
Beyond the darkness
Langsam sank die Sonne, versteckte sich hinter den gegenüberliegenden Gebäuden und warf letzte rotgoldene Strahlen durch das Schaufenster. Staubteilchen tanzten im rötlichen Licht und glitzerten wie kleine Sternchen. Absolute Ruhe herrschte, nur ab und zu unterbrochen von dem leisen kratzenden Geräusch, dass eine Buchseite beim Umblättern macht.
Erschöpft lehnte Buffy sich auf ihrem Stuhl zurück, streckte ihre Beine weit unter den Tisch und unterdrückte den Schmerz, der durch ihr linkes Knie flutete. Die Verletzung war noch immer nicht verheilt, auch wenn ihr Sturz bereits zwei Tage her war. Zu viele Kämpfe hatte sie in den darauf folgenden Nächten bestreiten müssen. Zu viele Dämonen in der Stadt, die alle meinten, sich mit ihr messen zu müssen.
Aber das war nun vorbei und wie Giles versicherte, hatte sie jetzt so etwas wie ein paar Tage Freizeit. „Ihr habt die Brasyns besiegt und die Vampire verhalten sich sehr ruhig", hatte er gesagt. „Wie meistens nach einer großen Bedrohung. Es scheint fast so, als müssten sie sich neu formieren."
Spike und sie hatten das Dämonennest der Brasyns ausgehoben, alles kurz und klein geschlagen und der Vampir hatte grinsend einen Kanister Benzin in die brennenden Überreste der schäbigen Hütte geworfen.
‚Endlich ein bisschen Ruhe’, überlegte Buffy und seufzte lautlos. Sie schloss ihre Augen und dämmerte langsam dem Schlaf entgegen.
Lange war ihr diese Pause jedoch nicht vergönnt. Die Tür der Magic Box wurde weit aufgerissen und die Glocke klingelte wie verrückt, als Spike in den Zauberladen stürmte.
„Schon etwas raus gefunden?", rief er bestens gelaunt und trat auf den Tisch zu.
„Ehrlich gesagt, nein", erwiderte Giles und kratzte sich das Kinn.
„Ich auch nicht", stimmte Willow missmutig zu. „Jedenfalls nichts Verständliches", sie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und reckte sich ausgiebig.
„Es ist eine Prophezeiung", grinste Spike. „Da ist es kaum zu erwarten, das
sie ohne Probleme lesbar ist." Er zog einen Stuhl ab, drehte ihn um und setzte
sich verkehrt herum darauf.
„Warum eigentlich?", warf Buffy ein und unterdrückte ein Gähnen. „Prophezeiungen
sind doch dazu da, dass man über zukünftige Geschehnisse informiert wird. Da
sollten sie einfach zu lesen sein. Wer hat eigentlich mal beschlossen, dass
immer alles so verschlüsselt und kompliziert aufgeschrieben wird?", fragte sie
und schüttelte den Kopf.
„Und ihr seid euch sicher, dass in der Höhle, oder wie immer ich es nennen soll, nichts weiter zu finden war?", hakte Giles noch einmal nach, ohne auf die Frage seiner Jägerin einzugehen.
„Nur die nette Holztruhe, die mein Knie zertrümmert hat", erwiderte Buffy mit leidvoller Miene.
Buffy und Spike waren auf Patrouille gewesen. Nichts Besonderes, sondern nur eine reine Routinekontrolle durch die Gruften auf dem Friedhof, als sich plötzlich der Boden unter ihren Füßen aufgetan hatte. Sie waren mehrere Meter tief gefallen und Buffy war unsanft auf einer schweren Truhe gelandet, aus der das alte Schriftstück stammte, an dem Willow und der Wächter nun seit zwei Tagen arbeiteten.
‚Warum zum Henker musste ich eigentlich da runterfallen?’, überlegte Buffy ärgerlich. ‚Wir sind schon hunderte von Malen in der Gruft der Familie St. James gewesen. Warum tut sich der blöde Boden jetzt auf?’
„Du hast echt Talent für so einen Mist", grinste Spike, als hätte er die Gedanken der Jägerin gelesen.
„Ja, super", erwiderte Buffy und verzog das Gesicht.
„Wie auch immer", sagte Spike. „Was wissen wir denn bisher?"
„Wissen?", wiederholte Giles und zuckte mit den Schultern. „Eigentlich gar nichts. Ich habe zwar schon einige Wörter entziffern können, aber die Schrift ist so verblichen, dass es wirklich schwierig ist, es zu deuten. Anscheinend war die Gruft nicht so trocken, wie es für so ein Pergament gut gewesen wäre." Er seufzte. „Dieses Wort hier zum Beispiel", sagte er dann und tippte mit den Fingern auf das alte Schriftstück. „Afflictor, der Zerstörer oder auch einfach Bestia, die Bestie.
„Es ist alles etwas verworren", fügte die rothaarige Hexe hinzu. „Ich habe eine Jahreszahl entziffern können und ebenfalls einige Wörter. Demnach liegt das, was vorher gesagt wird, schon hundert Jahre zurück."
„Ich persönlich finde das gar nicht mal so schlecht", lächelte Buffy zufrieden. „Dann habe ich da ausnahmsweise einmal keine Probleme mit." Sie lehnte sich wieder auf ihrem Stuhl zurück und gähnte herzhaft.
„Sollte man meinen", brummte Giles und lehnte sich über den Tisch. „Sag mal Willow…hast du das schon gesehen?"
„Was denn?", erwiderte die Rothaarige und blickte auf das Schriftstück.
„Die beiden Wörter", sagte der Wächter und tippte mit dem Finger auf die betreffende Stelle.
„Abitere", las Willow. „Abitere und semper, mehr kann ich nicht entziffern. Da fehlt eine Ecke im Papier."
„Reise und Zeit", klärte Spike Buffy auf, die verwundert von Einem zum Anderen blickte.
„Du kannst…was immer das auch für eine Sprache ist?", fragte Buffy überrascht.
„Es ist Latein", erklärte der Wächter, ohne aufzusehen.
„Die Sprache der Gelehrten", grinste Spike. „Also muss ich die können."
„Ach, lass gut sein", winkte Buffy ab. Sie hatte keinerlei Lust, sich auf die Spielchen des Vampirs einzulassen. Ihr war durchaus bewusst, dass er ihr gerade einen Knochen vor die Füße geworfen hatte, aber diesmal sprang sie nicht darauf an. „Gibt es noch irgendetwas, das ich wissen müsste?", wandte sie sich an ihren Wächter.
„Nein, ich denke, heute fällt uns nichts mehr dazu ein. Wir alle sollten für
heute Feierabend machen und morgen in aller Frische wieder anfangen."
„Tara wartet sowieso schon so lange auf mich", sagte Willow nach einem Blick auf
ihre Uhr.
„Ich fahre dich", erklärte Giles und stand auf. „Ich fahre euch alle. Vorausgesetzt, ihr habt nichts anderes vor", sagte er dann mit einem kurzen Blick auf Spike.
„Ehrlich gesagt, habe ich mir überlegt, noch einmal in diese lausige Gruft zu gehen", gestand Buffy. „Sicherheitshalber wollte ich mich dort noch einmal umsehen."
„Ich komme mit", sagte Spike sofort. „Ich habe eh nichts Besseres zu tun."
„Was denn?", fragte Buffy hinterlistig und zog die Augenbrauen hoch. „Keine heißen Verabredungen heute?"
„Nein, aber was nicht ist, kann ja noch werden", erwiderte Spike sofort. Er setzte ein spöttisches Grinsen auf. „Du weiß doch, für dich ist immer ein Platz frei… in meinem Bett."
„Ganz sicher nicht", meckerte die Jägerin und verzog angewidert das Gesicht."
„Seid ihr Beiden dann jetzt fertig?", erkundigte sich der Wächter, ohne auf das Geplänkel von Jägerin und Vampir einzugehen.
Keiner sagte ein Wort, aber die Blicke der Beiden sprachen Bände.
„Wollen Sie den Laden wirklich schon schließen?", fragte Willow verblüfft.
„Es ist doch noch gar nicht so spät."
„Anya kann übernehmen", erklärte Giles. „Sie kommt jeden Moment und dann können
wir los. Ehrlich gesagt, wollte ich zuhause noch einmal in meinen Bücher
nachschlagen", sagte er und rollte das alte Pergament wieder zusammen.
„Vielleicht finde ich dort ein paar brauchbare Informationen."
„Diesmal eilt es jedenfalls nicht", meinte Buffy und stand auf. Sie nahm ihre Jacke von der Stuhllehne und zog sie über. „Immerhin ist das alles schon seit über hundert Jahren vorbei."
„Das nehme ich an", erwiderte Giles. „So sicher bin ich mir da noch nicht. Ich habe mehrfach das Wort Nex gelesen und das macht mich ein wenig stutzig."
„Und wer oder was ist das?", erkundigte sich Buffy.
„Nex bedeutet Mord", seufzte der Wächter. „Aber ich erkenne noch keinen Zusammenhang. Genau aus dem Grund will ich jetzt auch in mein Apartment. Ich denke, ich habe das richtige Buch dort."
Die Jägerin zuckte mit den Schultern. „Wie auch immer. Für mich ist heute früh Feierabend. Ich guck mir jetzt diese blöde Fallgrube noch einmal an und dann ist Schluss. Auch mal nicht schlecht. Dann kann ich einen gemütlichen Abend vor dem Fernseher verbringen", sagte sie lächelnd. „Mit Dawn und einer riesigen Schüssel Popcorn."
„Ja, das hattest du schon lange nicht mehr", erwiderte Willow nickend. „Und ich kann mit Tara zusammen noch den Kurs für fortgeschrittene Psychologie besuchen. Einmal als Gasthörer", grinste sie dann, da sie selbst diesen Kurs nicht belegt hatte. „Ich bin schon gespannt, was da so alles besprochen wird."
„Hört sich nach einer Menge Spaß an", erklärte der Vampir und verzog keine Miene.
„Spaß?", wiederholte Willow ohne Argwohn. „Ich glaube, es ist eher
interessant als spaßig."
„Na dann", grinste Spike und nickte der Ex-Dämonin zu, die gerade durch die Tür
kam.
„Oh, ihr geht alle?", fragte Anya überrascht und konnte ihre Freude darüber kaum verbergen.
„Ja, heute Abend gehört die Magic Box dir", erwiderte der Wächter und klemmte sich die alte Pergamentrolle unter den Arm.
„Endlich", murmelte Anya leise und ein breites Lachen zierte ihr Gesicht. „Xander kommt zwar gleich noch, aber den kann ich…" Sie verschluckte ihre letzten Worte und verabschiedete die anderen schnell. „Bis morgen und lasst euch bloß nicht einfallen, noch einmal zurückzukommen."
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Giles parkte den klapprigen Citroen direkt vor dem Tor des Friedhofs und zog die Handbremse an. Er starrte aus der Frontscheibe und tippte sich mit einem Finger aufs Kinn. „Sag mal, Willow", sagte er dann. „Hättest du etwas dagegen, wenn wir Beide auch einmal einen Blick in das Versteck des Pergaments werfen? Ich würde mir das zu gern einmal ansehen."
„Nein. Das geht schon", erwiderte die Hexe. „Wir haben noch eine gute Stunde, bis die Vorlesung beginnt. Bis dahin sind wir fertig."
„Gut. Dann gehen wir mit."
„Auch gut", sagte Buffy. „Dann komme ich ja in den Genuss, ebenfalls nach Hause gefahren zu werden." Sie schälte sich aus dem alten Wagen und reckte sich, als sie auf der Straße stand. „Außerdem werde ich dann nicht noch tausendmal gefragt, ob ich etwas übersehen habe."
„So schlimm war es auch nicht", schimpfte der Wächter beleidigt. „Aber es hätte ja sein können."
Zusammen machte sich das kleine Grüppchen auf den Weg zur Gruft der Familie St. James. Dort angekommen, drückte Spike die schwere Holztür auf, blieb dann stehen und ließ den Anderen den Vortritt.
„Und wie kommen wir da jetzt runter?", fragte Willow und starrte in das dunkle Loch vor ihr.
„Springen ist wohl keine gute Option", lachte Spike und winkte dann ab. „Wartet, ich hole eben meine Leiter und eine Taschenlampe." Er verschwand und eilte in seine eigene Gruft.
„Warum ist er so hilfsbereit?", fragte der Wächter verblüfft.
„Langeweile", erwiderte Buffy und zuckte mit den Schultern. „Er hat einfach nichts Besseres zu tun."
Zehn Minuten später stand Giles vor den Überresten der alten Holztruhe, die
Buffy durch ihren Sturz komplett zerlegt hatte. Spikes Taschenlampe brauchte er
nicht, da Willow durch einen Beleuchtungszauber die Höhle in ein gleißendes
Licht getaucht hatte.
„Ihr habt doch etwas übersehen", sagte er leise und fühlte mit den Fingern über eine Gravur im ehemaligen Deckel der Truhe.
„Was ist es denn?", fragte Buffy neugierig und trat näher.
„Ich weiß es nicht, aber vielleicht eine Art Schlüssel."
„Ein Schlüssel?" Spike blickte über die Schulter des Wächters und besah sich
dessen Fund einmal genauer. Ein kleines Blech, das mit eigenartigen Formen
graviert war, schien wenig Ähnlichkeit mit dem zu haben, was er erwartet hatte
„Merkwürdig. Das hat mit einem gewöhnlichen Schlüssel aber wenig gemein."
„Ich meinte das auch eher im übertragenen Sinn", erklärte Giles. „Etwas, das mir
beim Entziffern behilflich sein könnte."
„Dann nehmen wir es mit", sagte Buffy gelangweilt. Sie wollte nur noch nach Hause, ein heißes Bad nehmen und sich dann einfach auf das Sofa werfen.
Giles hob das Stück Holz an, und las dann das erste Wort, das in Latein darauf geschrieben stand. „Relino", murmelte er leise und ließ vor Schreck das Brett fallen.
Ein roter Nebel schoss aus dem Blech hervor, verdichtete sich und schwebte langsam auf ihn zu. Giles stolperte rückwärts, bis die Wand ihn stoppte und hielt die Luft an. Die rot wabernde Masse stockte vor ihm, verhielt sich einen Moment regungslos und wanderte dann weiter.
„Scheiße", fluchte Spike und sprang einen Schritt nach hinten. „Verdammt, wie war das noch? Nie etwas laut aussprechen, wenn man nicht weiß, was dann passiert?"
„Was ist das?", fragte Buffy alarmiert.
„Keine Ahnung", murmelte Willow und drückte sich nah an die Wand. „Aber was immer es ist, es verfolgt eine Absicht."
„Das Ding lebt?!", fluchte Buffy laut und versuchte dem Nebel aus dem Weg zu gehen. Aber egal, wohin sie sich auch wandte, die undurchdringliche Masse folgte ihr.
„Verfluchte Hölle", schrie Spike böse, dem es ebenso erging. „Sehen Sie zu, dass dieser verdammte Nebel sich wieder dahin zurückzieht, wo er herkommt.
„Wenn ich nur wüsste, wie", rief Giles nervös und beobachtete mit unruhigem Gefühl im Magen, wie der rote Nebel Buffy und Spike immer näher aneinanderrücken ließ.
„Giles", schrie Buffy, als sie mit Spike zusammenstieß. „Was sollen wir denn…"
Die Stimme der Jägerin verhallte. Fassungslos starrte der Wächter auf die Stelle, an der eben noch Buffy und der Vampir gestanden hatten.
„Oh, Göttin", schrie Willow erschrocken auf. „Wo sind sie hin?"
„Ich weiß es nicht", murmelte der Wächter fassungslos. Buffy und Spike waren ebenso wie der Nebel verschwunden. Sie hatten sich in Sekundenbruchteilen in Luft aufgelöst und das Herz des Wächters schlug bis zum Hals. „Wir müssen es herausfinden. Sofort!", rief er und eilte zur Treppe. Er stockte, lief zurück und hob das Stück Holz mit dem gravierten Schild auf. „Komm schon, Willow. Wir haben keine Zeit."
„Oh, nein. Was ist denn nur…" die Hexe stand stocksteif da und ihr Blick verschleierte sich. „Wie konnte das nur…"
„Willow", rief der Wächter sie zur Ordnung. „Das hilft uns jetzt nicht. Wir müssen das Pergament übersetzen. Und das, so schnell es geht." Er eilte die Treppe hinauf und schlug sich gedanklich immer und immer wieder vor den Kopf. ‚Das hätte mir nicht passieren dürfen. Gerade mir nicht. Verdammt!’
Oben angekommen hielt er Willow hilfreich seine Hand entgegen und blickte ihr ernst ins Gesicht, als sie endlich neben ihm stand. „Ich hole sie zurück! Ja, ich hole sie zurück!"
Teil 2
Buffy stürzte durch einen engen Korridor und hatte das schreckliche Gefühl, in der Unendlichkeit zu versinken. Der rote Nebel hatte sich eng um sie geschlungen, drückte auf ihre Lunge und schnürte ihr die Luft zum Atmen ab. Ihre Augenlider flatterten und sie hoffte, sich endlich in eine beschützende Ohnmacht flüchten zu können, als der Spuk plötzlich ein Ende hatte. Der Nebel verflüchtigte sich und Buffy konnte trotz der Dunkelheit den Boden erkennen, dem sie sich in rasender Geschwindigkeit näherte. Sie zog die Beine an, versuchte damit den Absturz abzufedern und prallte hart auf die Erde. Sie rollte sich so gut es ging auf dem steinigen Boden ab, hörte ihr verletztes Knie laut knacken und blieb reglos liegen. Das nächste, was sie vernahm, war ein „verfluchte Hölle" und den dumpfen Aufprall von Spikes Körper dicht neben ihr.
Buffy atmete tief ein, setzte sich vorsichtig auf und ihre Hand fuhr zu dem schmerzenden Gelenk. Behutsam massierte sie den verletzten Körperteil und ließ dabei ihren Blick wandern. Erkennen konnte sie nicht viel, der Mond war hinter den Wolken verschwunden und Laternen konnte sie keine entdecken. Sie versuchte aufzustehen, verzog das Gesicht und verdrängte die Schmerzen in den hintersten Winkel ihres Bewusstseins.
„Verdammt! Was zum Henker war das?" Spike baute sich neben ihr auf, klopfte sich den Dreck aus dem Mantel und sah ihr dann finster ins Gesicht. „Slayer, kannst du deine verrückten Sachen nicht einmal alleine ausbaden?"
„Meine verrückten Sachen?", wiederholte Buffy ungläubig. „Was habe ich denn
damit zu tun?", motzte sie und rappelte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf.
