Titel: Mortal Fear
Autor: Silentthunder & Silverbird
Inhalt: Angel erhält einen lukrativen Auftrag, nur der Auftraggeber ist suspekt. Was genau hat der Rat der Wächter mit dem plötzlichen Auftreten des gefährlichen Dämons zu tun?
Altersfreigabe: ab 16
Teile: 12
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Angel/Spike

 

Mortal Fear

Teil1

(Von Silentthunder)

Das Telefon klingelte unerbittlich und Wesley hob seufzend den Hörer ab. Eigentlich hatte er genug für diesen Abend, aber das schien etwaige Klienten nicht sonderlich zu interessieren. ‚Na ja, woher sollten sie auch wissen, das wir gerade erst wieder da sind’, dachte er und meldete sich. „Angel Investigations, Wesley Wyndam-Pryce am Apparat. Was kann ich für Sie tun?" Eine Sekunde später holte er tief Luft und wischte sich geistesabwesend den Schleim aus dem Gesicht, den der Dämon bei seinem Ableben auf ihm hinterlassen hatte. „Mr. Travers", krächzte er heiser. „Was…?"

Angel, der gerade lachend und feixend mit dem Rest der Crew die Halle betrat, blieb stocksteif stehen und hob rasch den Arm, um die anderen zum Schweigen zu bringen. „Psst", machte er, deutete auf Wes und ging langsam auf den, jetzt mit steinerner Miene am Schreibtisch, Sitzenden zu.

„Ich verstehe", murmelte Wesley und sah Angel mit großen Augen an. „Wir werden uns melden, wenn… Ja, das wünsche ich Ihnen auch… Nein, wirklich. Das kann ich nicht allein entscheiden." Er kritzelte wild mit einem Stift auf ein Blatt Papier. „Wir melden uns, sobald eine Entscheidung getroffen ist." Er legte den Hörer auf und schüttelte fassungslos den Kopf. „Hast du das mitbekommen?", fragte er Angel mit ungläubigem Gesichtsausdruck.

„Wie sollte ich?", brummte Angel.

„Travers? War das nicht dieser Oberbekloppte vom Rat der langweiligen Wächter?", erkundigte sich Spike, trat neben seinen Geliebten und klatschte ihm herzhaft auf die Schulter. Der Schlabber, der sich darauf befand, platschte in alle Richtungen auseinander und er grinste breit.

„Genau der war es", meinte Wes und wischte sich angewidert die letzten Überreste der Dämons von der Hose.

„Wirst du uns auch erzählen, was der Typ wollte?", fragte nun Gunn, der sich zu dem kleinen Grüppchen gesellt hatte.

„Er ist ein Ex-Wächter", feixte Spike und verteilte den Schleim, den er abbekommen hatte, großzügig auf seinem Shirt. „Er braucht etwas länger, um seine Gedanken zu sortieren."

„Müssen wir das denn wirklich jetzt klären?", mischte sich nun auch Cordelia in das Gespräch ein. Sie hatte im Vergleich zu den anderen nur wenig Glibber abbekommen, bewegte sich seitdem aber wie ein Roboter, um den klebrigen Kram nicht noch weiter zu verteilen.

„Natürlich will ich sofort wissen, was der Rat ausgerechnet von uns will." Angel schüttelte den Kopf. „Oder will er nur was von dir?", wandte er sich Wesley zu.

„Von mir?", fragte der Angesprochene entsetzt. „Um Gottes Willen, bloß das nicht. Ich bin froh, dass ich mit dem Verein nichts mehr zu schaffen habe." Er schüttelte vehement den Kopf. „Mir ist dieser Travers so etwas von zuwider. Seine Intrigen, seine Machenschaften, sein immenser Drang nach Macht und Ruhm…und überhaupt…"

Spike verdrehte die Augen und atmete laut aus. „Wen, zur Hölle, interessiert das? Erzähl uns lieber, was diese Pappnase will!"

„Er hat einen Auftrag für Angel", brummte der ehemalige Wächter und blickte Spike finster an. „Nein, das ist so nicht ganz richtig. Er hat höflich angefragt, ob Angel eventuell einen Auftrag von großer Dringlichkeit übernehmen kann."

„Höflich angefragt?", wiederholte Spike verwundert. „Scheiße! Das bedeutet nichts Gutes!"

„Dieser komische Dingens… dieser Rat in England hat einen Auftrag für Angel?", fragte nun auch Gunn verblüfft.

„Wird er bezahlt?", erkundigte sich Cordelia.

„Habt ihr nichts Besseres zu tun", schimpfte der dunkelhaarige Vampir. „Vielleicht solltet ihr Wesley erst mal erklären lassen, um was es überhaupt geht. Und warum kommt der Rat ausgerechnet auf mich? Warum brauchen die gerade meine Hilfe?"

„Gute Frage", meckerte Spike. „Haben die nicht selbst genügend Agenten, die sich darum kümmern können?"

„Nun", Wesley räusperte sich. „Soweit ich das verstanden habe, haben sie ein großes Problem mit einem T´Ruye. Travers hat es zwar nicht ausdrücklich erwähnt, aber es scheint, sie hatten schon schwere Verluste in den eigenen Reihen." Er stockte einen Augenblick und sah Angel ernst an. „Sie bieten dir dreißigtausend Dollar, wenn du es schaffst, den Dämon zu vernichten. Zusätzlich natürlich den Flug und die Unterkunft."

„Klingt recht vernünftig", murmelte Cordy und zog mit spitzen Fingern ihre Jacke aus. „Das ist eine Menge Geld für nur einen Dämon."

„Drehst du jetzt völlig durch?", brauste Spike auf. „Das ist ein verdammter T´Ruye! Ein mordsgefährliches Biest! Den kann man nicht mal eben so…umbringen", schimpfte Spike und schnippte mit dem Finger.

„Lass gut sein", bremste Angel ihn. Dann wandte er sich wieder Wes zu und hob die Augenbrauen. „Was hat er noch gesagt? Er muss doch irgendwie die Situation erklärt haben."

„Nein, er hat nichts Genaues gesagt", meinte Wesley und runzelte die Stirn. „Und das ist es, was mich so misstrauisch macht. Wahrscheinlich ist der Mistkerl selbst für das Auftauchen des Dämons zuständig." Er verstummte und grübelte vor sich hin. „Es wäre nicht das erste Mal", meinte er dann. „Travers versucht sich auf jegliche Art und Weise zu profilieren."

„Du meinst diese komische englische Kauz könnte diesen T´Ruye gerufen haben?", warf Gunn ein. „Warum zum Teufel sollte er das tun?"

„Ein T’ Ruye ist sehr mächtig und muss beschworen werden, um überhaupt in diese Dimension zu gelangen", erklärte Wesley ernst. „Seinen Hörnern wird eine immense Zauberkraft nachgesagt und die Schuppen seines Rückenpanzers… zusammen mit ein paar magischen Zutaten…", er klopfte nervös mit seinem Schreiber auf den Tisch. „Nun, wer auch immer dieses Gebräu zu sich nimmt, wird unbesiegbar. Praktisch unverwundbar. Ich könnte mir schon vorstellen, das Travers diese Sachen gerne in die Finger bekäme."

„Dann hat der Scheißkerl hundertprozentig etwas damit zu tun", knurrte Spike. Er hatte in Sunnydale und auch von Wes genug über die Machenschaften des Rates erfahren, um sich sicher zu sein. Er kniff die Augen zusammen, als er weiter sprach. „Du willst dich doch wohl nicht darauf einlassen?", fragte er Angel. „Bloody Hell! Sollen diese verdammten Idioten doch zusehen, wie sie den verfluchten Dämon wieder in die ewigen Jagdgründe schicken!"

„So einfach ist das nicht, und das weißt du auch", murmelte Angel leise und blickte in Spikes fassungsloses Gesicht. „Du weißt genau, wie viele Menschen er in nur einer Nacht töten kann."

„Zur Hölle, ja! Aber das ist nicht dein verdammtes Problem! Reicht es nicht, dass du dir jede beschissene Nacht um die Ohren haust, um L.A. einigermaßen dämonenfrei zu halten? Musst du dich jetzt auch noch um die Scheiße kümmern, die der Rat verbockt?", fauchte er erbost. „Bloody Hell! Da sind dreißigtausend Dollar bei Weitem nicht genug!"

„Hallo!" Cordelia zog das Wort gewaltig in die Länge und bremste so den drohenden Streit aus. „Hat das nicht Zeit, bis wir nicht mehr glitschen und nach nassem Stachelschwein stinken?"

„Cordy hat Recht", meinte Gunn und nickte Spike aufmunternd zu. Dem Vampir war deutlich anzusehen, dass er keinerlei Lust hatte, diese Debatte aufzuschieben und so klopfte er ihm beruhigend auf die Schulter. „Komm schon, Spike! Wir treffen uns hier in einer halben Stunde wieder und dann können wir alles Weitere bereden. Es ist doch noch gar nichts entschieden. Vielleicht hat Angel auch gar keine Lust, um sich um die Angelegenheiten dieser verknöcherten Engländer zu kümmern."

‚Da hast ja keine Ahnung’, dachte Spike und starrte ihn an. ‚Die Entscheidung ist längst gefallen und es stört mich gewaltig! Verdammte Hölle!’

 

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Schlecht gelaunt und mit finsterer Meine warf Spike sich keine zwanzig Minuten später auf eins der Sofas in der großen Halle. Er hatte versucht, in Ruhe mit seinem Geliebten zu reden, doch der Dunkelhaarige hatte jeglichen Versuch im Keim erstickt. Wütend hatte Spike schließlich geduscht, sich rasch angezogen und war aus dem gemeinsamen Zimmer verschwunden.

Bloody Hell’, dachte er bitter und verzog das Gesicht. ‚So wie ich Angel kenne, wird er… aber nicht mit mir! Verfluchte Hölle! Verdammt. Sollte ich diesen Travers jemals in die Finger bekommen, dann…

„Alles okay mit dir?", riss Angel den jüngeren Vampir aus seinen Gedanken. Er überreichte ihm eine Tasse mit frischem Blut und deutete ihm an aufzurücken.

„Nichts ist okay", fauchte Spike. „Warum begibst du dich absichtlich in Gefahr? Du hast mit dem verdammten Rat nichts zu schaffen! Verdammt! Du bist nicht für die Welt verantwortlich!", zischte er und rutschte zur Seite. „Und warum, zum Teufel, beziehst du mich niemals mit ein, wenn du eine Entscheidung triffst?"

„Ich habe mich noch nicht festgelegt", flüsterte Angel leise und setzte sich neben ihn.

„Doch! Verdammt! Sicher hast du das", fluchte Spike und zog zornig die Augen zusammen. „Ich bin …"

„Oh, da seid ihr ja!" Wieder war es Cordelia, die die Situation rettete. Frisch geduscht und sichtlich zufrieden betrat sie die Halle. „Gunn ist auch schon da. Er kommt sofort rein. Dann fehlt nur noch Wesley", meinte sie. „Fred ist heute Abend ja eh bei Lorne."

„Aber ich bin schon da", meinte der ehemalige Wächter und sprang die letzten drei Stufen der Treppe in einem Satz herunter. „Irgendwer einen Kaffee?", fragte er in die Runde und verschwand sofort wieder im hinteren Teil des großen Raums.

 

                                                                                         *******

 

Eine weitere halbe Stunde war vergangen und Spike verschränkte beleidigt die Arme vor der Brust. „Und was hat uns diese elendige Diskussion jetzt gebracht?", schnaubte er böse. „Wir wissen noch immer nicht mehr als vorher. Cordy ist dafür, allein der Kohle wegen. Wes und Gunn sagen kein verdammtes Wort und ich bin dagegen!" Er blickte Angel finster an. „Wir wissen rein gar nichts! Wo hält sich dieser verdammte T’ Ruye auf? Wer hat ihn in diese beschissenen Dimension gebracht und warum? Ich traue diesem Travers nicht über den Weg", erklärte er trotzig. „Habt ihr mal daran gedacht, wie schlimm die Lage sein muss, damit dieser verstaubte Haufen Engländer sich dazu herablässt, hier anzurufen? Ich würde sagen, die Lage ist beinahe aussichtslos! Vielleicht ist das ganze auch nur eine verdammte Falle, um an Angel heranzukommen", ereiferte er sich. „Mal drüber nachgedacht?"

„Für eine Falle halte ich es nicht", wagte sich Wesley vor. „Aber in gewisser Weise gebe ich dir Recht", meinte er und nickte Spike zu. „Sie müssen sich tatsächlich in einer schier aussichtslosen Situation befinden. Travers wird es nicht gerade leicht gefallen sein, ausgerechnet hier anzurufen."

„Mag sein, wie es will", knurrte der blonde Vampir zornig. „Trotz allem haben wir zu wenige Informationen, um darüber überhaupt zu reden."

„Stimmt", nickte Angel. „Und genau deswegen werde ich mit Travers sprechen. Jetzt! Und vor allem alleine."

„Was auch sonst?", zischte Spike und sprang wütend auf. „Verfluchte Hölle! Warum sollten wir auch mal etwas gemeinsam entscheiden?" Er verteilte zornige Blicke unter den Anwesenden und rauschte dann hocherhobenen Hauptes aus der Halle.

Angel blickte ihm seufzend hinterher, stand dann auf und sah Wesley an. „Ich brauche die Telefonnummer", meinte er dann sachlich. „Und wenn der Kerl mir einen Bären aufbinden will, dann gnade ihm Gott!"

Kapitel 2

(silverbird)

Wütend stapfte Spike durch Los Angeles. Um seinen Ärger über Angel wegzuspülen, steuerte Spike eine Dämonenbar an, die nur zwei Blocks vom Hyperion entfernt war. Eine Stunde und drei Flaschen Whiskey später erklärte Spike dem Barkeeper, schon etwas lallend, „...und nie fragt er mich nach meiner Meinung. Er bestimmt einfach alles über meinen Kopf hinweg, was wir wann tun, wenn wir es tun. Verstehst du? Glaubt er, ich bin sein verdammter Leibeigener? Sein Sklave? Sein verfluchter Befehlsempfänger? Hallo? Nur weil er mein Sire ist, heißt das nicht, dass ich mir alles von ihm gefallen lasse. Das habe ich nie getan und werde es nie tun. Weißt du, was er mich kann?", fragte Spike den Barkeeper und als dieser wissend nickte, nahm Spike erneut einen großen Schluck aus seinem Glas, bevor er zustimmte, „Genau. Du verstehst mich und gegen den T´Ruye soll er alleine sehen, wie er klarkommt. Er kann und weiß ohnehin alles besser. Braucht mich nicht. Will mich nicht. WARUM NUR!", jammerte Spike gleich drauf und schob dem Barkeeper sein leeres Glas hin, damit dieser es erneut füllte, was der auch tat und entgegnete, „Ich habe keine Ahnung, daher solltest du ihn selbst fragen."

Spike grinste plötzlich und klopfte dem Barkeeper anerkennend auf die Schulter. „Du bist ein verdammt kluger Mann, ähm...Ceran-Dämon. Na egal, wie auch immer, gib mir noch ein letztes Glas zur Stärkung, dann muss ich los."

Als Spike kurz vor Sonnenaufgang durch die Halle des Hyperions wankte, wartete Angel schon auf ihn. Die Arme vor der Brust verschränkt und böse dreinschauend knurrte er Spike an, „Wo bist du gewesen, verdammt noch mal?"

Spike wankte leicht und grinste. „Unterwegs", entgegnete er einsilbig und wollte an Angel vorbei in sein Zimmer gehen, doch Angel versperrte ihm den Weg. „Du hast Whiskey getrunken, ich kann es riechen."

„Bloody hell, bist du gut, wenn du mir noch die Marke nennen kannst, kriegst du einen Extrakeks", bemerkte Spike frech und schob Angel einfach zur Seite. Das brachte den älteren Vampir endgültig in Rage. „Vergiss niemals, dass ich dein Sire bin und..."

„Wie könnte ich DAS vergessen? Du erinnerst mich jeden verdammten Tag daran. Und soll ich dir was sagen? Ich kann’s nicht mehr hören. Ich habe die Schnauze bis obenhin voll von deinem blöden Sire - Gehabe.

Falls du es noch immer nicht geschnallt hast; ICH bin selbst ein Meistervampir und habe zwei Jägerinnen getötet. DU hast nur eine flachgelegt, um das mal klar zu stellen und selbst das hast du vergeigt und bist zu Angelus mutiert. Und wenn wir schon dabei sind, dann weiter im Klartext. Wenn du mich nicht hier haben willst, dann sag es einfach anstatt mich wie einen hirnlosen Idioten zu behandeln, der bin ich nämlich nicht." Spike, inzwischen völlig nüchtern, schob Angel energisch zur Seite und stieg wutentbrannt die Treppe hoch.

Angel schaute verdutzt hinterher. Einerseits zornig, andererseits unsicher, denn dieses Mal lief die Auseinandersetzung mit Spike völlig anders als sonst. Spike war nicht nur angepisst, da war mehr, das konnte Angel spüren und das erste Mal machte Angel sich Gedanken darüber, wie sie eigentlich zueinander standen, seit sie wieder zueinander gefunden hatten. ‚Ich bin der Sire und er das Childe, das wird sich nie ändern. Ich sage, wo es langgeht und er tut es. Nein, falsch, das hat schon bei Angelus nicht geklappt und eigentlich ist es ein Wunder, dass Spike seine Füße bis jetzt still gehalten hat. Ich frage mich warum? Er tut nie etwas ohne Hintergedanken.’ Grübelnd begab sich Angel in sein Büro. Er hatte noch bis zum Abend Zeit, bis einer von Travers Kontaktleuten in L.A. die Reisepässe, die sie benötigten, um nach London zu fliegen, vorbeibringen würde. Bis dahin wollte Angel in Ruhe über Spike nachdenken.

 

                                                                                           *****

 

„Nicht ein Wort hat er gesagt, um mich zurückzuhalten oder um sich zu rechtfertigen. Nicht ein einziges, verfluchtes Wort. Das beweist, ich bin ihm völlig egal. Zum Glück macht mir das nichts aus. Ich konnte ihn ohnehin nie wirklich leiden. Verdammter Poofer, der T´Ruye sollen ihm die Eingeweide rausreißen. Jawohl! Ich hasse ihn und sobald die Sonne untergegangen ist, pack ich meinen Krempel und mach mich vom Acker. Soll er sehen, wie er ohne mich zu Recht kommt."

Spike hatte sich eines der leeren Zimmer des Hotels ausgesucht, um Angel zu zeigen, wie wütend er auf ihn war. Dort ließ sich der blonde Vampir, so wie er war, aufs Bett fallen und seufzte tief. Mit dem Wunsch, Angel würde ihn davon abhalten, fort zu gehen, schlief er ein.

 

                                                                                         *****

 

Angel überprüfte die Reisepässe und steckte sie in die Tasche, bevor er nach oben ging, um seine und Spikes Sachen zu packen. Wie von Angel befürchtet, doch auch nicht anders erwartet, fand er sein Childe nicht in dem gemeinsamen Zimmer vor.

Trotzdem nahm Angel die Reisetasche aus dem Schrank, füllte sie mit allem, was sie brauchten und schloss sie sorgfältig, bevor er sich auf die Suche nach Spike machte. Seine Sinne benützend, öffnete er wenig später eine der Zimmertüren und fand dort sein Childe, schlafend. Leise trat Angel an das Bett, wechselte er in sein dämonisches Aussehen und schlitzte sich die Ader seines Handgelenkes auf. Erst dann setzte er sich neben Spike auf das Bett und presste seine blutende Wunde auf den Mund seines Childes. Angel wusste, kein Childe konnte widerstehen bei dem Geruch von Sireblut. Auch bei Spike war das nicht anders. Noch im Halbschlaf begann er gierig zu trinken, umfasste gleichzeitig mit beiden Händen Angels Arm um dessen Handgelenk noch fester an seinen Mund zu drücken. Erst nach ein paar Minuten wurde Spike bewusst, was er tat. Erbost stieß er Angel weg, öffnete die Augen, funkelte seinen Sire wütend an und knurrte, „Was zur Hölle soll das?"

„Meine Art, mich zu entschuldigen?", entgegnete Angel leise und mit seinem besten Dackelblick.

Spike stieß einen unmutigen Laut aus. „Denkst du, das ist so einfach, Peaches? Ein bisschen Blut, deinen Puppyblick und alles ist wieder im Lot? Nope. Niente. Nada." Schmollend verschränkte Spike seine Arme vor der Brust, bemerkte aber nicht, dass er sich genüsslich die Lippen leckte, um die letzten Tropfen des köstlichen Blutes Angels abzulecken.

Angel beobachtete gebannt, wie die rosa Zunge zwischen den Lippen hervorschnellte und sofort tauchten Bilder in seinem Kopf auf. Spikes Mund auf dem seinen. Fordernde, forschende Hände überall, die Angels kühlen Körper zum Glühen brachten. Lippen, die den Händen folgten und...Angel schluckte schwer und drängte diese Bilder mit aller Macht zurück. Das war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für erotische Gedanken. Später würde er seine Fantasien vielleicht ausleben können, aber jetzt galt es, Spike zu besänftigen. Trotzdem brauchte Angel eine Weile, bis er sich von diesem Anblick des verlockenden Mundes losreißen und Spike wieder in die Augen sehen konnte.

„Es tut mir Leid, little One, ich habe völlig vergessen, dass sich die Zeiten geändert haben und du erwachsen geworden bist", erklärte Angel und strich Spike sanft über die Wange. „Es wäre schön, wenn du mich nach England begleiten würdest. Aber es ist natürlich deine Entscheidung."

Unbewusst schmiegte sich Spike in Angels Hand und dachte, ‚Bloody hell, Angel gibt mir von seinem Blut, was schon ewig nicht mehr vorgekommen ist, entschuldigt sich, gibt mir Kosenamen? Er will mich, klare Sache und ich müsste ein Idiot sein, diese Gelegenheit nicht auszunützen.’

„Na gut, ich komme mit, aber nur, wenn wir neue Regeln aufstellen."

„Okay, was schwebt dir denn da vor?", wollte Angel wissen.

„Wichtige Entscheidungen treffen wir gemeinsam."

„Gut, damit kann ich leben. Was noch?"

„Ich kriege von deinem Blut, so oft ich will, im Bett hab ich das Sagen und du leihst mir zu jeder Zeit dein Auto", erklärte Spike grinsend.

„Treib es nicht zu weit, Childe, ich warne dich", gab Angel knurrend zur Antwort.

„Okay, okay, es war ein Versuch. Blut und poppen?"

„Blut, über das andere reden wir noch."

„Bloody hell, bist du verklemmt. Es wird dir gefallen, ich verspreche es, du wirst gar nicht genug davon kriegen. Ehrlich, " versuchte es Spike erneut und schaute Angel mit großen, sehnsüchtigen Augen an.

