Titel: How you remind me
Autor: SilentThunder
Inhalt: William hat ein hartes Jahr hinter sich und nimmt das Angebot seines besten Freundes an, ein wenig
Ruhe und Entspannung im Ferienhaus der Familie zu suchen.
Altersfreigabe: keine
Teile: 12
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Elisabeth/William (Buffy/Spike)

 

 

Teil 1

„Nein, ehrlich! Jetzt reicht es mir langsam. Du musst damit aufhören. So geht es nicht weiter. Es scheint mir, als würdest du die Schuld alleine bei dir suchen. Doch das ist vollkommen falsch. Sieh das doch endlich ein", schimpfte Jonathan Strokes in sein Telefon. Er saß am Schreibtisch seines Büros und hatte es sich so bequem wie möglich gemacht. Den schweren, furchtbar teuren Schreibtischsessel ein Stück weit zurückgeschoben und die Füße auf der Platte des ebenso teuren Möbelstücks.

Seine Mittagspause hatte er sich anders vorgestellt. Nicht, dass es ihn störte, mit seinem wohl besten Freund zu sprechen, doch andererseits wartete eine wunderschöne junge Dame nur eine Straße weiter in einem extrem angesagten und kostspieligem Restaurant auf ihn. Erst vor einer Woche hatte er sie auf einem Empfang im Getty Center in Los Angeles kennengelernt und sie war jeden Blick wert. Dann seufzte er. Seine Gedanken an das besagte Mädchen weckten sein schlechtes Gewissen und er setzte sich auf.

William hatte Probleme. Und das zum ersten Mal, seitdem sie sich kannten. Da war es ja wohl mehr als Recht, dass er ihm seine gesamte Aufmerksamkeit schenkte. Immerhin hatte er ihm schon so oft die Ohren voll gejammert und das wegen allem möglichen Firlefanz. Jonathan seufzte lautlos, bat still um Abbitte und konzentrierte sich wieder auf den Mann am anderen Ende der Leitung.

„Hör zu, Kumpel", sagte er bestimmt. „Ich weiß, du hast eine verdammt harte Zeit hinter dir. Aber so langsam müsste es aufwärts gehen. Ich kann dich verstehen, sogar all die Gedanken, die dir gerade jetzt durch den Kopf spuken. Doch selbst das gesamte Verständnis aller Menschen dieser Erde kann dir nicht weiterhelfen. Nur du alleine kannst das!"

„Das weiß ich selbst", erwiderte der Mann am anderen Ende genervt. „Und wie du sicherlich bemerkt hast, setze ich alles daran, ein gewisses Maß an Normalität wiederherzustellen. Mein ganzes Haus lasse ich auf den Kopf stellen, meide alles, was mich zusätzlich erinnert…. Nur ist das nicht ganz so einfach, wie man vielleicht denkt. Mein Haus ist ein Irrenhaus und…"

„Aber genau davon rede ich doch", unterbrach Jonathan und sprang auf. Am liebsten hätte er seinen Gesprächspartner an den Schultern gepackt und kräftig durchgeschüttelt. Freund hin oder her! Es war nicht so, als könnte er nicht nachfühlen, nicht verstehen, aber die Sache war vorbei. Erledigt. Beendet! „William", versuchte er es erneut. „Du hast einen Abgabetermin. Eine Frist, die du einhalten musst! Du musst dich zurückziehen, zur Ruhe kommen und dann ganz neu durchstarten. Und glaub mir, ich weiß den perfekten Ort dafür!"

„Und wo soll dieser tolle Ort sein?", fragte William Grey seinen Agenten und Freund abfällig. Er verdrehte die Augen und seufzte. „Spuck es schon aus!" Und dann hörte er fassungslos zu und seine Gesichtsmimik entgleiste. „Das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte er tonlos und schluckte schwer. „Schweden? Im Winter? Das kannst du nicht wirklich in Erwägung ziehen! Ich bin kein Wintersportler, verdammt!"

„Genau deswegen ist es der perfekte Ort für dich", erklärte John ruhig. Er setzte sich wieder auf seinen Platz und lehnte sich erneut zurück. „Du weißt, meine Mom ist dort geboren und das Haus gehörte schon ihren Großeltern. Es ist wunderschön dort, das Haus selbst ist renoviert und bietet jeden erdenklichen Komfort, auch wenn es natürlich nicht mit deinem zu vergleichen ist. Die Gegend ist herrlich und weit und breit gibt es nichts, was dich ablenken könnte." Er lachte leise. „Als Jugendlicher habe ich es gehasst, dorthin zu fahren. Und rate mal, aus welchem Grund?", fragte er, wartete aber die Antwort gar nicht ab. „Weil es dort so ruhig und abgeschieden ist, dass man glauben könnte, Hase und Igel sagen sich „Gute Nacht"! Bis in den nächsten größeren Ort sind es zehn Minuten mit dem Auto und da die Gegend auch keine Touristenhochburg ist…"

„Jonathan", unterbrach William, nachdem er seine Stimme wieder gefunden hatte. „Das ist eine der dümmsten Ideen, die du jemals hattest! Ausgerechnet Schweden! Wenn du meinst, mir würde eine Abwechslung gut tun, dann packe ich meine sieben Sachen und ziehe in ein verdammtes Hotel, mit Zimmerservice, Restaurant, Pool und was weiß ich nicht noch alles!"

Jonathan grunzte. „Hör zu, Kumpel", schimpfte er und ordnete seine Kugelschreiber neu. „Du hast vielleicht den nötigen Zaster, um dich für Jahre in irgendein Nobelhotel einzuquartieren…. Aber du vergisst etwas ganz Bedeutendes! Nämlich absolute Ruhe! In einem Hotel ist es niemals ruhig und in deinem Haus schon gar nicht. Du lässt alles neu machen, um … endlich mit der Vergangenheit abzuschließen. Was wäre also besser, sich ganz von dort zu verabschieden und erst zurückzukommen, wenn alles erledigt ist?" Er stockte einen Augenblick. „Ich würde mich auch um alles kümmern. Ich würde jeden Tag vorbeischauen und nach dem Rechten sehen, die Rechnungen für dich bezahlen und den Arbeitern in den Hintern treten, wenn es nicht so läuft, wie es soll." Wieder machte er eine Pause und seine Stimme wurde um eine Nuance sanfter. „William, du musst da raus. Es wird Zeit, dass du loslässt! Das Problem ist nicht nur dein Zuhause, Kumpel, sondern auch dein Kopf, den du dringend einmal aufräumen musst. Möglicherweise hilft dir die Abgeschiedenheit, dich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Vielleicht auch nicht. Aber du solltest es zumindest versuchen!"

 

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So kam es, dass William Grey eine Woche später seine Koffer packte und sich von einem Taxi zum Flughafen bringen ließ. Wirklich glücklich war er noch immer nicht mit seiner Entscheidung, diese Reise anzutreten, doch er hatte lange das Für und Wider abgewogen und schlussendlich hatte er eingesehen, dass sein Freund Recht hatte. Jedenfalls größtenteils.

Sein Haus in Santa Monica wurde von Grund auf renoviert und modernisiert und es gab keinen Raum, in dem nicht irgendwelche Handwerker herumwuselten. Abgesehen vielleicht von der Wäschekammer. Aber Ruhe zum Arbeiten und Schreiben fand er dort nicht. Nicht einmal auf der Terrasse, die sonst einen so herrlichen, ruhigen Blick über den Ozean bot, nun aber als Lagerstätte für Werkzeuge und Materialien genutzt wurde.

Außerdem hatte Jonathan natürlich Recht, wenn er behauptete, William müsse endlich zu sich selbst zurückfinden. Doch all diese Überlegungen waren nicht ausschlaggebend gewesen. Entschieden hatte er sich erst, nachdem ihm wieder und wieder Jonathans letzter Satz durch den Kopf geschwirrt war.

„Wenn es dir nicht gefällt, dann kommst du eben wieder nach Hause!"

William bezahlte den Taxifahrer, der gerade seine Koffer auf einen Gepäckwagen wuchtete, und schob das Wägelchen ins Innere des Flughafengebäudes, das schon festlich geschmückt war und in dem es schon nach Weihnachten duftete. Doch das so genannte Fest der Liebe interessierte ihn wenig und so hielt er sich nicht lange damit auf, die Dekoration zu betrachten, und steuerte direkt die Abfertigung an.

Zwanzig Minuten später machte er es sich in der Ersten Klasse bequem und überlegte wieder einmal, warum er sich das antat. „Schweden", murmelte er leise vor sich hin. „Hätte es nicht auch Florida getan? Oder Hawaii?" Surfen konnte er, das Schwimmen liebte er, genau wie warme Temperaturen und Sonnenschein. Nicht ohne Grund hatte er sich in Santa Monica niedergelassen. Es war weitaus ruhiger dort als in Los Angeles, doch nicht weniger schön.

Er brummte leise vor sich hin, dann zuckte er mit den Schultern. Womöglich sorgte die räumliche Distanz auch für die nötige Distanz in seinem Kopf. Dann hatte er es satt, darüber nachzudenken. Immerhin saß er schon im Flieger und so schloss er die Augen und konzentrierte sich auf sein größtes Problem. Das neue Buch, dessen Inhalt in seinem Kopf steckte, den er jedoch nicht zu Papier bringen konnte.

William Grey war Autor historischer Kriminalromane. Ihm war es nicht nur gelungen, all seine drei Bücher in die Bestsellerlisten zu katapultieren, sondern ihm wurde auch ein enormes Wissen über diese Zeit nachgesagt. Er war eine Koryphäe, wenn es um Details ging, und aufgrund seines fundierten Wissens hatte man ihn gebeten, an der Universität Kurse zu unterrichten, die gewöhnlich so gut besucht waren, dass sie selbst die größten Hörsäle sprengten.

Doch all dieses Wissen und die ganze Lobhudelei um seine Person konnten ihm im Augenblick nicht helfen. Er steckte metertief in einer Krise, in einer Schreibblockade, die sich nicht lösen wollte, egal wie sehr er es auch versuchte. Jonathans Aussage nach war das nach all den Geschehnissen auch kein Wunder, allerdings meinte er auch, er, William, müsse sich alleine aus diesem Sumpf ziehen.

„Als wenn ich das nicht wüsste", murmelte er sauertöpfisch und wurde auch prompt von einer sehr zuvorkommenden Stewardess angesprochen.

„Wie bitte, Sir?", fragte sie und beugte sich zu ihm herab. Sie lächelte und ihre blauen Augen blitzten. „Kann ich etwas für Sie tun? Ein extra Kissen vielleicht, oder eine Decke? Getränke darf ich leider erst servieren, wenn wir in der Luft sind. Aber wie wäre es mit etwas zu Lesen? Magazine, Zeitschriften oder Zeitungen?"

Sie flirtete ganz offensichtlich mit ihm, doch William konnte sich nicht einmal ein Lächeln abringen und bevor sie noch weiter in ihn dringen konnte, orderte er schnell Kissen und Decke.

Er hatte extra einen Nachtflug gebucht, in der Hoffnung, die endlos langen Stunden des Fluges durch Schlafen schneller hinter sich zu bringen. Fliegen an sich machte ihm nichts aus, schlimm waren nur diese unendlichen Stunden, die einfach kein Ende nehmen wollten. ‚Verlorene Zeit’, dachte er und musste sich beherrschen, nicht laut loszulachen. Auf ein paar Stunden mehr oder weniger kam es eigentlich nicht mehr an. Schon seit Monaten hatte er nichts Sinnvolles mehr mit seiner Zeit angefangen. Warum also jetzt?

 

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Der Motor des Leihwagens kam keuchend zum Stehen und William schaute aus der Frontscheibe des Autos hinauf zu dem wahrhaft schönen roten Holzhaus, das ihm sein Freund so liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt hatte. Es versprühte einen unglaublichen Charme und in den Sommermonaten musste sein Anblick atemberaubend sein. Jetzt, in der Dunkelheit und all dem Schnee war es noch immer hübsch, doch es wirkte kalt und verlassen.

„Weil es verlassen ist", brummte William und schüttelte den Kopf. Er zog den Zündschlüssel ab, stieg aus und verabscheute die Kälte sofort, die ihn eisern umschloss und schaudern ließ. Für einen Moment überlegte er, schnell wieder in den warmen Leihwagen zu springen, zurück in die nächstgrößere Stadt zu fahren und sich dort ein gemütliches Hotelzimmer zu nehmen. Dann schalt er sich selbst einen Dummkopf und öffnete schnell den Kofferraum, um sein Gepäck auszuladen.

„Jedenfalls versuchen kannst du es", schimpfte er mit sich selbst und wuchtete den schweren Koffer hoch. Reisetasche und sein Laptop nahm er in die andere Hand und stapfte schwer bepackt durch den hohen Schnee auf die Haustür zu. Dort angekommen drehte er sich ein letztes Mal zu seinem Leihwagen um und seine Augenbrauen schossen in die Höhe.

Auf dem Dach des Autos lag bereits jetzt eine zehn Zentimeter dicke Schneeschicht und er fragte sich, ob er ihn morgen bei Tageslicht überhaupt ohne Metalldetektor wieder finden würde. Es stürmte und schneite, seitdem er schwedischen Boden betreten hatte und wenn das so weiterging, würde er sicherlich früher oder später eingeschneit in diesem Haus festsitzen.

Doch er konnte ja nicht immer nur Pech haben und überhaupt machte es wenig Sinn, jetzt noch darüber nachzugrübeln. Er sollte sich lieber wieder auf seine Arbeit konzentrieren und endlich versuchen, sein neues Buch fertig zu stellen. Doch er war zu müde, um sich jetzt damit zu befassen. Er öffnete die Tür mit dem Schlüssel, den ihm John beinahe feierlich in die Hand gedrückt hatte und war gerade im Begriff den Koffer abzustellen, um nach dem Lichtschalter zu suchen, als die Lampen im Inneren des Hauses aufflammten und eine junge blonde Frau, nur spärlich bekleidet und mit wirren Haaren, die Treppe hinabstürmte und einen Baseballschläger dabei schwang.

 

Teil 2

Wie erstarrt stand William Grey im Flur des Schwedenhauses und starrte wie gebannt auf die junge Frau, die auf ihn zustürmte. Er fühlte sich, als wäre er in einem falschen Film gefangen und war für einen Moment vollkommen perplex. Das konnte doch nicht wirklich sein! Warum und wieso…?

Doch dann schreckte er aus seiner Starre und die Wirklichkeit traf ihn hart am Oberarm. In Form eines hart geschwungenen Baseballschlägers! „Gott, verfluchte Scheiße", schrie er und riss die Hände hoch, um seinen Kopf zu schützen. „Was soll denn das?"

„Das ist eine gute Frage…!"

William sah vorsichtig auf, blickte in zornig funkelnde grüne Augen der nicht allzu großgewachsenen jungen Frau und war schon dankbar dafür, dass ihm nicht der Kopf gespalten wurde. Allerdings wirkte die junge Dame keineswegs unentschlossen und er wusste, ein falsches Wort würde ausreichen, und sie würde sofort wieder ausholen. „Was wollen Sie überhaupt hier?", schnauzte er sie von plötzlicher Wut erfasst an. Es war die wahrscheinlich schlechteste Art, sich zu Wort zu melden, doch der Ärger in ihm wuchs beständig und er funkelte sein Gegenüber wütend an. „Verfluchte Hölle!"

„Schon wieder eine gute Frage", knurrte sie und hob den Schläger. „Und ich glaube, Sie fangen besser an, die meinen zu beantworten!"

„Mein Name ist William Grey und mein Freund Jonathan…"

„William Grey?", fragte sie und der Schläger sank. Ihre Augebrauen fuhren in die Höhe und sie schluckte schwer. „Der William Grey?"

„Wenn ich wüsste, wen zum Teufel Sie meinen, könnte ich die passende Antwort geben", brummte er und ließ die Arme sinken. Offenbar war die junge Frau nicht mehr ganz so scharf darauf, ihn windelweich zu schlagen und so atmete er tief ein. „Verdammt", zischte er leise und hielt sich seinen Arm. „Wer zum Teufel sind Sie?"

Doch sie ging gar nicht darauf ein, sondern starrte ihn einen Moment sprachlos an. Dann erkannte sie ihn, was unter der dicken Mütze gar nicht so einfach war, und seufzte erleichtert auf. „Meine Güte", sagte die junge Frau, legte den Schläger beiseite und lächelte. „Sie haben mir vielleicht einen Schrecken eingejagt!"

„Ich habe Ihnen einen Schrecken…", er fuhr hoch und fuchtelte mit dem nicht schmerzenden Arm herum. „Sie haben mir einen … Verflucht, ich hätte einen Herzinfarkt …"

„Dafür sind Sie viel zu jung und viel zu gut durchtrainiert", unterbrach sie ihn lächelnd. Doch da er sie noch immer wütend ansah, schluckte sie und nickte. „Es tut mir aufrichtig leid. Hätte ich gewusst, dass Sie…"

Doch auch diese Aussage wischte er mit einer fahrigen Handbewegung beiseite. „Vielleicht wäre es an der Zeit, mich endlich aufzuklären. Wer sind Sie und was machen Sie hier?"

„Ich bin Elisabeth", sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen. „Elisabeth Summers, Jonathans Schwester. Halbschwester", verbesserte sie sich schnell. „Und ich habe nicht gewusst, dass er Ihnen das Haus überlassen hat."

 

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Das Gluckern der Kaffeemaschine und der Wind, der Schneeflocken an die Fensterscheibe wehte, war alles, was William Grey hörte. Elisabeth hatte ihn nach der stürmischen Begrüßung in die Küche geführt und sich dann entschuldigt, weil sie mit ihrem Bruder telefonieren wollte. Doch das störte ihn nicht weiter. So hatte er jedenfalls die Zeit, sich alles in Erinnerung zu rufen, was ihm jemals über Elisabeth erzählt worden war und er musste feststellen, dass dies nicht sonderlich viel war. Er wusste nur, dass sie um ein paar Jahre jünger als ihr Halbbruder war und gerade in irgendein College an der Ostküste entschwunden war, als er ihn kennen lernte.

Seltsamerweise musste er jetzt über ihren Auftritt schmunzeln, auch wenn sein Arm noch immer schmerzte und er gewiss einen dicken blauen Fleck davontragen würde. Die meisten Frauen, die glaubten, jemand würde in ihr Haus eindringen, würden sich wohl eher verstecken oder nur zögernd nachsehen, was sich abspielte. Elisabeth hingegen war wutentbrannt die Treppe hinabgestürmt und wahrscheinlich konnte er sich glücklich schätzen, dass sie ihm nicht gleich den Kopf eingeschlagen hatte.

William lächelte und es fühlte sich seltsam an. Nach all den vergangenen, recht tristen Monaten glaubte er schon, nie wieder lächeln zu können. Doch momentan fühlte er sich sogar recht wohl, wie er verwirrt feststellte. Er saß in einem unbekannten Haus, in einem unbekannten Land und eine junge Frau, die er ebenfalls nicht kannte, hatte ihn fast zu Tode erschreckt. Doch bevor er weiter über diese absurde Situation nachdenken konnte, kam Elisabeth gähnend zurück in die Küche.

Sie hatte sich einen grauen Trainingsanzug übergezogen und wie er lächelnd bemerkte, auch die Haare gekämmt, die ihr nun in sanften, goldenen Wellen bis auf den Rücken fielen. „John war doch etwas überrascht, ausgerechnet mich am Telefon zu haben", meinte sie leichthin und goss Kaffee in zwei Tassen. „Er hat wohl die Nummer auf dem Display abgelesen und mich gleich mit William angesprochen. Ich glaube gehört zu haben, dass er von seinem Sessel gefallen ist, als er bemerkte, dass er mich an der Strippe hat."

William fiel in ihr Lachen ein, nickte dann und seine klammen Finger umschlossen die warme Kaffeetasse. „Er wusste also nicht, dass Sie hier sind?"

„Mir wäre es recht, wir würden die Förmlichkeiten beiseite lassen", sagte sie und lächelte, als er nickte. Dann sprach sie schnell weiter. „Jonathan hatte keine Ahnung. Es war eine spontane Idee von mir. Ich bin erst vor ein paar Wochen zurück nach L.A. gezogen und meine neue Stelle in der familieneigenen Agentur trete ich erst im Januar an. Ich hatte alle Zeit der Welt und dachte, warum nicht!"

„Verstehe", nickte er und trank einen Schluck der heißen Flüssigkeit. „Ich werde dann gleich das Feld räumen und mir ein Hotelzimmer in der Stadt nehmen."

