
Blazing Sphere
Die Jägerin konnte es noch immer nicht fassen. Sie stand auf einem glitschigen Autodach und starrte auf die Straße, die durch sintflutartigen Regen komplett überschwemmt war.
Das Unwetter war plötzlich gekommen, ganz im Gegensatz zu der Gefahr, in der ganz Sunnydale schwebte.
Grelle, wild gezackte Blitze erhellten für Sekunden
die rabenschwarze Nacht und gaben einen kurzen Blick auf die Tarxis-Dämonen frei, die Buffy und ihre Kampfgefährten seit mehreren Stunden durch die ganze Stadt jagten.Buffy seufzte leise, drehte sich um und sah auf ihre Begleiter, die ebenso wie sie selbst, völlig durchnässt und zerschunden waren. ‚Wie konnten wir die Gefahr nur übersehen’, fragte sich die Jägerin und runzelte die Stirn. ‚Das hätte nie passieren dürfen.’
Spike lehnte an eine der wenigen noch funktionierenden Straßenlaternen und versuchte krampfhaft eine seiner durchgeweichten Zigaretten anzuzünden. Schließlich gab er auf, zerkrümelte sie in seiner Hand und ließ die Reste auf den Gehweg fallen. „Hast du was gesehen?", wandte er sich nun an Buffy.
„Wie man es nimmt, ich habe unsere drei Freunde auf den Friedhof verschwinden sehen", gab sie bereitwillig Auskunft.
Genervt schüttelte der Vampir den nassen Kopf. „War ja irgendwie klar, dass sie da landen würden. Ich frag mich nur warum wir sie erst durch die ganze verdammte Stadt verfolgen mussten?"
„Es war gut so", meinte Xander erschöpft. „Immerhin konnte Willow so verhindern, dass die Tarxis dreißig Leute als Frischfutter mitnehmen."
Die Hexe zitterte vor Kälte, ihre Lippen waren blau angelaufen und sie hatte scheinbar große Mühe sich überhaupt auf den Beinen zu halten. „Ja, wir hatten Glück zum richtigen Zeitpunkt da zu sein", murmelte sie mit schwacher Stimme.
Buffy sprang vom Dach des Wagens und landete unmittelbar vor ihrer besten Freundin. „Willow, du brauchst nicht mitzukommen. Spike und ich können auch alleine weitergehen", meinte die Blonde besorgt und griff nach der eiskalten Hand der Hexe. „Xander kann dich nach Hause bringen."
„Nein…, ich meine nein, das geht nicht. Du hast gehört was Giles gesagt hat. Die Tarxis dürfen auf keinen Fall zurück in ihre Dimension, sonst haben wir verloren. Wir werden überrannt, wir…"
„Ich weiß, Willow", stoppte die Jägerin die Hexe. „Aber ich glaube nicht, dass du noch die Kraft aufbringen könntest das Tor zu ihrer Dimension wieder zu schließen. Der Zauber mit dem du eben unser aller Leben gerettet hast, hat dich vollkommen entkräftet. Vielleicht wäre es besser wenn …"
„Nein, Buffy! Ich schaffe das schon", unterbrach Willow. Sie atmete ein paar Mal tief ein und aus und versuchte dann ein Lächeln, das jedoch zu einer grauenhaften Grimasse verkam.
„Wollen wir hier jetzt noch länger rum stehen oder machen wir jetzt das, wozu wir hier sind?" Der Vampir war äußerst schlecht gelaunt, die Jagd und die Kämpfe mit den Tarxis hatten seine Geduld stark strapaziert. Der heftige Regen der ununterbrochen niederprasselte, verbesserte seine Laune nicht unbedingt, sogar sein Ledermantel war durchgeweicht und er hatte schon längst aufgegeben sich das Regenwasser aus dem Gesicht zu wischen. Er sah Buffy fragend an, schulterte dann die Streitaxt und machte sich auf den Weg.
„Er hat Recht, hier stehen und warten ändert gar nichts." Die Jägerin nickte ihren beiden Freunden kurz zu und eilte dann dem Vampir hinterher.
„Bist du dir sicher, dass du das schaffst?" Xander hielt Willows kalte Hand und drückte sie leicht. „Ich kann dich auch nach Hause bringen."
„Ich muss es einfach schaffen, mir bleibt doch nichts anderes übrig", erwiderte die Rothaarige verzweifelt und straffte sich. „Es wird Zeit. Wir müssen den Beiden hinterher."
Xander nickte stumm, griff dann ihren Arm und stütze sie, da er das Gefühl hatte Willow würde sofort zusammenbrechen. „Dann lass uns gehen."
Buffy und Spike standen geduckt am schmiedeeisernen Tor des Friedhofs, dessen Türen jetzt weit offen standen, anstatt wie sonst während der Nacht mit einem schweren Vorhängeschloss gesichert zu sein. Beide starrten regungslos in die Dunkelheit und unterhielten sich flüsternd.
„Wo sind sie hingegangen?", fragte der Xander
leise, nachdem er Willow vorsichtig auf einen Mauervorsprung abgesetzt hatte.„Sie sind in der Gruft der Andersons", flüsterte die Jägerin und zeigte auf die besagte Stelle.
„Woher weißt du das? Irgend so ein Jägerinnen Dingens?"
Spike starrte ihn giftig an. „Nein du Idiot. Es ist die einzigste Gruft in der Licht brennt."
„Uns gegenseitig anfauchen bringt auch nichts", unterbrach die Jägerin sofort und wandte sich dann der erschöpften Hexe zu. „ Willow?", Buffy hatte sich zu ihr runtergebeugt und blickte sie fragend an. „Ist Giles sich sicher, dass es ausreicht einen der Dämonen zu töten?"
„Ja, ganz sicher. Die drei mussten eine Einheit bilden, um in unsere Welt zu gelangen. Sie sind jetzt miteinander verbunden. Stirbt einer, sterben alle", versichert die Hexe ihrer Freundin zuversichtlich.
„Was ist mit dem Kristall von Syrin?"
„Wenn der Kristall hier bleibt ist seine Macht sehr gering, er ist nur in seiner Heimatwelt mächtig", erklärte Willow und klapperte vor Kälte mit den Zähnen.
Die Jägerin schlich zurück zum Eingang. „Welchen von den dreien nehmen wir?" Sie blickte den grimmig schauenden Vampir aufmerksam an.
„Was für eine blöde Frage!", zischte dieser leise und schüttelte den Kopf. „Glaubst du die anderen beiden Tarxis gucken seelenruhig zu während wir ihren Kumpel in Stücke schlagen? Wir nehmen den, den wir als erstes erwischen."
Buffy nickte, drehte sich dann zu Xander und flüsterte leise. „Du und Willow, ihr beiden bleibt hier. Spike und ich gehen alleine! Nur wenn es gar nicht anders geht, kommt ihr nach, verstanden?" Sie blickte den Dunkelhaarigen ernst an und sah ihn, zu ihrer großen Erleichterung, schnell nicken.
„Dann mal los!", meinte der Vampir, zuckte mit den Schultern und machte sich ohne jegliche Vorsicht auf den Weg zur Gruft. Die Jägerin folgte ihm in geduckter Haltung und beinahe gleichzeitig kamen sie an der Tür zur Gruft an. Spike nickte ihr noch einmal kurz zu, riss dann die morsche Holztür auf und zusammen stürmten sie in die Grabkammer.
„Wir müssen ihnen doch helfen!", krächzte Willow und rappelte sich mühsam auf.
„Buffy will das wir hier bleiben", hielt Xander seine Freundin zurück. „Nur wenn es gar nicht mehr anders geht, sollen wir nachkommen."
Sekunden später hallten Kampfgeräusche und unterdrückte Schreie über den Friedhof. Klingen knallten scheppernd gegeneinander, Glas zerbrach und irgendein dumpfes Poltern hinterließ ein Dröhnen in den Ohren der beiden Wartenden.
Willow griff zitternd nach Xanders Hand, hielt sich krampfhaft fest und schaute ihn ängstlich an. Wenige Augenblicke später hörten sie den
Vampir noch einmal laut nach Buffy schreien. Dann herrschte Totenstille.