Der dunkelhaarige Vampir brauchte all seine Selbstbeherrschung, um diesen Blick widerstehen zu können. ‚Er hat keine Ahnung, wie sehr ich ihm verfallen bin. Selbst noch in 100 Jahren wird nur er es sein, den ich will und es werden nur diese Augen sein, von denen ich träume. Doch ich werde einen Teufel tun und ihm das verraten, denn sonst habe ich keine ruhige Minute mehr’, dachte Angel und laut sagte er, „Wenn du mich nervst, dann reden wir nicht mal mehr darüber und jetzt Schluss mit dem Thema. Wir müssen los, in zwei Stunden geht unser Flug."

UNSER Flug? Soll das heißen, du hast damit gerechnet, dass ich dich bei deiner blödsinnigen Mission begleite?"

„Um ehrlich zu sein, ich habe es gehofft."

„Gehofft? Dann ist es okay," erklärte Spike gutmütig und rollte sich aus dem Bett.

Auch Angel stand auf, zufrieden darüber, dass es mit Spike besser gelaufen war, als Angel gedacht hätte. „Ich hole unsere Tasche."

 

                                                                                            *****

 

Eine Stunde später stellten sich die beiden Vampire am Abfertigungsschalter an und Angel überreichte Spike seinen Reisepass, der ihn sofort aufschlug.

„James Boreanaz?", keuchte Spike entsetzt. „Ist dir dieser schwachsinnige Name einfallen?"

„Ähm ..nein, ich habe sie so bekommen," entgegnete Angel verwundert. „Travers hat die Papiere organisiert."

„Na wunderbar. Zeig deinen her." Spike riss Angel seinen Pass aus der Hand und schlug ihn auf. „David Marsters. Gib es zu, du hattest deine Finger im Spiel. Logisch, denn du willst immer der Master sein, eingebildeter Fatzke."

„Ehrlich Spike, ich wusste nichts davon, ich... oh, wir sind dran", erleichtert darüber, nicht weiter mit Spike diskutieren zu müssen, nahm Angel beide Pässe aus Spikes Händen, trat an den Schalter und legte sie, zusammen mit den Flugkarten, der Stewardess vor.

Selbst, als sie schon im Flugzeug saßen, motzte Spike immer noch über die Namen und Angel seufzte genervt. „Schluss jetzt, es ist doch völlig unwichtig, welche Namen wir auf diesen Papieren haben. Dafür haben wir eine Suite im Savoy und ich konnte eine Erfolgsprämie aushandeln.

Wenn wir den Auftrag gut erledigen, wird der ausgemachte Betrag verdoppelt."

„Im Savoy? Einen älteren Kasten hast du nicht gefunden? Und was heißt Erfolgsprämie? Du hättest den Preis auch so hochtreiben können, Travers braucht uns und hätte jeden Betrag gezahlt", motzte Spike weiter.

„Wir fliegen erste Klasse, wohnen in einem der besten Hotels Londons und du tust nichts weiter als meckern. Noch ein Wort und ich schmeiß dich aus dem Flugzeug", rief Angel so unbeherrscht, dass die Stewardess aufmerksam wurde und heraneilte. „Ist etwas nicht in Ordnung, Sir?"

„Er hat Flugangst, Liebes", erklärte Spike und zeigte sein charmantestes Lächeln. „Ob wir wohl einen Whiskey bekommen könnten?"

Die junge Frau strahlte Spike an. „Selbstverständlich, Sir. Welche Marke darf ich Ihnen bringen?"

„Bushmills wäre schön. Mein Kumpel hier, liebt irischen Whiskey, müssen Sie wissen."

„Sofort, Sir", die Stewardess lächelte nach wie vor und eilte davon.

„Hör auf sie anzuschmachten, das gehört sich nicht", brummelte Angel, da Spike nicht aufhörte vor sich hinzugrinsen.

Nun aber lachte der blonde Vampir laut auf. „Die Kleine ist niedlich. Aber sag mal, was für eine Sprache ist das denn? Das gehört sich nicht", Spike schüttelte kichernd den Kopf. „Denkst du, weil wir nach England fliegen, sind wir automatisch wieder im Viktorianischen Zeitalter? Vergiss es, ich will Spaß haben, wenn ich schon mal in der alten Heimat bin."

„Wir fliegen nicht zum Spaß nach London, sondern wegen eines Auftrags und sobald der erledigt ist, geht es wieder ab nach Hause. Wir treffen Travers morgen Abend, um die Einzelheiten zu besprechen."

Die Stewardess brachte die Getränke und Spike blinzelte ihr zu. Sie kicherte verhalten und seufzte gleich darauf bedauernd, da ein dicker Herr aus der dritten Reihe nach ihr rief.

„Du triffst Travers", setzte Spike das Gespräch fort. „Ich hab was anderes vor", erklärte er bestimmt, doch Angel schüttelte den Kopf und grollte, „Du wirst dich nicht mit diesem blonden Gift treffen. Du kommst mit und keine Widerrede."

„Eifersüchtig, Peaches?"

Angel brummelte etwas Unverständliches vor sich hin. Spike griff nach seinem Whiskeyglas und lehnte sich zufrieden zurück.

Teil 3

(Von Silentthunder)

Der Flug dauerte endlos und die Minuten und Stunden schlichen nur so dahin. Zumindest kam es Angel so vor. Manchmal, wenn er einen Blick auf Spike warf, kam es ihm immer noch unwirklich vor, dass sein Childe den Weg zu ihm gefunden hatte. Aber nachdem man ihm in Sunnydale so übel mitgespielt hatte, war es kein Wunder, dass er Hilfe bei ihm gesucht hatte. Den Chip hatten sie noch immer nicht entfernen können, aber vielleicht war das auch besser so. Erstens hätte er Spike kaum in ein Leben als Vampir zurücklassen können, und zweitens wären sie sich niemals so nahe gekommen. Und wenn er den jüngeren Vampir neben sich so betrachtete, dann musste er ein Schmunzeln unterdrücken. Die Langeweile hatte ihn schwer gepackt und er versuchte alles Erdenkliche, um sie zu vertreiben.

Zuerst hatte der Blonde versucht, ihn mit allen möglichen Tricks aus der Reserve zu locken. Doch gelungen war es ihm diesmal nicht. Angel hatte schon damit gerechnet und dem Ganzen schnell Einhalt geboten.

Dann hatte Spike auf Teufel komm raus mit der Stewardess geflirtet, aber auch damit ließ sich der Dunkelhaarige nicht ärgern und so hatte Spike sich den Mitpassagieren zugewandt. Er wählte eine Person aus und starrte sie dann bewegungslos mehrere Minuten an. Befriedigt lachte er sich ins Fäustchen, wenn der arme Fluggast in seinem Sitz unruhig hin und herrutschte.

„Wie wäre es, wenn du versuchst, eine Weile zu schlafen?", fragte Angel vorsichtig, während er Spike dabei beobachtete, wie dieser seinen Gurt in seine Einzelteile zerlegte.

„Schlafen?" Erstaunt hob Spike die Augenbrauen. „Du meinst mit dir?", er lächelte verführerisch und drehte sich seinem Geliebten zu. „Ich wollte immer schon mal in einem Flugzeug f…"

„Spike! Lass das", zischte Angel erschrocken.

„Warum? Bringe ich dich etwa auf Ideen?"

„Selbst, wenn es so wäre", schimpfte Angel leise. „Das ist definitiv nicht der richtige Ort dafür."

„Meine Güte. Sei nicht immer so ein Spielverderber! Die Leute hier hätten bestimmt nichts gegen ein solches Schauspiel." Spike grinste vergnügt und wackelte testend hin und her. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob die Sitzbänke stark genug verankert sind. Vielleicht halten sie unser Spiel nicht aus."

„Verdammt noch mal!", knurrte der Dunkelhaarige warnend. „Lass das! Ich habe keinen Kopf für diesen Unsinn. Anscheinend glaubst du immer noch, wir befinden uns auf einer Art Vergnügungsreise. Dabei weißt gerade du sehr genau, wie gefährlich ein T´Ruye ist. Immerhin bist du es, der damals in Paris mit einem Ärger gehabt hat."

„Ärger?", wiederholte Spike. „Wenn man das so nennen will." Er runzelte die Stirn und dachte an seine erste Begegnung mit der Dämonenrasse zurück. Immerhin gab es einen guten Grund, warum er sich so aufgeregt hatte, als er von dem T’ Ruye hörte. Es war damals kein Spaß gewesen, gegen das Monster anzutreten und er hatte es nur mit knapper Not überlebt. Und dann rief dieser dämliche Travers an und schickte seinen Geliebten auf die Jagd genau so eines Dämons. Seine Stirn umwölkte sich und er lehnte sich in seinem Sitz zurück, während seine Gedanken in der Zeit zurückwanderten.

Darla, Dru, Angelus und natürlich er selbst, waren damals schon einige Zeit in Paris unterwegs, als sie mehr oder weniger zufällig dem T’ Ruye über den Weg liefen. Das fast drei Meter große Monster schlug eine Schneise des Todes durch das Armenviertel der Stadt und machte nicht einmal vor anderen Dämonen halt. Es tötete jeden, der es wagte, sich ihm in den Weg zu stellen. Spike, obwohl er selbst wusste, dass er ein Heißsporn war, hatte eigentlich keinerlei Lust gehabt, sich mit ihm anzulegen. Wäre Dru nicht gewesen…wahrscheinlich wäre nichts geschehen. Aber die verrückte Vampirin bekam nicht genug von der dunklen Aura des T’ Ruye.

„Kannst du es fühlen?", hatte sie ihn mit glasigen Augen angesehen. „Fühlst du es? Den Schmerz, das viele Blut? Hörst du die schreienden Kinder? Hörst du, wie sie kreischen und um Gnade winseln? Sogar die Sterne weinen", lachte sie und drehte sich zu einer Musik im Kreis, die nur sie hören konnte. „Niemals zuvor… niemals zuvor habe ich eine solche Wut gefühlt. So viel Hass, Abscheu und Gier. Aber auch ein Gleichmut, der über alles erhaben zu sein scheint."

Sie hatte gelacht und ihre Gedanken waren wie immer gewesen. Chaotisch und durcheinander. Und kaum hatte Spike ihr für eine Sekunde den Rücken zugekehrt, war sie verschwunden.

Er konnte sich daran erinnern, als wäre es erst gestern gewesen. Konnte die Wut noch immer fühlen, die durch seine toten Adern gerauscht war, während er halb Paris nach ihr abgesucht hatte. Drusilla war vollkommen verrückt, aber das hatte er früher schon gewusst und es hatte ihn auch nicht davon abgehalten, sie über alles zu lieben.

Wie die Zeiten sich ändern’, lächelte er und warf einen flüchtigen Blick auf Angel, der gerade aus dem kleinen Fenster nach draußen blickte. ‚Wer hätte gedacht, dass er und ich…? Vor hundert Jahren wohl niemand. Ich hätte ihn für verrückt erklärt.’

Wie zufällig wanderte seine Hand auf Angels Oberschenkel und der dunkelhaarige Vampir legte seine darüber, ohne auch nur einmal aufzusehen. Diese kleinen Zärtlichkeiten zeigten sie selten in der Öffentlichkeit, aber Spike genoss sie jedes Mal aufs Neue und er lehnte sich wieder zurück.

Paris. Denk an Paris’, zwang er sich. ‚Bevor deine Gedanken wieder in eine Richtung gehen, die momentan nicht…’ Er seufzte lautlos. Warum konnte er nur nie die Finger von Angel lassen? Der Mann machte ihn verrückt! Sobald er seine wunderschönen braunen Augen blickte, wollte er nur noch eins…! ‚Paris! Sofort. Du denkst jetzt an Paris!’

Spike schloss die Augen und lenkte seine Gedanken in die richtigen Bahnen. Vor seinem geistigen Auge sah er die dunkle Gasse, in der er Drusilla schlussendlich aufgespürt hatte. Es stank erbärmlich und die Menschen, die dort vegetierten, waren dem Tode näher als dem Leben. Brutalität war hier an der Tagesordnung, aber einer solchen Gewalt, wie die des T’ Ruye, ging man sogar hier aus dem Weg. Die Menschen versteckten sich in ihren armseligen Bruchbuden und außer leisem Geflüster und dem krächzenden Husten der Kranken war kaum etwas zu hören.

Sie hatten nie herausgefunden, wer den Dämon beschworen hatte, aber das war auch gänzlich unwichtig. Um solche Angelegenheiten kümmerten sich Vampire gewöhnlich nicht und Spike überlegte, dass er, wenn er so zurückdachte, auf den Kampf auch gut hätte verzichten können.

In einem finsteren, kaum beleuchteten Hinterhof hatte er das Monster aufgestöbert. Drusilla hatte vor ihm gestanden, sich schlangengleich bewegt und ihre Hände waren über den behaarten Oberkörper des T’ Ruye gewandert. Nur schien der Dämon nicht halb so beeindruckt von der Vampirin gewesen zu sein, wie sie selbst es von ihm war. Mit einem lauten Grunzen hatte er ausgeholt und Drusilla gegen einen Wand geschmettert.

Wagemutig hatte Spike sich sofort in den Kampf gestürzt, doch es auch genauso schnell wieder bereut. Gegen den T’ Ruye hatte er kräftemäßig kaum eine Chance, wie er zu seinem Bedauern schnell bemerkt hatte. Der Dämon hatte ihn fast getötet. ‚Nun ja, viel gefehlt hat nicht’, dachte Spike. ‚Wenn ich nicht durch bloßen Zufall das Horn an seinem Nacken in die Hände bekommen hätte, wäre es das wohl gewesen.’

Mehr Erinnerungen an die Nacht hatte er nicht. Er wusste bis heute nicht, ob es wirklich nur das abgebrochene Horn gewesen war, was den Dämon schlussendlich erledigt hatte, oder ob Drusilla noch gegen ihn gekämpft hatte. Aufgewacht war er erst wieder in der Unterkunft, die sie seit mehreren Wochen bewohnten und wie man ihm sagte, war er allerhand Tage nicht bei Bewusstsein gewesen. Drusilla und Darla hatten seine Wunden versorgt und verbunden und Angelus hatte widerwillig seine Nahrung herangeschafft. ‚Das waren noch Zeiten’, grinste Spike. ‚Wir haben uns abgrundtief verabscheut. Gehasst wie die Pest!’

Aber er hatte nicht vergessen, wie lange die Heilung gedauert hatte. Der T’ Ruye hatte ihm den linken Arm fast abgerissen und seinen Bauchraum von oben bis unten aufgeschlitzt. Viele Wochen war er auf die Hilfe der anderen angewiesen gewesen und das war das Schlimmste überhaupt.

Er drehte sich seinem Geliebten zu, stellte jedoch fest, dass Angel eingeschlafen war. ‚Aber meine Hand hält er noch immer’, bemerkte er leise lächelnd. Mit der freien Hand winkte er die Stewardess heran und ließ sich mit Kissen und Decken versorgen.

„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?", lächelte die Flugbegleiterin, doch Spike schüttelte verneinend den Kopf.

„Nein, danke. Ich denke, ich versuche auch ein wenig zu schlafen." Langsam und vorsichtig entzog er Angel seine Hand und deckte den älteren Vampir sanft zu. Behutsam legte er den Kopf seines Geliebten auf das Kissen und gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn. Dann setzte er sich selbst wieder, breitete seine eigene Decke aus und wie selbstverständlich legte er seine Hand wieder zurück auf Angels Oberschenkel. „Schlaf gut", murmelte er leise und schloss die Augen.

 

                                                                                        ******

 

„Aufwachen, Schlafmütze!"

Angels sanfte Stimme riss ihn aus den schönsten Träumen. „Nur noch ein paar Minuten", murmelte er und kuschelte sich in das Kissen.

„Das geht nicht." In der Stimme des Dunkelhaarigen klang Belustigung mit und Spike öffnete widerwillig die Augen.

„Warum nicht?" Er blickte in das Gesicht seines Geliebten und versank in dessen Augen.

„Wir sind da."

„Wie da?"

„Du musst jetzt aufstehen", lachte Angel. „Komm schon."

Spike streckte sich und gähnte herzhaft. „Aber ich…", er stockte und blickte sich um. Die meisten Passagiere hatten das Flugzeug bereits verlassen und erschrocken wandte er sich Angel zu. „Ich habe die Landung verschlafen? Die Landung?"

„Ich konnte dich nicht wecken", gestand Angel leise. „Dein verträumter Gesichtsausdruck… deine Hand auf meinem Oberschenkel…"

„Oh ha!", lachte Spike. „Vielleicht sollten wir doch noch die Toilette in Erwägung ziehen." Er wackelte lüstern mit den Augenbrauen und der ältere Vampir musste lachen.

„Es dauert nicht mehr lange, dann sind wir im Hotel", erklärte er leise und stand auf. „Vorausgesetzt, Travers hält Wort und seine Leute holen uns wie versprochen hier ab."

„Es gefällt mir nicht, dass wir uns auf den Obertrottel verlassen", knurrte Spike leise. „Mir ist das zu unsicher. Wenn wir erstmal in dem verdammten Wagen des Rates sitzen, dann können die mit uns machen, was sie wollen. Es gibt hier zwar keine Wüste, in der sie uns zum Grillen einladen könnten, aber mit Sicherheit haben sie nette Spielereien, um Vampire quälen zu können. Verstehst du, was ich meine? Die spielen nicht fair und ich habe ein verdammt schlechtes Gefühl bei der Sache. Es scheint, als diktierten sie die Regeln und das können wir nicht zulassen. Wäre ja auch noch schöner. Ich habe ja nichts dagegen, auf der Seite des Guten zu kämpfen… aber der Rat der Wächter gehört gewiss nicht dazu."

„Vielleicht hast du Recht", nickte Angel. „Wir sollten uns wirklich nicht auf das verlassen, was uns Travers sagt und anbietet. Wir müssen auf jeden Fall unsere eigenen Nachforschungen anstellen. Deswegen habe ich auch einen Laptop eingepackt. Ich möchte mit Wesley und den anderen in Kontakt bleiben."

„Du und ein Computer?", feixte Spike und stand auf.

„Ich kann damit umgehen", brummte Angel beinahe beleidigt und warf die Decken an die Seite. „Vielleicht nicht gut, aber es wird reichen."

Der Blonde verkniff sich sein Lachen und kramte sein Handgepäck hervor. „Wir sind uns also einig. Wir verlassen uns nicht auf Travers und seine Agenten und kümmern uns selbst um alles?"

„Ja. Besser ist das", nickte Angel. „Aber jetzt komm. Wir müssen raus aus dem Flugzeug, die Agenten ablenken und uns eine Möglichkeit suchen, wie wir am helllichten Tag ins Savoy kommen."

„Ins Hotel zu kommen, sollte kein Problem sein", murmelte Spike nach einem Blick aus dem kleinen Flugzeugfenster. „Kaum sind wir angekommen, fängt es an zu regnen." Er lachte. „Home, sweet home! Was wäre London ohne Regen?"

„Immerhin ist es nicht nebelig", lachte nun auch Angel.

„Warte es ab", erwiderte Spike grinsend. „Es kann sich nur um Stunden handeln."

Kapitel 4

(silverbird)

Wenig später schlenderten sie durch die Einkaufsmeile des Duty Free Shops und Spike schaute sich neugierig um. Die Leute saßen in den diversen Cafes, unter ihnen auch eine Gruppe Piloten und der blonde Vampir grinste plötzlich. „Du musst auf die Toilette," sagte er an Angel gewandt und der schaute sein Childe verwundert an. „Was soll der Unsinn, wir sind Vampire, wir müssen nicht."

„Sülz nicht rum, mach einfach mal das, was ich sage. Nun geh schon, ich komme gleich nach."

Ein Erkennen huschte über Angels Gesicht.„Oh, ich weiß, was du vorhast und sage; Nein. Ich werde nicht auf irgendeinem dreckigen Klo…"

„Ich weiß, du findest mich unwiderstehlich und kannst es kaum erwarten, mich zu poppen, aber du musst dich beherrschen, mein Sire, denn ich habe einen anderen Plan, zumindest jetzt. Also vertrau mir und geh."

Mit einem Seufzen steuerte Angel auf die Toilettenanlagen zu, hatte aber ein ungutes Gefühl dabei. Spike und seine Pläne entwickelten sich meistens zu einem Desaster, doch der dunkelhaarige Vampir wollte Spike nicht immer alles abschlagen und hoffte einfach, die Katastrophe würde wenigstens dieses Mal ausbleiben.

Keine fünf Minuten später kam Spike nach, einen Trolly hinter sich herziehend.

„Da rein", befahl er knapp, schubste Angel in eine der Kabinen und verriegelte die Tür. „Ausziehen", kam seine nächste Anweisung, während er sich selbst seiner Kleider zu entledigen begann.

„Auf keinen Fall Spike", entgegnete Angel, der genau zu wissen glaubte, was sein Childe vorhatte." Und was ist das für ein Koffer? Ich..."

„Klappe halten und beeilen, wir haben nicht viel Zeit", unterbrach der Blonde seinen Geliebten, öffnete den kleinen Trolly und zog, zufrieden grinsend, zwei Uniformen heraus. „Du bist jetzt Pilot, so kommen wir ungehindert an den Leuten des Rates vorbei. Und jetzt sag schon, dass ich genial bin."

„Oder verrückt. Sie werden uns erwischen und dann..."

„Nicht quasseln, umziehen. Ich hab extra den Koffer eines großen Piloten rausgesucht, damit du reinpasst. Also mach."

„Rausgesucht? Du meinst wohl gestohlen. Das kann nicht gut gehen. Niemals", nörgelte Angel, begann sich aber umzuziehen.

„Das nennt man nicht stehlen, sondern organisieren und es wird gut gehen. Die Jungs sitzen bei ein paar Bier. Bis der eine merkt, dass sein Koffer weg ist, sind wir schon längst im Hotel. Aber wenn es dich beruhigt, können wir den Koffer ja zurückgeben, wenn wir wieder nach Hause fliegen. Wir lassen ihn dann einfach in der Halle stehen."

Spike stopfte seine eigenen Sachen und die Angels in den nun leeren Trolly und setzte die Kappe auf, die ihm allerdings fast über die Ohren rutschte. „Ein bisschen groß, aber das merkt keiner, alle werden nur auf dich gucken. Du siehst verdammt heiß aus", stellte er mit einem anerkennenden Blick auf Angel fest.

„Findest du? Ich denke an den Schultern sitzt es nicht so richtig und..."

Spike verdreht die Augen und murmelte wegen der Eitelkeit seines Sires, „Poofer." Dann jedoch legte der Blonde seinen Kopf etwas schief und betrachtete Angel genauer, zumindest, soweit es die enge Kabine zuließ und flüsterte rau, „Du siehst absolut geil aus und wenn du nicht willst, dass ich dich sofort bespringe, dann raus hier."

Angel wäre errötet, wenn das möglich gewesen wäre, bei dem Blick, den Spike ihm zuwarf. Aber es war ihm auch klar, dass sein Childe seine Androhung wahr machen würde, daher beeilte er sich, die Kabine zu verlassen.

