Titel: Changing minds
Autor: Silentthunder
Inhalt: Buffys großer Kampf gegen einen Dämon…und gegen sich selbst.
Altersfreigabe: keine
Teile: 1
Beta: Lorias
Storypic: Silentthunder
Hauptcharakter(e): Buffy/Spike

 

Changing Minds

 

Dicke Regenwolken hingen über dem Nachthimmel von Sunnydale und waren nur dann für die kurze Zeit sichtbar, wenn ein Blitz das Dunkel für Sekunden erhellte. Regentropfen prasselten auf den schon vollkommen durchweichten Boden und Buffy stellte den Mantelkragen auf. Ihr war kalt und auch die Wollmütze, die sie eigentlich warm halten sollte, war triefend nass. Das Regenwasser daraus perlte ihren Nacken herab und lief ihren Rücken herunter.

Sie schüttelte sich. Seit Stunden lief sie jetzt auf der Suche nach dem Gnorl durch die Stadt. Gefunden hatte sie nichts. Giles würde den Rest seiner guten Laune verlieren, wenn sie wieder ohne jegliche Informationen zurück in die Magic Box kommen würde.

Seit vielen Tagen versuchten sie das Versteck des Dämons ausfindig zu machen, aber wann immer sie ihm auch nur ein kleines bisschen näher kamen, verschwand er und tauchte an einem anderen Ende der Stadt wieder auf.

Buffy hasste dieses Monster, obwohl sie ihn nie zu Gesicht bekommen hatte. Sie kannte nur die Abbildungen aus Giles alten Büchern und sie hoffte, die Illustratoren hätten einen ordentlichen Schwung Übertreibung mit eingebaut.

Heute, wo das Wetter so verrückt spielte, hatte Buffy darauf bestanden, alleine auf die Jagd zu gehen.

„Es reicht, wenn einer von uns nass wird", hatte sie Xander gebremst, der schon seine Jacke in die Hand genommen hatte.

„Es wäre nicht das erste Mal", hatte der Dunkelhaarige erwidert. „Ich bin schon öfter nass geworden. Außerdem habe ich nichts anderes zu tun. Anya nervt Giles nun schon seit Tagen wegen der Inventur und das werde ich mir heute Abend bestimmt nicht antun."

„Mag sein", hatte sie erwidert. „Aber du kannst mir einen großen Gefallen tun. Dawn ist alleine zuhause und sie wollte unbedingt schon den Weihnachtsschmuck vom Dachboden holen. Vielleicht könntest du ihr helfen."

„Das ist eine Abfuhr der übelsten Sorte", hatte Xander gemeint und sie fragend angesehen. „Gibt es einen speziellen Grund dafür, warum du mich nicht mitnehmen willst?"

„Nein. Nicht wirklich. Aber so langsam schlägt der Gnorl mir auf den Magen. Ich möchte einfach mal alleine sein."

„Kein Problem", hatte Xander schulterzuckend geantwortet. „Dann gehe ich zu Dawnie und spiele den Weihnachtself. Besser als hier ist es dort auf jeden Fall."

Buffy hatte gelacht und sich dann schnell verabschiedet. Es war keine Lüge gewesen, mit der sie ihren besten Freund abgespeist hatte. Dieser Dämon machte sie langsam verrückt und sie fühlte sich beinahe gekränkt, dass sie als Jägerin es noch nicht geschafft hatte, ihn zu vernichten. In einer Woche war Weihnachten und sie schwor sich, dass er spätestens dann Staub war. Oder was immer auch von ihm übrig bleiben würde.

Jetzt stapfte sie hier über den Friedhof und war nass bis auf die Haut. Spikes Gruft wurde von einem der Blitze beleuchtet und sie überlegte, ob sie vielleicht einmal bei ihm vorbeischauen sollte. Immerhin hatte sie ihn seit Tagen nicht gesehen und manchmal war es ratsam, ihn von Zeit zu Zeit zu kontrollieren. Er hatte das unschlagbare Talent, sich immer und immer wieder in irgendwelche Schwierigkeiten zu manövrieren.

Leise schlich sie auf Zehenspitzen auf den Eingang der Gruft zu. Warum genau sie das tat, wusste sie selbst nicht genau. Schritte waren auf dem nassen Rasen keine zu hören. Höchstens das Wasser, dass sie mit ihrem Gewicht verdrängte und das leise gurgelnd auseinander spritzte.

Ganz im Gegensatz zu ihrer gewöhnlich rüden Art, schob sie die alte Holztür langsam auf und blickte neugierig in das Innere. Spike stand neben seiner Mikrowelle und rührte gemütlich in einer Tasse. Sie vermutete, dass der Inhalt aus Blut bestand, aber bei dem blondierten Vampir wusste man das nie so genau. Es konnte ebenso gut Kakao sein.

Die Jägerin zuckte mit den Schultern und war gerade im Begriff, über die Schwelle treten, als sie stockte. Das konnte ja wohl nicht wahr sein. Spike sang. Leise zwar, aber es war ganz sicher ein Weihnachtslied und er schien völlig in Gedanken versunken zu sein.

Buffy lehnte sich an die Türzarge und lauschte seiner Stimme. Verwundert stellte sie fest, dass er sehr gut singen konnte und sie konnte nicht anders, sie summte leise mit.

„Rudolph the Red-Nosed Reindeer had a very shiny nose, and if you ever saw it you would even say it glows", sang er munter vor sich hin. "All of the other reindeers used to laugh and call him names; they never let poor Rudolph join in any reindeer games."

Buffy grinste und erschrak dann, als er sie plötzlich ansprach. „Slayer, wenn du da schon so dumm in der Tür stehst, dann sing jedenfalls mit!"

„Eigentlich wollte ich dir viel lieber zuhören." Buffy schritt die kleine Treppe herunter und schloss die Tür hinter sich. „Warum singst ausgerechnet du Weihnachtslieder?", fragte sie ihn und blieb direkt vor ihm stehen.

„Warum sollte ich nicht?", erwiderte er ihre Frage. „Das ist jedes verdammte Jahr das gleiche. Egal, wo man hinkommt. Überall wird diese dämliche Weihnachtsmusik gedudelt und irgendwann ist es dann soweit, dass man selber singt." Und da Buffy ihn merkwürdig ansah, sprach er schnell weiter. „Ist auch egal. Was führt dich in deinem Schwimmanzug zu mir?"

„Schwimmanzug", wiederholte Buffy seinen Ausdruck und sah an sich herunter. „Ja, ganz viel fehlt wirklich nicht mehr." Sie schälte sich aus ihrem nassen Mantel und ließ ihn achtlos auf den Fußboden fallen. „Warum ist es so warm hier?"

„Ich habe letzte Woche ganz zufällig einen elektrischen Heizkörper gefunden", grinste Spike verschmitzt. „Angenehmer als diese elende Kälte."

„Kann ich mir vorstellen", meinte Buffy und stellte sich näher an die wärmende Quelle. „Du hast nicht zufällig eine trockene Jacke für mich?"

„Keine Ahnung. Meinen Mantel bekommst du mit Sicherheit nicht", sagte Spike. „Warum ziehst du deine nassen Klamotten nicht einfach aus und wir legen sie hier zum Trocknen über den Heizkörper."

„Haha", machte Buffy. „Ganz klar. Als würde ich jemals…"

Spike stoppte sie, bevor sie weiter reden konnte. „Vergiss es einfach. Ich hab mich wohl von dieser bescheuerten Weihnachtsstimmung anstecken lassen. Nimm deine verdammte Jacke und verschwinde."

„Entschuldige", murmelte Buffy verwundert. ‚Was ist denn nun los?’, wunderte sie sich. ‚Keine blöden, sexistischen Sprüche? Kein dämliches Grinsen?’

„Vergiss es", wiederholte Spike seine Worte und drehte sich weg. „Willst du auch einen Kakao?"

„Ja, gerne. Etwas Warmes kann ich wirklich gut gebrauchen."

„Zieh jedenfalls den dämlichen Pullover aus und leg ihn über den Heizkörper. Da vorne liegen saubere T-Shirts von mir", murmelte er leise, ohne sich umzudrehen. Er kramte eine weitere Tasse aus dem Schrank und öffnete seinen Kühlschrank. „Mit Marshmallows?"

