Titel: Hold on my heart
Autor: Silentthunder
Inhalt: Buffy kauft ein Haus und findet in dem uralten Schuppen ein altes Motorrad. Sie bietet es im Internet zum Kauf an und bemerkt erst dann, dass es ein Fehler war. Immerhin gehört das gute alte Stück gar nicht ihr. Aber es ist ja ein Leichtes, das Angebot zurückzunehmen. Oder etwa nicht?
Altersfreigabe: ab 16
Teile: 11
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

 

 

Hold on my heart

Laut klappernd fiel der Kofferraumdeckel zu und Buffy warf einen letzten Blick auf das große, laute Appartementhaus, das sie nun endlich hinter sich lassen konnte. Ein schelmisches Grinsen zierte ihr Gesicht, während sie geschickt an Mrs. Morrisons Küchenfenster vorbei sah. Das erste Mal in über einem Jahr, dass die alte Dame mehr oder weniger sprachlos war und Buffy triumphierte beinahe, als sie das missgünstige Gesicht der alten verschrumpelten Hexe sah.

„Wie? Sie ziehen aus?", hatte die alte, neugierige Dame sie verdutzt vor wenigen Tagen gefragt. „In ein Haus? Sie ganz alleine?" Große graue, vor Gram und Ärger verschrumpelte Augen hatten sie biestig angestarrt. „Warum zieht eine junge Frau wie sie ganz alleine in die Wüste? Wie können Sie Sich das leisten?"

Es war eine wahre Wonne gewesen, der furchtbaren Frau jede noch so kleine Kleinigkeit zu berichten und Buffy hatte jede Sekunde ausgekostet. Ja, sie hatte ein Haus gekauft, ganz für sich alleine. Und ja, es war außerdem noch extrem günstig gewesen. Genüsslich hatte sie den Neid gesehen, der unentwegt aus den verhutzelten Augen der Frau geschossen war und als sie sich abwandte, hatte ein triumphierendes Lächeln auf ihrem Gesicht gelegen.

Noch immer konnte sie ihr Glück kaum fassen. Durch einen bloßen Zufall hatte sie die unscheinbare Annonce in der Zeitung gesehen. Klein und unauffällig war sie gewesen und Buffy konnte ihr Glück kaum fassen, dass ausgerechnet sie die Einzige gewesen war, die darauf reagiert hatte. Noch dazu den Dusel, dass das Vorbesitzerpärchen unter Termindruck litt und schnellstmöglich verkaufen musste.

Es war ein kleines Haus, versteckt in den Hügeln von Los Angeles, dessen ehemalige Besitzer es mit einer Kakteenzucht versucht hatten. Aus welchem Grund auch immer, sie hatten sie aufgegeben und Buffy hatte das außerordentliche Glück, das hübsche Holzhaus mitsamt seines dazugehörigen Grundstücks für einen Spottpreis zu ersteigern.

Noch einmal warf sie einen Blick auf den riesigen Appartementkomplex, konnte sich ein hämisches Lachen und ein abfälliges Winken nicht verkneifen und grinste vergnügt vor sich hin, weil sie das maulige Gesicht der alten griesgrämigen Nachbarin aufgefangen hatte.

„Auf Nimmerwiedersehen", murmelte Buffy bestens gelaunt, drehte den Zündschlüssel und startete den Motor ihres alten roten Volvos.

Es war ein herrliches Gefühl, sich aus diesem elenden Stadtviertel zu verabschieden. Gut, schön, es war keine wirklich schlechte Gegend, aber sie war beherrscht von großen hässlichen zweistöckigen Wohnblöcken und in dem vergangenen Jahr, das sie hier verbracht hatte, hatte sie keinen Kontakt zu irgendwelchen Mitbewohnern aufbauen können. Jeder ging seinen eigenen Weg, niemand achtete auf seinen Nebenmann und manchmal hatte sie das Gefühl, dass die Gesichter ihrer Nachbarn alle ineinander verschmolzen.

Es war, als würde man nicht richtig leben und die Zeit würde einfach vorüberziehen. Aber genau das hatte sie nie gewollt. Sie wollte genießen, Zeit haben, um die schönen Dinge des Lebens zu betrachten und einfach mal in einer Stille abzutauchen, die erholsam und wiederbelebend war. Gelungen war ihr das bisher nicht.

Aber das lag von heute an hinter ihr. Von jetzt an würde sie sich freuen, nach Hause zu fahren und nicht ein langes Gesicht ziehen, wie bisher. Sie würde sich einen wunderschönen Garten zulegen. Jedenfalls, soweit das möglich war, in dieser trockenen Gegend. Aber vielleicht hatten ja die Vorbesitzer einige ihrer Kakteen stehen lassen und sie könnte sich damit einen herrlichen Steingarten anlegen. Eigentlich hatten sie sie ja abholen wollen, aber das war vor über drei Wochen abgemacht worden und bisher hatten sich die Vorbesitzer nicht gemeldet.

Vielleicht lasse ich irgendwann einen Pool bauen’, überlegte Buffy gut gelaunt, während sie sich in den Verkehr einfädelte, der sich auf dem Freeway in Richtung Westen wälzte. ‚Na ja, träumen darf man ja’, dachte sie lächelnd.

 

                                                                                           *~*~*

 

Die Fahrt verlief ruhig und es dauerte nicht lange, bis sie ihrem Ziel nahe war. Sie bog auf die Landstraße ab und genoss die Aussicht auf das schroffe Felsgestein, das sich in der Ferne abzeichnete. Ganz fassen konnte sie es immer noch nicht, dass sie das von nun an jeden Tag tun konnte aber sie wusste schon jetzt, dass sie es niemals als alltäglich empfinden würde.

Die letzten Kilometer bis zu ihrem Haus vergingen wie im Flug und Buffy parkte den Volvo auf der kiesbedeckten Auffahrt. Sie zog den Schlüssel ab, stieg aus und reckte sich genüsslich. Es war herrlich ruhig hier, von dem Lärm der Großstadt war nichts zu hören und sie lächelte vergnügt, während sie die erste große Reisetasche aus dem Kofferraum wuchtete.

Von nun an würde ein neues Leben beginnen. Sie würde ihre freie Zeit mehr genießen als je zuvor und sie hatte sich fest vorgenommen, jeden einzelnen Moment auszukosten. Außerdem hatte sie das große Glück von Zuhause aus arbeiten zu können. Das Einzige, was sie brauchte, war ihr Computer und den hatte sie schon zwei Tage zuvor in ihrem neuen Arbeitszimmer installiert.

Buffy Summers war eine gefragte Webdesignerin und sie konnte sich gewöhnlich vor Aufträgen kaum retten. Es war zwar nicht immer so gewesen, aber mittlerweile war ihr Name in der Branche bekannt und sie konnte sich ihre Arbeit aussuchen und so einteilen, wie sie es wollte.

Jetzt allerdings gönnte sie sich einen Urlaub und war nur für wirklich dringende Fälle zuständig, die ihr ihr Büro gegebenenfalls mitteilen würde. Allerdings hoffte sie im Stillen, dass niemand es wagen würde, sie in den nächsten vier Wochen zu stören.

Über eine kleine Treppe schritt sie zur Veranda hoch, die jetzt, zum späten Nachmittag, in ein warmes rotgoldenes Licht getaucht war. Erleichtert und bestens zufrieden ließ sie die schwere Tasche von ihrer Schulter gleiten und setzte sich einen Moment auf die alte Hollywoodschaukel, die zwar keinen wirklich sicheren Eindruck machte, aber eine solche Kleinigkeit würde sie heute nicht zurückhalten.

Die schwere, würzige Luft einatmend, lehnte sie sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Es würde eine herrliche Zeit werden. Eine wunderschöne, erholsame Zeit mit ganz viel Ruhe und Muße. Und ja, sie wusste, dass sie übertrieb, aber es war eine schöne Vorstellung und solange es gut ging, würde sie an diesem Gedanken festhalten.

 

                                                                                             *~*~*

 

Keine zwei Wochen später hatte Buffy sich eingelebt. Sie genoss jeden Morgen die Sonne, die durch das kleine Fenster schien und sie am frühen Morgen an der Nase kitzelte und sie liebte die Stille des Umlands, die höchstens von ein paar Vögeln oder von zirpenden Grillen unterbrochen wurde.

Ihren Garten hatte sie mittlerweile auch weitgehend fertig, auch wenn es einige Mühe gekostet hatte. Aber die Vorbesitzer, die Petersons, hatten ihre großen Kakteen tatsächlich nicht mehr haben wollen und sie hatte sich vom Baumarkt eine große Fuhre Kies liefern lassen und sich einen wunderschönen Steingarten angelegt. Es hatte fast eine Woche gedauert, bis sie die ganzen Kieselsteinchen verteilt hatte, aber wenn sie sich nun umsah, dann hatte es sich definitiv gelohnt.

Sie lächelte milde. Sie hatte es getan, hatte ein kleines Stückchen des Gartens unangetastet liegen gelassen. Buffy hatte sich entschieden. Sie würde sich tatsächlich einen Pool bauen lassen. Nicht unbedingt heute oder auch in der nahen Zukunft, aber ihr Plan stand fest. Ein solches Haus und ein solch schöner Garten schrieen geradezu danach. Irgendwann, ja irgendwann würde sie ein Schwimmbecken ihr eigen nennen und wenn sie nun die Augen schloss, dann konnte sie es sich fast bildhaft vorstellen.

Nur leider gab es vorher noch so einiges anderes zu erledigen. Erschöpft setzte sie sich auf die kleine Treppe, die zur Veranda hinaufführte und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Das Schlimmste, was sie jetzt noch zu tun hatte, war den alten Schuppen aufzuräumen, der hinter der Garage stand und schon bessere Zeiten gesehen hatte.

Das Haus selbst war schon lange fertig, auch wenn hier und da noch Möbel fehlten. Aber das hatte Zeit. ‚Holzhäuser haben etwas für sich’, dachte sie vergnügt. ‚Man muss nicht ein einziges Zimmer tapezieren.

Sie wandte sich um, betrachtete ihr Haus und lächelte vergnügt. Von außen hatte es die übliche Naturholzfarbe, von innen war von einem Malerbetrieb alles in einem satten cremeweiß gestrichen und wenn man ganz viel Vorstellungskraft besaß, dann konnte man sich das Haus auch in Norwegen oder Schweden vorstellen. ‚Nur, dass das mit dem Wetter nicht ganz hinhaut’, schmunzelte sie vergnügt. Doch dann dachte sie wieder an die noch bevorstehende Aufgabe und ihr Gesicht verfinsterte sich.

Leise seufzend drehte sie sich wieder um und machte den Hals lang, um den schäbigen Schuppen zu begutachten, der von hier aus nur schwer zu sehen war. Die große Frage war, was sie damit machen würde? Würde es sich lohnen, das Ding wieder herzurichten? Oder sollte sie Nägel mit Köpfen machen und den halbvergammelten Schrotthaufen abreißen? Brauchte sie überhaupt einen Schuppen? Sie überlegte einen Moment und zuckte mit den Schultern. Einen Rasenmäher brauchte sie sicherlich nicht, denn sie hatte gar keinen Rasen. Was also sollte man sonst dort unterstellen?

Sie erhob sich, streckte ihren malträtierten Rücken und straffte sich dann, aufgrund der neuen, bevorstehenden Aufgabe. Sie hatte schon viel tun müssen, aber darauf hatte sie so gar keine Lust und vielleicht hatte sie es deswegen auch immer wieder aufgeschoben.

Eigentlich hatte sie nicht einmal Lust, die Schuppentür aufzumachen. Was würde ihr dort begegnen? Gab es dort Ratten und anderes Getier?

Was auch immer dir dort entgegenkommt, du schaffst das schon’, machte sie sich selbst Mut und atmete tief ein. ‚Auf geht´s!’

Ein seltsames Gefühl beschlich sie, als sie schließlich vor der Tür des Schuppens stand und die Hand auf die verrostete Klinke legte. „So schlimm wird es wohl nicht werden!" Sie holte ein letztes Mal tief Luft, dann zog sie die knarrende Tür weit auf.

Staub flirrte durch die Luft, als die Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne durch die jetzt offene Tür fielen und den miefigen Innenraum sachte beleuchteten.

Alte, verrostete Gartengeräte hingen an der Wand, eine große Sichel und eine noch größere Sense baumelten von einem Dachbalken herab. Und wenn Buffy richtig sah, dann stand in einer der Ecken ein uralter Drahtesel, der schon bessere Zeiten gesehen hatte.

„Gar nicht so schlimm, wie ich dachte", murmelte sie leise und zuckte mit den Schultern. Aber was genau hatte sie eigentlich erwartet? Über sich selbst verwirrt, schüttelte sie den Kopf und beschloss, sich das Ganze einmal näher anzusehen.

Langsam und vorsichtig, sicherheitshalber auf jeden Schritt achtend, schritt sie in den muffigen Raum. Wirklich viel zu entdecken gab es scheinbar nicht. Ein paar alte Seile lagen herum, ein rostiger Werkzeugkasten, der bei jeder noch so kleinen Berührung mit Gewissheit in alle Einzelteile zerfallen würde und noch mehr Gartengeräte. Harken, Hacken, Schaufeln, Spaten und Rechen… jede Menge Dinge, die, so alt wie sie waren, kaum noch zu gebrauchen waren.

Doch dann stutzte sie. Im hintersten Winkel, verborgen hinter ein paar aufeinander gestapelten Strohballen stand etwas, dass von einer großen Decke verhüllt war.

„Hm", überlegte Buffy laut. „Sollte ich nachschauen, was das ist, oder es lieber lassen?" Doch dann schüttelte sie den Kopf. Warum bitte sollte sie nicht nachsehen?

Kurzentschlossen ging sie darauf zu und versuchte mit spitzen Fingern, den alten Stoff anzuheben, ohne dass er gleich zu Staub zerfiel. Doch ganz gelingen wollte es nicht. Irgendwo hakte es und als sie fester zog, hörte sie ein leises Ratschen und die alte Decke zerbröselte in unendlich viele Teile.

Mit leichtem Schaudern wischte sie sich die schmutzigen Finger an ihrer Hose ab und staunte nicht schlecht, als ihr Blick auf das fiel, was der halb vermoderte Stoff bisher verdeckt hatte.

Ein altes schwarzes Motorrad lehnte an der Schuppenwand, verstaubt und angerostet.

„Wow", murmelte sie verblüfft. „Damit hatte ich nicht gerechnet." Wirklich Ahnung hatte Buffy nicht davon, aber ihr war sofort klar, dass dieses Ding zu schade dafür war, einfach auf den Müll zu wandern. Und da das Internet ihre Domäne war, wusste sie auch, was sie zu tun hatte.

Es dauerte einen Moment, aber dann hatte sie alle Daten zusammen, die sie benötigte. „BMW R 71" murmelte sie vor sich hin. „BMW R 71", wiederholte sie mehrmals, dann war sie sich sicher, die Einzelheiten im Kopf zu haben.

Schulterzuckend überlegte sie, das alte Stück wieder zuzudecken, doch sie wusste nicht womit und somit beschloss sie, erst einmal ins Haus zurückzugehen und ihren Computer hochzufahren. Jetzt war sie neugierig. Jetzt wollte sie wissen, was für einen Schatz sie gefunden hatte.

Teil 2

Es dauerte nicht lange und Buffy hatte alle Daten zusammen, die sie aus den unendlichen Weiten des Webs zusammentragen konnte. Rasch stand sie auf, suchte in der Schublade ihres Schreibtischs nach ihrer Digitalkamera und grinste breit, als sie sie schließlich in der Hand hatte. Ein Foto der alten Maschine würde den möglichen Erlös vom Verkauf des Motorrads erhöhen und sie wollte die letzten Sonnenstrahlen ausnutzen, um die Maschine in einem denkbar guten Licht erscheinen zu lassen. Blitzschnell flitzte sie zurück zum Schuppen.

Keine zehn Minuten später saß sie wieder an ihrem Rechner und durchsuchte die Fotos, die sie von der alten Maschine geschossen hatte. Eins fiel ihr besonders ins Auge und sie beschloss, dass das das Richtige war. Sich in ein weltweit bekanntes Onlinekaufhaus einzuloggen war kein Problem und in Windeseile hatte sie ihr Angebot fertig.

„Soll mich ja mal wundern", überlegte sie laut und kontrollierte ihre Offerte. „Aber irgendwer soll sich wohl dafür interessieren." Sie überflog ein letztes Mal die Worte, die das alte Motorrad anpriesen und drückte schließlich die Entertaste, um das Ganze abzuschicken.

Natürlich wusste sie jetzt auch, für wie viel Geld solche Maschinen gehandelt wurden. Immerhin hatte sie gut recherchiert! Letztendlich kam es jetzt darauf an, wie gut sie noch in Schuss war. Ob überhaupt noch irgendetwas daran funktionierte. Aber immerhin war sie offen und ehrlich gewesen und hatte im Angebot vermerkt, dass sie die alte BMW in einem Schuppen gefunden und nicht den blassesten Schimmer davon hatte.

„Aber einen Versuch ist es wert", nickte sie sich selbst zu. Von 5 bis 8000 Dollar war alles möglich und sie grinste vergnügt. Möglicherweise… ja vielleicht würde dieses kleine Schätzchen ihr den Pool bezahlen, den sie sich wünschte.

Doch dann, wie aus heiterem Himmel, fiel ihr siedendheiß ein, dass das gute Stück eigentlich gar nicht ihr gehörte. Beschämt und entsetzt über sich selbst griff sie zum Telefon. Wie hatte sie denn nur so verrückt sein können, so etwas Wichtiges zu vergessen? Mit fahrigen Fingern wählte sie die schon bekannte Nummer.

„Oh, hi, Mr. Peterson. Buffy Summers hier. Nein … es geht nicht wieder um die Kakteen… nein, bestimmt nicht. Es ist nur … ich habe heute Nachmittag beim Aufräumen im Schuppen ein altes Motorrad gefunden und … nein … sie brauchen es nicht auf den Schrottplatz bringen … darum geht es nicht … es ist gar nicht Ihre Maschine …? Okay. Mr. Peterson… wissen Sie zufällig, wem sie dann gehört? Nein? Was müsste auf den … oh, die Papiere für die Maschine. Die Papiere … ja, sicher, da müsste es eingetragen sein … Ich weiß gar nicht, warum ich nicht daran gedacht habe. Aber wo soll ich die denn finden? Ja, nein …. Entschuldigen Sie die Störung. Ja, danke. Einen wunderschönen Abend wünsche ich Ihnen."

Buffy legte das Telefon auf den Schreibtisch und verdrehte die Augen. Wie konnte sie denn so bescheuert sein und ein Motorrad zum Verkauf anbieten, von dem sie nicht einmal wusste, wem es gehörte?

„Ach du meine Güte", murmelte sie. War sie so auf das Geld versessen gewesen? Nein, das war es nicht. Sie hatte einfach nicht richtig nachgedacht, aber den Schlamassel konnte sie ja schnell wieder beheben. Sie musste nur das Angebot zurückziehen und fertig.

Rasch loggte sie sich wieder ein und musste dann mit Entsetzen feststellen, dass es bereits zu spät war. Jemand der sich Big Bad nannte, hatte es tatsächlich getan und die alte Maschine sofort gekauft. Kein Handeln, kein Abwarten oder Zaudern. Er hatte ihren Verkaufspreis von 8000 Dollar scheinbar für günstig befunden und zugeschlagen.

„Shit", murmelte Buffy und verdrehte die Augen. „Na, der wird begeistert sein, wenn ich ihm erklären muss, dass ich die Kiste dann doch nicht verkaufen kann. Big Bad … oh Mann, was das wohl für einer ist."

Vor ihrem inneren Auge tauchte ein hünenhafter Mann mit Vollbart auf, bekleidet in schwarzem Leder und einer Sonnenbrille, die das halbe Gesicht bedeckte. „Ganz toll, Buffy. Das hast du ja wieder super hinbekommen!"

