Titel: Six Flags
Autor: Silentthunder
Inhalt: Angel bereitet Spike eine Geburtstagsüberraschung der besonderen Art!
Altersfreigabe: keine!
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Angel/Spike
 

 

                                                                          Six Flags

 

Ganz still saß er da auf seinem Sessel. Nur sein Kopf bewegte sich leicht und seine Augen folgten seinem Geliebten auf Schritt und Tritt. Auf seiner Stirn bildete sich langsam aber sicher eine tiefe Zornesfalte und ohne weiter darüber nachzudenken, griff er bei der nächsten Gelegenheit zu und erwischte Spike am Ärmel.

„Kannst du mir mal sagen, warum du die ganze Zeit wie ein Honigkuchenpferd grinst? Du machst mich wahnsinnig! Ist dir das eigentlich klar? Seit Tagen geht das nun schon so. Was soll das?" Angel blickte dem Jüngeren eindringlich in die Augen und musste die Welle von Wut herunterschlucken, die sich gerade in ihm aufbaute. Spike grinste immer noch! Das konnte jawohl nicht wahr sein.

„Ach, tu doch nicht so, als wüsstest du es nicht", erwiderte der Blonde und klimperte mit den Wimpern.

„Was soll ich wissen?", fauchte Angel böse. Auf Spiele dieser Art hatte er definitiv keine Lust. Besonders nicht nach der letzten Nacht. Der Kampf gegen den Mornius war schwierig gewesen und die lange Schnittwunde, die sich über seinen gesamten Rücken zog, verbesserte die Angelegenheit nicht unbedingt.

„Erzähl mir nicht, du hättest meinen Geburtstag vergessen", nörgelte Spike gekränkt. „Das wäre das erste Mal in über hundert Jahren."

„Natürlich habe ich den nicht vergessen", erwiderte der Dunkelhaarige heftiger als geplant. „Das erklärt aber nicht dein ewiges Grinsen."

„Nun ja", flirtete Spike munter darauf los. „Letztes Jahr haben wir einen Tangokurs gemacht. Ich frage mich, wie du das dieses Jahr noch übertrumpfen willst."

Mit vor Entsetzen verzerrtem Gesicht ließ Angel seinen Arm los. „Ich dachte, diesen elendigen Abend würden wir nie wieder erwähnen!"

„Warum?", fragte Spike und legte den Kopf schräg. „Mit der Rose zwischen deinen Zähnen sahst du unglaublich scharf aus." Angel knurrte und Spike lachte. „Was denn?"

„Ich möchte gewiss nicht daran erinnert werden!", schimpfte der Dunkelhaarige leise und fauchte dann laut, da Spike hinterlistig grinste.

„Kannst du dich noch an den Tanzlehrer erinnern? Wie hieß er noch? Ach ja, Maurice." Spike hatte alle Mühe, beim Anblick seines Geliebten nicht in lautes Gelächter auszubrechen.

„Ich weiß nur noch, dass er einen furchtbaren Anzug trug", grummelte der Dunkelhaarige leise.

„Und sein Taschentuch hast du vergessen? Kann nicht sein, oder?" Spike ging einen Schritt zurück, hob den Arm und wedelte mit einem imaginären Tuch durch die Luft. „Ihr Süßen, immer auf die Haltung achten", krähte er mit verstellter Stimme.

Ob er nun wollte oder nicht, Angel musste lachen. „Ja, stimmt. Wie konnte ich das nur vergessen."

„Na, siehst du. Und ich bin jetzt mächtig gespannt, was du dir diesmal einfallen lassen hast." Spike drückte seinem Schatz einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. „Ich muss los. Ich habe Gunn versprochen, mit ihm noch einmal das verlassene Lagerhaus am Hafen zu durchsuchen. Ich weiß zwar nicht was er da finden will, aber es ist Zeit. Bye, Luv."

Angel starrte noch eine lange Zeit auf die mittlerweile geschlossene Tür. Natürlich hatte er den Geburtstag nicht vergessen. Das würde er nie! Aber er hatte auch nichts Außergewöhnliches geplant. Er hatte Spike einen neuen Ledermantel anfertigen lassen. Der neue sah praktisch genauso aus wie der alte, nur war dieser aus weichem Leder und hatte keine Risse, Schnitte und Löcher.