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„Oh mein Gott! Willow, Xander was ist passiert?" Der Wächter ließ den Stapel Bücher, den er gerade vom Tisch genommen hatte, erschrocken fallen. Er lief durch den Raum und nahm dem völlig erschöpften Dunkelhaarigen Willow von den Armen und trug sie in den Trainingsraum, um sie auf eine der Matten abzulegen.
„Verdammt", fluchte er dann und besorgt eilte er zurück in den Verkaufsraum.
Xander stand noch immer in der Eingangstür, er war kreidebleich und er schwankte verdächtig hin und her. Kurz bevor er endgültig zusammenbrechen konnte, griff der Wächter ihm stützend unter die Arme und führte ihn langsam und vorsichtig in den hinteren Raum der Magic Box.
Willow wachte nur langsam auf. Das erste, was sie bemerkte, war, dass sie nicht mehr fror. Im Gegenteil, ihr war furchtbar warm. Mühsam öffnete sie ihre schweren Augenlider und sah verschwommen, dass der Wächter erleichtert aufatmete. Sie versuchte sich aufzusetzen, doch Giles hielt sie auf, indem er sie sanft an den Schultern zurückdrückte.
„Bleib liegen, du musst dich erst ausruhen."
Allmählich kam das Gedächtnis der Hexe wieder in Schwung. Sie erinnerte sich wieder an den Friedhof, den Kampf und Spikes lauten Schrei. Ruckartig setzte sie sich auf, unterdrückte den Schwindel und sah den Wächter hilflos an.
„Giles, ich… Wir haben Buffy und Spike verloren, sie sind weg. Die Gruft… Spike hat Buffys Namen gerufen… Keiner mehr…"
„Willow, du musst dich beruhigen. Ich kann dich kaum verstehen."
„Was ist mit Xander?"
„Der schläft, scheinbar hat er dich bis hier her getragen. Er war völlig erschöpft, aber es geht ihm gut."
Willow sah an sich herunter, sie war in mehrere Decken eingewickelt und konnte eines von Buffys Trainingsshirts erkennen. Scheinbar hatte der Wächter ihr die durchnässten Sachen ausgezogen. Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht, allerdings verblasste diese schnell wieder, als sie die Verfolgung und den Kampf gegen die Tarxis dachte.
„Könntest du mir bitte erklären, was heute Abend vorgefallen ist?" Der Wächter überreichte ihr eine dampfende Tasse Tee und sah sie voller Anspannung an.
Willow nahm die Tasse, trank vorsichtig einen Schluck der heißen Flüssigkeit und seufzte dann laut. „Spike und Buffy sind verschwunden, sie waren ohne uns in der Gruft und haben gekämpft. Wir haben ihn noch einmal laut nach Buffy rufen hören, danach war alles still." Die Rothaarige fröstelte bei dem Gedanken daran und schüttelte sich. „Xander und ich sind dann auch in die Grabkammer, die drei Tarxis waren tot, aber von Buffy und Spike fehlt jede Spur."
„Hatten die Dämonen das Tor zu ihrer Dimension schon geöffnet?"
„Ich weiß es wirklich nicht."
„Willow, was ist mit dem Kristall?"
„Der lag unter einem der toten Dämonen, Xander hat ihn zerstört!"
Giles stand auf, lief aufgeregt auf und ab und murmelte unverständliche Worte vor sich hin. „Es muss so gewesen sein! Wenn Buffy zu nah am Tor war als der erste Tarxis starb dann…", sagte er jetzt lauter und blickte die noch immer blasse Rothaarige an. „Das Dimensionstor muss schon offen gewesen sein."
„Soll das heißen das blöde Portal hat die beiden eingesaugt?", krächzte Xander heiser und richtete sich vorsichtig auf.
„So kann man es wohl nennen", erwiderte Giles ernst, ging auf ihn zu und stütze ihn. „Ich muss schnell einen Weg finden die beiden zurück zu holen."
„Wir müssen einen Weg finden!" Willow schälte sich langsam aus den Decken heraus und stand, mit Hilfe der Wand vorsichtig auf.
„Nein Willow, ihr Beiden habt für heute genug getan. Ich werde euch jetzt nach Hause fahren und beginne danach sofort mit der Recherche."
„Aber ich kann doch nicht…, ich muss doch…"
„Nein! Ihr könnte heute Nacht nicht viel mehr tun als euch zu erholen. Ich brauche euch vielleicht morgen und dann mit ganzer Kraft."
Xander erhob sich, seine Beine wackelten und er stütze sich an der Wand ab um nicht gleich wieder zusammenzusacken. „Ich denke Giles hat Recht, so sind wir keine große Hilfe. Wir werden morgen einen Weg finden, ganz bestimmt", versuchte er Willow zu beruhigen, die nervös auf ihre Unterlippe biss.
Die Hexe blickte hilflos von Einem zum Anderen, seufzte schwer und ließ sich dann widerwillig vom Wächter zu dem klapprigen Citroén bringen, der vor dem Zauberladen geparkt war.
„Giles, ich…"
„Wir finden sie, Willow. Ganz bestimmt. Wir finden sie und wir holen sie zurück!" Der Wächter blickte ihr ernst in die Augen und nickte ihr aufmunternd zu.
„Ich hoffe es!" Willow fühlte sich schuldig. Sie hatte den Zweifel in den Augen des Wächters durchaus gesehen. „Wir müssen einfach!"
Teil 2
Buffy fiel. Sie stürzte durch einen engen, endlosen Korridor aus Licht und Farben und rotierte dabei rasend schnell um sich selbst. Sie wusste, sie war nicht alleine, konnte aber keinen klaren Gedanken fassen und überließ sich dem Schicksal. Sie fühlte die nahende Ohnmacht und nahm sie dankbar entgegen.
Heftiger Schmerz holte sie in die Wirklichkeit zurück. Die Jägerin lag auf dem Rücken und starrte in einen rötlich schimmernden Himmel, ein sehr bekanntes „Verfluchte Hölle“ drang in ihre Ohren und behutsam stand sie unsicher auf. Sie bewegte jedes ihrer Gelenke vorsichtig und stellte zu ihrer eigenen Beruhigung fest, dass keines gebrochen war.
Mit verzerrtem Gesicht sah sie sich ihre Umgebung an. Überall lagen orange gesprenkelte Felsblöcke in verschiedenen Formen und Größen. Keine zwanzig Meter entfernt standen einige knorrige, verkrüppelte Bäume mit blaugrauem Laub und das, was sie für einfaches Gras hielt, schimmerte leuchtend blau.
Ihr fiel auf, dass der Vampir verstummt war und verwundert sah sie sich um. Sie fand ihn, angelehnt an einen der größeren Felsen in den Himmel starrend, vor.
„Spike? Geht es dir gut?“
„Halt die Klappe, Jägerin!“
„Danke, mir geht’s auch gut“, zischte Buffy und hielt dann plötzlich inne. „Die Sonne scheint, du bist…, du kannst...“
„Ja, kann ich. Jetzt halt den Mund und lass mich die Sonne genießen. Das passiert mir nicht unbedingt jeden Tag.“
Buffy setzte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einen Stein und betrachte aufmerksam ihre Umgebung. „Wo sind wir?“
„Slayer, schon wieder eine blöde Frage! Wo sollen wir wohl sein? In der Heimat aller Tarxis, der netten Viecher, die euch so gerne als Lebendfutter mögen“, grinste er hämisch.
„Schon gut. Die bessere Frage wäre, wie kommen wir hier wieder weg?“
„Nein! Die beste Frage ist, will ich hier überhaupt wieder weg?“
„Wie kommst du auf die dämliche Idee hier bleiben zu wollen?“ Buffy hörte auf ihre schmerzenden Gelenke zu massieren und blickte den Vampir überrascht an.
„Sonne ist schon gar kein schlechter Anfang, wenn es hier noch irgendwas Essbares für mich gibt, kannst du alleine zurück!“
„Du bist so was von ekelig! Wie kannst du nur auf so widerliche Ideen kommen?“ Buffy schüttelte sich angewidert und verzog das Gesicht.