Ihre Laune sank weit unter den Gefrierpunkt und nur widerwillig klickte sie auf das kleine Symbol, das ihr anzeigte, dass sie eine Email erhalten hatte. „So, und von jetzt an wird es wirklich lustig!"

 

                                                                                             *~*~*

 

Die Tage danach konnte Buffy kaum begreifen. So viele Mails hatte sie privat wohl noch niemals verschickt. Dieser Big Bad nannte sich von nun an Spike und egal wie oft sie ihm erklärt hatte, dass es ein Unfall, ja ein Unglück war, dass sie die Maschine verkauft hatte, er hatte nicht klein bei gegeben. Wieder und wieder hatte er sie angeschrieben, zuerst wütend, dann enttäuscht und schlussendlich hatte er sie solange bearbeitet, dass sie zugestimmt hatte, dass er sich das Motorrad jedenfalls einmal ansehen konnte.

„Vielleicht kann man den Besitzer ja irgendwie ausfindig machen", hatte er ihr geschrieben, nachdem sie zugegeben hatte, was für einen Mist sie gebaut hatte. „Eventuell finden sich die Papiere, oder aber man findet man ihn über die Fahrgestellnummer. Ich würde die Kiste wirklich gerne kaufen und wäre auch bereit, die Suche gegebenenfalls aus meiner Tasche zu bezahlen."

 

Nervös kaute sie auf den Fingernägeln. Noch zehn Minuten, dann wollte der, ihr wildfremde, Mann hier sein. „Ich bin wirklich total bescheuert", murmelte sie und stand auf, um sich an das Wohnzimmerfenster zu stellen. Von da aus hatte sie einen perfekten Blick auf die Straße und eigentlich hoffte sie im Stillen, das niemand sie befahren würde.

Allerdings war ihr das Glück nicht sonderlich hold. Nur wenige Minuten später röhrte ein schweres Motorrad die Straße hinauf, hielt vor ihrem Haus und wie gebannt starrte sie auf die Person, die lässig von der Maschine abstieg.

Ein wirklich charismatischer junger Mann mit fast weiß gefärbten Haaren streckte sich und zog dann den Schlüssel aus dem Zündschloss. Er ließ seinen Nacken kreisen, warf einen Blick auf die Nachbarschaft und konzentrierte dann seine Blicke auf ihr kleines Häuschen.

„Jetzt wird es ernst", flüsterte sie leise, aber im gleichen Moment läutete es schon an der Tür und sie hatte keine Gelegenheit, noch länger darüber nachzudenken, was sie zu ihm sagen wollte.

 

                                                                                            *~*~*

 

„Hi", sagte Spike und seine blauen Augen strahlten sie an. Er streckte ihr die Hand entgegen und lächelte breit. „Ich muss gestehen, ich hatte nicht mehr geglaubt, irgendwann hier anzukommen." Gut gelaunt schüttelte er ihre Hand und wartete scheinbar darauf, dass sie seinem Charme erlag. Jedenfalls kam es ihr so vor.

Er nickte, wartete, dass sie etwas erwiderte, aber Buffy machte keine Anstalten. Sie starrte ihn nur an, schüttelte dann resolut den Kopf und griff nach ihrem Haustürschlüssel, der griffbereit auf einer kleinen Kommode neben der Tür lag.

„Ich denke, wir sollten lieber gleich in den Schuppen gehen", meinte sie und lächelte, als er sie verschmitzt angrinste.

„Sicher", erwiderte er. „Ich gehe immer gerne mit wildfremden jungen Frauen in eine dunkle Ecke." Er hob die Arme. „Hey, das war nur Spaß!"

„Wie auch immer", erwiderte sie und dachte im Stillen, dass es wahrscheinlich nur einer seiner vielen blöden Anmachsprüche war. Er sah nicht gerade so aus, als wüsste er nichts über seine Wirkung auf Frauen. Doch das konnte ihr eigentlich egal sein. Aber zugeben musste sie, dass er etwas Spezielles hatte, das sogar sie reizte.

„Hast du noch mal nach den Papieren gesehen?", fragte Spike, während er ihr folgte und ihr dabei dicht auf den Fersen blieb. „Aber ich schätze mal nicht, dass sie hier bei dir im Haus sind. Die BMW hat schon mehr Jahre auf dem Buckel, als das Haus alt sein kann."

„Nein, ehrlich gesagt hab ich nicht danach gesucht", meinte sie und zuckte mit den Schultern. „Ich bin nicht mal wieder im Schuppen gewesen. Ich hätte auch gar nicht gewusst, nach was genau ich hätte suchen sollen."

Es war ein merkwürdiges Gefühl, so vor einem fremden Mann herzulaufen, doch Buffy tat ihr Bestes, um es sich nicht anmerken zu lassen. Eigentlich war sie es gewohnt, sich durchzusetzen …, warum sie es bei ihm nicht geschafft hatte, sie konnte es nicht sagen. Es war schon seltsam, vor allem, da ihr bisheriger Kontakt sich ausschließlich auf Mails beschränkt hatte. Und dennoch hatte sie zugelassen, dass er sich durchdrückte und herkam.

„Verstehe", murmelte Spike und wartete, dass sie das Tor aufstieß.

„Dahinten in der Ecke steht es", meinte sie und deutete ins Innere des maroden Schuppens. „Aber ich denke immer noch nicht, dass es eine gute Idee ist. Es war ein großer Fehler von mir, es überhaupt anzubieten." Wieder zuckte sie mit den Schultern, doch diesmal machte sie dabei ein verdrießliches Gesicht. „Ich habe es dir ja schon geschrieben… ich war einfach viel zu voreilig und habe nicht nachgedacht."

„Mach dir deswegen mal keine Sorgen", meinte Spike und lächelte milde. „Bisher ist noch nichts passiert. Aber die Maschine ist es wert, einmal genauer in Augenschein genommen zu werden. Es gibt nicht mehr besonders viele Motorräder dieser Art und vor allem des Baujahrs, das du im Internet angegeben hast. Sollte sich herausstellen, dass die Maschine noch fahrbereit ist … Wow! Das wäre schon verdammt cool."

„Na dann", sagte Buffy auffordernd. „Wie du schon sagtest, bisher ist nicht wirklich etwas geschehen und vielleicht hast du ja Glück und der Besitzer lässt sich tatsächlich ausfindig machen."

„Ja", meinte er lächelnd und zog das kleine Wort gewaltig in die Länge. „Aber jetzt will ich erst einmal gucken, ob es wirklich eine BMW R 71 ist. Und wenn sie dann noch tatsächlich von 1938 ist, dann wäre das eine der ersten Kisten, die davon überhaupt gebaut worden sind." Seine Stimme wurde sanft und er geriet ins Schwärmen.

Buffy beobachtete ihn wie gebannt. Sein Blick schien verschleiert und sie musste sich das Lächeln verkneifen. Es sah fast so aus, als würde er sich in seinen Tagträumen verlieren und so räusperte sie sich und lächelte ihn an. „Bevor die Freude überwiegt, solltest du nachschauen, ob es sich wirklich lohnt."

„Jepp, allerdings!" Er zwinkerte ihr zu und schob sich dann an ihr vorbei.

 

                                                                                             *~*~*

 

Zehn Minuten später strahlte der so genannte Big Bad über das ganze Gesicht und sah am ehesten aus wie ein kleines Kind, das den größten Eisbecher der Welt geschenkt bekommen hat. Er hatte das Motorrad vorsichtig von den Resten der Decke befreit und es behutsam in die Mitte es Schuppens geschoben.

Nun lief er wieder im Kreis um die Maschine herum und klatschte hin und wieder vor Begeisterung in die Hände. „Verdammt! Wenn der Tachostand stimmt, dann… verdammte Hölle, das wäre so was von cool." Er drehte sich zu Buffy um. „Hast du das gesehen? Das verfluchte Ding ist weit über sechzig Jahre alt und hat fast keinen Rost angesetzt. Nicht einmal die Lackierung hat gelitten."

„Wie auch immer", meinte Buffy vorsichtig und lehnte sich an die Tür. „Wirklich weiter hilft uns das nicht unbedingt. Denn egal wie gut der Zustand ist, wir wissen immer noch nicht, wem das Motorrad wirklich gehört. Und du solltest dich nicht zu früh freuen."

„Stimmt leider", gab er seufzend zu, doch dann hellte sich sein Gesicht wieder auf. „Aber wenn es auch nur die kleinste Chance gibt, das herauszufinden, dann werde ich die nutzen! So eine Kiste gibt man nicht einfach verloren. Dafür lohnt es sich zu kämpfen."

Nun, den Ausspruch fand Buffy dann doch etwas übertrieben, doch sie antwortete nicht darauf. Jeder hatte seine Hobbies, aber nicht jeder drehte dabei so auf, wie dieser Mann das tat. Aber eigentlich konnte ihr das so ziemlich egal sein. Sie war eigentlich schon raus aus dem Spiel. Sollte Spike den Besitzer finden, dann würde er das Geld dafür bekommen. Sie selbst bot einfach nur noch den Lagerplatz. „Und was machen wir jetzt?"

Teil 3

Es war merkwürdig, einem fremden Mann dabei zuzusehen, wie der sich seines Lebens freute und scheinbar am liebsten einen Freudentanz aufgeführt hätte. Seit einer geschlagenen Viertelstunde schaute Buffy nun dabei zu, wie er sich über jede Kleinigkeit, die er am Motorrad entdeckte, freute wie ein Schneekönig.

„Sogar das Scheinwerferglas ist noch vollständig und im Original. Wow! Die verdammte Kiste hat in all den Jahren nicht einen Kratzer abbekommen. Entweder hat der Besitzer sie sehr gut gepflegt, oder aber nie gefahren."

Buffy sah dabei zu, wie Spike die Stirn runzelte und völlig in Gedanken abdriftete, die sie nicht einmal nachvollziehen konnte. ‚Komischer Kauz’, dachte sie und schüttelte fast unmerklich den Kopf. ‚Na ja, jedem sein Hobby."

„Ich will ja wirklich nicht stören", meinte sie zwei Minuten später. „Aber die Sonne geht gleich unter und elektrisches Licht gibt es in diesem Schuppen nicht."

Er starrte sie an, als würde er sie das erste Mal überhaupt bemerken. „Oh, ähm … ja sicher." Dann grinste er breit. „Entschuldigung. Aber dieses Motorrad ist etwas ganz Besonderes. Schon seit Jahren versuche ich vergeblich, eine solche Maschine aufzufinden. Mittlerweile gibt es zwar eine Menge Nachbauten, doch ich wollte immer ein Original."

„Kann ja sein", sagte Buffy und sie konnte die Gereiztheit nicht aus ihrer Stimme verdrängen. „Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, wie Rumpelstilzchen um das Ding herumzulaufen. Wie gesagt, es wird bald dunkel und wir, beziehungsweise du, bist nicht einen Schritt weiter."

„Stimmt", gab er zu und sah sie an. Dann lachte er. „Für dich muss es ziemlich seltsam ausgesehen haben, wie ich hier herumstolziert bin."

„Ich dachte zeitweilig, es wäre eine Art Regentanz", brummte Buffy und schüttelte den Kopf. „Wie kann ein erwachsener Mann sich bloß so anstellen?" Die Frage war raus, bevor sie drüber nachgedacht hatte. „Entschuldigung", sagte sie schnell. „Das geht mich wirklich nichts an. Von mir aus kannst du den ganzen Tag um dein Motorrad herumlaufen. Von mir aus kannst du es sogar zum Tanz auffordern!"

Spike sah sie einen Moment fassungslos an, dann legte er den Kopf schräg und grinste sie an. „Und du hältst mich für merkwürdig?" Er lachte laut los und stockte, als sie verdrießlich schnaubte. „Sorry. Diesmal muss ich mich entschuldigen." Er räusperte sich, tat so, als würde er ihre verletzte Miene nicht sehen und ging in die Knie. „Tja, was soll ich sagen … ich hatte eigentlich gehofft, dass ich etwas finden würde, das mir eine Identifizierung erleichtern würde, aber bisher war diese Hoffnung vergebens. Ich schreib mir noch schnell die Fahrgestellnummer auf, dann bin ich weg."

„Gut", brummte Buffy. Was bildete sich dieser eingebildete Fatzke eigentlich ein? Wer war sie denn, dass sie sich von unbekannten Männern anraunzen ließ? Sie drehte sich auf dem Absatz um, verließ den wackeligen Schuppen und knallte die Tür zu, kaum dass er ihr gefolgt war.

„Es tut mir leid", sagte er, als er ihr zurück in den Vorgarten folgte. „Das war wirklich sehr unhöflich von mir."

„Vergiss es", murrte sie, noch immer nicht bereit, ihm zu verzeihen. Doch dann winkte sie mit der Hand ab. „Wie auch immer … ich wünsche gutes Gelingen."

„Danke", sagte er, während sie die kleine Treppe zur Veranda erklomm. „Ähm …, ich weiß, dass ist jetzt vielleicht ein bisschen viel verlangt … aber dürfte ich morgen früh vielleicht noch einmal wiederkommen, um mich noch einmal im Schuppen umzusehen? Ich meine, da liegt ja eine Menge Plunder herum und vielleicht habe ich Glück und entdecke etwas, das mir weiterhilft."

Na super’, dachte Buffy. ‚Das auch noch!’ Sie überlegte einen Moment und nickte dann ergeben. „Von mir aus."

„Wirklich sehr nett", nickte er und seine blauen Augen strahlten im Licht der Verandalampe. „Ich verspreche auch, mich zu benehmen!"

Buffy sah dabei zu, wie er auf sein eigenes Motorrad zuschritt, den Schlüssel ins Zündschloss steckte und sich dann lässig darauf setzte. Ihre Ohren dröhnten, als der Motor röhrend hochjagte und sie verzog das Gesicht. ‚Was für ein Lärm! Furchtbar.’

Zum Abschied hob sie einmal kurz die Hand und verschwand dann ruckzuck im Haus, ohne darauf zu achten, ob er die kleine Geste vielleicht erwiderte.

 

                                                                                         *~*~*

 

Um sieben Uhr am nächsten Morgen klingelte ihr Wecker und nur widerwillig kletterte sie aus dem Bett. Eigentlich hatte sie ausschlafen wollen, aber sie hatte ja leider vergessen, den „Big Bad" zu fragen, was es für ihn bedeutete, wenn er morgen sagte. Hieß das, dass er um acht Uhr in der Früh auf der Matte stehen würde, oder aber kam er erst um Elf?

„Warum überlegst du eigentlich, was dieser Hampelmann meint", meckerte sie ihr verschlafenes Spiegelbild im Badezimmer an. „Der Schuppen steht offen und er kann jederzeit rein. Er braucht dich dazu nicht."

Sie kontrollierte den Wasserstrahl der Dusche, entschied, dass er warm genug war und schlüpfte aus ihrem Schlafshirt. „Ich habe sowieso keine Lust, ihn wieder bei seinen blöden Regentänzen zu beobachten", maulte sie munter vor sich hin. „Dämlicher Kerl!"

Überhaupt hatte sie sich viel zu viele Gedanken um oder auch über ihn gemacht. Wen interessierte schon, wie er wirklich hieß?! Wenn er heißen wollte wie eine Zeichentrick- Bulldogge … ja bitte schön, dann sollte er eben!

Sie hatte sich über ihn geärgert, mehr sogar, als sie eigentlich gern zugab. Vor allem wusste sie nicht einmal genau, warum. Wahrscheinlich war es einfach, weil sie leider den Hang hatte, zuviel zu sagen, wenn sie sich erst einmal verheddert hatte. Das passierte ihr immer, wenn sie vermeintlich etwas Falsches gesagt hatte und sie dann versuchte, es wieder geradezubiegen.

„Und wenn schon", maulte sie ihre Shampooflasche an. „Wen interessiert das schon?

Es tat gut, ihre langen, honigblonden Haare zu waschen. Auch wenn sie heute vielleicht etwas rabiater zugange war als sonst. Jedenfalls half es, die finsteren Gedanken zu vertreiben und als sie schließlich unten in der Küche angekommen war, hatte sich ihre Laune einigermaßen gebessert.

Buffy löffelte Kaffeepulver in die Maschine und schaltete sie an. Es war jetzt halb Acht und wahrscheinlich hatte sie jetzt eine lange Wartezeit vor sich. Bestimmt hatte dieser Spike gestern noch ein riesiges Fass aufgemacht und schlief jetzt seinen Rausch aus.

Sie verzog das Gesicht und zuckte im nächsten Moment zusammen. Das Telefon klingelte. So früh am Morgen hatte sie noch niemals jemand angerufen und mit fragendem Gesichtsausdruck meldete sie sich.

„Oh gut", hörte sie eine bekannte Stimme. „Du bist schon wach."

Es war Spike und Buffy starrte das Telefon an, als könnte es ihr eine Antwort darauf geben, woher der Kerl denn ihre Nummer hatte. „Allerdings", schnaubte sie. „Ich wusste ja nicht, wann du hier aufschlagen wolltest."

„Ähm… Entschuldigung", murmelte Spike und Buffy verdrehte die Augen. Sie hatte es schon wieder getan. Ohne Grund hatte sie ihm eine reingewürgt und dabei war er so freundlich anzurufen, bevor er ihr Haus stürmte.

„Was gibt’s?", fragte sie und bemühte sich um eine liebenswürdigere Stimmlage.

„Ja, also ... eigentlich war das nur ein Probeanruf", sagte er dann. „Ich hätte es nur zweimal klingeln lassen, sicherheitshalber, ich wollte dich ja nicht aus dem Bett schmeißen. Ich wusste einfach nicht, wann ich kommen darf. Ich war gestern wohl doch etwas überdreht und hab ganz vergessen zu fragen, um welche Uhrzeit es dir passen würde?"

„Jetzt bin ich jedenfalls wach", lachte Buffy, von seiner Freundlichkeit milde gestimmt. „Von mir aus kannst du deine Suche starten."

„Danke! Bis gleich!" Und weg war er.

Wieder starrte Buffy das Telefon an. Dieser Kerl war schon ein komischer Kauz, aber eigentlich recht freundlich. Nur, wie hatte er es selbst noch genannt, etwas überdreht. Sie zuckte mit den Schultern und legte das Telefon auf den Tisch. „Wenn ich jetzt fies wäre, würde ich eine Stoppuhr benutzen. Wahrscheinlich heizt er jetzt wie ein Irrer durch die Stadt, nur um schnellstmöglich hier zu sein."

 

                                                                                          *~*~*

 

Die Stoppuhr hätte Buffy nicht viel genutzt. Es dauerte über eine halbe Stunde, dann fuhr ein schwarzer Mustang auf ihre Auffahrt und sie blickte verwirrt aus dem Wohnzimmerfenster. „Scheinbar steht er auf Klassiker und Oldtimer", murmelte Buffy, als sie Spike auf dem Fahrersitz erkannte. „Und was schleppt er da an?"

Spike war ausgestiegen und hatte eine Menge Packpapiertüten vom Rücksitz genommen. Mit dem Fuß stieß er die Tür zu und steuerte dann auf ihre Haustür zu.

„Guten Morgen", wünschte er, als sie die Tür öffnete. „Ich habe uns Frühstück mitgebracht!"

Verwirrt sah sie ihn an und zeigte dann auf die Unmenge von Tüten. „Für uns und wie viele andere?"

Lachend bahnte er sich einen Weg in die Küche und Buffy folgte ihm fassungslos. Dieser Mann hatte eine merkwürdige Art an sich. Er hatte nicht einmal auf ihre Einladung gewartet, aber vielleicht konnte er auch einfach seine Last nicht mehr halten und wollte sie so schnell, wie es ging, abstellen.

„Was ist da alles drin?", fragte sie und hielt dabei die Kaffeekanne hoch. „Trinkst du Kaffee?"

