„Wo bist du?" Spike gab sein Bestes, um seine Stimme nervös und angestrengt klingen zu lassen, doch am liebsten hätte er laut gelacht. Es lief schon beinahe zu perfekt und er fragte sich, ob es noch besser werden konnte. Er hörte Buffy kämpfen, steckte jedoch in aller Ruhe sein Feuerzeug wieder ein, und wartete einen Moment, bis er sich ihr näherte. „Buffy? Wo bist du?"
„Hier", schnaufte sie und rammte dem Mantikor das Messer in den Bauch. Jedenfalls glaubte sie, dass sie den Unterleib des Wesens getroffen hatte, denn sehen konnte sie so gut wie nichts.
Der Vampir zog wieder sein Feuerzeug hervor und der kleine Lichtschein der
Flamme erschien prompt. „Oh Mann, Slayer", murmelte er und schüttelte den Kopf.
„Musst du immer so übertreiben?", erkundigte er sich und beleuchtete den
verdrecken Fußboden.
Buffy kämpfte sich mühsam auf die Füße und riss die Augen auf. „Das kann nicht…
kann nicht sein. Es war lebendig und viel… viel größer. Es hat geknurrt und mich
gekratzt… hier guck", forderte sie ihn auf und streckte ihm ihren Arm entgegen,
auf dem nichts weiter als Schmutz zu sehen war.
„Schon klar", murmelte er und es wurde immer schwerer, nicht laut loszulachen. „Du hast einen Teddy massakriert. Gib es doch einfach zu!" Er gab dem Stoffding einen Tritt und das Messer fiel klappernd zu Boden.
„Nein. Eben hat es gelebt und mich angegriffen", erwiderte die Jägerin und seufzte dann leise. Sie beugte sich über den Stofflöwen und drehte ihn um. Sie konnte es nicht fassen. Sie hatte wirklich und wahrhaftig mit einem Spielzeug gekämpft. „Irgendwas stimmt hier nicht", murmelte sie.
„Du hast nicht zufällig zu tief ins Glas geschaut?", fragte Spike hinterlistig. Doch Buffy antwortete nicht. Ein widerlich, angsterfüllter Schrei gellte durch das Haus und sie richtete sich auf.
„Wir müssen weiter", sagte sie, doch wirklich abgeschlossen hatte sie mit der Sache noch nicht. Sie wusste, was sie gesehen und gefühlt hatte. Und das war definitiv kein Spielzeug gewesen. Sie hatte den heißen Atem des Mantikors auf ihrer Haut gespürt und auch den moschusartigen Geruch seines Körpers wahrgenommen. Sie schüttelte sich und lief hinter Spike auf her, der mit seinem Sturmfeuerzeug in der Hand auf die nächste Tür ansteuerte.
„Du oder ich?", fragte er, doch da sie nur abwinkte, öffnete er sie einfach. „Jedenfalls ist es hier nicht dunkel wie in einem Bärenarsch", murmelte er und schob sich durch den schmalen Spalt.
Dunkel war es wirklich nicht, wie Buffy feststellte, aber die Helligkeit war nicht viel besser. Der nächste Raum war eine einzige, riesige und stinkende Schlammgrube, nur von einem schmalen Holzsteg überzogen, der nicht gerade vertrauenerweckend aussah. „Ganz toll", grummelte sie und war sich nicht sicher, was sie machen sollte. Sollte der Vampir vorgehen, oder doch sie? Er war viel schwerer und wenn das Holz brach, dann wohl eher unter seinem Gewicht. „Ich gehe", bestimmte sie und machte einen vorsichtigen Schritt auf den schmalen Holzpfad. Herausfordernd wippte sie darauf, doch das Holz hielt und so ging sie langsam weiter.
„Soll ich warten, bis du drüben bist?", fragte Spike lauernd. „Oder soll ich gleich hinterher gehen?"
„Warte", sagte Buffy. „Zusammen sind wir zweifellos zu schwer." Doch kaum hatte sie den Satz ausgesprochen, knackte es unter ihren Füßen und der Steg gab nach. Sie versuchte sich durch einen waghalsigen Sprung zu retten, doch der endete mitten in der Grube und sie versank bis zur Brust im Dreckwasser.