„Auch du wirst Hunger bekommen, Slayer!“, erwiderte der Vampir schlicht. „Aber wenn du möchtest, du kannst mir gerne etwas von deinem Blut geben“, grinste er dann höhnisch und sah sie herausfordernd an. „Ich hätte nichts dagegen!“
„Das kannst du vergessen! Beides! Ich werde hier nichts essen und mein Blut bekommst du schon mal überhaupt nicht!“
„Du wirst essen müssen“, erwiderte Spike schlicht und sah sie ernst an.
„Giles und Willow werden schon einen Weg finden uns hier schnell wieder rauszuholen“, giftete die Jägerin böse, stockte dann abrupt und sah wieder hinüber zu den knorrigen Bäumen. „Was ist das für ein hässliches knurrendes Vieh?“
Spike folgte ihrem Blick. „Keine verfluchte Ahnung. Aber vielleicht schmeckt es ja.“
„Du bist so… ekelhaft!“
„Nein, nur hungrig. Mist! Jetzt hast du es verjagt“, maulte er und setzte sich auf.
„Nein, ich habe es nicht verschreckt. Es hat nur ein paar seiner Spielkameraden geholt!“, langsam stand Buffy auf und sah sich suchend nach einer brauchbaren Waffe um. Zu ihrer Erleichterung entdeckte sie wenige Meter weiter ihr Breitschwert, das sich hinter einem der kleineren Findlinge in den Boden gebohrt hatte.
Einen Fuß vor den anderen setzend ging sie lautlos zu der Stelle, griff nach dem Knauf des Schwertes und zog es sachte aus der Erde.
Spike blickte von den aufgeregt hin und her laufenden Tieren hinüber zur Jägerin und streckte den Arm fordernd aus. „Gib mir das Breitschwert.“
„Such dir gefälligst selbst eine Waffe“, zischte Buffy leise zurück und stellte sich neben ihn, ohne die gefährlich geifernden, hässlichen Wesen auch nur eine Sekunde aus den Augen zulassen.
„Meine verdammte Waffe liegt in der bescheuerten Gruft, und das nur weil ich Idiot dich festgehalten habe, als das Portal dich einsaugen wollte.“
„Du hättest es ja nicht tun müssen“, knurrte Buffy ihn böse an.
Blitzschnell griff der Vampir nach dem Schwert, riss es der Jägerin aus der Hand und lief im nächsten Moment, wild mit der Waffe in der Luft fuchtelnd und laut schreiend auf das Rudel zu.
„Bist du jetzt völlig übergeschnappt?“, schrie Buffy ihm hinterher. Sie sammelte schnell ein paar kleinere Steine auf, um sie im Notfall werfen zu können und stellte dann fest, dass der Überraschungsangriff des Vampirs die Tiere verunsichert hatte. Fauchend und laut winselnd sprangen sie durcheinander und verschwanden schnell zwischen den Bäumen.
„Was denn? Es hat doch funktioniert!“, lässig schlenderte er den Weg zurück und grinste unablässig.
„Was sollte das?“
„Was sollte was…? Ich habe sie verjagt!“
„Ganz toll, was hättest du gemacht, wenn sie dich angegriffen hätten?“ Buffy schüttelte genervt den Kopf. „Was machen wir jetzt?“
„Wir müssen hier schleunigst weg. Die Meute kommt gleich wieder, mit noch mehr Tieren.“ Spike überreichte ihr im Vorbeigehen das Schwert und folgte einem kleinen ausgetreten Pfad, der in die Hügel zu führen schien.
„Woher weißt du das? Und wo willst du hin?“, rief sie ihm hinterher.
Der Vampir drehte sich herum und blickte sie böse an. „Es sind Raubtiere, die geben ihre Beute so leicht nicht auf, also entweder kommst du jetzt mit oder du musst alleine hier bleiben.“
„Wir können hier nicht weg. Was, wenn Giles einen Weg findet das Tor zu öffnen?“
„Er kann das Tor öffnen so oft er will, er wird uns hier nicht finden!“, rief der Vampir ohne stehen zu bleiben.
Buffy rannte ihm hinterher, griff nach seiner Schulter und drehte ihn grob herum. „Was soll das heißen?“
Spike funkelte sie wütend an. „Lass mich los, Jägerin!“
"Verdammt, Spike! Erzähl mir endlich was du meinst“, schimpfte sie und schubste den Vampir heftig.
Er taumelte ein paar Schritte rückwärts, fing sich dann und knurrte sie wild an. „Was denn, Slayer? Hast du einmal nicht die Oberhand?“ Seine Augen leuchteten einen Moment gefährlich gelb auf, dann winkte er ab, drehte sich herum und schritt zügig den immer steiler werdenden Weg hinauf.
Die Jägerin starrte ihm hinterher, ihre Augenbraunen zogen sich böse zusammen und sie rannte dem Davoneilenden nach. Kurz bevor sie ihn eingeholt hatte, sprang sie ab und riss ihn im Flug von den Füßen. Spike wehrte sich, hielt sich nach jedem Treffer, den er gelandet hatte, den schmerzenden Kopf und musste schließlich doch aufgeben.
Buffy stand weiterhin in Kampfhaltung vor ihm, bereit wieder zuzuschlagen und funkelte ihn giftig an. „Du wirst mir jetzt sagen, was du weißt!“
Der Vampir lächelte hinterhältig, wischte sich das Blut von der aufgeplatzten Lippe und richtete sich auf. „Das ist das einzige, was du kannst, richtig? Immer erst zuschlagen und dann fragen.“
„Ich hatte dich gefragt! Du wolltest mir ja nicht antworten!“
„Dein Wächter kann hundert Tore öffnen, es wird immer der falsche Ort sein!“, lachte er ihr höhnisch ins Gesicht. „Wer auch immer ein Portal geöffnet hat, hat eine bestimmte Vorstellung, wo er hin will. Genau diese Vorstellungskraft öffnet das Tor an der für ihn richtigen Stelle. Giles kann nicht wissen, wo der Tarxis hinwollte, verstehst du das?“, fauchte der Vampir. „Verdammt, ich bin 120 Jahre alt! Es ist nicht das erste Mal, dass ich von so einer Scheiße höre!“
„Soll das heißen, wir kommen hier nie wieder weg?“, fragte Buffy ihn unsicher.
„Nur mit viel Glück. Oder wenn wir einen Ort finden, an dem der Wächter dich mit Sicherheit vermuten kann. Aber das sollten wir ein anderes Mal besprechen, unsere Freunde sind zurück!“, zeigte er den schmalen Weg hinunter. „Wie vorausgesagt, dieses Mal sind es noch mehr.“
Buffy drehte sich erschrocken um und sah ungefähr zwanzig der gefährlich knurrenden und geifernden Tiere langsam und abwartend den Pfad herauf schleichen.
„Oh mein Gott! Und was jetzt?“
„Lauf!!!“, rief Spike und rannte im gleichen Moment los.
Die Meute allerdings war schneller, das Knurren wurde immer lauter und die Beiden rechneten jede Sekunde mit einem Angriff. Buffy blieb mit einem Fuß an einem der größeren Steine hängen, strauchelte und war im nächsten Moment umringt von den wild fauchenden Bestien.
Spike war weitergelaufen, hörte dann den unterdrückten Schrei der Jägerin und blickte sich um. „Verflucht!“, zischte er böse, blieb stehen und überließ dem Dämon in ihm die Oberhand. Er knurrte laut und rannte den Weg zurück, mitten hinein in einen Kampf um Leben und Tod.
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Pünktlich um neun Uhr am nächsten Morgen stürmten Willow, Anya und Xander durch den hinteren Eingang der Magic Box. Auf der Fahrt hierher hatten sie kurz angehalten und Frühstück für sich selbst und den Wächter gekauft.
Trotz ihrer Erschöpfung hatte die Hexe nur sehr wenig geschlafen. Tara hatte liebevoll versucht sie zu beruhigen, doch Willow hatte sich ihr Laptop geschnappt und das Internet nach Zaubern und anderen magischen Möglichkeiten zur Rettung ihrer Freundin abgesucht. ‚Allerdings mit sehr wenig Erfolg’, erinnerte sie sich traurig. ‚Ich hoffe Giles hat bessere Nachrichten.’