Und was mache ich jetzt?’ Er wollte seinen Geliebten auf gar keinen Fall enttäuschen, aber wenn man erst einmal ein gewisses Alter überschritten hatte, dann war das mit Geburtstagsgeschenken nicht mehr ganz so einfach. Eine Überraschungsparty verliert ihren Reiz, wenn man schon an die dreißig davon gehabt hatte. Auch Essen gehen in einem noblen Restaurant lohnte sich für Vampire nicht wirklich. ‚Und da wir keine Blutorgien mehr veranstalten, eignet sich ein Ballsaal voller Menschen auch nicht mehr unbedingt’, überlegte Angel und legte die Stirn in tiefe Falten. ‚Wahrscheinlich würde er dort höchstens mit mir Tango tanzen wollen.’ Er schüttelte sich. Eigentlich hatte er nie wieder über diesen furchtbaren Abend letztes Jahr reden wollen, aber es sah so aus, als sähe Spike das etwas anders.

Jetzt musste er sich aber ganz schnell etwas einfallen lassen. „Mist! Warum habe ich nicht früher daran gedacht? Und morgen ist es schon soweit!", er sprang auf und eilte aus dem Zimmer. Vielleicht hatten ja Wesley oder Fred eine Idee.

 

Eine gute Stunde später stand Angel am Waschbecken seines Badezimmers und ließ sich wieder und wieder eiskaltes Wasser über das Gesicht laufen. ‚Wie kann man so blöde sein? Warum habe ich zugestimmt? Verdammt! Ich muss vollkommen verrückt geworden sein! Selber schuld, warum frage ich auch Fred?’, schimpfte er in Gedanken.

Seine treue Angestellte hatte eine außergewöhnliche Idee gehabt. Besser gesagt, hatte sie an diesem Morgen in der lokalen Zeitung einen Artikel gefunden, der ihr sofort ins Auge gefallen war. Der Six-Flags-Magic-Mountains Vergnügungspark, bekannt für seine waghalsigen Achterbahnen, hatte eine große Sonderaktion beworben. Erstmalig würden der Park die ganze Nacht über geöffnet haben. Diese eine Nacht würde es keine Sperrstunde geben. Nichts, was einen Vampir davon abhalten könnte, auch einmal einen solchen Park aufzusuchen!

„Das kann doch nicht dein Ernst sein?", hatte Angel entrüstet gefragt.

„Doch, natürlich", hatte Fred mit ernstem Gesichtsausdruck erwidert und genickt. „Spike und Action sind in einem Atemzug zu erwähnen. Das wäre bestimmt mal was für ihn. Dort gibt es die schnellsten Achterbahnen überhaupt!"

„Ich bezweifle nicht, dass es etwas für ihn wäre. Aber für mich?", hatte er entsetzt geantwortet.

„Nun stell dich mal nicht so an", war ihm sogar Wesley in den Rücken gefallen. „Du willst etwas Neues, Außergewöhnliches. Das habt ihr mit Sicherheit noch nie gemacht!"

Den Rest der Stunde hatte Angel versucht, sich aus dieser selbst gestrickten Falle wieder zu befreien, aber es war ihm nicht gelungen. Fred hatte über das Internet bereits zwei Eintrittskarten vorbestellt und Wesley würde so nett sein, sie morgen früh abzuholen. „Das mache ich doch gerne für dich", hatte der Ex-Wächter hinterhältig gegrinst und ihm dann freundschaftlich auf die Schulter geklopft.

 

Und jetzt stand er hier am Waschbecken und starrte in einen Spiegel, in dem nichts zu sehen war. Zumindest sah er sich selbst nicht. Allerdings war er sich sicher, dass er genau diesen Gesichtsausdruck auch gar nicht sehen wollte. „Das kann ja heiter werden! Das endet garantiert in einer Katastrophe!"

 

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Die Nacht verging wie im Flug und auch der Tag war beinahe vorüber. Angel hatte Spike am Morgen seinen neuen Mantel überreicht und das Geburtstagskind hatte ihn auch mit Freuden angenommen. Allerdings war das teure Stück aus seinen Händen geglitten, als Angel ihm von dem bevorstehenden Ausflug in den Freizeitpark berichtete und ihm die Karten überreichte. Spikes Gesicht sprach Bände und Angel war sich sicher, dass der Jüngere am liebsten vor Vorfreude auf und ab gehüpft wäre.

Er musste lächeln. Allein das Gesicht des Geliebten wäre die Qual wert. Nun, zumindest in eben diesem Moment. Lange würde es nicht dauern und die von ihm gemietete Limousine würde vorfahren und Spike und ihn zum Six-Flags-Magic-Mountains Vergnügungspark fahren. Allerdings konnte er die leichte Gänsehaut auf seinem Rücken nicht unterdrücken. Angel wollte das alles nicht und er verfluchte sich, dass er das zugelassen hatte. Das war nichts für ihn. Zu viele Menschen, zuviel gute Laune und zuviel Stress!