„Ich habe diesen blöden Nebel nicht auf uns losgelassen."
„Das vielleicht nicht", meckerte der Vampir. „Aber es war deine idiotische Idee,
überhaupt noch einmal in die Scheißgruft zu gehen."
„Na, super", fauchte Buffy. „Also wieder das gleiche Spiel wie immer. Erst anschreien und dann herausfinden, was überhaupt passiert ist."
„Ich weiß, was passiert ist", schrie Spike. „Ich Idiot war wieder so blöde, mit euch Chaoten abzuhängen und darf den Mist jetzt bereinigen!"
„Schrei doch noch lauter", schimpfte die Jägerin. „Ankündigen brauchen wir uns dann nicht mehr."
„Haha", erwiderte der Vampir und verzog das Gesicht. „Als wenn dich das stören würde. Normalerweise bist du doch die, die ewig Krach macht."
„Dann sag du Held mir doch mal, wo wir sind", zischte Buffy böse.
„Woher soll ich das denn wissen?", nörgelte der Vampir.
„Du bist doch immer so verdammt clever", triezte Buffy ihn und humpelte einige Meter weiter. „Komm schon", rief sie dann. „Oder willst du hier Wurzeln schlagen?"
Spike blieb stehen, überließ seinem Dämon die Überhand und blickte sich suchend um. Er hob den Kopf, schnupperte in die Luft und zog verwundert die Augenbrauen zusammen. Er konnte noch nicht genau sagen warum, aber sie waren in großen Schwierigkeiten. „Slayer", rief er leise. „Bleib stehen." Er kannte diesen Geruch, aber gehörte nicht in ihre Zeit. Irgendetwas war furchtbar schiefgelaufen.
„Und warum sollte ich?"
„Ich denke, wir haben ein großes Problem", sagte er leise und hielt wieder die
Nase in die Luft. Das konnte nicht sein, oder etwa doch?
„Was denn?", meckerte Buffy. „Passt das Aroma deinem zarten Näschen etwa nicht?"
„Ich kenne das", erwiderte Spike, ohne auf ihren Versuch, ihn zu beleidigen, einzugehen. „Aber das kann nicht… sollte nicht…"
Vorsichtig und lautlos schlichen sie vorwärts, immer darauf achtend, möglichst wenige Geräusche zu machen. Buffys Bein schmerzte furchtbar und sie machte hin und wieder kleine Zwischenstopps. Schließlich meckerte sie leise vor sich hin und weigerte sich, weiter zu gehen.
„Warum schleichen wir eigentlich?", fragte sie. „Es ist weit und breit nichts
zu sehen oder zu hören."
„Deswegen", murmelte Spike und zeigte nach vorne in die Dunkelheit.
Buffy strengte ihre Augen an, erkannte im schwachen Mondlicht den riesigen Umriss eines Bauwerks, das noch mindestens zweihundert Meter weit weg war und fragte sich, warum Spike bei einem offensichtlich leer stehenden Gebäude so leise sprach. „Es scheint gigantisch zu sein", sagte sie in normaler Lautstärke, während sie weiter darauf zuging.
„Verdammt, Slayer. Sei leise!", fuhr der Vampir sie an und bremste sie.
„Warum?", antwortete Buffy genervt. „Entweder es steht leer, oder die Bewohner sind äußerst sparsam. Immerhin brennen da nur ein paar kleine Lämpchen."
„Das ist der St. James Palast", zischte Spike böse und zog sie einige Meter zurück.
„Was für ein Palast?", fragte Buffy laut.
„Du weißt auch echt gar nichts", erwiderte Spike genervt. „Der St. James Palast steht mitten in London und beherbergt Mitglieder der königlichen Familie. Zumindest in unserer Zeit! Wenn ich mich nicht sehr irre, wohnt dort jetzt gerade der Duke of Clarence. Prinz Albert Victor, seines Zeichens opiumabhängiger Thronfolger und Schwächling."
„Ja, sicher", erwiderte die Jägerin und zog dabei die Worte in die Länge. „Deswegen ist es hier auch so finster. Nein, warte. Ein paar kleine Kerzen stehen ja in den Fenstern und wahrscheinlich laufen die Bodyguards und Wachmänner mit Wasserpistolen bewaffnet hier rum."
„Das sind keine Kerzen", motzte Spike böse. „Das sind Gaslampen und Bodyguards gibt es in der Form noch nicht. Außerdem will ich ja, dass du die Klappe hältst, damit keine der Wachen auf uns aufmerksam wird."
„Was willst du mir eigentlich sagen?", schimpfte die Jägerin giftig. „Wir haben nicht nur Sunnydale verlassen und stehen jetzt mitten in London… Nein! Du willst mir auch noch erzählen, dass es hier keinen verdammten Strom gibt!"
„Sag mal, dir hat der Sturz nicht zufällig den letzten Rest Gehirn durchgeschüttelt? Wir sind in der verdammten Vergangenheit!", schimpfte der Vampir aufgebracht.
„Oh, Mann. Hör bloß auf damit", meckerte sie.
„Du wirst es früh genug sehen. Komm schon", zischte Spike, griff nach ihrem Arm und zog sie nach rechts.
„Kannst du mir mal sagen, wo du jetzt hin willst?", fauchte Buffy wütend. Ihr Bein schmerzte schon genug, ohne dass er sie durch die Landschaft schleifte und sie riss ihren Arm los.
„Ob du es nun glaubst oder nicht", schimpfte Spike böse. „Ich kenne mich hier gut aus. Ich war oft genug hier."
Buffy winkte ab, humpelte hinter ihm her und seufzte laut. Das war albern, aber sie hatte weder die Lust noch die Kraft, sich jetzt auf ein Streitgespräch einzulassen. Der Vampir würde noch früh genug merken, wie sehr er sich irrte. Sie ließ sich von ihm durch Hecken und Büsche schleifen und landete schließlich vor einem hohen schmiedeeisernen Zaun.
„Rüber da", befahl Spike und sprang mit einem Satz über das Hindernis.
Buffy folgte ihm. Allerdings war sie etwas langsamer, da ihr verletztes Knie sie aufhielt. Schließlich stand sie auf der Straße und sie runzelte die Stirn, als der Mond hinter den Wolken hervorkam. Überall Kopfsteinpflaster! Soweit das Auge reichte! Außerdem hatten Pferde ihre Hinterlassenschaften auf der schroffen Straße hinterlassen und sie rümpfte die Nase.
„Dort hinten ist der Buckingham Palace", grinste der Vampir spöttisch und deutete in die Finsternis. „Aber ich glaube, eine Besichtigung fällt heute Nacht wohl aus. Glaubst du mir jetzt?"
„Aber das kann doch gar nicht", erwiderte Buffy verwirrt. „Das darf einfach
nicht passiert sein!"
„Ist es aber", erwiderte Spike eigensinnig und marschierte los.
„Scheiße", murmelte Buffy und lief ihm dann, so schnell es ging, nach. „Aber was hat das zu bedeuten?", wollte sie dann von ihm wissen.
„Das wir mitten in dieser beschissenen Prophezeiung sind", meckerte Spike und eilte durch die dunklen Straßen.
Buffy schaffte es kaum, mit ihm Schritt zu halten. Sie wurde viel zu sehr von den Gebäuden, den vereinzelten Gaslaternen und einigen wenigen Passanten abgelenkt, die sie fassungslos anstarrten. „Wo willst du eigentlich hin?", rief sie ihm hinterher.
„Wir brauchen einen vernünftigen Unterschlupf", sagte er und blieb stehen, bis sie zu ihm aufgeholt hatte. „So wie du humpelst, brauchst du einen Ort, um dein Bein zu schonen." Er rümpfte die Nase. „Außerdem brauchen wir Kleidung und Geld und… ich muss wissen, welches verdammte Jahr wir gerade haben."
„Warum ist das Jahr so wichtig?"
„Das alles hier kommt mir sehr bekannt vor. Es muss so ungefähr zu der Zeit sein, in der ich verwandelt wurde", klärte er sie auf. „Das heißt, mich gibt es hier vielleicht gerade doppelt."
„Oh", erwiderte Buffy. „Und was dann? Ich meine, was machen wir, wenn wir dir und …Angelus begegnen?" Ihre Augenbrauen schossen in die Höhe. „Ich kann es dann wohl schlecht auf einen Kampf mit deinem zweiten Ich ankommen lassen. Oder mit Angels." Buffy seufzte leise. ‚Verflucht noch eins’, schimpfte sie lautlos. ‚Warum passiert mir so was immer?’
„Deswegen will ich dir ja auch erst einmal einen sicheren Platz suchen", sagte Spike und legte den Kopf in den Nacken.
„Ein anderer Stern wäre zwar nett, aber ich glaube, das hilft nicht wirklich", nörgelte die Jägerin gehässig.
„Pfffft…", machte der Vampir und sah ihr ins Gesicht. „Ich will wissen, wie viel Zeit mir bleibt, bis es wieder hell wird."
„Und wie lange noch?", fragte Buffy genervt.
„Lange genug", erwiderte Spike. „Komm jetzt. Ich weiß schon, wo du bleiben kannst."
„Irgendetwas läuft hier gerade schrecklich schief", sagte Buffy und eilte humpelnd hinter ihm her. „Normalerweise muss man dich eher verstecken als mich."
„Tja", grinste Spike. „Diesmal ist es halt umgekehrt. Das hier ist meine Zeit und meine Stadt…"
„Das werden wir ja noch sehen", murmelte Buffy leise.
„Ja", lachte Spike bissig, der sie durchaus gehört hatte. „Das werden wir. Du hast keine Ahnung, wie du dich in dieser Zeit als Frau zu verhalten hast. Und als Mann… ehrlich, Slayer. Das kauft dir keiner ab."
„Warum soll es so schwer sein, einfach eine Frau zu sein?"
„Oh Mann, du solltest doch ab und zu mal in einem Geschichtsbuch lesen", meckerte der Vampir und schüttelte ungläubig den Kopf. „Keine Frau läuft hier ohne einen Begleiter. Es kommt ganz darauf an, wie alt sie ist. Entweder begleitet sie ihr Mann, eine Freundin oder gar eine Anstandsdame" sagte er. „Außerdem trägt hier niemand schwarze Lederhosen und von deiner Frisur brauchen wir wohl nicht sprechen.
Spike führte sie durch schmale, stinkige Gassen und die Jägerin hielt so manches Mal die Luft an, als sie die weiten, großen Straßen Westminsters hinter sich gelassen hatten. Vielen Passanten begegneten ihnen nicht und Spike erklärte ihr, dass dies dafür nicht der richtige Stadtteil war. „Hier wohnen meist Arbeiter und Angestellte, die ein wenig mehr Geld haben als die übrigen Bewohner Londons.
„Wo gehen wir eigentlich hin?", fragte Buffy und drückte sich an die Wand, weil ein heruntergekommener Mann mit seiner Karre an ihnen vorbei zog.
„Es ist nicht mehr weit", erwiderte Spike, ohne auf ihre Frage einzugehen. Er führte sie weiter durch die dunklen Gassen und der Geruch nach Kloake wurde stärker. „So, wir sind da."
„Wir sind wo?", fragte Buffy und sah im schwachen Mondlicht ein verfallenes Gebäude. „Das ist jetzt nicht dein Ernst? Oh nein. Da geh ich nicht rein. Da gibt es mit Sicherheit Ratten und riesige Spinnen und…"
„Du hast es wirklich noch nicht begriffen, oder?", fragte der Vampir ungläubig. „Was hast du erwartet? Das ich dich in irgendein Hotel schleppe? Wie stellst du dir das vor, so, wie wir aussehen? Und womit sollte ich das verdammte Zimmer bezahlen? Ein paar lausige Dollarscheine aus der Hosentasche zaubern?" Spike war wütend, und das machte er deutlich.
„Ich…habe wohl nicht wirklich darüber nachgedacht", gab Buffy kleinlaut zu, doch dann wurde sie böse. „Ich war noch nie in dieser beschissenen Zeit und, wenn man mich gefragt hätte, dann hätte ich hier auch nie hinwollen."
„Jetzt verschwinde endlich in der Ruine und such dir einen verdammten Platz,
an dem du dein Bein ein wenig schonen kannst", fauchte der Vampir. „Eine
Jägerin, die nicht voll einsatzfähig ist, hat auch im London des 19.
Jahrhunderts nichts zu suchen."
„Und was machst du, wenn ich fragen darf?", zischte Buffy böse.
„Ich besorge genau das, was wir brauchen. Kleidung, Kohle und Informationen", fauchte Spike und sein Dämon kam zum Vorschein. „Und wenn du glaubst, dass das hier mir Spaß macht, dann täuscht du dich gewaltig. Ich würde jetzt auch lieber gepflegt vor dem Fernseher sitzen und mir eine verdammte Flasche Whiskey in den Hals gießen."
„Warum kann ich nicht mitkommen?", fragte sie und reckte trotzig das Kinn.
„Weil du mich aufhältst", erwiderte Spike zornig. „Du bist zu langsam und außerdem… Was glaubst du, wie ich an Geld und Kleidung komme? Vielleicht liegt ja was auf der Straße", spöttelte er. „Verdammt, Slayer! Wach endlich auf."
„Aber du kannst doch nicht…du wirst doch nicht…"
„Lass das mal meine Sorge sein", zischte er, drehte sich um und verschwand in der Dunkelheit der Nacht.
Buffy starrte ihm hinterher. Wahrscheinlich hatte er Recht und sie würde ihn wirklich nur aufhalten. Sie hatte keine Ahnung, wie spät es war und somit auch keinen blassen Schimmer, wie lange sie allein in dem verfallenen Haus sein sollte. Aber ihr würde nichts anderes übrig bleiben, als zu warten. „Und das nächste Mal denkst du erst, bevor du sprichst", schimpfte sie mit sich selbst und bahnte sich einen Weg in die Ruine.
Teil 3
Langsam und bedächtig schritt Spike durch die dunklen Gassen und Straßen Londons. Er machte sich nicht die Mühe, sich zu verstecken. Wer immer seinen Weg auch kreuzen würde, er hätte die Folgen zu tragen. Er fühlte eine immense Wut in sich und er brauchte dringend ein Ventil, um sie abzulassen. Erinnerungen drängten sich ihm auf, und viele davon waren nicht gerade positiv.
Hier hatte er gelebt. Als Versager. Als erbärmlicher Schreiberling ohne jegliches Talent. Hier war er gestorben. Ausgesaugt von einer verrückten Dämonin. Und hier war er als Vampir wieder auferstanden, der früher schon nicht wirklich in die Rolle passte, in die er gedrängt wurde. Er war von jeher anders gewesen als andere Vampire. Er konnte hassen, lieben und jegliche Art von Gefühl empfinden, die anderen seiner Art versagt waren.
Sein Mund formte den Namen Cecily und er spuckte angewidert aus. Noch heute, über hundert Jahre später, konnte er ihre Verachtung förmlich fühlen und die alte Wut kochte in ihm hoch.
‚Reiß dich zusammen’, befahl er sich. ‚Du hast jetzt ganz andere Probleme und brauchst nicht in der bescheuerten Vergangenheit kramen!’
Er blieb stehen, kramte in seinen Manteltaschen nach seinen Zigaretten und zündete sich erleichtert eine an. Er brauchte Geld, eine Menge Geld und er brauchte Kleidung für sich und die Jägerin. Spike hatte keine Ahnung, wie lange ihre Zeitreise dauern würde, aber er würde mit Sicherheit nicht in irgendwelchen heruntergekommenen Hütten hausen. Nicht hier, nicht in dieser verdammten Stadt.
Seine Gedanken wanderten und er kramte in brauchbaren Erinnerungen. Was er jetzt dringend brauchte, war eine gute Idee, wo er zu dieser Zeit genügend Bargeld auftreiben konnte. Für einen kurzen Moment kam ihm Whitechaple in den Sinn, doch er verwarf den Gedanken wieder. Die Dirnen und Freier, die dort zu dieser Nachtzeit herumlungerten, hatten bei weitem nicht die Menge Geld, die er erwartete.
‚Eine Bank wäre jetzt nicht schlecht’, überlegte er und kratzte sich am Kinn. Eigentlich dürfte das kein Problem sein. Immerhin war solch ein Geldinstitut ein öffentliches Gebäude und das konnte er betreten, ohne groß auf eine Einladung warten zu müssen. Das Einzige was er brauchte war etwas, das einen schweren Metallsafe öffnen konnte. Einem Gedankenblitz folgend, griff er in seine Manteltasche und zog ein kleines Fläschchen mit einer brodelnden Flüssigkeit hervor.
Spike grinste höhnisch. Das war das Blut eines Hroneschdämons und es hatte die nette Eigenart, fast alles aufzulösen, mit dem es in Berührung kam. Es hatte ihn einige Mühe gekostet, es in seinen Besitz zu bringen, aber es war jede Mühe wert. Eigentlich hatte er es für mögliche Eventualitäten aufheben wollen, aber nun kam es ihm äußerst gelegen. Dem Blut dieses Dämons würde ein solch lächerlicher Geldschrank keine Gegenwehr bieten können und Spike machte sich grinsend auf den Weg. Nun, sie befanden sich vielleicht in der falschen Zeit, aber sie würden sich den größten Luxus leisten, den diese Epoche zu bieten hatte.
Der Vampir machte sich auch weiterhin nicht die Anstrengung, sich irgendwie zu verbergen. Ihm war egal, wer ihn sah und die meisten, die ihm begegneten, wechselten auf schnellstem Weg die Straßenseite. Er lief um die nächste Straßenecke, griff sich den nächsten Passanten und drängte ihn an die Wand.
„Welches Jahr haben wir?", schrie er ihn an und unterdrückte den Schmerz, der in seinem Schädel explodierte. Und da der erschrockene Mann nicht gleich antwortete, überließ er seinem Dämon die Überhand. „Welches verdammte Jahr haben wir?", bellte er.
„1888", stotterte der Fremde mit weit aufgerissenen Augen, ließ sich bereitwillig seine lederne Umhängetasche abnehmen und floh sofort, als Spike von ihm abließ.
‚Aha’, dachte Spike. ‚Dann sind Angelus, Darla, Dru und ich also schon in Paris und ich brauch mir deswegen keine Sorgen machen. Aber was war denn noch 1888? An was erinnert mich das…?’ Er öffnete die Ledertasche, drehte sie um und schüttete den Inhalt auf die Straße. Jetzt hatte er jedenfalls etwas, um das gestohlene Geld zu transportieren.
Der Vampir kam nicht mehr dazu, weiter nachzudenken. Er war in der City von London angekommen und stand vor einem riesigen Gebäude, dass eine der größten Banken der englischen Metropole beherbergte. Genau hier wollte er hin. ‚Dann wollen wir mal einen Eingang suchen’, grinste er voller Vorfreude. Immerhin brach er nicht jeden Tag in eine Bank ein und er schlich vergnügt um die Hausecke.
