
Titel: In too deep
Autor: Silentthunder
Inhalt: Buffy und Spike langweilen sich. Am Höllenschlund ist absolute
Ruhe und Giles hat eine kleine Aufgabe für die Zwei, die nicht ganz so ist,
wie sie es erwartet hatten..
Altersfreigabe: ab 16!
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike
In too deep
Die Nacht hatte gerade erst begonnen, aber die Jägerin kickte bereits gelangweilt eine leere Coladose über den menschenleeren Bürgersteig. Seit Tagen war es ruhig am Höllenschlund. Viel zu ruhig für Buffys Geschmack. Gewöhnlich bedeutete diese Stille nur die Ruhe vor dem obligatorischen Sturm und sie hatte keinerlei Lust auf eine erneute Weltuntergangsversion. Konnte es denn nicht mal einfach sein? Jeden Abend ein paar Dämonen grillen, ein paar Vampire killen oder ein Rudel Werwölfe aus der Stadt jagen sollte eigentlich reichen. Warum musste nur immer gleich die gesamte Welt in Gefahr sein?
Buffy seufzte leise und gab der Dose einen erneuten Tritt, die diese etliche Meter weit nach vorne beförderte.
Spike, der bisher ruhig neben ihr hergegangen war, grinste. „Was denn, Slayer?", fragte er gehässig. „Kannst du es nicht abwarten, dem nächsten Dämon den Arsch aufzureißen?"
„So in etwa", gestand Buffy und konnte sich ein leises Schmunzeln nicht verkneifen. Er kannte sie wirklich viel zu gut und manchmal machte genau diese Tatsache sie etwas unruhig. Sie blieb stehen und sah ihn an. „Mal ehrlich, dir ist doch auch langweilig. Und versuch gar nicht erst, es abzustreiten. Ich kann es dir ansehen."
„Erwischt", erwiderte der Vampir und zuckte grinsend mit den Schultern. „So
langsam weiß ich wirklich nicht mehr, wo ich mit meiner ganzen überschüssigen
Energie bleiben soll." Er schmunzelte, wackelte dann anzüglich mit den
Augenbrauen und sah sie herausfordernd an. „Ich hätte da zwar eine Idee, aber…"
„Vergiss es", schnauzte Buffy beleidigt und ließ ihn gar nicht ausreden. Sie
stöhnte, winkte ab, da sie keine Lust auf dieses Gespräch hatte, und sah sich
um. „Wir sollten zurück zu Giles. Vielleicht hat der ja irgendeine Aufgabe für
uns."
„Wenn du meinst", brummte Spike. „Vielleicht hat dein Wächterlein ja wirklich etwas für uns. Und wenn nicht…", lachte er. „Dann guck ich gleich noch mal bei Willy vorbei. Vielleicht laufen da ein paar Dämonen rum, die Lust auf eine Schlägerei haben."
„Super Idee", murmelte Buffy. „Heute wäre ich glatt bereit, mitzukommen, nur um endlich mal wieder etwas zu tun zu haben."
Zusammen machten sie sich auf den Weg zurück in die Magic Box. Die Straßen waren wie ausgestorben, nicht einmal ein Hund bellte und die Jägerin schob genervt die Unterlippe nach vorne. Wenn das so weiterging… Nein! Das würde es nicht. Das tat es nie.
„Warum machst du es nicht so wie der Welpe?", riss Spike sie aus ihren Gedanken.
„Wieso? Was macht Xander denn?", erkundigte sich Buffy vorsichtig. Sie hatte den sarkastischen Unterton durchaus gehört und rechnete schon mit einer idiotischen Antwort.
„Nun", grinste Spike. „Sobald es einmal ruhig ist, sitzt er sich in irgendeiner Ecke den Hintern platt und schiebt Donuts in sich rein."
„Er hat Urlaub", verteidigte Buffy ihren Freund. „Und weil Anya auch ständig im Zauberladen ist… Was sollte er sonst machen?"
