Titel: Head up High
Autor: Indiansummer
Inhalt: Solange jedermann zurückdenken konnte, lebten die Spencers in
Sunnydale. Erst hatten sie Ackerbau betrieben, dann Viehzucht und später
als die Grundstückspreise in die Höhe geschnellt waren, hatten sie das Land
parzelliert und Häuser gebaut. Dementsprechend gehörte ihnen fast die
ganze Stadt. Wie ungeschickt, wenn man als Kellnerin auf der
Weihnachtsparty von William Spencer seinen Ärger auf sich zieht.
Welche Konsequenzen wird dies für Buffy haben.
Altersfreigabe: ab 18!
Teile: 7
Beta: Cloegirl
Storypic: /
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

 

Head up high 1

 

„Noch ein Glas Champagner?" Buffy lächelte übertrieben zuvorkommend und hielt das mit vollen Champagnergläsern gefüllte Tablett in eine Traube sich blendend unterhaltener Menschen, die um einen mit grünem Wackelpudding angefüllten Pool herumstanden. Ohne der Bedienung großartig Aufmerksamkeit zu schenken, bedienten sich einige der Gäste, andere ignorierten sie einfach oder stellten ihr leeres Glas auf dem Tablett ab. Buffy nickte freundlich und schlenderte weiter zur nächsten Gruppe, bis das Tablett leer war. Danach eilte sie zurück in die Küche des Strandhauses, um Nachschub zu holen.

„Komm schon, Buffy, mach mal ne kleine Pause", bat Willow sie, eine der Küchenhelferinnen. 

„Später, Willow. Ich will hier keinen Fehler machen…" Wenn sie schon so tief gesunken war, bei William Spencer kellnern zu müssen, dann wollte sie wenigstens einen perfekten Job abliefern. Für ehrliche Arbeit brauchte man sich nicht zu schämen, nur für schlechte Arbeit. Und sie wusste genau, er beobachtete sie mit Argusaugen, jede Sekunde. Dementsprechend stand sie bereits den ganzen Abend unter Strom. Aber bisher war alles glatt gelaufen.      

„Oh, komm endlich darüber hinweg", antwortete Willow genervt und rollte zur Unterstreichung ihrer Worte mit den Augen. Sie hielt Buffy für paranoid. Dieses ganze Getue um William Spencer ging ihr schon lange auf die Nerven. Gut, zugegeben, vielleicht konnte sie Buffys Beweggründe nicht wirklich nachvollziehen, weil sie niemals an Buffys Stelle gewesen war. Sie hatte nie reiche Eltern gehabt, sie war nie die Queen der Highschool gewesen oder die Anführerin der Cheereleadergruppe und natürlich war sie nie mit dem heißesten Typen an der Schule gegangen. Buffy hatte all das gehabt und ihre Zukunft schien ebenso schillernd vor ihr zu liegen wie ihr bisheriger Lebensweg. Das alles anders gekommen war… nun, das war Schicksal. Trotzdem hatte Buffy es nicht nötig sich zu schämen. Ihre Eltern waren Bankrott gegangen, nicht sie. Im Gegenteil, Buffy hatte nicht mit ihrem Schicksal gehadert, sondern ihr Leben in die Hand genommen. Anstatt zu resignieren, hatte sie sich einen Job gesucht und arbeitete seitdem hart. Jeden überschüssigen Cent legte sie zur Seite fürs College. Sie würde ihren Weg gehen, irgendwann. Nicht so leicht, wie es gewesen wäre, wenn ihre Eltern ihr das Studium bezahlt hätten, aber auf diese Art und Weise wusste Buffy es mehr zu schätzen.

Das einzige, was Willow Buffy wirklich vorzuwerfen hatte, war ihr ständiger Kleinkrieg mit William Spencer. Willow kannte nicht mal die wirkliche Ursache, sondern nur die allgemeinen Gerüchte, da Buffy nichts verriet. Nach einiger Zeit ging Willow Buffys Gezeter einfach nur noch auf die Nerven. Natürlich musste William Spencer ausgerechnet den Partyservice, bei dem Buffy und Willow arbeiteten, buchen für die Ausrichtung seiner Weihnachtsparty. Wie ungern Buffy heute zur Arbeit gekommen war, konnte Willow sich an einer Hand abzählen, und dass ihre Verwünschungen mit jeder Minute lauter wurden, ebenso. Das hieß aber nicht, dass Willow darüber glücklich sein oder es gar ertragen musste.

„Ja, das sagst du so in deinem jugendlichen Leichtsinn. Aber so einfach ist das nun mal nicht", zischte Buffy zurück und blickte sich gereizt um, ob das Tablett erneut befüllt war. „Das wurde auch Zeit", nörgelte sie, als sie sah, dass einer der Küchenjungen das letzte Glas darauf stellte, nahm es auf und trippelte schnell wieder in Richtung Pool, um die Gäste zu bedienen.

Die Party war in vollem Gange. Die Gäste amüsierten sich prächtig auf dem jährlichen Weihnachtsempfang im luxuriösen Strandhaus der Spencers. Jeder, der hier eingeladen war, konnte sich *von* schreiben, war sozusagen geadelt dazuzugehören, zu jener elitären Oberschicht, die das Leben im kalifornischen Sunnydale bestimmte und lenkte; oder anders ausgedrückt zu den Spencers.

Solange jedermann zurückdenken konnte, lebten die Spencers in Sunnydale. Erst hatten sie Ackerbau betrieben, dann Viehzucht und später als die Grundstückspreise in die Höhe geschnellt waren, hatten sie das Land parzelliert und Häuser gebaut. Dementsprechend gehörte ihnen fast die ganze Stadt. Die größte Bank, die erfolgreichste Immobilienfirma und eine noch immer riesige Rinderfarm außerhalb der Stadt. Die Spencers hatten  überall ihre Finger im Spiel. Sie waren in jedem Vorstand, sei es der Stadtrat, ansässige Industriefirmen oder dem kleinsten Sportverein, was natürlich auch dem Kindersegen im Familienclan Spencer zu verdanken war. Ein Cousin wurde in der Landespolitik untergebracht, der zweite leitete ein Waschmittelfirma in Los Angeles  und die Fäden liefen alle bei einem zusammen, dem ältesten – seit dem Tod des Vaters, und unverheirateten William Spencer.

Buffy mischte sich erneut unter die Gäste und beobachtete aus den Augenwinkeln ihren Erzfeind, wie er mit zwei bekannten Pärchen am Rande des Pools kniete und mit Glasschälchen Wackelpudding schöpfte. Wo der Gag daran war, Wackelpudding in den Pool zu füllen, war ihr noch immer nicht klar, aber bei den Gästen kam es an. Oder viel mehr machten sie so als wäre es ein Partyknüller. Wer würde schon seine wirkliche Meinung sagen bei den Spencers?

Früher hatte Buffy zu dieser illustren Gesellschaft gehört. Ja, sie war sogar ein und ausgegangen im Haus der Spencers, als wäre sie ein Teil der Familie. Irgendwie war das auch so gewesen. Ihre Eltern waren mit den Eltern von William und Riley eng befreundet und man verbrachte viele gemeinsame Wochenenden miteinander. Der acht Jahre ältere William spielte oft mit der kleinen Buffy irgendwelche Brettspiele und mit dem gleichaltrigen Riley fetzte sie durch den Garten und spielte Fangen. Als sie ins Teenageralter kamen, entwickelte sich mehr zwischen ihr und Riley und sie wurden ein Paar. Für alle schien es eine natürlich Entwicklung der Dinge zu sein. Auf der Highschool waren sie das Traumpaar schlechthin, beide aus guter Familie, er der Anführer des Footballteams, sie der Cheerleader. Es war als hätten Topf und Deckel automatisch zueinander gefunden. Alle schienen glücklich und zufrieden damit zu sein, nur William, so kam es zumindest Buffy vor, hatte etwas gegen ihre Beziehung zu seinem Bruder. Wahrscheinlich hielt er sie schon damals für eine unpassende Partie. Nach außen gab er das nicht zu erkennen, aber Buffy spürte seine Wandlung im Umgang mit ihr. Statt freundlich begrüßt zu werden, wenn sie zu Besuch kam, konnte sie sich glücklich schätzen, wenn sie ab diesem Zeitpunkt ein knappes Nicken von ihm erntete. Die meiste Zeit ignorierte er sie einfach. Wenn er mit ihr sprach, dann nur in Gesellschaft und auch dann eher gezwungen und nur oberflächlich. Doch Buffy war das egal, ihr lag nicht viel an William, sie hatte nur Augen für Riley. Und in ihrer Beziehung stimmte alles… bis zu jenem unglücklichen Tag, als ihre Eltern ihr gesamtes Vermögen verloren und sie nicht mehr gut genug waren, um bei den Spencers verkehren zu dürfen.

Zu diesem Zeitpunkt war William längst das Oberhaupt der Spencers, da seine Mutter einem Herzinfarkt erlegen war und sein Vater demenzkrank im Sanatorium gepflegt wurde. Der alte Spencer hätte ihrem Vater mit Sicherheit geholfen. William aber lehnte jegliche Hilfe ab. Er investiere nicht in Geschäfte, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt wären, waren seine genauen Worte. Buffys Vater war daran gebrochen, ebenso ihre Mutter. Beide wohnten von da ab in einem Wohnwagen in einem dieser Wohnparks am Rande von Sunnydale, lebten von der Sozialhilfe und dem bisschen, das ihre Tochter ihnen von ihrem spärlichen Gehalt abgeben konnte.

Buffy schüttelte angewidert den Kopf, sie wollte nicht schon wieder daran denken, wie William damals ihre Beziehung zu Riley zerstört hatte und wie er völlig herzlos die Bitten ihres Vaters ignoriert hatte. Vielmehr konzentrierte sie sich jetzt wieder auf ihre Arbeit. Sie wollte hier nicht auffallen. So langsam kam sie auch in die Nähe des Gastgebers, der scheinbar mit seiner teuren Armbanduhr angab, denn er hatte sie ausgezogen und hielt sie Alexander Harris, dem Leiter der Spencerchen Baufirma, unter die Nase. Mit vielen Gesten schien er deren Funktionen zu erklären. Buffy rümpfte missbilligend die Nase. Als ob ein verheirateter Mann mit drei Kindern sich jemals so eine Uhr leisten könnte. Aber scheinbar fühlte William Spencer sich erhaben, wenn er weniger vermögenden Leuten seinen Reichtum unter die Nase reiben konnte.

Jetzt war sie auf gleicher Höhe mit ihm und musste der Gruppe um William Spencer Getränke anbieten. Sie versuchte gewaltsam einen unbeteiligten höflichen Ausdruck auf ihr Gesicht zu legen, obwohl ihr Magen plötzlich anfing zu grummeln und sich eine leichte Schweißschicht überall auf ihrem Körper bildete. Warum wurde sie immer so nervös, wenn sie in seine Nähe kam? Sie verfluchte ihre Nerven.

Alexander Harris nahm dankend ein Glas vom Tablett. Buffy nickte ihm freundlich zu und wollte sich schon erleichtert einer anderen Gruppe zu wenden, als die Worte: „Oh, nicht so schnell, ich hätte auch gern noch ein Glas!", sie aufhielten.

Mit stoisch gelangweiltem Gesichtsausdruck nickte sie und hielt William Spencer das Tablett vor die Nase. „Warten Sie … kennen wir uns nicht?"

Jetzt musterte er sie von Kopf bis Fuß und Buffy kam sich in ihrem Nikolausfraukellnerkostüm plötzlich mehr als lächerlich vor. Gott, wie sie ihn hasste. Er wusste ganz genau, wer sie war, denn William Spencer vergaß nie ein Gesicht.

Erneut stiegen die Bilder der Vergangenheit vor Buffys innerem Auge hoch. Ihr  Hass auf William wurde zu jener Zeit fast täglich genährt, tief verankert hatte er sich aber erst an jenem Tag, als sie mit Riley von der Abschlussparty kam. Leicht angetrunken lagen sie sich lachend in den Armen und stolperten gemeinsam die große Treppe des Stadtanwesens der Familie Spencer hinauf. An der obersten Stufe wartete William auf sie, geweckt von dem Lärm, den die beiden Liebenden verursacht hatten. Beide Hände tief in seinen Morgenmantel vergraben, sah er abfällig auf die beiden Jugendlichen herab.

„Riley, kannst du mir erklären, was du vorhast?", fragte er seinen jüngeren Bruder mit einem solch strengen Unterton in der Stimme, dass dieser, obwohl körperlich um einiges größer als William, zusammenzuckte und sich ganz klein fühlte. 

„Ich…ich…", stotterte der sonst so selbstbewusste Footballspieler ängstlich.

„Du erinnerst dich hoffentlich an unsere Abmachung, die lautet: keinen nächtlichen Frauenbesuch. Dafür bist du noch viel zu jung!", sprach William streng weiter.  

„Sicher… aber es ist doch Buffy… ich dachte, da …", versuchte Riley sich herauszureden.

„Es gibt keine Ausnahmen. Und schon gar nicht, wenn es Buffy betrifft." William zog seinen Bruder nun grob die oberste Stufe der Treppe hoch und gab ihm einen Stoß in Richtung Schlafzimmer. „Verschwinde jetzt und leg dich hin. Wir werden morgen darüber sprechen, wenn du nüchtern bist."

„Aa..ber… Buffy…", hakte Riley noch einmal nach und blickte unsicher zu seiner blonden Freundin, die noch immer auf der Treppe stand und fassungslos dem Gespräch lauschte.

„Um Buffy werde ich mich kümmern. Hau endlich ab!", schrie William nun fast und Riley trollte sich mit eingezogenem Kopf und hängenden Schultern in sein Zimmer.

William wandte sich zu Buffy um und musterte sie von Kopf bis Fuß mit einem so abfälligen Blick, dass sie das Bedürfnis verspürte sich darunter zu winden. „Geh hinunter und warte im Wohnzimmer auf mich. Ich fahre dich nach Hause", befahl er ihr. Ohne eine weitere Reaktion von ihr abzuwarten, drehte er sich um und verschwand in seinem Schlafzimmer. Buffy gehorchte mit weichen Knien. Am liebsten wäre sie zu Fuß nach Hause gegangen, nur um William nicht mehr unter die Augen treten zu müssen. Natürlich tat sie das nicht. Er wäre nur noch zorniger geworden und ihr wahrscheinlich hinterher gefahren, um sie irgendwie zu bestrafen. Sie traute ihm sogar zu, dass er sie körperlich maßregeln würde… eigentlich traute sie ihm alles zu, was schlecht war.

Es dauerte nicht lange und er kam mit dem Wagenschlüssel in der Hand zu ihr ins Wohnzimmer. Er hatte sich schnell eine Jeans und ein schwarzes Muskelshirt angezogen. Für William ein sehr legerer Look, sie kannte ihn sonst fast nur im Anzug. An diesem Abend fiel ihr zum ersten Mal auf, wie muskulös er eigentlich gebaut war. Doch sein stoffliges Verhalten lenkte sie schnell wieder von der neuen Erkenntnis ab. Ohne viel Aufheben, verfrachtete er sie in sein Auto. Die Fahrt über herrschte angespanntes Schweigen. Als er vor dem Wohnwagen ihrer Eltern hielt, atmete sie erleichtert aus.

Mit der Hand bereits auf dem Türgriff, sagte sie schnell ein paar verabschiedende Worte. „Danke fürs Heimfahren. Machs gut." Und wollte schon die Tür öffnen und aus dem Wagen herausspringen.

Seine Hand schnellte hervor und hielt sie am Unterarm fest. Überrascht sank sie zurück in den Sitz und sah ihn fragend an. „Was ist denn noch?"

„Buffy… die Sache mit dir und Riley…", begann er in einem seltsam gefassten Ton zu sagen. „Das geht so nicht weiter."

„Warum? Bin ich plötzlich nicht mehr gut genug für deinen Bruder?", blaffte sie ihn an und versuchte ihren Arm aus seinem Griff zu befreien.

„Du musst es doch selbst sehen, dass ihr nicht zueinander passt", antwortete er, jetzt gar nicht mehr so ruhig.

„Warum? Weil meine Eltern plötzlich arm sind? Das ändert doch mich als Person nicht… ich bin doch nicht anders als ich es vor Wochen war. Ich bin immer noch die gleiche Buffy Anne Summers… und es ändert auch nichts an unseren Gefühlen…" Die Tränen traten ihr in die Augen und sie versuchte sie gewaltsam zurück zu halten. Die Blöße wollte sie sich nicht geben, vor ihm zu weinen. Nicht vor William Spencer.

William lachte währenddessen gehässig auf. „Du willst mir doch jetzt nicht erzählen, dass du meinen Bruder liebst."

„Ach nein? Ich werde das wohl selbst am besten wissen. Lass mich endlich los, William. Ich kann deine Nähe nicht mehr ertragen", zischte sie ihn an und schrie im nächsten Augenblick spitz auf, als er mit beiden Händen ihre Schultern umfasste und sie eng an seine Brust zog.

„Was soll das? Lass mich los!", schrie sie ihn an und trommelte mit ihren Fäusten gegen seinen Brustkorb. Sie wusste, dass er sie absichtlich bedrängte, um sie aus der Fassung zu bringen. Und fast gelang es ihm.

„Du bist ein raffiniertes kleines Luder, nicht wahr? Du weißt genau, was du willst und wie du es bekommst. Aber glaub ja nicht, dass ich so blöd bin und dabei zuschaue, wie du dich von Riley schwängern lässt, damit du und der Rest deiner Sippe für immer ausgesorgt habt", fuhr er sie an, mit seinen Lippen ganz nah an den ihren.

„Was redest du für einen Blödsinn… Du bist ja total verrückt, lass mich los." Ihr Herz setzte einen Schlag aus, sein Blick glich dem eines Irren und sie wollte nur noch weg, raus, sie bekam Angst vor ihm. Angst, was er mit ihr vorhatte, hier im Auto, direkt unter der Nase ihrer Eltern, die dort drinnen im Wohnwagen in ihren Betten lagen und nicht bemerken würden, wenn ihrer Tochter Gewalt angetan werden würde.   

„Glaub ja nicht, dass ich dich nicht längst durchschaut habe. Meinen Bruder hältst du dir warm in der Hinterhand, während du vor mir in deinen kurzen Röcken und knappen Shirts rumhüpfst und versuchst ans große Geld zu kommen." Er glaubte, sie wäre hinter ihm her? Die Vorstellung war so absurd, dass sie lachen musste. Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut und Buffy presste die Lippen zusammen, um den Drang lauthals loszulachen zu unterdrücken. Keinesfalls wollte sie ihn noch wütender machen. Nicht, befahl sie sich, doch es war zu spät. Sie lachte fast schon hysterisch los…

Er verstärkte den Griff um ihre Schultern. „Über wen lachst du? Über meinen einfältigen Bruder oder über mich, weil ich dir auf die Schliche gekommen bin?"

„Ich… lache… nicht…." Aber sie konnte nicht aufhören. Die ganze Situation war einfach viel zu grotesk.

„Der Teufel soll dich holen." William zog sie an sich und küsste sie. Für einen Augenblick lag Buffy stocksteif in seinen Armen, zu überrascht für jegliche Reaktion. Dann erwachte ihr Verstand wieder zum Leben und sie begann sich in seinen Armen zu winden. Damit schien sie seine Wut oder warum auch immer er sie küsste nur anzufachen, denn er intensivierte seinen Kuss und zog sie noch enger an sich. Küsste er sie vorher schon fast brutal, so änderte er plötzlich seine Taktik. Seine Zunge glitt sanft über ihre Lippen und bettelte um Einlass, während eine Hand zärtlich ihren Rücken streichelte. Ohne es zu wollen, entspannte sich Buffy in seinen Armen und begann seinen Kuss zu erwidern. Sie war damals unschuldige siebzehn gewesen und er ein erwachsener Mann mit Erfahrung, dementsprechend schmolz sie unter seinen Händen. Plötzlich stürmten ungekannte Gefühle über sie ein, von denen sie bisher noch nicht einmal geahnt hatte, dass es sie gibt und die sie willenlos werden ließen in seinen Armen. Als er mit der Hand unter ihr Shirt schlüpfte und eine ihrer Brüste streichelte, begann sie zu wimmern und bog ihren Rücken durch.    

Hank Summers, völlig entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, hatte in dieser Nacht nicht einschlafen können und den ankommenden Wagen gehört, der vor dem Wohnwagen geparkt wurde. Eine Weile hatte er nach weiteren Geräuschen gelauscht, als er jedoch nichts hörte, hatte ihn die Neugier übermannt. Leise war er aus dem Wohnwagen gestiegen und musste dann mit Schrecken seine Tochter erkennen, die knutschend in dem parkenden Auto saß. Voller Zorn riss er die Wagentür auf und zerrte seine minderjährige Tochter heraus. Gerade als er den Mann hinter dem Lenkrad anbrüllen wollte, erkannte er William Spencer in ihm. Abrupt schloss Hank Summers seinen Mund, seine Wut schien wie verraucht und plötzlich wurde aus ihm ein kaspernder Speichellecker, der sich bei William Spencer entschuldigte und ihm eine gute Nacht wünschte. Das war das erste Mal gewesen, dass Buffy sich für ihren Vater geschämt hatte. 

Am nächsten Tag hatte Riley stotternd und rot anlaufend mit ihr Schluss gemacht und für Buffy brach der letzte Rest ihres bisherigen und gewohnten Lebens zusammen.

 

Ein kräftiger Stoß gegen ihren Rücken riss Buffy aus ihren Gedanken. Sie fiel nach vorne, das Tablett flog in hohem Bogen direkt in Alexander Harris Gesicht. Buffy verlor das Gleichgewicht und drohte Kopfüber in den Pool zu fallen. Verzweifelt Halt suchend, ruderte sie wild mit ihren Armen und bekam  in letzter Sekunde etwas zu fassen. Dass dies zufällig der Kragen von William Spencers Anzug war, konnte sie nicht ahnen und dass dadurch eine Kettenreaktion ausgelöst wurde, noch weniger. Mit einem Ruck riss sie sich an dem Halt hoch und plumpste fest gegen seine Brust. Vor Schreck trat William einen Schritt näher auf sie zu und riss ebenfalls die Arme hoch, um nicht selbst das Gleichgewicht zu verlieren. Dabei öffnete er seine Hand und die teure Uhr, die er vorher noch stolz Alexander Harris gezeigt hatte, flutschte heraus und unglücklicherweise direkt in die grüne wackelnde Masse im Pool. Mit einem Geräusch als hätte der Wackelpudding Blähungen sank die Rolex langsam bis auf den Boden.

„Ups!" Buffy blickte mit geröteten Wangen auf das Kinn von William. Sie traute sich gar nicht erst höher zu schauen und versuchte sich unwohl gerade hinzustellen. „Da ist mir wohl ein kleines Missgeschick unterlaufen."

„Klein ist leicht untertrieben!" Seine Stimme triefte vor Sarkasmus und Buffy zuckte unbewusst zusammen. „Wenn das Zerstören einer 100.000 Dollar Uhr ein kleines Missgeschick für dich darstellt, Buffy Anne Summers, dann muss es dir finanziell besser gehen als ich bisher angenommen hatte."

„Oh Shit." Das konnte doch nicht wahr sein. Buffy wäre am liebsten davon gerannt, so sehr schockte sie die Summe, die er gerade genannt hatte. „Aber… es war ein Unfall. Ich wurde gestoßen… es war nicht meine Schuld…", versuchte sie sich herauszureden und blickte sich um, in der Hoffnung jemand würde ihre Worte bestätigen.

„Buffy, zu hohe Absätze bei der Arbeit, auf denen du nicht laufen kannst, sind kein Unfall", fuhr er sie an.

„Ich wurde gestoßen… ich bin sehr wohl fähig auf meinen Absätzen zu laufen", rechtfertigte sie sich erneut. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass er sie mit ihrem Namen ansprach. Dieser hinterhältige Mistkerl. Jetzt, wo diese Sache geschehen war, konnte er sich wieder an sie erinnert und vorhin… ‚Nicht drüber nachdenken Buffy, nicht aufregen, bleib ruhig, denk nach… irgendwie musst du ihn überzeugen, dass es nicht deine Schuld war. Du hast keine 100.000 Dollar… denk nach, verdammt!’

Verzweifelt schaute sie zu Alexander Harris, doch der war noch immer damit beschäftigt, sich den Champagner aus dem Gesicht zu wischen und lautstark zu fluchen, dass sein Jackett ruiniert worden war. Von ihm konnte sie keine Hilfe erwarten.

„Bitte, William, es war nicht meine Schuld!", versuchte sie noch einmal eindringlich zu erklären.

„Ich habe eine Idee, wie du es wieder gutmachen kannst", meinte er mit einem solch netten Unterton in der Stimme, dass es Buffy unheimlich wurde.

„Wie?", hauchte sie und sah ihn fragend an

„Du kannst in den Pool steigen und die Rolex hoch holen… ich meine, dass ist doch das Mindeste was du tun kannst. Vielleicht hast du Glück und sie hat den Unfall unbeschadet überstanden", schlug er vor und grinste teuflisch. 