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Buffy war durch den eingefallenen Eingang in das alte Gebäude gekrabbelt und hatte sich einen möglichst sicheren Platz gesucht. Die Decke wurde hier noch von drei schweren Balken getragen und sie hatte zur Probe vorsichtig an ihnen gerüttelt. Außerdem war ein zerbrochenes Fenster in der Nähe, durch das sie nötigenfalls schnell ins Freie gelangen konnte und das jetzt ein wenig Licht spendete. Zumindest, wenn der Mond gerade einmal nicht hinter den Wolken verschwunden war.
‚Warum kann ich eigentlich nicht irgendwo draußen warten’, meckerte sie lautlos. Ihr war klar, dass Spike sie nicht dabeihaben wollte, wenn er seine Besorgungen machte. Aber deswegen brauchte sie sich doch nicht verstecken wie eine Ratte.
Mittlerweile saß sie seit langer Zeit im Staub und ihre Laune verschlechterte sich jede Sekunde, die verstrich ein wenig mehr. ‚Das hat man davon, wenn man unbedingt noch einmal nachschauen will’, schimpfte sie mit sich selbst. ‚Nächstes Mal kann Giles alleine gehen!’
Buffy seufzte. Der rote Nebel war einfach an Giles vorbeigezogen und ihr schlich sie der Gedanke auf, dass Spike und sie gar keine andere Wahl gehabt hatten, als diese Zeitreise anzutreten. Konnte es denn sein, dass der Vampir und sie tatsächlich für diese Prophezeiung vorgesehen waren? Konnten die Menschen, die sie vor langer Zeit aufgeschrieben hatten, soweit in die Zukunft sehen, um zu wissen, dass Spike mit seinem Chip im Kopf an die Seite des Guten gefesselt war?
„Mist", fluchte sie und hielt im gleichen Atemzug die Luft an. Sie war definitiv nicht alleine in der Ruine, das spürte sie genau. Ihre Nackenhärchen richteten sich auf und sie griff nach einem der zerbrochenen Dachsparren, die neben ihr auf dem Boden lagen. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihrem Magen aus und sie konnte das Böse förmlich spüren.
Behutsam und so leise wie möglich kam die Jägerin auf die Beine. In geduckter Haltung stand sie da und wartete auf den Angriff, der unweigerlich folgen musste.
„Slayer?", hörte sie Spikes leise Stimme. Er stand vor dem verfallenen Haus und rief nach ihr.
Aber Buffy antwortete nicht. Sie lauschte in die Stille und bewegte sich selbst dabei langsam rückwärts auf das Fenster zu.
„Slayer! Verdammt!", rief der Vampir, aber sie dachte gar nicht daran, zu antworten.
Buffy war viel zu sehr damit beschäftigt, sich auf ihren noch immer unsichtbaren Feind zu konzentrieren, der im Dunkeln vor ihr lauerte. Das Rufen des Vampirs hatte ihren Gegner nicht verschreckt oder gar aufgehalten. Er stand unmittelbar vor einem Angriff. Das fühlte sie genau und eine Gänsehaut kroch über ihren Rücken.
Aus den Augenwinkeln sah sie, dass sie das Fenster fast erreicht hatte und eine Sekunde später umklammerte eine eiskalte Hand ihren Arm. Sie brauchte nicht hinzusehen, sie wusste, es war Spike. Merkwürdigerweise sagte er kein Wort, meckerte auch nicht, weil sie ihm keine Antwort gegeben hatte, sondern lauschte ebenso wie sie selbst in die trügerische Stille.
Augenblicke später hörte sie vor sich ein leises Rascheln und sie schüttelte Spikes Hand ab. Langsam hob sie die Holzlatte, machte sich auf den Überfall gefasst und hörte Spike hinter sich plötzlich laut schreien.
„Scheiße! Komm da raus!", brüllte der Vampir. „Sofort!"
Im schwachen Mondlicht erkannte sie eine blitzende Klinge, die sich ihrem Gesicht rasend schnell näherte und fühlte erleichtert Spikes Arme, die sich um ihren Bauch schlossen und sie mit Kraft nach hinten zum Fenster zogen. Der Vampir hatte sich halb in das Haus befördert und zog nun aus Leibeskräften an ihr.
„Komm schon", zischte er. „Wir müssen hier weg! Schnell!"
Buffy ließ sich einfach nach hinten fallen, vertraute darauf, dass der Vampir sie auf die rettende Straße zog und sah ein weiteres Mal den scharfen Gegenstand auf sich zurasen. Geistesgegenwärtig riss sie im Fall die Holzlatte hoch, spürte, wie sie damit ihren unsichtbaren Gegner traf und landete dann mit dem Rücken auf dem schroffen Kopfsteinpflaster.
Spike riss sie auf ihre Füße. „Weg hier! Schnell!"
Und Buffy rannte. Sie ignorierte den Schmerz in ihrem Knie und eilte dem Vampir hinterher. Sie hasteten durch Straßen und enge Gassen, bis Spike plötzlich in eine Seitengasse lief und sie in einen engen Seiteneingang zog.
„Hier rein", zischte er leise und schloss Sekunden später eine schwere Holztür hinter ihnen.
Buffy lehnte sich an die Wand des spärlich beleuchteten Flurs und rang nach Atem. Noch immer hatte sie das beklemmende Gefühl in ihrem Magen und auch ihre Gänsehaut war noch immer nicht verschwunden. „Was war das?", brachte sie schwer atmend heraus.
„Ich weiß es nicht", gestand Spike und lauschte an der Tür. Er wollte sichergehen, dass sie nicht verfolgt wurden und wandte sich ihr dann zu. „Aber was immer das war… es war abgrundtief böse. So etwas habe ich schon lange nicht mehr gespürt." Er runzelte die Stirn und sah sie ernst an. „Ich hoffe nur, dass wir dem Etwas da draußen nie wieder begegnen."
„Und was machen wir jetzt?", flüsterte Buffy leise.
„Jetzt gehen wir in unser verdammtes Hotelzimmer und machen eine wohlverdiente Pause. Die Sonne geht bald auf und wenn ich dich so ansehe, dann hast du eine Erholung dringend nötig."
„Hotelzimmer?", wiederholte Buffy verblüfft und folgte dem Vampir langsam
durch das Halbdunkel des langen Korridors. „Was für ein Hotelzimmer?"
„Das, was ich uns besorgt habe", erwiderte Spike grantig. „Nun komm schon."
„Wie…Wovon willst du das bezahlen?", fragte sie entsetzt.
„Okay", sagte Spike, blieb stehen und drehte sich zu ihr um. „Glaub mir, das willst du gar nicht wissen. Wir führen eine neue Regel ein. Zumindest solange, wie wir hier sind. Das ist meine Stadt und ich weiß, was ich mache. Du kommst einfach mit und stellst nicht zu viele Fragen."
„Das kannst du aber so was von vergessen", zischte Buffy, streckte sich und sah ihm scharf in die Augen. „Wir werden keine Menschen verletzen oder uns irgendetwas aneignen, was uns nicht gehört."
„Jetzt hörst du mir mal zu", zischte Spike böse und trat einen Schritt näher auf sie zu. „Das hier ist das London des 19. Jahrhunderts. Hier gibt es keine Bankautomaten, die dir für deine süße Plastikkarte Geld ausspucken. Man hat Kohle, oder man hat keine. Wenn du das anders machen willst, dann kannst du deinen verdammten Körper in Whitechaple für ein paar lausige Pennys anbieten. Oder du nimmst es so, wie es ist. Auch wenn dir der Gedanke vielleicht nicht gefällt, aber ich sorge gerade für dich. Dafür, dass du Kleidung bekommst, eine Unterkunft und was zu essen. Also halt die Klappe und komm mit."
Buffy blieb wortlos stehen, als Spike weiter durch den Korridor ging. Ihr Kopf sackte ein kleines Stück nach unten und sie seufzte leise. Das Schlimme war, sie wusste, dass der Vampir Recht hatte. Sie konnte nicht gut damit umgehen, dass er sich Geld angeeignet hatte, aber sie war auch schlau genug zu wissen, dass ihr keine andere Möglichkeit blieb. Wahrscheinlich hatte er sogar Recht damit, dass sie in dieser Zeit alleine nicht klarkommen würde. Sie seufzte wieder und ging ihm nach.
Buffy öffnete die Tür, durch die er verschwunden war und blieb verwundert stehen. Sie blickte in eine große Hotelhalle, die sauber und ordentlich und für ihre Zeit wahrscheinlich sehr modern eingerichtet war. Die dunklen Möbel waren auf Hochglanz poliert und strahlten sogar beim schwachen Licht der wenigen Gaslampen, die in regelmäßigen Abständen an den Wänden angebracht waren. Der Vampir unterhielt sich im Flüsterton mit einem Mann in Livree und drückte ihm gerade eine Münze in die Hand.
Er wandte sich zu ihr um. „Kommst du?"
„Ja", erwiderte Buffy und lief hinter ihm die breite Treppe hinauf, die in die oberen Etagen führte. Ihr Knie schmerzte wie die Hölle, aber noch mehr Schwäche wollte sie auf gar keinen Fall zugeben und so biss sie die Zähne zusammen.
„Wie konntest du dem Mann da unten unser Aussehen erklären?", fragte sie neugierig und massierte ihr Knie.
„Charles?", fragte Spike und grinste. „Den kenne ich schon ein paar Jährchen länger. Er weiß, was ich bin und hat genügend Angst, um all meine Wünsche zu erfüllen."
„Er weiß, dass du ein Vampir bist?", fragte Buffy verblüfft. „Wie kann es sein, dass er noch lebt? Du hast früher nicht gerade viel Federlesens um das Töten gemacht."
„Charles arbeitet schon lange für dieses Hotel und ich brauchte des öfteren Zugang zu einem Zimmer. Es kam immer ganz darauf an, welche Person gerade… Oh Mann, Slayer. Das willst du gar nicht genau wissen. Sagen wir mal so, wenn es ein weibliches Wesen war und zufällig die gleiche Statur wie Dru hatte…"
„Okay", bremste Buffy ihn. „Du hast Recht. Ich will es nicht wissen." Sie verzog angewidert das Gesicht. Stories über seine verflossene, vollkommen durchgeknallte Freundin schon gar nicht.
Spike lachte und zusammen gingen sie durch einen Korridor, in dem ein dicker weicher Teppich jegliches Geräusch verschluckte.
„Trotzdem ist es immer von Vorteil, jemand von den Angestellten zu kennen. So habe ich das beste Zimmer bekommen, mit einem netten Ausblick direkt nach Norden. Dementsprechend habe ich auch kein Problem mit meiner Sonnenallergie." Er grinste. „Außerdem habe ich ihm eine Menge Geld gegeben, mit dem er alle möglichen Informationen besorgen kann."
„Er wird sie kaufen", sagte Buffy verächtlich und lehnte sich für einen kurzen Moment an die Wand.
„Selbstverständlich", erwiderte der Vampir fies grinsend. „Das funktioniert hier genauso gut wie in unserer Zeit. Hier vielleicht noch besser, weil es mehr Leute mit Geldsorgen gibt."
Vor dem Zimmer Nummer 114 blieb er schließlich stehen, zog den Schlüssel aus seiner Manteltasche und öffnete die Tür.
„Ganz schon dunkel", murmelte Buffy nach einem kurzen Blick in das Innere und Spike lachte.
„Was glaubst du wohl, warum hier im Korridor überall Kerzen herumstehen?" Er nahm eine der brennenden Lichter, trug sie in das Zimmer und suchte nach der ersten Gaslaterne. „Jetzt besser?", fragte er grinsend, nachdem er sie entzündet hatte und Buffy nickte.
„Und wo ist mein Zimmer?", fragte sie dann und der Vampir hob vergnügt die Augenbrauen.
„Das hier ist dein Zimmer. Unser Zimmer." Und weil sie ihn nur überrascht
anstarrte, sprach er weiter. „Slayer, ich kann Charles eine Menge erklären. Aber
wir wohnen hier im feinsten und teuersten Hotel der verdammten Stadt. Wie soll
ich den anderen Gästen dein eigenes Zimmer erklären? Ich habe uns als Ehepaar
eintragen lassen."
„Mag ja sein, dass diese dämliche Zeit anders ist, aber deswegen brauchen wir
nicht unbedingt als verheiratet gelten", meckerte Buffy.
„Und wo finde ich einen Anstandswauwau für dich?" Er setzte sich auf das Bett, seufzte und sah sie an. „Ich weiß nicht, warum wir hier sind und was zur Hölle wir hier sollen. Aber eines weiß ich ganz sicher. Wir müssen nicht unbedingt auffallen und zum Stadtgespräch werden. Jetzt komm rein. Ich beiß dich schon nicht."
Die Jägerin verzog das Gesicht, trat über die Schwelle und verschloss die Tür hinter sich. ‚Na, das kann ja heiter werden’, schoss es ihr durch den Kopf und sie seufzte unhörbar. ‚Warum passiert so ein Mist immer mir?’
Teil 4
Erschöpft und übermüdet ließ sich die Jägerin auf einen unbequemen Sessel fallen. Ihr Blick schweifte durch das Zimmer und sie betrachtete die antike Einrichtung. Zuletzt blieben ihre Augen auf dem großen, ausladenden Bett hängen und sie runzelte die Stirn.
Spike, der sofort wusste, über was sie nachdachte, lachte. „Tja, Slayer. Du kannst es dir leicht oder verdammt schwer machen. Es gibt nur dieses eine Bett und wir haben auch kein Sofa oder sonstiges. Ich werde hier schlafen", sagte er und ließ sich einfach auf den Rücken fallen. „Entweder du nimmst den Platz", grinste er höhnisch und klopfte mit der flachen Hand auf die freie Bettseite. „Oder du überwindest deine Abneigung gegen harte, unbehagliche Unterlagen und schläfst auf dem Boden.
„Wie lange muss ich mich in diesem miefigen Zimmer verstecken?", fragte Buffy, ohne auf die Anspielungen des Vampirs einzugehen.
„Verstecken? Verstecken brauchst du dich gar nicht", erwiderte Spike. „Außerdem habe ich Charles damit beauftragt, uns morgen früh die Klamotten zu bringen, die ich ausgesucht habe. Er hat genügend Geld bekommen, es sollte eigentlich kein Problem sein."
„Morgen? Aha." Sollte sie jetzt fragen, wo er mitten in der Nacht Kleidungsstücke ausgesucht hatte, oder lieber nicht? Vielleicht hatte er ja Recht und Geld öffnete tatsächlich alle Pforten.
„Du klingst nicht gerade begeistert", grinste er verschmitzt.
„Nein. Das bin ich definitiv nicht. Ich mag gar nicht daran denken, was das für schreckliche Kleider sind", brummte Buffy. „Wo das Badezimmer ist, brauche ich wohl nicht zu fragen, oder?"
„Selbstverständlich haben wir ein Badezimmer", lachte Spike. „Aber erwarte nicht zu viel." Er stand auf, warf seinen Mantel über eine Sessellehne und nahm dann die Kerze, um sie ihr zu überreichen. Dann ging er auf eine Tür zu, die Buffy durchaus schon bemerkt hatte, aber nicht weiter beachtet hatte.
„Irgendwo da drin ist bestimmt auch ein Gaslicht. Soll ich mitkommen und es für dich finden?" Er lachte und seine Augenbrauen wackelten anzüglich.
„Nein, danke", erwiderte sie giftig. „Das werde ich dann schon alleine schaffen." Sie rauschte an ihm vorbei und knallte die Tür hinter sich zu.
Spike zuckte grinsend mit den Schultern und begann sich auszuziehen. Er warf die ausgezogenen Kleidungsstücke über einen Stuhl, schloss die schweren Vorhänge vor dem Fenster und warf sich vollkommen hüllenlos aufs Bett. Kurz dachte er, einfach auf der Decke liegen zu bleiben, doch dann überlegte er es sich anders.
Die anderen Gäste des Hotels wären bestimmt nicht begeistert, wenn sie morgens um vier durch das mörderische Geschrei der Jägerin geweckt werden würden. Und er wollte um keinen Preis auffallen. ‚Hm, warum eigentlich nicht?’, fragte er sich und legte die Stirn in Falten. Sonst war es ihm auch so ziemlich egal, was andere Menschen oder Dämonen von ihm hielten. Er konnte keine Antwort finden, aber es war ihm durchaus wichtig und das musste er dringend noch einmal mit Buffy besprechen. Wo blieb die Jägerin überhaupt so lange?
Weitere zehn Minuten verstrichen, dann kam sie zurück ins Zimmer, stockte, als sie ihn im Bett liegen sah und Spike hätte beinahe gelacht, als er die Frustration in ihrem Gesicht erkannte.
„Na, wie hat dir unser Badezimmer gefallen?", fragte er und lächelte spöttisch.
Buffy warf ihm einen giftigen Blick zu, rümpfte dann die Nase und setzte sich wieder auf den Sessel. „Jetzt stell ich mal eine neue Regel auf", sagte sie. „Wir werden nie wieder ein einziges Wort über das fallen lassen, was ihr Bad nennt."
Der Vampir lachte. „Einverstanden. Und jetzt komm ins Bett", und da Buffy ihn missmutig anblickte, seufzte er. „Slayer. Ich werde dich nicht beißen und auch nicht vernaschen, wenn du das nicht möchtest." Er lachte wieder. „Jetzt stell dich nicht so an. Wir haben keine Ahnung, wie lange wir hier bleiben und glaub mir, nach spätestens zwei Nächten schläfst du eh neben mir. Also hab dich nicht so."
Die Jägerin stand ächzend wieder auf, zog ihre Jacke aus und hängte sie in den Schrank. Das hier war so ungefähr das Letzte, was sie wollte, aber wieder einmal hatte er Recht. Sie könnten Wochen oder gar Monate hier festhängen. Wenn sie überhaupt wieder einen Weg nach Hause fanden… Zimperlich sein brachte sie jetzt nicht weiter und sie kickte die Stiefel von ihren Füßen.
„Dreh dich um", herrschte sie den Vampir an, der ihr bisher aufmerksam zugesehen hatte und sah beinahe belustigt seine Enttäuschung. Schnell entledigte sie sich ihrer restlichen Anziehsachen und schlüpfte nur mit einem Shirt bekleidet unter die warme Bettdecke.
„Bequem ist was anderes", brummte sie und knuddelte das schwere Kissen in eine möglichst behagliche Form.
„Man gewöhnt sich dran", grinste Spike. „Soll ich das Licht ausmachen?"
