Titel: …in quiet earth
Autor: Silentthunder
Inhalt: Buffy bekommt es mit einem mächtigen Dämon zu tun, der die Macht hat, den Höllenschlund zu öffnen.
Altersfreigabe: keine
Teile: ?
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike
 

In quiet earth

Dichte rote Schleier zogen über den langsam dunkler werdenden Abendhimmel und Giles starrte wie gebannt auf das Schauspiel. Schon seit längerer Zeit hatte er das Gefühl, dass sich etwas Dunkles, Düsteres über Sunnydale zusammenbraute und die Anzeichen dafür verdichteten sich mehr und mehr.

Als Wächter hatte er gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und auf Kleinigkeiten zu achten, die Normalsterblichen nicht ins Auge fielen. Die vielen kleinen, aber immer stärker werdenden, Erdbeben, schienen niemand außer ihm aufgefallen zu sein. Mal ganz abgesehen davon, dass es am Höllenschlund viel zu kalt war für Mitte April.

Begonnen hatte das alles, als vor fast zwei Wochen die Bauarbeiten für ein neues Einkaufszentrum begannen. Wie typisch für Sunnydale, war man ganz zufällig auf eine Begräbnisstätte gestoßen, von deren Existenz vorher niemand auch nur etwas geahnt hatte. Das Gelände war mittlerweile weiträumig abgesperrt und eine Menge Archäologen, forensische Anthropologen und Wissenschaftlicher sämtlicher Sparten durchsuchten die aufgeschüttete Erde nach Artefakten und Knochenteilchen.

Sonderbarerweise wurden Berichte darüber strengstens geheim gehalten und Informationen darüber waren nur sehr spärlich im Umlauf. Nicht einmal Willow, mit ihren herausragenden Computerkenntnissen, war es gelungen, etwas herauszufinden. Die Presse hielt sich seltsam bedeckt und Giles vermutete stark, dass sie eine spezielle Order erhalten hatten.

Durch bloßen Zufall hatte er heute einige Militärs gesehen, die sich in einem kleinen Motel etwas außerhalb von Sunnydale einquartiert hatten. Und, als wäre die Fundstätte nicht schon Grund genug, um einmal nach dem Rechten zu sehen; das Einmischen der Armee war es auf alle Fälle. Wenn erst einmal das Militär dazu gerufen wurde, dann war klar, dass es sich um mehr handelte als vermoderte Gebeine.

Mit seiner Jägerin hatte er bereits telefoniert. Zusammen mit ihr wollte er im Schutz der Nacht einmal nachsehen, was es so Interessantes zu entdecken, beziehungsweise zu verstecken gab. Xander, Willow und dem Rest der Clique hatte er praktisch untersagt, an diesem Exkurs teilzunehmen. Je weniger Leute unterwegs waren, desto besser konnten sie sich verbergen.

Was mit einer Gruppe von mindestes sieben Personen dann doch etwas schwierig geworden wäre, überlegte er schmunzelnd, als er an den üblichen Zusammenhalt der Gang dachte. Und an deren Neugier, die ihnen zu Erb und Eigen geworden war. Gewissenhaft schloss er seinen Wagen ab und sah sich ein letztes Mal um. ‚Spike wird sich mit Sicherheit nicht davon abhalten lassen mitzukommen. Aber als Vampir ist er in der Lage mit der Nacht zu verschmelzen, also wird es kein Problem darstellen.’

Der Wächter warf einen letzen flüchtigen Blick auf das Spektakel am Himmel und öffnete seufzend die Eingangstür der Magic Box. Düstere Vorahnungen machten sich in ihm breit und er hatte schon jetzt das Gefühl von absoluter Hilflosigkeit.

„Hi Giles", rief Buffy ihm zur Begrüßung entgegen und sie nickte kurz, als er die kleine Treppe herunter schritt.

„Wo sind die anderen?", erkundigte sich der Wächter mit gerunzelter Stirn. Eigentlich hatte er erwartet, dass sich die Gruppe am runden Tisch versammelt hatte und er sich mit einer Menge Protesten auseinandersetzen musste. Vor allem von Willow hatte er erwartet, dass sie viele logische Erklärungen dafür hatte, doch noch mitzukommen.

„Anya ist gerade unten, irgendwelche seltenen Froschaugen suchen, Xander wollte Pizza besorgen und Willow und Tara kommen später. Sie sind noch im College. Irgendwas für den Chemiekurs." Buffy schüttelte die kleine Stablampe, die sie in der Hand hielt und nickte. „Ich hoffe, die Batterien halten."

„Und Spike?", fragte Giles mit hochgezogenen Augenbrauen. Er ging hinten den Verkaufstresen und kramte verwirrt in einer Schublade.

„Der hatte noch etwas Wichtiges zu erledigen", brummte Buffy und rollte mit den Augen. „Genau wollte ich es lieber nicht wissen", gestand sie dann. „Wahrscheinlich sehen wir uns spätestens auf der Baustelle. So wie ich ihn kenne, wird er sich nicht davon abhalten lassen, seine Nase in Dinge zu halten, die ihn nichts angehen."

„Dann können wir schon gehen?" Der Wächter schüttelte den Kopf. So einfach war es sonst nie. Normalerweise führten sie endlose Diskussionen und irgendwer hatte immer eine Idee, wie man den ausgearbeiteten Plan noch einmal komplett über den Haufen werfen konnte. Konnte es sein, dass sie den Ernst der Lage bisher noch gar nicht begriffen hatten? Er runzelte die Stirn, schüttelte dann den Kopf und zuckte schließlich mit den Schultern. ‚Worüber rege ich mich eigentlich auf? Ich sollte froh darüber sein.’

„Von mir aus", meinte Buffy und zuckte ebenfalls mit den Schultern. „Wir sollten Anya nur eben sagen, dass wir gehen." Sie nahm ihre Jacke von der Stuhllehne, zog sie über und lief die wenigen Schritte bis zur Kellertür.

 

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Langsam rollte der rote Sportwagen an der Absperrung vorbei, die die Zufahrtsstraße des neuen Einkaufszentrums sicherte. Buffy hatte sich in ihrem Sitz klein gemacht und blickte an Giles vorbei aus dem Autofenster. Eine Menge Menschen hatten sich dort versammelt und sie runzelte die Stirn.

„Dreizehn", murmelte sie leise und ihre Nase kräuselte sich. Unter ihnen waren einige Bauarbeiter, Polizisten und eine Menge Männer mit schwarzen Anzügen und dem obligatorischen Knopf im Ohr. ‚CIA oder FBI?’, überlegte sie überrascht.

„Dreizehn?", wiederholte der Wächter verwirrt.

„So viele Männer sind es, die die Zufahrt versperren", erklärte sie leise und drehte sich in ihrem Sitz, um aus dem Heckfenster zu sehen. Giles hatte wegen des schlechten Wetters natürlich das Verdeck des Wagens geschlossen und Buffy beglückwünschte sich augenblicklich. Immerhin konnte sie sich soviel herumdrehen, wie sie wollte, ohne gleich aufzufallen. Wie sie bereits vermutet hatte, wurden sie von aufmerksamen Augen verfolgt und die Jägerin war sich sicher, dass ein Schwarzträger sich die Autonummer des roten Cabrios notierte. „Also gibt es auch etwas zu bewachen", meinte Giles wissend und fühlte sich in seinen Befürchtungen bestätigt.

„Höchstwahrscheinlich", brummte Buffy. „Aber wenn hier schon so viel stehen…, wie viele sind dann auf dem Gelände?" Es würde nicht einfach werden, unentdeckt zu bleiben. Bisher war von dem Vampir zwar noch nichts zu sehen, aber er würde sich nicht davon abhalten lassen, sich ebenfalls dort umzusehen.

Giles war eine ganze Weile weiter geradeaus gefahren, fuhr dann rechts in die nächstbeste Straße und parkte den Wagen. Er drehte den Zündschlüssel und der Wagen machte einen letzten kleinen Satz, bevor er endgültig stehen blieb.

„Die Sicherheitsvorkehrungen sind extrem hoch", murmelte er und es schien, als spräche er zu sich selbst. „Es interessiert mich brennend, was die Behörden so verzweifelt verbergen."

„Wir werden es bald erfahren", sagte Buffy und stieg aus.

Passend zum Anlass waren Giles und sie ganz in schwarz gekleidet. Buffy hatte schweren Herzens jeden modischen Chic außer Acht gelassen und trug dunkelgraue Turnschuhe, während der Wächter sich mit dunkeln Straßenschuhen begnügte.

„Wir müssen höllisch aufpassen", wandte sie sich an ihren Mentor. „Wenn ich mich nicht irre, dann sind sie mit Nachtsichtgeräten ausgestattet."

„Sehr wahrscheinlich", nickte Giles.

Zusammen schlichen sie an die Straßenecke und spähten zurück zur Absperrung, die in der Dunkelheit kaum noch auszumachen war.

Wer auch immer den Gedanken hatte, hier ein Einkaufszentrum zu erbauen, hatte Buffys Meinung nach eine verdammt gute Idee gehabt. Das Wohnviertel am Rand von Sunnydale wuchs langsam aber stetig. Für die Anwohner waren die neu geplanten Geschäfte bestimmt ein wahrer Segen, da sie sich den Weg durch die halbe Stadt demnächst sparen konnten.

„Am besten, wir gehen quer durch das Gelände", riss der Wächter sie aus ihren Gedanken. „Wir sollten hier durch das Gebüsch", meinte er und deutete über die Straße.

Buffy seufzte leise und baute sich vor ihm auf. „Giles, vielleicht ist es besser, wenn ich alleine gehe. Ich wäre viel schneller und ich könnte mich auch besser verstecken."

„Ich schaffe das schon", erwiderte der Wächter leicht beleidigt. „Immerhin ist das kein Dschungel und ich will wissen, was dort so wichtiges verborgen ist."

„Es könnte gefährlich sein", versuchte die Jägerin es erneut. „Wir haben keine Ahnung, wie viele Wachen dort herumlaufen. Und die sind diesmal bewaffnet. Was, wenn wir ihnen begegnen oder noch schlimmer, wenn sie uns einkesseln?"

„Buffy", sagte der Wächter und seine Stimme ließ keinen Widerspruch mehr zu. „Ich gehe mit. Vielleicht brauchst du meine Hilfe. Wir wissen nicht, was wir dort finden."

„Na dann los", nickte sie sichtlich unzufrieden mit ihrer Überzeugungskraft.

„Aber nicht ohne mich", brummte eine Stimme hinter ihnen und sie fuhren erschrocken herum.

„Spike! Verdammt", schimpfte die Jägerin leise. „Musst du uns so erschrecken?"

Der Vampir grinste nur. Scheinbar war er äußerst gut gelaunt, denn er wippte unternehmungslustig auf und ab. Er ließ sich von Giles den Autoschlüssel geben und legte seinen Mantel in den Wagen.

Buffy sah ihm stirnrunzelnd dabei zu. Warum hatte sie ihn nicht gespürt? Wieder nicht? Ihr Jägerinnensinn sollte sie eigentlich warnen, wenn ein Vampir in der Nähe war. Aber Spike bewegte sich scheinbar immer unter ihrem Radar. Er konnte ihr viel zu nahe kommen, ohne dass sie es bemerkte.

„Können wir jetzt?", erkundigte sich Giles genervt.

„Aber immer", grinste Spike und zusammen schlichen sie durch die Dunkelheit.

 

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Buffy schüttelte sich leicht. Es war kalt und sie ärgerte sich, dass sie keinen zweiten Pullover übergezogen hatte. Zusammen mit ihrem Wächter und Spike hatte sie eine kleine Anhöhe erklommen und nun lagen sie flach auf der Erde und starrten auf das Schauspiel, das sich in gut zweihundert Metern abspielte.

Die Wachleute hatten einen Ring um die Ausgrabungsstelle gelegt, der von Flutlichtern ausgeleuchtet wurde.

„Habt ihr das gesehen?", fragte der Wächter leise und zeigte auf die Stelle. „Sie lassen nicht einmal Wachleute daran. Sie dürfen sich nur in einem äußeren Radius darum herum bewegen."

„Ja, ich habe es gemerkt", brummte Buffy missmutig. Es wäre ein wahres Wunder, wenn sie sich durch die Reihen der Bewacher schummeln könnten, geschweige von dem hell beleuchteten Platz. Nicht einmal Spike würde es schaffen, dort ungesehen hinzugelangen.

„Was machen wir jetzt?", erkundigte Giles sich leise. „Es ist bedeutend schwieriger als gedacht."

„Fort Knox ist leichter zu überfallen", meckerte Buffy leise. „Ich habe keinen blassen Schimmer, wie wir näher dran kommen können."

„Lass mich das mal machen", grinste Spike spöttisch und zog ein, höchstwahrscheinlich geklautes Handy aus der Hosentasche. Er wackelte mit den Augenbrauen und robbte einige Meter rückwärts, um ungestört sprechen zu können.

„Was wird jetzt das?", fragte Buffy ihren Wächter, doch der zuckte nur mit den Schultern. Sie blickten in die Dunkelheit und sahen sich wenige Momente später einem fies grinsenden Vampir gegenüber.

„Und jetzt?", brummte Buffy.

„Warte es ab", lachte Spike leise. „In ein paar Minuten wirst du es sehen."

Es dauerte nicht lange, da war die Jägerin des Wartens überdrüssig. Sie murmelte leise wüste Beschimpfungen und blies sich ihren warmen Atem in die klammen Hände.

„Langsam sollten wir uns was einfallen lassen", flüsterte der Wächter.

„Und ich habe gesagt, wir sollten warten", nörgelte Spike. „Da! Es geht schon los." Er deutete in die Tiefe und ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht.

Buffy und Giles starrten wie gebannt nach unten. Ein rotes Blinklicht leuchtete an verschiedenen Stellen des Geländes auf, war jedoch die einzige Warnung, die sich zeigte. Die Wachleute griffen sich an die Ohren und der Jägerin war klar, dass sie Anweisungen über ein kleines Headset bekamen und ihren bisherigen Posten verließen.

Der Wächter nickte anerkennend. „Wie haben Sie das gemacht?", fragte er, ließ aber die sich entfernenden Wachen keine Sekunde aus den Augen.

„Ein paar meiner Kumpels machen gerade einen Aufstand an der Absperrung", lachte der Vampir.

„Du hast keine Kumpels", knurrte Buffy und rappelte sich vorsichtig auf.

„Wenn du meinst", erwiderte Spike giftig und stand ebenfalls auf.

„Im Grunde ist es egal", meinte Giles und stoppte so den beginnenden Streit. „Wir sollten uns beeilen, bevor die Wachen zurückkommen."

„Einen Moment noch", flüsterte Spike und starrte nach unten. „Wenn alles klappt, dann…"

Seine Stimme wurde von drei lauten Explosionen überdeckt, die kurz nacheinander in die nächtliche Stille dröhnten. Sofort erlosch sämtliches Licht und Spike lachte. „Jetzt können wir gehen."

„Was war das?", zischte Buffy und hielt ihn fest, als er an ihr vorbeigehen wollte.

„Meine, wie du sagst, nicht vorhandenen Kumpels, haben die Stromgeneratoren in die Luft gejagt!" Er grinste fies und befreite sich aus ihrem Griff.

„Was auch immer da gerade passiert ist", murmelte Giles und sah seiner Jägerin ernst ins Gesicht. „Wir haben jetzt keine Zeit für Streitigkeiten. Das, was wir da unten finden, ist bedeutend wichtiger!"

Buffy nickte. „Dann wollen wir uns das einmal ansehen." Aber vergessen würde sie die ganze Angelegenheit bestimmt nicht. Spike hatte Freunde, die Generatoren in die Luft sprengten? Das bedurfte allerdings einer eingehenden Befragung!                                                             

Teil 2

In gebückter Haltung rannte das kleine Grüppchen rasch den Abhang hinab. Spike hatte seinem Dämon die Überhand überlassen und lauschte auf mögliche Geräusche in der Nähe und bremste Buffy kurz vor der Ausgrabungsstelle.

Er deutete mit dem Kopf nach rechts und hielt sich einen Finger vor den Mund. „Die Wachen mögen verschwunden sein, aber alleine sind wir definitiv nicht", flüsterte er leise.

Buffy nickte nur und drehte sich zu ihrem Wächter um, der etwas atemlos in die Dunkelheit starrte. „Giles, Spike und ich gehen nachsehen, wer noch hier ist", erklärte sie sachte. „Am besten, Sie gehen schon mal vor und sehen nach, was es hier so Interessantes gibt."

Der Wächter nickte stumm, blickte sich um und vergewisserte sich, dass ihn niemand beobachtete. Er packte seine Stablampe fest am Griff, ohne sie jedoch einzuschalten. Immerhin konnte man das schwere metallene Ding auch gut als Waffe einsetzen und er wollte keinesfalls unvorbereitet sein. Ein letztes Mal sah er Buffy an, dann verschwand er in der Dunkelheit.

„Wo müssen wir hin?", wandte sich die Jägerin im Flüsterton an den Vampir.

Spike zeigte in die Richtung, aus der er leise Geräusche gehört hatte und sah sie ernst an. „Ich weiß nicht genau, was ich da wahrnehme, aber meiner Meinung nach ist es nicht menschlich."

„Das kann ja interessant werden", brummte Buffy fast lautlos und folgte ihm. „Auf jeden Fall sollten wir uns beeilen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis die Wachen ihren Platz wieder einnehmen."

Zusammen bahnten sie sich einen Weg um die verschiedenen Zelte herum und die Jägerin versuchte soviel von den Gerätschaften zu erkennen, wie irgend möglich. Wirklich etwas anfangen konnte sie jedoch nicht mit ihren Entdeckungen. Eine Menge Apparate und technischer Kram standen herum, aber sie hatte keinen blassen Schimmer, wofür die Geräte gebraucht wurden.

„Da vorne", raunte Spike und nickte auf das Zelt, das eins der größten auf dem Platz sein musste.

Auf Zehenspitzen schlichen sie heran und lugten vorsichtig durch die schmale Zeltöffnung.

„Was ist das?", murmelte Buffy fast lautlos und verzog verwirrt das Gesicht. Sie starrte auf das kleine graue Etwas, das gefesselt und geknebelt auf einem Feldbett lag, das unweit des Eingangs stand.

Spike zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung", meinte er in normaler Lautstärke. „Ich werde es mir einmal ansehen."

Buffy versuchte ihn aufzuhalten, doch er schob sich durch die Stofftür und blickte grinsend auf das Etwas runter. „Hat Ähnlichkeit mit einem Troll", grinste er hinterlistig. „Es stinkt nur nicht so. Und ist bedeutend kleiner."

„Und was machen wir jetzt?", erkundigte sich die Jägerin, die ihm widerwillig gefolgt war. „Jetzt, wo es uns gesehen hat?"

„Es sieht nicht gerade so aus, als wäre es ein guter Freund dieser…Idioten", knurrte der Vampir. „Aus welchem Grund hätten sie es sonst fesseln sollen?"

„Auch eine gute Frage", brummte Buffy ungehalten. „Aber das beantwortet meine nicht!"

„Ganz einfach", erwiderte Spike und packte das Wesen. „Wir nehmen es mit." Er hob es hoch, warf es sich über die Schulter und lachte Buffy entgegen, die ihn komplett entgeistert ansah.

„Das kannst du doch nicht… wo willst du damit eigentlich hin?" Fassungslos starrte sie ihn an. Als wäre es nicht schon schwer genug gewesen, überhaupt auf das Gelände zu gelangen… jetzt nahm er auch noch irgendwelche Gefangenen mit. Für einen kurzen Moment versuchte sie ihn zu überreden, doch der Vampir gab nicht nach und so gab sie es schließlich auf. „Was ist das überhaupt für ein… Wesen? Vielleicht ist es gefährlich und nur aus diesem Grund gefesselt."

„Giles", brummte Spike. „Er wird es wissen", er grinste schief. „Ich nehme das Ding hier und du siehst zu, dass dein Wächter in die Hufe kommt. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr."

„Und woher weißt du das?"

„Ich höre sie zurückkommen", schnauzte er beleidigt. „Schon vergessen? Ich…", grummelte er und deutete mit der freien Hand auf sich, „bin ein Vampir! Ich kann bedeutend besser hören als du!"

„Pffft", machte Buffy. „Sieh lieber zu, dass du dein Paket sicher mitbekommst. Wir treffen uns spätestens in der Magic Box." Sie verließ das Zelt, sah sich vorsichtig um und war gerade auf dem Weg zu ihrem Wächter, als der Vampir sie aufhielt.

„Wir treffen uns am Wagen", grummelte er. „Oder glaubst du, ich schleppe das Vieh durch die halbe Stadt?" Er sah sie entsetzt an und schaukelte das Wesen auf seinem Rücken.

„Was auch immer", fauchte Buffy böse. „Verschwinde jetzt!"

Spike lief mit seiner Beute den Abhang hinauf und Buffy nickte erleichtert. „Einer weniger", brummte sie leise. „Jetzt muss ich nur noch Giles finden." Vorsichtig bewegte sie sich über das Gelände und stieß auf erste Erdhügel, die bewiesen, dass an mehreren Orten gleichzeitig gegraben wurde. Überall waren Absperrbänder und sie bahnte sich vorsichtig und so lautlos wie möglich einen Weg durch das unebene Gelände.

Nach mehreren Metern blieb sie stehen und lauschte in die Dunkelheit. Spike hatte Recht. Die Wachen kehrten zurück. Sie konnte entfernte Schritte auf dem lockeren Kiesboden hören und auch leises Gemurmel. ‚Verdammt!

„Buffy", flüsterte eine Stimme ganz in ihrer Nähe. „Ich bin hier."

„Wir müssen uns beeilen", zischte sie leise und blickte sich hektisch um. Giles stand in einer Erdgrube, die von einer dunkeln Folie abgedeckt war. Sie hätte sie beinahe übersehen, da es nur einen kleinen schmalen Einstieg gab und sie bückte sich, um hineinzusehen.

Ein hell leuchtendes, pulsierendes Licht strahlte ihr entgegen, dass sie von oben nicht wahrgenommen hatte. Die Folie dämmte das Licht soweit, dass außerhalb der Grube nichts zu erkennen gewesen war.

„Giles! Los jetzt! Die Wachmänner kommen zurück!"

„Ja…ja, ich komme", flüsterte er und konnte seinen Blick kaum von dem Ding wenden, das am ehesten Ähnlichkeit mit einem großen quadratischen Eisblock hatte.

„Giles", drängelte die Jägerin. „Sie sind gleich hier."

„Ja…ja, schon gut", murmelte der Wächter und drehte sich zu ihr um. „Hast du so etwas schon mal gesehen?"

„Nein, habe ich nicht", antwortete sie genervt. Der Wächter hatte einen Ausdruck im Gesicht, der ihr nur zu gut bekannt war. Eine neue spannende Aufgabe stand ihm bevor und er würde nicht ruhen, bis er eine passende Antwort gefunden hatte. Das Problem war nur, sie hatten keine Zeit, das jetzt auszudiskutieren. „Können wir gehen?"

„Sicher", erwiderte er. „Wie kommen wir am besten hier heraus?"

„Ich führe Sie." Buffy hatte auf dem Hinweg einen schmalen Feldweg entdeckt, der hinter den Zelten den Hügel hinaufführte. So schnell es möglich war, lotste sie ihren Wächter über die Ausgrabungsstelle und zusammen versteckten sie sich in dem Moment hinter einigen Büschen, als das Flutlicht aufflammte.

„Das war knapp", murmelte sie, als das Treiben um sie herum wieder hektisch wurde. Man hatte schnell entdeckt, dass sich jemand auf der Ausgrabungsstelle herumgetrieben hatte. Befehle wurden gebrüllt und Buffy hörte, wie Waffen entsichert und durchgeladen wurden. ‚Das haben wir mit Sicherheit Spike zu verdanken! Verdammt, warum musste er dieses…dieses Ding mitnehmen?’

„Was jetzt?" Giles Worte waren so leise, dass sogar Buffy ihn kaum verstehen konnte.

„Wir haben keine andere Wahl, als wieder querfeldein zu laufen", erwiderte sie ebenso leise und deutete auf einen kleinen Wald. „Wenn wir es bis da schaffen, dann haben wir erstmal Ruhe." Sie nickte und gab ihrem Wächter so zu verstehen, dass er vorlaufen sollte. Buffy selbst würde noch einige Momente warten und sich vergewissern, dass ihnen niemand folgte.

Auf dem Ausgrabungsfeld war die Hölle los. Mittlerweile hatten die Wachen zwar wieder einen Ring gebildet, aber kleine Soldatentrupps durchsuchten die Zelte und das angrenzende Gelände. Viel Zeit blieb der Jägerin nicht mehr und so warf sie einen letzten Blick auf das Treiben und rannte dann geduckt los. Sie hatte den kleinen Wald kaum erreicht, da bremste sie auch schon Giles Hand.

„Ich bin hier", murmelte er leise. Schweiß stand ihm auf der Stirn und Buffy fühlte seine Nervosität.

„Wir müssen uns beeilen. Sie haben Verstärkung angefordert. Es wird nicht lange dauern, bis sie auch den Wald durchkämmen." Buffy schob ihn unsanft in Richtung der Straße, aber Giles bremste sie.

„Wo ist Spike?", fragte er verwirrt.

„Der hat ein kleines… ähm, Mitbringsel mitgenommen und ist bereits auf dem Weg zum Wagen", flüsterte sie leise und drängte ihn weiter in den Wald.

„Ein Mitbringsel?" Giles blieb stocksteif stehen und riss die Augen auf.

„Ich erkläre es später", zischte Buffy. Sie konnte in der Ferne bereits Soldaten hören, die den Feldweg absuchten. „Nicht jetzt!"

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, wieder ungesehen am Wagen anzukommen und Buffy fischte genervt kleine Äste und Gestrüpp aus ihren Haaren.

„Spike?", rief sie leise in die Dunkelheit und der Vampir kam sichtbar gut gelaunt aus seinem Versteck, dass er in einem Vorgarten bezogen hatte. Noch immer trug er sein Päckchen auf dem Rücken, doch das Wesen hielt nicht mehr still, sondern ruckelte und wackelte auf seinen Schultern hin und her.

„So langsam wird es lästig", schnauzte Spike das Ding giftig an „Noch ein Tritt deiner krummen Füße und ich schmeiß dich gegen die nächste Hauswand", drohte er, knallte das Wesen unsanft auf Giles Auto und fischte eine Zigarette aus der Jackentasche. „Ihr habt aber lange gebraucht", meinte er an Buffy gewandt.