Für seinen Geschmack war die Fahrt dann auch viel zu kurz. Spike hatte sich eng an ihn gekuschelt und leise geschnurrt, während er ihm durchs Haar fuhr und ihn sanft streichelte. Eigentlich hatte er jetzt etwas ganz anderes als Achterbahnen im Sinn, aber er wollte seinem Geliebten den Abend nicht verderben. ‚Da musst du jetzt durch’, sagte er zu sich selbst, als er am Eingang die Karten abgab. ‚Überleg dir nächstes Mal selber etwas und lass es nicht jemand anders machen.’

Spike war begeistert. Sofort Feuer und Flamme. Sein gut bekanntes Grinsen zierte sein Gesicht und schien beinahe festgewachsen. Angel zuckte ein letztes Mal mit den Schultern und ergab sich seinem Schicksal.

„Was machen wir als erstes? Welche von den vielen Bahnen probieren wir zuerst aus?", fragte Spike aufgekratzt.

„Keine Ahnung", erwiderte Angel. „Such dir einfach eine aus."

„Es ist eigentlich egal", freute der Blonde sich. „Sie sind alle waghalsig und schnell. Und da wir alle fahren werden, ist es egal, mit welcher wir anfangen."

„Alle?", fragte Angel und versuchte, sein Entsetzen zu verbergen. Damit hatte er nicht gerechnet. Sicher, Spike würde so einige ausprobieren, aber doch nicht alle. Er sah in den kleinen Prospekt, der ihm am Eingang überreicht wurde und atmete heftig ein. Es gab weit über dreißig Achterbahnen hier. Sie alle waren in Kategorien der verschiedenen Geschwindigkeiten unterteilt und er fragte sich, warum Menschen sich so etwas freiwillig antaten. Allein die Bilder der Bahnen ließen ihn zweifeln und wenn er die verzerrten Gesichter der Menschen auf den Fotos sah, wünschte er wieder, er hätte Fred nie um Rat gefragt.

„Zeig mal her", meinte der Blonde und nahm ihm den Prospekt aus der Hand. „Das macht es um einiges leichter", feixte er dann vergnügt. „Die schnellen zuerst und den Rest arbeiten wir nach und nach ab."

„Dann los", erwiderte Angel und hoffte, er klang nicht zu lustlos. Sein Schatz hatte sichtlich Spaß und den konnte er ihm an seinem Geburtstag nicht vermiesen.

„Okay, mit dieser hier fangen wir an", erklärte Spike und tippte mit dem Finger auf das Foto der *Goliath*. „Die gefällt mir auf Anhieb am besten."

Zusammen liefen sie im Zickzack durch die Menschenmassen und Angel hoffte sehr, dass nicht alle Personen die ganze Nacht hier bleiben würden. ‚Wenn es weiterhin so voll bleibt, dann dreh ich spätestens um Mitternacht durch und veranstalte ein Massaker!!’

„Guck mal", riss Spike ihn aus seinen Gedanken. „Da vorne gibt es Hotdogs. Da müssen wir auch unbedingt noch vorbei. Ich habe seit Ewigkeiten keinen mehr gegessen!"

„Wenn du meinst", ergab sich der Dunkelhaarige wieder einmal seinem Unglück. Er verstand zwar nicht, was Spike an fester Nahrung fand, aber auch das war heute unwichtig. Er würde fast alles für Spike machen und er befürchtete, dass dieser das auch sehr gut wusste und manchmal auch ausnutzte.

Geraume Zeit und mehrere kleine Rempeleien später standen sie endlich vor der *Goliath* und Angel hörte mit Unbehagen das Gekreische der Menschen, die von einer Seite auf die andere geschleudert und durch enge Loopings gezwängt wurden.

„Okay", brummte Spike. „Die Schlange zum Anstehen ist zwar sehr lang, aber egal. Lass uns gehen."

Gehen, wohin?’, überlegte Angel noch und fühlte im gleichen Moment, wie Spike ihn in Richtung der wartenden Menschenmasse bugsierte.

„Eigentlich… ich… Also, ich habe gedacht, du fährst alleine", nuschelte er undeutlich. Das hier war nicht seine Welt und, allein der Gedanke an eine Fahrt in diesem Ding, gefiel ihm überhaupt nicht.