„Mir egal", nuschelte Buffy undeutlich. Ihr Pullover hatte sich mit Regenwasser voll gesogen und sie hatte alle Mühe, ihn überhaupt über den Kopf zu bekommen. ‚Warum mache ich das eigentlich?’, fragte sie sich. ‚Warum gehe ich nicht einfach nach Hause?’ Sie warf einen raschen Blick auf den Vampir, aber der kramte in einer Schublade und so zog sie sich eiligst eins seiner Shirts über.

„Warum bist du hier?", fragte Spike dann auch prompt.

„Zufall", erwiderte Buffy und wrang das nasse Kleidungsstück aus. „Eigentlich suche ich immer noch diesen dämlichen Gnorl." Sie legte den Pullover auf die Heizung und reckte sich.

„Ach, guck an", lachte der Vampir.

„Ja. Giles macht mich wahnsinnig, aber mehr als suchen kann ich auch nicht."

„Ach, was hat es denn, dein Wächterlein?", triezte der Vampir. „Warum hat er denn so schlechte Laune?"

„Es ist ganz einfach", erwiderte Buffy und setzte sich auf das Sofa. „Wir haben zu viele Tote. Außerdem war wohl jemand Bekanntes unter den Opfern. Ich habe einfach zu wenige Informationen. Wann immer ich dem Mistvieh auf die Spur komme, verschwindet es von der Bildfläche."

„Jetzt nicht mehr", grinste er.

„Was soll das heißen, jetzt nicht mehr?", fragte Buffy und nahm ihm dankbar die dampfende Tasse ab.

„Tja, nun… Er ist mir vor ein paar Tagen zufällig über den Weg gelaufen und… Wie soll ich sagen. Seinen Hörnern wird eine hohe Heilkraft zugeschrieben…"

„Du hast ihn gekillt und verkauft?" Buffy verschluckte sich beinahe. „Das kann ja wohl nicht wahr sein! Warum lässt du mich dann durch die gesamte Stadt laufen? Du hättest mir jedenfalls sagen können, dass der Mistsack Geschichte ist."

„Ich habe ja nicht mal gewusst, dass du Jagd auf ihn machst", erwiderte Spike und lachte. „Jedenfalls ist es vorbei und du kannst deinem Wächter morgen mitteilen, dass es vorbei ist."

„Und du hast ihn wirklich verkauft?", fragte sie ungläubig.

„Nur die Hörner", lachte Spike. „So ein Geschäft kann ich mir nicht entgehen lassen. Jedenfalls kannst du dem säuerlichen Wächter sagen, dass das Thema Gnorl sich erledigt hat."

„Immerhin etwas", murmelte Buffy. „Vielleicht kann ich dann einmal in Ruhe Weihnachten feiern."

„Macht ihr wieder eine Weihnachtsfeier?" Seine Stimme sollte möglichst beiläufig klingen, aber Buffy hatte ihn sofort durchschaut.

„Ja, wie immer an Heiligabend. Jede Menge Essen, Geschenke auspacken… Solchen Krempel halt", zählte sie auf und gähnte dann ausgiebig. „Willow und Tara haben versprochen zu kochen. Es muss also niemand Angst vor einer Lebensmittelvergiftung haben."

Spike grinste, drehte seinen Fernsehsessel und setzte sich ihr gegenüber. „Hört sich ja mächtig spannend an."

„Das wirst du selbst herausfinden müssen. Immerhin bist du auch eingeladen."

„Bin ich?", fragte er und konnte seine Überraschung kaum verbergen.

„Ja. Wir haben lange darüber diskutiert, aber…auch wenn du ein Vampir bist und eigentlich… Jedenfalls stehst du, zumindest zeitweilig, auf der Seite der Guten und deshalb… Jedenfalls bist du eingeladen."

Spike antwortete nicht. Im Grunde wusste er auch so, was die Jägerin mit ihrem Gestotter sagen wollte. Er stand auf der Seite des Guten, wenn auch nicht freiwillig. Aber was sie nicht wusste, war, dass er es nicht ändern würde, selbst wenn er einmal die Gelegenheit hätte, diesen blöden Chip entfernen zu lassen.

‚Wie oft habe ich versucht, es ihr zu erklären? Wie oft habe ich ihr gesagt, dass ich sie liebe? Vielleicht kann sie es einfach nicht verstehen’, überlegte er traurig. ‚Vielleicht will sie es nicht begreifen.’

„Ob mein Pullover wohl schon trocken ist?", riss Buffy ihn aus seinen Gedanken.

„Das glaube ich kaum", sagte er und seine Stimme klang härter als geplant. „Er liegt noch keine fünf Minuten da und außerdem ist es eine Heizung und kein Backofen."

„Ich weiß", gähnte Buffy. „Aber die letzten Nächte waren sehr kurz und ich sollte dringend ins Bett."

Ja, solltest du’, stimmte er ihr gedanklich zu. ‚In meins.’ Er stand auf, kramte in einer Truhe und überreichte ihr eine Decke. „Du zitterst. Nimm die solange. Wenn du dich jetzt erkältest, verbringst du Weihnachten mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus."

„Danke", murmelte Buffy und gähnte wieder. Sie musste aufpassen, nicht einfach einzunicken. Die letzte Woche war hart gewesen. Mehr als zwei Stunden Ruhe waren kaum möglich gewesen und so langsam machte sich der Schlafmangel bemerkbar. Sie kuschelte sich in die Decke und lehnte sich zurück. Wieder gähnte sie ausgiebig und ob sie wollte oder nicht, die Anspannung löste sich in Luft auf und sie schlief friedlich ein.

2

Nur langsam und äußerst widerwillig wurde Buffy wieder wach. Es war viel zu warm und viel zu gemütlich, um so früh am Morgen schon in die Realität zurückzukehren. Nur in ihrem Rücken störte etwas. Etwas drückte. Wahrscheinlich hatte sie wieder einmal ihre Decke und ihr Kissen durcheinander gebracht und sie versuchte die Sache mit einem kräftigen Ellenbogenstoß zu erledigen.

Aber das, was sie traf, war hart und so öffnete sie die Augen. Sekunden später stand sie senkrecht und schluckte heftig. Das, was sie getroffen hatte, war die Rücklehne von Spikes Sofa gewesen und sie schluckte wieder. Wie hatte das nur geschehen können? Sie war eingeschlafen! Auf Spikes Sofa! Rasch schaute sie an sich herunter und stellte mit Erleichterung fest, dass sie noch immer komplett angezogen war.

Nun, komplett war etwas übertrieben. Spike hatte ihr scheinbar Stiefel und Socken ausgezogen und sie zum Trocknen auf die Heizung gelegt, beziehungsweise gestellt. Von dem Vampir selber war allerdings nichts zu sehen und so schlich Buffy zu der Leiter, die in sein so genanntes Schlafzimmer führte. Lautlos blickte sie hinab und sah ihn ausgestreckt auf seinem Bett liegen. Anscheinend schlief er tief und fest, denn er bewegte sich keinen Millimeter und sie atmete erleichtert auf.

So leise wie möglich huschte sie zurück, nahm ihre jetzt trockenen Sachen von dem bullernden Heizkörper und zog sich schnell an. Sie hatte keine Ahnung, was sie Dawn, Tara und Willow sagen sollte, wenn diese nach ihrem Verbleiben fragen sollten. Sie warf einen letzten Blick zurück und verschwand dann eiligst aus der Gruft.

 

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Die Jägerin lief durch die noch menschenleeren Straßen Sunnydales und fragte sich immer und immer wieder, wie das hatte vorkommen können. Sicher, sie war müde gewesen. Aber war sie auch so müde gewesen, dass sie bei einem Vampir auf dem Sofa einschlafen konnte? Unglaublich!

Etwas später stand sie an der Verandatür, legte das Ohr an die Scheibe und lauschte. Vermeintlich hatte sie Glück und alle schliefen noch seelenruhig.

„Oh, Buffy. Du bist auch schon wach?", fragte Dawn, die in die Küche kam, als sie gerade die Tür schließen wollte.

„Ähm. Ja. Ich habe nicht so besonders geschlafen", log sie prompt.

„Und wo willst du jetzt schon hin?", fragte ihre kleine Schwester weiter. „Du hast Urlaub und selbst für die Arbeit wäre es noch viel zu früh."

Lass dir was einfallen’, befahl sie sich. „Ich wollte Brötchen holen. Irgendwie habe ich da gerade Hunger drauf."