„Was ist das?" Giles näherte sich langsam seinem Wagen und starrte verdutzt auf das gut verschnürte Paket.

„Keine verdammte Ahnung", nörgelte Spike. „Ich dachte, Sie wüssten es."

„Nein", erwiderte Giles und nahm seine Brille ab. „Wo habt ihr so schnell die Seile gefunden?", fragte er und machte sich lang, um das Gesicht des Wesens erkennen zu können.

„Es war schon verpackt", brummte Buffy und blickte Spike finster an. „Aber Mr. Oberschlau musste es unbedingt mitnehmen."

„Vielleicht gar keine so schlechte Idee", murmelte Giles, doch dann schüttelte er den Kopf. „Wir haben keine Zeit mehr. Wir müssen hier weg. Es wird nicht lange dauern, bis die Wachen die umliegenden Straßen kontrollieren." Er schloss sein Auto auf und stieg ein.

„Du darfst hinten sitzen", grinste Spike Buffy höhnisch an. „Mit meinem Päckchen habe ich vorne mehr Platz."

„Das kannst du vergessen", schnauzte die Jägerin. „Auf der Rückbank ist bedeutend mehr Platz."

„Einsteigen", erinnerte Giles die beiden unsanft. „Streiten könnt ihr euch später!"

Teil 3

Wind kam auf, als der Wächter die Tür des Zauberladens hektisch aufschloss. In der Ferne hallte ein lang gezogener Donner durch den Nachthimmel und Giles seufzte leise.

Jetzt waren sie in Sicherheit. Zumindest für kurze Zeit. Es würde nicht lange dauern, bis die Agenten des CIA und etwaige Soldaten an seine Tür klopfen würden. Wie Buffy auch, war er sich sicher, dass man seine Autonummer notiert hatte, als sie vor Stunden an der Einfahrt des Ausgrabungsgeländes vorbeigefahren waren.

„Was machen wir jetzt mit dem da?", riss Spike den Wächter aus seinen Gedanken. Er trug das kleine Wesen durch den Verkaufsraum, verzog angewidert das Gesicht und legte seine zappelnde Last schließlich auf dem Tisch ab.

„Darum kümmere ich mich später", brummte Giles. So neugierig er auch war, erst gab es Wichtigeres zu tun. „Buffy! Tara hat heute Morgen einige ihrer Geschichtsbücher hier vergessen. Hol sie bitte, schlag sie auf und mach dir irgendwelche Notizen. Wenn die Agenten hier auftauchen, brauchen wir eine möglichst gute Erklärung dafür, warum wir um diese Uhrzeit noch hier sind." Er blieb stehen und überlegte. „Vorher rufst du bitte Willow an. Erklär ihr kurz, um was es geht und sag ihr, dass Spike gleich ähm …, Besuch mitbringt."

„Ich soll das Ding doch wohl nicht ganz bis zu Buffys Haus schleppen?", fragte der Vampir genervt. „Also ehrlich, das fehlt jetzt auch noch. Dann hätten Sie mich auch gleich da absetzen können!" Er fluchte leise vor sich hin und stupste das verschnürte Wesen an. „Hätte ich dich Scheißvieh bloß liegen lassen! Verdammte Hölle!"

„Es ist wichtig", erwiderte der Wächter ernst und runzelte dann die Stirn. „Wenn wir jetzt ganz viel Glück haben, dann versuchen sie erst, mich Zuhause aufzustöbern", meinte er leise. „Aber ich denke, es kann sich nur noch um Minuten handeln, bis die Agenten hier sind. Es wäre also klug, wenn Sie jetzt verschwinden." Er nickte Spike zu, der daraufhin die Augen verdrehte.

Ein dunkles Grollen hallte durch die Luft, als der Vampir grummelnd aufstand. „Wenn es unbedingt sein muss", brummte er und nahm das Wesen wieder hoch. Er blicke Buffy über die Schulter, die schon fleißig irgendwelche Stichworte sammelte, und grinste hinterhältig. „Mach das vernünftig", grinste er fies. „Nicht, dass noch einer deine Hausaufgaben kontrolliert."

„Verschwinde" zischte Buffy und blickte ihn finster an. „Ach so", meinte sie dann und verzog spöttisch das Gesicht. „Nachher will ich von dir noch mehr über deine neuen Kumpels wissen. Also versuch gar nicht erst zu verschwinden. Ich finde dich so oder so."

„Pffft", machte der Vampir trotzig und wandte sich an den Wächter. „Sonst noch irgendwelche bekloppten Ideen?"

Der Wächter reagierte nicht auf die Beleidigung, sondern dachte einen Moment nach. „Am besten, Sie gehen durch den Keller und dann durch die Kanalisation. Auf den Straßen ist die Gefahr entdeckt zu werden, bedeutend größer. Wir kommen nach, sobald die Luft rein ist."

„Was auch immer", knurrte Spike, schulterte seine Last und verschwand.

„Vielleicht sollten wir ein paar Gläser oder Teetassen aufstellen", überlegte Buffy laut. „Oder Kekse." Sie schrieb eilig weiter. Immerhin sollte es nach Arbeit aussehen.

„Du hast Recht", nickte der Wächter. „Das erweckt den Eindruck, als wären wir seit Stunden hier und schwer beschäftigt." Er eilte durch den Raum, holte Wasser, Orangensaft und die Schachtel mit Donuts, die Xander jeden Tag anschleppte. „Gläser", murmelte er, sein Werk betrachtend.

Buffy zerknüllte schnell einige lose Blätter und drapierte sie um ihren Platz. Dann öffnete sie einige der Bücher, die auf dem Tisch lagen und nickte zufrieden. ‚Sieht wirklich schwer nach Arbeit aus’, dachte sie und nickte Giles zu, der Gläser aufstellte und füllte. „Von mir aus können sie kommen", grinste sie.

„Ich könnte gut darauf verzichten", murmelte Giles leise und Sekunden später klopfte es heftig an der Tür.

„Wie aufs Stichwort", flüsterte Buffy und setzte sich zurück auf ihren Platz.

Ein greller Blitz zuckte durch die Nacht, als er erneut an der Tür klopfte. „Mr. Giles! Hallo!"

„Wir haben geschlossen", rief der Wächter durch den Raum und sah Buffy eindringlich an. „Alles soweit okay?", fragte er leise und sah sie als Antwort nicken.

Wieder hämmerte es an der Tür. „Es ist wichtig! Mr. Giles. Würden Sie bitte die Tür öffnen?"

Buffy nickte ihrem Mentor aufmunternd zu, griff dann nach einem Stift und mimte die fleißige Studentin. Giles hingegen seufzte leise und durchquerte den Verkaufsraum. „Einen Moment. Ich bin gleich da." Er schloss die Tür auf, öffnete sie und riss gespielt erstaunt die Augen weit auf. „Was kann ich für Sie tun?", fragte er leise und blickte sich vorsichtig um. Vor ihm standen acht Männer. Vier in der typischen Aufmachung eines Soldaten, mitsamt zugehöriger Bewaffnung, und vier Herren in schwarzen Anzügen.

„Können wir einen Moment hereinkommen?" Ein Mann mit mausgrauen Haaren und schiefen Zähnen schien zum Sprecher des Grüppchens auserkoren zu sein. Er nickte kurz und Giles tat das einzig Mögliche, er trat einen Schritt zurück und ließ die Männer eintreten.

„Womit kann ich Ihnen behilflich sein?", fragte er, nachdem sich die Männer im Raum verteilt hatten.

„Wer ist das?", fragte Mr. Mausgrau und deutete auf Buffy.

„Die Tochter einer Freundin", erwiderte Giles unwirsch. „Ich helfe ihr bei den Vorbereitungen für ein Geschichts…", er stockte. „Was soll das Ganze?", brummte er missmutig.

„Sie wurden vor ungefähr drei Stunden gesehen, als sie an der Zufahrt des neuen Einkaufszentrums vorbeifuhren", erklärte der Agent. „Können Sie mir sagen, was Sie um die Uhrzeit gerade dort wollten?"

„Wir haben noch eine Bestellung ausgeliefert", erwiderte der Wächter mit fester Stimme. „Aber warum interessiert Sie das?"

Ohne darauf einzugehen, ging der Agent auf Buffy zu und blickte auf ihre Arbeit. „Ist es nicht ein wenig spät, um jetzt noch zu lernen?"

„Ich war krank und Mr. Giles ist so nett, mir zu helfen", lächelte Buffy mit einem gekonnten Augenaufschlag. Die Nummer des blonden Dummchens schien ihr hier äußerst angebracht und so klimperte sie mit den Wimpern. „Ich habe noch eine Menge Stoff aufzuholen."

„Würde Sie mir bitte erklären, weswegen Sie hier sind?" Giles Stimme klang alles andere als höflich und er machte keinen Hehl daraus, dass ihm das Eindringen der Agenten missfiel.

„Sie wissen von der Ausgrabungsstelle?", fragte Mr. Mausgrau und betrachtete interessiert die Statue eine Fruchtbarkeitsgöttin.

„Nur das, was in den Nachrichten gebracht wurde."

„Hätten Sie etwas dagegen, wenn wir uns hier einmal umsehen?" Der Agent blickte den Wächter herausfordernd an.

„Aus welchem Grund?" Giles versteifte sich, hielt aber dem Blick des Anzugträgers stand.

„Brauchen Sie dafür nicht einen Durchsuchungsbefehl, oder wie das Ding heißt?" Buffy stand auf, spielte kokett mit ihrem Bleistift und lächelte dabei. „Im Fernsehen ist das doch immer so."

Der in schwarz gekleidete Mann drehte sich zu ihr um. „Miss, vielleicht ist es besser, Sie kümmern sich wieder um Ihre Aufgaben", sagte er abfällig.

„Aber sie hat Recht", beharrte nun auch der Wächter. „Ich verstehe sowieso nicht, was Sie von uns wollen. Sie kommen ohne jegliche Vorwarnung in mein Geschäft und wollen… was? Es durchsuchen? Aus welchem Grund?" Ein gewaltiger Donner hallte durch den Raum, doch er verzog keine Miene. „Was erwarten Sie eigentlich von uns? Besser gesagt, was erwarten Sie hier zu finden? Immerhin ist es eine Durchsuchung."

„Bisher war es nur eine höfliche Bitte", unterbrach der Agent grob. Er lächelte falsch und blickte sich abfällig um. „Also gut", murmelte er nach einer Weile. „Sagen wir es mal so… Es ist etwas von der Ausgrabungsstelle verschwunden und wir denken, es könnte hier sein."

Diesmal war es Giles, der den Agenten rüde unterbrach. „Ihnen ist etwas abhanden gekommen und Sie vermuten es gerade hier?" Er lachte leise auf. „Hier? Das ist lachhaft! Was bringt Sie zu der Annahme?"

„Sie haben Sich verdächtig gemacht", erklärte Mr. Mausgrau ernst.

„Womit?", brachte sich Buffy zurück in das Gespräch. Sie vergaß ihr Dummchengehabe, baute sich vor dem Agenten auf und verschränkte trotzig die Arme. „Damit, dass wir eine bestimmte Straße befahren haben? Deswegen sind wir Verbrecher? Ich bitte Sie, das ist hochgradig lächerlich!"

„Wenn Sie das sagen", erwiderte der Agent heftig und ließ sich dann auf ein Streitgespräch mit Buffy ein.

Giles hingegen blickte sich verstohlen um. Der Agent war vollkommen gefangen von Buffys wörtlichen Angriffen und so nutzte er die Gelegenheit, sich die anderen Anwesenden eingehender zu betrachten. Die Soldaten schienen noch immer völlig gelassen. Sie sahen sich neugierig im Zauberladen um, nahmen dies und das in die Hand und stellten es schließlich zurück. Bei den drei übrigen Agenten lag die Sache etwas anders. Sie wirkten unruhig und musterten die Auslagen in den Regalen beinahe ängstlich. Einer zuckte sogar heftig zusammen, als ein Blitz durch die Nacht flammte und eine Totenmaske auf gespenstische Art beleuchtete.

„Sie wollen uns also nicht helfen?", schnauzte der mausgraue Agent Buffy an und Giles wandte sich ihm zu.

„Wenn Sie uns um Hilfe gebeten hätten", sagte er ernsthaft, „hätten wir geholfen! Aber Sie stürmen mein Geschäft, beschuldigen uns grundlos des Diebstahls…" Er schritt näher auf den Agenten zu. „Ich denke, es ist an der Zeit zu gehen."

Mr. Mausgrau kniff die Augen zusammen, gab sich dann brummend geschlagen und wandte sich seinen Männern zu. „Wir gehen", zischte er und wandte sich dann wieder Giles und Buffy zu. „Ich werde Sie im Auge behalten", knurrte er.

„Von mir aus", brummte Buffy, geleitete die Männer zur Tür und verschloss diese, kaum das sie das Geschäft verlassen hatten. Sie blickte aus dem Fenster, sah die beiden großen schwarzen Wagen davonfahren und drehte den Kopf. „War das eine gute Idee? Warum haben Sie sie nicht einfach gelassen? Wir haben doch nichts zu verbergen. Spike ist längst weg."

„Und wie hätte ich deinen Trainingsraum erklären sollen?", antwortete Giles mit einer Gegenfrage. „Deine ganzen Waffen und die Zauberutensilien? Und ich meine nicht die harmlosen Dinge, die wir zum Verkauf anbieten." Die Situation gefiel ihm überhaupt nicht und dieser Agent war nicht einer von der Sorte, der leicht aufgab. Das bedeutete Ärger. Eine Menge Ärger!

„Und was machen wir jetzt?" Buffy drehte sich komplett ihrem Mentor zu und sah ihn aufmerksam an. „Wir können nicht alles verstecken. Der Kerl ist hartnäckig! Er kommt bestimmt bald wieder."

„Ich werde Willow anrufen", erklärte der Wächter. „Tara und sie sollen eine Art Illusionszauber vorbereiten", überlegte er. „Sie sollen ihn über die Magic Box und auch euer Haus legen." Er polierte eine Brille. „Das kann böse ausgehen, wenn wir nicht aufpassen", sagte er leise und blickte Buffy ernst an. „Wir können es uns eigentlich nicht leisten, auf die schwarze Liste des CIA’s aufgenommen zu werden. Eine ständige Überwachung wäre mehr als hinderlich bei dem, was wir machen."

„Meiner Meinung nach wissen sie bereits, wer wir sind und was wir machen", murmelte Buffy und ein eisiger Schauer überfiel sie, als sie an die Initiative dachte. „Es kann nicht sein, dass wir die einzigen waren, die die Straße benutzt haben. Sie waren zu schnell hier, als dass es ein Zufall sein könnte."

„Vielleicht hast du Recht", erwiderte der Wächter nachdenklich.

„Aber dann können wir uns den Zauber auch sparen", brummte Buffy.

„Nein, das können wir nicht", widersprach der Wächter. „Es gibt zu viele Dinge hier im Laden und auch bei dir zuhause, von denen nicht jedermann wissen muss." Er räusperte sich. „Das bezieht auch das fremde Wesen ein, dass Spike mitgebracht hat. Ich rufe jetzt Willow an und frage nach, ob sie noch irgendwelche Sachen von hier für den Zauber braucht."

„Okay", meinte Buffy. „Es wird auch Zeit, dass wir fahren." ‚Ich will endlich wissen, was das für ein Wesen ist’, dachte sie. ‚Aber vor allem anderen will ich erfahren, was das für komische Freunde sind, die Spike neuerdings hat! Dämonen, die sich mit Bomben auskennen…Ich möchte gar nicht erst darüber nachdenken!’

Teil 4

Das Unwetter schien sich über Sunnydale festgesetzt zu haben. Der starke Wind schaukelte Bäume durch und die gerade aufblühenden Knospen brachen ab. Bei jedem Donner, der in die Finsternis dröhnte, warf Giles nervöse Blicke in den Nachthimmel. Dunkle Vorahnungen überkamen ihn und wie gebannt starrte er auf einen wildgezackten Blitz, der irgendwo in der Ferne einschlug.

Keine guten Vorzeichen’, dachte er und stellte den Scheibenwischer auf die schnellste Stufe. ‚Das gefällt mir ganz und gar nicht!’ Sintflutartiger Regen prasselte auf das Faltdach des Cabrios nieder und der Lärm übertönte sogar die Motorengeräusche.

Die Jägerin saß auf dem Beifahrersitz und beobachtete ihren Mentor aus den Augenwinkeln. ‚Er fühlt es auch’, stellte sie fest. ‚Er weiß, die Sache wird verdammt heikel. Genauso, wie ich es weiß. Ich habe zwar noch keine Ahnung, was mir alles bevorsteht, aber es wird verdammt eng!’ Das grummlige Gefühl in ihrem Magen wollte einfach nicht wieder verschwinden und hatte sich nach dem Besuch der CIA Agenten noch verstärkt.

„Wir haben Gesellschaft", meinte sie, nachdem sie sich mehrfach umgesehen hatte.

„Ich habe es bemerkt", sagte Giles und warf einen flüchtigen Blick in den Rückspiegel. Ein schwarzer Geländewagen folgte ihnen durch die Nacht und der Wächter seufzte leise. „Sie machen sich nicht einmal die Mühe, sich zu verstecken." Er parkte den Wagen vor Buffys Haus und drehte sich ihr zu. „Buffy…, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll. Aber was auch immer hier los ist…, es wird schwer. Ich kann es fühlen. Uns steht etwas Gewaltiges bevor…"

„Ich weiß", nickte sie. „Ich fühle es auch. Irgendwas Schreckliches braut sich zusammen."

Sie nickten sich zu, öffneten zeitgleich die Autotüren und rannten den kurzen Weg zum Haus. Giles machte sich nicht einmal die Mühe, sein Auto abzuschließen. Er verschränkte die Arme schützend über dem Kopf und sauste hinter Buffy her.

                                                                          *******

Tara, Willow, Dawn und Spike warteten bereits im Wohnzimmer. Sie hatten das, noch immer gut verschnürte Wesen auf dem Sofa abgelegt und der Vampir beobachtete es mit Argusaugen. Er lehnte gespielt lässig an der Wand und blickte nur kurz auf, als Buffy und Giles das Haus betraten.

„Hat es schon irgendwas gesagt?", fragte der Wächter nach einer kurzen Begrüßung. Der Weg vom Wagen bis zum Haus war nicht sonderlich lang gewesen, aber es regnete so stark, dass er bis auf die Haut nass war. Mit spitzen Fingern zog er seine Jacke aus und nahm, ebenso wie Buffy, ein Handtuch in Empfang, dass Tara fürsorglicherweise sofort geholt hatte.

„Wie sollte es was sagen?" Dawn schüttelte den Kopf. „Spike lässt uns ja nicht einmal das Klebeband von seinem Mund nehmen."

„Dawn", sagte Buffy leise und warf das jetzt nasse Handtuch achtlos auf den Boden. „Es ist spät…" Sie wusste, dass ihr wieder einmal ein Machtkampf bevorstand, aber es war weit nach Mitternacht und ihre kleine Schwester musste morgen früh raus, um zur Schule zu gehen. „Du solltest jetzt wirklich schlafen gehen."

„Das ist wieder typisch", schimpfte die jüngere Summers auch sofort los. „Immer, wenn es interessant wird, werde ich ausgeschlossen. Ich bin kein Baby mehr! Wann begreift ihr das endlich?"

„Dawn! Ich hatte für heute genug Probleme! Es wird keine weitere Diskussion darüber geben. Gute Nacht!", sagte Buffy und ihre Stimme ließ keinerlei Widerspruch zu.

„Aber ich…", versuchte Dawn es trotzdem, doch Buffy schüttelte wortlos den Kopf. „Ihr seid gemein", schimpfte sie und sprang auf. Sie warf giftige Blicke auf die Anwesenden und stampfte dann beleidigt die Treppe hinauf.

„Ein Problem weniger", murmelte Buffy und ihre Schultern sackten erleichtert herab. Müde ließ sie sich auf den Sessel fallen und seufzte tief. „Wir werden beobachtet", murmelte sie leise und deutete mit dem Kopf aus dem Fenster. „Willow, könntest du bitte hier zuerst…?" Sie traute dem CIA alles zu. Auch, dass sie irgendwelche Abhörgeräte benutzen und sie wollte nicht riskieren, dass die Agenten mitbekamen, um was es hier ging. Vielleicht würden sie sogar Verstärkung rufen und das Haus stürmen.

„Sicher", sagte die Rothaarige. Sie hatte sofort verstanden, was Buffy wollte und nickte Tara zu, die daraufhin sofort aufstand. „Wir sind gleich wieder da. Es ist alles vorbereitet und auch nicht sonderlich schwer", sagte sie leise und zusammen mit ihrer Freundin verließ sie den Raum.

„Hat sonst noch jemand Hunger?", fragte Buffy in den Raum und sah ihren Wächter an. Giles antwortete nicht. Er starrte ins Leere und schien vollkommen in Gedanken versunken. Buffy blickte zu Spike. „Dich brauch ich wohl nicht fragen, oder?"

„Ich nehme nicht an, dass du Blut für mich im Kühlschrank hast?" Er grinste spitzbübisch. „Oder etwa doch?"

„Blut?", meinte Buffy sarkastisch. „Leider ausverkauft! Wenn du was anderes willst…" Sie sah ihn aufmerksam an, doch er schüttelte nur den Kopf. „Ich aber", meinte sie leise, stand auf und ging in die Küche. Wenige Augenblicke später kehrte sie mit einem Jogurt zurück und setzte sich wieder auf ihren Platz zurück.

„Alles erledigt", murmelte Willow. „Wir können jetzt frei sprechen." Tara und sie kamen lächelnd zurück in das Wohnzimmer und setzen sich kurzerhand im Schneidersitz auf den Boden.

„Sehr gut", nickte Giles, der aus seiner Starre erwacht war. „Was für einen Zauber habt ihr benutzt?"

„Es waren zwei", sagte Tara leise. „Den Illusionszauber und einen, der keinerlei Geräusche durchlässt." Sie räusperte sich leise und wurde ein klein wenig rot. „Wir haben ihn zufällig in einem alten Hexenbuch gefunden."

„Wir haben ihn vor ein paar Tagen schon einmal ausprobiert", lachte Willow, als sie an die Nacht zurückdachte. „Wir könnten hier eine Bombe zünden. Es würde niemand hören."

„Das lassen wir dann doch lieber", meinte Buffy. „Wir hatten für eine Nacht genügend Bomben." Sie blickte Spike mit hochgezogenen Augenbrauen an und ließ ihn damit wissen, dass sie ihn und seine neuen Freunde nicht vergessen hatte.

„Ja, nun…", bemerkte der Wächter. „Wir sollten uns vielleicht wichtigeren Dingen zuwenden. Vielleicht kann uns unser… ähm, Gast behilflich sein. Spike! Wären Sie so nett…"

Der Vampir grinste vielsagend, packte dann das Ende des Klebebands und riss es in einem Ruck ab.

Sofort war das Wohnzimmer angefüllt mit einer keifenden hohen Stimme. Das Wesen schimpfte und zeterte, bis Spike schließlich der Kragen platzte und er es böse anfauchte. „Halt deine verdammte Klappe, sonst…"

„So etwas ist mir in meinen 1428 Lebensjahren noch nicht untergekommen", schrie das Wesen schrill und funkelte Spike böse an. „Und das auch noch von einem so niederen Dämon, wie einem Vampir!"

„Niederer Dämon?", fluchte Spike. „Ich zeig dir gleich…"

„Lass gut sein", unterbrach Buffy ihn und schob ihn unsanft zur Seite. Mit freundlichem Gesicht bückte sie sich und lächelte das Wesen an. „Hi! Ich bin Buffy und ich..."

„Die Jägerin! Ich weiß", unterbrach das verschnürte Wesen keifend. „Wäre jetzt jemand so gütig, mir meine Fesseln abzunehmen?"

„Mach ruhig so weiter", drohte Spike. „Wenn du nicht bald deine verdammte Klappe hältst, dann sorg ich höchstpersönlich dafür, dass du nie wieder auch nur einen verdammten Ton über deine hässlichen, schrumpeligen Lippen bringst!"

„Das bringt doch nichts", sagte Giles beschwichtigend. Er kam langsam näher, stellte sich schließlich neben Buffy und sah auf das lebende, zappelnde Paket herab. „Eigentlich sollte es, ähm… Sie erfreuen, dass wir Sie mitgenommen haben. Immerhin waren es nicht wir, die Sie gefesselt haben."

„Und deswegen soll ich jetzt dankbar sein?", schnappte das Wesen ein. „Menschen! Ihr seid doch alle gleich!" Er schimpfte und meckerte, bis es Buffy schließlich reichte.

„Unten im Keller liegt noch eine Rolle Paketband", sagte sie zu Spike. „Wickel ihn hübsch ein und übergib ihn den netten Leuten in den schwarzen Anzügen."

„Das können Sie nicht", zischte das Wesen und kniff zornig die Augen zusammen.

„Das kann ich nicht?", wiederholte Buffy schnippisch. „Und ob ich das kann! Ich habe keine Ahnung, wer oder was du bist. Ehrlich gesagt, ist mir das sogar ziemlich egal! Ich hatte einen beschissenen Tag, bin müde und habe absolut keine Lust, mich mit einem stinkenden, keifenden Zwerg auseinander zu setzen!"

„Ich bin kein Zwerg", schimpfte das Wesen mit seiner Piepsstimme. „Und ich stinke nicht! Niemals!"

„Wenn du das sagst", grinste Spike höhnisch. „Aber mit so einer verkrüppelten Nase wie deiner, riecht man bestimmt nicht sonderlich gut. Vor allem nicht den eigenen Gestank!"

„Das hat doch keinen Sinn", meinte Willow. Sie murmelte leise und wenige Sekunden später verstummte das Wesen. „Beleidigungen bringen uns nicht weiter."

„Huh", machte Tara und seufzte erleichtert. „Ich dachte schon, das Geschrei hört nie mehr auf."

„Was machen wir jetzt mit ihm?", wandte sich Buffy an ihren Wächter.

„Ich habe keine Ahnung. Aber ich denke, wir…", er blickte zu Willow. „Kann es nur nicht mehr sprechen, oder auch nicht mehr hören?"

„Er oder es ist taubstumm. Ich hielt es für besser, ihn gleich ganz aus dem Rennen zu nehmen."