„Nein, das bleibt, wie es ist", erwiderte Buffy hastig und gähnte dann ausgiebig. Sie zog sich die Decke bis zu den Ohren, murmelte unverständlich und sprach dann etwas lauter. „Welches Jahr haben wir eigentlich?", fragte sie und gähnte wieder.
„1888", sagte Spike. „Heute ist der 3. November 1888. Und ich weiß, dieses
Datum sagt mir was. Irgendetwas war um diese Zeit hier in London, aber was?"
„Jack the Ripper", murmelte Buffy leise. „Vielleicht solltest du mal ein paar
Geschichtsbücher lesen", gähnte sie und schlief augenblicklich ein.
Spike hingegen saß aufrecht im Bett. ‚Verdammt! Sie hat recht!’ Sollten sie etwa aus diesem Grund hier sein? ‚St. James’, schoss es ihm wieder durch den Kopf. Prinz Albert Victor, genannt Eddy, wurde als Verdächtiger gehandelt, aber das war doch alles längst aufgeklärt. Der Prinz hatte sich zur Tatzeit nicht einmal in London aufgehalten. Warum also sollte sich die Familie St. James überhaupt damit befassen? Außerdem war der Name des Prinzen erst sehr viel später überhaupt in den Fall einbezogen worden. Also warum die Familie St. James? War das nur ein Zufall, oder hatte sich ein Mitglied der königlichen Familie wirklich mit dem Fall beschäftigt?
Spike sackte zurück in die Kissen und starrte an die Decke. Was hatte Giles noch gesagt? Die Wörter Afflictor und Bestia hatte er in der Prophezeiung entdeckt und vorgelesen. Der Zerstörer und die Bestie. Nun, zumindest würde das zu Jack the Ripper passen. Der Vampir machte ein ernstes Gesicht. Morgen früh musste er sich gleich eine Zeitung besorgen. Wenn sie wirklich aus diesem Grund ihre Zeitreise machten, dann musste er so viele Informationen sammeln wie möglich.
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Als Buffy am nächsten Morgen erwachte, war sie alleine im Zimmer. Spike war anscheinend schon wieder unterwegs. Aber dafür standen jetzt zwei große Schrankkoffer im Zimmer, wovon einer schon ausgepackt worden war. Buffy setzte sich auf, rieb sich die Augen und gähnte herzhaft. Sie hatte geschlafen wie ein Murmeltier und nicht einmal mitbekommen, dass der Vampir seine neuen Sachen im Raum verteilt hatte.
In dem zweiten Koffer konnten dementsprechend nur ihre neuen Sachen sein und fast widerwillig stieg sie aus dem Bett. Mit spitzen Fingern öffnete sie die Schlösser und hielt unbewusst den Atem an, als der Deckel weit aufschwang.
„Schlicht schwarz", seufzte sie erleichtert, als sie das erste Kleidungsstück erblickte. „Und ohne den ganzen Rüschenkram." Sie nahm das Kleid heraus, ging zu den Fenstern und öffnete die Vorhänge. „Nicht unbedingt das, was ich mir aussuchen würde, aber…Immerhin nicht so überkandidelt."
Sie legte das Kleid vorsichtig auf das Bett und machte sich dann wieder über ihre Überraschungskiste her. Zwei weitere Kleider kamen zum Vorschein. Beide ähnlich dem ersten, aber eins war aus dunkelgrüner Seide und eins hatte einen erdigen Farbton. ‚Ob diese dämlich Schleife wirklich sein muss?’ überlegte sie mit gerunzelter Stirn und winkte dann ab. ‚Eigentlich auch egal. Dann spielen wir eben Verkleiden. Ewig werden wir wohl nicht hier sein.’
Buffy zog ein kleines Holzkästchen aus dem Koffer, öffnete es und zog erstaunt die Augenbrauen hoch. Eine Haarbürste, Haarnadeln und Bänder, duftende Stücke Seife und ein Parfüm kamen zum Vorschein. Ebenso etwas, das stark an eine Zahnbürste erinnerte und Buffy runzelte bei deren Anblick die Stirn. Scheinbar hatte Spike an alles gedacht und sie lächelte. Er hatte sogar annähernd ihren Geschmack getroffen, soweit das im 19. Jahrhundert denn möglich war.
Sie schloss das Kistchen, stellte es auf den Boden und wandte sich wieder dem Inhalt des Koffers zu. Ein in Seidenpapier eingeschlagenes Päckchen erweckte ihre Neugierde. Sie zog es heraus, öffnete es und… ihr blieb vor Schreck der Mund offen stehen.
„Das ist dann wohl das, was sich Unterwäsche nennt", murmelte sie leise und schob die verschiedenen Teile mit dem spitzen Finger auseinander. Spike hatte auch hier nicht an Geld gespart. Es war reine Seide, die sie da fühlte, aber… das würde sie im Leben nicht tragen! Obwohl, die Hemdchen konnte sie vielleicht als Schlafzeug verwenden und sie fischte rasch die vier Stücke Stoffe heraus. Den Rest knüllte sie zu einem Haufen zusammen und schob ihn weit von sich.
„Ach, du Scheiße", entfuhr es ihr, als sie eine Hutschachtel entdeckte. „Das muss nun wirklich nicht sein!" Sie öffnete die Schachtel, warf einen kurzen Blick hinein und schüttelte sich. Darüber musste sie eindeutig noch mit dem Vampir verhandeln. Ein Hut? Nicht, wenn es nach ihr ging!
Sie kramte weiter, fand Schuhe, die sie mit einem Naserümpfen in die nächste Ecke beförderte und einen schweren schwarzen Umhang. Außerdem entdeckte sie ein weiteres Paket, dass in Seidenpapier eingeschlagen war.
„Oh Gott, was denn noch?" Buffy nahm das Paket aus dem Koffer, öffnete es und hielt den Atem an.
„Nachthemden", stellte sie erstaunt fest. „Und was für welche!"
Ungläubig starrte sie auf das, was vor ihr lag. Auch hier hatte der Vampir Geschmack bewiesen. Drei lange Nachtkleider aus reinster weißer Seide strahlten ihr entgegen. Buffy nickte zustimmend, hob das obere hoch und ließ den kalten glatten Stoff durch ihre Hände fließen. „Wunderschön", murmelte sie anerkennend. Alle waren schlicht und ohne große Schnörkel, aber alle hatten eine prachtvolle Stickerei und ihr war sofort klar, dass Spike dafür ein Vermögen ausgegeben hatte.
Die Jägerin erhob sich, ging hinüber zum Spiegel und hielt das wundervolle Nachthemd vor sich. Sie nickte bewundernd, drehte sich hin und her und schluckte dann. Spike hatte wirklich an alles gedacht. Mehr als das. Wahrscheinlich hatte er sie mit dem Edelsten versorgt, was diese Zeit zu bieten hatte und sie musste sich dringend dafür bedanken. Sicher, er war nicht sein Geld, das er ausgab, aber er hätte ihr auch den letzten Ramsch andrehen können.
Vorsichtig legte sie das gute Stück auf die Kommode, nahm dann die Sachen, die sie heute anziehen wollte und machte sich auf den Weg ins Bad. ‚Warum hat er sich eigentlich soviel Mühe gegeben?’, überlegte sie und blieb stehen. Dann zuckte sie mit den Schultern. Bei Gelegenheit würde sie darüber nachdenken. Nicht jetzt. Jetzt würde sie erst einmal den Kampf gegen das so genannte Badezimmer führen und nach Möglichkeit auch gewinnen.
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„Slayer, kannst du mir mal…" Spike stieß mit einem Tablett die Zimmertür auf, erblickte die Jägerin vor dem Spiegel und blieb stocksteif stehen. „Wow", murmelte er dann und bugsierte sich und das Servierbrett vorsichtig ins Zimmer.
„Was, wow?", erwiderte Buffy genervt und drehte sich zu ihm um.
„Ich hätte nicht erwartet, dass du… dich in so altmodischen Klamotten so gut machst."
„Ja, wirklich ganz toll", brummte Buffy und versuchte wieder das Hütchen auf ihrem Kopf zu befestigen. Sie hatte sich die Haare hochgesteckt und verzweifelte jetzt daran, das wagenradartige Ding aufzusetzen. „Müssen da denn diese dämlichen Federn dran sein?", meckerte sie und pustete sich die schwarzen Daunen aus dem Gesicht.
Spike lachte. „Das Ding ist hoch modern."
„Mag ja sein", brummte Buffy. „Gefallen tut es mir trotzdem nicht." Sie nahm den schwarzen Hut, warf ihn beleidigt auf die Kommode und ging dann neugierig zu dem Tablett rüber. „Oh", entfuhr es ihr. „Ist das alles für mich?"
„Na ja. Die Auswahl ist natürlich bescheiden, aber das Beste, was ich auftreiben konnte."
„Danke", sagte Buffy und sah ihm ernst in die Augen. „Auch für die ganzen Klamotten."
„Kein Problem", erwiderte der Vampir und zuckte mit den Schultern. „Aber das eben meinte ich ernst. Ich hätte nicht gedacht, dass du dich tatsächlich in eine Frau des 19. Jahrhunderts verwandeln könntest."
„Na ja, ehrlich gesagt komme ich mir eher vor wie auf einem Kostümfest, aber… ich werde es wohl nicht ändern können." Buffy nahm seufzend einen Toast vom Tablett, biss herzhaft hinein und setzte sich auf das Bett. „Du siehst aber auch…nett aus."
„Auch nicht mehr ganz das, was ich gewohnt bin, aber immerhin sind die Sachen schwarz", meinte Spike und strich sich über den langen Gehrock.
„Bis auf das Hemd", lachte Buffy. „Du hast jetzt schon Ähnlichkeit mit einem Totengräber, aber wenn das auch noch schwarz wäre… Nur deine Haare passen nicht ganz", lachte sie dann.
„Stimmt. Außerdem verzichte ich gerne auf meinen Zylinder", grinste der
Vampir. „Ich bin heute schon ein paar Mal merkwürdig angesehen worden."
„Hast du schon irgendetwas herausgefunden?", erkundigte Buffy sich und nippte
vorsichtig an ihrem Tee.
„Das kommt darauf an", erwiderte Spike und setzte sich neben sie. „Du hast
gestern Jack the Ripper erwähnt, kannst du dich noch daran erinnern?"
„Vage", gab Buffy zu. „Du sagtest irgendwas von November 1888."
„Stimmt", sagte Spike und kratzte sich am Kinn. „Und ich frag mich, ob wir aus dem Grund hier sind."
„Wegen dem Ripper?" fragte Buffy erstaunt. „Du glaubst, wir sollen dieses Monster aufhalten? Das kann nicht dein Ernst sein. Er war ein Mensch und ich wäre dann die Falsche dafür. Ich bekämpfe keine Menschen, selbst, wenn sie noch so böse sind. Das ist nicht mein Job."
„Woher weißt du, dass er ein Mensch war oder ist?", warf Spike ein. „Es wurde viel spekuliert und eine Menge dazu fantasiert, aber gesehen hat ihn nie jemand wirklich. Er könnte ebenso gut ein Dämon sein oder gewesen sein, oder was auch immer. Jedenfalls ist es bisher der einzige Grund dafür, dass wir hier sind. Zumindest fällt mir kein anderer ein"
„Hm", machte Buffy und polierte ihren Apfel. „Wir werden es herausfinden. Am besten gleich heute Abend." Sie machte eine Pause und biss hinein. „Kann es sein, dass wir ihm gestern Abend schon begegnet sind? Ich meine, in dem verfallenen Haus?"
„Keine verdammte Ahnung. Aber wir werden uns Waffen besorgen müssen", sagte
Spike und legte die Stirn nachdenklich in Falten. „Was immer in dem Haus war,
hatte eine Bösartigkeit an sich, die ich lange nicht gespürt habe." Er zuckte
mit den Schultern. „Ich habe Charles aufgetragen, alles herauszufinden, was man
bisher über Jack the Ripper weiß. Wir bekommen sämtliche Zeitungen und wenn
möglich, auch Abschriften der Polizeiprotokolle, Untersuchungsberichte und
Briefe. Er hat genügend Geld von mir bekommen, um selbst den Polizeipräsidenten
bestechen zu können."
„Ja, super. Dann freu ich mich schon mal drauf, jede Menge Papier zu wälzen",
sagte Buffy sarkastisch. „Und was machen wir jetzt? Es dauert noch ziemlich
lange, bis es wieder dunkel wird."
„Ideen hätte ich da eine Menge", lachte Spike und wackelte mit den Augenbrauen.
„Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, was du davon hältst."
Teil 5
Buffy und Spike saßen auf dem großen Bett, beide im Schneidersitz und unterhielten sich über die Dokumente und Papiere, die Charles ihnen am späten Vormittag gebracht hatte.
„Eine schreckliche Handschrift", brummte Buffy. „Von der Schriftart mal ganz zu schweigen", nörgelte sie und überreichte dem Vampir eine Abschrift des Polizeiberichts. „Und ganz viel steht da auch nicht drin", sie seufzte. „Ich kann da jedenfalls nichts mit anfangen. Alleine die Verdächtigenliste..."
„Was ist damit?", erkundigte er sich interessiert.
Buffy nahm die Liste hoch. „Montague John Druitt", las sie vor. „Lehrer und Anwalt. Aaron Kosminski, Friseur. Sir William Withey Gull, Professor." Sie machte eine erwartungsvolle Pause. „Was hilft mir das? Ich kenn davon niemanden, wie auch. Also kann ich damit nichts anfangen. Auch die netten Berichte des Leichenbeschauers… Mir fällt da nur eklig zu ein! Und die Fotografien sind genauso schlecht wie abstoßend."
Spike lachte. „Internet wäre jetzt nicht schlecht."
„Ja, allerdings. Dann wüssten wir, wann und wo er das nächste Mal zuschlägt. Das würde die Sache bedeutend vereinfachen." Sie rutschte zurück, lehnte sich an die Rückwand des Bettes und starrte an die Decke. „Was meinst du, kommen wir hier jemals wieder weg?"
„Sicher. Sobald wir die Prophezeiung erfüllt haben, sind wir wieder da, wo wir hingehören", brummte Spike ohne aufzusehen.
„Hah", schnappte Buffy. „Dazu müssen wir erst einmal wissen, ob Jack the Ripper
wirklich gemeint ist mit der Prophezeiung. Es kann auch sein, dass wir auf der
völlig falschen Spur sind."
„Sicher. Sein könnte es, aber ich glaube nicht daran", erwiderte Spike und
stand auf. „Es ist Zeit für das Abendessen. Sollen wir in den Speisesaal gehen
oder willst du hier bleiben?"
„Muss ich dafür den dämlichen Hut aufsetzen?", fragte die Jägerin misstrauisch
und verdrehte demonstrativ die Augen. Ihr Magen knurrte schon seit Stunden. Das
Mittagessen hatten ausfallen lassen, weil sie viel zu sehr mit der Flut von
Papieren und Dokumenten beschäftigt gewesen waren, aber so langsam kam der
Hunger durch.
„Nein", grinste er. „Den kannst du getrost hier lassen."
„Getrost? Oh, Mann, du bist echt in deiner Zeit", lachte Buffy schelmisch und
stand ebenfalls auf. „Gibt es sonst noch etwas, das ich wissen muss? Irgendwas,
auf das ich achten muss?"
„Nein, es ist nicht so wichtig. Ich habe Charles gesagt, dass du Amerikanerin
bist. Du hast somit einen Sonderstatus. Er wird, wie alle anderen Angestellten
auch, ordentlich getratscht haben und somit weiß es jeder Gast und jeder, der
hier arbeitet."
„Sonderstatus hört sich zwar nett an, ist es aber nicht. Was genau bedeutet es?", erkundigte Buffy sich mit gerunzelter Stirn.
„Ähm, sagen wir mal so… Amerikaner sind eben anders. Das sollte reichen." Spike verschwand schnell aus dem Zimmer, bevor das Kissen, das Buffy nach ihm geworfen hatte, sein Ziel erreichte.
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„Kann man das essen?", fragte die Jägerin und warf einen fast angewiderten Blick auf ihren Teller. Das riesige Stück Fleisch schwamm praktisch in Fett und das Aroma war auch nicht gerade angenehm.
„Du hast doch Lamm bestellt", erwiderte Spike und hob erstaunt die Augenbrauen.
„Ja, aber doch kein ganzes." Mutlos ließ Buffy ihr Besteck sinken. „Gibt es hier so etwas wie Obstsalat oder Joghurt?", fragte sie hoffnungsvoll.
„Eher nicht", erwiderte der Vampir amüsiert. „Ich lasse dir morgen vom Markt etwas Frisches besorgen."
„Danke", sagte sie und schob ihren überfüllten Teller Richtung Tischmitte. „Ich hoffe, dieser komische Nachtisch schmeckt jedenfalls. Ich verhungere gleich."
„Was hattest du bestellt?"
„Das, was der Oberkellner empfohlen hat", sagte Buffy und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht mehr, wie das hieß."
„Na ja, dann bekommst du jedenfalls etwas Gemüse", lachte der Vampir schelmisch und trank genüsslich einen Schluck Wein.
„Gemüse? Wieso Gemüse?" Buffy war entsetzt. „Ich habe eine Nachspeise bestellt, keinen Salatteller."
„Du hast Karottenkuchen bestellt", klärte Spike sie auf und verzog das Gesicht.
„Na, ganz toll. Ich habe ja immer schon gewusst, dass die Engländer nicht kochen können. Können wir nicht einfach gehen?"
„Aber ich habe mein Roastbeef doch noch gar nicht aufgegessen", nörgelte der
Vampir.
„Du brauchst nicht essen", zischte sie. „So, wie ich dich kenne, hat Charles
dich längst mit allem Nötigen versorgt."
„Möchtest du vielleicht etwas von mir mitessen?", bot er ihr hinterhältig grinsend an.
„Nein, danke", meckerte sie. „Dass das Vieh nicht noch lebt, ist alles. Eine
Pfanne hat es nie gesehen! Das ist höchstens einmal durch den Rauch gezogen
worden."
„Deswegen ist das ja auch so lecker", erwiderte Spike und hatte Mühe nicht in
lautes Gelächter auszubrechen.
„Na gut, dann werde ich das tun, was sich für eine Frau dieser bescheuerten Zeit gehört. Ich werde mich zurückziehen", fauchte sie leise. Buffy stand auf, warf ihm einen letzten giftigen Blick zu und rauschte hocherhobenen Hauptes aus dem Speisesaal.
‚Das passte’, grinste der Vampir vergnügt. ‚Das kann wohl jede Frau. Muss angeboren sein.’ In aller Seelenruhe beendete er sein Mahl und folgte ihr dann gemächlich.