„Klasse Idee", freute sich die Jüngere. „Kannst du mir ein Croissant mitbringen?"

„Sicher", erwiderte Buffy und gähnte herzhaft.

„Danke. Soll ich Tara und Willow fragen, ob sie etwas Besonders möchten?"

„Brauchst du nicht, Ich weiß ja was die Beiden mögen", entgegnete Buffy und seufzte leise. Eigentlich hatte sie keine Lust, jetzt wieder hinaus zu müssen, aber dank ihrer Lüge blieb ihr nichts anders übrig. „Ich bringe einfach von allem etwas mit. Bis gleich."

„War das Buffy?", hörte sie durch die geschlossene Tür und sie blieb stehen, um zu lauschen.

„Ja, sie holt Brötchen", erklärte Dawn.

„Ich habe mich schon gewundert", sagte die Hexe.

„Worüber?"

„Ich war gerade in ihrem Zimmer. Ich wollte wegen des Essens an Heiligabend etwas nachfragen und da habe ich gesehen, dass ihr Bett unberührt ist. Ich dachte schon, sie wäre vielleicht gar nicht nach Hause gekommen."

„Ich weiß nicht, wann sie letzte Nacht hier war. Ich habe sie nicht kommen hören, aber sie meinte, sie hätte nicht gut geschlafen. Sie ist bestimmt schon lange wach", vermutete Dawn.

Buffy hatte genug gehört. Wie es aussah, hatte sie Glück und niemand würde sie mehr nach letzter Nacht fragen. Sie musste nur Spike unbedingt erwischen, bevor jemand anders mit ihm reden konnte. So wie sie ihn kannte, würde er liebend gerne die große Plaudertasche spielen und laut herausposaunen, dass die Jägerin bei ihm übernachtet hatte.

Verdammt noch mal’, schimpfte sie mit sich selbst. ‚Wie kann man nur so blöde Sachen machen?’

Ihre Gedanken wanderten wieder zu dem blondierten Vampir. Warum hatte er sie nicht einfach wieder geweckt und nach Hause geschickt? Musste er so nett sein, sie einfach schlafen zu lassen? Überhaupt benahm er sich in letzter Zeit sehr merkwürdig.

Na ja, es ist Spike. Der ist immer merkwürdig’, überlegte sie und ihre Schritte führten sie ganz automatisch in die richtige Richtung.

Merkwürdig hin oder her. Sicher, er hatte oft versucht, ihr seine Gefühle zu erklären aber das erklärte sein momentanes Verhalten nicht. Immerhin stritten sie sonst auch um jeden Mist. Augenblicklich war er fast zu freundlich und Buffy überlegte, ob es vielleicht an Weihnachten lag.

Sie schüttelte den Kopf. Das war Blödsinn. Er war ein Vampir und ihm würde das Fest der Liebe herzlich wenig ausmachen. Also, was war es dann?

Warum machst du dir deswegen eigentlich einen Kopf? Das einzig Wichtige ist, dass ich ihm verbiete, anderen zu erzählen, dass ich bei ihm übernachtet habe.’

 

                                                                *********************

 

„Spike! Spike, bist du da?", rief sie in die Dunkelheit der Gruft. Das war bereits die dritte Nacht in Folge, in der er nicht zu Hause war. Dieses Mal jedoch war sie schlauer gewesen und sie hatte sich eine Taschenlampe mitgebracht. Rasch durchsuchte sie die alte Grabstätte und blieb schließlich vor dem Couchtisch stehen. Die beiden Kakaotassen standen noch immer dort und auch sonst hatte sich nichts verändert. Gar nichts. Der Heizkörper bullerte noch immer auf höchster Stufe und so langsam kam man sich vor wie in einer Sauna.

„Verdammt! Wo bist du abgeblieben?"

Sicher, der Vampir war nicht unbedingt für seine Ordnungsliebe bekannt, aber selbst er hätte die Tassen längst weggeräumt, wenn er die Gelegenheit dazu gehabt hätte.

Aus der Stadt verschwunden war er definitiv auch nicht, denn sein heiß geliebter Mantel hing über der Sessellehne und seine anderen Sachen waren auch noch alle an seinem Platz.

„Okay, das reicht jetzt", sagte sie in die Stille der Gruft. „Dann werde ich wohl den Rest der Scoobies informieren müssen. Mal gucken, was die sagen, wenn wir einen Vampir suchen müssen."

 

                                                           **************************

 

„Was soll das heißen, Spike ist weg?", fragte Xander und griff nach dem letzten Donut auf dem Tisch der Magic Box.

„Das heißt, er ist verschwunden", meinte Buffy und ließ sich auf einen Stuhl fallen.

„Und deswegen machst du dir Sorgen?", bohrte Xander weiter. „Wir reden hier von Spike. Der kommt und geht, wann er will."

„Da stimme ich zu", sagte Giles, ohne von seinem Buch aufzusehen. „Er verschwindet ja öfter mal von der Bildfläche."

„Dieses Mal ist das anders", erklärte Buffy.

„Warum?", fragte Tara leise.

„Nun, ihr kennt ihn alle. Glaubt ihr, er würde ohne seinen Mantel verschwinden? Nicht, dass ihm Kälte etwas ausmachen würde, aber mal ehrlich…"

„Sein Ledermantel ist noch da?", wiederholte Willow und zog die Augenbrauen hoch. „Das ist allerdings mehr als merkwürdig."

„Ohne das Ding geht er doch sonst nirgends hin", warf jetzt auch Anya ein. „Glaubt ihr wirklich, ihm könnte etwas zugestoßen sein? Immerhin ist er ein Vampir. Dem passiert so leicht nichts."

„Wann hast du das letzte Mal mit ihm gesprochen?", mischte sich nun auch der Wächter ein. Die Sache mit dem Mantel hatte auch ihn stutzig gemacht.

„Vor drei Tagen. Oder besser Nächten", sagte Buffy. „Ich war bei ihm und wollte fragen, ob er wüsste, wo ich den Gnorl finden kann."

„Hat er den nicht verkauft?", unterbrach Xander.

„Ja. Nein. Nur die Hörner."

„Sehr geschäftstüchtig", lobte Anya und zuckte mit den Schultern, als alle Anwesenden sie ansahen. „Was denn? Stimmt doch."

„Hat er sich mit irgendwem angelegt?", fragte Xander weiter. „Das wäre für ihn auch nichts Besonderes."

„Ich weiß es nicht. Aber selbst wenn er eine Schlägerei gehabt hätte, dann wäre er doch irgendwann mal wieder zurück in seine Gruft gegangen."

„Stimmt", gab Willow ihr Recht. „Wo kann er dann sein?"

„Wenn ich das mal wüsste", seufzte Buffy.

„Machst du dir gerade im Moment nicht ein paar Sorgen zu viel?", erkundigte sich Xander mit hochgezogenen Augenbrauen.

Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille im Laden und Giles nahm seine Brille ab, um sie zu polieren.

Der Junge hatte da gerade ein Thema angeschnitten, über das er sich selbst schon so einige Gedanken gemacht hatte. Sicher, Buffy und Spike zankten sich wie die Kesselflicker, aber sie waren sich auch schnell eilig, wenn es um einen Kampf ging. In letzter Zeit allerdings … Giles seufzte. ‚Ich hoffe, sie trifft die richtige Entscheidung.’

„Hat jemand eine Idee, wo wir ihn suchen sollten?", unterbrach Willow die Stille.

„Nein, keinen blassen Schimmer", sagte Buffy leise.

Die Türglocke klingelte und Buffy sah ihre kleine Schwester aufgeregt in den Zauberladen stürmen. „Habt ihr schon die Nachrichten gehört", rief sie beunruhigt.

„Nein. Warum?", fragte Buffy.

„Es hat wieder Tote gegeben. Diesmal im Hafenviertel und wenn ihr mich fragt, dann ist der Gnorl jetzt da wieder aufgetaucht."

„Das kann aber nicht sein", erklärte Xander. „Spike hat ihn gekillt und verkauft."

Dawn verzog das Gesicht. „Verkauft? Ist auch egal. Dann haben wir ein neues Monster in Sunnydale."

„Ich schau mal, was ich für Informationen erhalte", sagte Willow und klappte ihr Laptop auf.

„Noch jemand eine Tasse Tee?", fragte Giles und stand auf. „Nein. Gut, dann nicht."