„Gerne", nickte er, zog sich einen Stuhl vom Tisch ab und setzte sich. Dann deutete er mit dem Kopf auf seine Tüten. „Ich wusste ja nicht, was du magst, also habe ich so gut wie alles gekauft, was ich finden konnte."

Sie wählte einen Stuhl der ihm gegenüber stand und zog eine der prallgefüllten Papierboxen zu sich heran. ‚Wow’, dachte sie, nach einem Blick hinein. Er hatte sich wirklich nicht lumpen lassen und war nur eben bei Mac Donalds vorbei gefahren. Er hatte den wohl teuersten Feinkosthändler der Stadt geplündert und sie sah ihn an. „Ach du meine Güte! Wer soll das alles essen?"

„Wir", schlug er lächelnd vor und wickelte ein herrlich duftendes Pastrami-Sandwich aus. „Ich habe aber auch irgendwo Obstsalat", meinte er und durchwühlte die Tüten.

Der Tisch füllte sich mehr und mehr und Buffy wusste gar nicht, was sie überhaupt essen sollte. Er hatte Bagels mitgebracht, Donuts und verschiedene Sorten Sandwichs. Jede Menge verschiedene Früchte, klein geschnitten und als Ganzes, eine Unmenge an Käse, Salate und Wurst und wenn sie das gerade richtig gesehen hatte, ungefähr sechs verschiedene Sorten Müsli mitsamt einer großen Flasche Milch.

„Warum machst du das?" Durcheinander schüttelte sie den Kopf.

„Na ja, gestern sind wir uns wohl auf dem jeweils falschen Fuß begegnet und ich dachte, dass wäre eine ganz nette Art, noch einmal von vorne zu beginnen." Er putzte seine Hand an einer Serviette ab und streckte sie ihr entgegen. Er lachte verschmitzt. „Hi! Mein Name ist William. William McGray und ich habe einen schweren Spleen, wenn es um Motorräder geht."

Buffy lachte und schüttelte die dargebotene Hand. „Angenehm", sagte sie. „Meinen Namen muss ich dir wohl nicht mehr sagen. Immerhin kennst du sogar schon meine Telefonnummer."

„Dein Name steht am Briefkasten", sagte er und zeigte mit dem Daumen über seine Schulter.

„Verstehe", nickte sie. „Ganz schön clever!"

„Bin ich immer", lächelte er und zwinkerte ihr zu. „Magst du?", fragte er und hielt ihr eins der Pastrami-Sandwichs unter die Nase.

„Ja, gerne. Danke", sagte sie, nahm es entgegen und biss hinein. „Was genau hoffst du eigentlich zu finden?", erkundigte sie sich nach einer kurzen Pause. Sie nippte an ihrem Kaffee und sah ihn aufmerksam an.

„Ich habe keine Ahnung", gab er zu. „Aber vielleicht hat der ehemalige Besitzer der Maschine ja mehr von sich dagelassen als nur das Motorrad. Vielleicht finde ich eine alte Rechnung, einen Briefumschlag… irgendsowas halt."

„Verstehe", nickte sie und biss wieder in das Sandwich. „Ich werde dir gleich helfen. Ich habe eh nichts Besseres zu tun."

„Das ist wirklich sehr nett von dir", nickte er. „Aber das musst du nicht. Du hast doch bestimmt andere Dinge … wichtigere Dinge zu tun."

„Nein, im Moment nicht", erwiderte sie und lächelte ihn an. „Ich habe Urlaub und ehrlich gesagt, bin ich schon gespannt, was sich noch alles im Schuppen finden lässt. Vielleicht verbirgt die windschiefe Hütte noch andere Schätze." Sie stand auf und goss sich frischen Kaffee nach. „Aber erst esse ich noch eins von diesen leckeren Dingern", lachte sie und griff nach einem zweiten Sandwich.

Teil 4

Es war ein heißer Morgen und Buffy war froh, dass zumindest hin und wieder ein kühler Wind durch die Ritzen des Schuppens sauste. Zum wiederholten Mal wischte sie sich den Schweiß von der Stirn und warf dabei einen kurzen Blick auf Spike, der sich gerade durch den hintersten Winkel der Hütte wühlte.

Zumindest scheut er keine harte Arbeit’, dachte sie und musste schmunzeln. Er hatte wirklich jeden Zentimeter abgesucht und jeden Fetzen aufgehoben und begutachtet, den er finden konnte. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände und sein schwarzes T-Shirt war von dem vielen Staub mittlerweile aschgrau.

Gefunden hatten sie so Einiges, doch nicht unbedingt das, wonach sie suchten. Allerdings war sie nun stolze Besitzerin eines wunderschönen, alten Zinkeimers, den sie bepflanzt auf die Veranda stellen wollte. Außerdem hatte sie eine alte Milchkanne gefunden, von der sie noch nicht sicher war, ob sie sie behalten wollte.

Überlegt hatte sie, das alte Stück zu lackieren oder zu bemalen und es als Schirmständer zu benutzen. Allerdings brauchte man in Los Angeles nicht gerade oft einen Regenschirm. Sie zuckte mit den Schultern. Das würde sie später entscheiden. Wieder warf sie einen Blick auf Spike. Er pfefferte gerade ein paar alte Decken zur Seite und grummelte dabei unablässig vor sich hin.

„Sieht nicht so aus, als würden wir fündig werden", sagte Buffy und er drehte sich zu ihr um.

„Nein, leider nicht", sagte er und rümpfte die Nase. „Mist, verfluchter!", schimpfte er, sah sie an und grinste. „Entschuldige. Mein Temperament geht wieder mit mir durch. Aber ich hätte die Papiere der Maschine schon gerne gefunden. Das hätte die ganze Sache bedeutend vereinfacht."

„Kann ich mir vorstellen", nickte sie und lehnte sich erschöpft an die morsche Schuppenwand. Es war einfach viel zu warm, um draußen zu schuften.

„Na ja", murmelte er. „Ich muss mich mal schlaumachen, was es jetzt für Möglichkeiten gibt. Nach all den Jahren, die die BMW schon hier steht… vielleicht sind die Besitzansprüche des ehemaligen Besitzers null und nichtig und ich kann sie dir einfach abkaufen. Aber ich hätte schon gerne …", er schnaufte und sah sie an. „Weißt du, mein Großvater hat so eine Maschine besessen und … ach, elendige Familiengeschichte. Das wird dich nicht interessieren, aber es wäre schon schön, wenn ich sie haben könnte."

„Es wird schon irgendwie gehen", meinte Buffy aufmunternd.

„Ich hoffe", nickte er, ging auf das Motorrad zu, das in der Mitte des Schuppens stand, und warf einen sehnsüchtigen Blick darauf. „Die Kiste hat echt was. Wenn sie erstmal geputzt, poliert und komplett instand gesetzt ist…"

„Lass uns erstmal was Kaltes trinken gehen. Eine Pause können wir wohl beide gut gebrauchen", sagte sie beinahe sanft, denn es war schon sehr rührend, wie er das Motorrad betrachtete. „Und außerdem wirst du es schon irgendwie schaffen, dass es irgendwann dir gehört."

„Dein Wort in Gottes Ohr", murmelte er und seufzte. Dann sah er auf. „Aber was Kaltes trinken würde ich jetzt wirklich gerne." Er versuchte sein T-Shirt abzuwischen und schüttelte dann den Kopf. „Hilft nicht viel", murmelte er und zog es sich einfach über den Kopf.

Buffy machte große Augen. Erstens, weil sein Oberkörper sehr nett anzusehen war und zweitens, weil er mit seiner Bewegung eine große Sense angestoßen hatte, die nun von ihrem Haken an den Dachsparren herunterfiel.

„Achtung!", schrie sie, griff nach seiner Hand und zog ihn aus der Gefahrenzone. Die scharfe Schneide der Waffe fiel mit einem hohlen „Klong" auf die Erde und Spike sah sie erschrocken an.

„Das war knapp", murmelte er. „Danke." Doch dann runzelte er die Stirn. „Hast du das gehört?"

„Was?", fragte sie verdattert. So nah neben ihm zu stehen verwirrte sie für einen Moment und sie war froh über die Ablenkung.

„Das klang hohl."

„Was klang hohl?", wiederholte sie verblüfft.

„Als die Sense auf den Boden geknallt ist. Hast du das nicht gehört?" Er warf sein T-Shirt auf den Sattel der Maschine und bückte sich, um die Sense aufzuheben. Dann drehte er sie in der Hand so um, dass der Stiel nach unten zeigte, und klopfte auf die Erde.

„Es hört sich an, als wäre da ein Hohlraum", nickte sie, während Spike den Boden rund um den Eingang der Hütte abklopfte. „Vielleicht gibt es hier ja noch einen Keller."

„Das ist auch mein Gedanke", meinte er zustimmend. „Steht hier vielleicht irgendwo ein Besen herum? Es liegt zuviel Sand auf der Erde, um etwas Genaueres sagen zu können."

„Ich habe einen Besen", hüstelte Buffy und es fiel ihr immens schwer, den Blick von seinen Brustmuskeln zu lösen. „Ich dachte… hm, wollten wir nicht was trinken?"

Entgeistert sah er sie an, doch dann zuckte er mit den Schultern. „Okay", meinte er. „Hunger habe ich auch schon wieder. Und der Schuppen läuft ja nicht weg."

„Kein Problem", meinte sie lächelnd. „Du hast genug Nahrungsmittel angeschleppt. Das sollte für heute und die gesamte nächste Woche reichen. Und was den Schuppen angeht… ich glaube kaum, dass er Beine kriegt und wegläuft. Außerdem wäre eine Pause echt nett. Es ist fast Mittag und die Sonne brennt heute ganz schön stark."

„Also… ich meine, wenn … wenn dir das zu viel ist … ich kann das auch alleine machen. Du musst mir nicht helfen." Er griff sein Shirt, verließ die Hütte und schüttelte es aus.

„Immerhin ist es mein Schuppen", lächelte Buffy, während er sein Shirt wieder über den Kopf zog. „Ich kann dich hier nicht alleine schuften lassen." Und da er ihr einen fragenden Blick zugeworfen hatte, sprach sie schnell weiter. „Ich habe keine Angst, dass du was mitnimmst", sagte sie schnell. „Also nicht, dass du meinst, ich trau dir nicht. Es ist nur…"

„Schon okay", bremste er sie mit einer Handbewegung. „Du hast schon Recht. Immerhin kennst du mich nicht, oder kaum." Er sah sie an. „Auch wenn es mir seltsamerweise anders vorkommt."

Bevor Buffy etwas erwidern konnte, hatte er sich abgewandt und lief aufs Haus zu. ‚Wow’, dachte sie und atmete schwer die heiße Luft ein, die um sie herum war. Und sie hatte schon gedacht, sie wäre die Einzige, die so seltsame Gedanken hätte. Wahrscheinlich lag es einfach daran, dass sie sich heute Morgen beim Frühstück so gut unterhalten hatten. Da war ihr jedenfalls das erste Mal aufgefallen, dass er ihr nicht wie ein Fremder vorkam, sondern eher wie ein alter Freund.

„Ja. Ein Freund mit einem verdammt heißen Oberkörper!" Doch, bevor sie sich weiter in diese Gedanken verstricken konnte, lief sie eilends hinter ihm her. Das fehlte ihr jetzt auch noch! Jetzt fing sie schon an, fremde Männer anzusabbern. Ging es noch schlimmer?

Buffy holte Spike auf der Veranda ein. Besser gesagt, hatte er sich auf die alte Hollywoodschaukel gesetzt und starrte ins Leere, als sie die Stufen hinauf schritt. „Alles okay?"

„Jepp. Ich musste nur gerade an meinen Großvater denken. Obwohl ich eigentlich nichts von ihm weiß, außer die Geschichten, die mein Vater immer von ihm erzählt hat." Für einen Moment verfiel er in Schweigen, dann sah er sie an. „Nicht so wichtig."

Buffy antwortete nichts darauf. Es schien auch nicht so, als wollte er weiter darüber reden, also schloss sie die Haustür auf und genoss die kühle Luft, die ihr daraus entgegenströmte. „Puh", sagte sie und reckte sich. „Das tut gut."

„Darf ich?", fragte Spike, der vor ihrer Spüle stehen geblieben war.

„Sicher", nickte Buffy. Allerdings verstand sie nicht ganz, warum er deswegen fragte. Die Antwort kam jedoch prompt. Spike drehte den Kaltwasserhahn weit auf, bückte sich und ließ das kühle Nass über seinen Kopf laufen. Eine Minute später kam er prustend wieder hoch, nahm das Handtuch, das Buffy ihm entgegenstreckte, und grinste breit. „Das tat gut."

„Das kann ich mir vorstellen", nickte sie und musste lachen, als sie seine zerstrubbelten Haare sah. „Und was jetzt?", fragte sie spitzbübisch. Sie konnte es einfach nicht lassen, ihn ein wenig auf die Arme zu nehmen. „Deine ganze schöne Frisur ist hin. Soll ich dir vielleicht Haargel bringen?"

„Och", lachte er. „Wenn du mich schon fragst…"

Buffy brach in schallendes Gelächter aus. Kopfschüttelnd verließ sie die Küche und als sie wenige Minuten später zurückkam, hatte es sich Spike bereits am Küchentisch gemütlich gemacht. Sie überreichte Haargel und Bürste und öffnete den Kühlschrank.

„Ich habe gestern Abend noch einen großen Krug Eistee gemacht. Magst du?"

„Gerne", nickte Spike und nahm ihr den schweren Glaskrug ab. „Ich bin wirklich gespannt, ob sich unter deinem Schuppen wirklich noch ein Keller befindet", meinte er und stand auf, um ihr zu helfen.

Buffy drückte ihm Teller und Besteck in die Hand und wandte sich dann wieder dem Kühlschrank zu. „Ich habe auch noch Steaks da", sagte sie überlegend. „Die könnte ich schnell braten."

„Um Gottes Willen", erwiderte er. „Mach dir bloß keine Umstände. Außerdem schmeckt bei den Temperaturen kaltes Essen doppelt so gut." Er nahm sämtliche Pakete entgegen, die Buffy ihm reichte und stellte sie auf den Tisch. „Ich bin echt gespannt, ob ich jemals den ehemaligen Besitzer der Maschine finde."

Buffy setzte sich an den Tisch, goss sich ein Glas Eistee ein und warf ihm dabei einen skeptischen Blick zu. „Dir ist es verdammt ernst damit."

„Wohl wahr", er nickte bedächtig, nahm den Krug entgegen und goss sich ebenfalls was ein. „Ich konnte es kaum glauben, als ich dein Angebot im Internet sah." Er lachte. „Und dann für 8000 Dollar. Wahnsinn! Ich musste einfach sofort zuschlagen."

„Tut mir leid", murmelte Buffy beschämt und hörte auf, in ihrem Obstsalat zu wühlen. „Ich wollte dir wirklich nicht …. Sorry. Ich weiß wirklich nicht, was ich mir dabei gedacht habe, das Angebot überhaupt ins Netz zu stellen. Ich hab nicht richtig nachgedacht und dann war es schon zu spät, um …"

„Hey", bremste Spike sie lächelnd. „Ich war einem solchen Motorrad noch nie so nah wie jetzt." Er wickelte ein Sandwich aus und biss hinein. Gedankenverloren kaute er. „Und glaub mir, ich gebe nicht auf. So schnell nicht!"

„Okay", murmelte sie, noch immer mit einem unbehaglichen Gefühl im Magen. „Das andere Motorrad …, das, mit dem du gestern hier gewesen bist … ist das auch ein älteres Baujahr? Es sah jedenfalls so aus." Im Stillen hoffte sie, nicht wieder in ein Fettnäpfchen getreten zu sein.

„Mit dem ich gestern …", murmelte er grübelnd. „Ach so, ja, die Harley hat auch schon einige Jährchen auf dem Buckel."

Buffy sah ihn an. „Das hörte sich gerade so an, als müsstest du überlegen, mit was für einem Motorrad du hier gewesen bist."

Spike grinste spitzbübisch. „Musste ich auch. Ich habe ein Faible für Motorräder."

„Ach ´ne", lachte Buffy, „ist mir noch gar nicht aufgefallen." Sie trank einen Schluck Eistee und sah ihn wieder an. „Also, wie viele hast du?"

„Elf", sagte er und Stolz klang in seiner Stimme mit. „Alle fahrbereit und im besten Zustand."

„Wow", nickte Buffy bedächtig. „Das nenne ich ein Hobby." Sie verdiente wirklich gutes Geld, aber sie fuhr immer noch den alten Volvo, den sie schon zu Collegezeiten erstanden hatte. ‚Naja, immerhin hast du dir ein Haus gekauft’, dachte sie, als sie an die Unsummen von Geld dachte, die Spikes Hobby mit Sicherheit verschlang. ‚Aber das geht dich nichts an. Das ist seine Sache!

 

                                                                                            *~*~*

 

„Ich warte draußen", entschied Buffy, als Spike begann den sandigen Boden im Schuppen zu fegen. Schon nach der ersten Bewegung war von ihm nichts mehr zu sehen, soviel Staub wirbelte er auf.

„Okay", kam hustend die Antwort. „Ich ruf dich dann."

Buffy nickte und verzog sich in den Schatten eines alten Magnolienbaumes. Die große Krone spendete kühlen Schatten und sie lehnte sich seufzend an den Stamm. Kein Wölkchen trübte den Himmel über Los Angeles und sie dachte darüber nach, wie schön es wäre, jetzt einen Pool zu besitzen und einfach hineinspringen zu können. ‚Ach, was soll`s! Eine schöne lauwarme Dusche tut es auch.’ Aber erst einmal musste ihre Suchaktion beendet sein.

„Ähm, Buffy…" Spikes Kopf lugte aus der Tür des Schuppens. „Ähm, ich denke…, du solltest dir das besser nicht ansehen."

„Hä?", erwiderte sie verwirrt und stieß sich vom Stamm ab. „Was soll das heißen?"

„Hm, ja also… ich habe eine Falltür gefunden und habe … ähm, nun ja, ich habe hineingeguckt. Aber es ist wohl besser, wenn du das nicht machst." Er kam ganz aus der wackeligen Hütte und sah sie ernst an. „Da unten … es ist wohl eine Art Luftschutzkeller oder was weiß ich … nun ja, jedenfalls sitzt da unten eine Leiche am Tisch. Eine Mumie, genauer gesagt. Es wäre also besser, du bleibst einfach hier, während ich die Polizei anrufe."

Teil 5

Die Luft schien stillzustehen und Buffy kam es so vor, als ob jedes Tier im Umkreis von einer Meile verstummte. Hatte Spike gerade wirklich gesagt, in ihrem Schuppen säße eine Mumie? Das konnte doch nicht sein, oder? Er machte Scherze, erlaubte sich irgendeinen dummen Spaß.

Sie ging auf ihn zu, aber er stellte sich ihr in den Weg. „An deiner Stelle würde ich das nicht tun", sagte er sanft und fasste sie an den Oberarmen, um sie aufzuhalten. „Buffy, das war kein Scherz. Wirklich nicht."

„Ich will das sehen", sagte sie und sah ihn an. „Also lass mich los." Sie musste das mit eigenen Augen sehen, musste wissen, ob er die Wahrheit gesagt hatte.

„Bist du dir sicher? Es ist kein schöner Anblick!" Spikes Stimme war äußerst sanft und er hielt sie immer noch fest. Doch genau das reizte ihren Widerstand.

„Natürlich bin ich mir sicher", motzte Buffy und ging auf den Schuppen zu. Im Inneren der wackeligen Hütte sirrte noch immer der Staub herum, den Spike aufgewirbelt hatte, aber sie konnte die aufgezogene Falltür gut sehen, ebenso wie die in die in den Stein gehauenen Stufen, die hinab in den Keller führten.

„Wie hast du da unten überhaupt etwas gesehen? Dort ist es stockdunkel!" Sie sah ihn an, käseweiß im Gesicht und ihr Magen rumorte vor Aufregung.