Der Wächter lief, in eines seiner Bücher vertieft, im Laden auf und ab, unterbrach seine Wanderung sofort, als er die drei entdeckte und rieb sich mit einer Hand die müden Augen. „Guten Morgen“, wünschte er mit schleppender Stimme.
Xander stellte die mitgebrachte Donutschachtel auf den Tisch, öffnete sie und nahm sich eines der Gebäckteilchen heraus. „Haben Sie schon irgendetwas brauchbares gefunden?“, wandte er sich nervös an den Wächter.
„Ich fürchte nicht“, erwiderte dieser und nahm Anya dankbar lächelnd einen Pappbecher mit Kaffee ab. „Es ist bedeutend schwieriger als ich dachte.“
„Sie meinen, wir können kein Portal zu der Dimension öffnen?“ Willow hängte ihre Tasche an einen der Stühle, zog diesen dann zurück und setzte sich mit angstvoll geweiteten Augen.
„Das Portal zu öffnen, ist eigentlich nicht das Problem“, erwiderte Giles, öffnete den Gebäckkarton und blickte hinein. Er nahm sich einen, der mit Marmelade gefüllten Donuts und setzte sich ebenfalls. „Wir wissen nur nicht, wo wir ankommen.“
„Ja, das ist manchmal wirklich lustig“, warf Anya ein, die gerade die Vorbestellungen für den Tag durchging. „Man weiß nie, wo man landet.“
„Das versteh ich nicht“, meinte Xander und sah seine Freundin fragend an. „Ein Portal ist eine Tür, oder nicht?“
„Sicher“, erwiderte Anya lächelnd. „Aber du weißt nie, wo diese Tür dich hinführt.“
Willow blickte den Wächter überrascht an. „Was soll das heißen?“
Giles legte seinen angebissenen Donut auf eine Serviette, putzte sich sorgfältig die Hände ab und sah die Hexe ernst an. „Es hängt immer mit der Person zusammen, die das Portal öffnet. Mit dem Ziel, das sie vor Augen hat.“ Er räusperte sich kurz und begann dann mit einer langen, sehr ausführlichen Erklärung.
„Sie meinen, wir haben kaum eine Chance die richtige Stelle zu finden?“, fragte die Rothaarige mit bebender Stimme, als er geendet hatte.
„Ähm…, ja…so ungefähr“, erwiderte der Wächter niedergeschlagen.
Teil 3
Die Meute hatte Buffy vollkommen eingekreist. Die Bestien fauchten furchterregend und zogen gefährlich knurrend ihre Leftzen in die Höhe. Lange, grob gezackte Reißzähne blitzten der Jägerin entgegen, die ihr Schwert am ausgestreckten Arm hielt und sich schnell um sich selbst drehte, um die Tiere von sich fern zu halten.
‚Es sind einfach zu viele’, dachte Buffy hoffnungslos, als der Vampir wie aus dem Nichts auftauchte und fast lautlos auf eines der grauenvollen Wesen sprang. Spike brach dem Untier kurzerhand das Genick, schleuderte die tote Kreatur durch die Luft und stürzte sich fauchend auf die nächste.
Die Lähmung, die Buffy für einen kurzen Moment überfallen hatte, fiel auf einen Schlag von ihr ab. Gekonnt wirbelte sie ihr Schwert herum und verletzte und tötete viele, der wilden Tiere. Stechend und schlagend bahnte sie sich einen Weg durch die Meute und erhaschte dabei einen kurzen Blick auf den Vampir. Angewidert zog Spike gerade seine Fänge aus dem leblosen Körper eines der Bestien und spuckte das Blut auf den Boden.
Die Jägerin hatte jetzt allerdings keine Zeit sich zu ekeln, fünf der Untiere hatten sie an eine Felswand gedrängt und ließen ihr, sie wild anknurrend, keine Fluchtmöglichkeit. ‚Mist! Was jetzt?’, überlegte sie fieberhaft in dem Moment, als die Erde unter ihren Füßen anfing zu zittern.
Sekunden später knallte es ohrenbetäubend und große Steine flogen wie Geschosse durch die Luft. Die Bestien winselten, liefen jaulend durcheinander, als der Boden unter ihren Füßen immer stärker bebte und sich Risse in dem steinigen Boden auftaten.
Ein weiterer Donnerschlag hallte durch die Luft, Buffy drängte noch weiter an die Felswand, ließ das Schwert fallen und hielt sich schützend die Arme über den Kopf. Weitere der steinernen Geschosse flogen heulend durch die Luft und das Rudel, jetzt völlig verängstigt, schoss den Abhang hinunter auf das Tal zu.
Der Vampir wurde von einem der kleineren Steine an der Schulter getroffen und fühlte augenblicklich wie das Gelenk auskugelte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht warf er sich schutzsuchend hinter einen der großen Felsbrocken und zog die Beine nah an seinen Körper. ‚Verfluchte Scheiße! Was zur Hölle ist das für eine beschissene Dimension? Geifernde Bestien und ein verdammter Vulkanausbruch! Was kommt noch?’, schimpfte er lautlos vor sich hin und versuchte vorsichtig um den Felsbrocken zu sehen.
Im Westen, des immer höher werdenden Gebirges, konnte er eine riesige tiefschwarze Rauchwolke ausmachen, die sich über einem der niedrigeren Berge in den Himmel auftürmte. Scheinbar war der komplette Bergkegel in die Luft geflogen und glühende, hellrote Lava floss in reißenden Strömen die Abhänge des Berges hinab.
Allerdings schien momentan eine Art Feuerpause zu herrschen, er rappelte sich auf, kniff die Augen zusammen und rammte mit Anlauf seine Schulter gegen eine Felswand. Laut knackend sprang das Gelenk zurück in seine Halterung und Spike knurrte unterdrückt auf. Er drehte seinen Arm und bewegte ihn vor und zurück. „Schon besser", brummte er erleichtert und lief über die noch immer bebende Erde vorsichtig zurück auf den Pfad.
„Slayer! Wo bist du? Wir müssen hier weg, bevor der Vulkan noch mal explodiert!"
Buffy erhob sich, griff nach dem Schwert und kam aus ihrer Deckung. „Hier!", antwortete sie leise und hielt sich den schmerzenden Arm.
Spike blickte ihr in die Augen und deutete dann auf ihr Bein. „Kannst du damit laufen?"
Sie sah an sich herab, bemerkte erst jetzt die klaffende, stark blutende Wunde, die die Krallen eines der Bestien hinterlassen hatte und fluchte laut auf. „Gott, verdammt! Mir reicht es! Was denn noch alles?"
Der Vampir zog seinen Gürtel aus der Hose, ging zu ihr herüber und sah sie ernst an. „Das wird jetzt wehtun."
Buffy nickte nur, sah ihm zu, wie er den Gürtel um ihr Bein schlang und dann fest zuzog. Im ersten Moment wurde ihr schlecht und sie sog schnell Luft ein, um nicht umzukippen. Sie atmete mit geschlossenen Augen mehrmals tief ein und aus, öffnete sie dann wieder und sah Spike fest in die Augen. „Lass uns gehen."
Er nickte kurz, sah sich um und entschied erst einmal dem Pfad zu folgen, der anscheinend von dem, noch immer Lava ausspuckenden Berg, wegführte. Spike beobachtete aus den Augenwinkeln die Jägerin, erst humpelte sie und verzog bei jedem Schritt das Gesicht, doch wie es aussah, sammelte sie ihre übrig gebliebenen Kräfte und ihre Bewegungen wurden wieder fester und sicherer.
„Wo gehen wir eigentlich hin?", fragte Buffy, blieb stehen und blickte sich genervt um. Inzwischen war das Gelände schroff und felsig geworden. Hügel und niedrige Berge türmten sich zu beiden Seiten des Weges auf und außer ein paar niedrigen Sträuchern wuchs hier nichts als Moos und Flechten.
„Wir müssen eine Siedlung oder so etwas finden", erwiderte der Vampir ohne stehen zu bleiben.
