
Titel: Never again
Autor: Silentthunder
Inhalt: Ein kleine Story, die ich für den Weihnachtscountdown auf BFF
geschrieben habe. Das Thema ist Alkohol!
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Silentthunder
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike
Never again
Zimtduft durchströmte die Magic Box, Kerzen brannten und im Hintergrund dudelte leise Weihnachtsmusik. Buffy lehnte sich entspannt auf einem der Stühle zurück und betrachtete die vertraute Runde, die sich wieder einmal am Tisch des Zauberladens versammelt hatte.
Sie hatten sich die Pause mitsamt dieser kleinen Vorweihnachtsfeier redlich verdient. Immerhin war die letzte Zeit äußerst anstrengend gewesen. Wieder hatten sie einen Weltuntergang verhindert und das gerade noch passend. Morgen war Heiligabend und sie war froh, die Klyomron-Dämonen endlich besiegt zu haben. Es war eine anstrengende Woche gewesen und sie hatten sie nicht ohne kleinere, zum Teil auch größere, Blessuren überstanden.
Spike hatte tiefe Schnitte im Gesicht, die jedoch bereits langsam verheilten. Tara hatte ein blaues Auge und mit Xander waren sie sogar im Krankenhaus gewesen. Sein linkes Schlüsselbein war gebrochen und er trug den Arm in einer Schlinge. Anya bemutterte ihn und fütterte ihn mit Weihnachtsplätzchen, die er widerwillig kaute. Beinahe hilflos blickte
er Buffy an und rollte mit den Augen.Buffy grinste vor sich hin, bereute es allerdings sofort, weil sich der schreckliche Kratzer über dem linken Ohr sofort schmerzlich bemerkbar machte.
„Frohe Weihnachten", nuschelte Giles und erhob sein Glas. Seine Augen wurden bereits etwas trübe und ein leichtes Grinsen zierte sein Gesicht.
Spike hatte Hochprozentiges angeschleppt und merkwürdigerweise hatte heute niemand etwas dagegen einzuwenden gehabt.
„Wir haben es wieder geschafft", brummte der Wächter leise weiter. „Wir haben den Klyomron in den Ars… uuups", unterbrach er sich selbst und lachte leise. „Wir haben es ihnen mächtig gegeben!", meinte er dann so ernst wie möglich.
„Allerdings", erwiderte Spike dumpf und kippte sich ein weiteres Glas Whiskey in den Hals. Für einen kurzen Moment sah er Giles aufmerksam an, grinste dann und schüttelte den Kopf. ‚Der verknöcherte Engländer lässt sich voll laufen’, stellte er fest. ‚Bloody hell! Dass ich das noch erleben darf.’
„Wir treffen uns also morgen Abend bei dir?", erkundigte sich Willow bei Buffy. Ihre Wangen hatten sich tiefrot verfärbt und sie lächelte milde.
Die Jägerin nickte nur.
„Und Dawn schmückt dieses Jahr den Baum alleine?", fragte Tara. Sie nahm den Eisbeutel vom Gesicht, drehte ihn und legte ihn wieder unter das geschwollene Auge. „Das finde ich erstaunlich. Unsere Kleine wird langsam erwachsen."
Buffy nickte wieder, nahm ihr Glas und nippte an der brennenden Flüssigkeit.
„Und das Essen ist auch schon vorbereitet?" Xander sah neugierig auf. „Das habt ihr auch noch geschafft? Trotz des Weltuntergangsdingens?"
Erneut nickte Buffy und sie lächelte leise.
„Ist Spike auch eingeladen?", hakte der Dunkelhaarige nach.
Dieses Mal jedoch antwortete nicht Buffy, sondern Spike selbst. Er schüttelte mit grimmigem Gesicht vehement den Kopf.
„Sicher bist du eingeladen", brummte Buffy. „Und das weißt du auch."
„Ich konnte nur das dämliche Nicken nicht mehr sehen", grinste er hinterlistig
und griff nach der Flasche.
„Idiot", knurrte die Jägerin.
„Nichts Neues", nuschelte der Vampir und goss sich das Glas bis zum Rand voll.
„Blödmann!", fauchte Buffy.
„Pffft", erwiderte der Vampir und klimperte mit den Wimpern.
Die Jägerin grummelte leise vor sich hin. Warum musste der Idiot sie eigentlich immer ärgern?
„Wir wollen uns doch jetzt nicht streiten, oder?", versuchte Willow den drohenden Streit auszubremsen. „Wir haben wieder ein Jahr überlebt und das sollten wir feiern."
„Stimmt", erwiderte Giles und hob sein Glas. „Prost", nuschelte er und setzte sein Glas wieder an die Lippen. „Auf ein Neues."
Xander grinste, blickte Buffy an und deutete mit dem Kopf auf den Wächter. „Was ist denn mit dem los?"