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Buffy stand in ihrem Hotelzimmer vor dem Fenster und starrte in die Dunkelheit. Sie hatte schlechte Laune und wusste nicht einmal genau warum. Wahrscheinlich war ihr einfach alles zuviel. Dieses verfluchte Jahrhundert, die grässlichen, unbequemen Kleider und…einfach alles. Sie hatte es bisher zwar noch nie laut gesagt, aber sie hatte große Angst, nie wieder in ihre eigene Zeit zurückkehren zu können.
Jedes Mal, wenn sie daran dachte, wurde ihr das Herz schwer und ihr Magen drohte sich umzudrehen. Wer sollte sich um Dawn kümmern? Was war mit ihrem Job als Jägerin? Immerhin war sie nicht tot. Würde trotzdem eine Nachfolgerin berufen werden, oder musste sie erst sterben, damit in der Zukunft jemand gegen das Böse kämpfen konnte?
Sie hörte, wie sich die Zimmertür langsam öffnete und schnell wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Slayer, alles okay mit dir?", fragte Spike vorsichtig.
Das fehlte ihr jetzt auch noch! Ein Vampir, der sich Sorgen um sie machte! Sie fuhr herum, bereit, ihn anzuschreien und sah den kleinen Obstkorb, den er extra für sie organisiert hatte. Sie sackte in sich zusammen. „Ja, alles okay." Buffy seufzte. „Nein. Gar nichts ist in Ordnung. Ich will hier weg. Sofort! Ich will zurück in meine eigene Zeit."
Spike sah sie ernst an, sagte aber kein Wort und sofort schoss die Wut wieder in ihr hoch.
„Warum sagst du nichts? Sonst hast du doch auch zu allem eine Meinung und versuchst gar nicht erst, sie für dich zu behalten", schnauzte sie ihn an.
„Und ich dachte, du brauchst vielleicht jemanden, an dem du deine schlechte Laune auslassen kannst", erwiderte der Vampir und zuckte mit den Schultern. „So, wie sonst auch immer."
„Oh, verdammt noch mal! Seit wann bist du unter die Weicheier gegangen? Seitdem wir hier sind, benimmst du dich…Oh, Mist! Du bist viel zu nett. Du kaufst mir die teuersten Klamotten, quartierst uns im luxuriösesten Hotel der Stadt ein und… Warum machst du das? Warum kümmerst du dich so um mich?", steigerte sie sich in ihre Aufgebrachtheit.
„Das würdest du eh nicht verstehen", erwiderte Spike und drückte ihr das Körbchen in die Hand.
„Nein, das verstehe ich wirklich nicht", meckerte Buffy. Sie war nicht bereit, sich mit einer so lapidaren Antwort abspeisen zu lassen. „Warum erklärst du es mir nicht?"
„Weil…weil… Ach, Scheiße! Du weißt genau, was ich für dich empfinde", schimpfte der Vampir und fuchtelte wild mit seinen Armen. „Das haben wir oft genug durchgekaut und du hast mir deutlich deine Meinung dazu gesagt. Aber hier…hier in dieser Zeit bist du vollkommen hilflos! Und ob es dir nun passt oder nicht, ich werde auf dich aufpassen." Er winkte ab, als sie antworten wollte. „Vergiss es einfach. Ich hole dich in einer halben Stunde ab, dann werden wir uns in Whitechaple umsehen. Jetzt brauche ich erst einmal was zu trinken." Er verschwand, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Buffy blieb wie angewurzelt stehen und blickte noch lange auf die mittlerweile geschlossene Tür. Er hatte ihr oft gesagt, dass er in sie verliebt war, aber wirklich ernst genommen hatte sie ihn nie. Sie hatte es für einen Spleen, eine Marotte gehalten, weil er wegen seinem Chip einen Teil seines Seins aufgeben musste. Jetzt verstand sie, dass das nicht der Grund war. In ihrer eigenen Zeit brauchte sie keinen Beschützer. Hier schon und das hatte Spike bedeutend schneller begriffen, als sie selbst.
Sicher, sie würde auch irgendwie alleine klarkommen. Aber ohne Geld und eine vernünftige Bleibe… Sie wollte gar nicht weiter darüber nachdenken.
Buffys Schultern sackten herab, sie seufzte und blickte auf den Obstkorb in ihren Händen. Mit schlechtem Gewissen nahm sie einen Apfel heraus, biss hinein und setzte sich auf das Bett.
Was sollte sie jetzt machen? Warten oder versuchen, ihn zu finden? Würde er überhaupt mit ihr reden wollen? Wahrscheinlich brauchte Spike jetzt einfach Zeit, sich wieder zu beruhigen und außerdem hatte sie keine Lust, ein weiteres Streitgespräch anzufangen.
Immerhin war sie schuld an der Auseinandersetzung. Hätte sie ihn nicht beschimpft und wieder einmal ihre Wut an ihm ausgelassen, wäre nichts passiert und sie könnten sich jetzt gemeinsam um die Lösung ihres Problems kümmern.
„Ganz toll", murmelte sie vor sich hin. „Das hast du wieder super hinbekommen!"
*********************
Spike hatte sich unten in der Hotelhalle an einen der Tische gesetzt, einen Kellner heran gewunken und sich eine Flasche teuren Whiskey bestellt. Er war beim vierten Glas, als einer der anderen Gäste sich zu ihm gesellte und ihn ansprach.
„Entschuldigen Sie bitte. Ich weiß, Sie kennen mich nicht, aber ich habe Sie und Ihre Frau eben im Speisesaal gesehen."
„Und?" brummte der Vampir, riss sich dann zusammen und erinnerte sich daran, nicht auffallen zu wollen.
„Scheinbar komme ich ungelegen", sagte der Fremde und wollte sich zurückziehen.
„Nein. Es ist schon gut. Mir schwirren gerade eine Menge Gedanken durch den Kopf", sagte Spike und betrachtete sein Gegenüber einmal genauer. Er war groß und hager und Spike schätzte ihn auf Mitte vierzig. „Was kann ich für Sie tun?"
„Nun, Mr. Doyle. Ich habe zufällig gehört, dass Sie und Ihre Frau aus Amerika zu uns gekommen sind. Und ich habe mich gefragt, ob Sie mir vielleicht bei einem kleinen Problem behilflich sein könnten."
Spike packte seinen besten britischen Akzent aus. „Meine Frau ist Amerikanerin", stellte er klar. „Ich selbst bin hier in London geboren."
„Oh. Nun, wie auch immer. Man hat mir zugetragen, Sie hätten drüben ein
Vermögen gemacht und…"
„So, hat man", brummte Spike. „Dann sind Sie mir gegenüber im Vorteil. Ich kenne
nicht einmal Ihren Namen."
„Entschuldigen Sie bitte. Das ist unverzeihlich. Wie konnte ich das nur vergessen. Mein Name ist Michael Martens" sagte er und verbeugte sich leicht. „Ich bin gerade auf der Suche nach ein paar guten Investitionen und deshalb habe ich es gewagt, Sie anzusprechen."
„Und jetzt erwarten Sie einen guten Rat von mir? Warum wollen Sie im Ausland investieren und nicht hier in England?"
„Nun ja, die neue Welt erscheint mir doch ein wenig lukrativer. Amerikaner sind doch anders als wir", lachte Mr. Martens. „Ich glaube, ich könnte mein Geld dort drüben viel schneller vermehren als hier und überdies hört man von den amerikanischen Frauen nur Positives."
„Nun ja, versuchen könnten Sie es", meinte der Vampir. Das ganze Gespräch ging ihm mächtig auf den Wecker. Es interessierte ihn herzlich wenig, wo dieser Blödmann sein Geld in den Sand setzte. „Aber erwarten Sie nicht zu viel." Er erhob sich. „Entschuldigen Sie mich bitte, ich möchte jetzt zu meiner Frau."
„Selbstverständlich", erwiderte sein neuer Bekannter. „Sie ist eine wahre Schönheit und ich an Ihrer Stelle, würde sie auch nicht zu lange aus den Augen lassen. Wenn Sie verstehen, was ich meine."
„Ja, durchaus", knurrte Spike und hatte alle Mühe, seine Faust nicht in das grinsende Gesicht Michael Martens zu rammen. Was er allerdings nicht verhindern konnte, war, dass seine Augen einen kurzen Moment gelb aufflammten und sein neuer Bekannter ängstlich einen Schritt zurücktrat. „Auf Wiedersehen", fauchte Spike und ging auf die Treppe zu.
Eigentlich war er in die Halle gekommen, um seine schlechte Laune in Whiskey zu ertränken. Nun hatte sie sich um einiges verstärkt und er hoffte, sie gleich an ein paar Dämonen auslassen zu können. ‚Verfluchte Hölle’, schimpfte er und lief die Treppen rauf. ‚Ich hoffe, es werden eine Menge Monster unterwegs sein!’
Teil 6
Die Nacht war bitterkalt. Dichter Nebel lag wie eine bleierne Suppe über der gesamten Stadt und das schummrige Licht der Laternen tat das Übrige, um die ganze Umgebung gespenstisch und unheimlich wirken zu lassen.
Buffy versuchte, ihren Umhang fester um sich zu ziehen und blies dann ihren warmen Atem in ihre klammen Hände. Es war Anfang November und sie war in England. Aber musste es deswegen gleich so kalt sein? Die Jägerin war sich sicher, dass die Temperatur dicht an den Gefrierpunkt heran kam und sie fragte sich, ob es bald schneien würde. Ihre schlechte Laune hatte sich wieder eingefunden und sie verfluchte das dünne Kleid, das sie trug. Eine Hose bot bedeutend mehr Schutz vor der beißenden Kälte und sie überlegte ernsthaft, ob sie vielleicht sogar ihre Lederhose unter dem Ding verstecken konnte.
Sie warf einen kurzen Seitenblick auf Spike, aber der Vampir schien verstummt zu sein. Er hatte sie, wie versprochen, abgeholt, aber in seinen Augen hatte eine unterdrückte Wut gestanden, wie sie es noch nie gesehen hatte. Er hatte ihr wortlos einen Dolch und eine Art Holzpflock überreicht und war dann einfach gegangen. Es schien fast, als wolle er es ihr überlassen, ob sie ihm folgte oder nicht.
Natürlich war sie ihm gefolgt. Buffy hatte keine Lust mehr, tatenlos in ihrem Hotelzimmer zu sitzen und die Wände anzustarren. Kurz hatte sie überlegt, ob sie ihn noch einmal auf ihren Streit ansprechen sollte, doch dann hatte sie die Idee verworfen. Wahrscheinlich war es am besten, wenn sie das Thema nie wieder ansprechen würden.
„Whitechaple", hörte sie ihn leise sagen und sie versuchte, sich so viel von der Umgebung zu merken, wie irgend möglich. Buffy wusste nicht viel über Jack the Ripper, aber sie wusste, dass dieses und die angrenzenden Stadtviertel sein bevorzugtes Jagdgebiet gewesen waren und sie schauderte, weil die Armut der Gegend sogar im Dunkeln deutlich zu sehen war.
Sie versuchte, sich die vielen engen Gassen und schmalen Straßen zu merken, um bei einer eventuellen Flucht jedenfalls zu wissen, in welche Richtung sie lief. Aber sie gab ihr Vorhaben schnell auf. Der Nebel machte es ihr unmöglich, überhaupt etwas zu erkennen und alle Straßen sahen gleich düster aus.
Seit einer guten halben Stunde waren sie nun unterwegs und Buffy spürte das erste Mal an diesem Tag wieder ihr lädiertes Knie. Im Stillen hoffte sie, dass Spike und sie heute Nacht keinen Dämonen oder Monstern begegnen würden. Ihre Selbstheilungskräfte hatten nicht versagt, aber einen Tag brauchte sie noch, um das verletzte Gelenk vollkommen ausheilen zu lassen.
„Was ist das für ein abscheulicher Geruch?", fragte sie und krauste ihre Nase.
„Ein Gemisch aus allem Möglichen", erwiderte Spike knurrig. „Essensreste, Unrat aller Art und …" Er stockte einen Moment. „Dieses Viertel ist nicht gerade für seine Schönheit bekannt."
„Das habe ich durchaus schon bemerkt", erwiderte Buffy spitz und wich einem betrunkenen Pärchen aus, das auf sie zu torkelte.
Egal in welche Ecke sie auch blickte, überall konnte sie die, durch den Nebel undeutlichen, Silhouetten der Dirnen sehen, die sich für ein paar lumpige Pennys jedem Mann anboten, der des Weges kam. Viele hatten nicht einmal ein Zimmer und verrichteten ihre Arbeit auf offener Straße. Sie versteckten sich in Hauseingängen oder lehnten einfach an Mauern. Es schien ihnen völlig egal zu sein, wer sie dabei beobachtete und Buffy verzog angewidert das Gesicht.
„Das ist ekelerregend", entfuhr es ihr.
„Für dich muss das so aussehen", sagte Spike bissig. „Aber für die meisten Frauen hier ist es der einzige Weg, überhaupt an ein bisschen Geld zu kommen. Alles was ihnen sonst noch bleibt sind Arbeitshäuser, die praktisch Gefängnisse sind. Und glaub mir, das Leben auf der Straße ist besser, als in den staatlichen Einrichtungen!"
„Ich habe nicht gesagt, dass ich die Frauen ekelhaft finde", erwiderte Buffy hitzig. „Ich meine das Ganze!"
Allerdings entsprach das nicht ganz der Wahrheit. Eben waren sie an einer der unzähligen Huren vorbeigegangen, bei deren bloßen Anblick sich ihr Magen umgedreht hatte. Verfilzte Haare, lumpige, verdreckte Kleidung und der starke Geruch nach altem Schweiß und billigem Fusel taten das Übrige.
„Nach was suchen wir eigentlich?", erkundigte sie sich wenige Minuten später. Spike sprach noch immer kein Wort mit ihr und sie versuchte, eine normale Unterhaltung zu beginnen.
„Jack the Ripper", erwiderte Spike grantig, doch dann wurde seine Stimme ein
Tick sanfter. „Keine Ahnung. Ich wollte mich hier nur einmal umsehen. Verdammt!
Ich habe keinen blassen Schimmer, wo wir ihn finden könnten und eine große Frage
bleibt auch offen."
„Und die wäre?", hakte die Jägerin nach.
„Ob wir ihn überhaupt vernichten können", antwortete Spike leise. „Aber wenn
der Angreifer aus dem verfallenen Haus und Jack the Ripper ein und dieselbe
Person sind, dann ist er jetzt nicht hier. Ich könnte ihn spüren, wenn er in der
Nähe wäre."
„Ein Frühwarnsystem", sagte Buffy verblüfft. „Nicht schlecht. Immerhin kann er
uns dann nicht überraschen!"
Zusammen liefen sie eine weitere Stunde durch das Viertel und Buffy kamen alle Straßen und Gassen gleich vor. Sie hatte vollkommen die Orientierung verloren und war dankbar dafür, dass zumindest der Vampir wusste, in welche Richtung sie mussten. Außerdem hatte er sie davor bewahrt, von den vorübergehenden Männern angesprochen zu werden. Auch dafür war sie dankbar. Buffy hätte nicht gewusst, was sie auf solch plumpe Anmachsprüche erwidert hätte. Bei all dem Ekel hätte sie womöglich überreagiert.
„Wir gehen jetzt besser zurück. Wir finden sowieso nichts", sagte der Vampir wenige Minuten später. „Wir brauchen doch mehr Informationen und wenn es auch nur ein paar Hinweise auf seinen Aufenthaltsort sind. London und sogar nur Whitechaple sind einfach zu groß, um es mit zwei Personen zu durchsuchen."
Buffy seufzte erleichtert. Auch, wenn sie diese Zeit und ihr Hotelzimmer grässlich fand, weiter durch diese dunkle unwirtliche Nacht zu laufen brachte nichts. „Nun, eigentlich nur eine Person", sagte sie dann. „Ich habe keine Ahnung, wo ich bin. Ich würde mich hier verlaufen, mehr aber auch nicht. Immerhin war ich noch nie hier und ich habe nicht einen Stadtteil im Hellen gesehen."
„Gut möglich", brummte Spike. „Lass uns gleich den kürzesten Weg nehmen. Er ist nicht gerade sehenswert, aber so sparen wir uns eine gute halbe Stunde Fußweg."
„Wie groß ist London eigentlich jetzt? Ich meine, wie viele Einwohner hat
es?", erkundigte sie sich.
„Genau weiß ich es nicht. Aber ich schätze mal eine Million. Warum?"
„Das ist definitiv zu groß. Auch für zwei Personen. Wie sollen wir unseren Killer hier jemals finden?", fragte Buffy und schüttelte genervt den Kopf.
„Ich habe keinen blassen Schimmer. Wir werden uns an die wenigen Fakten halten müssen, an die wir uns erinnern. Wenn mir doch bloß die Namen der Frauen einfallen würden! Ich habe so viele verdammte Filme über Jack the Ripper gesehen. Verflucht!", schimpfte Spike.
„Ich habe auch einen gesehen. Aber mir kam keiner von der Liste bekannt vor. Eine Frau hieß Mary Jane… Mist! Eben habe ich es noch gewusst. Aber ich glaube, es stand schon eine Mary Jane auf der Liste. Wahrscheinlich meine ich die", erklärte sie schulterzuckend.
„Nein, die hieß Catharine Eddowes. Sie nannte sich nur Mary Ann Kelly", erklärte Spike. „Verdammt! Das ist es. Mary Jane Kelly! So hieß doch eine der Frauen und sie steht noch nicht auf der Liste. Also lebt sie noch!"
„Und wie finden wir sie? Eine Telefonbuch wird es wohl nicht geben, oder?", erkundigte sich Buffy in dem Moment, als Spike sie schützend an die Wand drückte.
„Psssst", raunte er ihr zu. „Wir bekommen Gesellschaft."
Der Vampir deutete in die Nebelschwaden vor sich und Buffy versuchte, etwas zu erkennen. Drei oder vier seiner Artgenossen hatten ihr Opfer umzingelt, quälten und verspotteten es und die Wut, die sich in der Jägerin festgesetzt hatte, brach mit Macht heraus.
„Du zwei, ich zwei", zischte sie und warf sich, ohne auf eine Antwort zu warten, in das Getümmel.
Im Laufen zog sie den merkwürdigen Pflock unter dem Umhang hervor, warf sich auf den erstbesten Gegner und riss ihn herum. Zielsicher trieb sie ihm ihren Pflock in das kalte untote Herz und sah aus den Augenwinkeln Spike, der sich auf einen seiner Gegner stürzte.