„Bist du jetzt vollkommen durchgeknallt? Wir gehen freiwillig in die Höhle des Löwen?"
„Ja! Ich tausche dich gegen Whiskey und Biberfelle ein!", fauchte Spike böse und blieb stehen. „Entweder du vertraust mir oder du musst sehen, wie du alleine zu Recht kommst."
„Du könntest mir ja auch mal erklären, was du vorhast, anstatt hier schweigend durch dieses bescheuerte bunte Gebirge zu marschieren."
„Mache ich, sobald ich die Zeit dazu habe", knurrte der Vampir giftig. „Es wird bald dunkel und wir kommen der Siedlung näher."
„Woher weißt du das alles so genau? Warst du schon einmal hier?", fragte die Jägerin, rammte ihr Breitschwert in die Erde und schaute den Vampir abwartend an.
„Die Dunkelheit kann ich spüren und den Gestank, den die Tarxis absondern…", er verzog angewidert das Gesicht. „Selbst für mich einfach nur abstoßend. Können wir jetzt endlich weiter?"
„Wie weit noch?", Buffy seufzte und sah hinunter auf ihr verletztes Bein. Sie atmete tief ein, hielt die Luft an und zog mit einem Ruck den Gürtel strammer, der sich, während des langen Marsches, gelockert hatte. Sie unterdrückte den Schmerz, richtete sich wieder auf und leckte sich über die spröden Lippen.
Die Jägerin verfluchte den Durst, den sie seit Stunden verspürte, ihr Magen knurrte in unregelmäßigen Abständen und der Vampir grinste sie wissend an. ‚Das fehlt mir auch noch’, schimpfte sie wütend in Gedanken. Ein Vampir, der alles besser weiß! Wenn das so weitergeht, lass ich den mit absoluter Sicherheit hier!’
„Nur bis nach da oben", erwiderte Spike und zeigte auf den Berg, der ihnen am nächsten war.
„Ist ja klar, wir haben ja nichts Besseres zutun als Bergsteigen! Du spinnst total", schimpfte sie, zog das Schwert wieder aus der Erde und fuchtelte damit in der Luft herum. „Was für eine bescheuerte Idee! Die kann auch nur von dir sein!"
„Da oben ist eine Höhle im Fels! Und ich will nicht den ganzen Berg hoch, verdammt!", schrie Spike sie an. „ Gerade du könntest einen Platz brauchen, um dich auszuruhen. Ich blute nicht wie abgestochen!"
„Dann lass uns gehen!", schrie Buffy böse zurück, schubste ihn zur Seite und kletterte zielstrebig auf den gezeigten Berg zu.
Der Vampir starrte ihr böse hinterher, musste dann lachen und schüttelte den Kopf. ‚Einfach nur unglaublich!’
Die Dunkelheit kam, anders als Buffy es gewohnt war, auf einen Schlag. Innerhalb weniger Minuten war es so finster, das Buffy kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Das Klettern fiel ihr immer schwerer, sie war völlig erschöpft und ihr Bein brannte wie Feuer. Sie konnte kaum die nächste Felskante erkennen, an denen sie sich bis jetzt mühsam den Weg nach oben gebahnt hatte. Sie setzte sich seufzend auf eine kleine Plattform, die aus dem schroffen Fels heraus ragte und blickte hinab ins Tal. ‚Das darf nicht wahr sein’, überlegte sie müde. ‚Er hatte schon wieder Recht.’
Von ihrem luftigen Sitzplatz aus konnte sie eine Siedlung der Tarxis Dämonen ausmachen. Buffy erkannte acht fast gleich große Holzhütten, die kreisförmig um eine Art Dorfplatz erbaut waren, auf dem jetzt ein riesiges, grün schimmerndes Feuer brannte.
Der Vampir schwang sich neben sie und folgte ihrem Blick. „Wusste ich es doch, wie im Mittelalter", lachte er fies. „Bei dem Gestank konnte es einfach nicht anders sein."
„Wie weit ist es noch?", fragte Buffy komplett erschöpft, der Durst nagte schwer an ihr und eigentlich wollte sie nur noch schlafen. ‚Am besten in meinem eigenen Bett’, träumte sie vor sich hin.
„Wir sind schon da", erwiderte Spike, stand auf und zeigte auf die dunkle Felswand.
Die Jägerin erhob sich unter Schmerzen, kraftlos machte sie zwei Schritte auf ihn zu und sah dann den niedrigen Eingang zur Höhle. ‚Was, wenn das jetzt alles ist? Nur eine kleine Nische und sonst nichts? Ich bringe ihn um!’
Sie bückte sich und tastete sich vorsichtig hinein in die totale Finsternis. Der Vampir folgte ihr und zündete wenig später sein Feuerzeug an. Überrascht blickten sich beide in der großen Kammer um, die sich im Licht der kleinen Flamme des Feuerzeuges abzeichnete.
Buffy richtete sich auf, streckte sich unter Schmerzen und ließ dann ihr Schwert einfach scheppernd auf den Fußboden fallen.
„Wasser", rief der Vampir plötzlich leise, bog um eine der vielen scharf gezackten Ecken und fluchte dann laut auf. Das Feuerzeug in seiner Hand war zu heiß geworden und er hielt seine Hand unter die kleine Quelle, die er entdeckt hatte.
„Die Felsen phosphorisieren", rief Buffy erstaunt und folgte humpelnd dem Vampir.
Die gesamte Höhle erstrahlte in einem diffusen rötlichen Licht und die Jägerin konnte ein kleines Rinnsal entdecken, unter das Spike nach wie vor seine Finger hielt.
„Ob ich das trinken kann?", fragte sie zweifelnd.
„Du wirst es versuchen müssen. Den Vorkoster kann ich nicht spielen, ich bin schon tot."
Buffy hielt ihre Hand unter den kleinen Wasserlauf, fing etwas davon auf und führte es vorsichtig an ihren Mund. Sie trank einen kleinen Schluck und stellte zu ihrer Beruhigung fest, dass es fast wie gewohnt schmeckte, vielleicht etwas süßlicher. Sie trat nah an die Quelle heran und ließ sich das köstliche Nass direkt in den Mund laufen.
„Trink nicht zuviel, möglicherweise hat es irgendwelche Nachwirkungen."
Nur widerwillig löste sich Buffy einigen Sekunden später von der Quelle. Sie schlurfte stumm zurück in die große Kammer der Höhle und schob mit dem Fuß einige Steine beiseite. Dann zog sie ihre Jacke aus, rollte sie zusammen und legte sie als Kopfkissenersatz auf den sandigen Boden. Vorsichtig und langsam setzte sich Buffy auf die Erde, streckte ihr verletztes Bein aus und legte sich schließlich hin.
Spike lehnte rauchend an einer Felswand und beobachtete sie ununterbrochen. Als er sicher war, dass sie fest schlief, löste er sich von der Wand, krabbelte durch den niedrigen Eingang der Höhle zurück auf den Felsvorsprung und starrte auf das Dorf der Tarxis. „Ich denke, ich habe noch so einiges zu erledigen", grinste er hinterhältig und schnipste seine Zigarette in die Luft.
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„Wir werden sie niemals finden", seufzte Willow mutlos und sah den Wächter verzweifelt an. „Das war jetzt das achtzehnte Tor, es muss doch eine andere Möglichkeit geben."
Tara trat hinter sie, legte ihr tröstend einen Arm um den Bauch, zog sie sachte an sich und flüsterte ihr leise ins Ohr. „Wir finden sie, Willow! Ganz bestimmt."
Willow lehnte sich in die Umarmung, drückte sanft den Arm ihrer Geliebten und entspannte sich für wenige Sekunden.
Seit Tagen öffneten sie und Giles jetzt ein Dimensionstor nach dem Anderen. Nach jedem weiteren gescheiterten Versuch war die Hoffnung der Rothaarigen ein kleines bisschen geschrumpft. Die Ungewissheit war für Willow das Allerschlimmste, sie wusste nicht mehr, was sie noch tun konnten, um Buffy und Spike zu finden.