„Alleine?", wiederholte Spike und verzog das Gesicht. „Das macht keinen Spaß. Dann hätten wir gar nicht erst herkommen brauchen."

Das traurige Gesicht seines Geliebten ließ Angel innerlich zusammenschrumpfen. Da war es wieder. Spike wusste genau, welche Knöpfe er drücken musste und er nutzte dieses Wissen voll aus. „Schon gut", gab er sich geschlagen und Spike dankte es ihm mit einem flüchtigen Kuss.

Irgendwann war es dann soweit. Er und Spike waren an der Reihe und der blonde Vampir nahm mit Genuss den ersten Waggon in Beschlag.

„Das wird bestimmt lustig", grinste der Jüngere und rieb sich voller Vorfreude die Hände."

„Ja, bestimmt", krächzte Angel. Ein netter Kampf mit einem ekligen Schleimdämon wäre ihm jetzt bedeutend lieber gewesen, als dieses Spektakel. Alleine der Bügel, der ihn auf dem Sitz halten sollte, bereitete ihm Unbehagen. Er kam sich gefangen vor und wusste im gleichen Moment, dass das völlig unsinnig war.

Langsam und ruckelnd kam Bewegung in die Wagen und er bemerkte den aus Stahl gebauten Berg, den sie langsam hinaufgezogen werden. Sein Magen krümmte sich jetzt schon zusammen. ‚Was soll das wohl werden, wenn es erst bergab geht?’, fragte er sich und klammerte sich an den Haltebügel. Oben angekommen atmete er heftig ein, als er sah, in welch steilem Winkel es nun herab gehen sollte und er musste aufpassen, dass er die Haltebügel nicht mit seinen Händen komplett verformte oder gar zerfetzte. Kurz überlegte er noch die Augen zu schließen, da war es auch schon zu spät. Er wurde hin und her geruckelt und mit enormer Geschwindigkeit jagten sie den Abhang hinunter, nur um im nächsten Moment durch enge Links- und Rechtskurven geschleudert zu werden. Aus den Augenwinkeln sah er noch die drei Loopings aufblitzen, die in rascher Folge kommen würden und er fragte sich, ob das Gefühl in seinem Inneren Angst war. Oh nein! Das war keine Angst, stellte er erschrocken fest. Ihm war schlecht! Das erste Mal in weit über zweihundert Jahren.

Er hatte keine Zeit weiter darüber nachzudenken, denn schon drehte sich das ganze Gefährt auf den Kopf und er krallte sich an der Sitzbank fest. Das war nichts für ihn. Ganz sicher nicht! Er war doch kein Schimpanse, der für den nächsten Raumflug trainiert wurde. Seine Qual dauerte weitere vierzig Sekunden, dann kamen die Waggons quietschend zum Stehen und der Haltebügel öffnete sich automatisch.

Nur unsicher kam er auf seine Füße und das Aussteigen bereitete ihm Mühe. Er war ein Vampir, gemacht, um durch die Nacht zu streifen, aber nicht, um so einen Mist über sich ergehen zu lassen. Er kam definitiv aus der falschen Zeit und im Moment wünschte er sich die guten alten Zeiten zurück, in denen Schiffsschaukeln das einzig Aufregende gewesen waren.

Langsam hob er seinen Blick und sah Spike, der breit grinste und sichtlich zufrieden war.

„Cool", feixte der Blonde. „Das machen wir gleich noch mal und danach gehen wir einen Hotdog essen!"

„Super", nuschelte Angel undeutlich und er fragte sich, wie viele Achterbahnen es dauern würde, bis eben dieser Hotdog wieder heraus ins Freie gelangte.

„Klasse", meinte Spike und drückte ihn fest an sich. „So einen spitzen Geburtstag hatte ich noch nie!"

„Schön", erwiderte Angel mit hängenden Schultern und ließ sich von seiner großen Liebe zurück in das Menschengetümmel führen. ‚Ich steh das jetzt durch. Es ist nur diese eine Nacht. Ich steh das durch! Ich bin ein Vampir und beinahe zweihundertfünfzig Jahre alt! Ha! Auch eine blöde Achterbahn wird mich nicht umbringen!’, versuchte er sich aufzubauen. ‚Danach werde ich so einen Mist nie wieder machen. Nie wieder! Und eines ist ganz sicher! Ich werde auch nie wieder irgendjemanden nach einer guten Idee für Spikes Geburtstagsüberraschung fragen! Niemals wieder!’

Ende