Original
Titel: Watcher of the skies
Autor: Silentthunder
Inhalt: Ein kleiner Engel, der langsam aber sicher wächst
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Damael/ Iofiel
 

 

Watcher of the Skies

 

Die Nacht war bitterkalt, Schnee lag in der Luft und die ersten dicken Wolken kündigten sich an. Iofiel saß am Rand einer dieser Wolken und starrte ins Leere. Seine Gedanken überschlugen sich beinahe und er seufzte schwer.

Damael sah seinen jüngeren Kollegen an und runzelte die Stirn. Was mochte in seinem Kopf vorgehen? Neugierig geworden, kam er näher, setzte sich schließlich neben den kleinen Engel und legte ihm eine Hand auf die Schulter.

„Was bedrückt dich so?", fragte er leise und der kleine Engel ließ die Schultern hängen.

„Weißt du eigentlich, dass ich jetzt seit genau einem Jahr dein Partner bin?", antwortete der Jüngere mit einer Gegenfrage.

„Selbstverständlich", lachte Damael. „Wie könnte ich das vergessen?"

„Ein ganzes Jahr", seufzte Iofiel. „Und ich habe noch immer nichts dazugelernt!"

„Warum sagst du so etwas?", fragte der große Engel verblüfft.

„Ich habe versagt", murmelte der Kleine. „Furchtbar versagt."

„Wann?", hakte Damael nach und begriff dann, wovon der Kleine sprach. „Oh, ich verstehe. Du meinst, als heute Nachmittag die Familie verunglückt ist und wir sie begleiten sollten."

„Genau", murmelte Iofiel und er sackte noch ein kleines bisschen weiter in sich zusammen.

„Du müsstest mittlerweile wissen, dass unser Job nicht immer einfach ist. Wir sind die Wächter des Himmels und nicht dazu auserkoren, eigenmächtig Menschenleben zu retten oder die Vorsehung in Frage zu stellen."

„Das weiß ich doch auch", brauste er auf und sah seinen Nebenmann dann entschuldigend an. „Aber wann lerne ich, es so hinzunehmen, wie es ist?"

„Es ist niemals schön, jemanden an den Feiertagen in den Himmel hinaufbringen zu müssen", sagte der Große leise. „Und wenn es dann auch noch eine ganze Familie trifft, ist es besonders schwer."

„Sie waren so glücklich", seufzte Iofiel. „Ich habe kein menschliches Herz, aber auch meines wäre beinahe an der Tragödie zerbrochen."

„Und genau das ist es, was dich zu einem guten Engel macht."

„Ich habe mir das alles anders vorgestellt", seufzte der kleine Engel, nicht bereit, sich trösten zu lassen. „Ich wollte in den Außendienst, um etwas zu erleben. Jetzt erlebe ich mehr, als ich ertragen kann."

„So niedergeschlagen habe ich dich noch nie erlebt", meinte Damael mitfühlend. Er klopfte dem kleinen Engel auf die Schulter. „Du machst deinen Job gut und außerdem bist du schon mächtig gewachsen." Aber nicht einmal seine Größe interessierte den Jüngeren heute und er starrte weiter ins Leere.

„Iofiel", sagte Damael mehrere Minuten später. „Wir haben heute keinen weiteren Auftrag. Was hältst du davon, wenn ich dir wieder etwas aus dem Leben des Vampirs zeige?"

„Von Spike?", fragte er neugierig und Damael sah ihm an, dass er mit sich haderte.

„Ja, von Spike. Wir haben schon einmal über ihn gesprochen. Erinnerst du dich daran?"

„Wie könnte ich das je vergessen. Er hat eine Menge wirklich schrecklicher Sachen gemacht und dann, dann…"

„Dann hat sich sein Leben, oder auch Unleben, vollkommen verändert", führte der Große den Satz weiter. „Du wolltest damals mehr über ihn erfahren. Willst du das immer noch?"

„Ich weiß nicht", murmelte Iofiel und machte ein bedrücktes Gesicht. „Noch mehr schlechte Nachrichten kann ich heute kaum ertragen."

„Was, wenn sie nicht schlecht sind?", erkundigte sich der große Engel und lächelte sanft.

„Willst du mich ärgern?", maulte Iofiel und verzog das Gesicht. „Du willst mir doch bloß wieder eine Lektion erteilen."

„Das klang jetzt aber nicht gerade nett", tadelte Damael.

„So war das nicht gemeint", sagte der Kleine entschuldigend. „Aber du zeigst mir nichts ohne Grund. Immer gibt es etwas für mich, das ich lernen soll."

„Aber genau das ist doch Sinn und Zweck des Lebens. Man muss jeden Tag etwas Neues lernen, sonst kann man auf dieser Welt nicht lange existieren."

„Versprichst du mir, dass ich heute nichts Trauriges mehr erleben muss?"

„Das kann ich nicht", erwiderte Damael. „Jeder fühlt und empfindet anders."