Der Wächter wischte sich nach der mentalen Anstrengung den Schweiß von der Stirn. „So geht das nicht weiter! Wir müssen besser überlegen, wo sie hingehen würde wenn…, ähm…"
„Ich denke, das ist alles einfach falsch", erklärte Anya teilnahmslos, wischte den Staub von den ausgestellten Schrumpfköpfen und ordnete sie neu an.
„Was ist falsch, An?" Xander blickte seine Freundin wieder einmal überrascht an. „Warum kannst du nicht einmal genau sagen, was du meinst, warum muss man immer noch einmal fragen? Wir versuchen hier seit Stunden…", brauste er auf, atmete dann tief ein und sah seine Freundin bittend an. „Sag einfach, was du weißt."
„Ich denke, es ist falsch nach Orten zu suchen, an die sie gehen würde. Meiner Meinung nach wird sie eher einen Ort suchen, an den Giles gehen würde", erwiderte die Ex-Dämonin beleidigt und zuckte mit den Schultern.
„Der Gedanke ist gar nicht mal schlecht", erklärte der Wächter. Erschöpft von den vielen erfolglosen Versuchen setzte er sich auf einen der Stühle, nahm seine Brille ab und polierte sie. „Die Frage ist nur: Wo würde ich hingehen?"
Teil 4
Buffy erwachte nur mühsam aus einem unruhigen, traumlosen Schlaf. Ihre Augenlider fühlten sich an wie aus Blei gegossen und nur mit größter Anstrengung konnte sie sie langsam öffnen. Im ersten Moment war sie völlig orientierungslos und sie starrte erschrocken die in orangerot schimmernden Felswänden an.
Die Erinnerung stürzte rasend schnell auf sie ein, ihre Hand griff an ihr Bein und ein stechender Schmerz durchzuckte sie augenblicklich. Sie fluchte unterdrückt auf, erhob sich schwerfällig und betrachtete ihren verletzten Oberschenkel.
Ihre Heilkräfte hatten auch dieses Mal nicht versagt, die Wunde war zwar bei Weitem nicht verheilt, aber sie hatte sich geschlossen und Buffy nahm vorsichtig den Gürtel ab. Durch das zurückströmende Blut fühlte sich das Bein an, als würde es brennen und sie ballte ihre Hände zu Fäusten zusammen, um nicht laut zu aufzuschreien.
Nachdem der Schmerz verklungen war, blickte sie sich neugierig in der Kammer um. Das merkwürdige Glimmen der Felswände hatte aufgehört und das wenige Licht fiel jetzt durch den kleinen Eingang der Höhle. Der Vampir lag, nur wenige Meter entfernt von ihr, schlafend auf dem sandigen Boden.
Buffy erhob sich vorsichtig, streckte sich und wartete auf den Schmerz. Beruhigt stellte sie fest, dass dieser bedeutend geringer ausfiel als erwartet und leise ging sie zu der Wasserquelle, um ihren Durst zu stillen. Augenblicklich knurrte ihr Magen laut und erinnerte sie daran, dass sie mehr als Wasser brauchte, um in dieser Dimension überleben zu können.
Nachdem sie getrunken hatte, ließ sie sich das eiskalte Wasser über das Gesicht laufen und fühlte die Müdigkeit endgültig schwinden. Möglichst lautlos, um den Vampir nicht zu wecken, schlich sie zurück in die große Kammer der Höhle und sah ein Bündel, aus derbem Stoff, auf einem der glatten Steine liegen. Verwundert betrachtete sie es einen Moment, ging dann vorsichtig darauf zu und stupste es mit einem Finger vorsichtig an.
„Mach es auf, ich habe dir gestern noch etwas zu Essen besorgt", murmelte Spike mit verschlafener Stimme.
Fassungslos sah Buffy den noch immer mit geschlossenen Augen da liegenden Vampir an. „Du bist unten im Dorf gewesen?"
„McDonalds hatte schon zu", knurrte er als Antwort, öffnete seine Augen und blickte sie finster an.
„Entschuldige", nuschelte sie undeutlich. „Danke schön." Behutsam faltete Buffy den Stoff auseinander und war augenblicklich überrascht. Ein gebratenes Stück Fleisch undefinierbarer Herkunft, etwas, das sie für Brot hielt und mehrere unbekannte Früchte kamen zum Vorschein.
Sie griff nach einer der hellblauen Früchte, roch daran und biss zaghaft ein kleines Stückchen heraus. Erleichterung überkam sie, die Frucht schmeckte ähnlich einer Birne und hungrig schlang sie den Rest herunter.
Der Vampir stand auf, klopfte sich den Sand vom Mantel und strubbelte seine Haare, um auch da die lästigen Körnchen loszuwerden. „Ich habe mir das Dorf mal genauer angesehen, und nein, mich hat niemand bemerkt", fügte er rasch hinzu, nachdem er in das besorgte Gesicht der Jägerin geblickt hatte.
„Und was hilft uns das?", fragte Buffy und schnappte sich gierig die nächste Frucht aus dem Bündel.
„Ich habe den Schamanen, Priester oder wie auch immer er hier heißt, gefunden", berichtete Spike strahlend.
Buffy zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine blasse Ahnung, was das bedeuten soll. Du hast mir ja nichts von deinen Plänen erzählt."
„Okay", erwiderte der Vampir, setzte sich auf einen der Steine und sah sie müde an. „Dann werde ich dir mal erklären, was ich mir überlegt habe."
Und genau das tat er. Er erzählte, dass er schon mehrmals in seinem Unleben von Dimensionen gehört hatte, aus denen nie jemand je wieder zurückgekehrt war. Eben weil ein Tor nur an der für den Erschaffer richtigen Stelle aufgeht. Durch dieses Vorwissen war ihm gleich klar gewesen, dass sie einen besonderen Ort finden müssten, einen, den der Wächter auch finden kann.
„Und besondere Orte gibt es in dieser Scheißdimension nicht. Jedenfalls nicht, dass wir wüssten. Also denke ich, wir brauchen einen Ort mit besonderen Fähigkeiten, irgendetwas mystisches, mit speziellen Kräften."
„Du meinst, so was wie den Höllenschlund?", warf die Jägerin ein, die aufgestanden war, um sich den klebrigen Saft der Früchte abzuwaschen.
„Zumindest so etwas in der Art. Eigentlich mehr so was wie Stonehenge bei uns, einen besonderen Energiepunkt. Deswegen auch der Schamane, oder wie immer er sich hier nennt. Er ist derjenige, der ihn mit Sicherheit kennt."
„Ich verstehe so langsam, der Heilkundige soll uns an den Ort führen. Aber was machen wir, wenn es einen solchen Ort nicht gibt, oder wenn es jede Menge davon gibt?", fragte Buffy unsicher.
„Wenn es gar nicht anders geht, werden wir uns einen Schamanen schnappen müssen, irgendwie ist es den Tarxis ja auch gelungen in unsere Welt zu gelangen", erklärte der Vampir. ‚Das allerdings wird mit Sicherheit keine leichte Aufgabe, und ich bin mir nicht sicher, ob wir den Kampf gegen ein ganzes Dorf dieser stinkenden Mistdämonen überleben werden’, setzte er in Gedanken hinzu.
„Was machen wir jetzt?"
„Schlafen", erwiderte Spike kurz angebunden. „Solange es hell ist, ist es einfach zu gefährlich."
„Na toll! Das kann ja ein toller Tag werden", murrte die Jägerin. „Ich hasse das, stundenlang Rumsitzen und darauf warten, dass es endlich losgeht."
„Du hast keine Ahnung, wie lange du geschlafen hast, richtig?", grinste er hinterhältig. „In spätestens drei Stunden wird es bereits wieder dunkel, also ruh dich aus! Wenn es zum Kampf kommt, wirst du alles an Kraft brauchen, was du noch aufbringen kannst!"
Überrascht sah Buffy ihn an. „Ich habe solange geschlafen?", fragte sie ungläubig und schüttelte den Kopf.
„Ja", grinste Spike hinterhältig. „Und schnarchen kannst du auch gewaltig!"
„Ich schnarche nie!", fauchte sie ihn an. „Warum musst du mich eigentlich immer ärgern?"