„Das ist nicht dein Ernst." Fassungslos starrte Buffy ihn an. So etwas Gemeines hätte sie nicht einmal ihm zugetraut.

„Buffy… je länger du wartest, umso schlechter für die Uhr. Ich glaube nicht… dass das Gehäuse der Feuchtigkeit so lange standhalten wird…" Seine ganze aufgesetzte liebenswürdige Art löste in Buffy den Impuls aus, ihm die Augen auszukratzen. „Es ist deine Entscheidung… ich meine es nur gut…"

„Du… verfluchter…Schei…"

„Ah, ah, ah… wer wird denn so dreckige Wörter in den Mund nehmen? Also Buffy… wie sieht es aus? Gibst du mir die 100.000 oder steigst du in den Pool?" William gluckste leise und Buffy sah, wie er sich abmühen musste, nicht laut loszulachen. Irgendwie schaffte er es jedoch, seine ernste Miene beizubehalten. Buffy sah sich um. Sie waren längst Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Band hatte aufgehört zu spielen und alle Gäste drängten sich um sie beide. Sie blickte in einige bekannte Gesichter, die ein gehässiges Grinsen nicht unterdrücken konnten. Dort vorne stand Cordelia Chase, Buffys Erzrivalin aus der Highschool. Sie schien sich köstlich über Buffys missliche Lage zu amüsieren, genauso wie Warren, Oz, Anya und wie sie alle hießen. Alle standen sie um sie herum und warteten nur darauf, dass Buffy sich blamierte.

 

„Buffy?", setzte Williams Stimme sie erneut unter Druck.

 

„DAS wirst du eines Tages bereuen", versprach sie ihm und mit einem letzten mörderischen Blick aus geschlitzten Augen zog sie ihre Pumps aus und ging erhobenen Hauptes auf den Pool zu. Ohne noch einem der Zuschauer ins gehässige Gesicht zu schauen, holte sie tief Luft und trat dann den letzten Schritt nach vorne, um im nächsten Augenblick, voll bekleidet, in der grünen Masse zu versinken und nach der Uhr zu tauchen.

 

Head up high2 

Buffy stand unter William Spencers Gästezimmerdusche und wusch sich den grünen Glibber aus ihren blonden Haaren. In all seiner Großmut hatte er ihr erlaubt, sich bei ihm zu säubern, während er mit seinen Gästen eine Schlittenfahrt unternahm. Die hirnrissige Idee, im sonnigen Kalifornien, wo alle hundert Jahre mal Schnee fiel, bei vierzig Grad im Schatten, Pferdekutschen zu organisieren und die Gäste in Felle gehüllt um den See zu kutschieren, konnte nur einem kranken Gehirn wie dem von William Spencer entspringen. Genauso krank wie sein Verhalten am Pool, das sie zum Gespött von ganz Sunnydale gemacht hatte. Buffy war so stocksauer auf ihn, sie wäre fähig ihn auf der Stelle zu lynchen, wenn er ihr jetzt unter die Augen treten würde.

Die glibberige Masse um ihren Körper zu spüren war einfach ekelhaft gewesen. Sie hatte sich vorher noch nie Gedanken darüber gemacht - warum auch, wer dachte schon von sich, dass er jemals in Wackelpudding baden würde – aber im Pool hatte eine Gänsehaut sie befallen, die bis jetzt nicht nachließ. Da war ein Gefühl der Schwerelosigkeit, anders als im Wasser, denn die Masse hatte wesentlich mehr Widerstand und doch gab es nirgendwo einen Halt. Vor dem Eintauchen hatte sie die Uhr auf dem Boden gesehen und versucht exakt zu dieser Stelle zu springen. Als sich dann aber der Pudding über ihrem Kopf schloss, war sie panisch geworden. Wäre Wasser im Pool gewesen, hätte sie die Augen öffnen können, aber so ging das nicht. So gut sie konnte verdrängte sie die lähmende Angst die in ihr aufkommen wollte und suchte mit beiden Händen auf dem Boden des Pools nach der Uhr. Zum Glück fand sie sie recht schnell, da sie im Luft anhalten nicht sehr gut war. Geschwind steckte sie sich die Uhr in den BH und stieß sich vom Boden ab. Sofort wurde ihr bewusst, dass etwas nicht stimmte. Anstatt wie in Wasser nach oben zu schweben, blieb sie in der glibberigen Masse einfach stecken. Die mühsam im Zaum gehaltene Panik trat hervor, sie riss den Mund auf um zu schreien, doch sogleich füllte sich ihr Mundraum mit Pudding und kein Ton kam aus ihrer Kehle. Augenblicklich wurde ihr klar, dass sie hier unten ersticken würde. Todesangst krallte sich um ihr Herz und sie wedelte ohne jegliche Koordination hilflos mit Armen und Beinen. Sie konnte nichts fassen, sie konnte nichts sehen, hören, riechen, sie bekam keine Luft und überall war der Geschmack von Waldmeister.

Gerade als alles um sie herum dunkel zu werden drohte und sie schon fast mit ihrem Leben abgeschlossen hatte, spürte sie, wie etwas sie an ihrer Kleidung nach oben zog. Prustend und tief Luft holend, kam sie wieder an die Oberfläche und registrierte mehrere Dinge auf einmal. Sie war von Alexander Harris mit einem Rechen zum Säubern des Pools nach oben gezogen worden. Eine beklemmende Stille herrschte um den Pool herum, alle Gäste starrten auf sie, aber keiner wagte etwas zu sagen. William kniete am Beckenrand und streckte ihr Hilfe reichend seinen Arm entgegen. Wüsste sie es nicht besser, so hätte sie gesagt, in seinen Zügen spiegelte sich Entsetzen und Sorge um sie ab. Aber das musste eine Sinnestäuschung gewesen sein, schließlich war sie zuvor gerade einer Ohnmacht entkommen und ihr Verstand gaukelte ihr wohl ein Zerrbild der Realität vor. Natürlich ignorierte sie geflissentlich seine helfende Hand. Um nichts in der Welt würde sie William Spencer freiwillig anfassen. Lieber ließ sie sich von Alexander Harris an den Rand ziehen und kletterte von oben bis unten besudelt von grünem Glibber aus dem Becken.

„Buffy… ist alles in Ordnung mit dir?", glaubte sie William sagen zu hören. Wie ein Wirbelsturm hatte sie sich auf dem Absatz umgedreht und in ihrem Büstenhalter nach der Uhr gegriffen. Es kostete sie eine Menge Überwindung, sie ihm nicht einfach vor die Füße zu werfen. Stattdessen trat sie nah an ihn heran und hielt sie ihm unter die Nase.

„Mr. Spencer, ich habe Ihre Uhr gerettet. Ich denke, damit ist meine Schuld abgezahlt", spukte sie ihm ins Gesicht.

Er schaute etwas unschlüssig zwischen der Uhr und ihrem Gesicht hin und her, bis er letztendlich den Arm hob und Buffy die Uhr in seine geöffnete Handfläche fallen ließ.

„Es tut mir leid, Buffy. Ich habe nicht nachgedacht", hörte sie ihn für seine Verhältnisse mit einem recht zerknirschten Unterton in der Stimme sagen, als sie sich bereits umgedreht hatte und davon laufen wollte. Doch seine Worte ließen sie innehalten. Noch einmal wandte sie sich in seine Richtung.

„Mr. Spencer, keine falsche Bescheidenheit, die ist doch wirklich nicht angebracht. Sie wollten doch nur das Allerbeste für Ihre Gäste. Schließlich sollen Sie sich hier amüsieren, das ist doch die Party des Jahres! Und schauen Sie sich nur um…." Buffy drehte sich im Kreis und deutete auf die stillen, gaffenden Zuschauer. „Bravo, Mr. Spencer. Der Partygag hat die Stimmung zum Überlaufen gebracht. Sie sind ein wahrer Entertainer!"

„Buffy, warte…" Er hielt sie am Arm fest. „Was machst du jetzt?"

„Ich gehe nach Hause zum Duschen." Genervt drehte sie Ihre Augen in Richtung Himmel und versuchte ihren Arm loszureißen.

„Du… du kannst hier duschen", schlug er vor. Als er Buffy ihre Augenbrauen heben sah, setzte er schnell: „Im Gästezimmer…", hinterher.

Unschlüssig hatte sie einen Augenblick überlegt. Doch bevor sie sich in ihr Auto setzen würde und die Sitze verdreckte, war sein Vorschlag am vernünftigsten. Zähneknirschend hatte sie sein Angebot angenommen.

„Kümmern Sie sich weiter um Ihre Gäste, Mr. Spencer. Ich kenne den Weg." Mit diesen Worten war sie entgültig davon gelaufen. Aus dem Augenwinkel erkannte sie Cordelia Chase, die sich mit vorgehaltener Hand zu Anya Jenkins beugte und der, nach Anyas Grinsen zu beurteilen, irgendetwas ultra komisches ins Ohr zu flüstern schien. Oh, Buffy konnte sich schon ungefähr vorstellen, um was es sich dabei handelte.

Die Wut brodelte noch jetzt, als sie schon längst unter der Dusche stand, in ihrem Innern und Anyas gehässiges kleines Kichern hallte in ihren Ohren. Unbewusst ballte sie ihre Hände zu Fäusten und knirschte mit den Zähnen. Wie gern würde sie es William Spencer heimzahlen. Nur ein bisschen was von dem zurückgeben, was er ihr heute angetan hatte. Ihr ganzer Körper stand unter Strom. Gott, wie sehr sie ihn hasste. Während sie sich das Shampoo aus den Haaren spülte, begann sie damit Rachepläne zu schmieden. Doch wie sollte sie als kleines Licht sich an ihm rächen? Das war schier ein Ding der Unmöglichkeit, bis… wie ein Blitz tauchte plötzlich ein Gedanke in ihrem Hirn auf. Es musste ja nichts großartiges sein, aber wenigstens eine kleine Genugtuung hatte sie sich verdient, oder? Ein verschmitztes kleines Grinsen belebte auf einmal ihr Gesicht, als ein Plan sich manifestierte. So schnell sie konnte, duschte sie zu Ende, trocknete sich ab und schlüpfte in das frische Nikolausfraukostüm, das der Partyservice für alle Notfälle - wobei keiner mit einem Wackelpuddingnotfall gerechnet hatte - bereithielt.  

Wenig später tauchte sie in der Küche auf. „Willow, hast du noch diese Plastikeimer in denen der Cesarsalat war?"

Überrascht schaute Willow zu ihrer Freundin. Sie hatte erwartet, dass Buffy sobald sie gesäubert war, hier herein rauschen würde und sich lauthals Luft machen würde, über den Vorfall am Pool. Stattdessen schien sie in geradezu beängstigender Weise gute Laune zu haben. „Alles klar mit dir?", erkundigte sich die Rothaarige darum vorsichtig. 

„Ja, sicher. Was soll denn nicht in Ordnung sein", antwortete Buffy mit der unschuldigsten Stimme, die Willow jemals vernommen hatte. „ Ach, du meinst wegen der kleinen Slapstickeinlage am Pool eben? Ne, lass mal, halb so schlimm… was ist nun, hast du noch die Eimer?", hakte die Blondine übertrieben gutgelaunt nach.

„J… ja schon. Für was brauchst du sie denn?", wollte Willow wissen, während sie sich unter den Küchentisch beugte und zwei leere fünf Liter Eimer hervorholte.  

„Ah, danke dir." Ohne eine Antwort zu geben, schnappte sich Buffy die beiden Eimer, drehte sich um und verschwand aus der Küche.

„Buffy…?", rief Willow ihr noch hinterher, bekam aber keine Antwort.

 

                                                 *******************************

 

Buffy rannte schnell zum Pool, kniete sich an den Rand und schöpfte Wackelpudding in die beiden Eimer. Mit den gefüllten Behältern rannte sie dann eilig schnurstracks in Williams Schlafzimmer. Buffy kam zugute, dass sie sich noch aus ihrer Jugend sehr gut im Strandhaus auskannte. Kaum stand sie vor dem großen Doppelbett Williams, zierte erneut ein kleines gehässiges Grinsen ihre Gesichtszüge. Gott, sie wäre gern Mäuschen, wenn er sich heute Nacht in sein Bett legen würde. Dann schlug sie seine Bettdecke zurück und mit einer Genugtuung die ihres gleichen suchte, schüttete sie in aller Seelenruhe die beiden Eimer auf die mit einem Spannbetttuch bezogene Matratze. Das platschende Geräusch schickte zufriedene Schauer über ihre Haut. Als die Eimer leer waren, legte sie vorsichtig die Bettdecke zurück und ließ sie mit geschickten Handgriffen unberührt erscheinen.

Nach einem letzten prüfenden Blick hüpfte sie vor Schadenfreude kurz hoch und klatschte begeistert in ihre Hände. Dann beugte sie sich hinab und schnappte sich die leeren Eimer, bevor sie sich umdrehte, um das Schlafzimmer wieder zu verlassen. Kaum tauchte jedoch die Tür in ihrem Blickfeld auf, gefroren ihr die Gesichtszüge und ihr Herz setzte einen Schlag aus, nur um dann wie verrückt in ihrer Brust zu rasen.  

Lässig an den Türrahmen gelehnt stand William Spencer. Ein süffisantes Grinsen zierte seine Mundwinkel, das jedoch nicht den Weg zu seinen Augen fand. Im Gegenteil. Buffy lief ein Kälteschauer über den Rücken. Augenblicklich fühlte sie sich wie eine Gazelle, die von einem Tiger als nächste Mahlzeit ausgesucht worden war und jetzt beobachtet wurde, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war, sie zu erlegen.

Es verging bestimmt eine Minute, in der sie sich einfach nur schweigend fixierten. Völlig erstarrt rutschten ihr die Eimer aus der Hand. Der Aufschlag klang in der anhaltenden Stille wie eine Explosion und veranlasste William dazu sich vom Türrahmen abzustoßen und langsam auf sie zu zugehen. Erneut erinnerte sein Gang sie an den eines Tigers, der sich an sein Opfer heranschlich und sie trat ängstlich einige Schritte zurück, bis sie das Bett in ihren Kniekehlen spürte und dadurch gezwungen war, stehen zu bleiben.

„Hey William", lachte sie unsicher. „Die Schlittenfahrt schon beendet?"

„Mmmh. Was machst du in meinem Schlafzimmer, Buffy?" Er zog eine Augenbraue fragend in die Höhe. 

„Oh… das ist dein Schlafzimmer?", versuchte sich Buffy unsicher lachend herauszureden. „Wusste ich nicht… ich habe mich wohl verlaufen… ich wollte in die Küche."

„Ich glaube dir nicht, Buffy", antwortete er prompt und blieb nun vor ihr stehen. So dicht, dass sie seinen Atem in ihrem Gesicht spürte.

„D… doch… ehrlich… wenn du mich jetzt entschuldigst…" Sie legte ihre Hände auf seinen Brustkorb und versuchte ihn etwas nach hinten zu schieben, um an ihm vorbeischlüpfen zu können. Doch er blieb wie ein Fels in der Brandung stehen und nahm ihre kleinen Hände in die seinen. Aufreizend langsam strich er mit den Daumen über ihre Handrücken. „Buffy… du kennst dich hier fast besser aus als ich… also, hör auf mich anzulügen."

Ein Zittern ging durch Buffys Körper. „William, lass mich gehen. Ich muss noch arbeiten. Deine Gäste…" Ängstlich fragte sie sich, wie lange er wohl schon im Türrahmen gelehnt hatte.

„Die interessieren mich nicht." Seine Stimme wurde leiser. „Aber mich interessiert, was du kleines Biest da in mein Bett geleert hast."    

‚Verdammt’, fluchte Buffy in Gedanken. Damit war ihre Frage wohl beantwortet.

„Du bist ein böses Mädchen, Buffy, ganz böse", murmelte er nun und Buffy bekam weiche Knie, als sie in seine blauen Augen starrte und dort etwas blitzen sah.

„William… es ist nicht so, wie du denkst…"

„Was denke ich denn?", hakte er grinsend nach.

„Es war nur … Gott, es war nur ein kleiner Racheakt. Meine Güte, du hast mich gezwungen vor allen Leuten in den verdammten Pool zu steigen", schrie sie ihn an. Diese ganze Situation begann fürchterlich an ihren Nerven zu zerren.

„Und das gibt dir natürlich das Recht Wackelpudding in meinem Bett zu verteilen."

„Ja." Trotzig reckte sie ihr Kinn in die Höhe und mit allem Mut, den sie im Moment aufbringen konnte, blickte sie ihm todesmutig in die Augen.

„Hm… wahrscheinlich hab ich das tatsächlich verdient…" Er legte einen Zeigefinger unter ihr Kinn und drückte es mit sanfter Gewalt nach oben. „Ich wollte… du hast mir nicht zugehört vorhin… es tut mir leid. Ich habe nicht nachgedacht, ich hätte dich nicht in diesen Pool steigen lassen dürfen." 

„Huh…?" Ein ängstliches Zittern lag in ihrer Stimme. Wenn sie nur wüsste, was in seinem Kopf vor sich ging. Seine Entschuldigung war sicher auch nur ein Trick. „Lass mich bitte los…. William." 

„Darf ich mich nicht wenigstens bei dir entschuldigen? Bitte Buffy. Ist das zu viel verlangt?" Irgendwie klang er als würde sie ihn quälen und Buffy hatte das Gefühl, urplötzlich an einer temporär auftretenden falschen Wahrnehmung der Realität zu leiden. Irgendwas stimmte hier nicht. Vor lauter Nervosität begann ihr Magen sich zusammen zu ziehen.

„N… nein. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass du etwas sagen könntest, das mich interessiert", meinte sie boshaft.

Zorn blitzte über seine Züge und man sah ihm direkt an, dass er jetzt lieber etwas anderes erwidert hätte, doch irgendetwas schien ihn zum Gegenteil zu bewegen. Denn als er zu sprechen begann, traute Buffy kaum ihren Ohren. „Du tust es schon wieder, tust, was du immer mit mir getan hast. Du beachtest mich nicht, ignorierst mich schon den ganzen verdammten Abend. Nicht mal ein kurzes Nicken zur Begrüßung war ich dir wert. Dafür trägst du aber dieses knappe Kostüm und provozierst mich, damit du ja MEIN Augenmerk den ganzen Abend auf dich ziehst… irgendwann verliert da jeder Mann seinen vernünftigen Verstand. Aber… mir wurde ganz anders als du nicht mehr von allein hoch gekommen bist und… ich bin zu weit gegangen, Buffy und es tut mir aufrichtig leid", beendete er seine Entschuldigung mit einem leisen Seufzen und einer fahrigen Bewegung durch seine Haare.  

Vollkommen den Wind aus den Segeln genommen, starrte Buffy William an und wusste nicht, was sie sagen sollte. William Spencer hatte sich bei ihr entschuldigt. Das war irgendwie als würde Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen und… er hatte garantiert einen Hintergedanken. Er würde niemals so etwas ohne Grund machen. Wenn er jetzt annahm sie würde ihm damit alles verzeihen, hatte er sich geschnitten. „Okay… schön, dann ist ja alles geklärt", nickte sie ihm zu und wollte sich an ihm vorbeischieben.  

„Wo willst du hin?", hielt er sie auf.

„An die Arbeit", erwiderte sie knapp und ging weiter in Richtung Tür.

„Die Party ist zu Ende", klärte er sie auf. „Ich habe sie alle nach Hause geschickt."

Verblüfft blieb sie stehen und sah ihn an. „Jetzt schon? So früh?"

„Mir ist die Laune vergangen und ich denke, einigen Gästen auch", erwiderte er. „Was… hast du jetzt vor mit dem Rest des Abends?", hängte er fast schon schüchtern klingend an.

Buffy zuckte mit den Schultern. „Ich sehe nach, ob Willow noch Hilfe braucht und wenn nicht, gehe ich nach Hause."

„Es ist keiner mehr da, nur wir beide… Ich dachte, wenn du jetzt den Rest des Abends frei hast, könnten wir… vielleicht..."

„N…nein." Buffys Kehle war plötzlich wie ausgetrocknet. „Wir beide können gar nichts!"

Erneut seufzte William auf. „Warum nicht, Buffy? Widere ich dich so an, dass du nicht mal… Wir könnten zusammen essen und du erzählst mir, wie es dir so geht. Wir haben uns schon so lange nicht mehr gesehen. Ich höre so gern deine Stimme. Ich habe sie schon immer gemocht, wusstest du das?", sagte er im Plauderton. Buffy schluckte. Sie verstand gar nichts mehr. „Es ist egal, was du sagst, früher hast du dir immer diese kleinen Anecktoden ausgedacht und sie Riley erzählt. Du könntest mir auch das Telefonbuch vorlesen…beim Klang deiner Stimme wurde es mir schon immer warm um mein Herz. Und weißt du, was ich mich immer gefragt habe?"

„Was?", hauchte sie, ohne es wirklich wissen zu wollen.

William antwortete nicht gleich. Nein, für einen Moment herrschte wieder Stille zwischen ihnen und er trat einen Schritt auf sie zu. „Ich wollte schon immer wissen, wie du klingst, wenn du nur für mich eine Geschichte erfindest und sie MIR erzählst." Er unterstrich seine Worte, indem er seine Hand auf seine Brust legte.  

Buffy starrte auf die Bewegung seiner Hand und riss die Augen weit auf, als ihr klar wurde, was er hier versuchte. Er lullte sie ein, mit falscher Freundlichkeit und der Nostalgie aus längst vergangenen Tagen. Tage, die es so nie wieder geben würde. „NEIN!", schrie sie fast schon panisch, weil sie beinahe auf sein Säuseln hereingefallen wäre. Dabei hätte ihr von Anfang an klar sein sollen, dass er nur einen Weg suchte, um sich für den Wackelpudding im Bett zu rächen. Dass sie doofe Nuss auch immer so lange brauchte, um zu schalten. „Vergiss es, ich gehe nach Hause. Schönen Abend noch", stieß sie kalt hervor und trat entgültig aus seinem Schlafzimmer in den Flur. 

„Buffy… nur eine Stunde", versuchte er sie zu überreden, als er erneut hinter ihr auftauchte.

„Freiwillig nicht einmal eine Minute, Mr. Spencer." Buffy war bereits an der Haustür und im Begriff nach draußen zu gehen, als sie ihm diese Worte vor den Kopf knallte.

„Okay… du hast es nicht anders gewollt", murmelte William leise in seinen nicht vorhandenen Bart, bevor er lauter zu ihr sagte. „Dir ist schon klar, dass du ne Menge Schulden bei mir hast?"

Buffy hielt mitten in der Bewegung inne und wandte sich doch noch einmal zu ihm um. „Welche Schulden?", hakte sie atemlos nach.

„Die Uhr, Buffy. Sie ist kaputt." Er sprach so langsam, als müsse er sich jedes Wort einzeln auf der Zunge zergehen lassen.

„Du lügst. Das glaube ich dir nicht." Er konnte ihr viel erzählen.

„Ich kann es dir zeigen… ich hole sie." Mit diesen Worten trete er sich auf dem Absatz um und verschwand in einem der Zimmer, die vom Flur abzweigten. Buffy glaubte sich zu erinnern, dass es sich dabei um sein Büro handelte. Vielleicht fünf Minuten später, Buffy kamen sie wie eine halbe Ewigkeit vor, kam er aus seinem Büro, ging auf Buffy zu und legte ihr die Uhr in die Hand. „Wie du siehst, ist sie stehen geblieben", erläuterte er.

Buffy starrte wie gebannt auf die Zeiger der Uhr, als könnten irgendwelche mentalen Kräfte, die in ihr schlummerten, sie dazu bringen sich zu bewegen. Doch es tat sich nichts, gar nichts. „Verdammt", fluchte die Blondine. „Das gibt es doch nicht, dass die so eine teure Uhr nicht wasserdicht bauen."

William zuckte nur mit den Schultern.

„Und jetzt?", fragte sie planlos. Sie würde ihm die Uhr nie im Leben bezahlen können. „William… mach keinen Blödsinn. Das ist nicht mehr witzig", jammerte Buffy. „Du weißt genau, es war nicht meine Schuld…"   

„Stimmt." Er sah es ein. Buffy atmete erleichtert auf. „Es ist auch nicht witzig gemeint. Glaubst du, ich lasse dich einfach so davon kommen mit dem, was du getan hast? Wenigstens einen Teil der Schulden, die du jetzt bei mir hast, musst du zurückzahlen." 

Alle Hoffnung sackte auf einmal in ihr zusammen. Er würde darauf bestehen, wie hatte sie etwas anderes erwarten können. „Und wie soll ich das tun? Ich habe kaum Geld, das weißt du genauso gut wie ich."   

Anstatt ihr zu antworten, nahm er ihre rechte Hand, um sie daran aus der Haustür zu ziehen. Auf der Einfahrt standen noch immer die zweispännigen Schlitten. Die Pferde, die davor gespannt waren, schnaubten unruhig. „Ich schlage vor, du beginnst damit deine Schulden abzubezahlen, indem du eine Schlittenfahrt mit mir machst."

Buffy verspürte den Drang hysterisch zu lachen. Das konnte doch nicht wahr sein, das war doch nur ein schlechter Alptraum. „Okay… guter Joke, William. Ich hab herzlich gelacht."

