Titel: The Game
Autor: Silentthunder
Inhalt: Spike spielt das Spiel seines Lebens.
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Ladybird
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

 

 

                                                                                    The Game

 

Ein laues Lüftchen wehte die ersten bunten Blätter von den Bäumen und der Vollmond beleuchtete die sonst so dunklen Gassen Sunnydales. Beschwingt und mit einem selbstgefälligen Lächeln im Gesicht trug der Vampir seine Last durch die menschenleeren Straßen. Es war nicht mehr weit bis zum Friedhof und somit auch bis zu seiner Behausung. Sein Lächeln wurde hinterlistig. Er hatte am heutigen Abend das große Los gezogen. Endlich einmal! Und wie er selbst meinte, vollkommen zu Recht. Dieses Mal saß er am längeren Hebel, wie man so schön sagte. Morgen Nacht war es soweit, er würde alles niedermachen, was sich ihm in den Weg stellen würde.

Der Friedhof war erreicht und mit dem Fuß stieß er das schmiedeeiserne Tor weit auf. Gleich war er zu Hause und er war froh, dass Paket endlich abstellen zu können, dass er durch halb Sunnydale getragen hatte. Es war nicht wirklich schwer, aber dafür lästig.

Der Vampir lachte leise vor sich hin und war gerade im Begriff die Tür seiner Behausung zu öffnen, als eine schneidende Stimme sein Gesicht erstarren ließ.

„Was schleppst du denn da Feines mit dir rum?"

„Slayer!" Spike schoss herum, sah kurz auf seinen Karton und setzte den unschuldigsten Gesichtsausdruck auf, den er zustande brachte. „Musst du dich so anschleichen?"

„Das ist mein Job", erwiderte Buffy und lächelte falsch. „Durch die Nacht huschen und harmlose Vampire erschrecken." Ihre Stimme war sarkastisch und ihre Miene zeigte deutlich ihren Unmut.

„Wie auch immer. Schönen Abend noch." Spike hatte keinerlei Lust sich mit ihr anzulegen. Jetzt, gerade im Moment, war das mehr als nur ungünstig. ‚Verfluchte Hölle! Und dabei fing alles so perfekt an!’ Er drehte sich weg, versuchte wieder die Tür zu öffnen und fühlte augenblicklich einen harten Finger, der auf seine Schulter tippte.

„Du hast meine Frage nicht beantwortet.", erklärte Buffy überaus freundlich, als er sich umwandte.

„Was für eine Frage?" Spike hatte blitzschnell geschaltet und sich für die ich bin völlig harmlos- Nummer entschieden.

„Ich habe gefragt, was du da in dem Karton hast." Buffy lächelte noch immer, doch das Lächeln erreichte ihre Augen nicht und ihre Brauen zogen sich langsam noch oben.

„Ach so! Das." ‚Überleg schnell’, befahl er sich. „Das ist nur Plunder. Einige Bücher, ein Sofakissen und eine halbvolle Flasche Whiskey." ‚Klasse gemacht du Idiot’, meckerte er mit sich selbst. ‚Wirklich eine spitzenmäßige Ausrede. Die glaubt nicht mal deine Großmutter!’

Buffy allerdings schien mit der Erklärung durchaus zufrieden zu sein. Sie zuckte gelangweilt mit den Schultern. „Du hast nicht zufällig einen Kladeresch Dämonen gesehen? Ungefähr zwei Meter groß, grün schimmernder Panzer und drei Hörner, die ihm den Rücken runter wachsen."

Mit dem habe ich gerade drei Stunden verbracht.’ „Nein, keine Ahnung. Ich habe seit Ewigkeiten keinen Kladeresch mehr gesehen. Warum?"

„Weil ich auf der Suche nach einem bin. Giles meinte, ich sollte ihn schnell finden, da es sonst sehr…, ähm… unappetitlich werden würde."

„Okay. Wenn ich einen sehe, dann lasse ich es dich wissen." ‚Du bist zu nett, wenn du so weiter machst kommst du nie in deine Gruft!’ Seine Gedanken rasten und er wollte nur noch eins, möglichst schnell die Tür seiner Behausung hinter sich verschließen.

„Gut", meinte Buffy und sah ihn neugierig an. Irgendetwas an ihm war anders heute, allerdings wusste sie nicht genau was. Sie hob zum Abschied die Hand und war gerade im Begriff zu gehen, als ein leises Geräusch sie stocken ließ. „Was war das?"

„Was?" ‚Verdammt, guck nicht so scheinheilig! Das nimmt sie dir niemals ab!’ „Ich habe nichts gehört."