So verkleidet verließen sie unbehelligt das Flughafengebäude und bestiegen ein Taxi. Bevor sie jedoch das Hotel erreichten, nahm Spike seinen und auch Angels Mantel aus dem Koffer. „Besser, wenn wir nicht in Uniform auftauchen. Das ist zu auffällig", erklärte er und Angel stellte verwundert fest, dass sein Childe sehr wohl in der Lage war, einen Plan durchzudenken. ‚Vielleicht sollte ich ihm öfter vertrauen, denn der Plan war gut’, dachte Angel, überlegte dann aber weiter. ‚Andererseits, er hat den Koffer gestohlen, das hätte schlimm ausgehen können.’

„Mach dir keine Gedanken, wenn’s schief gegangen wäre, hätte uns der Rat schon wieder rausgeholt. Schließlich wollen die was von uns", sagte Spike grinsend, sehr wohl wusste, was Angel dachte.

Im Hotel war, wie die beiden es erwartet hatten, kein Zimmer auf ihre Namen reserviert und Spike knurrte den Concierge an. „Sehen Sie gefälligst noch mal nach und zwar unter dem Namen Travers und wenn dieser alte Trottel es vergessen hat, dann geben sie uns die beste Suite, die Sie haben."

Eingeschüchtert bat der Portier die beiden Vampire sich einzutragen und Sekunden später brachte ein Page sie hoch in das siebte Stockwerk.

Nachdem der Page sein Trinkgeld bekommen hatte und gegangen war, legte Angel seinen Mantel ab und wollte auch die Uniform ausziehen.

„Wage es nicht. Ich will dich genau so. Okay, die Hose darfst du ausziehen, aber setz die Kappe auf", ordnete Spike an und bewegte sich geschmeidig auf Angel zu. „Du siehst so scharf in dieser Uniform aus. Heiß. Sexy," gurrte der blonde Vampir und Angel bekam weiche Knie. „Das geht nicht, die Uniform, sie könnte Schaden nehmen und außerdem haben wir keine Zeit. Wir müssen rauskriegen, was der Rat, beziehungsweise Travers vorhat", wehrte Angel halbherzig ab, doch Spike ließ sich ohnehin nicht beirren und drängte seinen Sire ins Schlafzimmer, während er ihn küsste.

~*~

Später, viel später, interessierte es Angel nicht im Geringsten, was mit der Uniform geschah und wer oder was der Rat sein sollte, war ihm völlig entfallen, denn Spike verstand es hervorragend, alle Gedanken aus Angels Kopf zu vertreiben.

~*~

„Lass es klingeln, verdammt", murmelte Spike müde und kuschelte sich näher an Angel, als das Telefon erneut läutete. Doch Angel schob sein Childe von seiner Brust und angelte nach dem Hörer. „Ja, Sie können die Herren heraufschicken", hörte Spike Angel gleich darauf sagen und der Blonde seufzte genervt. „Der Rat?"

„Der Rat", bestätigte Angel nickend und erhob sich, um sich anzuziehen.

Kaum war er in seinen Kleidern, als es auch schon an der Tür klopfte. Der dunkelhaarige Vampir verließ das Schlafzimmer und begab sich zur Tür der Suite um aufzuschließen und zu öffnen.

„Es tut uns Leid", stammelte einer der beiden Männer sogleich, "anscheinend haben wir Sie am Flughafen verpasst. Wir wissen nicht, wie das passieren konnte. Wir wurden beauftragt, Sie gleich vom Flughafen ins Hauptquartier zu bringen und daher hat es etwas gedauert, bis wir Sie gefunden haben. Nun sind wir hier, um Sie abzuholen."

‚Spike hatte also Recht. Der Rat hat was mit uns vor, fragt sich nur, was genau dahintersteckt’, dachte Angel, bevor er laut sagte: „Das wundert mich, denn es kann nicht so schwierig gewesen sein, uns zu finden, da Travers angeblich ein Zimmer für uns in diesem Hotel bestellt hatte, was er allerdings nicht getan hat. Und jetzt erklären Sie mir, warum."

„Jepp", meldete sich nun auch Spike zu Wort, der nur mit seiner Lederhose bekleidet aus dem Schlafzimmer kam. „Was zur Hölle ist los?

Zuerst taucht keiner auf dem Flughafen auf, dann ist kein Zimmer reserviert und nun taucht Ihr hier auf, um uns zu entführen."

Entsetzt schauten die beiden Männer sie an. „Nein, Sie sehen das völlig falsch. Wir hatten nie die Absicht, Sie zu entführen. Es ist nur,...die Umstände haben sich geändert und deswegen wollte Mr.Travers, dass wir Sie gleich zu ihm bringen. Nur auf Grund dessen hat er die Reservierung rückgängig gemacht."

„Wer`s glaubt", grummelte Spike, packte einen der Männer am Kragen und zog ihn ins Zimmer. „Klartext Kumpel, oder ich vernasche dich zum Frühstück, verstanden?"

„Lass das, Spike, er ist nur ein Handlanger", wies Angel sein Childe zurecht, doch der schüttelte den Kopf. „Er gehört dem verfluchten Rat an, die sind alle korrupt und hinterhältig."

„Nein, es ist genau, wie mein Kollege Gilbert sagte", meldete sich der andere Mann zu Wort. „Mr. Travers bittet Sie dringend zu ihm zu kommen, da sich die Umstände gravierend verschärft haben. Genaueres möchte er Ihnen selbst mitteilen."

Spike und Angel verständigten sich mit einem Blick, woraufhin Spike im Schlafzimmer verschwand und wenig später vollkommen angezogen und mit Angels Mantel in der Hand zurückkehrte. „Gehen wir", bestimmte Angel und drängte die Männer aus der Suite.

~*~

Keine halbe Stunde später hielt die Limousine vor dem imposanten Gebäude des Rates und die beiden Vampire wurden durch endlose Flure in das Büro Travers geleitet.

Der erhob sich sogar zur Begrüßung. „Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihr Erscheinen, setzen Sie sich bitte", forderte er die beiden auf.

Nachdem sie wortlos Platz genommen hatten, ergriff Travers wieder das Wort. „Darf ich Ihnen etwas anbieten? Tee? Kaffee? Wir können auch Blut besorgen, wenn Sie das bevorzugen."

„Jepp, A-positiv von einer Jungfrau, schlank und schwarzhaarig", entgegnete Spike sarkastisch. „Wollten Sie uns nur zum Essen einladen? Oder geht es um den T´Ruye, verdammt. Schluss mit dem verfluchten Smalltalk. Kommen Sie zum Punkt. Was zur Hölle, wollen Sie wirklich von uns?"

„Richtig", beeilte sich auch Angel zu sagen, da es ihm gar nicht passte, dass nur Spike das Wort führte.

Travers holte tief Luft und seufzte. „Von dem T’ Ruye wissen Sie bereits. Nun haben sich leider neue Erkenntnisse ergeben. Aber am Besten, ich erzähle von Anfang an. Wir haben Kunde davon erhalten, dass irgendjemand den T´Ruye beschworen hat, seiner aber nicht Herr wurde. Dieser Dämon wütet durch England und ist nun auf den Weg nach Irland. Dort ist durch die Beschwörung, wie wir vermuten, ein Spalt zu der Dimension entstanden, aus der der T´Ruye stammt. Der Hexenzirkel kann diese, bis jetzt noch schmale Öffnung, höchstens zwei bis drei Tage unter Kontrolle halten, länger aber nicht. Was es bedeutet, wenn sich das Tor öffnet, muss ich Ihnen nicht erklären."

„Was mich interessieren würde, wieso haben Sie sich an uns gewandt und nicht eine Jägerin gerufen?", wollte Angel misstrauisch wissen.

 

„Natürlich war das unsere erste Überlegung, als es nur darum ging, den T´Ruye zu besiegen. Doch nun haben wir auch noch das Problem mit dem Spalt im Dimensionstor, daher haben wir in unseren Büchern nach einer Lösung gesucht. Dabei sind wir in den Schriftrollen von Opidpxy auf einen Text gestoßen in dem steht; nur das Blut eines Vampirs, das er freiwillig gibt, kann den Riss, beziehungsweise das Tor schließen. Diese Worte haben mich dazu bewogen, Sie um Hilfe zu bitten und es ist mir weiß Gott nicht leicht gefallen."

„Kann ich mir denken", nuschelte Spike und grinste schadenfroh.

„Wie genau soll das Ritual ablaufen? Und was ich noch wissen will; von wie viel Blut reden wir da eigentlich?", warf Angel ein.

„Ja, verdammt, das interessiert mich auch, denn solche Tore schließen sich nicht mit ein paar Tropfen. Dazu kommt, dass wir den verfluchten T´Ruye entweder killen oder durch das Tor schmeißen müssen. Nachdem sich die Umstände also derart geändert haben, finde ich den Preis, den Sie mit Angel abgesprochen haben, viel zu gering. Was sag ich, lächerlich geradezu. Also machen Sie uns gefälligst ein neues, brauchbareres Angebot. Ich würde sagen, eine Null ist das Mindeste, das Sie anhängen müssen. Schließlich wollen Sie unser Blut. Kostbares Vampirblut von zwei Meistervampiren und das auch noch freiwillig. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist das eigentlich unbezahlbar und..."

„Das reicht, Spike. Ich bin sicher, Mr. Travers hat verstanden. Ich sehe das doch richtig, Mr. Travers?", fragte Angel äußerst freundlich, doch der Blick des Vampirs, der den Vorstand des Rates traf, ging diesem durch und durch. Es war Travers mehr als bewusst, dass nur die beiden eine Invasion der T`Ruye`s verhindern konnten und daher blieb ihm nichts anderes übrig, als ergeben zu nicken. Er würde jede Summe zahlen, welche die beiden verlangten.

Zudem kam, dass Travers selbst den T´Ruye herbei beschworen hatte,, weil er dessen Horn und Schuppen brauchte, um so unbesiegbar zu werden. Ein guter Anfang, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Das war Travers Plan, doch zu seinem Leidwesen war es ihm nicht geglückt, diesen Dämon zu betäuben und diese Utensilien zu entnehmen. Der T ´Ruye war entkommen und wütete durch das Land. Jetzt hoffte er, dass die beiden Vampire seinen Fehler wieder ausmerzen konnten. Ebenso betete er, dass niemand herausfand, wer für einen möglichen Weltuntergang verantwortlich war. Das würde ihm mehr als nur den Job kosten.

Zwei Stunden später schloss Angel die Tür ihres Hotelzimmers hinter sich, umarmte Spike überschwänglich und lachte freudig auf. „300.000 Dollar, du hast Travers 300.000 Dollar abgeluchst. Das ist fantastisch, damit können wir endlich die wichtigsten Reparaturen am Hyperion vornehmen und Cordy, Wes und Gunn kriegen einen Bonus, der schon längst mal fällig ist."

„Und ich will ein Plasma – TV - Gerät, ein richtig großes, mit einer Auflösung 1920x1080. Mindestens. Das, was du da hast, ist aus der Steinzeit und gehört auf den Müll. Doch, bevor wir groß Pläne machen, wie wir das Geld auf den Putz hauen, wäre es gut, wenn wir diesen ganzen Mist überleben. Travers war zu schnell bereit, die Summe rauszurücken. Sicher rechnet er nicht damit, dass wir da lebend wieder rauskommen und glaubt, er muss uns ohnehin nicht bezahlen. Auch wenn wir wissen, dass es schwer wird, den Gefallen werden wir ihm nicht machen. Nope!"

„Das sehe ich genauso. Natürlich retten wir die Welt, weil es unsere Mission ist, aber das Geld ist schon eine echte Motivation", erklärte Angel und griff nach der Reisetasche, da der Privatjet des Rates auf sie wartete, um sie nach Irland zu fliegen.

„Und ich dachte, ich wäre deine Motivation." Spike verzog seinen Mund schmollend und verschränkte die Arme vor der Brust. Sofort ließ Angel die Tasche fallen und nahm sein Childe in die Arme und flüsterte: „Du bist viel mehr als das, little One, viel mehr."

Teil 5

Die Nacht war typisch für London. Es regnete und ein dichter Nebel breitete sich langsam in der ganzen Stadt aus. Mit einem gewissen Unmut bestiegen Angel und Spike den Wagen, der sie wieder zum Flughafen bringen sollte. Spike hatte darauf bestanden, dass der Fahrer kein Agent des Rates sein durfte und es schien fast, als hätte Travers sich geschlagen gegeben. Allerdings verstand Angel nicht ganz, warum Spike so ein Aufheben drum machte. Sie würden in der nächsten Zeit wohl oder übel noch öfter mit den Männern zusammenarbeiten müssen.

Der Fahrer, Spike hielt ihn für einen Vietnamesen, lächelte breit und nickte freundlich, als er ihr Gebäck in den Kofferraum des Wagens wuchtete. „Ich Sie bringen zu Flughafen in weniger als zehn Minuten."

„So sehr eilt es dann doch nicht", murmelte Angel und stieg ein. Er war zwar lange nicht mehr in London gewesen, wusste aber, dass die Fahrtzeit zum Flughafen bedeutend länger war. Normalerweise jedenfalls.

„Vielleicht sollten wir auf der Rückreise noch einen kleinen Zwischenstopp machen. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, ein paar Tage alleine mit dir zu sein." Der jüngere Vampir schien nichts Außergewöhnliches bemerkt zu haben. „Und mal wieder einen Zug durch London zu machen… das hätte schon was."

„Wir werden sehen", erwiderte Angel nervös. Der Taxifahrer mochte tatsächlich nur einer dieser waghalsigen Idioten sein, die in einer Nacht möglichst viel Geld verdienen wollen, aber er konnte ebenso gut dem Rat angehören und verdeckt arbeiten. ‚Oh, verdammt. Du reagierst schon genauso paranoid wie Spike’, dachte er und schüttelte unwirsch den Kopf. ‚Nur ein Taxifahrer. Nicht mehr und nicht weniger.’

„Wir jetzt fahren los", lächelte der Fahrer und schlug die Fahrertür zu. „Sie anschnallen jetzt, bitte."

Der Dunkelhaarige Vampir reagierte sofort und griff nach dem Gurt. Spike hingegen blickte nur interessiert aus dem Fenster und lehnte sich zurück. „Alte Heimat", grinste er. „Irgendwie ist es doch etwas Besonderes, hier zu sein."

„Achtung", lachte der Vietnamese, startete den Wagen und drückte sofort aufs Gaspedal. „Bald Flughafen. Ich versprechen."

„Wohooo", machte Spike bei der ersten Vollbremsung. „Er knallte gegen den Beifahrersitz und fauchte wütend. „Wollen Sie uns umbringen, verdammt!" Schnell setzte er sich gerade und war gerade im Begriff, sich anzuschnallen, als der Fahrer erneut das Gaspedal durchtrat.

„Ich keine Zeit", lachte der Chauffeur. „Meine Frau bekommen Baby heute Nacht. Ich müssen in Krankenhaus."

„Meinen herzlichsten Glückwunsch", brachte Angel heiser über die Lippen. Sein Childe hatte schon einen Fahrstil, der ihm nicht gerade behagte. Aber der Taxifahrer war um Welten schlimmer.

„Idiot", zischte Spike nach der letzten rasant genommen Kurve und hatte alle Mühe sich wieder aufzusetzen. „Wenn Sie tatsächlich Vater werden, warum sind Sie dann nicht im Krankenhaus?" Der Gurt schnappte endlich ein und er atmete erleichtert ein. Mittlerweile war er so oft von einer auf die andere Seite geschleudert worden, dass er Mühe mit der Orientierung hatte.

„Mann viel Geld zahlen, dass ich fahren", erwiderte der Angesprochene. „Dann fahren Krankenhaus."

„Vielleicht sollten Sie doch etwas langsamer fahren", versuchte Angel den Mann zu bremsen. „Nicht, dass Sie noch einen Unfall bauen und dann mit einen Notfallwagen zum Krankenhaus eingeliefert werden. Ihre Frau wäre bestimmt nicht gerade begeistert." Er klammerte sich an den Türgriff und blickte Spike verwirrt an. „Rat?", flüsterte er leise, doch der Blonde schüttelte den Kopf.

„Die mögen alle bekloppt sein, aber nicht so lebensmüde wie der da", brummte er und deutete mit dem Kopf auf den Fahrer.

„Ich nie Unfall hatte. Lernen fahren in Hanoi", lachte der Mann, der Spike durchaus gehört hatte. „Verkehr dort viel mehr." Er tippte auf einen Zettel am Armaturenbrett. „Mein Name", nickte er und drängelte sich behände zwischen zwei abbiegende Wagen. „Minh Cuong. Bedeutet glänzende Gesundheit und Erfolg. Alles gut wird. Bestimmt."

„Gut, dass ich schon tot bin", nuschelte Spike, als er durch die enorme Beschleunigung in die Rückbank gedrängt wurde.

Angel lachte leise. Die ganze Sache war einfach zu absurd und er konnte nicht anders, als loszulachen.

„Was, zur Hölle, ist so verdammt lustig?", schimpfte Spike. Wäre er ein Mensch, so hätte er längst eine dieser netten Kotztüten gebraucht.

„Nichts. Gar nichts", Angel biss sich auf die Lippe und überreichte ihm dann den Türgriff, den er in der letzten Kurve abgerissen hatte.

„Und was soll ich damit?", schnauzte Spike ihn an. „Cordelia als Mitbringsel einpacken?"

Der Dunkelhaarige lachte laut und klammerte sich an die Kopfstütze des Fahrers. „Ich glaube nicht, dass Cordy damit was anfangen kann."

„Aber ich, oder was?", schimpfte Spike und warf das verbogene Metallstück in den Fußraum.

„Entschuldige", murmelte Angel und räusperte sich. „Es ist nur…", er lachte wieder und hatte Mühe ein klares Wort zu sagen. „Wir machen uns Sorgen um den Rat. Gehen ihm so gut wie möglich aus dem Weg und von dem T’ Ruye wollen wir gar nicht erst anfangen." Er atmete unnötiger Weise tief ein. „Und jetzt…"

„...bringt uns ein durchgeknallter Vietnamese um", führte Spike den Satz zu Ende.

„Ich nix durchgeknallt", schimpfte der Chauffeur. „Nur werden Vater."

„Okay. Stopp", schrie Spike nach der nächsten Beschleunigung so laut, dass der Fahrer erschrocken auf die Bremse trat. „Jetzt reicht es", schimpfte er, befreite sich vom Gurt und sprang aus dem Wagen, kaum das dieser angehalten hatte. Er umrundete den Wagen, riss die Fahrertür auf und griff nach dem Fahrer. „Wenn du dein Kind noch sehen willst, dann lässt du mich fahren." Er hatte eine Stinklaune und konnte das leise gelbe Aufblitzen seiner Augen nicht unterdrücken.

„Spike", versuchte es Angel, der noch immer auf der Rückbank saß, doch der Blonde wiegelte sofort ab. „Keine Chance", zischte er und zog den Fahrer aus dem Wagen.

Er lehnte den vollkommen erschrockenen Mann an das Auto, zog dann seine Brieftasche heraus und fischte eine Fünfzigpfundnote aus einem Seitenfach. Er hielt sie Minh Cuong vor die Augen und funkelte ihn böse an. „Die bekommst du von mir, wenn ich den Rest des Weges fahren kann."

Sichtlich erleichtert löste Angel seinen Gurt und stieg ebenfalls aus. Er hatte ein wenig Angst gehabt, dass sein Geliebter überreagieren würde, doch im Grunde war das ein vernünftiger Vorschlag. „Ich lege noch mal Fünfzig drauf", meinte er und zog eine Banknote aus der Hosentasche. „Sie setzen sich solange auf die Rückbank und wir…"

„Okay", murmelte Minh Cuong erleichtert. Er hatte jetzt mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass er Geld dafür geboten bekam, dass er nicht fuhr. „Ich bekommen Taxi wieder am Flughafen", sagte er, nahm Angel und Spike das Geld ab und huschte in den hinteren Teil des Wagens.

„Als wenn ich was mit der Krücke anfangen könnte", brummte Spike leise und schob Angel sanft zur Seite. „Ich fahre", sagte er und der ältere Vampir nickte. „Von mir aus."

                                                                                          *******

Der Rest der Fahrt verlief angenehm ruhig und Spikes Laune besserte sich langsam wieder. „Nehmen wir den Privatflieger, den Travers uns angeboten hat, oder greifen wir doch besser auf eine Linienmaschine zurück?", wandte er sich an Angel. Er fädelte sich in die Abbiegerspur zum Flughafen ein und blickte kurz auf.

„Die Nacht wird nicht ewig dauern", erwiderte der Dunkelhaarige und zuckte mit den Schultern. „Da wir nicht wissen, wann die nächste reguläre Maschine fliegt, sollten wir vielleicht auf sein Angebot eingehen."

„Du hast Recht", nickte Spike zustimmend. „Und im Moment sind wir wohl ziemlich sicher. Immerhin will er noch was von uns. Aber wenn das erledigt ist… er wird uns nicht freiwillig bezahlen."

„Ich weiß", stimmte Angel ihm zu. „Aber darum kümmern wir uns dann." Travers würde nicht einfach mit einer solchen Geldmenge herausrücken und er hatte Wesley dementsprechend gleich einen Auftrag erteilt, kaum dass sie zurück im Hotel gewesen waren. Der ehemalige Wächter würde seine Fühler ausstrecken, alle ehemaligen Freunde einbinden und herausfinden, was es herauszufinden gab.

„Okay, Minh", meinte Spike, nachdem er der Wagen direkt vor dem Haupteingang des Airports geparkt hatte. „Jetzt gehört dein Taxi wieder dir." Er stieg aus und überreichte dem Vietnamesen den Autoschlüssel. „Alles Gute für deine Frau, dein Kind und für dich." Dann wandte er sich an seinen Geliebten, der bereits die Gepäckstücke aus dem Kofferraum hob. „Soll ich eine Gepäckkutsche holen oder schleppen wir selbst?"

Angel betrachtete seine beiden Koffer und Spikes schweren Seesack. „Kommt drauf an, wie viel du nimmst", flachste er und nickte dann. „Wir tragen es. Lass uns so schnell wie möglich verschwinden."

„Gut", meinte der Blonde und blickte dem Taxi hinterher, dass mit quietschenden Reifen aus der Parkbucht schoss. „Was für ein Spinner", murmelte er leise, doch dann legte sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht. „Habe ich das eigentlich richtig in Erinnerung?", fragte er seine Geliebten scheinheilig. „Hast du eben tatsächlich gelacht? So richtig aus dem Bauch heraus?"

„Ich, ähm…", versuchte Angel sich zu befreien. „Ich…"

„Habe gelacht." Wieder einmal führte Spike den Satz zu Ende und stellte sich vor ihn. „Das höre ich zu gerne. Aber leider viel zu selten." Für einen flüchtigen Augenblick huschte seine Hand über die Wange des ältern Vampirs und er blinzelte ihn herausfordernd an. „Neues Hotel, neues Zimmer… neues Glück."

Angel räusperte sich. „Aber dafür müssen wir erst einmal ankommen", flüsterte er leise.

„Dann nichts wie los", lachte Spike, warf sich seinen Seesack auf den Rücken und griff nach einem Koffer. „Mal was ganz anderes", meinte er dann. „Welches Datum haben wir eigentlich?"

„Den fünfzehnten März", meinte Angel überrascht. „Warum?"