„Nein, nein", sagte Elisabeth schnell und setzte sich zu ihm an den Tisch. „Mein Rückflug ist bereits gebucht. In zwei Tagen geht es los und dieses Haus ist groß genug. Vorausgesetzt natürlich, ich störe nicht. Aber tagsüber bin ich meist unterwegs und auch sonst… hier gibt es so viele Zimmer, dass man Verstecken spielen könnte." Sie sah ihn über den Tisch hinweg an. „John sagte, du bräuchtest dringend ein wenig Ruhe, nach all dem…"

„… Theater um meine Person", unterbrach er sie und schlagartig war seine schlechte Laune wieder da.

„Ich habe natürlich davon gehört", sagte sie leise und zuckte mit den Schultern.

„Wer nicht?", erwiderte er heftig. Dann atmete er tief ein. „Entschuldigung. Es ist nicht…"

„Schon okay!", beeilte sich Elisabeth zu sagen. „Ich hätte auch keine Lust, mit jedem … Hans und Franz darüber zu sprechen. Nun, wie ich schon sagte. Wir können uns hier komplett aus dem Weg gehen. Ich muss es nur vorher wissen, dann mache ich mich so unsichtbar wie nur eben möglich."

„Das wird nicht nötig sein", sagte William und beschäftigte sich eingehend mit seiner Kaffeetasse. Warum nur konnte Vergangenes nicht wirklich Vergangenes sein? Warum kehrte es immer wie ein Bumerang zurück? Würde ihn das jetzt bis ans Ende aller Tage begleiten? Und würde es immer so schmerzhaft bleiben?

Eine lange Zeit sprachen beide kein Wort, doch Elisabeth gähnte schließlich herzhaft und schob ihre Tasse in die Mitte des Tisches. „Trink deinen Kaffee aus", sagte sie und lächelte müde. „Dann werde ich dir dein Zimmer zeigen. Du bist bestimmt todmüde nach der lange Reise."

 

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Das Zimmer, in das Elisabeth ihn einquartiert hatte, war großzügig geschnitten und gemütlich eingerichtet. Mit all den Blumen an den Wänden und auf den Bettbezügen traf es nicht unbedingt seinen Geschmack, der eher schlicht und geradlinig war, doch es wirkte warm und behaglich und mehr konnte er kaum erwarten. Ein großes Doppelbett stand darin, eine Kommode und ein Tisch mit zwei Stühlen. Zudem ein Einbauschrank, der die gesamte Länge des Raumes einnahm und die Bekleidung einer vierköpfigen Familie aufnehmen konnte.

Für einen Moment überlegte William seine Taschen auszupacken, doch dann entschied er sich anders. Jetzt, in der Ruhe dieses Zimmers, bemerkte er erst, wie müde und erschöpft er wirklich war und so streifte er nur schnell Hose und Schuhe ab und krabbelte in das einladende Bett. Es war kuschelig weich, hüllte ihn ein wie eine samtene Wolke und kaum hatte er die Decke bis ans Kinn hinaufgezogen, schlummerte er auch schon tief und fest.

Erst kurz vor Mittag erwachte er wieder und wie nicht anders zu erwarten war, mit einiger Verwirrung. Doch die legte sich schnell wieder. Er sprang auf und der erste Blick galt dem verschneiten Fenster. Er musste einfach hinaussehen. Zum einen, um sich zumindest ein bisschen zu orientieren und zum anderen, so dachte er, wenn er einen Blick auf die Vorderseite des Hauses hatte, konnte er nachsehen, ob sein Leihwagen überhaupt noch zu erkennen war.

Doch der Blick aus dem Fenster bot einen grandiosen Blick auf die Landschaft hinter dem Haus. Bewaldete Hügel reichten rechts bis an den Horizont und auf der linken Seite war ein jetzt zugefrorener Fluss zu erkennen, außerdem eine weiche weiße Weite, die unendlich schien. Weit und breit war kein anderes Haus auszumachen und er gab John im Stillen Recht. Hier konnte man absolute Ruhe finden. Blieb nur die Frage, ob er mit eben dieser Ruhe umgehen konnte?

Gerade wollte er den Blick abwenden, als er einen Elch erblickte, der sich aus dem Dickicht des Unterholzes schob. Das gewaltige Tier steckte fast bis zu den Flanken im Tiefschnee und bewegte sich nur sehr langsam vorwärts.

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„Wahnsinn", murmelte er leise und konnte den Blick nicht abwenden. Er war ein Stadtkind, durch und durch. In London geboren und aufgewachsen, hatte es ihn als jungen Mann nach Los Angeles verschlagen und später war er in Santa Monica sesshaft geworden. Er kannte Ratten und das höchste der Gefühle war ein Kojote gewesen, der sich während der heißen Sommermonate zu nah an die Stadt heran getraut hatte. Nie zuvor war er der Natur so nah gewesen.

Dann klopfte es an der Tür und er fuhr herum. Gerade im Begriff „Herein" zu rufen, erinnerte er sich daran, wie wenig er trug und so sprang er schnell zurück ins Bett und riss die Decke an sich. Er hatte Elisabeth zwar gestern in einer ebensolchen Aufmachung gesehen, doch das musste er nicht unbedingt wiederholen.

„Guten Morgen", sagte Elisabeth munter und schob sich nach seiner Aufforderung in das Zimmer. „Oder besser gesagt Mittag." Sie lächelte, blieb aber an der Tür stehen. „Ich wollte nur nachsehen, ob alles in Ordnung ist."

„Mir geht es prächtig", sagte er und musste feststellen, dass er nichts als die Wahrheit sagte. Seit Ewigkeiten hatte er nicht mehr so gut geschlafen und seit ebenso langer Zeit fühlte er sich beim Aufwachen nicht wie gerädert.

„Das ist gut", lächelte Elisabeth wieder. „Nun ja, jedenfalls habe ich gedacht, es wäre an der Zeit, dich zu wecken. Du hast doch bestimmt Hunger. Ich habe gekocht", sie zuckte mit den Schultern. „Nichts Besonderes, oder so, aber…"

„Danke schön", sagte er schnell. „Ich bin tatsächlich hungrig. So gut wie das Essen im Flugzeug auch sein mag. Es schmeckt immer nach Plastik und irgendwie künstlich." Er schauderte, als er an seine Mahlzeit dachte, die ihm die nette Stewardess gebracht hatte, bevor er vergeblich versucht hatte zu schlafen.

„Also gut", nickte Elisabeth und schob sich durch die Tür. „Es gibt noch einiges, was ich dir zeigen und erklären sollte, bevor ich dich hier alleine lasse." Sie lachte leise. „Außerdem kann ich dich nicht ohne eine Wegbeschreibung zur nächsten Kneipe zurücklassen." Sie zwinkerte ihm zu und verschwand.

Lachend krabbelte William ein zweites Mal aus dem warmen, flauschigen Bett. Elisabeth schien eine ausgesprochen aufgeschlossene Persönlichkeit ihr Eigen zu nennen. Doch was sollte er auch anderes erwarten? Immerhin war Jonathan genauso, auch wenn sie nur Halbgeschwister waren.

Von seinem Freund wusste er, dass dessen Mutter gestorben war, als er gerade einmal drei Jahre alt gewesen war und sein Vater hatte nach einem Jahr wieder geheiratet. Elisabeths Mutter hatte Jonathan wie ein eigenes Kind aufgezogen und das machte sich hier bemerkbar. Jonathan spielte stets mit offenen Karten, war geradlinig und ehrlich und log nur, wenn der Takt es ihm gebot. Und eben das waren Eigenschaften, die William bei seinem Freund so schätzte und die auch offenbar Elisabeth zu Erb und Eigen waren.

Er schnappte sich saubere Sachen aus seiner Reisetasche und suchte das Badezimmer, das modern und hell eingerichtet war. Er drehte das Wasser an der Dusche auf und erschrak fast, als er sich im Spiegel sah. Er hatte ein Lächeln auf den Lippen und hatte es nicht einmal bemerkt.

 

Teil 3

Das Mittagessen, das Elisabeth ihm großzügigerweise angedeihen ließ, war das Beste, was er seit Monaten zu sich genommen hatte. Es bestand aus Backofenkartoffeln, einem saftigem Steak und gemischtem Salat. Für einen Durchschnittsmenschen vielleicht ein eher schlichtes Mahl, für ihn, der sämtliche Bringdienste in der Kurzwahl gespeichert hatte, etwas Außergewöhnliches.

William legte nicht viel Wert auf regelmäßige Mahlzeiten. Für ihn war Essen etwas, das man durchaus im Stehen erledigen konnte. Zudem war es praktisch, sich etwas beim Italiener, Thailänder oder Chinesen zu bestellen. Zum einen schmeckte es gewöhnlich ausgezeichnet, zum anderen, ein positiver Aspekt, der gerne unterschätzt wurde, konnte man sämtliche Überbleibsel gedankenlos dem Mülleimer überantworten. Die Küche war und blieb sauber und für William gab es kaum etwas Schlimmeres, als Bratfett aus irgendeiner verkrusteten Pfanne zu kratzen.

Als er seine Meinung jedoch Elisabeth gegenüber verlauten ließ, starrte diese ihn ungläubig an. „Ich esse viel lieber in Gesellschaft", erklärte sie. „Meiner Meinung nach schmeckt es sogar besser, wenn man sich dabei angeregt unterhalten kann und Spaß hat. Danach macht einem sogar der größte Abwasch nichts aus."

William hörte ihr jedoch kaum mehr zu, nickte nur hin und wieder in den richtigen Momenten, wie er hoffte, doch seine Laune verschlechterte sich mit jeder Sekunde und seine Gedanken gingen auf Wanderschaft.

Die letzten Monate hatten ihn misstrauisch werden lassen und er überlegte, warum die junge Frau, die ihm so entspannt gegenübersaß, so nett, hilfsbereit und freundlich war. Warum kochte sie für ihn? Warum lächelte sie unentwegt? Sie hatte sogar seinen Leihwagen ausgegraben, was eine Menge Arbeit gewesen sein musste, und ihn in die Garage gefahren, die er bisher nicht einmal zu Gesicht bekommen hatte. Was erwartete sie dafür? Was erwartete sie von ihm?

Dann stutzte er. War sie überhaupt Jonathan Strokes Schwester? Sie hatte mit ihm gesprochen, jedenfalls ihrer eigenen Aussage nach, er hingegen nicht. Noch nicht. Jede junge Frau im passenden Alter hätte ihm vorgaukeln können, die Schwester seines besten Freundes zu sein. Doch aus welchem Grund sollte sie? William wusste es nicht und schalt sich einen Dummkopf. Mittlerweile sah er überall Betrug und Verrat und die Paranoia schien ihn fest im Griff zu haben.

Doch ein gebranntes Kind scheute bekanntlich das Feuer. Was sollte sie davon haben, ihn an der Nase herumzuführen? Aber immerhin ließ sich ihre Geschichte recht einfach überprüfen. Er brauchte nur das Telefon nehmen und die Nummer seines besten Freundes wählen.

„Alles in Ordnung?", erkundigte sich Elisabeth und ihr Gegenüber zuckte merklich zusammen.

„Alles bestens", murmelte er, doch dann brach es aus ihm heraus. „Warum tust du das alles?", fragte er und konnte sein Misstrauen nicht verbergen. „Das Mittagessen, das Auto, deine … Freundlichkeit? Obwohl wir uns gar nicht kennen!"

„Freundlich bin ich immer", erwiderte sie mit gerunzelter Stirn. Sie wunderte sich über seine plötzliche Veränderung, sagte jedoch nichts dazu. „Jedenfalls solange mich niemand ärgert. Und das Essen… Naja, da meldet sich mein schlechtes Gewissen", meinte sie und verzog das Gesicht.

„Schlechtes Gewissen?", wiederholte William komplett verdutzt. „Wieso…"

„Der Baseballschläger letzte Nacht", erinnerte sie ihn und zuckte mit den Schultern. „Ich hätte dich ernstlich verletzen können. Wahrscheinlich hast du ohnehin schon einen dicken blauen Fleck deswegen. Ich hab mehrfach gesehen, dass du den Arm festhältst, wenn du etwas heben willst." Sie seufzte leise und sah ihn an. „Außerdem hat John mir deswegen die Hölle heiß gemacht", gestand sie und schob ihren Teller von sich. „Wie ich dich schlagen könnte? … ausgerechnet auf den Arm! … ob ich denn nicht wüsste, dass man zum Schreiben beide Arme braucht? … und wie du bitte mit einem lädierten Arm arbeiten sollst? Und, und, und!"

William lächelte einigermaßen beruhigt. Das alles klang wahrlich nach seinem Freund, der immer etwas übertrieb und auf die Spitze jagte. „Mach dir deswegen keine Gedanken", sagte er deswegen. „So schlimm ist es nicht." Dann grinste er. „Ich fand es eigentlich recht mutig, wie du auf mich, den vermeintlichen Einbrecher, zugestürmt bist. Und da ich heute sowieso mit John sprechen muss, kann ich ihm auch sagen, er soll dich deshalb nicht mehr ausschimpfen. Immerhin wusstest du nichts von meiner Ankunft."

William lächelte Elisabeth über den Tisch hinweg an, doch seine Gedanken arbeiteten weiter. ‚Außerdem kann ich ihn dann fragen, ob du wirklich die bist, die du vorgibst!’, überlegte er, sprach es jedoch natürlich nicht aus.


Elisabeth würde ihn für einen armen Irren halten, sollte sie je erfahren, wie groß seine Sorge war, schon wieder betrogen zu werden. Wenn sie ihn nicht ohnehin schon für komplett durchgeknallt hielt! Zwar hatten die Medien wochenlang nur über das Geschehene berichtet und auch, wenn er sich langsam daran gewöhnt hatte, so war es doch kein Zuckerschlecken, immer und überall daran erinnert zu werden. Er brauchte bloß an diese Sonderberichterstattung denken, die im Abendprogramm gelaufen war und es schüttelte ihn sofort.

Doch dann bremste er sich. ‚Nein!’, dachte er und aß still seinen Salat auf. ‚Ich wollte damit abschließen und nicht noch einmal den ganzen Mist durchkauen!’ Lange genug hatte er sich deswegen gequält und es war müßig, wieder und wieder in den offenen Wunden herumzustochern. Er sollte lieber seine Chance nutzen und neu beginnen.

 

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Eine Stunde später fühlte sich William bedeutend wohler. Er hatte lange, sehr lange mit Jonathan gesprochen, der ihn lustigerweise mit „hey, Buffy" angesprochen hatte.

„Du solltest dich nicht immer so sehr auf das Display an deinem Telefon verlassen", hatte William gelacht. „Und warum Buffy? Ich dachte, deine Schwester heißt Elisabeth."

Und John hatte ihm erklärt, dass ihr dieser Spitzname schon seit frühester Kindheit nacheilte, sie aber für gewöhnlich nur von der Familie und guten Freunden so genannt wurde.

Auf Williams Frage, woher der Name kam, wusste er nicht viel zu sagen. „Das weiß ich beim besten Willen nicht", hatte John gesagt und William hatte ihn sich vorstellen können, wie er am Schreibtisch saß, mit gerunzelter Stirn und grübelndem Gesichtsausdruck. „Nicht alle heißen Spike und haben dann auch noch die passende Erklärung dafür", hatte er schlussendlich gemeint und beide hatten gelacht.

 

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William lehnte sich auf dem Sofa zurück und starrte in das prasselnde Feuer im Natursteinkamin. Kälte hatte etwas für sich. Jedenfalls dann, wenn man sie mit etwas so Behaglichem ausgleichen konnte. Die Flammen wärmten nicht nur äußerlich. Sie erinnerten ihn an seine Kindheit und sorgten dafür, dass er sich einigermaßen gut behütet fühlte.

Seltsamerweise hatte sich bei ihm nach dem Gespräch mit John gleich wieder dieses seltsame Wohlgefühl eingestellt. Vielleicht war es auch nur der Hauch von Normalität, der ihn streifte, doch das war im Grunde unwichtig. Solange es ihn dorthin zurückbrachte, wo er seiner Meinung nach hingehörte.

Der Monitor seines Laptops leuchtete auf, kaum dass er ihn aufklappte und für einen Moment starrte er auf den Ordner, der sein neues Buch enthielt. Oder besser gesagt das grobe Manuskript dafür, denn mehr war es noch nicht. Außerdem hatte er in dem Ordner alles gesammelt, was er für seinen neuen Roman benötigte. Dateien über die Architektur des 19. Jahrhunderts, Stadtpläne, Grundrisse, Fakten über alles Mögliche und alles, was er sonst noch brauchte.

Recherchieren machte keinen großen Spaß und immer aufs Neue schon gar nicht. Deswegen speicherte er alles schon vorher ab und suchte dann nur raus, was er gerade benötigte.

Für einen Augenblick überlegte er, das Debakel mit einem Mausklick zu beenden, doch er brachte es nicht übers Herz. Unendlich viele Stunden an Mühe und Arbeit steckten in dem Manuskript und wer wusste schon, ob seine Schreibblockade nicht doch bald ein Ende hatte? Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt und noch war er nicht bereit, aufzugeben und die Waffen zu strecken.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und er sah auf. „Oh, du arbeitest", sagte Elisabeth und hob kurz die Hand. „Ich wollte nicht stören und verschwinde wieder."

„Ich arbeite nicht", sagte William und hörte verstört, dass seine Stimme eisig klang. Er räusperte sich und setzte ein Lächeln auf. „Ich würde ja gerne, doch das Einzige, was ich mache, ist, auf den Monitor zu starren."

Elisabeth schob sich ganz ins Wohnzimmer. „John hat mir erzählt, du hättest Schwierigkeiten dich zu konzentrieren." Sie lehnte sich an die Tür und sah ihn aufmerksam an. „Er meinte, du steckst in einer Krise."

„Allerdings", lachte er auf. „Alles, was ich seit Monaten schreibe, ist Mist! Wenn ich denn überhaupt was schreibe. Meist lösche ich es, kaum, dass ich es ein weiteres Mal gelesen habe."

„Warum?", erkundigte sie sich leise. „Und ich meine nicht das Löschen. Warum steckst du in einer Krise? Was blockiert dich?"

Fassungslos starrte er sie an und nur mit Mühe gelang es ihm, seinen aufkeimenden Zorn zu unterdrücken. „Du weißt doch Bescheid", hätte er sie am liebsten angeschrieen. „Du weißt, was mir passiert ist! John hat dir bestimmt alles brühwarm erzählt! Die ganze Welt scheint doch von nichts anderem mehr zu sprechen!"

Doch er beherrschte sich. Es war nicht fair, seinen gesammelten Groll auf sie abzuwälzen und er atmete tief ein. „Weil alles um mich herum dunkel ist", sagte er leise. „Egal was ich anstelle, egal was ich versuche… ich lande immer und immer wieder in tiefster Dunkelheit!"

„Verstehe", nickte Elisabeth ernst, doch dann lächelte sie. „Warum nutzt du diese Dunkelheit nicht?" Und weil er sie verwirrt anblickte, sprach sie schnell weiter. „Ich kenne deine Bücher. Habe alle gelesen und sie sind gut."

William verzog beleidigt das Gesicht. „Gut reicht, um auszudrücken, was ich sagen will", meinte Elisabeth schnell. „Immerhin bist du oft genug in den höchsten Tönen gelobt worden und weil alles der Wahrheit entspricht, brauche ich es nicht wiederholen." Sie machte eine Pause und überlegte. „All deine Ermittler, Detektive oder Polizisten, wie immer du sie nennen willst, haben Macken und Kanten, die sie lebendig machen und alle sind so ausgearbeitet, dass man sie beim Lesen vor Augen hat. Sie sind perfekt und reißen die Leser mit sich. Doch sie alle haben gemeinsam, dass sie das Licht sind, das durch die Dunkelheit führt." Sie sah ihn an. „Verstehst du, was ich meine?"

William nickte nur und wartete gespannt, was sie zu sagen hatte. Den kleinen Fauxpas, seine Geschichten nur als gut zu bezeichnen, hatte sie schnell wieder wettgemacht und er war neugierig auf ihre Sichtweise. „Sprich weiter!"

Elisabeth lächelte und nickte. „Also gut", meinte sie und suchte nach den richtigen Worten. „Du sagst, du lebst in Dunkelheit. Warum nimmst du nicht diese Dunkelheit und kreierst einen Ermittler, dem es ebenfalls so ergeht. Der vielleicht krank ist, alt oder alleine auf der Welt. Der vielleicht ein ebenso übles Spiel überstanden hat wie du. Warum wählst du keinen Helden, der genauso tief in der Scheiße steckt wie du?" Sie zuckte mit den Schultern, zwinkerte ihm zu und war Sekunden später verschwunden.

 

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Eine lange, sehr lange Zeit starrte William mit gerunzelter Stirn auf die geschlossene Tür. Und so absurd, wie er Elisabeths Idee erst auch erst gefunden hatte… er musste sich eingestehen, dass er darüber nachdachte. Schwer nachdachte.

