Titel: Unforgettable Nightmare
Autor: Silentthunder
Inhalt: Buffy hat schlechte Träume. Obwohl, ist das dass richtige Wort, wenn man mit seinem Todfeind im Bett landet? Und das immer und immer wieder?
Altersfreigabe: ab 16!
Teile: 9
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

 

                                                                         Unforgettable Nightmare

 

Teil 1

Die Luft vibrierte, schien sich seiner grauenhaften Laune anzupassen und als sich die dunklen, graugrünen Wolken zu wahren Gebirgen auftürmten, zierte ein breites, aber auch äußerst diabolisches Grinsen sein Gesicht. Ein gewaltiges Gewitter braute sich zusammen und schien der Stadt zu zeigen, was auf sie zukam. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was bevorstand.

Sunnydale! Der Name passte nicht zu diesem Kaff, indem Verlogenheit und Intoleranz herrschte. Aber es war nicht nur das, was ihm gegen den Strich ging, ihn störte und das Leben unmöglich machte. Diese Stadt strömte Bösartigkeit aus. Aus allen Poren strömte Niederträchtigkeit und Arglist und die Dunkelheit schien Wesen der abscheulichsten Art auszuspucken.

Oft, zu oft hatte er die Schlechtigkeit zu spüren bekommen und sein Magen rebellierte und drehte sich um. Nur mit Mühe schaffte er es, sich unter Kontrolle zu halten und er atmete tief die schwüle Luft ein, die statisch aufgeladen schien.

„Ich werde es euch schon zeigen", drohte er seinen, noch unsichtbaren Gegnern und allen Bewohnern der Stadt, die er hasste, wie die Pest. „Ich werden es euch allen zeigen! Ihr werdet nie wieder die Gelegenheit haben, mich zu beschimpfen oder mich niederzumachen. Nie wieder!"

Aber das Alles war nun eigentlich egal, rief er sich in Erinnerung. Lange hatte er warten müssen, vielleicht zu lange. Aber nun war die Zeit gekommen, um bittere Rache an denen zu nehmen, die sich seine Eltern nannten. Jene Wesen, die diese Bezeichnung völlig ungerechtfertigt trugen. Sie waren nicht mehr als seine Erschaffer.

Den Grund dafür, für sein ganzes jämmerliches Dasein, den kannte er nicht, aber er interessierte ihn auch nicht. Sie hatten ihn in ein Leben geworfen, das er nicht haben wollte, nicht leben wollte. Allein, ohne jegliche Hoffnung!

Auf dem höchsten Gebäude der Stadt stand er nun, breitete die Arme weit aus und schrie seine Erbitterung gegen den aufkommenden Wind.

Zweiundzwanzig vergeudete, verschwendete Jahre! Aber all der Schmerz und die geballte Wut… das Alles fand nun ein Ende! Dafür würde er schon sorgen.

Tränen des Abscheus bahnten sich einen Weg über seine Wangen und er fuhr hektisch mit seinen langen krummen Finger über seine Augen. Keine Tränen, keine Scheu. Nichts, rein gar nichts, konnte ihn jetzt noch aufhalten.

Allerdings blieb noch eine große Frage offen: Und zwar die, wie genau er seine Eltern aufspüren sollte? So viel hatte er recherchiert, so viel darüber gelesen… aber würde das reichen, um sie finden und zu vernichten?

Dann lachte er abgehakt und sein Gesicht verzog sich zu einer widerlichen Maske. Mit Magie würde er sie finden, sie ausmachen und in ihre verdammten Bestandteile zerlegen. Er würde keine weiteren zwanzig Jahre mit der Suche nach ihnen verschwenden. Nun endlich war die Zeit da. Die Zeit sich für alles zu rächen!

Sie waren hier. Zurück in der furchtbaren Stadt, die für ihn die Hölle auf Erden gewesen war. Er konnte sie spüren. So stark fühlen, als wären sie in greifbarer Nähe. Allerdings hatten sie keine Chance, diese Stadt jemals lebendig wieder zu verlassen. Dafür würde er sorgen! Sein eigenes Leben war wertlos und es störte ihn nicht, dass es sich ebenfalls dem Ende näherte. Aber alleine sterben… nein, das würde er nicht. Sie würden mit ihm gehen, egal wie viel Schmerz er dafür ertragen musste, egal was es kosten würde… das war das Ende und niemand konnte es aufhalten!

 

                                                                                  *~*~*~*

 

Buffy wälzte sich unruhig in ihrem Bett hin und her. Es war warm, viel zu warm für diese Jahreszeit und die Decke klebte an ihren schweißnassen Beinen. Nur ihr Unterbewusstsein registrierte, das die Decke, von der vielen Strampelei vollkommen zerknautscht, zu Boden fiel und die Jägerin stöhnte leise.

Ihr bisher schon wirrer Traum veränderte sich. Hatte sie eben noch gegen einen mächtigen Dämon gekämpft, so kämpfte sie nun gegen aufkommende Gefühle, die jedem wachen Menschen eine sanfte Röte ins Gesicht gezaubert hätten.

 

„Buffy", keuchte eine heisere Stimme nah an ihrem Ohr. „So schön und so perfekt…wie für mich gemacht."

Sie spürte die Finger, die sanft über ihren Oberschenkel strichen und sich einen Weg unter ihr dünnes, durchsichtiges Hemdchen suchten.

„So schön", seufzte die Stimme wieder.

Und Buffy bewegte sich. Sie presste sich gegen den harten muskulösen Körper des Mannes, der hinter ihr auf dem Bett lag und sie mit federleichten Berührungen liebkoste.

„Sag es mir", hauchte die seidige Stimme, die ihre Sinne verwirrte. „Sag mir, dass du mich auch willst!"

Der erste Blitz erhellte den Nachthimmel, als die Jägerin leise stöhnte und im Traum antwortete. Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und sie murmelte unverständliche Worte.

„Ich wusste es", sagte die Stimme. „Ich habe schon immer gewusst, dass du zu mir gehörst."

Lippen wanderten an ihrem Hals herab, knabberten sanft an ihrer Haut und Buffy schüttelte sich unter der Gänsehaut, die sich ihren Rücken herauf schlich.

„Hmmm", brummte die Stimme des Mannes. „Deine Haut ist sanft wie Seide. Genauso hatte ich sie mir immer vorgestellt."

Finger, sanft wie Watte, huschten über ihre Brust und sie stöhnte leise auf.

„Ja", murmelte sie leise und drückte sich noch fester gegen den athletischen Körper, der sich hinter ihr ausstreckte.

„Sag mir, dass du mich willst. Sag mir, dass du mich spüren willst!" Die Stimme wurde fordernder, aber auch erregter.

Buffy, gerade im Begriff zu antworten, drehte sich herum und starrte in das Gesicht von …Spike…!

„Was…?", sie schreckte in dem Moment auf, als der erste Donner durch die Nacht hallte und sie atmete schwer ein. Verschreckt sah sie sich um, bemerkte, dass sie nach wie vor in ihrem Zimmer war und seufzte laut auf.

„Buffy?", Willows verschlafene Stimme riss sie zurück in die Wirklichkeit. „Alles okay mit dir?"

„Ich, ähm… ja", sagte sie leicht durcheinander, streckte sich und hob die Bettdecke auf.

„Du hast gestöhnt", murmelte die rothaarige Hexe müde und gähnte herzhaft.

„Gestöhnt?", wiederholte Buffy und wurde rot, als die Erinnerungen an ihren Traum in ihr erwachten. ‚Oh, mein Gott. Bitte, alles nur das nicht!’ Hatte Willow sie etwas gehört? Wusste sie schon, was sie geträumt hatte und würde jetzt merkwürdige Fragen stellen oder noch schlimmer… würde sie versuchen ihr ins Gewissen zu reden?

„Ja", sagte die Rothaarige matt. „Hattest du einen Albtraum?" Willow rappelte sich aus dem Bett, stand auf und durchquerte das Zimmer. „Möchtest du auch etwas trinken?", erkundigte sie sich, während sie den kleinen Kühlschrank öffnete und sich bückte, um etwas herauszunehmen.

„Ja", murmelte Buffy, der plötzlich kalt war. Sie schlang die Decke um sich und dachte an Spike. Wie hatte sie nur…? Ausgerechnet der durchgeknallte, blondierte Vampir?

„Ja… du möchtest etwas trinken oder ja… du hattest einen Albtraum?" Willow hielt eine Dose Soda hoch und gähnte wieder.

„Sowohl als auch", murmelte Buffy und nahm der Freundin dankbar die Dose ab.

„War es schlimm?", erkundigte sich Willow nun und ließ sich wieder auf ihr Bett fallen. Es zischte leise, als sie ihre eigene Dose öffnete und sie zuckte zusammen, als ein weiterer Donner ertönte. „Oh", murmelte sie. „Ein Gewitter. Sehr ungewöhnlich zu dieser Jahreszeit."

„Sehr schlimm", brummte Buffy, als wieder Details ihres Traums vor ihrem inneren Auge auftauchten. „Das Schlimmste, was ich je geträumt habe." Sie schüttelte sich und öffnete ebenfalls ihr Getränk. Ein bitterer Nachgeschmack legte sich auf ihre Zunge, als sie daran dachte, wie sich an Spike gedrückt hatte, wie sie seine Küsse genossen hatte und wie erregend seine Finger auf ihrem Körper gewesen waren.

„Ein Jägerinnentraum oder ein normalen Albtraum?" erkundigte sich Willow mitfühlend. Dann überlegte sie einen Moment und definierte ihre Frage. „Ich meine, einen der Art, der sich irgendwann bewahrheitet oder einfach nur der wahre Horror? So mit ekligen, schleimigen Monstern und widerlichen Fratzen."

„Der wahrer Horror", murmelte Buffy und nickte heftig. „Der kann niemals wahr werden. Niemals!"

„Oh. Wow. Dann muss er schlimm gewesen sein", meinte Willow und legte sich zurück unter die dünne Decke. „Hoffentlich kann ich wieder einschlafen", murmelte sie leise und ihre Augen schlossen sich sofort. „Ich habe morgen früh einen wirklich schweren Geschichtstest vor mir und das Gewitter…" Ihre Stimme wurde immer leiser, ging in ein undeutliches Gemurmel über und verebbte dann ganz.

Die regelmäßigen Atemzüge der Hexe ließen nur einen Schluss zu. Sie war schon längst wieder im Land der Träume und Buffy stand leise auf und stellte sich ans Fenster.

Fassungslos über ihren eigenen Traum starrte sie auf die Blitze, die in mehr oder weniger gleichmäßigen Abständen den Nachthimmel durchzuckten.

Warum ausgerechnet Spike?’, fragte sie sich wieder und ihr Herz wurde schwer. ‚Auf dem Campus laufen hunderte von Männern herum… warum muss dann ausgerechnet der furchtbare Vampir durch meine Träume geistern? Warum nicht Riley? Immerhin war er ganz nett und zudem schien er sich für sie zu interessieren.’ Sie zuckte mit den Schultern, als sie an den großen blonden Studenten aus Iowa dachte. So ganz ihr Typ war er nicht unbedingt, aber im Gegensatz zu ihren bisherigen Freunden schien er normal zu sein. Aber vielleicht war auch gerade das Problem und er erwies sich als zu normal.

„Es war nur ein Traum", beruhigte sie sich selbst, nachdem Spikes grinsendes Gesicht vor ihr auftauchte. „Nur ein Traum, der niemals wiederkehrt!"

Buffy nippte an ihrem Soda und gähnte. Das Gelände unter ihr lag vollkommen im Dunklen und nur die Blitze ließen kurze Blicke zu, die auch den Boden beleuchteten. Sie drehte sich um, sah auf die Uhr und seufzte. Es war weit nach Mitternacht und eigentlich sollte sie es genauso machen wie Willow. Einfach wieder unter die Decke schlüpfen und schlafen.

Ja… eigentlich. Aber irgendetwas hielt sie davon ab. Sie spürte ein drohendes Unheil und ihre Nackenhärchen richteten sich auf. ‚Ach was’, schimpfte sie mit sich. ‚Jetzt komm mal wieder runter! Es war nur ein Hirngespinst. Es ist nicht real, also reg dich ab!’

Aber dieser furchtbare Traum hatte sie mehr aufgewühlt, als sie sich selbst eingestehen wollte. Natürlich hatte sie keine Gefühle für Spike! Jedenfalls keine, die über die gewöhnlichen zwischen Jägerin und Vampir hinausgingen. Ein Vampir war nur ein guter Vampir, wenn er Staub war.

Ausgenommen Angel natürlich’, dachte sie und zuckte zusammen, als ein weiterer, extrem lauter Donner durch die Nacht hallte.

„Vergiss es einfach", murmelte sie lautlos. „Es war ein Traum. Nicht mehr und nicht weniger. Jedenfalls nichts, worüber man sich aufregen muss."

Als der Regen einsetzte schloss Buffy das Fenster und sie stellte die Dose auf ihren Nachttisch. „Einfach wieder schlafen", nickte sie sich selbst zu und krabbelte zurück ins Bett. Sie richtete Kopfkissen und Decke und lehnte sich zurück. „Und an etwas Schönes denken", nahm sie sich vor und schloss die Augen. „Sonne, Sand, Palmen und der Ozean."

Allerdings hatte sie nicht so viel Glück wie Willow, die einfach wieder eingeschlafen war. Unruhig wälzte sie sich hin und her und erst, als die ersten schwachen Sonnenstrahlen den Morgen ankündigten, nickte sie wieder ein.

Teil 2

Der Vormittag schleppte sich dahin und Buffy fiel es immens schwer, sich auf die Vorträge der Professoren zu konzentrieren. Sie fühlte sich müde und ausgelaugt und am liebsten wäre sie sofort wieder in ihr Bett gekrabbelt.

Und es half auch nicht besonders, dass Prof. Walsh sie wieder einmal wegen irgendeiner Kleinigkeit zur Schnecke machte. Riley warf ihr mitleidige Blicke zu, doch Buffy stand heute über dem Gemecker. Sie war buchstäblich zu geschafft, um sich aufzuregen und so zuckte sie nur andeutungsweise mit den Schultern und versuchte sich zumindest auf den Rest der Vorlesung zu konzentrieren.

„Alles in Ordnung mit dir?", erkundigte sich Riley, nachdem Prof. Walsh den Hörsaal verlassen hatte. Er schaute besorgt zu ihr herunter und runzelte die Stirn.

„Alles bestens", erwiderte sie und versuchte ein Lächeln. „Ich bin nur müde. Ich konnte nicht schlafen." Sie packte ihre Sachen zusammen und schaute zu Willow, die noch immer auf ihrem Platz saß und fleißig Notizen in ihren Block kritzelte. „Will? Kommst du mit in die Cafeteria?"

Willow sah auf, blickte von Buffy zu Riley und grinste. „Nein. Geht ihr Beiden ruhig. Ich muss sowieso noch zu Prof. Higgins wegen dem Geschichtsreferat." Sie nickte ihrer Freundin aufmunternd zu und Buffy seufzte innerlich.

So nett Riley auch war, im Moment stand ihr nicht der Sinn nach einem tiefschürfenden Gespräch. Eigentlich hatte sie überhaupt keine Lust, mit irgendwem zu reden. Sie war schon froh, wenn sie den Tag überstehen würde, ohne dabei einzuschlafen.

„Wollen wir dann gehen?", erkundigte sich Riley dann auch sofort und riss sie somit aus ihren Gedanken.

„Okay", murmelte Buffy leise und schulterte ihre Tasche.

Zusammen liefen sie durch die überfüllten Korridore und Buffy stieß mehrere Male fast mit jemandem zusammen. Riley packte sie beim letzten Mal gerade noch rechtzeitig an der Schulter und lenkte sie um. Aufmerksam sah er sie an.

„Ist wirklich alles okay? Du läufst durch die Gänge wie ein Zombie." Er lächelte und zuckte mit den Schultern. „Entschuldige den Ausdruck", meinte er sanft. „Aber anders kann man es kaum beschreiben."

„Schon okay", erwiderte Buffy und lächelte matt. „Aber ich fühle mich auch fast wie einer. Ich hatte einen fürchterlichen Traum und danach konnte ich einfach nicht mehr schlafen." Sie lächelte ihn an und seufzte theatralisch. „Ich bin so müde, ich könnte im Stehen schlafen."

„Vielleicht solltest du einfach die anderen Vorlesungen ausfallen lassen und dich hinlegen", sagte er und Buffy hatte das Gefühl, dass er sie am liebsten tröstend in die Arme geschlossen hätte.

Er ist wirklich nett’, dachte sie. ‚Und er ist ein Mensch!’ Wieder versuchte sie sich seine Vorzüge bewusst zu machen. Warum wollte der Funke nur nicht überspringen? „Erst will ich jetzt was essen", murmelte sie, als ihr leerer Magen rumorte.

„Einverstanden", nickte er. „Sag mir, was du möchtest und ich bring es dir mit. Du kannst ja schon nach einem freien Tisch Ausschau halten." Er schien nicht gänzlich überzeugt, wollte aber scheinbar auch nicht weiter auf sie einreden.

Und die Jägerin lächelte dankbar, wenn auch ein wenig schief. „Danke", sagte sie und unterdrückte ein Gähnen.

Ein freier Tisch war schnell gefunden und sie hatte sogar das Glück, das er direkt am Fenster war. Sie setzte sich und starrte nach draußen in den matten Sonnenschein. Warum war sie nur so müde? Sie war es doch gewohnt, nächtelang aufzubleiben und dabei sogar noch gegen finstere Dämonen anzutreten. Und sie hatte doch geschlafen, wenn auch nicht gerade viel.