„Da fallen mir eine Menge Dinge ein", erwiderte Spike und lachte höhnisch. „Sogar Willow und Tara nutzen die Gunst der Stunde."
„Die Gunst der Stunde", wiederholte Buffy mit hochgezogenen Augenbrauen und schüttelte den Kopf. „Meine Güte. Manchmal kommt bei dir tatsächlich noch der verkorkste Brite durch."
„Pffft", machte der Vampir und verzog das Gesicht. „Jedenfalls genießen sie
die Stille am Höllenschlund und haben das einzig Richtige getan."
„Sie sind nach L.A. gefahren, um an einem Hexenzirkel teilzunehmen. Was ist so
Besonderes daran?"
„Ganz einfach", erklärte Spike. „Sie sind nicht hier und versuchen mit Gewalt
irgendwelche Dämonen aufzuspüren, so wie wir. Die Beiden wissen jedenfalls noch,
was Freizeit bedeutet."
„Ja, ja", brummte Buffy und seufzte lautlos. Im Grunde genommen hatte Spike sogar Recht. Die beiden Hexen genossen wirklich jede freie Minute und warteten nicht nur darauf, dass wieder irgendetwas Schlimmes geschah. Sie seufzte wieder und drückte die Tür des Zauberladens auf. Vielleicht sollte sie sich ein Hobby zulegen.
„Oh", sagte Giles, als er die missmutigen Gesichter der Neuankömmlinge gesehen hatte. „Schon wieder nichts entdeckt?"
„Nein, gar nichts", brummte Buffy und ließ sich auf einen Stuhl fallen. „Nicht einmal einen blöden Vampir." Sie sah sich neugierig um. „Wo sind Xander und Anya?", erkundigte sie sich dann.
„Ich habe die Beiden nach Hause geschickt", erklärte der Wächter. „Da ich keine Bücher durchschauen muss, schaff ich den Laden auch alleine."
„Wir sind echt armselig", meldete Spike sich sarkastisch zu Wort. „Wir können absolut nichts anderes mehr, als Dämonen und Monster zu jagen und zur Strecke zu bringen."
Giles wollte etwas erwidern, doch Buffy kam ihm zuvor. „Er hat Recht", brummte sie und sackte in sich zusammen.
„Ähm…Nun, vielleicht", gestand der Wächter. „Vielleicht habt ihr ja beide Recht und ich sollte euch dann lieber nicht erzählen, was ich heute…"
„Was haben Sie heute?", unterbrach Spike sofort nach. Langsam war ihm egal, was er zu tun bekam. Seine Zehennägel rollten sich schon vor Langeweile auf und er würde eine Menge merkwürdige Dinge unternehmen, um das zu ändern.
„Es gab einen Bericht in den Nachrichten", meinte der Wächter und verzog spöttisch das Gesicht. „Ihr kennt doch das alte Haus an der Elmstreet?", fragte er, sah Buffy den Kopf schütteln und Spike grinsen.
„Diese uralte halbe Ruine etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt?", fragte der Vampir und bekam das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. „Was ist damit?"
„Es sollen dort seit einigen Tagen merkwürdige Dinge geschehen", erklärte der Wächter und sah seiner argwöhnischen Jägerin ins Gesicht. „Seltsame Unfälle und in den Nachrichten war sogar von dem Verschwinden zweier Männer die Rede."
„Und was hat das jetzt mit uns zu tun?", hakte Buffy nach. „Wenn es in dem Haus spukt, dann habe ich da nichts verloren. Das wäre eher etwas für Willow und Tara."
„Ach, komm schon", erwiderte Spike und wippte vor Vorfreude auf und ab. „Dann haben wir wenigstens etwas zu tun." Er lachte. „Vielleicht gibt es dort eine nette Schlägerei für uns…"
„Ja, da haben wir es wieder", brummte Buffy. „Hatten wir nicht gerade davon gesprochen, wie armselig es ist, nichts Besseres zu tun zu haben?" Sie lachte, als sie das grummlige Gesicht des Vampirs sah. „Na, dann los!", sagte sie und stand auf. Sie wandte sich ihrem Mentor zu. „Können wir Ihr Auto mitnehmen? Ich habe keine Lust auf den Fußmarsch."