Das Grundkonzept seiner Geschichte konnte stehen bleiben, wie es war. Daran müsste er nichts ändern. Allerdings müsste er einen komplett neuen Anfang schreiben und wenn er wirklich einen verhärmten, gescheiterten Mann zur Hauptfigur machen wollte, dann konnte er genauso gut neu beginnen.

William öffnete seine Datei, überlegte noch einen Moment und nickte dann. Er würde sein Geschriebenes nicht löschen, dazu steckte viel zu viel Arbeit darin. Zudem konnte er noch einiges davon gebrauchen, ganze Passagen, vielleicht sogar ganze Kapitel, die er nur geringfügig ändern und anpassen musste. Dann öffnete er sein bevorzugtes Schreibprogramm und lächelte, als er die ersten Wörter tippte.

 

Teil 4

Es war kurz vor Mitternacht, als Elisabeth wieder einmal vorsichtig die Tür öffnete und ins Wohnzimmer guckte. William Grey arbeitete durchgehend seit den frühesten Nachmittagsstunden. Er hatte sich nicht ein einziges Mal von seinem Platz gerührt und offenbar nicht gemerkt, dass es stockdunkel und eisig kalt um ihn herum geworden war.

Im Wohnzimmer, das gemütlich und behaglich eingerichtet war, gab es keine Heizkörper. Der große Raum wurde alleine durch den großen Kamin beheizt, doch das Feuer war vor vielen Stunden erloschen. Nicht der kleinste Funke glomm noch in der Glut und die Temperatur im Innern des Raumes war merklich gefallen.

Noch einmal warf Elisabeth einen Blick auf den Mann, der so konzentriert auf seinen Monitor blickte und dessen Hände über die Tastatur zu schweben schienen. Er ist wirklich gutaussehend, stellte sie wieder einmal fest. Hohe Wangenknochen, eine gerade, schmale Nase und blitzende blaue Augen, die jetzt bei den Lichtverhältnissen schwarz wirkten. Sogar die hellblond gefärbten Haare, die zum Teil stachelig abstanden, passten perfekt zu ihm und gaben ihm einen verwegenen Ausdruck.

Sie musste lächeln, nahm sich dann ein Herz und schob sich mit samt dem Tablett ins Wohnzimmer. „Hey", sagte sie leise und schaltete mit dem Ellbogen das Licht ein. „Zeit für eine kurze Unterbrechung?"

„Hm", machte William, sah auf und kniff die Augen zusammen. Das helle Licht blendete ihn und er sah sie verständnislos an. „Wie bitte?"

„Ich fragte, ob du Zeit für eine kleine Pause hast", sagte Elisabeth, trug das Tablett zum Tisch und stellte es ab. „Du arbeitest schon seit Stunden und ich dachte, du hättest vielleicht Hunger. Außerdem sollten wir den Kamin wieder anfeuern, denn sonst erfrierst du hier bald." Sie schüttelte sich und ließ ihren Worten auch sogleich Taten folgen. Sie fegte die Asche beiseite, legte einen Stapel Holz auf den Kaminrost und zündete ihn mit trockenem Reisig an.

Es dauerte noch einen Augenblick, bis William aus dem 19. Jahrhundert zurück war und währenddessen beobachtete er sie mit verwirrtem Gesichtsausdruck. „Was?", fragte er und Elisabeth lachte.

Sie putzte sich die Hände an der Hose ab und schob dann das Tablett näher an ihn heran. Belegte Brote, ein Apfel, ein Joghurt, eine Flasche Wasser und Orangensaft standen darauf. „Essen", sagte sie bestimmt. „Du! Essen!" Es war, als spräche sie mit einem kleinen Kind oder einem Menschen, der ihrer Sprache nicht mächtig war. Doch sie konnte ihn verstehen. Er war über Stunden in einer anderen Welt gewesen und kam nur langsam in der Realität an.

„Oh", sagte er und sah sich um. „Ich habe gar nicht gemerkt, dass es schon so spät ist."

Elisabeth lächelte und dachte an das Telefongespräch, dass sie vor Stunden mit ihrem Bruder geführt hatte. Jonathan war natürlich hellauf begeistert gewesen, als er hörte, mit welchem Feuereifer William sich an die Arbeit machte und er hatte ihr auch erzählt, dass er befürchtet hatte, dass William nie wieder auch nur einen Satz schreiben würde.

„Sorg dafür, dass er nicht verhungert", hatte er gemeint. „William bekommt gewöhnlich von der Welt nichts mehr mit, wenn er erst einmal in seine Arbeit vertieft ist. Man könnte ein Tanzfest neben ihm feiern. Er würde nicht einmal aufsehen." Dann hatte John geseufzt. „Schade eigentlich, dass du dich nicht mehr lange um ihn kümmern kannst. Ich will nicht, dass er vor Hunger oder Durst umfällt. Hast du vielleicht nicht noch ein wenig Zeit?"

„Hey", hatte Elisabeth protestiert. „Ich bin doch kein Dienstmädchen oder eine dahergelaufene Kammerzofe, die ihre Herrschaft zu bedienen hat!" Doch natürlich hatte sie William trotzdem etwas gebracht. Den ganzen Nachmittag und auch den Abend hatte sie hin und wieder einen Blick ins Wohnzimmer geworfen und schnell festgestellt, wie sehr Jonathans Aussage stimmte. William bekam von der Welt um ihn herum nichts mit. Wahrscheinlich hätte er es nicht einmal gehört, wenn eine Bombe eingeschlagen wäre.

„Das wäre aber nicht nötig gewesen", sagte William und riss sie aus ihren Gedanken. Er deutete auf das Tablett und lächelte verlegen. „Ich verhungere schon nicht. So schnell jedenfalls nicht."

„Läuft es gut?", erkundigte sich Elisabeth, überging seine Aussage und stocherte mit dem Schürhaken in den auflodernden Flammen. Dann streckte sie ihre Hände aus und wärmte sich.

„Bestens", murmelte William mit vollem Mund und lächelte sie dann entschuldigend an. „Ich kann dir gar nicht genug danken", sagte er. „Für die vorzügliche Versorgung, aber vor allem für die Idee, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Es ist, als würde ich mir die Last von der Seele schreiben. Meine Finger kommen gar nicht so schnell hinterher, wie ich schreiben möchte. Und das verdanke ich nur dir."

„Gern geschehen", nickte sie und hob dann die Hand, um sich zu verabschieden. „Ich verschwinde jetzt in mein Bett. Ich muss morgen früh raus. Mein Flieger geht um zehn." Dann deutete sie mit dem Kopf auf das Feuer. „Werfe hin und wieder mal ein paar Scheite nach, sonst erfrierst du noch."

„Oh! Ach ja", sagte William. „ Mach ich." Dann sah er auf. „Ich hatte ganz vergessen, dass du morgen schon zurückfliegst. Schlaf gut und… danke! Ohne dich wäre ich echt aufgeschmissen!"

„Kein Problem", erwiderte Elisabeth lächelnd und ging. An der Tür sah sie zurück und musste lachen. Wenn auch lautlos. William hatte sich schon wieder auf seine Arbeit gestürzt und eins der Brote steckte längs in seinem Mund. Er hatte keine Hand frei und offenbar musste nun das Brot auch ohne Hilfe der Hände in seinen Magen.

Am liebsten hätte sie zugesehen, auf welche Art und Weise er seine Mahlzeit in seinen Mund beförderte, doch da sie ihn nicht noch mehr ablenken wollte und zudem sehr müde war, ließ sie es bleiben. Elisabeth verschloss leise die Tür hinter sich, dann huschte sie lautlos die Treppe hinauf und verschwand auf dem direkten Weg in ihrem Schlafzimmer.

 

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Der Wecker am Morgen machte einen Höllenlärm und Elisabeth schoss hoch und stellte ihn so schnell wie nur möglich aus. Sie hatte sich fest vorgenommen, ihren „Gast" so wenig wie möglich zu stören. William schlief, wenn er denn überhaupt seinen Weg ins Bett gefunden hatte, nur wenige Meter weiter, und sie wollte ihn nicht unnütz wecken.

Sie krabbelte aus dem Bett und flitzte ins Badezimmer. In gut zwei Stunden würde ihr Flieger abheben und all ihre Koffer waren schon gepackt und im Kofferraum ihres Leihwagens verstaut. Den letzten Rest ihrer Sachen würde sie gleich in einer kleinen Reisetasche verstauen, dann war alles erledigt und sie konnte ihn Ruhe abreisen.

Dennoch bereitete ihr der Weg zum Flughafen Sorgen. Es hatte furchtbar viel Neuschnee gegeben in den letzen Tagen und hier oben in der Einsamkeit kamen die Räumdienste nur spärlich voran. Im Tiefschnee steckenzubleiben war schon schlimm genug, aber deswegen das Flugzeug zu verpassen… nein, dazu hatte sie keine große Lust. Ihre neue Wohnung wartete darauf, endlich komplett eingerichtet zu werden, Freunde, die sie zum Teil schon seit High School Zeiten nicht mehr gesehen hatte, erwarteten sie und außerdem stand ihr der ganze Weihnachtseinkauf noch bevor. Bisher hatte sie noch nicht einmal eine Idee, was sie Jonathan schenken sollte, doch wenn sie erst einmal zurück in L.A. war und durch die großen Einkaufszentren bummelte, würde ihr schon noch was einfallen. Noch war Zeit genug.

‚Ob William wohl die Weihnachtsfeiertage alleine hier verbringen will?’, überlegte sie. Schon den Gedanken fand sie schrecklich. Ohne Familie und Freunde konnte sie sich kein Weihnachten vorstellen, doch er steckte in einer ganz anderen Situation und war vielleicht froh darüber, eine lange Zeit keinem Menschen zu begegnen. Zwar kam sie gerne hier her, wenn sie ein bisschen Ruhe vom stressigen Alltag brauchte, für ihn musste es wie eine Erlösung sein.

Sie drehte den Wasserhahn an der Dusche auf, wartete, bis das Wasser warm wurde und huschte unter den Strahl. Elisabeth wusste natürlich, warum Jonathan seinen Freund hierher geschickt hatte. Immerhin hatte sie das ganze Spektakel um seine Person verfolgt. Zum einen, weil er ein bekannter Mann war, zum anderen, weil er der beste Freund ihres Bruders war.

William hatte sich, wie so viele Männer, in die falsche Frau verliebt. Diese furchtbare Person war jedoch nur auf Ansehen und Geld aus gewesen und von beidem hatte William viel zu bieten. Jedenfalls solange, bis er herausfinden musste, was wirklich gespielt wurde.

Elisabeth wusste als Einzige, außer John natürlich, dass Williams schreckliche Entdeckung kein bloßer Zufall gewesen war. Ihr Bruder hatte es eingefädelt, weil er von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei besagter Frau gehabt hatte. Er hatte mehrfach versucht mit William darüber zu sprechen, doch wie er behauptete, hatte sein Freund nicht hören wollen und war weiter mit seiner rosaroten Brille herumgelaufen. Schlussendlich hatte Jonathan einen Privatdetektiv engagiert.

Und eben dieser Schnüffler hatte dann herausgefunden, dass der Mann, der sich als Bruder der Horrorfrau ausgab, nicht unbedingt verwandt, aber seit Jahren mit ihr verheiratet war und schon systematisch daran arbeitete, sich Williams gesamtes Vermögen anzueignen.

Als William, von John in die richtige Richtung gedrängt, dahinter kam und die Wahrheit erkannte, brach eine Welt für ihn zusammen. Laut Jonathan hatte sein bester Freund diese Frau wahrhaftig geliebt und aus eben diesem Grund wollte er auch keine Anzeige erstatten. Stattdessen jagte er Drusilla (Elisabeth schüttelte sich unter der Dusche. „Was für ein Name!") zum Teufel und ihren Ehemann gleich mit. Doch das war ein großer Fehler, wie sich bald herausstellte.

Das Gaunerpärchen hatte nicht vor, ohne Erfolg, sprich Beute, die Segel zu streichen, heckte einen perfiden Plan aus und setzte ihn auch in die Tat um. Nachts brachen sie in sein Haus ein, überrumpelten William im Schlaf und als wäre das nicht schon schlimm genug, schossen sie ihn nieder. Dann sammelten sie in aller Seeleruhe sämtliche Wertgegenstände ein, die sie im Haus finden konnten. Sie ließen ihn einfach liegen. Blutend und langsam sterbend.

Nur durch bloßen Zufall überlebte William das Geschehen und das Pärchen wurde dingfest gemacht. Ein Streifenpolizist wunderte sich über einen Wagen mit laufendem Motor, der vor einem der teuren Strandhäuser parkte. Erst hatte er sich nicht viel dabei gedacht, doch auf seiner zweiten Runde, etwa eine Stunde später, stand der Wagen noch immer an der gleichen Stelle und so kam es, dass er das Haus betrat, um nach dem Rechten zu sehen.

Vier Wochen verbrachte William im Krankenhaus und die Medien stürzten sich förmlich auf den Skandal. Ein bekannter Autor, der auch noch Kriminalgeschichten schrieb, war auf einen der ältesten Tricks hereingefallen und von dem Zeitpunkt an verwandelte sich Williams Leben in die Hölle auf Erden.

Reporter und Pressefotografen stürzten sich auf ihn, belagerten sein Haus und sein ganzes Leben wurde Stück für Stück auseinander genommen, jedes noch so kleine Detail wurde ins Licht gezerrt und zerpflückt. Jonathan hatte sein Möglichstes getan, um seinen Freund und Schützling aus der Schusslinie zu bringen, doch genutzt hatte es nur wenig.

Unerwartete Hilfe hatte William erst bekommen, als der Prozess gegen Drusilla und ihren widerlichen Ehemann begonnen hatte. Williams Anwalt, extrem teuer, aber auch eben so gut, hatte eine Menge Männer im ganzen Land ausfindig gemacht, die auch auf das Pärchen hereingefallen waren und sie alle stammten aus der so genannten feinen Gesellschaft.

Eine Menge Prominenter war darunter und die Medien überschlugen sich praktisch. Stündlich wurden Neuigkeiten berichtet, ganze Sondersendungen handelten davon und diese schreckliche Frau, Drusilla, schien auch noch Spaß daran zu haben, ihr Gesicht jeden Tag in den einschlägigen Blättern zu sehen. Vorausgesetzt natürlich, sie bekam im Gefängnis überhaupt Zeitungen zu Gesicht. Doch sie machte den Eindruck, als hätte sie endlich, was sie wollte. Die ganze Welt kannte ihren Namen und ihr Gesicht und sie bekam auf seltsame Weise das, was sie wollte. Einen enormen Bekanntheitsgrad!

Von dem Zeitpunkt an war William in den Medien der arme Kerl, der übel betrogen und hintergangen worden war und er wurde bedauert und bemitleidet. Laut Jonathan war das für ihn noch schlimmer gewesen als die Zeit vorher, doch langsam wurde es ruhiger um seine Person. Andere Dinge waren in den Vordergrund getreten, andere Skandale beschäftigen die Presse und Elisabeth wünschte sich für William, dass sein nächster öffentlicher Auftritt nur deswegen stattfand, weil er sein neuestes Buch vorstellte.

 

Teil 5

William schlief, und schlief doch nicht. Sein Kopf war wach und wirre Dinge gingen darin vor. Er hörte Geräusche um sich herum, konnte sie jedoch nicht zuordnen und eine Beklemmung bemächtigte sich seiner. Dann ertönte ein lautes Rumpeln und er schoss mit klopfendem Herzen hoch. Die furchtbare Erinnerung überfallen zu werden ließ ihn keuchen und er fühlte die beiden Einschusslöcher in seinem Oberkörper brennen. Erst dann realisierte er langsam seine Umgebung und die Panik ließ etwas nach.

Es rumpelte wieder, doch dieses Mal war es ganz sicher kein böser Traum. Es hörte sich eher so an, als wäre etwas Schweres zu Boden gefallen und er stürmte auf die Wohnzimmertür zu und riss sie auf.

Elisabeth stand mitten auf der Treppe und sah ihn mit zusammengepressten Lippen entschuldigend an. „Tut mir leid", murmelte sie und hastete ihrer Reisetasche nach, die Stufe für Stufe herabkullerte. „Ich wollte dich nicht wecken, aber das blöde Ding ist mir aus der Hand gefallen."

„Nicht so schlimm", murmelte William und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Sein Herz klopfte noch immer wild in seiner Brust und er fragte sich, ob er jemals wieder ohne dieses erschreckende Gefühl aufwachen würde. „Ist es schon so spät?", erkundigte er sich, um sich schnell davon abzulenken. „Musst du los?"

Elisabeth blieb am Fuß der Treppe stehen und sah ihn aufmerksam an. „Ich fahre eine Stunde früher als geplant. Letzte Nacht hat es schon wieder furchtbar geschneit und ich weiß nicht, wie die Straßenverhältnisse sind und ob ich gut durchkomme." Dann lächelte sie. „Hast du viel schaffen können? Ich meine, geht es gut voran mit deinem neuesten Buch?"

„Wenn mir nicht die Augen zugefallen wären, würde ich wohl immer noch schreiben", sagte William und seine blauen Augen blitzten. „Einfach unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, jemals wieder mit so viel Enthusiasmus bei der Sache sein zu können."

Die Wörter schienen einfach aus ihm herauszufließen und er hatte mehr geschrieben als in den vergangen Monaten zusammengenommen. Doch was noch besser war, es gefiel ihm, was er da schrieb und er war sich jetzt schon sicher, dass dieses neue Buch das Beste werden würde, was er je abgeliefert hatte.

„Das ist gut", sagte Elisabeth und lächelte wieder. Dann sah sie ihm direkt und fest in die Augen. „Du hast es vielleicht noch nicht gemerkt", schmunzelte sie, „aber du alleine entscheidest, was du fühlst."

Seine Verwirrung war ihm deutlich anzusehen und machte ihn noch anziehender. Überhaupt sah er so verschlafen und mit den zerzausten, abstehenden Haaren einfach zum Anbeißen aus. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit hätte sie keine Mühe gescheut, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Aber nicht jetzt und hier. „Wenn du dich entscheidest, dein altes Leben wieder aufzunehmen, dann wird es auch funktionieren."

„Wie meinst du das?", fragte er und strich sich die Haarsträhnen aus der Stirn.

„Ich meine es so, wie ich es sagte. Du entscheidest. Du ganz alleine! Willst du hassen, oder kann es dir nicht genauso gut egal sein? Deine Gefühle gehören dir und nur du bestimmst, welche du wo einsetzt." Sie lächelte und wusste gleichzeitig, dass sie ihm gerade einigen Stoff zum Nachdenken hinterließ, sollte sie erst einmal aus der Tür verschwunden sein.

Mit gerunzelter Stirn überlegte er einen Moment, dann gähnte er herzhaft und schüttelte gleichzeitig den Kopf. „SO einfach kann es nicht sein!"

„Ist es aber", lächelte Elisabeth weise. „Wenn einem Menschen furchtbare Dinge geschehen, wenn er die Hölle auf Erden erlebt, dann braucht er eine Weile, um wieder mit sich selbst und der Welt ins Reine zu kommen. Doch irgendwann kommt die Zeit, wo er sich entscheiden muss. Will er weiterhin leiden, oder will er mit dem Thema abschließen und einen Neuanfang wagen? Will er sich vor der Welt verstecken, im stillen Kämmerlein hocken und darauf hoffen, dass ihm nie wieder etwas Böses begegnet? Oder will er sich dem Leben stellen? Frei nach dem Motto: Smile and the world smiles back at you!"

William fühlte Wut in sich aufsteigen. Dieses kleine Frauenzimmer vor ihm schien einen direkten Blick in seine Seele geworfen zu haben und er ärgerte sich darüber, dass er so leicht zu durchschauen war. Oder war es nur für sie so offensichtlich, was in seinem Kopf vor sich ging? „Ich glaube wirklich nicht, dass es so einfach ist!", sagte er und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wenn Menschen, wie du es so schön gesagt hast, die Hölle auf Erden erleben, dann … ist es nicht so einfach, eben jene Hölle auch wieder zu verlassen."

„Du hast geliebt und verloren", sagte Elisabeth vollkommen unbeeindruckt und schulterte ihre Reisetasche. „Hoch verloren, wenn du mich fragst! Aber was du dich ganz dringend fragen solltest: Willst du bis in alle Ewigkeiten einer Liebe hinterhertrauern, die nie erwidert worden ist? Einseitig war? Ist das wirklich alles, was du vom Leben erwartest? Oder gibt es da noch viel mehr zu sehen, zu fühlen, zu erfahren?"

Und wieder war es an William, verstört dreinzublicken. Doch bevor er auch nur über ihren Ausspruch nachdenken konnte, tat Elisabeth etwas völlig unerwartetes. Sie stellte sich auf der untersten Stufe auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Stirn.

