Titel: The evil One
Autor: Silentthunder
Inhalt: Dieses mal ist es Spike, der in einem Traum feststeckt.
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Spike

 

                                                                          The evil one

 

Gelangweilt und mit hängenden Schultern schlurfte Spike den Weg zurück durch die Stadt. Er war auf dem Weg in seine Gruft und grummelte unablässig wüste Beschimpfungen vor sich hin. Den Halloweenabend hatte er sich etwas anders vorgestellt. Gut. Was sollte man erwarten, wenn man mit der Jägerin und ihren langweiligen Freunden abhing? Wahrscheinlich war es schon das höchste der Gefühle gewesen. Aber es war Halloween, da musste man sich doch gruseln. Oder zumindest den Anschein erwecken! Warum konnten sie nicht jedenfalls einen vernünftigen Film ausleihen? Snow White war wirklich schlimm genug gewesen. Konnte man nicht etwas mehr erwarten?

„Pah! Schneewittchen!", meckerte Spike genervt, aber dann wurde sein Gesichtsausdruck milder. ‚Na ja, immerhin hat ihn Dawn ausgesucht, und dem Krümel verzeih ich ja fast alles’, dachte er und zuckte mit den Schultern. Er konnte der kleinen Summers selten richtig böse sein.

Aber was danach gekommen war, hatte dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Scream. Scream II und noch irgend so ein Mist, der sich Horrorfilm nannte.

Dass Xander keinen Geschmack hat, das ist nichts Neues. Aber Anya hatte ich mehr zugetraut’, überlegte er missmutig, als er an die Filmauswahl der beiden dachte.

Kannte den keiner mehr die wirklich guten alten Horrorstreifen, die komplett ohne irgendwelche Spezialeffekte auskamen, und trotzdem bedeutend besser waren, als all der Müll, der heutzutage produziert wurde? Und das, obwohl sie nur in schwarz weiß gedreht worden sind!

Genervt schüttelte er den Kopf. ‚Und dann kommt endlich ein guter Film und die Jägerin versaut ihn mir durch ihr blödes Gegacker!’, nörgelte er und verzog das Gesicht bei der Erinnerung daran.

Er würde es zwar nie zugeben, aber es interessierte ihn brennend, was sie geträumt hatte. Deutlich hatte er gehört, dass sie seinen Namen gemurmelt hatte. Aber was dann kam, war nicht wirklich gut gewesen. Ihr Gelächter hatte ihn etwas nachdenklich gestimmt. Im Grunde hatte er nichts dagegen, durch ihre Träume zu geistern, aber das Lachen war nicht ganz das gewesen, was er wollte. Hatte sie ihn etwa ausgelacht? Und wenn ja, warum? Und was zum Teufel sollte dieser blöde Spruch mit der roten Mütze? Als würde er so etwas jemals anziehen! „Pah!"

Der Vampir seufzte schwer, als er durch die menschenleeren Straßen lief. Die kleinen verkleideten Monster waren längst verschwunden und schliefen tief und fest. Die einzigen Wesen, die um diese Zeit noch unterwegs waren, waren Jugendliche, die betrunken von irgendwelchen wilden Parties kamen und durch die Gegend torkelten. Und nicht einmal die konnte er heute erschrecken. Es war definitiv der falsche Tag dafür.

Verdammtes Halloween! Der übelste Tag, den es für einen wahren Dämon geben kann. Ich kann gut verstehen, warum kein sich kein wahrhaft böses Wesen an diesem Abend zeigt.’

Und er wusste, wovon er sprach. Irgendwann, vor einigen Jahren, hatte ein dämlicher Kerl ihm mal auf die Schulter geklopft und ihm zu seiner Maske gratuliert. „Pah! Maske", schimpfte Spike bei der Erinnerung an den Halloweenabend, als Drusilla und er die Party auf ihre besondere Art und Weise gesprengt hatten. „Das waren noch andere Zeiten. Der Idiot hatte noch ganze fünf Sekunden zu leben! Und heute? Scheiße! Heute rege ich mich über dämliche Filme auf!"

Eine kalte Brise kam auf, und obwohl ihn Temperaturunterschiede nicht wirklich interessierten, stellte er seinen Mantelkragen auf. ‚Vielleicht habe ich ja doch noch etwas Glück und es kommt noch etwas Vernünftiges im Fernsehen’, überlegte er und trat das schmiedeeiserne Tor des Friedhofes auf, das knirschend aufschwang.

In seiner Gruft angekommen, zog er seinen Mantel aus, warf ihn über die Stuhllehne und machte im Vorübergehen den Fernseher an. Das gute alte Ding brauchte immer einige Momente, bis er warm genug war und ein vernünftiges Bild zeigte.