„Aber nur, wenn Spike fährt", erwiderte Giles und zog seinen Schlüsselbund aus der Tasche.
„Ich kann Auto fahren", maulte die Jägerin.
„Und wie", erwiderte Spike und lachte gehässig. „In der Salzwüste von Utah oder da, wo es keinerlei Verkehrsschilder, Randbegrenzungen oder Menschen gibt, die dir zufällig in den Weg springen."
„Pfff", machte Buffy beleidigt. „Warum glaubt mir nur keiner, dass ich fahren kann."
„Weil wir dich fahren sehen haben", feixte Spike, nahm dem Wächter die Schlüssel aus der Hand und deutete mit dem Kopf zur Tür. „Auf geht’s. Ein neues Abenteuer, eine neue Keilerei, oder was auch immer…"
Giles sah den Beiden lange hinterher. So wenig es ihm auch gefiel, der Vampir hatte durchaus Recht mit seiner Aussage über die ungenutzte Freizeit. Aber es betraf nicht nur Buffy, sondern auch ihn. Auch er wusste mit seiner Zeit nichts mehr anzufangen, die nicht für die Jagd nach Dämonen drauf ging. Er blickte auf, sah sich um und runzelte die Stirn. ‚Und was mache ich jetzt?’, überlegte er. ‚Jedenfalls kein staubiges Buch wälzen!’
**********************
Etwa dreißig Minuten später parkte Spike den klapprigen Citroen am Straßenrand und Buffy starrte auf das Haus, das sich in der Dunkelheit abzeichnete.
„Das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte sie entsetzt.
„Warum?", entgegnete der Vampir harmlos. „Was ist denn?" Seine Stimme sollte möglichst beiläufig klingen, doch er konnte das Schmunzeln nicht verbergen und Buffy blickte ihn genervt an.
„Das da", meinte sie und zeigte durch das Fenster auf das alte Gebäude. „Wo sind wir hier gelandet? Das kann nur ein Witz sein!" Sie öffnete die Beifahrertür, stieg aus und lehnte sich an den Wagen. „Wir haben nicht zufällig eine Reise in ein Filmstudio gemacht, oder?"
„Hä?", machte Spike und knallte mit Nachdruck die Fahrertür zu.
„Das hat was von dem Haus aus *Psycho*", erwiderte Buffy und verzog das Gesicht. „Es sieht aus, als wäre es tausend Jahre alt. Jedenfalls würde es mich nicht wundern, wenn mir gleich Anthony Perkins begegnen würde."
„Seit wann interessierst du dich für solche Filme?", erkundigte sich der Vampir. „Ich dachte, du siehst genug Horror, dass du dir so etwas nicht antust."
„Ich glaube, fast jeder Mensch hat diesen Film einmal gesehen", erwiderte Buffy. „Und ehrlich gesagt, fand ich ihn vollkommen blö…"
„Sprich es nicht aus!", unterbrach der Vampir bissig. „Das war ein Meilenstein in der Filmgeschichte!"
„Ja, ja", motzte Buffy und schüttelte den Kopf. „Bleiben wir jetzt hier und diskutieren über Filme, oder schauen wir uns das Haus einmal an?"
„Du hast doch damit angefangen", brummte der Vampir. Er ging um das Auto herum, öffnete die quietschende Gartenpforte und drehte sich grinsend um. „Pass auf, dass du Norman Bates nicht über den Weg läufst."
Buffy verzog das Gesicht und sah zu dem Haus hinauf, das auf einer kleinen Anhöhe stand und jetzt vom Mond beleuchtet wurde, der sich durch die dicke Wolkenschicht geschoben hatte. Kleine Türmchen stachen in das Schwarz der Nacht und sie schauderte. ‚Langeweile ist was Schönes! Warum musste ich das unbedingt ändern?’