„Du alleine entscheidest", sagte sie wieder, zwinkerte ihm zu und lief dann schnurstracks auf die Haustür zu.

„Buffy", rief er ihn nach und sie wandte sich um. Tausend Sachen gingen ihm im Kopf herum, doch alles, was er über die Lippen brachte, war: „Danke!"

„Gern geschehen", sagte sie und winkte ein letztes Mal, bevor sie endgültig die Tür hinter sich zuzog.

 

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Lange, sehr lange stand William im Flur und überdachte dieses letzte, seltsame Gespräch mit Elisabeth. Warum nur konnte sie in ihm lesen wie in einem offenen Buch? Sie hatte sein Innerstes aufgewühlt, schreckliche Erinnerungen geweckt, aber auch eine Hoffnung in ihm geweckt, die er nie in sich erwartet hatte. War es wirklich so einfach? Konnte man seine Gefühle ändern, wenn man es denn wollte? Man sagte ja bekanntlich, die Zeit heile alle Wunden, doch das stimmte nicht. Schmerzhaftes blieb immer schmerzhaft, egal wie lange es her war. Man kam nur irgendwann leichter damit zurecht. Hatte sie das gemeint?

Er setzte sich auf die Treppe, runzelte die Stirn und überdachte noch einmal das ganze Gespräch. Er konnte ihr wahrlich nicht in jeder Beziehung Recht geben, doch, so musste er zugeben, hatte sie mehrere Punkte angesprochen, in denen er ganz ähnlicher Meinung war. Doch vor allem lag sie richtig, wenn sie behauptete, er alleine entschied, wie sein Leben von nun an weiterging.

Dann plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er verstand, worauf sie hinauswollte. Es kam nicht darauf an, was ihm Schreckliches widerfahren war, sondern, was er daraus machte. Elisabeth hatte ihm vor Augen führen wollen, dass er sich entscheiden musste, ob er weiterhin in Dunkelheit leben wollte, oder ob er sich nicht doch lieber für das Licht entschied. Es war seine Entscheidung. Seine ganz alleine! Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. „Das Licht ist alle Male die bessere Option!"

 

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Der Hunger führte ihn in die Küche, wo er auch sogleich einen Zettel fand, den Buffy für ihn auf dem Tisch hinterlassen hatte. Einige Telefonnummern standen darauf. Die des Dorfladens, der auch lieferte (selbst bei schlechtem Wetter, denn dann wurde das Bestellte einfach dem Fahrer mitgegeben, dem die nächste Nummer gehörte), die des Schneeräumdienstes. Außerdem stand die Nummer der Tankstelle darauf, die auch zugleich die hiesige Taxizentrale war. Zudem noch die Erinnerung, hin und wieder Holz im Kamin nachzulegen, (sie hatte einen lachenden Smilie dahinter gemalt) und die Erklärung, wie der Whirlpool draußen auf der Terrasse funktionierte.

William lächelte versonnen. Sie hatte schon ein wenig von einer Glucke, doch es war ein schönes Gefühl, dass sich jemand um ihn Sorgen machte und sich kümmerte. Auch wenn sie es bestimmt nur Jonathan zuliebe getan hatte. Er legte den Zettel weg und aus seinem Lächeln wurde ein Grinsen. Es gab also einen Whirlpool. Warum hatte er das nicht früher erfahren?

Eine Stunde später lag er gesättigt und entspannt im warmen Wasser und ließ es sich gut gehen. Auch wenn es ein seltsames Gefühl war, im heißen Blubberwasser zu sitzen, während ihm zeitgleich Schneeflocken auf Kopf, Gesicht und Brust fielen. Der Block, mit samt dem Bleistift, blieb unangetastet. Er schrieb hin und wieder auf Papier und trug es auf dem Laptop nach, doch im Moment hatte er gar keine Lust dazu. Er dachte viel lieber über Elisabeth nach, die er eigentlich nur noch Buffy nannte.


Erst hatte er diesen Spitznamen albern und merkwürdig gefunden, mittlerweile lagen die Dinge etwas anders. Leise und sanft ausgesprochen klang er beinahe wie eine Liebkosung, doch kaum hatte er diesen Gedanken zu Ende gedacht, schluckte er schwer.

„Verdammt", rief er sich selbst zur Ordnung. „Schlag sie dir aus dem Kopf." Auch wenn sie die erste Frau war, die überhaupt wieder sein Interesse geweckt hatte, so sollte er sie doch gleich wieder vergessen. Erstens war sie schon auf dem Weg in die Heimat und war nur aus Großmut nett zu ihm gewesen, zweitens war sie die Schwester seines besten Freundes und damit tabu! John würde ihm den Kopf abreißen!

Zurück blieb jedoch das Kribbeln auf seiner Stirn. Dort, wo ihre Lippen ihn berührt hatten.

 

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Es war schwer, sich zu konzentrieren, doch schließlich schaffte William es, sich wieder auf sein Werk einzulassen. Es dauerte auch nicht lange und er war tief in die Geschichte verstrickt, vergaß seine Umgebung und tauchte hinab in eine andere Zeit. Deswegen bekam er auch nicht mit, dass ein Wagen auf die Auffahrt fuhr, vor dem Haus bremste und eine Person ausstieg.

Zwei Minuten später sprang er erschreckt auf und sah in das lächelnde Gesicht Elisabeths, die mit schweren Einkaufstüten bewaffnet in die Küche kam, an deren Tisch er sich ausgebreitet hatte. „Hi", sagte sie und stellte ihr Mitgebrachtes auf die Arbeitsplatte neben dem Herd.

„Hi?", fragte er und sah sie an. „Was machst du hier? Ich dachte, du sitzt längst im Flieger und wärst auf dem Heimweg."

„Was für eine nette Begrüßung", triezte sie ihn, zog die warme Mütze vom Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch ihr langes Haar.

Er lachte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Hallo", sagte er und runzelte die Stirn. „Ich verstehe es trotzdem nicht. Ich dachte eigentlich nicht, dich so schnell wiederzusehen."

„Das war auch nicht viel besser", murrte sie, winkte dann mit der Hand ab und seufzte. „Alle Flüge sind ausgefallen. Der Schnee…", meinte sie und machte eine ausholende Bewegung mit den Armen. „Es war wohl zu viel die letzten Tage. Es geht gar nichts mehr. Der Flughafen sieht aus wie ein Flüchtlingslager. Unzählige Menschen, die nicht wissen, wo sie hin sollen und auf Stühlen und Bänken campieren." Sie seufzte wieder. „Ein einziges Flugzeug ist heute mit Mühe und Not gelandet und die netten Menschen von der Airline konnten mir nicht einmal sagen, wann es überhaupt wieder losgeht. Scheinbar steht uns noch viel mehr von dem herrlichen weißen Zeugs, das in Massen vor der Haustür liegt, bevor, und der Flughafen bleibt die nächsten Tage geschlossen."

„Das tut mir leid", sagte William, musste sich aber eingestehen, dass es eine Lüge war. Es war schön, sie wieder im Haus zu wissen und er bat im Stillen um Abbitte für seine Flunkerei. „Ich hoffe, du hattest keine dringenden Termine."

„Nicht wirklich", sagte sie und klatschte in die Hände. „Los, los. Ich habe den ganzen Kofferraum voll mit meinem Gepäck und einer Unmenge an Lebensmitteln. Wenn ich schon auf unbestimmte Zeit hier bleiben muss, dann will ich jedenfalls ordentlich essen!"

 

Teil 6

William hatte niemals zuvor einen solch großen Einkauf gesehen und er lachte, während er sich ein paar Tüten schnappte. „Du erwartest scheinbar, dass wir für Wochen eingeschneit sind", lachte er und sah Buffy an, die neben ihm stand und ebenfalls nach Tüten angelte.

„Nein. Das will ich wirklich nicht hoffen. Meine Wohnung ist noch nicht einmal ganz fertig und außerdem ist bald Weihnachten. Da möchte ich Zuhause sein.", sagte sie. „Aber ich dachte, wenn schon… denn schon. Dann hast du noch genug Nahrungsmittel da und musst nicht einkaufen fahren, wenn der Flugverkehr wieder läuft." Zusammen standen sie vor dem großen Kofferraum des geliehenen Geländewagens. „Wir müssen uns beeilen", drängte sie dann. „Es schneit schon wieder und gleich ist alles klitschnass."

Zehn Minuten später trug William die letzten Einkäufe ins Haus und grinste dabei. Sie hatte nicht nur genügend Lebensmittel für die nächsten sechs Wochen gekauft, sondern auch Bier besorgt, und das war etwas, was er sehr begrüßte. „Soll ich den Wagen in die Garage fahren?", fragte er und sie nickte.

„Das wäre nett", meinte sie und überreichte ihm den Schlüssel. „Ich pack in der Zwischenzeit den Krempel weg und dann kochen wir uns was Leckeres."

Sie hatte das mit dem zusammen Kochen ernst gemeint, wie er feststellte, kaum dass er die Küche wieder betrat. „Hände waschen", grinste sie, wartete, bis es erledigt war und drückte ihm dann ein Holzbrett, Paprika, Zwiebeln und ein Messer in die Hände. „Bei dem Wetter esse ich gerne herzhaft. Deswegen dachte ich, ein leckeres Gulasch wäre genau das Richtige!

Etwas unsicher setzte sich William an den Tisch. Sollte er seine Trumpfkarte ausspielen und sich damit entschuldigen, jetzt wieder an die Arbeit zu müssen? Doch dann schlug er sich den Gedanken aus dem Kopf. Es war nett in ihrer Gesellschaft und warum sollte er nicht auch mal kochen? Früher oder später würde ihm doch nichts anderes übrig bleiben, denn mit Bringdiensten sah es hier schlecht aus.

„Würfeln?", fragte er und überlegte gleichzeitig, wie er das hinbekam. Nein, Kochen war nicht sein Ding und das würde sich gewiss auch nie ändern!

Elisabeth nickte und packte das Fleisch aus. „Magst du überhaupt Gulasch? Und wenn ja, wie? Scharf, oder lieber nicht zu scharf? Mit Kartoffeln, oder vielleicht lieber mit Nudeln als Beilage?

„Das überlasse ich ganz dir", erwiderte er schnell und hoffte, sie würde nicht bemerken, dass er keinen blassen Schimmer hatte. Sicher hatte er schon mal Gulasch gegessen, doch warum konnte er sich nicht daran erinnern? Immerhin war das kein so außergewöhnliches Gericht und irgendwann musste er doch ….

Doch seine Überlegungen verliefen im Sand. Die Zwiebeln forderten seine gesamte Aufmerksamkeit und er hoffte, er würde sich nicht allzu dumm anstellen. Doch wenn Buffy etwas auszusetzen hatte, so sagte sie es nicht und mehrere Minuten später überreichte er ihr das geschnittene Gemüse. „Sonst noch was?", fragte er und wünschte, ein „Nein" als Antwort zu erhalten.

„Im Moment nicht", sagte sie, rührte im Topf mit dem angebratenen Fleisch und ein herrlicher Duft wehte durch die Küche. „Das muss erst eine Zeit kochen", sagte sie schließlich, goss Brühe und eine Dose Tomaten hinzu und verschloss den Deckel sorgfältig. „Aber freu dich nicht zu früh. Du darfst später den Salat machen!"

„Ich muss ganz dringend schreiben", lachte William und sah sie an. „Außerdem, wenn der Salat genießbar sein soll, solltest du dir das wirklich überlegen."

„Du bekommst das schon hin", sagte sie und lächelte ihn kess an. „Mit meiner Unterstützung."

 

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Eine Stunde später wusste William, warum Elisabeth beim Essen lieber in Gesellschaft war. Es machte Spaß dabei zu reden und zu scherzen und sogar sein Salat war genießbar. Auch wenn die Blätter vielleicht ein wenig groß geblieben waren und man Mühe hatte, sie ohne große Scherereien in den Mund zu befördern. Buffy löste das Problem, indem sie jedes Blatt auf dem Teller zerteilte, doch die Blöße wollte er sich nicht geben und stopfte sie deswegen so in sich hinein.

„Gleich lass ich dich in Ruhe", sagte Buffy plötzlich und unerwartet. „Die Küche übernehme ich heute großzügigerweise und dann mache ich mich unsichtbar, sodass du hier unten deine Ruhe hast und schreiben kannst."

Am liebsten hätte William protestiert, doch das wäre sicherlich sehr merkwürdig gewesen und deswegen nickte er stumm. Doch dann, vielleicht auch, um das Gespräch noch nicht beenden zu müssen, fragte er: „Wie kommst du eigentlich zu deinem Spitznamen?"

„Wie kommst du zu deinem?", erwiderte sie als Antwort und lächelte undurchsichtig.

„Du weißt von meinem Spitznamen?", fragte er mit großen Augen.

„Du vergisst, dass Jonathan, dein bester Freund, mein Bruder ist. Und ich denke mal, ich weiß einiges mehr von dir, als du von mir."

„Das glaube ich ungesehen", nickte er. „Jonathan erzählt so oder so nicht viel über seine Familie, aber über dich hat er, jedenfalls soweit ich mich erinnere, nie ein Wort verloren." Er sah sie über den Tisch hinweg an. „Dabei kann ich das gar nicht verstehen. Eine solch kluge und hübsche Schwester darf man ruhig erwähnen."

„Da hast du schon deine Antwort", lächelte sie und freute sich über das Kompliment. „Jonathan hat schon immer wie ein Schießhund auf mich aufgepasst, aber als ich dann in ein gewisses Alter kam, dachte er wohl, wer mich nicht kennt, läuft auch nicht Gefahr, von ihm verprügelt werden zu müssen."

William lachte laut los. „Ja, das passt zu ihm", nickte er. „Trotzdem, gibt es zu deinem Namen eine Geschichte?"

„Gibt es zu „Spike" eine Geschichte?" Sie neckte ihn und es machte ihr außerordentlich viel Spaß.

„Ich seh schon", sagte er und legte den Kopf auf die Seite. „Du verrätst nicht gleich alles", meinte er und wartete gespannt auf ihre Erwiderung.

„Nur unter Folter, oder man mir androht, Tintenfisch essen zu müssen", erwiderte sie schlagfertig, bedachte ihn aber mit einem gekonnten Augenaufschlag.

Sein Magen kribbelte und er räusperte sich schnell. „Wie auch immer", sagte er schnell. „Jedenfalls haben wir beide einen eher ungewöhnlichen Spitznamen abbekommen. So etwas verbindet ungemein!"

„Spike und Buffy", sagte Elisabeth und lauschte dem Klang der Namen. „Buffy und Spike." Sie zuckte mit den Schultern, stellte die leeren Teller zusammen und zwinkerte ihm zu. „Passt gut zusammen, wenn du mich fragst."

 

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Nach ihrem letzten Satz wäre William fast vom Stuhl gekippt, doch er schaffte es nicht, auch nur ein Wort darauf zu erwidern. Selbst wenn er gewollt hätte. Buffy jagte ihn von seinem Platz, drückte ihm sein Laptop in die Arme und scheuchte ihn aus der Küche. „Husch, husch! An die Arbeit", sagte sie, schob ihn aus dem Zimmer und schloss die Tür.

Doch wie sollte er sich nach einer solchen Aussage auf sein Buch konzentrieren? In seinem Magen flatterten tausende von Schmetterlingen und es wurde immer schwerer, sich den gleichen Satz wieder und wieder in Gedanken vorzusagen. „Sie ist Jonathans Schwester und er bringt mich um, wenn er davon erfährt!"

Doch dann zwang er sich zur Ruhe. Immerhin war er nicht hierher in die Einöde gekommen, um sich zu verlieben. Er wollte zu sich selbst finden und endlich in Ruhe wieder arbeiten. Aber eine innere Stimme sagte ihm dennoch, dass alles mit Buffy an der Seite so viel leichter und einfacher war. Sie war so anders als… Drusilla, überlegte er und stellte erstaunt fest, dass es lange nicht mehr so schmerzhaft war, an sie zu denken, wie noch vor ein paar Tagen. Vielleicht hatte Elisabeth doch Recht, und es war seine Entscheidung, ob er noch trauern wollte, oder ob er damit abschloss.

„Buffy", murmelte er leise und schüttelte den Kopf. Er kannte sie erst ein paar Tage, doch seltsamerweise war es kein Problem, sich vorzustellen, für immer und ewig nur noch sie um sich herum zu haben.

„Jetzt reicht es aber", meckerte er genervt. „Du benimmst dich wie ein trotteliger Schuljunge! Wahrscheinlich hat sie es eben nicht einmal so gemeint, wie du es aufgefasst hast. Es war bestimmt nur ein Scherz!"

Doch egal, was er auch versuchte, es dauerte eine lange Zeit, bis er sich gedanklich von ihr lösen konnte. Er öffnete und startete seinen Laptop und trommelte nervös mit den Fingern auf den Tisch. „Nun komm schon", motzte er ihn an, weil er seiner Meinung nach viel zu langsam hochfuhr. Doch dann war es endlich soweit und er öffnete seine Datei.

Er musste zwei ganze Kapitel lesen, bis er wieder in seiner Geschichte war, doch dann tauchte er wieder in die von ihm geschaffene Welt ein und schrieb sich die Finger wund.

 

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Elisabeth lehnte an der geschlossenen Küchentür und ärgerte sich über sich selbst. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Warum hatte sie sich nicht zurückgehalten? Musste sie mit ihm flirten? Es war ja nicht so, als wäre er nicht gutaussehend, interessant, nett und einfach zum Anbeißen, aber nach allem, was er erlebt und durchlebt hatte, war eine aufdringliche Frau bestimmt das letzte, was er brauchen konnte.

„Du bist komplett verrückt", schimpfte sie leise und schüttelte den Kopf. „Was hat er wohl gedacht? Er sah aus, als wäre er geschockt und bestimmt hält er dich für eine taktlose Ziege! Oh mein Gott, Buffy! Du bist so dämlich!"

Mit Wut im Bauch kümmerte sie sich um die Katastrophe, die sie beide in der Küche hinterlassen hatten und warf, als sie endlich fertig war, den Schwamm an die Wand. „Und jetzt benimmst du dich anständig, gehst ihm am besten aus dem Weg und lässt ihn das tun, weswegen er hergekommen ist!"

So leise wie nur eben möglich huschte sie aus der Küche und schnappte sich den schweren Koffer, den William ihr aus dem Wagen geräumt hatte und der nun am Fuße der Treppe stand. Dann eilte sie ins obere Stockwerk. Der Angestellte auf dem Flughafen hatte ihr nicht wirklich Mut gemacht, was den ruhenden Flugverkehr der nächsten Tage anging, doch ihren ganzen Krempel wollte sie dennoch nicht wieder auspacken. Der Anruf konnte praktisch jede Stunde kommen und dann wollte sie vorbereitet sein. Sie würde einfach aus dem Koffer leben und so wuchtete sie, in ihrem Zimmer angekommen, das schwere Gepäckstück auf die Kommode und öffnete es.

Den Rest ihres Gepäcks würde sie Stück für Stück nach oben tragen, doch jetzt, so hatte sie beschlossen, würde sie erst einmal ihr Zimmer nicht verlassen. Weder wollte sie Spike bei der Arbeit stören, noch wollte sie ihm jetzt unter die Augen treten. Doch früher oder später würde sich das nicht vermeiden lassen, doch vorher musste sie noch einiges überdenken.

Sollte sie sich für ihren kessen Satz entschuldigen? Oder sollte sie abwarten, ob er sie darauf ansprechen würde? Eigentlich hatte sie den Bogen schon überspannt, als sie ihm am Morgen einen Kuss auf die Stirn gedrückt hatte, doch da war sie noch davon ausgegangen, ihn wenigstens mehrere Wochen nicht mehr zu Gesicht zu bekommen. Doch was sie sich beim Mittagessen geleistet hatte, sprengte jeden Rahmen.

Ihr Halbruder würde ihr den Kopf abreißen, sollte er jemals davon erfahren und sie konnte sich die Standpauke vorstellen, die er auf sie niederprasseln lassen würde. „Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Warum ausgerechnet William? Warum ausgerechnet meinen besten Freund? Hat er nicht auch so schon genug durchgemacht? Musst du ihn auch noch in den Wahnsinn treiben? Er ist auch so schon verwirrt genug!"

Das Schlimmste daran war, dass er Recht hätte. William hatte eine Menge durchgemacht, aber bedeutete das auch, dass er den Rest seines Lebens als Einsiedler verbringen musste? Elisabeth dachte nicht so, konnte aber einsehen, dass jetzt gerade die falsche Zeit dafür war. Doch das hatte sie auch am Morgen schon gewusst und sich trotzdem nicht darum geschert.