Sie gähnte herzhaft und machte sich nicht einmal die Mühe es zu verstecken. „Vielleicht sollte ich mich wirklich hinlegen", überlegte sie laut. ‚Wenn ich heute Nacht wieder auf Streife muss, dann wäre es besser, dabei nicht auf einem Grabstein einzuschlafen.’

Es dauerte eine Weile, bis Riley mit einem voll beladenen Tablett an den Tisch kam und Buffy griff eilends nach dem Kaffee, der in einem dampfenden Becher nur auf sie zu warten schien.

„Du bist blass", sagte Riley besorgt, als er sich auf den Stuhl neben dem ihren setzte. „Vielleicht wirst du krank."

„Ich werde nie krank", erwiderte Buffy und lächelte tapfer. Allerdings wunderte sie sich schon etwas über ihren Zustand. Für gewöhnlich war sie so topfit, aber heute… „Ich bin nur müde. Wenn ich ausgeschlafen habe bin ich wieder fit."

„Wenn du das sagst", nickte Riley und lächelte. Er hielt ihr das mitgebrachte Sandwich entgegen, wickelte sein eigenes aus und sah sie an. „Geht es Willow eigentlich besser? Sie scheint nicht mehr ganz so niedergeschlagen zu sein."

„Ich glaube, das ist Show", erwiderte Buffy nachdenklich und biss ab. „Sie will einfach nur nicht zeigen, wie es in ihr aussieht." Sie kaute und machte ein ernstes Gesicht. „Und gerade das macht mir Sorgen. Willow ist eigentlich nicht der Mensch, der seine Gefühle verbirgt. Eher das Gegenteil. Meist sieht man ihr schon aus hundert Metern Entfernung an, wie es ihr geht."

„Hm…", machte Riley. „Vielleicht solltest du noch mal mit ihr reden", schlug er vor und runzelte die Stirn. „Glaubst du denn, dass … wie hieß er noch…Oz zurückkommt?"

„Ich weiß es wirklich nicht", gestand sie und nippte wieder an ihrem Kaffee. „Und selbst wenn… irgendwas ist zwischen den Beiden zerbrochen. Es würde nie wieder so werden, wie es einmal war."

Sie aßen weitestgehend schweigend und nachdem Riley das Tablett in die Geschirrrückgabe gestellt hatte, musste er Buffy tatsächlich wecken. Sie hatte ihr Kinn auf ihre angewinkelten Arme gestützt und schlummerte friedlich vor sich hin.

„Buffy?", fragte er leise und rüttelte sie sanft an der Schulter. „Du solltest dir wirklich den Rest des Tages freinehmen", sagte er sorgenvoll. „Soll ich dich zu deinem Zimmer begleiten?"

„Nein, es geht schon", erwiderte sie beschämt. „Aber du hast Recht. Es hat wohl wenig Sinn, gleich im Geschichtskurs einzuschlafen." Sie packte ihre Tasche und schleifte sie mehr hinter sich her, als dass sie sie trug. „Noch einen meckernden Professor kann ich heute nicht gebrauchen."

Am Eingang der Cafeteria blieb sie stehen und sah Riley entschuldigend an. „Es tut mir leid", sagte sie und verzog das Gesicht. „Ich bin heute keine gute Gesellschaft."

„Ist nicht so schlimm", erwiderte er und griff nach ihrer Hand. „Schlaf dich aus und wir sehen uns einfach morgen."

Sie lächelte und nickte. „Einverstanden. Und ich verspreche, morgen bin ich nicht so eine Schlafmütze." Sie hob zum Abschied die Hand und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer. Wohlwissend, dass Riley ihr so lange hinterher starrte, bis sie aus seinem Blickfeld verschwunden war.

 

                                                                                      *~*~*~*

 

Wie Buffy den Weg in ihr Studentenheim gemeistert hatte, vermochte sie hinterher nicht mehr zu sagen. Allerdings war sie mehr schlecht als recht in ihr Zimmer getorkelt und sie konnte sich noch vage daran erinnern, ihre Hose und Schuhe ausgestrampelt zu haben. Sie war unter die Bettdecke gekrabbelt, hatte sich in ihr Kissen gekuschelt und gelächelt, als die ersten Bilder eines Traums aufgeflammt waren.

 

Buffy lag lang ausgestreckt auf einer Strandliege, mit Blick auf ein grünblaues Meer, das in sanften Wellen an den Strand dümpelte.

„Alles zu Ihrer Zufriedenheit, Miss Summers?"

Sie blickte auf und sah einem gutaussehenden, hochgewachsenen Hotelangestellten in die Augen. „Ja, danke. Alles bestens", murmelte sie und nahm ihm den Cocktail ab, den er ihr sanft lächelnd entgegenstreckte.

Der Angestellte nickte, blinzelte ihr zu und entfernte sich.

‚Hier kann man es aushalten’, dachte sie, reckte sich und sah wieder hinaus auf das wunderschöne Meer. Vollkommen mit sich und der Welt zufrieden lächelte sie und nippte vorsichtig an ihrem Drink.

„Was meinst du?", fragte Willow neben ihr. „Machen wir noch eine dieser Bootstouren, die Anya und Xander so gut gefallen haben?"

Die Jägerin stützte sich auf ihren Unterarmen ab und sah zu der Freundin, die dicht neben ihr eine Liege belegt hatte. „Von mir aus", lächelte sie. „Wir haben ja Zeit genug."

„Du hast Zeit genug?", erkundigte sich Spike, der aus dem Nichts auftauchte und sich einfach auf ihre Oberschenkel setzte. „Das ist gut", lächelte er spitzbübisch und seine Augenbraue wackelte aufreizend. „Ich hab schon tolle Ideen, wie wir sie verplempern können!"

Willows leises Lachen ließ Buffy aufsehen und zu ihrer Bestürzung erkannte sie, dass die Rothaarige aufstand, ihre Sachen zusammenpackte und winkte. „Viel Spaß noch, ihr beiden Turteltauben", lachte sie und ging.

„Bleib doch noch", murmelte Buffy perplex, aber da veränderte sich ihre Umgebung auch schon und sie fand sich in einem großen Himmelbett wieder.

Zu ihrer größten Bestürzung stellte sie fest, dass sie keinerlei Sachen trug und eine Bettdecke schlicht fehlte, um sich zuzudecken.

Mit großen Augen erkannte sie Spike, der vor dem Bett stand, sich auf die Lippen biss und sich dann anmutig wie ein Raubtier auf sie zu bewegte.

 

                                                                                          *~*~*~*

 

„Und du meinst, ich soll sie einfach schlafen lassen?", fragte Willow nachdenklich in den Telefonhörer. Sie hatte Xander an der Strippe, mit dem sie eigentlich für heute Abend verabredet war.

Allerdings meldete sich dauernd ihr schlechtes Gewissen. Seitdem sie zurück im Zimmer war, war Buffy nicht aufgewacht und sogar als eine Horde von männlichen Studenten lärmend durch die Gänge gezogen war, hatte Buffy sich nicht gemuckst.

„Will", sagte Xander fest. „Sie ist einfach nur müde. Wahrscheinlich tust du ihr einen großen Gefallen, wenn du sie einfach ausschlafen lässt. Außerdem hat Anya wirklich tolle Filme ausgeliehen und wir können uns -Fluch der Rattenmenschen- keinesfalls entgehen lassen."

„Ich weiß nicht", murmelte Willow wieder und warf wieder einen Blick auf die friedlich schlafende Jägerin. „Vielleicht sollte ich doch…"

„Ach, komm schon", beschwerte sich der Dunkelhaarige am anderen Ende der Leitung. „Du und ich… fast wie in alten Zeiten. Du weißt schon… auch wenn Anya dabei sein wird."

„Fast wie in alten Zeiten", seufzte Willow und Xander sprang sofort darauf an, seine beste Freundin völlig missverstehend.

„Anya ist gar nicht so verkehrt", versuchte er sie zu überzeugen. „Gut", ruderte er zurück. „Manchmal sagt sie komische Sachen und überhaupt… Sie lernt halt erst, wie man sich als Mensch verhält."

„Also gut", sagte Willow nach einem letzten besorgten Blick auf Buffy. „Ich schreibe ihr einen Zettel. Wenn sie aufwacht, kann sie anrufen und dann kannst du mich ja schnell wieder hierher fahren."

„Einverstanden", lachte Xander, von seiner Überzeugungskraft begeistert. „Wir holen dich in einer halben Stunde ab. Dann können wir noch Pizza und Getränke besorgen. Bis gleich", sagte er und legte auf.

„Ja, bis gleich", seufzte Willow und kramte in ihrer Tasche nach einem Zettel.

 

                                                                                              *~*~*~*

 

„Spike, nicht", wehrte sich die Jägerin in ihrem Traum, doch dann kicherte sie. Die Zunge des Vampirs neckte sie an einer äußerst empfindlichen Stelle und sie zuckte zusammen. „Lass das", schimpfte sie wenig überzeugend und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien.

„Es gefällt dir nicht?", erkundigte er sich gespielt ernst. „Das kann ich mir kaum vorstellen!" Seine blauen Augen blitzten vergnügt auf und für einen Moment versank sie darin.

„So wunderbar warm und weich", schnurrte der Vampir und seine Hände glitten ihren Bauch hinauf bis zu ihren Brüsten.

„Spike, ich…" versuchte es Buffy, doch ihr Gehirn schaltete unter seinen Berührungen auf Sparflamme und sie bekam keinen vernünftigen Satz über die Lippen.

„Sag es mir", forderte er sie auf. „Sag mir, dass du mich auch willst."

Aber die Jägerin konnte nicht antworten. Ein dicker Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet und sie brachte nur ein schwaches Nicken zustande.

Plötzlich war er über ihr. Sein Mund presste sich auf den ihren und seine Zunge bat spielerisch um Einlass.

„Ich liebe dich", flüsterte er heiser in ihr Ohr, nachdem er den atemraubenden Kuss gebrochen hatte.

Buffys Antwort kam prompt. Sie setzte sich in ihrem Bett auf und schrie lautlos!

 

Ihr Atem ging heftig und sie war verschwitzt und verklebt. ‚Was zur Hölle ist hier los?’, stöhnte sie über sich selbst und ihren Traum entsetzt. Sie warf einen Blick auf Willow, die friedlich vor sich hinschlummerte und seufzte. ‚Das darf doch alles nicht wahr sein!’

Die Jägerin versuchte sich zu beruhigen und sie atmete bewusste langsam ein und aus. Bilder des Traums flammten in ihr auf und sie schüttelte sich unter der Gänsehaut, die ihren gesamten Körper bedeckte. „Oh mein Gott", stöhnte sie leise und warf einen Blick auf ihren Wecker. Es war beinahe fünf Uhr am frühen Morgen und sie sprang aus dem Bett. Sie musste unbedingt und sofort mit ihrem Wächter sprechen. Er wusste bestimmt Rat. „Er muss es einfach wissen", murmelte sie und unterdrückte ein Gähnen.

Unglaublich, aber wahr, sie war schon wieder müde.

Teil 3

Giles schreckte auf, orientierte sich einen Moment und überlegte verblüfft, was ihn gerade aus dem Schlaf gerissen hatte. Er setzte sich auf, suchte seine Brille und setzte sie auf die Nase. ‚Was…?’, dachte er, aber da schrie auch schon der blonde Vampir von unten aus dem Badezimmer.

„Verdammt! Wächter! Machen Sie endlich die verfluchte Tür auf! Bei dem Gewummer kann kein Mensch vernünftig fernsehen!"

Giles eilte so schnell wie möglich die Treppe hinunter und wickelte sich dabei in seinen Morgenmantel. Er erreichte in dem Moment die Tür, als es wieder laut klopfte. Er öffnete die Haustür und riss erstaunt die Augen auf. „Buffy", stammelte er verwirrt. „Was ist passiert?"

Seine Jägerin sah furchtbar aus. Sie hatte dicke schwarze Ringe unter den Augen und ihre Haare standen wirr vom Kopf ab, ganz so, als hätte sie sie seit Wochen nicht mehr gekämmt. „Komm rein", forderte er sie auf und richtete seinen Morgenmantel.

„Ich brauche dringend Hilfe", murmelte Buffy und gähnte herzhaft. Sie schleppte sich zur Couch und ließ sich kraftlos darauf fallen. „Mir geht es nicht wirklich gut."

Etwas durcheinander fuhr sich Giles durch die vom Schlaf zerzausten Haare. „Erzähl mir, was passiert ist", sagte er und nickte sich selbst zu. „Ich mache uns derweil einen Tee."

„Wer ist da?", rief Spike aus seinem Badezimmergefängnis. „Ist das die Jägerin? Was will sie um diese Uhrzeit schon? Es ist nichtmal halb sechs! Hallo? Könnte mir mal jemand antworten?"

„Halt die Klappe", brummte Buffy wenig überzeugend und zog ihre Beine auf die Couch. Sie war so müde und wollte eigentlich nur schlafen, aber sie musste sich jetzt zusammenreißen und so versuchte sie sich auf ihren Mentor zu konzentrieren. Immerhin war sie aus diesem Grund hier. Er musste ihr einfach helfen, denn es war sonnenklar, das etwas nicht stimmte.

„Was will sie hier?", rief Spike wieder, und da niemand Anstalten machte ihm zu antworten, machte er munter weiter. „Hey! Ihr braucht gar nicht so zu tun, als könntet ihr mich nicht hören. Ich weiß, dass ihr mich hört! Immerhin höre ich euch auch." Er machte eine Pause und wartete scheinbar auf eine Antwort. „Nun macht schon! Es ist verdammt langweilig, die ganze Zeit in einer verfluchten Badewanne angekettet zu sein!"

Giles verließ seinen Platz in der Küche, schaute kurz ins Badezimmer und schloss dann geräuschvoll die Tür. „Halten Sie den Mund", schimpfte er durch die geschlossene Tür. „Ihre ewigen Einmischungen können wir nun wirklich nicht gebrauchen!"

Zurück in der Küche nahm er den pfeifenden Kessel von der Herdplatte und wandte sich zu seiner Jägerin um. „Wie möchtest du deinen Tee?", erkundigte er sich und stutzte. „Buffy?", fragte er verwundert. Er ließ Tee Tee sein und ging zu ihr ins Wohnzimmer.

Was ist hier los?’, überlegte er und beugte sich zu ihr herunter. „Buffy", flüsterte er und schüttelte sie an der Schulter. „Aufwachen!" ‚Sie kann doch nicht so müde sein!’, dachte er, sofort schwer beunruhigt.

„Was…? Oh, ähm… hi Giles", murmelte sie verschlafen und versuchte krampfhaft die Augen offen zuhalten. „Irgendwas stimmt nicht mit mir", sagte sie leise und sorgenvoll.

„Was? Warum bist du so müde? Wann hast du das letzte Mal geschlafen?", erkundigte er sich besorgt und fühlte doch tatsächlich an ihrer Stirn, ob sie eventuell Fieber hatte.

„Ich habe die ganze Nacht geschlafen", gähnte sie. „Und nicht nur das. Ich war gestern auch schon so schlapp und bin um zwei Uhr am Nachmittag ins Bett gegangen."

„Hm", murmelte der Wächter und strich sich über das stoppelige Kinn. Ihm fielen sofort hundert Gründe für ihre Müdigkeit ein, doch er konnte nicht einfach ins Blaue raten und so brauchte er mehr Informationen. „Gibt es sonst noch Anzeichen? Ist dir schlecht oder brennt vielleicht dein Magen? Dann könnte es ein Fluch sein… Bist du vielleicht einem Kortyrn-Dämon begegnet? Seine Stacheln enthalten ein Neurotoxin, das…"

„Nichts dergleichen", unterbrach ihn Buffy und gähnte herzhaft. „Ist Spike hier gewesen? Ich meine, die ganze Zeit?", erkundigte sie sich und sah ihren Wächter scharf an.

„Allerdings", erwiderte er und seufzte laut. „Und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr er mir auf die Nerven geht." Er nahm seine Brille ab und polierte sie mit dem Saum seines Morgenmantels. „Also, um noch einmal auf dein… ähm, Problem zurückzukommen… Buffy?"

Doch die Jägerin war schon wieder eingeschlafen und bei Giles schrillten sämtliche Alarmglocken. „Buffy", rief er und schüttelte sie wieder. „Aufwachen!"

„Schokoladensauce", murmelte sie wirr, dann riss sie die Augen auf und seufzte. „Oh…Giles", sagte sie und versuchte ein Lächeln. „Es tut mir leid. Ich kann einfach nicht wach bleiben… bin so müde..." Allerdings wäre sie nichts lieber als hellwach. Zumindest im Moment. Sobald sie die Augen schloss, tauchte Spike vor ihrem inneren Auge auf und gerade eben hatte er sie lüstern angesehen und gefragt, was sie lieber wollte. Schokolade oder Sahne.

„Ich verstehe", erwiderte der Wächter und nickte ernst. „Aber du musst jetzt wachbleiben. Ich brauche deine Hilfe. Du musst mir alles erzählen, was in den letzten Tagen passiert ist. Einfach alles!"

„Ich werde es versuchen", versprach sie und rappelte sich auf. Erst stand sie unsicher auf ihren Beinen, dann reckte sie sich und begann mit einer Wanderung durch die Wohnung.

„Also gut", meinte Giles, vorerst beruhigt und eilte wieder in die Küche. Er stellte den Wasserkessel wieder auf den Herd, kramte eine Dose mit löslichem Kaffee aus dem hintersten Winkel des Schranks und ließ Buffy dabei keine Sekunde aus den Augen. „Überleg bitte genau, mit wem du alles zusammengetroffen bist", sagte er und löffelte massig von dem körnigen Pulver in eine große Tasse. „Wer ist dir begegnet? Mit wem hast du gesprochen?"