„Oh", entfuhr es der rothaarigen Hexe wenige Sekunden später. „Wenn der Gnorl tot ist, dann hat er wohl seine Familie mitgebracht. Oder was ähnliches."

„Was meinst du?", fragte Buffy, stand auf und trat nah an ihre Freundin heran. Sie starrte auf den Monitor und verzog angewidert das Gesicht. Die Autopsiefotos waren nicht gerade nett anzusehen, aber sie verstand nun, was Willow damit meinte.

Giles, Tara und Xander bauten sich hinter Buffy und Willow auf und warfen ebenfalls einen Blick auf das, was die Rothaarige im Netz aufgerufen hatte.

„Verdammt. Jetzt wird mir einiges klar", entfuhr es Buffy. „Deswegen konnten wir ihn nicht aufspüren."

„Was meinst du?", fragte Xander.

„Es sind zwei. Mindestens." Die Jägerin schlug sich gedanklich vor die Stirn.

„Zwei was?", forschte Xander weiter.

„Natürlich", sagte jetzt Giles. „Wie konnten wir das übersehen?"

„Könnte mich bitte mal jemand aufklären", motzte der Dunkelhaarige.

„Es sind zwei Dämonen. Vielleicht auch mehr. Deswegen haben wir immer die Spuren verloren. Sie passten nicht zueinander, weil wir nicht einem Monster auf den Fersen waren, sondern zweien." Willow runzelte die Stirn. „Kann es sein, dass es Gnorl Nummer zwei nicht gefallen hat, was Spike seinem Artgenossen angetan hat?"

„Dann ist er schon Staub", prophezeite Anya. „Ich hätte früher auch nicht lange gefackelt, wenn jemand meinen Freunden etwas… Ja, schon gut. Ich bin ja schon still!"

„Jetzt wird es schwer", sagte Giles leise und blickte seiner Jägerin prüfend ins Gesicht.

„Ich weiß", erwiderte Buffy, ohne mit der Wimper zu zucken. „Finde ich den neuen Gnorl, dann finde ich vielleicht auch Spike." Sie nahm ihre Jacke von der Stuhllehne und verschwand, bevor einer der anderen Anwesenden reagieren konnte.

„Ähm…", murmelte Xander leise. „Gibt es noch jemanden, der das gerade merkwürdig fand?"

Niemand antwortete. Er starrte in die ausdruckslosen Gesichter seiner Freunde und seufzte. ‚Wenn das mal gut geht!’

3

Die Nacht war feucht und sehr kalt für diese Breitengrade. Es war nahe am Gefrierpunkt und Buffy schüttelte sich. Ein dichter Nebel hatte sich über die ganze Stadt gelegt, hüllte sie ein und versteckte alles Dunkle und Böse. Die bunt beleuchteten Weihnachtsdekorationen der Geschäfte leuchteten gespenstisch durch das Wabern der Nebelschwaden und selbst die Stimmen der wenigen Passanten, die um diese Zeit noch unterwegs waren, klangen dumpf und hohl.

Missmutig stapfte Buffy durch die dunklen Straßen, stets darauf bedacht, ihr mächtiges Breitschwert vor den neugierigen Blicken der Menschen zu verstecken. Wieder einmal war sie alleine unterwegs und das war vielleicht auch besser so. Ihre schlechte Laune war kaum noch zu ertragen und das wusste sie genau. Auch ein Grund dafür, dass sie im Moment gut auf Gesellschaft verzichten konnte. Warum genau sie so mies drauf war, konnte sie selbst nicht sagen, aber es war schrecklich. Immerhin war bald Weihnachten und da sollte man gut zufrieden und glücklich sein.

Ja, Weihnachten und Spike ist verschwunden’, dachte sie und ihre Gedanken wanderten zurück.

Zwei Tage waren bereits vergangen nach dem bewussten Abend in der Magic Box. Der Abend, an dem ihnen klar geworden war, dass sich ein weiterer Gnorl-Dämon in Sunnydale herumtrieb.

Und insgesamt sind es jetzt fünf Tage, seitdem Spike verschwunden ist’, überlegte sie genervt.

Die vergangenen beiden Tage hatte ihre Freunde, ihr Wächter und sie selbst damit verbracht, staubige alte Bücher zu wälzen und über die Berichte zu diskutieren, die ständig durch die Nachrichten liefen. Die lächerlichste Meldung brachte jedoch der lokale Fernsehsender. Ein Rudel wilder Hunde sollte für den Tod dreier Menschen verantwortlich sein.

‚Ganz klar’, schnaubte Buffy wütend. ‚Hunde, die ihr Opfer über eine Meile weit verschleppen und dann sorgsam darauf achten, nur die Innenorgane zu verspeisen. Wie dämlich sind die Menschen dieser Stadt eigentlich?’

Wütend trat sie gegen eine der Blechmülltonnen, die am Straßenrand standen, und beförderte sie mehrere Meter weit auf die Straße. Laut polternd rollte das schwere Ding über den Asphalt und verschreckte eine Katze, die in der Nähe ihr Versteck gefunden hatte.

‚Fünf Tage’, schoss es ihr wieder durch den Kopf und sie verzog das Gesicht. Sie war schlau genug, zu wissen, dass der Vampir keinerlei Überlebenschancen mehr hatte, wenn er tatsächlich in der Gefangenschaft des Gnorls war. Es war einfach zu viel Zeit vergangen und der Dämon hatte ihn bestimmt nicht aus Spaß entführt.

Zumindest wusste sie jetzt, wie sie dieses grässliche Wesen vernichten konnte. Die stundenlange Recherche hatte schließlich doch ihr Gutes gehabt, als Tara einen von Giles uralten Wälzer durchforstet hatte. Sie brauchte dem Dämon nur die Hörner abschlagen, dann hatte sich das Thema erledigt.

Genau aus diesem Grund schleppte sie ja auch das Schwert mit sich herum. Es fehlte nur der Feind, der es immer und immer wieder schaffte, zu entkommen und sich praktisch in Luft aufzulösen. Das Schlimme daran war, es reichte nicht, den Gnorl einfach zu vernichten. Sie musste seinen Unterschlupf kennen. Wenn überhaupt, dann war Spike dort. ‚Er muss da sein’, überlegte sie missmutig. ‚Er muss einfach!’ Und wieder wanderten ihre Gedanken in der Zeit zurück.

 

                                                                ******************

 

„Glaubst du nicht, du übertreibst langsam?", hatte Xander sie gefragt, kurz, bevor sie die Magic Box verlassen hatte.

Erst hatte sie nicht gewusst, was sie antworten sollte, dann war sie wütend geworden. „Wenn das Mistvieh dich geschnappt hätte, sollte ich dann auch mit Suchen aufhören?", hatte sie ihren besten Freund angeschrieen.

„Ich bin aber auch kein Vampir mit einem Chip im Kopf", hatte dieser heftig erwidert.

„Und trotzdem gehört er jetzt zu uns", war Willow Buffy zu Hilfe geeilt. „Zumindest im Moment."

Ein paar Minuten später hatte die Rothaarige sie dann beiseite genommen. „Alles in Ordnung mit dir? Du benimmst dich schon etwas…etwas eigenartig in letzter Zeit."

„Ich weiß auch nicht. Es ist alles so…so bizarr", hatte Buffy geseufzt und sonderbarerweise hatte Willow wissend genickt.

„Ich verstehe", hatte sie gesagt und ihr tröstend auf die Schulter geklopft. „Du wirst ihn schon finden."

 

                                                                *****************

 

Was weiß Willow eigentlich, was ich nicht weiß?’, überlegte Buffy nun und bog um die nächste Hausecke. ‚Warum mache ich mir überhaupt so viele Sorgen? Er ist und bleibt ein Vampir. Verdammt! Er ist über hundertzwanzig Jahre alt, er sollte nicht mehr in solche Schwierigkeiten rauschen.’

Anscheinend war sie inzwischen komplett verrückt geworden, aber in zwei Tagen war Heiligabend und dann sollte er zuhause sein. Was auch immer das heißen sollte. Wenn sie ihn finden sollte und er nicht in Gefahr war, sondern nur eine seiner komischen Sauftouren machte, dann würde sie ihn grillen. Ganz sicher!

„Vielleicht sollte ich noch einmal bei Willi vorbeischauen", murmelte sie leise vor sich hin. Buffy war inzwischen zwar schon unzählige Male dort gewesen, aber vielleicht hatte der schmierige Barbesitzer ja jetzt ein paar Informationen, mit denen sie etwas anfangen konnte.