„Damit", sagte er und hielt sein Sturmfeuerzeug hoch. Unten stand eine alte Ölfunzel", er deutete auf die kleine Lampe, die neben dem Eingang stand und die sie vollkommen übersehen hatte. „Buffy, bitte. Geh nicht dort hinunter. Glaub mir, dass ist kein schöner Anblick."

„Ich muss aber", sagte sie, auch wenn sie mittlerweile sicher war, das er sie nicht auf den Arm nahm. „Ich muss das mit eigenen Augen sehen."

Ihre Beine zitterten, als sie die unebenen Stufen hinabstieg, aber zu ihrer Erleichterung sah sie, dass Spike ihr folgte. Unten angekommen holte sie tief Luft, dann hielt sie die Lampe hoch und sah sich um. Sie erkannte Regale, bestückt mit Gläsern von eingekochten Lebensmitteln, ein uraltes Radio und mehrere, ehedem wohl flauschige Wolldecken. Sie drehte sich herum und schluckte schwer, als der schwache Lichtschein auf den Leichnam fiel. Die Lampe in ihrer Hand zitterte leicht und sie ächzte laut. „Oh mein Gott", murmelte sie und spürte im gleichen Augenblick Spikes Hand, die ihre Schulter umfasste und sanft drückte.

„Der sitzt schon ein paar Jahre länger hier", sagte er leise. „Aber wir sollten trotzdem nichts anfassen und die Polizei anrufen." Er drehte sie an den Schultern herum, so dass ihr der Blick auf die Mumie erspart blieb. „Lass uns nach oben gehen!"

„Okay", murmelte sie undeutlich. Ihr fehlten die Worte und sie war froh, dass sie schnell wieder an die frische Luft konnte. Sie drehte sich um, marschierte eilends die Treppe wieder hinauf und lief nach draußen in den Garten. Ihr Mageninhalt rumorte wie wild und es kostete sie einiges an Mühe, sich nicht zu erbrechen.

„So schlimm?", fragte Spike, der ihr wieder gefolgt war.

Sie holte tief Luft. „Das war schon … war schon der Hammer. Ich hätte wirklich mit allem gerechnet, aber nicht damit." Ihre Hand fuhr hoch und zeigte auf den Schuppen. „Furchtbar! Warum sitzt der Mann dort unten? Ist es überhaupt ein Mann?" Ihre Gedanken jagten und sie hatte Mühe, sie zu sortieren. „Hat ihn denn niemand vermisst? Hat man nach ihm gesucht? Warum sitzt er da so … so …. Was ist wohl mit ihm passiert?"

„Ich weiß es nicht." Er ließ sie stehen, eilte in den Schuppen und holte den Zinkeimer, über den Buffy sich am Morgen noch so gefreut hatte. Er stellte ihn verkehrt herum auf die Erde. „Setz dich. Ich muss telefonieren."

Buffy tat, wie ihr geheißen und sah, noch immer durcheinander, dabei zu, wie er sein Handy aus der Tasche zog und eine Nummer wählte. „Spike hier. Charly? Ist der Chief im Haus? Okay, dann verbinde mich mal mit ihm. Ja, danke. Bis dann!" Es dauerte einen Moment, dann sprach er schnell weiter. „Chief? William McGray hier. Sir, ich habe eine Leiche gefunden", er sah kurz zu Buffy, die noch immer blass auf dem Eimer saß. „Einen Moment", sagte er ins Telefon. Er beugte sich zu Buffy. „Bin sofort wieder da", nickte er, klopfte ihr auf die Schulter und verschwand wieder im Schuppen.

 

                                                                                          *~*~*

 

Eine knappe halbe Stunde später wimmelte es in Buffys Garten nur so von Uniformträgern. Jedenfalls kam es ihr so vor. Tatsächlich waren es nur vier Beamte des Polizeidepartment, aber ihr war im Moment einfach alles zu viel und sie wusste gar nicht, auf was sie sich konzentrieren sollte.

Die Uniformierten rannten durch ihren Garten, unterhielten sich laut und dauernd knackten irgendwelche Funkgeräte.

Jedenfalls heulen keine Sirenen’, dachte sie dankbar. ‚Das würde nämlich jetzt noch fehlen!’

Natürlich hatte sie begriffen, dass Spike scheinbar zur Polizei gehörte, denn immerhin sprach nicht jeder Normalbürger einen Polizisten am Telefon mit Vornamen an. Aber sie hatte kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, sie war einfach viel zu durcheinander und verwirrt.

„Miss Summers?" Buffy fuhr herum und blickte einem freundlich dreinblickenden Mann in grauem Anzug in die Augen.

„Ja, das bin ich", nickte sie. „Was kann ich…? Wie kann ich…?"

„Mein Name ist Robert Baron. Chiefinspektor im Los Angeles Police Department, Abteilung West Los Angeles", er streckte ihr die Hand entgegen und sie nahm sie. „Eine wirklich sehr unerfreuliche Entdeckung, die Sie da gemacht haben."

„Spike hat… ich meine, Mr. McGray hat…", nickte Buffy wirr und sah sich nach ihm um. „Er müsste hier irgendwo sein. Ich habe ihn eben noch gesehen."

„Er hat mich angerufen", nickte der Chief. „Er hat mich auch schon über alles in Kenntnis gesetzt." Seine Hand tätschelte die ihre. „Möchten Sie nicht vielleicht lieber ins Haus gehen? Sie können hier im Moment doch nichts ausrichten und möglicherweise möchten Sie sich ein wenig ausruhen?"

„Nein, danke. Es geht schon. Es ist nur... ähm,… so etwas sieht man nicht alle Tage und ich bin doch… doch etwas geschockt."

„Kann ich sehr gut verstehen", nickte Chief Baron. „Aber der Trubel hier ist auch bald vorbei. Das Kriminallabor hat sein Okay gegeben und der Coroner wird den Leichnam gleich mitnehmen."

Buffy nickte, auch wenn sie nur mit halbem Ohr zugehört hatte. Sie hatte Spike gesichtet und war froh, dass er auf sie zukam. Im Grunde kannte sie nicht einmal ihn, aber er war der einzige Mensch, den sie überhaupt in diesem Wust aus Fremden kannte.

„Chief", sagte Spike und nickte seinem Chef zu.

„Ich habe Miss Summers gerade erklärt, dass hier bald wieder Ruhe einkehrt." Er wandte sich wieder direkt an Buffy. „Die Leute vom Labor meinen, dass der Mann… ja, es war ein Mann…, Clyde Auble, um genau zu sein, schon seit mindestens fünfundfünfzig Jahren tot ist." Er fing ihren fragenden Blick ein und erklärte: „Seine Brieftasche steckte noch immer in seiner Hosentasche. Deswegen kennen wir bereits seinen Namen. Außerdem halten sie es für einen Selbstmord, da wohl etwas wie ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Aber das wird erst später genau geklärt. Ich denke, William wird Sie darüber auf dem Laufenden halten."

„Okay", murmelte Buffy. Ihr fehlten einfach die Worte und sie war froh, als der Chief sich verabschiedete und zu seinen Leuten zurückging.

„Alles in Ordnung mit dir?", erkundigte sich Spike leise.

„Es geht schon. Es ist nur … irgendwie zu viel, wenn du verstehst, was ich meine." Buffy sah ihn an, verzog das Gesicht und zuckte bedeutsam mit den Schultern. „Eine Leiche … in meinem Schuppen …"

„Verstehe", nickte Spike. „Am besten, du gehst jetzt ins Haus. Die Leute hier packen nur noch ihre Sachen wieder ein. Wenn sie weg sind, komme ich noch kurz rein."

„Soll ich?" Sie sah ihn fragend an. „Kann ich einfach reingehen? Braucht man mich nicht mehr? Ich will nicht, dass die gleich alle durch mein Haus poltern." Ihre Schultern sackten herab. „Entschuldige. Ich bin nur so durcheinander und…"

„Schon okay", nickte Spike. „Geh ruhig."

Und Buffy ging. Allerdings nicht den kürzesten Weg. Sie stockte, als die Angestellten des Coroners den Leichnam aus dem Schuppen trugen und ging dann schnell durch ihren Garten, um den Leuten ja nicht nahe zu kommen. Als sie erst einmal außer Sicht war, rannte sie fast. Sie sprang die Treppe der Veranda hoch und schloss mit fahrigen Fingern die Haustür auf.

Kaum hatte sie die Tür hinter sich verschlossen, rannten auch schon Tränen über ihre Wange. Energisch wischte sie sie weg, aber der Strom wollte einfach nicht versiegen und Buffy sackte an der Tür zusammen. ‚Warum bin ich auch so bescheuert? Warum musste ich dort hinunter gehen? Spike hatte mir doch gesagt, dass ich es lassen soll. Aber nein! Ich bin so dumm und …’

Doch sich selbst niedermachen brachte sie auch nicht weiter. Sie holte tief Luft und versuchte sich zu beruhigen, doch das war einfacher gesagt als getan. Erst die aufkommende Dunkelheit brachte sie wieder zur Besinnung. Die Sonne sank langsam, tauchte alles in ein warmes rotgoldenes Licht und draußen vor dem Haus klappten eine Menge Autotüren zu.

Sie erhob sich rasch, ging in die Küche und wusch sich das Gesicht. Sie wollte nicht, dass Spike sie so sah, verheult, wie sie war. Das hatte er nicht verdient. Seitdem die Polizei da war, war sie nicht einmal von einem Beamten behelligt worden. Und dafür war Spike verantwortlich. Er hatte alles in die Hand genommen, denn er wusste ebensoviel wie sie und hatte mit Gewissheit dafür gesorgt, dass man sie aus der Sache heraushielt.

Fünf Minuten später klingelte es an der Haustür und Buffy zuckte zusammen. „Jetzt reicht es aber", schimpfte sie mit sich selbst. „Das ist Spike und du kriegst langsam deine Nerven wieder in den Griff."

Schnell fuhr sie sich noch einmal mit den Händen über das Gesicht, dann eilte sie zur Tür und öffnete sie.

„Hey", sagte er und sah sie prüfend an. „Alles wieder okay?"

„Nicht wirklich", gestand sie und ließ ihn durch. „Aber das wird schon. Für gewöhnlich bin ich kein solcher Waschlappen", meinte sie dann und zuckte mit den Schultern. „Aber das heute hat mir wohl den Rest gegeben." Sie schloss die Tür und drehte, zu ihrer eigenen Verwunderung, den Schlüssel herum.

„Vielleicht solltest du heute bei einer Freundin übernachten?", schlug er vor und ging den schon bekannten Weg in die Küche.

„Ach was", winkte sie ab. „So schlimm ist es dann doch nicht. Es ist ja nicht so, als wäre der Kerl gerade ermordet worden oder so." Sie zog die Kaffeekanne aus der Maschine, hielt sie hoch und sah ihn an. „Möchtest du auch? Mir ist jetzt nach einem starken Kaffee!"

„Hey", grinste Spike. „Ich bin ein Cop. Kaffee ist mein Lebenselixier."

Buffy lachte und ließ Wasser in die Kanne laufen. „Und was machst du jetzt?" Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und angelte die Dose mit dem Kaffeepulver aus dem Regal. „Ich meine, wegen des Motorrads", fügte sie hinzu.

„Gute Frage", nickte er. „Ich habe mir ja die Fahrgestellnummer aufgeschrieben und die jage ich morgen mal durch den Computer. Wenn ich Glück habe, findet er irgendwas. Allerdings bezweifele ich das doch sehr. Die Maschine ist einfach zu alt und sehr wahrscheinlich weder geklaut, noch war sie je in irgendein Verbrechen verwickelt. Ich habe aber auch schon überlegt, mich direkt an BMW zu wenden. Immerhin sagt man den Deutschen Gründlichkeit nach. Vielleicht haben die noch irgendwelche Aufzeichnungen oder Kaufbelege oder was weiß ich."

„Ich finde die Idee gar nicht so schlecht", nickte Buffy, dankbar darüber, das sie nun ein anderes Thema hatte, über das sie nachdenken konnte. „Allerdings ist das Motorrad vor dem zweiten Weltkrieg gebaut worden. Würde mich sehr wundern, wenn es darüber noch irgendwelche Schriftstücke gibt."

„Hey", schimpfte Spike. „Bau mich bloß nicht auf."

„Entschuldige", lachte Buffy. „Aber dieses Mal ist mein Temperament mit mir durchgegangen. Ich habe nämlich eine große Schwäche. Ich sage immer, was ich denke."

„Was nicht das Schlechteste ist", nickte Spike und schob Buffy seine Kaffeetasse zu, die sie für ihn bereits auf den Tisch gestellt hatte. „Schwarz, ohne Zucker."

Teil 6

Viele Blicke folgten Spike, als er am nächsten Tag das Bürogebäude des Los Angeles Police Departments betrat, doch er bemerkte es kaum. Seine Gedanken verweilten noch immer beim gestrigen Tag, vor allem aber bei Buffy.

Sie war eine sehr nette Frau und es war verdammt spät geworden, bis er schließlich doch noch nach Hause gefahren war. Pizza hatten sie bestellt und unglaublich viel geredet. Er lächelte verhalten, als er daran zurückdachte. Es war schon etwas länger her, dass ihn eine Frau so reizte, wie sie es tat. Nun musste die Zeit zeigen, ob sie vielleicht ähnlich fühlte wie er.

„Hey, Spike", begrüßte ihn einer seiner Kollegen. „Ich soll dir von Chief Baron ausrichten, dass du in sein Büro kommen sollst."

„Was? Hä? Warum?" Er sah auf, bemerkte, dass fast alle Anwesenden ihre Blicke auf ihn gerichtet hatten und runzelte die Stirn. Hatte er etwas falsch gemacht? Im Moment hatte er doch gar keinen offenen Fall. Warum musste er zum Chef? Hatte sich wer beschwert? Und wenn ja, wer und warum?

„Was?", fragte er in die Runde und seine Kollegen schauten schnell zur Seite. „Verdammt, was ist denn hier los?"

Doch eine Antwort bekam er nicht. Jedenfalls nicht, bis sich der Kollege meldete, der ihm die Nachricht überbracht hatte. „Es ist wichtig. Geh lieber gleich hin."

Genervt schüttelte er den Kopf, zog seine Lederjacke aus und warf sie über seinen Bürostuhl. Dann warf er einen letzten Blick auf seine Kollegen, doch alle schienen schwer beschäftigt und so marschierte er los.

Vor der Milchglastür seines Vorgesetzten blieb er einen Moment stehen und überlegte, was der für ein Problem mit ihm haben könnte, doch er konnte sich keinen Reim darauf machen und so klopfte er kurzerhand an.

„Herein", rief Baron und nickte, als er Spike erkannte. „Oh, gut, dass Sie gleich gekommen sind. Setzen Sie Sich doch."

Spike tat wie ihm geheißen, verstand jedoch nur Bahnhof. „Um was geht es denn, Chef?"

„Immer mit der Ruhe", murmelte Baron, sortierte die Papiere auf seinem Schreibtisch und suchte scheinbar nach den richtigen Worten. „Also, ich weiß nicht ganz, wie ich es Ihnen sagen soll…" Er sah auf und zuckte fast unmerklich mit den Schultern. „Also, wegen gestern…"

„Gestern? Wegen der Leiche in Buffy Summers Schuppen?", erkundigte sich Spike verwirrt. Warum benahm sein Chef sich so seltsam? Man konnte ihm ja so einiges nachsagen, aber nicht, dass er auf den Mund gefallen war.

„Sie können Sich vielleicht daran erinnern, dass wir einen Abschiedsbrief bei der Mumie von Clyde Auble gefunden haben…"

„Sie sagten so etwas, Sir", nickte Spike.

„Nun, ich habe hier eine handschriftliche Kopie davon", sagte Chief Baron und zog ein Blatt Papier aus seinem Aktenstapel. „Ich möchte Sie bitten, ihn einmal zu lesen."

Was, zum Geier, wird denn das?’, dachte Spike angenervt und nahm das Papier entgegen. Er sah seinen Chef an, doch der nickte nur bedächtig.

 

                                                                                          *~*~*

 

Ich habe es getan. Bin ein Mörder… habe das Böse selbst gesehen und konnte es nicht bekämpfen. Habe sie umgebracht, alle Beide. Nie wieder werde ich ihr Lachen hören.

Habe ihn gehasst. Gehasst wie die Pest. Aber nun ist er tot. Auch er kann ihr Lachen nie wieder hören. Nie wieder. Sie war Mein, mein Leben.

Habe lange mit mir gekämpft… mit mir und meinen inneren Dämonen. Sie waren stärker! Die Dämonen waren zu stark. Konnte ihren furchtbaren Stimmen nicht entkommen, hörte sie immer nach Mord und Rache schreien.

Bin den Stimmen erlegen. Habe gemordet. Habe getötet. Meine heißgeliebte Maude hat mich verraten, hat mich verlassen. Wegen ihm! Ich hasse ihn! Meine Frau! Sie hätte meine Frau sein sollen. Nicht seine!

Doch nun ist er tot, vermodert in der Erde. Genau wie sie. Hab sie zusammen begraben. Hab sie verscharrt. Niemand wird sie wieder finden. Niemand. Nur ich weiß, wo sie sind. William McGray ist tot. Maude ist tot.

Auch ich werde bald tot sein. Kann nicht leben. Leben ohne sie. Ihr Lachen… meine Frau… mein Leben. Habe Leben genommen, werde Leben geben. Mein Leben!

Gott, vergebe mir! Ich selbst kann es nicht.

 

                                                                                         *~*~*

 

Spike schluckte schwer, sah auf und blickte seinem Chief in die Augen. Dann räusperte er sich und las den Brief ein weiteres Mal. Das konnte nur ein schlechter Witz sein!

„Es ist leider wahr", sagte ….. Baron leise, nachdem Spike das Schreiben wieder auf dessen Schreibtisch gelegt hatte. „Wir haben die Papiere Ihres Großvaters gefunden, seine Brieftasche und einen Schlüsselbund, an dem ein Namensschild hing."

„Ich kann es nicht fassen. Nach all den Jahren!" Spike sprang auf, lief im Büro auf und ab. „Was…? ", er lief weiter, blieb vor dem Fenster stehen und starrte hinaus. „Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", sagte er schließlich leise, ohne sich umzudrehen.

„Nun ja", sagte Chief Baron sachte. „Zumindest wissen Sie nun endlich, dass Ihr Großvater nicht freiwillig gegangen ist."

„Aber das hilft mir jetzt auch nicht mehr", murmelte Spike leise. „Mein Vater ist tot und für ihn wäre es wichtig gewesen, das zu wissen. Er hätte wissen müssen, dass sein Vater ihn nicht verlassen hat."

Chief Baron hüstelte. „Ähm… Ihre Großmutter…"

„Diese Maude ist nicht mit mir verwandt", sagte Spike und drehte sich langsam um. „Meine Großmutter ist bei der Geburt meines Vaters gestorben. Scheinbar hat mein Großvater eine neue Frau… eine neue Liebe gefunden." Er sah seinen Chef an. „War diese Maude… war sie mit Auble verheiratet?" Sein Großvater… ein Ehebrecher? Das fehlte jetzt auch noch.

„Nein. Clyde Auble war Junggeselle. Aber sie war wohl die Frau, die er geliebt hat. Bisher haben wir allerdings noch nicht ganz so viel über sie in Erfahrung bringen können. Vor allem, da ihr Nachname nicht genannt wird", nickte Baron und stand auf. Er stellte sich vor Spike und klopfte ihm mitfühlend auf die Schulter. „Es tut mir wirklich leid, aber nun können Sie endlich mit der Geschichte abschließen."

„Gibt es einen Hinweis darauf, wo dieser Auble meinen Großvater verscharrt hat?" Spikes Stimme klang bitter und er sah seinen Chef fast herausfordernd an.