„Mit niemandem", antwortete sie erschöpft. „Jedenfalls habe ich mit keinem gesprochen, den ich nicht schon länger kenne", erklärte sie nach reiflicher Überlegung. „Sie wissen selbst, dass am Höllenschlund im Moment tote Hose herrscht. Ich habe nur ein paar Vampire auf dem Campus aufgestöbert… mehr war nicht los in letzter Zeit."

„Könnte es sein, dass du einer Hexe in die Quere gekommen bist, ohne es überhaupt zu bemerken?", bohrte er weiter und kippte das kochende Wasser in die Tasse.

„Nicht, das ich wüsste", murmelte Buffy und lehnte sich erschöpft an eine Wand. Doch dann schüttelte sie die Müdigkeit ab und nahm ihre Wanderung wieder auf. „Ich könnte im Stehen schlafen!"

„Hier", sagte Giles und reichte ihr den Kaffeebecher über den Tresen. „Trink das! Vielleicht hilft es dir etwas." Er bereitete sich selbst einen Tee zu und gesellte sich dann zu seiner Jägerin, die sich einen Spazierweg um Esstisch und Couch ausgesucht hatte.

„Was haben Sie da rein getan?", fragte Buffy, nachdem sie das erste Mal an ihrem Getränk genippt hatte. Sie rang sich ein Lächeln ab und sah ihren Wächter an. „Teer?"

Giles lachte leise, dann konzentrierte er sich wieder auf seine Aufgabe. „Gibt es irgendwas Besonderes? Ist dir Irgendwas aufgefallen? Etwas, das mir weiterhilft."

„Ich wüsste wirklich nicht…", seufzte sie leise und schnaufte dann. „Giles, ich bin so müde, aber je mehr ich schlafe, desto schlimmer wird es. Ich habe das Gefühl, als würde ich durchgehend träumen. Ich weiß nicht mal mehr, wie ich hierher gekommen bin."

„Ich verstehe", brummte er und sein Hirn arbeitete auf Hochtouren. „Aber wir kommen so keinen Deut weiter. Es gibt zu viele Möglichkeiten. Es könnte ein Gift sein oder ein Fluch", mutmaßte er wieder und bemerkte dabei nicht, dass er sich wiederholte.

„Ich habe…, ähm, merkwürdige Träume", erklärte sie leise und nippte verschämt an dem Gebräu. „Träume von der Art, die man nicht unbedingt mit seinem Wächter besprechen will."

„Ich versteh dich nicht ganz", sagte er und runzelte die Stirn.

Buffy blieb stehen und seufzte schwer. „Oh Mann. Träume, die… die …nun ja, sehr persönlich sind", und da ihr Mentor sie vollkommen ratlos ansah, seufzte sie noch lauter. Manchmal konnte Giles sehr begriffsstutzig sein. „Sie wissen schon… Mann und Frau … und all die netten Sachen, die man zu zweit so anstellen kann."

„Du meinst...oh, ich verstehe", murmelte Giles und lief fast das Sofa um. „Darf ich fragen, von wem du träumst?", erkundigte er sich, nachdem er sich wieder gefangen hatte.

„Ich glaube, das ist unwichtig", versuchte Buffy die totale Blamage abzuwenden. Sie spürte die Röte in ihre Wangen steigen und nippte eilig wieder an dem, was Giles ihr als Kaffee überreicht hatte.

„Da bin ich aber ganz anderer Meinung. Vielleicht hat dir derjenige einen Fluch auf den Hals geschickt. Oder es ist ein verunglückter Liebeszauber. Vielleicht…"

Er ist kein Mensch und ich glaube, es wäre das Letzte, was er machen würde", stöhnte sie, tief beschämt bei dem Thema. „Es ist wirklich…"

„Hey", brüllte der Vampir aus dem Badezimmer. „Wenn ich schon nicht wissen darf, um was es geht…. Könnte dann jemand so nett sein und mir einen verdammten Blutbeutel bringen? Ich habe Hunger!"

Buffy seufzte schwer, sah ihren Mentor verlegen an und deutete mit dem Kopf in Spikes Richtung.

„Ach du meine Güte", nuschelte Giles, als er verstanden hatte und räusperte sich. „Ich verstehe, dass du damit ein Problem hast." Er riss seine Brille herunter und drehte sich schnell weg. „Sehr unangenehm. Wirklich sehr unangenehm", murmelte er um Fassung ringend. „Das, hm…, lässt die Angelegenheit gleich in einem ganz anderen Licht erscheinen."

„Er kann es nicht gewesen sein", sagte die Jägerin kleinlaut und trank schnell wieder von ihrem Kaffee. Ihr Mentor wusste so gut wie alles, was je in ihrem Leben passiert war, aber das war ein Thema, dass sie bestimmt nie freiwillig mit ihm besprochen hätte. ‚Grauenvoll’, dachte sie und schüttelte sich.

„Nein, das kann er nicht", stimmte der Wächter zu. „Aber was ist es dann?"

 

                                                                                          *~*~*~*

 

Diffuses Licht durchströmte den kleinen unterirdischen Raum und es roch nach geschmolzenem Plastik. Aus einem uralten Radio dudelte leise Musik und der junge Mann, der gebeugt über seine Arbeit an einer Werkbank saß, fluchte leise vor sich hin.

„Verdammt noch mal", schrie er Sekunden später auf und pfefferte den Lötkolben auf den Arbeitstisch, mit dem er säuberlich die feinen Drähte auf einer winzigen Platine angebracht hatte.

Er sprang auf und raufte sich die Haare. „Es muss funktionieren! Es muss einfach! Mir bleibt nicht mehr viel Zeit!" Er starrte auf seine krummen, ungelenken Finger und verfluchte sie.

Mühsam beruhigte er sich wieder und setzte sich, um seine Arbeit zu beenden. Er wusste nicht genau, wie viele Tage ihm blieben, aber solange seine Erschaffer noch in der Stadt waren, war noch nicht alle Hoffnung verloren.

„Ihr müsst nicht nur wissen, ihr müsst dieses Wissen auch anwenden können!"

Wie hatte er diesen verfluchten Ausspruch seines ehemaligen Professors gehasst! Und jetzt rauschte er wieder und wieder durch seinen Kopf und er hatte fast das Gefühl, Prof. Bennett stünde hinter ihm und flüsterte ihm ins Ohr.

Nur zu gut konnte er sich an eine der Vorlesungen zurückerinnern, die sein Leben noch schlimmer gemacht hatten, als es eh schon gewesen war. Er hatte in der hintersten Reihe des Hörsaals gesessen und seine langen Finger in die Luft gestreckt.

„Ja, bitte", hatte der Professor in seiner herablassenden Art gesagt und ihn wie ein nutzloses Insekt angestarrt. „Was gibt es, Mr. Johnson?"

„Ich wollte nur sichergehen, ob Sie wissen, dass Sie uns gerade den Schaltplan einer Bombe verdeutlicht haben?"

Und der arrogante Lehrer hatte sich über seine Besorgnis lustig gemacht. „Ach du meine Güte." Der Professor hatte sich an die anderen Studenten gewandt und dafür gesorgt, dass sich alle Anwesenden zu ihm umdrehten. „Mr. Johnson ist heute wieder einmal besonders intelligent", hatte er in seiner widerlichen Art kundgetan. „Dies ist ein Physikkurs für Fortgeschrittene. Und manchmal frage ich mich, was ausgerechnet Sie hier zu suchen haben!" Er hatte schallend gelacht. „Eine Bombe! Zu ihrer Information: Dieser so genannte Schaltplan findet bei allerlei Gerätschaften Verwendung. Allerdings wundert es mich nicht, dass ausgerechnet Sie ihn für eine so banale Sache wie einen Sprengkörper nutzen würden!"

Und er, Eric Johnson, erinnerte sich noch zu gut an das Gelächter, das den Hörsaal durchflutet hatte. Er war zum Gespött des ganzen Kurses geworden und Professor Bennett hatte ihn den gesamten Rest des Semesters niedergemacht, wann immer er nur gekonnt hatte.

„Jedenfalls so lange", lächelte Eric, in Erinnerungen schwelgend, „bis sein verdammtes Auto mitsamt ihm in Flammen aufgegangen ist."

Er lachte abgehakt. Er kannte keine Skrupel. Das war eine der netten Eigenarten, die seine Eltern ihm hinterlassen hatten und gegen die er ausnahmsweise einmal nichts einzuwenden hatte.

Aber von dem Moment an, als das Auto in die Luft flog, schien sein Weg vorbestimmt. Er hatte das College an den Nagel gehängt und sich ganz seiner Rache verschrieben.

Und jetzt… jetzt war er seinem Ziel so nahe, wie nie zuvor. Und er würde nicht aufgeben!

Teil 4

Das Telefon klingelte unaufhörlich und der Wächter hatte das Gefühl, dass es bei jedem Klingeln einen Ton schriller wurde. Der angekettete Vampir tat außerdem sein Möglichstes, um ihm noch weiter auf die Nerven zu gehen und Giles fiel es schwer, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.

„Verdammt, Wächter! Jetzt gehen Sie endlich an den Apparat!", brüllte Spike und rüttelte lärmend an seinen Ketten. „Das ist ja nicht auszuhalten! Jede verdammte Gruft ist besser als dieser Mist! Keine Sekunde Ruhe!"

Doch der Wächter reagierte nicht. Seine Jägerin war vollkommen erschöpft auf dem Sofa eingeschlafen und das Einzige, was er tun konnte, war, sie zuzudecken und mit einem Schutzzauber einzuhüllen. Und dann zu hoffen, dass sie die dringend benötigte Ruhe fand.

„Was?", schnauzte er in den Hörer, nachdem er seinen Zauber beendet hatte und das Telefon zum vierzigsten Mal klingelte. „Oh,… ähm, hallo Willow", ruderte er zurück. „Nein. Ja. Alles bestens. Willow… Willow, beruhige dich! Buffy ist hier. Ja. Es geht ihr gut." Er lauschte der aufgeregten Hexe und tat sein Bestes, um sie zu beruhigen. „Willow, bitte… es ist alles gut. Buffy schläft… ja, wir wissen, dass das ein Problem ist. Und es wäre wirklich nett von dir, wenn du sie für heute krankmelden würdest. Es ist ja schon Freitag…" Er machte eine Pause und atmete tief ein. „Du könntest ihr einen Gefallen tun", sagte er dann leise in den Hörer. „Sie könnte neue Anziehsachen gebrauchen… du weißt schon… Nein! Geh in deine Vorlesung. Sie soll sich erst ausschlafen. Ja… heute Mittag ist gut. Bestens! Bis dann!"

Buffy jedoch tauchte schon längst wieder in eine Traumwelt ein. Sie räkelte sich auf dem Sofa, zog die Decke, mit der Giles sie zugedeckt hatte, höher und ein sanftes Lächeln zierte ihr Gesicht, als die ersten Bilder eines Traums aufflammten.

 

                                                                                         *~*~*~*

 

Der Friedhof war in tiefste Dunkelheit getaucht und sie stand kampfbereit auf einem Grabstein. Ihre Muskeln waren gespannt und sie hielt den Pflock kampfbereit in der Hand.

Buffy spitzte die Ohren und lauschte auf die schwachen Bewegungen hinter sich. Sie wartete, wartete gespannt auf das, was unweigerlich folgen musste. Und ihre Geduld wurde nicht lange auf die Probe gestellt.

Zwei Vampire sprangen aus dem Gebüsch auf sie zu und sie duckte sich unter ihnen hinweg. Ein Tritt in die Magengrube bremste den ersten Vampir aus und sie wirbelte herum und verpasste dem zweiten einen kraftvollen Schlag in den Nacken.

Leiser Applaus ließ sie zusammenzucken. Spike hockte auf dem Dach eines Grabmals und klatschte in langsamen Rhythmus in die Hände. „Nicht schlecht", lächelte er falsch. „Zumindest für den Anfang!"

Doch die Jägerin hatte keine Zeit für eine bissige Antwort. Der größere ihrer Gegner stürmte mit dem Kopf voran auf sie zu und sie sprang einfach über ihn hinweg, griff nach seinem Arm und wirbelte ihn herum. Drei bis vier Schläge später war er bereit in die ewigen Jagdgründe einzugehen und sie erlöste ihn mit den Worten: „Schönen Gruß an die Hölle!"

„Du hast schon bessere Sprüche geklopft", meldete sich Spike wieder zu Wort. Er hatte es sich auf dem Dach gemütlich gemacht und saß am Rand der etwa drei Meter hohen Gruft. Seine Beine baumelten und er rauchte in aller Seelenruhe eine Zigarette.

„Was geht dich das an?", schnauzte die Jägerin, trat dem zweiten Angreifer die Beine unter dem Körper weg und drehte sich herum, um ihn mit einer geschickten Kombination aus Tritten und Schlägen auf dem Boden festzunageln.

„Was mich das angeht?", lachte Spike. „Wahrscheinlich gar nichts. Aber ich muss gestehen, ich sehe dir zu gern bei der Arbeit zu!"

„Und ich wusste immer schon, dass du einen gewaltigen Knall hast", brummte Buffy und trieb ihrem Gegner einen Pflock in das untote Herz. Sie stand auf, klopfte sich den Staub von der Kleidung und sah dem blonden Vampir in die Augen. „Und? Hat es Spaß gemacht? Komm da runter und ich zeige dir, wie sich Holz in deinem Körper anfühlt."

Mit einem eleganten Satz sprang Spike von seinem Grabmal und er schüttelte sanft den Kopf. „So böse Worte aus deinem Mund", grinste er und schnipste den Zigarettenstummel in die Luft. Beinahe raubtierhaft bewegte er sich auf sie zu und blieb erst dicht vor ihr stehen. „Also wirklich", tadelte er und seine blauen Augen sprühten Funken der Belustigung. „Das solltest du dir wirklich abgewöhnen!"

„Was willst du?", fauchte die Jägerin und kniff zornig die Augen zusammen.

„Das gleiche wie du", erwiderte er und ehe sich Buffy versah, lag sie in seinen Armen.

„Und da bist du dir so sicher?", versuchte sie es wieder und unternahm halbherzige Befreiungsversuche.

„Allerdings", flüsterte er leise und küsste sie stürmisch.

Seine kalten Hände wanderten unter ihre Jacke und dann weiter unter ihr Shirt. „Spike", seufzte sie, dann wurde es dunkel um sie herum.

 

                                                                                          *~*~*~*

 

„Und wir sollen sie wirklich wecken?", erkundigte sich Willow. „Sie sieht so friedlich aus", meinte sie mitfühlend. „Sehen Sie das? Sie lächelt. Vielleicht steckt sie mitten in einem aufregendem Traum!"

„Genau das befürchte ich", murmelte der Wächter so leise, dass die rothaarige Hexe ihn nicht verstehen konnte. „Ich muss wissen, ob es ihr besser geht", sagte er dann lauter. „Und ich muss wissen, ob die Schutzformel gewirkt hat. Vielleicht lässt das Rückschlüsse auf ihren Zustand zu."

„Also gut", nickte Willow und kniete sich vor das Sofa. Sie wolle ihre Freundin möglichst sanft wecken und wartete nun darauf, dass der Wächter die magische Barriere auflöste.

Giles murmelte ein paar Worte und die schützende Hülle, die seine Jägerin wie ein Kokon umhüllt hatte, platzte. „Buffy!", flüsterte er leise und wieder war es seine Hand, die sie durch sanftes Rütteln weckte.

„Gleich, Mom. Nur noch fünf Minuten", nuschelte sie undeutlich und zog die Decke bis über die Ohren.

„Buffy", sagte nun Willow. „Alles okay mit dir?"

„Hey, Will", begrüßte die Jägerin ihre beste Freundin leise. Sie hatte nur ein Auge geöffnet und das wanderte von der Hexe zu dem Wächter und wieder zurück. „Was ist passiert…?", sagte sie und richtete sich langsam auf. „Vergesst es. Ich weiß es schon wieder."

„Wie fühlst du dich?", erkundigte sich Giles besorgt.

„Besser", murmelte sie nach reiflicher Überlegung. „Ich bin zwar noch immer müde, aber ich fühle mich längst nicht mehr so ausgelaugt wie heute Morgen." Sie reckte sich und gähnte ausgiebig.

Der Wächter nickte zufrieden. „Dann hat mein Zauber gewirkt!"

„Was war das für ein Zauber?", erkundigte sich nun Willow und setzte sich neben Buffy auf das Sofa.

„Ein einfacher Schutzzauber", erwiderte Giles. „Er wirkt wie eine undurchdringliche Blase", erklärte er dann. „Geräusche, Gerüche… nichts kann hindurch dringen und wie es scheint, hat er tadellos gewirkt."

„Allerdings", lächelte die Jägerin dankbar. Sie wollte mit der Hand die Haare aus dem Gesicht streichen und stockte, als sie die wirren Strähnen spürte.

Spike brachte die Situation auf einen Punkt. Er kam mit einer frisch aufgewärmten Tasse Blut aus der Küche und lachte. „Welchem dämonischen Geist bist du denn begegnet?" Er grinste über beide Ohren und schüttelte den Kopf. „Verdammt, Slayer! So beschissen hast du noch nie ausgesehen!"

Buffy, schon eine bissige Erwiderung auf der Zunge, stockte, als ihr Mentor aufstöhnte und sich mit der flachen Hand vor die Stirn schlug. „Das ist es", stöhnte er. „Ich war wie vernagelt! Wie vernagelt! Vollkommen auf der falschen Spur"

„Kann mir mal jemand erklären, was hier los ist?", schnaubte Buffy beleidigt. Eigentlich wollte sie nichts lieber, als in das Badezimmer stürmen, aber ihre Neugierde war stärker. Sie wollte unbedingt wissen, was vor sich ging und so blieb sie an Ort und Stelle.