„Ich habe in London ein paar Mal kleine grüne Flaggen aufblitzen sehen", meinte er, als sein Sire ihn fragend ansah. „Du bist doch Ire, oder? Eigentlich müsstest gerade du darauf kommen."

„Verdammt", fiel es Angel wie Schuppen von den Augen. „St. Patrick's Day! Na, das wird ein Spaß", schnaubte er dann. „Was meinst du, was jetzt in Dublin los ist?" Genervt schüttelte er den Kopf. „Besser hätte es kaum kommen können!"

„Ja", grinste Spike und zog das Wort in die Länge. „Jede Menge Paraden, verkleidete Besoffene und der T’ Ruye und wir mittendrin." Er lachte. „Das wird ein Mordspaß!"

                                                                                       *******

Zusammen durchquerten sie das riesige Flughafengebäude und steuerten geradewegs auf den Privathangar des Rates zu. Travers hatte ihnen nicht nur eine detaillierte Wegbeschreibung gegeben, sondern scheinbar auch Wort gehalten und ihnen den Weg freigeräumt. Kein Mensch behelligte sie, fragte nach Papieren oder Ähnlichem.

„Das ist doch mal was", brummte Spike zufrieden und setzte sich in den bequemen Ledersessel des Jets. „So lässt man sich es gut gehen." Er griff nach der Flasche Champagner und öffnete sie mit einem minimalen Zischen. „Du auch?", erkundigte er sich bei Angel.

„Warum nicht", stimmte der Dunkelhaarige zu. „Jedenfalls wird der Flug nicht allzu lange dauern. Wir kommen also noch in der Dunkelheit an."

„Von mir aus", grinste Spike und führte das Glas an die Lippen. „Hauptsache, sie haben genug von dem Zeugs hier", meinte er und hob das Glas an. „Damit übersteh ich einige Zeit. Außerdem koste ich den Rat dann noch extra was."

Das Aufdröhnen der Maschinen ließ Angel seine Antwort hinunterschlucken. Er setzte sich einfach neben sein Childe und ließ sich ein Glas Champagner überreichen. „Auf ein neues Abenteuer", murmelte er fast lautlos und trank in einem Zug das Glas leer. „Und darauf, dass wir es überleben."

Kapitel 6

In Dublin angekommen, beschlossen die beiden Vampire, die verbleibenden Nachtstunden noch zu nutzen und sich auf die Suche nach dem T’ Ruye zu machen.

„Die Reisetasche sollten wir zuvor aber noch ins Hotel bringen", bemerkte Angel, als sie im Taxi saßen, um sich in die Stadt bringen zu lassen.

„Jepp." Spike nickte zustimmend und entgegnete grinsend: „Mich wundert allerdings, dass du nicht auch noch vorher duschen willst."

„Eigentlich wollte ich schon, aber es sind nur noch drei Stunden bis zum Tagesanbruch. Daher reicht die Zeit nicht", entgegnete der dunkelhaarige Vampir, ohne Spikes Sarkasmus zu bemerken.

Spike verdrehte die Augen, verkniff sich aber jeden weiteren Kommentar und gab stattdessen dem Taxifahrer die Adresse des Hotels.

Erstaunlicher Weise war es Travers gelungen, ein Zimmer direkt am Parnell Square für die beiden zu organisieren, doch Angel war davon nicht gerade begeistert. „Was hat sich Travers nur dabei gedacht? Die große Parade geht durch diese Straße. Wir werden nicht eine Sekunde schlafen können."

„Was zur Hölle, bist du für ein Patriot? Es ist DAS Fest der Iren und du nörgelst wegen ein bisschen Lärm rum. Wir werden mitfeiern, klare Sache."

Angel seufzte. Spike nahm nie etwas wirklich ernst. „Mich wundert, wie du all die Jahre überlebt hast, bei deiner Sorglosigkeit."

„Ganz einfach, ich mach mir nicht immer über alles stundenlang Gedanken. Wenn das Problem da ist, ist es noch früh genug", entgegnete der Blonde unbekümmert. „Also was ist? Ich will sehen, was da bei eurem Fest so abläuft. Bist du dabei?"

„Von mir aus, aber erst nachdem wir den T’ Ruye erledigt und das Tor geschlossen haben", gab sich Angel geschlagen.

„Klasse! Soweit ich weiß, ist es so ähnlich wie Halloween und wir haben unsere Masken ja immer mit." Spike grinste seinen Sire an und ließ seine Augen kurz gelb aufblitzen.

Angel packte Spike vorne am T-Shirt und knurrte, „Ich warne dich, du wirst keine Menschen erschrecken, bedrohen oder sonst was. Hast du mich verstanden?"

„Ach, werde ich nicht? Was willst du dagegen machen, Peaches?"

„Willst du das wirklich wissen, CHILDE?", fragte Angel gefährlich leise und Spike zuckte die Schultern. „Na gut, dann halt keinen Spaß. Spielverderber", brummelte er noch leise hinterher und verschränkte schmollend die Arme vor der Brust, nachdem Angel ihn losgelassen hatte.

Angel lächelte selbstzufrieden. Es machte ihm immer wieder Spaß, den Sire raushängen zu lassen, auch wenn ihm vollkommen bewusst war, dass Spike weder Respekt noch Angst vor ihm hatte, wenn es wirklich darauf ankam. Gerade deswegen wunderte sich der dunkelhaarige Vampir, wieso Spike hin und wieder so devot reagierte. ‚Irgendwann krieg ich es heraus’, dachte Angel, während der Taxifahrer seinen Wagen vor dem Hotel anhielt.

Die beiden stiegen aus und Angel bezahlte.

„Ich sehe mich mal um, während du die Tasche ins Hotel bringst. Wir treffen uns in...,sagen wir, zehn Minuten vor dem Pub da drüben?", schlug Spike vor und zu seinem Erstaunen nickte Angel nur und ging auf den Eingang des Hotels zu.

„Das war ja leicht", wunderte sich der blonde Vampir, machte sich aber keine weiteren Gedanken darüber.

Sein Blick schweifte suchend durch die Menge, die johlend und tanzend durch die Hauptstraße zog. Spike konnte nichts entdecken, das in irgendeiner Weise auffällig gewesen wäre, zumindest was den T’ Ruye betraf.

Ein junges Mädchen, in einem aufreizendem Stubenmädchenkostüm, legte plötzlich ihre Hand auf seine Brust. „Na Süßer was ist mir dir? Kein Kostüm? Keine gute Laune? Ich wette, zumindest das Zweite kann ich ändern", säuselte sie und schmiegte sich an Spike, während sie mit den Wimpern klimperte.

Spike schaute ihr direkt in die Augen, legte seinen linken Arm um ihre Taille und zog sie eng an sich. Sie roch so gut. Warm und frisch pulsierte ihr Blut in ihren Adern und unwillkürlich trat Spikes Dämon an die Oberfläche, während er mit dunkler Stimme flüsterte, „Das glaube ich dir sofort, Pet, und ich könnte dafür sorgen, dass du es in alle Ewigkeit tust."

„Wow, das ist ja geil. Wo hast du denn diese tolle Maske her? So eine will ich für nächstes Jahr haben."

„Sie war das Geschenk meines Sires und du solltest vorsichtig sein mit dem, was du dir wünscht", hauchte Spike ihr ins Ohr und leckte über ihren Hals.

„SPIKE!" Angels Ruf war so laut, dass er den Lärm auf der Straße übertönte und Spike grinste. Natürlich hatte er die Anwesenheit seines Sires gespürt und sich daher diesen Spaß erlaubt. Angel in Rage zu bringen machte immer wieder Freude, auch wenn Spike zugeben musste, dass es ihn sehr viel Selbstbeherrschung kostete, seine Zähne nicht in das zarte Fleisch dieses Mädchens zu versenken, seinen Mund mit ihrem Blut zu füllen und diesen köstlichen Geschmack auf seiner Zunge zu fühlen, während es seine Kehle streichelte. Leise seufzend schob er die Kleine von sich. „Spike? Ist das dein Name? Lustig", lachte sie leise. „Und wer ist der hübsche Große, der so nach dir brüllt?"

„Mein Herr und Meister, zumindest bildet er sich das ein. Ignorier ihn einfach", entgegnete der blonde Vampir, sehr wohl wissend, dass Angel ihn hörte.

„Spike!" Angels Stimme war ein gefährliches Knurren. Er packte sein Childe an den Schultern und riss ihn an sich.

„Eifersüchtig, Liebes?", wollte Spike grinsend wissen und verwandelte sich zurück.

Angel knurrte erneut, als sich das Stubenmädchen wieder zu Wort meldete. „Ihr gehört zusammen", stellte sie fest, strahlte nun auch Angel an und schmiegte sich an seine Seite. „Ich hätte auch nichts gegen einen Dreier einzuwenden."

„Griffel weg von meinem Eigentum, du blödes Miststück. Er ist nicht interessiert, verstanden? Mach dich vom Acker und das ein bisschen plötzlich, sonst wirst du den nächsten, verdammten St. Patricks Day nicht mehr erleben. Ist das angekommen?" Wütend stieß Spike sie von Angel weg und baute sich drohend vor ihr auf.

Die junge Frau verdrehte nur die Augen. „Gott, dass ihr Schwuchteln euch immer so anstellen müsst. Ein bisschen Abwechslung ist doch nett. Ihr solltet es mal versuchen", grummelte sie und verschwand in der Menge.

„Eifersüchtig?", flüsterte Angel seinem Childe grinsend ins Ohr und legte ihm seinen Arm um die Mitte, doch Spike stieß ihn weg und brummte, „Blödmann! Los, wir sind nicht zum Vergnügen hier. Suchen wir den verdammten T’ Ruye. Irgendwo muss dieses Biest ja seine Spuren hinterlassen haben. Also streck deine Schnüffelnase in die Luft und schnüffle", verlangte der Blonde und zog ebenfalls die Luft durch seine Nüstern.

Sofort stieg feiner Blutgeruch in ihre Nasen und sie folgten dem Duft, der sie in eine kleine Gasse führte.

„Und du bist doch eifersüchtig. Ich wusste es. Du willst nicht, dass mich jemand anderer anrührt", sagte Angel zufrieden, während er neben Spike herlief.

„Bilde dir bloß nichts ein. Dieses Miststück ist keine Konkurrenz für mich", entgegnete Spike selbstgefällig. Natürlich konnte er es nicht leiden, wenn jemand seinen Engel anfasste und natürlich würde er es nie zugeben. Schließlich war er kein Weichei.

Plötzlich blieb Spike stehen.

Auch Angel stoppte seinen Schritt und schaute fassungslos auf die vielen Leichen, die sich in der schmalen Nebengasse stapelten. „Verdammt! Was für ein Massaker. Wir müssen den T’ Ruye so schnell wie möglich aufhalten."

„Da kann ich dir nur zustimmen. Er hat sich an den Eingeweiden dieser Menschen satt gefressen, wie du sehen kannst. Jetzt schläft er irgendwo und es wird schwierig sein, sein Versteck zu finden. Andererseits wäre es gut, wenn wir ihn im Schlaf überraschen könnten."

„Doch wir dürfen ihn nicht töten, denn er muss uns zum Dimensionstor führen", warf Angel ein und Spike schnaubte. „Dann bin ich mal gespannt, wie du das anstellen willst. Ihn freundlich fragen?"

„Freundlich, und zwar auf unsere Art", knurrte Angel grimmig, seinen Blick noch immer über die toten Menschen schweifen lassend. „Wir müssen schnellstens herausfinden, wo dieses Monster haust."

„Suchen wir eine Dämonenbar. Die gibt es überall. Ich bin ziemlich sicher, dass wir da erfahren, was wir wissen wollen."

„Gute Idee und ich kenne sogar einige hier in Dublin. Zumindest gab es sie, als ich mit Darla hier war. Natürlich nannte man sie früher nicht Bars, sondern Schenken, aber..."

„Erspar mir genaue Erklärungen darüber. Wenn ich so etwas hören will, rufe ich Giles an. Bring uns zu einer dieser verfluchten Schenken, - Bars,... was auch immer. Wir mischen die Gäste dort auf, bis sie uns sagen, was wir wissen wollen. Dann schnappen wir uns diesen verdammten T’ Ruye, schmeißen ihn in seine Dimension zurück, vorher killen wir ihn natürlich und dann ab in den nächsten Flieger nach Hause."

„Ich dachte du willst, wenn wir hier fertig sind, noch ein paar Tage in London bleiben?", fragte Angel verwundert und bog in eine breitere Seitenstraße ein.

„Nope, das Essen ist immer noch miserabel und der Nebel geht mir auch auf die Nerven. Außerdem ist es zu dieser Jahrszeit verdammt kalt. Ich will nach Hause."

„Ich weiß, was du meinst", sinnierte der dunkelhaarige Vampir. „Ich freute mich irgendwie darüber, wieder in die alte Heimat zu kommen. Das war, ehrlich gesagt, mit ein Grund, diesen Auftrag anzunehmen. Aber es ist einfach nicht mehr unsere Welt."

Spike nickte und Angel blieb plötzlich vor einer verkommenen, alten Tür stehen.

„Sieht nicht so aus, als gäbe es diese Bar noch", bemerkte Spike stirnrunzelnd. „Aber was zum Geier haben wir erwartet? Schließlich ist es fast 250 Jahre her."

„Die Schenke ist im Keller und da die Iren so traditionell wie die Engländer sind, bin ich sicher, es gibt sie noch."

Angel versuchte die Tür zu öffnen und sie schwang auch tatsächlich auf, auch wenn sie in den Angeln quietschte.

Äußerst wachsam betraten sie das Haus. „Jepp, zumindest ist es ein öffentliches Gebäude, wir konnten ungehindert rein", bemerkte Spike und unter Angels Führung schritten sie die ausgetretene Steintreppe hinunter.

Sie hörten auf einmal lärmende Geräusche, denen sie folgten. Der verdreckte Flur machte zwei Biegungen und wieder standen sie vor einer Tür, die jedoch nur angelehnt war. Spike drängte sich neugierig an Angel vorbei, stieß die Tür auf und stellte nach einem kurzen Blick fest, „Hier ist die Zeit tatsächlich stehen geblieben. Jack the Ripper hätte seine wahre Freude an dem Schuppen. Na, dann wollen wir mal."

Die Gespräche verstummten augenblicklich, als die beiden eintraten und sich auf den Tresen zubewegten. Alle Anwesenden starrten auf die Neuankömmlinge und begannen gleich darauf zu tuscheln. Spike schien das nicht zu kümmern, doch Angel beobachtete jede kleinste Regung in dem Raum.

„Gibt es Whiskey in diesem Saftladen? Wenn ja, dann gib mir zwei Flaschen und keine Gläser, so dreckig wie die sind, würde es sogar mich umbringen."

„Du machst dich nicht gerade beliebt", zischte Angel Spike zu und machte sich auf einen Angriff gefasst, der erstaunlicher Weise ausblieb und selbst der Wirt schien sich an den Worten Spikes nicht zu stören, sondern stellte zwei verstaubte Flaschen vor sie hin.

Spike zuckte indessen unbekümmert mit den Schultern, griff nach einer der Flaschen und entkorkte sie mit den Zähnen. „Wir sind nicht hier, um Freundschaften zu schließen. Außerdem habe ich Lust auf eine ordentliche Prügelei und ein bisschen Training kann nie schaden."

„Deine Verrücktheit grenzt schon an Wahnsinn", stellte Angel murmelnd fest und Spike grinste. „Und noch ein Grund, wieso du mich liebst."

Angel wollte gerade dementieren, obwohl sie beide wussten, dass Spike recht hatte, als eine orkanartige Stimme durch den Raum brüllte, „Angelus! Was, zur Hölle, machst du denn hier?"

Teil 7

Jedes Geräusch verstummte augenblicklich wieder. Die Stille schien beinahe greifbar und Spike sah erstaunt auf. „Oh! Man kennt dich", meinte er spöttisch zu Angel. „Bekannt wie ein bunter Hund!" Er lachte leise, aber niemand achtete auf ihn. Alle Anwesenden hatten ihren Blick auf Angel gerichtet, dessen Miene nichts Gutes verhieß.

Doch der Dunkelhaarige reagierte nicht auf Spikes Aussage. Er blickte angespannt in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Allerdings saßen dort einfach zu viele Dämonen, als dass er genau sagen konnte, wer gesprochen hatte.

„Was denn?", ein Barhocker schrammte über den steinigen Boden und ein Vampir in Kampfmodus stand auf. „Kennst du mich etwa nicht mehr?"

Spike, unbekümmert wie immer, wollte einen flapsigen Spruch loslassen, doch Angel bremste ihn mit einem bitterbösen Blick. „Wie sollte ich dich jemals vergessen, Jeremias?"

                                                                                        *******

Das ist also Jeremias?’, überlegte Spike und betrachtete den näher kommenden Vampir aufmerksam. Er konnte sich noch gut an die Gerüchte erinnern, die damals nur hinter vorgehaltener Hand erzählt wurden. Und das, obwohl alles bereits lange vor seiner eigenen Zeit als Dämon geschehen sein musste.

Drusilla hatte ihm davon berichtet. Seine durchgeknallte Ex-Geliebte hatte wie ein kleines Schulmädchen gekichert, sich dann ganz klein zusammengekauert und ihn heran gewunken. „Darla war unartig", hatte sie ihm zugeflüstert. „Ein ganz böses Mädchen! Sie wollte meinen Engel testen."

Verschwörerisch hatte sie sich einen Finger auf den Mund gelegt und ihn beinahe hypnotisierend angesehen. „Es war ein Spiel. Sie wollte wissen, wie stark Angelus wirklich ist und hat sich mit einem furchtbar hässlichen Vampir eingelassen." Verrückt wie sie war, hatte sich Drusilla hin und hergewiegt und leise gesungen. „Angelus hat es ihr gezeigt", hatte sie gemurmelt. „Er hat ihr seine Macht demonstriert!" Ihre Hände hatten sich schlangengleich durch die Luft bewegt und sie hatte leise gelacht.

Spike hatte noch eine lange Zeit gebraucht, bis er die ganze Geschichte aus ihr herausgekitzelt hatte. Das Ende vom Lied war, dass Angelus ein wahres Gemetzel unter seinesgleichen veranstaltet hatte. Dieser Jeremias hatte zu der Zeit eine Menge Dämonen um sich geschart und er hatte sich sicher gefühlt. Vielleicht zu sicher. Angelus hatte das hingegen nicht weiter gestört. Er hatte sich Einen nach dem Anderen gegriffen, ihn gefoltert, verstümmelt oder auch einfach nur vernichtet.

Und wenn Spike Drusillas Worten Glauben schenken konnte, dann hatte sich der dunkelhaarige Vampir besonders viel Zeit mit Jeremias gelassen. Er hatte ihn über Wochen geschlagen, gefoltert und gequält. Solange, bis er einfach die Lust daran verloren hatte. Spike hatte bis heute nicht gewusst, ob es wahr war, aber Drusilla hatte ihm kichernd erzählt, dass Angelus den Vampir am Leben gelassen hatte. Allerdings sollte er ihm einen gewissen Teil der männlichen Anatomie abgeschnitten haben und schon damals hatte sich alles in ihm zusammengezogen.

Unwillkürlich schüttelte sich Spike, doch dann musste er grinsen. ‚Ab ist ab!’, dachte er vergnügt. Bei Vampiren verheilten Wunden einigermaßen schnell, doch was einmal vom Körper abgetrennt war, wuchs nie wieder an.

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„Was willst du hier?", zischte Jeremias böse und baute sich breitbeinig von Angel auf.

„Das geht dich einen Scheißdreck an", erwiderte der Dunkelhaarige mit einem herablassenden Lächeln im Gesicht. „Geh mir einfach aus dem Weg!" Angels Stimme war eisig und er strahlte eine immense Macht aus.

„Ich denke gar nicht daran", fauchte Jeremias zornig. „Auf diesen Moment warte ich seit über hundertundvierzig Jahren!"

Vorsichtig blickte Spike sich um. Scheinbar hatte dieser komische Kauz von einem Vampir wieder einige Männer dabei und er nahm sicherheitshalber schon einmal Kampfhaltung ein. Bisher verhielten sich die anderen Dämonen zwar ruhig und beobachteten die Situation aus sicherer Entfernung, aber ihre Haltung zeigte, dass sie auf dem Sprung waren. Jedes weitere Wort konnte das bekannte Zünglein an der Waage sein und er wollte nicht unvorbereitet sein.

„Es wird keine weitere Warnung geben", drohte Angel und überließ seinem Dämon die Vorherrschaft. „Verschwinde einfach. Du hast schon einmal gegen mich verloren." Tiefste Verachtung schwang in Angels ruhiger Stimme mit. „Willst du dir diese Blamage ein weiteres Mal antun?"

„Pah", machte Jeremias abfällig. „Ich habe gehört, du hättest dich in einen Schmusetiger verwandelt. Ein Vampir mit einer Seele!", er lachte laut auf. „Du sollst keiner Fliege mehr etwas zuleide tun können." Er blickte sich um, suchte Unterstützung bei den anderen dämonischen Gästen, doch niemand rührte sich. „Ich habe lange auf meine Rache warten müssen", schnauzte er dann. „Jetzt endlich ist es soweit. Mit einem zahnlosen Vampir weder ich locker fertig. Oder bist du doch nicht so harmlos, wie alle behaupten?"

„Das wirst du nie erfahren", fauchte Angel leise. Mit nur einer einzigen schnellen Bewegung zog er einen Pflock aus der Innentasche seiner Jacke und rammte ihn in das tote Herz seines Gegenübers. „Sonst noch jemand?", knurrte er und sah sich herausfordernd um.

Die Vampire, Dämonen und die wenigen Menschen hoben abwehrend die Hände und drehten sich schnell weg. Keiner hatte den Mut, sich gegen ihn zu stellen.

„Du hast wirklich eine Menge Freunde", grinste Spike fies. Er entspannte sich und pustete den Vampirstaub von den Whiskeyflaschen. „Warum hast du ihn gepfählt? Es fing gerade an, lustig zu werden."

„Wir sind gerade erst angekommen", brummte Angel. „Ich hatte keine Lust, gleich die gesamte Dämonengemeinde dieser Stadt gegen uns aufzubringen!" Noch immer wachsam ließ er seine Blicke über die anderen Gäste schweifen.

„Hast du ihm wirklich den Schwanz abgeschnitten?", erkundigte sich Spike gut gelaunt und fing sich dafür einen weiteren bösen Blick ein. „Was?", fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. „Je mehr Leute Bescheid wissen, desto mehr Ruhe haben wir. Ich kann mir kaum vorstellen, dass auch nur ein Gast dieses Etablissements die nächsten hundertvierzig Jahre ohne seinen Schwanz verbringen möchte." Er grinste den Barkeeper an, zog einen Barhocker ab und setzte sich darauf. „Also, hast du ihm das Ding abgeschnitten, oder nicht?"

„Nein", knurrte Angel böse. „Eine glühende Kohlenzange leistet bessere Dienste!" Grimmig blickend setzte er sich neben Spike und entkorkte die angebotene Flasche. Er wusste, was Spike vorhatte. Wenn die Dämonen in Dublin erst einmal Angst hatten, war es vielleicht leichter, sie zum Sprechen zu bringen. Aber das Ganze konnte auch schnell ins Gegenteil abdriften und er hatte keinerlei Lust auf einen Krieg.