Zusammen stiegen sie den schmalen, steinigen Pfad hinauf zum Haus, der von wild wachsenden Kräutern überwuchert war. Das alte Gebäude selbst mochte direkt nach seiner Erbauung eine wahre Pracht gewesen sein, mit all seinen Erkern und Winkeln. Jetzt sah die Sache allerdings etwas anders aus. Die ehedem weiß gestrichene Holzfassade war nun unansehnlich grau und verwittert. Die Fensterläden waren morsch und hingen lose in ihren Angeln und die Scheiben waren entweder zersplittert, oder gar nicht mehr vorhanden.
Das alte Bauwerk machte einen trostlosen, fast unheimlichen Eindruck und Buffy fröstelte. Sie hatte das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden und sie warf einen kurzen Blick auf den Vampir, der schweigend neben ihr herging.
Spike erwiderte den Blick und nickte leicht. Fast schien es, als hätte er ihre Gedanken gelesen und antwortete nun auf die unausgesprochene Frage.
Gemeinsam betraten sie die Veranda, deren morsche Dielen unter ihren Füßen bebten und ächzten.
„Ich hasse das", murmelte Buffy leise, als sie an der Tür angekommen waren, die sie in das Innere führen würde.
„Was?", erkundigte sich der Vampir leise.
„Ein vollkommen unbekanntes Gelände", flüsterte die Jägerin und deutete mit dem Daumen auf die morsche Tür. „Wenn es keinen Strom gibt, dann ist es dort stockdunkel und wir werden in dem blöden Haus nicht die Hand vor Augen sehen. Hätten wir bloß an Taschenlampen gedacht", seufzte sie.
„Ich sehe genug", grinste der Vampir und legte den Kopf an die Seite. „Ich
kann dich ja führen."
„Das hilft mir gewaltig", erwiderte die Jägerin ironisch und rollte mit den
Augen. Sie legte die Hand auf den Türknauf, atmete heftig ein und drehte ihn
vorsichtig.
Quietschend und laut knarrend schwang die verwitterte Tür auf und Buffy schüttelte genervt den Kopf. Einen Überraschungsangriff, welcher Sorte auch immer, konnten sie sich nun sparen. Die grauslichen Laute der Tür waren mit Gewissheit im ganzen Haus zu hören gewesen.
Spike schob sich an ihr vorbei, betrat als erstes den dunklen Raum und suchte nach einem Lichtschalter. „Es werde Licht", murmelte er und eine trübe Glühbirne flammte auf.
Nach einem ersten flüchtigen Blick in das trübe Innere fragte sich Buffy, ob Dunkelheit nicht vielleicht doch besser gewesen wäre.
Überall hingen tote Tiere, aufgehängt an Stricken und schmalen Drähten und einige von ihnen waren bereits halb verwest. Die Jägerin erkannte Eichhörnchen, Hasen, Kojoten und es waren sogar Ratten darunter.
„Lecker", grummelte Spike und lachte leise, nachdem er ihr angeekeltes Gesicht sah. „Wären dir Menschen lieber?"
„Wenn Giles recht behält, werden wir noch zwei finden", murmelte Buffy und kämpfte den Brechreiz nieder. Der Gestank, der ihr entgegenströmte, war bestialisch und sie beneidete Spike, der seine Atmung einfach abstellen konnte. „Geh vor, ich komme nach", brummte sie und gab dem Vampir einen sanften Schubs.
„War klar", erwiderte Spike sarkastisch und marschierte los.
Die Jägerin atmete noch ein letztes Mal heftig ein und eilte ihm nach. Sie folgte ihm durch die kleine Eingangshalle und versuchte krampfhaft, nicht wieder auf die halbverwesten Tiere zu sehen. Auf vielen der bedauernswerten Kreaturen krabbelten Maden und die Innenorgane waren von Fliegen zerfressen.