„Ah, ja", meinte der Wächter vorsichtig und warf der rothaarigen Hexe einen flüchtigen Blick zu. Seiner Meinung nach gebrauchte Willow viel zu viel Magie. Sie schien es nicht einmal zu bemerken, aber er machte sich große Sorgen, weil sie eine äußerst mächtige Hexe geworden war. Manchmal erschien es ihm, als bräuchte sie keine Zauberutensilien, um mit der magischen Urkraft in Verbindung zu treten. Sie brauchte keine Zauberformel oder Bannsprüche. Bloße Gedanken reichten ihr aus und er nahm sich fest vor, in den nächsten Tagen einmal mit ihr darüber zu sprechen. „Ähm, nun…", murmelte er leise und konzentrierte sich wieder auf das, was vor ihm lag. „Wenn dieses Wesen sich weiter so querstellt, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, was wir mit ihm machen sollen." Er lief ein paar Schritte hin und her. „Meiner Meinung nach war es eine sehr gute Idee von Spike, es mitzunehmen. Das Problem ist nur, wie wir es zum Sprechen bringen."

„Sie denken, es war eine gute Idee?", fragte Buffy mit hochgezogenen Augenbrauen. „Was soll daran gut sein? Ein kleines graues, festverschnürtes Etwas liegt auf meinem Sofa und macht einen Höllenlärm." Sie schnaufte laut. „Was soll ich mit dem Ding machen? Es als Haustier halten?"

Tara räusperte sich leise. „Ich denke, Giles hat Recht. Es war aus einem bestimmten Grund auf der Ausgrabungsstelle. Die Frage ist nur, war es dort schon die ganze Zeit, oder haben es diese… diese Männer mitgebracht?"

„Wenn ihr mich fragt", mischte sich Spike in das Gespräch ein, „dann war es vorher schon da. Ich mag mich ja sehr irren, aber ich glaube, dass es diesen komischen Eisblock bewacht oder beschützt hat, den Sie vorhin erwähnt haben", nickte er dem Wächter zu.

„Was veranlasst Sie zu der Überlegung?" Giles lehnte sich an den Türrahmen und blickte ihn nachdenklich an.

„Wir sind hier in Sunnydale", grinste der Vampir. „Wir haben hier eine Menge bescheuerter Sachen, auch Militär ist nichts Neues", brummte er und warf einen kurzen Seitenblick auf Buffy. „Aber so verrückt ist die Regierung nicht. Sie bekämpfen Dämonen, aber sie schleppen sie nicht an. Nicht nach Adam", er zuckte mit den Schultern. „Amerikaner sind so", brummte er dann. „Sie töten erst und stellen dann Fragen."

„Mag sein", sagte Willow vorsichtig. „Aber wenn er ein Beschützer oder Bewacher, oder was auch immer ist… was behütet er dann?"

„Das ist eine gute Frage", nickte Giles und stieß sich vom Türrahmen ab. „Er muss hören, was ich zu sagen habe", meinte er zu Willow und sah sie nicken.

„Kein Problem", erwiderte die Hexe und lächelte.

Langsam tat der Wächter die wenigen Schritte auf das Wesen zu und blickte ihm fest in die Augen. „Ich weiß noch immer nicht, was Sie sind, aber wenn Sie nicht mit uns zusammenarbeiten, dann bleibt uns keine andere Wahl, als Sie gefangen zu halten. Genau wie das Militär es getan hat." Er machte eine Pause, schien zu überlegen. „Auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können, bei der Behandlung, die Ihnen widerfahren ist… wir stehen auf der Seite des Guten und Sie sollten sich ernsthaft überlegen, uns zu vertrauen. Sie wissen, wer wir sind. Dementsprechend wissen Sie auch, für was wir stehen. Ich werde Willow jetzt bitten, den Zauber von Ihnen zu nehmen, so dass Sie wieder Herr über Ihre Stimme sind. Aber ich muss Sie auch warnen. Wenn Sie sich weiterhin so auflehnen…", er blickte die kleine Kreatur ernst an und sah sie zu seiner Erleichterung sachte nicken. „Also gut", murmelte er leise.

Ein leises Nicken reichte der Hexe und sie löste den Bann.

„Wir müssen uns unterhalten", sagte das Wesen nach einem kurzen Hustenanfall. „Es sieht nicht gut aus. Nicht für Sunnydale und nicht für die Welt, wie Sie sie kennen."

„So was ähnliches habe ich schon befürchtet", murmelte Buffy und stand auf. „Giles, wir lassen sie mit… mit ihm alleine. Spike und ich haben noch Dringendes zu besprechen." Sie blickte den Vampir herausfordernd an, sah ihn die Augen verdrehen und dann doch in die Küche schlurfen. „Bis gleich", brummte sie und lief hinter Spike her.

„Wir sind im Esszimmer", sagte Willow und löste mit einem Schlenker ihres Handgelenks die Fesselung des Wesens. „Falls Sie Hilfe brauchen…" Sie nickte dem Wächter ein letztes Mal zu und verließ mit ihrer Geliebten den Raum.

„Dann ist es wohl an der Zeit", meinte Giles, half dem Wesen sich aufzusetzen und warf die Seile auf den Fußboden.

„Allerdings", seufzte die kleine graue Kreatur und rieb sich die verspannten Muskeln. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob Sie das wirklich hören wollen…"

Teil 5

Spike dachte gar nicht daran, auf Buffy zu warten. Er betrat zwar die Küche, marschierte aber gleich weiter und öffnete die Terrassentür.

„Was glaubst du, wo du hingehst?", rief Buffy ihm hinterher.

Statt einer Antwort zog er seine Zigarettenschachtel aus der Manteltasche und wedelte damit hin und her. Er drückte sich eng an die Hauswand und steckte sich eine an. „Geht das Verhör jetzt los?", erkundigte er sich spöttisch und blies den Rauch durch seine Nase.

„Das kannst du mir wohl kaum verübeln", brummte Buffy und blieb sicherheitshalber in der Küche stehen. Das Gewitter tobte noch immer über Sunnydale und sie hatte keine Lust, schon wieder nass zu werden. „Erzählst du mir jetzt freiwillig von deinen Freunden, oder müssen wir erst wieder –nerven und genervt werden- spielen?"

Spike schnaufte laut und drückte sich enger an die Wand. „Slayer, die sind vollkommen harmlos!"

„Harmlos?", wiederholte Buffy abfällig. „Deine Kumpels hantieren mit Sprengstoff und du willst mir weismachen, sie seien ungefährlich?" Sie lachte laut auf. „Klar! Und gleich kommt das Sandmännchen angeflogen und streut dir Schlafsand in die Augen!"

„Du machst wieder aus einer Mücke einen Elefanten", meckerte der Vampir und schnippte seine Kippe in den Garten. Er schob sich an ihr vorbei und öffnete den Kühlschrank. „Okay", meinte er, nachdem Buffy ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen hatte. „Es war ein kleines Grüppchen Tawas. Sie sind soweit friedlich, sie stehen nur auf Krach und Chaos. Den Sprengstoff hatten sie nur ganz zufällig."

„Wer oder was sind Tawas?", hakte Buffy nach. Sie war mit seinen Auskünften nicht zufrieden und verschränkte die Arme trotzig vor der Brust.

„Tawas sind…"

Die Tür öffnete sich, Giles ließ das kleine graue Wesen eintreten und horchte auf. „Tawas?", fragte er und ein Lächeln umspielte seine Lippen. „Ich habe schon ewig keine mehr gesehen. Wenn ich es mir recht überlege, dann ist es schon über fünfundzwanzig Jahre her. Wir haben damals…"

„Ganz toll", motzte Buffy, ihren Mentor rüde unterbrechend. „Mein Wächter träumt von seiner Jugend." Sie beobachtete das graue Wesen, das mit einiger Mühe auf einen Stuhl kletterte und sich setzte. „Was wird das hier eigentlich? Ich wollte Spike ausquetschen und Sie ihn", schimpfte Buffy und deutete auf die kleine Kreatur.

„Oh, ähm…, ja", räusperte sich Giles. „Aber Quetzlicotl und ich sind übereingekommen, es mit allen Anwesenden gleichzeitig zu besprechen. Das erspart uns eine Menge Erklärungen." Er drehte sich Spike zu und lächelte. „Ihre helfenden Freunde waren als tatsächlich Tawas? Wir hatten damals eine Menge Spaß und…"

„Hallo", unterbrach Buffy wieder. „So langsam reicht es mir! Ich werde jetzt Willow und Tara holen und dann sind eine Menge Erklärungen fällig!"

Zwei Minuten später öffnete Spike wieder den Kühlschrank. Er fischte eine Dose Cola heraus und grinste Buffy spöttisch an, die mit den beiden Hexen im Schlepptau wieder in die Küche kam. „Jetzt erklären Sie mal Ihrer übereifrigen Jägerin, was Tawas sind und was sie gewöhnlich machen", meinte er und nickte dem Wächter zu.

„Entschuldigung", meldete sich nun das kleine Wesen zu Wort. „Sie haben nicht zufällig ein paar Schokoladenplätzchen?"

Vollkommen entnervt warf Buffy die Hände in die Luft. „Bin ich eigentlich die einzige, die diesen ganzen Mist ernst nimmt?" Sie durchquerte die Küche und riss einen Schrank auf. „Bitte schön", schimpfte sie und knallte die Kekspackung auf den Tisch. „Vielleicht noch ein Glas Milch dazu?", fragte sie.

„Danke schön, das wäre wirklich sehr nett", erwiderte Quetzlicotl ohne jeden Argwohn.

Spike lachte leise und öffnete wieder einmal den Kühlschrank. Er nahm das Milchpaket heraus und drückte es Buffy in die Hand, die vor Wut fast platzte.

Weitere zehn Minuten vergingen, bis alle einen Platz gefunden hatten und auch keine sonderbaren Wünsche mehr äußerten. Die Jägerin warf einen Blick auf die Küchenuhr und seufzte leise. ‚Und wieder eine Nacht ohne Schlaf’, dachte sie. Dann setzte sie sich auf die Küchenzeile und suchte Giles Blick. „Können wir jetzt endlich anfangen?" Sie wartete, bis alle Blicke auf sie gerichtet waren und sprach weiter. „Als erstes will ich jetzt endlich wissen, was Tawas sind!"

„Nun", räusperte sich Giles. „Es sind menschenähnliche Dämonen ohne jegliche besondere Kraft. Sie sind reine Vegetarier und alles andere als gefährlich."

„Alles klar", schnaubte Buffy. „Deswegen jagen sie auch Generatoren in die Luft!"

„Aber dein Wächter hat Recht", erklärte nun Spike. „Sie machen eine Menge Unsinn, feiern enorme Parties und haben einfach Spaß."

„Stimmt", nickte Giles eifrig. „Aber dass sie jetzt auch schon mit Sprengstoff hantieren…, nun, das war mir neu."

„Es war nur ein Zufall", brummte der Vampir genervt. „Sie hatten es bei einem Pokerspiel gewonnen und… ach, vollkommen egal", meinte er dann. „Sie haben die Stadt längst verlassen. Sie sind nur auf meinen Anruf hin noch einmal zurückgekehrt."

„Stimmt das?", erkundigte sich Buffy bei ihrem Wächter.

„Sie halten sich nie sehr lange an einem Ort auf, deswegen könnte es durchaus sein. Aber egal wie, sie stellen keine Gefahr für uns dar."

„Gut", nickte Buffy. „Dann kümmern wir uns jetzt um das größere Problem."

„Was dann wohl mein Stichwort ist!" Quetzlicotl räusperte sich. „Allerdings begann diese Geschichte schon vor langer Zeit. Ich werde also weiter ausholen müssen."

„Das kennen wir", feixte Spike und blickte den Wächter augenzwinkernd an. „Dann mal los. Auf Erklärungen, die über eine Stunde dauern, waren wir schon immer scharf."

„Es ist wirklich wichtig, dass jetzt alle zuhören." Giles machte eine ernste Miene. Willow und Tara nickten nur, Buffy verzog das Gesicht und Spike guckte sichtlich gelangweilt.

„Also gut", nickte Quetzlicotl. „In Ihrer Zeitrechnung wäre es wohl das Jahr 1398…"

„Das ist aber wirklich weit ausgeholt", unterbrach Spike genervt. „Geht es vielleicht etwas kürzer?"

„Jetzt lass ihn doch erstmal erzählen", schimpfte Buffy.

„Kann er ja! Aber warum, zur Hölle, muss er vor Kolumbus anfangen?", schnauzte Spike. „Ich habe Besseres zu tun!"

„Mit deinen Tawas spielen?", zischte Buffy. „Warum bist du nicht gleich mitgefahren? Dann hätte ich ein Problem weniger!"

„Leute", unterbrach Willow die Streithähne. „So geht das nicht."

„Allerdings!", schimpfte Giles und polierte seine Brille. „Es ist spät. Aber das ändert nichts an dem Ernst der Situation. Also reißt euch gefälligst zusammen!"

Stille trat ein und Quetzlicotl räusperte sich ein weiteres Mal. „Also… alles beginnt 1398", er seufzte. „Das dauert wirklich zu lange." Er überlegte einen Moment. „Wir sprechen hier von Azteken", meinte er dann. „Maxtla war ein mächtiger Schamane. Ein Hexer mit immenser Zauberkraft." Er deutete auf Willow. „Etwa so wie sie."

Geschockt schauten alle auf Willow, die sich daraufhin klein machte. „So mächtig bin ich nicht", erklärte sie und schüttelte den Kopf. „Bestimmt nicht! Ich…"

„Wie auch immer", knurrte Spike. „Quetzi soll weiter erzählen. Sonst werden wir nie fertig!"

„Gut, ich versuche es auch so kurz zu halten, wie es geht", nickte das kleine Wesen. „Maxtla missbrauchte seine Macht und verfiel dem Bösen. Auf ihn gehen auch die ersten Menschenopfer zurück, aber das nur am Rande. Maxtla war grausam und hinterhältig und er schloss Pakte mit Dämonen, die versprachen, ihn noch mächtiger werden zu lassen, sollte es ihm gelingen, sie wieder in die Welt der Menschen zu bringen.

Huitzlihuitli, der damalige Herrscher der Azteken hörte davon und rief die mächtigsten Magier des Landes zusammen, um Maxtla aufzuhalten. Zusammen gelang es ihnen dann auch, den Hexer zu bannen und Huitzlihuitli befahl, ihn außer Landes zu bringen."

Er machte eine kleine Pause und wartete auf Fragen, die jedoch ausblieben. „Zwanzig der besten Magier machten sich auf den Weg Richtung Süden. Natürlich wurden sie von Kriegern begleitet, aber weiter als bis hierher kamen sie nicht. Ein merkwürdiges Fieber grassierte und verkleinerte die Gruppe immens. Den Zauberern blieb keine andere Wahl. Sie konnten nicht darauf warten, noch mehr Magie zu verlieren und so verbannten sie Maxtla an Ort und Stelle. Ein Kristallwürfel wurde zu seinem Gefängnis. Dann opferten sich die Magier selbst, um mich zu erschaffen. Ich bin ein Wesen aus reiner Energie. Dazu gemacht, Maxtla auf ewig in seinem Gefängnis zu bewahren."

Aufgewühlt trank er einen Schluck Milch. „Ich habe nicht immer so ausgesehen", erklärte er dann leise. „Ich war nie ein Mensch, aber ich war annähernd so groß wie die Jägerin. Die Kraft, die ich brauche, um Maxtla gefangen zu halten, verzerrt mich nach und nach. Ich kann nicht sagen, wie lange ich noch durchhalten werde, aber mehr als hundert Jahre werden es nicht sein."


„Ich verstehe", nickte Giles mitfühlend. „Die Kraft, die Ihnen die Hexenmeister mitgaben, war nicht unendlich, wie sie eigentlich sein sollte."

„Nein, dazu war ihre Zahl zu sehr dezimiert. Das Fieber hatte acht von ihnen getötet, bevor sie ihre Macht an mich weitergeben konnten."

„Warum haben sie Maxtla nicht einfach getötet?", fragte Buffy.

„Er war zu mächtig. Die Zauberer konnten ihn nur gefangen nehmen, nicht vernichten."

„Gut und schön", meinte jetzt Willow. „Der Magier war böse. Aber was genau war sein Plan?"

„Er wollte die Hölle öffnen, richtig?" fragte Giles und das kleine graue Wesen nickte.

„Wie sollte es auch anders sein?", brummte Spike. „Alles Idioten!", schimpfte er dann. „Was nützt einem diese verdammte Welt, wenn keine Menschen mehr da sind, die man auffressen kann?"

„Toller Einwand", schnaubte die Jägerin und wandte sich ihrem Gast zu. „Wenn es so läuft, wie eigentlich immer, dann hat Maxtla bittere Rache geschworen. Sollte er also jemals sein Gefängnis verlassen können, macht er genau da weiter, wo er aufgehört hat."

„Mit Sicherheit", nickte Willow. „Und wo sollte das besser funktionieren, als am Höllenschlund selbst?"

„So ist es", stimmte Quetzlicotl ihr zu. Dann griff er nach einem weiteren Keks und stippte ihn in sein Milchglas.

„Entschuldigen Sie", murmelte Tara verlegen. „Ich möchte Sie nicht verletzen, aber wenn Sie aus reiner Energie sind, warum essen Sie dann?"

„Das ist in etwa so, wie bei Ihrem Vampirfreund", erklärte er lächelnd. „Ich muss nicht essen, aber ich kann. Und Schokoladenplätzchen konnte ich noch nie widerstehen."

Giles, der bisher merkwürdig still war, seufzte leise. „Wissen die Männer auf der Ausgrabungsstelle, mit was sie es zu tun haben?"

„Bisher nicht", erwiderte Quetzlicotl. „Aber sie rütteln an der Magie. Fast stündlich wird es etwas schwerer, Maxtla zu halten."

„Aber dieses… dieses Halten, dass können Sie auch von hier?", fragte Tara nervös. „Ich meine, es wird bestimmt schwerer, je weiter Sie von der Ausgrabungsstelle entfernt sind."

Das kleine graue Wesen nickte ernst. „Bisher kann ich Maxtla noch halten. Aber ich weiß nicht, wie viel Zeit uns, oder besser gesagt mir, noch bleibt."

Teil 6

Sturmböen peitschten Regen an die Fensterscheiben und Buffy schreckte erschrocken auf. Es war eisig kalt und finster in ihrem Zimmer und sie zog die Decke bis an die Nasenspitze hoch. ‚Was für eine Nacht’, dachte sie verschlafen und war gerade im Begriff, sich wieder in die Kissen zu kuscheln, als ihr Blick auf den Wecker fiel.

Sofort stand sie senkrecht. „Dawn!", schrie sie plötzlich hellwach, sprang vom Bett und eilte in das Zimmer ihrer kleinen Schwester. „Dawn! Es ist schon…!" Das Zimmer war leer und sie atmete erleichtert auf. ‚Jedenfalls ist sie schon aufgestanden’, seufzte sie erleichtert und rannte die Treppe hinunter.

„Sie ist schon weg." Der Wächter fing seine Jägerin im Flur ab. „Hast du gut geschlafen?" Giles schien schon länger wach zu sein. Er hatte eine dampfende Tasse Tee in der Hand und schien überaus munter.

„Schon weg?", wiederholte Buffy. „Wann?"

„Sie ist aufgestanden und zur Schule gegangen." Giles stockte. „Geht es dir gut?"

„Ja… ja." Buffy schüttelte den Kopf. „Ich bin nur noch nicht ganz wach." Sie griff nach einer Sweatjacke, die an der Garderobe hing und zog sie eilig über. „Was ist mit Willow und Tara? Schlafen die beiden noch?"

„Nein, die beiden sind auch schon unterwegs. Willow hat zwar heute Morgen keine Vorlesungen, aber sie wollte in die Bibliothek und recherchieren." Giles lehnte sich an die Wand und pustete vorsichtig in seine Tasse.

„Aha", die Jägerin gähnte herzhaft. „Und unser Gast?" Spike war, Gott sei Dank, noch in der Nacht verschwunden. Es war beinahe vier Uhr gewesen, als sie endlich ins Bett gefallen war und sie konnte sich nicht daran erinnern, wo Quetzi, wie der Vampir ihn nannte, abgeblieben war.

Giles lächelte sanft. „Er ist schon ein komisches Wesen. Er sitzt in der Küche, trinkt Milch und verspachtelt die letzten Schokoladenplätzchen."

„Komisches Wesen?" Na, wenn Sie das schon sagen", brummte Buffy. „Und was machen wir jetzt mit ihm? Besser gesagt, was machen wir überhaupt?"

„Wir fahren gleich in die Magic Box", Der Wächter stockte. „Also dann, wenn du fertig bist." Er lächelte. „Anya habe ich bereits angerufen. Sie öffnet heute Morgen den Laden und ich habe sie auch gebeten, Xander Bescheid zu sagen. Wir können jede Hilfe brauchen."

„Okay", murmelte Buffy und ging langsam die Treppe wieder hoch. „Giles?" Sie blieb stehen und drehte sich zu ihm um. „Was Quetzlicotl da gestern über Willow gesagt hat… Ich glaube, er könnte Recht haben. Vielleicht sollten Sie mal mit ihr reden."

„Ich habe es heute morgen schon versucht", nickte der Wächter ernst. „Entweder will sie davon nichts hören, oder sie hat selbst noch nicht gemerkt, wie mächtig sie ist. Auf jeden Fall gebraucht sie zu viel Magie und wenn sie nicht aufpasst, kann das gewaltig ins Auge gehen."

„Wir werden sie im Auge behalten", seufzte Buffy. „Ich werde sie im Auge behalten."

 

                                                                           *******

 

Die Fahrt zum Zauberladen war ruhig verlaufen. Quetzlicotl hatte sich widerwillig dazu bereit erklärt, sich in einer großen Sporttasche transportieren zu lassen und Buffy und Giles hatte es nicht weiter verwundert, das in der Nachbarschaft noch immer ein schwarzer Geländewagen parkte, der sofort anfuhr, als der Wächter sein Cabrio aus der Einfahrt fuhr.

Stunden waren seitdem vergangen und Buffy warf genervt das dritte Buch auf den Tisch. „Noch ein Buch, indem Menschenopfer so detailliert beschrieben werden und ich brauche nie wieder essen."

„Ich hatte gerade auch ein nettes", feixte der Dunkelhaarige. „Und ehrlich, ich wollte noch nie wissen, dass man sein eigenes Herz noch einmal schlagen sehen kann, bevor man jämmerlich krepiert."

„Hat noch jemand Hunger?", fragte Anya aus dem vorderen Teil des Zauberladens.

Xander lachte und Buffy verdrehte die Augen. „Wie aufs Stichwort."

„Das ist meine Kleine", grinste der Dunkelhaarige. „Immer das perfekte Timing, um irgendwas komplett Blödes zu sagen."

„Wir sind schon seit Stunden hier und Xander hat heute nicht einmal Donuts mitgebracht", redete Anya unbeirrt weiter. „Und diese kleine hässliche Kröte hat unsere letzten Keksvorräte weggefuttert." Die Ex-Dämonin kam mit einem Staubwedel bewaffnet auf ihren Freund zu. „Xander! Ich habe Hunger!"

„Soll ich Pizza bestellen?"

Buffy zuckte mit den Schultern und blickte sich um. „Wo ist die kleine hässliche Kröte eigentlich?" Giles war auch schon seit einiger Zeit verschwunden und Buffy runzelte die Stirn.

„Sie sind im Trainingsraum", erklärte Anya. „Sie wollten irgendeinen Zauber ausprobieren", sie seufzte. „Ständig murmeln sie irgendwelche wirren Worte und machen mich ganz nervös."

„Zaubern?", wiederholte Xander. „Ich dachte, der kleine Zwerg wäre aus reiner Energie. Warum will er zaubern?"

„Keine Ahnung", erwiderte Buffy. „Vielleicht will Giles ihn mit neuer Kraft versorgen. Jedenfalls hat Quetzlicotl gestern gesagt, er wäre früher größer gewesen."

„Er bewacht diesen Maxtla ja auch schon seit einer Ewigkeit", nickte Anya wissend. „Kein Wunder, dass er schrumpft." Sie stöhnte laut. „Bestellen wir jetzt Pizza, oder was?"

„Pizza?" Giles kam in den Zauberladen zurück. „Keine schlechte Idee. Ich denke, wir könnten alle eine kleine Stärkung brauchen. Aber denkt auch an Tara und Willow. Die beiden kommen auch gleich."

„Und an Dawn", erinnerte Buffy.

„Wenn ihr schon dabei seid, dann bestellt gleich einen Liter Blut dazu", sagte Spike. Er knallte die Kellertür zu und grinste über das ganze Gesicht. „Was denn? Jetzt tut doch nicht so überrascht! Es ist nicht das erste Mal, dass ich hier am helllichten Tag auflaufe."

„Ich wollte nur das Wort Blut nicht mehr hören", brummte Buffy und verdrehte die Augen. „Davon habe ich heute schon genug gelesen." Sie schnaufte laut. „Warum waren die Azteken eigentlich so versessen auf Menschenopfer? Ist doch eklig!"

„Das solltest du deinen kleinen Freund fragen", feixte Spike und deutete mit dem Kopf auf Quetzlicotl. Dann legte er den Kopf schräg und sah das Wesen aufmerksam an. „Irre ich mich, oder ist er gewachsen?"

„Ein wenig", erklärte Giles sofort. „Aber wenn er mehr Kraft bekommen soll, dann brauche ich Willows und Taras Unterstützung. Meine Zauberkraft reicht bei weitem nicht aus."

 

                                                                           *******

 

Eine Stunde später wurde es langsam eng am runden Tisch der Magic Box. Willow, Tara und Dawn waren dazugekommen und Pizzaschachteln stapelten sich über- und untereinander.

Giles klappte seinen Karton zu, wischte sich umständlich zu Finger ab und wandte sich an Willow. „Hast du irgendwas herausfinden können?"

„So einiges", nickte Willow und trank einen Schluck Diätlimonade. „Die Bibliothek im College ist gut bestückt, wenn es um die frühen Kulturen Südamerikas geht. Außerdem habe ich im Internet Informationen über Maxtla gefunden. Spärlich verstreut, aber ich habe sie entdeckt", sie lächelte, doch dann wurde ihr Gesicht wieder ernst. „Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Informationen unsere Laune heben werden."

„Warum?", erkundigte sich Buffy. „Er ist nur ein Zauberer, der momentan auch noch in einem Kristallwürfel steckt. Wir müssten ihn vernichten können."