Die Unterhaltung in der verdreckten Kaschemme kam nur langsam wieder in Schwung. Spike setzte seine Whiskeyflasche an die Lippen und ließ sich die bernsteinfarbene, brennende Flüssigkeit in die Kehle laufen. Er kannte Angel gut genug, um jetzt die Klappe zu halten. Jeremias hätte für diesen Abend gereicht, aber er hatte die Nerven seines Geliebten mit dem letzten Gespräch bis zum Zerreißen strapaziert und er wollte lieber einen Gang zurückschalten.

„Hey, Barkeeper", rief er den schmuddeligen Mann, der ihn mit seinen zurückgegelten Haaren an Willie erinnerte. „Ich habe eine Frage an dich!"

Der Wirt näherte sich nur langsam. „Was willst du?" fragte er vorsichtig.

„Wir suchen einen Dämon", grinste Spike fies. Er konnte die Angst des Mannes fühlen und machte sich einen Spaß daraus, ihn leise anzuknurren. „Einen T´Ruye, um genau zu sein. Weißt du zufällig etwas darüber?"

„Ich weiß gar nichts", erwiderte der Barkeeper schnell. „Überhaupt nichts!" Er riss ein schmutziges Handtuch an sich und verschwand schnell wieder ans andere Ende der Theke.

„Das hat keinen Sinn", brummte Angel und nahm einen tiefen Schluck Whiskey. „Lass uns von hier verschwinden!" Er stand auf und wartete, bis Spike es ihm nachtat. „Der Wirt wird seinen Gästen schon erzählen, weswegen wir hier sind. Wir kommen morgen wieder. Ich will jetzt ins Hotel! Duschen und schlafen!"

Der blonde Vampir nickte. „Von mir aus. Es wird bald hell und wir können eh nicht mehr viel unternehmen." Im Gegensatz zu Angel, der seine Flasche einfach auf die Theke gestellt hatte, verschloss er sie wieder mit dem Korken und steckte sie in seine Manteltasche.

 

Zusammen verließen sie die Bar und Angel entspannte sich merklich, als er auf die menschenleere Straße trat. „Das hatte ich mir etwas anders vorgestellt", sagte er leise und atmete unnötigerweise tief ein.

„Warum warst du so sauer?", fragte Spike ebenso leise. Er wollte keinen Streit vom Zaun brechen, aber er wollte eine Antwort. „Hast du erwartet, dass sie dich hier mit offenen Armen empfangen? Ich fand das Ganze eher lustig."

„Das kann ich mir vorstellen", schnappte Angel ein. „Du erkennst den Ernst der Lage ja nie!"

„Ernst der Lage?", wiederholte Spike. „Den habe ich durchaus erkannt! Bloody Hell! Es waren über fünfzig Dämonen da unten", meinte er und deutete mit dem Kopf auf die Tür, aus der sie eben getreten waren. „Das hätte übel enden können!" Er machte eine Pause und sah seinem Geliebten fest in die Augen. „Aber was du anscheinend nicht begreifst, ist, dass du und Angelus zusammengehören", erklärte er und bremste Angel aus, als dieser etwas erwidern wollte. „Wir sind hier nicht in L.A.! Die wenigsten Leute, Dämonen oder was auch immer, kennen dich als Angel. Aber Angelus ist auf der ganzen Welt bekannt und gefürchtet. Und auch, wenn er jetzt kein Teil deines Lebens mehr ist, so solltest du doch diese Vorteile nutzen, die dir diese Bekanntheit bietet."

„Was auch immer", brummte Angel unwirsch. „Diese Art Bekanntheit kann uns auch eine Menge Ärger einhandeln!" Sein Geliebter hatte auf gewisse Art und Weise Recht. Das gleiche traf immerhin auch auf ihn zu. Auch William, the Bloody war nicht gerade ein Opferlamm gewesen. Aber im Gegensatz zu Spike, konnte er mit seiner Vergangenheit nicht so leicht leben. „Lass uns gehen", meinte er und nickte. „Es wird Zeit."

 

Wortlos schritten sie durch die Nacht, erreichten schließlich das Jurys Inn am Parnell Square und bekamen vom Nachtportier die Schlüssel ausgehändigt.

„Hast du das Zimmer eigentlich schon gesehen?", fragte er Angel, als sie in den vierten Stock hinauffuhren.

„Nein. Ich habe nur das Gepäck am Empfang abgegeben", erwiderte der Dunkelhaarige mit hochgezogenen Augenbrauen. „Warum?

„Och", grinste Spike spitzbübisch. „Ich bin nur gespannt, was wir diesem Mistkerl Travers wert sind. Übernachten wir in einer Besenkammer oder hat er uns tatsächlich ein vernünftiges Zimmer gebucht?"

„Hast du dich eben mal in der Lobby umgesehen? Das hier ist vielleicht nicht das nobelste Hotel der Welt, aber billig ist es hier nicht."

„Das kommt darauf an", lachte Spike und ergriff die Hand seines Geliebten. „Je nachdem, wie weit Travers Einfluss reicht. Er könnte uns sicherlich eine Besenkammer angemietet haben."

„Das sollte er sich lieber nicht wagen", erwiderte Angel knurrig. Er hatte keine Lust auf weitere Überraschungen und trat aus dem Fahrstuhl. Er blickte den Gang herab, suchte nach der Zimmernummer und deutete nach rechts. „Da lang", meinte er und wartete auf Spike.

Es waren nur wenige Schritte bis zu ihrem Zimmer und Angel steckte den Schlüssel ins Schloss. „Dann lassen wir uns mal überraschen!"

Kapitel 8

„Aber hallo, Travers muss eine Scheißangst wegen des T´Ruye haben. Er bietet uns ja Einiges", stellte Spike grinsend fest und trat nach Angel in das Zimmer ein.

Auch Angel war beeindruckt. Der Raum war groß und im altenglischen Stil eingerichtet. Seidentapeten zierten die Wände und am Fenster stand eine Chippendale - Sitzgarnitur. Daneben eine Kommode und ein Schrank. Doch ein riesiges Himmelbett war es, welches den Raum dominierte.

Besonders begeistert war Angel jedoch von dem Kamin, in dem ein knisterndes Feuer brannte. Magisch angezogen ging Angel darauf zu und wärmte sich die Hände.

„Bleib von dem verdammten Feuer weg. Ich habe keine Lust, alleine gegen den T´Ruye zu kämpfen, nur weil du dich abfackelst", maulte Spike sofort, doch Angel konnte erkennen, wie besorgt Spikes Stimme klang und der dunkelhaarige Vampir musste schmunzeln.

Inzwischen wusste Angel, das war Spikes Art einer Liebeserklärung. Daher ging Angel zu Spike, der den Kühlschrank entdeckt hatte und gerade zwei Blutbeutel herausnahm, um sie in die Mikrowelle auf der Anrichte zu legen. Doch dazu kam er nicht, da Angel seine Arme um sein Childe legte und ihm ins Ohr flüsterte, „Ich dich auch."

„Logisch, du kannst gar nicht anders", brummelte der Blonde selbstzufrieden und schmiegte sich in die Umarmung seines Sires. Kurz genossen sie das Gefühl dieser Verbundenheit, bis Angel seine Arme löste. „Ich gehe duschen", verkündete er und verschwand im Badezimmer.

„Logisch, du kannst gar nicht anders", stellte Spike auch diesmal fest und seufzte missmutig. Er hatte nach Angels Umarmung eigentlich erwartet, dass Angel was anderes machen wollte als duschen. Doch davon wollte Spike sich nicht irritieren lassen und in ihm reifte ein Plan, den er auch sogleich ausführte.

Als er damit fertig war, schaute er sich sein Werk zufrieden an. ‚Jede Wette, das wird meinem Engel gefallen’, dachte er und zog sich aus, um ebenfalls zu duschen. Als er das Badezimmer betrat, hörte er wie Angel leise vor sich hinsummte.

‚Wenigstens singt er nicht’, dachte Spike und schob die Duschwand leise auf, um in die Kabine zu schlüpfen. Angel tat so, als hätte er nichts von Spikes Anwesenheit bemerkt und wusch sich weiterhin das Haar, während Spike nach dem Duschgel griff, sich eine ordentliche Portion in die Hand schüttete und begann Angels Rücken einzuseifen.

Beginnend an den breiten Schultern, liess Spike sich Zeit. Extrem langsam massierte er die Muskeln an beiden Seiten der Wirbelsäule, glitt mit seinen Händen tiefer und Angel schloss voller Erwartung die Augen.

Spike grinste diabolisch und nahm seine Hände weg, bevor sie Angels Pobacken erreichten und begann sich nun selbst zu waschen.

Angels tiefes, gefährliches Knurren dabei gänzlich überhörend, fing der Blonde an zu berichten. „Das Blut, welches wir im Kühlschrank haben, reicht locker für zehn Tage. Was denkt Travers eigentlich, wie lange wir brauchen, um einen verdammten T´Ruye zu killen und ein blödes Tor zu schließen."

„Spike, das interessiert mich jetzt nicht", schnaubte Angel, ohne sich umzudrehen.

Der blonde Vampir entgegnete gespielt erstaunt, „Nicht? Sollte es aber, denn deswegen sind wir doch hier."

„Spike! Ich habe hier ein Problem", erklärte Angel, ohne genauer darauf einzugehen und drehte sich langsam um.

Der Blonde wusste sehr wohl, um welches Problem es sich dabei handelte, schließlich ragte es deutlich in die Höhe, doch Spike hatte einen Plan, den er unbedingt durchführen wollte. Daher entgegnete er ungerührt: „Ich bin sicher, du kannst dein Problem selbst in die Hand nehmen. Bist ja schon ein großer Junge."

Noch bevor Angel etwas erwidern konnte, war Spike aus dem Badezimmer verschwunden und Angel keuchte fassungslos: „Was bildet sich dieses verdammte Childe eigentlich ein? Ich bin sein Sire, ich könnte ihm befehlen, mir zur Hand zu gehen. Okay", grummelte Angel, während er sich wütend abtrocknete, „eher friert die Hölle ein, als dass Spike einen meiner Befehle Folge leisten würde, aber trotzdem verstehe ich es nicht. Er ist doch sonst ganz scharf darauf, mich anzufassen, warum nicht heute? Gefalle ich ihm nicht mehr? Genüge ich ihm nicht mehr?" Angel machte sich echte Sorgen und daher war er ziemlich niedergeschlagen, als er ebenfalls das Badezimmer verließ.

Doch der Anblick, der sich ihm bot, als er ins Wohnzimmer kam, brachte ihn unwillkürlich dazu tief einzuatmen. Spike lag lasziv auf einem Berg von Decken und Kissen vor dem Kamin und lächelte seinen Sire verführerisch an. Das Licht der flackernden Flammen zeichnete bizarre Muster auf Spikes makellose Haut und die blauen Augen leuchteten in einem dunklen, fast schwarzen Blau.

Angels „Problem" wuchs augenblicklich und schon fast schmerzhaft an, doch er war unfähig, sich zu rühren. Voller Faszination starrte er auf sein wunderschönes Childe, der in jeder Hand ein Glas hielt und eines davon Angel entgegenstreckte. „Komm her, mein Sire, und trink. Dann werde ich mich um dein Problem kümmern. Genau hier, am warmen Feuer, so wie du es liebst."

Spikes Stimme klang dunkel und erotisch. Wie hypnotisiert bewegte sich Angel auf sein Childe zu, sank neben ihm in die Kissen und ergriff das Glas. Sofort roch er den edlen Rotwein, dem eine kleine Portion Blut beigemengt war und er lächelte Spike an, bevor er ihm zuprostete und sein Glas leer trank. Spike tat es seinem Sire gleich und nachdem sie ihre Gläser weggestellt hatten, kümmerte sich Spike, wie versprochen, um Angels „Problem". Mehrmals sogar und mit ganzem Körpereinsatz.

~*~

„Mmmhh, nicht bewegen", murmelte Angel, zog Spike noch näher an sich und vergrub sein Gesicht in dessen Haar. Angel fühlte sich wundervoll. Sie hatten den ganzen Tag vor dem Kamin verbracht. Spike hatte seinen Sire mit Früchten, wunderbaren französischen Käsesorten und bestem spanischen Wein verwöhnt. Und sein geliebtes Childe hatte seinem Sire zudem auch noch all seine erotischen Wünsche erfüllt. Angel wäre am liebsten bis in alle Ewigkeit hier liegengeblieben, doch leider schein sein Geliebter andere Pläne zu haben. Zwar küsste er Angel leidenschaftlich, doch dann wand er sich aus dessen Arme und stand auf.

„Los alter Mann, unter die Dusche. Die Nacht bricht an und ich brauche Aktion."

„Wir hatten doch Aktion, sehr viel davon. Komm wieder her", forderte Angel und kuschelte sich in das Kissen.

„Falls du es vergessen hast, wir sind die Helfer der Hilflosen und so weiter, also beweg deinen faulen Hintern gefälligst aus dem nicht vorhandenen Bett, sonst ist nix mit poppen für mindestens zwei Monate, verstanden?", drohte Spike streng und das genügte, damit Angel sich sofort erhob. ‚Soviel dazu, dass ich der Sire bin und das Sagen habe’, dachte er missmutig und rieb sich den steifen Nacken.

„Geht doch", grinste der Blonde und ging betont langsam auf die Badezimmertür zu, nicht ohne verführerisch mit seinem Hinterteil zu wackeln.

Angel schluckte bei der wunderbaren Aussicht und befand, dass Duschen eine ausgezeichnete Idee war. Schnell wollte er seinem Childe folgen, als es an der Tür klopfte.

„Nein!", schnaubte der dunkelhaarige Vampir ungehalten, zog dann jedoch rasch was über und begab sich zur Tür. Er öffnete sie und davor stand ein kleiner dicklicher Mann, den Angel sofort als Vampir erkannte. „Was zur Hölle willst du?", knurrte er ihn an und bemerkte mit Erschrecken, dass er einen von Spikes Sprüchen verwendete.

„I...ich bin Rufus, Mister Angelus, uund ich...ich...bbin hier, weil ich Informationen wegen des T´Ruye habe, den Sie, wie ich gehört habe, suchen, Sir", stotterte der Vampir und senkte den Blick ängstlich zu Boden.

’Spike hatte recht, mein alter Ruf ist hier von Nutzen’, dachte Angel, packte Rufus am T-Shirt und zog ihn ins Zimmer. „Rede schon! Wo finden wir ihn?", herrschte Angel Rufus an, der kleinlaut fragte: „Wenn ich es Ihnen sage, nehmen Sie mich dann mit nach Amerika?"

„Kann sein, kommt darauf an, ob deine Informationen so viel wert sind, wie du behauptest", meldete sich Spike zu Wort, der wieder als dem Badezimmer gekommen war, nachdem er Angel reden gehört hatte.

Rufus nickte eifrig, „Ich bringe Sie in sein Versteck und Sie werden sehen, dass ich die Wahrheit sage, Mr. William the Bloody – Sir."

Spike verdrehte die Augen und befahl, „Dann setz dich hin, du Trottel, bis Mr. Angelus – Sir, und Mr. William the Bloody – Sir, für ihren Auftritt fertig sind."

Rufus tat wie ihm geheißen und die beiden Vampire begaben sich ins Bad.

„Wenn der so blöd ist, wie es den Anschein hat, finden wir den T´Ruye in 100 Jahren nicht", mäkelte Spike, während er mit Angel unter der Dusche stand.

„Er wird es nicht wagen, uns anzulügen", kommentierte Angel und widmete sich dann erneut Spikes Körper.

Später, sehr viel später, als die beiden geduscht und angezogen wieder ins Wohnzimmer kamen, saß Rufus noch immer schön brav, wie Spike es ihm befohlen hatte, auf dem Stuhl.

„Los, du Schande unserer Rasse. Beweg deinen hässlichen Kadaver und zeig uns, wo sich der T´Ruye aufhält", verlangte Spike und Rufus stand hastig auf und eilte voran.

Fast eine Stunde rannten sie durch Dublins Straßen, was Spike dementsprechend kommentierte. Rufus stammelte eine Entschuldigung nach der anderen und erklärte wieder und wieder, dass es nicht mehr weit sei. Sie gelangten in ein Gebiet, welches Angel wohlbekannt war.

Stofffärber und Kleidermacher hatten hier ihre Häuser gehabt und Angelus hatte hier so manche der Arbeiterinnen über die Tröge gelegt, um es mit ihr zu treiben.

Vor einem halbverfallenem Haus hielt Rufus plötzlich an und flüsterte: „Hier hat er seine „Speisekammer". In einem großen Käfig hält er Menschen gefangen, um sie zu fressen, wenn er gerade nicht durch Dublin wütet."

„Woher weißt du das?", fragte Angel argwöhnisch und der Vampir antwortete grinsend. „Ich hab’s gesehen. Immer, wenn er mal wegging, bin ich ins Haus geschlichen und habe an seinen Menschen genascht. So musste ich nie jagen, denn das ist doch ziemlich anstrengend."

„Hätte dir gut getan, dann wärst du nicht so fett", stellte Spike nach einem weiteren, geringschätzigen Blick auf Rufus fest, doch der plapperte ungeniert weiter. „In Amerika, so sagt man, soll es viel leichter sein an Beute zu kommen. Darum will ich hin, denn es ist auf Dauer zu gefährlich für mich, an die Beute des T´Ruye zu gehen. Wir haben einen Deal", forderte Rufus bestimmt und Spike sagte zu Angel gewandt. „Also ich finde, wir haben genug Vampire in L.A. Was denkst du, Sire?"

„Sehe ich genauso, Childe und dann sind da noch die Einfuhrbestimmungen. Die Behörden sind ja so pingelig", bemerkte Angel und verdrehte seufzend die Augen.

Rufus schaute verständnislos zwischen den Beiden hin und her, denn er verstand nicht wirklich, was hier vor sich ging, doch Spike redete schon weiter. „Eben und dann der Seuchenschutz und der ganze andere Kram. Er ist die Mühe nicht wert."

Der konfuse Gesichtsausdruck blieb in Rufus` Gesicht, bis er zu Staub zerfiel. Ungerührt steckte Angel den Pflock wieder ein und bemerkte, „Du hattest völlig recht, Amerika braucht Rufus nicht."

Spike grinste daraufhin. In solchen Situationen mochte er diesen Hauch von Angels Alter Ego. Daher öffnete er leise die Tür des Gebäudes, verbeugte sich übertrieben und flüsterte, „Nach dir, mein Sire."

Die große Halle war bis auf den Käfig leer. Die beiden Vampire sahen sich aufmerksam um, bevor sie sich dem Käfig näherten. Fünf Menschen drängten sich verängstigt gegen die rückwärtigen Stäbe. Angel versuchte sie zu beruhigen, indem er sagte:„Keine Angst, wir sind hier, um euch herauszuholen. Weiß einer von euch, wo der Dämon den Schlüssel hat?"

Wollte er wissen, nachdem er das stabile Schloss bemerkte.

Die Leute antworteten nicht. Immer noch starr vor Angst glaubten sie nicht an ihre Rettung. Nur ein junges Mädchen schien mutiger zu sein, denn sie meldete sich zu Wort. „Das Monster trägt ihn an einer Schnur um den Hals."

„Shit", fluchte Spike daraufhin. „Dann müssen wir ihn erst killen und können erst dann die Leute befreien. Anders wäre es mir lieber gewesen."

„Oder wir nützen unsere Vampirkräfte und biegen die Stäbe auseinander", schlug Angel vor.

Teil 9

Das Gewimmer der Menschen in dem Käfig wurde langsam unerträglich und Spike verzog das Gesicht. „Vampirkraft?", fragte er seinen Sire mit hochgezogenen Augenbrauen. „Hast du dir die Gitterstäbe mal angesehen? Sie sind so dick, dass man sie nicht einmal mit einer Hand umfassen kann. Wie viele Vampire willst du noch dazuholen?"

Wieder warf er einen Blick auf die jammernden Menschen. Ein Mann in grauem Anzug saß abseits der anderen in der Hocke und starrte in die Luft. Seine Augen waren glasig und schienen vom dem, was um ihn herum passierte, nichts mitzubekommen.

Bei dem hat sich der Verstand verabschiedet’, erkannte Spike. Immerhin hatte er diesen Gesichtsausdruck oft genug gesehen. Über hundert Jahre immer und immer wieder. Der Mann guckte genau wie Drusilla, wenn sie von Visionen geplagt wurde.

„Bitte! Sie müssen uns helfen", flehte das junge Mädchen.

„Wie denn?", schnauzte der blonde Vampir. „Verdammte Hölle! Wofür wurde dieser Mistkäfig eigentlich gebaut? Für Elefanten?"

„Was auch immer wir machen", flüsterte Angel. „Wir müssen es jetzt tun! Wir haben nicht viel Zeit und jetzt gegen den T´Ruye kämpfen bringt uns kein Stück weiter!"

„Ich weiß", murmelte Spike. „Es würde uns nur eine Menge Kraft kosten. Bevor wir ihn vernichten, müssen wir wissen, wo sich dieser Scheiß Dimensionsspalt geöffnet hat." Er verdrehte die Augen. Die Menschen in dem Käfig waren ihm ziemlich egal, aber er wusste, dass Angel nicht gehen würde, bevor sie befreit waren. „Irgendeine Idee?", fragte er den dunkelhaarigen Vampir, der die einzelnen Käfigstangen untersuchte.

„Nicht wirklich", gestand Angel. Er zog mit aller Kraft an einem der Stäbe, doch das Metall gab nicht nach. Es rührte sich nicht einmal.

„Ich seh mich hier mal um", brummte Spike und verschwand in der Dunkelheit der Halle.

„Sir, bitte", versuchte das Mädchen Angels Aufmerksamkeit zu erlangen. „Sie müssen uns helfen! Sie dürfen uns hier nicht zurücklassen!" In ihren Augen lag eine Traurigkeit, die nie wieder ganz verschwinden würde. Egal, was sie in ihrem Leben noch erfahren würde. Dieses Erlebnis würde sie bis ins Grab tragen. „Bitte! Das Monster… es tötet uns und…" Tränen traten in ihre Augen und sie deutete auf einen Stapel Leichen, den der Dämon angehäuft hatte. „Bitte!"

„Wir werden unser möglichstes tun", versprach Angel und legte ihr seine Hand tröstend auf den Arm. „Sie sagten, der Dämon trägt den Schlüssel um seinen Hals. Gibt es, ähm… eine bestimmte Zeit, wann er ihn abnimmt?"

„Sie meinen, wann seine Essenszeit ist?" Eine monotone, leblose Stimme hallte durch den Raum. „Die hatte er heute schon!" Ein in Lumpen gekleideter Mann schlurfte auf Angel zu. „Manchmal bleibt er die ganze Nacht über weg", erklärte der Obdachlose. „Manchmal aber auch nur ein paar Stunden." Er machte eine Pause und blickte den Vampir ernst an. „Ist es das, was Sie wissen wollten?"