Buffy stand regungslos da und lauschte in die laue Herbstnacht. „Ja, da war wohl doch nichts. Bis denn." Die Jägerin war kaum zwei Schritte gegangen, als sie wieder stutzte. „Diesmal bin ich mir sicher, dass ich etwas gehört habe."

„Ja, ich habe es auch gehört", erwiderte Spike schnell. „Das kam aus den Büschen dahinten. Ich bringe eben den Karton rein, dann sehen wir nach."

„Oh nein", meinte Buffy knallhart und baute sich vor ihm auf. „Das kam nicht aus dem Gestrüpp, sondern aus deinem Karton."

„Das kann nicht", wehrte der Vampir ab. „Da ist nur alter Krempel drin, das habe ich dir doch schon…Hey!" Die Jägerin hatte ihm den Karton aus den Händen gerissen und trug ihn nun hinüber zu einem Grabstein. „Das ist meins! Schon mal was von Privatsphäre gehört?", meckerte er und eilte ihr hinterher.

Buffy lächelte scheinheilig und hob vorsichtig den Deckel an. Einen Sekundenbruchteil später funkelte sie ihn giftig an und Spike war sich sicher, ein leises Knurren gehört zu haben.

„Das kann ja wohl nicht wahr sein", blaffte sie ihn an. „Du warst also wieder Karten spielen. Könnt ihr nicht um Geld spielen? Verdammt!"

Acht kleine Kätzchen miauten herzergreifend und reckten ihre kleinen Köpfchen aus der Pappschachtel.

„Nein, können wir nicht", motzte Spike und versuchte sein Eigentum wieder an sich zu bringen. „Die gehören mir. Die habe ich beim Poker gewonnen!"

„Das kannst du so was von vergessen", schrie Buffy und verpasste ihm einen Schwinger unters Kinn. „Ich werde sie mitnehmen. Du kannst dir einen anderen Einsatz besorgen!"

Spike rieb sich die getroffene Stelle. „Das geht nicht. Ich brauche die Viecher morgen Abend."

„Nein", fauchte Buffy und ihre Stimme sagte deutlich, dass sie sich auf nichts einlassen würde. „Mir ist schon klar, dass du die Kätzchen nicht selber isst, aber das ist…, das ist… so widerlich!"

„Sie sind nun mal ein gängiger Einsatz unter Dämonen und da hilft es auch nicht, wenn du diese hier rettest." Spike war beleidigt. Morgen Nacht würde die gleiche Runde Pokerspieler wieder zusammenkommen und er war das, was man den Chipleader nannte. Er hatte Glück gehabt und wenn alles so klappte wie er es wollte, dann konnte er morgen seinen Gewinn gegen einen Haufen Geld tauschen. „Komm schon, Slayer. Wo soll ich denn auf die Schnelle neue herbekommen? Gib sie mir wieder!"

„Nein", zischte Buffy, hob den Karton an und ging Richtung Ausgang.

„Verdammt!", meckerte Spike und lief ihr nach. „Dafür übergebe ich dir auch den Kladeresch."

„Du weißt wo er ist?" Die Jägerin blieb stehen und funkelte ihn giftig an.

„Nein. Aber ich weiß, wo er morgen Abend ist."

„Du hast also mit ihm gepokert", stellte sie fest und ihr Blick versprach nichts Gutes.

„Ja, verflucht!", meckerte Spike. „Und wenn es morgen wieder so gut läuft, dann mache ich eine Menge Kohle."

„Tja, das kannst du ja nun wohl vergessen", erwiderte Buffy und lächelte falsch. „Du hast ja jetzt keinen Einsatz mehr!"

„Dann werde ich dir auch nicht helfen, den Kladeresch zu finden", versuchte Spike es mit Erpressung. „Allerdings wird er großen Hunger haben, wenn er seine Kätzchen nicht bekommt."

„Was soll das?" Buffy starrte ihn böse an. „Was weißt du?"

„Ich weiß, dass er Hunger hat. Und das da", meinte er und zeigte auf die miauenden Kätzchen. „Das da ist seine Lieblingsspeise. Allerdings mag er auch Menschen, wie du weißt! Man Slayer, komm schon. Lass uns einen Handel ausmachen. Du kommst morgen mit, bewachst die Viecher und wenn ich mein Geld habe schnappst du dir die Miezen und den Dämon."

„Und was hätte ich davon? Außer, das ich den ganzen Abend mit einem Rudel Dämonen verbringen darf? Den Kladeresch erwische ich schon noch." Buffy ging weiter, allerdings nicht ganz so schnell wie vorher.

Wieder lief Spike ihr hinterher, umrundete sie und brachte sie zum Stehen. „Buffy, bitte." ‚Ätzend! Jetzt fang ich auch schon an zu betteln!’, dachte er und schüttelte sich angewidert. „Mit der Kohle kann ich mir eine Menge Blut kaufen. ‚Außerdem eine Menge guten Whiskey.’ „Du hast doch nichts zu verlieren. Du kriegst die Katzen und den Dämon, und das alles ohne die ganze Nacht durch die Stadt zu laufen."