„Nein, bisher nicht", erwiderte der Chief und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. „Setzen Sie Sich wieder", sagte er und Spike setzte sich.

„William, vielleicht sollten Sie sich ein paar Tage Urlaub nehmen. Soweit ich weiß, haben Sie dieses Jahr noch keinen freien Tag gehabt und möglicherweise ist nun die Zeit gekommen, wo Sie ein wenig abschalten sollten. Es scheint, die Sache ist Ihnen doch sehr nah gegangen."

Nur mühsam beherrschte sich Spike. Natürlich ging es ihm nahe. Es war sein verdammter Großvater, der ermordet und irgendwo verscharrt worden war. „Sir, ich möchte, dass sich unserer Labor daran macht, sämtliche Spuren auf das Genaueste zu untersuchen."

„William! Unser Labor macht keine Unterschiede, egal, ob ein Polizeibeamter in den Fall verwickelt ist oder auch nicht. Und das wissen Sie genau!" Chief Baron blickte ihn finster an. Er konnte seinem Beamten ja nachfühlen, aber das änderte nichts an der Lage und er konnte nicht zulassen, dass dieser sich aus der Masse hervorhob, geschweige denn das ganze Department und das Kriminallabor in Verruf brachte.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Presse einen solchen Fall breittreten würde, damit hatte er leider so seine Erfahrungen. Und wenn auch nur ein Wort davon an die Öffentlichkeit drang, dann hatten sie ein großes Problem, dass nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden konnte.

„So war das nicht gemeint, Sir", ruderte Spike zurück. „Ich möchte nur… möchte nur, dass alles unternommen wird, was im Bereich des Möglichen ist. Ich würde auch für die Kosten aufkommen. Ich will meinen Großvater vernünftig beerdigen und dafür muss ich ihn finden."

„Ich verstehe Sie sehr gut", nickte Baron. „Wir werden alles Menschenmögliche tun, aber dafür verlange ich, dass Sie Urlaub einreichen. Und zwar ab sofort."

„Sir, ich würde viel lieber selbst an dem Fall arbeiten", sagte Spike leise. „Ich kann jetzt nicht zu Hause rumsitzen und gar nichts tun." Er bewegte sich auf dünnem Eis, das wusste er nur zu gut. Aber er musste es einfach versuchen.

„Auf gar keinen Fall! Sie gehen jetzt nach Hause und sobald wir irgendetwas herausgefunden haben, werden wir uns bei Ihnen melden." Er stand auf und reichte Spike die Hand, ein unwiderlegbares Zeichen dafür, dass die Unterhaltung beendet war.

Nur widerwillig erhob sich Spike und nickte kurz zum Abschied, bevor er das Büro verließ. Er kannte seinen Chef zu gut und wusste, dass er keine Chance hatte, ihn umzustimmen, auch wenn er es zu gerne versucht hätte. Schnurstracks eilte er auf seinen Schreibtisch zu, schnappte sich seine Jacke und würdigte seinen Kollegen keinen Blick, während er durch die Gänge auf den Ausgang zustürmte. Er wollte die mitfühlenden Blicke nicht sehen, denn er hatte sie nicht verdient. Sein Großvater hätte solche Blicke verdient, denn ihm war das Leben genommen worden.

„Scheiße, verdammte", fluchte er, steuerte auf sein Motorrad zu und setzte sich darauf. Er fischte eine Packung Zigaretten aus der Jackentasche und zündete sich eine an. „Verfluchte Hölle!" Er war wütend, stinksauer, um genau zu sein.

„Dieser Mistsack Auble. Hätte ich ihn in die Finger bekommen…", er schnaubte, zog dann heftig an der Zigarette und blies den Rauch in die Luft. „Was?", fauchte er einen Passanten an, der es gewagt hatte, ihn anzusehen und knurrte böse, als dieser sich ängstlich abwandte. „Scheiße!" Er schnipste den Zigarettenstummel in die Luft und startete seine Maschine. „So leicht werde ich nicht klein beigeben", brummte er und sah dabei auf das Gebäude des LAPD. „Ich werde das Grab meines Großvaters finden!"

 

                                                                                          *~*~*

 

Es war weit nach elf Uhr abends, als es an der Haustür klingelte und Buffy zuckte erschrocken zusammen. „Wer mag das sein?", überlegte sie nervös. Seit dem gestrigen Tag waren ihre Nerven ein wenig angegriffen und sie war sich nicht sicher, ob sie aufstehen sollte oder nicht.

Erneut klingelte es und Buffy nahm allen Mut zusammen, um an die Tür zu gehen. „Buffy! Ich bin es nur!"

„Spike?", sie schloss die Tür auf und öffnete sie. „Was machst du hier?"

„Ich… ich … Kann ich reinkommen?" Nervös sah er sie an. Warum war er überhaupt hier her gefahren? Mitten in der Nacht. Vielleicht wollte sie ihn gar nicht reinlassen, vielleicht wäre sie froh, er würde auf der Stelle wieder verschwinden, vielleicht…?

„Sicher", erwiderte Buffy verwirrt und ließ ihn ein. „Ist alles okay mit dir, du siehst blass aus." Verwundert sah sie, dass er sofort wieder auf dem Weg in die Küche war und sie folgte ihm mit gerunzelter Stirn.

„Hast du zufällig noch einen Kaffee da?", fragte Spike und setzte sich an den Küchentisch.

„Ähm, nein. Aber ich kann gerne einen kochen." Es dauerte nicht lange und die Kaffeemaschine gluckerte munter vor sich hin. „Ich weiß nicht, ob ich fragen darf, aber geht es dir gut? Du siehst schrecklich aus."

„Ich habe heute erfahren, dass mein Großvater ermordet worden ist. Und zwar von dem Typen, der in deinem Schuppen saß!" Spike sah auf und Buffy erkannte einen tief sitzenden Schmerz in seinen Augen.

„Was? Wie? Oh, mein Gott!" Und bevor sie sich versah, hatte sie ihn in den Arm genommen und gedrückt. „Erzähl mir davon", sagte sie verlegen und setzte sich neben ihn auf einen Stuhl.

„Das ist eine verdammt lange Geschichte", murmelte Spike. „Eigentlich bin ich auch nur da, um dir deinen Scheck zu bringen." Es war eine Lüge, aber er brauchte für sich selbst eine Rechtfertigung, sie mitten in der Nacht zu belästigen. Er streckte ihn ihr entgegen, doch sie schüttelte den Kopf.

„Vergiss das Geld", schimpfte Buffy. „Als wäre das jetzt wichtig! Du hast mir so geholfen und mich unterstützt. Jetzt bin ich dran! Also erzähl mir alles und zwar von Anfang an!"

Teil 7

Es dauerte einen Moment, dann nickte Spike und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. „Ich weiß das Ganze auch nur von meinem Vater und ich weiß, dass die Sache ihn sehr belastet hat." Er sah Buffy an. „Ich hatte einen tollen Dad!", meinte er dann und lächelte sanft. „Er war immer für mich da, hat mich immer unterstützt und mir nie reingeredet, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte." Er lachte leise. „Und vor allem hat er nie gesagt: Ich habe es dir ja gleich gesagt."

Buffy stand auf, holte die Kaffeekanne und goss Spike und sich die Tasse voll. „Erzähl weiter", forderte sie ihn auf und setzte sich wieder.

„Ich denke mal, dass er so war, weil er eben dies nie selbst erfahren oder erlebt hat. Sein Vater, mein Großvater, verschwand einfach spurlos." Er lachte böse auf. „Naja, verschwunden ist er wohl nicht, wie ich jetzt weiß. Aber das konnte mein Vater nicht wissen. Er selbst war erst acht Jahre alt, als er praktisch über Nacht Vollwaise wurde." Er machte eine Pause und trank vorsichtig einen Schluck Kaffee. „Die Schwester seines Vaters hat ihn großgezogen, aber soweit ich das sagen kann, war sie nicht sonderlich herzlich oder gar mütterlich. Es muss ein schweres Leben gewesen sein."

„War denn niemand aus der Familie deiner Großmutter in der Lage, sich um deinen Vater zu kümmern?" Buffy selbst war auch in einem Haus aufgewachsen, das vor Liebe nur so strotze. Aber sie wusste, dass das nicht immer der Fall war. Ein guter Freund von ihr hatte nur sehr wenig Unterstützung oder gar Liebe geschenkt bekommen und sie würde nie vergessen, wie sehr er damals darunter gelitten hatte. Seine Kindheit und auch das frühe Erwachsenendasein war eine einzige Katastrophe gewesen und es hatte lange gedauert, bis er seinen Weg gefunden hatte.

„Ich denke, nein, scheinbar nicht. Ich zumindest habe niemals jemanden aus der Familie kennengelernt und es wurde auch nie darüber gesprochen. Vielleicht gibt oder gab es auch einfach niemanden."

„Verstehe", nickte Buffy. „Das war bestimmt kein leichtes Leben. Aber ich finde es toll, dass dein Vater die Kraft hatte, sich so außergewöhnlich gut um dich zu kümmern. Er hat das Ganze nicht an dich weitergegeben, sondern das Muster durchbrochen und sich dir gegenüber gänzlich anderes verhalten, als er es selbst erlebt hat. "

„Ja, er war toll", bekräftigte Spike und sah Buffy wieder aufstehen.

„Kekse", sagte sie lächelnd. „So eine Unterhaltung braucht Kekse. Am besten selbstgebackene, aber damit kann ich leider nicht dienen."

„Du musst dir wirklich keine Umstände machen", sagte Spike leise. „Ich sollte nicht einmal hier sein. Es tut mir leid."

„Ach was, sag doch so etwas nicht", schimpfte sie, stellte das Backwerk auf den Tisch und setzte sich wieder. Und damit er gar nicht erst in Versuchung kam, sich jetzt zu verabschieden, sah sie ihn an. „Und dein Vater hat gedacht, sein Dad wäre einfach abgehauen? Ich denke nicht, oder?"

„Nein, eigentlich hat er das wohl nie gedacht. Oder vielleicht wollte er solche Sachen auch nicht denken." Spike nahm sich ein Plätzchen und knabberte den Rand an. „Vielleicht hat er sich auch selbst die Schuld dafür gegeben, dass er wegging. Ich weiß es nicht. Aber ich denke, er hat immer gehofft, dass sein Dad eines Tages zurückkommt."

„Verständlich", nickte Buffy. „Ich glaube, ich hätte die Hoffnung auch nie aufgegeben."

„Wohl wahr", nickte Spike. „Und weißt du, was das Schlimmste an dem ganzen Mist ist? Ich kann meinem Dad nicht mehr sagen, was wirklich mit seinem Vater geschehen ist. Er ist letzten Sommer gestorben."

„Das tut mir leid", sagte Buffy aufrichtig und nahm seine Hand. „Es muss schlimm für dich gewesen sein."

„Es war nicht leicht", er zuckte mit den Schultern. „Na ja, es ist nur schade, verstehst du? Es hätte ihm unendlich viel bedeutet, das zu wissen. Und ich würde es ihm so gerne sagen. Ich möchte ihm sagen, dass er niemals Schuld daran trug und ich möchte ihm sagen, dass sein Vater nicht freiwillig gegangen ist."

„Und was hast du jetzt vor?", fragte Buffy, löste ihre Hand aus der seinen und trank einen Schluck Kaffee. Vielleicht wollte er diese Vertraulichkeiten gar nicht und es war ihm sogar unangenehm.

„Wie meinst du das?", fragte er und sah sie verwirrt an.

Buffy lachte. „Ich kenne dich zwar nicht gut, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du die Sache einfach auf sich beruhen lässt."

„Ehrlich gesagt, würde ich gerne den Ort finden, an dem unser Freund aus dem Schuppen meinen Großvater verscharrt hat." Spike seufzte und ließ seinen verspannten Nacken kreisen.

„Er wurde verscharrt? Oh mein Gott, ich dachte… das ist ja schrecklich."

„Ach so, ja, ich habe dir ja gar nicht alles erzählt", begann Spike erneut zu sprechen. „Also unser Mörder hat nicht nur meinen Großvater umgebracht, sondern ebenso eine Frau namens Maude. Irgendeine verdrehte Liebesgeschichte. Ich weiß es nicht genau. Jedenfalls hat er auch diese Frau auf dem Gewissen. Wir kennen bisher nur ihren Vornamen, mehr wissen wir nicht über sie. Nur, dass dieser Mistsack Auble beide umgebracht und verscharrt hat. Das hat auf seinem verdammten Abschiedsbrief gestanden. Leider nicht, wo er sie begraben hat."

„Und was könnt ihr jetzt machen?", erkundigte sich Buffy leise. Sie konnte sich gut in Spike hineinversetzen. Sie würde ähnlich fühlen und möglicherweise handeln.

„Ich schon mal gar nichts!", zischte er wütend. „Mein Chef hat mich mehr oder weniger gezwungen, Urlaub zu nehmen. Er will keinen Ärger und das kann ich gut verstehen, aber ich kann auch nicht einfach tatenlos rumsitzen und gar nichts tun." Seine Stimme war hart und der Griff um seine Kaffeetasse ebenso. Seine Fingerknöchel traten weiß hervor und er seufzte laut. „Das Kriminallabor wird die Sache in die Hand nehmen, aber… Herrgott noch mal! Die ganze Sache ist über sechzig Jahre her, was denken die, was sie finden? Fingerabdrücke? Hah! Das kann ja wohl nur ein Witz sein und selbst wenn sie noch irgendwelche DNA Spuren finden… mit wem wollen sie die vergleichen? 1946 gab es solche Datenbanken nicht. Verdammt! Damals gab es noch nicht mal vernünftige Fingerabdruckspuren."

„Ich kann dich ja verstehen, aber was willst du dagegen unternehmen? Besser gesagt, was denkst du, was du überhaupt machen kannst? Wie du selbst schon gesagt hast, die Spuren sind uralt und wenn die Labormitarbeiter nichts finden können, was willst du dann finden?" Sie räusperte sich und wurde ein bisschen rot. „Entschuldige, ich bin nicht gerade hilfreich, oder?"

„Doch, das bist du", sagte er leise und schaute schnell in eine andere Richtung. „Es tut gut, eine andere Meinung zu hören. Besser gesagt, du rückst mir den Kopf wieder zurecht und gibst der Sache eine andere Sichtweise."

„Kann ich dir irgendwie helfen?" Sie war sich nicht sicher, ob sie die Frage überhaupt stellen sollte. Vermutlich würde sie doch nichts Hilfreiches tun können, aber Spike sah so traurig und auch enttäuscht aus, dass sie einfach fragen musste.

„Ja, indem du mir versprichst, mich nicht zu verraten", murmelte er leise und sah sie fest an. „Der Tatort, oder das, was man einen Tatort nennt, ist noch nicht freigegeben. Aber ich möchte mich dort gerne einmal auf eigene Faust umsehen. Es wäre also nett, wenn du darüber hinwegsehen würdest, es keinem erzählst. Vor allem, wenn mein Chief einmal danach fragen sollte."

„Das kann ich nicht", sagte sie ernst, doch dann legte sich ein hinterlistiges Grinsen auf ihr Gesicht. „Außer… ich gehe mit und sehe mit eigenen Augen, dass du nichts anstellst."

„Nein, auf gar keinen Fall! Ich will dich da nicht mit hineinziehen! Es reicht, wenn ich meine eigene Karriere aufs Spiel setze." Vehement schüttelte er den Kopf und winkte zusätzlich mit den Armen ab. „Oh, nein. Das könnte ich nicht verantworten."

„Ich bin Webdesignerin. Wie glaubst du, könnte unser Exkurs meine Karriere zerstören? Und davon mal ganz ab, entscheide ich gerne selber über das, was ich mache oder auch nicht."

Spike lachte. „Du bist vollkommen verrückt", meinte er und schüttelte den Kopf. „Warum tust du das?"

„Gute Frage", sagte sie ernst und trank schnell einen Schluck kalten Kaffee, bevor sie vollkommen in seinen blauen Augen versank. „Ich denke, es ist die Sache wert. Und ich denke, du bist die Sache wert."

Wieder war es passiert. Ihr Herz war wieder schneller als ihr Kopf und so hatte sie etwas ausgeplaudert, was sie niemals hätte so offen sagen dürfen. Bestimmt würde er jetzt aufstehen, sie angewidert ansehen und für immer von hier verschwinden. Sie konnte es ihm nicht verdenken. Ausgerechnet jetzt, wo er sowieso schon genügend Sorgen und Probleme hatte, musste sie mit so etwas herauskommen.

Wilde Gefühle fochten einen Kampf in ihrem Inneren und für einen Moment füllten sich ihre Augen mit Tränen. ‚Du bist echt dämlich’, schimpfte sie mit sich selbst, und drängte die Tränen mit Erfolg zurück. ‚Du hast dir die Suppe eingebrockt, nun löffelst du sie auch wieder aus.’ Doch ein schwacher Laut ließ sie aufblicken.

„Buffy", flüsterte er und seine Stimme war nicht mehr als ein heiseres Krächzen. Er nahm vorsichtig ihre Hand und sah sie eindringlich an. „Kann es sein… kann es sein, dass du das Gleiche fühlst wie ich?"

„Ähm, ich weiß nicht", murmelte sie verlegen. „Das kommt darauf an, was du fühlst." War es nicht offensichtlich, was sie fühlte? War nicht klar genug gewesen, was sie gerade eben verraten hatte…?

„Das kann ich dir sagen", flüsterte er leise und beugte sich zu ihr herüber. „Ich habe mich auf den ersten Blick in dich verliebt."

„Oh", sagte sie verschämt. „Dann geht es dir ebenso wie…"

Weiter kam sie nicht. Spike hatte sie von ihrem Stuhl in seine Arme gezogen und in einen heftigen Kuss verwickelt. „Wow", murmelte er, als er atemlos den Kuss löste und Buffy sich langsam aufrichtete.

„Ja", lächelte Buffy. „Wow." Sie lachte schallend und auch Spike fiel in das Lachen ein. „Hast du je zuvor so etwas erlebt?" Sie wurde rot und wusste nicht, ob sie weiter sprechen sollte. ‚Du musst dringend lernen, erst zu denken und dann zu reden!’ Wenn das so weiter ging, dann würde sie alles versauen.

„Wenn du damit meinst, das ich mich auf den ersten Blick unsterblich verliebt habe, dann kann ich definitiv sagen: NEIN! Das habe ich noch nie!" Er küsste ihre Nasenspitze. „Aber es ist ein gutes Gefühl."

Diesmal war es Buffy, die ihn küsste und ebenso atemlos wie zuvor, lösten sie sich einige Minuten später wieder voneinander.

„Ich denke, ich geh jetzt besser", krächzte Spike und stand auf. „Sonst kann ich nicht versprechen, noch länger ein Gentleman zu sein."

Buffy nahm seine Hand und zog ihn wieder an sich. „Ich finde das wirklich sehr anständig von dir. Aber wer verlangt, dass du den Gentleman spielst? Wir sind beide erwachsen und wissen, auf was wir uns einlassen, oder?" Sie biss sich, von ihrem eigenen Übermut erstaunt, auf die Lippen und sah ihn fragend an. Etwas nervös wurde sie dann doch, denn er starrte sie nur schweigend an.

„Du bist wirklich ein erstaunliches kleines Persönchen", meinte er nach einigen Augenblicken sanft und zog sie fest in seine Arme. „Und wenn du dir wirklich sicher bist… ich würde zu gerne bleiben."

„Ich bin mir sicher", erwiderte sie fest, auch wenn sich ein kleines Stimmchen in ihrem Kopf meldete und ihr Schauer über den Rücken jagte. Doch dann schalt sie sich einen Dummkopf. Sie war keine siebzehn mehr und wusste, was sie tat.

Allerdings war diese Situation völlig fremd für sie. Natürlich war sie kein Neuling, was das Sexleben anging, aber niemals zuvor hatte sie sich einem Mann so schnell hingegeben. Aber bisher hatte sie auch nie das Gefühl gehabt, an den Richtigen geraten zu sein. Sie konnte nur hoffen, dass ihre Sinne ihr keinen Streich spielten und sie sich nicht irrte.