„Es ist kein Fluch", sagte Giles und sprang auf. Er eilte durch den Raum, stellte sich vor sein Bücherregal und seine Finger wanderten suchend über die Einbände. „Und dabei ist es sonnenklar!"

„Schön", brummte die Jägerin und sah ihre beste Freundin augenrollend an. „Ob er uns auch noch sagt, was so sonnenklar ist? Oder müssen wir ihn noch ein paar Mal dazu auffordern?"

Spike wollte etwas erwidern, doch Buffy bremste ihn mit einem bitterbösen Blick aus. „Du hältst dich da raus", knurrte sie und wandte sich Willow zu.

„Er wird es uns schon verraten", lachte die Hexe und sah dem Wächter dabei zu, wie er verschiedene Bücher aus dem Regal nahm. „Gleich. Irgendwann."

„Giles!" Buffys Stimme klang genervt und der grinsende Vampir, der es sich ihr gegenüber gemütlich machte, machte es nicht gerade besser.

„Sofort", murmelte der Wächter. „Ich muss nur noch das richtige Buch finden!"

 

´                                                                                           *~*~*~*

 

„Warum, noch mal, müssen wir in den Baumarkt fahren?", erkundigte sich Anya bei Xander und sie betonte das Wort so merkwürdig, als hätte sie es nie zuvor gehört. Sie saß auf dem Beifahrersitz und nestelte gelangweilt an der Spitze ihres Pullovers. „Ich würde viel lieber etwas anderes machen."

„An, mein Schatz", sagte Xander weise. „Ein Baumarkt steht für die große amerikanische Kultur. Es beweist, dass jeder Mann ein wahrer Künstler sein kann und sei es auch nur, um für seinen fünfjährigen Sohn einen Sandkasten im Garten zu bauen."

„Du hast keinen Garten, nicht einmal einen Sohn", maulte die Ex-Dämonin. „Was willst du mit einem Sandkasten?" Anya hatte überhaupt keine Lust, sich auf die Denkweise ihres Freundes einzustellen und sie verzog schmollend das Gesicht.

„Du verstehst einfach nicht den Sinn, der sich dahinter versteckt", versuchte es der Dunkelhaarige wieder und fädelte sich geschickt in den Verkehr. „D.I.Y.", lachte er. „Do it yourself! Männer stehen auf solchen Kram!"

„Dann sag mir mal, was du bauen willst", forderte Anya ihn auf, „und ich sage dir dann, wo man es bedeutend schöner und günstiger kaufen kann. Ich weiß nicht viel, aber solche Dinge weiß ich immer!"

„Du denkst, wie immer, viel zu materialistisch", beschwerte er sich und schüttelte den Kopf. „Was man mit den eigenen Händen erschafft…"

„Xander, bitte", schimpfte Anya. „Ich habe heute wirklich keine Lust auf Lektionen über das amerikanische Leben oder das Leben überhaupt. Sag mir einfach, was du kaufen willst und ich beruhige mich vielleicht."

„Schrauben", gestand er leise.

„Schrauben? Wir machen diesen langen Weg, um Schrauben zu kaufen?", fragte sie enttäuscht. „Was willst du damit?"

„Mein Regal geht aus dem Leim", erklärte er seufzend. „Du weißt schon… Keller… Feuchtigkeit…" Seine gute Laune war wie weggeblasen und er starrte aus der Frontscheibe. „Ich kann es nun mal nicht ändern", sagte er leise. „Neue Möbel kann ich mir momentan einfach nicht leisten."

„Ist schon gut", sagte Anya und seufzte ihrerseits. „Aber nur, wenn ich dir nachher bei der Arbeit zusehen kann und du für mich dein Hemd dabei ausziehst."

„…okay", erwiderte er und zog das Wort dabei gewaltig in die Länge. „Das lässt sich einrichten." Er setzte den Blinker und fuhr auf den Parkplatz des Baumarkts. „Es dauert auch bestimmt nicht lange und wenn wir zurück sind, dann können wir noch schnell was vom Chinesen besorgen. Dann kann der gemütliche Teil des Tages anfangen."

„Aber es ist doch erst früher Nachmittag", widersprach die Ex-Dämonin.

„Eben! Genau deswegen ja", grinste Xander. „Massig Zeit, um sie mit den schönen Dingen des Lebens zu verplempern.

 

Den Baumarkt selbst fand Anya langweilig und öde. Allerdings gefiel Xander ihr plötzliches Interesse an Metallketten überhaupt nicht und er schob sie schnell den Gang hinab. „Schau mal da", sagte er, etwas zu enthusiastisch. „Wunderschöne Rasenmäher!"

Xander, fachmännisch wie jeder Hobbyhandwerker, suchte schnell die passenden Schrauben und prallte in seinem Eifer mit einem anderen Kunden zusammen.

„Entschuldigung!... Ich…oh, hey, Alter! Dich habe ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr zu Gesicht bekommen", grinste er, als er seinen alten Kumpel erkannte. „ ’ne Menge Kabel hast du da!", meinte er und deutete auf den Einkaufswagen. „Was machst du damit?"

„Hi Xander", grüßte der andere zurück, ohne auf seine Frage einzugehen und warf fragende Blicke auf Anya, die auf und ab wippte und ansonsten völlig gelangweilt wirkte.

„Meine Freundin", erklärte Xander nicht ohne Stolz. „Aber sag mal… wo bist du abgeblieben? Andrew aus dem Comicshop sagt, er habe dich seit Wochen nicht mehr gesehen und…"

„Hab irgendwie die Lust daran verloren", unterbrach der Angesprochene und zuckte linkisch mit den Schultern. „Du, Xander… es tut mir leid, aber heute habe ich wirklich keine Zeit. Meine Eltern sind in der Stadt und ich muss ihnen noch ein heißes Willkommen bereiten!" Er lachte abgehakt und verschluckte sich beinahe.

„Hey! Schon okay", murmelte der Dunkelhaarige etwas verwirrt und hob abwehrend die Hände. „Wir haben selbst noch so Einiges vor heute." Er nickte seinem alten Kumpan zu und schaute ihm hinterher, als er zur Kasse lief.

„Mann! Den habe ich schon seit Urzeiten nicht mehr gesehen. Früher haben wir jeden Monat zusammen auf das Erscheinen des neuen Ghostriders gewartet", sagte er mehr zu sich selbst als zu Anya, die sich an seinen Arm klammerte. „Er war immer schon merkwürdig…aber heute", er zuckte mit den Schultern. „Naja, was soll’s. Wir waren nie die dicksten Freunde. Wir mochten nur die gleichen Comics."

„Ist vielleicht besser so", murmelte die Ex-Dämonin. „Dass er kein Freund von dir ist", fügte sie hinzu, da Xander sie verständnislos anblickte.

„Warum? Hey, eigentlich ist wirklich nett. Manchmal bissel aufbrausend, aber sonst okay.", versuchte Xander zu erklären, doch die Ex-Dämonin schüttelte vehement den Kopf.

„Er ist ein Wechselbalg! Von denen kann man nur selten Gutes erwarten!"

Teil 5

Der Abend dämmerte und wieder zogen dunkle Wolken über den Himmel, die für Menschen ohne Regenschirm nichts Gutes verhoffen ließen. Doch Buffy hatte keine Lust, weiter über das Wetter nachzudenken. Sie saß an Giles Esstisch und trommelte nervös mit den Fingern auf der Tischplatte. Am frühen Nachmittag hatte sie sich mit einer dürftigen, nichtssagenden Erklärung abspeisen lassen, aber so langsam ging ihr der Klang von umgeblätterten Buchseiten mächtig auf die Nerven.

Der Vampir saß ihr gegenüber und grinste ununterbrochen. Im Moment verhielt er sich allerdings außergewöhnlich ruhig, jedenfalls für seine Verhältnisse. Wahrscheinlich war seine Langeweile einfach so groß, dass er fast alles tun würde, um nicht wieder angekettet in der Badewanne zu landen.

„Giles!", schnaubte Buffy fünf Minuten später und verdrehte die Augen.

„Bin gleich soweit", erwiderte er ohne aufzusehen.

„Das Thema ist wirklich interessant", meldete sich Willow zu Wort, die neben der Jägerin saß und ebenfalls einen dicken, uralten Wälzer vor sich hatte. „In jeder Kultur gibt es Berichte darüber und jede dieser Kulturen hat sehr unterschiedliche Meinungen dazu. Und einige davon gefallen mir ganz und gar nicht."

Buffy seufzte leise und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. „Mag ja sein", brummte sie. „Aber um mir eine Meinung bilden zu können, müsste ich erstmal wissen, um was es geht."

„Dir sitzt ein Incubus auf der Schulter", meinte nun der Vampir und schüttelte gelangweilt den Kopf. Erstens hatte er lange genug gelebt, um von diesen Mischwesen gehört zu haben und zweitens konnte er in Giles Buch plinsen und mitlesen, was der Wächter so eingehend studierte.

„Was für`n Bus?", wiederholte Buffy verblüfft.

„Ein Incubus", erklärte nun Giles und warf böse Blicke auf Spike. „Das ist ein Nachmahr. Ein dämonisches Wesen, dass deine Träume beeinflusst."

„Nett gesagt, Wächter", grinste Spike und trug den Absatz vor, den er von vielen Seitenblicken auswendig kannte. „Incubi (die Mehrzahl) sind männliche Dämonen aus der jüdischen und christlichen Mythologie. Sie ernähren sich von der Lebensenergie schlafender Frauen, mit denen sie sich nachts paaren. Wenn sich ein Incubus mit einer Frau vereint, wacht diese während des Aktes nicht auf und kann sich höchstens in Form eines Traumes an den nächtlichen Besuch erinnern." Er lachte fies. „Das ist doch mal was. Jedenfalls ein kompletter Gegensatz zu dem, was du sonst so machst!"

„Iiiiiiiiiiihhhh", entfuhr es der Jägerin. „Ein dämonisches Dingens paart sich mit mir?" Sie schüttelte sich angeekelt und starrte ihren Mentor entsetzt an. „Wie ätzend ist das denn?"

Tröstend legte Willow ihr ihre Hand auf den Arm. „Du darfst das nicht zu wörtlich nehmen", sagte sie sanft. „Im Grunde heißt es nur, dass er dir bestimmte Träume aufzwingt und sich dann von deiner Energie nährt."

„Was nicht wirklich besser ist", ekelte sich Buffy und kämpfte die Gänsehaut nieder, die ihren Rücken heraufkrabbelte. Reichte es nicht, dass sie jeden verdammten Tag gegen Monster, Mutanten und anderes abscheuliches Getier kämpfen musste? Mussten diese Wesen ihr auch noch Träume aufzwingen und dann ihre Energie abzapfen?

„Jedenfalls erklärt es, warum du dich so ausgelaugt gefühlt hast", sagte Giles und rieb sich die, vom vielen Lesen müden, Augen. „Nun, es erklärt es teilweise", fügte er hinzu. „Normalerweise dürfte es dir nicht so viel ausmachen. Dass du unausgeschlafen bist, … das gehört wohl dazu, wenn sich ein solcher Nachtmahr an deinen Kräften nährt. Aber diese absolute Mattheit erklärt es nicht."

„Mag sein, wie es will", murmelte Spike. „Jedenfalls es hat einen großen Vorteil", grinste der Vampir hinterhältig. „Die Träume sind von der besonders netten Art."

„Halt die Klappe, Spike", brummten Willow und Buffy wie aus einem Mund und grinsten sich an.

„Warum?", erwiderte der Vampir, der sich von so etwas nicht aufhalten ließ. „Stimmt aber doch." Er lachte verschmitzt. „Würde mich glatt interessieren, wer der Glückliche war, der dich im Traum beglücken durfte!"

„Halten Sie endlich Ihren Mund", drohte nun Giles. „Oder ich sehe mich gezwungen, Sie wieder in der Badewanne anzuketten!" So langsam hatte er genug von dem Vampir. Ungefährlich hin oder her, es reichte einfach und er war drauf und dran, ihm trotz der Umstände einfach einen Pflock durch das Herz zu jagen.

„Schon gut, schon gut", brummte Spike, der das mit allen Mitteln verhindern wollte. Er hatte außerdem eine viel unterhaltsamere Beschäftigung gefunden. Das Rot auf den Wangen der Jägerin war kaum zu übersehen und seit seinem letzten Spruch vermied sie es, ihn anzusehen. Er hatte also wieder einmal ins Schwarze getroffen und lächelte still vor sich hin. ‚Was ich wohl noch so herausfinden kann?’, dachte er vergnügt.

Was genau war es, das der Jägerin peinlich war? War es einfach, weil er soviel wusste? Oder lag es daran, dass er sich nur zu gut vorstellen konnte, was in ihren Träumen geschehen war? Er riss die Augen auf und musterte sie eingehend. ‚Oder …was noch viel interessanter wäre… bin ich es gewesen, der sie nachts besucht hat?’ Er lachte leise. ‚Wohl eher nicht’, dachte er dann. ‚Aber es ist eine absolut geniale Möglichkeit, sie aufzuziehen!’

„Ähm… Giles", meinte Buffy leise. „Wahrscheinlich ist es Quatsch, was Spike da eben sagte. Aber sitzt mir dieses Ding wirklich auf der Schulter? Also…, ich meine, begleitet es mich überall hin?"

„Natürlich nicht", brummte der Wächter und kanzelte den Vampir wieder mit bösen Blicken ab. „Das war nur ein dummes Wortspiel!"

„Also schleppe ich diesen Albtraum nicht mit mir herum?", versicherte sie sich noch einmal.

„Selbstverständlich nicht. Es hat dich vermutlich ausgesucht, weil du die stärkste junge Frau in Sunnydale bist. Von dir kann er sich eine lange Zeit ernähren und viel Energie tanken. Dementsprechend wird er sich irgendwo auf dem Campus verbergen." Er runzelte die Stirn. „Außerdem hatte ich dich hier in einen Schutzzauber gehüllt. Den hätte er nicht durchdringen können."

„Aber warum habe ich dann hier auch…?" Buffy biss sich auf die Zunge. Sie hatte schon zuviel verraten. Der wissende Blick des Vampirs machte das mehr als deutlich.

„Was mich interessieren würde", sagte Willow und blickte von ihrem Buch auf, „ob auch ein weibliches Wesen dieser Art, also ein Succubus, hier sein Unwesen treibt?" Sie hatte von der vergangenen Unterhaltung kaum etwas mitbekommen, da sie viel zu tief in ihrer Lektüre versunken gewesen war. Jetzt blickte sie abwechselnd von Buffy zu Giles und hob verwundert die Augenbrauen. „Hab ich was verpasst?"

„Die Jägerin wollte uns nur gerade an ihren Träumen teilhaben lassen", grinste der Vampir hinterhältig und er schenkte der Jägerin ein breites Grinsen.

„Wollte ich nicht", zischte Buffy, dann sah sie zu Willow. „Warum willst du das wissen?"

„Och, ich habe nur gelesen, dass wenn sich… Also, hm…nun ja", sagte sie und ein sanfter Rotton lag auf ihren Wangen. „Manchmal paaren sich diese Wesen auch untereinander…also, so richtig…", erklärte sie. „Und daraus entsteht dann ein Wechselbalg, dass sie von ahnungslosen Menschen aufziehen lassen."

„Ein Wechselbalg?", wiederholte die Jägerin. „Ich hielt die Geschichten darüber immer nur für Märchen", gestand sie, dankbar für das neue Thema. „Und soweit ich mich erinnere, waren es immer Trolle, die ihre Kinder mit Menschenkindern vertauschten."

„Das ist so nicht ganz richtig", mischte sich Giles klärend in das Gespräch ein. „Viele Wesen und Mischwesen lassen ihre Nachkommenschaft von Menschen aufziehen. Und ihnen ist immer eines gemeinsam: Ein Wechselbalg wird oft als verkrüppelt beschrieben. Er hat krumme, überlange Gliedmaßen und sein Temperament ist oft kaum zu zügeln. Außerdem sagt man ihnen nach, dass sie keinerlei Skrupel oder Bedenken haben. Sie machen, was sie wollen und es ist ihnen egal, was daraus entsteht."

„Na, ganz toll", brummte Buffy und warf einen prüfenden Blick auf ihre eigenen Hände. „Aber was bedeutet das nun für mich? Gehe ich auf Dämonenjagd oder verschwinden diese Fieslinge von alleine wieder?" Sie zuckte mit den Schultern. „Immerhin töten sie keine Menschen. Oder habe ich jetzt auch noch diese Wechselbälger am Hals?"

„Ich denke eher nicht", brummte Giles. Und für gewöhnlich halten sich Incubi nicht lange an einem Ort auf!" Wieder war es der Wächter, der aufsah und erklärte. „Und ich bin mir nicht mal sicher, ob wir sie überhaupt aufhalten könnten."

„Also", überlegte die Jägerin laut, „heißt das für mich, ich kann nicht wieder ins Studentenheim, weil dieses schreckliche energieraubende Wesen irgendwo hockt und auf mich wartet? Ich muss gestehen, ich habe keinerlei Lust, mich wieder so schwach und schlapp zu fühlen." Immerhin war das etwas, was sie gar nicht kannte. Für gewöhnlich war sie topfit und strotzte nur so vor Kraft.

„Du kannst wieder zurück", murmelte der Wächter, längst wieder in eines seiner alten Bücher vertieft. „Willow kennt den Schutzzauber und wird ihn sicherheitshalber über dich ausbreiten."

„Und was passiert dann mit ihr?", bohrte die Jägerin weiter. „Was, wenn sich dieser Nachtmahr dann an ihren Kräften gütlich tut?"