„Wie stellst du dir das vor? Und was für Dämonen hängen da noch so rum? Du weißt genau, dass sie mich fühlen können. Sie wissen sofort, dass eine Jägerin im Raum ist. Außerdem kann ich nicht pokern."

Der Vampir redete und erklärte und seine Miene wurde langsam aber sicher entspannter. Buffy hörte ihm aufmerksam zu und nickte schließlich. Sie drückte ihm den Karton in die Arme und als er sich umdrehen wollte hielt sie ihn auf. „Vergiss es. Die Kätzchen kommen mit zu mir, aber du wirst sie tragen!"

Spike seufzte. ‚Wäre auch zu schön gewesen!’ Auf dem Weg zum Summershaus versuchte er ihr die Grundbegriffe des Pokerns beizubringen und gab schließlich frustriert auf, als sie „was für ein volles Haus" fragte, als er ihr ein Full House erläuterte. Es hatte keinen Sinn. Sie würde es in hundert Jahren nicht begreifen.

„Wo genau ist es eigentlich? Ich meine, den Ort wo ihr spielt?" Buffy stieg die Stufen zum Haus hinauf und nahm ihm sein Päckchen ab.

„Nahe am Hafen", erwiderte Spike und definierte es dann genauer.

„Dann bis morgen", meinte sie zum Abschied und ging hinein, ohne einen letzten Blick auf den Vampir zu werfen. Sie hatte jetzt eine Menge Katzen zu versorgen. Vor allem musste sie telefonieren und mit Giles einen Plan schmieden. Wenn sie schon den Abend mit einer Horde Dämonen verbringen musste, dann würde sie auch dafür sorgen, dass es deren letzter Abend wurde.

 

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Seit Stunden saß die Jägerin jetzt auf diesem blöden harten Stuhl und langweilte sich. Erst hatte sie die verschiedenen Dämonen nicht aus den Augen gelassen, allen voran den riesigen Kladeresch nicht. Dann hatte sie mit den Kätzchen gespielt und schließlich versucht den Sinn dieses Kartenspiels herauszufinden.

Seltsamerweise schenkte niemand ihr besondere Beachtung. Spike sowieso nicht, er hatte scheinbar nach wie vor eine Glückssträhne und besaß mittlerweile zwölf kleine Samtpfoten. Buffy starrte an die verdreckte Decke, versuchte die Risse darin zu zählen und hoffte, dass der Abend endlich ein Ende finden würde. Sie konnte die Worte Straight, Flush und All in langsam aber sicher nicht mehr hören. Gerade im Moment lachte der Vampir über einen grimmig blickenden Dämon, den die Jägerin nie zuvor gesehen hatte.

„Tja, gegen mein Full House kommt dein lausiger Drilling nicht an. Rüber mit dem Viech", befahl er und drückte dann Buffy Katze Nummer dreizehn in die Hände.

Sie setzte das kleine Fellbündel in einen Karton, stand auf und reckte sich. Beiläufig schlenderte sie hinüber zu Spike und flüsterte ihm freundlich lächelnd ins Ohr. „Wie lange dauert der Mist jetzt hier eigentlich noch? Wenn nicht gleich was passiert, dann murkse ich deinen ekelhaft grünen Kumpel jetzt gleich ab, bevor du die Kätzchen tauschen kannst." Ihre Laune passte nicht zu ihrem Gesichtsausdruck, aber genau so war es geplant. Sie musste leider nett und freundlich aussehen.

„Dauert nicht mehr lange", zischte Spike zurück. „Und nein, nicht jetzt. Er hat die Kohle nicht dabei und muss sie sich erst bringen lassen. Sein Kumpel sitzt irgendwo vorne an der Theke und säuft sich einen an." Er sah Buffy beschwörend an. „Komm schon! Auf die zehn Minuten kommt es nicht mehr an. Es sind nur noch drei Spieler dabei, der Rest ist schon pleite."

„Wehe es dauert länger als zehn Minuten", raunte Buffy ihm mit einem gespielten Lächeln zu.

Zwanzig Minuten später ließ Buffy genervt den Kopf nach vorne fallen. Sie hasste das alles hier. ‚Warum hab ich mich nur darauf eingelassen?’, überlegte sie und hörte jemand plötzlich Heads up schreien. Sie sah auf und bemerkte, dass nur noch Spike und der Kladeresch Karten und lebendige Einsätze hatten. ‚Gott sei Dank. Endlich!’, dachte sie und fragte sich, ob Giles und ihre Freunde draußen alles vorbereitet hatten.