Sie löste sich aus seiner Umklammerung, nahm seine Hand und zog ihn hinter sich die Treppe hinauf. Spätestens morgen früh würde das böse Erwachen kommen. Allerdings hoffte sie schwer, es würde einfach ausbleiben und sie dürfte weiter auf ihrer Wolke schweben.

Teil 8

Wie jeden Morgen kitzelte Buffy die Sonne sanft an der Nase, die golden durch das hohe Fenster schien. Doch das erste Mal, seitdem sie ihr Haus bezogen hatte, freute sie sich nicht darüber. Sie wollte nicht aufwachen, wollte sich nicht umdrehen und nachsehen, ob William noch neben ihr lag oder schon in der Nacht die Flucht ergriffen hatte.

Aber noch schlimmer wäre es, wenn er gleich aufwacht, ein komisches Gesicht zieht und erst dann verschwindet’, dachte Buffy und seufzte leise. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Was würde er von ihr denken? Sie hatte sie furchtbar benommen und …

Eine sachte Bewegung hinter sich ließ ihre Gedanken verstummen. Er war also noch da. ‚Oh mein Gott’, dachte sie und konnte nur mit Mühe die Tränen zurückhalten. Das würde eine fürchterliche Angelegenheit werden und sie war nicht sicher, wie sie damit umgehen sollte.

Doch zu ihrer absoluten Verwunderung rückte er näher an sie heran und sie fühlte seine Finger, die sanft über ihren Oberarm hinauf strichen, schließlich ihr Haar zur Seite schoben und einen flüchtigen Kuss, den er auf ihren Hals drückt.

„Guten Morgen", flüsterte er und seine Stimme war nur ein warmes Brummen, die ihr einen sanften Schauer über den Rücken jagte.

„Guten Morgen", gab sie einigermaßen verwirrt zurück und es kam ihr vor, als hätte sie nur ein heiseres Krächzen über die Lippen gebracht. Hatte sie sich denn doch nicht so daneben benommen, wie sie es gedacht hatte? Oder war er es gewohnt, dass Frauen sich anboten? ‚Oh, verdammt, lass das’, schimpfte sie mit sich selbst. ‚Vielleicht hat er dem Ganzen nur halb so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie du es selbst getan hast!’

„Müssen wir schon aufstehen?", fragte er leise, kuschelte sich enger an sie und zog die Decke über sie beide.

„Ähm… nein", murmelte Buffy und sie war sicher, dass das Geräusch, das der Stein machte, der ihr gerade vom Herzen gefallen war, noch meilenweit zu hören war. Er war nicht enttäuscht, nicht entsetzt darüber, wie sie sich benommen hatte. Sie konnte ihre Erleichterung gar nicht in Worte oder gar Gedanken fassen und so genoss sie einfach seine Wärme und die Streicheleinheiten, die er mit federleichten Berührungen auf ihrem Körper verteilte.

„Hier ist es viel zu gemütlich", brummte Spike wieder und knabberte sanft an ihrem Ohrläppchen.

„Hm", seufzte Buffy. „Und du bist dir wirklich sicher, dass du nicht lieber den Keller von meinem Schuppen untersuchen willst?" Sie war sich nicht sicher, ob sie die Frage hatte stellen sollen, aber sie musste einfach wissen, wie er darauf reagierte.

„Oh", flüsterte er, „den werde ich auch noch untersuchen. Aber im Moment gibt es andere Dinge, die ich erforschen will." Er drehte sie auf den Rücken und war sekundenschnell über ihr. „Du bist wunderschön, weißt du das?", hauchte er heiser und beugte sich über sie, um sie zu küssen.

Buffy hatte keine Zeit, um zu antworten, geschweige denn, über das Gesagte nachzudenken. Seine Hände waren praktisch überall gleichzeitig und sie lehnte sich einfach in den Kissen zurück und genoss jede einzelne Berührung ausgiebig.

 

                                                                                              *~*~*

 

Es war beinahe Mittag, als sie schließlich Hand in Hand die Treppe hinab stiegen. Buffys honigblonde, sonst in sanften Wellen fallende Haarmähne, fiel noch nass und glatt ihren Rücken hinab, doch da es auch heute wieder sehr warm werden würde, war das kein Problem. Spike hatte darauf bestanden, mit ihr zu duschen und hatte es sich nicht nehmen lassen, ihre Haare ausgiebig zu waschen.

„Ich mach uns rasch was zu essen", sagte sie und wollte ihre Hand aus der seinen ziehen, doch er hielt sie fest und wirbelte sie herum, sodass sie in seinen Armen landete.

„Gute Idee", lächelte er spitzbübisch. „Ich brauche dringend neue Energien."

„Ähm… okay", murmelte sie leise und ein sattes Rot zierte ihre Wangen. „Dann sollten wir das Frühstück ausfallen lassen und ich brate gleich die Steaks, die ich dir gestern schon angeboten habe."

„Gerne", grinste er und küsste sie stürmisch. „Aber nur, wenn ich dich dafür heute Abend bekochen darf! Ich möchte, dass du zu mir kommst. Ich verspreche auch, dass man mein Gekochtes essen kann!" Wie für einen Schwur hielt er die Finger hoch und zwinkerte dabei unablässig.

Buffy lachte. „Einverstanden. Aber jetzt lass uns was essen. Ich verhungere gleich." Sie löste sich von ihm und begann auch sofort, alles was sie brauchte, aus den Schränken zu suchen. „Was?", fragte sie, als sie Spikes Blicke bemerkte, die pausenlos auf ihr hafteten.

„Nichts", schmunzelte er und grinste sie an. „Ich guck dich nur gerne an."

Und wieder wurde Buffy rot. „Lass das", schimpfte sie gespielt ernst. „Du machst mich ganz verlegen."

„Aber es ist nichts als die Wahrheit", sagte er leise und versuchte aufzustehen. Doch Buffy drückte ihn zurück auf seinen Stuhl und schüttelte den Kopf. „Oh, nein, Mister! Sonst werde ich nie fertig."

Eingeschnappt verzog er das Gesicht. „Schade. Dabei wollte ich gerade…" Seine Augenbrauen wackelten anzüglich und er lächelte verführerisch.

„Ich will das lieber gar nicht wissen", murmelte Buffy, drehte sich schnell um und kümmerte sich weiter um den Salat, den sie gerade zupfte. Es war unglaublich schwer, nicht die ganze Zeit in seinen Armen zu liegen und das Schönste daran war, dass er scheinbar das Gleiche wollte. Aber sie hatten noch so viele Dinge, wichtige Dinge, zu erledigen und so lenkte sie ihre Gedanken in andere Bahnen.

„Sag mal", unterbrach sie ihre Arbeit. „Also ich weiß nicht, ob es richtig ist… aber wenn der Mann, dieser Auble, hier gewohnt hat und der Mörder deines Großvaters ist… ist die BMW da draußen nicht logischerweise die deines Großvaters?"

„Hm", brummte Spike und wunderte sich, dass er noch nicht selbst auf den Gedanken gekommen war. „Könnte schon sein, dass er ihn unter irgendeinem Vorwand hergelockt und die Kiste nach der Tat versteckt hat. Es wäre sehr unwahrscheinlich, dass die Beiden das gleiche Motorrad gefahren haben."

„Eben. So ungefähr das Gleiche habe ich auch eben gedacht", nickte Buffy und deckte den Tisch. „Eistee?"

„Gerne", nickte er und nahm ihr die Gläser ab. „Aber das will ich genau wissen! So gerne, wie ich dieses Motorrad auch besitzen will, wenn es das von Auble ist… dann… kann es von mir aus in der Schrottpresse landen."

„Wir finden es heraus", sagte Buffy, küsste ihn kurz auf die Nasenspitze und wandte sich dann schnell wieder ihrer Pfanne zu. „Okay. Also die Steaks sind soweit. Wir können essen."

 

                                                                                                    *~*~*

 

„Ich habe gar nicht gesehen, dass die Polizisten Absperrband angebracht haben", murmelte Buffy, als sie darunter durchkletterte. „Das macht das Ganze irgendwie noch verbotener."

„Ja, einige Kollegen übertreiben gerne damit", lachte Spike und folgte ihr in den Schuppen. „Erstens ist das kein wirklicher Tatort und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, dass jemals jemand wieder kommt. Dazu ist es zu unwichtig. Es interessiert kein Schwein, wo er die Leichen verscharrt hat, sie haben den Täter und das ist alles, was zählt!"

„Aber dafür interessiert es uns", sagte Buffy, die den bitteren Unterton in seiner Stimme durchaus bemerkt hatte. „Lass uns hinuntergehen und nachschauen, ob deine Kollegen vielleicht etwas übersehen haben."

„Ehrlich gesagt, denke ich das nicht", murmelte er, schaltete aber die Taschenlampe ein, die Buffy ihm gegeben hatte. „Eigentlich sind unsere Leute sehr sorgfältig."

Fünf Minuten später war Buffy bereit, ihm zu glauben. Alles was auf dem Tisch gelegen hatte, war weg, zurück war nur der Staub geblieben, der sich im Laufe der Zeit aufgetürmt hatte.

„Brauchst du noch ein paar hässliche, mottenzerfressene Decken?", brummte Spike und hob sie mit spitzen Fingern hoch.

„Nein, danke", sagte Buffy und schüttelte sich. „Lass die Dinger bloß liegen, vielleicht sind auch noch Würmer oder anderes Getier darin." Die Luft im Keller hatte sich im Vergleich zum Vortag um Welten verbessert, aber sie konnte nicht sagen, dass sie sich besonders wohl fühlte. „Was meinst du? Sollen wir noch länger hier bleiben? Ich habe jedenfalls nichts Außergewöhnliches gesehen."

„Ich auch nicht", meinte William und zuckte mit den Schultern. „Sie haben wirklich alles mitgenommen, nur die Gartengeräte haben sie stehen lassen."

Buffy sah sich um, warf einen kurzen Blick auf Hacke und Spaten und hatte sofort eine Idee im Kopf. Sie sah zu Spike, doch der putzte sich mit angeekeltem Gesichtsausdruck den Staub und die Spinnweben von den Händen. Sollte sie etwas sagen, oder den Gedanken in ihrem Kopf erst einmal ausreifen lassen? Wieder warf sie ihm einen flüchtigen Blick zu.

Nein’, entschied sie. ‚Ich werde es ihm nicht sagen. Ich werde mich lieber erst mit Willow in Verbindung setzen und sehen, was sie davon hält.’

„Okay", brummte Spike missmutig. „Lass uns gehen. Hier finden wir nichts."

„Einverstanden", sagte Buffy und lief schnell die Treppe wieder hinauf. Erst im Garten stoppte sie und sah dankbar hinauf in den wolkenlosen Himmel. Die Sonne wird oft unterschätzt, dachte sie und wärmte sich genießerisch.

„Alles okay?", fragte Spike. Er trat näher, nahm sie in den Arm und küsste sie.

„Jetzt ja", lächelte Buffy und lehnte sich an ihn. „Es tut mir leid, dass wir nichts gefunden haben. Aber vielleicht haben deine Kollegen ja mehr Glück."

„Wir werden sehen", sagte er, drehte sich um und warf einen Blick auf das Motorrad, das noch immer unangetastet in der Mitte des Schuppens stand. „Glaubst du an Zufälle?", fragte er leise. „Schon irgendwie merkwürdig, dass ausgerechnet ich auf dein Angebot gestoßen bin. Das war nämlich auf einer Seite, die ich normalerweise gar nicht besuche."

„Du hast Recht", meinte Buffy. „Schon seltsam, aber ich kann nur sagen, dass ich sehr froh darüber bin, dass ich so vorschnell gehandelt habe. Sonst hätte ich dich vielleicht niemals kennengelernt."

 

                                                                                             *~*~*

 

Buffy stand vor dem Spiegel, kämmte sich die Haare und ertappte sich immer wieder dabei, breit zu grinsen. ‚Oh Mann!’, dachte sie, ‚dich hat es wirklich schlimm erwischt.’ Sie war ohne Ende nervös und konnte nicht einmal sagen, warum.

Aber immerhin war sie noch nie bei Spike gewesen und... Sie lachte leise, aufgrund der Absurdität ihrer eigenen Gedanken. Immerhin kannte sie ihn auch erst seit Tagen. „Das ist alles vollkommen verrückt", sagte sie zu sich selbst, überprüfte noch einmal ihr Äußeres und nickte sich selbst zu. „Du bist fertig, du kannst fahren."

William hatte ihr extra seine Adresse aufgeschrieben und sogar noch seine Telefonnummer hinzugefügt, als sie erkannte, dass sie niemals zuvor in der Ecke von Los Angeles gewesen war, in der er wohnte.

„Du findest es schon", hatte er gesagt und sie geküsst. „Wenn nicht, dann rufst du mich an und ich lotse dich durch die Straßen." Er hatte ihr zugezwinkert, war auf sein Motorrad gestiegen und verschwunden.

„Und ich bin gespannt, ob er wirklich kochen kann", überlegte Buffy laut und fuhr durch die Straßen der Großstadt. Ihr Navigationsgerät arbeitete perfekt, aber sie runzelte sie Stirn, als die Häuser um sie herum immer luxuriöser und prächtiger wurden.

Das kann ja wohl nicht sein, oder?’ Sie fuhr an den Straßenrand, parkte und angelte Spikes Zettel aus der Tasche. „Nein. Alles richtig. Willshire-Boulevard 2154. Sie kontrollierte noch einmal, ob sie die Adresse auch richtig eingegeben hatte und fuhr schließlich mit gerunzelter Stirn weiter. „Naja, wir werden sehen", murmelte sie leise vor sich hin.

Wenige Minuten später meldete sich das Navigationsgerät und zeigte das Ende der Fahrt an. Buffy schaute aus dem Beifahrerfenster und atmete tief ein. „Scheiße", murmelte sie und überflog den Prachtbau mit ihren Augen. „Selbst die Garage ist größer als mein ganzes Haus."

Wut machte sich in ihr breit. Spike hatte sie hereingelegt, veralbert. Möglicherweise sogar noch schlimmer. Sehr wahrscheinlich war das seine Art ihr zu sagen, dass alles nur ein schlechter Witz gewesen war. „Oh, verdammt", murmelte sie enttäuscht, doch da ging die Haustür auf und William kam heraus. Er winkte wie wild und Buffy wartete, bis das große Tor elektrisch aufschwang. Sie legte den Gang ein, fuhr auf die Auffahrt und stellte den Motor aus.

„Was… was ist das?", fragte sie, als er ihr die Autotür öffnete und sie anstrahlte. Sie konnte den Blick einfach nicht von dem riesigen zweistöckigen Gebäude lösen und schüttelte verwirrt den Kopf.

„Das?", er lachte. „Das ist mein Haus. Eins meiner Häuser, um genau zu sein."

„Scheiße", murmelte Buffy und sah ihn hilflos an. „Warum… warum hast du mir das nicht gesagt?" Sie starrte ihn an, machte aber keinerlei Anstalten auszusteigen. Ihre Beine fühlten sich an wie Blei und ihre Finger waren wie am Lenkrad festgefroren.

„Was hätte ich dir sagen sollen?" Erstaunt hob er die Augenbrauen. „Das ich in Geld schwimme? Nie arbeiten müsste? Mir alles leisten kann, was immer ich auch will?" Er lachte. „Hättest du mir geglaubt?"

„Ich weiß es nicht", gestand sie. „Aber vielleicht würde ich mich dann nicht ganz so… so schlecht und neben der Spur fühlen."

„Luv", flüsterte er und reichte ihr die Hand. „Komm einfach mit mir rein. Ihr werde ganz schnell dafür sorgen, dass du dich wohl fühlst."

Teil 9

Das Innere des stattlichen Hauses war genauso atemraubend wie das Äußere und Buffy wusste gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte. Mit Gänsehaut auf dem Rücken ließ sie sich von Spike durch einen Teil des unteren Stockwerks führen und fühlte sich vollkommen deplatziert. So etwas Ähnliches hatte sie schon einmal erlebt und es war nichts, was sie wiederholen wollte. „Lass mich hier bloß nicht alleine, ich verlaufe mich garantiert."

Spike lachte und zog sie an sich. „Wir haben in jedem Raum eine Gegensprechanlage. Zur Not kannst du also um Hilfe schreien!"

„Das ist nicht witzig", schimpfte Buffy eingeschnappt. „Ich weiß jetzt schon kaum noch, wo die Haustür ist und wir sind erst durch drei Zimmer gegangen." Sie sah ihn an. „Wie konntest du eigentlich wissen, dass ich angekommen bin?"

„Überwachungskameras. Sehr nützlich, wenn es klingelt. Dann weiß ich schon vorher, ob sich der Weg zur Tür überhaupt lohnt."

Sie lachte kurz und abgehackt. „Naja, immerhin etwas", murmelte sie.

„Du unterschätzt das", grinste er. „Wenn die bucklige Verwandtschaft vor der Tür steht, dann kann man Toter Mann spielen und sich ins Fäustchen lachen."

„Ich dachte, du hättest keine Verwandten mehr."

„Habe ich auch nicht", lachte er. „Aber deswegen gibt es trotzdem eine Menge Leute, die ich nicht unbedingt sehen will."

„Wie viele Leute wohnen hier?", fragte Buffy, um das Thema zu wechseln. Spike hatte sie gerade in eine Küche gezogen, die gut für die Verpflegung einer Kaserne oder eines Hotels geeignet gewesen wäre. Sie war riesig, wenn auch anscheinend uralt eingerichtet. Ein fast antiker Gasherd, auf dem man einen ganzen Ochsen braten konnte, nahm die Hälfte der linken Wand ein und die beiden Spülbecken waren so groß, dass man darin baden konnte.

„Jetzt nur noch ich", sagte Spike, zog sie durch eine weitere Tür und Buffy seufzte erleichtert, als sie eine, ihre Meinung nach, normale Küche betraten. Auch dieses Zimmer war größer, als jedes, das in ihrem Haus war, aber immerhin war es modern, warm und freundlich eingerichtet. Es duftete herrlich nach Curry und vielen anderen Gewürzen und sie setzte sich stumm an einen perfekt gedeckten Tisch.

„Du wohnst hier ganz alleine? Alleine? In diesem riesigen Haus?" Ein schlechtes Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit und sofort fühlte sie sich wieder, wie sie sich nie wieder fühlen wollte. Klein, hilflos und unscheinbar.

„Es ist mein Zuhause", erwiderte er lachend, warf ihr jedoch einen fragenden Blick zu. „Höchstwahrscheinlich ist es Gewohnheit, aber ich finde das Haus gar nicht so groß."

„Hast du einen Ballsaal?", fragte sie lauernd.

„Jep, warum?"

„Och, nur so", meinte sie und schüttelte den Kopf.

William lachte wieder. „Ich hoffe du magst Curryhuhn mit Früchten und Wildreis."

„Ich glaube, ich kann jetzt nichts essen", keuchte sie, sprang auf und lief ans Fenster. Sie starrte hinaus in einen schier unendlichen Park und wieder kroch eine Gänsehaut über ihren Rücken. Sie konnte das nicht noch einmal geschehen lassen! Nein! Nie wieder wollte sie sich wie ein Niemand fühlen!

„Du scheinst… ähm, wirklich geschockt zu sein", sagte Spike, der neben sie getreten war und vorsichtig ihre Hand nahm. „Ich hatte ja damit gerechnet, dass du überrascht bist… aber nicht damit, dass du es scheinbar fürchterlich findest."

„Ich finde es nicht fürchterlich", sagte sie leise und sah ihn unsicher an. „Es ist nichts. Ich bin nur durcheinander. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet", murmelte sie und sah wieder nach draußen. Nein, sie fand es nicht fürchterlich, sondern noch viel schlimmer. Böse Vorahnungen machten sich in ihr breit und sie schluckte hörbar.