Ein kurzer Blick in seine Vorräte ließ ihn lächeln. ‚Habe ich es doch gewusst!’, grinste er voller Vorfreunde und nahm die Flasche Whiskey aus dem Schrank. ‚Meine Notreserve! Die kommt mir heute gerade recht!’

Spike stellte die Flasche auf den kleinen Couchtisch, warf sich in seinen Fernsehsessel und ließ die Beine lässig über die Lehne hängen. Er griff nach der Fernbedienung, zappte durch die Kanäle und sein Gesicht wurde immer länger. „Verdammt noch mal", schimpfte er grimmig. „Kann denn nicht ein vernünftiger Film kommen?!"

Er hatte absolut keine Lust auf irgendwelche Dokumentationen über Fische aus dem Amazonasbecken, genauso wenig interessierte ihn die vierundzwanzigste Wiederholung von Star Trek und über den bescheuerten Torten-Backkurs wollte er erst gar nicht weiter nachdenken! ‚Wäre ja auch noch schöner!’ „Ich und Torten backen! Mist, verfluchter!"

Er angelte Zigaretten aus seiner Tasche, zündete sich eine an und stieß wütend den Rauch aus. „Das darf doch alles nicht wahr sein! Verfluchte Hölle", schimpfte er. „Es ist Halloween, da kann man doch ein paar Gruselfilme erwarten!"

Er schaltete weiter rauf und runter und griff schließlich beinahe beleidigt nach der Whiskeyflasche. Er schraubte den Deckel ab, setzte die Flasche an die Lippen und verschluckte sich fast, als er die ersten Bilder des neu beginnenden Spielfilms über den Bildschirm flimmerten. Es war ein Märchen! Mitten in der Nacht! An Halloween!

Was noch schlimmer war: Es war Schneewittchen! Dieses Mal als Zeichentrickfilm von Disney, mitsamt der Zwerge und allem Drum und Dran!

Er verdrehte die Augen und setzte wieder die Flasche an die Lippen. ‚Soll ich mir das wirklich antun?’, überlegte er übellaunig und ließ die bersteinfarbige Flüssigkeit in seine Kehle laufen. ‚Oder nehme ich jetzt die verdammte Flasche und werfe sie in den bescheuerten Fernseher?’

Ein letztes Mal versuchte er ein einigermaßen vernünftiges Programm zu finden, dann stellte er mit hängenden Schultern Schneewittchen wieder an.

„Ob das besser ist als nichts, möchte ich arg bezweifeln", maulte er und lehnte sich zurück. „Pffft! Immerhin habe ich jetzt etwas zu tun."

Allerdings interessierte ihn der Film herzlich wenig. Gelangweilt schaute er dabei zu, wie die Zwerge durch das Bild hüpften und runzelte plötzlich die Stirn. Rote Mützen! Zwerge mit roten Zipfelmützen! Das konnte ja wohl nicht wahr sein!

„Verdammt. Jetzt weiß ich, was die dämliche Jägerin geträumt hat", knurrte er böse. „Wenn ich wüsste wie, dann würde ich es ihr heimzahlen! Jawohl!"

Eine halbe Flasche Whiskey und ungefähr dreißig Minuten später dämmerte Spike langsam dem Schlaf entgegen. Ein letztes Mal warf er einen trüben Blick auf die tanzenden Zwerge, dann wurde alles schwarz und sein Kopf sackte herab auf seine Brust.

 

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Ganz im Gegensatz zu seinem friedlichen Einschlafen, wachte Spike mitten in einer Bewegung wieder auf. Erschrocken stellte er fest, dass er in einer Reihe Zwerge marschierte, die laut „Hi Ho, Hi Ho", sang.

Was zur Hölle…?’, dachte er und sah an sich herunter. Er war klein, was ja irgendwie auch nicht anders zu erwarten war, hatte kleine Stummelbeine und einen dicken Bauch. ‚Na super’, nörgelte er. ‚Und den passenden Rauschebart dazu!’ Prompt riss er sich die Zipfelmütze vom Kopf und starrte bitterböse auf das rote Stück Stoff.

Er warf einen Blick auf den Zwerg vor sich und konnte nur mit größter Anstrengung den unbändigen Drang niederkämpfen, einmal kräftig zuzutreten. ‚Verfluchte Scheiße’, meckerte er, doch dann grinste er über beide Ohren.

Er war in dem gleichen bescheuerten Traum, in dem die Jägerin gewesen war.

„Okay", murmelte er leise. „Es ist ein verdammter Traum. Aber es ist mein verdammter Traum! Also werde ich auch bestimmen, was hier passiert!", nuschelte er leise, doch keiner seiner kleinen Gesellen schenkte ihm besondere Aufmerksamkeit.