„Weil es Spaß macht, außerdem hab ich sonst nicht zu tun", erwiderte der Vampir, streckte sich und massierte dann seine verletzte Schulter.
„Spike? Hast du eigentlich, ähm…, gar keinen Hunger?", fragte Buffy vorsichtig, nachdem sie einen kurzen Blick auf das Bündel geworfen hatte, das er ihr mitgebracht hatte.
„Jetzt nicht mehr", lachte er verschmitzt. „Und nein, frag gar nicht erst. Das willst du mit Sicherheit nicht wissen!" Er beobachtete sie einen Moment, legte dann auf übliche Art seinen Kopf schräg und grinste sie lüstern an. „Ich meine, ich hätte nichts dagegen, wenn du…!"
Buffy guckte ihn grimmig an. „Das kannst du aber so was von vergessen! Erzähl mir lieber, was genau du jetzt eigentlich vorhast. Ich werde nicht wie ein Idiot neben dir stehen und darauf warten, dass uns die Mistviecher erledigen!"
„Einen genauen Plan habe ich nicht. Zumindest nicht wirklich. Ich dachte, wir werden uns mal an die Fersen des Schamanen heften und gucken, was er so macht. Gewöhnlich besuchen sie ihre heiligen Stätten täglich, um mit den Geistern der Verstorbenen in Verbindung zu bleiben."
„Und das weißt du woher?", fragte Buffy wütend und stemmte ihre Hände in die Hüften. „Wir rennen also hinter einem Dämon her und gucken, an welcher Stelle er seinen dämlichen Regentanz aufführt? Das kann ja wohl nicht dein Ernst sein!"
„Hast du einen bessere Idee, Slayer?", zischte der Vampir böse. „Bisher hattest du nicht unbedingt viele Ideen!"
„Kann sein! Bisher war ich auch noch nie in einer so bescheuerten Dimension!", schrie sie zurück.
„Ist klar, ich mache solche Reisen täglich. War schon immer mein verdammtes Hobby!", fauchte er böse zurück, seine Augen zogen sich gefährlich zusammen und er sah aus, als ob er sich im nächsten Moment auf sie stürzen wollte.
Die Jägerin atmete mehrere Male heftig ein und aus, versuchte mühsam ihre Selbstbeherrschung zurückzugewinnen und blickte ihm dann ernst in die Augen. „Gut, du hast ja Recht. Aber, was machen wir mit dem Schamanen, besser gesagt, wie willst du mit ihm Giles den Weg zeigen?"
Spike lehnte sich an die Felswand, kramte eine Zigarette aus der Manteltasche und zündete sie an. Er zog den Rauch ein, ließ dann seinen Kopf kreisen, um die angespannten Muskeln aufzulockern und blickte sie an. „Er ist der einzige, der sich mit Magie auskennt. Vielleicht hat er so etwas wie einen Talisman", erklärte er ruhig. „Irgendetwas das Magie anzieht oder verstärkt."
„Warum können wir, na ja, nicht einfach von ihm ein Tor öffnen lassen? Irgendwie sind die Tarxis doch auch nach Sunnydale gekommen", fragte Buffy und setzte sich auf einen der Steine.
„Die Idee hatte ich auch schon. Ich habe in jede der verdammten Hütten geschaut, aber scheinbar wird in diesem Dorf niemand vermisst. Also ist es nicht das Kaff, aus dem „unsere" Dämonen kamen", erklärte Spike einfach. „Ich kann mich auch täuschen. Aber ich denke, die heilige Stätte, der Talisman und deine verfluchten Kräfte sollten es dem Wächter ermöglichen uns zu finden." Er zuckte mit den Schultern, warf den Zigarettenstummel auf die Erde und trat mit Wucht darauf.
Buffy nickte. „Wir werden es einfach versuchen müssen!" ‚Wir haben ja sowieso keine andere Möglichkeit’, fügte sie in Gedanken hinzu. ‚Ich hoffe nur, Giles hat die gleiche Idee wie wir.’
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„Willow, hältst du noch durch?", fragte Xander besorgt, trat vorsichtig näher und war sich nicht sicher, ob er sie stützen sollte, oder ob er dadurch ihre Konzentration stören würde. Die Hexe war kreidebleich, Schweiß stand ihr auf der Stirn und sie schwankte leicht.
„Ist gut Willow, das reicht!", rief der Wächter. „Du kannst das Tor jetzt schließen."
Sofort unterbrach sie den Kontakt in die fremde Welt und wurde gerade noch rechtzeitig von Xander aufgefangen, bevor sie endgültig zusammenbrach.
„Verdammt, Giles! Das ist zuviel. Sie muss sich ausruhen", schimpfte der Dunkelhaarige und blickte den Wächter finster an.
„Es ist ja nicht so, dass er sie zwingt", warf Anya ein. „Das weißt du auch genau! Sie lässt sich nicht aufhalten, das haben wir jetzt schon mehrmals versucht."
„Und wir waren noch nie soweit wie jetzt", flüsterte Giles leise und blies die Kerze aus Sandelholz aus.
„Sie haben sie gefunden?", fragte Willow mit kraftloser Stimme und richtete sich mit Xanders Hilfe wieder auf. Sie ließ sich von ihm zu einem der Stühle führen, setzte sich bereitwillig darauf und blickte den Wächter müde an.
„Nein. Nicht ganz. Ich meine… Ich habe sie nicht gesehen, aber wir können das Gebiet jetzt eingrenzen, in dem sie sich aufhalten. Es war wirklich eine hervorragende Idee von Tara, nach für diese Welt ungewöhnlichen Kräften zu suchen", erklärte er aufgeregt, nahm seine Brille ab und polierte sie mit seinem Taschentuch. „Und die kleine, jetzt dauerhafte Verbindung wird noch einige Stunden bestehen, ich kann also weiter versuchen sie zu finden."
„Taras Idee war also wirklich hilfreich?", fragte die Rothaarige erfreut, versuchte sich anders hinzusetzen und stöhnte unterdrückt auf. ‚Ich hoffe wir finden sie bald’, überlegte sie und verdrängte den heftigen Kopfschmerz. ‚Nächstes Mal muss es einfach klappen.’
„Ja! Sie lassen sich tatsächlich so aufspüren, wir bräuchten nur noch einen Katalysator, irgendetwas, das ihre Aura verstärkt. Willow, du musst dich jetzt unbedingt schonen, vielleicht brauchen wir beim nächsten Versuch deine gesamte Kraft", meinte Giles und sah sie eindringlich an.
Willow nickte ergeben. „Tara wird gleich kommen, vielleicht können wir beim nächsten Versuch unsere Kräfte miteinander verbinden. Und ich verspreche, ich werde mich ausruhen", fügte sie rasch hinzu, nachdem sie in Xanders besorgtes Gesicht gesehen hatte.
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„Was ist das, was er da auf seinem Kopf hat?", flüsterte Buffy dem Vampir zu, der mit ihr zusammen hinter einer großen, natürlichen Steinwand versteckt auf der Lauer lag. „Ihhh!", raunte sie, als sie es erkannt hatte. „Wenn er schon ein totes Tier mit sich rumschleppt, hätte er es jedenfalls vorher ausnehmen können."
Spike grinste über ihr angewidertes Gesicht, deutete ihr dann mit der Hand an zu schweigen und wagte einen vorsichtigen Blick über die Mauer. ‚Verdammt! Ich hatte gehofft, es wird einfacher!’
Der Heiler des Dorfes war nicht alleine unterwegs, wie er es eigentlich angenommen hatte. Zwei schwer bewaffnete Tarxis folgten ihm im geringen Abstand und er konnte sie mit ihren dumpfen Stimmen singen hören. Zumindest nahm er an es wäre Gesang, genauso gut hätte es die normale Sprache der Dämonen sein können.
Buffy zuckte mit den Schultern, verständigte sich über Blicke und Gesten mit dem Vampir und zusammen schlichen sie den Dämonen hinterher. Das Schwert kratze über einen Stein und sie hielt erschrocken die Luft an. Spike funkelte sie wütend an, doch scheinbar hatte keiner der Tarxis etwas gehört. Die Drei schritten noch immer durch das unebene Gelände und murmelten monoton ihren leisen Gesang.