„Ich glaube, das, was wir suchen, ist in dem Raum", flüsterte Spike und deutete auf eine Tür.
„Woher weißt du das?", erkundigte sich Buffy leise und hielt sich mit der Hand die Nase zu. Der Gestank war mörderisch und ihr Magen drehte sich beinahe um.
„Ich kann es hören", raunte der Vampir und verzog das Gesicht. „Ich sollte dich vorwarnen. Wenn du mich fragst, dann ist das Etwas da drinnen gerade beim Abendessen."
„Oh, nein", murmelte Buffy. „Muss das sein?", sie seufzte. „Warum hört es uns nicht?", fragte sie dann.
„Keine Ahnung", erwiderte Spike mit normaler Lautstärke. „Entweder der Dämon ist taub, oder es interessiert ihn nicht."
„Wir werden es herausfinden", antwortete Buffy und bemerkte aus den Augenwinkeln eine Bewegung auf ihrer Schulter. „Eine Spinne", zischte sie. „Eine riesige Spinne!" Nervös fuchtelte sie mit ihren Armen auf und ab. „Mach das Mistvieh weg", schrie sie beinahe. „Mach sie weg!"
Spike lachte, wischte mit der Hand die Tarantel von ihrer Schulter, trat mit Wucht darauf und schüttelte dann den Kopf. „Also, erstens: Das Ding da drinnen ist definitiv taub und zweitens… Du bist die Jägerin! Du reißt Dämonen die Köpfe ab und hast Angst vor einer blöden Spinne?"
„Das war keine einfache Spinne", maulte Buffy. „Das war ein Monster."
„Und das da drinnen ist keines?", fragte Spike und lachte fies.
„Das wissen wir noch nicht", erwiderte Buffy und streckte sich. „Wollen wir hier Wurzeln schlagen oder gehen wir jetzt da rein?" Sie hatte ihre gewohnte Form wieder gefunden und funkelte ihn böse an.
„Du gehst vor", grinste der Vampir hinterhältig, packte sie an den Schultern und schob sie nach vorne. „Anklopfen brauchen wir wohl nicht, oder?"
„Eher nicht", brummte die Jägerin und stieß die Tür weit auf, hinter der Spike das Monster vermutete.
‚Widerlich’, war das erste, was ihr durch den Kopf schoss. Das Ding saß an einem uralten verdreckten Tisch und war, wie Spike es so nett ausgedrückt hatte, gerade am Abendessen. Allerdings waren die Überreste auf dem Tisch menschlich und Buffy drehte sich wieder der Magen um.
„Besuch", brummte eine dunkle, grollende Stimme. „Wie nett. Dabei hatte ich gar keinen Zimmerservice bestellt."
Ein glucksendes Geräusch hallte durch die ehemalige Küche und Buffy begriff, dass der Dämon lachte.
Er war riesig. Bestimmt weit über zwei Meter groß und hatte die Statur eines gewaltigen Bären. Allerdings besaß er kein Fell, sondern eine widerlich grünliche Lederhaut, die in einem gewaltigen Panzer endete. Abscheulich gezackte Stacheln bedeckten seinen Rücken und er grollte leise, als er sich erhob.
„Das mit dem nicht hören können hat sich dann erledigt", flüsterte Spike hinter ihr. „Anscheinend ist ihm egal, wer durch sein Haus läuft."
„Mein Pflock wird wohl nicht viel ausrichten, oder?", antwortete Buffy mit einer Gegenfrage.
„Ich denke nicht", murmelte Spike und kramte in den Taschen seines Mantels nach brauchbaren Waffen. Er fand ein kleines Springmesser, zuckte mit den Schultern und ließ es aufschnappen. ‚Besser als nichts’, dachte er und ärgerte sich im gleichen Moment, dass sie nicht vorher daran gedacht hatten.