Seufzend warf sie sich auf ihr Bett und nahm das Buch zur Hand, das sie aus dem Koffer genommen hatte. Es war nicht wirklich spannend und eigentlich so ganz und gar nicht ihr Geschmack an vernünftiger Lektüre, doch für heute musste es reichen. Sie blätterte eine Zeit lang darin herum, fand schließlich die Stelle, an der sie vor Wochen aufgegeben hatte und lehnte sich zurück. „Na dann los, Patrick James Martin", sagte sie zu der fiktiven Gestalt. „Zieh mich in deinen Bann und sorg dafür, dass ich meine Sorgen vergesse!"

 

Teil 7

Die Tage verstrichen und langsam spielte sich eine Art Routine ein, die das Zusammenleben im Haus normalisierte. Soweit man denn davon sprechen konnte. Zudem war Buffy sehr froh darüber, dass William sich nicht zu ihrem Fauxpas geäußert hatte. Er benahm sich ihr gegenüber wie immer, freundlich und aufgeschlossen. Was sie natürlich nicht ahnen konnte, war, dass er fast die gleichen Gedanken hatte wie sie selbst. Beide bremsten eine drohende Gefahr aus, von der sie nicht wussten, wie sie damit umgehen sollten.

Langsam jedoch verschlechterte sich Buffys Laune mehr und mehr. Der Flugverkehr lag immer noch brach und man machte ihr auch keine Hoffnung, dass sich die Lage bald entspannen würde. Eher im Gegenteil, wie sie selbst auch aus diversen Wetterberichten erfahren hatte. Schweden versank im Schnee, und wenn sie aus dem Fenster ihres Zimmers blickte und die Menge Neuschnee betrachtete, wurde ihr schlecht. Sie selbst würde bis zur Hüfte in dem weißen Mist stecken, sollte sie denn so verrückt sein und sich an die Stellen trauen, die nicht geräumt wurden.

Die Straßen wurden einmal am Tag geräumt und da sie gut mit dem Fahrer der Schneeraupe konnte, schob er den Schnee auf der Auffahrt gleich mit zur Seite. Aber ganz viel weiter brauchte man sich nicht hinauswagen. Der Garten war gar nicht zu betreten und die Terrasse war nur begehbar, weil William sich am Morgen erbarmt hatte und wie ein Verrückter über eine Stunde lang Schnee geschippt hatte. Doch, so hatte er behauptet, war das reiner Egoismus. Der Whirlpool gefiel ihm zu gut, um darauf verzichten zu wollen und Elisabeth hatte mit einem Schmunzeln bemerkt, dass er jeden Morgen eine Stunde nach draußen verschwand.

Doch das war seit Tagen das Einzige gewesen, was sie zum Schmunzeln gebracht hatte. Sie war böse, wütend, enttäuscht und tief traurig zur gleichen Zeit und sie konnte die Aussicht begraben, zu Weihnachten Zuhause zu sein und das ärgerte sie furchtbar. Es wäre das erste Fest, dass sie nicht im Kreis ihrer Lieben verbringen würde und auch wenn Jonathan versuchte, sie am Telefon zu beruhigen und ihr vorschlug, Weihnachten eben erst dann zu feiern, wenn sie wieder daheim war, wurde ihr Herz von Tag zu Tag schwerer.

Das Haus in Schweden war wirklich wunderschön, doch hier erinnerte nichts an Weihnachten. Außer der Unmenge an Schnee. Buffy lachte abgehackt, schlug sich die Hand vor den Mund und beherrschte sich. Und doch war es wahr. Es gab keinerlei Dekoration, keinen Christbaum, kein gar nichts. Doch ihr Unmut weckte auch ihren Widerstand. Vielleicht hatte sie keinen Baumschmuck, doch sie war weder dumm noch unbegabt und würde einfach etwas aus dem basteln, was sie hier im Haus fand.

„Genau", sagte sie und nickte. „Von solchen Kleinigkeiten lasse ich mich doch nicht herunterziehen!" Sie verließ ihren Platz am Kamin und eilte in die Küche. Irgendwas sollte es doch wohl zu finden geben.

 

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Einige Stunden später betrat Spike die Küche und staunte nicht schlecht. Eigentlich hatte er gedacht, sie würden zusammen kochen, so wie in den vergangenen Tagen immer am Abend. Doch Buffy hatte sich in der Küche breit gemacht, eine Menge glitzernde Alufolie verteilt und in der Mitte des Tisches stand ein Eimer Popcorn, den sie beim letzten Einkauf mitgebracht hatte.

„Was machst du?", fragte er und zog eine Augenbraue hoch.

„Wonach sieht es denn aus?", fragte sie und ärgerte sich, dass das Popcorn an ihren Fingen festklebte. Sie schüttelte es ab und seufzte. „Autoren sind echt merkwürdig. Ich kann ja verstehen, dass ihr euch konzentrieren müsst, um etwas Vernünftiges abzuliefern. Aber ihr solltet einen Mittelweg finden, sodass ihr auch noch was von der Welt mitbekommt."

„Habe ich was falsch gemacht?", fragte er verdattert. Er konnte sich keinen Reim auf ihre Aussage machen, sah aber, dass sie anders wirkte, als an den anderen Tagen. Sie sah traurig aus und das gefiel ihm gar nicht.

„Nein, du hast nichts falsch gemacht"", wiegelte sie schnell ab, stand auf und eine Menge Alufolie segelte zu Boden.

Erst da erkannte er, dass es nicht einfach irgendwelche Schnipsel waren. Die Folie war zu Schleifchen zusammengebunden und es gab auch Formen, wie Sterne und Glocken, die auf Pappe aufgeklebt waren. Zudem das Popcorn und das Nähgarn auf dem Tisch, und er schlug sich gedanklich die Hand vor die Stirn. Er sah auf und zuckte mit den Schultern. „Ich habe das wirklich vergessen. Bald ist Weihnachten, oder?" Er konnte nur raten, denn er hatte seit Tagen keinen Kalender mehr gesehen.

„Morgen ist Heiligabend", nickte Buffy und zuckte mit den Schultern. „Alles nicht so schlimm, nur mein Heimweh kommt gerade mit Macht durch und ich…"

„Es tut mir leid", sagte er und fühlte sich seltsam schuldig. Es war natürlich nicht sein Fehler, dass sie nicht von hier weg konnte, doch es war offensichtlich, dass es ihr schlecht ging und er überlegte fieberhaft, wie er helfen konnte. „Ich hab eine ziemlich verrückte Idee", sagte er nach einer Weile und grinste schelmisch. „Und bestimmt hältst du mich für geisteskrank, aber… der Wald ist nicht gerade weit weg und man kann von hier schon sehen, dass dort eine Menge Tannen stehen. Was denkst du? Soll ich mich morgen hinauswagen und versuchen einen Weihnachtsbaum zu besorgen?"

„Um Gottes Willen", fuhr sie hoch und kleine glitzernde Flocken rieselten von ihrem Shirt. „Das war nur eine blöde Idee. Vergiss es einfach. Es ist viel zu kalt und es liegt viel zu viel Schnee, um so einen sinnlosen Ausflug zu wagen. Ich räume den Krempel jetzt zur Seite und dann ist gut." Sie warf einen Blick auf die Uhr. „Es ist sowieso schon spät und wenn wir heute noch was essen wollen, dann sollten wir lieber anfangen zu kochen."

Sie wirkte fest entschlossen, doch er war es ebenso. Er würde morgen einen Weihnachtsbaum im Wald schlagen. Koste es, was es wolle. Dann half er ihr schnell die gebastelten Sachen in eine Mülltüte zu räumen doch anstatt sie wie versprochen zu entsorgen, hängte er sie versteckt unter seiner Jacke an die Garderobe und eilte dann schnell hinauf in sein Zimmer.

 

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Sein Handy weckte ihn aus einem nicht sehr tiefen Schlaf und er lächelte, während er die Weckfunktion ausstellte. Es war jetzt in kürzester Zeit das zweite Mal, dass er es benutzte, doch jetzt konnte es wieder in seine Tasche zurück. Er schwang sich leise aus dem Bett und überlegte, wie er am besten vorgehen sollte. Im Garten stand ein kleiner Schuppen, und Buffy hatte ihm erzählt, dass dort Gartengeräte und auch die Terrassenmöbel gelagert wurden. Doch bei all dem Schnee war es schon ein hartes Stück Arbeit, überhaupt soweit zu kommen.

Danach überlegte er, was er anziehen sollte. Die übliche Jeans würde dieses Mal wohl nicht reichen, denn das Thermometer hatte am Abend zuvor minus zwanzig Grad angezeigt. Spike klaubte deswegen eine Jogginghose aus der Kommode, die schon bessere Zeiten gesehen hatte, ihn aber nun warm halten sollte. Er hüpfte hinein und nahm dann seine schwarze Lederhose. Eigentlich saß das gute Stück recht eng an, doch Leder war dehnbar und so quetschte er sich hinein. Zwei T-Shirts, ein dicker Pullover und 2 Paar mollig warme Socken rundeten sein Outfit ab. Seine Boots nahm er in die Hand. Die würde er erst unten anziehen, um Krach zu vermeiden.

Zehn Minuten später stand er auf der Terrasse und machte ein langes Gesicht. Das Gartenhäuschen war nur etwa dreißig Meter weit weg, doch wie er dorthin gelangen sollte, war ihm schleierhaft. „Ach, was soll’s", murmelte er, nahm Anlauf und sprang hinein in die weiße weiche Flut. Dann begann er sich durch die klamme Masse zu bewegen. Schweißnass kam er zehn Minuten später an und sah sich dann dem nächsten Problem gegenüber. Die Tür der Gartenhütte öffnete sich nach außen.

„Wenn es noch besser wird, dann fall ich um", murrte er. Er dachte an Buffy und wie traurig sie ausgesehen hatte und er zuckte mit den Schultern und begann den Schnee vor der Tür mit den Händen wegzuschaufeln.

Dann jedoch war ihm das Glück hold. Eine Axt hing an der Wand und die Klinge sah sogar frisch geschärft aus. Er sah sich um, sammelte dann schnell ein paar schmale Bretter, Nägel und einen Hammer ein, die er für einen provisorischen Christbaumständer brauchte und kämpfte sich schwer beladen den Weg zur Terrasse zurück.

Vollkommen außer Atem setzte er sich einen Moment auf die Treppenstufen und fragte sich, ob er sich nicht vielleicht doch übernommen hatte? Aber so schnell wollte und konnte er nicht aufgeben. Außerdem würde es zumindest auf der Straße leichter sein und wenn er ganz viel Glück hatte, brauchte er nicht sonderlich tief in den Wald hinein, um einen schönen Baum zu finden.

„Also los", feuerte er sich an und stemmte sich hoch. „Du schaffst das schon!"

 

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Beinahe zwei Stunden später schleifte er hungrig und müde einen wunderschönen Tannenbaum über den Straßenrand, doch dann musste er lachen. Sein Plan ging auf! An der Einfahrt zum Haus blieb er stehen und wartete auf den Räumdienst, der mit blinkenden Warnleuchten langsam auf ihn zukam.

Die Fahrertür des schweren Fahrzeugs schwang auf und ein Mann, dick und warm eingemummelt in eine leuchtend gelbe Jacke, grinste ihn an. „Sind Sie der Verrückte, der mich gestern angerufen hat?", fragte er mit hartem Akzent.

„Allerdings", nickte Spike. „Der bin ich." Dann hob er die Hand. „Warten Sie bitte einen Moment, ich bringe nur rasch den Baum zum Haus." Er zuckelte los, schleifte den Baum bis vor die Haustür und lief dann zurück. „So, jetzt", meinte er und nahm einen riesigen Karton in Empfang, der ihn kurz in die Knie gehen ließ. „Wow", murmelte er und sah den Fahrer an. „Haben Sie alles bekommen?"

„Allerdings", sagte der Mann nickend. Dann suchte er eine Menge Quittungen zusammen doch William schüttelte den Kopf.

Rasch stellte er den Karton auf den gefrorenen Boden und zückte sein Portemonnaie. „Sagen Sie mir einfach, was ich Ihnen schulde."

Der Mann grinste, nannte die Summe und konnte sich es dann doch nicht verkneifen, einen Spruch abzulassen. „Weihnachten kommt aber nicht wirklich plötzlich", sagte er und zeigte eine Menger schiefer Zähne. „Vielleicht sollten Sie das nächste Jahr ein wenig früher darüber nachdenken!"

„Das werde ich", erwiderte Spike lächelnd, zahlte und legte zweihundert Dollar extra darauf. „Für ihre Mühen", sagte er und erntete ein breites Grinsen.

„Jederzeit wieder, Mister", sagte der Fahrer und stopfte die Scheine in die Tasche. „Jederzeit wieder. Rufen Sie mich einfach an!"

William winkte kurz und sah dem Fahrzeug hinterher, bis es fast außer Sicht war, dann sah er hinab auf den Karton und nickte. „Es ist nicht das Gleiche, als wäre sie Zuhause, aber vielleicht wird es so etwas leichter." Dann bückte er sich und schob den Karton über den glatten Boden auf das Haus zu. Jetzt musste er sich nur noch überlegen, wie er die Sachen ins Haus bekam und wie er Buffy die Überraschung am besten präsentierte.

Doch seine Überlegungen waren unnütz. Kaum war er am Haus angelangt, öffnete sich die Haustür und Buffy, gekleidet in einen wolligen Bademantel, starrte ihn verständnislos an. Sie hatte gehört, dass die Schneeraupe eine längere Zeit vor dem Haus gestanden hatte und das hatte sie verwirrt, denn es war mehr als unüblich.

Jetzt blickte sie erst auf Spike, dann auf den riesigen Karton und zum Schluss auf den Baum, der neben der Haustür auf dem Boden lag. „Oh mein Gott", entfuhr es ihr und ihre Augen wurden groß. „Was hast du gemacht?", fragte sie, dann erhellte sich ihr Gesicht, bis sie strahlte. „Ein Weihnachtsbaum?", fragte sie lachend und klatschte vor Freude in die Hände. „Oh, danke, Spike", sagte sie, fiel ihm um den Hals und küsste ihn stürmisch auf den Mund.

 

Teil 8

Williams Lippen waren warm und weich und Elisabeth wollte sich gar nicht wieder von ihnen lösen. Vergessen war ihre Umgebung, vergessen war die Eiseskälte und sie gab sich ganz ihren Gefühlen hin. Doch dann sickerte in ihr Gehirn durch, was sie gerade machte und sie fuhr entsetzt zurück. Wie vom Donner gerührt stand sie da und starrte ihn an. „Entschuldige, das hätte ich nicht tun sollen", murmelte sie und fühlte, wie die Röte in ihre Wangen schoss.

„Um genau zu sein würde ich mich freuen, wenn du das viel öfter machen würdest", erwiderte er, unsicher geworden bei ihrem plötzlichen Rückzug, ging dann aber einen Schritt auf sie zu. „Buffy, ich…"

„Spike, nicht", sagte sie schnell und zog sich noch weiter zurück. „Manchmal handele ich schneller, als ich denken kann und das ist nicht immer gut. Es war ein Fehler, ein dummer Fehler, der nicht zu entschuldigen ist. Überdies ist es wohl nicht die richtige Zeit und auch nicht der richtige Ort. Du bist nicht hierher gekommen, damit ich dich noch mehr durcheinander bringe. Es tut mir leid, ich hätte niemals … wirklich niemals…. "

„Wer entscheidet über den richtigen Ort und die richtige Zeit?", fragte William und gab sich so schnell nicht geschlagen. Er konnte doch spüren, dass mehr zwischen ihnen war.

„William, bitte", flehte sie beinahe. „Du bist hierher gekommen, weil dein Leben ein Scherbenhaufen war. Du bist hierher gekommen um zu vergessen und dich in Ruhe auf deine Arbeit stürzen zu können", sie schüttelte sich vor Kälte. „Es ist nicht fair, dich in diesem Zustand noch mehr zu verwirren."

„Verwirren? Mein Kopf war seit Monaten nicht so klar wie gerade im Moment", er machte eine Pause und lächelte sie fast schüchtern an. „Hast du mir nicht gesagt, ich alleine entscheide über meine Gefühle?", fragte er und ergriff ihre zitternde Hand. „So seltsam es vielleicht klingt, aber ich bin mir schon seit langer Zeit nicht mehr so sicher gewesen, was meine Gefühle betrifft. Meine Gefühle für dich!" Er zog sie an sich heran und sah ihr tief in die Augen. „Sag mir, dass es dir nicht ebenso ergeht. Aber sag es mir so, dass ich es auch glaube."

„Das kann ich nicht", sagte sie und drehte rasch den Kopf zur Seite. Wenn sie noch länger in seine wunderschönen blauen Augen blickte, würde sie schwach werden, doch das konnte und durfte sie nicht. „Du musst dich jetzt um dich kümmern, dafür sorgen, dass es dir wieder besser geht."

„Genau das tue ich gerade", sagte er leise und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Du bist wie ein Wirbelwind in mein Leben gerauscht, hast es auf den Kopf gestellt und mir klargemacht, was ich vermisse. Buffy", sagte er, fasste ihr Kinn und drehte ihren Kopf so, dass er ihr wieder in die Augen sehen konnte. „Ich glaube, ich habe mich schon in dich verliebt, als du in der ersten Nacht mit dem Baseballschläger auf mich zugestürmt kamst. Nie zuvor habe ich eine Frau gesehen, in der so viel Leben steckt, die so impulsiv und so stark ist wie du."

„Oh mein Gott", seufzte sie. Dann ließ sie alle Zweifel sausen und küsste ihn wieder.

Erst die Kälte, die der aufkommende Wind noch verstärkte, brachte sie nach mehreren Minuten auseinander und sie starrten sich an. „Jonathan wird mich umbringen", sagten sie wie aus einem Mund und mussten lachen.

„Lass uns hineingehen", sagte Buffy und schlotterte. Außer einem dünnen Nachthemd und dem Bademantel trug sie nur noch Pantoffeln und diese Bekleidung war nicht gerade ausreichend bei den vorherrschenden Temperaturen.

„Geh vor", sagte William außer Atem. „Ich werde noch die Sachen hereinbringen." Er sah ihr hinterher, lächelte glücklich und schnappte sich dann den Weihnachtsbaum. Er stellte ihn aufrecht, schüttelte den Schnee ab und trug ihn in den Flur. Dann holte er den Karton, hob ihn schnaufend hoch und trug ihn in die Küche, wo Buffy ihn schon erwartete.

„Was ist denn darin?", fragte Elisabeth und beäugte den gigantischen Karton, den sie mit ihren Armen nicht einmal fassen konnte. Er war groß genug, um einen Kühlschrank zu beinhalten, doch sie konnte sich kaum vorstellen, dass Spike irgendwelche Gerätschaften besorgte. Sie sah ihn an und konzentrierte sich schnell wieder auf das Paket. Sie musste sich jetzt dringend ablenken, sonst würde sie ihm gleich wieder um den Hals fallen. Deswegen drehte sie sich schnell um, befüllte die Kaffeemaschine und stellte sie mit fahrigen Bewegungen an.

„Och…", murmelte er, schälte sich aus der nassen Jacke und nahm am Tisch platz. „Wenn alles geklappt hat, dürften eine ganze Menge unterschiedlicher Dinge darin sein. Ich schlage vor, du packst ihn einfach aus." Er sah sie an und nickte ihr aufmunternd zu.

Buffy lächelte ebenfalls und klappte neugierig den Deckel auf. Zu oberst lag eine große Schachtel mit roten und weißen Kerzen in jeder nur erdenklichen Stärke. Dann folgten Lichterketten in verschiedenen Farben und eine Menge Christbaumschmuck, Weihnachtsleckereien im Überfluss, unechte Tannengirlanden, weiß und rot gestreifte Zuckerstangen für den Baum und ganz unten lagen Flaschen voller Punsch, Eierlikör und der verschiedensten Weine.

„Das muss dich ein Vermögen gekostet haben", murmelte sie und bedachte ihn mit einem hinreißenden Lächeln. Sie wusste, dass alles hatte er nur ihretwegen organisiert und sie konnte ihr Glück kaum fassen. „Wie hast du das nur geschafft?"

„Du hast mir doch den Zettel mit den Telefonnummern hinterlassen", sagte er zufrieden. Sie strahlte über das ganze Gesicht und das war alles, was er sich erhofft hatte. „Ich habe alle drei angerufen und die Männer mobilisiert." Dann nickte er. „Jeder hat einen Teil davon besorgt und ich muss zugeben, dass die Schweden ein sehr hilfsbereites Volk sind." Plötzlich sprang er auf. „Ich habe noch etwas Wichtiges vergessen!" Er eilte in den Flur, holte den selbst gebastelten Baumschmuck, den sie gestern so eifrig hergestellt hatte, und überreichte ihn ihr.