Wieder sah er an sich herab und stellte mit Begeisterung fest, dass seine Kleidung sich durch einen bloßen Gedanken geändert hatte. Wie gewöhnlich waren all seine Sachen schwarz und er nickte zufrieden. ‚Stummelbeinchen und Rauschebart verschwinden als nächstes’, dachte er und bemerkte zufrieden, dass sich auch sein dicker Bauch gleich mit verabschiedete.

Zusammen mit den Zwergen verließ er die Höhle, die den kleinen Wesen sicherlich als Mine diente, und atmete die würzige Luft ein, die die Dunkelheit des Waldes durchzog.

„Ob Schneewittchen uns ein gutes Abendessen gezaubert hat?", piepste eine Stimme und er blickte seinen Nebenmann ins Gesicht, der diese Worte ausgesprochen hatte.

„Bestimmt", erwiderte eine andere.

Belustigt sah Spike von einem zum anderen. Sie hatten seine Veränderung überhaupt nicht wahrgenommen. Entweder interessierte es sie nicht, oder aber sie spulten ihr normales Verhalten ab. ‚Was für mich ein großer Vorteil ist’, dachte er und ein diabolisches Grinsen legte sich auf sein Gesicht. ‚Mein Traum, mein Märchen und mein verdammtes Schneewittchen!’

Er lachte leise, als er bemerkte, dass er langsam wuchs. Mittlerweile konnte er den meisten anderen Zwergen schon über den Kopf gucken und er überlegte, was er alles anstellen konnte. Immerhin war es seine verdammte Illusion und in der konnte er jawohl machen, was er wollte. Nicht einmal die Jägerin konnte sich da einmischen! „Und wehe dem, der es wagt, mich zu wecken!"

Er marschierte weiter hinter den kleinen Kerlen her, hatte sich jedoch an das Ende der Reihe zurückfallen lassen und betrachtete neugierig die Umgebung. Lange würde es nicht mehr dauern, dann würde er der so genannten Prinzessin gegenüberstehen. Soweit er sich erinnerte, wurde sie in diesem bekloppten Film immer als dunkelhaarig gezeichnet. Das war das erste, was er ändern würde. Die einzige, die die Rolle seiner Meinung nach richtig spielen konnte, war natürlich Buffy.

Die Jägerin als Schneewittchen! Allein der Gedanke daran ließ ihn wieder über beide Ohren grinsen. Für einen kurzen Moment schloss er die Augen und stellte sich eine möglichst aufreizende Kleidung vor, die sie seiner Meinung nach tragen sollte. Fast durchsichtig sollte es sein, durfte nicht zuviel verdecken und wenn schon, dann sollte das Ganze aus schwarzer Seide sein.

„Hey, Spike!", riss ihn eine piepsende Stimme aus seinen Gedanken. „Träumst du?"

Er sah sich um, bemerkte, dass die anderen Zwerge längst vor einer kleinen Gartenpforte stehen geblieben waren und er als einziger daran vorbei gelaufen war.

Er grinste breit, hob kurz den Arm und lief die wenigen Meter zurück. ‚Immerhin sprechen sie mich mit meinem Namen an’, dachte er und blickte dann auf das kleine Holzhaus. „Ich war wohl in Gedanken", murmelte er und sah die Kerlchen verstehend nicken.

Wenige Augenblicke später öffnete sich die schwere Haustür und eine äußerst aufreizende Buffy schaute ihnen entgegen. Ihr Kleidchen reichte bis knapp an die Oberschenkel, zeigte mehr, als es verdeckte und, ganz wie er es wollte, räkelte sie sich aufreizend.

Mit einem diabolischen Gesichtausdruck ließ er nacheinander die Zwerge durch einen bloßen Gedanken verschwinden und ging dann mit froher Erwartung auf seine Märchenprinzessin zu.

Mir werden eine Menge Dinge einfallen’, grinste er gut gelaunt. ‚Slayer, das wird deine bescheuerte rote Zipfelmütze bedeutend übertreffen!’

„Hallo mein Schatz", säuselte sie, als er bei ihr angekommen war. „Bestimmt hast du einen anstrengenden Tag gehabt. Komm herein, ich werde dich dafür entschädigen."

Jaaa!’, dachte Spike. ‚Das ist genau das, was ich wollte!’ Das einzige, was ihn wirklich störte, war, dass er bisher nicht zu seiner richtigen Größe herangewachsen war. Er reichte ihr gerade mal bis zur Brust. Gut, das störte nicht unbedingt, aber wenn, dann richtig.

Schneewittchen nahm ihm den Mantel ab und ihre Finger wanderten unablässig über seinen Körper. Sie streichelte seinen Rücken und wanderten schließlich auf seine Brust. „Dein Abendessen ist angerichtet", flüsterte sie leise, drängte sich eng an ihn und entblößte ihren Hals.