„Es tut mir leid", murmelte Angel. Der Mann hatte jeglichen Lebensmut verloren und er konnte es ihm nachfühlen. ‚Hoffentlich ist Spike bald wieder da!’

 

In der Halle stank es erbärmlich und je weiter Spike in sie hineinlief, desto schlimmer wurde der Geruch. Froh darüber, nicht atmen zu müssen, umrundete er einen weiteren Leichenstapel. ‚Der Mistkerl hat einen verdammt großen Appetit’, stellte er fest und verzog das Gesicht. Hier hinten konnte er Angel weder sehen noch hören, doch er wusste, das alles in Ordnung war. Zumindest im Moment.

Er blieb stehen, ließ seinen Dämon frei und starrte in die Finsternis. ‚Es muss hier doch irgendwas geben, dass sich als Waffe einsetzen lässt! Verdammt!’ Lautlos schlich er weiter, entdeckte einen kleinen Sicherungskasten und öffnete ihn. ‚Ob Licht eine gute Idee ist?’, überlegte er und kippte den Schalter. Allerdings flammte kein Licht auf, sondern ein uraltes Förderband begann knirschend zu laufen. ‚Verflucht!’

„Spike?" Angels Stimme hallte durch die Halle.

„Alles okay", schrie er zurück. „Bin gleich wieder bei dir!"

Es hatte keinen Sinn, noch weiter zu suchen. Es gab einfach nichts zu finden. Nur leere Kartons, kaputte Kisten und eine Feuertür, die sonst wo hinführte. „Moment mal", bremste sich Spike. „Feuertür?"

So schnell er konnte rannte er darauf zu und untersuchte die Wand rechts daneben. „Nichts", knurrte er missmutig und ging auf die andere Seite. „Da haben wir es doch!" Auf der linken Seite der Wand hing ein Feuerlöscher, doch was viel interessanter war, war die Feueraxt, die in einem Glaskasten daneben hing.

Mit dem Ellbogen schlug er zu. Das Glas splitterte und er grinste breit, als er die Waffe aus ihrer Halterung riss. „Hab ich dich!", lachte er und lief den Weg zurück zu Angel.

„Hier", grinste er und überreichte die Axt seinem Sire. „Ich hoffe, das klappt!"

„Warum hast du das Förderband angestellt?", fragte Angel und nahm die Waffe.

„War ein Versehen", brummte Spike schulterzuckend. „Ich dachte, es wäre ein Lichtschalter.

„Wie auch immer", meinte Angel und wandte sich der jungen Frau zu. „Ein Stück zurück, bitte. Ich versuche das Schloss zu zerstören." Er holte aus und schlug zu. Ein gewaltiges „Klong" hallte durch die Halle, als Metall auf Metall traf.

„Das war wohl nichts", nörgelte Spike. „Streng dich mal ein bisschen an."

Der Dunkelhaarige knurrte kurz, dann holte er ein weiteres Mal aus. Diesmal traf er den Bügel des gewaltigen Schlosses und das Eisen zerbarst.

„Geht doch", feixte Spike und löste die Überreste aus der Halterung. „So! Und jetzt raus hier! Aber zack zack!"

Die meisten der Menschen sahen nur verstört auf, doch dann näherten sie sich der Käfigtür. Die junge Frau war die erste, die herauskam und sie fiel Angel in die Arme. „Danke", murmelte sie unter Tränen.

„Schon okay", murmelte der Dunkelhaarige und öffnete die Tür der Lagerhalle. Er blickte sich verstohlen um und ließ die Menschen schließlich hinaus. „Ihr müsst euch beeilen", warnte er sie. „Sucht einen Platz, an dem es hell ist und wo eine Menge Verkehr ist. Dahin wird euch der T’ Ruye so schnell nicht folgen." Er hörte noch ein leises „Danke", dann verschmolzen die Menschen mit der Nacht.

„Komm jetzt", flüsterte Angel und drehte sich um.

„Geht nicht", erwiderte Spike. Der Mann mit dem Anzug kauerte noch immer in der Ecke und er war zu ihm in den Käfig getreten.

„Beeil dich", beschwor Angel ihn. „Ich kann den T’ Ruye fühlen. Er ist nicht mehr weit entfernt!"

„Das weiß ich selber", nörgelte Spike. Er kniete sich vor den Mann und blickte ihm in die Augen. „Hey! Jemand zu Hause?" Doch es kam keine Reaktion. Der Mann schien ihn nicht einmal bemerkt zu haben. „Okay! Dann eben anders!" Schallend landete seine Hand auf der Wange des Mannes, dann schüttelte er dessen Schultern. „Hör mir zu", schnauzte er ihn an. „Es geht jetzt um dein verdammtes Leben! Du musst jetzt aufwachen! Sofort!"

Ein leises Zucken durchlief den Körper des Anzugträgers, dann erkannten seine Augen Spike und er sprang zitternd auf.

„Geht doch", brummte der blonde Vampir. Dann erinnerte er sich, dass er noch immer seine Vampirmaske trug und verwandelte sich zurück.

„Zu spät", zischte Angel. „Der T’ Ruye ist da." Er zeigte auf den Leichenstapel. „Versteckt euch da! Ich werde ihn ablenken."

Spike schaffte es gerade noch rechtzeitig, den Mann in Deckung zu ziehen, als die Tür polternd aufschwang. Der Dämon schwankte herein, blickte auch den leeren Käfig und dann auf Angel, der winkend daneben stand.

„Ohh", machte der Vampir und zog das Wort gewaltig in die Länge. „Ist dein Abendessen abhanden gekommen?", fragte er höhnisch. „Das tut mir aber leid."

Der T’ Ruye knurrte wütend, schlug mit einer seiner Pranken die Käfigtür zu und stampfte dann auf Angel zu. „Das wirst du bereuen, du Zwerg", fauchte er. Seine Stimme war ein dunkles Grollen, doch jedes Wort war gut zu verstehen. „Das wirst du mir büßen!"

„Büßen? Hah! Das ich nicht lache!" Rückwärts lief Angel tiefer in die Halle. Er musste den Dämon lange genug aufhalten, damit Spike den Mann in Sicherheit bringen konnte. „Na los! Zeig mir, was du kannst!"

Der T´Ruye fackelte nicht lange. Er kam näher und fauchte gefährlich. Er war fast drei Meter groß und seine Schritte dementsprechend länger als Angels. Er zermalmte alles, was ihm in die Quere kam und knurrte furchterregend.

Angel wartete. Er passte den Moment genau ab, überließ seinem Dämon die Vorherrschaft und holte mit der Axt aus.

Der Dämon war, trotz seiner gewaltigen Masse, bedeutend flinker als erwartet. Er fing die Waffe ab, riss sie Angel aus der Hand und warf sie hinter sich. „Mehr hast du nicht zu bieten, du Wurm?" Ein glucksendes Geräusch hallte durch den Raum. Der T’ Ruye lachte. „Ich hatte mehr erwartet!"

 

Spike beobachtete den Kampf aus seinem Versteck. Angel hatte schlechte Karten. Er hatte schon einige heftige Schläge abbekommen, selbst aber noch keine nennenswerten Treffer gelandet. Aber er verfolgte noch immer seinen Plan. Er lockte den Dämon tiefer und tiefer in die alte Halle.

Jetzt’, dachte Spike und zog den Mann auf die Füße. Blitzschnell reagierte er, als dieser zu schreien begann. Er presste ihm seine Hand auf den Mund und fauchte ihn leise an. „Bist du irre?", zischte er. „Auch, wenn du es noch nicht begriffen hast, ich rette gerade dein verdammtes Leben!" Ziehend und schiebend beförderte er den Anzugträger zur Eingangstür. „Wenn du hier raus bist, dann lauf! Lauf so schnell du kannst und dreh dich nicht um!"

Der Mann nickte verwirrt und Spike gab ihm einen Stoss. „Verschwinde endlich!" Er blickte ihm kurz hinterher und schloss die Tür möglichst leise wieder. Jetzt musste er Angel helfen. Immerhin hatten sie jetzt einen Vorteil. Einen kleinen nur, aber immerhin. Erstens hatte Angel den T’ Ruye bereits müde gekämpft und zweitens wusste der Dämon nicht, dass er auch noch da war.

Gebückt lief er durch die Halle, blieb dann erschrocken stehen und blickte auf seinen Geliebten. Der Dämon hatte ihn übel zugerichtet. Angel hatte eine Platzwunde an der Stirn, das rechte Auge war fast zugeschwollen und ein langer, tiefer Schnitt überzog seinen Oberkörper. Das Hemd war zerfetzt und Spike kniff die Augen zusammen. „Großer Fehler", murmelte er fast lautlos. „Keiner, ich wiederhole keiner, verletzt meinen Engel!"

Hektisch blickte er sich um und ein diabolisches Grinsen zierte sein Gesicht, als er die weggeworfene Feueraxt sah. Eilig lief er darauf zu, hob sie auf und schlich auf die Kämpfenden zu. „Dann stelle ich dir jetzt einmal William the Bloody vor", fauchte er leise. Er wartete auf den richtigen Augenblick, lief dann los und sprang ab. In der Luft holte er aus und jagte die Schneide der Axt tief in den Rücken des T’ Ruye.

Spike wartete nicht auf dessen Reaktion, sondern stürzte zu Angel, der auf dem Boden lag und sich krümmte. „Komm schon", zischte er und half ihm auf die Beine. Vorsichtig blickte er auf und sah den Dämon, der versuchte, sich die Axt aus dem Fleisch zu ziehen. „Los jetzt", drängelte er. Er bugsierte Angel aus der Gefahrenzone, fauchte dann laut und ließ seinen eigenen Dämon frei. „Du willst Ärger, du verdammter Hurensohn?", schrie er den T’ Ruye an. „Den kannst du haben!"

Wieder nahm er Anlauf und wieder sprang er ab. Doch dieses Mal trat er dem Monster so gewaltig gegen die Brust, dass dieser taumelte und rückwärts auf das noch immer laufende Fließband fiel. ‚Das reicht für heute’, dachte er und wirbelte herum.

Angel stand mehr schlecht als recht auf den Beinen und er atmete schwer. „Verschwinden wir hier!" Seine Stimme war nur ein heiseres Krächzen und Spikes untotes Herz zog sich schmerzlich zusammen.

„Ja, lass uns verschwinden." Er warf einen letzten Blick auf den T’ Ruye. Der Dämon lag noch immer auf dem Förderband und wirkte dabei wie eine Schildkröte, die auf den Rücken gefallen war. ‚Ich werde dich erledigen’, schwor er. ‚Dich mache ich platt!’ Dann stützte er seinen Geliebten und führte ihn aus der Halle.

Kapitel 10

Im Hotel angekommen versorgte Spike erst mal die Wunden seines Sires und verfrachtete ihn danach ins Bett.

Dann wärmte er ein paar Beutel Blut in der Mikrowelle auf, goss sie in einen Krug und trank alles in einem Zug aus.

„Und was ist mit mir?", beschwerte sich Angel, der das Szenario beobachtet hatte.

„Du kriegst etwas viel Besseres als diesen Schweinefraß. Meins!"

Spike wusste, dass Angel zu schwach war, um seinen Dämon hervortreten zu lassen, daher kramte er ein Messer aus den unendlichen Tiefen seines Mantels, bevor er ihn auszog und auf das Sofa warf. Spikes Shirt folgte, bevor er sich ans Kopfende des Bettes setzte und Angel an sich heranzog. „Wenn du wieder stark genug bist, werde ich dir den Hintern versohlen, das ist dir wohl klar?"

Angel versuchte zu grinsen, doch es gelang ihm nicht. Spike seufzte besorgt, legte sich auf die Seite, sodass Angel guten Zugang hatte und setzte einen diagonalen Schnitt oberhalb seines linken Brustmuskels. Anschließend drückte er Angels Kopf an die Wunde, der sofort zu trinken begann. Es dauerte nicht lange und Angel spürte, wie seine Kräfte wenigstens teilweise zurückkehrten. Als er merkte, dass Spike schwächer wurde, hörte er zu trinken auf, sank ins Kissen zurück und schlief sofort ein.

Spike erhob sich und ging mit wackeligen Beinen zum Kühlschrank, um sich ein paar weitere Blutbeutel zu erwärmen. Nachdem er sich gestärkt hatte, begab er sich zu Angel zurück, um sich neben ihn zu legen und sich ebenfalls auszuruhen. Spike wollte gerade einen der verrutschten Verbände auf Angels Brust in Ordnung bringen, als er bemerkte, dass sich die Wunde entzündet hatte, was an dem Gift lag, welches der T´Ruye absonderte. „Aber Angel ist nicht so schwer verletzt wie ich damals, daher wird er bei guter Pflege und viel von meinem Blut, vermutlich morgen wieder auf den Beinen sein," nuschelte Spike vor sich hin, bevor er die Decke über sie beide zog und beschloss ein paar Stunden zu schlafen.

Der blonde Vampir erwachte, weil Angel sich unruhig im Bett herumwälzte und immer wieder Spikes Namen murmelte. Ohne Umschweife nahm Spike seinen Sire fest in die Arme und drückte dessen Kopf an seinen Hals. Zu Spikes Beruhigung trat sofort Angels Dämon hervor. Er schlug seine Fänge in das weiche Fleisch seines Childes und begann gierig zu trinken. „Hast du ein Glück, dass ich ein Meistervampir bin und so ein starkes Blut habe. Nope, eigentlich hast du Glück, dass ich dich trinken lasse. Hast du überhaupt eine Ahnung, welche Sorgen ich mir deinetwegen machen musste? Du blöder, eingebildeter Trottel hättest den T´Ruye nur solange hinhalten sollen, bis die Menschen draußen sind und ich dir zur Hilfe kommen konnte, aber nein, du *Mr. ich muss für meine Sünden büßen und die Hilflosen retten und wenn ich dabei draufgehe*, hast wie immer nur an dich gedacht. Und was ist mit mir verdammt? Was, verfluchte Hölle, soll ich machen ohne dich? Kannst du mir das sagen? Nein, kannst du nicht, weil du jetzt halb bewusstlos da liegst und ich dich füttern muss, damit du wieder auf die Beine kommst. Und ich tue es gerne und zwar aus einem einfachen Grund, sobald du wieder fit bist und der verdammte T´Ruye dort ist, wo er hingehört, werde ich dir wie versprochen deinen Hintern derart versohlen, dass du dir in Zukunft gut überlegen wirst, dich derart in Gefahr zu bringen. Das schwöre ich", beendete Spike seine Rede und strich Angel zärtlich durch das Haar.

„Ich liebe dich auch", flüsterte Angel kaum hörbar und leckte über die Halswunde seines Childes, um sie zu schließen, bevor er sich tiefer in Spikes Arme kuschelte und gleich wieder einschlief.

„Man belauscht keine Gespräche anderer Leute, verflucht. Das ist unhöflich", murmelte Spike und drückte Angel einen Kuss auf die Stirn, bevor er aufstand und seinen Sire gut zudeckte.

Rasch zog sich der blonde Vampir an, kramte aus Angels Kleidern ein Bündel Geld hervor und verließ leise das Hotelzimmer.

Auf der Straße winkte er ein Taxi heran und stieg ein. Er wedelte mit einem Geldschein vor der Nase des Fahrers herum. „Hör mal Kumpel, ich brauch einen Laden, in dem ich Elektroschockgeräte bekomme. Noch zwei Scheine, wenn du mich zu einem bringst, wo keine Fragen gestellt werden."

Der Taxilenker grinste wissend und gab auch schon Gas. Zehn Minuten später hielt er vor einem düster wirkenden Geschäft, welches sich als Pfandleihe entpuppte. Wie fast überall auf der Welt, gab es auch hier in Dublin so einen Laden, in dem man nicht nur etwas versetzen konnte, sondern auch Hehlerware bekam.

Spike wies den Taxifahrer an: „Warten Sie auf mich, ich bin gleich zurück, dann gibt es die restliche Kohle."

Er stieg aus, und betrat den Laden. Ein dürrer Mann mit langen, fettigen Haaren fragte nach Spikes Begehr und der erläuterte seinen Wunsch. „Ich suche Elektroschocker. Zwei Stück und mit der höchsten Voltanzahl, die zu kriegen ist. Und erzähl mir erst gar nicht, dass du so was nicht hast, sondern rück die Ware raus, dann überlebst du. Wenn ich zufrieden bin, zahle ich sogar." Spikes Augen blitzen kurz gelb auf und der schmierige Kerl nickte hastig. Er bediente die ungewöhnlichsten Kunden, daher wusste er sofort, mit wem er es zu tun hatte. „Ich bin sicher, etwas zu haben, das Sie zufriedenstellt", beeilte er sich zu sagen und verschwand in den hinteren Raum.

Einen kurzen Augenblick später tauchte er mit einer Schachtel wieder auf und legte sie auf den Tresen. „Diese hier haben je eine Spannung von 750.000 Volt. Fünf Sekunden gedrückt halten und Ihr Gegner fällt orientierungslos um", erklärte der Händler, während er die Geräte auf den Tisch legte.

Spike nahm einen der Schocker prüfend in die Hand, öffnete das Fach und legte die Batterien ein, welche der Händler ihm zuschob. Spike legte sie ein, drehte sich zum Ausgang und drückte den Knopf. Blaue Blitze schossen aus dem Gerät und Spike nickte zufrieden. Schnell hatte er den Preis ausgehandelt, wobei Spike den Händler immer wieder mit gelben Augen anblickte, wodurch er die Elektroschocker äußerst günstig erstand. Bald darauf saß er wieder im Taxi. Dennoch war er nicht wirklich zufrieden. „Früher hätte ich den Schocker erst bei dem Verkäufer ausprobiert und ihn dann ausgesaugt. Aber heute zahle ich auch noch für den Mist. Okay, der Preis war niedrig, was ich Angel natürlich nicht unter die Nase reiben werde, sondern die Differenz behalte. Logisch, die Kohle steht mir zu, schließlich hatte ich eine Menge Arbeit die Dinger zu besorgen. Trotzdem, was ist nur aus William, the Bloody, geworden?", der Vampir seufzte voller Selbstmitleid, drückte dem Taxifahrer das Geld in die Hand und der fuhr los.

„Wo bist du gewesen?", wurde er von Angel begrüßt, der aufrecht im Bett saß und eine Tasse Blut in der Hand hielt.

„Dir geht es wieder besser, wie ich sehe", stellte Spike fest, ohne auf Angels Frage einzugehen.

„Allerdings, und ich wache auf und du bist nicht da", ließ Angel nicht locker.

Spike grinste nur, legte den Karton auf den Tisch und ging auf seinen Sire zu. „Kein Grund zu schmollen, Liebes, aber schön, dass du mich vermisst hast." Er küsste Angel sanft und der erwiderte den Kuss hungrig. „Ich vermisse dich immer. Sagst du mir jetzt, wo du gewesen bist?", fragte Angel erneut und erntete wieder ein Grinsen seines Childes. „Also gut, du Kontrollfreak, damit du Ruhe gibst. Ich war einkaufen."

Auf Angels verwunderten Blick holte der jüngere Vampir den Karton und zeigte Angel seine Errungenschaft. „Es wird den T´Ruye zwar nicht umbringen, aber außer Gefecht setzen. So könnten wir ihn zumindest unter Kontrolle halten, bis uns was einfällt, um ihn in seine Dimension zurückzuschicken, tot natürlich."

„Sehr guter Plan, Spike", lobte Angel sein Childe und der grinste zufrieden." Jepp, ich bin genial und daher bin ich dafür, dass wir die Dinger verwenden, um den T´Ruye erst mal in den Käfig zu sperren. Sobald du wieder ganz auf der Höhe bist, sollten wir los."

„Aber das löst unser Problem nur bedingt", wusste Angel. „Deswegen habe ich Wesley angerufen. Er wird versuchen, in den Büchern etwas zu finden."

„Und ich wette, sobald er etwas weiß, wird er die Gelegenheit nutzen, hier angetanzt zu kommen. Zahlt ja alles der Rat", entgegnete Spike boshaft grinsend.

Gerade als Angel etwas erwidern wollte, hob Spike die Hand und sprach weiter. „Hey, ich finde es gut. Ich mag den Wächter inzwischen gut leiden. Er ist clever und die Cheerleaderin soll auch gleich mitkommen. Shoppen in London wird ihr gefallen. Gott, hab ich das jetzt wirklich gesagt?" Der Schock über seine Worte stand Spike ins Gesicht geschrieben. „Was sagt das über mich aus? Du bist Schuld, du und deine Menschen. Ich bin böse, Big Bad und so weiter und du hast mich dazu gebracht, dass ich mir Gedanken über Cordys Einkaufwünsche mache. Das ist so erbärmlich und ich...umpf."

Angel hatte Spike an sich gezogen und küsste ihn leidenschaftlich. Und der Blonde ließ sich fallen, gab sich ganz den Zärtlichkeiten seines Sires hin. Und als der ihn aufforderte sich auszuziehen, bewies Spike, was Vampirgeschwindigkeit bedeutete.

~*~

Der neue Tag brach bereits an, als Spike endlich von Angel abließ. Er hatte ihm alles gegeben und nun lag sein Engel zwar völlig erschöpft, aber mit einem glücklichen Lächeln an Spikes Brust. „Das war nur zur Heilung. Denk nicht, dass ich nicht mehr wütend auf dich bin, weil du so leichtsinnig warst", bemerkte Spike sanft und formte Angels feuchte Haare zu Spitzen.

Angel schmunzelte und seufzte zufrieden. „Dann hast du einen Fehler gemacht, little One. Du hättest mich bestrafen sollen, als ich noch zu schwach war, um mich zu wehren. Deine Chance ist vertan."

„Träum weiter Peaches, dich schaff ich allemal. Außerdem weißt du, du hast es verdient, daher wirst du dich fügen. Also, ich werde dich in Ketten legen und dann…"

Was genau Spike mit Angel vorhatte, erfuhr dieser nicht mehr, da sein Handy läutete. Frustriert robbte er aus dem Bett und folgte dem Klingelton, der aus seiner Jackentasche kam. Das Display zeigte an, dass es Wesley war, der anrief, und Angel nahm das Gespräch entgegen.

„Hallo Wesley, was gibt’s?", wollte er wissen.

„Guten Morgen, Angel, oder guten Abend, denn bei uns ist es Nacht. Nun gut, das ist im Moment unerheblich. Weswegen ich anrufe. Ich habe eine Möglichkeit gefunden, wie wir den T´Ruye dazu zwingen können, sein Dimensionstor aufzusuchen. Allerdings brauchen wir dafür etwas pulverisiertes Horn des T´Ruye, einen Zauberspruch und einige Zutaten, die ich bereits besorgt habe und mitbringen kann, wenn ich nach Dublin komme."

„Gut", antwortete Angel. „Wir besorgen das Horn und geben Travers Bescheid, dass wir dich hier brauchen. Nimm den nächsten Flug, wir holen dich am Flughafen ab."