Buffys zweiter Widersacher ließ sich nicht so leicht zu Staub verarbeiten. Er wirbelte herum, traf sie mit einem gewaltigen Faustschlag in der Magengrube und beförderte sie mehrere Meter weit zurück. Sie rappelte sich auf, fühlte, wie in ihrem Knie etwas riss und sackte wieder zusammen. Der Schmerz war übermächtig und sie bekam kaum mit, wie schnell der Vampir über ihr war. Sie versuchte erneut aufzustehen, doch ihr Bein wollte ihr Gewicht nicht tragen und ein erneuter Angriff ließ sie wieder zu Boden gehen.
„Eine Jägerin", hörte sie eine heisere Stimme dicht neben ihrem Ohr leise zischen. „Ich wusste nicht, dass eine in London ist."
Brutal wurden ihre Arme auf den Rücken gedreht und der Vampir beförderte sie mit einem harten Schlag auf den kalten feuchten Erdboden. Schnell saß er auf ihr, beugte sich zu ihr und drückte sie mit seinem Gewicht flach auf das unebene Kopfsteinpflaster.
„Ich wollte immer schon wissen, wie eine Jägerin schmeckt", zischte ihr
Gegner und sie spürte seine eklige kalte Zunge, die qualvoll langsam über ihren
Nacken leckte.
Buffy versuchte sich zu befreien. Probierte all den Kampfgeist zu wecken, der in
ihr war, aber der Dämon hatte sie fest unter Kontrolle. Egal, wie sie sich wand,
egal, was sie versuchte, um ihn abzuschütteln, er saß nach wie vor auf ihr und
presste sie mit einem Knie auf den Schulterblättern nach unten in den Dreck.
Seine Zähne berührten ihren Hals und wieder versuchte sie sich aufzubäumen. Sie
drehte den Kopf zur Seite, erntete dafür nur ein höhnisches Lachen und eine Hand
in ihren Haaren riss sie wieder in eine für den Vampir günstige Position.
„Das ist dein Ende", hörte sie wieder die heisere Stimme. Sie fühlte seine Zähne, schloss die Augen und… war plötzlich frei.
„Verdammt, Slayer! Was machst du denn?", schimpfte Spike und klopfte sich den Staub aus dem Gehrock.
Er hatte den Vampir auf ihr gepfählt und versuchte nun, sie auf die Füße zu ziehen. „Buffy? Was ist mit dir?"
„Mein Knie", flüsterte sie leise und versuchte gar nicht erst, die Tränen zurückzuhalten. „Es ist…es ist… Ich kann nicht aufstehen."
Spike griff unter ihre Arme, zog sie langsam hoch und Buffy hüpfte auf einem Bein bis zur nächsten Hauswand, um sich daran anzulehnen. Sie atmete heftig ein, wischte die Tränen weg und bückte sich dann, um sich ihr Gelenk einmal genauer anzusehen.
„Scheiße", flüsterte der Vampir. „Warum hast du nicht gesagt, dass es so schlimm ist?" Er konnte in der Dunkelheit bedeutend besser sehen als die Jägerin und schüttelte den Kopf. „Verfluchte Hölle! Das verdammte Ding ist aber mächtig angeschwollen."
„Mich anmeckern hilft jetzt auch nicht", erwiderte Buffy und humpelte unbeholfen einige Schritte. „Wir sollten jetzt von hier verschwinden." Sie seufzte, holte erneut tief Luft und versuchte wieder zu gehen. Sofort klappte ihr Bein unter ihr zusammen und nur, weil Spike sie auffing, landete sie nicht wieder auf dem Pflaster.
„So einfach dann wohl doch nicht", brummte Spike und hob sie kurzerhand in seine Arme.
„Lass mich wieder runter", schimpfte Buffy. „Ich kann alleine laufen!"
„Das kannst du nicht", konterte der Vampir. „Das hast du gerade bewiesen."
„Und was willst du jetzt machen?", fragte die Jägerin mit einem verräterischen Glitzern in den Augen. „Willst du mich etwa bis zum Hotel tragen?"
„Wenn ich vorher nicht irgendwo eine Kutsche auftreibe, dann ja", erwiderte Spike. „Slayer, mal ehrlich. Du gehst mir mächtig auf die Nerven. Ich kann hier kein Taxi bestellen und es hilft auch nicht, nach Giles und seiner alten Karre zu schreien. Von alleine kommst du hier nicht weg und genau deswegen trage ich dich jetzt."
Buffy seufzte, nickte dann und schlang ihre Arme um seinen Hals, damit sie einen sichereren Halt hatte. „Das 19. Jahrhundert ist wirklich nichts für mich. Ich… egal. Wir sind ja hoffentlich bald zurück in unserer eigenen Zeit."
Diesmal war es an Spike zu nicken. Er warf einen kurzen Blick auf sie und seine Gedanken machten sich selbstständig. ‚Ich würde sie bis an das Ende der Welt tragen, wenn sie mich nur lassen würde. Verdammt. Sie ist so leicht, viel zu leicht. Wie kann eine so winzige Person so viel Kraft entwickeln?’
Er lief durch die dunklen Gassen und seine Füße fanden den Weg von alleine. Viel zu sehr war er mit seinen eigenen Hirngespinsten beschäftigt und erst ihre Stimme riss ihn zurück in die Wirklichkeit.
„Wir sind gleich da. Lass mich runter. Oder willst du mich bis in unser
Zimmer tragen?"
„Sicher. Oder wie glaubst du, dass du die Treppe hinaufkommst?"
„Aber was sollen denn die anderen Gäste sagen?", fragte sie erschrocken.
„Dass ich ein liebender Ehemann bin, der seine Frau auf Händen trägt."
Buffy schluckte. Sie hatte seinen Wink verstanden und ihr kroch eine Gänsehaut über den Rücken. Er drückte mit einem Finger die Türklinke herunter und bugsierte sie in die große Eingangshalle. Sofort stürmten zwei Angestellte auf sie zu, fragten was geschehen war und versuchten Spike seine Last abzunehmen, doch der Vampir weigerte sich standhaft. Er erzählte von einem versuchten Überfall, bestellte Eis und ließ sich seinen Schlüssel überreichen und das alles, mit der Jägerin auf dem Arm.
Buffy sah ihm in die Augen, während er sie die Treppe herauf trug und eine Frage brannte ihr auf der Zunge, die sie allerdings nicht laut aussprach. ‚Warum tust du das alles du mich?’, wollte sie fragen, doch sie kannte die Antwort bereits. Ein Gefühl, das sie lange nicht mehr gespürt hatte, machte sich in ihr breit und sie hatte beinahe Angst davor. Sie fühlte sich beschützt. Beschützt von einem Vampir! Ein Wesen der Nacht, das sie eigentlich bekämpfen sollte, löste dieses Empfinden aus und sie schloss die Augen und versuchte, ihre Gedanken in andere Bahnen zu lenken. Das durfte nicht sein! Sollte so nicht sein und doch… ‚Reiß dich zusammen!’, befahl sie sich. ‚Fang da gar nicht erst mit an. Das kann nichts werden!’
Teil 7
Spike hatte sie sanft auf dem Bett abgesetzt, war danach wieder aus dem Zimmer verschwunden und Buffy atmete erleichtert aus. Sie brauchte jetzt dringend einen kleinen Moment für sich alleine und sie rutschte zum Rand. Ein kurzer Blick auf ihr Knie reichte und sie ließ die Schultern hängen. Das Gelenk war stark geschwollen und die Haut darum herum war leuchtend rot und fühlte sich heiß an.
‚Das ist jetzt nicht mehr in einem Tag erledigt’, dachte sie betrübt und
versuchte aufzustehen. Ein stechender Schmerz schoss durch ihren Körper, doch
sie ignorierte ihn. Sie humpelte langsam durch den Raum und ließ sich
schließlich auf einen der Sessel fallen. „Mist!", schimpfte sie. „Das fehlt mir
jetzt auch noch!"
„Was fehlt dir auch noch?", fragte Spike, der schwer bepackt ins Zimmer zurückkam. Er hatte eine Emailleschüssel in den Händen, angefüllt mit Eis, Tüchern und Verbänden.
„Das hier", schimpfte sie und deutete auf ihr Bein. „Kannst du mir mal erklären, wie ich damit gegen den Ripper antreten soll, oder gegen was auch immer?"
„So?", fragte er und hob die Brauen. „Wohl gar nicht. Was glaubst du eigentlich, wofür ich den ganzen Krempel hier anschleppe?", fragte er dann und stellte die Schüssel auf das Bett. „Das Einzige, was jetzt zählt, ist dein Knie. Also komm rüber, zieh das Kleid aus und leg dich aufs Bett."
„Dir geht es wohl nicht gut", schimpfte Buffy aufgebracht. „Seit wann bist du eigentlich der Chef hier?"
„Seitdem du nicht mehr laufen kannst", meinte er. „Slayer, was erwartest du eigentlich? Soll ich dir etwa einen Doktor rufen? Das sind Knochenbrecher! Der medizinische Standard war zu dieser Zeit nicht besonders hoch, vor allem, wenn es um so etwas ging. Das einzige, was wir machen können, ist dein Gelenk zu kühlen und ruhigzustellen."
„Und du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich die nächsten Tage in dem Bett da verbringe", zischte Buffy, deutete auf das alte Möbelstück und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust.
„Jetzt geht das wieder los", schimpfte Spike. Er durchquerte das Zimmer und öffnete den Kleiderschrank. Er warf einen flüchtigen Blick hinein, kramte einen kurzen Moment und nahm dann entschlossen eines der Nachthemden heraus. „Hier. Zieh das an", rief er und warf es zu ihr hinüber.
„Darf ich vorher noch ins Badezimmer?", schnauzte Buffy biestig.
„Wenn du alleine hinkommst", erwiderte er trocken. „Ich hole noch ein paar Handtücher", sagte der Vampir und verschwand wieder.
„Ganz toll", schimpfte Buffy und schnappte sich das Nachthemd. „So langsam reicht es mir aber!" Sie stand vorsichtig auf, hinkte ins Badezimmer und warf geräuschvoll die Tür hinter sich zu. „Verdammt", fluchte sie dann und öffnete sie wieder. „Wenn ich noch mal eine Zeitreise mache, dann in ein Jahr, in dem es elektrisches Licht gibt!"
Wenige Minuten später krabbelte sie vorsichtig in das Bett, setzte sich ans Kopfende und verschränkte wieder die Arme vor der Brust. Seitdem sie hier war, lief alles schief. Aber wirklich alles! Jetzt musste sie sich auch noch von Spike verarzten lassen! ‚Mist!’
„Nett", grinste Spike, als er sie sah. Er hatte einen riesigen Stapel Handtücher mitgebracht, den er am Bettende auftürmte. „Ich habe dir gerade noch etwas zu essen bestellt."
„Es ist mitten in der Nacht", erwiderte Buffy schlecht gelaunt.
„Ja, und?", erwiderte Spike. „Ich bezahle einen Haufen Geld, also können sie
auch dafür arbeiten."
„Und was bekomme ich diesmal? Ein halbes Schwein?", schnauzte Buffy, die ihre
Wut und schlechte Laune nicht verbergen konnte.
„Nein, nur eine Suppe", brummte der Vampir. Langsam hatte er ihre Launenhaftigkeit gründlich satt und er fragte sich, warum er das überhaupt mitmachte. Sollte sie doch bis zum nächsten Morgen Hunger schieben! „Machst du dein Bein alleine frei oder soll ich dir dabei helfen?"
„Wie wäre es, wenn du einfach verschwindest und es mich alleine machen lässt?", motzte die Jägerin wieder.
„Weil du es nicht alleine kannst", zischte er. „Und nur dieses eine Mal…STELL DICH NICH SO BESCHEUERT AN! Ich habe mehr nackte Beine gesehen, als du dir auch nur im Entferntesten vorstellen kannst!"
Buffy setzte zu einer heftigen Erwiderung an, stockte dann und winkte mit der Hand ab. Sie hob vorsichtig ihr Bein an und verzog das Gesicht. „Ich warne dich", drohte sie leise. „Meine Arme sind noch voll funktionstüchtig!"
Spike antwortete nicht, er schüttelte nur genervt den Kopf und umrundete das Bett. Langsam zog er die Decke unter ihr weg und legte stattdessen eine Menge Handtücher auf das Laken. „Warte, eins muss noch quer", sagte er, als sie ihr Bein absetzten wollte. Dann zog er die Emailleschüssel heran, verteilte die verschieden großen Eisbrocken auf und neben ihrem Knie und schlang dann das letzte Handtuch fest um ihr Gelenk.
„Das ist ganz schön kalt", murmelte Buffy und zog die Bettdecke über sich. „Außerdem wird die ganze Matratze nass."
„Da können sich morgen die Angestellten mit beschäftigen", sagte Spike. „Wenn deine Suppe da ist, verschwinde ich."
„Warum? Wo willst du denn noch hin?", fragte die Jägerin überrascht.
„Mich umhören", erwiderte Spike. „Ich habe noch einige Bekannte hier und werde versuchen, mehr herauszufinden."
Buffy zog die Augenbrauen hoch und lachte hämisch.
„Gut, das war vielleicht etwas hochtrabend ausgedrückt", sagte Spike und grinste. „Ich war nach meiner Verwandlung nicht wirklich lange in London, aber ich kenne einige…hm, sagen wir mal Möglichkeiten, Neuigkeiten zu erfahren, von denen die Polizeibehörde niemals etwas erfahren wird.
„Und was soll ich die ganze Zeit machen?", überlegte Buffy laut und runzelte die Stirn.
„Essen und schlafen", erwiderte Spike und öffnete die Tür, an der es klopfte. Er nahm dem Hotelboy das Tablett ab, drückte ihm eine Münze in die Hand und trug den dampfenden Teller rüber zu Buffy. „Ich weiß nicht genau, wie lange ich weg sein werde", erklärte er dann. „Aber, wenn du clever bist, dann bleibst du einfach liegen und schonst dein Bein."
„Das sagt ausgerechnet der, der sonst nicht mal fünf Minuten still sitzen kann", schimpfte Buffy und verzog wieder das Gesicht. Sie rührte missmutig in ihre Suppe, sah dann auf und seufzte laut. „Kannst du mir mal sagen, was ich jetzt machen soll? Hier gibt es keinen Fernseher und keine Bücher, nur reine Langeweile."
„Du kannst die Berichte noch mal durchgehen", sagte der Vampir und überreichte ihr den Stapel Papiere. „Vielleicht entdeckst du irgendwas Brauchbares." Er nahm seinen schwarzen Gehrock, nickte ihr noch einmal zu und verschwand.
*******************
Eine halbe Stunde später fegte Buffy genervt die Papiere vom Bett und verteilte sie so im ganzen Raum. Das alles brachte doch überhaupt nichts! Nicht einmal, wenn sie die darin enthaltenen Fakten auswendig lernte. Was sollte es ihr bringen, wenn sie wusste, dass Annie Chapman in der Hanbury Street ermordet wurde, wenn sie nicht einmal wusste, wo diese dämliche Straße war?
Auch mit der Liste der Verdächtigen konnte sie kaum etwas anfangen. Sie kannte keinen davon und die dürftigen Beschreibungen halfen nicht, sich ein Bild der betreffenden Personen zu machen. Außerdem dachte Spike, dass der Ripper ein Dämon war und dementsprechend hätte er kaum einen Beruf wie Friseur oder gar Professor.
„Das ist lächerlich", murrte sie und starrte gelangweilt an die Decke. Buffy hörte in der Ferne eine Kirchturmuhr schlagen, zählte die Glockenschläge mit und wusste somit, dass es zwei Uhr in der Nacht war. Der Vampir konnte noch Stunden weg sein und so zog sie die Decke bis zur Nase hinauf und schloss die Augen. Sie war müde und würde jetzt einfach versuchen zu schlafen.
Stunden später erwachte sie, weil sich jemand an ihrer Bettdecke zu schaffen machte und sie schreckte kampfbereit hoch.
„Du kannst wieder runterfahren", grinste Spike belustigt. „Ich wollte dir nur eine neue Ladung Eis verpassen."
„Wirklich witzig", erwiderte Buffy verschlafen. „Warum weckst du mich nicht einfach?"
„Dann macht das nur halb so viel Spaß", erwiderte Spike und schlang das Handtuch wieder um ihr Bein. „Schon fertig. Du hast ganz schön lange geschlafen. Ich hätte mir glatt mehr von dir angucken können und du hättest es nicht einmal gemerkt."
Es dauerte eine Weile, bis die Jägerin antwortete. „Warum musst du mich eigentlich immer ärgern?", fragte sie dann und wischte sich eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Selbstschutz", gab der Vampir zu. „Sonst könnte ich diese Situation kaum aushalten… Du und ich in einem … Vergiss es!", bremste er sich selbst. „Schlaf einfach weiter."
„Hast du neue Informationen?", erkundigte sie sich schnell, um vom Thema abzuweichen.
„Ja, nein. Nicht wirklich", sagte er dann und setzte sich auf die Bettkante. „Niemand weiß etwas Genaues und eine Mary Jane Kelly kannte auch keiner meiner Informanten. Aber das war in den Kreisen auch nicht zu erwarten." Spike fuhr sich durch die Haare. „Und du hattest Spaß mit unseren Polizeiberichten?", fragte er und deutete auf die herumliegenden Schriftstücke.
„Ja. Die waren unglaublich unterhaltsam", grinste Buffy und lachte dann.
„Man merkt es", nickte er und seine Lippen verzogen sich zu einem schwachen Lächeln. „Wie auch immer. Scheinbar liege ich mit meiner Vermutung über Jack the Ripper nicht verkehrt. Viele meiner Artgenossen haben die gleiche Meinung und so wie es aussieht, ist unser Gegner aus dem verfallenen Haus wirklich unser Gesuchter."
„Und wie kommen sie darauf?", hakte Buffy nach und sie zog sich ein Stückchen höher, um sich am Kopfende abzustützen.
„Einer der Vampire war in der Nähe, als Elisabeth Stride getötet wurde. Er sagt, dass er diese Präsenz des Bösen deutlich gefühlt hat, genau wie ich vorgestern."
„Hatte auch jemand deiner merkwürdigen Freunde eine Idee, wo wir ihn finden können?", erkundigte sich die Jägerin neugierig.
„Nein. Ehrlich gesagt hat auch keiner verstanden, warum ich ihn unbedingt finden will", erwiderte Spike und zuckte mit den Achseln. „Sie wollten nicht wirklich verstehen, warum ich mich mit dem Wesen anlegen will."
„Dann werden wir uns morgen Nacht wohl wieder auf die Suche machen müssen", murmelte Buffy leise und gähnte dann herzhaft.