„Und was machen wir jetzt?", fragte Buffy und ließ das auf sie zu wankende Monster keine Sekunde aus den Augen.
„Das nehmen, was sich anbietet", flüsterte Spike, nickte ihr noch einmal zu und ging dann auf die andere Seite des Raums, um den Dämon möglicherweise von hinten angreifen zu können.
Buffy warf einen kurzen Rundblick durch die spärlich beleuchtete Küche, sah eine gusseiserne Pfanne auf dem rostigen alten Ofen stehen und zuckte mit den Schultern. ‚Zumindest ist das Ding steinhart. Ich muss es nur noch erreichen!’
Der Dämon war auf halbem Weg stehen geblieben. Anscheinend konnte er sich nicht entscheiden, wem er seine Aufmerksamkeit schenken sollte und Spike erleichterte ihm die Entscheidung, indem er ihn auf das Übelste reizte und beschimpfte.
„Hast du Blödmann keine Manieren?", fragte er und nahm einen angenagten menschlichen Arm vom Tisch. „Also wirklich, der ist ja nicht einmal halb aufgegessen!" Spike holte aus, warf den halben Arm und traf das Monster am Kopf.
Wütend brüllte der Dämon los, fuhr seine Krallen aus und langte über den Tisch. Doch Spike war schneller. Er ging einfach einen Schritt zurück und lachte über die Lahmheit seines Gegners. „Schlappschwanz", feixte er und lachte fies. „Komm schon, du Blödmann. Oder bist du zu voll gefressen?"
Buffy hingegen war geradezu begeistert über die gemächlichen Bewegungen des Dämons. Das vereinfachte die Sache ungemein. Nun zumindest, wenn er wirklich so langsam war, wie es schien. Sie beobachtete die beiden einen weiteren Moment, bewegte sich dann lautlos und schlich hinter dem Dämon vorbei, der sich unbeholfen auf den Weg um den Küchentisch machte.
Lautlos griff sie nach der Pfanne, wirbelte herum und sprang ab. Der Schlag war hart und traf die Stacheln am Rücken des Dämons. Allerdings schien er keinerlei Wirkung zu haben. Der Dämon kümmerte sich gar nicht um das, was hinter ihm geschah. Er hatte sich auf Spike eingeschossen, der nun mit sämtlichen Küchenutensilien warf, die er in die Finger bekommen konnte.
„Verdammt, Slayer. Das wird verflucht schwer", rief Spike über die Länge der Küche. „Scheinbar ist das Mistvieh unverwundbar!"
„Es gibt immer eine verwundbare Stelle", rief Buffy aufmunternd zurück. „Wir müssen sie nur finden." Sie sah auf die Pfanne, zuckte mit den Schultern und nahm erneut Anlauf. Sie benutzte einen der klapprigen Stühle als Sprungbrett, holte aus und schlug ein weiteres Mal zu. Doch außer das ihre Hand von dem heftigen Schlag vibrierte, passierte nicht viel. Der Dämon grunzte nur kurz und bewegte sich langsam weiter auf den Vampir zu.
„Okay", murmelte Buffy und ließ die Pfanne mit einem lauten Krachen fallen. „Das hat wohl keinen Zweck."
„Dann lass dir was einfallen", rief Spike, der den Tisch fast komplett umrundet hatte und nun dicht neben ihr stand. Er lehnte sich zu ihr rüber, ließ jedoch das Monster keine Sekunde aus den Augen und runzelte die Stirn. „Kannst du mir mal sagen, wie der zwei Menschen gefangen hat? Der ist langsamer als eine Schnecke."
„Das ist eine gute Frage", erwiderte Buffy. „Vielleicht kann er etwas, was
wir nicht können."
„Und das wäre?"
„Das da", sagte die Jägerin und zeigte auf den Dämon. Das Monster wurde von einer grünen Rauchwolke eingehüllt, die sich nun von ihm löste und schnell auf sie zu bewegte. „Oh,… mir wird schlecht", brachte sie gerade noch über die Lippen, als der Dampf bei ihnen ankam. Sie drehte sich weg und übergab sich.