„Cordy", flüsterte Spike dazwischen und Angel nickte. „Cordelia soll auch mitkommen. Spike will unbedingt mit ihr shoppen gehen", ergänzte Angel, hinterhältig grinsend, was ihm einen derben Schlag seines Childes einbrachte. Angel unterdrückte einen Schmerzenslaut und beendete das Gespräch. Als er zu Spike schaute, blickte er in dessen grimmiges Gesicht. „Du legst es wohl darauf an. Wenn ich mit dir fertig bin, wird das Wort Folter eine ganz andere Dimension für dich erreicht haben."

„Aber du wolltest doch, dass Cordy..." Angel wurde von Spike unterbrochen. „Hast du sie noch alle? Ich habe nie gesagt, dass ich mit der Schuhbesessenen Seherin durch Dublin, London oder sonst wo rennen will, um ihren Kaufwahn zu befriedigen. Alles, was ich wollte, war, dass sie mal aus dem Alltagstrott rauskommt. Schließlich platzt ihr ein paar Mal im Monat fast der Schädel und da verdient sie ein bisschen Spaß, noch dazu, wenn es der Rat zahlt und..."

Nun war es Angel der Spike unterbrach „Du bist ein guter..."

„Sag’s nicht. Bloody hell, wage es nicht, DAS zu sagen." Spikes Gesicht war von Bestürzung gezeichnet und Angel brach in lautes Gelächter aus.

„Keine Ketten, Stacheldraht werde ich nehmen. Jawohl! Und jetzt beweg deinen Hintern gefälligst aus dem Bett, wir müssen einen T´Ruye einfangen", verlangte Spike, ohne seinen Sire anzusehen und weiterhin Flüche vor sich hinmurmelnd.

Auf dem Weg zu dem Versteck des T´Ruye, hatten die beiden Vampire noch einige starke Ketten und Vorhängeschlösser besorgt. So ausgerüstet schlichen sie lautlos in die alte Halle. Der T´Ruye war anwesend, saß am Boden und fraß gerade irgendwelche menschlichen Abfälle, über die weder Spike noch Angel genauer nachdenken wollten, aber zumindest war der Dämon dadurch abgelenkt.

Geräuschlos bewegten sie sich auf den T´Ruye zu, die Elektroschockgeräte im Anschlag. Erst, als die Ketten in Spikes Rucksack leise klirrten, schaute der Dämon von seiner Mahlzeit auf, doch da war es bereits zu spät. Die Strahlen aus beiden Waffen trafen ihn am Kopf und an der Brust. Er rappelte sich auf und taumelte auf die beiden Vampire zu.

„Fall endlich um, verdammtes Vieh", brüllte Spike den T´Ruye an, doch der war zäh und kam immer näher. Wieder schossen Angel und Spike eine Ladung ab. Endlich brach der Dämon zusammen und schaute sie ungläubig und aus glasigen Augen an.

„Rasch, in den Käfig mit ihm", wies Angel an, während Spike den T´Ruye schon an den Beinen gepackt hatte und erwiderte: „Was denkst du, was ich hier tue? Hilf mir gefälligst, das Biest ist verflucht schwer."

Mit vereinten Kräften schleiften sie den Dämon zum Käfig und wuchteten ihn hinein. Rasch packte Spike die Ketten aus und umwickelte damit die Gitterstäbe, unterdessen Angel die Schlösser befestigte.

„Geschafft", stellte Spike zufrieden fest und schoss wütend noch eine Stromladung auf den Dämon ab. „Das war dafür, dass du meinen Engel verletzt hast, und das", - er schoss noch mal – „dafür, dass wir dich bewachen müssen, bis der verhinderte Wächter hier auftaucht."

„Du ihn bewachen musst", stellte Angel richtig. „Ich fahre zum Flughafen."

„Auf keinen verdammten Fall. Du wolltest ja unbedingt diesen bescheuerten Auftrag, also bleibst du hier und ich fahre", entgegnete Spike bestimmt.

Teil 11

Silentthunder

Das Wortgefecht, das sich um das Abholen von Cordy und Wesley drehte, war heftig. Doch wie eigentlich immer, war es Spike, der schließlich nachgab. Zumindest kam es ihm so vor. „Von mir aus", brummte er eingeschnappt, „dann fahr eben du! Mir doch egal! Ich werde mir den Abend mit unserem neuen Freund vertreiben."

„Es wird nicht lange dauern", erwiderte Angel sanft. „Nun, jedenfalls nicht zulange. Aber du weißt… der Weg zum Flughafen, die ganze Kontrollen und der Rückweg…"

„Verschwinde endlich", knurrte Spike und machte eine unwirsche Handbewegung. „Ich komm auch alleine klar. Wäre ja nicht das erste Mal!"

Der dunkelhaarige Vampir verdrehte die Augen. „Du schmollst wie ein kleines Kind! Es ist ja nicht so, als würde ich alleine auf eine Party gehen. Wir können den T´Ruye nun mal nicht alleine lassen. Wer weiß, wann er wieder zu sich kommt!"

„Da hast du verdammt Recht", motzte Spike genervt. Dann schüttelte er den Kopf und seine Stimme wurde etwas sanfter. „Ach, bevor du gehst… Lass mir deine Ersatzbatterien hier. Entweder, ich brauche sie um zu spielen, oder aber, um das Mistvieh aufzuhalten!"

Angel nickte leise lächelnd, überreichte das Gewünschte und drückte ihm einen flüchtigen Kuss auf die Lippen. „Ich beeile mich. Versprochen!" Er nickte ein letztes Mal und verschwand lautlos aus der Tür.

Spike seufzte, schüttelte den Kopf und lehnte sich an die Wand. Noch immer missmutig kramte er in seinen Taschen, brachte Zigaretten und Feuerzeug zutage und zündete sich eine an. ‚Ich bin ein Weichei!’, überlegte er und blies den Rauch durch seine Nase. ‚Er braucht mich mit seinen Rehaugen nur ansehen, schon werde ich weich wie Butter in der Sonne! Furchtbar!’

Er blickte in den Käfig, aber der riesige Dämon hatte sich noch nicht gerührt. Seine Augen waren noch immer offen, aber sie starrten glasig an die gegenüberliegende Wand und Spike zuckte mit den Schultern. „Das hast du Mistvieh mehr als verdient", knurrte er leise und legte neue Batterien in das dafür vorgesehene Fach des Schockers.

Betont lässig stieß er sich von der Wand ab, schnippte die Kippe in die Luft und umrundete den Käfig, so dass er vor dem Kopf des T´Ruye stand. „Du elender alter Sack", schimpfte er und trat zu. Der Frust in seinem Inneren brauchte ein Ventil und der bewegungslose Dämon kam ihm gerade recht.

Spike atmete tief ein, bereute es jedoch sofort. Der Gestank der Toten war mörderisch und er verzog das Gesicht. „Mistkerl", brummte er und warf einen Blick auf den aufgestapelten Leichenhaufen. „Du hast es echt nicht besser verdient, als wie ein Tier in einem Käfig gefangen zu sein!"

Aus purer Langeweile richtete er seinen Schocker erneut auf den Dämon und drückte ab. ‚Das macht auch keinen Spaß’, dachte er, da der T´Ruye keine Gegenwehr leistete. Nur der Kopf des Dämons sackte etwas nach unten und entblößte das Horn an seinem Nacken, das für ihn lebenswichtig war.

Wie war das noch?’, fragte sich Spike. ‚Braucht Wesley nicht was davon?’ Angestrengt dachte er an die Unterhaltung, die er und Angel nach dem Telefonat geführt hatten und grinste still vor sich hin, als er sich erinnerte. „Pulverisieren darf der Ex-Wächter, aber ich werde der sein, der dir ein Stück davon absäbelt!"

Ein kurzer Griff in seine Manteltasche und Spike beförderte ein Springmesser zutage, dass er durch Knopfdruck aufspringen ließ. „Wahrscheinlich darf ich nicht zu viel abschneiden", überlegte er laut und dachte an seinen ersten Kampf in Paris zurück. Er hatte damals nur gewonnen, weil er dem T´Ruye das Horn abgebrochen hatte. Aber das durfte hier nicht passieren. Immerhin brauchten sie das Vieh noch, um das Dimensionstor zu schließen. Er ging in die Knie, boxte dem Dämon testend ins Gesicht und grinste still vor sich hin, als dieser sich nicht bewegte. ‚Fast zu einfach’, dachte er und setzte das Messer an.

 

                                                                                            ******

 

„Wir sind wieder da", flüsterte Angel leise und öffnete die Tür.

„Das wird aber auch Zeit", schimpfte Spike grantig. „Von wegen, ich beeile mich! Hah! Du warst fast drei Stunden weg!" Er kam aus seinem Versteck hervor und baute sich vor seinem Sire auf. Doch dieser zuckte nur entschuldigend mit den Schultern und sah ihn an.

„Hi Spike", murmelte jetzt Wesley, der sich nach Angel durch die Tür schob. Er verzog das Gesicht und wedelte mit der Hand vor seinem Mund. Doch der schreckliche Gestank ließ sich nicht vertreiben und der ehemalige Wächter lief grün an.

„Ich warte draußen", hörten sie Cordelias Stimme durch die Tür. Ein flüchtiger Blick der Seherin hatte gereicht und sie hatte entschieden, die Lagerhalle auf gar keinen Fall zu betreten.

„Können wir uns draußen unterhalten?", murmelte nun Wesley und er sah abwechselnd Angel und Spike an. „Ihr könnt die Atmung einstellen! Ich nicht!"

„Sicher", brummte der blonde Vampir. „Ich habe nichts dagegen, hier mal rauszukommen!" Er warf Angel einen bitterbösen Blick zu, griff nach der Klinke und riss die Tür auf. „Beeilen! Pffft!" Hocherhobenen Kopfes rauschte er hinaus und begrüßte Cordy, die sich auf einen Müllcontainer gesetzt hatte.

„Warum müsst ihr immer in solche Sachen verwickelt werden? Warum muss es immer zum Himmel stinken?" Cordelia verzog das Gesicht und sprang von ihrem Sitzplatz.

„Weil es sonst keinen Spaß macht", feixte der blonde Vampir und kramte ein weiteres Mal seine Zigaretten hervor.

„Du hast komische Ansichten von Spaß", nuschelte sie und blickte zu Angel und Wesley, die sich zu ihnen gesellten. „Ist er tot?"

„Nein, noch nicht", sagte Angel.

„Was auch gut ist", meinte der ehemalige Wächter. Er atmete tief ein und aus und nur langsam nahm sein Gesicht wieder eine rosige Farbe an. „Ich habe auf dem Flug alles wieder und wieder durchgesehen. Der Zauber an sich dürfte kein Problem darstellen", nickte er. „Das einzig Schwierige ist wahrscheinlich, an ein Stück des Horns zu gelangen."

„Warum sollte gerade das schwierig sein?", fragte Spike mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Nun ja", murmelte Wesley. „Für dich mag das kein Problem sein. Ich komme wahrscheinlich nicht einmal in seine Nähe, ohne meinen Mageninhalt in der Halle zu verteilen."

„Also wirklich", schimpfte Cordy. „Mir ist auch so schon schlecht. Könntest du bitte etwas weniger bildlich sprechen?" Angewidert verzog sie das Gesicht. „Widerlich!"

„Ich mach das", sagte Angel.

„Das brauchst du nicht", grinste Spike und wedelte mit dem abgeschnittenen Stück Horn vor dessen Augen hin und her. „Immerhin hatte ich mehr als genug Zeit."

„Es ging nicht schneller", knurrte Angel und riss ihm das Horn aus der Hand. „Wir haben nirgends eine Pause eingelegt!", schimpfte er. „Was kann ich dafür, wenn der dämliche Flieger über eine Stunde Verspätung hat?"

„Lebt der T´Ruye noch?", fragte Wesley sofort. Das Stück Horn erschien ihm etwas groß, doch Spike meckerte sofort los.

„Für wie blöd hältst du mich eigentlich? Ich weiß, dass wir das elende Viech lebendig brauchen!"

„Entschuldige." Der Ex-Wächter gab sich zerknirscht. „Aber das Stück sieht recht groß aus und es hilft uns wenig, wenn sich der Dämon nicht einmal auf den Beinen halten kann. Immerhin muss er uns zu dem Ort führen, an dem er das Tor geöffnet hat. Oder besser gesagt, das Tor, dass er endgültig öffnen will."

„Das verdammte Stück ist so riesig, weil der beschissene T´Ruye so riesig ist!", zischte Spike böse. So langsam reichte es ihm. Nicht nur, dass er stundenlang auf Angels Rückkehr gewartet hatte, jetzt musste er sich noch von dem versnobten Briten anmachen lassen. „Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass ich mit so einem Dämon zu tun habe!"

„Zanken bringt uns nicht weiter", versuchte Cordelia die Beiden zu unterbrechen, bevor sie sich in den Streit hineinsteigern konnten.

„Allerdings nicht", meinte Angel und stellte sich demonstrativ an Spikes Seite. „Er weiß, was er tut", sagte er zu Wesley. „Also könnten wir uns bitte auf unsere Aufgabe konzentrieren?"

„Natürlich", erwiderte Wesley und räusperte sich. „Der Flug war wirklich sehr anstrengend und dann das da", meinte er dann leise und deutete mit der Hand auf die Tür zur Lagerhalle. Er sah Spike an und zuckte mit den Schultern.

„Vergiss es", winkte der blonde Vampir großzügig ab. „Aber lass uns zusehen, dass wir fertig werden. Die Nacht dauert nicht ewig und wir haben keine Ahnung, wie weit wir laufen müssen."

„Die Vorbereitungen sind alle getroffen", erklärte Wesley. „Ich muss nur noch das Horn pulverisieren und natürlich sollte der Dämon wach sein. Sonst können wir die Aktion heute Nacht vergessen." Er kramte in seiner Tasche, holte eine flache Schale und einen Mörser heraus. „Hat jemand zufällig ein Messer dabei? Ich habe meins scheinbar vergessen!"

Spike überreichte ihm sein Springmesser und sah dann zu Angel. „Gehst du gucken, ob unser Gast wach ist? Oder soll ich?"

Der Dunkelhaarige nickte. „Ich gehe. Auf irgendeine Art und Weise bekomme ich ihn schon wach." Er blinzelte seinem Geliebten zu und verschwand.

„Was genau meintest du eigentlich mit dem Einkaufsbummel in London?", riss Cordy Spike aus seinen Gedanken, der seinem Sire hinterher sah. „War das ernst gemeint, dass du mit mir…?"

„Bist du irre, oder was?", herrschte der Vampir sie entsetzt an. „So war das ganz und gar nicht gemeint. Ich und mit dir durch die Geschäfte ziehen? Hah! Sicher nicht!" Er seufzte, als die Seherin ihn böse anfunkelte. „So war das nicht gemeint", sagte er dann. „Aber Angel hat die Fakten etwas verdreht", meinte er und versuchte ein Lächeln. „Der Vorschlag dazu kam tatsächlich von mir, aber nicht so, wie du vielleicht denkst. Angel bekommt einen Haufen Kohle, wenn dieser Auftrag erledigt ist und ich dachte, eine kleine Belohnung für dich wäre das Mindeste, was sein muss. Aber ich will definitiv nicht mit!"

„Und was genau heißt das jetzt?", erkundigte sich Cordelia neugierig. „Mache ich einen Einkaufsbummel oder mache ich keinen?"

„Sicher machst du einen", mischte sich Wesley ein. Er hatte seine Gerätschaften auf den Müllcontainer gestellt und blickte nun auf. „Nur machst du ihn alleine."

„Damit kann ich leben", grinste Cordy und nickte fröhlich. „Sehr gut sogar!"

„Ich geh mal gucken, was Angel macht", meinte Spike und eilte seinem Geliebten nach. Die Unterhaltung war nicht nach seinem Geschmack und er wollte schnell weg, bevor Cordy es sich doch noch anders überlegte.

„Wie oft hast du ihn geschockt?", fragte Angel, als der blonde Vampir bei ihm anlangte.

„Mitgezählt habe ich nicht", grinste Spike. „Aber meine Batterien sind leer", er lachte, als Angel ihn kopfschüttelnd betrachtete. „Was? Du weißt, dass ich mich beschäftigen muss. Wenn dich das stört, dann lass mich das nächste Mal fahren." Er verdrehte die Augen. „Deine Batterien habe ich übrigens nicht gebraucht. Dein Schocker funktioniert also noch."

„Immerhin etwas", schnaufte der Ältere. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er überhaupt auf die Füße kommt. Er scheint die Stromstöße schlechter wegzustecken, als gedacht."

„Wach ist er doch schon", meinte der Blonde und trat mit dem Fuß gegen den massigen Arm des Dämons, der darauf ein Knurren von sich gab. „Vielleicht sollten wir ihm einfach ein bisschen Frischfutter vor die Nase halten", überlegte er dann. „Warte hier, ich hole Cordy."

„Die bekommst du hier nie rein", versicherte ihm Angel, doch Spike grinste nur hinterhältig. „Sicher schaff ich das."

„Da bin ich aber mal gespannt, wie du das anstellen willst!"

Spike nickte nur wissend und trat durch die Tür auf die schmale Gasse. Er blickte Cordy einen Moment aufmerksam an und legte dann den Kopf schief. ‚Das wird kein Problem’, dachte er und tat die wenigen Schritte auf sie zu. „Wir brauchen deine Hilfe", sagte er ohne Umschweife. „Kannst du eben mit reinkommen?"

„Mit absoluter Sicherheit nicht", erwiderte Cordelia und schüttelte vehement den Kopf. „Oh nein! Das kannst du vergessen."

„Ich weiß, wie eklig das für dich ist. Aber es kann dir nichts passieren."

„Mag sein, wie es will", erwiderte sie heftig und ging einige Schritte zurück. „Aber da drin stinkt es schlimmer als in der Hölle und ich werde ganz sicher nicht…", sie hob abwehrend die Hände, „niemals!"

Spike trat nahe an sie heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Er nickte heftig und sie sah ihn fragend an. „Ist das dein Ernst?"

„Was wird das eigentlich?", mischte sich Wesley ein.

„Ich brauche Cordys Hilfe. Wir wollen sehen, wie der Dämon auf sie reagiert", erklärte Spike dem ehemaligen Wächter ruhig, doch Cordy zupfte an seinem Arm.

„Ist das ganz sicher? Wenn nicht, dann bringe ich dich eigenhändig um!"

„Ich verspreche dir, das war nichts als die Wahrheit", sagte Spike. „Würde ich dich jemals belügen?" Er wackelte mit den Augenbrauen.

„Darüber will ich lieber nicht nachdenken", sagte sie schnippisch. Dann streckte sie sich und holte tief Luft. „Wie lange muss ich da drin bleiben?"

„Das weiß ich nicht genau", erwiderte er wahrheitsgemäß. „Aber es dürfte ziemlich schnell gehen."

„Also gut", meinte sie und stakste mit unsicheren Schritten auf die Tür zu. „Aber Angel passt auf, oder?", wandte sie sich um.

„Sicher. Er ist noch drin."

„Okay", sagte sie und atmete tief ein. „Ich schaff das", murmelte sie und öffnete die Tür. „Ich schaff das!"

Die schwere Tür fiel ins Schloss und Wesley sah Spike aufmerksam an. „Was hast du ihr versprochen?" Er warf einen Blick auf die geschlossene Tür und sah dann wieder zu dem Vampir.

Spike lachte leise. „Was kann man Frauen schon versprechen?" Er machte eine Pause und grinste. „Sie bekommt 3000 Dollar zum Schuhe kaufen. Mehr war nicht nötig."

Wesley sah ihn an. „Wow! Das hätte ich nicht erwartet."

„Was? Das sie für Schuhe fast alles tut?"

„Nein, dass sie dich so billig davonkommen lässt!", erwiderte der Ex-Wächter. Dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu. „3000 Dollar? Ich hätte mehr gefordert." Er grinste und sah wieder auf. „Ich bin sofort fertig. Sagst du Angel Bescheid?"

„Bin schon weg", erklärte Spike und folgte der Seherin in die Lagerhalle.

 

                                                                                        *******

 

Der Zauber war gesprochen, Wesleys seltsame Mixtur war verpufft und der T´Ruye marschierte durch die dunklen Gassen Dublins, als wäre nichts geschehen. Er achtete nicht auf seine Verfolger, die sich dementsprechend auch nicht versteckten, sondern ihm einfach in gewissem Abstand folgten.

„Wie viel Zeit bleibt uns, bis es hell wird?", erkundigte sich Wesley leise. Sein Zeitgefühl war auf der langen Reise gänzlich verloren gegangen und er sah Angel fragend an.

„Ungefähr drei Stunden", erwiderte der dunkelhaarige Vampir ebenso leise. „Aber dann wird es für Spike und mich schon verdammt knapp!"

„Dann wollen wir mal hoffen, dass es nicht mehr so weit ist", meinte Cordy.

„Ich denke nicht, dass es noch weit ist", mischte sich Spike ein. Er hatte den Dämon nicht aus den Augen gelassen und spürte jetzt eine kleine Veränderung in dessen Verhalten. „Wenn ihr mich fragt, dann sind wir da." Er blieb stehen und sah, dass der Dämon eine weitere Lagerhalle betrat.

„Wes", sagte der blonde Vampir. „Ähm… Ich habe etwas bisher noch nicht gefragt, weil…" Er straffte sich. „Wie viel Blut werden wir freiwillig geben müssen?"

„Das kann ich dir wirklich nicht sagen", erwiderte der ehemalige Wächter schulterzuckend. „Aber keine Angst. Ich habe ein paar Blutkonserven in meiner Tasche."

„Angst? Wer hat hier Angst?", zischte Spike beleidigt. „Ich jedenfalls nicht!" Er wandte sich seinem Geliebten zu. „Kommst du? Bevor der T´Ruye das verdammte Tor wirklich noch öffnet…"

„Ihr Beiden bleibt draußen", bestimmte Angel und folgte Spike, der sofort losmarschiert war.

„Sicher", murmelte Cordy. „Ich kann sowieso gut darauf verzichten, dem Dämon noch mal nah zu kommen." Ihr war noch immer schlecht, aber der Gedanke an das Geld ließ sie tapfer durchhalten. Sie sah Wesley an. „Oder bist du scharf darauf, den beiden nachzulaufen?"

„Nicht unbedingt", gab er zu. „Aber wir sollten näher herangehen, um im Notfall eingreifen zu können."

„Wir und im Notfall eingreifen? Womit?", fragte die Seherin. „Als könnten wir beide etwas ausrichten, was Angel und Spike nicht schaffen?" Nur widerwillig folgte sie Wesley zur Tür und stellte sich dann auf die Zehenspitzen, um durch ein kleines verdrecktes Fenster zu sehen. „Ich hoffe nur, es geht alles gut und dauert nicht zu lange."

„Das hoffe ich auch", erwiderte der Ex-Wächter und folgte ihrem Beispiel. Seite an Seite starrten sie in die Lagerhalle und beobachten die Vampire und den Dämon, der auf seinen riesigen Knien hockte und anscheinend irgendwelche Beschwörungen von sich gab.