Sein Daumen strich sanft über ihren Handrücken, als er teuflisch grinsend antwortete: „Ich pflege selten Scherze über Geld zu machen, Liebes."

Panik stieg in Buffy hoch und sie versuchte sich von ihm loszumachen. Doch er verstärkte seinen Griff um ihre Hand einfach seelenruhig  und zog sie weiter auf den Schlitten zu. 

„WILLIAM! LASS MICH LOS!", schrie Buffy ungehalten. „Ich habe keine Lust mit dir in dieser Hitze Schlitten zu fahren. Das ist doch lächerlich."

„Okay, dann gib mir die Hunderttausend Dollar!", lachte er und Buffy wurden die Knie weich vor Angst. Er hatte ja Recht. Sie könnte ihm das Geld nicht geben und keiner glaubte ihr, dass es nur ein Unfall gewesen war. Sie hätte keine Chance gegen ihn. Keiner würde ihr glauben, keiner würde ihr helfen. Nicht gegen William Spencer, von dessen Wohlwollen fast jedes Leben in Sunnydale abhing, dessen Beziehungen bis an den obersten Gerichtshof reichten. Er würde hier mit ihr machen können, was er wollte und niemand würde ihr helfen. Niemand. Nicht einmal ihr eigener Vater. Buffy musste bitter auflachen bei dem Gedanken an Hank Summers. Der Hank Summers, der so tief gesunken war, dass er in einem Wohnwagenpark vor sich hinvegetierte. Der Hank Summers, der sich schon vor Jahren einfach aufgegeben hatte. Der Hank Summers, den sie nur noch aus Respekt vor ihrer Mutter Vater nannte.

Ihr wurde bewusst, dass William jetzt ganz nah vor ihr stand. Ihre Gedanken waren so in die Vergangenheit abgeschweift, dass sie es gar nicht wahrgenommen hatte, als er sich auf sie zu bewegte.

„Also was ist jetzt Buffy? Eine Stunde Schlittenfahrt mit mir ertragen oder aber…", während er sprach, fuhr er mit dem Zeigefinger ihre Kinnlinie entlang.

„Ist mit der Schlittenfahrt alles bezahlt?" Buffys Lippen begannen zu zittern.

„Ein Teil. Den Rest heben wir uns dann für ein Abendessen auf, eine kleine Reise…

„Du bist total irre." Er musste den Verstand verloren haben. „Wenn du dir dabei irgendetwas erhoffst, William, dann muss ich dich enttäuschen. Du und ich… das wird nie etwas. Dafür verachte ich dich viel zu sehr", spuckte sie ihm regelrecht ins Gesicht.

„Wir werden sehen", grinste er wissend und Buffy hätte ihm dieses Grinsen am liebsten aus dem Gesicht geschlagen. „Es hat lange gedauert, aber jetzt habe ich dich durchschaut. Du hast mich mit Absicht provoziert, mir das unschuldige blonde Mädchen vorgespielt. Ich hatte sogar ein schlechtes Gewissen, nach der Aktion im Auto. Dabei habe ich es damals schon gespürt… all diese kurzen Röcke, dieser Augenaufschlag, diese schmollenden Lippen… unschuldige Mädchen werfen die Lippen nicht so auf, nicht wahr, Buffy?!" Seine Hand fuhr über ihren Hals, hinab zu ihren Brüsten, wo er mit dem Daumen durch den dünnen Stoff ihres Kostüms ihre rechte Brustwarze mit kreisenden Bewegungen stimulierte.  

„Du bist wirklich verrückt", schnaubte Buffy und schlug seine Hand weg. „Fass mich nicht an!" Sie versuchte nach hinten wegzukommen, doch William legte ihr die Hände auf die Taille und hob sie mühelos hoch in den Schlitten. Dann nahm er neben ihr Platz und legte eine Decke über sie beide.

„Fahren Sie los", gab er dem Kutscher einen knappen Befehl und schon schnalzte dieser mit der Zunge und die vor den Schlitten gespannten Pferde setzten sich in Bewegung. Durch den Ruck der dadurch verursacht wurde, wurde Buffy an William gedrückt. Sie wollte so schnell es ging wieder Abstand zwischen sie beiden bringen, doch William verhinderte dies, indem er den Arm über ihre Schultern legte und sie enger an sich drückte. Genüsslich rieb er seinen Körper an ihrem und Buffy spürte, wie muskulös er unter all seiner Kleidung sein musste. Merkwürdigerweise empfand sie keinen Ekel bei dem Gedanken und noch seltsamer war, dass sie sich nicht gegen die Nähe wehrte. Im Gegenteil, irgendwie war es angenehm. Vielleicht war sie auch einfach nur müde und hatte die ständigen Rangeleien mit ihm satt. Diese Schlittenfahrt würde nicht ewig dauern. Sie würde sie einfach hinter sich bringen, ein wenig nett zu ihm sein, indem sie es zuließ, dass er sie so hielt und dann nach Hause gehen, ohne einen Berg Schulden, den sie auf andere Weise nie würde abbezahlen können.

     

Er war erregt. Wie immer in ihrer Gegenwart. Wie Lava pulsierte die Erregung  durch seine Venen und ließ ihn Zeit und Raum vergessen. Ihr weicher warmer Körper war an seinen gedrückt, sogar ihren Herzschlag konnte er spüren. Wie gebannt starrte er auf ihre vollen einladenden Lippen und allein der Gedanke, wie sie sich auf den seinen anfühlen würden, trieb ihn an den Rand der Beherrschung.

So lange hatte er sich zurück gehalten. Beobachtet, wie aus dem zarten Mädchen eine Frau wurde. Seine Traumfrau. Er liebte sie schon so lange, dass er nicht mehr sagen konnte, wann es begonnen hatte. Umso tiefer hatte es ihn verletzt, dass sie nie Interesse an ihm gezeigt hatte. Der anfänglich aufgezwungene Kuss im Auto vor dem Wohnwagen ihrer Eltern hatte ihn auf der einen Seite beschämt, weil er sie überrumpelt hatte, auf der anderen Seite Hoffnung gemacht, da sie ihn erwidert hatte. Doch die Euphorie hielt nicht lange an, denn als ihr Vater am Tag nach Rileys Abschlussball, bei ihm in der Villa aufgetaucht war und ihm Buffy regelrecht ‚verkaufen’ wollte, war er vor lauter Zorn ausgerastet und hatte Summers aus dem Haus geworfen. Danach überschlugen sich die Ereignisse und er hatte Buffy und eine mögliche Zukunft mit ihr für alle Zeit verloren. An die Szene mit ihrem Vater zurückdenkend, entschlüpfte ihm ein kleines Seufzen.

 „Du bist verrückt nach ihr. Ich habe Augen im Kopf und ich weiß, was ich gestern Abend gesehen habe. Wie viel ist dir eine Nacht mir ihr wert?", hatte Hank lächelnd wissen wollen. Eine Nacht? William würde eine Nacht nicht genügen. Nur ein ganzes Leben.

„Du widerst mich an, Hank", konnte William nur abfällig spucken.

Sicher, er wollte Buffy. Ja. Schon lange. Aber nicht so. Er wollte, dass sie freiwillig kam, endlich den Mann in ihm erkannte, der Mann, der sie liebte und auf Händen tragen würde, sollte sie ihn endlich erhören. Er drehte fast durch, wenn er sie mit Riley Hand in Hand gehen sah oder gar in irgendeiner Ecke des Hauses knutschen. Jedes Mal zerriss es ihm fast das Herz. Was fand sie nur an seinem Bruder, der noch grün hinter den Ohren war. Doch er war so machtlos dagegen. Alles, was ihm blieb, war die Hoffnung, dass ihr irgendwann die Augen aufgehen würden und sie ihn wahrnahm. Ihn,  William S. Spencer. Er würde ihr so viel mehr geben können. Solange dies jedoch nicht geschah, versuchte er sich zurück zu halten, so gut er konnte. Er versteckte seine Gefühle hinter einer Fassade aus Unhöflichkeit und gab nach außen hin den Anschein, sie nicht leiden zu können. Nicht die intelligenteste Art eine Frau zu betören, sicher, aber ihm blieb nichts anderes übrig. Sein Plan schien aufzugehen… wäre da nicht…      

„Oder ist dir eine Nacht nicht genug?", wollte Hank ihn weiter locken.

„ Ich fasse es nicht, was du mir hier anbietest. Um deine Schulden loszuwerden, würdest du sogar deine Tochter verkaufen", hatte er angewidert geantwortet.

„Sie wuchs behütet auf, hatte eine schöne Kindheit, ihr fehlte es an nichts. Das habe ich ihr ermöglicht. Jetzt ist es an der Zeit Daddy zurückzuzahlen, was er investiert hat. Buffy wird das verstehen. Was ist William… sie ist noch unschuldig, das sollte den Preis in die Höhe treiben, oder?", feixte Hank und fuhr sich gierig mit der Zunge über die Unterlippe.

„Du ekelhafter Bastard… Verlass sofort mein Haus und lass dich hier nie wieder blicken", schrie William ungehalten.

„William, ich mache dir das Angebot nur einmal. Es gibt noch genügend andere, denen ich…" Hank kam nicht dazu auszusprechen, sondern fand sich mit Williams Hand würgend um seinen Hals gelegt, röchelnd an der Wand wieder.

„Wenn du Buffy auch nur ein Haar krümmst, bringe ich dich um. Hast du mich verstanden? EIN HAAR!", stieß William ihm ins Gesicht. Sein Blick war so kalt, dass Hank sich fast in die Hosen gemacht hätte aus Angst.

„Ja… ja… natürlich William, alles was du sagst, William", bemühte er sich so gefällig wie möglich zu stottern.

William ergriff ihn am Jackett und zerrte ihn aus dem Zimmer, über den Gang in Richtung Ausgang.

„William, lass uns nicht so auseinander gehen. Ich brauche nur ein paar tausend Dollar, um das Geschäft wieder anzukurbeln… du wirst doch einen alten Freund deines Vaters nicht so hängen lassen… William", jammerte Hank den ganzen Weg hindurch.

Mit Schwung stieß er Hank Summers aus der Tür. „Ich investiere nicht in Geschäfte, die von vorneherein zum Scheitern verurteilt sind", schrie er ihm abfällig hinterher, drehte sich um und blieb abrupt stehen, als er Buffy Summers verweintes Gesicht vor sich sah. „Buffy…" Er wollte ihr über die Wange streicheln, sie fragen, warum sie so traurig war und sie trösten. Doch sie schlug seine Hand aus ihrem Gesicht.

„Ich hasse dich, William Spencer. Ich hasse dich", schrie sie ihn an und stürmte an ihm vorbei aus dem Haus. Erschrocken sah William ihr nach, bis er bemerkte, dass Riley neben ihn getreten war.

„Ich habe mit ihr Schluss gemacht", sagte Riley ruhig. „Ich denke, das war dir ein Anliegen."

Mit diesen Worten wandte Riley sich ab und ging auf sein Zimmer.

„William?"

Ihre Stimme riss ihn aus seiner Erinnerung.

„Ja, Liebes?" Er hatte gar nicht gehört, was sie gesagt hatte, so vertieft war er gewesen.

„Wie lange soll die Fahrt noch dauern?", fragte sie erneut. „Es ist spät…"

„Bist du müde?" Erstaunt sah er auf sie herab und tatsächlich fiel ihm auf, dass sie kaum noch die Augen offen halten konnte. „Wir fahren dich nach Hause", gab er dann nach.

„Mein Auto steht bei dir."

„Das kannst du morgen holen oder ich bringe es dir. In deinem Zustand kannst du sowieso nicht mehr fahren."

Buffy nickte müde. Sie wusste auch nicht, warum sie plötzlich so erschöpft war. Vielleicht war es das sanfte Wiegen der Kutsche oder die plötzliche Ruhe, nachdem sie den ganzen Abend unter Strom gestanden hatte, aber Tatsache war, sie hatte Mühe wach zu bleiben. Immer wieder fielen ihr die Augenlider zu. Die mollige Wärme, die sie umgab, tat ihr übriges dazu und nachdem sie nun sicher sein konnte, dass er sie nach Hause brachte, schaffte sie es auch nicht mehr, sich gegen den Schlaf zu wehren. Sekunden nach ihrem Gespräch fiel sie in einen tiefen Schlummer, mit dem Kopf an William Spencers Brust und dem Arm auf seinem Bauch liegend. 

William beobachtete, wie ihre Gesichtszüge weich wurden, als sie endgültig einschlief. Sein Herz zog sich zusammen. Sie sah aus wie ein Engel. So unschuldig und rein. Er hob vorsichtig seine Hand und fuhr mit den Fingern zärtlich über ihre Wange. Wie sehr er diese Frau liebte und wie lange er nun schon auf sie wartete. Die Vorstellung sie jetzt in ihre Wohnung gehen zu lassen, gefiel ihm überhaupt nicht. Im Gegenteil, dann würde er sie erneut verlieren, denn freiwillig käme sie nicht zurück und… er hatte keine Lust, sie ewig mit der Uhr zu erpressen. Irgendwann würde sie mit Sicherheit auch herausfinden, dass er einfach nur die Batterien entfernt hatte. Wenn er jemals eine Chance gehabt hatte, sie zu erobern, dann war es jetzt und diese Gelegenheit durfte er sich nicht so einfach entgehen lassen. Die Idee war kaum in seinem Innern aufgeflackert, als er schon seinem Kutscher den Befehl gab, ihn auf dem schnellsten Weg zur Strandvilla zu fahren. Dort angekommen hob er Buffy aus der Kutsche und trug sie ins Haus. Vor seinem Schlafzimmer fiel ihm noch rechtzeitig der Wackelpudding in seinem Bett ein, darum drehte er auf dem Absatz um und ging mit ihr in eines der Gästezimmer. Dort schlug er die Bettdecke zurück, legte sie behutsam auf dem Bett ab, zog ihr die Schuhe aus und das Nikolauskostüm, bis sie nur noch in ihrer roten Spitzenunterwäsche vor ihm lag. Scharf die Luft einziehend und seine eigene Erregung so gut wie möglich unterdrückend, entkleidete er sich selbst bis auf seine Boxershorts und stieg zu ihr auf die Matratze. Buffy murmelte irgendetwas Unverständliches und drehte sich zur Seite. Grinsend kuschelte William sich an ihren Rücken, zog die Bettdecke über ihre beiden Körper und legte seinen Arm um ihre Taille. Mit der Nase an ihrem Nacken und ihren süßen Vanilleduft einatmend, schloss er mit sich und der Welt zufrieden die Augen und schlief tief und fest ein.    

Head up high 3

„Mmmh." Ein kleines Seufzen entschlüpfte Buffys Kehle, als zärtliche Finger über die Haut ihres Rückens strichen, so graziös wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Sie genoss diese Zärtlichkeiten nun schon eine Weile im Halbschlafstadium, zwischen Traum und Wirklichkeit. Ihr eigene Fantasie spielte ihr einen Streich, denn selbst in diesem nur halb bewussten Zustand war ihr klar, sobald sie die Augen öffnen würde, wäre sie allein. Aber sie mochte noch nicht allein sein, sie mochte sich noch eine kleine Weile dem Traum hingeben und so kämpfte sie tapfer dagegen an, völlig zu erwachen. Sie genoss Streicheleinheiten, ja, das bewusste Hinauszögern lohnte sich definitiv, bevor die grausame Realität wieder Einzug in ihr Bewusstsein halten würde. Mit Sicherheit war dies der schönste Traum seit langem und vor allem so gefühlsecht. Sie presste die Augenlider fester zusammen, als die Hände ihre Wirbelsäule tiefer nach unten glitten zum Ansatz ihres Pos und dann vorwitzig die sanften Hügel zärtlich verwöhnten. Ein Arm schlang sich um die Rundung ihrer Hüfte und ein Daumen umkreiste ihren Bauchnabel, während sich ein warmer Körper an ihren Rücken drückte.

„Oh", entschlüpfte ihr erneut ein Geräusch, als kleine warme Küsse in ihren Nacken gehaucht wurden. Ein Kribbeln ging über ihre Haut und ein leichtes Lächeln umzog ihre Lippen. Jetzt konnte sie nicht mehr vorgeben zu schlafen, trotzdem wollte sie die Augen nicht öffnen. Weiterhin behielt sie sie fest geschlossen, drehte sich auf den Rücken und schlang die Arme um den Besitzer des warmen und, wie sie spürte, sehr muskulösen Körpers. Mit sanfter Gewalt zog sie seinen Kopf zu sich herab. Als seine Lippen auf die ihren trafen, rieb sie ihren Unterkörper an seinem und saugte seine Unterlippe zärtlich in ihren Mund. Sie liebte es, so geweckt zu werden. Diese kleinen Neckereien und Zärtlichkeiten waren genau, was sie so lange vermisst hatte. Noch immer ganz entspannt vom Schlaf, gab sie sich dem Kuss vollkommen hin, öffnete die Lippen und hieß die fremde Zunge willkommen, umspielte sie mit der ihren und saugte daran. Als sie Atem benötigte und die fremden Lippen ihre Kinnlinie hinab zu ihrem Hals wanderten, konnte sie ein erneutes Stöhnen nicht verhindern. „Uhh Parker", entschlüpfte es ihr leise. „Ich hab dich so vermisst."

Augenblicklich versteifte sich der warme Körper über ihr. Für ein paar Sekunden rührte er sich nicht, dann rollte er von ihr runter auf die Seite und Buffy entglitt ein Wimmern wegen der plötzlichen Kälte,  die sie spürte. Endlich öffnete sie die Augen. „Baby, hab ich etwas falsch gemacht?", fragte sie enttäuscht, während sie zur Seite blickte. Die letzte Silbe war kaum verklungen, als sie den Mann neben sich erkannte und ihren Irrtum bemerkte. Das war nicht Parker.

„WILLIAM?" Buffy riss ihre Augen weit auf und setzte sich mit einem Ruck so schnell hoch, dass die Bettdecke hinabrutschte. Schnell sah sie an sich herab und bemerkte, dass sie fast nichts trug. Mit einem quiekenden Schreckenslaut zog sie die Decke hoch bis ans Kinn und schmiss sich wieder zurück auf die Matratze.

„Wie… wo… warte…" Sie war nicht wirklich nackt, oder? Sie lag nicht nackt hier mit William in einem Bett? Ängstlich tastete sie ihren Körper mit ihrer Hand ab. Ah… nein, sie trug noch ihre Unterwäsche. Erleichtert atmete sie auf und blickte sich dann im Raum um. Sofort wurde ihr klar, dass sie in einem der Gästezimmer von William Spencers Strandvilla war. „William, wolltest du mich nicht nach Hause fahren?", piepste sie dann, noch immer vollkommen perplex.

William sah an die Decke. Er hatte ihre Frage gar nicht registriert. Parker. Sie hatte ihn Parker genannt. Und wie sie diesen Namen ausgesprochen hatte, nein gehaucht - voller Sehnsucht und Leidenschaft. Es hallte noch immer in seinem Ohr nach und in seinem Magen bildete sich dabei ein ungutes Gefühl. Es war wie eine kalte Dusche gewesen. Parker. Warum nur? Was hatte sie an dem Kerl gefunden? Liebte sie ihn etwa? Auch jetzt noch, ein halbes Jahr, nachdem Parker sie verlassen hatte? Er konnte es nicht fassen und vor allem nicht ertragen. Sein Herz krampfte sich zusammen und er musste sich beherrschen, die aufsteigende Wut hinabzudrücken. Was fand sie nur immer an diesen Jüngelchen, die noch grün hinter den Ohren waren? Was war es nur, was sie hatten und er nicht? 

„William..." Ihre Stimme holte ihn in die Wirklichkeit zurück.

„William was, Buffy?", wiederholte er ihre Worte und legte seinen Kopf zur Seite, um sie ansehen zu können. „Bitte, William, küss mich noch mal?"

„Träum weiter", spuckte sie ihm beinahe ins Gesicht und William zuckte unbewusst zusammen. „Sag mir jetzt verdammt noch mal, warum ich halbnackt neben dir in einem Bett liege und nicht zu Hause bin. Du hattest versprochen, mich heim zu fahren."

Für einen Augenblick starrte William sie einfach nur an und Buffy wurde es unwohl unter seinem Blick. Unruhig wandte sie ihr Gesicht ab und kontrollierte noch einmal die Decke, ob ja jeder Körperteil von ihr darunter gut versteckt war.

„Ich wollte dich nicht wecken. Du warst so erschöpft und… ach shit…", fluchte er, schlug die Decke zurück, stellte die Füße auf den Boden und blieb mit hängendem Kopf und den Ellbogen auf den Knien am Bettrand sitzen. Buffy registrierte sofort erleichtert, dass er Boxershorts trug.  

„Ich verstehe dich nicht, William. Auf der einen Seite bin ich nicht gut genug, um mit deinem Bruder zu gehen und meinen Vater verabscheust du so, dass du ihn aus deinem Haus wirfst und auf der anderen Seite drängt sich mir immer mehr der Verdacht auf…" Nein, das sprach sie nicht aus. Sie würde nicht sagen, dass sie das Gefühl hatte, ihm lag etwas an ihr. Denn dann wäre es greifbar, dann würde es als Behauptung zwischen ihnen stehen und es gab zwei Möglichkeiten, wie er sich rechtfertigen könnte und Buffy wusste nicht, ob ihr seine Antwort, egal wie sie ausfiel, gefallen würde. Sie wollte mit Sicherheit nichts von William Spencer und doch schmeichelte ihr irgendwie die Idee, dass er ihr zugeneigt war. Bei dem Gedanken wurde sie unbewusst rot im Gesicht und versuchte die kleine Stimme in sich, die ihr solch einen Unsinn zuflüsterte, zu unterdrücken. „Egal, vergiss es. Gib mir bitte mein Kleid, damit ich mich anziehen kann", schloss sie ihren Satz und deutete auf das rote Nikolausfrauenkostüm.

„Sicher." Der Morgen war ernüchternd für William. Die Wunschbilder, die er sich noch am Abend mit ihr in seinen Armen ausgemalt hatte, zerplatzten und der traumhafte Beginn des Morgens endete in seinem ganz persönlichen Alptraum. Sie sehnte sich in ihrem Innern nach einem anderen Mann und von ihm wollte sie, so schnell sie konnte, fliehen. Es war aussichtslos, egal wie er es anfangen würde, Buffy Anne Summers würde in ihm immer nur das verhasste Oberhaupt des Spencer-Clans sehen. William fuhr sich fahrig durchs Haar und stand auf, um ihr das Kostüm zu reichen. „Ich gehe kurz duschen, du kannst dich in Ruhe anziehen."

Dankbar nickend nahm sie es entgegen. „Alles klar." Ihr Blick blieb einen Moment länger als nötig auf seiner nackten Brust hängen. Unbewusst leckte sie sich mit der Zunge über die Lippen bei dem Anblick seines durchtrainierten Oberkörpers. Hatte William schon immer so fantastisch ausgesehen? Als ihr bewusst wurde, dass sie ihn anstarrte, zwang sie sich schnell dazu, ihren Blick von ihm loszureißen. „Ich beeil mich. Du bist sicher auch froh, wenn du das Haus wieder für dich hast", murmelte sie und ärgerte sich über sich selbst, als sie spürte, wie eine verräterische Röte in ihrem Gesicht hochstieg.  

„Nein, bin ich nicht", erwiderte er und klang wie ein trotziger Junge. „Oder warum glaubst du, war ich so scharf drauf, eine Schlittenfahrt mit dir zu machen? Oder warum ich dich zu einem Abendessen eingeladen habe?"

„Ich hab nicht den blassesten Schimmer", zuckte sie mit den Schultern. Ihre teilnahmslose Art trieb ihn an den Rand seiner Beherrschung. Sie konnte ihm viel vormachen, aber sie sollte ihn besser nicht für dumm verkaufen. Ihr musste längst klar sein, wie es um ihn stand. Den Zorn kaum noch zurückhaltend, umfasste er sie an ihren Schultern und zog sie hoch zu sich.

„William… nein…", schrie sie erschrocken auf, als sie plötzlich auf der Matratze kniete und das Laken, welches sie so kunstvoll um ihren Körper drapiert hatte, herabrutschte und sie entblößte.

„Sag verdammt noch mal nicht immer NEIN", fluchte er und ohne sich um die Konsequenzen zu scheren, presste er seine Lippen auf die ihren. Sie war einfach Versuchung pur, sie war Feuer und Eis in einem und er konnte sich nicht mehr zurückhalten. Sie trieb ihn mit ihrer ständigen Ablehnung seiner Person an den Rand des Wahnsinns und gleichzeitig immer mehr in ihren Bann.

Auch jetzt lehnte sie sich wieder auf gegen seine Berührung und versuchte sich mit ihren geballten Fäusten gegen seine Brust von ihm abzustemmen. Er umfasste ihr Gesicht mit beiden Händen und verteilte viele leichte Küsse auf ihren Lippen, Nase, Stirn und Kinn. Dann wanderte sein Mund tiefer. Seine Lippen saugten zärtlich an der warmen Haut ihres Halses und er spürte, wie ein Schauer sie durchlief. Zufrieden lächelnd umfasste er ihren Busen und streichelte mit den Daumen ihre Brustwarzen, bis sie sich unter dem dünnen Stoff ihres Büstenhalters hart aufrichteten. Liebevoll leckte er eine kleine Schweißperle, die hinter ihrem Ohr den Weg hinab zu ihrem Hals suchte, auf und schloss genießerisch die Augen.