„Nicht gerade dein Tag", stellte Spike fest und balancierte auf den Überresten der schmalen Brücke auf sie zu. Er sprang leichtfüßig über den Riss, reichte ihr die Hand und zog die fluchende Jägerin aus der Brühe. „Wow. Jetzt bist du nicht mehr Rot-… sondern Dreckkäppchen." Er lachte fies und duckte sich unter einem Schwinger weg. „Hey! Ist doch nicht meine Schuld", schimpfte er, auch wenn das natürlich gelogen war.
*~*~*
Die Jägerin war angenervt. Zusammen mit Spike hatte sie sich durch den Rest des Kellers gekämpft und was immer auch Ekliges passiert war, es hatte jedes Mal nur sie getroffen. Es war definitiv klar, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen konnte, und der Vampir benahm sich sehr verdächtig. Ihrer Meinung nach war er zu gelassen und vor allem hielt er sich mit Lachen sehr zurück. Und das, obwohl er sonst jede Gelegenheit nutzte, um sich über sie zu amüsieren.
Buffy schüttelte sich. Ihr war kalt, sie war nass und über und über mit ekligem Zeug überzogen. Handtellergroße Taranteln waren über sie gekrabbelt, ein Raum war voller Ratten gewesen, ein anderer voll mit Kakerlaken und sonstigem Gewürm und wie nicht anders zu erwarten war, hatte sie noch so einige Ladungen an Matsch, stinkendem Schleim und Glibber abbekommen. Ihre Laune war weit unter dem Gefrierpunkt angekommen und sie betrachtete de Vampir mit giftigen Blicken.
„Gehen wir weiter?", fragte er auch prompt und äußerst gut gelaunt.
„Uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben", knurrte sie durch ihre zusammengepressten Lippen.
*~*~*
Der nächste Raum entpuppte sich als kreisrund und türlos. Es gab nur einen Weg hinaus, nämlich nach oben. Noch einmal durch die schrecklichen Räume konnte und wollte sie nicht und außerdem hatte sich der Steg über der Schlammgrube komplett verabschiedet. Freiwillig würde sie ganz bestimmt nicht erneut durch diese modrige Masse waten.
Sie stank wie die Hölle, überall klebte Dreck an ihr und ihre Stiefel quietschten bei jedem Schritt. „Also los", grummelte sie schlecht gelaunt und sah sich die grobbehauenen Steine einmal genauer an. Es waren große Lücken zwischen den einzelnen Steinen und es sollte kein Problem darstellen, hinaufzukommen. „Du zuerst", sagte sie, klatschte Spike ihre schmutzige Hand auf die Schulter und schob ihn vor. „Was immer auch diesmal kommt. Dich trifft es zuerst."
Behände kletterte der Vampir die feuchte Wand hinauf und verschwand in einem
Loch, das offensichtlich in einen weiteren Raum im oberen Stockwerk führte.
Sekunden später tauchte sein Kopf in der Öffnung auf und er grinste sie hämisch
an. „Alles klar. Komm hoch."
Buffy seufzte, grummelte leise und folgte ihm. Sie war kaum zwei Meter weit
gekommen, da krabbelten auch schon wieder Maden, schleimige Käfer, Würmer und
anderes Getier über sie. Das Viehzeug kam aus den Ritzen in den Wänden und
bedeckte ruckzuck die Hälfte ihres Körpers. „Okay! Das reicht!" Blitzschnell
kletterte sie die Wand hinauf, stürmte über den auf dem Bauch liegenden Vampir
und zog ihn an den Füßen aus dem Loch. Ehe er sich versah hatte sie ihn an die
Wand geschleudert, zu einem Tritt ausgeholt, der ihn auf den Rücken beförderte
und sich auf ihn gekniet. „Du sagst mir jetzt sofort, was hier vorgeht!",
schnauzte sie ihn an und platzierte einen Pflock über seinem Herzen. „Was für
ein Scheißspiel ist das? Ich sehe aus wie…! Und du hast nicht mal Schlamm an
deinen Stiefel!" Ihre Faust wanderte in sein Gesicht und sie knurrte ihn an.
„Raus mit der Sprache!"
Er lachte hämisch und versuchte sich zu befreien. „Es ist ein Spiel", grinste
er sie herausfordernd an. „Ein nettes Spiel. Zumindest für mich. Es ist
herrlich, dich so zu sehen!"
„Spaß! Für dich ist das also Spaß!" Wieder schlug sie ihm ins Gesicht, dann riss
sie ihn auf die Füße und drückte den Pflock in sein Fleisch. „Ein kleines
Stückchen mehr, dann habe ich Spaß! Das bisschen Staub kann mich heute nicht
mehr schocken. Also! Beendest du das Ganze jetzt? Oder soll ich?"