Verflucht!’ Das war noch bedeutend besser, als er sich vorgestellt hatte und seine normale Körpergröße hatte er auch wieder erreicht. ‚Wenn die richtige Buffy das wüsste’, dachte er einen flüchtigen Moment, doch dann verdrängte er den Gedanken schnell. Das hier war seine Illusion und er würde sich von so etwas nicht zurückhalten lassen.

„Papa ist da", hörte er eine kindliche Stimme, gerade in der Sekunde, als er sich genüsslich in ihrem Hals verbeißen wollte.

„Was ist das?", fragte er verdattert und sah sich um.

„Dein Nachwuchs", erwiderte die Buffy- Prinzessin. „Als wenn du das nicht wüsstest.

Kaum hatte sie von ihm abgelassen, stürmte eine Horde Zwerge auf ihn los. Dieses Mal jedoch ohne Stummelbeinchen und dicken Bauch. Es waren Kinder. Jede Menge kleine Buffys und Spikes! Es waren so viele, dass er den Überblick verlor und böse vor sich hin grummelte.

Irgendetwas lief hier gerade aus dem Ruder! „Verdammt!" Er hatte sich nie Kinder vorgestellt, was also sollte der Scheiß? Er schloss die Augen, versuchte sie wieder durch Gedanken verschwinden zu lassen, doch dieses Mal wollte es ihm nicht gelingen. Sie klebten an ihm wie Pech und so langsam wurde er sauer. Sicherlich, so eine Horde Kinder hatte was für sich, vor allem, wenn es seine waren. Aber mal ehrlich. Im Moment wäre ihm etwas anderes lieber!

Gut, er konnte sie nicht verschwinden lassen, also arbeitete sein Verstand auf Hochtouren. Einer Eingebung folgend riss er die Tür auf. „Draußen, irgendwo im Wald schleicht der Weihnachtsmann herum. Geht und sucht ihn! Und wehe, ihr wagt es, ohne Geschenke wiederzukommen."

Lautes Gejubel antwortete ihm und verebbte schnell, als schließlich alle verschwunden waren. Rasch schloss er die Tür, drehte sich um und sein Blick suchte Schneewittchens, die lächelnd auf ihn wartete.

„Eine gute Idee", säuselte sie und sie biss sich aufreizend auf die Lippe.

In Sekundenbruchteilen war er bei ihr, riss sie in seine Arme und seine Hand wanderte gerade unter den kleinen Stofffetzen, den sie trug, als die Tür wieder aufgerissen wurde.

„Hey, Spike! War dein Abend genauso mies wie meiner?", hörte er eine ihm wohl bekannte Stimme.

Er drehte den Kopf, sah Clem und verdrehte die Augen. ‚Was zur Hölle, wollte der denn in seinem Traum?

Moment! Traum? Scheiße! Das was er sah, war seine verdammte Tür, seine verdammte Gruft! Clem hatte ihn geweckt! Verflucht!

„Ich habe uns etwas mitgebracht", sprach Clem weiter und streckte ihm eine Flasche Bourbon entgegen. „Nach dem Abend habe ich gedacht, es wäre eine gute Idee, wenn wir uns besaufen!"

Ich bringe ihn um’, dachte Spike und sprang auf.

„Oh, ich komme wohl ungelegen?", erwiderte der Dämon und ging bei dem Gesichtsausdruck des Vampirs langsam rückwärts. „Ja, sehr ungelegen", gab er sich selbst die Antwort. Rasch stellte er die mitgebrachte Flasche ab. „Trink sie nur alleine, ich bin dann weg", krächzte er, winkte kurz und verschwand dann eiligst aus der Gruft.

„Verfluchte Hölle", schimpfte Spike böse. „Gerade jetzt muss der Idiot mich wecken." Er ließ sich wieder in seinen Sessel fallen und schloss die Augen. ‚Vielleicht, mit ganz viel Glück…’, dachte er. ‚Vielleicht schaffe ich es, wieder in den Traum zu gelangen.’

Ganz langsam dämmerte der Vampir wieder dem Schlaf entgegen. Absolute Stille herrschte in seiner Behausung und er sah mit Freuden, dass sich seine Umgebung langsam veränderte. Er war zurück in dem Haus der Zwerge, nur hatte es sich etwas verändert. In der Mitte des Raumes stand nun ein riesiges Bett, in dem sich jetzt eine vollkommen entkleidete Buffy lasziv bewegte.

„Da bist du ja wieder", flüsterte sie, zeigte mit dem Finger auf ihn und winkte ihn heran. „Ich habe schon auf dich gewartet!"

„Es war das Warten wert", grinste er lüstern und ging auf das Bett zu. „Es war das Warten wert!"

 

Ende