Ihr entrann ein Wimmern und als er mutiger wurde und seine Hände unter den Ansatz ihres Busens schob, begann sie zu zittern.

„Mmmh, du schmeckst so wundervoll, Liebes?", keuchte er.

Seine Worte holten sie zurück in die Realität. Doch anstatt sich gegen seine Liebkosungen zu wehren, gab sie sich ihnen weiter hin, öffnete ihre geballten Fäuste und strich mit ihren Handflächen über die samtene Haut seines Brustkorbes.  

Ja, schon damals im Auto war sie seinen geschickten Zärtlichkeiten erlegen gewesen. Genau darum wollte sie vorhin nicht auf diese innere Stimme hören, denn es war falsch, sich von jemandem wie William Spencer verführen zu lassen. Aber statt sich dagegen aufzulehnen, ließ sie zu, dass er sie weiter streichelte, über ihren Bauch zu ihrem Nabel und tiefer, in Erwartung, dass er das nächste Stückchen Stoff zu ertasten bekam.

„Du magst es, wenn ich dich küsse, nicht wahr, Liebes?", stöhnte er auf und saugte nun die zarte Haut an ihrem Schlüsselbein in seinen Mund, während seine Hand mutig unter ihr Höschen schlüpfte. 

Sie begann sich unter seinen Händen zu winden, er drückte seinen Körper näher an ihren und begann sich an ihr zu reiben. Allein ihre Gegenwart trieb ihn fast dazu in seiner Boxershorts zu kommen. Natürlich war ihm klar, dass das, was er hier mit ihr tat, nicht das Intelligenteste war, um eine Frau zu verführen, aber seine Geduld, was das Warten auf Buffy Summers betraf, war am Ende. 

Er hatte sie den ganzen letzten Abend beobachtet, als sie in diesem knappen Nikolauskostüm die Gäste bedient hatte. Am liebsten hätte er jedem Kerl, der lüstern auf ihren Po gestarrt hatte, die Augen ausgestochen oder noch besser, sie alle aus seinem Haus geworfen, damit er mit ihr hätte allein sein können.

Über zwei Jahre war es nun her, dass sie ihm die Worte ihres Hasses ins Gesicht geschleudert hatte. Zwei Jahre, in denen er sich zurück gehalten hatte. Zwei Jahre, in denen er eifersüchtig jeden Mann ausspionieren ließ, der wagte, in ihrem Dunstkreis aufzutauchen. Zwei Jahre, in denen er alle Illusionen, Buffy Summers würde aus freien Stücken erkennen, dass er es wert war, von ihr geliebt zu werden, verloren hatte. Stattdessen ging sie eine Beziehung mit diesem Loser Abrahams ein und William war kurz davor gewesen, einen Mord zu begehen. Jeden Abend hatte er seinen Kummer mit teurem Whiskey hinabgespült, bis er betrunken genug war, um sich irgendeine billige Nutte ins Haus zu bestellen. Beides hinterließ am nächsten Morgen einen schalen Nachgeschmack, aber er hatte sich nicht anders zu helfen gewusst.

Bis heute war er völlig ratlos in Sachen Buffy Summers. Heute Morgen war er fast soweit gewesen aufzugeben, doch ihre harschen Worte hatten irgendetwas in ihm berührt und er handelte plötzlich aus purem Instinkt. Denn wie bisher konnte es nicht weitergehen. Wenn sie nicht freiwillig kam, dann würde er sie eben… liebevoll überzeugen. Und ihr Auftauchen in seinem Schlafzimmer gestern Abend war ein Geschenk des Himmels gewesen.

„Willst du es mir nicht verraten, Luv?", bohrte er weiter. „Soll ich es herausfinden?" Erneut verschloss er ihre Lippen mit den seinen und bettelte mit seiner Zunge streichelnd um Einlass in ihren Mund. Wimmernd gewährte Buffy ihn ihm und ihre Zungen fochten leidenschaftlich miteinander, während William sie sanft in die Matratze zurückdrückte und sich seitlich halb auf sie und auf Buffy legte. Seine Hand in ihrem Höschen, die bisher nur auf ihrem zarten Dreieck gelegen hatte, wurde nun mutiger und wanderte leicht zitternd tiefer. William war plötzlich nervös. Ob er auch nicht zu weit ging? Sollte er wirklich in ihre feuchte Nässe mit seinem Finger eintauchen oder es lieber bei diesem recht intimen Kuss belassen für den Anfang?

Buffy nahm ihm die Entscheidung ab, indem sie mit ihren Hüften hochbockte und: „Bitte", in seinen Mund stöhnte. William hatte das Gefühl, in seinem Kopf würde etwas explodieren und er stöhnte laut ihren Namen.  

Sie zitterte längst am ganzen Leib, jede seiner Berührungen trieb sie ein Stück weiter in eine Hölle, in der sie sich selbst verlor. Ihr Verstand befahl ihr, sich zu wehren und ihr Körper verriet sie schamlos. Buffy war hin und her gerissen, war sich selbst fremd und wusste nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollte.

Zwei seiner Finger streichelten langsam ihre Schamlippen auf und ab, ohne jedoch einzutauchen. Buffy holte bebend Atem und wartete auf seine nächsten Schritte. Sie brauchte nicht lange zu warten. Plötzlich spürte sie die kalte klimatisierte Luft des Raumes an ihren Brüsten und blickte an sich herab. Er musste mit einer Hand geschickt ihren BH geöffnet haben. Erschrocken blickte sie zu ihm und errötete, als sie ihn mit bewunderndem Funkeln in den Augen auf ihr entblößtes Fleisch starren sah. Noch mehr schockte sie, als sie spürte, dass ihre Nippel unter seinem Blick hart wurden. Auch ihm war es aufgefallen und mit einem wissenden Lachen beugte er seinen Kopf herab, um ihren Busen zu küssen. Als er stetig an ihrer rechten Brustwarze saugte, warf Buffy ihren Kopf nach hinten und stöhnte laut auf. Ein Prickeln zog durch ihren Körper, das sich an einem bestimmten Punkt zwischen ihren Beinen bündelte und das er noch immer geschickt mit seinen Streicheleinheiten umging. Um sich ein wenig Erleichterung zu verschaffen, rieb sie die Innenschenkel gegeneinander. Gott, sie wollte, er würde endlich seine Hand tiefer bewegen und sie dort unten berühren. Hatte sie sich das jetzt wirklich gewünscht? Oh Gott… was geschah nur mit ihr? 

William saugte inzwischen an ihrer linken Brustwarze und knetete mit der Hand sanft ihre rechte Brust, während er immer wieder mit Daumen und Zeigefinger ihren rechten Nibbel zusammendrückte, daran zog oder einfach streichelte.

Buffys Körper stand mehr als nur in Flammen, sie brannte lichterloh und ehe sie sich versah, wurde sie feucht zwischen ihren Beinen. Das impulsive sehnende Pochen ihres Unterleibes ließ sie keinen klaren Gedanken mehr fassen. Sie drängte mit ihrem Oberkörper gegen seinen Mund und rieb ihren Unterkörper an seinem. „Bitte…", entglitt es ihr erneut leise.

„Bitte was, Baby?", zog er sie wieder auf. „Sag mir, was du willst."

„Bitte… William…", flehte sie schon fast.

„Was soll ich für dich tun?", reizte er weiter. 

„William… deine Hand…"

„Sag es. Sag mir, was ich mit meiner Hand tun soll."

„Bitte … berühr mich." Buffy war am Rande ihrer Nerven. Wenn er ihr nicht sofort Erleichterung verschaffen würde, hatte sie Angst den Verstand zu verlieren.

„Wo? Wo soll ich dich berühren?"

„OH GOTT… zwischen meinen Beinen… bitte…", schrie sie verzweifelt, Hitze stieg in ihre Wangen, ihr Körper bebte und ihr Atem kam stoßweise.

William gluckste und gab ihr erneut einen leidenschaftlichen Zungenkuss, während er für einen Augenblick die Augen schloss, um seine eigene Erregung in den Griff zu bekommen. Er war so steinhart in seiner Hose, dass er Angst hatte, ein Loch in den feinen Stoff zu bohren. Doch sie ließ ihm kaum eine Sekunde Pause. Erneut hörte er ihre Stöhnen, leises Wimmern, ihre flehende Bitte, welche Schauer über seinen Rücken schickte. Sie weiterhin küssend, teilte er mit seinem Mittelfinger ihre Schamlippen und tauchte in ihre warme Süße ein. Ein kleiner spitzer Schrei entfuhr ihr, als er kurz ihr hartes Nervenbündel streifte.

„Ist es das, was du willst, Luv?", fragte er atemlos.

„Ja, oh bitte ja… bitte… William", stöhnte sie hemmungslos auf und drückte sich gegen seinen Finger.

Für William begann sich das Zimmer zu drehen. Er wusste, er würde dies hier nicht mehr lange aushalten, ohne sich selbst befriedigen zu müssen. Mit der linken Hand zog er ihren Kopf an sein Gesicht und verwickelte sie in einen lang anhaltenden fast schon verzweifelten Zungenkuss, während die Finger seiner linken Hand geschickt mit ihrer Liebesperle spielten.

Buffy keuchte in seinen Mund. Sie ließ ihre Hüften kreisen und strebte schneller als jemals zuvor dem Höhepunkt entgegen. Noch nie im Leben hatte sie so gefühlt, noch nie war sie so erregt gewesen, noch nie hatte sie Erleichterung so nötig gehabt wie in diesen kurzen Sekunden, als er sie mit seinem Finger über die Klippe schickte. Sie riss den Kopf von seinen Lippen und schrie seinen Namen, als sie kam, als Welle für Welle ihren Körper durchlief und ihr in dem Augenblick als Millionen roter Lichter vor ihrem inneren Auge explodierten klar wurde, warum dieser Moment auch der kleine Tod genannt wurde.

Als die letzte Welle abebbte, ließ sie vollkommen erschöpft den Kopf auf die Brust sinken und versuchte ihren Atem zu beruhigen. Sie spürte, wie er ihr einen leichten Kuss ins Haar drückte und ohne jegliche Kraft in den Muskeln sank sie in seine Arme und ließ sich willenlos von ihm umarmen.

Erneut gab er ihr einen kleinen Kuss, diesmal auf die Nasenspitze. „Das habe ich mir so lange gewünscht, Liebes. Jetzt bleibst du für immer bei mir, nicht wahr?"

Seine Worte waren mehr eine Feststellung als eine Frage. Buffy glaubte Hoffnung gepaart mit Unsicherheit in seiner Stimme zu vernehmen und sogleich versteifte sie sich für einen kurzen Augenblick. Seit wann war William Spencer unsicher? Und welche Hoffnungen hegte er? Doch der so eben erlebte Höhepunkt hatte sie mitgenommen. Ganz gegen ihren Willen fiel es ihr schwer über die Realität und William Spencer wahre Beweggründe zu grübeln. Sie gab ein undefinierbares Geräusch anstatt einer Antwort von sich und schloss die Augen. Wenige Sekunden später war sie an seiner Brust in einen leichten Schlaf gefallen.

William wiegte sie noch immer in seinen Armen. Am liebsten hätte er sie ewig so gehalten. Ganz nah bei sich. Er war so glücklich in diesem Moment. All seine Wünsche hatten sich plötzlich erfüllt. Er konnte sein Glück kaum fassen. Sie war unter seinen Berührungen geschmolzen und ihr Körper konnte nicht lügen. Er war der Grund für ihre Erregung, das würde sie nicht leugnen können. Er hatte keine Gewalt angewendet oder so… und er hatte sich mit Absicht zurück gehalten. Wobei… für einen Moment zog sie noch fester an sich und drückte ihr dann einen Kuss ins Haar. „Ich komme gleich wieder, luv", flüsterte er leise.

William verschwand so schnell er konnte im Bad, riss sich die Boxershorts vom Leib und stellte sich unter die Dusche. Er hatte sich ihr nicht aufdrängen wollen, sondern einfach nur zeigen, dass sie auf ihn reagierte. Ihr ein klein wenig den Weg weisen, der Rest sollte ihr von alleine klar werden. Doch es hatte ihn all seine Willenskraft gekostet. Wie gerne hätte er sich in ihrem süßen Fleisch vergraben. Aber das erste Mal sollte etwas Besonderes zwischen ihnen sein. Und jetzt, so hoffte er zumindest, würde eiskaltes Wasser helfen, seine Erregung in den Griff zu bekommen. Doch kaum traf der kalte Wasserstrahl auf sein hartes Glied, geschah genau das Gegenteil. Ohne sich selbst anzufassen, nur mit den Bildern des vor wenigen Minuten stattgefundenen Liebesspiels vor Augen, kam er so schnell wie noch nie in seinem Leben. Mit beiden Händen an den Fliesen abstützend, verströmte er sich stöhnend unter der eisigen Wasserfontäne.

Obwohl er danach weiche Knie wie ein kleiner Junge nach dem ersten Mal hatte, beeilte er sich aus der Dusche zu steigen und sich abzutrocknen. Er wollte Buffy nicht zu lange allein lassen, jetzt wo sie endlich bei ihm war. Ganz und gar. Denn daran gab es keinen Zweifel. Anfänglich hatte er sie vielleicht ein wenig mit seinem Kuss überrumpelt, aber das mehr daraus wurde, dafür brauchte es zwei. Sie hatte es ebenso gewollt wie er. William fühlte eine Euphorie in sich, wie er sie noch nie verspürt hatte.

Geschwind schlüpfte er in ein paar legere Jogginghosen. Er konnte es kaum glauben, dass sie jetzt seine Freundin war und er sie für den Rest seines Lebens im Arm halten konnte. Sein Körper gewärmt von ihrem, eingehüllt von ihrem bezaubernden Duft. Wahrscheinlich würde er die restlichen Nächte seines Lebens kein Auge zumachen können, weil es ihm wie ein Wunder vorkam, dass sie bei ihm lag.

Mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht, welches ihn um Jahre jünger erscheinen ließ, ging er zurück ins Schlafzimmer. Kaum blickte er zum Bett, setzte sein Herz einen Schlag aus und sein Lächeln erstarb auf seinen Gesichtszügen. Enttäuschung, nein Verzweiflung breitete sich stattdessen darauf aus und er hatte das Gefühl, sein Herz breche in tausend winzige Einzelstücke. All seine Hoffnung zerplatzte wie eine Seifenblase. 

Sie war weg.

Head up high 4

„Buffy? Es ist schon wieder William Spencer", rief Willow ihrer Freundin und WG-Genossin durch die geschlossene Zimmertür zu, das Funktelefon in der Hand haltend. „Willst du nicht endlich mal mit ihm sprechen? Ich habe keine Lust, ständig neue Ausreden für dich zu erfinden."

„NEIN. Und ich hab nie verlangt, dass du Ausreden erfinden sollst. Sag ihm einfach, er soll nicht mehr anrufen", schrie Buffy zurück, ohne sich von ihrem Bett zu erheben. Sie warf die Bettdecke erneut über ihren Kopf, als könne sie sich so vor dem Rest der Welt verstecken, insbesondere William Spencer. Er sollte ihr gestohlen bleiben, dieser blonde Teufel mit dem arroganten Grinsen und den magischen Fingern. Buffy biss sich in die Unterlippe, da sie spürte, wie sie allein bei dem Gedanken an ihn feucht   zwischen den Beinen wurde. Und wenn sie weiter dachte… an die Ereignisse dieses Morgens…

Buffy presste sich die Fäuste gegen den Mund und gab einen spitzen kleinen Schrei von sich, weil sie einen Filter brauchte, um all diesen aufgestauten Gefühlen, welche dabei in ihr  aufwallten, freien Lauf zu lassen. Es war unfassbar, was er mit ihr getan hatte. Aber noch unglaublicher war, wie sie darauf reagiert hatte und vor allem, dass es ihr… gefallen hatte. Buffy schnaubte wütend und schlug mit der geschlossenen Faust auf die Matratze, nur um sich dann wieder unter der Decke zu verstecken und weiter in Selbstmitleid zu vergehen. Freiwillig würde sie dieses Zimmer heute nicht mehr verlassen. Sicher würde es ihr jeder ansehen, was geschehen war. Jeder würde erkennen, wie verdorben sie war, weil sie seit Stunden an nichts anderes mehr denken konnte, als den Wunsch noch einmal solch eine sexuelle Erfahrung zu machen. Buffy barg ihr heißes Gesicht in ihren Händen und biss sich in die Handballen. Ja, verdorben war das richtige Wort. Sie war verdorben, schamlos und schlecht.

 

                                               **********************************

 

Eine Woche oder anders ausgedrückt, hundert ignorierte Anrufe von einem gewissen blonden Teufel später, war Buffy auf dem Weg ins Howard Johnson Inn. Der Partyservice hatte den Auftrag erhalten dort für vier Gäste Essen zu liefern und es durch einen Kellner stilecht servieren zu lassen. Jetzt, kurz vor Weihnachten, hatte der Partyservice, bei dem Buffy arbeitete, viele Aufträge. Jede Firma, Einrichtung oder Verein hielt eine Weihnachtsfeier ab. Der Auftrag im Hotel musste sehr lukrativ sein, da ihr Boss ihn angenommen hatte, neben der riesigen Feier der Feuerwehr, die heute ebenfalls von ihnen beliefert wurde. Das wusste sie von Willow, die dort eingesetzt worden war. Buffy war ganz froh über den kleineren Auftrag. Der erste Abend seit langem, der versprach weniger hektisch zu werden. Vier Leute zu bedienen war eine Kleinigkeit, wenn sie an die über Hundert bei der Feuerwehr dachte.

Als sie vor dem Hotel ankam, stand der Lieferwagen des Partyservices bereits davor und Gary und Jack trugen die Speisebehälter in die angemietete Suite. Buffy parkte ihr Auto, ging dann zum Lieferwagen und folgte den beiden ins Hotel. Oben angekommen, zog sie ihren Mantel aus, unter dem sie, wie jeden Abend im Dezember, das Nikolausfraukellnerkostüm trug und half beim Aufbau der Speisen und der Dekoration des Tisches. Als alles zu ihrer Zufriedenheit hergerichtet war, verabschiedeten sich Gary und Jack und Buffy blieb allein zurück in der Hotelsuite. Für einen Augenblick kam sie sich etwas verloren vor. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass zumindest die Gastgeber bereits hier wären. Sie kontrollierte noch einmal die Wärmebehälter, ob sie auf die richtige Temperatur eingestellt waren und schaute sich dann etwas in der Suite um. Sie bestand aus einem Esszimmer, einer Lounge, hatte zwei Bäder und zwei Schlafzimmer. Wahrscheinlich würden die Gäste auch hier übernachten, überlegte sie, bevor sie auf den Balkon hinaustrat und sich die Lichter der Stadt betrachtete, die die Nacht hell erleuchteten. 

„Ist es dir nicht zu kalt dort draußen? So ganz ohne Mantel?", wollte eine, ihr leider nur zu bekannte männliche Stimme plötzlich von ihr wissen. Automatisch zuckte sie zusammen, fuhr auf dem Absatz herum und blickte direkt in das Gesicht von William Spencer.

„DU?!", stellte sie sogleich fest. „Was machst du denn hier?" 

„Ich bin der Gastgeber", erklärte er mit einem, wie Buffy empfand, teuflischem Grinsen auf den Lippen.

„Super… das hätte ich mir ja denken können. Ich bin ja auch wirklich selten dämlich. Wer außer dir würde sich in Sunnydale schon die Dekadenz leisten, einen Partyservice in ein Hotelzimmer zu bestellen", fluchte sie und schob sich an ihm vorbei ins Innere.

William folgte ihr, noch immer grinsend. Als er jedoch beobachtete, wie sie nach ihrem Mantel griff und ihn anzog, erstarb jegliche Belustigung auf seinen Gesichtszügen, stattdessen wurden seine Augen zu Schlitzen und seine Stirn zog sich verärgert in Falten. „Was hast du vor? Willst du doch den Mantel anziehen, um auf dem Balkon zu stehen? Oder willst du ganz verschwinden?"

„Wohooo, der Kandidat hat neunundneunzig Punkte und gewinnt eine Reise auf den Mond. Wärst du schneller drauf gekommen, hättest du auch noch den Rückflug gewonnen. So musst du bis in alle Ewigkeit dort oben bleiben", grinste Buffy über ihren eigenen Scherz. „Aber seien wir mal ehrlich… Einen größeren Gefallen könntest du der Menschheit nicht tun." Ein kleines gemeines Lachen begleitete ihren letzten Satz.

Das saß. William zuckte unbewusst zusammen. Dass sie so viel Groll gegen ihn in sich trug, hätte er nicht für möglich gehalten. Vielmehr hatte er gehofft, dass ihre letzte Begegnung und ihre körperliche Reaktion auf ihn sie ein wenig zugänglicher gestimmt hätten. Doch jetzt kam es ihm so vor, als wäre sie weiter davon entfernt ihn wahrzunehmen als jemals zuvor. Oder anders ausgedrückt… in ihm einen Mann zu sehen, mit dem sie ihr Leben teilen wollte. Wahrnehmen tat sie ihn schon, nur leider nicht so, wie er es sich wünschte. Im ersten Moment wollte er sogar aufgeben, denn es schien alles zwecklos, was er tat oder sagte. Sie würde es immer negativ auslegen oder ihn ignorieren, so wie die ganze letzte Woche. Sie hatte keinen seiner Anrufe angenommen. Auf der Weihnachtsgala des hiesigen Obdachlosenvereins hatte sie ihn ignoriert und behandelt als sei er Luft und als er persönlich bei ihr vor dem Haus gestanden und geklingelt hatte, wurde er von ihrer rothaarigen Freundin abgewimmelt. Er war verzweifelt gewesen über die schier auswegslose Situation. Dann war ihm die Idee mit dem Hotelzimmer gekommen. Ausweglose Situationen erforderten schließlich ungewöhnliche Maßnahmen. Doch als er ihr jetzt dabei zusah, wie sie ihren Mantel zuknöpfte und gehässige Gemeinheiten von sich gab, war er sich nicht mehr so sicher, ob seine Idee so genial gewesen war.

„Buffy, du kannst nicht einfach gehen… ich habe bezahlt für diesen Abend", versuchte er sie dennoch aufzuhalten.

„Es trifft ja keinen Armen", antwortete sie seelenruhig und ging zum Ausgang. Ohne weiter darüber nachzudenken, was er tat, stürzte William vor und hielt die Tür zu.

Buffy hatte gerade die Klinke in der Hand und sah überrascht auf seinen Handrücken und dann hoch in sein Gesicht. „Was soll das?", fauchte sie böse. Ein eigenartig klaustrophobisches Gefühl schwappte durch ihren Körper und mit einer Stimme, die sogar in ihren Ohren schrill klang, schrie sie panisch: „Lass mich raus!"

„Nein… du… ich…" ‚Verdammt, was ist nur mit mir los? Ich bin William S. Spencer, sitze in jedem Aufsichtsrat dieser gottverdammten Stadt, halte seit ich mich erinnern kann Reden vor Hunderten von Leute, aber kaum stehe ich vor Buffy Summers, fange ich an zu stottern und bekomme keinen zusammenhängenden Satz zustande. Wie erbärmlich bin ich eigentlich?’, redet er mit sich selbst und blickte dabei Buffy ins Gesicht, die ihn mit hochgezogener Augenbraue arrogant musterte. „Du musst mich heute Abend bedienen", brachte er dann endlich hervor.

Buffy zog die Augenbraue noch ein Stück höher. „Ach tatsächlich? Ich MUSS?" Ungehalten stieß sie die Luft durch die Nase. „Soweit ich weiß, ist das immer noch ein freies Land und wenn du mich hier festhältst ist das Freiheitsberaubung. Also, geh von der Tür weg und lass mich endlich verschwinden."

William legte seine Hand auf ihre Schulter, um sie zu beruhigen. Erneut stiegen die Bilder ihrer letzten Begegnung in ihr hoch und sie zuckte ängstlich zurück. In der letzten Woche war keine Stunde vergangen, in der sie nicht daran gedacht hatte, was er mit diesen Händen in ihrem Körper ausgelöst hatte. Noch nie hatte sie sich so geschämt wie in den letzten Tagen. Wie hatte sie sich ausgerechnet von ihm verführen lassen können? Wie hatte er es nur geschafft, solche Emotionen in ihr auszulösen? Stärker als sie sie je zuvor empfunden hatte. Sie genoss es normalerweise Sex zu haben, es war immer schön gewesen und sie tat es gern. Doch die Begegnung mit ihm vor einer Woche, das war kein normaler Sex gewesen, das war irgendetwas anderes. Vielleicht hatte er ihr eine Droge verabreicht oder sie sonst irgendwie beeinflusst. Anders konnte sie es sich nicht erklären, wie sie reagiert hatte. Noch nie zuvor war sie so gefangen gewesen von ihren Empfindungen, dass sie nicht mehr klar denken konnte und sich jemandem so vollkommen hingeben wollte. Im Nachhinein hatte diese völlige Hingabe sie so sehr erschreckt, dass sie Angst vor sich selbst bekommen hatte. Und ihn jetzt so nah bei sich zu fühlen, machte es nicht besser. 