„Die Gefahr ist sehr gering", meinte Giles sanft und sah die Hexe mitfühlend an. „Jeder, der Augen im Kopf hat, sieht, dass sie äußerst mitgenommen ist. Entschuldige, Willow, aber ich glaube, du hast noch immer mit… mit der Angelegenheit zu kämpfen."

Die Rothaarige nickte nur, wenn auch kaum merklich. Giles hatte Recht. Sie war noch lange nicht über Oz hinweg, aber sie hatte gehofft, es besser überspielen und verstecken zu können.

„Ist schon gut", meinte Buffy und diesmal war sie es, die die Freundin tröstend in den Arm nahm. „Komm! Wir verschwinden jetzt von hier", sagte sie. „Heute finden wir sowieso nichts mehr heraus. Wir holen uns auch dem Rückweg noch was zu Essen und machen uns dann auf den Weg zum College. Ich muss gestehen, ich könnte eine Mütze voll Schlaf gut gebrauchen."

„Ich melde mich, wenn ich Näheres weiß", versprach Giles und nickte. Auch sein Tag war lang gewesen und ein bisschen Ruhe wäre nun genau das Richtige.

„Super", grummelte der Vampir. „Große Abschiedszeremonie!", motzte er. „Und was mache ich jetzt?"

„Fernsehen", erwiderte Giles so liebenswürdig, wie er konnte. „Und zwar in der Badewanne!"

 

                                                                                           *~*~*~*

 

Die Tanzfläche des Bronze gehörte ihr. Ihr ganz alleine! Die anderen Tanzwütigen hatten ihr bereitwillig Platz gemacht und bildeten nun einen Kreis um sie.

Buffy war sich ihrer Ausstrahlung durchaus bewusst und sie genoss jeden Blick der fast ausschließlich männlichen Gäste. Immerhin war es fast so geplant gewesen und sie hatte durch ihre Kleidung ein solches Verhalten geradezu herausgefordert. Die schwarze, hüfthohe Jeans umspielte ihre Figur, hob die entsprechenden Stellen besonders hervor und das weiße, ärmellose Top zeigte mit seinem gewagten Ausschnitt mehr, als es versteckte.

Sie genoss jede Sekunde, jeden bewundernden Blick, aber besonders gut gefiel ihr, dass er sie keine Sekunde aus den Augen ließ. Er lehnte mit dem Rücken an der Theke, trank hin und wieder einen Schluck aus seiner Bierflasche und schaffte es dennoch, sie nicht eine Sekunde aus den Augen zu lassen.

Sie spürte seine brennenden Blicke auf ihrem Körper und konzentrierte sich ganz auf ihn. Jede ihrer anmutigen, aufreizenden Bewegungen waren nur dazu da, ihn aus der Reserve zu locken und dazu zubringen, den ersten Schritt zu machen.

Sie drehte sich weiter im Takt der Musik und sah aus den Augenwinkeln, dass er sich von der Theke abstieß und einen Weg durch die Menge bahnte. ‚Gleich ist es soweit’, dachte sie voller Vorfreude und beobachtete ihn bei jedem Schritt.

Dann war er da, fing sie mitten in der Bewegung ab und presste seine Lippen auf die ihren. „Lass uns gehen", forderte er sie wenig später auf und zog sie, ohne auf eine Antwort zu warten, einfach hinaus ins Freie.

Buffy spürte die kalte Nachtluft auf ihrem Körper und jeder noch so kleine Windhauch ließ ihre erhitzte Haut frösteln. „Spike", flüsterte sie leise, doch der Vampir drängte sie in eine Seitengasse. Er presste sie mit seinem Körper an die Wand und ließ gleichzeitig seine Hände auf Wanderschaft gehen.

„Nicht hier", seufzte sie heiser, als sich seine Finger einen Weg unter ihr Shirt bahnten.

Und wie es sich für einen anständigen Traum gehörte, verwandelte sich die Szenerie sofort.

Buffy stand noch immer an einer Wand. Aber dieses Mal gehörte diese Wand zu ihrem Zimmer im Studentenheim und nicht mehr zu der kalten Gasse hinter dem Bronze.

„Schon besser", murmelte sie und ging sofort zum Angriff über. Sie streifte dem Vampir den Mantel von den Schultern und küsste ihn hungrig. Ihre Finger wanderten voller Vorfreude unter sein T-Shirt, hoben es an und er unterstützte sie, indem er es einfach über den Kopf zog.

„Sag mir, dass du mich willst", forderte er sie heiser auf und seine Finger öffneten geschickt ihren BH.

„Ich will dich", raunte sie zurück und sie drängte ihn in Richtung ihres Bettes. „Jetzt! Sofort!"

Das ließ sich Spike nicht zweimal sagen und wenige Sekunden später lagen beide im Bett und die Jägerin knabberte sanft am Hals des Vampirs. „Ich will dich spüren", hauchte sie heiser und klammerte sich an seinem Rücken fest. „Spike! Ja!"

Teil6

Der Morgen war regnerisch und trüb. Die Straßen schimmerten noch immer feucht und auf den Dächern der vorbeifahrenden Autos glitzerten Regentropfen im Sonnenlicht. Doch Buffy war viel zu sehr in Gedanken versunken, um solche Bagatellen zu bemerken. Zusammen mit Willow saß sie in einem kleinen Cafe unweit des Colleges und nippte an ihrem Cappuccino.

„Buffy", riss die rothaarige Hexe die Jägerin aus ihren Gedanken. „Kann ich…? Darf ich…?" Sie schluckte schwer und versuchte ein Lächeln. „Ich bin mir nicht sicher, ob…"

„Spuck es aus, Will", sagte Buffy auffordernd. „Dir brennt doch den ganzen Morgen schon was auf der Seele." Sie kannte ihre Freundin zu gut, als dass sie etwas vor ihr verbergen könnte.

„Schon", murmelte Willow und zerpfriemelte ihre Serviette. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob du wirklich… wirklich wissen möchtest…oder ich…"

„Ach du meine Güte, Willow", lachte Buffy. „Du bist doch sonst nicht so unsicher. Zumindest nicht bei mir." Sie lächelte aufmunternd und bot ihr die Hälfte ihres Sandwichs an.

„Aber es ist sehr persönlich", erwiderte die Hexe, verzog das Gesicht und lehnte das Angebotene ab. „Ich habe keinen Hunger." Sie machte eine Pause und seufzte. „Weißt du… ich glaub, ich habe dir niemals eine solch persönliche Frage gestellt."

Etwas verunsichert schluckte Buffy ihren Bissen hinunter und nippte gedankenverloren an ihrem Capuccino. „Machen wir es doch so", schlug sie vor. „Du stellst deine Frage und ich behalte mir vor, sie nicht zu beantworten."

„Einverstanden", nickte Willow, sichtlich erleichtert. „Aber ich möchte auch keinesfalls, dass du sauer wirst und…"

„Ich werde nicht sauer", unterbrach Buffy. „Fest versprochen!" Sie hielt, wie für einen Schwur, zwei Finger hoch und lächelte ihre beste Freundin an.

„Also gut", murmelte Willow, dann sah sie Buffy an und grinste. „Am besten ist, ich falle mit der Tür ins Haus. Sonst trau ich mich gleich wieder nicht." Sie holte tief Luft, sammelte all ihre Kräfte und senkte die Stimme. „Kann es sein, dass deine Träume…, also die der letzten Tage, von… Spike handeln?"

„Uuuumpf", machte Buffy und hatte Mühe, den Schluck Capuccino hinunterzubringen, den sie gerade hatte trinken wollen.

„Du hast letzte Nacht mehrfach seinen Namen geflüstert", sagte Willow, schaute beschämt zur Seite und hatte dann das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. „Weißt du, ich bin letzte Nacht wach geblieben… Ich habe einen Zauber ausprobiert, der den Nachtmahr sichtbar machen sollte… und es hat auch funktioniert. Ich habe ihn gesehen. Er hat versucht, an dich heranzukommen, aber das konnte er nicht wegen dem Schutzzauber und dann…ist er wieder verschwunden." Sie seufzte leise. „Er hat nicht mal einen Blick auf mich geworfen. Er ist einfach durch ein Fenster abgehauen, so, als wäre ich Luft und…"

Buffy vergaß ihren Schock und machte ein mitleidiges Gesicht. „Er hätte dich bestimmt liebend gerne angezapft, wenn du vollkommen bei Kräften wärst." Sie zuckte mit den Schultern und legte einen Arm um ihre Freundin. „Es wird wieder besser. Du musst dir einfach mehr Zeit geben. Oz und du… ihr seid solange zusammen gewesen und das Ende war nicht gerade erfreulich."

„Ist schon gut", murmelte Willow. „Es wird besser. Langsam zwar, aber immerhin." Sie seufzte schwer. „Aber lass uns jetzt über dein Problem reden. Wenn es denn ein Problem ist…"

„Oh, Will, ich weiß doch selbst nicht, warum ausgerechnet…er!" Sie schüttelte sich. „Ich kann es dir wirklich nicht sagen."

„Ich finde das schon recht interessant", gestand die Hexe und ruderte zurück, als sie den finsteren Gesichtsausdruck der Freundin bemerkte. „Oh, nur vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen", beeilte sie sich zu sagen. „Immerhin ist er dein Todfeind, auch wenn er für einen Vampir recht gut aussieht." Sie murmelte leise vor sich hin und trank einen Schluck Tee. „Es gibt bestimmt einen Grund."

„Wenn es einen Grund gibt, dann möchte ich ihn gar nicht wissen", murmelte Buffy und ihre Schultern sackten herab. „Oh mein Gott, Willow. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie real diese Träume sind. Und was ich fühle… macht es nicht besser. Also das, was ich im Traum fühle."

„Was ich so gar nicht verstehe", sinnierte Willow und sah Buffy vorsichtig an. „Ich verstehe nicht, warum du auch von ihm träumst, wenn du von dem Zauber beschützt wirst."

„Hör bloß auf. Das ist peinlich genug!" Ihre Stimme klang bedeutend bissiger als geplant und sie atmete tief ein. „Entschuldige", raunte sie der bestürzt wirkenden Hexe zu. „Es ist nicht deine Schuld. Es ist nur… Ich würde das alles am liebsten sofort vergessen. Das ist der wahre Horror!"

„Wahrscheinlich ist es dein Unterbewusstsein", überlegte die Hexe laut. „Es spielt dir einfach einen üblen Streich. Vielleicht ist es, weil Spike gerade im Moment…"

„Können wir bitte über etwas anders sprechen?", unterbrach Buffy ihre Freundin. „Mir ist nicht gerade wohl dabei!"

„Also gut", lächelte Willow. „Reden wir lieber über Riley."

„Warum gerade Riley?", erkundigte sich Buffy überrascht.

„Weil er gerade hereingekommen ist." Willow stand auf und winkte den jungen Mann heran, der schüchtern lächelte und etwas verloren wirkte. „Ich geh schon vor zu Giles", flüsterte sie Buffy zu, begrüßte Riley überschwänglich und verschwand nach einer fadenscheinigen Erklärung.

„Hey, Buffy", begrüßte Riley Buffy leise. „Geht es dir wieder besser? Willow hat dich gestern krankgemeldet und ich wusste nicht, ob ich…"

„Nur ein kleiner Virus", unterbrach die Jägerin und deutete ihm an, sich neben sie zu setzen. „Alles wieder gut. Mir geht’s prima."

„Oh, das ist gut", nickte er. „Möchtest du noch einen Kaffee? Ich hole dir einen." Er war schon im Begriff wieder aufzustehen, als Buffy ihn bremste.

„Nein danke", erwiderte sie und lächelte tapfer. „Ich habe noch." Sie sah ihn an und seufzte innerlich. Er war so nett und schien ein sehr ausgeglichener Mensch zu sein. Warum machte ihr Herz nur nie einen Hüpfer, wenn sie ihn sah?

„Okay", sagte er und lächelte. „Was machst du heute Morgen? Hast du vielleicht Lust, mit mir…"

„Es tut mir Leid", unterbrach sie ihn und verzog das Gesicht. „Ich bin mit… Freunden verabredet."

„Ich verstehe", murmelte Riley und sah so betrübt aus, dass er Buffy beinahe Leid tat.

„Heute Nachmittag habe ich Zeit", sagte sie und nahm sich fest vor, sich diese Zeit freizuhalten. Sie musste einfach herausfinden, ob mehr in ihm steckte, als nur der nette Kerl von nebenan.

„Oh. Gut!", er lächelte. „Ich könnte dich abholen und wir könnten einen Kaffee trinken."

„Sehr gerne", erwiderte Buffy und lächelte zurück. Und zu ihrer eigenen Verwunderung stellte sie fest, dass es die Wahrheit war. Sie freute sich tatsächlich darauf, ihn näher kennenzulernen. ‚Besser als Spike ist er alle Male!’, dachte sie und verabschiedete sich von ihm. ‚Er muss einfach besser sein!’

 

                                                                                            *~*~*~*

 

Der Vormittag zog sich wie altes Kaugummi in die Länge und man konnte den Unmut förmlich spüren, der von den Menschen innerhalb des Appartements ausging.

Willow blätterte erschöpft in der schier unendlichen Auswahl an Büchern, die Giles Privatbibliothek hergab, aber etwas Neues hatte sie nicht entdecken können. Giles lehnte an einer Wand, hatte die Brille abgesetzt und starrte ins Leere und Buffy kaute genervt an einem Bleistift.

„Wow!, ", nörgelte Spike. „Und ihr seid also die Helden, die so viele Weltuntergänge verhindert haben. Ich kann es kaum glauben. Diese lahme Truppe. Und jetzt schafft ihr es nicht mal…"

„Halten Sie die Klappe, Spike", schimpfte der Wächter, von heftiger Wut gepackt. „Sie haben doch absolut keine Ahnung, wovon Sie da …"

„Ja klar!", schnappte der Vampir ein. „Ich habe also keine Ahnung!" Er lachte und schüttelte den Kopf. „Wer regt sich denn hier über Wesen auf, die nichts weiter tun, als Schlafenden ein wenig Energie abzusaugen? Wenn Sie doch ach so clever sind… warum warten Sie nicht einfach die paar Tage ab, bis sie von ganz alleine wieder verschwinden?"

„Weil wir nicht ausschließen können…", begann der Wächter, wurde aber unterbrochen, als die Wohnungstür sich öffnete und die beiden fehlenden Mitglieder der Scoobies herein kamen.

„Oh, wir kommen wohl ungelegen", begriff Xander sofort. Er zog Anya in das Appartement und schloss die Tür wieder. „Haben wir etwas verpasst?", erkundigte er sich und blickte neugierig von Einem zum Anderen. „Was ist denn los, Leute? Können wir euch bei irgendwas helfen? Wieder mal ein Weltuntergang?"

„Ihr könnt nur helfen, wenn ihr etwas über Incubi, Succubi oder Wechselbälger wisst", sagte Willow mit einem schiefen Grinsen im Gesicht.

„Von den ersten beiden… Dingens habe ich noch nie etwas gehört", erklärte Xander und schob Anya vor sich. „Aber über ein Wechselbalg können wir vielleicht etwas sagen. Laut Anya sind wir nämlich gestern einem begegnet."

Die Begebenheit im Baumarkt war schnell erzählt und die Ex-Dämonin ergriff das Wort. „Ihr solltet euch wirklich vor denen in Acht nehmen!", meinte sie und nickte wichtig. „Im Laufe meiner Zeit als Rachedämon bin ich so einigen dieser Art über den Weg gelaufen und ich kann euch sagen, die machen nicht viel Federlesens, wenn es um ihre Belange geht. Menschen sind da anders", wandte sie sich an Giles. „Viele haben Bedenken und trauen sich nicht, wirklich üble Flüche auf ihre ehemals Lieben loszulassen. Wechselbälger…nun, ihnen ist es egal, was passiert. Und wenn sie tausend andere mit in den Tod reißen, dann kümmert es sie auch nicht."

„Und dieser Eric hat Kabel gekauft?", fragte der Wächter interessiert und versuchte sich einen Reim auf das Gehörte zu machen.

„Eine Menge", nickte Anya und Xander stimmte ihr zu. „Und ein paar dieser lustigen kleinen Wecker." Die Ex-Dämonin zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, was er da mit will. Vielleicht will er sie ja verschenken."

„Was für Wecker?", hakte Buffy nach. Ihr kam die ganze Angelegenheit immer verworrener vor und sie überlegte, ob Spike nicht vielleicht Recht hatte und sie sich grundlos aufregten. Aber man konnte ja nie wissen.

„Diese lustigen kleinen Dinger mit den bunten Zahlen und den Comicfiguren auf den Zeigern", gab Anya bereitwillig Auskunft.

„Was er da wohl mit will?", überlegte Willow laut und legte die Stirn in Falten.

„Wenn ihr mich fragt", meldete sich der Vampir zu Wort, „Was ihr natürlich nicht macht, weil sich keiner für meine Meinung interessiert… aber wenn doch… für mich klingt es so, als baue dieser Kerl ein paar Bomben."

Giles kaute auf dem Bügel seiner Brille. „Das ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt."

„Sicher", brummte Spike und verdrehte die Augen. „Wir sprechen ja auch nur von einem Wechselbalg, dass bekanntlich keinerlei Skrupel kennt und jedem den Tod bringt, der ihm nicht in den Kram passt. Vielleicht hat er herausgefunden, dass seine Eltern in der Stadt sind. Oder zumindest Wesen, der gleichen Art wie seine Erschaffer." Er zuckte mit den Schultern. „Ich mag mich ja irren, aber wenn sein Leben so Scheiße war, wie das meistens bei Wechselbälgern der Fall ist, dann will er sich eventuell rächen. Ich an seiner Stelle würde es tun!"