„Ich muss gestehen, ich bin von deiner Reaktion einigermaßen überrascht", sagte er leise. „Denn die wenigen Frauen, die ich mit hier her gebracht habe, waren immer sofort Feuer und Flamme. Sie wollten die teuersten Gemälde sehen, die Nobelkarossen ,die man bei mir allerdings vergeblich sucht, und auch sonst alles, was irgendwo wertvoll ist." Er zuckte verlegen mit den Schultern. „Es schien immer so, als würde ihre Liebe zu mir ins Grenzenlose wachsen und vielleicht hofften sie alle, mit Geld und Juwelen überschüttet zu werden."

Buffy biss sich auf die Lippen. Sie kannte diese Geschichten, nur stand sie für gewöhnlich auf der anderen Seite. „Nicht alle Frauen sind so", murmelte sie leise und sah ihn an. „Ich muss gestehen, dass ich hier niemals leben könnte. Mich niemals wohlfühlen könnte. Das Haus ist zu groß, zu kalt und zu furchteinflößend."

Spike schluckte und sah sie überrascht und auch ein wenig verärgert an. „Das ist mein Zuhause", sagte er und in seiner Stimme klang eine Schärfe mit, die sie nie zuvor wahrgenommen hatte. „Ich bin hier aufgewachsen. Mein Vater ist… Vergiss es! Das Essen ist fertig und wir können anfangen."

Buffy sah ihn an, hielt nur mühsam die Tränen zurück und biss sich wieder auf die Lippen. Doch dann platzte es aus ihr heraus. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht beleidigen. Aber ich denke, es ist besser, wenn ich jetzt gehe!" Sie wartete gar nicht erst auf eine Antwort sondern stürmte zur Tür hinaus. Sie würde den Weg nach draußen schon wiederfinden!

„Buffy!", hörte sie ihn rufen, doch sie beschleunigte ihre Schritte noch. Sie rannte durch das Wohnzimmer und die endlos lange Eingangshalle und riss die Haustür auf.

Erst an ihrem Auto holte er sie ein. „Buffy? Was soll denn das?", rief er und hielt sie an der Schulter fest. „Warum läufst du vor mir weg?"

„Ich kann das nicht! Nicht schon wieder!", schrie sie und riss sich los. „Das ist mir zuviel", rief sie und zeigte auf das Haus. „Das ist einfach nichts für mich. Du bist nichts für mich!" Sie stieg ein, knallte die Fahrertür zu und startete den Wagen. Ohne sich noch einmal umzudrehen, rauschte sie über die Auffahrt, bog in die Straße ein und verschwand.

Zurück blieb William, der ihr verstört und traurig hinterher sah.

 

                                                                                           *~*~*


Eine Woche später saß Buffy auf ihrer Hollywoodschaukel und starrte ins Leere. Die vergangenen Tage waren nicht gerade leicht gewesen und sie wusste, dass ihr Abgang an dem besagten Abend total überstürzt und wahrscheinlich auch dämlich gewesen war.

Sie hatte lange darüber nachgedacht, was sie denn für so schrecklich und für unüberwindlich gehalten hatte. Doch sie konnte es nicht genau sagen. Sicher, das Haus war schrecklich, doch musste sie deswegen so überreagieren?

Mittlerweile war sie ziemlich sicher, dass es eine Art Notbremse gewesen war. Und sie hatte sie gezogen, solange sie noch die Gelegenheit dazu gehabt hatte. Sie wollte nicht wieder in eine Situation geraten, aus der sie keinen Ausweg mehr fand.

Sich schüttelnd dachte sie an ihren Exfreund Owen Wilkinson. Schon zu Highschoolzeiten hatten sie ihn geliebt, aber erst im College waren sie dann zusammengekommen, ein Paar geworden. Früher, ja früher hatte sie doch glatt gedacht, einen wirklich guten Fang gemacht zu haben. Immerhin galt seine Familie steinreich und sie war von vielen Frauen beneidet worden.

„Tja", murmelte sie leise. „Mann kann schon blöd sein." Es war eine Katastrophe gewesen und im Nachhinein wusste sie nicht einmal mehr, warum sie sich jemals in diesen Deppen verliebt hatte.

Owen Wilkinson war ein Großkotz! Er hatte zu allem eine Meinung und hielt sie natürlich für das Non plus ultra. Sie hatte schnell gelernt, dass es unwichtig war, was sie dachte oder fühlte und weil wirklich alle behaupteten, dass sie das perfekte Paar waren, hatte sie sich für undankbar gehalten.

Sicher, sie hatte von seinem Geld profitiert, war in Urlaub gefahren, den sich alleine nie hätte leisten können und viele andere Dinge gesehen und erlebt. Aber es hatte ihr auch unheimlich viel abverlangt, ein solches Leben zu führen. Sie hatte sich kleinmachen, ja ducken müssen, damit Owen immer im Vordergrund stand und irgendwann hatte sie es nicht mehr ausgehalten.

Explodiert war sie aber erst, als seine Mutter ihr erklärte, dass sie einen Hochzeitstermin festgelegt und auch schon alle Einladungen verschickt hatte. „Du hast das Privileg, in eine der angesehensten Familie der Stadt einzuheiraten. Also sieh zu, dass du bis dahin noch ein Paar Kilo abnimmst, damit du auch gut aussiehst in dem Kleid, das ich für dich ausgesucht habe!"

Buffy schnaufte. „Und ich habe damals nur dreiundvierzig Kilo gewogen!" Gut, das mochte bei einer Größe von gut einem Meter Fünfzig nicht besonders wenig gewesen sein, aber garantiert auch nicht zu viel! „Was war ich damals blöd", murmelte sie leise und schüttelte den Kopf. Doch das war nun schon ein paar Jahre her und eigentlich hatte sie gedacht, dass sie es längst hinter sich gelassen hatte.

Doch das war ein Irrtum gewesen. Das hatte sie letzte Woche schmerzlich erfahren müssen. Spikes großes Haus und die Aussicht, wieder mit einem begüterten Mann zusammen zu sein, hatte sie dermaßen geschockt, dass sie einfach die Flucht hatte ergreifen müssen.

„Nein, das tust du dir nie wieder an", schwor sie sich, stand auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Sie schnappte sich ihren Spaten und lächelte sanft. Sie hatte nun endgültig beschlossen einen Pool zu bauen, besser gesagt bauen zu lassen. Aber nach einer Anfrage bei einem Bauunternehmer hatte sie sich entschlossen, das dafür erforderliche Loch selbst auszuheben. Tag für Tag wuchs dieses Loch nun ein kleines Stückchen und sie war unglaublich stolz auf sich und ihr Durchhaltevermögen.

Es war zwar keine berauschend schöne Arbeit, doch wie der Mann ihr am Telefon versichert hatte, beinahe um die Hälfte billiger und dafür nahm sie den Muskelkater und die Rückenschmerzen gerne in Kauf. „Dann muss nur noch der Schuppen weg", sagte sie leise. Aber das würde wohl noch einige Zeit dauern. Erstens musste sie abwarten, was die Untersuchungen der Polizei ergaben und dann stand auch immer noch das alte Motorrad darin.

„Denk an was anderes", befahl sie sich. „Denk an deinen Pool und wie schön es ist, wenn er endlich fertig ist." Sie nickte sich selbst aufmunternd zu und war gerade auf dem Weg zurück in die pralle Sonne, als ihr Telefon klingelte. Sie angelte es aus der Hosentasche, guckte auf das Display und lächelte. „Willow! Hey, wie geht es dir?"

Das Gespräch dauerte einige Minuten an und ihr Gesichtsausdruck wurde immer ernster. „Du hast es tatsächlich geschafft? Du hast das Gebiet eingrenzen können? So genau? Wahnsinn! Warte kurz, ich muss eben ins Haus, ich habe hier nichts zu schreiben." Sie öffnete die Tür und lachte ins Telefon. „Ja, ich spiele immer noch Maulwurf!"

In der Küche angekommen, klaubte sie Zettel und Stift zusammen und setzte sich an den Küchentisch. „Okay, es kann weitergehen. Ich bin bereit." Und sie schrieb… Altadena Valley.

Sie hörte noch eine ganze Weile weiter zu, kritzelte es auf das Papier und nickte schließlich. „Danke, Willow! Du bist ein Goldschatz! Du hast was gut bei mir." Sie lachte leise. „Sicher! Du darfst die Erste sein, die in meinen irgendwann fertigen Pool springt. Okay. Bis bald."

„Sie hat es tatsächlich geschafft", murmelte Buffy einigermaßen verblüfft und legte das Telefon auf den Tisch. Und was jetzt? Sie hatte zu Spike keinerlei Kontakt mehr. Er hatte zwar noch einige Male angerufen, aber sie war nie ans Telefon gegangen. Und außerdem wusste er nicht einmal, was sie getan hatte.

Sie hatte im Keller des Schuppens die Erde von den beiden Gartengeräten gekratzt und das Ganze dann ihrer besten Freundin zur Untersuchung geschickt. Willow war Biologin und hatte ihr selbst von ihrem neuen Projekt erzählt.

„Kannst du dir das vorstellen?", hatte sie bei einem ihrer letzten Treffen aufgeregt gesagt. „Man kann einzelne Kieselsteine den Bergen zuordnen, von denen sie ursprünglich abstammen. Und nicht nur das!", hatte Willow gelacht, als sie von ihrem neuen Projekt berichtete. „Ich kann sogar herausfinden, wo unser Lieblingsflorist seine Pflanzerde herbekommt!"

Und genau das hatte Buffy auf die Idee gebracht, es einmal zu versuchen. Und wie es aussah, hatte Willow nicht zu viel versprochen. Und dabei war es nicht mehr als eine Idee gewesen. Immerhin hätte die Erde von den Geräten auch aus ihrem eigenen Garten stammen können. Schon aus dem Grund hatte sie Spike nichts davon erzählt. Sie hatte keine Hoffnungen wecken wollen, die sich dann doch wieder in Luft auflösten.

„Und jetzt wird es kompliziert", seufzte Buffy. Sollte sie ihm einfach einen Brief schreiben und darin erklären, was sie getan hatte? Oder sollte sie es ihm doch lieber persönlich sagen? Sie wusste es nicht. „Ich muss darüber nachdenken", murmelte sie leise und stand auf. „Und beim Buddeln kann man wunderbar grübeln", nickte sie sich selbst zu. Doch gerade als sie die Küche verlassen wollte, klingelte das Telefon wieder.

„Miss Summers? Chief Baron hier, LAPD. Es geht um den Fund der… ähm, Mumie. Ich habe gesehen, dass noch ein oder zwei Unterschriften fehlen, dann können wir den Fall abschließen. Wenn Sie heute oder morgen kurz Zeit hätten…?"

Teil 10

„Er ist nicht da", murmelte Buffy leise vor sich hin und sah auf das riesige Gebäude des Los Angeles Police Departments. „Er hat Urlaub! Er kann nicht da sein." Geschlagene zehn Minuten parkte sie nun schon davor und traute es sich nicht, auszusteigen. „Du bist so albern", schimpfte sie mit sich selbst, nahm allen Mut zusammen und öffnete die Autotür.

Zehn Minuten später hatte sie sich durchgefragt und stand vor Chief Barons Büro. Sie klopfte an der Milchglasscheibe und hörte auch sofort ein lautes „Herein!" Sie öffnete die Tür, nickte und zuckte im gleichen Moment zusammen. Spike saß auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch seines Chefs und sah sie mit seltsam leerem Gesichtsausdruck an.

„Ich komme wegen der Unterschriften", sagte, Chief Baron. „Aber wenn ich ungelegen komme…"

„Nein, nein. Kommen Sie doch herein. Möchten Sie sich setzen?", er zeigte auf einen freien Stuhl neben Spike, doch sie schüttelte hastig den Kopf. „Ich habe nicht viel Zeit. Ich muss…"

„Verstehe", nickte Baron und so, wie es Buffy vorkam, tat er das wirklich. Er kramte eine Akte aus einem Stapel, blätterte darin herum und legte ihr zwei Schriftstücke vor. „Wenn Sie bitte dort unterzeichnen würden… Dann ist der Fall abgeschlossen und erledigt."

Buffy schnappte sich einen Kugelschreiber vom Schreibtisch, schrieb so schnell wie nie zuvor ihren Namen auf beide Papiere und nickte dann. „Gut, wenn es das dann war. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag." Sie rauschte aus dem Zimmer und hielt die Luft an, als die Tür wieder geöffnet wurde und Spike hinter ihr her rief.

„Buffy? Buffy!"

Es hatte keinen Sinn wegzulaufen und so blieb sie stehen und sammelte ihre Kräfte. Sie drehte sich in dem Moment um, als er sie eingeholt hatte und hob die Hände, um ihn gleich auszubremsen. „Hör zu, es tut mir wirklich leid, was an dem Abend vorgefallen ist. Das war so nicht geplant und ich wollte das ehrlich nicht. Aber das alles hat mich überfordert und … sagen wir mal so, ich habe wirklich eine Menge schlechte Erfahrungen gemacht."

Wieder würgte sie ihn ab, bevor er auch nur ein Wort sagen konnte. Sie wusste, sie hatte verloren, wenn er erstmal anfing zu sprechen. „Spike, hör zu. Ich habe hier etwas für dich." Sie kramte den Zettel aus der Tasche, auf dem sie säuberlich alle Fakten notiert hatte, die Willow ihr übermittelt hatte.

„Meine beste Freundin ist Biologin und ich habe ihr die Erde geschickt, die an dem Spaten klebte. Du weißt schon…, unten aus dem Keller. Sie hat sie untersucht und herausgefunden, wo sie herstammt. Es steht alles auf dem Zettel. Nun, jedenfalls konnte sie das Gebiet wirklich sehr genau bestimmen, weil dort wohl eine Orchidee wächst, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Ich habe alles aufgeschrieben, was sie mir gesagt hat, aber ich habe dir sicherheitshalber ihre Telefonnummer dazu geschrieben." Sie überreichte ihm den Zettel. „Ich wünsche dir alles Glück dieser Erde", brachte sie noch heraus, dann rannte sie, wie es ihr schien, um ihr Leben.

 

                                                                                             *~*~*

 

„Buffy?" Willow Rosenberg trat die kleine Treppe der Veranda herab und wandte sich um, um in den Garten zu gehen. Sie hatte zweimal geklingelt, aber im Haus schien ihre beste Freundin sich nicht aufzuhalten. „Sie wird doch nicht schon wieder buddeln?", überlegte sie und konnte sich gerade noch unter der Ladung Erde hinwegducken, die ihr entgegenschleuderte. „Buffy!"

„Oh, hey, Willow!" Buffys Kopf tauchte aus dem Loch auf und sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ich hatte gar nicht mit dir gerechnet."

„Das ist auch nur ein kurzer Besuch", erklärte Willow und kam näher an die Grube heran. „Wenn du so weitermachst, kommst du spätestens nächste Woche in China an", meinte sie nach einem prüfenden Blick.

„Ich muss mich abreagieren", gestand Buffy leise und ließ sich von Willow aus der Grube helfen.

„Spike?", erkundigte Willow sich.

Seufzend nickte Buffy und winkte dann ab. „Lass uns nicht darüber reden, ich habe dir schon oft genug deswegen die Ohren voll geheult."

„Wir müssen aber darüber reden", sagte Willow sanft. „Ich habe heute mit ihm gesprochen."

„Er hat dich angerufen?" Sie hatte ihm zwar die Telefonnummer aufgeschrieben, aber nicht damit gerechnet, dass er es wirklich tat. Eher damit, dass er die Untersuchungen an das Labor der Polizei weitergab, um alles ein weiteres Mal prüfen zu lassen.

„Nein", schüttelte Willow bedeutungsvoll den Kopf. „Er hat mich nicht angerufen. Er hat mich besucht. Bei der Arbeit." Sie deutete mit dem Kopf auf das Haus. „Können wir hineingehen? Mir ist das wirklich zu heiß draußen."

„Sicher", nickte Buffy, war aber gedanklich meilenweit entfernt. Was hatte das nur zu bedeuten?

 

                                                                                           *~*~*

 

„Danke", murmelte Willow, lehnte sich auf dem Stuhl zurück und trank durstig von dem Mineralwasser, dass Buffy ihr angeboten hatte. „Weißt du, er ist wirklich nett und außerdem noch verdammt sexy."

„Das weiß ich", schimpfte Buffy. „Erzähl mir lieber, was ich nicht weiß! Hat er deine Ergebnisse angezweifelt oder hatte er einfach noch offene Fragen?" Sie wollte alles wissen. Jede noch so winzige Kleinigkeit.

„Er hatte eine Menge offener Fragen", lächelte Willow versonnen. „Aber die betrafen alle nicht meine Arbeit, sondern dich."

„Mich? Oh mein Gott!" Buffy sank auf ihrem Stuhl zusammen. „Was wollte er denn wissen? Und was noch viel wichtiger ist, hast du ihm seine Fragen beantwortet?"

„Die meisten", nickte Willow bedächtig. „Buffy, ich glaube, du machst da einen großen Fehler. Er ist nicht wie Owen. Bestimmt nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, einem stinkreichen Mann gegenüberzustehen, wenn ich es nicht von dir erzählt bekommen hätte. Er ist kein Großkotz, kein Angeber und sicherlich nicht so ein widerliches Schwein wie dein Ex."

„Oh Gott, Willow! Was hast du getan?" Buffy stürzte ihren Kopf in ihre Hände und schüttelte ihn wild. „Bitte, sag mir, dass das nicht wahr ist. Willow, bitte!"

„Es tut mir leid", sagte Willow leise und legte ihr den Arm um die Schulter. „Aber ich konnte einfach nicht anders. Er war so lieb und so verzweifelt. Und wie gesagt, ich denke, dass du einen Fehler machst. Und zwar einen großen!" Sie tätschelte den Kopf ihrer Freundin. „Dieses Mal habe ich mich eingemischt", sagte sie leise. „Damals bei Owen habe ich viel zu lange meine Klappe gehalten und ich habe mir geschworen, dass mir das nicht wieder passiert."

                                                                                       *~*~*

 

Es dämmerte bereits, als Buffy den Spaten, ausgelaugt wie sie war, an die Hauswand lehnte und sich gleich dazu. Sie hatte den ganzen Nachmittag gegraben wie eine Irre. Und das nur, um sich abzulenken.

Sie überblickte ihr Werk und seufzte laut auf. Wenn sie so weitermachte, dann hatte sie demnächst ein Schwimmbecken olympischen Ausmaßes im Garten. „Ich muss mir dringend eine andere Aufgabe suchen, in die ich mich verbeißen kann", murmelte sie leise und lachte dann wie verrückt. „Oder vielleicht habe ich ja Glück und stoße auf eine Goldmiene!"

Über sich selbst erstaunt schüttelte sie den Kopf. „Langsam drehst du wirklich durch", schimpfte sie mit sich selbst. „Vielleicht sollte ich einfach die letzte Woche Urlaub streichen und mich einfach wieder auf meine Arbeit stürzen!"

Das würde vor allem ihrem geschundenen Körper zu Gute kommen. Die Blasen an ihren Fingern waren kaum mehr zu zählen, ihr Rücken schmerzte ununterbrochen und sie hatte es heute so übertrieben, dass sie auch einen Sonnenbrand auf ihrem Nacken und dem Oberkörper spüren konnte.

„Badewanne", murmelte sie leise vor sich hin. Das war ein guter Plan. Sie würde sich jetzt bequem in die Wanne legen und einfach vor sich hindösen. „Genau! Und dann werde ich fernsehen. Ein stinknormaler Abend ohne irgendwelche Probleme oder Sorgen!"