„Oh je", murmelte sie. „Du hast mir doch versprochen ihn zu entsorgen."

„Dazu wäre er viel zu schade", meinte er und küsste sie flüchtig auf die Wange. „Außerdem habe ich nur roten Baumschmuck bestellt, wie du vielleicht bemerkt hast." Er nahm sie in die Arme und zog sie an sich. „Silberne Folie passt also perfekt dazu!"

Buffy lehnte sich an ihn und küsste ihn liebevoll, doch dann zog sie sich sicherheitshalber zurück und holte zwei Tassen aus dem Schrank, die sie auch sogleich mit dem dampfenden Kaffee befüllte. Sie stellte beide auf den Tisch, wartete, bis er sich gesetzt hatte und nahm auf seinem Schoß platz. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", meinte sie leise und zeigte auf all die ausgepackten Sachen, die überall in der Küche verstreut lagen. „So etwas Schönes hat noch nie jemand für mich gemacht."

„Du bist leicht zufrieden zu stellen", neckte er sie und umfasste ihren Bauch.

„Weißt du", sagte sie leise. „Eigentlich würde ich furchtbar gerne mit dir zusammen den Baum aufstellen und schmücken", gestand sie. „Aber du wirst nach dieser Aktion müde sein und außerdem musst du dich um dein Buch kümmern."

Wie soll ich mich denn auf ein Buch konzentrieren, wenn du mir so nah bist?’, dachte er und lächelte, als sie sich an ihn schmiegte. „Ich habe beschlossen, mir ein paar freie Tage zu Weihnachten zu gönnen", sagte er und küsste sanft ihren Hals. „Also praktisch Ferien in den Ferien", er lachte leise und packte sie fester. „Ich bin so gut vorangekommen, dass ich mir das durchaus erlauben kann."

Buffys Körper kribbelte und sie sprang schnell auf, nahm die Kartons mit den durchsichtigen Deckeln in die Hände und tat so, als begutachte sie den Baumschmuck darin eingehend. „Wunderschön", sagte sie und sah dann auf. „Wir sollten bald anfangen", lächelte sie. „Damit heute Abend alles fertig ist."

„Das können wir machen", sagte er, versuchte sie nicht zu lange anzustarren und trank schnell einen Schluck Kaffee. „Allerdings werde ich erst duschen müssen. Durch den hohen Schnee zu marschieren war anstrengender, als ich erwartet hätte und meine Füße sind eiskalt. Ich sollte lieber rasch aus den nassen Sachen heraus. Sonst fange ich mir noch eine Erkältung ein." Er stand auf und zog sie wieder an sich. „Die würde mich nur von wichtigeren Dingen ablenken", sagte er heiser und beugte sich hinab um sie zu küssen. „Nämlich von dir!"

„Also gut", stimmte sie zu und schob ihn lächelnd zurück. Es war gar nicht so einfach, die Finger von ihm zu lassen, vor allem, da es ihm offenbar ähnlich erging. Doch sie wollte nichts überstürzen und versuchte sich zu beruhigen. „Ich werde mich unterdessen anziehen und dann schnell Frühstück machen", überlegte sie hastig. „Wir treffen uns dann in einer halben Stunde wieder hier."

„Abgemacht", sagte er und lächelte verschmitzt. „Das ist dann unser erstes Date, Liebes."

Aus den abgesprochenen dreißig Minuten wurden jedoch fast drei Stunden. Buffy hatte sich, als sie hörte, dass Spike das Wasser in seinem Badezimmer aufdrehte, umentschlossen. Eigentlich hatte sie versucht, die ganze Sache ein wenig abzubremsen, damit diese aufflammende Geschichte kein böses Ende fand. Jetzt blieb nur zu hoffen, dass er sie nicht für vorschnell hielt. Sie huschte durch sein Zimmer hinein ins Bad, ließ Bademantel und Nachthemd zu Boden gleiten und schlüpfte dann zu ihm unter den warmen Wasserstrahl.

 

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„Du musst mich loslassen", lachte Buffy und knuffte Spike in die Seite. „Sonst kann ich nicht aufstehen." Eigentlich wollte sie gar nicht aufstehen. Es war viel zu gemütlich und warm in seiner Umarmung, doch langsam wurde es Zeit. Keiner von Beiden hatte auch nur einen Bissen gegessen und es war schon fast Mittag. Außerdem musste sie sich, wenn sie denn am Abend ein festlich geschmücktes Wohnzimmer wollte, endlich aufraffen.

„Du musst aber nicht aufstehen", erwiderte er leise und knabberte zärtlich an ihrem Ohrläppchen. Eng umschlungen lagen sie in seinem kuschelweichen Bett und er fühlte sich rundherum wohl und zufrieden. „Wir bleiben einfach für immer und ewig hier liegen."

„Spike!", schimpfte sie gespielt ernst. „Wir müssen…" Das Telefon klingelte und sie angelte mit spitzen Fingern danach. „Ach du meine Güte", seufzte sie nach einem Blick auf das Display. „Es ist John." Sie holte tief Luft und schüttelte den Kopf. „Ich kann jetzt nicht mit ihm sprechen."

„Ich aber", sagte er, löste sich von ihr und nahm das Telefon. Das Gespräch würde mit Sicherheit nicht angenehm werden, doch er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Immerhin war Buffys Bruder sein bester Freund und auch wenn er nicht wirklich eine Erlaubnis brauchte, so war es ihm gegenüber nur fair, wenn er die ganze Wahrheit wusste.

Buffy nutzte die Chance, sprang auf und schlüpfte schnell in ihren Bademantel. Dann verzog sie das Gesicht, zuckte mit den Schultern und stürmte aus dem Zimmer.

„Hi, Jonathan", meldete sich Spike nach dem fünfzehnten Klingeln. „Gut, dass du anrufst. Ich muss dringend mit dir sprechen!"

 

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„Und er ist wirklich nicht böse auf mich?", vergewisserte sie sich zum dritten Mal. Ihr Bruder und dessen Meinung waren ihr extrem wichtig, doch Spike lächelte sie beruhigend an.

„Bestimmt nicht. Er war ziemlich geschockt und wohl auch sprachlos. Es hat mehrere Minuten gedauert, bis er überhaupt wieder einen Ton von sich gegeben hat." Und das war nicht gelogen. Spike hatte schon gedacht, er hätte einfach aufgelegt, doch er hatte ihn irgendwo weit entfernt fluchen hören.

„Jedem anderen würde ich den A… aufreißen", hatte Jonathan dann geschnaubt und tief ein und ausgeatmet. Spike hatte sicherheitshalber gar nichts gesagt und darauf gewartet, dass sein Freund sich beruhigte. „William, ich kenne dich und ich weiß, du machst das nicht aus einer Laune heraus. Und ich kenne auch dein Wesen und im Grunde könnte ich mir wohl keinen besseren Mann für meine Schwester wünschen. Aber solltest du ihr jemals wehtun, dann reiße ich dir höchstpersönlich die Eier ab!"

Bei der Erinnerung an die Drohung musste Spike lächeln und er zog Buffy an sich. „Glaub mir, Luv. Es ist alles in bester Ordnung", sagte er und strich ihr über das Haar. „Und wenn du es genau wissen willst… es ist mehr als nur in Ordnung. Es ist so, wie es schon immer sein sollte!"

 

Teil 9

Das Feuer im Kamin prasselte gemütlich, die Kerzen, die auf seinem Sims standen und deren Flammen munter funkelten, dufteten nach Vanille und Zimt und gaben dem Raum eine weihnachtliche Atmosphäre, die schöner kaum sein konnte. Der Christbaum war geschmückt und die Lichter darauf ließen die roten Kugeln und den selbst gebastelten Weihnachtsschmuck strahlen. Es war warm, behaglich und gemütlich.

Buffy und Spike lagen eng aneinandergekuschelt auf dem Sofa unter einer Decke und ließen den Abend in aller Seelenruhe ausklingen. Der Fernseher lief, irgendein reißerischer Actionfilm flimmerte über den Bildschirm, doch William konnte sich kaum darauf konzentrieren. Viel zu viele Dinge spukten in seinem Kopf umher und lenkten ihn immer wieder ab.

Dabei machten seine Gedanken Sprünge, hüpften hierhin und dahin und landeten schlussendlich wieder bei der dunkelhaarigen, rassigen Frau, die ihn nach Strich und Faden belogen und betrogen hatte. Aber es war nicht mehr so, dass er ihr nachtrauerte. Das hatte er längst hinter sich gelassen. Dank Buffys offener Worte, die ihn zum Nachdenken gezwungen hatten.

„Willst du bis in alle Ewigkeiten einer Liebe hinterhertrauern, die nie erwidert worden ist? Einseitig war? Ist das wirklich alles, was du vom Leben erwartest? Oder gibt es da noch viel mehr zu sehen, zu fühlen, zu erfahren?", hatte sie ihn vor wenigen Tagen gefragt und er hatte erstaunt feststellen müssen, dass es nicht die scheinbar verlorene Liebe gewesen war, die ihn all die langen Monate so beschäftigt hatte, sondern sein eigenes Leben, dass sich auf einen so bitteren Schlag hin verändert hatte.

So frei und unbekümmert wie es vor der unseligen Affäre gewesen war, so kompliziert und furchteinflößend war es hinterher geworden. Er hatte sich eingeigelt in seinem Schmerz und dem scheinbaren Verlust, hatte sich versteckt vor der Welt, die ihm so übel mitgespielt hatte. Doch, so hatte er erst jetzt begriffen, war das zum Teil seine eigene Schuld. Er hatte sich überrumpeln lassen von den Medien, war untergegangen in einer Katastrophe, die nicht vorhersehbar gewesen war.

Doch damit war jetzt ein für alle Mal Schluss!


Er dachte an Drusilla, verglich sie im Stillen mit Buffy und stellte befriedigt fest, dass sie dabei nicht sonderlich gut wegkam. Drusilla, schon im Aussehen das komplette Gegenteil der jungen Frau, die er nun in den Armen hielt, war nicht mutig, stark und selbstbewusst wie Buffy. Tatsächlich war sie zart, zerbrechlich und oft ein wenig fern der realen Welt gewesen. Dass das alles nur Schauspielerei gewesen war, bezweifelte er stark. Und doch hatte sie auf der anderen Seite immer recht gut gewusst, was sie von der Welt erwartete.

Sie hatte seinen Beschützerinstinkt geweckt, hatte ihn becirct, verhext, doch das alles war nun vorbei und er war sich sicher, nie wieder auf ein solches Schauspiel hereinzufallen. Er sah auf Buffy herab, die gerade durch die Programme zappte. Nein, bei ihr hatte er so etwas auch nicht nötig. Auch sie wusste, was sie wollte. Aber sie hatte ihr Leben auch alleine im Griff, brauchte ihn nicht, um zu bekommen, was sie wollte. Ganz im Gegensatz zu Drusilla, die stets nur verlangt und gefordert hatte. Doch so sehr er sich auch bemüht hatte, er hatte nicht einmal die Freude in ihren Augen gesehen, die er heute am frühen Morgen in Buffys Augen gesehen hatte. Und dabei hatte er nur ein paar Kleinigkeiten besorgt.

Drusilla hatte sich gerne mit schönen und vor allem teuren Dingen umgeben, doch glücklich war sie dabei nie gewesen, wie er zu wissen meinte. Sie hatte nur mehr und mehr von allem haben wollen, gefordert und beansprucht. Sie wollte ausgeführt werden, natürlich nur in die nobelsten und teuersten Restaurants, und er… ‚Gott, war ich bescheuert’, unterbrach er seine eigenen Gedanken. ‚Ich hätte es durchschauen müssen, hätte es viel eher merken müssen, welch ein falsches Wesen in ihr steckte!’

Dann schob er die finsteren Erinnerungen von sich. Sie gehörten endgültig der Vergangenheit an und er sollte sie endlich aus seinem Kopf verbannen. Spike zog Buffy noch ein kleines bisschen näher an sich heran, beugte sich dann vor und küsste sie auf die Wange.

„Hey", sagte sie leise. „Du warst so ruhig… ich dachte, du wärst eingeschlafen."

„Bisher noch nicht", erwiderte er ebenso leise. „Aber ich muss gestehen, ganz weit weg bin ich nicht mehr davon." Der Tag forderte seinen Tribut. Zum einen war er um Stunden früher aufgestanden als er es gewöhnlich tat, zum anderen hatte ihn sein „Ausflug" in den Wald eine Menge Kraft gekostet. Doch es war die Mühe wert gewesen!

Wieder versank er in Gedanken, viel schöneren Gedanken, die sich ausschließlich mit dem heutigen Tag beschäftigten, doch dann fühlte er, dass Buffy sich versteifte, schließlich die Decke von sich warf und sich aufsetzte. Sie angelte nach der Fernbedienung und stellte das Gerät lauter. Erst da sah er auf den Fernseher.

 

… erst heute bekannt wurde, ist es Drusilla Pritchard gelungen, aus dem Krankenflügel des Frauengefängnisses Lynwood bei Los Angeles zu fliehen und unterzutauchen. Pritchard und ihr Mann, der vor zwei Wochen bei einem Aufstand im Gefängnis von Chino zu Tode kam, saßen für Betrug, Raub und versuchten Mordes eine hohe Haftstrafe ab. Unter ihren Opfern war auch der bekannte Autor, William Grey, der den abscheulichen Überfall in sein Haus beinahe mit dem Leben bezahlt hätte. Der Direktor des Gefängnisses von Lynwood war bisher zu keiner Auskunft bereit, wie und auf welche Weise Drusilla Pritchard entkommen konnte. Allerdings haben wir aus sicheren Quellen erfahren, dass sie wegen eines Nervenzusammenbruchs in den Krankenflügel verlegt worden war.

Wie der zuständige Staatsanwalt erst heute verkündete, ist sie bereits seit mehreren Tagen untergetaucht und es gibt Hinweise darauf, dass sie das Land bereits verlassen hat. Interpol und alle nötigen Behörden wurden eingeschaltet und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die gesuchte Verbrecherin wieder dingfest gemacht wird.

 

Buffy fuhr die Lautstärke wieder runter, als der Nachrichtensprecher sich dem Wetter zuwandte. Sie legte die Fernbedienung auf den Tisch und erst dann drehte sie sich zu William um, der noch immer fassungslos auf den Bildschirm starrte. „Glaubst du, sie kommt hierher?"

Er schüttelte sein Unverständnis ab und sah sie an. „Ich weiß es nicht", meinte er und zuckte mit den Schultern. „Was sollte sie hier?" Der Schock saß tief und wieder kamen unliebsame Erinnerungen an die wohl schlimmste Nacht seines Lebens hoch. Die Narben der Schusswunden brannten wieder und er dachte mit Schaudern daran zurück, wie hilflos und armselig er in seinem Schlafzimmer auf dem Boden gelegen hatte. Blutüberströmt und kaum einer Regung fähig.

„Alles okay?", fragte Buffy, rückte wieder näher an ihn heran und nahm seine Hand, die jetzt eiskalt war. Ihm war anzusehen, was ihm gerade im Kopf herumging, doch sie wusste nicht, was sie sagen oder tun sollte.

„Bestens", brummte er und sprang auf. Aufkommende Wut rauschte durch seine Adern und er lief im Wohnzimmer auf und ab, um ein wenig der unliebsamen Energien loszuwerden.

Eine Weile beobachtete Buffy ihn mit wachsender Sorge, dann stand sie ebenfalls auf und stellte sich ihm in den Weg. „Rede mit mir", forderte sie ihn auf.

„Was soll ich sagen?", fluchte er. „Dass ich gedacht habe, den ganzen Mist endlich hinter mir gelassen zu haben? Und dann… diese eine blöde Nachricht und ich…"

„Du liebst sie immer noch", sagte sie leise und zog sich von ihm zurück.

„Um Gottes Willen, nein", fuhr er hoch und strich sich durch die Haare. „Nein", sagte er fest und schüttelte den Kopf. „Denk doch so was nicht", meinte er um eine Spur sanfter und näherte sich ihr langsam wieder. „Durch dich habe ich erst begriffen, dass ich sie wohl nie wirklich geliebt habe. Es war mehr… Verflucht, das ist kompliziert. Sie wirkte so hilflos und so bescheuert es auch klingt, ich fühlte mich als Retter, als Beschützer." Er schüttelte wieder den Kopf und lachte bitter. „Ich liebe sie nicht, vermisse sie nicht …"

„Was ist es dann?", hakte sie nach. Sie wollte ihm nur zu gerne glauben, doch vielleicht war es auch ihre eigene Angst vor dem Ungewissen, die sie zweifeln ließ.

„Abgrundtiefer Hass und Wut", sagte er leise und sah schnell zur Seite. Er wollte nicht, dass Buffy ihn so sah, wollte nicht, dass sie noch tiefer in eine Sache verstrickt wurde, die sie nie betroffen hatte. Doch er wusste nicht, wie er sie da heraushalten sollte und so sagte er ihr die Wahrheit. „Du weißt, ich wurde angeschossen?"

Sie nickte, sagte aber kein Wort.

„Es war das Schlimmste, was ich je erlebt habe und hoffentlich auch je erleben muss." Er machte eine Pause und schüttelte wieder den Kopf. „In seinem eigenen Haus überfallen zu werden ist … schon der Gedanke ist unerträglich. Aber dann hilflos und ohne jede Hoffnung auf dem Boden zu liegen ist etwas, das ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche. Die Minuten ziehen sich zu Stunden und man fühlt sich von der Welt verlassen, verraten und der Schmerz ist schier unbeschreiblich …"

„Spike", sagte sie und lag in seinen Armen. „Ich wusste davon, habe aber nie überlegt, wie grauenhaft das für dich gewesen sein muss. Ich habe immer nur gedacht, wie viel Glück du gehabt hast, diese Nacht überlebt zu haben."

„Glaub mir, in dem Moment hätte ich nichts dagegen gehabt zu sterben. Nur um den Schmerz nicht mehr zu spüren." Die Wut in ihm wurde übermächtig und hätte er Buffy nicht festgehalten, hätte er gewiss seine Faust in das Nächstbeste gerammt, dass ihm unter die Augen kam.

„Aber das ist jetzt vorbei", sagte sie schnell und er nickte. Sie führte ihn an der Hand zurück zum Sofa, wartete, bis er sich gesetzt hatte und setzte sich dann auf seine Oberschenkel. „Sag mir, was dir im Kopf herumgeht."

Er schnaubte, seufzte dann und sah sie an. „Ich würde sie am liebsten eigenhändig erwürgen. Gott, Buffy. Du sollst nicht in diesen… verfluchten Mist hereingezogen werden."

„Aber ich bin doch schon längst mittendrin", sagte sie leise und küsste ihn auf die Stirn. Dann sah sie ihn an. „Denkst du wirklich nicht, dass sie sich vielleicht an dir rächen will? Immerhin warst du es, der sie ins Gefängnis gebracht hat. Deine Anzeige, deine Aussage…"

„Selbst wenn dem so wäre", überlegte er mit gerunzelter Stirn. „Woher sollte sie wissen, dass ich mich hier aufhalte? Jonathan ist der einzige, der überhaupt davon wusste, dass ich die Stadt verlasse. Meine Kontakte beschränken sich seit dem Überfall nur auf das Nötigste, also vermisst mich auch niemand. Und diese Gegend von Schweden versinkt im Schnee. Wir kommen nicht von hier weg, sie aber auch nicht her. Denke ich jedenfalls."

„Dann hoffe ich mal, dass du recht hast", nickte Buffy und küsste ihn wieder. „Ich wollte es dir nicht sagen… ich weiß es von Jonathan." Sie holte tief Luft. Wenn sie schon die Wahrheit sagte, dann auch die ganze. „Er weiß es schon länger, wollte dir aber nichts davon sagen und…" Sie verhedderte sich in ihrem eigenen Satz und verzog das Gesicht. „Jonathan hat Drusilla nie wirklich aus den Augen gelassen. Selbst im Gefängnis nicht. Er wollte einfach sichergehen, weißt du."

„Wobei wollte er sichergehen?", fragte William verwirrt.

„Er hat sich Sorgen gemacht, weil er Drusilla Pritchard für wirklich gefährlich hält." Sie zuckte mit den Schultern. Sie war gerade im Begriff, etwas über ihren Bruder zu verraten und sie war sich nicht sicher, ob er deswegen Schwierigkeiten bekommen könnte. Doch dann rang sie sich durch. „Jonathan kennt einen Wärter im Lynwood Frauengefängnis und er bezahlt jeden Monat für Informationen."

„Jonathan macht… was?", fuhr Spike hoch.