„Ich bin nicht taub", schimpfte Giles sofort. „Höchstens leicht angetrunken." Er lachte kurz auf. „Gut, fast betrunken. Aber nicht taub!"
Buffy lachte leise. In ihrem Magen rumorte es und auch, wenn sie die ganze Zeit nur an ihrem Glas genippt hatte, so langsam machte sich der starke Alkohol auch bei ihr bemerkbar. Ihr Inneres brannte und sie hatte das Gefühl, dass tausende kleiner Ameisen über ihren Körper liefen.
„Ich habe Hunger", brach es aus ihr heraus.
„Willst du ein Plätzchen?", erkundigte sich die Ex-Dämonin und hielt ihr den Teller entgegen.
„Nicht unbedingt", erwiderte Buffy abwehrend. „Mir wäre etwas Handfestes lieber." Anya übertrieb. Wie immer!
„Gute Idee", murmelte Xander undeutlich. Er hatte den Mund voll. Anya hatte ihm mit sanfter Gewalt einen weiteren Keks zwischen die Lippen geschoben und er kaute das trockene Ding mit Abscheu.
„Sollen wir Pizza bestellen?", fragte Willow beinahe hoffnungsvoll. Sie hatte den ganzen Tag kaum etwas gegessen. Ihr Frühstück hatte aus einer trockenen Scheibe Toastbrot bestanden, das Mittagessen war ausgefallen und die wenigen Plätzchen halfen nicht, den Whiskey aufzuhalten, der in ihren Eingeweiden rumorte.
„Nicht schon wieder Pizza", nörgelte Spike. „Esst ihr auch mal was anderes?"
„Was interessiert dich das? Du lutscht ja auch jeden Tag Blutkonserven", grinste
Xander. „Pizza hat jedenfalls verschiedene Beläge. Das schmeckt jedes Mal
anders."
„Blut auch", knurrte Spike. „Aber das verstehst du Holzkopf doch nicht."
„Holzkopf? Ich gebe dir gleich welchen auf deinen!"
„Immer mit der Ruhe", unterbrach Giles die Streithähne. „Ich habe eine viel
bessere Idee. Zur Feier des Tages lade ich euch alle zum Japaner ein." Er
nickte, als müsste er sich selbst eine Bestätigung geben.
„Oh klasse", freute sich Willow. „Aber dann rufe ich eben Dawnie an. Sie sollte
auch dabei sein!" Sie stand auf, strauchelte leicht und hielt sich schnell an
ihrem Stuhl fest. Leicht verschämt lächelte sie in die Runde. „Alkohol ist
definitiv nichts für mich."
Tara streichelte sanft über ihren Rücken, sagte jedoch nichts und der Rest des Teams grinste nur. „Ich bin gleich wieder da", meinte Willow und verschwand.
************
Gute zwei Stunden später lehnte sich Buffy wohlig zurück. Sie hatte hervorragend gegessen und fühlte sich rund herum wohl. Nur der Reiswein, den Giles in rauen Mengen geordert hatte, grummelte in ihrem Bauch. Wirklich etwas abgewinnen konnte sie dem Getränk nicht, und auch, wenn es meistens Reiswein genannt wurde, so hatte es ihrem Geschmack nach eher etwas mit Bier zu tun.
Der Wächter hatte das Essen ausgesucht und Buffy musste sich eingestehen, dass sie mit der Speisekarte sowieso komplett überfordert gewesen war. Jedenfalls war es lecker gewesen. Er hatte, wenn sie es denn richtig behalten hatte, Shabu-Shabu bestellt. Ein Topfgericht, ähnlich einem Fondue, dass direkt am Tisch zubereitet wurde. Hauch dünn geschnittenes Rindfleisch und frisches Gemüse wurde kurz in einer würzigen Brühe aufgekocht und mit Sauce gegessen. Dazu gab es natürlich eine Menge Reis.
Die Jägerin seufzte leise. Langsam wurde sie müde und der viele Reiswein machte sich bemerkbar. Sie erhob sich langsam und hatte das Gefühl, der Alkohol in ihrem Innern würde wie ein Dampfhammer in ihren Kopf schlagen. Am Tisch war es ihr noch gut gegangen, jetzt drehte sich das Lokal und für einen kurzen Moment nahm sie Spike wissendes Grinsen wahr.
„Entschuldigung", murmelte sie verwirrt und schob sich an Anya und Xander vorbei. „Bin gleich wieder da."
Kaum fünf Minuten später stand sie vor dem reich verzierten Spiegel auf der Damentoilette und versuchte sich in die Augen zu sehen. Allerdings war das Unterfangen gar nicht so einfach, da sie immer wieder von dem furchterregenden Drachen abgelenkt wurde, der oben auf dem Spiegel thronte und scheinbar Feuer spuckte.