Teil 12

(Silverbird)

Spike hatte inzwischen wieder sein Messer gezückt und die beiden Vampire schlichen lautlos auf den T´Ruye zu, der gerade die Arme gegen den Himmel streckte, während seine Stimme anschwoll. Plötzlich flimmerte die Luft und auf dem Boden entstand ein kleines, feuerrotes Loch, das sich allmählich vergrößerte. Das war der Augenblick, auf den Angel und Spike gewartet hatten und sie eilten auf den Dämon zu, der sich gerade erhob. Noch während sie liefen, schnitt sich Spike in die Hand und reichte das Messer an Angel weiter. Der tat ebenfalls einen Schnitt. Als sie den Dämon erreichten, hatte sich das Tor gerade soweit geöffnet, damit sie den T´Ruye hineinstoßen konnten. Mit einem Schrei versank er in der Öffnung und Spike sowie Angel hielten ihre blutenden Hände sofort über das Tor. Nachdem nur ein Tropfen von beiden in die Öffnung floss, zischte es und der Spalt begann sich zu schließen.

„Hu? Was soll das jetzt? Wollt ihr mein Blut nicht oder was? Das ist bestes Meister - Vampir – Blut, zur Hölle! Wann wird euch so was schon geboten? Banausen. Ignoranten. Blödmänner. Blöddämonen, oder wie auch immer!", brüllte Spike in das sich langsam schließende Loch.

„So einfach kann das nicht sein", murmelte auch Angel überlegend, doch plötzlich stiegen Rauchschwaden auf, wurden immer dichter, umhüllten die beiden Vampire und füllten die ganze Halle.

Unerwartet erschien ein Wirbel, der immer schneller rotierte. Ein starker Sog entstand und erfasste Spike, der den Halt verlor und in den Wirbel stürzte.

„Spike!" Angels entsetzter Ausruf tönte bis hinaus zu Cordelia und Wesley, die sich erschrocken anschauten. „Es hat ihn erwischt", stellte der ehemalige Wächter betroffen fest und Cordy schnappte erschrocken nach Luft.

Beide standen wie angewurzelt da, denn weder Wes noch Cordy wollten sich auch nur ansatzweise vorstellen, wie Angel sich fühlen musste, Spike verloren zu haben. Selbst wenn es oft so aussah, dass einer den anderen zur Hölle wünschte und sie sich stritten, bis die Fetzen flogen, allen Mitgliedern von Angel–Investigations war inzwischen klar, wie eng die beiden Vampire verbunden waren und der Tod des einen würde den anderen völlig aus der Bahn werfen.

Natürlich lebten sie alle mit hohem Risiko und wussten, dass jeder Tag ihr letzter sein konnte. Bisher jedoch, hatten sie das immer erfolgreich verdrängt. Nun aber, hatte die Realität sie eingeholt und einer von ihrer Truppe, war im Kampf gegen das Böse umgekommen.

„Wir sollten hineingehen. Angel braucht jetzt Freunde, die ihm beistehen", bemerkte Cordelia leise und ihr wurde plötzlich bewusst, dass auch sie Spike vermissen würde. Mit seinem Auftauchen war das düstere Hotel heller geworden und Spike war es immer öfter gelungen, sogar Angel zum Lachen zu bringen, was dadurch auch die allgemeine Stimmung der Truppe hob.

„Ich werde ihn vermissen", hörte Cordy Wesley sagen, dessen Stimme traurig, aber auch verwundert klang. „Eigenartig, das hätte ich nie erwartet", schob er auch gleich hinterdrein und Cordy nickte zustimmend. „Ich weiß, was du meinst und wie schlimm muss das erst für Angel sein."

Bedrückt begaben sich die beiden zur Tür und Wes öffnete sie langsam.

„Das war mein Lieblingsmantel, du Trottel. Was sag ich, mein einziger Mantel und jetzt ist er hinüber. Und es ist deine Schuld, ungeschickt wie du bist. Sieh dir das an. Hin. Der Ärmel fast gänzlich ausgerissen. So gut wie irreparabel. DEINETWEGEN!"

„Bist du noch bei Verstand Childe? Ich hab dir das Leben gerettet und du zeterst wegen dieses alten schäbigen Mantels?"

„Schäbig? Das gute Stück ist Top- gepflegt, sonst hätte er deine derbe Behandlung wohl kaum überstanden. Dir wird etwas verdammt Gutes einfallen müssen, Peaches, um DAS wieder gut zu machen. Am Besten, du fängst gleich mal zu grübeln an, damit dir etwas einfällt, das mich zufrieden stellt."

„Alles was mir dazu einfällt ist, dass ich so blöd war und dich festgehalten habe. Ich hätte dich in die Hölle der T´Ruyes fallen lassen sollen. Dann hätte ich endlich Ruhe vor deinem ewigen Gemotze", hörten Cordy und Wes Angel mit zorniger Stimme brüllen und die beiden lachten befreit, während sie leise die Halle betraten.

„Aber du hast nicht und weißt du warum? Weil du ohne mich nicht klar kommst. Gib`s endlich zu", entgegnete Spike selbstherrlich und grinste unverschämt, wie Cordy und Wes, die inzwischen näher getreten waren, sehen konnten.

„So eingebildet kannst auch nur du sein. Ich bin Jahrhunderte ohne dich klar gekommen. JAHRHUNDERTE!"

Angel und Spike standen sich inzwischen knapp gegenüber und ihre Nasen berührten sich fast, während sie sich anbrüllten. Doch plötzlich zog Spike seine Unterlippe durch die Zähe, legte seinen Kopf schief und erklärte lächelnd: „Dafür siehst du noch verdammt gut aus und ich steh drauf, wenn du dich so aufregst. Dann bist du besonders sexy."

„Ähm...hallo Leute, alles gut gegangen?", meldete sich Wesley zu Wort, der inzwischen wusste, dass Angel schmolz wie Butter in der Sonne, wenn Spike ihn so anschaute und solche Worte sagte. Und der Wächter wollte sich das kommende Liebesgeplänkel wirklich ersparen.

„Jepp, alle gekillt, auch mein geliebter Mantel. Daher schreib auf die Rechnung an Travers dazu: Ein Mantel, - Straußenleder, - schwarz", erklärte Spike grinsend und ging, Angel mit sich ziehend auf die beiden zu.

***

 

„Wenn du die Pilotenuniform anziehst, spiele ich deinen Copiloten und wie du weißt, muss der alle Befehle seines Kapitäns befolgen", flüsterte Spike verführerisch, während sie die Halle des Savoys durchschritten und Angel zog scharf die Luft ein bei der Vorstellung.

„Wow, was für ein schickes Hotel. Ich bin schon auf mein Zimmer gespannt. Aber am meisten freue ich mich aufs Shoppen. Wo gibt es die besten Läden, Spike?", wollte Cordy wissen, währenddessen sie sich begeistert umschaute.

„Bond Street, oder gleich zu Harrods in der Brompton Road, Ecke Knightsbridge", antwortete Spike automatisch, bevor er sich an den Portier wandte, der erschrocken zurückwich. Spike tat so, als bemerke er es nicht und sagte freundlich. „Hallo, mein Guter, da sind wir wieder. Ich hoffe sie haben unsere Suite noch? Außerdem brauchen wir noch zwei besonders schöne Einzelzimmer."

„Selbstverständlich, Sir. Nur einen kleinen Augenblick und alles ist für Sie bereit. Wenn Sie inzwischen in der Lobby oder an der Bar Platz nehmen möchten? Ich schicke Ihnen den Pagen, sobald Ihre Räume fertig sind."

„Bar?", fragte Spike an seine Freunde gewandt und als sie nickten grinste Spike den Portier an und zeigte auf das Gepäck. „Wird erledigt", beeilte sich der Portier zu sagen und winkte nach einem Pagen, während Angel, Spike, Cordy und Wes auf die Bar zusteuerten.

„Ich muss kurz telefonieren und komme gleich nach", erklärte Wesley, plötzlich stoppend und begab sich zu einer der Telefonzellen.

Kaum hatten Angel, Spike und Cordy in einer der Nischen Platz genommen, tauchte Wes auch schon wieder auf und setzte sich ebenfalls. Sie bestellten sich Getränke und Angel sagte: „Travers wusste vermutlich von dem Sog in die T´Ruye - Dimension und sicher hat er gehofft, dass er uns mitreißt. Daher wird es noch ein gutes Stück Arbeit, um an unser Geld zu kommen."

„Du hast Recht, ich habe meine alten Verbindungen spielen lassen und Bishop, ein Freund aus der Zeit meiner Wächterausbildung angerufen. Er gehört jetzt dem Rat an und hat mir erzählt, dass der Rat inoffiziell gespalten ist. Eine Gruppe arbeitet nach wie vor in altem Sinne, die andere hat sich Travers angeschlossen und der steht schon länger unter dem Verdacht, mit seinen Anhängern eigene Wege zu gehen. Bisher konnte man ihm nichts nachweisen, dazu sind er und seine Freunde zu klug und vorsichtig. Wir treffen Bishop und ein paar seiner verlässlichsten Ratsmitglieder morgen Abend, im London Eye."

„Großartiger Treffpunkt. Da wollte ich schon immer mal hin", meinte Spike begeistert und Angel verdrehte die Augen. „Was? Man sieht von da oben über die ganze Stadt und du sagst doch immer, ich soll mich weiterbilden."

 

*******

 

„Spike? Spike! Wir müssen aufstehen, die Leute vom Rat warten und wir müssen noch duschen." Erneut rüttelte Angel sein Childe, der sich anscheinend weigerte aufzuwachen und nun doch endlich nuschelte: „Ja, ja, geh schon mal vor, ich komme gleich."

„Nein, das kenne ich schon und dann ziehst du dir die Decke über den Kopf. Du kommst mit. Jetzt. Sofort", erklärte Angel unerbittlich und zog Spike die Decke vom Körper. Angel atmete unbewusst ein bei dem Anblick, der sich ihm bot und er wusste, egal wie viele Jahre noch vergehen mochten, dieser Anblick würde ihn immer wieder faszinieren. Um letztendlich nicht doch noch über Spike herzufallen, packte er dessen Bein und zog ihn so aus dem Bett.

„Autsch. Was soll das? Ich komme ja schon", brummelte der Blonde und öffnete nun doch die Augen, um Angel vorwurfsvoll anzuschauen.

„Gott", flüsterte Angel und flüchtete nun doch ins Badezimmer. Denn, wenn Spike ihn so ansah, die Augen in diesem Azurblau und der Blick noch vom Schlaf verschleiert, war Angel knapp daran, den Verstand zu verlieren.

Und als Spike wenig später in die Dusche kam, dauerte es doch länger, bis die beiden Vampire ausgehfertig waren.

„Zu spät. Wir sind zu spät", motzte Angel nervös, während sie auf den Lift zueilten und er noch die letzten Knöpfe seines Hemdes schloss.

„Und wessen Schuld ist das?", fragte Spike grinsend und hob fragend seine Augenbraue. „Wer konnte nicht genug kriegen und hat gebettelt und gestöhnt? Hm?"

„Kein Wort mehr, Spike, du weißt, ich kann nicht vernünftig denken wenn wir…also du und ich, wenn wir..."

„Gut, dass du im Bett nicht so verklemmt bist wie beim Reden, sonst würden wir jetzt noch in der Dusche stehen", bemerkte Spike leise lachend und betrat den Aufzug.

„Wo seid ihr denn so lange? Wir warten schon fast eine halbe Ewigkeit", wurden sie von Cordelia begrüßt, die sie genervt anschaute.

Spike grinste. „Es ist nicht meine Schuld", sagte er und Angel wurde augenblicklich mulmig zumute, da er befürchtete, sein Childe würde intime Dinge ausplaudern. Doch Spike hielt sich so einigermaßen zurück und meinte nur. „Es gab Probleme mit der Dusche. Ihr kennt das ja, wenn was umfällt und eine Sauerei hinterlässt."

„Ahh, Duschgel meinst du", wusste Cordy sofort und Spike nickte bestätigend, während er Angel intensiv anschaute. „Jepp, du sagst es. Das weiße, klebrige Zeug ist dann so gut wie überall und..."

„Wir sollten uns beeilen. Außerdem ist das Thema nicht wirklich interessant", beeilte sich Angel zu sagen und rannte aus der Lobby.

Spike folgte ihm grinsend und wenig später saßen alle vier in einem Taxi, welches sie zum London Eye brachte.

Die Leute vom Rat warteten schon auf sie und Wesley stellte seine Freunde vor. Ohne weitere Worte betraten sie eine der Kabinen und erst als sich das Gefährt in Bewegung gesetzt hatte, begann der Mann, den Wesley als Bishop vorgestellt hatte, zu sprechen. „Hier sind wir sicher, keine Zuhörer zu haben. Aber zuerst möchte ich Ihnen danken, dass Sie die Gefahr mit dem T`Ruye abgewendet haben. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Sie das nicht hätten verhindern können. Außerdem möchte ich Ihnen versichern, dass der Betrag, wenn er auch sehr hoch ist, anstandslos von uns bezahlt wird. Allerdings möchte ich Sie bitten, uns dabei behilflich zu sein, Mr. Travers Machenschaften aufzudecken. Dazu müssten wir aber ein Geständnis von ihm haben, was sehr schwierig sein dürfte. Doch wir müssen es versuchen. Ich habe eine Sitzung einberufen, indem ich behauptete, einen potentiellen Sponsor gefunden zu haben, der unsere Sache unterstützen will. Diejenigen, die auf unserer Seite stehen, tragen einen unauffälligen, ovalen Anstecker auf dem linken Revers. So können Sie meine Leute erkennen", fügte Bishop noch erklärend hinzu.

„Gut, ich übernehme Travers. Spike, Wes und Ihre Leute kümmern sich um die anderen Abtrünnigen. Cordy, du bleibst an meiner Seite", bestimmte Angel und Spike maulte sofort: „Wieso darf ich nicht Travers Angst machen? Das ist gemein."

„Weil du mehrere Aufgaben erledigen musst. Erstens musst du dafür sorgen, dass uns niemand entkommt und zweitens, dass keiner von unseren Leuten ernsthaft verletzt wird."

„Das könntest du auch", entgegnete Spike, da er sich nicht abwimmeln lassen wollte.

„Das schon, aber so hast du die Möglichkeit zu jagen und dich ein bisschen zu amüsieren", erklärte Angel zwinkernd und Spike grinste verstehend.

 

******

 

Durch die Kanalisation gelangten sie in einen Kellerraum, in dem die Anhänger Bishops warteten. Sie hatten eine Truhe mit Waffen bereitgestellt und jeder nahm sich, was er wollte. Bishop führte die Truppe durch die Gänge und wenig später betraten sie den Sitzungssaal.

Verwunderte Gesichter starrten ihnen entgegen und nur Travers erkannte die Situation sofort. „Das ist ein Überfall", rief er laut und versuchte durch eine verborgene Tapetentür zu entkommen. Doch, noch bevor er hindurchschlüpfen konnte, hatte Angel ihn erreicht, packte den Flüchtenden am Kragen und schleifte ihn zu einem Stuhl, wo Travers sich setzen musste.

Inzwischen versuchten die Anhänger von Travers entweder zu flüchten, oder sich zu wehren. Doch, da sie waffenlos waren, war der Kampf bald entschieden und sie wurden in eine Ecke gedrängt. Nur Spike spielte noch ein bisschen mit zwei der Ratsmitgliedern, doch das wurde ihm bald zu langweilig. „Memmen, so macht es keinen Spaß", brummelte er ungehalten, behielt sein dämonisches Aussehen jedoch bei, schubste die beiden zu den anderen Gefangenen und baute sich drohend vor ihnen auf. Bei dem Anblick der Vampirfratze wagte es keiner sich zu bewegen und Spike grinste selbstzufrieden.

Nun richtete sich alle Aufmerksamkeit auf Travers der mit hochmütigem Gesicht dasaß und wissen wollte, was das alles zu bedeuten hatte. „Genau das sollten Sie uns sagen, Mr. Travers. Erzählen Sie den Mitgliedern dieser erlauchten Runde, was Sie geplant hatten", verlangte Angel und drückte den Mann tiefer in seinen Stuhl.

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, wovon Sie reden", behauptete Travers stur und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Haben Sie nicht? Nun, ich bin sicher, es wird Ihnen bald wieder einfallen. Sie kennen die Geschichten, die man über Angelus erzählt? Glauben Sie mir, sie sind alle wahr und auch, wenn ich jetzt eine Seele habe, Angelus ist nie ganz verschwunden und es würde ihm tierischen Spaß machen, mal wieder an die Oberfläche treten zu dürfen. MIR würde es großen Spaß machen. Also, womit fange ich an?" Angel tat, als müsste er überlegen, dann lächelte er, holte eine Lederschnur aus seiner Tasche und ließ seinen Dämon hervortreten. „Kennen Sie das Gefühl, wenn nasses Leder auf der Haut trocknet, sich immer enger zusammenzieht, das Blut abschnürt? Ich liebe den Geruch von Angst. Das Adrenalin bringt das Blut zum Kochen, es schießt durch die Venen und die Halsschlagader zuckt einladend", flüsterte Angel Travers zu und der schluckte schwer. Trotzdem ließ er sich nicht so einfach ins Bockshorn jagen und entgegnete: „Ich habe keine Angst, nur weil Sie mir die Hände fesseln wollen, werde ich keine Lügen erzählen und..."

„Oh, an die Hände habe ich dabei sicher nicht gedacht." Angel lachte böse und starrte in Travers Schritt.

Der keuchte erschrocken auf und als Angel Hand an Travers Gürtel legte, begann der sofort alles hastig zu gestehen.

***

Eine halbe Stunde später saßen Bishop, Wes, Cordy und die beiden Vampire in Travers ehemaligem Büro und Bishop händigte Angel den Scheck aus. „Eine hohe Summe, das muss ich schon sagen, Angel, aber es scheint gering, wenn man bedenkt, dass Sie, und natürlich Ihre Leute, den Weltuntergang verhindert haben. Ich hoffe, dass wir in Zukunft besser zusammenarbeiten. Der neue Rat und ich, werden uns auf alle Fälle darum bemühen."

„Wenn Sie Ihren jetzt gewählten Weg beibehalten, spricht nichts dagegen", fand auch Angel und Wes nickte zufrieden. „Was passiert mit Travers und seinen Leuten?", wollte der ehemalige Wächter noch wissen, bevor sie sich verabschiedeten.

„Wir haben sehr gute Möglichkeiten sie sicher zu verwahren", entgegnete Bishop lächelnd und reichte seinem Freund die Hand.

„Zur Bank," verlangte Spike, nachdem sie das Ratsgebäude verlassen hatten. „Ich traue dieser Bande noch immer nicht und wer weiß, ob dieser Scheck überhaupt gedeckt ist."

„Das interessiert mich auch", meldete sich Cordy zu Wort. „Schließlich geht es darum, ob ich shoppen gehen kann oder nicht."

 

Epilog

(Silentthunder)

Kalt und schwer waberte der Nebel durch die engen Gassen und wieder fragte er sich, warum gerade er ein solches Schicksal verdient hatte? Warum musste ausgerechnet er solch schlimme Sachen erdulden? Gänsehaut, die er sonst nur von Hörensagen kannte, jagte in eisigen Schauern über seinen Rücken und er schüttelte sich.

Der wahre Horror’, dachte er mit erstarrter Miene, als der schwere Wagen hielt und der Fahrer ihn drängte, auszusteigen. Alles in ihm sträubte sich und er überlegte einen Moment, ob ihm jemals etwas so schwer gefallen war. ‚Nein’, dachte er. ‚Nichts war so grauenerregend!’

„Nun komm schon", drängte ihn eine ungeduldige Stimme. „Es ist kalt und ich will nicht länger auf der Straße stehen."

Cordelia war bereits ausgestiegen und ihre Fingernägel klopften in rascher Folge auf das Autodach. Sie bückte sich, warf einen fragenden Blick auf den Rücksitz und musste lachen, da Spike sich am Polster des Sitzes festklammerte, als könnte es ihn vor einem grauslichen Unheil bewahren. „Du wirst es überleben", lachte sie. „Und nun komm. So viel Zeit bleibt uns nicht mehr und wir haben noch viel vor."

„Warum gehst du nicht alleine?", fragte der Vampir hoffnungsvoll. „Ich bin bestimmt keine große Hilfe."

„Du stellst dich an wie ein kleines Kind, das nicht zum Zahnarzt will", brummte Cordy. Sie hatte keine Lust, noch länger zu warten und so lehnte sie sich tiefer in den Wagen und zerrte an seinem Ärmel. „Los jetzt. Ich habe selten die Gelegenheit in Ruhe einkaufen zu können und diesmal habe ich nicht einmal ein Limit. Ich darf soviel Geld ausgeben, wie ich möchte und das versaust du mir nicht."

„Lass mich los", fauchte Spike und wischte ihre Hand weg. „Warum gehst du nicht einfach alleine? Ich setze mich in eine Kneipe und wenn du fertig bist, fahren wir zusammen zurück."

„Angel hat gesagt, du gehst mit, also machst du das auch! Und jetzt steig aus, sonst mach ich hier eine riesige Szene!" Cordelias Gesichtsausdruck war eisig und Spike sackte in sich zusammen.

„Ist ja gut", murmelte er, aber in Gedanken erwürgte er Angel gerade. Wie hatte sein Geliebter ihm das nur antun können? Wesley und der dunkelhaarige Vampir hatten ihn solange bearbeitet, dass er schließlich zugesagt hatte, mit der ehemaligen Cheerleaderin einzukaufen.

„Das bist du ihr schuldig", hatte Angel hinterlistig gesagt. „Immerhin ist sie extra aus dem Grund mitgekommen."

Und auch Wesley hatte sein Bestes getan, um Angel zu unterstützen. „Sie vertraut deinem Geschmack", hatte er gegrinst. „Immerhin machst du ihr oft genug Komplimente."

Bitten und Betteln hatte nicht geholfen und die wilden Beschimpfungen, mit denen er die beiden bedacht hatte, schon gar nicht. ‚Ich werde es überleben’, dachte er genervt und stieg aus dem Wagen. Er sah auf, blickte in das perfekt gestylte Schaufenster mit Schuhen, Stiefeln und hochhackigen Pumps und verdrehte die Augen. ‚Gott, verfluchte Hölle! Das werde ich den beiden heimzahlen! Und wenn es das letzte ist, was ich mache. Die Rache ist mein!’

Cordy öffnete die schwere Tür des noblen Geschäfts und grinste ihn zufrieden an. „Diesmal will ich es mit der Etikette mal nicht so genau nehmen", sagte sie und ließ ihn eintreten. „Aber dafür darfst du gleich jedes Paar Schuhe begutachten, dass ich anprobiere. Keine Angst", sagte sie, als er sie erschrocken ansah, „mehr als hundert werden es wohl nicht werden. Danach gehen wir dann Klamotten kaufen und zum Schluss Kosmetikartikel."

Spikes Schultern sackten herab und er fühlte sich wie ein Greis, der es kaum schaffte, die Füße voreinander zusetzen. Vor seinem geistigen Auge sah er einen höhnisch grinsenden Angel und er verfluchte ihn lautlos. ‚Warte es ab’, dachte er bitter. ‚Mir wird schon etwas einfallen, um mich fürchterlich zu rächen. Der, der zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten!

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

Tbc...