‚Und wenn nicht, dann kann ich immer noch die Einrichtung zu Kleinholz verarbeiten. Die richtige Laune habe ich dafür!’ Sie setzte einen grimmigen Gesichtsausdruck auf und verschwand in der wabernden Dunkelheit.

 

                                                           **********************

 

„Findet ihr nicht auch, dass Buffy sich momentan äußerst seltsam verhält?", fragte Xander in den Raum. Sein Blick wanderte von Einem zum Anderen und stoppte schließlich bei Giles.

„Ähm, ich weiß nicht genau, worauf du hinaus willst", redete sich der Wächter heraus. Er nahm seine Brille ab und polierte sie ausgiebig.

„Warum ist sie seltsam, bloß weil sie sich Sorgen macht?", fragte Tara leise.

„Weil sie sich Sorgen um einen Vampir macht", erwiderte Xander hitzig. „Bin ich der Einzige, der das nicht vergessen hat?"

„Vergessen hat das keiner von uns", sagte Willow sanft. „Aber du bist der Einzige, der sich darüber aufregt."

„Wir werden es nicht verhindern können", meldete sich nun der Wächter leise zu Wort und setzte seine Brille wieder auf.

„Was können wir nicht verhindern?", fragte Xander verwirrt und runzelte die Stirn. Dann hatte er begriffen, was Giles meinte und schüttelte wild den Kopf. „Nein! Das kann nicht ihr Ernst sein!", krächzte er und wandte sich dann Willow zu. „Hat sie dir etwas darüber gesagt?"

„Nein, das hat sie nicht", antwortete die Hexe ruhig. „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie es selber schon weiß."

„Sie weiß was nicht?", erkundigte sich nun Anya, die bisher stumm über ihrer Buchführung gesessen hatte.

„Nun", überlegte Willow ihre nächsten Worte. „Das sich ihre Gefühle für Spike verändert haben."

„Dass die Beiden sich lieben, sieht doch jedes Kind", erwiderte Anya und zuckte mit den Schultern. „Also ehrlich", sagte sie nach einem Blick in Xanders entsetztes Gesicht. „Das ist doch wirklich klar. So wie sie miteinander umgehen."

„Aber das geht doch nicht", schimpfte der Dunkelhaarige böse. „Er ist ein Dämon. Er ist ein Killer!"

„Ich war auch ein Dämon", erinnerte ihn Anya mit hochgezogenen Augenbrauen. „Das scheint dich nicht sonderlich zu stören."

„Das ist was ganz anderes", winkte er ab. „Du hast keinen Chip im Kopf, der dich aufhält, ein Blutbad anzurichten. Er schon! Das Ding kann jederzeit ausfallen!"

„Hast du dich vielleicht mal gefragt, ob ich mir die alten Zeiten zurückwünsche?", fragte Anya und verschränkte ihre Arme wütend vor der Brust. „Was ihr alle nicht sehen wollt, ist, dass Spike nicht Angel ist. Aber wahrscheinlich begreift ihr das nie. Spike ist ein Vampir! Sicher. Und trotzdem kann man ihn nicht mit anderen Vampiren vergleichen. Oh, verdammt. Immer dieses Schubladendenken. Er ist ein Vampir, also ist er böse."

„Er ist böse", sagte Xander ernst und starrte seine Freundin giftig an. „Er hat schon hunderte von Menschen getötet und das war nur Spaß für ihn."

„Ich bin tausend Jahre älter", keifte Anya. „Was glaubst du, wie viele Menschen ich umgebracht habe?"

„Das hilft uns jetzt nicht weiter", stoppte Giles laut die drohende Auseinandersetzung der Beiden.

„Aber was hilft uns weiter?" Willow seufzte und ergriff die Hand ihre Freundin.

„Also", sagte Tara leise. „Wir wissen, wie wir den Gnorl vernichten können. Was wir nicht wissen, ist, wo er sich aufhält. Das ist das größte Problem, richtig?"

„Ja", sagte Giles schlicht und griff nach einem der unzähligen Bücher auf dem Tisch. „Es gibt nicht gerade viele Berichte über diese Dämonenrasse."

„Richtig", stimmte Willow nickend zu. „Buffy sucht seit zwei Tagen die ganze Stadt ab und hat noch immer nichts entdeckt."

„Ich habe schon etwas länger darüber nachgedacht", meldete sich Tara leise wieder zu Wort. „Buffy war so ungefähr überall, aber nicht auf dem Friedhof, auf dem auch Spikes Gruft ist."

Giles kam langsam auf sie zu. „Was sollte sie da?"

„Na ja", murmelte Tara. „Spike ist ein Vampir und dementsprechend kräftig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gnorl ihn durch die ganze Stadt schleppt."

„Keine schlechte Idee", überlegte Giles und rieb sich das mittlerweile stoppelige Kinn. „Wir sollten Buffy informieren."

„Und was dann?", fragte Xander.

„Wir werden unsere Waffen zusammenpacken und dorthin gehen", erklärte der Wächter. „Wir werden versuchen, Buffy zu unterstützen."

„Soll ich Dawn auch anrufen?", erkundigte sich Willow.

„Lass sie doch einfach zu Hause bleiben", meinte Tara sofort. „Sie ist momentan sehr beschäftigt mit der Weihnachtsdekoration für das Haus und so eifrig bei der Sache. Ich weiß auch nicht, wie sie damit umgehen würde, wenn wir feststellen müssen, dass Spike nicht mehr lebt."

„Was für alle Beteiligten vielleicht das Beste wäre", murmelte Xander leise und fing sich dafür giftige Blicke von Willow, Tara und vor allem von Anya ein.

„Also", sagte die rothaarige Hexe. „Also warten wir jetzt auf Buffy und dann packen wir zusammen, was wir brauchen und fahren zum Friedhof." Sie wandte sich ihrer Geliebten zu. „Könntest du unsere Notfalltasche noch einmal kontrollieren? Wir können sie vielleicht noch gut brauchen."

„Sicher", erwiderte Tara und stand auf. „Ich hoffe nur, es geht alles gut."

Teil4

Geraume Zeit später stürmte Buffy in die Magic Box und warf sich wütend auf einen Stuhl. Keiner der Anwesenden verstand wirklich, was sie die ganze Zeit vor sich hinmurmelte, aber es klang nicht gerade friedlich.

„Buffy? Alles in Ordnung mit dir?", fragte Giles schließlich und ging langsam auf sie zu.

Sie sah ihn an und hatte scheinbar Mühe, die Wut, die sich trug hinunterzuschlucken und nicht auf ihn zu übertragen. „Ja, geht schon", brummte sie und atmete heftig ein und aus. „Diese Idioten", schimpfte sie dann. „Warum müssen Dämonen, sobald sie einmal nicht alleine sind, immer gleich glauben, sie könnten sich mit mir anlegen?"

„Was ist denn passiert?", fragte Willow mitfühlend und überreichte ihrer Freundin ein Glas Wasser.

„Ach. Ich war in Willies Bar und da meinten so ein paar Vampire, sie könnten die Welle machen." Buffy verzog das Gesicht und trank einen Schluck. „Unser netter Gastwirt hat sich dann hinterher auch noch beschwert, weil mal wieder seine halbe Einrichtung mit draufgegangen ist."

„Was eigentlich nichts Neues ist", brummte Xander. Er saß etwas abseits von den Anderen und war vermeintlich auch nicht besonders zufrieden.

„Habt ihr irgendetwas herausgefunden?", wandte Buffy sich an ihren Wächter.

„Nicht wirklich", erwiderte er. „Aber Tara hatte eine sehr gute Idee."

„Und die wäre?", bohrte Buffy weiter.

„Ich glaube, Spike könnte noch auf dem Friedhof sein", erklärte Tara leise. „Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass ein Gnorl einen Vampir weit durch die Stadt schleppt, nur um ihn dann zu töten."

Die Jägerin zog die Augenbrauen hoch.

„Ich meine", sprach Tara hastig weiter. „Also… Wenn der Gnorl Spike einfach nur töten wollte, dann hätte er ihn in seiner eigenen Gruft pfählen können und da du keinen Staubhaufen oder ähnliches gefunden hast, ist wohl klar, dass der Dämon ihn verschleppt hat." Sie holte tief Luft. „Ich glaube, sie sind auf dem Friedhof in irgendeiner anderen Gruft oder einem Versteck."