„Du bist nicht echt", murmelte sie wirr und blickte ihn finster an. Zumindest versuchte sie es. Es war gar nicht so einfach, die Augen auf ein Ding zu fokussieren, vor allem, wenn sich die Welt drum herum drehte. „Oder bist du doch echt? Du willst mich bestimmt nur ärgern", murmelte sie beleidigt. „Dabei habe ich diese Woche schon genug Dämonen gegrillt", schimpfte sie. „Also flieg woanders hin und geh jemand anders auf die Nerven!" Sie drehte den Wasserhahn an, ließ sich kaltes Wasser in die Handfläche laufen und goss es sich dann über das Gesicht.
„Du guckst ja immer noch so", grummelte sie nach einem weiteren Blick auf den hölzernen Drachen. „Ich warne dich. Ich bin die Jägerin. Hicks. So kleine Viecher, wie du eins bist, esse ich zum Frühstück. Hicks."
‚Buffy, du bist betrunken’, stellte sie fest und grinste ihr Spiegelbild an, das irgendwie verschwommen aussah. „Hicks."
*************
Nur äußerst widerwillig wurde Buffy wieder wach. In ihrem Kopf rumorten kleine Arbeiter und sobald ein Lichtstrahl ihre Augen traf, fingen sie an, ihre Presslufthammer zu starten. „Oh nein", brummte sie undeutlich. Ihr war schlecht und ihre Zunge fühlte sich an wie ein sandiger Waschlappen.
„Furchtbar", grummelte sie und versuchte eine bequemere Stellung einzunehmen.
„Was ist so furchtbar?"
Buffy riss die Augen auf und ignorierte die dröhnenden Kopfschmerzen. Das war Spike! Was machte der in ihrem Schlafzimmer?
Sie wirbelte herum, sah ihn neben sich liegen und breit grinsen. Gerade, als sie losbrüllen wollte, stellte sie fest, dass sie sich nicht in ihrem Zimmer befand, sondern in seiner Gruft.
„Wie...? Was…? Warum…?", stammelte sie und sah an sich herunter. Erleichtert atmete sie tief ein. ‚Vollständig bekleidet’, stellte sie fest.
Spike neben ihr lachte schallend. „Meine Güte, Slayer. Selbst wenn ich gewollt hätte", meinte er wissend. „Du warst komplett betrunken… Also ehrlich." Er hatte sie natürlich sofort durchschaut.
„Wie komme ich hierher?", erkundigte sie sich kleinlaut und versuchte ihr vom Schlaf wirres Haar zu glätten.
„Das weißt du nicht mehr?", fragte er erstaunt und sah sie den Kopf schütteln. „Dann hast du mehr getankt, als ich gedacht hatte."
„Das hilft mir sehr", schimpfte sie beleidigt und kletterte vom Bett.
„Was ist das Letzte, an das du dich erinnern kannst?", bohrte Spike weiter. Ihm machte die ganze Angelegenheit sichtlich Spaß und er wollte jede Sekunde auskosten.
Die Jägerin grübelte einen Moment. „Japaner…Toilette…Drachen", murmelte sie leise und runzelte die Stirn. Von der Innenstadt bis hier war ein weiter Weg. Wie war sie hierher gekommen?
Spike lachte. „Ja, da habe ich dich gefunden."
„Gefunden? Warum gefunden?"
„Mann, Slayer", meinte der Vampir und schüttelte den Kopf. „Du standst auf dem Waschtisch und hast diese bescheuerte Drachenfigur mit dem Handtuchspender bearbeitet."
„Das hab ich nicht", murmelte sie erschrocken und sah ihn ernst nicken. „Hab ich doch? Oh mein Gott!" War sie schon mal in einer ähnlich beschämenden Situation gewesen? Sie konnte sich nicht erinnern, dass ihr jemals etwas so peinlich gewesen war.
Sie setzte sich auf die Bettkante und hielt sich den schmerzenden Kopf. „Ist
es kaputt? Hab ich…den Raum…?"
„Nein. Ich habe dich rechtzeitig da rausgeholt, bevor du das Ungetüm von Spiegel
von der Wand reißen konntest", amüsierte sich Spike. „Es hat keiner etwas
gemerkt. Deine dämlichen Freunde waren genauso betrunken wie du selbst."
„Was ist mit Dawn?", erkundigte sie sich erschrocken, als ihr ihre kleine
Schwester einfiel.
„Tara und Willow haben sie in einem Taxi mitgenommen. Ihr geht’s gut."
„Und warum bin ich dann nicht mitgefahren?", bohrte sie weiter.