„Ähm,… so einfach ist es nicht", erklärte der Wächter. „Ganz im Gegenteil. Ich denke, es wird eher sehr kompliziert, wenn nicht gar unmöglich. Wenn schon zwölf der stärksten Aztekenmagier es nicht geschafft haben…"

„Und was sollen wir ihrer Meinung nach dann machen?", fragte Spike. „Quetzi mit Macht aufpumpen und seinem ach so netten Schicksal überlassen?", brummte er. „Sie haben unsere netten Freunde vom Militär wohl vergessen? Mal abgesehen von den Regierungsheinis!"

„Spike hat in gewisser Weise recht", murmelte Tara. „Selbst, wenn wir es schaffen, Quetzlicotl wieder zu seiner alten Macht und Größe zu verhelfen. Die Regierung wird sich nicht so leicht aufhalten lassen."

„Das stimmt allerdings" murrte die Jägerin und ihre Gedanken wanderten zur Initiative zurück.

„Also", sagte Quetzi leise. „Wenn ich mich dazu einmal äußern darf?" Er blickte in die Runde und wartete. „Ich habe Maxtla über sechshundert Jahre bewacht und ehrlich gesagt, ist nun das erste Mal die Möglichkeit vorhanden, ihn endgültig zu vernichten."

„Dann erklären Sie Schlaukopf uns mal, wie wir das anstellen sollen?" Spike schüttelte den Kopf. „Selbst wenn Willow all ihre Macht gebraucht… wir können wohl schlecht auf das verdammte Ausgrabungsfeld stiefeln und den Eiswürfel einpacken."

„Nein, das geht allerdings nicht", erklärte das Wesen. „Aber es gäbe eine andere Möglichkeit."

„Jetzt machen Sie es mal nicht so spannend", meinte Buffy. Sie schob ihren Pizzakarton von sich und lehnte sich auf dem Stuhl zurück.

Stille trat ein und alle Augenpaare lagen auf dem kleinen Gast. „Es ist nur eine Idee", gestand er dann. „Wir wissen, dass wir ihn in dieser Zeit nicht vernichten können. Er ist zu mächtig und wird noch immer von einigen Dämonen beschützt, die noch darauf hoffen, dass er seinen Teil des Bündnisses einhält."

„Worauf wollen Sie hinaus?", fragte Giles, in dem sich eine dunkle Vorahnung breitmachte.

„Wir müssen die Jägerin in der Zeit zurückschicken. Sie ist die einzige, die ihn töten kann, bevor er seinen Bund eingeht und der mächtigste Hexer der Welt wird", erklärte Quetzi leise.

„Das geht nicht", mischte sich Dawn aufgeregt in das Gespräch ein. „Buffy kann ihn nicht töten. Selbst wenn sie diese komische Zeitreise überlebt… er ist doch dann noch ein Mensch. Buffy tötet keine Menschen. Oder?"

„Das stimmt allerdings", nickte Willow und Buffy seufzte erleichtert. „Die Jägerin würde niemals einen Menschen töten."

„Die Frage ist nur, was wir dann machen?" Giles nahm aus alter Gewohnheit seine Brille ab und polierte sie. „Wir können kaum darauf warten, dass das Militär den Kristallwürfel mitnimmt." Er räusperte sich. „Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn sie Maxtla aus seinem Gefängnis befreien."

„Also ist die Zeitreise unsere einzige Option?", fragte Buffy. „Nun, dann haben wir schon verloren. Niemand von uns würde einen Menschen töten. Ich nicht, Willow nicht und sonst…" Ihr Blick wanderte zu Spike.

„Was?", fauchte der Vampir. „Pffft! Ganz sicher nicht! Es reicht, dass ich hier in Sunnydale mit auf Dämonenjagd gehe. Ganz bestimmt nicht auch noch im Dschungel Mexikos!"

„Der Gedanke ist gar nicht so verkehrt", grinste Xander. „Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe! Er erledigt diesen Zauberer und wir lassen ihn in der grünen Hölle schmoren, bis er schwarz wird."

„Ich würde es überleben", fauchte Spike. „Und das nur aus einem Grund! Damit ich dir die Kehle aufreißen kann!"

„Spike kann auch keine Menschen töten", unterbrach Dawn die beiden Streithähne! „Habt ihr etwa seinen Chip vergessen."

„Der Krümel hat Recht", knurrte der Vampir. „Ich falle aus eurem Raster!"

„Nicht unbedingt", murmelte Quetzlicotl. „Sie müssten ihn in der Nacht töten, in der Maxtla selbst das erste Mal einen Menschen opferte. Dadurch verwirkt er seinen Schutz."

„Ich kann Mörder töten?", grinste Spike, dem sich so neue Möglichkeiten boten. „Immerhin etwas!" Doch dann schüttelte er vehement den Kopf. „Ich gehe trotzdem nicht! Xander hat es eben schon so nett vorausgesagt. Wenn ich erstmal da bin… kein Schwein würde auch nur einen Finger rühren, um mich wieder in diese Zeit zurückzubringen."

„Du hast die Möglichkeit, die Welt zu retten", schimpfte Buffy. „Wie wäre es mit ein bisschen Wiedergutmachung?"

„Ich bin ein Vampir", fauchte Spike. „Was interessiert mich die Welt?" Er stand auf und lief hin und her. „Habt ihr euch selbst mal zugehört? Das ist doch total bekloppt! Ihr wollt, dass ich einen Menschen umbringe!" Er schnaufte laut. „Hier brauch ich nur mal jemanden schief angucken, dann wird mir sofort mit einem Pflock gedroht!"

„Das ist was ganz anderes", erklärte Giles kategorisch. „Hätte ich die Möglichkeit, in der Zeit zurückzureisen, um Hitler zu töten… Ich würde es tun! Wir reden hier nicht von einem harmlosen Menschen. Dieser Hexer will die Welt vernichten!"

„Können wir ihn nicht einfach dazu zwingen?", fragte Anya genervt. Die Belagerung der Magic Box gefiel ihr überhaupt nicht. Ihrer Meinung nach vergraulten Buffy, Spike und die anderen die Kundschaft und sie wollte endlich wieder Ruhe im Laden.

„Nein. Zwingen können wir ihn nicht", brummte Buffy. „Aber vielleicht bestechen." Sie machte eine Pause und blickte ihn böse an. „Was willst du?"

Spike riss die Augen auf. „Du willst mich tatsächlich bestechen?" Er lachte höhnisch. „Es gibt nichts, was du mir anbieten könntest oder würdest!"

„Du hast eine Stunde, um es dir zu überlegen", murmelte Buffy. Dann schob sie ihren Stuhl zurück und stand auf. „Mir ist schlecht! Ich geh ein wenig an die frische Luft!"

Teil 7

Die Stille in der Magic Box war greifbar und alle Augenpaare richteten sich auf den Vampir, der erst leise knurrte und dann wütend aufsprang. „Ihr seid komplett durchgeknallt", rief er zornig. „Alle zusammen!" Mit rauschendem Mantel drehte er sich herum und eilte mit weit ausholenden Schritten auf den Seitenausgang hinter dem Tresen zu. „Und sagt der Jägerin, sie braucht gar nicht erst nach mir suchen. Ich werde das garantiert nicht machen!" Er knallte die Tür hinter sich zu und verschwand in die Dunkelheit des Unwetters.

Durchgedreht! Total!’, dachte er und schlug den Mantelkragen hoch. Es regnete noch immer in Strömen und der aufpeitschende Wind wirbelte die dicken Tropfen eisig in sein Gesicht. ‚Ich im Dschungel! Hah! Das ich nicht lache! Ein Vampir als Retter der Welt? Verdammte Hölle! Ohne mich.’

Er stapfte durch den Regen und fauchte einen Passanten an, der sich seinen Schirm tief ins Gesicht herabgezogen hatte und ihn beinahe umlief. „Verfluchter Mensch", zischte er. „Geh mir aus dem Weg!"

Meckernd und nörgelnd suchte er sich seinen Weg durch das Unwetter. Einen Weg, der ihn direkt in Willies Bar führte. Er setzte sich an den Tresen, bestellte einen doppelten Whiskey und kippte ihn hinunter, kaum das der Wirt das Bestellte abgestellt hatte.

Der schmierige Barkeeper schien fast in Versuchung, ihn anzusprechen, verkniff es sich dann aber doch. Wegen des anhaltend schlechten Wetters waren nur sehr wenige seiner Gäste unterwegs. Und die wenigen, die da waren, wollte er nicht auch noch vergraulen. Außerdem braute sich etwas über Sunnydale zusammen. Er hatte zwar noch keinen blassen Schimmer, worum es ging, aber wenn er Spike so betrachtete, dann wusste es die Jägerin auch schon.

Willie seufzte leise. Für gewöhnlich lief seine Bar recht gut, aber jetzt war schon den dritten Tag nichts los. Nur zwei der Tische waren besetzt und am Ende der Theke saß ein schlechtgelaunter Kroaxl-Dämon. Allerdings war es Willie ziemlich egal, ob dieser blieb oder nicht. Der Dämon verdrückte zwar eine Menge Erdnüsse, bestellte aber nur wenig und wenn, dann den billigsten Fusel, den er auf Lager hatte.

„Willst du noch einen?", fragte er Spike.

„Nein! Ich will die ganze verdammte Flasche!" Dem Vampir brannte die Kehle. Allerdings nicht wegen des Alkohols, sondern eher wegen der Schimpftirade über die Jägerin und ihren ach so tollen Freunden, die ihm im Halse steckte und unbedingt hinaus wollte. Aber so wütend er auch war, er war klug genug, die Auserwählte hier nicht zu erwähnen. Spike hatte schon genügend Ärger mit Seinesgleichen. Immerhin wusste die ganze Stadt, dass er die Jägerin im Kampf gegen das Böse unterstützte.

Warum, zum Teufel, tue ich mir das überhaupt an?’, dachte er und kniff zornig die Augen zusammen. ‚Sie kann mich nicht zwingen und sie hat nichts, was sie mir anbieten könnte. Nichts, was mich in Versuchung führen könnte!’ Er nahm die Flasche hoch, betrachtete sie kurz und setzte an die Lippen. In großen Zügen trank er die brennende Flüssigkeit leer und verzog das Gesicht. „Gib mir noch eine", bellte er den Wirt an.

„Wer oder was ist dir denn über die Leber gelaufen?", erkundigte sich Willie vorsichtig. Er legte das schmutzige Tuch an die Seite, mit dem er bisher Gläser poliert hatte und holte eine neue Flasche unter dem Tresen hervor.

„Die Jägerin", knurrte Spike und seine Augen blitzten gefährlich gelb auf.

„Oh", war alles, das der Wirt über die Lippen brachte. Er war clever genug, jetzt die Klappe zu halten und er entfernte sich sicherheitshalber.

Der Vampir hingegen starrte in den Spiegel, der hinter der Bar hing. ‚Warum rege ich mich eigentlich auf?’, überlegte er und entkorkte die zweite Flasche mit den Zähnen. „Es war nur eine saublöde Idee, die keine weiteren Gedanken wert ist!’

Aber ob er wollte oder nicht, seine Gedanken rasten. Sicher gab es etwas, wofür er diese verfluchte Strapaze sofort auf sich nehmen würde. Allerdings würde eher die Hölle zufrieren, als dass Buffy diesen verdammten Chip entfernen lassen würde. Sie würde es niemals zulassen, dass dieses verdammte Stück Elektronik verschwand und vielleicht, vielleicht hatte sie nicht einmal die Macht dazu.

Stunden vergingen und so viel er auch trank, er wurde einfach nicht betrunken. Wieder und wieder geisterten die gleichen Gedanken durch seinen Kopf und er atmete unnötigerweise tief ein. ‚Nie und nimmer’, schwor er sich und betrachtete seine Flasche eingehend. ‚Niemals!’

Ein sanfter Luftstrom durchzog den stickigen Mief in der Kneipe und Spike musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer da gerade hereingekommen war. Er kannte ihren Geruch, konnte sie spüren und die Reaktion der wenigen Gäste war aussagekräftig genug. Er verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf.

„Können wir reden?", fragte Buffy leise.

„Ich wüsste nicht worüber", erwiderte er bissig, ohne sich umzudrehen. „Du und dein Wächter… Ihr könnt in Ruhe wieder verschwinden. Es gibt nichts zu bereden. Es gibt nichts zu sagen! Geht einfach wieder!" Trotzig setzte er die Flasche an und goss den bernsteinfarbenen Inhalt in seine Kehle.

„Spike. Könnten Sie vielleicht einmal darüber nachdenken?", forderte Giles ihn auf. „Eine Welt, wie Maxtla sie erschaffen will, kann nicht in Ihrem Sinne sein."

„Oh", knurrte der Vampir verächtlich. „Das komische Wächterlein appelliert an meine Vernunft." Er fuhr herum und blickte Giles böse in die Augen. „Sie haben da etwas ganz Wichtiges vergessen! Ich bin ein verdammter Vampir! Mir ist Ihre scheiß Welt vollkommen egal!"

„Wir hatten wieder Besuch", erklärte die Jägerin leise. „Dieses Mal waren es an die zwanzig Agenten, und sie hatten einen Durchsuchungsbefehl dabei."

„Gefunden haben sie natürlich nichts", erklärte Giles behutsam. Der Wächter fühlte sich sichtlich unwohl und er warf vorsichtige Blicke auf den Kroaxl-Dämon, der noch immer am Thekenende saß und die Erdnüsse in sich hineinstopfte, die der schmuddelige Wirt missmutig vor ihn stellte. „Der Zauber wirkt. Sie haben Quetzlicotl nicht gefunden, aber sie wissen, nach was sie suchen müssen. Einer der CIA Agenten hat sogar verlauten lassen, dass ein mächtiger Hexer in ihren Diensten steht."

„Für Quetzi wird es jedenfalls schwerer, den Azteken-Priester in dem Eiswürfel gefangen zu halten", kürzte Buffy das Ganze ab. „Wir brauchen deine Hilfe."

„Und ich habe euch schon mehrfach gesagt, dass ich nicht in den verdammten Dschungel gehe. Der Welpe hat es doch so nett ausgedrückt…" Seine Stimme troff vor Sarkasmus. „Wie war das noch? Zwei Fliegen mit einer Klappe!"

„Es hatte niemals jemand vor, dich dort zurückzulassen", sagte Buffy leise.

Spike blickte sie finster an, erkannte aber keine Lüge in ihren Augen. Eher das Gegenteil. Ihr war es vollkommen ernst und er knurrte leise. „Und womit wollt ihr mich bezahlen? Oder bestechen? Oder was auch immer?"

„Ich weiß es nicht", gestand die Jägerin, setzte sich neben ihn und winkte den Wirt heran. „Gib mir eine Flasche Diätcola", sagte sie, als er vorsichtig näher kam. Und ich meine eine Flasche! Deine verdreckten Gläser bringen jeden um!"

„Für deinen Wächter auch etwas?", fragte Willie beleidigt.

Buffy drehte sich um, blickte ihren Mentor fragend an, doch der schüttelte verwirrt den Kopf. Eigentlich hatte er nicht vor, sich hier lange aufzuhalten und das Verhalten der Jägerin irritierte ihn etwas. Bezweckte sie etwas damit?

„Nur die Cola", nickte Buffy. Dann warf sie neugierige Blicke auf die anderen Gäste. Ein paar Vampire, dieser launige Dämon und ein paar hässliche Wesen, mit zuviel Haut und zu vielen Haaren. „Können wir jetzt darüber sprechen?", wandte sie sich an Spike.

„Wenn du meinst, Liebes", brummte er und klammerte sich an seine Flasche. Er wusste genau, was sie damit beabsichtigte. Er war ihr vielleicht verfallen, aber er kannte sie auch besser, als jeder andere. „Aber ich weiß noch immer nicht, was ihr mir anbieten wollt." ‚Anhören kannst du es dir ja mal’, dachte er. ‚Aber das heißt nicht, dass du dir diesen Mist gefallen lässt!’

„Wenn es um Geld geht…", sagte der Wächter leise und setzte sich auf einen Barhocker. „Darüber könnte man sprechen."

„Es geht nicht um Kohle", schnaubte Spike verächtlich. „Auch wenn ich keine Menschen mehr töten kann, ich kann sie durchaus so in Angst versetzen, dass sie mir ihre Moneten freiwillig überlassen." Kopfschüttelnd wandte er sich Buffy zu. „Dein Wächter schnallt echt gar nichts."

„Ich kann deinen Chip nicht entfernen lassen", sagte sie leise, ohne auf seine Beleidigung einzugehen. „Das weißt du. Ich tausche nicht ein Monster gegen das nächste."

Überrascht sah Spike sie an. Sie wusste also, was er wollte. „Was schlägst du dann vor?"

„Ich weiß es nicht". Sie schüttelte den Kopf und trank von der Cola, die Willie ihr serviert hatte. „Aber ich brauche dich. Niemand anders kann es tun. Du weißt, ich kann keine Menschen töten. Nicht einmal dann, wenn sie vorhaben, die Welt zu vernichten."

„Das ist Wahnsinn! Ist dir das eigentlich bewusst? Ständig werde ich auf das übelste beschimpft, weil ich als Vampir getötet habe und jetzt verlangt ihr genau das von mir! Das ist bescheuert. Nein, mehr als das. Es ist krank." Er trank seine Flasche leer und knallte sie auf die Theke. „Davon mal ganz ab. Im Urwald kann man sich vielleicht gut vor der Sonne verstecken, aber…"

„Ich komme mit", unterbrach Buffy ihn. Sie drehte sich auf ihrem Barhocker und blickte ihn ernst an. „Wir gehen beide!"

„Aber das geht doch nicht", meldete sich der Wächter erschrocken zu Wort. Bestürzt sprang er auf. „Buffy? Hast du dir das gut überlegt?" Nervös polierte er seine Brille. Er hatte keinerlei Schwierigkeiten, wenn Spike zurückbleiben würde, aber seine Jägerin? „Buffy!"

„Giles", beruhigte sie ihn. „Wenn mir einer dort im Urwald helfen kann, dann ist es Spike! Es gibt keinen anderen Weg. Für mich stand schon von Anfang an fest, dass er nicht alleine gehen würde."

Spike beobachtete gespannt das kleine Streitgespräch, dass sie zwischen Wächter und Jägerin entwickelte. Zeitweise hatte er ein breites Grinsen im Gesicht und er fragte sich, wann er die Bombe platzen lassen sollte. Dann war es soweit und er sprang vom Barhocker.

„Wer, zum Teufel, hat eigentlich gesagt, dass ich gehe?" Er machte eine Pause und fluchte leise. „Ihr Beiden", lachte er höhnisch, „zankt euch wie die Kesselflicker! Ich kann mich nicht daran erinnern, zugesagt zu haben."

„Aber… aber Sie", der Mund des Wächters klappte beleidigt zu. „Sagen Sie endlich, was sie wollen! Damit das Ganze hier endlich ein Ende hat."

„Spike! Ich brauche dich!"

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie oft ich mir gewünscht habe, dass du genau das zu mir sagst", sagte er sanft, doch dann schüttelte er den Kopf und wandte sich an den Wächter. „Ich will frisches Blut! Ein halbes Jahr lang jeden verdammten Tag! Und ich will einen neuen Fernseher! Einen von diesen riesig großen Dingern. Außerdem verlange ich, dass der Welpe meine Gruft putzt! Und ich rede nicht davon, der er einmal den Besen schwingt. Ich will kein Spinnweben und kein Krümelchen Dreck mehr vorfinden, wenn wir wieder da sind!"

„Das… ähm, also, das…", stammelte Giles erschrocken.

„Was?", zischte Spike. „Das ist mein Angebot! Es wird kein weiteres geben!"

„Also gut", nickte der Wächter erschöpft. Allerdings wusste er noch nicht, wie er das Xander beibringen sollte. Er konnte sich das Gesicht des Dunkelhaarigen schon vorstellen, wenn er von Spikes Bedingungen hörte. Aber da mussten sie jetzt durch. Vielleicht musste er selbst in der Gruft mit Hand anlegen und er schüttelte sich leicht. ‚Du bist tief gesunken, Rupert’, dachte er, doch dann streckte er sich und seine alte Kraft kam wieder durch. „Wir sollten keine Zeit mehr verlieren!"

„Von mir aus", brummte Spike und grinste Willie an. „Er zahlt", lachte er und deutete mit dem Kopf auf Giles. Dann wandte er sich Buffy zu. „Ich will noch in meine Gruft. Ich habe noch eine nette Machete, die uns gute Dienste leisten kann."

„Wir haben Waffen genug", meinte Buffy. „Das weißt du auch. Außerdem habe ich nicht vor, Ewigkeiten in diesem Dschungel zu verbringen. Sie schicken uns hin, du… ähm, wir erledigen den Job und ruckzuck sind wir wieder zuhause." Sie trank ihre Diätcola aus und sprang vom Hocker.

„Ich will trotzdem in meine Gruft", widersprach Spike mit zusammengekniffenen Augen. „In einer verdammten Stunde bin ich im Zauberladen, dann kann es losgehen." Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern verschwand einfach.

„Ob das eine gute Idee ist?", fragte Giles leise. Widerwillig bezahlte er und seufzte. „Buffy, ich befürchte…"

„Wir haben keine Wahl", unterbrach Buffy unsanft. „Wir sollten jetzt gehen und den anderen die Neuigkeiten berichten. Außerdem müssen Sie, Willow und Quetzlicotl unsere Reise vorbereiten." Sie seufzte leise. „Giles, ich verlasse mich auf Sie. Ich will nicht in der grünen Hölle bleiben!"

Giles nickte und ein leises Unbehagen durchschoss seinen Körper. Wenn es nur der Dschungel wäre…. Die sechshundert Jahre Zeitunterschied machten ihm viel mehr zu schaffen. „Wir werden es schaffen", murmelte er leise. „Wir werden es schaffen und niemand wird zurückbleiben!"

Teil 8

„Und du bist dir wirklich und absolut sicher?" Giles hatte seiner Jägerin den gesamten Rückweg Löcher in den Bauch gefragt. Die Gefahr, in die sie sich freiwillig begab, gefiel ihm überhaupt nicht. Immer und immer wieder hatte er versucht, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, aber er hatte keinen Erfolg. Sie hatte sich in den Kopf gesetzt, mit in den Dschungel zu gehen, und nichts würde sie jetzt noch davon abhalten. Aber versuchen musste er es trotzdem noch einmal.

„Ach, du meine Güte, Giles!" rief Buffy genervt. „Wie oft wollen wir das jetzt noch durchkauen? Ich kann Spike nicht alleine gehen lassen!"

„Warum nicht?" Der Wächter parkte den Wagen vor dem Zauberladen und drehte sich ihr zu. „Buffy, ich weiß nicht, ob du dir wirklich bewusst bist, wie gefährlich das alles ist. Die Magie, die wir benötigen, um euch durch die Zeit zu schicken… Kleine Zeitsprünge sind schon gefährlich und können das ganze Universum durcheinanderbringen, und wir sprechen hier von sechshundert Jahren." Er raufte sich die Haare und starrte sie an. „Herr Gott noch mal, Buffy!"

„Ich verstehe das alles sehr gut. Vielleicht besser, als Sie das glauben", sagte sie leise, aber sehr bestimmt. „Aber erstens würde Spike alleine nicht gehen und zweitens ist er nach wie vor ein Vampir. Ich weiß nicht, ob etwas passiert, oder ob etwas geschehen könnte, aber ich kann ihn nicht alleine zur Rettung der Menschheit losschicken." Sie seufzte laut. „Außerdem bin ich es langsam Leid, darüber zu diskutieren. Ich bin die Jägerin und es ist mein Job, mich um so etwas zu kümmern und ich werde meine Meinung nicht ändern." Sie sah ihn an und versuchte ein Lächeln. „Wir sollten jetzt hineingehen und alles vorbereiten. Je eher wir von hier wegkommen, desto eher sind wir wieder zurück." Sie stieg aus, warf die Tür zu und wartete dann auf ihren Mentor. „Wie genau ist diese Reise eigentlich? Ich meine, kommen wir wirklich zur richtigen Zeit an oder kann es passieren, dass wir dort wochenlang herumirren, bevor wir Maxtla überhaupt zu Gesicht bekommen?"

Verwundert sah der Wächter auf. Das war ein Problem, über dass er noch gar nicht nachgedacht hatte. „Ich…ähm…. Ich kann es dir nicht sagen", gestand er. „Ich werde das aber gleich noch mit Quetzlicotl besprechen."

Warum hatte er nicht daran gedacht? Immerhin war das sehr bedeutend. Konnte Quetzlicotl den Zeitpunkt so genau bestimmen? Schließlich war er selbst nie dort gewesen. Er war erst Jahre später erschaffen worden. Giles seufzte lautlos und schloss sorgsam sein Auto ab. Dieses Mal schien einfach alles aus dem Ruder zu laufen und er machte sich große Sorgen. Er blickte sich um, suchte und fand den schwarzen Wagen mit den Agenten und grüßte kurz. So angespannt er auch war, diese kleine Fopperei konnte er sich nicht verkneifen. „Wir werden es hinbekommen", meinte er leise. „Ich hoffe es zumindest."

„Ganz toll", brummte Buffy. „Genau so eine Antwort wollte ich nicht hören." Sie stieß die Tür des Zauberladens weit auf und seufzte. „Dann heißt es wohl doch noch Koffer packen."

 

                                                                         *******

 

„Oh, hey, Buffy", rief Willow ihrer besten Freundin entgegen. Ihre Haare waren etwas zerzaust und sie wirkte etwas überdreht. „Ich bin mitten in den Vorbereitungen", lächelte sie dann.

„Hi", erwiderte die Jägerin matt. „Ist Dawn schon weg?"

„Ja", nickte die Rothaarige. „Xander und Anya werden sich um sie kümmern, solange du weg bist."

„Moment mal", fuhr der Wächter hoch, der nach seiner Jägerin den Zauberladen betreten hatte. „Ihr wusstet, dass Buffy mitgeht? Warum?"

Verwirrt sah Willow von einem zum anderen. „Aber das war doch klar." Sie runzelte die Stirn. „Oder etwa nicht?"

„Doch, alles in Ordnung. Nur Giles hat es nicht geschnallt." Sie lächelte und blinzelte, als der Wächter die Nase rümpfte. „Wo sind Tara und Quetzi?"

„Oh", die Hexe lachte. „Die beiden sind kurz in den Supermarkt ein paar Kekse kaufen."

„Sie sind wo?" So langsam fiel Giles vom Glauben ab. Seine Jägerin begab sich freiwillig in eine nicht kontrollierbare Situation und der Wächter des Azteken-Priesters ging einkaufen. Dachte denn niemand hier noch nach? Er durchquerte kopfschüttelnd den Raum, warf einen flüchtigen Blick auf Willows Arbeit und seufzte dann. ‚Alles wird gut. Es wird funktionieren und niemand wird zu Schaden kommen!’