„Hm", machte Buffy. „Kein schlechter Gedanke. Ich geh dann mal." Sie stellte ihr Glas auf den Tisch und stand auf.

„Warte", rief Giles. „Wir kommen mit dir."

Die Jägerin blieb verwundert stehen und sah ihre Freunde der Reihe nach an. „Warum?", fragte sie dann.

„Warum was?", fragte Willow.

„Warum ihr mit wollt? Vorher hatte doch auch keiner Lust, nach Spike zu suchen."

„Das stimmt so ganz nicht", versuchte es Giles. „Wir haben nur, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass er wirklich in Gefahr ist."

„Na ja", warf dann auch Willow ein. „Er verschwindet doch öfter mal für ein paar Tage und wir dachten… Nun, die Sache mit seinem dagelassenen Mantel war schon seltsam, aber ..."

„Egal", brummte Buffy. „Wie kommen wir hin? Es passen ja nicht alle in Giles alte Karre." Sie hatte keinerlei Lust, sich zu streiten und so ganz verstand sie selbst nicht, warum sein Verschwinden sie so mitnahm.

„Xander fährt auch", erklärte Anya und sah ihren Freund dabei herausfordernd an.

„Ja, schon gut", nuschelte der Dunkelhaarige. „Xander fährt auch."

Wenige Momente später fuhren zwei Wagen langsam in Richtung des Friedhofs. Der Nebel war noch immer schier undurchdringlich und man sah kaum die Hand vor den Augen.

„Das wird ein Spaß", brummte Xander, nachdem er seinen Wagen geparkt hatte und ausgestiegen. „Wir können ein Spiel daraus machen."

„Was für ein Spiel?", fragte Buffy.

„Wer die meisten Grabsteine umläuft, hat gewonnen", erklärte er und verzog das Gesicht. „In dieser Suppe würde ich nicht einmal Spikes Gruft finden."

„Das wird nicht einfach", meinte Giles. „Aber Buffy sollte es gelingen, ihn aufzuspüren."

„Wie denn das?", meinte die Jägerin verwundert.

„Du kannst ihn spüren", nickte der Wächter.

„Ja, ihn und jeden anderen Vampir", sagte Buffy und verdrehte die Augen.

„Nein, das meine ich nicht", erklärte Giles leise. „Du kannst ihn spüren, genau wie Angel damals."

„Das geht nicht… Wieso sollte ich…? Hä?", verwirrt versuchte Buffy in das Gesicht ihrer besten Freundin zu sehen, doch diese nickte nur aufmunternd. „Oh, verdammt. Wie kommt ihr auf diese bescheuerte Idee?", fragte sie, nachdem sie verstanden hatte, auf was Giles angespielt hatte.

„Weil es so ist", flüsterte Willow leise und zog sie zum Tor. „Wenn er hier ist, dann wirst du ihn auch finden." Sie gab der Jägerin einen leichten Schubs in die richtige Richtung.

„Dann hätte ich ihn vorher aufgefunden", brummte Buffy undeutlich.

„Da hast du aber nicht nach ihm gesucht", erklärte Willow. „Du warst immer nur in seiner Gruft. Mehr nicht."

„Ich seid ja verrückt", meckerte Buffy und verschwand in der Nebelwand.



„Ganz tolle Idee", schimpfte jetzt Xander. „Sie ist kaum auf dem Friedhof und ich kann sie jetzt schon nicht mehr sehen. Was machen wir jetzt?"

„Wir gehen als Gruppe hinterher", sagte Giles. „Und passt auf, dass wir keinen unterwegs verlieren."

„Vielleicht sollten wir uns aneinander festknoten", murmelte der Dunkelhaarige leise.

„Ob du es glaubst oder nicht", sagte Giles und sah ihm ernst ins Gesicht. „Wenn ich eine Leine hätte, dann würde ich genau das tun."

„Wir brauchen keine Leine", warf Willow ein. „Nur ein kleiner Zauber, der uns alle zusammenhält. Es ist praktisch ein unsichtbares Band. Tara und ich können ihn in wenigen Minuten vorbereiten."

„Macht das", sagte Giles, der sich gedanklich schon über den Totenacker stolpern sah. „Trotzdem müssen wir vorsichtig sein. Wir können kaum einschätzen, wie viele Dämonen sich auf dem Friedhof herumtreiben."

 

                                                                *******************

 

Buffy stolperte über den Friedhof und murmelte dabei ununterbrochen vor sich hin. „Wie kommen die bloß auf die Idee, dass Spike und ich…? Das ist ja völlig verrückt! Also ehrlich!

Aber so sehr sie sich dagegen auch sträubte, ihr Bauchgefühl sagte da etwas ganz anderes. Sie hatte es nicht wahr haben wollen, aber seit Tagen, auch schon lange vor seinem Verschwinden, flogen tausende von Schmetterlingen in ihrem Bauch, sobald sie an ihn dachte. „Aber das geht doch nicht", flüsterte sie fast verzweifelt. „Er ist ein Vampir und wenn der Chip nicht wäre…" Sie stoppte für einen Moment und hielt sich an einem Grabstein fest. „Aber er hat diesen Chip nun mal", gab sie sich selbst die Antwort. „Und alles, was dann passiert…kann passieren, muss aber nicht.

Sie richtete sich auf und lauschte. Verschwommen meinte sie die Stimmen ihrer Freunde zu hören, aber das war nicht das, was sie suchte. ‚Okay", dachte sie. ‚Wenn sogar Giles und Willow davon überzeugt sind, dann kann und werde ich ihn finden!’

Langsam schlich sie durch den Nebel und hoffte, sie würde nicht noch irgendwelche anderen Vampire aufstöbern, die hier ihr Quartier bezogen hatten. Buffy hatte keine wirkliche Lust, sich durch einen Kampf in der scheinbar undurchdringlichen Suppe aufhalten zu lassen. „Das würde mir jetzt auch noch fehlen", brummte sie leise.

Sie lief vorsichtig weiter und es dauerte einige Minuten, dann richteten sich ihre Nackenhärchen auf und ihr war sofort bewusst, dass ein Vampir in der Nähe war. Aber war es auch Spike? Sie lauschte in die Stille und versuchte ihre unsichtbaren Fühler auszustrecken. Dann nickte sie. Es war Spike und sie war sich ziemlich sicher, in seiner Nähe zu sein. Jetzt musste sie ihn nur noch finden.

 

                                                               *************************

 

„Verdammt", schimpfte Xander. „Du hast mir schon wieder in die Hacke getreten."

„Als wenn ich das extra mache", zischte Anya giftig. „Es konnte ja niemand ahnen, dass das unsichtbare Band so eng sein würde."

„Es hat wohl keinen Sinn, euch um Ruhe zu bitten?", sagte Giles genervt, der im Gänsemarsch hinter den anderen herzuckelte. Das Band hatte er sich auch anders vorgestellt aber Willow hatte nur mit den Schultern gezuckt und schief gegrinst. „Dass es uns so nah zusammenhält, habe ich nicht gewusst", hatte sie gesagt.

Giles lächelte höhnisch. ‚Gut, das es so neblig ist. Wenn andere Leute uns so sehen würden… Sie würden uns für vollkommen durchgeknallt halten.’

„Hat sich mal jemand überlegt, wie wir uns so verteidigen sollen?", erkundigte sich Xander. „Ganz zu schweigen, dass jeder Dämon einen Lachanfall bekommt, wenn er uns so laufen sieht."

„Vielleicht wäre es wirklich besser, wir würden den Zauber aufheben", meinte Tara leise und hielt sich dabei weiterhin an der Hüfte ihrer Geliebten fest. Sie hatten kaum Platz genug, um die Füße voreinander zu stellen und jedes Hindernis hielt sie schrecklich auf, da es immer eine lange Zeit dauerte, bis alle Personen der Schlange es umrundet hatten.

„Ja, ich glaube auch", murmelte Willow und blieb stehen. „So geht das nicht weiter." Sie sprach leise Worte vor sich hin und hörte alle erleichtert aufatmen. „Entschuldigt. Ich habe das nicht gewusst. Ich hielt die Idee für gut."

„Die Idee war auch gut", sagte Xander. „Nur die Ausführung nicht."

„Und was machen wir jetzt?", fragte Anya. „Gehen wir weiter oder gehen wir zurück?"