„Du gehst nirgendwo hin", sagte Spike sofort und schüttelte verneinend den Kopf.
„Was denkst du denn, wie lange ich noch in diesem unbequemen Bett liegen will?" Buffy setzte sich ganz auf und blickte ihn herausfordernd an.
„Verdammt, Slayer", schimpfte der Vampir. „Wann begreifst du endlich, dass du
in dem Zustand nicht in der Lage bist zu kämpfen? Du kannst kaum laufen, wie
willst du es da mit irgendeinem Dämon aufnehmen, von dem wir nicht einmal
wissen, wie stark er ist."
„Aber ich…", versuchte Buffy einzuwerfen, wurde aber sofort gebremst.
„Kein Aber", unterbrach er sie unsanft. „Hier ist kein Giles, der dir erklärt, mit welchen Waffen du ihn wo treffen musst und keine Willow, die ihn mit irgendwelchen Bannsprüchen belegt. Wenn wir ihm gegenüberstehen, dann musst du Herr deiner Kräfte sein."
Die Jägerin sackte in sich zusammen. „Ich bin es nicht gewohnt, nichts tun zu können", sagte sie leise. „Meine Selbstheilungskräfte werden…"
„Ja, sicher. Das werden sie", unterbrach er sie wieder. „Aber dieses Mal gibst du ihnen genügend Zeit dafür."
„Morgen ist bestimmt alles schon viel besser. Außerdem lass ich mir von dir nichts verbieten", erwiderte sie trotzig und reckte das Kinn.
„Du wirst in dem verdammten Bett bleiben, sonst…" Spike sprang auf und baute
sich vor ihr auf.
„Was sonst?", zischte Buffy.
„Du bleibst da drin und wenn ich dich festbinden muss", drohte er knurrend.
„Das wagst du nicht!", fauchte Buffy.
„Und ob ich das wage!", sagte der Vampir und sein Blick war eisig. „Dieses eine
verdammte Mal läuft es nicht so, wie du es willst. Aber ändern kannst du es
nicht, auch nicht, wenn du es noch so gerne willst. Dieses eine Mal sind dir
Grenzen gesetzt und du tätest gut daran, dass zu begreifen. Gebrauch deinen
verfluchten Verstand, dann wüsstest du, dass ich Recht habe!"
Ohne lange zu überlegen holte Buffy aus und boxte ihm mit Wucht in den Magen. „Du hast verdammtes Glück, dass ich nicht aufstehen kann", zischte sie.
„Und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie wenig mir Kopfschmerzen heute ausmachen", fauchte er und seine Augen leuchteten gelb auf. Mit einem Satz sprang er auf das Bett, setzte sich auf ihre Oberschenkel und hielt ihre Arme fest.
Buffy versuchte, ihn von sich runter zu drücken, doch es wollte ihr nicht
gelingen und sie sah in sein hämisch grinsendes Gesicht. „Was ist mit deinem
Chip? Warum funktioniert der nicht?"
„Er funktioniert tadellos", lachte Spike. „Recht simpel", erklärte er ihr dann
lachend. „Ich habe nicht vor, dich zu töten oder zu verletzen", grinste er.
„Also bremst mich das blöde Ding jetzt auch nicht."
„Was willst du dann auf mir?", schimpfte Buffy und versuchte wieder, sich aus seiner Umklammerung zu befreien.
„Was ich wirklich will?", wiederholte er. „Das kann ich dir zeigen!" Er beugte sich zu ihr herunter, blickte ihr tief in die Augen und küsste sie leidenschaftlich.
Teil 8
Regen prasselte an die Fenster des Hotelzimmers. Wind war aufgekommen und rüttelte an den Läden, doch Buffy hörte das alles nicht. Vollkommen verwirrt lag sie in ihrem Bett und starrte an die Decke. Spike hatte sie geküsst. Er hatte sie geküsst und war dann Hals über Kopf aus dem Zimmer gestürmt.
Im Grunde war sie ihm dankbar für sein Verschwinden. So hatte sie jedenfalls Zeit, ihre eigenen Gedanken zu sortieren. Für einen kurzen Augenblick schlossen sich ihre Augen und ihre Fingerspitzen wanderten fast automatisch über ihren Mund. Spike hatte sie geküsst! Er hatte sie… und was noch schlimmer war: Sie hatte es erwidert.
„Oh, verflucht, Buffy!", versuchte sie sich zur Ordnung zu rufen, aber ihre Gedanken schweiften immer und immer wieder ab.
Jetzt hatte sie ein großes Problem. Der Kuss hatte ihr gefallen. Mehr als nur
das und Buffy schämte sich beinahe dafür.
„Das geht nicht", schimpfte sie über ihre Hirngespinste. „Vergiss das am besten ganz schnell! Er ist ein Vampir! Er ist böse und nur sein Chip hält ihn davon ab zu töten. Nein! Nein! Nein!"
Buffy rutschte tiefer in das Bett, zog sich die Decke über den Kopf und schloss die Augen. ‚Kann es noch schlimmer werden?’, fragte sie sich und kuschelte sich in ihr Kissen. ‚Bitte nicht!’ Es war ja nicht so, dass sie ihn nicht anziehend fand… Es ging einfach nicht. Nicht wieder ein Vampir und schon gar keiner ohne Seele.
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Viele Stunden später erwachte sie erneut. Es war bereits hell und Buffy konnte durch die schmalen Ritzen im Vorhang nach draußen sehen. Sie setzte sich auf, sah auf die leere Bettseite und wusste sofort, dass Spike noch nicht wieder zurückgekehrt war. ‚Wo er wohl abgeblieben ist?’, überlegte sie, runzelte überrascht die Stirn und schälte sich dann aus der Decke.
Wie nicht anders erwartet, waren die Matratze und das Laken vollkommen durchnässt, aber dafür ging es ihrem Knie bedeutend besser. Es war immer noch geschwollen, aber die Rötung war zurückgegangen und sie stellte vorsichtig ihren Fuß auf den Boden. Langsam und sehr vorsichtig stand sie auf, ging einige behutsame Schritte und seufzte dann erleichtert. Das Gelenk war bei weitem nicht geheilt, aber immerhin konnte sie sich einigermaßen bewegen. Vor allem ohne allzu große Schmerzen.
Sie sammelte die verstreuten Papiere auf, lenkte sich damit ab und war immer darauf bedacht, nur nicht an die Geschehnisse der letzten Nacht zu denken. Überhaupt war es besser, sie würden nie wieder ein Wort darüber verlieren. Sie räumte ihre Sachen von einem Ort zum anderen und sackte dann auf einem Sessel zusammen.
‚Was machst du hier überhaupt?’, fragte sie sich und schüttelte dann den Kopf. ‚Du ziehst dich jetzt an, gehst runter und frühstückst. Und wenn Spike dir über den Weg läuft, dann… dann…’ „Das sehen wir dann!", sagte sie fest.
Sie humpelte ins Badezimmer, hob das Kleid vom gestrigen Abend auf und seufzte. Das brauchte sie jedenfalls nicht wieder anziehen. Schlammspritzer bedeckten den größten Teil der Vorderseite und Buffy fragte sich, ob eine Reinigung sich überhaupt lohnen würde.
‚Warum machst du dir da überhaupt Gedanken drum?’, überlegte sie und zuckte mit den Schultern. ‚Weil du keinen blassen Schimmer hast, ob du hier jemals wieder wegkommst.’ Außerdem hatte Spike es ausgesucht und… ‚Hör auf damit! Sofort!’ Ihre Gedanken überschlugen sich und sie drifteten in eine Richtung, die eigentlich nicht sein sollte. Immer wieder sah sie die Gesichter ihrer Freunde vor dem inneren Auge und sie schüttelte den Kopf. Sie hatte sich entschieden! Und nichts und niemand würde sie von dieser Entscheidung abbringen können!
„Dann eben ein anderes Kleid", sagte sie und humpelte zurück ins Zimmer. Sie öffnete ihren Schrank. Wirklich viel Auswahl hatte sie nicht und sie seufzte. Dann würde sie eben das Grüne tragen. Behutsam ließ sie den kühlen Seidenstoff durch die Finger gleiten und stellte sich dann vor den Spiegel. Buffy hielt das Kleid vor sich, drehte sich leicht hin und her und nickte bewundernd. Es war einfach geschnitten, ohne jeglichen Schnickschnack und ähnliche Kleider gab es auch heute noch. Allerdings nur zu besonderen Anlässen. ‚Wer würde heute auch noch in so etwas herumlaufen?!’
„Und es passt perfekt zu meinen Augen!", stellte die Jägerin erstaunt fest. Wieder eine von Spikes kleinen Aufmerksamkeiten. Das war kein Zufall, das wusste sie genau. Er hatte es aus eben diesem Grund ausgesucht.
„Ich habe Hunger", brummte sie dann vor sich hin. ‚Denk an etwas zu essen. Denk an irgendwas, nur nicht an ihn.’
Rasch wusch sie sich, frisierte ihre Haare und zog sich an. Kaum war sie fertig, da klopfte es auch schon an der Zimmertür. Buffy öffnete langsam die Tür und sah sich Spikes altem Freund Charles gegenüber.
„Ihr Mann schickt mich", sagte er und neigte kurz den Kopf. „Mrs. Doyle, ich soll Ihnen ausrichten, dass er Sie unten im Speisesaal erwartet, wenn es Ihnen den möglich ist, soweit zu laufen."
„So, tut er das?", erwiderte Buffy spitz. ‚Warum gerade Doyle?’, überlegte sie. ‚Was für ein bescheuerter Name! Summers hätte es auch getan.’
„Ja, Mam. Und ich würde…"
„Was?", erwiderte sie, als er nicht weiter sprach.
„Mam, ich weiß nicht, wie… Sie wissen, was er ist?", fragte Charles nervös und verknotete seine Finger ineinander.
„Ja, durchaus", sagte Buffy. „Ich weiß, was er ist, aber bei Ihnen bin ich mir da nicht so sicher." Sie legte den Kopf schief und betrachtete ihn aufmerksam.
„Ich? Wieso ich?", stotterte der Hotelangestellte verwirrt.
„Mein Mann hat nicht viel über Sie gesagt", sagte Buffy ernst. „Aber eines ist sicher. Ein Mensch sind Sie nicht."
„Aber sicher bin ich… Was sollte ich sonst sein?", stammelte er verdattert.
„Charles, lass gut sein", hörte Buffy Spikes leise Stimme vom Flur. „Du stehst gerade einer Jägerin gegenüber. Der kannst du nichts vormachen."
Ein lang gezogenes „Oh", entkam den Lippen des Angestellten und er trat sicherheitshalber einige Schritte zurück.
„Er ist harmlos", sagte Spike, der jetzt in der offenen Tür stand. „Nur ein Kralosch, der keiner Fliege etwas zu leide tut."
Buffy sah dem Vampir aufmerksam in die Augen. Charles war ihr vollkommen egal, aber Spike sah aus, als hätte er tagelang nicht geschlafen und sie fragte sich, wo er die ganze Nacht gewesen war. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie der Hotelangestellte sich langsam zurückzog und Buffy griff nach Spikes Weste und zog ihn ins Zimmer.
„Wir müssen uns unterhalten", sagte sie, als sie die Tür schloss.
„Buffy, ich… Verdammt! Es war dämlich. Das weiß ich und vielleicht sollten wir einfach in eine anderes Hotel umziehen und doch zwei Zimmer belegen", versuchte er dem drohenden Streit entgegenzuwirken.
„So einfach kommst du aus der Sache nicht wieder raus", erwiderte Buffy mit ernster Stimme.
„Ach, verflucht", schimpfte Spike. „Es ist gestern mit mir durchgegangen. Aber, als ich dich da so liegen sah,… deine blitzenden Augen, dein erhitztes, wunderschönes Gesicht… Ich… Es tut mir leid." Seine Schultern sackten herab und er seufzte laut. „Vergiss es einfach."
Buffy trat auf ihn zu, stellte sich direkt vor ihn und blickte ihn bitterböse an. „Und das Einzige, was du kannst, ist weglaufen?"
„Flüchten war besser, als die Verachtung in deinen Augen sehen zu müssen", erwiderte er geknickt.
„Vielleicht wäre es keine Verachtung gewesen", flüsterte sie sanft.
„Was wohl sonst?", fragte er und sah sie zu seiner großen Verwunderung lächeln.
„Nun, um das herauszufinden, wirst du mich wohl ein weiteres Mal küssen müssen."
„Das mag für dich ein Spiel sein", sagte er böse und wollte einen Schritt zurückgehen. Allerdings kam er nicht weit, da sie sich immer noch mit einer Hand an seiner Weste festhielt. „Für mich ist es das nicht!", brummte er und befreite sich aus der Umklammerung.
„Ich hab auch eine große Klappe", lächelte Buffy. „Aber was du dringend lernen musst, ist sie auch mal zu halten." Sie zog ihn zu sich ran, stellte sich auf einem Bein auf die Zehenspitze und küsste ihn einfach. Augenblicke später sah sie ihm tief in die Augen. „Und, was siehst du jetzt?"
„Buffy, ich…", sagte er überrascht. Er blickte ihr fest in die Augen und erkannte eine Menge. Aber Verachtung stand nicht in ihnen. „Ist das jetzt ein Moment, indem ich besser meine Klappe halten sollte?"
„Ja", lachte Buffy und zog ihn wieder zu sich heran. „Du lernst wirklich schnell." Ihre Lippen eroberten die seinen und sie versanken in einem endlos scheinenden Kuss. „Ich muss mich hinsetzen, mein Bein spielt nicht mehr lange mit", sagte sie leise, nachdem sie wieder zu Atem gekommen war.
„Hinsetzen?", fragte Spike scheinbar schockiert. „Da weiß ich etwas viel Besseres." Er hob sie hoch, trug sie hinüber zum Bett und ließ sie sanft darauf gleiten. „Liegen ist bedeutend angenehmer", grinste er und seine Augenbrauen wackelten vergnügt. „Bedeutend angenehmer!"
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„Frühstücken kann ich jetzt wohl vergessen", sagte Buffy mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht. „Und dabei habe ich mächtigen Hunger." Langsam und vorsichtig schritt sie die Treppe hinab, die in die Eingangshalle des Hotels führte.
„Dafür gibt es ja jetzt Mittagessen", grinste Spike. Er ging neben ihr her und hatte einen Arm schützend um ihre Hüfte geschlungen, damit sie im Falle eines Strauchelns nicht stürzte. Eigentlich hatte er sie tragen wollen, aber das hatte sie energisch abgelehnt und ihm gedroht, ihn in die Sonne zu schleifen, wenn er das auch nur noch ein einziges Mal vorschlagen würde.
„Ich weiß nicht, ob das unbedingt von Vorteil ist", flüsterte Buffy, da ihnen andere Hotelgäste entgegenkamen. „Angebrannter Toast ist besser, als ein Lamm, das in Fett schwimmt."
Sie durchquerten die Hotelhalle, sahen Charles, der sich bei Buffys Anblick gleich hinter seiner Rezeption versteckte und betraten dann den Speiseraum.
„Ganz schön was los hier", stellte Buffy erstaunt fest.
„Es ist ein Uhr", sagte der Vampir. „Also eine gute Zeit zum Essen."
„Woher weißt du eigentlich, wie spät es gerade ist?", erkundigte Buffy sich. „Du trägst doch gar keine Uhr."
„Ich hab gute Ohren", lachte Spike. „Ich kann die Kirchturmuhr hören. Außerdem kann ich ungefähre Tageszeit spüren", erklärte er dann und lachte. „Außerdem hängt in der Eingangshalle eine große Uhr und ich habe gerade einen Blick darauf geworfen.
Buffy schlug ihm spielerisch auf den Arm. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass
es schon so spät ist. Die Zeit muss geradezu verflogen sein."
„Das tut sie immer, wenn man mit etwas Nettem beschäftigt ist", flüsterte Spike
und bekam dafür den nächsten Klaps auf den Oberarm. „Da vorne ist noch ein Tisch
frei", sagte er nach einem Rundblick durch den Saal.
„Aber der ist am Fenster", flüsterte Buffy leise, da sich ihnen ein eifriger Kellner näherte.
„Da haben wir aber gestern auch schon gesessen", erwiderte Spike ebenso leise und lachte dabei über das ganze Gesicht. „Deshalb mag ich dieses Hotel ja so. Alle für mich wichtigen Zimmer zeigen nach Norden."
Der Ober geleitete sie zu ihrem Tisch, zog Buffy den Stuhl galant zurück und versorgte sie beide mit Speisekarten. Dann zog er sich mit einem kurzen Nicken zurück.
Missmutig griff Buffy nach der Speisekarte. „Vielleicht ist es besser, ich such mir heute selbst etwas aus, anstatt mich wieder auf die Empfehlungen des Hauses zu verlassen", murmelte sie dann leise. „Das gestern war ein großer Reinfall."
„Wir bekommen Besuch", sagte Spike und deutete mit dem Kopf nach rechts.
Buffy sah auf, blickte in die angegebene Richtung und sah dann Charles, der sich mehr seitwärts, als direkt auf sie zu bewegte.
„Charles, mein Guter", rief Spike, sodass dem armen Angestellten nichts anderes übrig blieb, als an ihren Tisch zu treten. „Haben Sie irgendwelche Neuigkeiten für mich?"
Er kam vorsichtig näher, verbeugte sich, ohne Buffy auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen, und überreichte Spike eine dünne Mappe. „Das ist gerade für Sie abgegeben worden, Sir", sagte er dann leise. „Haben Sie sonst noch einen Wunsch?", fragte Charles und war sichtlich erleichtert, als Spike verneinend den Kopf schüttelte. Sofort zog er sich zurück, allerdings nicht, ohne vorher noch einen ängstlichen Blick auf Buffy zu werfen.
„Der hat wohl leichte bis mittelschwere Panik", lachte Buffy, nachdem sie wieder alleine waren.
„Man steht als Dämon ja nicht unbedingt jeden Tag einer Jägerin gegenüber", erwiderte Spike und öffnete die Mappe.
„Was genau ist ein Kralosch und was tut er? Sieht er immer so aus, oder ist er ein Formwandler?"
Spike sah auf. „Nein, er ist kein Formwandler. Das ist sein normales Aussehen. Zumindest, solange er angezogen ist." Er grinste. „Ich weiß auch nicht genau, aus welcher Dimension er stammt, aber dort wird seine Art als Sklaven gehalten."
„Oh", murmelte Buffy. „Gibt es sonst noch etwas, dass ich über ihn wissen müsste? Frisst er kleine Kinder oder ähnliches?"
„Nein. Er ist vollkommen harmlos. Er ernährt sich rein vegetarisch und er hat auch keine anderen außergewöhnlichen Fähigkeiten."