„Weil du unbedingt noch hier auf den Friedhof wolltest. Du wolltest partout noch eine Schlägerei anfangen", meinte Spike und schüttelte den Kopf. „Du hast einen kompletten Filmriss, oder?" Seine Stimme klang ernst, aber seine Augen verrieten seine Belustigung.
„Scheinbar", murmelte sie verlegen. „Können wir nach oben gehen?", fragte sie und deutete auf die Leiter. „Ich habe Durst und… du hast nicht zufällig eine Kopfschmerztablette, oder?"
„Nein, keine Tabletten", meinte er. „Aber ich kann dir einen Kaffee kochen."
„Danke", murmelte sie und kletterte vorsichtig die Leiter nach oben.
**********
„Habe ich sonst noch irgendwas…ähm, angestellt?", fragte Buffy und pustete vorsichtig in ihren Kaffee. Es war einfacher, ihm nicht in die Augen zu sehen.
„Willst du das wirklich wissen?", lachte der Vampir.
„Ja. Nein. Ich weiß nicht. Es kommt darauf an…"
„Na ja, erinnerst du dich an die große Engelstatue hinten auf dem Friedhof? Mit der hast du dich eingehend unterhalten", grinste er spöttisch. „Besser gesagt gestritten", erklärte er dann. „Ich weiß nicht genau, worum es dabei ging, aber zum Schluss hast du ihr eine getreten."
‚Oh, verdammt’, dachte Buffy. ‚Ich trinke nie wieder einen Schluck Alkohol. Sie seufzte schwer. „Sonst noch was?" Warum war es nur so warm in Spikes Gruft? Das konnte doch nicht nur Scham sein, oder?
„Ach, komm schon, Slayer! Es war irre lustig. Du hast dich umständlich bei
jedem Grabstein entschuldigt, den du umgelaufen hast und einen Gnarksel- Dämon
so vollgequatscht, dass er am liebsten an Ort und Stelle verreckt wäre. Und mir
hast du sehr eindringlich die Vorteile von kniehohen Stiefeln erklärt."
„Ich glaube, ich geh jetzt besser", murmelte Buffy verlegen und stellte die
Tasse auf den Tisch. „Das reicht für heute." Sie stand auf und sah ihm
merkwürdig angespannt ins Gesicht. „Oder war noch mehr?" Beinahe ängstlich sah
sie ihn an.
„Nein, nur… na ja, undeutliches Gerede", erwiderte er und winkte ab. „Harmloses Zeugs." Sie sah so unglücklich aus, dass er es nicht übers Herz brachte, ihr noch mehr zu erzählen. Sie würde ihm sowieso nicht glauben, dass sie sich an ihn gekuschelt hatte.
„Okay, und… danke." Sie erhob sich, nickte vorsichtig und verzog trotzdem schmerzverzerrt das Gesicht. „Ähm, könnte das unter uns bleiben? Ich meine, ähm…, dass ich hier geschlafen habe?"
„Das wird schwer", erwiderte er und versuchte gar nicht erst, seine Schadenfreude zu verbergen.
„Warum?", erwiderte sie erschrocken.
„Buffy, es wird bald dunkel", lachte er. „In gut zwei Stunden beginnt eure
Weihnachtsfeier."
„So spät ist es schon?", erwiderte sie entsetzt. ‚Oh, du meine Güte. Wie soll
ich das erklären?’ „Warum hast du mich nicht geweckt?"
„Weil ich selbst geschlafen habe", brummte er. Das stimmte zwar nicht so ganz,
aber er würde ihr bestimmt nicht erzählen, dass er ihr über eine Stunde beim
Schlafen zugesehen hatte.
„Na, ganz toll", brummte sie. „Ich muss los." Buffy ging die wenigen Schritte
bis zur Tür, dann drehte sie sich ein letztes Mal um. „Bis später und… du weißt
schon…"
„Verschwinde schon", rief er. „Ich sag schon nichts", er grinste hämisch. „Frohe
Weihnachten!"
Sie nickte ein letztes Mal und zog die Tür hinter sich zu. Meine Güte, das war mehr als nur peinlich. Das war eine Katastrophe und Spikes lautes Lachen, das über den Friedhof hallte, machte es nicht gerade besser.
„Das wird er mir ewig nachtragen", murmelte sie leise. „Verfluchter Mist!" Hätte sie ihm eindringlicher sagen müssen, dass er die Klappe halten sollte? Würde er am Abend mit seinem berühmten Grinsen bereitwillig erzählen, was sie in der Nacht angestellt hatte? Sie würde vor Scham im Erdboden versinken. ‚Ich fange ihn vorher ab’, schwor sie sich. ‚Und wenn er doch etwas verrät, dann bringe ich ihn um! Jawohl!’ Sie seufzte laut. „Buffy, du bist so dämlich! Oh, verdammt. Nie wieder Alkohol! Nie wieder!"
Ende