„Keine Ahnung", gab Willow zu. „Wir werden Buffy doch nicht mehr finden. Wir können nur auf sie warten."

„Dann werden wir das tun", entschied der Wächter. „Wir gehen jetzt zurück zum Eingang. Zumindest, bis uns etwas Besseres einfällt."

 

                                                         ************************

 

Vorsichtig, immer einen Fuß vor den anderen setzend, schritt Buffy durch das Wabern der Nebelschleier. Sie kam ihrem Ziel immer näher, das spürte sie genau. Als sie wenige Augenblicke den kalten Stein der Grabkammer fühlte, wusste sie, sie war am richtigen Ort. Mit Händen und Füßen tastete sie sich einen Weg um das alte Gemäuer und landete schließlich am Eingang der Gruft.

Die Grabkammer gehörte der Familie Henderson und sie war eine der ältesten auf dem Friedhof. Die Grabkammer war ihr nur zu gut bekannt, auch deren Inneres. Immerhin war es nicht das erste Mal, dass Dämonen sie als Unterschlupf nutzten.

Buffy hob ihr Schwert, atmete ein letztes Mal tief durch und öffnete die alte Holztür beinahe vollkommen lautlos. ‚Jetzt oder nie’, schoss es ihr durch den Kopf und sie tauchte in das Halbdunkel der Grabkammer ein.

5

Die Luft war klamm, feucht und eisig kalt und Willow hatte das Gefühl, ihre Kleidung würde an ihr kleben und langsam einfrieren. Sie hüpfte auf und ab, klatschte ihre Hände zusammen und hauchte schließlich hinein. „Können wir denn wirklich gar nichts tun? Sie sah den Wächter fragend an. „Buffy ist mittlerweile schon so lange weg."

„Ich fürchte nicht", gestand Giles. „Der dichte Nebel ist ein zu großes Hindernis."

„Es ist furchtbar kalt", äußerte Anya anklagend. „Warum warten wir nicht in den Autos? Da könnten wir jedenfalls die Heizung anstellen."

„Weil wir von hier aus besser und schneller eingreifen können", antwortete Giles. „Bei was auch immer."

„Ein kräftiger Wind wäre jetzt das richtige", meinte die Ex-Dämonin und lehnte sich in die wärmende Umarmung ihres Freundes.

„Was willst du mit Wind?" spöttelte Xander. „Ist dir noch nicht kalt genug?"

„Blödmann", schimpfte Anya und boxte ihm auf den Oberarm. „Ein kräftiger Wind würde den Nebel vertreiben oder ihn zumindest soweit auflockern, dass man sehen könnte."

„Wind?", nahm Willow die Idee auf. „Tara, das müssten wir Beide doch hinbekommen."

„Glaubst du, dass das eine gute Idee ist?", überlegte sie. „Der Zauber mit dem unsichtbaren Band ist schon mächtig daneben gegangen. Vielleicht sollten wir…"

„Ja, du hast ja Recht", sagte die rothaarige Hexe mit hängenden Schultern. „Der Zauber ist nach hinten losgegangen. Aber ein bisschen Wind sollten wir zusammen doch schaffen." Und da ihre Geliebte nicht antwortete, sprach sie schnell weiter. „Wir haben keine Ahnung, in was für Schwierigkeiten Buffy möglicherweise steckt. Wir stehen hier am Tor und warten. Das kann doch nicht alles sein."

„Vielleicht sollten wir es wirklich versuchen", warf Giles ein. Auch ihm behagte der Gedanke nicht, Buffy alleine kämpfen zu lassen. „Wir drei werden den Zauber zusammen sprechen, dann wird es funktionieren."

„Gut", nickte Tara und löste sich von ihrer Freundin. „Wir schaffen das!"

 

Wenige Minuten später stand Xander am schmiedeeisernen Tor des Friedhofs und starrte auf die freie Fläche vor ihm. „So. Der Zauber hat funktioniert. Der Nebel ist weg. Aber jetzt haben wir ein neues Problem. Wie finden wir Buffy?"

„Eine gute Frage", meinte Giles und stellte sich neben ihn. Ein Ortungszauber wäre möglich, aber wir haben schon zu viel Magie gebraucht. Wir sollten unser Glück nicht überstrapazieren. Wir werden es mit Suchen probieren müssen."

„Dann auf in den Kampf", entschied Anya und schritt auf den Friedhof. „Besser als dumm dazustehen und zu frieren."

 

                                                                 *********************

 

So leise wie möglich schlich Buffy die steile Treppe hinab in die untere Etage der Gruft. Wenn eben möglich, dann wollte sie den Vorteil der Überraschung auf ihrer Seite haben. Sie drückte sich eng an die Wand, achtete darauf, dass das Schwert nicht über den Fels schrammte und blickte am unteren Ende der Treppe vorsichtig in die Grabkammer.

Spike war an der rechten Wand angekettet, schien aber nicht bei Bewusstsein zu sein und ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus. Er war bis auf eine Hose nackt und sein gesamter Oberkörper war von tiefen Schnitten und Kratzern übersät. Sein Gesicht bestand aus einer einzigen Wunde und in Buffy stieg Wut hoch.

Der Gnorl hatte sich nicht mit einer bloßen Rache für den Tod seines Kameraden begnügt. Das hier war Folter und ließ das Blut der Jägerin rauschen.

Vorsichtig schaute sie um die Ecke. Dort war er und wie sie mit Ekel feststellte, war er gerade am fressen. Übelkeit stieg in ihr hoch. Dieses Mal hatte er sich mit einem großen Hund begnügt und doch musste Buffy schlucken. Das Schmatzen war abscheulich und ihr lief eine Gänsehaut den Rücken herunter.

Bisher hatte ihr Feind sie noch nicht bemerkt und sie löste sich langsam von der Wand. Sie hob das Schwert, warf einen letzten Blick auf den bewusstlosen Vampir und rannte mit einer Menge Wut im Bauch lautlos los. Sie erreichte den Gnorl, bevor dieser reagieren konnte und erwischte ihn mit dem Schwert am Rücken.

Allerdings hatte der Hieb bedeutend weniger Wirkung, als sie sich erhofft hatte. Der Dämon wirbelte herum, erwischte sie seinerseits mit einer Klaue und beförderte sie mehrere Meter weit zurück.

Sofort war sie wieder auf den Beinen und schaute in das abstoßende Gesicht ihres Gegners. Das Blut seines Opfers tropfte noch immer sein Kinn herunter und Buffy schluckte die drohende Übelkeit herunter. Das durfte sie jetzt nicht stören. Von so etwas durfte sie sich nicht aufhalten lassen und so konzentrierte sie sich auf ihren nächsten Angriff.

Sie nahm Anlauf, sprang ab und segelte über den Kopf des Dämons hinweg. Die Jägerin landete geschmeidig, ging einen Schritt zurück und dann in die Knie. Rückwärts rammte sie dem Untier das mächtige Schwert in die Beine und hörte im gleichen Moment seinen schauderlichen Schmerzensschrei. Schnell drehte sie sich in einer fließenden Bewegung und versuchte mit dem nächsten Hieb seinen Kopf zu treffen.

Allerdings wehrte der Gnorl den Schlag mit seinem Arm ab und Buffy stellte entsetzt fest, dass sie seinen Panzer, der den ganzen Oberkörper umschloss, nicht durchdringen konnte. ‚Verdammter Mist’, dachte sie und ging einige Schritte zurück, um den nächsten Angriff zu planen. ‚Spike hat es doch auch geschafft. Wie zum Teufel hat er das gemacht?’

Die Hörner hatte Giles gesagt. Das Problem war nur, dass der Gnorl eine Menge davon besaß. Sie hatte sie nicht gezählt, aber sieben waren es bestimmt. ‚Mist. Welche denn?’

Sie hatte keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn schon ging der Dämon zum Angriff über. Laut und absolut widerlich kreischend rannte er auf sie zu und Buffy schaffte es nur im letzten Moment, ihm auszuweichen. Sie kam Spike bei ihrem Ausweichversuch sehr nahe und meinte einen kurzen Moment, ihn leise etwas murmeln zu hören.

Gelegenheit sich darüber Gedanken zu machen hatte sie keine. Der Gnorl riss eine der Fackeln mitsamt ihrer Halterung aus der Wand und warf sie mit Wucht nach ihr. Sie duckte sich und das gusseiserne Ding knallte mit einem lauten Scheppern gegen die Wand.