Xander schluckte schwer. „Also… er benahm sich schon recht merkwürdig gestern", meinte er überlegend. „Vor allem, als er erwähnte, dass seine Eltern zu Besuch seien."

„Er wollte ihnen ein heißes Willkommen bereiten", erinnerte sich Anya an Erics Wort und lachte. „Meiner Meinung nach ist der völlig durchgeknallt."

Giles stieß sich von der Wand ab und setzte seine Brille wieder auf. Wahrscheinlich hatte der Vampir nur eine blühende Fantasie und die Erzählungen der Anderen passten nur zufällig ins Bild. Aber was, wenn dem nicht so war und an diesem Eric bedeutend mehr dran war, als es auf den ersten Eindruck schien? „Wo arbeitet er?", wandte er sich an Xander. Er brauchte Gewissheit. „Was weißt du über ihn?"

„Er hat irgendeinen Hausmeisterjob am College angenommen", beantwortete Xander die Frage. „Ich kenne ihn nicht wirklich gut. Wir mochten die gleichen Comics und haben uns öfter mal bei Andrew am Zeitungsstand getroffen." Er runzelte die Stirn und überlegte fieberhaft. „Er hat irgendwann mal erzählt, dass er sein Studium geschmissen hat, aber ich kenne den Grund dafür nicht. Ich weiß nur noch, dass er zu der Zeit ziemlich übel drauf war und furchtbar über irgendeinen Professor gemeckert hat."

„Er ist Hausmeister? Am College?", fragte Giles noch einmal nach und wandte sich nach der Antwort sofort an Willow. „Kannst du die Personaldaten der Angestellten abfragen? Wir sollten herausfinden, wofür genau er zuständig ist."


„Sicher", erwiderte Willow, dankbar für die neue Aufgabe. Sie klappte ihr Notebook auf und ihre Finger wanderten behände über die Tastatur. „Es dauert nur einen Moment."

Alle Anwesenden, einschließlich des Vampirs, versammelten sich um den Esstisch, an dem die Hexe saß. „Das sieht nicht gut aus", erklärte sie nicht mal zwei Minuten später und drehte sich zu Buffy um. „Er ist der Hauswart in unserem Studentenheim!"

Teil 7

Willow saß mit angewinkelten Beinen auf ihrem Bett und blätterte gelangweilt durch ihre Psychologienotizen. Sie hatte gar keine Lust zu lernen, aber mit irgendwas musste sie sich ja beschäftigen. Im Hintergrund dudelte leise eine CD von Celine Dion und sie wippte mit den Füßen zum Takt. Tatsächlich konnte sie der Musik der kanadischen Sängerin kaum etwas abgewinnen, aber es war eine so gänzlich andere Musik, wie die, die Oz mit seiner Band gespielt hatte und alles, was sie nicht an ihren Freund erinnerte, war gut.

Sie blickte auf die Uhr und überlegte, wann Buffy wohl zurückkommen würde. Erstens war sie sehr neugierig und es tat gut, von einer aufflammenden Liebe zu hören, und zweitens wusste sie, dass die Jägerin für den Abend noch mit Giles verabredet war. Die Beiden hatten vor, sich einmal genauer umzusehen. Vor allem wollten sie in den Keller des Studentenheims, da sie herausgefunden hatten, dass Eric Johnson dort eine Art Büro hatte.

Xander hatte gestern noch diesen Andrew vom Comic-Laden angerufen und das Ergebnis war nicht gut gewesen. Andrew hatte vor nicht allzu langer Zeit mit Eric gesprochen und laut Xander soll er völlig abgedreht sein. Er muss wirr über seine Eltern gesprochen haben und davon, dass er sich rächen wollte. Und das, was sie selbst über ihn in den Akten gelesen hatte, war nicht besser gewesen. Eric hatte ständig Stress mit seinen Vorgesetzten und auch die Akte, die noch aus seinen Collegezeiten stammte, war nicht besser. Keiner seiner Professoren hatte auch nur ein gutes Wort für ihn über und er hatte wohl kurz vor dem Rauswurf gestanden, als er plötzlich freiwillig ging.

Willow seufzte. Das waren Dinge, die sie eigentlich gerne vergessen wollte. Im Augenblick wäre es viel schöner, mal etwas Positives zu hören. Wenn Buffy doch nur zurückkommen würde.

Lange warten musste Willow allerdings nicht mehr. Wenige Minuten später konnte sie Buffys leise Stimme vor der Tür hören und es war offensichtlich, dass sie sich von Riley verabschiedete.

„Hey", begrüßte die Jägerin ihre beste Freundin grinsend, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. „Wie geht es dir?"

„Unwichtig", grinste Willow. „Erzähl mir lieber, wie der Nachmittag gelaufen ist." Sie rappelte sich auf, setzte sich auf die Bettkante und grinste über beide Ohren.

„Es war schön", meinte Buffy und lächelte versonnen vor sich hin. Sie ließ sich auf ihr Bett nieder und seufzte zufrieden. „Er wollte mich zum Kaffee einladen", berichtete sie. „Und das hat er auch getan. Allerdings lief es anders ab, als ich gedacht hatte." Sie lächelte bei der Erinnerung daran.

„Nun erzähl schon", drängelte Willow, nicht minder aufgeregt wie ihre Freundin. „Mach es doch nicht so spannend!"

„Er hat mich zu einer Parkbank geführt, die ganz versteckt zwischen den Bäumen steht." Buffy kicherte. „Er hatte alles vorbereitet. Eine Thermoskanne mit Kaffee, kleine Sandwiches und er hatte sogar an eine Decke gedacht, weil es doch heute so kalt ist." Buffy machte ein schwärmerisches Gesicht. „Ich war kaum da, da hat er mich auch schon eingewickelt und es mir so richtig gemütlich gemacht."

„Wow", murmelte Willow tief beeindruckt. „Riley weiß, was Frauen wollen."

„Es scheint so", nickte Buffy und grinste über das ganze Gesicht. „Und er ist wirklich nett und so… so normal."

„Normal ist gut", nickte die Hexe in Erinnerung ihres eigenen Freundes. „Wann seht ihr euch wieder?"

„Morgen", sagte Buffy und seufzte wieder. Diesmal allerdings klang es nicht gerade glücklich und Willow sah erstaunt auf.

„Nicht gut?", fragte sie erstaunt.

„Nein. Das ist es nicht." Sie zuckte die Schultern und verzog missmutig das Gesicht. „Mir ist nur gerade eingefallen, dass ich jetzt gleich mit Giles Privatdetektiv spielen darf." Sie stand auf, umrundete ihr Bett und öffnete den Wandschrank. „Ob das gut ist?", fragte sie und streckte Willow komplett schwarze Anziehsachen entgegen. „Manchmal habe ich wirklich keine Lust auf diesen Mist", brummte sie. „Und jetzt auch noch das!" Sie hielt sich den Pullover vor und sah ihre beste Freundin fragend an.

„Das gibt ein prima Einbrecherkostüm ab", nickte Willow. „Wann trefft ihr euch?"

„Sobald es dunkel ist", erwiderte Buffy und zog den dunklen Pulli über. „Also in ungefähr einer halben Stunde."

 

                                                                                            *~*~*~*

 

„Was will der hier?", schnappte die Jägerin ein, kaum dass sie ihren Wächter entdeckt hatte. Zusammen mit Spike stand er unter einem ausladenden Baum und versuchte dabei, sich so unauffällig zu benehmen, wie es nur eben ging.

„Das ist eine lange Geschichte", raunte Giles ihr zu und zog sie hinter den Baum.

„Dann erzählen Sie sie in Kurzform", zischte Buffy, der das dämliche Grinsen schon wieder zuviel wurde, das dem Vampir zu Erb und Eigen schien.

„Er hat behauptet, er könnte Sprengstoff riechen", erklärte der Wächter kurzangebunden. Er fühlte sich überhaupt nicht wohl in seiner Haut und er hatte keine Lust, sich jetzt mit seiner Jägerin zu streiten. „Vielleicht kann er nützlich sein."

„Sie wollen ihn als Spürhund einsetzen? Na, super!", knurrte sie unzufrieden.

Zusammen schlichen sie durch das Gebüsch, dass das Gebäude auf der Rückseite einsäumte und Buffy achtete auf jedes Geräusch, das zu ihr durchdrang. Wenn jetzt diese merkwürdigen Soldaten auftauchten, hatten sie ein großes Problem und dem wollte sie zu gern aus dem Weg gehen.

„Dann wollen wir mal", sagte Spike, als sie an der Kellertreppe anlangten und er klatschte voller Vorfreude in die Hände.

„Mach noch mehr Krach und ich verwandele dich gleich hier in einen Staubhaufen", motzte die Jägerin leise. Sie sah ihren Wächter an, nickte und schlich dann als Erstes die Treppe hinab. An der Kellertür angelangt, legte sie lauschend ihr Ohr auf das Holz und hielt sich einen Finger vor den Mund, damit die beiden anderen still waren. „Ich kann nichts hören", murmelte sie. „Jedenfalls nichts, was nicht von Maschinen oder dampfenden Rohren stammt."

„Dann sollten wir uns beeilen", nickte der Wächter und prüfte, ob die Tür verschlossen war. „Oh, wir haben Glück", murmelte er und öffnete sie einen Spalt breit. Er linste um die Ecke und nickte. „Alles in Ordnung. Wir können gehen."

Sie huschten durch die spärlich beleuchteten Gänge und Buffy ärgerte sich, sobald ihr Blick auf den Vampir fiel. Er schien einen Höllenspaß zu haben und Wut flammte in ihr auf. Sie hatte die Nase gestrichen voll von seinem komischen Gehabe und seiner ewigen Nörgelei. Hinzu kamen natürlich noch ihre mehr als seltsamen Träume und sie packte ihn und drückte ihn an die Wand. „Na, Spikey", schnauzte sie ihn an. „Ich dachte, du könntest Sprengstoff riechen! Warum bist du dann so still?"

„Vielleicht gibt es hier gar keinen", versuchte der Wächter den drohenden Streit zu schlichten. „Womöglich sind wir auf dem besten Weg, uns lächerlich zu machen."

„Gib es zu," knurrte Buffy den Vampir an. „Dein feines Näschen hat überhaupt keine Ahnung, wie Sprengstoff riecht." Sie schob ihn ein kleines Stück an der Wand hoch. „Gib es schon zu! Na los!"

„Schon gut, schon gut", brummte Spike und richtete seinen Mantel, nachdem Buffy ihn losgelassen hatte. „Ich mag ihn vielleicht nicht riechen können", sagte er, „aber ich kann ihn sehen." Er löste sich vollends von der Jägerin, trat auf eine Steigleitung zu und brachte ein paar verborgene Kabel zum Vorschein.

„Lassen Sie mich das sehen", verlangte Giles und zückte seine Taschenlampe. Er drückte sich flach an die Wand und leuchtete zur Decke hoch. „Spike hat Recht", murmelte er leise und drückte vorsichtig die Kabel zur Seite. „Er hat die Sprengladung gut versteckt", meinte er und leuchtete dann an der Steigleitung herab. „Oh. Das ist nicht gut."

„Was ist nicht gut?", drängte Buffy.

„Das ist die Hauptversorgungsleitung für Erdgas", flüsterte Giles entsetzt. „Wenn er den Sprengsatz zündet…"

„Da vorne ist übrigens sein Büro", erklärte Spike, der sich weiter in die dunklen Korridore vorgewagt hatte. „Und es sind noch mehr solcher netten Pakete versteckt."

„Und woher weißt du das so plötzlich?", schnauzte Buffy wieder.

„Weil ich jetzt weiß, wie der verdammte Sprengstoff riecht", schnauzte er zurück. „Jetzt bin ich euer verdammter Spürhund! Ist doch genau das, was du wolltest!"

Sie durchsuchten das Büro und was sie vorfanden, gefiel Buffy kein bisschen. Eric Johnson hatte sich akribische Notizen gemacht. Jede seiner Sprengladungen war auf einem Lageplan eingezeichnet und er hatte sich nicht mal die Mühe gemacht, ihn zu verstecken. Entweder war es ihm egal, wer Zutritt zu seinem Büro hatte, oder es kam außer ihm niemand hier herunter.

„Wir können gehen", brummte Giles grimmig. Er hatte ein kleines Notizbuch gefunden und oberflächlich gelesen. „Ich weiß genug. Wir sollten von hier verschwinden, bevor dieser Eric zurückkommt."

 

                                                                                      *~*~*~*

 

Die Luft war dünn und wurde immer schwerer. Willow hatte das Gefühl zu ersticken und sie fächelte sich Luft zu. „Leute, ehrlich… wäre es nicht besser, wenn wir von hier verschwinden? Ich kann nicht sagen, dass ich mich hier besonders wohl fühle."

Doch niemand achtete auf sie. Das Einbrechertrio hatte sich im Raum verteilt und war bis auf wenige Worte stumm geblieben. Giles kauerte auf Willows Schreibtischstuhl, der Vampir hatte sich gegen eine Wand gelehnt und wirkte schwer gelangweilt und die Jägerin saß auf ihrem Bett und starrte ins Leere.

„Also gut", Giles räusperte sich. „Ich versuche mal, zusammenzufassen, was mir aufgefallen ist." Er nickte Buffy zu und atmete tief ein. „Dieser Eric hat nicht nur diese ganzen Bomben gebaut und angebracht, er hat sich auch an ziemlich übler Magie versucht und wie es scheint, hat es zu unserem Unglück funktioniert." Er machte eine weit ausholende Bewegung und seufzte. „Das ganze Gebäude wirkt wie ein Magnet. Es ist nur dazu gedacht, Incubi und Succubi anzuziehen. Und wie wir wissen, hat dieser Plan gut funktioniert. Zumindest zum Teil. Bisher hat sich noch kein weibliches Wesen dieser Dämonen eingefunden, aber das kann sich leider schnell ändern." Er stand auf und begann mit einer unruhigen Wanderung. „Allerdings kommt noch ein weitaus größeres Problem auf uns zu. Es würde nichts helfen, die Polizei oder irgendeine Spezialeinheit anzufordern. Eric Johnson hat es zustande gebracht, dass diese ganzen Sprengladungen nur zünden, wenn er selbst im Gebäude ist. Es war ein schweres Stück Magie, aber er hat es geschafft. Sie lassen sich nicht entschärfen. Sobald es jemand versucht, fliegt das ganze Gebäude in die Luft!"

„Er will sich selbst auch töten?", fragte Willow verblüfft.

„Das könnte er auch einfacher haben", knurrte Spike und stieß sich von der Wand ab. „Er hätte mich fragen sollen. Ich hätte ihm tausend Möglichkeiten vor Augen geführt."

„Was bedeutet das jetzt für uns?", erkundigte sich Buffy. „Wir können ihn nicht aufhalten und wir können diese elenden Bomben nicht entschärfen. Was sollen wir tun?"

„Wir müssen das Gebäude evakuieren", murmelte Willow. „Und zwar, so schnell es geht!"

„Das können wir nicht verantworten", sagte der Wächter leise, nahm seine Brille ab und kaute gedankenverloren an den Bügeln. „Sobald Eric das mitbekommt, könnte er überschnappen und die Sprengladungen sofort zünden. Außerdem bin ich mir nicht sicher, dass sich die Explosion auf dieses Haus beschränken würde. Die Erdgasleitung zieht sich durch den gesamten Campus. Jedes dieser Gebäude hängt am gleichen Verteiler und bei dem Feuerwerk könnte sich das ganze College mitsamt seinem Gelände verabschieden."

Buffy sprang auf und warf hilflos die Hände hoch. „Wir können doch nicht einfach nichts tun." Sie seufzte genervt. Sie hasste diese Untätigkeit und wäre am liebsten gleich losgestürmt, um diesen verrückten Wechselbalg ausfindig zu machen und aufzuhalten.

„Ich habe so etwas wie einen Plan", murmelte Giles und wandte sich von seiner Jägerin ab. „Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass er dir nicht gefallen wird", murmelte er der Wand zu. Er brachte es einfach nicht über sich, sie anzusehen. Zu gefährlich war die Lage, in die er sie bringen würde und er seufzte.

„Machen Sie es nicht so spannend", knurrte Spike. „Spucken Sie es aus!"

„Also gut!" Der Wächter setzte sich wieder an den Schreibtisch und wartete, bis alle Blicke auf ihm lagen. „Buffy muss schlafen, um den Incubus anzuziehen. Allerdings brauchen wir noch ein männliches Gegenstück zu ihr."

„Ja sicher", motzte die Jägerin. „Ich leg mich ins Bett und warte darauf, dass mir das Haus um die Ohren fliegt. Es gibt nichts Besseres!" Sie schüttelte den Kopf und sah ihn an, als hätte er den Verstand verloren. „Also ehrlich! Dann kann ich auch gleich eine dieser Sprengladungen mit ins Bett nehmen!"

„Ganz so wird es nicht sein", sagte Giles sanft. „Aber wir müssen Eric in Sicherheit wiegen. Sobald er seinen Plan in die Tat umsetzen will, halten Willow, ähm… Spike und ich ihn auf."

„Haha", lachte der Vampir. „Was macht Sie so sicher, dass ich bei diesem bescheuerten Plan mitmachen will?" Er verzog spöttisch das Gesicht und schüttelte den Kopf.

„Ganz einfach", schnauzte Buffy ihn an. „Weil dir stinklangweilig ist und wir dir zigmal das Leben gerettet haben! Du bist uns so einiges schuldig!"