„Bitte, wie du willst!", meinte er eingeschnappt, trat einen Schritt von der Tür zurück und hob die Hände in die Luft, als wolle er ihr zeigen, dass er keine Waffe hatte, ähnlich wie in einem Westernfilm.

Buffy verdrehte genervt die Augen und drückte die Türklinke hinab. 

„Dir ist schon klar, dass ich mich bei deinem Boss beschweren werde, oder?", sagte er ruhig.

Sie war schon zur Hälfte aus der Tür, als seine Worte sie innehalten ließen. „Du bist ein Schwein, William!"

„Ich weiß", grinste er. „Also was ist? Brauchst du deinen Job noch? Dann bedien mich!" Sein Grinsen wurde breiter und er wippte ein paar Mal auf seinen Füßen auf und ab, als würde er kleine Freudensprünge vollführen.   

„Verdammt!", stieß sie aus und knallte dabei die Tür mit aller Kraft zu. Sie brauchte ihren Job und konnte es sich nicht leisten, dass ausgerechnet William Spencer sich über sie beschwerte. Dann wäre sie schneller gefeuert als sie Kündigung sagen konnte und unter Garantie bekäme sie nirgendwo anders mehr eine Anstellung in dieser Stadt. „Und lass mich raten… Du bist der einzige Gast?"

„Schlaues Mädchen", antwortete er nur.

Buffy schnaubte und riss sich dabei den Mantel von den Schultern. „Ich würde gern wissen, was du dir davon versprichst. Nein…" Sie hob die Hand und brachte ihn dazu, seinen soeben geöffneten Mund, um ihr zu antworten, wieder zu schließen. „Wenn ich es mir recht überlege, will ich doch nicht wissen, was in deinem kranken Hirn vor sich geht."

„Wie du meinst", zuckte William mit den Schultern. „Soll ich mich jetzt an den Tisch setzen?"

„Ich bitte darum", antwortete sie gespielt freundlich. Schließlich wollte sie den Abend so schnell wie möglich hinter sich bringen. Und sie wusste schon, wie sie es anstellen würde, dass er seinen kleinen Sieg nicht allzu langer feiern konnte.

Spike nahm am Kopf den Tisches Platz und legte sich die Stoffservierte ordentlich auf die Oberschenkel. „Eigentlich hatte ich gehofft, du würdest mit mir dinieren."

„Sorry, Mr. Spencer, aber dafür wurde ich nicht engagiert. Und es ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste wo mein Platz in der Gesellschaft ist…"

„Wo ist er denn?", hakte Spike nach und beobachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen dabei, wie sie die Vorspeise lieblos auf einen Teller klatschte.

„Weit unter Ihnen, Mr. Spencer, ganz weit." Ihm antwortend, kam sie auf ihn zu und stellte den Teller mit so viel Schwung vor ihm ab, dass Spike im ersten Moment befürchtete, sie würde die Speisen mit Absicht auf seinem Schoß ausleeren. Als der Teller zwar scheppernd, aber sicher auf dem Unterteller landete, stieß er die unbewusst angehaltene Luft erleichtert aus. Buffy stellte sich derweil mit verschränkten Armen neben ihn.

„Und was bekomme ich da so liebevoll serviert?", wollte er wissen, während er argwöhnisch die aufeinander geworfenen Speisen vor sich betrachtete.

„Pochierter Lachs auf einem Lauchbett, mit Zitronensoße", antwortete Buffy schroff und betrachtete dabei gelangweilt ihre Fingernägel.

„Aha…", murmelte William leise. ‚Wohl eher versteckter Lachs unter Lauch, ersäuft in Soße’, dachte er sarkastisch, während er die Unmenge an Soße mit seinem Messer zur Seite kratzte. „Sollten nicht die Kerzen angezündet sein?"

„Sicher!" Buffy zog aus ihrer Schürze ein Feuerzeug und entzündete die Kerzen. „Besser so?", fragte sie dann schnippisch.

„Wenn jetzt das Licht im Raum noch etwasgedämpft wäre", setzte Spike freundlich hinzu.

„Ihr Wunsch ist mir Befehl", zwitscherte sie, verzog dabei jedoch so genervt das Gesicht, dass William an sich halten musste, nicht zu lachen. Irgendwie gefiel ihm das Spiel. Die ganze Zeit über hielt sie ihr Kinn, auf die ihr so eigene störrische Art und Weise, hoch und schob die Unterlippe trotzig vor. Er musste schwer an sich halten, um den Impuls zu unterdrücken, aufzuspringen und sie solange zu küssen, bis sich all ihr Widerstand in Leidenschaft verwandelt hätte. Er fragte sich, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn sie allmählich nachgab in seiner Umarmung und ihren kleinen, warmen Körper an seinem reiben würde. Überwältigt schloss er für einen Augenblick die Augen und versuchte die aufwallende Erregung, die allein diese Vorstellung in ihm auslöste, niederzukämpfen.

„Oh, Ihnen scheint die Vorspeise nicht zu schmecken. Dann gehen wir doch gleich zum Hauptgang über", hörte er sie sagen. Als er die Augen öffnete, konnte er gerade noch sehen, wie sie ihm den Teller unter der Nase wegschnappte und gegen einen größeren austauschte. Die Hauptspeise war genauso lieblos auf den Teller geklatscht wie die Vorspeise. Er verkniff sich jedoch die Frage, was genau sie ihm da servierte. Stattdessen nahm er das Besteck in die Hände und begann vorsichtig zu essen. Es schmeckte wesentlich besser als es aussah.

„Mmmhh… köstlich", schwärmte er nach ein paar Bissen. „Bist du sicher, dass du nichts davon möchtest?"

„Das ist nett von Ihnen, aber nein, danke", flötete sie unnatürlich freundlich. „Mir ist jeglicher Hunger bei Ihrem Anblick vergangen."

Ihre letzte kleine spitze Bemerkung war gerade an sein Ohr gedrungen, als er auf etwas Seltsames biss. William ließ augenblicklich das Besteck fallen, wurde puterrot im Gesicht und sprang auf. 

„Du verdammtes kleines Biest… DU…", begann er und hätte sie am liebsten an den Schultern gefasst und geschüttelt, so sauer war er auf sie. Stattdessen ging er ein paar Schritte zurück, griff sich mit den Händen an den Hals und röchelte, unfähig noch ein weiteres Wort herauszubekommen.    

„Was ist denn los, Mr. Spencer?", wollte Buffy mit einem unschuldigen Augenaufschlag wissen. „Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

„Wasser!", presste William endlich hervor und stürzte an die Bar. Als er sie öffnete war darin jedoch nur Hochprozentiges und auf dem Tisch servierte sie nur Wein. Buffy konnte derweilen nicht mehr an sich halten bei seinem Anblick. Prustend begann sie zu lachen, Lachtränen liefen ihr aus den Augen und sie musste sich den Bauch halten, weil der bereits begann zu schmerzen, so witzig fand sie die Situation. „BUFFY… WASSER", schrie er nun.

Buffy zuckte teilnahmslos mit den Schultern. „Sorry, Mr. Spencer, aber Wasser ist im Lieferumfang nicht enthalten", erklärte sie und wischte sich die Tränen von den Wangen. 

„Du… du … bereuen…" Wild gestikulierend stand er vor ihr, bis er es nicht mehr aushielt und an ihr vorbei ins Bad stürmte. Dort hielt er seine Hände unter den aufgedrehten Wasserhahn und trank soviel von dem kalten Nass wie er konnte, bis das fürchterliche Brennen in seinem Mund nachließ. 

Nachdem er nicht mehr das Gefühl hatte, seine Geschmacksnerven würden weggeätzt werden, schlug er wütend mit der geballten Faust gegen die weißen Wandfliesen, um seine Wut auf Buffy einigermaßen in den Griff zu bekommen. Dann verließ er das Bad und fand sie am Tisch sitzend, vor einem gefüllten Glas Rotwein, mit übereinander geschlagenen Beinen, wieder. Sie schien auf ihn gewartet zu haben. Als sie ihn hörte, hob sie ihren Blick und sah ihn mit einem belustigten und gleichzeitig so unglaublich frechen Funkeln in den Augen an, dass erneut ein ungeheurer Zorn in ihm aufwallte. Und als sie auch noch unverschämt wissen wollte, was denn mit ihm los sei, ging er endgültig in die Luft. Mit den Händen umfasste er ihre Oberarme und hob sie aus dem Stuhl.

„Iiih, William…", quiekte Buffy erschrocken. Doch schon verschloss er ihr mit seinem Mund die Lippen und alles was sie sonst noch sagen wollte, erstarb ihn ihrer Kehle, als seine Zunge in ihren geöffneten Mund eindrang und sich mit der ihren zu duellieren begann. Er drückte sie fest an sich, lief mit ihr zur Couch und ließ sich darauf fallen.

Buffy wehrte sich, so gut sie konnte. Sie hatte sich fest vorgenommen, nie wieder auf Williams Zärtlichkeiten zu reagieren. Doch kaum wurde aus dem wütenden, strafenden Kuss ein liebevoll neckender, gab sie seufzend nach und streichelte liebevoll seinen Rücken. Sie küssten sich eine ganze Weile, bis William den Kuss wegen Sauerstoffmangel beendete.

Atemlos hob er den Kopf und blickte ihr in die Augen. Buffys Brustkorb hob und senkte sich in einem schnellen atemlosen Rhythmus, ihr Herz schlug bis zum Hals und ihr Denken hatte vollkommen ausgesetzt. Stattdessen hielt sie seinen Blick und starrte ihm wie gebannt in die blauen Augen.

„Du kannst es nicht verleugnen. Du willst es genauso wie ich", stieß er das Erste, was ihm einfiel ohne nachzudenken aus.

Endlich kam wieder Leben in Buffy. Verärgert schüttelte sie ihren Kopf und versuchte sich von ihm zu lösen. „Das bildest du dir nur ein", behauptete sie.   

„Ich bilde mir deine Reaktion nicht ein, Buffy. Wenn ich dir so egal wäre, wie du behauptest, würdest du auf meine Berührungen nicht so reagieren, wie du reagierst", presste er wütend hervor. Er hasste es, dass sie es einfach nicht einsehen wollte.

„Das ist rein körperlich. Du bist geschickt… im Küssen und… ich hatte schon lang keinen Mann mehr", versuchte sie lahm zu erklären.

„Das ist eine jämmerliche Ausrede", gluckste er. „Gib doch einfach zu, dass du mich magst."

„Ich mag dich nicht, William. Ich habe dich noch nie gemocht und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern", erwiderte sie trotzig.

„Aber du magst es, wenn ich diese Dinge mit dir mache", flüsterte er und das Funkeln in seinen Augen jagte einen Schauer über ihren Rücken. Er beugte seinen Kopf nach unten und saugte durch den Stoff ihres Kostüms vorsichtig eine ihrer Brustwarzen in seinen Mund. Eine unglaubliche Erregung wallte in Buffy auf und sie ließ den Kopf stöhnend nach hinten fallen. „Siehst du, leugnen hilft nicht, Buffy. Dein Körper verrät dich."

„Gut, mag sein, dass mein Körper dich mag. Das Beste wird sein, wir schlafen schnell miteinander und bringen das ganze hinter uns", schlug sie vor und William zog scharf den Atem ein.

„Ist das dein Ernst?", stieß er vor und sah ihr fragend und zugleich hoffnungsvoll in die Augen.

„Natürlich nicht. Wie gesagt, vielleicht hatte ich zu lange keinen Sex mehr." Nach einer kleinen Pause fügte sie dann noch gehässiger Weise hinzu: „Nichts was eine heiße Nacht mit meinem kleinen vibrierenden Freund…"

„Nein, bitte, sag es nicht…" Er setzte sich auf und fuhr sich fahrig mit der Hand durch sein gelocktes Haar. „Gott, das Bild werde ich jetzt ewig nicht aus meinem Kopf bekommen", stöhnte er gequält auf und Buffy konnte ein Kichern nicht unterdrücken.

Er war so ratlos, wie schon lange nicht mehr. Der Abend war bisher alles andere als gut verlaufen. Alles was er sich ausgemalt hatte, war ins Gegenteil verkehrt worden. Nicht mal ein vernünftiges Gespräch brachte er mit ihr zustande.

„William?", hörte er sie plötzlich fragen.

„Ja, Liebes?", schenkte er ihr automatisch seine Aufmerksamkeit.

„Was soll das alles?", wollte sie wissen. „Warum dein plötzliches Interesse an mir?"

„Das ist kein plötzliches Interesse. Ich war schon immer an dir interessiert, du hast es nur nie wahrgenommen", antwortete er und versuchte so ehrlich wie möglich zu klingen.

„Lüg mich nicht an. Sei einmal ehrlich zu mir. Ich glaube, es ist etwas ganz anderes."

„Ah ja? Und was genau meinst du damit?" Interessiert hob er seine Augenbraue.

„Du bist jemand, der es nicht gewöhnt ist, etwas nicht zu bekommen. Die Frauen sind dir schon immer in die Arme geflogen und alle anderen Wünsche hast du dir mit deiner Macht und deinem Geld erfüllt", erklärte sie. „Ich reize dich doch nur, weil du mich eben nicht bekommen kannst. Du willst mich erobern und als eine weitere *Trophäe* in dein ‚Regal’ stellen."

Entsetzt starrte er sie an. Wenn sie nur wüsste, wie falsch sie lag. Er würde liebend gern all seine Macht und sein Geld hergeben, wenn sie ihn nur einmal so anschauen würde, wie sie Riley früher angesehen hatte, wenn er nur einmal fühlen durfte, wie es war, von ihr geliebt zu werden. Vorsichtig hob er seine Hand, weil er ihr eine Strähne hinters Ohr streichen wollte. Als sie jedoch zurückzuckte, ließ er sie enttäuscht sinken. Nein… sein Geld war ihm egal. Was brachte das alles, wenn er im Grunde einsam und allein war und es mit niemandem teilen konnte? Wenn die Frau, die er über alles liebte, zusammenzuckte, wenn er sie berühren wollte? Sein Herz zog sich krampfhaft zusammen.

„Lass es mich beweisen", stieß er dann hervor.

Irritiert sah Buffy ihn an. „Was willst du mir beweisen?"

„Dass ich nicht so bin, wie du denkst. Dass es mehr zwischen uns beiden gibt als nur körperliche Anziehung."

„Und wie willst du mir das beweisen?" Gott, am liebsten hätte Buffy sich auf die Zunge gebissen. Warum fragte sie überhaupt nach? Sie sollte sich nicht mit ihm auf irgendwelche Diskussionen einlassen, sie wusste doch, dass sie dabei regelmäßig den Kürzeren zog. Aber leider war sie auch furchtbar neugierig und wollte wissen, was er vorhatte, um ihr zu beweisen, dass er nicht nur an ihr interessiert war, weil sie ihn ablehnte.

„Geh mit mir aus… sagen wir zehnmal oder so… ganz normale Verabredungen und wir bemühen uns darum, uns gegenseitig wie normale Menschen zu behandeln… einen neuen Anfang machen...", schlug er vor. „Wir könnten uns unterhalten, kennen lernen…"

„Ich kenne dich, William", unterbrach sie ihn schroff. „Allein aus diesem Grund könnte man schon über die Hälfte der Dates streichen, da wir die Phase längst hinter uns haben."

„Ja, aber wir haben uns aus den Augen verloren und vielleicht hast du mich auch nie richtig gekannt", gab er zu bedenken. „Komm schon… gib mir eine Chance. Fünf Dates?" Fast schon bettelnd sah er sie an und Buffy fühlte ein komisches Prickeln unter diesem Blick in sich aufsteigen, angefangen in den Zehenspitzen bis hoch in ihren Bauch, wo plötzlich hundert Schmetterlinge ihr Unwesen zu treiben schienen.   

„Du bittest mich tatsächlich? Keine Erpressung? Kaputte Uhr oder Anschmieren beim Chef?", wollte sie trotzdem mit einem kleinen hinterhältigen Unterton in der Stimme wissen.

William legte sich die Hand aufs Herz. „Ich schwöre es. Es ist einfach nur eine Bitte. Und wenn du nicht willst, ist es in Ordnung… auch wenn es mich hart treffen würde", gab er zerknirscht zu. 

„Hm… okay, eine Verabredung." Das wäre kein Problem. Sie war sich sicher, nichts für ihn zu empfinden. Ihre körperliche Reaktion auf ihn besagte gar nichts. Sie war wahrscheinlich einfach schon zu lange allein, das war alles. Sie würde den Abend schnell hinter sich bringen und ihn danach ein für alle mal los sein. „Und danach wirst du mich in Ruhe lassen."

„Vier?", hakte er nach.

„Sind wir auf einem türkischen Basar? Zwei!", kicherte sie, weil ihr plötzlich bewusst wurde, wie grotesk diese Situation war.  

„Treffen wir uns in der Mitte und du machst mich zum glücklichsten Mann in dieser Stadt", flunkerte er und musste, von ihrem Kichern angesteckt, grinsen.

„Nicht, dass mir dein Gefühlsleben nicht egal wäre, aber ich scheine heute meinen gutmütigen Tag zu haben. Abgemacht. Drei Dates, bei denen du mich überzeugen kannst, nicht der Mann zu sein, für den ich dich halte", gab sie schließlich nach. „Und wenn du versagst, bin ich dich für immer los."

Ein erleichtertes Strahlen glitt über Williams Züge. „Abgemacht", flüsterte er dann leise und begann bereits damit sich auszumalen, wo er überall mit ihr hingehen würde. „Lass es uns mit einem Kuss besiegeln", schlug er zwinkernd vor.

„Vergiss es", musste Buffy über den bübischen Ausdruck in seinem Gesicht lachen, drückte sich jedoch an ihm vorbei und stand auf. „Ich werde jetzt nach Hause gehen." 

„Soll ich dich fahren?", bot er sofort an.

„Nein, ich bin mit meinem Wagen hier." Sie zog bereits ihren Mantel über. „Trotzdem danke." Sie stand bereits im Hotelflur, als er im Türrahmen auftauchte.

„Ist morgen acht Uhr okay für dich?", wollte er fast schon schüchtern wissen.

„Öhm… ja, ich denke schon. Wir haben nur eine Mittagsveranstaltung morgen. Wenn es später wird, rufe ich dich an." Sie nickte ihm verabschiedend zu und lief dann den Gang hinab in Richtung Treppenhaus. Auf den Lift wollte sie nicht warten. Plötzlich wollte sie unbedingt von hier weg. Das merkwürdige Flattern in ihrem Bauch machte sie auf einmal furchtbar nervös und sie fühlte sich unwohl in seiner Nähe. Sie konnte nur hoffen, keinen Fehler gemacht zu haben. Aber auf der anderen Seite… was sollte ihr schon passieren? Sie empfand schließlich nichts für William Spencer.

Sollte dieser Gedanke sie jetzt nicht irgendwie beruhigen?  

Head up 5

Drei Dates, um ihn los zu werden! Auf was hatte sie sich da nur eingelassen? Buffy drückte ihre Stirn gegen die offene Kleiderschranktür und war genervt von sich selbst. Sie wusste noch nicht mal, was sie anziehen sollte. Er hatte mit keiner Silbe erwähnt, wohin er sie ausführen würde. Wenn sie jetzt das feine Schwarze anzog, könnte sie overdressed sein und wenn sie sich einfach für ein paar Jeans und eine Bluse entschied, war sie eventuell nicht fein genug angezogen. Und überhaupt, irgendwie kam es ihr so vor, als hätte sie gar nichts zum Anziehen. Alles was in ihrem Schrank hing, kam ihr hässlich und altmodisch vor. Eine schöne entspannende Shoppingtour wäre schon längst mal wieder angebracht gewesen, hätte sie nur das nötige Kleingeld dafür. Da dem aber nicht so war, musste sie sich mit dem begnügen, was sie hatte. Am Ende entschied sie sich für eine Röhrenjeans, die sie in wadenhohe schwarze Stiefel steckte und zog darauf eine türkise Tunika mit bunten Applikationen am Ausschnitt und den Ärmeln. Ein mit türkisen Schmucksteinen beklebter dunkelbrauner Ledergürtel über der Bluse betonte ihre schmalen Taille und ein Armband, das sie fünfmal um ihr Handgelenk legte, bereiht mit Hunderten kleiner, hellblauer Glassteinen, rundeten ihr Outfit ab. So gekleidet konnte sie in ein Restaurant gehen oder aber auch einfach tanzen. Sich mit geübtem Blick musternd, drehte sie sich noch einmal vor ihrem Spiegel von rechts nach links und war mit dem Endresultat durchaus zufrieden. Jetzt noch ein leichtes Make-up und der Abend konnte kommen. Vor sich hinsummend verschwand sie in ihrem kleinen Bad. 

William war pünktlich. Buffy hatte nichts anderes erwartet. Sie kam gerade aus ihrem Bad, als es schon an der Wohnungstür klopfte. Noch einmal tief Luft holend, ein gefasstes Lächeln aufsetzend, öffnete sie mit Schwung die Haustür.

„Hi", begrüßte sie ihn und musterte gleichzeitig seine Kleidung. Er trug ebenfalls Jeans. Erleichtert atmete Buffy aus. „Da hatte ich ja Glück… ich hatte schon Angst, ich wäre total falsch angezogen", begann sie einen kleinen Smalltalk, bevor ihr Augenmerk auf den Fanschal fiel, der um seinen Hals lag. „Oh warte, sag nicht, wir gehen auf ein Eishockeyspiel heute Abend."

„Doch. Du warst früher immer ein großer Eishockeyfan und ich dachte, das würde dir Spaß machen", antwortete er prompt.

Buffy wäre vor Freude beinahe in die Luft gesprungen und musste sich wirklich Mühe geben, sich vor ihm zu verstellen. Ein Spiel der Anaheim Ducks. Das war einfach zu schön, um wahr zu sein. Sie war schon ewig nicht mehr im Stadion gewesen, weil es einfach zu teuer für eine einfache Kellnerin wie sie war. Die Fahrt dauerte mindestens eine halbe Stunde bis nach Anaheim und die Karten waren eben auch nicht wirklich billig.

„Und keine Angst, du würdest in allem gut aussehen", sprach William gerade weiter. Buffy starrte ihn einen Augenblick verdutzt an, bis ihr klar wurde, dass er sich auf ihre Angst, das Falsche anzuhaben, bezogen hatte. Schon wollte sie die Augen verdrehen, als ein Blick in sein Gesicht sie verunsicherte. Da lag soviel Ernst und Ehrlichkeit in seinen Zügen, dass sie schlucken musste. Anstatt die Augen zu verrollen, erschien ein scheues Lächeln auf ihren Lippen.

„Wenn du meinst", flüsterte sie fast schüchtern, trat dann einen Schritt zur Seite und machte eine Handbewegung nach innen in die Wohnung. „Möchtest du noch etwas trinken, bevor wir gehen?"  

„Eigentlich furchtbar gerne. Ich würde gern wissen, wie du lebst. Danke für die nette Geste, aber wir haben keine Zeit", grinste er. „Oder bist du noch nicht fertig?"

„Doch, klar. Warte, ich hol mir nur eine warme Jacke und meinen Schal, dann kann es losgehen."

 

****************************

 

„Gott, ich finde es klasse, dass wir auf ein Spiel fahren." Die Vorfreude brach im Auto dann doch aus Buffy hervor. „Ich war schon ewig nicht dort."

„Ich auch nicht. Es fehlt einfach oft die Zeit", gab er zu.

„Bei mir scheitert es eher am Geld, also von daher bin ich echt glücklich über deine Idee", sprach sie weiter. „Ich hatte befürchtet, dass du mit mir in eines dieser superschicken Restaurants gehen würdest, um mich mit irgendwelchem Schickimicki-Kram zu beeindrucken", gab sie dann zu. Um die Wahrheit zu sagen, sie hatte mit allem gerechnet. Vom gemieteten Privatjet nach Las Vegas bis zum einfachen Dinner mit Kerzenschein. William war da unberechenbar und durch sein Vermögen konnte er sich alles leisten.

„Ja, richtig, weil ich ja schon immer der Schickimicki - Typ war, der auf solche Sachen wert gelegt hat", antwortete William ironisch und presste kurz die Lippen zusammen, bevor er sich wieder auf die Fahrbahn konzentrierte.