Ein paar Minuten später stoppte das Grüppchen vor einer kleinen Anhöhe, auf deren Mitte ein kleiner verkrüppelter Baum wuchs. An seinen knorrigen Ästen waren verschiedene, merkwürdig anmutende Gegenstände angebunden. Der Schamane vollführte eigenartige Gesten und sein schrecklicher Gesang wurde von Wort zu Wort lauter.
Die Jägerin deutete auf den rechts stehenden Tarxis und nickte Spike zu. Sie selbst würde sich um den auf der linken Seite kümmern. Langsam und darauf bedacht keinen Krach zu machen, erhob sie sich aus ihrer Deckung und umfasste den Knauf des Schwertes fester.
Der Vampir war ebenfalls aus der Deckung gekommen. Bis jetzt waren sie noch nicht entdeckt worden und er blickte der Jägerin einmal kurz in die Augen, bevor er sich lautlos auf seinen Gegner warf. Aus vollem Flug riss er den Dämon von den Beinen und zusammen stürzten sie auf den steinigen Boden.
Der Schamane schrie schrill auf und Buffy hatte keinerlei Gelegenheit mehr auf den Vampir zu achten, sie schwang ihr Schwert gekonnt gegen den auf sie zu rasenden Tarxis und erwischte schon mit dem ersten Hieb der schweren Waffe den Oberarm des Angreifers. Sie hörte Spike fauchen und wusste, ohne es gesehen zu haben, dass er seinem Dämon die Oberhand überlassen hatte.
Der Schamane kreischte immer lauter und Buffy befürchtete, es würde nicht mehr lange dauern bis das gesamte Dorf hier war. Seine Stimme wurde noch schriller und sie hatte das Gefühl ihre Trommelfelle würden bald platzen. Doch mit einem Schlag war außer den dumpfen Kampfgeräuschen nichts mehr zu hören. Sie wich der Attacke des Tarxis aus und blickte auf den Schamanen, der jetzt merkwürdig zusammengesackt auf der Anhöhe lag.
Ein weiterer kurzer Blick auf Spike ließ sie für einen kurzen Moment grinsen. Er stand breitbeinig über seinem scheinbar toten Gegner und lachte fies. ‚Steine können wirklich nett sein!", schrie er und warf einen weiteren davon auf den bewegungslosen Körper des Schamanen.
Sekunden später sackte Buffy zusammen, der Tarxis hatte sie mit seiner knüppelähnlichen Waffe am Rücken getroffen und der Schmerz ließ ihren Atem schwinden. Ein kurzer Blick aus dem Augenwinkel ließ sie erkennen, dass der Gegner erneut auf sie zustürmte. Sie rammte ihr Schwert mit dem Knauf voran in eine Felsspalte, drehte sich im letzten Moment und riss den Dämon an seiner Schulter direkt in die aufrecht stehende Waffe.
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„Oh mein Gott! Ich hab sie!!! Willow!!! Ich brauche dich, jetzt und sofort!", schrie der Wächter aufgeregt durch die Magic Box.
Sofort eilte die Rothaarige an seine Seite und blickte auf das winzige Fenster, das sie in die Welt der Tarxis blicken ließ. ‚Endlich’, schoss es ihr durch den Kopf und sie blickte sich suchend nach Tara um. „Es geht los, und dieses Mal werde ich deine Hilfe brauchen."
Sie nahm die Hand der Blonden, die inzwischen an ihre Seite getreten war, blickte ihr fest in die Augen und nickte dann aufmunternd. „Zusammen schaffen wir es bestimmt!"
Tara lächelte schwach, atmete noch einmal tief ein und nickte dann zustimmend.
„Können wir irgendetwas helfen?", fragte Xander und blickte erst seine Freundin und dann den Wächter an.
„Nein! Nur Daumen drücken!", erwiderte Giles kurz angebunden. Er war zu beschäftigt, um jetzt auf die unsichere Stimme des Dunkelhaarigen zu einzugehen. Jetzt zählte nur eins, seine Jägerin wieder sicher nach Hause zu bringen.
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Mühsam richtete Buffy sich auf, sie hatte einen Schlag auf ihr verletztes Bein hinnehmen müssen und strich vorsichtig über die Wunde. Blut lief über ihre Hand und sie schüttelte genervt den Kopf. „Und was nun?"
„Ich hab nicht die geringste Ahnung, aber was wir auch immer jetzt tun, wir sollten es schnell machen", erwiderte Spike ernst und blickte den Weg, den sie gekommen waren hinunter. „Wir bekommen bald Besuch!"
„Mist!", schimpfte die Jägerin und folgte seinem Blick. Sie drehte sich um, sah auf den noch immer bewegungslos liegenden Schamanen und klettere entschlossen die Anhöhe hinauf. ‚Und wenn ich das Mistvieh gleich als Druckmittel einsetze?’, überlegte sie böse. „Spike! Kannst du das Schwert holen, ich bin mir sicher, wir werden es bald brauchen."
Mit einem fiesen Grinsen riss der Vampir den toten Körper des Tarxis von dem Schwert, trat dann mehrere Male kräftig gegen den Knauf, bis der Stein nachgab und abbröckelte. Gerade in dem Moment als er die Waffe anhob, tauchten die ersten Dämonen aus dem Dorf auf. Das Geschrei des Heilers hatte sie alarmiert und nun stürmten sie bewaffnet und laut schreiend auf ihre Feinde los.
Der Vampir sprang mit wenigen Sätzen auf die Anhöhe, drehte sich dann der wilden Meute zu und fauchte furchterregend. Sekunden später lag er auf dem Rücken und starrte an die Decke der Magic Box. Das Schwert noch immer in der Hand starrte er dem Wächter verdattert ins Gesicht und sprang dann eilig auf. „Was zur Hölle…", schrie er los, unterbrach sich selbst und schob Xander eilig von dem Dimensionstor weg.
Der Dunkelhaarige hatte sich bemüht die Jägerin, die jetzt umzingelt von mindestens zwanzig Dämonen auf der Anhöhe stand, zu greifen, war aber mehrere Mal kläglich gescheitert.
‚Verdammt! Warum immer ich’, fluchte der Vampir, nahm dann kurz Anlauf und rannte wieder auf das Tor zu. Er sprang ab, fühlte wie sich Hände um seine Fußgelenke legten und griff zu.
Er hatte Buffy erwischt, allerdings unglücklich an nur einem Arm und umklammerte diesen. „Verflucht! Zieht endlich!", schrie er aus vollem Hals und fühlte, wie Giles und Xander heftig an seinen Beinen zerrten.
Einer der Tarxis hatte sich an Buffys Beine gehängt und sie versuchte angestrengt sich aus dem Griff zu befreien. Endlich hatte sie ein Bein aus der Umklammerung lösen können und sie trat dem Dämon hart ins Gesicht. Das letzte, was sie hörte, war das Brechen der Knochen, die sie mit ihrem Tritt getroffen hatte.
Langsam kam sie wieder zu sich, verdattert öffnete sie die Augen und erblickte als erstes, eine blasse aber glücklich strahlende Willow. Tara stand neben ihr und lächelte ihr aufmunternd zu. Sachte drehte Buffy ihren Kopf und blickte in die Augen des Wächters, der jetzt erleichtert aufatmete.
„Buffy", flüsterte Giles. „Ich bin so froh, dass es dir gut geht."
Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete sie sich langsam auf, Xander hielt ihr helfend eine Hand hin und sie zog sich mit schmerzverzerrtem Gesicht daran hoch. „Und ich bin froh wieder hier zu sein", krächzte sie heiser, schluckte dann mehrmals und sah sich fragend um. „Wo ist Spike?"
„Der hat irgendwas von „Schnauze voll" und „Whiskey" gemeckert und ist verschwunden", erklärte Anya schulterzuckend und deutete auf die Eingangstür der Magic Box. „Typisch Vampir!"
‚Ja, typisch Vampir’, dachte Buffy und ihr wurde schmerzlichst bewusst, das sie ohne ihn wohl kaum überlebt hätte. ‚Und das werde ich mir bestimmt auch noch so einige Male anhören dürfen!’
Ende