„Sag mal, Willow", meinte Buffy und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken. „Kannst du mir deinen Rucksack leihen? So langsam bekomme ich das Gefühl, dass es ein längerer Aufenthalt wird."

Bestürzung stand in dem Gesicht der Hexe. „Oh… du meinst…" Sie verzog das Gesicht und zuckte mit den Schultern. „Du könntest Recht haben." Eine kurze Pause entstand, bevor sie weitersprach. „Natürlich kannst du ihn haben. Aber vielleicht sollten wir lieber Xander anrufen. Er besitzt einen dieser großen Campingrucksäcke und außerdem brauchst du bestimmt noch Sachen von zu Hause."

 

                                                                         *******

 

Zwei Stunden später wurde es langsam hektisch in der Magic Box. Buffy hatte den von Xander gebrachten Rucksack gepackt, ausgepackt und wieder neu bestückt, tragbare Waffen waren zusammengesucht worden und Giles hatte zu guter Letzt noch ein paar Nahrungsmittel und eine Trinkflasche organisiert.

Alles war wieder und wieder durchgesprochen worden und Quetzlicotl hatte zugesichert, Buffy und Spike möglichst zeitnah abzusetzen. „Ich werde es versuchen", hatte er versprochen. „Ich besitze das gesamte Wissen meiner Erschaffer und ich denke…" Er machte eine kurze Pause und zuckte mit seinen kleinen Schultern. „Na ja, es ist sechshundert Jahre her und ob ich es auf den Tag genau schaffe, ist mehr als fraglich."

„Ich verstehe", hatte Giles zerknirscht gemurmelt. „Dann können wir also nur das Beste hoffen." Die ganze Situation schien unglaublich verworren und es gefiel ihm überhaupt nicht, dass er keinerlei Kontrolle hatte und sich auf Willow und die Macht des kleinen Aztekenpriesters verlassen musste.

Kurze Zeit später hatten Tara und Willow einen magischen Kreis gezogen und nun war es fast so weit.

 

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„Jetzt reicht es auch", brummte Buffy. Ein letztes Mal hatte sie ihren Rucksack neu bestückt und drückte und ruckelte nun an ihm herum, bis der Reißverschluss endlich zuglitt. „Mehr passt beim besten Willen nicht herein."

„Du weißt schon, dass du das Ding alleine schleppen musst?", grinste Spike fies. Er hatte selbst einen Rucksack dabei, aber der war eine ganze Ecke kleiner als der der Jägerin.

„Ich hoffe immer noch, dass ich ihn gar nicht brauchen werde", gestand sie leise. Sie sah Spike an und verzog das Gesicht, als er einen schwarzen, breitkrempigen Cowboyhut aufsetzte. „Was wird das? Gehen wir zum Karneval?"

„Ha, ha", knurrte der Vampir. Er war komplett in Schwarz gekleidet. Die übliche Jeans, Kampfstiefel und einen dünnen Rollkragenpullover in der gleichen Farbe. Er hielt ein paar Lederhandschuhe hoch und schlüpfte hinein. „Mein kleiner, aber feiner Schutz vor der Sonne. Wenn wir durch den Dschungel rennen, brauche ich jedenfalls nicht auf jeden Strahl zu achten." Er drehte sich herum und warf einen Blick auf Quetzlicotl und Willow, die dabei waren, den Zauber für die Zeitreise vorzubereiten. „Wie wir hinkommen, weiß ich", sagte er dann. „Aber wie kommen wir eigentlich zurück?"

„Unser kleiner Aztekenwächter meint, er spürt es sofort, wenn Maxtla erledigt ist. Immerhin ist er dann seinen Job los, oder hat nie einen gehabt, oder was auch immer." Buffy zuckte mit den Schultern. „Du weißt schon, was ich meine."

„Dann holt er uns also wieder?", hakte der Vampir nach. „Der kleine Knilch ist also dafür verantwortlich, dass wir hier wieder ankommen? Ganz toll! Ich liebe solche Abenteuer", knurrte er dann. „Das hat was von einem Himmelfahrtskommando." Er grinste gehässig. „Aber dein Wächter und die Hexe werden hoffentlich dabei helfen. Oder etwa nicht?"

„So ist es geplant", erwiderte die Jägerin ernst. „Ich habe auch keine Lust, für immer dort festzuhängen", erklärte sie dann. Sie drehte sich Willow zu und seufzte leise. „Es ist wohl soweit."

In der Mitte des Raumes hatte sich ein großes Tor geöffnet, durch das man schemenhaft den dunklen Urwald erkennen konnte. Die rothaarige Hexe und Quetzlicotl murmelten unablässig leise vor sich hin, während Tara atemlos dahinter stand und ihre Geliebte nicht eine Sekunde aus den Augen ließ.

Giles nickte und kam langsam auf Buffy zu. „Seid ihr soweit?"

Buffy seufzte wieder und drückte dem Vampir einen Beutel in die Hand. „Hier, das nimmst du. Mein Rucksack ist schon so schwer genug."

„Was ist das?"

„Ein Zelt und nun komm."

„Ein Zelt?" Spike lachte. „Warum nehmen wir keinen Campingbus mit?"

„Buffy, euch bleibt nicht viel Zeit", warnte der Wächter besorgt. Er war noch immer nicht mit ihrer Entscheidung zufrieden, konnte es nun jedoch auch nicht mehr ändern. Er konnte nur noch dafür sorgen, dass die beiden gut durch das Tor kamen.

„Na, dann los", brummte Spike, schulterte seinen Rucksack und ging auf das Tor zu.

„Buffy, ich…"

„Schon okay, Giles", unterbrach sie ihren Mentor. Sie hasste lange Verabschiedungen. Sie hatten immer etwas Endgültiges und sie würde nicht im Dschungel zurückbleiben. „Wir sehen uns bald." Sie nickte dem Vampir zu und zusammen verschwanden sie in der grünen Hölle.

 

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„Wenn das mal gut geht", murmelte Willow erschöpft, nachdem sich das Tor geschlossen hatte. Sie ließ sich von Tara auf einen Stuhl drücken und seufzte leise, als ihre Geliebte ihr sanft den Nacken massierte.

„Es muss gut gehen", erwiderte der Wächter bestimmt. Er war noch immer nervös und er polierte seine Brille, um sich abzulenken.

„Was genau passiert eigentlich, wenn Buffy und Spike diesen Maxtla erledigt haben? Ich nehme an, dass wir das auf irgendeine Art und Weise erfahren können, oder?"

„Ich werde es sofort wissen", erklärte das kleine graue Wesen. Seine Kraft war weiter zurückgegangen und seine Haut schlotterte um die kleinen Knochen. „Immerhin gibt es dann keinen Grund mehr für meine Existenz." Mühsam kletterte er auf einen Stuhl und blickte den Wächter ernst an. „Ich hoffe, die Jägerin ist so mächtig, wie ich mir das erhoffe."

„Selbstverständlich", knurrte Giles. „Aber wie genau werden Sie sie zurückholen?" Er hatte genug von den Spielchen und wollte Antworten.

„Nun", erklärte das Wesen. „Wie ich bereits erwähnte, gibt es für mich keinen Grund mehr zu existieren, sollte Maxtla erledigt sein. Wenn ich mich nicht irre, wird die Magie, aus der ich gemacht wurde, einfach an ihren Ursprungsort zurückkehren."

„Das bedeutet, Sie lösen sich einfach auf?", fragte Willow entsetzt. Sie richtete sich auf und ihre großen Augen wanderten zu Giles. „Aber… aber das geht doch nicht. Wie sollen wir…? Wie könnten wir … alleine?"

„Das heißt, Sie haben gar keine Möglichkeit mehr, Buffy und Spike zurückzuholen?" Giles sprang auf und baute sich vor dem Wesen auf. „Wie können Sie es wagen? Sie schicken meine Jägerin auf ein Himmelfahrtskommando und lassen sie dann im Stich?" Wut und Verzweiflung lag in seinen Augen und Tara trat näher, um ihn zu beruhigen.

„Ich werde mein Versprechen halten, wenn es mir möglich ist", erwiderte Quetzlicotl ernst. „Aber Sie müssen auch verstehen, dass es hierbei um ein weitaus höheres Ziel geht, als ein Menschenleben zu retten. Meine Aufgabe ist und war es immer, Maxtla gefangen zu halten und nach Möglichkeit zu vernichten. Vielleicht habe ich jetzt die Chance dazu und vielleicht ist es sogar die einzige Chance, die mir und uns allen bleibt. Jägerinnen kommen und gehen. Es wäre ein notwendiges Übel, sie zurückzulassen. Mehr nicht!"

„Wie können Sie es wagen?", brüllte Giles, doch Quetzlicotl löste sich einfach in Luft auf.

„Ich werde versuchen, sie zu retten", hallte seine piepsige Stimme durch den Raum. „Mehr kann ich nicht tun!"

„Und was jetzt?", fragte Tara und sah den Wächter vorsichtig an. So wütend hatte sie ihn noch nie erlebt. Seine Adern am Hals waren deutlich zu sehen und seine Augen waren zu schmalen Schlitzen verengt.

„Willow", schnaufte er. „Ruf Xander und Anya an. Wir brauchen jetzt alle Hilfe, die wir bekommen können! Wir müssen recherchieren und sämtliche Bücher und Papiere durchsehen." Er holte tief Luft und straffte sich. „Ich werde die Beiden keinesfalls zurücklassen", schwor er. „Wir werden alles tun, um sie zurückzuholen. Verlasst euch darauf!"

Die Eingangstür öffnete sich und das kleine Glöckchen bimmelte verhalten. Ein Mann im schwarzen Anzug betrat leise lächelnd den Raum. „Mr. Giles, hätten Sie jetzt vielleicht einen Moment Zeit, sich mit mir zu unterhalten?"

„Jetzt nicht", bellte Giles.

„Ich denke doch." Der Fremde lächelte noch immer. „Es sei denn, Sie bestehen darauf, dass ich Sie verhaften lasse."

„Mit welcher Begründung?" Der Wächter fuhr hoch und betrachtete sein Gegenüber genervt. Er hatte schon genug um die Ohren und nicht die geringste Lust, sich jetzt auch noch mit dem CIA anzulegen.

„Da würde mir so einiges einfallen", erwiderte der Agent. „Ich könnte Sie für Jahre in irgendeinem Loch verschwinden lassen." Er verzog keine Miene und sprach unbekümmert weiter. „Vielleicht wäre es einfacher für Sie alle, wenn Sie mit mir zusammenarbeiten." Er nickte in die Richtung der Hexen. „Miss Maclay, Miss Rosenberg… das Gleiche gilt übrigens für Sie. Auch bei Ihnen wäre es kein Problem, Sie für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen." Er trat langsam näher, zog schließlich einen Stuhl vom Tisch ab und setzte sich. „Wäre es nun möglich, dass wir miteinander sprechen?"

Teil 9

Obwohl man den Dschungel durch das Tor hatte sehen können, kam es der Jägerin so vor, als falle sie endlos. Ein enormer Druck lastete auf ihrem Körper und ihr wurde speiübel. Jegliches Raumempfinden war verloren und sie wusste nicht mehr, wo oben oder unten war. Beinahe erleichtert seufzte sie auf, als sie schließlich unsanft auf dem modrig riechenden Boden landete.

„Das nenne ich einen verdammten Höllenritt", brummte Spike dicht neben ihr. Er war merkwürdig blass für seine Verhältnisse und kam nur langsam wieder auf die Beine.

„Was denn?", fragte er, nachdem er ihr ins Gesicht geschaut hatte. „Warum hast du mir nicht früher von deiner Tarnung erzählt?"

„Was für eine Tarnung?" Buffy war noch immer schlecht und sie verspürte nicht das Bedürfnis, aufzustehen. Sie lehnte sich leise stöhnend an den nächsten Baum, zog die Beine an und atmete tief ein und aus.

„Dein Gesicht", feixte der Vampir. „Es hat einen netten Grünton und du verschmilzt geradezu mit dem Hintergrund."

„Ha, ha", knurrte Buffy. „Wirklich sehr witzig!" Sie verdrängte die Übelkeit und sah sich neugierig um. „Das nenne ich Urwald", murmelte sie leise. „Jede Menge Pflanzen, Dutzende von obskuren Viechern und die Luft hier…" Sie verdrehte die Augen und sah Spike an. „Irgendeine Idee, wo wir sind oder in welche Richtung wir müssen?"

„Nicht die geringste", erwiderte Spike gelassen und zündete sich eine Zigarette an.

Buffy stemmte sich hoch. „Wenn du mich fragst, dann war das hier ein riesiger Fehler. Wir haben überhaupt keine Ahnung, auf was wir uns einlassen. Haben wir nichts Besseres zu tun? Ich kann gar nicht glauben, auf was wir uns da eingelassen haben!"

„Da hast du verdammt Recht", knurrte der Vampir. „Meine Meinung zählt ja für gewöhnlich nicht besonders viel, aber ich denke, dass das alles hier viel zu überstürzt war. Wir haben nicht mal eine dämliche Karte. Ganz zu schweigen von einem brauchbaren Plan!"

„Eine Karte haben wir", sagte Buffy. Sie streifte den schweren Rucksack von den Schultern und öffnete einen der unzähligen Reißverschlüsse. „Hier. Das hat Willow mir heute noch schnell ausgedruckt." Langsam verschwand die Übelkeit und sie straffte sich.

„Das ist ein Witz, oder?" Spike nahm die zusammengehefteten Ausdrücke und warf einen Blick darauf. „Das ist ein verdammt schlechter Witz!"

„Warum?", erkundigte sich die Jägerin neugierig, aber auch verwirrt.

Ihr scharf in die Augen blickend schüttelte er den Kopf. „Was soll uns das helfen?", fragte er und wedelte mit den Blättern hin und her. „Erstmal ist der Maßstab unter aller Sau und zweitens wird dieses Gebiet hier in sechshundert Jahren so aussehen wie auf den Plänen. Alles verändert sich ständig. Flüsse ändern ihren Lauf, Erdbeben lassen neue Berge und Täler entstehen und was weiß ich noch nicht alles!" Er schüttelte den Kopf. „Das hier", knurrte er und drückte ihr die Papiere wieder in die Hand. „Das hier kannst du wegschmeißen oder von mir aus noch zum Feuer anzünden benutzen!"

„Na toll", zischte Buffy. Sie fegte einen dicken Käfer von ihrem Arm und verstaute sie wieder in der Tasche. „Wenn du schon so schlau bist, dann kannst du mir ja auch sagen, was wir als nächstes machen!"

Spike verzog das Gesicht und lauschte dann angestrengt. Er drehte sich langsam um sich selbst, blieb schließlich stehen und zuckte mit den Schultern. „Ich kann nichts hören, dass auch nur im Entferntesten menschlich klingt. Jede Menge Viecher, in der Nähe fließt irgendwo ein kleiner Fluss, aber das war es dann auch." Er blickte ihr in die Augen. „Ich habe keine blasse Ahnung, in welche Richtung wir gehen sollten."

„Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als zu raten. Sie seufzte lautlos und lud ihren Ballast wieder auf ihre Schultern. „Links? Rechts? Geradeaus?"

„Mir egal", nörgelte Spike. Sein Rucksack hing noch immer an der richtigen Stelle und er bückte sich rasch, um das Zelt aufzuheben. ‚Und das alles für einen blöden Fernseher’, dachte er und schüttelte über sich selbst den Kopf. ‚Für was du dich alles so verkaufst? Lächerlich!’

„Na dann", meinte die Jägerin. Sie drehte ihm den Rücken zu und deutete mit der Hand darauf. „Kannst du mir eben meine Machete geben? Ich habe vergessen sie abzunehmen."

Der Vampir löste die Waffe aus der eigens dafür angebrachten Halterung und überreichte sie ihr. Dann zog er seine eigene unter dem Mantel hervor und folgte der Jägerin langsam in das dunkelgrüne Dickicht.

 

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„Ich habe die Schnauze gestrichen voll", schimpfte die Jägerin drei Stunden später. Die drückend heiße und dazu noch feuchte Luft förderte nicht gerade ihr Wohlbefinden und sie wischte sich geistesabwesend über das Gesicht. „Insektenspray wäre eine gute Idee gewesen", nörgelte sie und schlug mit der flachen Hand auf ihren Arm. „Und die Moskitos hier sind mit normalen Maßstäben auch nicht mehr zu messen. Sie sind riesig, blutrünstig wie kleine Vampire und brummen wie Hubschrauber!"

Spike lachte trocken auf. Ihn störte die Umgebung nicht sonderlich und er wackelte mit den Augenbrauen. „Manchmal hat es etwas für sich, tot zu sein!" Er selbst hatte zwar schon längst seinen Mantel ausgezogen, aber das hatte eher etwas mit seiner Bequemlichkeit zu tun und weniger mit dem Klima. Außerdem war der Dschungel so dicht wie erwartet und er hatte keinerlei Probleme, den wenigen sonnendurchfluteten Flecken auszuweichen.

„Schon irgendwas gehört, das nicht nach deinen blutsaugenden kleinen Vettern klingt?" erkundigte sich die Jägerin. So langsam hatte sie es satt, auf das Gestrüpp einzuschlagen und ihr Arm wurde lahm. Ständig eine Machete zu schwingen sah bedeutend leichter aus, als es tatsächlich war.

„Nein. Nichts! Aber ich kann dir sagen, dass es bald dunkel wird. Meiner Meinung nach sollten wir uns einen vernünftigen Platz suchen und dein bescheuertes Zelt aufstellen. Es hat wohl wenig Sinn, nachts durch den Urwald zu stapfen. Außerdem sollten wir dringend mal überlegen, was wir hier eigentlich machen."

Zwischendurch hatte Spike sich gefragt, ob das alles hier nur ein merkwürdiger Traum war. Er hatte ja schon so einiges mit der Jägerin durchgemacht, aber das hier übertraf einfach alles. „Lass uns für heute Schluss machen."

Buffy drehte sich zu ihm um, öffnete ihren Mund, um zu widersprechen und schloss ihn wieder. „Wahrscheinlich hast du Recht." Was hatte sie sich eigentlich dabei gedacht, als sie sich entschlossen hatte mitzugehen? Hatte sie wirklich erwartet, praktisch vor Maxtlas Füßen zu landen? ‚Wie konnte ich nur so bescheuert sein?’, dachte sie genervt. „Auf geht es. Lass uns einen Platz suchen, an dem das Zelt einigermaßen gerade steht. Bei dem ganzen Viechzeugs schlafe ich keinesfalls draußen!"

 

Eine weitere Stunde später setzte die Dämmerung ein und es wurde schnell dunkel. Spike hatte die Vorhut übernommen, blieb dann stehen und lachte laut. „Der Platz ist gut. Immerhin kennen wir ihn schon!"

„Was meinst du damit?", fragte die Jägerin und schob sich an ihm vorbei.

„Oh, man, Slayer! Guck dich mal um", meckerte der Vampir. „Das ist die Stelle, an der wir angekommen sind! Da vorne im Schlamm sind noch immer meine Stiefelabdrücke! Wir sind im Kreis gelaufen! Verflucht!"

Vollkommen genervt blickte Buffy ihn an. „Schlimmer geht es ja wohl nicht mehr! Wir sind sechshundert Jahre in der Zeit zurückgereist, um in diesem verfluchten Urwald im Kreis zu laufen? Das kann ja wohl nicht wahr sein!", wetterte sie los und riss zornig den Rucksack von ihrem Rücken. „Auf was haben wir uns hier eingelassen? Verflixt!"

„Jetzt komm mal wieder runter", bremste Spike sie aus. „Was auch immer hier und jetzt passiert… wir müssen dadurch! Wir stecken mitten drin und sollten versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren!"

„Das sagst gerade du mir?", erwiderte sie heftig. „Du bist doch sonst der Erste, der durchdreht und einen Heidenaufstand macht!"

„Ich dreh durch, wenn ich die Chance habe, mich aus der Situation zu befreien. Dann, wenn ich einfach gehen kann. Hier geht das nicht! Wir können das nicht! Und mal ganz ehrlich, Liebes, du bist die einzige mit einem riesigen Problem. Ich komme früher oder später wieder nach Sunnydale. Bei dir sieht die Sache etwas anders aus." Er grinste spitzbübisch. „Aber falls du, wie durch ein Wunder, hier verrecken solltest, werde ich deinen Kumpels was Nettes ausrichten, wenn ich zurück bin."

„Keine Chance", brummte Buffy. „Ich werde hier nicht verrecken, wie du es so schön ausgedrückt hast. Mit Sicherheit nicht!" Sie starrte ihn kampfeslustig an, seufzte dann und winkte ab. „Vergiss es! Lass uns jetzt einfach unser Zelt aufbauen."

„Unser Zelt?", wiederholte Spike und grinste anzüglich. „Eine nette Zugabe, von der ich bisher noch gar nichts wusste."

„Lass es sein", drohte die Jägerin. „Sonst überlege ich es mir schnell anders und binde dich über Nacht an einen der Bäume."

„Was auch immer", brummte der Vampir. Er löste seinen eigenen Rucksack und ließ ihn achtlos auf den Boden fallen. „Bauen wir das Mistding jetzt auf, oder was? Wir haben noch eine knappe halbe Stunde, dann ist es hier stockfinster."

 

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Später saß Buffy an dem kleinen Lagerfeuer, das Spike entzündet hatte. Das Zelt war aufgebaut, die wenigen Sachen waren verstaut und sie hatte sich zum Abendessen einen Apfel und einen kleinen Müsliriegel aus ihrem Gepäck geholt.

Herzhaft biss sie in ihren Apfel und sah sich neugierig um. Am Tag war der Dschungel schon etwas, was ihr nicht ganz geheuer war, aber bei Nacht…?

Unzählige Moskitos umschwärmten sie noch immer und sie hatte aufgegeben, die Stiche zu zählen. Ein sinnloses Unterfangen, wie sie schnell bemerkt hatte und sie konzentrierte sich auf das Knacken im Unterholz. Sehen konnte sie nicht besonders viel. Es war stockfinster und das kleine Feuer beleuchtete die Umgebung nur schwach.

Bei jedem unbekannten Geräusch in ihrer Nähe wäre sie am liebsten aufgesprungen, aber Spikes wissendes Grinsen hielt sie davon ab. Solange er ruhig dasitzen konnte, konnte sie es auch. „Also, was machen wir jetzt?"

„Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als weiterzusuchen", meinte er schulterzuckend. „Allerdings gehen wir dieses Mal wohl lieber in die andere Richtung."

„Nein, wirklich?", fragte sie mit bissigem Sarkasmus. „Und ich dachte, wir nehmen den gleichen Weg und spielen so eine Art Endlosschleife ab."

„Biestig wie eh und je", erwiderte Spike grinsend. „Wir müssen Maxtla finden, oder besser gesagt, den Ort, an dem er seine Dämonen anruft."

„Und warum gerade diese Stelle?", erkundigte sie sich neugierig.

„Liebes", erklärte er. „Wenn wir auf ein Dorf voller Azteken treffen… Wer sagt uns dann, welcher der Einwohner Maxtla ist? Ich kann einen Indio nicht von einem anderen unterscheiden und bei der Sprache habe ich keine Chance, irgendwas zu verstehen. Außerdem wird er wohl kaum ein Schild um den Hals hängen haben, auf dem sein Name steht. Und wenn doch, dann können wir es nicht lesen!"

Buffy lachte leise. „Da hast du allerdings Recht", gab sie zu. „Also müssen wir was? Seine Altar finden?"

„Ich denke schon", nickte der Vampir. „Und der Erste, der dort irgendwelche obskuren Menschenopfer darbringt, wird von uns platt gemacht!"

„Toller Plan", gähnte sie. „Dazu müssen wir auch nur zigtausend Quadratkilometer Urwald durchzusuchen."

„Hast du einen besseren?" Er blickte sie fragend an.

„Leider nicht", gähnte sie wieder. „Ich bin müde", murmelte sie dann und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„Dann geh schlafen", meinte Spike. „Ich bleib noch ein Weilchen hier sitzen!"

„Sicher? Du bist doch bestimmt auch erschöpft. Immerhin war das ein verdammt anstrengender Tag." Buffy stand gähnend auf und sah ihn an.

„War das jetzt eine Einladung, oder wie soll ich das verstehen?" Der Vampir hob erstaunt die Augenbrauen. „Du und ich?", grinste er anzüglich. „Nicht, dass ich etwas dagegen einzuwenden hätte, aber es kommt doch etwas plötzlich."

„Dass du auch wirklich immer alles missverstehen musst", meckerte sie. „Warum eigentlich? Warum immer alles doppeldeutig machen? Ach, vergiss es. Ich will es gar nicht wissen!" Die Jägerin verschwand grummelnd im Zelt und zog den Reißverschluss zu.

„Weil es so bedeutend leichter zu ertragen ist", erwiderte er fast lautlos. Er starrte in den Nachthimmel, sah, dass sich dicke Wolken zusammenzogen und seufzte leise. „Das auch noch", murmelte er, als der erste Donner durch die Finsternis hallte.

Der Vampir stand auf, warf einen flüchtigen Blick auf das Zelt und lauschte angestrengt. Die Jägerin gab keinen Mucks mehr von sich und er nickte leicht. „Bin gleich wieder da", flüsterte er so leise, dass sie ihn garantiert nicht hören konnte und schlich in den Urwald.

Teil 10

Die Stimmung in der Magic Box glich einem Eisblock. Schon vor dem Eintreffen des Agenten hatte sich die Lage dramatisch verändert und der Wächter war kurz davor, aus seiner Haut zu fahren. Nun brachte der Mann in Schwarz das Fass zum Überlaufen.

„Was wollen Sie von mir?" Giles Stimme war schneidend und er baute sich drohend vor dem am Tisch Sitzenden auf.

Der Fremde lächelte nur milde. „Machen Sie keinen Fehler", nickte er sachte. „Es hat keinen großen Sinn, auf mich loszugehen. Ich bin nicht alleine hier und Sie wollen doch nicht mehr Ärger, als Sie vertragen können."

„Wie wäre es dann, wenn Sie einfach wieder verschwinden." Auch wenn er sonst für sein ruhiges Gemüt bekannt war… jetzt und im Moment meldete sich der Ripper in ihm und nur mit Mühe konnte sich Giles kontrollieren. Er steckte seine Hände in die Hosentasche und ballte sie angespannt zu Fäusten. „Gibt es niemand anderes, dem Sie auf die Nerven gehen können?"