„Um ehrlich zu sein, habe ich mir da nie Gedanken drüber gemacht. Für mich warst du einfach immer William, der große Bruder von Riley", erwiderte sie arglos, ohne groß darüber nachzudenken. Erst als sie im Augenwinkel wahrnahm, wie William zusammenzuckte, blickte sie etwas irritiert zu ihm. Doch entweder war ihm die Fassung nur einen Augeblick entgleist oder sie hatte es sich eingebildet, denn als sie ihn musterte, ließ er sich nichts mehr anmerken. Buffy lehnte sich seufzend zurück in den Autositz und sah ebenfalls auf die Straße.  Wahrscheinlich hatte sie sich seine Reaktion tatsächlich nur eingebildet. Warum sollte er auch zusammenzucken, schließlich hatte sie nicht mehr als die Wahrheit gesagt. Wenn ihre Eltern früher mit ihr zu den Spencers gegangen waren, hatte sie sich immer gefreut, mit dem gleichaltrigen Riley spielen zu können. William war damals schon viel zu alt gewesen und hatte ganz andere Interessen. Sie hatte nicht viele Erinnerungen an ihn, als dass er hie und da mal ein Brettspiel mit ihr gespielt hatte oder eine Runde Tennis. Aber an viel mehr konnte sie sich nicht erinnern. Außer natürlich an später, als sie älter wurde und er sie immer ansah, als sei sie die Inkarnation des Teufels persönlich. Eine Sache, die ihn ihr gegenüber nicht wirklich sympathischer gemacht hatte.   

„Na auf alle Fälle freu ich mich auf das Spiel. Wobei ich fast befürchte, wir sind etwas zu früh dran. Willst du vorher noch wo anders hin? Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in Anaheim außer Eishockey schauen viel unternehmen kann", dachte sie laut nach.

„Mmmh."

„Was bedeutet ‚Mmmh’?", hakte sie nach.

„Eigentlich ist es eine Überraschung", druckste er herum.

An der Art wie er sich jedoch unruhig im Autositz hin und her bewegte, erkannte Buffy deutlich, dass er es am liebsten verraten hätte. ‚Irgendwie ist das süß’, grinste sie in sich hinein. ‚Halt! Das ist natürlich NICHT süß! Reiß dich zusammen, Buffy!’, rügte sie sich sofort und zwang sich starr aus der Windschutzscheibe zu schauen, ohne die Konversation weiter zu führen.

Ihren Stimmungswechsel spürend, warf William einen unsicheren Blick zu ihr. Buffy drückte ihr Rückrat durch und saß ungewöhnlich steif im Autositz. Er fragte sich, was er falsch gemacht hatte und wollte schon etwas sagen, als ein Wagen vor ihm zu knapp einscherte und er seine Aufmerksamkeit völlig dem Straßenverkehr schenken musste.

Sie sprachen nicht mehr viel, bis er in Anaheim vor dem Station auf dem fast leeren Parkplatz anhielt.  

„Und du bist sicher, dass heute ein Spiel ist?", brach Buffy das Schweigen und sah sich dabei unschlüssig um. Sie war sich selbst nicht wirklich sicher, da sie kaum Zeit zum Fernsehen hatte und den Spielplan nicht mehr im Kopf hatte. Eigentlich hatte sie sich einfach auf seine Worte verlassen. Als ob sie es nicht besser wüsste. William sollte man wirklich in keiner Situation trauen, noch nicht einmal bei einer so einfachen Sache.

„Vielleicht ein wenig anders als du dir vorgestellt hast, aber ein Spiel auf alle Fälle", antwortete er mit einem verschmitzten Grinsen. „Komm, lass uns reingehen."

Immer noch unschlüssig auf was sie sich da eingelassen hatte, zuckte Buffy letztendlich mit den Schultern und schälte sich aus ihrem Sitz ins Freie. Ändern konnte sie jetzt sowieso nichts mehr. Das Beste war es einfach auf sich zukommen zu lassen. Letztendlich war sie selbst schuld, da sie sich auf Williams idiotische Idee mit den drei Dates eingelassen hatte. Seite an Seite lief sie danach mit William ins Honda Center. Die Ränge in der riesigen Eishalle waren leer und nur das Feld war beleuchtet.

„Jetzt vor Weihnachten ist tatsächlich kein Spiel mehr", begann William etwas unsicher zu erzählen, während sie in die Halle traten. „Aber, die Regular Season geht ja danach ohne Pause weiter und wir können gern mal zusammen auf ein Spiel fahren. Für heute hab ich eine andere Überraschung."

„Die da wäre?", hakte Buffy misstrauisch nach. Mittlerweile standen sie vor dem fast 1800 Quadratmeter großen Eisfeld, das jetzt, wo die Halle leer war, noch viel riesiger wirkte als sonst.

„Naja… ich dachte, du willst vielleicht gern mal selbst ein wenig spielen", grinste er.

„Ich? Eishockey spielen?" Buffy riss die Augen auf. War er jetzt vollkommen übergeschnappt?

„Na, du warst immer so gern Eiskunstlaufen…"

„Vom Eiskunstlaufen zum Eishockeyspielen ist ein Himmelweiter Unterschied, William."

„Na ja, es soll ja auch einfach nur Spaß machen. Sebastien und Teemu meinten, sie hätten Zeit und ich dachte, es würde dir gefallen. Aber wir können auch gern was anderes machen", erklärte William verunsichert weiter.

„Warte, meinst du etwa Sebastien Caron und  Teemu Selänne?", piepste Buffy völlig überwältigt.

William brauchte gar nicht zu antworten, da in diesem Moment zwei Männer in voller Eishockeymontur, mit den Helmen in der Hand, das Eisfeld betraten und auf sie zugeschlittert kamen. Buffy blieb der Mund offen stehen, als sie erkannte, dass es sich bei dem einen Mann tatsächlich um Teemu Selänne handelte. William grinste, als ihr die Gesichtszüge entglitten und genoss für einen Moment ihren Anblick, bevor er sich zu den beiden Männern umdrehte und beide mit einem Handschlag begrüßte.

„Darf ich euch Buffy vorstellen? Sie wird heute Abend mit uns spielen", erklärte er dann den beiden. Als Teemu sich zu Buffy wandte und sie freundlich nickend begrüßte, klopfte ihr das Herz bis zum Hals und es hätte nicht viel gefehlt und sie wäre umgekippt.    

Eine halbe Stunde später hatte Buffy sich mit dem Gedanken irgendwie abgefunden, mit den beiden Eishockeystars Seite an Seite auf dem Feld zu stehen. William schien alles gut geplant zu haben. Für Buffy lag ein komplettes Eishockeyoutfit in einem der Umkleideräume bereit. In der Zeit, in der sie sich anzog, beruhigte sie sich einigermaßen und jetzt stand sie neben William, der sich ebenfalls umgezogen hatte, auf der Eisfläche und ließ sich von Sebastien erklären, wie sie spielen würden. Er blieb wie immer im Tor und Buffy und William sollten gegen Teemu spielen. Buffy war nicht unsicher mit den Schlittschuhen auf dem Eis, da sie früher wirklich oft Eiskunstlaufen gewesen war. Aber mit dem Schläger in der Hand, fiel es ihr doch schwer, die Balance zu halten. Wobei Teemu absolut Rücksicht auf sie nahm. Der riesige Mann, gegen den Buffy wie eine Liliputanerin wirkte, blieb lieber einen halben Meter von ihr entfernt, als Gefahr zu laufen, die zierliche Frau zu verletzen.

Wohingegen er bei William natürlich keine Hemmungen hatte. Als Teemu William das erste Mal in die Seitenplanke haute, lachte Buffy Tränen. Besonders das ‚UFF’, das William beim Aufprall entglitt, als die Luft aus seinen Lungen gedrückt wurde, löste einen Lachanfall bei ihr aus, wie sie ihn noch nie gehabt hatte. Auch die nächsten zehnmal waren irgendwie wirklich lustig. Danach, als William beim Aufprallen nur noch wimmernde Geräusche von sich gab, kamen ihr doch Bedenken, ob William später überhaupt noch fähig sein würde, eigenständig aus der Eishalle zu gehen, geschweige denn, sie nach Hause zu fahren.

Sie spielten vielleicht zwanzig Minuten, mit einigen Pausen dazwischen, in denen Buffy zwei oder dreimal in die Nähe des Pucks kam. Die andere Zeit war sie mit dem Zuschauen des wirklich amüsanten Schauspiels zwischen Teemu/William beschäftigt.

William überraschte sie damit, dass er nicht aufgab. Egal wie oft Teemu ihn aufs Eis legte, ihn in die Seitenbanden drückte oder ihm den Ellbogen in die Seite rammte, William kämpfte verbissen weiter und schien den Schmerz mit zusammengebissenen Zähnen zu ertragen. Natürlich gewann Teemu haushoch, aber darum war es nicht gegangen. Der Spaß, den sie gehabt hatte, war wirklich unbezahlbar. Und egal, wie wenig sie William mochte und wie ungern sie sich überhaupt darauf eingelassen hatte, mit ihm auszugehen, diese paar Minuten hatten ihr alles vergolten. Sie hatte sich herrlich amüsiert. Nach dem Spiel ließ sie es sogar zu, dass William, sich mit dem Arm auf ihre Schulter abstützend, zur Umkleidekabine humpelte.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du dich freiwillig zusammenschlagen lässt, nur damit ich Spaß bei unserem Date habe", lachte sie, als sie vor der Tür der Umkleide stehen blieben.

„Du hattest Spaß?", hakte William, immer noch atemlos, aber doch mit soviel unschuldiger Hoffnung in der Stimme nach, dass er sich anhörte wie ein kleiner Junge, der hoffte von seiner Mutter gelobt zu werden. 

Buffy legte grinsend den Kopf in den Nacken und betrachtete ihn genauer. Sein Haar war nassgeschwitzt, sein Gesicht gerötet von der Anstrengung und wenn ihre Augen sie nicht täuschten, war seine Unterlippe leicht geschwollen. Er sah wirklich sehr abgekämpft aus. Trotzdem lag da etwas in seinen Augen, ein wacher, heller Glanz, der ihn um Jahre jünger erscheinen ließ und der Buffy zeigte, dass sie nicht die einzige gewesen war, die die letzten Minuten in vollen Zügen genossen hatte. 

„Ich denke schon. Was gibt es schöneres als zuzusehen, wie William Spencer mal so richtig vermöbelt wird", antwortete sie frech und zwinkerte ihm zu.

William kam nicht zum Antworten, denn genau in diesem Augenblick tauchten Teemu und Sebastien auf. Teemu holte weit aus und schlug dem kleineren William kumpelhaft auf den Rücken. „Will, du weißt, du brauchst nur zu fragen und ich verhau dich jederzeit wieder", grinste der große Finne und William musste einen Schritt nach vorne machen, um unter dem Schlag nicht sein Gleichgewicht zu verlieren.

„Heh. Danke, das ist echt nett von dir. Aber ich glaube, ich muss mich jetzt erst mal ein paar Jahre auskurieren oder so", bedankte sich William. In seinem Tonfall war dabei soviel Selbstmitleid, dass Buffy lauthals lachen musste. Sie hatte gar nicht gewusst, dass William sich selbst so durch den Kakao ziehen konnte. Irgendwie hatte sie in der letzten Stunde mehr neue Sachen über ihn erfahren als in all den Jahren, die sie ihn kannte. Und diese neuen Erfahrungen machten ihn nicht wirklich unsympathisch, eher das Gegenteil. Erschrocken riss Buffy die Augen auf und stoppte sich in Gedanken. NEIN, diesen Weg würde sie nicht gehen. Sie würde nicht anfangen, William Spencer zu mögen, egal wie oft er sich zusammenhauen ließ. 

Nachdem sie geduscht und wieder umgezogen waren, schlug William vor, noch etwas essen zu gehen. Buffy, die nach der körperlichen Anstrengung tatsächlich großen Hunger hatte, war mit einem Nicken einverstanden. Gemeinsam gingen sie in eines dieser typischen Diner, in denen man selbst gemachte Hamburger mit Pommes Frites serviert bekam und zum Nachtisch Apfelkuchen mit viel Schlagsahne.

William hatte bereits seinen zweiten Hamburger verdrückt, als Buffy noch mit den letzten Bissen ihres ersten kämpfte. Obwohl sich sein Gesicht anfühlte als wäre er gegen einen Vorschlaghammer gelaufen und jeder Knochen in seinem Körper schmerzte, war er so gelöst wie schon lange nicht mehr. Buffy lachen zu hören, war wie Magie und hatte ihn verzaubert. Er fühlte sich noch mehr zu ihr hingezogen als sonst.

„Ich glaube aber trotzdem, dass Teemu dich geschont hat", behauptete sie gerade, als sie den letzten Bissen heruntergeschluckt hatte. „Sonst wäre ich jetzt sicher mit dir in der Notaufnahme und nicht hier." 

„Glaub mir, ich hab mich auch schon dort gesehen", gab er zu. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, wenn man einen Doppelzentner auf sich zu rasen sieht und weiß, dass man nicht ausweichen kann."

Buffy, die gerade an ihrer Cola genippt hatte, musste sich zusammenreißen nicht prustend loszulachen und verschluckte sich fast. „Noch besser ist es, dabei zuzuschauen", kicherte sie sie dann.

„Wie nett von dir", erwiderte er ironisch. „Das Mitleid, das du versprühst, ist echt rührend. Mir wird ganz warm ums Herz dabei."

„Hey, es war deine eigene Entscheidung, also beschwer dich jetzt nicht", erwiderte sie.

„Tue ich ja auch nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass ich nicht gedacht hätte, dass ich so wenig entgegenzusetzen habe. Wenn ich ganz ehrlich bin, gegen Ende hätte ich ihn am liebsten auf Knien angefleht, mich zu verschonen", gab er geknickt zu und blickte ein wenig unglücklich auf seinen Teller, der schon wieder leer war.

„Er ist ein Profi, was hast du erwartet? Du hattest echt null Chance gegen ihn", stichelte Buffy und genoss es unheimlich, ihn so piesacken zu können. „Dein Gesichtsausdruck war unbezahlbar. Ich frage mich, wie du auf diese irrsinnige Idee gekommen bist."

„Was macht man nicht alles, um eine Frau zu beeindrucken", gab er zerknirscht zu.

„Und da dachte ich immer, Männer beeindrucken Frauen mit ihrer Stärke", zog Buffy ihn weiter auf.

„Tja, ich bin halt nicht wie andere Männer", erwiderte er, griff über den Tisch und klaute ihr eine Pommes von ihrem Teller.  

„Hey, das sind meine", rief sie gespielt böse und schlug nach seiner Hand.

„Ich dachte, du könntest ein bisschen Hilfe gebrauchen", gluckste er und stopfte sich die Pommes in den Mund.

„Sag bloß, du bist noch immer nicht satt?" Buffy hob erstaunt die Augenbrauen in Richtung Haaransatz.

„Ich glaub, der Apfelkuchen hier ist hausgemacht", murmelte er und hob die Hand, um die Kellnerin beizuwinken.

Buffy musste unwillkürlich lächeln. Sie mochte Männer mit einem gesunden Appetit. Sie beobachtete ihn stumm, als er sich gleich zwei Stücke Apfelkuchen bestellte und lehnte kopfschüttelnd ab, als er sie fragend ansah, ob sie auch eines wollte. Als er seinen Kuchen wenig später serviert bekommen hatte und glücklich kauend gegenüber von ihr saß, konnte sie immer noch nicht aufhören, ihn verstohlen zu mustern. Irgendwas war anders an ihm. Er sah so glücklich aus, so gelöst, so jung. Vor ihr saß ein William, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Und plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie ihn auch nie wieder so verteufeln würde können, wie sie es bisher getan hatte. Genau eben, in diesem Moment war irgendwas in ihr ausgelöst worden. Von diesem Augenblick an, das war ihr so klar, wie sie wusste, dass sie Buffy Summers hieß, veränderte sich alles. Sie konnte es nicht greifen, nicht beschreiben. Nein, sie konnte nicht einmal darüber nachdenken oder es gar analysieren. Sie spürte es einfach. Es war eine Tatsache, sie konnte sich nicht wehren, es nicht ändern und sie fluchte innerlich, wie naiv sie war, aber von jetzt an würde sie William Spencer nie wieder so sehen wie früher. Von jetzt an war alles anders.

 

                                                                    ***************

 

Gegen Mitternacht brachte William Buffy nach Hause, nach einem wirklich unterhaltsamen Abend. Irgendwann im Diner war der Knoten zwischen ihnen geplatzt, so schien es William zumindest und sie hatten sich wirklich gut unterhalten. Sie war witzig und amüsant und erzählte viel von ihrer Arbeit. Er war aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen, so viele kleine Anekdoten kannte sie. Er wäre gern noch länger mit ihr im Diner geblieben, aber als sie immer wieder gähnen musste, war er doch so aufmerksam vorzuschlagen, sie nach Hause zu fahren. Auf der Fahrt war sie eingeschlafen neben ihm. Immer wieder hatte er verstohlene Blicke zu ihr geworfen und sein Herz tat jedes Mal einen Sprung bei ihrem Anblick. Sie sah wirklich aus wie ein Engel, wenn sie schlief. Er gönnte es sich, sie noch eine Weile einfach nur zu beobachte, bis er sie vorsichtig an der Schulter anstieß, um sie zu wecken.

Ihre Lider flatterten kurz, dann schlug sie sie gänzlich auf und schaute sich kurz verwirrt um, bis sie sich erinnerte, wo sie war.

„Bin ich eingeschlafen?"

„Nur kurz", sagte er leise und strich ihr leicht über die Wange. „War auch ein anstrengender Tag."

„Aber ein schöner", ergänzte sie und lächelte ihn so offen und freundlich an, dass sein Herz bis zum Hals schlug.

Er musste sich sogar kurz räuspern, weil dieses Lächeln ihm kurzzeitig die Sprache verschlagen hatte. „Das freut mich", flüsterte er dann.

Sie nickte einfach und öffnete die Wagentür. Bevor sie ausstieg, umfasste er kurz ihr Handgelenk um sie zurückzuhalten. „Wann sehen wir uns wieder?", wollte er atemlos wissen.

Buffy rutschte zurück in den Sitz und schaute ihn fragend an. „Vor Weihnachten habe ich keinen freien Abend mehr, Will. Vielleicht nach den Feiertagen?

„Was machst du an Weihnachten?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich werde wohl bei meinen Eltern sein."

„Können…" Er stockte einen Augenblick, weil er hoffte, nicht zu unverschämt zu sein. „Können wir uns nicht an einem Tag treffen? Am ersten Feiertag vielleicht?"

Buffy überlegte kurz. „Ja, doch. Am ersten Feiertag, wenn du willst."

William lächelte. „Ich melde mich bei dir, wegen der Uhrzeit."

„Alles klar", lächelte sie ihn an. „Na dann, schlaf mal gut und… Danke, für den schönen Abend."

Zu seiner Überraschung und wohl auch ihrer eigenen, beugte sie sich kurz vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Dann zuckte sie zurück. Für einen Augenblick starrten sich beide in die Augen, keiner von ihnen wagte zu atmen, keiner traute sich etwas zu sagen.

Dann forderte die Natur ihr Recht und Buffy atmete tief ein und wandte sich um. „Komm gut nach Hause, William", sagte sie noch leise, bevor sie, ohne sich noch einmal umzudrehen, endgültig ausstieg und in Richtung Haustür lief.

William beobachtet, wie sie im Haus verschwand. Es dauerte noch eine ganze Weile, bevor er fähig war sich zu bewegen, den Motor erneut starten konnte und wegfuhr. 

 

********************

Als die Tür hinter ihr zufiel, wagte Buffy es endlich den angehaltenen Atem auszustoßen. Sie hatte ihn wirklich geküsst. War sie von allen guten Geistern verlassen? Unbewusst hob sie die Hand und strich sich mit dem Zeigefinger über die Lippen und zuckte im nächsten Moment schuldbewusst zusammen, als ein Geräusch, das wie ein Räuspern klang, aus dem Wohnzimmer an ihr Ohr drang.

„Willow? Bist du das?", rief sie und lief bereits über den Flur in das kleine Wohnzimmer.

„Nein. Deine Freundin ist schon ins Bett gegangen", antwortete eine tiefe, ihr wohlbekannte männliche Stimme.

„Dad?", fragte sie trotzdem und machte das Licht im Wohnzimmer an. „Was machst du hier? Und warum sitzt du im Dunkeln?" Plötzlich wurde ihr klamm ums Herz. „Ist etwas mit Mum?", hakte sie ängstlich nach.

„Mit ihr ist alles in Ordnung", erklärte Hank Summers und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Aber hier stimmt etwas nicht. Ich wollte mich nur davon überzeugen, ob die Gerüchte, die mir zu Ohren gekommen sind, wahr sind."

„Welche Gerüchte?"

Head up High 6

 

„Die Gerüchte, die soeben bestätigt wurden. Du triffst dich mit William Spencer. Ich hab dich beobachtet. Scheinbar hat er endlich sein Ziel erreicht!" Hank hob eine Augenbraue.  

Buffy sah zu Boden. Alle Sünden auf einmal fielen ihr ein. Wie hatte sie nur die Stunden mit William genießen und ihren Vater so hintergehen können? Sie war wirklich die schlechteste Tochter auf der Welt. „Dad, es tut mir leid. Es ist nicht so, wie du denkst", versuchte sie zu erklären.

„Es ist genauso wie ich denke", donnerte Hank Summers los. „Er war schon immer scharf auf dich, nur der Preis zu hoch. Und jetzt versucht er kostenlos zu bekommen, was ich ihm vor Jahren verwehrte."

„Was? Wovon sprichst du?", Verwirrte riss Buffy die Augen auf und trat einen Schritt zurück.

Ihr Vater hatte sich von der Couch erhoben, sein Gesicht war vor Wut rot gefärbt und während er langsam auf sie zukam, schien es, als quollen ihm die Augäpfel aus den Augenhöhlen vor Zorn. Wenige Zentimeter vor ihr blieb er stehen. Buffy spürte förmlich, wie sein Körper vibrierte und trat unbewusst noch einen Schritt zurück. So wütend hatte sie ihren Vater noch nie gesehen, nicht einmal damals, als sein Geschäft in Konkurs ging.

„Ich hoffe nur, du handelst einen anständigen Preis aus, bevor du die Beine breit machst", zischte er gehässig.

„Dad!" Wie sprach er denn mit ihr? Sie war doch keine Prostituierte. „Ich denke, es ist besser, wenn du gehst und dich erst einmal beruhigst, bevor die Situation eskaliert und du Dinge sagst, die du später vielleicht bereust."

Obwohl seine Worte sie sehr verletzt hatten, versuchte Buffy einzulenken. Vielleicht hatte er getrunken, dann handelte er oft unüberlegt und wurde furchtbar jähzornig. Außerdem hatte er gute Gründe, William zu hassen. Letztendlich hatte dessen unterlassene Hilfeleistung zu seinem Ruin geführt. Dass Hank nicht begeistert war, dass sie ausgerechnet mit diesem Mann ausging, konnte Buffy sich an einer Hand abzählen. Er war entsetzt und verstand es als Bruch ihrer Loyalität ihm gegenüber. Eine Loyalität, die er als Vater durchaus von ihr verlangen konnte. Sie musste ihm vorkommen wie eine Verräterin und wenn Buffy ehrlich war, fühlte sie sich nach diesem Abend auch so. Sie hatte die Zeit mit William viel zu sehr genossen. Und das war falsch. Natürlich war es schlimm, dass erst ihr Vater in ihrer Wohnung auftauchen musste, damit sie sich darüber wieder bewusst wurde. Buffys schlechtes Gewissen wuchs und wuchs, mit jedem weiteren Gedankengang lud sie sich mehr Schuld auf.

„Wenn du dich morgen etwas besser fühlst, können wir noch einmal über die Sache reden. Es ist nicht so, wie es aussieht", versuchte sie zu erklären, konnte ihm dabei aber nicht in die Augen sehen. Jetzt log sie auch noch. Wie tief wollte sie sich eigentlich noch hineinreiten?

„Wie ist es denn dann? Bist du schlau genug, dich von ihm aushalten zu lassen?", hakte Hank, ein wenig ruhiger nach. „Geld genug hat er. Oder bist du auf etwas anderes aus?"

„Ich bin auf gar nichts aus. Dad bitte, wir reden morgen darüber", wich Buffy aus.

Hank hatte sich von seiner Tochter abgewandt und lief im Wohnzimmer auf und ab. Buffy konnte förmlich hören, wie sich die Rädchen in seinem Hirn drehten. Nur leider in die vollkommen falsche Richtung, wie ihr klar wurde, als er stehen blieb und sie bewundernd ansah. „Du willst, dass er dich heiratet", platzte es verblüfft aus ihm hervor. „Das wäre natürlich eine Wendung, die mir nicht in den Sinn gekommen ist. Aber durchaus genial."

Buffy verdrehte die Augen. Er hatte wohl doch getrunken. Sonst wäre er niemals auf die Idee gekommen, seine Tochter mit seinem Erzfeind zu verheiraten. Sanft legte sie ihm die Hand auf den Rücken. „Kannst du selbst nach Hause fahren? Oder hast du schon zu viel getrunken?"

„Ich habe gar nichts getrunken", behauptete Hank.

„Dann ist ja gut", murmelte Buffy und begann, ihn in Richtung Haustür zu schubsen. „Es ist spät und ich bin müde. Wir sehen uns morgen."