Der Gestank der Wolke war bestialisch. Selbst Spike rümpfte die Nase und stellte sofort die Atmung ein. ‚Millionen verfaulte Eier’, schoss es ihm durch den Kopf und er zog die Jägerin rückwärts, die in sich zusammengesunken war und unablässig würgte. „Slayer! Reiß dich zusammen. Das ist jetzt nicht die Zeit, um die Mimose zu spielen!", schimpfte er.
„Ich kann nicht", krächzte Buffy. Ihre Gedärme schienen zu brennen und selbst das Atmen fiel ihr schwer. Ihr Kopf drehte sich und sie spürte kaum, dass der Vampir sie hochhob. „Bis später", hörte sie ihn leise murmeln, dann flog sie in hohem Bogen durch ein Fenster und landete unsanft im Garten des Horrorhauses. Sie hörte noch das dunkle Grollen des Dämons, dann wurde ihr schwarz vor den Augen und sie dämmerte in eine tiefe Bewusstlosigkeit.
„Slayer, komm schon! Mir müssen hier weg!" Spike schüttelte genervt den Kopf. Seit beinahe fünf Minuten versuchte er nun, Buffy zu wecken, aber es wollte ihm nicht gelingen. Einen letzten Versuch startete er noch, dann kippte er die Flasche Wasser, die er in Giles Citroen gefunden hatte, über ihren Kopf.
Prustend kam die Jägerin hoch, atmete tief die frische Luft ein und sah dann auf das riesige Feuer, dass das alte Haus umschlossen hatte. „Du räumst auf", krächzte sie heiser und wischte sich die nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Aber musste ich deswegen gleich baden?"
„So ein nettes Feuerchen", lachte Spike. „Die Stinkbombe ist übrigens endgültig erledigt."
Buffy lachte leise, ließ sich dann von dem Vampir auf die Beine helfen und schwankte leicht. In ihrem Inneren loderte auch ein Feuer, aber hier an der frischen Luft war es bedeutend leichter zu ertragen. „Wie hast du ihn erledigt?"
„Sagen wir mal so", lachte der Vampir höhnisch. „Er hatte eine sehr empfindliche Stelle und die habe ich gefunden." Er hob die Hand und bremste ihre nächste Frage aus. „Das willst du gar nicht genau wissen", meinte er. „Zumindest war er männlich. Jedenfalls bis kurz vor seinem Tod."
Buffy verzog angewidert das Gesicht. „Weißt du, was ich jetzt will?", fragte sie und sah an der Rauchsäule des Feuers empor in den Himmel. „Ich will meine Langeweile zurück!", sagte sie, als der Vampir nicht antwortete. „Und ganz sicher werde ich mich nie wieder darüber beschweren, nichts zu tun zu haben."
„Ja, sicher", erwiderte Spike ironisch und folgte ihrem Blick. „Vielleicht solltest du stricken lernen!"
„Pfft", machte Buffy. „Da starre ich lieber Löcher in die Luft, als das zu lernen", grummelte sie. „Lass uns zurückfahren."
„Ja, es wird Zeit. So langsam wird es mir hier nämlich zu warm. Außerdem wird
es wohl nicht mehr lange dauern, bis die verdammte Feuerwehr hier auftaucht."
„Kann ich fahren?", fragte Buffy und versuchte es mit einem Augenaufschlag."
„Ganz sicher nicht", erwiderte Spike fies grinsend, drehte sich um und lief den
schmalen Pfad hinab zum parkenden Wagen.
„Ich kann fahren", rief sie ihm nach und verzog das Gesicht. „Das ist unfair", murmelte sie dann vor sich hin. „Er ist doch schon tot. Was sollte ihm schon groß passieren?" Sie warf einen letzten Blick auf das brennende Haus. „Langeweile, ich komme", sagte sie, grinste und eilte dem Vampir hinterher.