Der Agent ging gar nicht auf den Wächter ein. Er nahm eines der aufgeschlagenen Bücher vom Tisch, blätterte uninteressiert darin herum und legte es schließlich zurück. „Eigentlich könnten wir uns diese Spielchen auch sparen", sagte er dann. „Ich weiß, wer Sie sind und ich weiß auch, was Sie machen." Er machte eine kleine Pause und starrte Giles an. „Also reden wir Klartext und sparen uns die Floskeln."

Der Wächter antwortete nicht. Er wandte sich Willow zu und blickte ihr eindringlich in die Augen. „Tara und du… ihr solltet jetzt nach Hause fahren. Xander wird euch bereits erwarten."

„Sie wollen die beiden Hexen also nach Hause schicken?", erkundigte sich der Agent belustigt. „Ich habe nicht vor, irgendwen zu verhaften oder gar zu verletzen. Es kommt nur darauf an, ob Sie Sich endlich dazu bereit erklären, mit uns zusammenzuarbeiten."

„Ich wüsste nicht, wie ich Ihnen behilflich sein könnte." Giles war weit davon entfernt, sich zu beruhigen. Er drehte sich um, nahm einen Stapel Bücher vom Tisch und ging dann in gespielter Seelenruhe auf das Bücherregal zu. „Erwarten Sie bloß nicht, dass ich Ihnen helfe, wenn Sie nicht mit der Sprache rausrücken."

„Also gut", nickte der CIA- Agent. „Ich denke, Sie wissen das meiste bereits, also kann ich die übliche Geheimhaltung wohl vergessen. Auch, was die so genannte Baustelle anbelangt. Und ich müsste mich schon sehr irren, wenn sich unser ehemaliger Gefangener nicht hier irgendwo in der Nähe aufhält." Neugierig blickte er sich um und nickte Tara und Willow abfällig zu, die stumm am Tisch saßen. „Wie auch immer", meinte er dann. „Wir verkürzen das Ganze jetzt. Ich habe keine Lust auf stundenlange Erklärungen." Er wischte eine imaginäre Staubfluse von seinem Anzug und sprach weiter. „Wir haben unseren eigenen Hexenmeister", er lachte. „Noch vor ein paar Jahren hätte ich jeden ausgelacht, der über Magie sprach. Nun sieht das leider etwas anders aus." Er stand auf und begann mit einer unruhigen Wanderung. „Jedenfalls soll dieser Zauberer sehr mächtig sein. Zumindest hat man das mir so erzählt. Tatsache ist, dass er bei weitem nicht mächtig genug ist, um unseren Fund zu erklären oder diesen komischen Block mit Magie zu öffnen. Und genau hier kommen Sie ins Spiel", meinte er und blieb vor Giles stehen.

„Und Sie glauben, wir wären mächtig genug, um das zu wecken, was in dem Kristallblock gefangen ist?" Der Wächter verzog keine Miene und starrte sein Gegenüber gleichgültig an.

Der Anzugträger grinste breit. „Sie geben also zu, auf der Grabungsstelle gewesen zu sein. Wir kommen der Sache langsam näher." Er lachte kurz und abgehackt. „Ja, ich denke Sie wären mächtig genug."

„Selbst wenn es so wäre", mischte sich Willow in das Gespräch ein. „Haben Sie und Ihre… Mitarbeiter einmal überlegt, ob das eine gute Idee ist?"

„Wäre es das nicht?", lächelte der Fremde hinterhältig.

„Nur, wenn Sie die Welt zerstören wollen", meinte nun Giles. Er hatte keine Lust, sich noch länger mit diesem Regierungsheini zu beschäftigen. Er musste jetzt einen Weg finden, seine Jägerin zurückzuholen und hatte keine Zeit, sich mit einem solchen Schwachsinn abzumühen. Er sah den Agenten ernst an und, als er sprach, klang seine Stimme überdeutlich und sehr eindringlich. „Ich gebe Ihnen jetzt einen guten Rat! Lassen Sie Ihre Finger davon! Sie haben keinerlei Ahnung, auf was Sie sich da einlassen. Wenn Sie weiter an der Magie rütteln, beschwören Sie einen Weltuntergang herauf und ich meine das im wahrsten Sinne des Wortes!"

Der Agent starrte ihn an und fast schien es, als ob der Ernst der Worte nur langsam zu ihm durchsickerte. „Sie meinen…"

„Ja, meine ich", unterbrach Giles rüde. „Und jetzt verschwinden Sie von hier und lassen mich meine Arbeit machen!" Er nahm seine Brille ab, polierte sie hektisch und setzte sie wieder auf die Nase.

„Das ist noch nicht das Ende", knurrte der Anzugträger böse. „So einfach lassen wir uns nicht abspeisen!"

„Seien Sie froh darüber", meldete sich Tara leise zu Wort. „Darüber, dass es noch nicht das Ende ist."

Beleidigt zog sich der CIA-Agent zurück. An der Tür drehte er sich ein letztes Mal um. „Wir kommen wieder", meinte er drohend, doch weder eine der Hexen noch Giles blickten auf. Sie hatten sich längst wieder über ihre Bücher gebeugt und so blieb ihm nichts anderes übrig, als die Tür scheppernd zuzuknallen.

 

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Das Erste was Buffy sah, als sie aufwachte, war Spike. Er hatte sich einfach neben sie gelegt und ihr erster Reflex war, ihn zu wecken und achtkantig aus dem Zelt zu werfen. Dann überlegte sie es sich anders und sie setzte sich langsam auf. Immerhin hatte sie ihm letzte Nacht mehr oder weniger angeboten auch im Zelt zu schlafen und sie gähnte herzhaft. Dann fiel ihr Blick auf einige Bananen und ihre Wasserflasche, die am Zelteingang lagen. Spike hatte sich scheinbar die Mühe gemacht, sie wieder aufzufüllen und sie seufzte lautlos.

Er macht es einem immer schwerer, ihn zu hassen. Jetzt versorgt er mich auch noch mit Nahrung.’ Sie streckte sich und spürte die verspannten Rückenmuskeln. Das Schlafen auf unebener Erde war nicht unbedingt etwas für sie, aber auch noch einen Schlafsack mitzuschleppen, wäre einfach zuviel gewesen. Ihr Rucksack war auch schon so schwer genug, sie brauchte kein weiteres, störendes Gewicht.

Langsam und vorsichtig krabbelte sie auf den Ausgang zu, öffnete den Reißverschluss der Zelttür und linste vorsichtig heraus. An das Gewitter in der letzten Nacht konnte sie sich nur vage erinnern. Beschämt musste sie zugeben, dass sie wie ein Murmeltier geschlafen hatte. Wahrscheinlich auch deswegen, weil Spike vor dem Zelt gesessen hatte und sie sich einigermaßen sicher gefühlt hatte. Anders konnte sie es jedenfalls nicht erklären, dass sie nicht einmal ihre Umgebung wahrgenommen hatte.

Es regnete noch immer und Buffy atmete die frische feuchte Luft ein. Lautlos erhob sie sich und fluchte auch sogleich wieder über die Moskitos, die sich nicht einmal vom Regen abhalten ließen, sie zu peinigen.

Die kleine Feuerstelle war komplett weggeschwemmt und ihre Schritte hinterließen ein gurgelndes Geräusch, da auch der Erdboden vollkommen durchnässt war. Rasch bückte sie sich und warf einen kurzen Blick auf Spike. Allerdings hatte sich der Vampir noch nicht gerührt und sie nickte zufrieden. Immerhin gab es ein paar Sachen, die eine Jägerin tun musste, ein Vampir jedoch nicht und so drückte sie sich in die Büsche.

Als sie nach zehn Minuten zurückkam, wurde sie von Spikes bösen Blicken beinahe durchbohrt.

„Was?", fragte sie und warf die Arme in die Luft.

„Sag mir das nächste Mal, wenn du einfach verschwindest."

„Was hast du denn für ein Problem?" Sie schüttelte den Kopf. „Ich hatte ja nicht vor, eine Expedition zu starten."

„Darum geht es nicht", schimpfte er weiter. „Wir zwei sind alleine auf weiter Flur und ich meine nicht die Indios, die sich hier sicherlich rumtreiben. Wir können es uns nicht leisten, dass sich einer verletzt oder gar verloren geht."

„Meine Güte! Jetzt reg dich mal wieder ab! Ich war ja nicht mal weit weg!", nörgelte sie. „Und außer einer Menge Ameisen und Mücken habe ich niemanden getroffen." Dann wurde ihre Stimme etwas sanfter. Immerhin hatte er Recht und wenn sie es sich genau überlegte, dann war sie heilfroh, dass sie nicht alleine im Dschungel war. „Manchmal müssen Menschen eben…"

„Ich weiß, wo du warst." Ein flüchtiges Lächeln huschte über sein Gesicht, als er ihren Blick auffing.

„Du hast mich verfolgt und dabei beobachtet?", fragte sie fassungslos.

„Nein, habe ich nicht!", fauchte er eingeschnappt. „So tief gesunken bin ich dann doch nicht! Ich bin dir nur hinterher und als ich wusste, was du machst, bin ich wieder zurück."

„Wirklich außerordentlich großzügig von dir", schimpfte sie beleidigt und ein eiskalter Schauer jagte über ihren Rücken. Alleine der Gedanke, dass Spike… ‚Nein! Lieber gar nicht erst drüber nachdenken!’

„Krieg dich wieder ein", meinte er und hielt ihr eine Banane unter die Nase. „Hier! Dein Frühstück!"

Die Jägerin nahm ihm mit giftigem Blick das Obst ab und fuhr dann gleich wieder hoch. „Was machst du mir eigentlich für Vorhaltungen, wenn du dich selbst nicht daran hältst? Immerhin musst du ja die halbe Nacht unterwegs gewesen sein." Sie schnaubte böse. „Ich habe hier jedenfalls keine Bananenstaude gesehen und Wasser schon gar nicht!"

„Es regnet ununterbrochen und du siehst kein Wasser?", fragte er erstaunt und lachte dann. „Vergiss es, Liebes. Dann gilt diese neue Regel mit dem Verschwinden eben erst ab jetzt. Und eigentlich hätte ich ein Dankeschön verdient. Immerhin war deine Wasserflasche fast leer."

„Danke schön", murmelte sie leise, doch dann wurde ihr Blick wieder hart. „Und wehe dir, du wagst es dich, mich noch einmal zu verfolgen, wenn ich…"

„Ganz sicher nicht", erwiderte er spöttisch und bremste sie mit einer Handbewegung aus. „Bevor du weiter meckert… Ich habe letzte Nacht eine Stadt entdeckt. Sie ist riesig, aber es gibt nicht einen Menschen dort."

„Sie ist verlassen? Hat sich Quetzlicotl vertan? Sind wir in der falschen Zeit hier? Oh mein Gott! Wie sollen wir…"

„Komm wieder runter, Luv!", unterbrach der Vampir. „Das hat nicht unbedingt etwas zu bedeuten. Soweit ich das weiß, sind sich die großen Archäologen nicht sicher, ob diese großen Städte tatsächlich dauernd bewohnt waren, oder nur zu bestimmten Festen und Zeiten." Er zuckte mit den Schultern. „Es sieht nicht verlassen aus. Es wächst kaum Unkraut und es gibt auch keine verfallenen Gebäude. Dementsprechend soll sie wohl wirklich nur zu bestimmten Zeiten bevölkert sein."

„Wenn du das sagst", meinte Buffy unzufrieden. Bisher hatte sie es nicht zugegeben, aber sie hatte große Angst, wirklich in der falsche Zeit gelandet zu sein. Ihre ganze Aufgabe war auch schon so schwierig genug, aber wenn sie Jahre zu früh oder gar zu spät waren…? Sie mochte gar nicht weiter darüber nachdenken. „Dann sollten wir das Zelt wieder abbauen und losgehen", sagte sie stattdessen.

„Wir haben noch Zeit", erwiderte der Vampir. „Es sind nur fünfzehn Minuten Fußweg bis dahin."

„Das ist nicht dein Ernst, oder?" Ihre Augen wurden riesig. „Nur eine blöde Viertelstunde?"

„Ja!", er lachte. „Wir sind gestern in die falsche Richtung marschiert. Die Stadt liegt genau entgegengesetzt."

„Und warum können wir dann jetzt noch nicht gehen?", hakte Buffy nach. Sie schüttelte noch immer den Kopf und Der Vampir musste grinsen.

„Weil es für mich dort nicht gerade viel Schutz vor der Sonne gibt", erklärte Spike. „Vorausgesetzt, der Regen hört heute noch mal wieder auf."

„Und was machen wir dann so lange?" Buffy setzte sich so ins Zelt, dass ihre Füße nach draußen zeigten und sie schälte eine der Bananen.

„Mir würde da so einiges einfallen", grinste er. „Aber ich denke nicht, dass es dir auch zusagt. Vielleicht sollten wir einfach die Umgebung hier im Dschungel durchsuchen. Möglicherweise entdecken wir ja noch ein Dorf oder ähnliches."

„Einverstanden", murmelte die Jägerin und stand wieder auf. Auf die Anzüglichkeiten des Vampirs ging sie gar nicht weiter ein. Das würde nur wieder einen neuen Streit vom Zaun brechen und dazu hatte sie gar keine Lust. Buffy hatte wieder ein Ziel vor Augen und die alte Unternehmungslust kehrte zurück. „Dann wollen wir uns den Dschungel mal aus der Nähe angucken!"

Teil 11

Die Erkundungstour in den Dschungel hatte nicht gerade viel Neues zutage gebracht. Außer vielleicht, dass Buffy jetzt wusste, wie glitschig der nasse, morastige Erdboden wirklich war. Zusammen mit Spike war sie durch eine kleine Senke marschiert und auf dem Weg zurück nach oben war sie ausgerutscht und hingefallen.

„Mist, verfluchter", schimpfte sie und verschmierte beim Versuch, sich abzuwischen, den Dreck gleichmäßig. „Als würde es nicht reichen, dass es ununterbrochen regnet und ich bis auf die Haut nass bin." Sie starrte Spike finster an und kniff die Augen zusammen. „Was?", fauchte sie ihn bitterböse an. „Kein blöder Spruch?" Angriffslustig stemmte sie die Hände in die Hüften.

„Nein, jetzt nicht", erwiderte er trocken. „Du siehst auch so schon elend genug aus!" Spike versuchte Blätter und kleine Äste aus ihren Haaren zu ziehen, doch sie schlug seine Hand weg.

„Lass das! Das kann ich alleine!", schimpfte sie und kratzte sich am Arm. „Oh Mann, das juckt wie die Hölle!"

„Vielleicht hast du dir ein paar von diesen riesigen Waldameisen eingefangen", grinste der Vampir hinterhältig.

„Ameisen?", schrie sie. Sie zog den Kragen ihres T-Shirts lang und starrte in ihren Ausschnitt. „Da krabbelt nichts. Gar nichts! Da ist nichts zu sehen. Nur meine drei Dutzend Mückenstiche!"

„Sicher? Ich könnte nachsehen." Spike wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.

„Du kannst eins auf die Nase bekommen", meckerte die Jägerin. Sie fuhr sich mit den Fingern durch die nassen Haare und versuchte die Überbleibsel ihres Sturzes zu entfernen. „Ein Königreich für eine Dusche", murmelte sie und kratzte sich den Bauch.

„Eine Dusche kann ich dir nicht anbieten, aber eventuell einen See", meinte Spike. Er ließ sich gar nicht erst auf ihr Spiel ein. Sie suchte einen Schuldigen, aber dieses Mal würde er nicht darauf hereinfallen und so sprach er unbeeindruckt weiter. „Als ich letzte Nacht unterwegs war, habe ich einen im Urwald entdeckt. Er liegt am oberen Ende der Stadt und ist halb im Dschungel verborgen."

„Was du so alles findest", brummte Buffy schlecht gelaunt. Ihr Rücken juckte mörderisch und sie spielte mit den Gedanken, den nächstbesten Baum als Kratzhilfe zu benutzen. ‚Ein See?’ Die Jägerin runzelte die Stirn. „Und was erwartet mich in diesem doofen Tümpel? Blutegel? Piranhas? Vielleicht sogar Krokodile?"

„Slayer! Von mir aus kannst du auch weiter mit deinem Matsch glücklich werden! Mir ist es scheißegal, ob du stinkst wie ein Maultier oder aussiehst wie ein Schreckgespenst… es war nur ein verfluchter Vorschlag." So langsam hatte Spike die Nase voll davon, sich ununterbrochen anmeckern zu lassen und er kniff die Augen zusammen. „Mach, was du willst!"

„Entschuldige", murmelte Buffy leise. Sie schloss die Augen und atmete laut aus. „Kann ich mich dort vernünftig waschen? Oder vielleicht sogar baden? Ich muss meine Klamotten wechseln und… Na ja, du weißt schon."

„Keine Ahnung", erwiderte Spike brummig. „Aber wenn du nicht bald mit der Kratzerei aufhörst, ist die Haut durch."

„Ich kratz mich, dank der Moskitos, auch so schon genug", nörgelte Buffy. „Lass uns zurückgehen, unsere Sachen holen und diesen komischen See suchen." Sie verdrehte die Augen und murmelte leise vor sich hin. „So ein Mist! Als wäre es hier nicht schon übel genug… Nein! Ich muss auch noch auf die Nase fallen!" Ohne auf den Vampir zu warten, marschierte sie los. „Wofür habe ich eigentlich diese blöden Jägerinnenreflexe? Um doch im Dreck zu landen? Ganz toll!"

„Hast du jetzt bald genug gemeckert?", fragte Spike dicht hinter ihr. Er blieb stehen, schob seinen Hut in den Nacken und sah sie aufmerksam an. „Es ist ja nicht so, als würde es keinen Spaß machen, deinem endlosen Gejammer zuzuhören, aber so langsam reicht es! Außerdem wissen wir nicht genau, ob sich hier vielleicht doch Menschen herumtreiben." Er machte eine ausholende Geste. „Und wenn dem so ist? Was glaubst du, was die zu einer nörgelnden Blondine sagen?"

„Bist du in diesem Mist gelandet, oder ich?", schnappte Buffy ein. „Warum hast du überhaupt so gute Laune? Du bist auch bis auf die Haut nass und dein dämlicher Hut schon lange!"

„Der Hut mag dämlich sein", erwiderte der Vampir gehässig. „Aber immerhin schützt er mich vor der Sonne!"

„Hier gibt es keine Sonne", schrie sie. „Nur Regen, Matsch und bissige Viecher!"

„Ich weiß", brummte Spike. „Eins dieser Viecher steht vor mir und brüllt den ganzen Urwald zusammen!"

Für einen kurzen Moment funkelte sie ihn zornig an und es schien fast so, als wollte sie zuschlagen, doch dann drehte sie sich wortlos um und verschwand im Dickicht des Dschungels.

 

                                                                      ********

 

Beinahe zwei Stunden später stand Buffy vor dem, was Spike als See angepriesen hatte. Sie starrte in das klare Wasser und runzelte die Stirn. ‚Ein See? Das ist wohl eher ein Teich. Aber außer Fischen scheint nichts Außergewöhnliches darin zu leben.’

„Slayer, nimm es mir nicht übel", riss Spike sie aus ihren Gedanken, „aber so langsam solltest du wirklich baden. Ich weiß zwar nicht, was du da abbekommen hast, aber die Stellen, die du ununterbrochen kratzt… noch ein bisschen länger und die Haut ist endgültig durch. Du siehst aus wie ein Streuselkuchen."

„Du bist echt eine große Hilfe", schnaubte Buffy und blickte auf die Sachen auf ihrem Arm. Sie hatte komplett neue Klamotten aus ihrem Rucksack genommen, außerdem ein Handtuch und Duschgel. Das restliche Gepäck hatten sie in einer trockenen Mulde versteckt und mit Ästen abgedeckt. Es war auf die Dauer viel zu anstrengend und auch viel zu auffällig, um es ständig mitzuschleppen.

„Danke, aber das wusste ich schon", erwiderte Spike unbekümmert. Er deutete mit einer weit ausholenden Bewegung über den See und Buffy folgte seiner Bewegung. „Siehst du den riesigen Felsblock, der weit ins Wasser hineinreicht? Dahinter macht der See einen Knick und die Stelle ist kaum einsehbar. Ich würde dir raten, dich dahin zurückzuziehen."

„Und was machst du in der Zeit?", fragte sie und sah ihn herausfordernd an.

„Ich schau mich um und achte darauf, dass dich niemand auffrisst."

„Spike", schimpfte sie, seinen Spaß missverstehend. „Ich will nicht, dass du mich wieder beobachtest! Das heute Morgen hat wirklich gereicht!"

„Du hast Probleme", meinte er kopfschüttelnd. „Glaubst du wahrhaftig, ich hätte es nötig, dich zu beobachten? Vergiss es", lachte er spöttisch. „Du bist auch nur eine Frau und ich habe tausende nackt gesehen!"

„Ist ja gut", brummte Buffy beleidigt und ging los. „So genau wollte ich es eigentlich gar nicht wissen!" Sie umrundete den See und bahnte sich durch das Gestrüpp einen Weg auf den Felsen zu. Dort angekommen legte sie ihre sauberen Sachen unter einen kleinen Felsvorsprung, so dass sie nicht nass werden konnten und sah sich um. Von Spike war nichts mehr zu sehen. Scheinbar hatte er sich in den Urwald zurückgezogen und da sie auch sonst niemanden entdecken konnte, zog sie sich langsam aus.

Vorsichtig machte sie einen Schritt ins Wasser, zuckte dann mit den Schultern und sprang einfach hinein. Die Kühle des Wassers war wie Balsam für ihrer geschundene Haut und sie seufzte erleichtert, als der Juckreiz langsam nachließ.

Spike hatte Recht’, dachte sie, als sie das Duschgel öffnete und sich einseifte. ‚Dieser Teil ist wirklich nur schwer einsehbar.’ Sie drehte sich im Wasser um sich selbst und bestaunte die schroffen Felswände, die den See einfassten. Kein Mensch würde freiwillig darauf herumklettern und ihre Anspannung ließ nach. ‚Keine Badewanne, aber fast genauso gut.’

Ihre Umgebung vollkommen vergessend tauchte sie zufrieden unter und genoss das Wasser, das ihren Körper umspielte. Sollte es wirklich gefährliche oder giftige Tiere im See geben, so machten sie einen großen Bogen um sie und Buffy kam nichts ahnend zurück an die Oberfläche.

Einen Moment später umklammerte etwas ihren Bauch. Sie wurde rückwärts gezogen und eine Hand legte sich über ihren Mund.

Sie wehrte sich mit aller Kraft dagegen und der Vampir flüsterte dicht an ihrem Ohr. „Verdammt, Slayer! Lass das!"

Aber Buffy dachte gar nicht daran. Sie biss ihm in den Finger, befreite sich aus seiner Umklammerung und wollte gerade losmeckern, als er sie untertauchte.

Eisern hielt er sie unter Wasser fest und ein Kampf entbrannte. Der Vampir jedoch ließ nicht locker, schüttelte sie und es dauerte eine ganze Weile, bis Buffy begriff, dass er versuchte, ihr etwas zu sagen und nicht irgendwelche merkwürdigen Dinge mit ihr vorhatte. Mit zwei Fingern deutete er eine laufende Bewegung an, ließ sie dann vollends los und hielt acht Finger hoch.

Die Jägerin nickte. Sie hatte verstanden und zusammen tauchten sie das kurze Stück bis hinter den Felsen. Lautlos tauchten sie auf und Buffy hangelte sich an dem großen Felsblock entlang, bis sie um ihn herumsehen konnte.

Am gegenüberliegenden Ufer standen acht Indiofrauen, die ihre großen Krüge mit Wasser füllten und dabei lachten. Eine ganze Zeit lang beobachtete sie sie, bis die Frauen schließlich wieder im Dschungel verschwanden. Buffy schwamm rückwärts, bis sie festen Boden unter den Füßen spürte und drehte sich dann zu Spike um.

„Woher sind sie gekommen…?", flüsterte sie und stockte dann. Ihre Augen wurden riesig und sie versank augenblicklich wieder im Wasser. Sie hatte vergessen, dass sie vollkommen nackt war und sie versuchte, ihre Blöße mit den Armen zu verdecken.

Der Vampir lachte leise, drehte sich dann um und stieg aus dem Wasser. Es dauerte eine ganze Weile, bis Buffy ihm folgte. Sie hatte erwartet, dass er zurückkam, doch das tat er nicht. Er hatte sie nur warnen wollen und beobachtete mittlerweile bestimmt die Frauen, die Wasser geholt hatten.

Kann es noch peinlicher werden?’, fragte sich Buffy beschämt. Sie kletterte aus dem See, beeilte sich beim Abtrocknen und Anziehen und war keineswegs überrascht, dass Spike genau zu dem Zeitpunkt wiederkam, als sie fertig war. Sie blickte ihn an, sah das kleine hämische Lächeln, dass sein Gesicht zierte und seufzte lautlos. Was immer er jetzt sagen würde… was auch immer jetzt passierte… Er würde dafür sorgen, dass sie diese Situation niemals vergessen würde.

 

                                                                        ********

 

„Ich glaube, der CIA wird uns noch einen Haufen Ärger bereiten", meinte Willow leise und guckte dem schwarzen Geländewagen hinterher, der gerade den Revello Drive entlang fuhr.

„Mag sein", erwiderte Giles. „Aber Quetzlicotl macht mir viel mehr Sorgen."

Die Stimmung war gedrückt. Seitdem der Agent den Zauberladen verlassen hatte, hatten sie kaum miteinander gesprochen. Giles hatte sofort sämtliche Türen verschlossen und sie hatten schnellstmöglich ihre Sachen zusammengepackt, aber niemand sagte ein Wort. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach und schlussendlich waren sie zum Summershaus gefahren.

„Hey, da seid ihr ja", begrüßte Xander die Drei, als sie das Haus betraten. „Wir haben Pizza bestellt und ihr kommt gerade rechtzeitig. Sie ist gerade erst geliefert worden." Er sah Willow aufmerksam an und stutzte. „Ihr seht nicht nach guten Neuigkeiten aus", meinte er dann.

„Wo sind Anya und Dawn?", fragte Giles anstelle einer Erklärung.

„In der Küche", meinte Xander und sein Blick wanderte wieder zu Willow. „Schlechte Neuigkeiten?"

„Jede Menge", erwiderte die rothaarige Hexe seufzend.

„Ja, aber wir sollten das in Ruhe besprechen", meinte Tara und legte einen Arm um Willow.

„Das sollten wir allerdings", nickte Giles und zog seine Jacke aus. „Ja, das sollten wir."