„Sei ihm nicht böse deswegen", sagte sie schnell. „Er macht das nicht, um…"

„Ich verstehe es schon", unterbrach er sie und lächelte sie an. „Jonathan ist ein wahrhaft guter Freund und ich weiß, dass er mir nur helfen wollte." Dann zuckte er mit den Schultern. „Was hat er herausgefunden?"

Elisabeth suchte nach Worten. „Es heißt, Drusilla Pritchard hätte vollkommen den Verstand verloren. Und als ihr Mann im Männerknast zu Tode kam, ist sie völlig durchgedreht. Sie hat einer Mitgefangenen die Augen ausgekratzt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes." Sie schüttelte sich und Spike umfasste sie sofort fester. „Sie ist unberechenbar, total verrückt und wirklich gefährlich."

Spike sagte eine lange Weile nichts, doch dann sah er Buffy mit einer Ernsthaftigkeit an, die sie fast fürchtete. „Ich werde dich noch morgen von hier wegbringen lassen. Sicherheitshalber", fügte er schnell hinzu. „Und selbst wenn ich dafür Himmel und Hölle in Bewegung setzen muss, einen Schneepflug oder sonst was kaufen muss… du bleibst auf keinen Fall länger als nötig hier. Gleich morgen früh werde ich meinen Freund, den Schneeraupenfahrer, anrufen und er soll sich gefälligst was einfallen lassen!"

 

Teil 10

Die Nacht brachte nur wenig Schlaf mit, jedenfalls für William, der Elisabeth fest im Arm hielt und ihre unruhigen Träume bewachte. Zusammen lagen sie in seinem Bett und Buffy lag halb auf ihm, sodass er sich kaum bewegen konnte. Doch die tauben Gliedmaßen nahm er nur zu gerne in Kauf, jedenfalls bedeutend lieber als all die Sorgen, die sich in ihm ausbreiteten.

Wollte Drusilla sich wirklich an ihm rächen, wie Buffy zu glauben schien? Gab sie ihm die Schuld an ihrer Inhaftierung? Immerhin hatte es auch eine Unmenge an Nebenklägern gegeben und der Prozess hatte sich über Monate in die Länge gezogen, weil täglich neue Zeugenaussagen hinzukamen. Jede Menge enttäuschte und betrogene Männer, denen sie und ihr Ehemann das Geld aus der Tasche gezogen hatten, hatten sich mehr oder weniger freiwillig zu einer Aussage bereiterklärt.

Sein Fall jedoch war aus dieser Menge herausgeragt. Er allein hatte das Pech gehabt, auch körperlichen Schaden davonzutragen und sein Anwalt hatte es nicht einmal verhindern können, dass die Verteidigung ihn als Zeugen aufrief. Es war demütigend gewesen, sich diesen persönlichen Fragen zu stellen und er hatte es gehasst! Hatte es gehasst, dass jede Kleinigkeit seines Lebens in die Öffentlichkeit gezogen wurde, hatte die mitleidigen Blicke der Zuschauer gehasst, aber auch die Blicke der Menschen, die sich an seinem Leid erfreuten.

Er schauderte und Buffy bewegte sich unruhig im Schlaf. Sie war so süß und sanft, wie sie dort auf seiner Brust schlummerte und er konnte kaum fassen, was in den letzten Tagen alles geschehen war. Sie hatte in ihn hineingesehen und mit wenigen, sehr klaren Worten bewirkt, dass er sich von all den schrecklichen Dingen befreien konnte, die schon so lange auf seiner Seele brannten. Sie war das Licht seines Lebens und würde es für immer sein!

Unweigerlich dachte er auch an ihren Halbbruder, der sich als wahrlich guter Freund gezeigt hatte. Nicht nur, dass er immer ein offenes Ohr für ihn gehabt hatte, er hatte ganze Nächte bei ihm gesessen. Immer dann, wenn William die Erinnerungen übermannt hatten und er sein Schlafzimmer nicht einmal betreten konnte. Flaschenweise Whiskey hatten sie zusammen getrunken, erinnerte er sich schmunzelnd, und dabei oft nur unsinniges Zeugs dahergeredet.

Doch Jonathan hatte noch so viel mehr getan. Er wusste, auch ohne dass sie je darüber gesprochen hatten, dass sein bester Freund einen Privatdetektiv engagiert hatte, der die ganze Sache mit seiner falschen Freundin ins Rollen gebracht hatte. Zuerst war er furchtbar böse deswegen auf ihn gewesen, doch er hatte ihm längst verziehen und er mochte gar nicht darüber nachdenken, was sonst noch Schlimmes passiert wäre.


Seltsam war nur gewesen, dass er ihn nicht erreichen konnte. Er hatte, nachdem er sich nach der Horrornachricht wieder beruhigt hatte, versucht bei ihm anzurufen, doch erwischt hatte er ihn nicht und das machte ihn stutzig. John war nie weit weg, wenn man es denn so ausdrücken konnte. Er hatte es noch nie erlebt, ihn nicht an die Strippe bekommen zu können und das verwirrte ihn. Weder Zuhause, im Büro noch über das Mobiltelefon war er erreichbar gewesen. Aber sicher gab es einen triftigen Grund dafür und bekanntlich war ein Mal immer das erste Mal.

Wieder bewegte sich Buffy. Sie rutschte ein wenig seitwärts und gab ihm die Gelegenheit jedenfalls einen Arm und ein Bein bewegen zu können und so drehte er sich vorsichtig auf die Seite. „Ich muss morgen unbedingt dafür sorgen, dass du in Sicherheit gebracht wirst", murmelte er unhörbar und küsste sanft ihre Stirn.

Der Fahrer der Schneeraupe, Spike hatte den komplizierten Namen längst wieder vergessen, würde sich nicht lumpen lassen. Schon gar nicht, wenn er ihm eine stattliche Summe dafür bot. Doch was dann? Wie weit sollte ein Schneeräumfahrzeug Buffy wegbringen können? Durch halb Schweden? Gab es überhaupt einen Flughafen, der noch in Betrieb war? Er hatte nicht aufgepasst, die Wetterberichte und Nachrichten so an sich vorbeirauschen lassen. Alles, was er brauchte, hatte sich in diesem Haus befunden, deswegen hatte er nicht weiter darüber nachgedacht.

Ein herzhaftes Gähnen später versuchte Spike sich zurückzulehnen und einfach zu schlafen. Überhaupt, was sollte die ganze Aufregung? Niemand wusste, wohin sich Drusilla Pritchard abgesetzt hatte und wenn sie auch nur einen einzigen Funken Verstand im Hirn hatte, dann verschwand sie in ein Land, das keinen Auslieferungsvertrag mit den Staaten hatte. Er schloss die Augen, dachte noch ein letztes Mal an Buffy und wie schön es war, sie im Arm zu halten, dann schlummerte er ein.

 

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„Guten Morgen, mein Schatz. Hast du gut geschlafen?"

William hörte die sanft ausgesprochenen Worte nur undeutlich im Halbschlaf, doch er freute sich darüber. Schon seit langer, langer Zeit war er nicht mehr so sanft geweckt worden. Doch am liebsten hätte er noch weiter geschlafen. Er war einfach noch viel zu müde, um sich jetzt schon wieder mit all seinen Sorgen und Problemen zu befassen.

Doch dann stutzte er. Irgendetwas war falsch. Aber was? Langsam öffnete er seine Augen und sein Blick fiel auf Buffy, die am Fußende des Bettes stand. Hinter ihr jedoch stand eine weitere Person, die ein Messer in der Hand hielt und es an Buffys Kehle presste.

„Hast du mich denn gar nicht vermisst, Spikey?", lachte Drusilla amüsiert und William schoss hoch.

Die Müdigkeit war wie weggeblasen, doch er war viel zu geschockt, um auch nur einen Ton über seine Lippen zu bringen. Dann war der Hass wieder da und er kniff zornig die Augen zusammen. „Lass sie auf der Stelle los", drohte er und machte Anstalten, aus dem Bett zu steigen.

„Na, na", erwiderte Drusilla warnend und schüttelte den Finger ihrer freien Hand. „Wer wird denn so garstig sein?" In ihren Augen blitzte der Wahnsinn und sie hatte allem Anschein nach viel Spaß an der derzeitigen Situation.

„Was zum Teufel willst du?", spuckte Spike ihr entgegen und er suchte Buffys Blick, der voller Angst war. Sein Herz setzte einen Schlag aus, dann wuchs seine Wut ins Unermessliche, weil er nichts unternehmen konnte, ohne sie zu gefährden.

„Was ich will?", wiederholte Drusilla, bewegte sich und somit auch die Klinge. Ein schmales Rinnsal Blut lief an Buffys Hals herab, doch die Verrückte bemerkte es nicht einmal. „Ja, was will ich?" Sie lachte wirr. „Es wäre alles so schön und leicht gewesen, wenn du einfach mitgespielt hättest. Wir wollten nichts weiter als dein Geld", schimpfte sie, dann lachte sie auf. „Aber du musstest es schwer machen. Uns zu Dingen zwingen, die nicht geplant waren und als wäre das nicht genug, musstest du zu allem Überfluss auch noch überleben!"

Sie sah Buffy an, die vor Entsetzen zitterte und blickte dann wieder zu Spike. Ihre Augen blitzten gefährlich auf, dann kicherte sie irre. „Du bist Schuld, dass mein geliebter Mann tot ist! Du alleine trägst die Schuld daran, dass seine Aura verblasst ist, nicht mehr funkelt wie die Sterne am Himmel. Du hast ihn mir weggenommen", fauchte sie. „Niemand nimmt mir etwas weg und kommt ungeschoren davon. Niemand!"

Sie redete sich in Rage, doch William bremste sie. Er setzte sich vollends auf und schlug die Decke zur Seite. „Wie du gerade so schön sagtest, Dru: Ich bin Schuld. Warum also bedrohst du die falsche Person mit einer Waffe? Sie kennt dich nicht einmal, hat dir dementsprechend auch nichts getan. Lass sie einfach gehen! Das hier geht nur uns beide etwas an!"

„Du willst mit einer Waffe bedroht werden, mein Schatz?", grinste Drusilla Pritchard und ihr Kopf wackelte dabei hin und her. „Das dürfte kein Problem darstellen!" Sie griff unter ihre Jacke und zog einen Revolver aus dem Hosenbund, den sie lachend auf ihn richtete. „Ist es so besser, Liebling?", fragte sie und ihr rechter Mundwinkel zog sich spöttisch in die Höhe.

War die Lage vorher schon brisant gewesen, so war sie jetzt beinahe aussichtslos. Spike überlegte fieberhaft, warf Buffy immer wieder Blicke zu, doch er wusste einfach nicht, was er tun sollte. Jede zu heftige Bewegung seinerseits hätte sie in große Gefahr gebracht und ihn selbst noch dazu. Denn so verrückt Drusilla auch sein mochte, sie wusste noch immer sehr genau, was sie wollte, und sie würde gewiss auch keine Schwierigkeiten damit haben, die mitgebrachten Waffen zu benutzen. Eine ausweglose Situation und das Einzige, was sie retten konnte, war ein Wunder!

Und dieses Wunder kam in Form eines kleinen Windstoßes, der die offene Zimmertür bewegte und sie in den Angeln quietschen ließ. Woher Buffy die Idee hatte, wusste sie nicht, doch sie rief: „Jonathan! Verschwinde!"

Drusilla war daraufhin einen winzigen Augenblick verwirrt, sah sich um und in diesem Augenblick handelten sowohl Spike als auch Buffy. Buffy schnappte sich die Hand mit dem Messer, drängte sie von sich und entwand sich aus dem Griff der verrückten Frau. Spike hingegen sprang geradewegs auf sie zu und versuchte ihr die Schusswaffe aus der Hand zu reißen. Alle Drei strauchelten, fielen übereinander und ein Schuss, der niemanden traf, gellte durch die Luft.

Sekundenbruchteile später brach das totale Chaos aus. Maskierte, schwer bewaffnete Männer stürmten unter wildem Geschrei ins Zimmer und die Hölle brach los.

„Die Waffe?", brüllte einer und bekam sofort ein „Gesichert" als Antwort.

Dann bellte eine weitere Stimme: „Sie hat ein Messer!"

Spike wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die Eindringlinge. Sein Blick suchte und fand Buffys, doch sie wirkte keineswegs verängstigt, sondern seltsamerweise erleichtert. Aber das verwirrte ihn noch mehr und er versuchte sich aus dem Wust Männer zu befreien.

Dann hallte ein Schuss durch sein Schlafzimmer und ließ seine Ohren dröhnen. Ein zweiter folgte, dann ein dritter und William hörte undeutlich eine neue Stimme, die rief: „Das war’s! Sie ist tot!"

Starke Arme fassten ihn, hoben ihn hoch und erst dann begriff er langsam, was gerade passiert war. Die vermummten Gestalten waren komplett in Dunkelblau gekleidet, kaum voneinander zu unterscheiden, doch sie alle hatten Interpol in gelben Lettern auf Brust und Rücken stehen. Doch noch war er viel zu durcheinander, um alles Geschehene verarbeiten zu können. Seine Gedanken gehörten alleine Buffy und so kämpfte er sich durch die Menge bewaffneter Männer und zog sie in seine Arme.

„Das ist gerade noch mal gut gegangen", sagte einer der Männer zu ihm und zog die Sturmhaube vom Kopf. Dann wandte er sich einem seiner Mitstreiter zu, der am dichtesten an der Tür stand und nickte ihm zu. Dieser erwiderte das Nicken und gab ein Zeichen in den Flur.

Sekunden später hallten wieder Schreie durch das Haus. „Wo sind sie? Geht es ihnen gut? Wo sind sie?"

Es war Jonathan, der kurz darauf ins Zimmer stürzte und erleichtert abbremste, als er Buffy und Spike sah, die mittlerweile auf der Bettkante saßen. Ein Uniformierter untersuchte gerade den Schnitt an Buffys Hals, doch er war nicht tief und blutete kaum noch. „Sie haben wirklich Glück gehabt", nickte der Mann. „Ein einfaches Pflaster dürfte reichen, aber es hätte wahrlich schlimmer ausgehen können."

„Danke schön", sagte Buffy mit wackeliger Stimme und sah dann ihrem Bruder entgegen, der über Drusillas leblosen Körper stieg und ihm einen abfälligen Blick zuwarf.

„Kann man euch beide denn nie alleine lassen?", schimpfte er und fasste sich ans Herz. „Ihr seid wirklich unmöglich! Alle beide! Ich möchte mir wirklich nur ein einziges Mal keine Sorgen um euch machen müssen!" Dann grinste er. „Das war verdammt knapp!"

 

Teil 11

Es ging schon auf Mittag zu, als der Trubel in dem sonst so stillen Haus in Schweden endlich nachließ. Ein Großteil der Interpol-Agenten hatte sich zwar direkt nach Beendigung des Einsatzes zurückgezogen, ein kleiner Teil jedoch war geblieben, um Aussagen aufzunehmen und auf den Coroner zu warten, der bei den Wetterverhältnissen allerdings auf sich warten ließ. Erst als Drusilla Pritchards Leichnam aus dem Haus gebracht wurde und die Agenten verschwanden, kam auch William endlich ein wenig zur Ruhe.

Er hatte während der ganzen langen Zeit, in der ständig irgendwer um ihn herum gewesen war, Buffy nicht eine einzige Sekunde aus den Augen gelassen. Entweder war sie die geborene Schauspielerin, oder aber sie steckte das Geschehene bedeutend lockerer weg, als er erwartet hatte. Es war nicht so, als würde sie freudig durch das Haus wuseln, doch sie machte auch nicht den Eindruck, als wäre sie verschüchtert oder gar verängstigt.

Laut eigener Aussage ärgerte sie sich nur darüber, von Drusilla überrumpelt worden zu sein. „Ich bin recht früh aufgewacht", hatte sie den Agenten erklärt, als diese nach ihrer Aussage fragten. „William schlief noch tief und fest und ich bin runter gegangen, um das Frühstück vorzubereiten. Und plötzlich stand sie hinter mir und bedrohte mich mit dem Messer. Ich habe sie nicht einmal gehört, bis sie mich schnappte und zwang, die Treppen hinaufzusteigen und zu William zu gehen."

„Sie hat eine der kleinen Butzenscheiben in der Terrassentür eingeschlagen", hatte der Agent erklärt. „Dann hat sie sich Zugang zum Haus verschafft. Sie konnten nicht wissen, dass sich eine weitere Person im Haus aufhielt. Machen Sie sich deswegen keine Vorwürfe."

Auch William hatte seine Aussage zu Protokoll gegeben, doch wirklich viel zu erzählen hatte er nicht. Immerhin waren nur wenige Minuten nach seinem Aufwachen verstrichen, bis die Interpol-Agenten das Haus gestürmt hatten.

„Die Sache ist vollkommen klar", hatte der Mann erklärt, der alles fein säuberlich in sein Notizbuch geschrieben hatte. „Ich werde meinen Bericht noch weiterleiten, doch ich glaube nicht, dass Sie noch einmal als Zeugen aufgerufen werden. Der Fall ist abgeschlossen und hat, Gott sei Dank, ein gutes Ende gefunden."

 

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„Wieso bist du eigentlich hier?", fragte Buffy ihren Bruder. Sie hatten sich in der Küche zusammengefunden und Jonathan rührte in einem Topf Erbsensuppe. Er hatte die Dosen in der Vorratskammer gefunden und erwärmte das Mahl nun auf dem Herd.

„Das ist eine recht lange Geschichte", sagte er und zuckte mit den Schultern. „Alles fing mit einem Anruf meines Informanten im Gefängnis an", erinnerte er sich. „Mein gut bezahlter Freund im Gefängnis von Lynwood!" Er legte den Kochlöffel in die Spüle, stellte den Eintopf samt Topf auf den Tisch und setzte sich. „Idiot" schimpfte er dann. „Nimmt mein gutes Geld und hat es dann nicht nötig, mich sofort zu informieren! Nein! Der Blödmann wartet ein paar Tage und erzählt mir erst dann, dass die bekloppte Kuh ausgebrochen ist!"

Buffy lachte, Spike fiel mit ein und musste feststellen, dass ihm danach leichter ums Herz war. Er hatte seinen Freund und auch Buffy in eine schreckliche Sache hineingezogen, doch beide wirkten nicht so, als nähmen sie es ihm übel. Er war natürlich glücklich darüber, wusste aber auch, dass ihm sein schlechtes Gewissen deswegen noch eine lange Zeit erhalten blieb. „Jetzt ist das jedenfalls vorbei und du kannst ihn von der Gehaltsliste streichen."

„Da hast du aber so was von Recht", nickte John und zeigte mit einem Löffel auf ihn. Er legte ihn beiseite, stand für einen Moment auf und befüllte die drei Teller mit dampfender Suppe, die schon wartend auf dem Tisch standen. Dann setzte er sich und nahm seinen Löffel wieder in die Hand. „Jedenfalls hab ich nach dem Telefongespräch gleich die Cops angerufen", erzählte er weiter. „Ihr wisst schon, Informationen und die neuesten Nachrichten und so weiter. Ich hab denen auch gleich gesagt, dass ich befürchtete, die Verrückte würde dich aufs Korn nehmen und dass ich mir große Sorgen mache." Er schüttelte den Kopf. „Und was sagt der Dussel von Cop mir? So etwas Ähnliches hätten sie schon befürchtet und sie hätten versucht, dich zu kontaktieren. Aber ich brauche mir keine Sorgen machen, denn du wärst für ungewisse Zeit verreist. Nach Schweden!"

Spike, der gerade seinen Löffel zum Mund führen wollte, stoppte mitten in der Bewegung. „Woher konnten sie das wissen? Ich habe mit niemanden darüber gesprochen! Mit keiner Menschenseele!"

„Hast du auch nicht", nickte Jonathan. „Jedenfalls nicht direkt. Du hast nur das Rudel Handwerker in deinem Haus vergessen und einer dieser Helden hat, ob nun freiwillig oder aus reiner Neugierde, dein Gespräch mit mir mitgehört."

„Ach du meine Güte", meinte Buffy. „Man sollte nicht glauben, dass fremde Menschen so gerne in andere Leben hineinschauen", sagte sie und rührte verdrießlich die Suppe auf ihrem Teller um. Erbsensuppe war noch nie ihre Leibspeise gewesen, doch gerade im Moment verspürte sie überhaupt keine Lust, auch nur einen Löffel mehr zu essen.

„Wie auch immer", nahm Jonathan seine Geschichte wieder auf. „Jedenfalls bin ich gleich nach dem Telefonat mit dem dussligen Cop zu deinem Haus gefahren und habe den Handwerker ausfindig gemacht, der seine Nase nicht aus fremden Angelegenheiten halten konnte. Er war ganz munter und erzählte mir treu und brav, dass er einer netten dunkelhaarigen Lady schon vor ein paar Tagen erzählt hätte, dass der Hausherr in Schweden im Haus seines Freundes wäre."