„Du weißt was ich meine", brummte Iofiel. „Ich will ihn einfach nicht in einen Haufen Staub aufgehen sehen."

„Nein, das wird er nicht", sagte der große Engel. „Ganz im Gegenteil."

„Müssen wir dafür von hier weg?", fragte der Kleine. Er war sich noch nicht ganz sicher, was er von dem Vorschlag des Ältern zu halten hatte. Manchmal stimmten sie mit dem, was sie gut oder schlecht fanden, nicht überein.

„Nein, das können wir auch von hier", erwiderte Damael und ließ prompt die ersten Bilder erscheinen.

„Das ist London", stellte Iofiel erstaunt fest. „Spike ist in London? Da, wo alles für ihn begann?"

„Ja, allerdings. Er hat viel durchgemacht die letzte Zeit und, wenn du mich fragst, dann sucht er gerade nach dem Sinn seines Daseins."

„Was ist eigentlich aus der Jägerin geworden? Ich habe gehört, sie wäre in Rom und mit dem Ewigen zusammen."

„Das war, Gott sei Dank, nur ein Gerücht", brummte Damael und verzog das Gesicht. „Oder glaubst du wirklich, sie würde sich mit so einem schmierigen Kerl einlassen?"

Der Jüngere blickte seinem erfahrenen Kollegen ernst ins Gesicht. „Was war jetzt das? Ich habe dich niemals so reden hören."

„Entschuldige", murmelte der große Engel. „Aber wenn ich diesen hochtrabenden Namen schon höre…" Er stockte und seufzte. „Vergiss einfach alles, was ich in der letzten Minute gesagt habe."

„Aber was ist denn nun mit Buffy?"

„Sie ist auch hier. Schau!" Wieder ließ Damael Bilder entstehen und Iofiel sah aufmerksam zu.

„Sie ist also auch in London", nickte er wohlwollend. „Was macht sie hier?"

„Sie besucht ihren ehemaligen Wächter", erklärte der große Engel. „Er hat sie darum gebeten. Im Moment gibt es in London eine Menge Vampire und sie wollen herausfinden, warum."

„Treffen sie sich?"

„Der Wächter und die Jägerin?", fragte Damael verwirrt.

„Nein", erwiderte Iofiel kopfschüttelnd. „Buffy und Spike."

„Ja, sie werden sich treffen. Im wahrsten Sinne des Wortes." Wieder ließ er Bilder entstehen und Iofiel blickte gebannt darauf.

Er sah dem Vampir dabei zu, wie er durch die menschenleeren Straßen des East Ends schlenderte und sah auch die Jägerin, die einen flüchtenden Dämon durch die Straßen jagte. „So werden sie sich jedenfalls nicht treffen", murmelte er enttäuscht. „Sie laufen höchstens aneinander vorbei."

„Nein, das werden sie nicht", lächelte Damael verschmitzt und deutete auf die Bilder. „Siehst du?"

Der Vampir lief genau in Spikes Richtung und Buffy folgte ihm. „Kaum in London", flüsterte der kleine Engel, „ und schon ist sie wieder auf der Jagd."

„Na ja, manchmal hilft die Vorsehung nach", lächelte Damael.

„Sie sollen… Sie werden…"

„Aufeinandertreffen", lachte der Große. „Ja!"

„Gut", erwiderte Iofiel und nickte bedächtig. Er wünschte den Beiden ein glückliches Ende, aber er hatte auch gelernt, dass seine Wünsche selten mit dem tatsächlichen Geschehen übereinstimmten. „Eine Straße noch", murmelte er aufgeregt und schaute wieder gebannt auf die Bilder, die vor ihm abliefen. Die Jägerin verfolgte noch immer den flüchtenden Vampir, rannte um die Hausecke und lief Spike direkt in die Arme.

„Buffy", hörte er die verwunderte Stimme des Vampirs, als er realisierte, wer da über ihn gestolpert war.

„Siehst du. Sie haben sich getroffen", sagte Damael und verwischte mit einer Handbewegung die gezeigten Bilder.

„Warum tust du das?", fragte der kleine Engel und sprang auf. „Ich hätte zu gerne gesehen, wie sie reagiert hat."

„Es scheint so, als wärst du ein Romantiker", lächelte der große Engel und fing sich dafür einen bitterbösen Blick ein.

„Mag sein", gab der Kleine schließlich zu. „Aber es war auch wirklich gemein von dir, an dieser Stelle aufzuhören."

„Und du weißt, ich habe immer für alles einen guten Grund", meinte Damael leise.

„Ja", seufzte Iofiel. „Und meistens bedeutet es nichts Gutes."

„Willst du wirklich wissen, wie es weitergeht?"

„Das klingt nicht gut", brummte der kleine Engel. „Aber jetzt will ich es wissen." Er seufzte wieder und sah seinen großen Kollegen finster an. „Du hast genau gewusst, dass ich das wissen will."