„Was genau habe ich bei der Sache zu tun?", erkundigte sich Willow bei Giles. Sie ignorierte das aufkeimende Streitgespräch zwischen Buffy und Spike und konzentrierte sich voll auf die Worte des Wächters.

„Wir brauchen einen Lähmzauber", sagte er. „Aber wir müssen ihn so modifizieren, dass er sofort wirkt. Eric Johnson darf keine Gelegenheit mehr haben, sich zu rühren oder auch nur einen klaren Gedanken zu fassen."

„Ich verstehe!" Sie nickte, stand auf und öffnete die Kiste, die ihre Zauberutensilien vor den Augen neugieriger Menschen verbarg. „Allerdings habe ich kein Sandelholz mehr und der Rest Eintagsfliegen wird nicht reichen."

„Ich habe genug davon", winkte der Wächter ab und stoppte Buffy und Spike, die sich fast an die Gurgel gingen. „Können wir uns jetzt wieder auf die wichtigen Dinge konzentrieren?"

Die Jägerin atmete schwer und setzte sich zurück auf ihr Bett. „Schön und gut", brummte sie mit bösem Blick auf den Vampir. „Mir gefällt die Aufgabenzuteilung zwar überhaupt nicht, aber wenn es nicht anders geht… Sie haben nur eins vergessen. Wir haben keinen Mann, der einen Succubus anlocken kann."

„Wie wäre es mit Riley?", fragte Willow leise. „Wir könnten seine Aura magisch verstärken, sodass er ein wahrer Leckerbissen für jeden Succubus ist."

„Ich weiß nicht", murmelte Buffy verwirrt. „Riley? Ich kann ihn doch nicht wissentlich einer solchen Gefahr aussetzen und…"

„Wer ist Riley?", erkundigte sich der Wächter mir hochgezogenen Augenbrauen. Den Namen hatte er noch nie gehört und er runzelte die Stirn. Irgendwie war alles anders, seitdem Buffy auf dem College war. Er bekam kaum noch etwas mit und das wurmte ihn gewaltig.

„Ihr neuer Freund", brummte Spike. „Wussten Sie das etwa nicht?"

„Er ist nicht mein Freund", fauchte Buffy, doch dann wurde sie leiser. „Zumindest noch nicht."

Teil 8

Alle Vorbereitungen waren getroffen und Buffy wartete mit schweißnassen Händen auf den netten jungen Mann, der möglicherweise ihr erster wirklich normaler Freund, werden könnte. Zumindest wäre er der erste seit der Highschool. So miserabel hatte sie sich noch nie gefühlt. Nicht nur, dass sie auf einem Pulverfass saß, das jede Sekunde hochgehen konnte, nein… sie war auch noch zur absoluten Untätigkeit verdammt und brachte zudem einen unschuldigen Menschen wissentlich in Todesgefahr.

„Er wird schon kommen", versuchte Willow ihre beste Freundin zu beruhigen. Sie saß wieder auf ihrem Bett, doch dieses Mal wirkte sie äußerst nervös und sie drückte ein Kissen gegen ihren Bauch.

„Und ich weiß nicht, was besser ist", murmelte Buffy und seufzte. „Das er kommt, oder das ihm doch was anderes einfällt und einfach wegbleibt."

Aber das würde kaum geschehen. Es war nicht besonders schwierig gewesen, den jungen Mann zu überreden. Sie hatte nur anrufen müssen und ihn um Unterstützung bei ihrem Psychologiereferat zu bitten.

Gedankenverloren drehte sie Giles kleines Mitbringsel in den Händen und zuckte zusammen, als es an der Tür klopfte. ‚Beruhige dich’, zwang sie sich und setzte das beste falsche Lächeln auf, das sie zustande brachte.

„Hi", begrüßte sie ihn. „Es ist wirklich nett, dass du mir helfen willst!"

„Kein Problem", erwiderte er mit einem sanften Lächeln und wandte sich der Hexe zu. „Hey, Willow! Wie geht es dir?"

„Bestens! Einfach super!" Sie seufzte und rang die Hände. „Naja, es geht." Sie kicherte und warf einen verwirrten Blick zu Buffy. „Entschuldige. Ich glaube, meine Nerven spielen verrückt." Sie griff nach einem Buch, blätterte wahllos darin herum und begann dann demonstrativ zu lesen. „Tut einfach so, als wäre ich gar nicht da."

Riley sah Buffy fragend an, doch die zuckte nur mit den Schultern und deutete ihm an, sich auf ihr Bett zu setzen. Wenn er schon zusammenbrechen sollte, dann wenigstens auf einer bequemen Unterlage.

„Womit hast du Probleme?", erkundigte er sich auch sofort.

„Naja, weißt du…", murmelte sie, trat dicht an ihn heran und betätigte den kleinen Zerstäuber, den der Wächter ihr eigens dafür überreicht hatte. „Damit habe ich ein Problem", sagte sie leise und sah zu, wie die vernebelte Flüssigkeit sein Gesicht traf.

Riley sackte wie ein nasser Sack in sich zusammen und Buffy musste ihn auffangen, da er nach vorne kippte. „Oh mein Gott", murmelte sie und war den Tränen nah. „Das wird er mir niemals verzeihen!"

„Schon gut", beruhigte Willow ihre Freundin. „Er wird sich an nichts erinnern. Er wacht einfach wieder auf und…"

„Wenn er die Zeit dazu hat", unterbrach die Jägerin. „Vielleicht unterbricht ihn auch eine riesige Explosion, die ihn fast bis auf den Mond katapultiert." Ihre Schultern sackten herab und sie seufzte verzweifelt auf.

„Ist die Luft rein?" Giles steckte seinen Kopf aus Willows Wandschrank. „Oh. Bestens", murmelte er, als sein Blick auf den schlafenden Riley fiel. „Spike! Sie können jetzt rauskommen! Spike?"

Die Jägerin seufzte ein weiteres Mal, riss die Tür zu ihrem Wandschrank auf und schnappte dem Vampir ein dünnes Top aus den Händen, dass er höhnisch grinsend in die Höhe hielt. „Wirklich nett", knurrte sie. „Und es wäre besser für dich, wenn du jetzt keinen Ton sagst. Ich habe genug Wut im Bauch, um dich ungespitzt in den Boden zu rammen." Sie funkelte ihn böse an, doch er hob nur abwehrend die Hände und spielte die Unschuld vom Lande.

„Alles bereit für den Zauber?", erkundigte sich Giles gerade bei Willow. „Seine Aura muss stark genug sein, damit ein Succubus auf ihn aufmerksam wird."

„Wie stellen Sie sich das eigentlich vor?" Buffys Stimme klang hart und sie hatte auch keine Lust, ihren absoluten Widerwillen zu verbergen. „Soll ich mich jetzt daneben legen und versuchen zu schlafen? Ha! Das wird nichts!", schimpfte sie. „Ich kann so nicht schlafen. Dazu bin ich viel zu wütend und viel zu aufgeregt!"

„Es tut mir leid", sagte Giles sanft.

„Was tut Ihnen leid?"

„Das", sagte er, hielt einen weiteren Zerstäuber direkt vor das Gesicht der Jägerin und betätigte ihn.

„Giles", schrie Willow auf und rannte zu ihrer Freundin. „Wie konnten Sie das tun?"

„Weil sie recht hatte." Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern und er wirkte äußerst betrübt. „Sie hätte sich nicht einfach hinlegen und schlafen können." Er hob seine Jägerin hoch und legte sie auf Willows Bett. „Ich hoffe, sie verzeiht mir das irgendwann."

„Da wäre ich mir nicht so sicher", lachte Spike, doch dann winkte er ab, da Giles böser Blick nichts Gutes verhieß. „Und was jetzt?", erkundigte er sich stattdessen. „Beginnt jetzt der wirklich spaßige Teil?"

„Da können Sie Gift drauf nehmen", sagte Giles und seine Stimme klang wieder hart und fest. Er hatte eine Aufgabe und die verlangte jetzt seine ganze Konzentration. Um Buffy würde er sich später kümmern… wenn es denn ein Später gab.

 

                                                                                            *~*~*~*

 

Die Jägerin langte blitzschnell im Land der Träume an und sie lächelte erleichtert, als Riley vor ihr stand.

„Hey", begrüßte er sie sanft. „Ich habe schon auf dich gewartet!" Seine Hand fuhr federleicht über ihre Wange und er beugte sich zu ihr herunter, um sie zu küssen.

„Wo sind wir?", erkundigte sie sich und griff nach seiner Hand.

Doch Riley lächelte nur und zuckte mit den Schultern. „Es ist dein Traum. Du solltest es wissen."

Buffy sah sich um und erkannte ein wunderschönes großes Zimmer, das perfekt in ein Luxushotel gepasst hätte. Überall standen duftende Blumensträuße in riesigen Vasen, die ihr vom Boden bis zur Hüfte gingen. In einem aus Marmor gehauenen Kamin flackerte ein wohliges Feuer und die großen Fenster boten einen vollkommenen Blick auf eine prächtige Palmenlandschaft. Einzig das Bett konnte sie nicht sehen, da Riley direkt vor ihr stand und ihr somit den Blick verwehrte.

„Bist du bereit?", riss Riley sie aus ihren Gedanken. Er blickte mit weichem Gesichtsausdruck auf sie herunter und sah sie fragend an.

„Wofür?", erwiderte sie verblüfft, doch er tat einen Schritt zurück und ihr Blick fiel auf Spike, der vollkommen unbekleidet auf dem Bett lag und sich wohlig räkelte.

„Dafür", murmelte der große blonde Mann in ihr Ohr und führte sie zum Bett.

‚Das kann ja heiter werden’, dachte sie noch, aber da lagen schon vier Männerhände auf ihrem Körper und begannen sie auszuziehen.

 

                                                                                        *~*~*~*

 

Giles, Willow und Spike hatten sämtliche Sachen zusammengesammelt, die sie für einen möglichen Kampf brauchen würden und schlichen nun wieder die Kellertreppe hinunter.

„Hoffentlich geht das gut", murmelte Willow wieder und wieder vor sich hin und es klang beinahe wie eine Beschwörung. „Giles, was …?"

„Willow, bitte", unterbrach der Wächter leise. „Mir ist auch nicht wohl bei dem Gedanken daran, dass Buffy dort oben… ganz ohne unsere Hilfe... Aber es geht nun mal nicht anders. Wir müssen Eric Johnson aufhalten, bevor etwas wirklich Furchtbares geschieht und…" In so einer üblen Situation war er noch nie zuvor gewesen. Seine Jägerin war vollkommen schutzlos und er allein war dafür verantwortlich.

„Was für Waschlappen", knurrte Spike und schüttelte genervt den Kopf. „Jetzt kriegt euch mal wieder ein! Ich kann eure Angst riechen und ich muss euch sagen, sie stinkt bis zum Himmel! Und wenn ich euch noch mal daran erinnern muss… ich kann den verdammten Spinner nicht aufhalten. Er ist ein Mensch und wie ihr wisst, habe ich seit neuestem Probleme damit." Er tippte mit dem Finger gegen seinen Kopf und grinste schief. „Also reißt euch mal zusammen, sonst könnt ihr die verdammten Bomben genauso gut selbst in die Luft jagen! Das käme auf das Gleiche raus!"

 

In das unterirdische Stockwerk des Gebäudes hereinzukommen, war genauso einfach wie am frühen Abend. Allerdings war diesmal bedeutend mehr zu hören, als das leise Rauschen der Leitungen und das Röhren der Heizungsanlage. Ein wirres Lachen hallte durch die dunklen Gänge und Willow schüttelte sich unter einer Gänsehaut.

Sie zupfte an Giles Ärmel, bremste ihn somit und flüsterte leise. „Wie genau halten wir ihn noch mal auf?"

„Willow", seufzte er leise, da er der Meinung war, alles oft genug durchgesprochen zu haben. Doch dann erkannte er ihre Unsicherheit und legte beruhigend seine Hand auf ihre Schulter. „Wir gehen so nah heran, wie es geht und du brauchst nur den kurzen Zauberspruch aufsagen, den ich dir aufgeschrieben habe. Das wird ihn verwirren und uns den kurzen Augenblick verschaffen, den wir brauchen, um den Zauber auszusprechen, der ihn vollkommen lähmt." Er nickte ihr aufmunternd zu und sah sie mehr seufzen, als dass er sie hörte. „Es wird alles gut gehen", flüsterte er leise. „Aber wir müssen jetzt gehen, sonst ist es vielleicht bald zu spät."

Spike rollte mit den Augen. Soviel Unentschlossenheit war ihm noch nie untergekommen und er fragte sich wieder, wie es diesen zaudernden Menschen wieder und wieder gelungen war, seine Pläne zu durchkreuzen? „Wir sollten uns beeilen", sagte er leise. Im Grunde war es ihm egal, ob das dämliche Haus in die Luft flog. Immerhin würde es ihn von der Jägerin befreien! Aber er hatte keine besonders große Lust, sich aus dem riesigen Haufen Geröll und Schrott wieder herauszubuddeln und so drängte er zur Eile. „Der Kerl dreht gerade völlig am Rad", meinte er und deutete mit dem Kopf in die Richtung, aus der das abscheuliche Lachen von Eric Johnson zu ihnen drang.

Der Wächter warf einen Blick auf die Hexe, sah sie nicken und so machten sie sich wieder auf den Weg.

Wenige Meter vor dem Büro blieben sie stehen und Giles nickte der Hexe aufmunternd zu. Willow atmete tief ein und murmelte dann den kurzen Spruch, dessen Wirkung auch sofort eintrat. Eric Johnsons wirres Lachen klang abgehakt und verstummte dann ganz.

„Und jetzt schnell", murmelte Giles, schob Willow in die richtige Richtung und zusammen quetschten sie sich durch die Tür in das schmale Büro des Hausmeisters.

Eric Johnson stand vor seinem Schreibtisch und starrte die Eindringlinge reglos an.

„Der ist völlig weggetreten", feixte Spike, tippte dem jungen Mann mit dem Finger auf die Stirn und sah ihn umkippen.

„Nicht", schimpfte Giles und hielt den Mann an den Schultern fest. Er vergewisserte sich, dass er sicher stand, dann wandte er sich dem Vampir zu und schaute ihn finster an. „Sind Sie wahnsinnig?", schnaufte er. „Solche blödsinnigen Aktionen gefährden die gesamte Mission!"

„Mir ist Ihre verdammte Mission so ziemlich scheißegal", knurrte Spike. „Es war nicht meine Idee mitzukommen." Das stimmte so zwar nicht ganz, aber das würde er dem Wächter bestimmt nicht auf die Nase binden.

„Giles! Wir sollten uns beeilen!" Willow rang nervös die Hände und verzog ängstlich das Gesicht. „Ich weiß nicht, wie…"

„Du hast vollkommen Recht", nickte Giles und besann sich wieder auf seine Aufgabe. Er atmete tief ein und zog einen zusammengefalteten Zettel aus der Tasche. „Wenn wir beide ihn gleichzeitig sprechen, sollte der Zauber stark genug sein, ihn für eine lange Zeit außer Gefecht zu setzten."



Gesprochen war der Zauber dann auch schnell und das Gebaren des Mannes änderte sich nicht sonderlich. Er schien zur Salzsäule erstarrt und die Rothaarige nahm allen Mut zusammen, um zu ihm zu gehen und ihm direkt in die Augen zu sehen.

„Es ist, als wäre er gar nicht da drin", flüsterte sie leise. „Seine Augen sind … leer." Sie stellte sich wieder neben Giles und sah ihn an. „Und was machen wir jetzt?"

„Gute Frage", lachte Spike, der die plötzliche Unsicherheit des Wächters sofort erkannte. „Jetzt ist er gebannt, aber wie sollen die Cops ihn daran hindern, wieder aufzuwachen?"

„Giles?", rief Willow. „Sie haben doch bestimmt einen Plan." In ihrer Stimme war die Angst unüberhörbar. Warum hatte sie selbst noch nie darüber nachgedacht?

„Nun…ehrlich gesagt… ich wollte uns einfach mehr Zeit verschaffen", gestand Giles leise. „Vielleicht können wir ihn mitnehmen und so lange gefangen halten, bis ein Sonderkommando sämtliche Sprengsätze gefunden und entschärft hat."

„Aber wo verstecken wir ihn? Und wir müssen einen magischen Kreis um ihn ziehen, der ihn gefangen hält, sollte der Zauber seine Wirkung verlieren." Willow dachte angestrengt nach, doch der zündende Gedanke wollte nicht kommen. „Wir können ihn wohl schlecht in ihr Appartement bringen."

„Allerdings nicht", erwiderte der Wächter. „Wir müssten ihn woanders verstecken und…"

„Aber hilft uns das?", überlegte die Hexe laut. „Wir können vielleicht die Katastrophe verhindern, aber wer sagt uns, dass er es nicht wieder versucht? Immerhin scheint er eine Menge von Magie zu verstehen und ich bin mir nicht sicher, ob ein Gefängnis ein großes Hindernis für ihn wäre. Er würde sich einfach befreien und das Ganze geht wieder von vorne los"

„Ich weiß, was du meinst", nickte Giles. „Aber darum sollten wir uns später…"

„Ähm…, ich glaube…"

„Spike! Halten Sie sich da raus", blaffte der Wächter den Vampir an. „Ihre dummen Bemerkungen können wir nun wirklich nicht gebrauchen!"

„Okay", murrte Spike und hob abwehrend die Hände. „Dann erzähle ich Ihnen eben nicht, dass unser Freund dabei ist, seinen Körper zurückzuerobern!"

Teil9

„Ach du meine Güte", nuschelte der Wächter und war mit einem Schritt bei Eric Johnson. Er stand zwar noch immer wie angewurzelt auf der gleichen Stelle, aber seine Augen zitterten und richteten sich schließlich auf ihn. Blanke Wut und tiefer Hass strömten aus seinen Augen und Giles fröstelte, bei der Bösartigkeit dieses Blickes.