Spike verschluckte sich fast an der Erbsensuppe. „Ich sollte den Blödmann feuern", schnaubte er und schüttelte den Kopf. „Doch wahrscheinlich hat der Idiot sich nicht einmal etwas dabei gedacht und meinte noch, er wäre eine große Hilfe!"

„Auf jeden Fall sollte man zukünftig überlegen, in wessen Umgebung man telefoniert", warf Buffy ein. „Ich hab da bisher nie drüber nachgedacht, aber wenn man wollte, könnte man schon auf diese Weise eine Menge über einen fremden Menschen herausfinden. Nur durch Belauschen eines Gesprächs."

Jonathan stimmte ihr zu und nickte dann. „Ich habe daraufhin jedenfalls jede verdammte Behörde im Land angerufen, doch so recht wollte keiner darauf anspringen. Ich wäre paranoid, war noch die netteste Auskunft, die ich bekam. Warum sollte Drusilla Pritchard William Grey aufsuchen? Sie hätte sich gewiss abgesetzt und man würde nie wieder von ihr hören." Er schüttelte wieder den Kopf und seufzte dann. „Dann allerdings kam über den Ticker, dass die bekloppte Kuh in Schweden gesichtet worden war und von da an ging alles plötzlich ganz schnell. Ich selbst hab die nächstbeste Maschine genommen, dich ich kriegen konnte." Er schnaubte. „Holzklasse! Also ich kann euch sagen…"

„Aber wie ist sie ins Land gekommen? Oder besser gesagt hierher? Der Flughafen hier ist schon seit Tagen außer Betrieb", meinte Buffy. Sie legte ihren Löffel auf den nur halb geleerten Teller und lehnte sich mit verschränkten Armen zurück.

„Der Flugverkehr läuft übrigens seit heute wieder und ich werde auch heute noch wieder von hier verschwinden. Ich habe nicht mal Klamotten zum Wechseln mit, so sehr habe ich mich beeilt, hierher zu kommen", sagte Jonathan schnell. Dann konzentrierte er sich wieder auf seine Erzählung. „Drusilla Pritchard ist schon vor ein paar Tagen eingereist." Er runzelte die Stirn und überlegte. „Das muss die letzte Maschine gewesen sein, die hier gelandet ist." Er sah seine Schwester an. „An dem Tag, als du abfliegen wolltest und nicht konntest."

Buffy und Spike sahen sich über den Tisch hinweg an, sagten jedoch nichts dazu. Doch dann wandte sich Spike an seinen besten Freund. „Woher weißt du das alles? Deine Informationen sind sehr genau und…"

„Recht lustige Geschichte", unterbrach Jonathan mit vollem Mund. „Ich bin in Stockholm gelandet und kaum hatte ich die Gangway betreten, war ich umringt von finster dreinblickenden Agenten. Da kommt man sich vor wie der Staatsfeind Nummer Eins!" Er lachte. „Meine Mitreisenden müssen Gleiches gedacht haben." Er zuckte die Schultern. „Jedenfalls kam der Anführer der Truppe, übrigens ein ganz patenter Kerl, der Mann, auf mich zu und schlägt mir vor, zusammenzuarbeiten. Ich habe natürlich zugestimmt, unter der Voraussetzung, dass sie mich mitnehmen!"

Jonathan schaufelte sich ein weiteres Mal den Teller voll, dann nickte er. „Jedenfalls kamen wir dann irgendwann in dem Motel an, indem Drusilla untergetaucht war. Die Angestellte, eine kauzige Alte mit lila-grauen Haaren erkannte sie auch gleich auf den gezeigten Fotos. „Klar kenn ich die", meinte sie. „Hab ein paar Mal mit ihr gesprochen, weil sie doch so alleine war. Hat mir erzählt, sie warte hier auf ihren Freund. Wollte ihm zu den Feiertagen eine ganz besondere Überraschung machen. Sie ist vor einer Stunde gegangen!"

„Ganz toll", murmelte Buffy und schüttelte grimmig den Kopf. „Den Rest kennen wir ja!" Sie stand auf und schob ihren Stuhl zurück an den Tisch. „Bin bald wieder zurück", sagte sie, winkte und verließ die Küche.

William und Jonathan sahen ihr hinterher, dann wandte sich William an seinen besten Freund. „Ich weiß gar nicht, wie ich dir für alles danken soll. Ohne dich wäre ich echt aufgeschmissen und ich weiß nicht, was hier heute passiert wäre, wenn…"

„Schon gut", winkte Jonathan ab. „Versprich mir nur, dass du gut auf mein „lieb Schwesterlein" aufpasst!" Dann lachte er. „Ich wüsste da allerdings doch noch etwas. Etwas ganz anderes! Sieh zu, dass du mit deinem dritten Buch in die Hufe kommst! Die Frist läuft langsam aber sicher ab."

 

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„Das ist genial", sagte Jonathan und klatschte vor Begeisterung in die Hände.

Spike hatte sein Laptop geholt und ließ John lesen, währenddessen er die Küche wieder auf Vordermann brachte. „Findest du?", fragte er, obwohl er eigentlich der gleichen Meinung war. Es war das Beste, was er je geschrieben hatte.

„DAS ist der absolute Hammer und wird einschlagen wie eine Bombe!", prophezeite Jonathan und grinste breit. „Das wird der Spitzenplatz in jeder Bestsellerliste! Von hier bis nach Timbuktu!"

William lachte und freute sich, doch dann wurde er wieder ernst. Buffy war schon viel länger weg, als er erwartet hatte. Immerhin hatte sie „bis gleich" gesagt, doch sie war noch nicht zurückgekehrt. „Wo bleibt denn deine Schwester wohl solange?"

„Wir sollten lieber nachsehen", nickte John und stand auf. Er machte sich Sorgen. Er kannte seine Schwester gut, wusste, dass es kaum eine Situation gab, mit der sie nicht umgehen konnte, doch nach einem solchen Tag konnte sich das auch ändern. „Sie ist bestimmt nach oben gegangen."

 

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Sie fanden Buffy auch gleich in ihrem Schlafzimmer, wo sie Pullover, Shirts und sonstige Klamotten in ihren Koffer warf. „Hi", sagte sie und pfefferte eine warme Mütze an die Wand.

„Du reist ab?", fragte William und schluckte schwer. Er hatte etwas Derartiges schon erwartet. Es war auch ein bisschen viel verlangt, dass sie sich dieser Situation noch länger freiwillig aussetzte. Erst einen Mann, der durcheinander und verwirrt war… Und dann auch noch eine Verrückte, die ihr ein Messer an den Hals hielt und ihr Leben bedrohte.

„Was?", fragte sie und sah von Spike zu John und wieder zurück. „Abreisen? Ich? Wohin?"

„Deine Koffer", sagte Jonathan und setzte sich auf ihr Bett. „Du packst deine Koffer und …"

„Ich packe nicht meine Koffer", schimpfte Buffy. „Ich packe höchstens um! Ich suche meinen doofen Schal, damit ich das Pflaster an meinem Hals nicht immer sehen muss, sobald ich in den Spiegel blicke. Meine Koffer sind schon seit Tagen gepackt. Seit dem Tag, an dem ich eigentlich abreisen wollte. Ich habe sie nie ausgepackt und…" Dann begriff sie, warum Spike sie so entsetzt angesehen hatte. „Ich gehe nirgendwohin", sagte sie und tippte ihm mit dem Zeigefinger auf die Brust. „Jedenfalls nicht alleine!"

„Ich gehe dann wohl lieber", sagte John lachend, als die beiden sich in die Arme fielen und heiß und innig küssten. Er stand auf und war gerade an der Tür angekommen, als Buffy sich schwer atmend von William löste.

„Halt", rief sie und lachte. „Ich brauche Urlaub, Chef!"

„Hey", meinte John und schüttelte den Kopf. „Du hast noch nicht einmal angefangen. Da bekommt man bestimmt keinen Urlaub!"

„Dann sagen wir es anders", lächelte sie verschmitzt. „Ich kümmere mich in den nächsten Wochen eindringlich um das Wohl unseres wohl wertvollsten Klienten und darf aus diesem Grund keinesfalls gestört werden."

„Das hört sich doch gleich viel besser an", lachte John und zog sich diskret zurück.

 

Teil 12

„Wann kommst du endlich?" Elisabeth hatte das Warten satt. Gewöhnlich ließ sie William jede nur erdenkliche Freiheit, vor allem, weil er sie nie überstrapazierte. Heute aber ärgerte sie sich! Immerhin war Heiligabend und sie hatten noch nicht einmal den Baum geschmückt.

„Bin bald da, Luv. Ich sitze schon im Auto und wollte gerade losfahren." William lächelte versonnen. Buffy beklagte sich nur selten, doch heute war sogar ihrer Stimme anzuhören, wie ungeduldig sie war. „Beschwer dich bei deinem Bruder! Ich wäre nie auf die Idee gekommen, am heiligen Abend noch einen solchen Termin auszuhandeln."

„Hat denn jedenfalls alles nach deinen Wünschen geklappt?", erkundigte sie sich und betrachtete den Weihnachtsbaum. Eine wunderschön gewachsene Tanne, doch noch schmucklos und leer.

„Mehr als das", erwiderte er lachend. „Aber das erzähle ich dir in einer halben Stunde. Dann bin ich endlich Zuhause!"

 

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Ein Jahr war es nun her, seitdem sich sein Leben auf so wundervolle Weise verändert hatte. Ein Jahr voller Liebe, Glück, aber auch Erfolg.

Jonathans Prophezeiung über sein neues Buch hatte sich erfüllt. Es hatte eingeschlagen wie eine Bombe und es hatte tatsächlich in kürzester Zeit die Bestsellerliste erstürmt. Vielleicht auch Dank der unfreiwilligen Publicity vor dem Erscheinen des Werkes. Für eine kurze Zeit hatte William wieder im Rampenlicht gestanden, denn es war nicht zu verhindern gewesen, dass Drusilla Pritchards unrühmliches Ende bekannt wurde. Allerdings hatten sie Details über den gewissen Tag geheim halten können und so hatten die Medien weniger zu berichten gehabt, als sie gehofft hatten.

Zwar war die ganze unselige Geschichte wieder aufgewärmt worden und sein Gesicht war wieder öfter auf der Mattscheibe erschienen, als es ihm lieb war, doch da keine neuen Fakten bekannt wurden, verebbte die Flut der Aufmerksamkeit schnell wieder. Jedenfalls solange, bis er sein neuestes Werk vorstellte.

Noch einmal wurde alles von Anfang an durchgekaut, doch seine Arbeit setzte sich durch. Die Kritiker liebten ihn, lobten ihn erneut in den höchsten Tönen und gerade heute hatte er die Filmrechte an einen namhaften Regisseur verkauft. Für eine stattliche Summe!

Zudem unterrichtete er auch wieder an der Universität, was hauptsächlich Buffys Verdienst war. Eigentlich hatte er die Bitte des Dekans gleich wieder vergessen wollen, denn er hatte keine Lust, ständig von neugierigen Studenten auf sein Leben angesprochen zu werden. Doch sie hatte nur gelacht. „Du musst ihnen nur von Anfang an klarmachen, dass du zu dem Thema keinerlei Fragen beantwortet", hatte sie gemeint und Recht behalten.

Es funktionierte tadellos. Bis jetzt zumindest. Jedes Semester leierte er gleich in der ersten Vorlesung sein Sprüchlein herunter und sollte sich doch ein Student zu weit vorwagen, so wurde er schlicht weg ignoriert. William war hochzufrieden, denn er liebte seine Vorlesungen. Es machte einfach Spaß, mit den Studenten Katz und Maus zu spielen, alte Kriminalfälle neu aufzurollen oder selbst welche zu erfinden.

„Mein Leben könnte kaum schöner sein", murmelte er glücklich und fädelte sich in den Verkehr ein, der als mörderisch zu bezeichnen war. Offenbar war die halbe Welt auf den Beinen, um noch rechtzeitig zu den Feiertagen bei ihren Lieben anzukommen.

Vierzig Minuten später parkte er den Wagen auf der Auffahrt seines Hauses und sprang behände hinaus. An der Haustür wurde er von Buffy empfangen, die die Hände in die Hüften gestemmt hatte und den Kopf schüttelte.

„Du bist spät", schimpfte sie, ließ ihn an sich vorbei und schloss die Tür.

„Entschuldige" sagte er lächelnd und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Aber ab jetzt gehöre ich ganz dir. Für die nächsten zwei Wochen!"

„Das wird aber auch Zeit", schimpfte sie wieder, doch dann musste sie lachen und fiel ihm in die Arme. „Sonst müsste ich dich entführen. Ich habe nämlich gehört, dass dieses Jahr in Schweden wieder furchtbar viel Schnee fällt." Sie löste sich von ihm, nahm seine Hand und führte ihn in die Küche. „Aber es wird wirklich Zeit, dass du endlich kommst. Wir haben noch soviel zu erledigen…"

„Womit möchtest du denn anfangen?", fragte er und lächelte verwegen. „Damit, dass ich dich in mein Bett trage und…"

„Das vergiss lieber gleich", sagte sie gespielt ernst. „Erstens habe ich das Mittagessen fertig. Zweitens müssen wir noch den Baum schmücken! Und Drittens bekommen wir morgen eine Menge Besuch und wir müssen noch so viel vorbereiten, damit es ein schönes Fest wird. Und natürlich müssen wir…"

Weiter kam sie nicht. Spike schnappte sie, warf sie über die Schulter und trug sie geschwind nach oben. „Mag sein, wie es will", sagte er und hielt sie fest, weil sie so zappelte. „Meiner Meinung nach hatten wir in den letzten Wochen viel zu wenig Zeit für uns und müssen dringend aufholen." Er setzte sie auf dem Bett ab und lächelte. „Außer natürlich, du willst lieber wieder runter gehen und…"

„Blödmann", sagte sie mit einem breiten Grinsen und zog ihn zu sich herab. Dafür konnte sie immer Zeit erübrigen!

 

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„Du hast heute wieder Post bekommen", sagte Buffy und grinste ihn breit an. „Du weißt schon, solche der besonderen Art. So wie er duftet, kann er eigentlich nur von einer schwer verliebten Studentin kommen."

„Nicht schon wieder", stöhnte William, dem diese Art von Anmache zuwider war, und kuschelte sich an sie. „Ich gebe diesen Frauen durch nichts zu verstehen, dass ich Interesse hätte. Wirklich nicht", fügte er noch schnell hinzu. „Ganz im Gegenteil, ich lasse immer wieder durchblicken, dass ich glücklich vergeben bin. Ich habe keinen Schimmer, wie sie auf die Idee kommen, ich könnte…"

„Wie sie auf die Idee kommen?", wiederholte Buffy und lachte. Sie war nicht eifersüchtig, jedenfalls nicht so richtig. Bisher hatte er ihr nie einen Grund geboten und sie wusste zudem von jeder Studentin, die ihm heimlich Briefe zusteckte oder gar so dreist war, sie an seine Heimadresse zu schicken. „Hätte ich einen so gutaussehenden, charismatischen und vor allem jungen Lehrer gehabt, hätte ich ihn auch…"

„Hättest du nicht", lachte er und küsste sie auf die Nasespitze. „Aber erzähl mir mehr von gutaussehend und charismatisch…", verlangte er.

„Das hättest du wohl gerne", lachte Buffy, piekste ihm mit spitzen Fingern in die Seiten und sprang schnell auf, bevor er sich revanchieren konnte. „So! Und jetzt ist Schluss mit Faulenzen! Ich springe rasch unter die Dusche und dann kümmern wir uns bitte um den Baum. Mir läuft sonst die Zeit davon."

William sah ihr hinterher, bis sie im Bad verschwand und setzte sich dann auf. Er konnte wirklich nicht verstehen, was all diese Studentinnen von ihm wollten und warum sie sich bemüßigt fühlten, ihn mit ausführlichen Briefen zu bombardieren. Was erhofften sie sich davon? Bessere Noten? Sein Kurs war hoffentlich interessant, aber er war beileibe nicht wichtig genug, um an der Universität zu bestehen.

Es wäre so viel einfacher, hätte ich einen blitzenden Ehering am Finger’, dachte er. Ein einziges Mal hatte er das Thema angesprochen. Es war kein Heiratsantrag gewesen sondern eine bloße Unterhaltung. Er wollte einfach wissen, was Buffy darüber dachte, doch ihre Antwort war wenig befriedigend ausgefallen.

„Heiraten käme für mich im Augenblick gar nicht in Frage", hatte sie gesagt und kategorisch den Kopf geschüttelt. „Ich habe meine Stelle gerade erst angefangen und auch wenn die Agentur ein Familienbetrieb ist… ich möchte mehr sein als ein gut bezahlter Klotz am Bein meines großen Bruders."

Doch das lag schon ein paar Monate zurück. William beugte sich vor, öffnete die Schublade seines Nachtschränkchens und kramte ein samtenes Kästchen aus dem hintersten Winkel hervor. Er glaubte nicht wirklich, dass sie ihre Meinung geändert hatte, doch vielleicht konnte er ihr ja vorher schon vermitteln, dass es ihm nicht darauf ankam, dass sie möglichst schnell heirateten. Er wollte nur wissen, ob sie ihn überhaupt je heiraten wollte. Sie könnte sich alle Zeit der Welt nehmen. Er würde warten!

 

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Glücklich und zufrieden prüfte Buffy noch einmal die beiden Lichterketten des nun geschmückten Tannenbaums und betrachtete ihr Werk. „Wunderschön", sagte sie und hakte sich bei Spike unter. „Findest du nicht? Fast so schön wie der im letzten Jahr."

„Fast so schön", sagte er. „Aber irgendwas fehlt. Und ich weiß auch was." Er zwinkerte ihr zu, eilte in den Flur und kam gleich sofort mit einer Schachtel zurück. „Hier", sagte er und drückte sie ihr in die Hand.

„Was ist das?", fragte sie neugierig, öffnete den Deckel und lachte. „Ach du meine Güte. Die Dinger existieren noch?" Es war der Baumschmuck aus Alufolie und Pappe, den sie in Schweden vor lauter Verzweiflung selbst gebastelt hatte. „Ich dachte, der wäre längst im Müll gelandet."

„Sag doch so was nicht", erwiderte er, setzte sich aufs Sofa und sah gespannt zu, wie sie die Schleifen, Sterne und Glocken an den Zweigen der Tanne platzierte. „Das ist eine meiner liebsten Erinnerungen an die Zeit." Es war noch ein Teil mehr in der Schachtel und er fragte sich, wann sie es bemerkte.

„Was ist denn das?", fragte sie und zog prompt das samtene Kästchen aus der Schachtel. „William, du wirst doch nicht", sie fuhr herum, doch er kniete schon vor ihr und lächelte sie schüchtern an.

„Du musst dich nicht sofort entscheiden. Und es geht auch nicht darum, möglichst noch morgen zu heiraten. Du hast alle Zeit der Welt. Aber du würdest mich glücklich machen, wenn du …"

„Gott, William", seufzte sie, zog ihn zu sich hoch und küsste ihn stürmisch. „Natürlich werde ich dich heiraten." Dann lächelte sie undurchsichtig. „Und vielleicht sollten wir nicht mehr zu viel Zeit verstreichen lassen. Bevor ich…" Sie zwinkerte ihm zu und ließ ihn dann einfach stehen.

Spike war einigermaßen durcheinander und er verstand nicht, warum sie nun verschwunden war. Doch dann lächelte er. Immerhin hatte sie zugestimmt seine Frau zu werden und mehr konnte er sich kaum wünschen. Einige Minuten später kehrte sie zurück und überreichte ihm nun eine kleine Schachtel, die er mit gerunzelter Stirn betrachtete. „Was ist das?", fragte er verwirrt.

„Mach es auf, dann weißt du es", lächelte sie und wartete gespannt.

William wickelte das Papier ab, öffnete die Schleife und legte den Deckel beiseite. Dann runzelte er die Stirn und sagte eine Weile gar nichts. Kleine Schuhe lagen in dem Kästchen. Offensichtlich eine Sonderanfertigung, farblich passend zum Baumschmuck und mit einer Schlaufe zum Aufhängen. „Warum kaufst du so winzig kleine Babyschuhe für den Baum? Babyschuhe?" Er sah auf und grinste breit. „Bekommen wir etwa ein…"

Buffy schüttelte den Kopf, sah seinen enttäuschten Blick und musste lachen. „Wie viele Schuhe sind es?"

„Vier", brummte er missmutig, dann begriff er und sah wieder auf. „Vier", wiederholte er. „Zwillinge?"

„Allerdings", strahlte Buffy und stürzte in seine Arme. „Frohe Weihnachten, zukünftiger Daddy!"