Sie schleppte sich ins Haus, trank in der Küche schnell ein Glas Wasser und lief dann langsam in das obere Stockwerk. Die Badewanne war rasch mit duftendem, blubberndem Badewasser gefüllt und sie ließ ihre Sachen einfach auf den Boden fallen. Sie kletterte in die Wanne, stöhnte, als sich ihr gequälter Rücken sich meldete und glitt schließlich ganz hinein.

Es war ein herrliches Gefühl, sich einfach zurückzulehnen und es gutgehen zu lassen. Wie nicht anders zu erwarten tauchte Spike wieder in ihren Gedanken auf, doch sie schaffte es jedenfalls zeitweilig, ihn zu verdrängen. Es war nicht immer leicht, doch jedes Mal wenn sein blonder Kopf durch ihre Gedanken geisterte, dachte sie angestrengt an etwas anders.

Eine halbe Stunde ging das gut, dann sah sie ein, dass ihr gar nichts anderes übrig bleiben würde, als sich mit dem Thema zu befassen. Dafür hatte Willow schon gesorgt. Ihre beste Freundin war ihr eiskalt in den Rücken gefallen und sie wollte gar nicht darüber nachdenken, was sie wohl für Geheimnisse ausgeplaudert hatte.

Unwirsch schüttelte Buffy den Kopf. Das war natürlich Quatsch! Sie wusste, dass sie sich in dieser Beziehung hundertprozentig auf Willow verlassen konnte. Überhaupt hatte sich ihre rothaarige Freundin nur eingemischt, weil sie das Beste wollte. Doch genau da lag das Problem.

So langsam wusste Buffy gar nicht mehr, was das Beste war. „Ich glaube, du machst einen Fehler", erinnerte sie sich an Willows Worte. „Er ist nicht wie Owen!"

Aber stimmte das? War Spike wirklich anders? Oder waren nicht alle wirklich reichen Menschen gleich? Zumindest in der Beziehung, die sie meinte? Sie war sich ziemlich sicher, dass sie alle stets bekamen, was sie wollten. Meist reichte ihr Einfluss auf die eine oder andere Art so weit, dass sie sich schlussendlich doch durchsetzen.

Doch Buffy wollte sich nie wieder auf ein Ding reduzieren lassen. Sie wollte kein Anhängsel sein, das dankbar sein musste, überhaupt ausgewählt worden zu sein. Sie wollte sich nie wieder so nutzlos und wertlos halten, wie sie es über drei Jahre lange getan hatte.

„Aber vielleicht übertreibst du auch und machst wegen einer schlechten Erfahrung alles mies." Sie setzte sich auf, griff nach der Shampooflasche und wusch sich schnell die Haare. Natürlich war dabei sofort wieder die Erinnerung an Spike da. Vor einer Woche hatte er ihr die Aufgabe abgenommen.

„Pizza", lenkte sie sich ab. „Du steigst jetzt aus der Wanne, schmeißt dich aufs Sofa und rufst den Pizzaservice an." Buffy lachte leise. So viel wie in der letzten Woche, hatte sie sich selten mit sich selbst unterhalten.

Sie rubbelte sich trocken, cremte die gerötete Hautpartien des Nackens und der Oberarme extra dick ein und schlüpfte dann in ein Shirt, das ihr bis tief auf die Oberschenkel reichte. Sie wollte den armen Pizzaboten ja nicht wahnsinnig machen und so lief sie in ihr Schlafzimmer und schlüpfte zudem in ihre Wohlfühljogginghose.

Sie war noch nicht ganz die Treppen hinab gestiegen, da klingelte es an der Haustür. Ganz in Gedanken versunken und schwer überlegend, auf was sie denn Hunger hatte, öffnete sie die Tür und erschrak. „Spike!"

„Luv", sagte er. „Können wir reden?" Er stand da, eine große Pizzaschachtel in der einen, und einen wunderschönen Blumenstrauß in der anderen Hand haltend, und sah sie abwartend an.

„Okay", nickte sie. „Komm rein." Sie sah ihm hinterher, wie er auf die Küche zustrebte und schwor sich im gleichen Moment, nicht weich zu werden. Sie würde hart bleiben und sich nicht wieder in eine Situation bringen, in die sie nicht wollte. Auf gar keinen Fall!

Teil 11

Spike stand in der Küche, noch immer seine beiden Mitbringsel in der Hand und starrte auf den Kühlschrank. Besser gesagt starrte er ins Leere. Die Selbstsicherheit, die ihm sonst zu Erb und Eigen war, war wie weggeblasen und er sah Buffy seufzend an. Er drehte sich herum, legte den Pizzakarton und die Blumen auf den Tisch, schüttelte den Kopf und nahm den Strauß frischer Schnittblumen wieder in die Hand.

„Ich hoffe, ich habe deinen Geschmack getroffen", sagte er leise und streckte ihn ihr entgegen.

Buffy nickte. „Ja, danke. Sie sind wunderschön." Sie schob sich an ihm vorbei, allerdings mit größtmöglichem Abstand, und kramte eine Blumenvase aus dem Schrank. „Setz dich doch." Ihre Stimme klang seltsam unsicher und sie hasste sich dafür. Das Wasser lief scheinbar nur Tröpfchenweise aus dem Hahn und sie tippte unruhig mit dem Fuß auf. ‚Na, das fängt ja gut an. Du bist so aufgekratzt wie ein kleines Schulmädchen, dass zum ersten Mal ausgehen darf.’

„Okay", murmelte Spike und tat wie ihm geheißen. Er setzte sich und sein Blick wanderte wieder ins Leere. Er wusste einfach nicht, was er sagen sollte. Auf gar keinen Fall wollte er sie wieder durch eine unbedachte Äußerung gegen sich aufbringen. Er öffnete den Pizzakarton, schloss ihn wieder und öffnete ihn erneut.

„Hier", sagte Buffy und drückte ihm einen Teller in die Hand. Dann stellte sie den Blumenstrauß auf den Tisch und bemerkte mit Unbehagen, dass ihre Eingeweide sich anfühlten, als wären sie mit brennendheißer Lava gefüllt. Sie schluckte schwer und füllte schnell ein Glas mit kaltem Leitungswasser, das sie sogleich in einem Zug leerte. Doch helfen wollte das auch nicht und so zuckte sie resignierend mit den Schultern.


„Danke." Leise seufzend nahm William ein Stück Pizza, biss hinein und kaute langsam darauf herum. Es schmeckte wie nasses Leder und er warf den Rest schnell zurück auf seinen Teller. „Unterwegs war es leichter. Da wusste ich noch genau, was ich sagen wollte. Ich habe mir auf so ziemlich jede Aussage von dir eine passende Antwort ausgedacht. Und jetzt? Jetzt weiß ich nicht einmal, wie ich anfangen soll."

„Also gut", sagte Buffy beherzt und setzte sich auf einen Stuhl, der ihm gegenüber stand. „Dann fang ich an…"

„Nein!", unterbrach er sie überstürzt und lächelte sie dann entschuldigend an. „Ich meine, ich möchte, dass du mir erst zuhörst, denn deine Meinung kenne ich schon." Er zuckte mit den Schultern und atmete tief ein. „Buffy, ich bin nicht wie dieser Drecksack, den du… den du…!" Er stockte, sammelte seine Gedanken und sprach schnell weiter. „Mir ist das ganze Geld vollkommen schnuppe! Es ist höchstens ein nettes Mittel zum Zweck. Die ganze stinkige Geldgesellschaft kann mir den Buckel runterrutschen. Es ist nur… letzte Woche als du bei mir warst… Verstehst du, das ist mein Zuhause. Da bin ich aufgewachsen, da habe ich mich wohl gefühlt."

Er sprang auf, lief nervös in der kleinen Küche auf und ab und rang seine Hände. „Ich sitze nicht in irgendwelchen Vorständen und mache einen auf Alleskönner, ich bewerbe mich nicht für irgendwelche Ämter und ich schwöre, im Golfklub kennt mich kein Mensch. Ich habe sämtliche Firmen, die irgendwo mir gehören, an Leute abgegeben, die sich damit auskennen. Ich gehe nicht mal zu den Aufsichtsratssitzungen, nicht, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Verstehst du, was ich sagen will?"

Buffy wackelte unruhig auf ihrem Stuhl, doch noch hielt sie sich zurück. Man konnte sehen, dass es William wirklich wichtig war, was er zu sagen hatte und schon das machte es schwer, ihm böse zu sein. „Spike, ich…"

„Nein, bitte", unterbrach er sie wieder. „Ich möchte das zu Ende bringen." Er nickte sich selbst zu und blieb vor ihr stehen. „Ich habe mit Willow gesprochen und ich weiß, du hast einiges durchgemacht." Er hob die Hände und schüttelte den Kopf, als sie Einwände einbringen wollte. „Sei dir sicher, sie war sehr verschwiegen und hat nicht mehr ausgeplaudert, als sie musste. Aber ich habe an ihrem Gesichtsausdruck gesehen, wie schwer diese Zeit für dich gewesen sein muss." Er seufzte schwer und setzte sich auf seinen Platz zurück.

„Es ist schwieriger als gedacht. Wie soll ich dich überzeugen, dass ich nicht so bin wie dieser Mistkerl?" Spike sah ihr fest in die Augen, suchte darin nach Unterstützung und seufzte wieder, als er keine fand. „Jedenfalls verstehe ich jetzt, warum du dich in meinem Haus so unwohl gefühlt hast und ich bin dir auch nicht böse deswegen. Ich hätte an deiner Stelle wahrscheinlich genauso reagiert."

„Es war so, als würden alte, fürchterliche Zeiten wieder auferstehen und ich konnte das nicht aushalten", sagte sie leise und überlegte im Stillen, wo denn ihre Entschlusskraft geblieben war? Sie hatte sich doch so fest vorgenommen, nicht weich zu werden. „Auch wenn die beiden Häuser kaum miteinander vergleichbar sind. Das seiner Familie ist gegen deins wohl eher eine bessere Hundehütte."

William lachte kurz auf, verstummte aber gleich wieder. „Du musst niemals dorthin zurück. Wenn du nicht willst, …du musst nie wieder einen Fuß in mein Haus setzen, aber ich…", erholte tief Luft und sah sie ernst an. „Aber ich möchte dich wirklich nicht verlieren. Du bist…. Es ist, als wäre es Schicksal, dass ich dich kennengelernt habe. Es passte auf Anhieb und bei Gott, ich werde diese eine Nacht mit dir niemals vergessen."

„Ich auch nicht", gestand sie leise. „Und dabei hatte ich solche Angst, dass du mich für aufdringlich oder sogar als… ähm, zu … nun sagen wir mal zu offenherzig hältst."

„Ganz im Gegenteil", sagte er leise und sah ihr tief in die Augen. „Ich empfand es als bewundernswert. Du wusstest, was du wolltest und hast es auch gesagt." Er verzog das Gesicht und seufzte wieder. „Weißt du eigentlich, dass ich mich noch niemals so elend gefühlt habe wie jetzt?" Er schluckte und sah in die andere Richtung. Er hatte viel mehr verraten, als er es je vorgehabt hatte.

„Gott, Spike! Du machst es einem wirklich nicht leicht!" Dieses Mal war Buffy aufgesprungen. Nervös kaute sie an ihrer Unterlippe und seufzte vernehmbar.

„Ich will es dir auch nicht leicht machen", sagte er leise und stand ebenfalls auf. Vorsichtig, um sie ja nicht zu verschrecken, ging er auf sie zu. „Buffy. Luv, vielleicht hört es sich übertrieben an, nach der kurzen Zeit, die wir uns kennen, aber… Gott, ich liebe dich und werde es dir bestimmt nicht leicht machen! Ganz im Gegenteil, ich mache es dir so schwer wie möglich!"

Hörbar schluckend stand Buffy da und starrte ihn an. William hingegen, mutig geworden, weil sie nicht weglief, tat er den letzten Schritt und griff nach ihrer Hand. „Lass mich dir beweisen, dass ich nicht so bin, wie dieser Kerl." Behutsam zog er sie nah an sich heran und sah ihr tief in die Augen. „Ich liebe dich."

„Verdammt", schimpfte sie, boxte ihm gegen die Brust und sank danach gegen die Selbige. Sofort schlossen sich seine Arme um sie und er war der glücklichste Mensch auf der Welt. „Ich lass dich nie wieder los", versprach er leise, hob ihr Kinn und küsste sie. „Nie wieder."

 

                                                                                           *~*~*

 

Die Nacht war unglaublich kurz, wie Buffy einige Stunden später erstaunt feststellte. Zusammen hatten sie sich auf ihr Sofa gekuschelt und sie hatte ihm erzählt, wie schrecklich die Jahre mit Owen Wilkinson gewesen waren und auch, dass sie heute nicht einmal mehr wusste, warum sie so lange bei ihm geblieben war.

„Ich war unglaublich dumm, naiv und habe wirklich gedacht, dass ich es bin, die alles falsch macht." Sie hatte geseufzt und das Gesicht verzogen. „Alle meine Freundinnen waren wie aufgedreht, wenn es um dieses Thema ging. Ich solle mich doch nicht so anstellen. Warum könnte ich mich denn nicht freuen, dass mir alles aus der Hand genommen wird? Ich würde doch das Leben einer Prinzessin führen und sollte mich zusammenreißen und nicht benehmen wie eine verzogene Göre… Nur Willow, Willow hat immer zu mir gehalten und vielleicht hätte ich es ohne sie nie geschafft, mich aus diesem furchtbaren Leben zu verabschieden."

„Willow ist eine kluge Frau, das habe ich gleich bemerkt", hatte Spike genickt und ihre die Haare aus dem Gesicht gestrichen. „Und ich vergesse bestimmt nicht, dass sie sofort bereit war, mir zu helfen." Er hatte eine Pause gemacht und sie noch ein kleines Stückchen näher an sich herangezogen. „Luv, was mein Haus angeht… das war kein Witz. Du brauchst wirklich nie wieder einen Fuß über die Schwelle setzen, wenn es dir zu schwer fällt."

„Ich werde es aber versuchen", hatte sie versprochen. „Aber noch nicht jetzt. Ich brauche Zeit dafür."

„Sicher", ein sachter Kuss war auf ihrer Stirn gelandet. „Lass dir soviel Zeit, wie du brauchst. Außerdem ist dein Haus… hm, sehr gemütlich. Ich könnte mir glatt angewöhnen, hier öfter mal vorbeizuschauen." Er hatte leise gelacht. „Und es steht noch ein Motorrad im Schuppen, in das noch eine Menge Arbeit gesteckt werden muss. Alles was hier noch fehlt ist ein Pool, in dem man sich abkühlen kann."

Warum sie daraufhin schallend gelacht hatte, hatte sie ihm noch nicht erzählt. Sie würde ihm einfach zeigen, was sie in der vergangenen Woche getan hatte und freute sich schon diebisch auf sein Gesicht.

Eine halbe Stunde später, die Sonne war gerade aufgegangen, hatte er sich von ihr verabschiedet und gefragt, ob sie gegen elf Uhr schon wieder so fit wäre, eine kleine Überraschung zu vertragen.

„Sicher", hatte sie ihm vorsichtig geantwortet und er hatte sofort auf ihren besorgten Gesichtsausdruck reagiert. „Nichts Schlimmes, bestimmt nicht. Aber ich brauche deine Hilfe." Mehr hatte er nicht verraten, sie dann stürmisch geküsst und war auf seinem Motorrad verschwunden.

 

                                                                                         *~*~*

 

„Was das wohl für eine Überraschung ist", überlegte Buffy und kicherte vergnügt in ihr Kopfkissen. Sie war viel zu aufgeregt zum Schlafen, auch wenn sie nach seinem Abschied sofort in ihr Bett verschwunden war. In ihrem Kopf rumorten viel zu viele Gedanken und bevor sie dort nicht ein wenig Ordnung geschafft hatte, würde sie bestimmt keine Ruhe finden.

Vielleicht hatte Willow ja doch Recht und es wäre ein großer Fehler gewesen, ihm keine zweite Chance zu geben. William war definitiv anders als Owen. Sicherlich hatte er auch seine Macken, aber sie konnte sich kaum vorstellen, dass er einmal eine Diät für sie aussuchen würde, so wie ihr schrecklicher Ex und dessen Mutter getan hatten.

„Vergiss diesen Mistkerl endlich", murmelte sie leise. „Denk einfach an was Schönes." Wie nicht anders zu erwarten, war es Spike, der sofort vor ihrem geistigen Auge auftauchte und sie blinzelte müde. „Schon viel besser", lächelte sie, schloss die Augen und schlief ein.

 

                                                                                          *~*~*

 

Pünktlich um elf Uhr dröhnte ein Motorrad die Straße hinauf, und sie rannte aufgeregt zur Tür. Spike stieg lächelnd und winkend von seiner Maschine und löste das Paket, das er auf der Sitzbank festgeschnallt hatte.

„Was ist das?", fragte sie, als er es ihr in die Hand drückte und sie zur Begrüßung küsste.

„Schau einfach nach", lächelte er, schob sie ins Haus, weiter ins Wohnzimmer und schloss dann schnell die Tür. „Nicht, dass deine Nachbarn zu neugierig werden", grinste er. „Der erste Blick gehört nämlich nur mir!"

„Hä?", machte Buffy verwirrt, doch er lachte nur. „Jetzt guck doch einfach nach." Er setzte sich auf eine Sessellehne und sah sie gespannt an.

Mit zittrigen Fingern löste Buffy die Schnüre und öffnete das schwere Paket. „Oh", sagte sie und hoch etwas Schwarzes hoch, dass nur eine Lederhose sein konnte. „Ach, du meine Güte", murmelte sie, als darunter auch noch die passende Jacke lag. „Du willst also mit mir Motorrad fahren", lächelte sie ängstlich. „Dir ist schon klar, dass ich nie zuvor auf so einem Ding gesessen habe."

„Irgendwann ist immer das erste Mal", lächelte er. „Vorausgesetzt du willst das überhaupt. Nicht das du meinst, du müsstest das jetzt. Wirklich nicht. Es ist… du musst nicht…"

Buffy lachte und unterbrach sein Gestammel, indem sie ihn einfach stürmisch küsste. „Ist schon okay", lachte sie, und er seufzte erleichtert auf.

Doch dann wurde seine Stimme leise. „Ich würde gerne mit dir nach Altadena fahren und …."

„Oh", machte Buffy. „Sicher. Ich fahre gerne mit dir dorthin." Sie nahm seine Hand und drückte sie.

„Danke, dass ist lieb von dir." Er stand auf und zog sie in seine Arme. „Ich brauche deine Unterstützung. Alleine… wollte ich nicht gerne fahren."

Buffy, nicht ganz sicher, ob sie die Frage stellen sollte, schluckte leise. „Hast du dir überlegt… wirst du nach den… ähm, sterblichen Überresten deines Großvaters suchen lassen."

„Eher nicht", erwiderte er leise. „Willow hat mir erklärt, dass der Erdboden in dem Valley sehr durchlässig ist und da es dort außerdem verhältnismäßig feucht ist, besteht nach sechzig Jahren kaum eine Chance, überhaupt noch etwas zu finden. Aber ich habe schon überlegt, ob ich mich mit den zuständigen Behörden in Verbindung setze und nachfrage, ob man eventuell einen Gedenkstein oder Ähnliches aufstellen könnte. Wohl das Einzige, was mir bleibt."

„Das tut mir sehr leid", murmelte sie und sah ihn an. „Ich hatte wirklich gehofft, ich könnte dir mit den Informationen mehr helfen."

„Luv, du hast mehr für mich getan, als du dir auch nur im Entferntesten vorstellen kannst." Seine Stimme war heiser und warf ihr eisige Schauer über den Rücken. „Was meinst du? Haben wir noch Zeit, um…"

„Die Zeit nehmen wir uns", lächelte sie verführerisch. „Überdies musst du mir noch zeigen, wie man sich in diese engen Klamotten zwängt."

„Mach ich", versprach er und zog sie an sich. „Aber zuerst zeige ich dir, wie man sie auszieht!"

 

Ende