„Was jetzt?" Willows Stimme überschlug sich beinahe. „Der Zauber wirkt nur einmal, wir können ihn nicht noch einmal verwenden." Sie trippelte nervös auf einer Stelle und man sah ihr an, dass sie am liebsten sofort weggerannt wäre.

„Ich weiß wirklich nicht…" Giles war fassungslos. Die schwarze Magie, derer sich Eric Johnson bediente, musste sehr stark sein und er überlegte fieberhaft, wie er ihn aufhalten konnte.

„Es gibt nur eine sichere Lösung", meldete sich Spike zu Wort. Er lehnte sich an die Kellerwand, steckte eine Zigarette in Brand und blies den Rauch durch die Nase. „Sie müssen ihn töten!"

„Ich kann nicht… wir können nicht… niemals…", stotterte Willow und schüttelte den Kopf. „Er ist ein Mensch! Auch, wenn er nicht von Menschen gezeugt wurde… das geht nicht… und überhaupt…"

„Ich kann es auch nicht", grinste der Vampir. So langsam wurde es spannend und es interessierte ihn brennend, wie der Wächter sich entscheiden würde. Würde er das Menschenleben dieses bescheuerten Bombenlegers über das seiner Jägerin und hunderter unschuldiger Menschen stellen?

„Giles?!" Wieder war es Willow, die sich zu Wort meldete. „Was machen wir jetzt?"

Doch der Wächter antwortete nicht. Wie gebannt starrte er auf den jungen Mann, dessen finsterer Blick ihn gefangen hielt. Er sah, wie dessen Finger sich langsam bewegten und er erkannte, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Eric Johnson den Zauber vollends abschütteln würde.

„Giles!"

„…ich…" Giles raufte sich die Haare und schüttelte den Kopf. Er bekam keinen vernünftigen Satz heraus und sein Hirn arbeitete fieberhaft.

„Oh Mann!", schnaufte Spike, schob sich an den beiden Männern vorbei und riss die Tür eines Stromverteilers heraus. „Weg da", schnauzte er Giles an, der ihn nur mit großen Augen anstarrte.

„Was machen Sie da?" Giles schüttelte seine Bekommenheit ab und riss den Vampir am Arm zurück.

„Das einzig Hilfreiche", knurrte Spike und schüttelte die Hand des Wächters ab. „Entweder Sie machen es auf meine Weise, oder aber wir verrecken hier alle!" Er blickte ihm herausfordernd in die Augen und grinste, als Giles fast unmerklich nickte.

„Willow, verschwinde von hier", befahl der Wächter. „Sofort!"

„Aber ich…"

„Sofort!" Er sah zu, wie sie durch die Tür verschwand und lauschte ihren schnellen Schritten, die durch die unterirdischen Korridore hallten. „Und was jetzt?", wandte er sich an Spike, der herablassend lächelte. Doch eigentlich kannte er die Antwort schon. Der Stromverteiler wurde von einer Starkstromleitung gespeist, die hier auf viele kleine Leitungen verteilt wurde und es war sonnenklar, was der Vampir damit bezweckte.

„Stellen Sie ihn direkt davor", sagte Spike und deutete mit dem Kopf auf den großen Stromkasten. „Und schnell! Unser Freund braucht nicht mehr lange, um völlig wach zu werden."

Es war ein hartes Stück Arbeit, aber Giles schaffte es, Eric Johnson vor dem Verteiler zu platzieren und starrte dann auf Spike, der zurück ins Büro kam. Er hielt einen Feuerlöschschlauch in den Händen und lachte hinterhältig.

„Lange nicht solchen Spaß gehabt", grinste er den Wächter an. „Die große Frage ist nur, ob ich das Ding auch alleine betätigen kann."

„Ich weiß nicht…", murmelte Giles durcheinander, doch dann verstummte er. Ihm fiel einfach keine bessere Lösung ein und er atmete tief ein. „Spike, ich …"

„Verschwinden Sie von hier", fauchte der Vampir. „Na los!"

„Nein, ich bleibe!" Giles Stimme war hart und fest und er nickte, um sich selbst Mut zuzusprechen.

„Sie verrückter Irrer", schnauzte Spike ihn an. „Haben Sie auch nur die geringste Ahnung, was passiert, wenn Sie selbst den Stromschlag abbekommen? Sie werden genauso gegrillt wie der Mistkerl da vorne!" Er deutete mit dem Kopf auf Eric Johnson, der blinzelte und versuchte, etwas zu sagen. „Verschwinden Sie endlich. Es ist nicht die Zeit, um den Helden zu spielen!"

Der Wächter seufzte schwer, wollte widersprechen und ließ es dann doch. „Ich…", er sah Spike an, schluckte und drehte sich weg. Die ganze Situation lief völlig aus dem Ruder, aber er wusste, dass kaum eine andere Möglichkeit übrig blieb. Zumindest keine, die so schnell Wirkung zeigte, wie sie sie brauchten. Mit hängenden Schultern suchte er sich einen Weg zum Ausgang.

Spike schaute ihm hinterher und lachte laut, als der Wächter um eine Ecke bog und so aus seinem Blickfeld verschwand. Soviel Mumm hatte er ihm gar nicht zugetraut und er grinste voller Vorfreude. Schon viel zu lange war er zahm und harmlos gewesen. Vielleicht brachte das ein wenig Abwechslung in sein jetzt so jämmerliches Dasein und er legte den Hebel um, der das Wasser bisher zurückgehalten hatte.

 

                                                                                           *~*~*~*

 

Giles und Willow standen auf dem Rasen hinter dem Studentenheim und schwiegen. Keiner wusste, was er sagen sollte und beide warteten gespannt, was geschehen würde.

„Oh!" Es war die Rothaarige, die das Schweigen brach. Ein lauter Knall hallte durch die Luft, dann flackerten die Lichter hinter den wenigen, beleuchteten Fenstern und erlöschten schließlich ganz. Sie schluckte schwer und sah Giles mit tränennassen Augen an. „Das war es dann also", brachte sie mühsam hervor und sah ihn nicken.

Er legte ihr tröstend den Arm um die Schultern und seufzte. „Mir gefällt das Ende ganz und gar nicht, aber wir hatten keine andere Option. Und wahrscheinlich hattest du sogar Recht mit deiner Vermutung, dass er es wieder versucht hätte." Er atmete tief die kühle Nachtluft ein und reckte sich. „Vielleicht ist es besser so."

„Und was machen wir jetzt? Machen wir einfach weiter und tun so, als sei das Ganze nie passiert?"

„Wir werden es niemals vergessen", murmelte Giles leise. „Und … Willow, du musst versuchen, daran zu denken, dass wir Hunderte von Menschen gerettet haben. Ich weiß, das klingt einfach… aber das ist es nicht und wird es auch nie sein."

Sie nickte und seufzte schwer. „Es ist nicht der erste Mensch, den wir verlieren. Aber es ist der erste, an dessen Tod ich beteiligt bin." Sie sah ihn traurig an. „Und das Gefühl werde ich niemals wieder los!"

 

                                                                                              *~*~*~*

 

Der neue Tag war beinahe um und Buffy brachte ihrer noch immer völlig aufgelösten Freundin ihre Jacke. Sie hatten die vergangenen Stunden bei Giles verbracht und wieder und wieder über das Geschehene gesprochen.

Spike lag wieder angekettet in der Badewanne und beschwerte sich den ganzen Tag. „Verfluchte Hölle! Immerhin habe ich euch den Arsch gerettet", wetterte er munter vor sich hin, doch Giles, auch noch immer arg mitgenommen, hatte einfach die Tür geschlossen und sein Allheilmittel verteilt. Tee für jeden!

„Und ihr seid euch sicher, dass ich euch nicht zurückfahren soll?", wandte er sich an seine Jägerin, die die Klinke schon in der Hand hatte.

„Nein. Ein bisschen frische Luft wird uns gut tun", erwiderte sie sanft und zog die rothaarige Hexe aus der Tür. „Ich melde mich!"

„Ist mit Riley alles okay?", erkundigte sich Willow nach wenigen Schritten. Sie war so durcheinander, dass sie sich nicht daran erinnern konnte, was mit ihm geschehen war.

„Alles bestens", nickte Buffy und hakte ihre Freundin unter. „Er ist genau wie ich aufgewacht, als der Strom weg war. Und ich denke, er hat mir geglaubt, als ich ihm sagte, er hätte sich wohl bei mir angesteckt. Er kann sich an nichts erinnern und das ist vermutlich auch gut so."

„Das ist gut", nickte die Rothaarige. „Und trefft ihr euch wieder?"

„Wir sind für morgen Nachmittag verabredet", lächelte die Jägerin. „Allerdings werde ich mir wohl oder übel einen Vortrag über Psychologie anhören müssen. Immerhin hatte ich ihn um Hilfe gebeten." Sie kicherte und Willow stieg darauf ein.

„Stimmt. Da wirst du nicht drum herum kommen." Dann seufzte sie und zuckte mit den Schultern. „Entschuldige, aber ich..."

„Ist schon okay", meinte Buffy und nahm sie in den Arm. „Das, was du erlebt hast, kann man nicht so leicht vergessen. Ich könnte es auch nicht. Aber du musst immer daran denken, dass Eric Johnson das Leben von hunderten unschuldiger Menschen völlig egal war. Wir werden nie herausfinden, ob Spike Recht hatte und er es wirklich aus Rache geplant hatte, oder aus was für einem Grund auch immer. Aber du hast dabei geholfen ihn aufzuhalten, und das ist viel wichtiger!"

„Vielleicht glaub ich das irgendwann selbst", seufzte Willow. „Im Moment geht das noch nicht."

Die Zeit verging wie im Flug und plötzlich standen sie vor dem Summers-Haus. „Oh", machte Willow, die gar nicht auf den Weg geachtet hatte. „Ich hätte fast vergessen, dass unser Studentenheim ja noch gesperrt ist."



Die Polizei hatte das gesamte Gelände abgeriegelt und eine Spezialeinheit durchforstete das ganze Gebäude. Sogar eine Hundestaffel war angefordert worden. Eric Johnsons Leiche war längst abtransportiert worden und Buffy hatte zufällig ein Gespräch aufgeschnappt, das zwei hochrangige Beamte geführt hatten. Sie sprachen von Glück und auch von der Dummheit des Hausmeisters. „Das hätte ganz schön übel ausgehen können", hatte der größere der Beiden gesagt und der andere hatte zustimmend genickt. „Möchte wirklich wissen, was Menschen auf solche verdammten Ideen bringt. Ein ganzes Studentenheim in die Luft jagen… und dann ist er auch noch so dämlich und grillt sich selbst." Er hatte den Kopf geschüttelt und gelacht. „Da hat dieses verschlafene Nest wirklich verdammtes Glück gehabt!"

 

Buffy öffnete die Tür und ließ Willow den Vortritt. „Mom ist noch in der Galerie", meinte sie. „Irgendeine Ausstellung", erklärte sie schulterzuckend. „Du kannst in meinem Bett schlafen. Ich bleib hier unten und schlafe auf der Couch."

„Okay", murmelte Willow und gähnte. Sie war total erschöpft, aber gleichzeitig wusste sie, dass es schwer werden würde, überhaupt etwas Schlaf zu finden.

„Ich bin hier, wenn du mich brauchst", sagte Buffy und drückte die Freundin an sich. „Nur laut rufen und schon bin ich da."

Es dauerte noch einige Minuten, dann hatte Willow sich soweit gefasst und schlurfte die Treppe hinauf. Buffy sah ihr hinterher, drehte sich dann und warf skeptische Blicke auf die Couch. Würde sie wieder solch… seltsame Träume haben? Sie schauderte und seufzte. Spätestens morgen früh würde sie es wissen. Doch dann ließ ihr die Sache keine Ruhe und sie wählte die Nummer von Giles.

„Giles, oh, ähm….hi!"

„Buffy?", erklang die erstaunte Stimme ihres Mentors. „Alles in Ordnung bei euch?"

„Ja, schon aber… ich… ich habe eigentlich eine Frage und ich weiß nicht…" Sie druckste herum und ihr Wächter am anderen Ende der Leitung runzelte die Stirn.

„Um was geht es denn?", fragte er vorsichtig. Er hatte schon eine leichte Ahnung, worauf sie anspielte und er konnte ihre Unruhe gut verstehen. „Geht es um deine… deine Träume?"

Die Jägerin seufzte. „Allerdings." Dann brach es aus ihr heraus. „Giles, ich kann doch nicht von…von Spike träumen. Das geht nicht. Mir wird schon schlecht, wenn ich nur daran denke und überhaupt… Nein. Ich will das nicht. Und das Schlimme ist, es gibt nicht einmal einen Grund dafür." Sie seufzte wieder und sprach ganz leise weiter. „Es gab nie einen Grund dafür. Ich weiß, dass der Inkubus mir diese Art der Träume eingebrockt hat. Aber… aber warum suche ich mir ausgerechnet einen ekligen Vampir aus?"

Giles hütete sich, seine Gedanken dazu laut zu äußern. Vielleicht hatte er ja auch Unrecht und seine Jägerin hatte tatsächlich keine Gefühle für den Vampir. Auch wenn ihm immer, wenn er darüber nachdachte, diese kleine Stimme in seinem Kopf etwas zuflüsterte. „Ohne Rauch kein Feuer", sagte diese Stimme, doch er schüttelte unwirsch den Kopf. Sollte da wirklich etwas zwischen den Beiden sein, dann hatten weder Buffy noch Spike das begriffen und er würde sie bestimmt nicht mit der Nase darauf stoßen. „Buffy", sagte er stattdessen sanft. „Es sind nur Träume. Und vielleicht ist es nur, weil", er flüsterte, damit sein Gast ihn nicht hörte, „Spike im Moment so viel Aufmerksamkeit fordert. Er ist immer da und somit auch immer in deinen Gedanken. Du bist die Jägerin und es ist dein Job, dich mit so etwas zu beschäftigen. Verstehst du? Das hört von ganz alleine wieder auf. Ich würde mir an deiner Stelle keine Gedanken darüber machen."

Ungefähr fünf Minuten später beendete Buffy das Gespräch. Aber wirklich beruhigt hatte ihr Wächter sie nicht. Sie wollte nicht mehr von dem blonden Vampir träumen. Schon gar nicht Träume dieser Art. „Es hört schon wieder auf", murmelte sie leise vor sich hin. Sie gähnte herzhaft, legte sich auf die Couch und zog die Decke bis über die Ohren. „Einfach nur schlafen und an gar nichts denken." Dann fielen ihr die Augen zu und sie dämmerte einem erholsamen Schaf entgegen.

 

                                                                                           *~*~*~*

 

Die Nacht war mondlos und die dunklen Regenwolken schluckten das letzte bisschen Licht, dass den Friedhof beleuchtete. Buffy streifte sich eine nasse Haarsträhne hinter die Ohren und seufzte. Es gab nichts zu tun. Keine Vampire, keine Monster oder sonstigen Dämonen, die sich mit ihr anlegen wollten. Absolut nichts, was eine Jägerin noch länger an diesem trostlosen Ort halten könnte. Sie streckte sich, lauschte und wirbelte herum.

„Wer wird denn da so schreckhaft sein?", lachte Spike und stellte den Kragen seines Mantels auf. Er trat aus dem Gebüsch und schüttelte sich, sodass die Regentropfen von dem Leder abperlten.

„Was willst du?", schnauzte Buffy ihn an und kniff die Augen zusammen.

„Was soll ich schon wollen?" Er lachte leise und trat ein paar Schritte auf sie zu. „Du weißt haargenau, was ich will!" Er legte den Kopf schräg und seine Augenbrauen wackelten anzüglich. „Sag mir, dass du es auch willst!"

„Aber sicher", lächelte sie und schlug zu. Ihre Faust traf seine Nase und beförderte ihn einige Meter zurück. „Genau das ist es, was ich will!" Rasend schnell war sie über ihm und deckte ihn mit Schlägen und Tritten ein. „Du hast mir das letzte Mal meine Träume versaut", schnauzte sie und prügelte ihn über den Friedhof.

Wohlig räkelte sich Buffy auf dem Sofa und ein leises Lächeln huschte über ihr Gesicht. Ihre Welt war wieder in Ordnung. Das war ein Traum, ganz nach ihrem Geschmack! Sie zog die Decke über die Nase kuschelte sich tiefer in das Kissen und genoss die Bilder, die vor ihrem inneren Auge auftauchten. Das war es, was eine Jägerin in Hochstimmung brachte. Vampire waren eben nur gute Vampire, wenn sie Staub waren!

 

                                                                                            *~*~*~*

 

Keine drei Kilometer Luftlinie vom Summers-Haus entfernt lag Spike in Giles Badewanne und grinste zufrieden vor sich hin. Der Fernseher lief, doch er achtete gar nicht darauf. Seine Gedanken wanderten zurück zur vergangenen Nacht und er lachte leise. Was hatte die Jägerin noch gesagt? Er war ihnen so einiges schuldig? Hah! Das hatte er so eben ausgeglichen! Er hatte ihren verdammten Arsch gerettet! Und nicht nur den der Jägerin…

Vergnügt schloss er die Augen und ließ die Bilder entstehen, die ihm am liebsten waren. Die Jägerin… wie er sie durch die Stadt jagte, sie in einer dunklen Gasse stellte und sich genüsslich an ihr labte. Er öffnete die Augen und ein diabolisches Grinsen huschte über sein Gesicht. „Das Spiel fängt gerade erst an", meinte er leise. „Der Tanz ist noch lange nicht vorbei!"