„Ja, das habe ich mir fast gedacht", schmunzelte Damael. „Aber dafür müssen wir von hier weg."

„Wo willst du denn hin?"

„Komm einfach mit", erwiderte der Große und hatte Mühe, nicht in Gelächter auszubrechen. Er nahm Iofiels Hand, nickte ihm aufmunternd zu und zog ihn sanft in die richtige Richtung. Zusammen stiegen sie in die Luft und Damael leitete den Jüngeren.

„Wo sind wir jetzt?", fragte Iofiel einige Zeit später. Er blickte sich um. Schnee hatte die kleine Stadt eingehüllt und aus den Schornsteinen qualmte beständig weißer Rauch in den Nachthimmel.

„Der Name ist Stadt ist unwichtig", lachte Damael. „Schau mal lieber dort in das Fenster.

Zusammen traten sie nah heran und die Augen des kleinen Engels wurden groß.

In dem herrlich geschmückten Raum stand ein großer, leuchtender Weihnachtsbaum, Geschenke lagen darunter und lautes Gelächter war zu hören. Eine Menge Menschen saßen dicht beieinander, lachten und unterhielten sich angeregt. Aber das, was ihn am meisten interessierte, war das Pärchen, das etwas abseits saß.

„Oh", brachte er verblüfft heraus. „Sie sind ein Paar?"

„Ja, das sind sie", erwiderte Damael sanft. „Es hat lange gedauert, aber nun sind sie zusammen."

„Aber er ist noch immer ein Vampir und sie die Jägerin", seufzte Iofiel. „Werden sie lange ein einigermaßen glückliches Leben führen?"

„In Menschenjahren gerechnet?", seufzte Damael. Er hatte gehofft, der kleine Engel würde genau diese Frage nicht stellen.

„Oh je. Ich habe es ja gleich gewusst", schimpfte der Jüngere, ohne auf eine Antwort zu warten. „Wirklich gerecht geht es auf der Welt nicht zu. Und dabei haben die Beiden sooft die Welt gerettet. Sie hätten es verdient, auf ewig glücklich zu sein."

„Aber genau das werden sie", murmelte Damael leise. „Nur nicht hier. Sie werden ein weiteres Mal die Welt vor dem Untergang bewahren und sie werden auch zusammen gehen", erzählte er ruhig. „Wie du schon sagtest, die Beiden haben es sich verdient und sie werden eine Sonderstellung einnehmen, sobald ihr irdisches Leben ein Ende hat."

„Du meinst… sie werden…"

„Ja, sie erhalten das größte Geschenk überhaupt", nickte Damael und lächelte aufmunternd.

„Sie werden wiedergeboren, richtig?", hakte der kleine Engel neugierig nach.

„Ja", nickte Damael. „Und die Vorsehung und die Mächte der Ewigkeit werden für immer über sie wachen. Ihnen wird nichts Schlechtes widerfahren und sie werden sich zur richtigen Zeit finden."

„Das ist gut", murmelte Iofiel, sah dann auf und zuckte mit den Schultern. Eine einzelne Träne lief über seine Wange und er wischte sie energisch weg.

„Nicht", erwiderte Damael und lächelte ihn sanft an. „Hast du es denn noch nicht begriffen?"

„Was?", fragte Iofiel verblüfft.

„Das dein Mitleid und dein reines warmes Herz dich ausmacht?", fragte er. „Du bist mein Gegengewicht. Ich bin schon sehr alt und habe meine Wünsche und Hoffnungen aufgegeben und betrachte alles nüchtern und sachlich." Er machte eine Pause. „Iofiel, ich bin sehr stolz auf dich und ich möchte, dass du mir versprichst, diese Eigenarten niemals zu verlieren."

„Ich werde es versuchen", erwiderte der kleine Engel und strahlte über das ganze Gesicht. „Und ich habe immer gedacht, ich müsste so werden wie du."

„Nein, nur das nicht", lachte Damael und erhob sich in die Luft. „Komm jetzt. Wir haben Feierabend."

Iofiel nickte und warf einen letzten Blick durch das Fenster. „Ich wünsche euch Beiden alles Gute", murmelte er leise und winkte Buffy und Spike zu. „Ihr habt es euch verdient." Er erhob sich in die Lüfte, folgte seinem Kollegen und spürte sein kleines Herz vor Stolz klopfen. Mit solch einem Abschluss hatte er an diesem Tag nicht gerechnet und er fühlte, wie er ein kleines Stückchen größer wurde. „Ich bin gut, genau so, wie ich bin", realisierte er und lachte. Diese Nacht würde er niemals vergessen und er freute sich darauf, morgen wieder mit Damael zusammenzuarbeiten. „Du bist ein guter Lehrer", murmelte er und dachte an den großen Engel. „Und genau das werde ich dir morgen auch sagen!"

 

Ende