„Und Buffy, dann kommst du an sein ganzes Vermögen und ich kann meine Firma wieder aufbauen", brabbelte er weiter, während er schon in der offenen Haustür stand. In seinen Augen lag ein irrer Glanz, als er etwas leiser in verschwörerischem Ton weitersprach. „Endlich haben sich all die Investitionen in dich gelohnt. Wenn ich schon vor zwei Jahren gewusst hätte, wie raffiniert du bist, hätte ich dich in meinen Plan eingeweiht. Aber nun gut, noch ist nichts zu spät. Er ist nach wie vor hinter dir her und du hast Recht. Warum sich mit Almosen abspeisen lassen, wenn der ganz große Coup in Aussicht steht." 

„Welcher Plan?", wurde Buffy hellhörig.

„Ich hätte damals nicht gleich aufgeben und mich nicht einschüchtern lassen sollen. Aber es sind nur zwei verlorene Jahre… wenn wir geschickt vorgehen…"  

Ein ungutes Gefühl stieg in Buffy hoch. „Dad, was hast du damals von William gewollt?"

Hanks Augen musterten sie eingehend, so als wolle er sich davon überzeugen, ihr vertrauen zu können. Dann verzog ein listiges Grinsen seine Gesichtszüge. Fast schon, als wäre es ihm eine Genugtuung, begann er zu erzählen, was er William vor zwei Jahre vorgeschlagen hatte. Je länger er sprach, umso schlechter wurde es Buffy. Sie hatte urplötzlich das Gefühl, ihr würden die Beine unterm Körper weggezogen, als ihr die Tragweite dessen, was ihr leiblicher Vater ihr hatte antun wollen, klar wurde.

„Wenn ich damals schon gewusst hätte, dass du ebenso denkst wie ich, hätte ich dich eingeweiht und wir hätten geschickter vorgehen können. Aber noch ist nichts verloren, Buffy. Du hast schon einen guten Anfang gemacht", schloss er seine Ausführungen. 

Buffy war viel zu sprachlos, um ihm zu antworten. Scheinbar erwartete er dies auch nicht von ihr. „Wann triffst du dich das nächste Mal mit ihm? Vielleicht sollten wir vorher besprechen, wie du am Besten vorgehst. Wir wollen ja nicht, dass du jetzt, kurz vorm Zieleinlauf, einen Fehler begehst."

Als er jetzt begann Pläne zu schmieden, mit welcher Taktik sie William am schnellsten einfangen konnte, verwandelte sich das Gefühl des Unglaubens und der Fassungslosigkeit in Buffy zu unbändigem Zorn und die Kämpferin in ihr trat zum Vorschein. Sie stellte sich breitbeinig vor ihren Vater, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und hob ihr Kinn rebellisch in die Höhe. „Raus. Verschwinde, bevor ich mich vergesse", befahl sie ihm mit ruhiger, fester Stimme, der man anhörte, dass sie es absolut ernst meinte.

Hank starrte sie einen Augenblick verwirrt an. „Was ist denn los, Kindchen?"

„Ich habe nicht vor, William wegen seinem Vermögen zu heiraten oder sonst irgendwie Geld aus ihm zu pressen. Schon gar nicht, um es dir zu geben, nur damit du erneut eine Firma in den Sand setzen kannst."

Hank riss die Augen auf, Zorn sprühte aus ihnen, als er die Hand hob und ausholte. Doch Buffy war schneller und stoppte den Schlag, indem sie sein Handgelenk umklammerte und ihn festhielt. „Und wag es nicht, mich zu schlagen", fuhr sie fort. Der alte Mann zuckte zusammen. Ungläubig starrte er in das Gesicht seiner Tochter, die sich nur mühsam beherrschen konnte, ihn nicht anzuschreien. „Hau ab und bete, dass ich Mum nicht erzähle, was du dir erlaubt hast."  

Für eine Sekunde dachte sie er hätte immer noch nicht verstanden, doch dann brach etwas in seinem Blick und vor ihr stand wieder der Mann ohne Illusionen und Zukunft, wie sie ihn seit zwei Jahren kannte. Für einen kurzen Augenblick war er zu neuem Leben erwacht und nun fiel er wieder in sich zusammen. Buffy verspürte kein Mitleid. Das Leben war aus den falschen Beweggründen in ihm erwacht. Er war ein Opportunist, der über Leichen ging, um an sein Ziel zu kommen, das war ihr in den letzten Minuten klar geworden. Buffy war viel zu getroffen, um ihrem Vater noch irgendwelche Sympathien entgegenzubringen. Im Gegenteil, sie legte ihre Hand auf seine Brust, schob ihn mit Druck endgültig ins Freie und warf geräuschvoll die Tür in die Angel, um seinen gebrochenen Blick nicht mehr sehen zu müssen.  Es war ihr egal, ob er noch ewig davor stehen würde oder endlich nach Hause ging. Sie musste jetzt erst einmal mit sich selbst klar kommen.

„Mein Gott, was ist das denn für ein Lärm mitten in der Nacht?", erklang die müde Stimme von Willow und Buffy zuckte schuldbewusst zusammen.

„Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe", murmelte sie zerknirscht. „Das wollte ich nicht."

„Schon gut." Willow trat gänzlich aus ihrem Zimmer und kam barfuss, nur in Pyjamahosen und ein Spaghettiträger - Shirt gekleidet, ins Wohnzimmer getappt. Ihre Haare waren total verwuschelt vom Schlafen und obwohl ihr Blick noch immer verschleiert war, konnte man ihre Neugierde sehen. „Was ist denn los? War das die Stimme von deinem Vater?"

„Oh man, du glaubst es nicht!", stöhnte Buffy und warf theatralisch die Hände in die Höhe, bevor sie sich aufs Sofa fallen ließ. „Irgendwie wurde in den letzten Minuten mein Eindruck über eine gewisse Person total auf den Kopf gestellt. Ich fasse es einfach nicht."

„Lass mich raten… es geht mal wieder um William Spencer." Willow verdrehte die Augen. Wenn die beiden nicht endlich zusammen kommen würden, würde sie ihnen Drogen verabreichen, damit sie übereinander herfielen oder irgendetwas anderes, damit endlich wieder Ruhe in ihr Leben einkehren konnte und sie nicht ständig Buffys Gefasel über den Blonden anhören musste, denn dieses ganze hin und her war kaum noch zu ertragen. „Pass auf, ich mache uns eine Tasse Tee. Kommst du mit in die Küche? Ich will jedes Detail wissen."

„Jap, das ist eine gute Idee." Buffy lächelte dankbar, ging mit Willow in die Küche, setzte sich an den kleinen Frühstückstisch und beobachtete ihre Freundin dabei, wie sie Wasser in den Teekessel füllte.

„Also?", hakte Willow nach.

„Scheinbar hat William vor zwei Jahren Vater nicht grundlos aus dem Haus geworfen." Buffy schluckte. Es fiel ihr schwer laut auszusprechen, was sie herausgefunden hatte. „Vater wollte mich an ihn verkaufen."

„Bitte was?!" Willow fiel der Kessel vor Schreck in die Spüle. „Nicht dein ernst, oder?"

„Doch. Es ist Dad eben herausgerutscht, als er mich dazu bringen wollte, William um den Finger zu wickeln und …"

„Woah… das ist… furchtbar. Buffy, das tut mir so leid für dich." Willow meinte es ehrlich. Es musste schlimm sein zu erfahren, dass der eigene Vater nicht einmal davor zurückschreckte, seine eigene Tochter zu verkaufen, nur um seine Geldprobleme los zu werden.

„Danke. Aber ich muss dir nicht Leid tun. Ist ja nicht so, als hätten ich und Vater jemals ein harmonisches Verhältnis gehabt", versuchte Buffy die beklommene Atmosphäre zwischen ihnen etwas zu beruhigen. „Herrje, das wird ein toller Heiligabend. Jetzt wäre es echt von Vorteil Jüdin zu sein wie du", grinste Buffy schief.

„Dann geh nicht hin", riet ihr Willow, die es endlich geschafft hatte, den Kessel auf eine Herdplatte zu stellen.

„Das kann ich Mutter nicht antun", seufzte Buffy.

„Stimmt. Oh man, ich kann nur immer wieder sagen, dass es mir leid tut. Ich wünschte, ich könnte mehr für dich tun."

„Es bedeutet mir schon viel, dass ich mich bei dir ausheulen kann", gab Buffy ehrlich zu und sah ihre Freundin dankbar an.

Für einen Augenblick war Willow gerührt, dann räusperte sie sich. „Wie war denn nun dein Date mit William dem Schrecklichen?"

Buffy lachte, als Willow den Spitzname benutzte, mit dem sie Will immer betitelt hatten, wenn sie über ihn sprachen. „Es war herrlich. Wirklich. Er war so anders." Wie sollte sie das nur erklären? Wie sollte sie den netten, witzigen William beschreiben, der sich selbst auf die Schippe genommen hatte. Den William, in den sie sich vorbehaltlos verlieben würde, wenn sie sich nur sicher sein könnte, dass er ihr nichts vorgespielt hatte. „Aber…"

„Ah, halt… kein ABER!", unterbrach Willow ihre Freundin. „Erzähl mir doch einfach erst mal wie es war, bevor du mich wieder Punkt für Punkt über Wills schlechten Charakter aufklärst." 

Buffy grinste und begann zu erzählen. Und je länger Willow zuhörte, umso sicherer wurde sie sich, dass Buffy längst Hals über Kopf in William verknallt war. Auch wenn sie in ihrer Erzählung ständig darauf hinwies, warum genau er kein Mann zum Verlieben war, war jedem Außenstehenden längst klar, dass die beiden von einander angezogen wurden, wie Motten vom Licht. Sie sollte sich wirklich erkundigen, ob es nicht doch irgendwelche Drogen gab, die sie den beiden verabreichen konnte, um das ganze zu beschleunigen.

„Weißt du, ich bin einfach unsicher. Auf der einen Seite könnte ich mich jetzt Vorbehaltlos auf das nächste Date mit William freuen. Aber dann muss ich daran denken, dass William eben kein Unschuldslamm ist, sondern es faustdick hinter den Ohren hat. Er hält seine Position in seiner Firma nicht, weil er ein argloser Mann ist, sondern ein knallharter Geschäftsmann und gleicht meinem Vater damit mehr als mir lieb ist. Eigentlich stehe ich nicht auf diesen Typ Mann, im Gegenteil, bisher habe ich mich immer nur in die Softies verliebt." Buffy nahm dankbar die Tasse Tee an, die Willow ihr reichte und umklammerte sie mit beiden Händen, während sie weiter sprach: „William ist Vieles, aber kein Softie. Und erst vorhin wurde mir richtig klar, dass er wohl seit geraumer Zeit hinter mir her ist."

„Ja, mag sein. William ist karrierebewusst, aber daran ist nichts Falsches. Scheinbar gibt es für ihn durchaus Grenzen, die dein Vater ohne mit der Wimper zu zucken überschreitet", gab Willow zu bedenken. „Immerhin hat er sich vor zwei Jahren nicht auf diesen grotesken Handel eingelassen."

„Da hätte ich ja auch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt! Wo steht denn geschrieben, dass ich mich an den Meistbietenden verhökern lasse", fuhr Buffy auf, doch sie musste Willow insgeheim zustimmen. Dieser Punkt sprach auf alle Fälle für William, ebenso wie sein Verhalten heute. „Aber auf der anderen Seite hat er mich in diesen Pool steigen lassen."

„Und hatte hinterher ein schlechtes Gewissen", warf Willow ein.

„Dann hat er mich mit der kaputten Uhr erpresst", argumentierte Buffy weiter.

„Irgendwie musste er ja deine Aufmerksamkeit auf sich lenken", fand Willow erneut eine Ausrede.

„Aber… aber… das alles macht nicht wett, wie er sich zwischen Riley und mich gestellt hat und wie er mich früher behandelt hat."

„Riley hat mit dir Schluss gemacht, nicht William. Hätte ihm genug an dir gelegen, hätte er Rückrat bewiesen und sich nicht von seinem Bruder beeinflussen lassen. Und zum anderen… Buffy, irgendwann muss man auch mal aufhören zu grübeln, die Vergangenheit hinter sich lassen und verzeihen lernen. William ist auch nur ein Mensch, er macht genauso Fehler wie wir alle, nur setzt du bei ihm den Maßstab viel höher als bei anderen. Denk mal darüber nach." Willow nippte an ihrer Tasse und riss dann die Augen auf, als ihr etwas einfiel. „Oh nein, tue es nicht, dann ziehst du eh nur wieder die falschen Schlussfolgerungen", kicherte sie, bevor sie wieder ernst wurde. „Buffy, hör auf zu denken. Lass das Leben auf dich zukommen. Lebe endlich." Willow schaute Buffy für einen Moment tief in die Augen, um ihre Worte zu unterstreichen. Dann streckte sie sich gähnend und stand auf. „Und jetzt wünsche ich dir eine gute Nacht. Ich schlaf gleich im Stehen ein."

„Oh… okay, schlaf gut und Willow?", hielt Buffy ihre Freundin noch einmal kurz auf.

„Ja?"

„Danke!", flüsterte Buffy leise.

Willows Gesichtszüge wurden weicher und sie nickte Buffy freundlich zu, bevor sie endgültig in ihr Zimmer verschwand.

Buffy nippte an ihrem Tee. Anstatt Willows Ratschlag zu befolgen, grübelte sie über deren Darlegungen nach. Sie wollte keinen Mann, wie ihr Vater es war. Sie wollte nicht die Fehler ihrer Mutter wiederholen und irgendwann in einem Leben erwachen, in dem sie vollkommen von jemand anderen beherrscht wurde. Sie hatte Angst davor, dass William genau dies tun würde, über kurz oder lang.

Dies war die eine Seite der Medaille, warum sie dem zweiten Date mit eher gemischten Gefühlen entgegen sah und Willows Standpunkt für gefährlich hielt. Auf der anderen Seite und das nahm sie am meisten mit, waren da die Erinnerungen an die Zärtlichkeiten, die sie ausgetaucht hatten und wie ihr Körper auf ihn reagiert hatte. Sie konnte es nicht leugnen, sie war unter seinen Händen geschmolzen.

Und dann war da auch noch diese eine Sache, über die sie eigentlich gar nicht nachdenken wollte. Die Sache mit ihrem Herz. Denn das hatte sie seit heute irgendwie gar nicht mehr im Griff. Dieses dumme Herz, das zu rasen begann, sobald sie darüber nachdachte, wann er sie wohl anrufen würde. Das dumme Herz, das fast aussetzte, sobald sein Name im Gespräch gefallen war und das Freudensprünge vollführte, als sie anfing an Willows Worte zu glauben.

 

 

*********************

 

Der heilige Abend war tatsächlich so furchtbar, wie sie es sich vorgestellt hatte. Als sie endlich ihre Wohnung betrat, nach einigen zermürbenden verbalen Schlagabtauschen mit ihrem Vater, ließ sie sich erst einmal völlig erschöpft auf das Sofa fallen. Willow schien schon zu schlafen und sie war froh darum. Sie war sich nicht sicher, ob sie jetzt noch zu einem Smalltalk fähig gewesen wäre. Darum stöhnte sie auch genervt auf, als das Telefon läutete. Am liebsten hätte sie den Hörer gar nicht abgenommen. Aber es konnte ja etwas Wichtiges sein oder ein Anruf für Willow. Mit einem erneuten Stöhnen griff sie nach dem Funktelefon auf dem Wohnzimmertisch, drückte auf die Annahmetaste und hob es an ihr Ohr.

„Buffy Summers", meldete sie sich abgehackt.

„Hi."

Buffy erkannte seine Stimme sofort. Ihr ganzer Körper versteifte sich, gleichzeitig schoss Adrenalin durch jede Ader und in ihrem Kopf befand sich von jetzt auf gleich absolute Leere.

„Hi", piepste sie, nicht fähig andere Worte zu formen.

„Frohe Weihnachte, Luv." Hatte seine Stimme schon immer solch einen vollen Klang gehabt? War sie nicht viel zu schön für einen Mann?

„Buffy? Bist du noch am Apparat?", hörte sie ihn fragen und wurde aus ihren Empfindungen gerissen.

„Ja, ja", erwiderte sie schnell. „Frohe Weihnachten, William."

Sie hörte ein kleines freundliches Lachen, am anderen Ende der Leitung und ein Schauer rann über ihren Rücken. „Danke dir. Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag, mit vielen Geschenken?", fuhr er mit dem Smalltalk fort.

„Ging so", gab sie ausweichend Auskunft. „Und du?

„Ja, war ganz schön. Weißt ja wie das ist, wenn der ganze Clan zusammentrifft", gluckste er oder war das ein Kichern? Konnte William Spencer tatsächlich kichern?

„Ich kann mich dunkel erinnern." Es war laut und hektisch, aber schön. Mindestens zehn Kinder spielten Fangen im ganzen Haus, während die Erwachsenen Punsch tranken und je nach Grad des Alkoholspiegels im Blut mehr oder minder schöne Weihnachtslieder sangen. Buffy konnte sich noch gut erinnern, da sie oft eingeladen gewesen waren bei den Spencers zum heiligen Abend und sie meistens eines der zehn Kinder gewesen war, das durch die Zimmer düste. „Bist du betrunken, Will?"

„Ein bisschen", gab er zu und sie sah förmlich sein verlegenes Lächeln vor ihrem inneren Auge. „Ich hab den ganzen Abend an dich gedacht und mir vorgestellt, wie schön es wäre, wenn du auch hier wärst", gestand er plötzlich und obwohl Buffy versuchte sich zusammen zu reißen, begann ihr dummes Herz sofort zu rasen.

„Ist das so?", brachte sie nur atemlos als Erwiderung hervor.

„Ja", antwortete er einfach. Dann entstand eine kleine Pause, in der keiner wusste, was er sagen sollte, bis sie hörte, wie er Luft in seine Lungen zog, als bräuchte er Mut für seine nächsten Worte. „Sehen wir uns morgen?"

„Sicher. Wann holst du mich ab?"

„Ich dachte, so gegen achtzehn Uhr."

„Alles klar", stimmte sie zu.

„Okay, dann… bis morgen. Ich freu mich." Er klang wie ein kleiner Junge, dem ein großer Stein vom Herzen gefallen war. „Schlaf gut, Luv. Bis morgen.

„Bis morgen, William", beendete Buffy das Gespräch. „Bye."

„Bye", hörte sie ihn noch sagen, bevor sie das Telefonat mit einem Knopfdruck beendete und den Apparat wieder zurück auf den Wohnzimmertisch legte. Erst jetzt bemerkte sie, wie feucht ihre Hände waren und rieb sie fahrig an ihrer Hose trocken.

Oh Gott, was tat sie nur? Warum konnte ihr Körper nicht auf ihren Verstand hören? Sie konnte sich nicht einfach so mit ihm einlassen. Sie würde ihm mit Haut und Haaren verfallen, wenn sie sich nicht irgendwie stoppen würde. Und sie wusste doch noch nicht einmal, was er wirklich von ihr wollte. 

Bereits bei einem einfachen Telefonat mit ihm war sie nervöser als sie es bei irgendeinem anderen Mann zuvor gewesen war und mit einer Sicherheit, die sie erschreckte, wusste sie, dass sie, sobald sie die Gefühle zu lassen würde, die längst versuchten an die Oberfläche zu drängen, sie sich ohne Rettung verlieben würde. Und wenn er es dann nicht ernst mit ihr meinte, sondern sie nur eine weitere Trophäe in seinem Schrank war, würde er ihr Herz für immer brechen und sie wäre verloren. So weit durfte sie es nicht kommen lassen. Sie musste sich wirklich in den Griff bekommen. 

 

*********************

Schon als sie ihm am nächsten Tag die Tür öffnete, spürte Buffy ihre guten Vorsätze förmlich von sich wegschwimmen. Sein Anblick raubte ihr die Luft zum Atmen. Mit offnem Mund starrte sie auf sein Outfit. Er war gänzlich in schwarz gekleidet, Jeans, Shirt, Boots, alles eine Farbe, darüber trug er einen Ledermantel, der ihm bis zu den Waden reichte. Seine Haare hatte er zurückgegelt. Jetzt, wo sie ihm nicht mehr in die Stirn fielen, war der Blick aus seinen blauen Augen viel intensiver, irgendwie offener und zugleich tiefer. Seine Augen wirkten viel größer und Buffy hatte das Gefühl, in den blauen Tiefen sprichwörtlich zu ertrinken.

„Hi, Luv", grinste er selbstbewusst, da ihm seine Wirkung auf sie nicht entgangen war. „Lust auf eine kleine Fahrt mit dem Motorrad?"

„Ach, lass mich raten. Du leidest unter einer multiplen Persönlichkeitsspaltung und das ist dein Rebellen - Ich?", nuschelte Buffy, die immer noch versuchte, den Blick von seinen Augen zu lösen.

Gott, dass Kleidung einen Menschen so verändern konnte! Er sah in diesem Punker-Outfit einfach total verwegen aus. Es war schon merkwürdig, wie viel neues sie an William in den letzten Tagen entdeckt und kennen gelernt hatte. Und noch seltsamer war der Wandel den William in ihrem Bewusstsein genommen hatte. Vom Menschen, den sie kannte ohne großes Interesse an ihm zu haben und den sie nur wahrnahm, aber nicht beachtete, zu ihrem Feindbild Nummer eins, zurück zum verwegenen Rebellen mit dem weichen Herzen und einem Hang zum Masochismus, bei dem sie verdammt aufpassen musste, dass sie sich nicht Hals über Kopf in ihn verliebte.

„Kann man so sagen", grinste er frech und reichte ihr gleichzeitig einen Motorradhelm, dessen Farbe es endlich schaffte, sie von seinen Augen abzulenken. 

„Oh toll, pink", kreischte sie einen Teenager nachahmend auf. „Woher wusstest du, dass das meine Lieblingsfarbe ist?", fügte sie ironisch lächelnd hinzu und versuchte den Helm aufzuziehen, ohne zu großen Schaden an ihren Haaren anzurichten. „Das ist natürlich viel besser als meine Frisur, an der ich eine Stunde gearbeitet habe", scherzte sie.

„Ich hab auch noch einen Nierengurt in der Farbe für dich", wackelte er mit seinen Augenbrauen und zog ihn hinter seinem Rücken hervor.

„OH MEIN GOTT… du hast an alles gedacht." Aufgedreht hüpfte Buffy auf und ab, bevor sie den Gurt fest an ihren Bauch drückte und ihn mit einem übertriebenen Wimpernklimpern von unten heraus ansah. „Du bist mein HELD", schwärmte sie gespielt kokett, nur um im nächsten Augenblick laut lachend auf zu kreischen, als er sie mit einem Ruck auf seine Arme hob und zum Motorrad trug.

„Dann wird dein Held dich jetzt entführen", lachte er mit ihr.

Es gefiel ihm unheimlich, wie locker sie war und er machte gern bei ihrem Spiel mit. Vorsichtig ließ er sie auf seinem Motorrad ab, überprüfte, dass sie den Nierengurt richtig anlegte, sowie den Helm und stieg dann vor ihr auf den Sitz.

„Leg die Arme nur ganz fest um mich, ja?", rief er nach hinten und lachte. „Ich mag das."

Sofort kam sie seinen Worten nach und ein Prickeln lief über seinen Rücken, als ihr kleiner warmer Oberkörper sich gegen seinen drückte. Wie der Himmel auf Erden, dachte er kurz, bevor er das Zweirad startete, Gas gab und losfuhr.

Mit einem Jubeln begleitete Buffy den Beginn der Fahrt, schmiegte sich noch etwas enger an ihn und genoss den Wind, der durch das geöffnete Visier eindrang. Sie wusste, sie verhielt sich kindisch, aber es war ihr egal. Denn es war genau so wie Willow gesagt hatte. Manchmal musste man aufhören zu grübeln und einfach leben. Und irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ihr Leben jetzt gerade begann.

Head up High 7

 

Eigentlich hatte Buffy nicht erwartet, dass er sie noch mehr überraschen könnte, als ohnehin schon. Allein sein Outfit hatte sie völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Dennoch gelang es ihm, sie noch mehr in Erstaunen zu versetzen, als er mit ihr in die Berge, die Sunnydale umschlossen, fuhr, in eine Kneipe, die ihr bis dato völlig unbekannt gewesen war und das, obwohl sie schon ihr ganzes Leben in dieser Stadt verbracht hatte. Gut, vielleicht war Kneipe nicht die richtige Bezeichnung für die Lokalität, in die er sie ausführte, umgangssprachlich hätte man wohl eher Beize oder Spelunke dazu gesagt. Denn gehobener war es wirklich nicht - eine etwas heruntergekommene Holzhütte, mit Veranda, die schon längst einen frischen Farbanstrich nötig gehabt hätte und deren Fassade mit diversen Werbeschildern verziert war. Das Publikum bestand hauptsächlich aus bärtigen langhaarigen Rockern, die hier mit ihren Motorrädern halt machten, sich ein Bierchen bei einem Schwatz mit Gleichgesinnten gönnten und dazu Heavy Metall Musik hörten.

Buffy kam das ganze etwas suspekt vor und stieg darum mit eher gemischten Gefühlen von Williams Yamaha ab. Scheinbar schien man ihr ihre Gedanken vom Gesicht ablesen zu können.

„Lass dich mal vom Äußeren nicht abschrecken. Die machen hier die besten Chickenwings und Zwiebelringe, die du je gegessen hast", versuchte William sie zu beruhigen und zog sie hinter sich her ins Innere der Beize.