Sie musste sich ganz dringend etwas einfallen lassen. Langsam wurde die Zeit knapp und sie hatte keine Idee, wie sie es schaffen sollte, dem Untier sieben oder mehr Hörner abzuschlagen.

„Das in der Mitte", hörte sie eine schwache Stimme und sie sah sich sofort um. Spike hatte gesprochen. „Mitte", murmelte er noch einmal, dann sackte sein Kopf wieder nach vorne.

Okay, dann das in der Mitte’, dachte Buffy grimmig. Langsam entfernte sie sich immer mehr von dem jetzt grollenden Dämon. Sie hatte eine Idee. Jetzt musste nur noch die Durchführung gelingen.

„Was ist denn?", fragte der Gnorl und Buffy lief es eiskalt den Rücken herab. „Du kannst dich nicht vor mir verstecken."

„Das habe ich auch nicht vor", schrie Buffy und nahm Anlauf. Sie nahm den in der Mitte stehenden Sarkophag als Sprungbrett, drehte sich in der Luft und holte mit dem Schwert weit aus. Sie landete unsanft, knallte hart gegen die Gruftwand und rappelte sich schnell wieder auf.

Der Gnorl taumelte auf sie zu. Abstoßendes, grünliches Blut floss in Strömen aus einer Wunde am Kopf und er hielt seine Klaue schützend darüber. Kurz, bevor er bei ihr anlangte, begann er zu schwanken und sackte auf seine Knie. Seine Klaue rutschte herab und Buffy holte ein letztes Mal mit dem Schwert aus.

Sie wartete nicht darauf, den Dämon sterben zu sehen. Sie warf das Schwert scheppernd auf den steinernen Boden und eilte zu dem bewusstlosen Vampir. Rasch befreite sie ihn von den Fesseln und ließ ihn sanft auf die Erde gleiten.

„Spike", rief sie und schüttelte ihn leicht. „Kannst du mich hören?" Buffy erhielt keine Antwort und nur widerwillig ließ sie wieder von ihm ab. Sie musste sich jetzt erst vergewissern, dass der Gnorl Geschichte war und atmete erleichtert auf, als nichts weiter von ihm übrig war als grünbrauner Schleim.

„Buffy", hörte sie erleichtert die Stimme ihrer besten Freundin. „Oh, Göttin. Du hast es geschafft."

Willow eilte die Treppe herab, dicht gefolgt von Giles und Xander.

„Ja, es ist erledigt", sagte Buffy. „Wir müssen jetzt Spike von hier wegbringen."

„Sicher", nickte Giles und gab Xander einen Stoss. „Du nimmst seine Füße."

„Ist ja gut", brummte der Dunkelhaarige und zusammen mit dem Wächter trug er den Bewusstlosen die schmale Stiege hinauf.

Buffy atmete heftig ein. Ja, sie hatte es geschafft und sie hatte großes Glück dabei gehabt. Sie bückte sich, hob ihr Schwert auf und stoppte dann Willow, die zu den anderen hinauf wollte.

„Woher hast du gewusst, dass…? Ich habe es nicht einmal gewusst."

Willow lächelte sanft. „Ach, Buffy. Sogar Giles hat es gewusst", erklärte sie dann. „Es ist doch unwichtig, warum wir es wussten. Wichtig ist nur, dass du es selber endlich merkst."

„Er ist ein Vampir", seufzte Buffy. „Keiner mit Seele, nur ein Chip, der ihn aufhält, Menschen zu…"

„Und genau das glaube ich nicht", unterbrach Willow sie ernst. „Ich glaube, du bist es, die ihn aufhält. Er ist clever genug, sich etwas einfallen zu lassen, um weiter Menschen zu töten. Aber das tut er nicht. Wegen dir."

„Was werden die anderen sagen?"

„Es wird keiner was sagen", antwortete die rothaarige Hexe und lächelte aufmunternd. „Xander wird weiter seine Sprüche klopfen und das war es dann. Komm schon. Wir haben einen Vampir gesundzupflegen."

 

                                                              ***********************

 

Friedliche Stille herrschte im Summershaus, nur ab und zu unterbrochen von dem Gelächter, das aus der Küche zu ihr heraufdrang. Dawn, Tara und Willow waren schon mit den Vorbereitungen für das bevorstehende Weihnachtsessen beschäftigt und hatten dabei anscheinend eine Menge Spaß.

Die Jägerin saß auf ihrem Bett und betrachtete durch einen kleinen Spalt im Vorhang den Sonnenuntergang. Fast einen ganzen Tag lag Spike nun schon reglos da und wurde nur für kurze, unruhige Momente wach. Heute war Heiligabend und in gut einer Stunde würden alle ihre Freunde eintreffen, um den Abend zusammen zu verbringen.

Buffy warf einen kurzen Blick auf Spike, aber der Vampir rührte sich noch immer nicht. Die beiden Hexen hatten sich gestern Nacht noch mit magischer Unterstützung um die größten Wunden gekümmert und Anya und Xander hatten sogar einen ganzen Karton voll Blutkonserven ins Haus geschleppt.

„Frag lieber nicht", hatte Anya gegrinst und ihren Freund sofort wieder in Richtung Haustür geschubst. „Wir haben noch eine Menge vor. Bis morgen Abend."

Buffy hatte ihm eine Menge davon eingeflößt und mit Erleichterung festgestellt, dass die Wunden sich schlossen und die kleineren anfingen, abzuheilen. Sogar Giles hatte sie mehrere Mal telefonisch nach ihm erkundigt und das flaue Gefühl in ihrem Magen hatte sich verstärkt.

Sie runzelte die Stirn. Das war alles viel zu einfach. Sie hatte erwartet, unzählige Diskussionen zu führen und eine Menge böser Kommentare über sich ergehen lassen zu müssen. Sogar ihre kleine Schwester hatte die Neuigkeiten einigermaßen gut aufgefasst und ließ es sich nicht nehmen, stündlich nach Spike zu sehen.

Viel zu einfach’, schoss es ihr wieder durch den Kopf. ‚Vielleicht will er mich nach dem ganzen Ärger gar nicht mehr!’ Sie seufzte leise und fühlte im gleichen Moment eine schwache Bewegung neben sich.

„Hey, Luv", hörte sie seine krächzende schwache Stimme.

„Hi", antwortete sie und lächelte.

Der Vampir ließ seinen Blick langsam durch das Zimmer schweifen und versuchte sich aufzusetzen.

„Bleib liegen", sagte Buffy und drückte ihn sanft zurück in die Kissen.

„Ich bin in deinem Bett!" Spikes Stimme klang erstaunt und sie lachte leise.

„Ja, allerdings. Eine ganze Nacht schon!"

„Verfluchte Hölle", murmelte der Vampir leise.

„Was ist?", fragte Buffy verunsichert.

„Warum muss ich mich halbtot prügeln lassen, um hier zu landen?"

„Das eine Mal reicht", flüsterte sie leise und fühlte, wie ihre Wangen rot wurden. „Das brauchst du nie wieder."

Spikes blauen Augen waren weit aufgerissen. „Was, zur Hölle, hat das zu bedeuten?", krächzte er.

„Das in meinem Bett immer ein Platz für dich frei ist", murmelte die Jägerin leise. „Vorausgesetzt, du möchtest das."

Wieder versuchte Spike, sich aufzusetzen, scheiterte kläglich und griff dann beherzt zu, um Buffy zu sich herunterzuziehen. Er richtete sich ein kleines Stück auf, ignorierte den Schmerz und sah ihr fest in die Augen. „Ist das dein Ernst?"

„Ja", hauchte Buffy und fühlte einen Sekundenbruchteil später seine kalten Lippen auf ihren warmen. Als sie den Kuss löste, sah sie den Ausdruck in seinen Augen, der ihr eine Gänsehaut über den Rücken schickte. Sie zitterte beinahe, als sie sich über ihn beugte. „Frohe Weihnachten", flüsterte sie leise, bevor ihr Mund wieder den seinen traf.

Buffy war glücklich. Glücklich und zufrieden wie schon lange nicht mehr. Es war Weihnachten und sie hatte ein großes Geschenk erhalten. Aber was noch viel wichtiger war, ein Wunsch von ihr war in Erfüllung gegangen. Es war Heiligabend und Spike war da, wo er hingehörte. Zuhause.

 

Ende