 

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Auf dem Esszimmertisch türmten sich Pizzakartons und Dawn fischte sich ein Stück mit Sardellen heraus. Sie hatte mit spitzen Ohren alles aufgefangen, hatte Willow und Giles aufmerksam zugehört, aber sie verstand immer weniger.

„Was will der CIA eigentlich?", fragte sie und schüttelte den Kopf. „Ich dachte immer, er würde sich nur mit Spionage und so was beschäftigen. Seit wann interessieren sie sich für Magie?"

„Es geht um Macht", meinte Xander schulterzuckend. „Darum geht es doch eigentlich immer! Und mal ehrlich, eine so mächtige Hexe wie zum Beispiel Willow… Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn sie auf der falschen Seite kämpfen würde."

„Ich würde niemals die Seiten wechseln", erwiderte Willow entsetzt. „Wie kommt ihr bloß auf solche Gedanken?", sagte sie und blickte Xander beinahe traurig an.

Tara legte sofort tröstend ihre Hand auf die ihrer Geliebten und nickte mitfühlend. „Bestimmt nicht."

„Nicht wir", warf Anya ein, „er kommt auf solche Gedanken", meinte sie und sah ihren Freund an. „Obwohl, so abwegig ist der Gedanke nicht und die Regierung…"

„…ist vollkommen unwichtig", unterbrach der Wächter. „Quetzlicotl hat uns ausgespielt. Das sollte uns klar sein! Er hat uns für seine Zwecke missbraucht und ich mache mir große Sorgen um Buffy. Wirklich große Sorgen! So wie es aussieht, brauchen wir nämlich seine Hilfe, um die Beiden zurückzuholen."

„Und dabei wirkte er so klein und hilflos", sagte Willow leise.

„Alles nur ein Schauspiel, das für uns veranstaltet wurde", schimpfte Giles. „Er ist stark genug, um sich einfach in Luft aufzulösen. Er hätte nicht gefangen sein müssen."

„Aber er war doch zusammengewickelt wie ein Paket… Spike hat ihn doch schon so gefunden", meinte Dawn.

„Er hat sich fangen lassen", erklärte der Wächter überzeugt. „Er wusste, dass er schwächer wird und Hilfe braucht, um Maxtla zu erledigen. Er hat uns etwas vorgespielt! Er wusste, wer wir sind und was wir machen, und das hat er schamlos ausgenutzt und gelogen!"

„Zum Teil", sagte nun Tara. „Nicht alles war gelogen. Maxtla und seine Macht sind nachprüfbar. Willow und ich haben jede Menge über ihn gefunden und das, obwohl er schon seit sechshundert Jahren gebannt ist. Es war nicht erfunden, was Quetzlicotl darüber sagte. Sollte Maxtla sich jemals befreien, so würde er wohl einen Weltuntergang einleiten."

„Das stimmt", nickte Willow zustimmend. „Quetzlicotl hat uns nur über Buffys Rückkehr belogen, nicht aber über die drohende Gefahr."

„Seiner Meinung nach ist die Jägerin ersetzbar und muss einem höheren Zweck geopfert werden", murrte Giles. Als Wächter hatte er sich schon zu oft mit diesem Thema beschäftigt und sein Magen brannte, wenn er darüber nachdachte. Quetzlicotl dachte wie der Rat der Wächter. Eine einzelne Jägerin war unwichtig. Wichtig war nur das Ergebnis.

„Und was machen wir jetzt?", fragte Xander leise.

„Heute nicht mehr viel", erwiderte Giles. „Es ist spät geworden und wir sollten morgen früh fit sein. Willow, Tara und ich… wir werden umfassende Recherchen starten. Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit, Buffy und Spike zurückzuholen."

„Und was machen Anya und ich?", fragte der Dunkelhaarige weiter.

„Nun, ähm…", hüstelte Giles. „Da wir davon ausgehen, die Beiden gesund und munter zurückzuholen, solltet ihr vielleicht damit beginnen, Spikes Forderungen zu erfüllen."

„Das ist jetzt nicht Ihr Ernst", sagte Xander entgeistert und sein Mund blieb offen stehen. Er blickte von Einem zum Anderen und schüttelte den Kopf. „Wir sollen tatsächlich Spikes Behausung putzen? So richtig mit Staubsauger, Wischlappen und Putzeimer?

„Das wird bestimmt lustig", lächelte Anya.

„Lustig?", wiederholte Xander und sah sie an, als hätte sie endgültig den Verstand verloren. „Wie könnte das lustig sein?"

„Sicher ist es das", nickte die Ex-Dämonin. „Ich bin schon gespannt, was er alles für interessante Sachen hat. Jetzt haben wir die Möglichkeit, alles genau unter die Lupe zu nehmen!" Aufgeregt klatschte sie in die Hände. „In hundertzwanzig Jahren kann man so einiges ansammeln."

„Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich wissen will", murrte Xander und sein Kopf sackte herab auf den Tisch. „Nein! Ich bin mir sicher! Ich will das nicht wissen!"

Teil 12

Gelangweilt lehnte Buffy an dem riesigen Felsblock, der sie beim Baden vor etwaigen Zuschauern hätte schützen sollen, und starrte auf ihre Fingernägel. Der Vampir war seit Stunden verschwunden und langsam setzte die Dämmerung ein. „Das kann doch nicht wahr sein", murmelte sie leise und wieder wanderten ihre Blicke über das Dickicht. Irgendwo musste er doch abgeblieben sein!

Aber was noch viel schlimmer war: Sie wusste nicht, was sie nun machen sollte. Sollte sie noch länger auf ihn warten oder sollte sie nach ihm suchen? Was, wenn sie ihn nicht finden konnte und er zurückkam, während sie planlos durch den Dschungel lief? Würden sie in dem grünen Gestrüpp einfach aneinander vorbeilaufen? Hatte man ihn möglicherweise sogar gefangen?

„Verdammt", schimpfte sie leise und stieß sich vom Felsen ab. „Es ist nicht meine Art stillzusitzen und abzuwarten! Das weiß er genau!"

„Was weiß ich genau?", fragte eine wohlbekannte Stimme belustigt. Der Vampir bahnte sich einen Weg aus dem Urwald, blieb dann vor ihr stehen und legte den Kopf auf die Seite. „Schon wieder angezogen?", grinste er. „Übrigens… das Muttermal auf deiner linken Brust hat die Form eines…"

„Halt bloß die Klappe", schnauzte sie ihn biestig an. Sie war weit darüber hinaus, sich deswegen noch irgendwelche Gedanken zu machen. „Kannst du mir mal sagen, was das sollte? Du lässt mich hier stundenlang im Urwald stehen und …"

„Jetzt krieg dich wieder ein", unterbrach er sie kopfschüttelnd. „Immerhin geht’s dir gut! Was willst du mehr?"

„Ich will eine Erklärung", schnauzte sie, dann hörte sie ihren Magen laut knurren. Außer ein paar Bananen und einem Müsliriegel hatte sie heute noch nichts gegessen und der Hunger machte sich bemerkbar. „Außerdem habe ich seit Ewigkeiten nichts gegessen und wusste nicht mal, ob ich von hier weggehen kann oder nicht."

„Ich finde dich immer", grinste er. „Den Duft einer Jägerin nehme ich überall wahr."

„Schön für dich", meckerte die Jägerin weiter. „Dann war es garantiert das letzte Mal, dass ich auf dich gewartet habe."

„Hast du noch was an Nahrungsmitteln im Rucksack oder musst du auf einheimische Früchte zurückgreifen?", fragte Spike, als wäre nichts gewesen.

Für einen Moment überlegte Buffy, was noch alles zu essen da war, dann stutzte sie und starrte in das grüne Dickicht. Gelblich grüne Augen starrten ihr entgegen und sie erhaschte einen flüchtigen Blick auf schimmerndes schwarzes Fell. „Ein Jaguar", flüsterte sie leise.

Spike folgte ihrem Blick und drehte sich ihr grinsend zu. „Wenn du den essen willst, dann fängst du ihn selber!"

„Idiot", raunte sie schnippisch. „Ich habe nur keine Lust, als sein Abendessen zu enden."

„Der hat mehr Angst vor dir, als du vor ihm", erklärte Spike leichthin.

„Und das sagt dir wer? Dein Fachwissen über Raubkatzen?" Buffy verfolgte jede Bewegung des anmutigen Tieres und reckte sich, als es tiefer im Unterholz verschwand.

„Allerdings", lachte Spike. „Ich habe ständig mit kratzbürstigen Katzen zu tun." Er zog eine Augenbraue hoch und betrachtete sie hämisch.

„Du bist wirklich witzig", schnappte Buffy ein. „Sollten wir je wieder zurückkehren, solltest du über eine Karriere als Komiker nachdenken." Sie bedachte ihn mit einem bitterbösen Blick. „Aber Clown wäre noch besser. Das passt perfekt!" Ohne ein weiteres Wort lief sie los und entschwand in den Dschungel.

 

                                                                              *******

 

„Hast du dich wieder beruhigt?", fragte Spike eine halbe Stunde später. Buffy hatte sich auf einen umgeknickten Baum in der Nähe gesetzt und aß eine ihm vollkommen unbekannte Frucht. Sie hatte sie mit einem Messer geschält, aufgeschnitten, die schwarzen Samenkörner herausgekratzt und schnitt sie in Streifen „Was ist das?", erkundigte er sich neugierig und setzte sich neben sie.

„Keine Ahnung, wie die heißen", gestand sie. „Ich habe es vergessen. Aber ich habe sie schon bei uns im Supermarkt gesehen." Wieder biss sie ein Stück ab, kaute und sah ihn an. „Jetzt weiß ich es wieder", lächelte sie. „Papayas. So heißen die."

„So friedlich?", lachte Spike. Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sie ihm weiter die Hölle heiß machte, aber sie saß ganz entspannt da und verzehrte ihre Frucht.

„Ich habe beschlossen, mich nicht weiter aufzuregen", meinte sie und machte eine gleichgültige Miene. „Das bringt mich auch nicht weiter. Allerdings fand ich es echt übel, dass du mich so lange alleine gelassen hast." Sie hob abwehrend die Hand, als er grinsend etwas erwidern wollte. „Auf die Art und Weise habe ich dich nicht vermisst", versicherte sie ihm. „Aber so ist das Mist! Du verfolgst mich und beobachtest mich, sobald ich mal alleine im Dschungel verschwinde und dann machst du dich für Stunden vom Acker. Gelten diese komischen Regeln nur für mich?"

„Immerhin habe ich unser Ziel gefunden", sagte Spike und wackelte mit den Augenbrauen.

„Du hast was?", fragte sie und sprang vom Baumstamm. „Du hast den Aztekenpriester gefunden und sagst mir das erst jetzt?"

„Bisher hatte ich ja wohl noch keine Gelegenheit dazu", brummte er abwehrend. „Allerdings habe ich auch schlechte Nachrichten. Und die überwiegen wahrscheinlich."

„Ganz toll", schnaubte sie und warf den Rest der Frucht in das Unterholz. „Und die wären…?", fragte sie und wischte sich die Hände an ihrer Hose ab.

„Erstens: Die Wissenschaft scheint recht zu behalten. Die Stadt füllt sich mit Menschen. Was wohl beweißt, dass sie nur zu bestimmten Zeiten bevölkert war. Zweitens: Maxtla schleppt einen Haufen Wachen mit sich herum und drittens: Unser netter Priester ist kein Mensch mehr! Quetzi hat uns nicht an der richtigen Stelle abgeladen."

„Woher weißt du das alles?", fragte die Jägerin genervt. War nicht alles schon kompliziert genug? Musste alles noch schwerer werden?

„Was glaubst du, habe ich den ganzen Nachmittag gemacht?", motzte er. „Am Strand gelegen und mir die Sonne auf den Pelz brennen lassen?"

„Ha ha!", machte sie spöttisch. „Und wir reden nicht davon, dass du ein Vampir bist und das eh unmöglich wäre… Hier gibt es keine Sonne! Nur Regen und noch mehr Regen!"

Spike lachte und schüttelte den Kopf. „Was hast du eigentlich erwartet? Dass das ein Spaziergang wird? Hast du gedacht, wir kommen hier an, Maxtla geht lächelnd auf dich zu und wir hauen ihm die Rübe ab?"

Der Blick der Jägerin glitt ins Leere. Unbewusst strich sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und verzog selbiges. „Was machen wir jetzt? Irgendwelche Vorschläge?"

Spike schüttelte stumm den Kopf. „Allerdings weiß ich, dass wir von hier verschwinden müssen. Heute Nacht werden bestimmt nicht mehr viele Menschen unterwegs sein, aber dafür am Morgen umso mehr. Die Stadt füllt sich langsam und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die ersten hier vorbeilaufen."

Buffy nickte. „Die Frage ist nur, wo wir hinsollen? Sollen wir uns verstecken? Und wenn ja, wo?"

„Das ist eine gute Frage", murmelte Spike nachdenklich. „Wie versteckt man sich in einem Urwald?

„Die Frage ist beinahe lächerlich", grinste sie. „Aber ich weiß, was du meinst. Die Einheimischen kennen den Dschungel wie ihre Westentasche und würden jede Veränderung sofort bemerken. Einen Unterschlupf, oder Ähnliches, bauen fällt also flach…"

„Wir müssten eine Stelle finden, an der wir das Zelt eingraben können", murmelte er undeutlich, mehr zu sich selbst.

„Du kannst doch nicht mein Zelt eingraben", schimpfte sie, doch er winkte ab.

„Nicht wirklich", erwiderte er und runzelte die Stirn. „Wir brauchen eine passende Ausbuchtung… das Zelt muss so tief stehen, dass man es nicht mehr sieht, wenn man es mit Ästen abdeckt." Er sah sie an. „Verstehst du, was ich meine?"

„Ich denke schon", erwiderte Buffy. „Allerdings klingt das nach einer Menge Arbeit. Wir haben nicht mal Schaufeln und ich habe keine Lust, die Erde mit den Händen umzugraben."

Spike verdrehte die Augen. „Du hast dir von einem Pseudopfadfinder den Rucksack geliehen", meinte er dann. „Und du hast den Spaten nicht gesehen, der an der einen Seite befestigt ist?" Er schüttelte den Kopf. „Meine Güte, Slayer!"

Buffy stellte sich Xander in Pfadfinderuniform vor und lächelte verschmitzt. „Dann mal los.", rief sie sich zur Ordnung. „Aber es wäre nett, wenn wir schon irgendwo eine Mulde finden… zumindest wäre es leichter."

 

                                                                          *******


Kurz bevor die Dunkelheit alles verschlingen konnte, blieb der Vampir stehen. „Das hat doch was", murmelte er und deutete auf zwei umgestürzte Bäume. Einer war nach hinten umgefallen und der andere nach rechts. Der Große, der nach hinten gefallen war, hatte mit seinen Wurzeln ein großes Loch in die Erde gerissen und Spike nickte leicht. Er hatte schon einen genauen Plan vor Augen. „Wir stellen das Zelt so, dass es mit seiner Tür an dem vorderen Baum abschließt", erklärte er Buffy. „Siehst du den kleinen Durchlass unter dem Stamm?"

„Was für ein Durchlass?" Buffy hatte sich bisher kaum um Spikes Ausführungen gekümmert. Er mochte ja einen guten Platz für das Zelt gefunden haben, aber dieser Platz war auch keine hundert Meter von der großen Pyramide entfernt, die auf einem großen Platz in der Stadt stand. Menschen waren hier noch nicht zu sehen, sie hielten sich alle noch im unteren Teil der Ansiedlung auf und schenkten dem Kultbau bisher keinerlei Beachtung.

„Der Ast, der da vorne in der Erde…", versuchte Spike zu erklären, stoppte dann und tippte ihr auf die Schulter. „Hörst du mir überhaupt zu?"

„Nicht wirklich", gestand sie und schenkte ihm ein breites Grinsen. Dann wurde sie wieder ernst und versuchte sich vorzustellen, was Spike meinte. „Alles klar", meinte sie einen Moment später. „Der kleine Durchgang unter dem Baum versteckt den Zelteingang. Aber dazu müssten wir noch einen Menge Dreck wegschaufeln."

„Allerdings", nickte der Vampir.

Buffy ließ ihren Rucksack vom Rücken gleiten, löste den Klappspaten und drückte ihn Spike in die Hand. „Hier! Viel Spaß beim Buddeln", grinste sie hinterlistig. „Ich schau mich hier mal um." Sie nickte ihm lachend zu und verschwand im Unterholz.

 

                                                                    *********

 

„Und du bist dir wirklich sicher, dass wir das tun wollen? Wirklich und absolut?"

„Jetzt mach da mal nicht so einen Aufstand von und öffne die Tür", schnappte Anya ein. „Wir stehen jetzt seit geschlagenen zehn Minuten hier vor der Tür und der Eimer wird nicht gerade leichter." Sie klimperte mit den Bürsten und Putzmitteln.

„Ich will das aber nicht", brummte Xander. „Ich geh da nicht mal gerne rein, wenn Spike da ist. Und jetzt soll ich seine Wohngruft putzen? Das hat er nur zur Bedingung gemacht, um mich zu quälen."

„Du musst das positiv sehen", erklärte Anya. „So haben wir die Möglichkeit, seine gesamten Habseligkeiten durchzusehen! Was wir da wohl alles finden werden?" Ihr Gesicht nahm einen träumerischen Ausdruck an und sie schob ihren Freund einfach an die Seite. „Platz da! Ich will jetzt wissen, was er alles hat!"

Nur widerwillig folgte ihr Xander in das dunkle Grabmal. „Das schaffen wir alleine nie!", meinte er nach einem kurzen Rundblick. „Tara, Willow und Giles sollten auch helfen. Hier liegt Jahrhunderte alter Dreck!"

„Die Drei sind beschäftigt", murmelte Anya und durchforstete den Küchenschrank. „Er hält wirklich nicht viel von Ordnung", stellte sie fest und begann sofort, seinen Inhalt auszuräumen.

„Was machst du da?", fragte Xander mit großen Augen. „Seine Tassen und Gläser kann er selbst abwaschen."

„Giles hat gesagt, wir müssen alles saubermachen. Das war eine von Spikes Bedingungen." Sie hatte keinerlei Berührungsängste und machte sich sofort ans Werk.

„Vielleicht sehen wir ihn nie wieder", knurrte er missmutig. „Hast du da mal drüber nachgedacht?" Er deutete durch die Gruft. „Vielleicht putzen wir das alles für den nächsten Dämon, der hier einzieht."

„Ich weiß, du hast keine Lust dazu. Aber hast du mal daran gedacht, dass auch Buffy nicht zurückkommt, wenn Spike es nicht schafft?" Anya ließ Wasser in den Eimer laufen. „Am besten, du fängst mit dem Staubsauger an", meinte sie dann, ihre vorherige Aussage völlig vergessend. „Ich habe jede Menge neue Staubsaugerbeutel eingepackt."

Xander seufzte schwer. „Gibt es hier überhaupt Strom?", fragte er.

„Sicher", erwiderte Anya und schüttelte den Kopf. „Oder denkst du, der Fernseher und die Mikrowelle haben eine Handkurbel?" Sie ließ von ihrer Arbeit ab und ging auf ihn zu. „Jetzt stell dich mal nicht so an", meinte sie. „Dein ganzes Jammern und das Gemecker machen es nicht besser."

„Ich weiß", brummte er. „Aber ich will, dass die ganze Welt erfährt, dass ich das nur mit absolutem Widerwillen mache!"

„Das interessiert die Welt nur nicht", lachte die Ex-Dämonin und zog sich Gummihandschuhe über.

Teil13

„Das ist langweilig", maulte Anya und zupfte sich geistesabwesend Staubflusen aus den Haaren. „Noch langweiliger, als wenn Giles mir wieder irgendwelche Vorträge über gutes menschliches Benehmen hält." Die Ex-Dämonin war schwer beleidigt. Sie hatten die gesamte obere Hälfte der Gruft geputzt und gewienert. Alles blitzte und blinkte, aber etwas Interessantes gefunden hatten sie nicht. „Der Kerl ist hundertzwanzig Jahre alt und genauso spannend wie Puck, die Stubenfliege!"

„Puck, die … was?", fragte Xander verwirrt und lachte los. Dann schüttelt er den Kopf und wischte sich eine Spinne vom Arm. „An, Süße, was hattest du erwartet?", fragte er neugierig. Er seufzte leise und starrte auf den schmierigen Dreck auf seinem Shirt. ‚Eklig’, dachte er und verzog das Gesicht. Eins wusste er ganz sicher: Das würde er Spike heimzahlen! Auch, wenn es Jahre dauern würde. Diesen Mist würde er nicht so einfach hinnehmen. Nicht er, Xander Harris! Er sah auf und blickte seiner verstummten Freundin ins Gesicht. „Nach was hast du gesucht?"

„Irgendwas!", brummte Anya und zog einen Schmollmund. „Aber Spike hat nur Schrott. Ein paar uralte Bücher, Männermagazine, einen Haufen Flaschen mit alkoholischem Inhalt und Waffen. Wer so lange lebt wie er, müsste doch irgendwelche Schätze besitzen!" Sie zuckte mit den Schultern. „Er hat im Laufe seines Lebens doch bestimmt genügend stinkreiche Leute ausgesaugt. Er muss doch etwas von deren Geld oder Wertgegenständen behalten haben."

Xander nahm den Ausbruch seiner Freundin dankbar an und lehnte sich erschöpft an eine Wand. „Du bist über tausend Jahre alt und man kann nicht gerade behaupten, dass du viele Dinge mitgebracht hast." Er tippte sich ans Kinn und tat so, als müsste er schwer nachdenken. „Genauer gesagt, gar keine!", sagte er dann.

„Das ist etwas ganz anderes", verteidigte sie sich. „Erstens hat mich Giles praktisch aus meinem Dasein gerissen, und zweitens brauchte ich als Rache-Dämonin keine weltlichen Güter. Ich konnte mir immer nehmen, was ich brauchte."

„Aber behalten hast du nichts", brummte Xander. „Du hättest auch eine Kiste Gold horten können… dann wären wir jetzt auf einer Weltreise und könnten uns den Mist hier sparen!"

Klatschend landete ein nasser Lappen in seinem Gesicht und Anya funkelte ihn biestig an. „Das ist was ganz anderes! Ich war nie ein Vampir!"

„Und ich verstehe den Unterschied nicht", erwiderte Xander heftig. Er war beleidigt. „Immerhin konntest du dich frei durch den Raum teleportieren. Du konntest von einem Ort zum anderen springen… Spike kann das nicht und wenn ich mich nicht irre, dann richten sich Vampire selten häuslich ein. Sie bleiben, solange es Nahrung gibt, dann ziehen sie weiter. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dabei Gepäck besonders hilfreich ist."

„Aber ich…", versuchte Anya zu erklären und verstummte dann. „Als hätte ich große Lust gehabt, Spikes Bude sauberzumachen… Ich habe nur zugestimmt, weil ich …"

„Was dachtest du zu finden?", unterbrach er sie grob. „Einen Haufen Geld, den du dann behalten darfst?" Manchmal verstand Xander seine Freundin wirklich überhaupt nicht. Hatte sie denn noch nicht gemerkt, dass sie als Mensch anderen Gesetzen untergeordnet war wie als Dämon?

„Spike hat kein Geld", schnaubte sie. „Und das, obwohl er längst etwas haben könnte." Sie bremste ihn aus, indem sie die Hand hob. „Ich wollte etwas finden, dass etwas über ihn aussagt. Etwas über sein Leben. Eine Strichliste vielleicht. Über die Menschen, die er schon ausgesaugt hat. Oder vielleicht auch eine Art Tagebuch, über seine grauslichsten Morde…" Sie schloss für einen Moment überlegend die Augen. „Vielleicht auch nur eine Kiste mit Sexspielzeug!"

Wurde die Luft in der Grabkammer gerade stickiger, oder kam es Xander nur so vor? „Das ist der große Unterschied zwischen uns Beiden", murmelte er leise. „Ich finde Spike schon so widerlich genug, ich brauche solche Sachen nicht auch noch wissen!" Das waren Angelegenheiten, die er bestimmt nicht wissen wollte. Er atmete tief ein und machte eine Pause. „Aber vielleicht hast du ja Glück…", meinte er ironisch und deutete mit der Hand auf die Leiter, die in den unteren Teil der Gruft führte. „Der ekligste Teil steht uns ja noch bevor!"

„Ja", grinste Anya und lächelte zufrieden. „Aber wenn wir da auch nichts finden, habe ich ein Hühnchen mit Spike zu rupfen, sollte er jemals zurückkommen." Frohen Mutes eilte sie mit ihrem Eimer auf die Stiege zu. „Nun komm schon", sagte sie, sich zu ihrem Freund umdrehend. „Außerdem steht da unten ein Bett und wir…"

„Sprich es nicht aus", knurrte der Dunkelhaarige. „Sonst sucht sich mein Mageninhalt einen Ausgang und wir können wieder von vorne anfangen!"

 

                                                                         ********

 

„Aua, verdammt", zischte Spike ungehalten. „Das hat verdammt weh getan!"

„Entschuldige", murmelte Buffy leise und einigermaßen erschrocken. Sie war ihm auf die Hand getreten und hatte es nicht einmal gemerkt. Der Vampir hatte das Zelt so gut versteckt, dass nicht einmal sie es wieder gefunden hatte. Für einen flüchtigen Moment meldete sich in Buffy eine kleine leise Stimme, die wieder und wieder fragte, warum sie Spike nie wahrnahm? Er war ein Vampir und normalerweise richteten sich ihre Nackenhärchen auf, wenn ein Dämon in ihre Nähe kam. ‚Warum nicht bei ihm?

„Ich habe den Eingang etwas verbreitert", riss Spike sie aus ihren Gedanken und kam endgültig unter dem Baumstamm hervor. „Vielleicht müssen wir ja mal schneller dort hinein, als uns lieb ist."

„An was du nicht alles denkst", murmelte sie und hatte Mühe, ihre Fassungslosigkeit zu verbergen. Ohne seine Hilfe wäre sie im Dschungel verloren und die Erkenntnis traf sie wie ein Faustschlag. Sie sah sich um, konnte aber nicht die kleinste Spur des Unterschlupfs entdecken. „Ob es auch bei Tageslicht unsichtbar ist?", überlegte sie laut, dann wandte sie sich Spike zu. „Auf den Gedanken es einzubuddeln wäre ich nie gekommen", gestand sie. „Woher hast du solche Einfälle?"