Es würde nicht mehr lange dauern und der ganze schäbige Laden würde in Flammen aufgehen. Vorausgesetzt Willow, Tara und Giles hatten dafür gesorgt, dass keine Menschen mehr anwesend sein würden. Aber die rothaarige Hexe hatte ihr glaubhaft versichert, es wäre kein Problem alle menschlichen Wesen durch einen Zauber von der widerlichen Kneipe fernzuhalten.

„Hah! Du hast verloren", rief der Vampir, sprang auf und warf seine Karten offen auf den Tisch.

„Straight flush", hörte Buffy jemand murmeln.

„Sieh zu, dass ich die Kohle bekomme, wenn du deine Leckerbissen zurückhaben willst." Spike grinste den grünlich schimmernden Dämon breit an und zeigte auf den Karton mit den Kätzchen.

Der Kladeresch brummte undeutlich und schickte dann einen anderen Dämon los, das Geld für Spike von seinem Kumpan zu holen.

Buffy hatte gerade noch die Zeit, alle Kätzchen in einem großen Karton zu verstauen und wählte dann in der Jackentasche die vorher eingegebene Nummer mit ihrem Handy. Sie sah zu, wie Spike sein Geld in Empfang nahm und rief dann laut. „Jetzt!"

Der riesige Pappkarton verschwand, löste sich in Luft auf und Sekunden später brach die Hölle los. Erst starrten alle auf den leeren Fußboden und auf einen, der Jägerin unverständlichen, Befehl des Kladeresch griffen alle Dämonen gleichzeitig an.

„Was soll das?", fragte Spike verwirrt und brach einem Angreifer den Oberarm.

„Sieh zu, dass du hier raus kommst", zischte Buffy. „Die Bude brennt gleich!"

„Nein sie brennt jetzt schon", erwiderte der Vampir dicht neben ihr. Er hatte das Feuer bereits gerochen und er warf sich mit Wucht gegen die Hintertür. Drei Versuche später gab er auf und warf einen anderen Vampir, der gerade auf ihn losstürmte, durch das vernagelte Fenster.

„Raus hier", rief er und half Buffy, die gegen den riesigen Kladeresch Dämonen kämpfte. Er hatte die Jägerin in eine Ecke gedrängt und der Vampir nahm einen der Stühle und schlug ihm dem Dämon über den Schädel. Zusammen sprangen sie in einem hohen Bogen nach draußen und wurden sofort von Xander in Empfang genommen.

„Ich hab sie", brüllte der Dunkelhaarige und Buffy sah aus den Augenwinkeln, dass das Haus jetzt lichterloh brannte.

Das war mit Sicherheit Willow’, überlegte Buffy. Kein Feuer der Welt hätte sich so rasend schnell ausbreiten können. Sie rappelte sich auf und rannte zu den Anderen.

„Alles in Ordnung?", fragte sie und sah Giles bestätigend nicken.

Außer dem Vampir, den Spike durch das Fenster geschleudert hatte, war es keinem Dämon gelungen aus der Flammenhölle zu entkommen.

„Wo ist Spike?", fragte der Wächter, als im Hintergrund leise Sirenen zu hören waren.

„Verschwunden", erwiderte Xander und zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Er ist sofort in einer Seitenstraße verschwunden."

„Wir sollten machen, dass wir hier wegkommen", meinte Willow mit blassem Gesicht. „Wir haben es geschafft und sollten verschwinden, bevor wir irgendwelche Fragen beantworten müssen."

Und genau das taten sie. Giles alter Citroen und Xanders Wagen standen in einer dunklen Gasse geparkt und sie fuhren ab, als der erste Feuerwehrwagen vor dem fast niedergebrannten Haus hielt. Jetzt blieb ihn nur noch eines zu tun. Einen Platz für die zwanzig Kätzchen zu finden, die im Kofferraum laut und herzergreifend miauten.

 

Spike hingegen kümmerte das wenig und er würde der Jägerin niemals erzählen, dass er an diesem Abend zehntausend Dollar gewonnen hatte. Der Kladeresch hatte keine Ahnung von menschlichem Geld gehabt und Spike geglaubt, als dieser ihm eine Summe genannt hatte.

Jetzt würde er erst einmal den nächsten Drugstore ansteuern und sich eine richtig gute Flasche Whiskey genehmigen. Wenn er erst mal zu Hause war, konnte er sich immer noch in Ruhe überlegen, was er mit dem Rest des Geldes anstellen würde. ‚Vielleicht einen guten Chirurgen bezahlen, der diesen lausigen Chip entfernt’, überlegte er grinsend und riss die Ladentür des Drugstores auf. ‚Das wäre doch mal was!’

Ende