Dort erlebte Buffy die nächste Überraschung. Die Spelunke war durchaus gemütlich eingerichtet. Eine lange Holztheke bildete das Zentrum, auch hier platzte die Farbe vom Holz, aber zumindest war alles sauber. Noch interessanter als die Einrichtung war, dass scheinbar alle Gäste William kannten und ihn mochten. Warum sonst schlug fast jeder ihm kumpelhaft auf die Schulter oder nickte zumindest freundlich grüßend, als sie vorbeiliefen. Als sie endlich vor der Theke standen, wandte sich der Wirt zu ihnen und lachte erfreut auf, als er William erkannte.

„Hey, Spike, schön, dass du dich mal wieder sehen lässt."

„Ja, ist ne Weile her", grinste William.

„Spike?", flüsterte Buffy neben ihm erstaunt. „Führst du ein Doppelleben oder war meine Vermutung vorhin, dass du unter multipler Persönlichkeitsspaltung leidest, tatsächlich ein Treffer?"

„Keins von beiden", grinste er einfach nur, ohne weiter auf ihre Frage einzugehen. „Magst du auch ein Bier?"

„Ja, klar", antwortete sie verdattert.

William bestellte zwei Bier, nahm sie entgegen und trug sie dann an einen der leeren Tische. Kaum saßen sie, fiel Buffy der Dartautomat in der Ecke auf. Mit interessierten Augen beobachtete sie die zwei Rocker, die daran spielten.

„Lust zu spielen?", wollte William wissen.

„Ich glaube nicht, dass ich das kann", antwortete Buffy wahrheitsgemäß. „Ich hab keine ruhige Hand." Zum Beweis hielt sie ihre Hände hoch und William konnte das leichte Zittern erkennen.

„Ach was, das ist normal. Beim Dart musst du zielen können und außerdem geht es nur um den Spaß an der Sache", beruhigte er sie. „Ich kann die beiden fragen, ob sie uns mitspielen lassen."

„Kann man zu viert spielen?" Buffy zog überraschte eine Augenbraue in die Höhe.

„Na klar." William war schon aufgestanden. „Bin gleich wieder da." 

Buffy beobachtete ihn, wie er mit den beiden plauderte. So wie es aussah, schienen auch sie sich zu kennen, zumindest sprach ihre Körpersprache dafür. Wenig später kam William zurück an den Tisch.

„Geht in Ordnung. Sie wollen ihr Spiel noch beenden, dann können wir einsteigen", teilte er ihr freudestrahlend mit. „Wir können ja in der Zwischenzeit etwas essen. Auf was hast du Appetit?"

„Na, du hast die Chicken Wings so gelobt, da muss ich sie natürlich probieren", verlangte sie augenzwinkernd.   

Er hatte nicht übertrieben. Die Wings waren köstlich. Sie wurden mit einer würzigen Barbecue Soße und Country Potatoes als Beilagen serviert.

„Schmecken echt lecker", bestätigte Buffy William und leckte sich einen Tropfen Soße vom Finger.

Sobald er ihre kleine rosa Zunge sah, wie sie flink ihre Haut sauber schleckte, schloss  William für ein paar Sekunden überwältigt die Augen, da sofort das Bild in seiner Vorstellung aufblitzte, wie sie ebenso genießerisch einen ganz bestimmten Teil seiner Anatomie verwöhnte. Er verfluchte seine Verdorbenheit, als eine Welle der Erregung durch seinen Körper schwappte und krallte seine Finger in die Tischplatte bis seine Knöchel weiß hervortraten, während er an etwas langweiliges wie Bilanzen dachte, um sich wieder in den Griff zu bekommen. Schließlich hatte er sich vorgenommen, sie zu erobern und nicht sie abzuschrecken. Und da er bemerkt hatte, dass sich seit dem letzten Date das Blatt irgendwie zu seinen Gunsten gewendet hatte und sie nicht mehr allzu aggressiv auf ihn reagierte, sondern vielmehr offen und ja, er wagte zu behaupten - freundlich, wollte er das jetzt ganz bestimmt nicht gefährden, indem er sein triebgesteuertes Ich freiließ.

„Alles klar mit dir?", hörte er sie fragen und riss die Augen auf. „Du siehst irgendwie angespannt aus."

„Ich…", druckste er eine Sekunde, bevor er seinen Teller von sich weg schob und sich mit beiden Händen über den Bauch rieb. „Boah, ich bin einfach satt und hab noch so viel übrig."

„Ach so", kicherte sie. „Du hast ja auch gleich wieder die doppelte Portion bestellt."

„Ja, meine Augen waren wohl größer als mein Hunger", log er und warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf die Überreste der Zwiebelringe, die er mit Sicherheit noch gepackt hätte, wäre da nicht eine Ausrede notwendig gewesen.

„Also, warum Spike?", fragte sie jetzt.

„Huh?" Für einen Moment konnte er ihrem Gedankensprung nicht folgen und zog irritiert eine Augenbraue in Richtung Haaransatz.

„Scheinbar ist das ein Zufluchtsort für gebrochene Existenzen, verlorene Seelen oder Leute, die sich verstecken wollen. Keiner fragt, woher du kommst oder wie du heißt. Zu welchem Personenkreis zählt Spike?", hakte sie nach und schaute ihn interessiert an.

William zuckte mit den Schultern. „Manchmal ist es einfach schön, den ganzen Druck hinter sich zu lassen."

„Spike ist also die Person, die du gern wärst?"

„Nein, nicht wirklich. Ich bin Spike, aber auch William. Ich verstecke mich nicht. Ich denke, jeder hier weiß, wer ich wirklich bin, aber sie zeigen es nicht. Ich werde einfach behandelt wie einer von vielen und manchmal tut das verdammt gut." Er verschwieg ihr, wie oft er hierher gekommen war in der Zeit, als sie mit Parker zusammen gewesen war und er seinen Kummer an der Bar mit zuviel Whisky hinab gespült hatte. Hier war der einzige Ort gewesen, an dem er seinem Kummer freien Lauf hatte lassen können. 

„Also einfach eine Flucht aus dem Alltag?" Buffy sah ihn interessiert an.

„Ja, ich denke, so kann man es beschreiben", bestätigte er nickend.

„Wer weiß noch von Spike?", wollte sie nun wissen.

„Du bist die Erste, außerhalb dieses Kreises hier, die etwas von Spike erfährt", gestand er.

Buffys Augen weiteten sich. Sie war überrascht und gleichzeitig wuchs ein Respekt vor ihm in ihr heran, den es vorher nicht gegeben hatte. Er zeigte ihr seine verwundbare Seite, denn nichts anderes war Spike, da war sie sich sicher. Spike war der Gefühlsmensch in Williams Innerem, der klassische tragische Held. Nach außen hin hart und innen ganz weich und verletzlich. Das hatte sie sofort erkannt und sie war mehr als beeindruckt, dass William ihr diese Schwäche von sich offenbarte. Erneut schaffte er es, den Eindruck, den sie von ihm hatte, komplett zu wandeln, genauso wie ihr zum wiederholten Mal klar wurde, dass sie ihn in Zukunft nie wieder mit den gleichen Augen betrachten können würde. In Buffys Kehle bildete sich plötzlich ein Kloß und ihr Herz begann zu rasen, als ihr bewusst wurde, wie sehr sie mittlerweile von ihm eingenommen war. Und das war die Untertreibung des Jahres. Da war viel mehr in ihr für ihn erwacht, als sie sich bisher hatte eingestehen wollen.  

„Ich glaube, die beiden sind soweit? Du auch?" Seine Worte rissen sie aus ihren Gedanke. Etwas verwirrt schüttelte sie den Kopf, dann folgte ihr Blick der Richtung, in die er deutete. Sobald der Dartautomat in ihrer Sicht auftauchte, lächelte sie erfreut. 

„Ja, klar", freute sich Buffy.

Die beiden Rocker stellten sich als Joe und David vor. Durch ihr Aussehen voreingenommen, hatte Buffy erwartet, sie seien raubeinige, ungehobelte Gesellen, doch genau das Gegenteil war der Fall. Buffy hatte noch nie freundlichere oder zuvorkommendere Männer kennen gelernt. Zusammen mit William rissen sie einen Scherz nach den anderen und an manchen Stellen musste sie Tränen lachen. Sie amüsierte sich wirklich prächtig bis spät in die Nacht hinein. Als sie sich dann von ihren beiden neuen Kumpels verabschiedete, musste sie hoch und heilig versprechen, bald mal wieder vorbei zu schauen. Und Buffy nahm sich fest vor, dieses Versprechen nicht zu brechen.

 

Während der Rückfahrt schmiegte sich Buffy fest an Williams Rücken. Es war eine herrliche Nacht, sternenklar, der Mond hing als große Sichel über ihnen und die Luft war noch immer lauwarm von der Hitze des vergangenen Tages. Kein anderes Fahrzeug war auf der Straße unterwegs und Buffy schien es fast so, als wären sie und William die einzigen Menschen auf der Welt. Vor ein paar Wochen hätte solch eine Vorstellung sie rennen lassen, als wäre der Teufel hinter ihrer Seele her, aber jetzt fand sie den Gedanken mit einem Mal romantisch und schön. Anstatt Angst und Schrecken, erwachte in ihr der Wunsch, diese Nacht würde nie enden.

Vielleicht zögerte sie auch darum den Abschied hinaus, als er vor ihrer Haustür bremste und sie vom Sitz rutschte. Etwas unbeholfen nestelte sie am Helm herum, bis er ihr dabei half, ihn auszuziehen.

„Besser so?", grinste er, während sie mit ihren Händen versuchte von ihrer Frisur zu retten, was noch zu retten war.

„Jap", antwortete sie, bevor sie Luft holte und allen Mut zusammen nahm, um ihm tief in die Augen zu blicken. „Danke."

„Danke? Für was?" Verblüfft zog er die Augenbrauen in die Höhe. Ein Schauer überlief seinen Rücken, als er ihren Blick erwiderte und darin etwas wahrnahm, was er zuvor noch nie gesehen hatte, wenn sie ihn musterte. Seine Hände begangen zu zittern und seine Kehle wurde eng, als eine ungeheure Hoffnung in ihm aufflammte. Hoffnung und zugleich die tiefste Angst, die er je empfunden hatte. Angst davor sich zu irren, Angst erneut enttäuscht zu werden, Angst zu verlieren, was er sich immer erträumt hatte. 

„Für einen wirklich schönen Abend", antwortete sie mit einem zärtlichen Unterton in der Stimme, hielt den Blick und beugte sich langsam vor, um ihm, wie bereits beim letzten Mal, einen Abschiedskuss auf die Wange zu hauchen.

Wie in Zeitlupe beobachtete William, wie ihr Gesicht näher kam. Unbewusst hielt er die Luft an und hörte seinen Puls in seinen Ohren pochen. Als ihr Atem seine Haut streifte, konnte er nicht mehr an sich halten. Alle guten Vorsätze über Bord werfend, umfasste er mit beiden Händen ihr Gesicht und zog sie herab, um seine Lippen fest auf die ihren zu drücken. Er hörte sie überrascht aufpiepsen, doch spürte keinerlei Gegenwehr. Tatsächlich schmiegte sie sich augenblicklich näher an ihn und William bedauerte, dass er noch immer auf dem Motorrad saß, während er hungrig ihre Lippen plünderte.

Als er spürte, dass sie Luft benötigte, ließ er von ihren Lippen los und küsste eine heiße Spur über ihr Kinn hinab zu ihrer Halsschlagader. Leidenschaftlich saugte er die zarte Haut an der Stelle ihres Halses, an der ihr Puls am schnellsten raste, in seinen Mund. Ein Keuchen entwich ihr als er danach zart zubiss, bevor sein Mund wieder hoch zu ihren Lippen wanderte. Erneut küsste er sie wild und leidenschaftlich. Buffy verlor sich im Spiel ihrer Zungen und strich immer wieder zärtlich mit den Händen über seinen Rücken, während seine Hände aufs Neue ihr Gesicht umfassten und ihren Kopf an Ort und Stelle hielten. Seine Daumen streichelten ihre Wangen und seine Zunge stellte unglaubliche Dinge in ihrem Mund an.

Erst als ihm selbst schwindlig wurde vom Sauerstoffmangel, gab er ihre Lippen wieder frei. Sprachlos und nach Atem ringend starrten sich beide in die Augen. Beide gefangen von den Empfindungen, die gerade über sie hereingebrochen waren. Buffy regte sich als erstes, nach einem schier endlos erscheinenden Moment. Ihre flatternden Nerven einigermaßen in der Gewalt, traute sie sich, das fassungslose Schweigen zu brechen.

„Willst du… einen…" Nein, sie konnte ihn jetzt nicht gehen lassen. Nicht nach diesem Kuss und nicht nach dem sie sich endlich sicher war über ihre Gefühle zu ihm. „… Kaffee?"

Plötzlich schien die Atmosphäre zwischen ihnen elektrisch aufgeladen zu sein. William riss überrascht die Augen auf und blickte auf ihre Lippen, so als ob er davon ablesen könnte, dass er sich nicht verhört hatte, während Buffy von jetzt auf gleich weiche Knie bekam, weil er eine ‚Ewigkeit’ benötigte, um zu antworten. Ihr Herz pochte so laut vor Angst, er würde ablehnen, dass sie befürchtete, man würde es noch drei Blocks weiter hören können. 

William schluckte. Noch immer hatte er Angst sich verhört zu habe. Wahrscheinlich würde er sich jetzt völlig blamieren, aber es war ihm gleichzeitig auch egal, da die Versuchung, dass er sich nicht verhört hatte, viel zu groß war.

„Unbedingt", antwortete er mit einem Zittern in der Stimme, das Buffy zu verstehen gab, dass sie hier nicht die Einzige war, die Bammel vor der eigenen Courage hatte. Ein erleichtertes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und das war gleichzeitig alles, was William benötigte. Mit Schwung stieg er vom Motorrad ab und nahm Buffys Hand.

Händchenhaltend gingen sie zur Haustür. Dort wollte Buffy die Tür öffnen, doch ihre Hände zitterten so sehr, dass ihr der Schlüssel immer wieder vom Schloss abrutschte. Vorsichtig nahm William ihn ihr ab und öffnete selbst. Kaum waren sie in der Wohnung, riss er sie in seine Arme und küsste sie erneut wie ein Verhungernder.

Dem dritten Kuss folgte ein vierter, der in einem fünften endete, während beide alles um sich herum vergaßen, außer den warmen Körper, an den sie sich schmiegten. Irgendwann, beide hatten kein Gefühl für Zeit mehr, wurden beide ruhiger und William küsste sie mit fast schon trägem Verlangen. Seine Hände fuhren in Buffys blonde Haarpracht und seine Finger verloren sich in ihren weichen Haarsträhnen. Mit sanfter Gewalt drückte er ihren Kopf zur Seite, so dass er einen Schwall sinnlicher Küsse von ihrem Kinn ihren Nacken hinab regnen lassen konnte.

„Gott", entfuhr es ihm. „Ich hab schon so lange davon geträumt."

"Dann hör nicht auf", stöhnte Buffy, da sie für einen Augenblick seine Lippen nicht an ihrer Haut spürte, als er sprach.

Völlig überwältigt schloss William die Augen und zog sie in eine feste Umarmung. „Niemals, Buffy. Das hier ist für immer."

"Für immer", hauchte sie, als er sie auf ihre Arme hob und in den Flur trug.

„Wo ist dein Schlafzimmer?" Orientierungslos sah er sich um.

„Hier." Buffy deutete auf ihre Zimmertür und verteilte hundert kleine Küsse in seinem Gesicht.

In ihrem Schlafzimmer blieb er eine Sekunde stehen, um mit einem geschickten Tritt die Tür zu zutreten, dann ließ er sie vorsichtig auf ihrem Bett ab, während er sich halb über sie legte. Mit beiden Händen umfasste er ihr Gesicht und strich dabei ihre Haare nach hinten. 

„Baby… bist du dir sicher?" Alles in ihm schrie auf, als er diese Frage stellte. Aber er musste es wissen, ob es ihr ernst war mit ihm. Er würde lieber auf der Stelle sterben, als nur ein One Night Stand für sie zu sein. Das würde er nicht ertragen. Er wollte nicht mehr und nicht weniger für Buffy sein, als sie ihm bedeutete. Er wollte der Mann an ihrer Seite sein, für den Rest ihres Lebens. Entweder ganz oder gar nicht. Angespannt biss er sich in die Unterlippe und hielt die Luft an, als sich ihre Lippen bewegten.

„Ja", flüsterte sie, bevor sie etwas selbstbewusster fortfuhr. „Und glaub ja nicht, dass ich wegen dem hier… auf das dritte Date verzichte."

„Ich ebenso wenig", gluckste William erleichtert auf. „Von jetzt an rücke ich sowieso nicht mehr von deiner Seite. Nur dass dir das klar ist. Ich werde morgen immer noch neben dir liegen, Buffy. Und übermorgen… überübermorgen…"

„Von mir aus auch noch in fünfzig Jahren. Und jetzt sei endlich still und küss mich", befahl sie ihm vorwitzig und grinste dabei frech.

„Dein Wunsch ist mein Befehl", gehorchte Spike und verschloss überwältigt vor Glück leidenschaftlich ihre Lippen. 

 

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Außer den Klängen einer sanften Rockballade hörte man nichts in dieser Nacht. Neugierig schlich eine Katze näher. Ihre grünen Augen leuchteten kurz auf, als das Licht von hundert brennenden Teelichtern in ihnen reflektiert wurde, bevor sie sich missmutig umdrehte und davonlief. Auf dem Dach der Villa wiegte sich engumschlungen ein Liebespaar zu der Musik und vergaß um sich herum die Welt, sie hatten nur Augen für sich und bereits eine ganze Weile nichts mehr gesprochen. Es genügte ihnen, sich stumm zu betrachten, gefangen in ihrem eigenen kleinen Universum, das nur Platz für sie beide hatte. Der Pinienduft lag nur für sie in der Luft, die Musik spiegelte die Gefühle in ihren Herzen wider. Wie alle Frischverliebte war jedes Fühlen und Denken nur auf den anderen gerichtet, alles auf der Welt war plötzlich schöner, lauter, größer, weicher und sogar die Sterne leuchteten nur für sie. Als die Musik endete, fiel es ihnen lange nicht auf. Sie tanzten einfach weiter, beide denselben Rhythmus wie der andere im Innern spürend. Absoluter Gleichklang, synchron, eine Einheit bildend.  

Erst ein lautes Knacken in den Ästen des kleinen Waldes hinter dem Garten von Williams Grundstück, riss das Liebespaar zurück in die Wirklichkeit. 

„Was war das?", schreckte Buffy hoch.

„Keine Angst. Sicher nur irgendein Tier im Unterholz", versuchte William sie zu beruhigen.

„Die Musik ist zu ende", fiel Buffy auf. „Hab ich gar nicht bemerkt."

„Ich auch nicht. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, die wunderschöne Frau in meinen Armen zu betrachten", antwortete William wahrheitsgemäß, zog sie an sich, küsste sie liebevoll und als wäre es abgesprochen, beugten beide ihre Knie und ließen sich auf die ausgebreitete Decke sinken. William beendete den Kuss und strich ihr das Haar aus dem Gesicht.

„Ich kann es immer noch nicht wirklich glauben, dass ich dich in meinen Armen halte", flüsterte er ergriffen und küsste ihre Stirn. „Verrätst du mir, was deine Meinung über mich geändert hat?"

Buffy strich im kurz über die Wange. Sie konnte es auch noch nicht wirklich glauben, dass sie so lange gebraucht hatte zu erkennen, was für ein Mann er tatsächlich war. Und vor allem, dass sie ihn so lange gehasst hatte, für etwas, was er nicht getan hatte. So viel verschwendete Zeit, seufzte sie innerlich auf und zog ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss zu sich herab.

Eine ganze Weile später, erklärte sie ihm von dem Irrtum, der sich mit dem Besuch ihres Vaters aufgeklärt hatte.

„Aber das allein hätte mich nicht dazu gebracht, dich zu einem Kaffee einzuladen", erklärte sie, als er ein wenig enttäuscht aufseufzte.

„Nein?" Seine Augen leuchteten belustigt auf. „Lass mich raten. Es war mein spektakuläres Aussehen und der Liebreiz meines Charakters."

Buffy musste lachen. „Du bist ganz schön eingebildet, hm?", neckte sie ihn ein wenig. „Aber du hast Recht, ein bisschen liegt es auch daran und dann ist da noch eine andere Sache."

„Und die wäre?" Sie merkte förmlich, wie er die Luft anhielt.

„Willow meint, es hätte etwas mit chemischen Reaktionen und Duftstoffen zu tun."

„Grrr", knurrte er gespielt auf und begann sie ein wenig zu kitzeln. Buffy kicherte und versuchte seine Hände zu stoppen. Eins führte zum anderen und sie lagen erneut in einer leidenschaftlichen Umarmung. 

Buffy schmolz unter seinen Zärtlichkeiten und war sich ganz sicher, niemals genug davon zu bekommen. Das war ihr drittes Date mit William. Das Date, auf welches sie bestanden hatte, obwohl sie ihm seit dem zweiten Date hoffnungslos verfallen war. Und auch diesmal hatte er es geschafft, sie mit etwas einfachem, aber doch sehr schönem zu überraschen. Einem Picknick auf seinem Dach.

„Wie bist du nur auf die verrückte Idee gekommen mit dem Picknick?", wollte sie wissen, als sie sich Luft schnappend von ihm löste und auf den Rücken legte. Er sah kurz auf sie herab und schmiegte sich dann an ihre Seite, mit dem Kopf auf ihrer Schulter.

„Ich wollte mit dir die Sterne betrachten?", erwiderte er.

„Ah", lächelte Buffy. Er war ein Romantiker durch und durch.

„Siehst du den da… neben diesen Sternen, die ein Dreieck bilden?" Er hob die Hand und Buffy sah über seinen Zeigefinger geradeaus nach oben in den Sternenhimmel.

„Der neben dem Dreieck und den zweien, die ganz nah beieinander sind?", hakte sie nach.

„Ja. Genau, das ist er. Leuchtet er nicht besonders hell? Er ist der schönste von allen", schwärmte er und kuschelte sich noch ein wenig enger an sie.

„Na ja, ein Stern wie viele andere auch." Buffy fand nichts Besonderes an dem Stern.

„Hey, das ist nicht wahr. Wie kannst du so etwas von Buffy behaupten!", fuhr William in die Höhe.

„Buffy?"

„Ja, Buffy. Der Stern dort oben…" William griff nach hinten, zog ein Stück Papier aus seiner Gesäßtasche und reichte es ihr. Überrascht nahm Buffy es entgegen. Es war ein aufgerolltes Pergament. Neugierig öffnete sie es.

„Eine Urkunde", stellte sie fest, als sie es las. „Eine Urkunde über den Besitz eines Sternes?" Buffy blickte hoch zum Himmel, dann wieder auf das Dokument, zurück zum Himmel und dann in Williams Gesicht. „Du hast mir einen Stern gekauft?"

Schüchtern, weil er sich nicht sicher war, ob sie böse war auf ihn, nickte er.

„Du bist wirklich unglaublich. Weißt du das?" Über Buffys Gesicht huschte ein verlegenes Lächeln. „Ich weiß gar nicht, womit ich das verdient habe."

„Ich würde dir die ganze Galaxie schenken, wenn ich könnte. Aber auf einmal konnte ich es mir nicht leisten und da dachte ich, ich fange mit einem Stern an und arbeite mich dann langsam vor, bis dir das ganze Universum gehört", grinste er und wurde dann plötzlich ernst. „Ich würde alles für dich tun, Baby."

„Warum?", wollte sie mit zitternden Lippen wissen.

„Weißt du das noch immer nicht?"

Für einen Bruchteil einer Sekunde bemerkte Buffy in seinem Blick einen solchen Schmerz, der ihr verriet, dass er unter der kalten Situation, die all die Jahre zwischen ihnen geherrscht hatte, sehr gelitten haben musste. Sie hatte immer nur ihre Seite gesehen, nie seine. Für sie war er ein Ärgernis gewesen, sie hatte ihn gehasst und versucht, mit extra scharfen Chilischoten den Mund zu verbrennen, weil sie dachte, er hätte er verdient. Dabei hatte er immer nur versucht, ihr seine Gefühle zu zeigen. Und da sie es ihm nicht wirklich leicht gemacht hatte, musste er zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Er musste durch die Hölle gegangen sein.

„Doch, Baby, ich weiß es." Sie zog ihn eng an sich und vergrub ihr Gesicht an seinem Hals. „Es war nicht einfach, der dummen Blonden auf die Sprünge zu helfen. Aber weißt du was, jetzt hat sogar sie es verstanden und…" Buffy sah hoch in seine blauen, sie so hoffnungsvoll anblickenden Augen.

„Ja?", hakte er nach.

„… und jetzt gibt sie dich nie wieder her", lächelte sie und zog ihn zu einem Kuss an sich heran.

Bevor sich ihre Lippen trafen, schloss William die Augen und murmelte leise „Ich liebe dich, Buffy."

„Ich liebe dich auch."

 

ENDE