„Schon vergessen?", meinte er, sichtlich erfreut über ihr Lob. „Ich bin ein Vampir. Ein Jäger, dem zwar jetzt ein Maulkorb verpasst worden ist… aber das ändert nichts an meinen Fähigkeiten." Er setzte sich auf die Erde und kramte seine Zigaretten hervor. „Ich verstehe mich darauf, mich zu tarnen und verstecken." Sein Feuerzeug flammte kurz auf. „Was ist mir dir? Irgendwas Interessantes gefunden?", erkundigte er sich und eine kleine Rauchsäule stieg in den Himmel auf.

„Eigentlich nicht", meinte sie und setzte sich neben ihn. „Aus archäologischer Sicht vielleicht, aber nichts, was uns nützen würde." Sie sah ihn an und erzählte dann, was sie beobachtet hatte.

Die Hälfte der aus Lehm und Holz gebauten Hütten war nun bewohnt. Auch das riesige längliche Haus mit den sieben Türen, dass sie bisher nur aus Spikes Erzählungen gekannt hatte. „Wahrscheinlich das Haus des Königs, oder wie immer der Chef hier genannt wird", mutmaßte sie. „Außerdem habe ich auf dem Platz, auf dem auch die Pyramide steht, ein paar Steinsäulen gesehen. Es sind komische Muster und Tiere darauf eingemeißelt. Auch eine gefiederte Schlange."

„Die Dinger heißen Stelen", erklärte Spike.

„Wie auch immer", murrte sie. „Jedenfalls war jede Menge Blut darauf verschmiert und ich habe sogar einen abgetrennten Finger gefunden", erzählte sie mit angewidertem Gesicht. „Eine dieser Steinschlangen hatte ihn im Maul!"

„Selbstopferung", nickte Spike wissend. „Das scheint eine Art Hobby von den Azteken gewesen zu sein."

„Du meinst, wem auch immer dieser Finger gehörte, hat ihn selbst abgeschnitten?", fragte sie entsetzt. „Das ist widerlich!"

„Eine gängige Praxis", grinste Spike. „Ein bisschen Blut hier, einen Finger da… Das ist nun mal ihre Art den Göttern zu huldigen. Ihre Götter fordern für ihre Unterstützung Opfer und die scheinen diese Menschen nur zu gerne zu geben." Er lachte leise, als er ihre vielsagende Miene sah. „Das ist nun mal ihre Art, um Regen oder eine gute Ernte zu bitten."

„Igitt", murmelte Buffy. Sie setzte sich bequemer hin und lehnte sich an einen Baumstamm. „Haben wir einen Plan?", fragte sie leise und verscheuchte ein paar Moskitos, die sie wie üblich umschwärmten.

„Ich habe zumindest keinen", sagte Spike und zuckte mit den Schultern. „Wir werden abwarten müssen, bis sich etwas ergibt."

„Planlos hier herumlaufen bringt wohl nichts", meinte Buffy seufzend. „Auch wenn ich das lieber sofort erledigen würde. Ich hasse es, hier zu sitzen und abzuwarten. Ich fühle mich dann immer so hilflos", gestand sie leise. „Zuhause in Sunnydale ist es für mich schon schlimm genug, aber hier…", sie deutete in den Urwald. „Das ist nicht meine Welt. Aber überhaupt nicht!"

Lachend wandte sich Spike ihr zu. „Meine auch nicht. Aber ich habe es schlimmer erwartet, als es tatsächlich ist." Und da Buffy ihn sprachlos anstarrte, sprach er weiter. „Immerhin regnet es hier pausenlos, also hab ich kaum Probleme mit meiner Sonnenallergie."

„Gut und schön", gestand Buffy ihm zu. „Und was sonst? Ach, ich habe vergessen, dass dich diese blöden Mücken nicht nerven", brummte sie und zermatschte mit einem schnellen Schlag gleich zwei der nervtötenden Tierchen. „Aber was noch? Was gefällt dir an diesem blöden Ort?"

Spike antwortete eine lange Zeit nicht, er starrte in den Himmel und überlegte fieberhaft. Sollte er ihr wirklich sagen, dass er die Zeit alleine mit ihr genoss? Ohne ihre ätzenden Freunde und den Wächter? „Vielleicht ist es die Abwechslung zu meinem sonst so spannenden Leben", erklärte er stattdessen sarkastisch. „Mit der Spaßbremse in meinem Kopf ist das nicht mehr besonders aufregend."

„Kann ich verstehen", erwiderte sie. „Allerdings wärst du ohne den Chip nicht hier. Du wärst Staub." Sie blickte in den wolkenverhangenen Himmel. Der Mond schälte sich hin und wieder durch die dicke Wolkendecke, doch auch er schien den Regen nicht vertreiben zu können. „Weißt du, was mir aufgefallen ist?", fragte sie dann.

„Nein, was denn?"

„Na ja, im unteren Teil der Stadt ist schon eine Menge los. Menschen laufen herum, Feuer brennen und ich hab auch Gesang gehört. Warum meiden sie den Platz hier?" Sie sah ihn neugierig an. „Du hast in aller Ruhe das Zelt eingegraben, niemand war hier und keinem ist es aufgefallen. Wenn die Pyramide eine so wichtige Kultstätte ist, warum beachtet sie dann keiner?"

„Gute Frage", erwiderte er schulterzuckend. „Vielleicht warten sie auf ein Einführungsritual oder so. Wahrscheinlich muss unser Lieblingspriester erst irgendeinen Hokuspokus abhalten. Ich habe keine Ahnung."

Minutenlang sprach niemand ein Wort. Dann lachte Buffy leise. „Ich mag es bald nicht mehr sagen, aber ich habe schon wieder Hunger."

„Den habe ich auch", sagte Spike leise. Er stand auf, sah ihr ernst ins Gesicht und nickte. „Den habe ich auch", wiederholte der, dann krabbelte er durch den Zelteingang und ließ sie allein zurück.

Einigermaßen sprachlos schaute Buffy ihm hinterher. Er war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das passierte. Aber so schnell hatte sie nicht damit gerechnet und eine steile Sorgenfalte durchfurchte ihre Stirn. ‚Das kann ja heiter werden’, dachte sie und folgte ihm in ihre nun unterirdische Behausung.

 

                                                                      *******

 

Spike hatte sich im Zelt auf die Seite gelegt und beachtete sie gar nicht, als sie sich neben ihn legte. Buffy, im Grunde sehr froh darüber, kramte einen weiteren Müsliriegel hervor und aß ihn mit einem gewissen Widerwillen. Je mehr sie davon aß, desto mehr hatte sie das Gefühl, dass sie sich beim Kauen in Staub verwandelten. Sie spülte die Reste mit einem großen Schluck aus der Wasserflasche hinunter und rollte einen Pullover zusammen, um ihn als Kopfkissenersatz zu benutzen. Eine lange Zeit lauschte sie den fremden Geräuschen des Dschungels, dann übermannte sie die Müdigkeit und sie schlief ein.

Wenige Stunden später schreckte sie wieder auf. Irgendwo nicht weit entfernt herrschte ein reger Tumult. Sie hörte laute Stimmen, die wild durcheinander schrieen und auf einmal auch Spike. „Verdammt! Lass mich los", schrie er. „Verflucht!"

Buffy, gerade im Begriff aus dem Zelt zu eilen, stockte, als der Vampir laut nach ihr rief.

„Slayer! Bleib, wo du bist! Bleib im Zelt. Aua, verdammt… sie wissen nicht, dass du da bist… Scheiße… au… Bleib, wo du…" Ein lautes *Klong* beendete seine Rufe und Buffy hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht laut loszuschreien.

Jetzt weiß es jedenfalls jeder’, dachte sie verschreckt, doch dann fiel ihr ein, dass die Azteken ihre Sprache nicht kannten und dementsprechend auch nicht wussten, was Spike von sich gegeben hatte. Sie lauschte angestrengt, doch die Stimmen der fremden Männer wurden immer leiser und verstummten irgendwann ganz. ‚Und was jetzt?’, dachte sie und konnte die aufsteigenden Tränen nicht zurückhalten. ‚Verdammt! Was macht er auch alleine draußen’, schimpfte sie lautlos. ‚Warum…? Mist!’

Eisige Kälte überkam sie und sie fühlte sich verlassen. ‚Was jetzt?’, dachte sie verzweifelt. ‚Wie soll ich…ohne ihn…? Doch dann kehrte ihre Stärke langsam zurück, verwandelte sich in Wut und sie kniff zornig die Augen zusammen. ‚So nicht’, überlegte sie bitter. ‚Ich werde nicht hier bleiben und mich wie ein eingeschüchtertes Reh verhalten! Sicher nicht! Und Spike… er gehört zu mir und ich…", erschrocken über ihre eigenen Gedanken stockte sie, dann stahl sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. „Spike gehört zu mir", murmelte sie leise, „und ich werde ihn da rausholen!"

Teil 14

Staub flirrte durch die Luft. Aufgewirbelt von Anya, die den Besen so kräftig schwang, als wolle sie einen Rekord aufstellen. „Was denkt der sich eigentlich?", maulte sie und holte mit dem Feger aus. „Und wenn dieser dumme Vampir glaubt, ich würde die ganze Höhle aufräumen, dann…"

„An, Süße, beruhige dich", sagte Xander mit ruhiger Stimme. Im Gegensatz zu seiner Freundin war er geradezu begeistert, nichts Anstößiges gefunden zu haben. Nur einen Haufen Dreckwäsche, weitere Männermagazine und ein paar Kerzenstummel, die Spike offensichtlich einfach unter dem Bett entsorgt hatte.

„Beruhigen?", schnaubte die Ex-Dämonin. „Du weißt, gewöhnlich werde ich für meine Arbeit bezahlt. Ich liebe Geld und wenn er schon keins hat, dann will ich auf andere Art und Weise entlohnt werden!" Der Besen fiel klappernd auf den Boden und sie stemmte wütend die Hände in die Hüften. „Ich zieh jetzt noch seine doofe Bettwäsche ab. Waschen tu ich sie zuhause und beziehen kann er es dann alleine!"

Mit einer heftigen Bewegung riss sie die Bettdecke herunter und ein Blatt Papier segelte durch die Luft, das Xander behände auffing.

„Eine Nachricht von Spike", murmelte er und faltete es auseinander.

Anya, Welpe, stand darauf geschrieben. Ich kann eure Gesichter vor mir sehen. Eins ist schwer enttäuscht und das andere erleichtert! Habt ihr ernsthaft geglaubt, ich würde irgendwas von Wert oder Bedeutung zurücklassen? Ganz sicher nicht! Dafür kenne ich Anya viel zu gut.

Aber, Welpe, du kannst dir nicht im Entferntesten meine Befriedigung darüber vorstellen, dass du in meiner Gruft im Staub kriechst!

Ach, und bevor ich es vergesse… lass die Finger von meinen Whiskeyvorräten! Spike!

„Wie kann er es wagen?", schnaubte Xander, schnappte Anya den Bezug aus den Händen und riss ihn in kleine Fetzen.

„Nicht", versuchte sie ihn zu bremsen. „Ach, Xander. Jetzt müssen wir auch noch unser schwer erarbeitetes Geld für Ersatz ausgeben."

„Das werde ich mit Freude tun", keuchte der Dunkelhaarige. „Ich suche persönlich einen Neuen aus. Vielleicht mit rosa Blümchen oder was anderes Biederes."

Anya lächelte süffisant. „Wie wäre es mit Teddybären?"

„Nein", schimpfte Xander. „Ich weiß noch etwas viel Besseres! Bob, der Baumeister!", zischte er und kletterte die Leiter hoch. „Und den kaufe ich jetzt sofort!"

*******

 

Die Stimmung in der Magic Box war auf dem Tiefpunkt. Die Türglocke läutete, doch niemand achtete darauf. Tara, Dawn und Giles hatten nur Augen für Willow, die mit hängenden Schultern auf ihrem Stuhl saß und Mühe hatte, die Tränen zurückzuhalten.

„Es geht einfach nicht", murmelte sie verzweifelt. „Ich habe alles versucht! Dimensionstore, Zeitzauber… nichts funktioniert. Sechshundert Jahre sind einfach zuviel." Sie seufzte laut und blickte ihre Freundin traurig an.

„Was haben Sie getan?", fragte eine schneidende Stimme, doch niemand beachtete sie.

„Du hast getan, was du konntest", sagte der Wächter tonlos. „Und wir geben auch nicht auf", versicherte er, „wir brauchen nur andere Optionen."

„Was können wir überhaupt noch versuchen?", platzte es aus Dawn heraus. Sie war nichts so tapfer wie die rothaarige Hexe und Tränen flossen über ihr Gesicht. „Wir können Buffy und Spike doch nicht…"

„Ich frage noch einmal", schnaubte die Stimme wieder. „Was zum Teufel haben Sie getan?"

„Nichts, was Sie auch nur im Entferntesten etwas angeht", fauchte Giles und fuhr auf seinem Stuhl herum. „Verschwinden Sie aus meinem Geschäft", schnauzt er den Agenten an.

Der Anzugträger lachte gehässig. „So, wie es aussieht, sind Sie nicht in der Lage, mir irgendwelche Befehle zu geben. Aber vielleicht sehen Sie nun ein, dass wir zusammenarbeiten müssen."

„Ihre Hilfe braucht er nicht", sagte Quetzlicotl, der aus dem Nichts auftauchte. „Aber vielleicht braucht er meine."

„Unser Gefangener", knurrte der CIA Agent. „Ich wusste doch, dass er…"

Eine kurze Handbewegung Quetzlicotls reichte und der Mann verstummte. Nach wie vor konnte er seine Arme und Lippen bewegen, doch drang kein Wort mehr aus seinem Mund und er konnte nicht einen Fuß vor den anderen setzen.

„Sie", fauchte Giles und sprang auf. „Wie können Sie es wagen, nach all dem noch…"

„Für so etwas haben wir jetzt keine Zeit", unterbrach der kleine Aztekenwächter. „Ich bin Ihre einzige Chance, Ihre Jägerin zurückzuholen. Ich gebe Ihnen und Ihren Freunden einige Minuten, um darüber nachzudenken", sagte er vollkommen ruhig und hatte sich Sekunden später wieder in Luft aufgelöst.

 

                                                                     *********

 

Buffy war bereit für den Kampf. Es hatte einige Zeit gedauert, sich zu sammeln, doch nun war es soweit. Für einen kurzen Moment hatte sie sich draußen umgesehen. Spike war in der Mitte des großen Platzes an zwei Steinstelen gebunden und sein Kopf baumelte auf seiner Brust, was wohl bedeutete, dass er noch immer bewusstlos war. Wachen waren rundherum aufgestellt und sie alle trugen Fackeln in den Händen. Schaulustige hatten sich um das Geschehen versammelt und Buffy kniff zornig die Augen zusammen. Es würde nicht einfach werden, aber sie würde Spike nicht seinem Schicksal überlassen.

Sie wusste, es konnte nicht mehr lange dauern, bis auch Maxtla auf der Bildfläche erscheinen würde. Einen Gefangen von Spikes Aussehen konnte er sich einfach nicht entgehen lassen.

„Im Grunde auch egal", murmelte Buffy. „Ich hole ihn zurück und wir beenden diese ganze leidige Angelegenheit heute Nacht." Sie hockte im Zelt auf den Knien und kontrollierte ein letztes Mal ihre Ausrüstung. Ein Kampfmesser hatte sie an ihrem Bein befestigt und ein weiteres steckte im Schaft ihres Stiefels. Kurz testete sie die Taschenlampe und steckte sie dann in ihre Hosentasche. Ihre Armbrust wanderte zurück in den Rucksack und sie starrte auf die Machete, die vor ihr auf dem Boden lag.

„Das muss reichen", überlegte sie laut und drehte ihr Haar mit den Händen zusammen. Den so entstandenen Wulst legte sie auf ihren Kopf und setzte Spikes Cowboyhut auf, den er für seinen nächtlichen Ausflug scheinbar nicht gebraucht hatte. Dann zwängte sie sich durch den engen Zelteingang, die Machete einfach hinter sich herschleifend.

Langsam und stets auf ihre Deckung bedacht, schlich Buffy durch den Urwald. Um ihren Plan durchführen zu können, musste sie ungesehen auf die Spitze der Pyramide gelangen. Der hintere Teil des Kultbaus lag im Dunkeln, nur der Mond warf sein silbriges Licht auf die mit Unkraut bewachsenen Stufen. Lautlos kletterte sie hinauf und legte sich oben angekommen auf die Lauer. Zum ersten Mal regnete es nicht und Buffy erkannte mit Unbehagen, dass der Himmel sternenklar war. Wie lange es noch bis zum Sonnenaufgang dauern würde, wusste sie nicht genau. Aber wenn es soweit war, hatte Spike ein echtes Problem.

Neugierig beobachtete die Jägerin die Szenerie auf dem großen Platz. Die zuschauende Menge, die bisher geraunt und gestikuliert hatte, verstummte schlagartig. Und Buffy war sofort klar, dass das nur eins bedeuten konnte. Maxtla betrat, begleitet von sechs Leibwächtern, die Bildfläche. Hoch erhobenen Hauptes schritt er auf Spike zu, hob mit seiner Hand dessen Kopf an und ließ ihn wieder fallen. Laut rief er fremdartige Worte und die Menge johlte vor Begeisterung.

Was dann wohl mein Stichwort ist’, dachte Buffy. Sie wartete, bis der Lärm verebbte, zog ihre Taschenlampe hervor und schaltete sie an. Dann sprang sie wagemutig auf und rief laut: „Hey!"

Sie hatte erreicht, was sie wollte. Alle Augen ruhten auf ihr, ein seltsames Raunen ging durch die Menge und Buffy begann mutig zu singen. Es war albern, oder wäre es zumindest in Sunnydale gewesen, aber hier… niemand außer Spike verstand, was sie von sich gab und so schmetterte sie den einzigen Song, dessen Text sie komplett auswendig kannte. ‚Like a Virgin’ von Madonna. Immerhin musste sie jedes Mittel ausnutzen, zum die Menschenmenge zu verwirren und da war es fast egal, wie dämlich sie sich dabei vorkam.

Im Rhythmus ihres Gesangs schritt sie langsam die Stufen herab und leuchtete dabei mit ihrer Taschenlampe in die verängstigt blickenden Gesichter der Umherstehenden. Die letzten drei Stufen nahm sie mit einem großen Satz und blieb schließlich einige Meter entfernt von Maxtla stehen. Sie schaltete die Taschenlampe aus, verstaute sie in der Tasche und vertraute auf das Mondlicht. Mit einer weit ausholenden Geste riss sie sich den Hut vom Kopf und schüttelte ihre blonde Mähne.

Ein lautes Raunen ging durch die Menge und sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. Genau so eine Reaktion hatte sie erwartet. Die Taschenlampe war für diese Menschen schon ein Schock gewesen, ihre blonden Haare, die im Mondlicht silbern glänzten, mussten schon beinahe an Zauberei grenzen. Keiner dieser Menschen hatte vorher jemals eine solche Haarfarbe gesehen und dieses Erstaunen nutzte sie nun aus.

Buffy lächelte zuversichtlich, als sie auf den Aztekenpriester zuschritt. Es würde leichter werden als gedacht, da Maxtla, ebenso wie seine Leibgarde und die Zuschauer, sie nur mit großen Augen stumm ansahen. ‚Ich hoffe, Spike hat recht mit seiner Vermutung und er ist wirklich kein Mensch mehr’, dachte sie und schritt vorsichtig auf ihr Gegenüber zu. In nur einer einzigen fließenden Bewegung riss sie ihre Machete hoch und stieß sie dem geschockten Priester in die Eingeweide.

Buffy wurde schnell. Sie sprang über den fallenden Körper, zog ihr Kampfmesser und rannte auf Spike zu, der ihr ungläubig entgegenschaute. „Verschwinde von hier", fauchte er und ließ die Menschenmenge nicht aus den Augen.

„Nicht ohne dich", erwiderte sie heftig und durchschnitt die Fesseln an seinen Fußgelenken. Sie richtete sich auf und blickte ihm ernst in die Augen. „Ich würde dich niemals hier zurücklassen!"

Jetzt oder nie’, dachte Spike, als auch die Seile von seinen Handgelenken fielen. Er riss sie in seine Arme und bevor er noch weiter darüber nachdenken konnte, verwickelte er sie in einen stürmischen Kuss.

Buffy bremste ihn sofort. „Nicht jetzt und nicht hier", flüsterte sie lächelnd und dieses Lächeln ließ sein totes Herz einen Moment lang hüpfen. „Du hast recht", erwidert er sanft und seine Hand berührte flüchtig ihre Wange. „Unser neuer Freund kommt."

Die Jägerin wirbelte herum. Tatsächlich! Maxtla wankte auf sie zu, murmelte irre Worte und versuchte, die Machete aus seinem Leib zu ziehen.

Kein Mensch’, dachte Buffy erleichtert, als sie ihn mit einem Tritt gegen das Kinn zurückschleuderte. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie die umstehenden Menschen. Sie alle, eingeschlossen der Leibgarde, schienen unter Schock zu stehen. Anscheinend wusste niemand, was er tun sollte, aber das konnte sich schnell ändern. „Wir müssen uns beeilen", raunte sie Spike zu. „Wenn sie sich erst gefangen haben, dann habe wir ein Problem."

„Ich weiß", nickte der Vampir. „Dann bin ich der mit dem Problem." Er dachte an seinen Chip, der ihn vom Töten abhalten sollte. Aber das dumme Ding tat noch viel mehr. Es hielt ihn nicht nur davon ab, Menschen anzugreifen, er konnte sich nicht einmal verteidigen, ohne große Schmerzen zu haben. ‚Aber erschrecken kann ich sie’, dachte er böse und ließ seinen Dämon frei.

Frauen und Männer schrieen gleichermaßen, als er laut fauchend auf sie zurannte. Ein wildes Durcheinander brach über den großen Platz herein. Die meisten Menschen versuchten in den Dschungel zu fliehen, andere brachen, vom Schock übermannt, einfach an Ort und Stelle zusammen. Der Lärm war mörderisch und Spike hörte nur mit Mühe Buffys Stimme heraus.

„Mist! Was mache ich jetzt mit dem?", schrie sie und klammert sich an den Rücken des Dämons. „Er ist nicht tot zu kriegen!"

„Brich ihm das Genick", rief Spike. Er hob die Machete auf, wirbelte sie in den Händen und ging fauchend auf die Leibgarde los. Wie erhofft liefen die meisten der Männer einfach schreiend weg und er drehte sich wieder Buffy zu.

„Hab ich doch schon", schrie Buffy. „Aber er will einfach nicht umfallen."

„Dann schneid ihm sein verdammtes Herz raus!" Spike hatte genug damit zu tun, die Menschen in den Dschungel zu jagen. „Und beeil dich, bevor sie es sich anders überlegen und mit Verstärkung zurückkommen!"

Igitt’, dachte Buffy, doch sie hatte das Messer schon in der Hand. Maxtla versuchte sie abzuwehren, doch war es nach den schweren Verletzungen, die er erlitten hatte, beinahe unmöglich. Er schrie aus Leibeskräften, als Buffy das Messer in seine Brust rammte. Blut gurgelte aus seinem Mund und er verstummte erst, als die Jägerin ihr Werk beendet hatte. ‚Widerlich’, murmelte Buffy lautlos und entfernte sich gerade rechtzeitig von dem leblosen Körper weg. Flammen schlugen aus seiner Brust, dort, wo einst das Herz gesessen hatte.

Wie gebannt starrte Buffy auf den brennenden Körper und erst Spike riss sie aus ihrer Starre, „Wir müssen hier weg", schrie er und riss sie mit sich. Sie rannten durch die fliehende, schreiende Menschenmenge in den Dschungel. „Ab ins Zelt", zischte er und mit einem Hechtsprung sprang er durch den schmalen Eingang. Buffy blickte sich ein letztes Mal um, sah die nun meterhohen Flammen, die den Toten verzerrten und eilte dem Vampir hinterher.

 

                                                                          *********

 

Quetzlicotl nickte zustimmend. Er stand am Rande des großen Platzes und seufzte erleichtert. Die Jägerin hatte es tatsächlich geschafft, Maxtla war tot. Nun musste er sein Versprechen halten und sie und den Vampir zurück in ihre Zeit bringen. Der Wächter und die beiden Hexen hatten ihn erneut mit magischer Kraft unterstützt, aber er konnte sein Ende schon fühlen. Es war so, wie er es sich gedacht hatte. Er würde einfach aufhören zu existieren und musste sich nun beeilen. „Ich bringe sie zurück. An den Ort, an den die beiden nun gehören."

 

„Wo ist Buffy?", fragte Giles und in seiner Stimme klang unterdrückte Wut mit. Seine Lippen waren aufeinander gepresst und seine Augen waren zornig zusammengezogen, als er Quetzlicotl finster betrachtete. Der Aztekenwächter schien durchsichtig, als er in der Magic Box materialisierte.

„Sie und der Vampir sind wieder hier", lächelte er milde. „Sie brauchen sich deswegen keine Sorgen mehr zu machen."

„Und wo sind sie dann?", fragte Willow. Sie war ganz hibbelig und konnte es kaum abwarten, Buffy in die Arme zu schließen.

„Geben Sie den Beiden ein wenig Zeit", lächelte Quetzi. „Das haben sie sich redlich verdient."

„Das beantwortet unsere Frage nicht", schnaubte Xander ungeduldig. Sein Vertrauen in den jetzt durchsichtigen Wächter hatte stark nachgelassen und er baute sich breitbeinig vor ihm auf.

„Es geht ihnen wirklich gut", lächelte Quetzi sanft. „Aber ich gebe ihnen einen kleinen Hinweis. Sie befinden sich an einem Ort, an dem ein gelber Bauarbeiterhelm stark im Vordergrund steht." Er nickte allen Anwesenden zu und löste sich dann in Luft auf.

„Ein gelber Bauarbeiterhelm?", fragte Dawn. „Was hat das zu bedeuten?"

„Oh mein Gott", murmelte Xander perplex und sein Mund klappte auf. Er sah zu Anya, die auch begriffen hatte. „Ja", sagte sie hinterlistig lächelnd. „Das darfst du wohl dann erklären", sagte sie und nickte Xander zu. „Ich gehe jetzt die Bestellungen durch. Wir haben den Laden lange genug vernachlässigt."

Hilflos sah der Dunkelhaarige von Einem zum Anderen. „Ich denke, wir setzen uns besser hin", sagte er und schluckte schwer, als alle ihn fragend ansahen. „Die Erklärung wird dann wohl etwas kompliziert."

 

Ende