„Also gut", gab er sich geschlagen und richtete seine Klamotten, kaum dass sie von ihm abgelassen hatte. „Rowan!", rief er und der kleine Dämon erschien prompt.
Er kam aus einer verborgenen Tür in der Wand und grinste über das ganze Gesicht. „Ich bringe sie schnell weg!", murmelte er und ehe sich Buffy versah, hatte der Gnom ihre Hand genommen und ihre Umgebung verschwamm vor ihren Augen.
Das nächste, was sie wahrnahm, war die Terrasse ihres Zuhauses und der kleine Mann stand in sicherer Entfernung und grinste sie hinterlistig an. „Es war mir eine Ehre", sagte er, verbeugte sich und verschwand.
„Was zum….", murmelte die Jägerin und sah an sich herab. Sie war sauber, kein Makel, kein Fleck war an oder auf ihrer Kleidung und sie kniff die Augen zusammen. Spike hatte sich also einen Spaß erlaubt. Oder das, was er für Spaß hielt. Aber das konnte sie auch. Sie würde sich schon etwas einfallen lassen, um sich dafür zu rächen! So einfach würde er nicht davonkommen, aber dafür brauchte sie einen Plan. Mit grimmigem Gesichtsausdruck stürmte sie ins Haus, begrüßte ihre Mutter mit einer Handbewegung und lief hinauf in ihr Zimmer. Auch wenn jetzt kein Dreck mehr an ihr klebte, sie fühlte sich schmutzig und brauchte dringend eine Dusche. Und dann… dann würde sie sich einen guten Plan überlegen, um dem Vampir so richtig einen auszuwischen! Etwas richtig Fieses!
*~*~*
Spike hingegen saß in aller Seelenruhe in Rowans Küche und trank einen Kräutertee, den der kleine Dämon mit einer Menge Whiskey versetzt hatte.
„Das war lustig", meinte der kleine Kerl und grinste Spike an. „Aber sie ist
verdammt stark. Ich habe Ekel gefühlt, absoluten Widerwillen, aber keine Angst."
Er nickte wohlgefällig. „Absolut keine Angst. Eine starke Jägerin."
„So was muss sie abkönnen", stellte er fest. „Sonst wäre sie in ihrem Job
verkehrt", lachte Spike. „Aber es war schon lustig. Vor allem ihr Gesicht, als
sie den Stoffteddy erkannt hat." Er beugte sich über den Tisch und klopfte Rowan
auf die Schulter. „Du bist viel besser geworden in all den Jahren. Der Mantikor
sah verdammt echt aus. Und die Schlammgrube… einfach klasse!"
„Man tut, was man kann", grinste Rowan. „Jemand der sich von Angst ernährt, muss
sich in den heutigen Zeiten was einfallen lassen. Die meisten Menschen sind
abgestumpft, was das angeht. Sie lassen sich nicht mehr so leicht erschrecken."
„Mag sein", murmelte der Vampir und lehnte sich zurück. „Aber das Echo wird
heftig", sagte er und ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht. „Buffy
wird das nicht einfach so vergessen. Ich denke, ich kann mich auch Einiges
gefasst machen."
„Wird sie dich töten?", fragte Rowan leise.
Spike lachte. „Eher nicht. Aber ich kann dafür garantieren, dass ich in der
nächsten Zeit nicht eine Sekunde ruhig schlafen kann. Mal sehen. Es wird
bestimmt spaßig."
„Du nimmst das ziemlich locker", meinte der kleine Dämon, pustete in seine Tasse
und trank dann einen kräftigen Schluck. „Immerhin bist du ein Vampir und sie ist
die Jägerin."
„Stimmt", grinste er. „Aber wir spielen unsere Spielchen schon etwas länger. Sie wird mich nicht einfach in Staub verwandeln, dazu ist sie viel zu clever." Er zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch in die Luft. „Aber egal, was nun auch passiert… es war den Spaß wert! Ich werde den Ekel in ihrem Blick nie vergessen und es tat gut, sie einmal so in der Scheiße stecken zu sehen." Er lachte, nahm die Flasche Whiskey vom Tisch und füllte seine Tasse wieder auf. „Das erste Halloween, das mir einigermaßen gut gefallen hat!" Er zwinkerte seinem Gegenüber zu und hob die Tasse. „Prost!"