„Dann solltest du ihm das nächste Mal sagen, dass er von mir nichts Böses zu erwarten hat", meinte Buffy diplomatisch.
„Das glaubt er mir sowieso nicht", erwiderte Spike ernst und sah wieder auf die Papiere, die Charles ihm gebracht hatte.
„Warum nicht?", fragte die Jägerin erstaunt.
„Weil Jägerinnen zum Töten geboren sind", antwortete Spike und zuckte mit den Schultern. „Sie erledigen jeden Dämon, der ihnen unter die Augen kommt."
„Das ist doch Quatsch", erwiderte Buffy leicht beleidigt. „Ich habe noch…"
„Du!", unterbrach der Vampir sie. „Andere Jägerinnen machen da gewöhnlich keinen großen Unterschied." Er stand auf und lächelte sie flüchtig an. „Würdest du mich einen Moment entschuldigen?", sagte er dann. „Ich muss etwas überprüfen."
„Ganz toll", murmelte Buffy und sah ihm genervt hinterher. Irgendwie hatte sie sich das anders vorgestellt. Vor allem nach dem, was sie heute Morgen zusammen erlebt hatten.
Aber was genau hatte sie eigentlich erwartet? Sie wusste doch selbst nicht genau, was sie von der ganzen Sache halten sollte. Ihr Appetit war verschwunden und sie stand auf. In ihrem Zimmer lag noch ein Apfel und der würde ihr sicherlich besser bekommen als alles, was es in diesem Hotel sonst noch zu essen gab. ‚Dann geh ich eben wieder rauf’, entschied sie und machte sich humpelnd auf den Weg.
Teil 9
Ganz in Gedanken versunken kehrte Spike zurück in den Speisesaal. Seine Späher, die er für sehr viel Geld beschäftigte, hatten drei Mary Jane Kellys ausfindig gemacht und er hatte sie nun beauftragt, mehr über die jeweiligen Frauen herauszufinden. Je mehr er über die einzelnen Personen wusste, desto eher wusste er, an wessen Fersen er sich heften musste.
Er sah auf, blickte zu dem Tisch, an dem sie eben noch zusammen gesessen hatten und riss die Augen weit auf. Buffy war verschwunden. ‚Verdammt, wo ist sie abgeblieben? Ich war doch keine zehn Minuten weg!’
Er ließ seinen Blick durch den ganzen Saal schweifen, konnte sie aber nirgends entdecken und schüttelte den Kopf. ‚Wenn du das Hotel ohne mich verlassen hast, dann werde ich aber mächtig sauer’, schimpfte er in Gedanken und lief die Treppe hinauf.
Er rannte durch den Flur, riss die Tür auf und… sah sie ausgestreckt auf dem Bett liegen. „Verdammt, Slayer! Was machst du denn?", schimpfte er aufgebracht.
„Hi", erwiderte Buffy eisig. „Ich freue mich auch, dich zu sehen."
„Warum bist du hier? Du sagtest doch, du hättest Hunger. Und erzähl mir jetzt nicht, du hättest schon gegessen!"
„Mir ist der Appetit vergangen", erwiderte Buffy und drehte sich weg.
„Warum? Was ist passiert?", erkundigte sich Spike und beruhigte sich langsam wieder. Immerhin war sie nicht verschwunden und er hatte sie wohlbehalten wieder gefunden. Er umrundete das Bett, setzte sich auf die Kante und sah sie fragend an.
„Ich weiß auch nicht", seufzte sie und wich seinem Blick wieder aus.
„Ich aber", sagte er traurig, als er begriff, was in ihr vorging. Er hatte damit schon fast gerechnet und er sprang zornig auf. „Verdammt! Ich habe es gewusst! Dir tut leid, was heute Morgen passiert ist."
„Ja. Nein! …ich weiß es nicht", flüsterte Buffy leise.
„Ich habe es gewusst", zischte er wieder. „Heute morgen… das war Buffy. Das warst ausnahmsweise einmal nur du. Das jetzt… das sind die Stimmen deines Wächters und die deiner bescheuerten Freunde!"
„So einfach ist das nicht", schimpfte Buffy und setzte sich auf. „Du kennst die alte Leier. Ich bin die Jägerin und du bist ein Vampir! Wie soll das funktionieren? Was passiert, wenn dein Chip nicht mehr funktioniert…? Was dann?"
„Ich dachte, du wüsstest es mittlerweile besser", erwiderte er betrübt.
„Was sollte ich besser wissen?", fauchte sie und sprang auf. „Au, verdammt!",
fügte sie leise hinzu, als der Schmerz durch ihr Bein schoss. Sie richtete sich
auf und blickte ihn böse an „Dass du auf der Seite des Guten stehst? Einfach so?
Nur für mich?"
„Ja" fauchte er. „Genau aus dem Grund." Er sah sie ernst an und sprach dann
leise weiter. „Du begreifst es nie, oder? Ich liebe dich! Für mich ist das keine
Phase oder irgendeine blöde Idee, die ich mir in den Kopf gesetzt habe. Für mich
gibt es kein Zurück. Ich habe mich entschieden und nichts wird sich daran
ändern."
„Verdammt, Spike. Warum tust du mir das an? Es war so schwer, dagegen anzukämpfen und jetzt…jetzt…" Ihre Schultern sackten herab und sie seufzte laut. „Warum kann nicht einmal etwas einfach sein?", fragte sie dann leise und sah ihm in die Augen.
„Es kann einfach sein, wenn du es zulässt", erwiderte er und trat nah auf sie zu. Seine Arme umschlossen sie und zogen sie dicht heran. „Versuch es jedenfalls. Wenn es nicht funktioniert…"
„Aber kann ich es ertragen, wenn es nicht funktioniert?", unterbrach sie ihn und blickte ihm traurig in die Augen. „Genau das ist es, was ich nicht weiß." Sie seufzte wieder.
„Lass es uns einfach versuchen!" Er sah ihr fest in die Augen. „Versuch es", flüsterte er leise und küsste sie. „Ich werde immer da sein und dir beistehen. Das weißt du genau."
*******************
Viele Stunden später lagen Beide dicht aneinandergekuschelt im Bett und Spike strich gedankenverloren über Buffys Haare. Die Sonne war längst untergegangen und sie hatten die vergangene Zeit kaum wahrgenommen.
„Was hattest du heute Mittag eigentlich Eiliges zu erledigen?", fragte Buffy und ihr Magen knurrte laut.
„Wann hast du das letzte Mal etwas Vernünftiges gegessen?", fragte Spike, ohne auf ihre Frage einzugehen.
„Ich habe einen Apfel gegessen", murmelte Buffy leise.
„Oh, doch soviel", sagte er gespielt ernst und stand auf. „Ich gehe jetzt dem
Küchenchef einmal mächtig auf die Nerven. Ich werde schon irgendwas finden, was
du auch magst. Und wenn ich ihn dafür bis an das Ende der Stadt jage."
„Wir könnten auch einfach in den Speisesaal gehen", lachte Buffy.
„Nein, dann müsste ich dich schon wieder teilen", antwortete er kopfschüttelnd. „Das passiert bestimmt bedeutend schneller, als es mir lieb ist. Also werden wir unsere verdammte Zeit in diesem Jahrhundert ausnutzen."
„Wann hast du eigentlich das letzte Mal…getrunken?", erkundigte sich Buffy neugierig. Sie setzte sich auf und zog die Decke über ihren nackten Oberkörper.
„Charles versorgt mich gut", sagte er und zog sich seine Hose an. „Wahrscheinlich jetzt noch besser als vorher. Vor einem Vampir hatte er schon Angst, aber die Jägerin im Haus zu haben, macht ihn schier verrückt. Ich brauche nur mit der Wimper zu zucken, dann springt er schon."
Buffy lachte. „Das ist mal eine andere Reaktion als üblich. Gewöhnlich wollen alle immer gleich zeigen, wie hart sie doch sind und es endet in einem Kampf."
„Freu dich", grinste er. „Charles würde sich eher in dem dunkelsten Loch der Stadt verkriechen, als gegen dich anzutreten. Außerdem kann dein Knie die Pause gut gebrauchen." Spike knöpfte sein Hemd zu und zog seine Weste drüber.
„Dem geht es doch schon wieder gut", log die Jägerin völlig ungeniert.
„Nein, das stimmt nicht und das weißt du auch", sagte er bestimmt und strich seine Kleidung glatt. „Ähm, wie sage ich es am besten?", überlegte er laut und wackelte dabei mit den Augenbrauen. „Wenn ich wiederkomme, dann möchte ich dich genau da wieder vorfinden, wo du jetzt bist."
„Wir werden sehen", lachte Buffy. Sie winkte ihm hinterher, nahm eine Kerze und ging dann langsam ins Badezimmer. Es gab hier eine große Badewanne und fließend Wasser. Außerdem ein Gerät, das scheinbar warmes Wasser produzierte und sie wollte es sich einmal näher ansehen.
Zur Abwechslung wäre es bestimmt ganz nett, sich einmal anders zu waschen, als mit kaltem Wasser. Sie drehte an den verschiedenen Hähnen und freute sich, als schließlich warmes Wasser in die Wanne plätscherte.
Sie trat an den Spiegel, bürstete ihre Haare und sah sich selbst dabei in die Augen. Spike hatte schon Recht. Sie sollten die Zeit, die sie hier waren, wirklich auskosten, aber helfen würde das nicht, um ihr Problem zu lösen. Immerhin mussten sie zurück in ihre eigene Zeit und dabei war ihre derzeitige Beschäftigung nicht gerade hilfreich.
Buffy ertappte sich bei einem breiten Grinsen. ‚Jetzt reiß dich mal zusammen’, befahl sie sich und schimpfte mit ihrem Spiegelbild. ‚Wir werden sehen, wo uns das hinführt.’
Ihre Gedanken wanderten zu Giles. Was würde der Wächter zu ihrer Verbindung mit Spikes sagen? Er wäre bestimmt nicht begeistert, aber würde er sich einmischen? Willow würde sie unterstützen, auch, wenn die Hexe selbst Schwierigkeiten damit hatte und, was Xander dazu zu sagen hatte, war auch bereits klar. Sein Gesicht konnte sie sich geradezu bildlich vorstellen und Buffy musste lachen. Am schwersten wäre es bestimmt für Dawn. Immerhin schwärmte sie seit langer Zeit für Spike und sie war sich sicher, dass ihre kleine Schwester sehr enttäuscht sein würde.
Buffy seufzte und durchwühlte ihr kleines Kistchen nach Badezusätzen. Fündig wurde sie nicht. Schaumbad oder ähnliches war bestimmt noch gar nicht erfunden und sie öffnete ein kleines Fläschchen mit Rosenöl. „Besser als nichts", murmelte sie und verteilte den Inhalt großzügig in der Wanne. Sie kontrollierte die Temperatur mit der Hand, schloss die Wasserhähne und stieg lächelnd hinein.
Wirklich bequem waren diese altmodischen Wannen nicht, aber sie rutschte tiefer ins Wasser und lehnte sich an die Rückwand der Badewanne.
Buffy dachte an den Ripper. Irgendetwas spukte durch ihren Kopf, aber sie wusste nicht genau, was es war. Etwas hatte sie in den unzähligen Berichten gelesen, aber sie wusste nicht, was sie daran so störte. Sie rutschte noch ein kleines bisschen tiefer ins Wasser und schloss die Augen. ‚Was war das nur?’, überlegte sie fieberhaft. ‚Warum fällt es mir nicht ein?’
Ein paar Minuten später kehrte Spike zurück und Buffy lächelte, als sie sein leises Knurren vernahm. Sie war nicht, wie aufgefordert, im Bett geblieben und lachte nun lautlos. Was erwartete er denn? Immerhin war sie die Jägerin und sie würde keine Befehle eines Vampirs entgegen nehmen. Das wäre ja wohl noch schöner.
„Wo bist du jetzt schon wieder?", fragte er in das leere Zimmer und sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Hier", erwiderte sie leise und versuchte im Wasser möglichst keine Bewegungen zu machen, die sie verraten würden.
„Oh", grinste Spike, als er durch die Tür trat. „Du hast also herausgefunden, dass es auch warmes Wasser gibt." Er trug ein Tablett herein, ging neben der Wanne in die Hocke und Buffy warf neugierig einen Blick darauf.
Augenblicklich knurrte ihr Magen und sie nahm sich eins der saftigen Sandwichs vom Teller. „Endlich einmal etwas, das ich auch essen mag", murmelte sie leise und biss herzhaft hinein.
Spike stand auf, holte einen Stuhl aus dem Zimmer und stellte ihn neben die Wanne. Er baute das Tablett so auf, das Buffy bequem aus der Wanne zugreifen konnte lächelte lüstern, bevor er sich die Weste und das Hemd in einem Rutsch auszog.
Buffy sah ihm wie gebannt zu und sofort setzten sich andere Gedanken und Ideen in ihrem Kopf fest. Auch das Essen war vollkommen vergessen, als sie ihn betrachtete.
„Essen, Buffy", lachte Spike. „Du fällst mir sonst noch um. Du bist eh schon viel zu dünn."
„Erstens bin ich nicht zu dünn und zweitens liege ich schon", erwiderte Buffy und lachte dann. „Ich kann also gar nicht umfallen." Sie setzte sich auf, griff nach einem Glas und besah sich dessen Inhalt. „Was ist das?"
„Apfelsaft", antwortete er und kletterte hinter ihr in die Wanne. Seine Hände fuhren sanft über ihren Rücken und Buffy lehnte sich entspannt zurück.
„Halt!", rief sie und Spike erstarrte. „Nein, so war das nicht gemeint", lachte sie, drehte sich um und küsste ihn flüchtig. „Mir ist nur etwas eingefallen. Ich fand die ganze Zeit schon etwas merkwürdig, aber jetzt weiß ich endlich, was es ist."
„Dir ist schon klar, dass ich nicht die blasseste Ahnung habe, wovon du gerade sprichst", sagte er und runzelte die Stirn.
„Ich bin doch heute, nein gestern…egal! Jedenfalls bin ich doch die ganzen
Berichte der Polizei und der Ärzte noch mal durchgegangen. Mir kam die ganze
Zeit etwas seltsam vor und jetzt weiß ich, was es ist."
„Und was ist es?", fragte Spike weiter.
„Sie haben sich nicht gewehrt", erklärte Buffy und drehte sich auf den Bauch. Sie sah ihm in die klaren blauen Augen. „Keine der Frauen hat sich gewehrt. Findest du das nicht auch außergewöhnlich? Man sollte doch annehmen, dass sie kämpfen, rund um sich schlagen oder was auch immer."
„Allerdings", erwiderte der Vampir und fuhr mit seinen Fingern sanft über ihre Wange. „Also hat er sie betäubt. Die große Frage ist jetzt nur womit?"
„Meinst du, es sind irgendwelche Medikamente?", fragte sie dann, legte ihre Arme um seinen Hals und zog sich daran hoch.
„Wenn ich das mal wüsste", erwiderte er, legte seine Arme um sie und küsste sie zärtlich. „Das würde die Sache bedeutend erleichtern. So viele Dämonen, die ihre Opfer vorher ruhig stellen, gibt es ja nicht.
„Ich kenne keinen", gab sie freimütig zu. „Giles wäre jetzt wirklich sehr nützlich. Er kennt so viele Dämonen und ihre Eigenarten."
„Nun, dein Wächter ist nicht hier", überlegte Spike laut. „Aber der Rat der Wächter existiert durchaus. Vielleicht ist es mir möglich, jemand dort einzuschleusen, der für uns die richtigen Bücher und Informationen findet."
„Ich denke nicht, dass das was wird", sagte Buffy und schüttelte den Kopf. „Erstens ist das Haus bewacht wie eine Festung und außerdem müsste der, der da reingeht, auch noch Ahnung von Dämonen haben. Es gibt unzählige von Büchern und er würde Wochen brauchen, um das richtige zu finden."
„Das stimmt", nickte Spike. „Also werde ich auf die gute alte Möglichkeit zurückgreifen, die immer funktioniert."
„Und die wäre?"
„Ich werde mir die Informationen kaufen", lachte er. „Geld regiert die Welt und
wir werden auch eine Person aus dem Rat finden, die das genauso sieht."
Teil 10
Als Buffy am nächsten Morgen erwachte, war sie wieder alleine in dem großen Bett und sie seufzte leise. Der Vampir war wieder einmal verschwunden, hatte aber dieses Mal eine Nachricht auf seinem Kopfkissen hinterlassen. Gähnend setzte sie sich auf, rieb sich den Schlaf aus den Augen und las.
Guten Morgen Schlafmütze, stand darauf und Buffy lächelte. Ich hatte gestern Nacht noch eine gute Idee, wie ich an eines der Ratsmitglieder herankomme und außerdem will ich mir die drei möglichen Kandidatinnen einmal ansehen.
Irgendwelche Befehle sind bei dir ja sinnlos, aber tu mir den Gefallen und schon dein Bein. Bleib einfach liegen!
Wenn es wirklich zu einem Kampf mit dem Ripper kommt, dann solltest du dafür gewappnet sein.
„Jetzt geht das schon wieder los", meckerte Buffy. „Als wenn ich das nicht selber wüsste!" Sie streifte die Bettdecke beiseite und besah sich ihr lädiertes Gelenk einmal genauer. Direkt unterhalb der Kniescheibe hatte sich ein saftiger Bluterguss gebildet, aber das war auch schon alles. Die Schwellung hatte sich komplett zurückgebildet und sie hatte auch keinerlei Schmerzen mehr. Immerhin hatte sie sich die letzten anderthalb Tage kaum bewegt. Sie grinste. Nun, zumindest war sie nicht viel gelaufen und die Heilung schritt dementsprechend voran.
Sie stand auf und lachte. ‚Er verschwindet jedes Mal… das kann ich auch! Dann wird er mich wohl wieder suchen müssen!’
Rasch ging sie ins Badezimmer und lachte ihrem Spiegelbild verschmitzt entgegen. Auf sein Gesicht freute sie sich jetzt schon. In Windeseile machte sie sich fertig und lief so schnell es ging die Treppe herunter. In der Hotelhalle traf sie gleich auf Charles, der sofort wieder den Rückwärtsgang einlegte.
„Charles", rief sie ihn und wartete, bis der furchtsame Dämon bei ihr angekommen war.
„Mrs. Doyle. Kann ich etwas für Sie tun?", fragte er mit einer leichten Verbeugung.
„Wissen Sie zufällig, wo mein Mann ist?", fragte sie. ‚Ich muss Spike unbedingt fragen, wie er auf so einen blöden Namen gekommen ist.’
„Ja, Mam. Er ist im Hause, aber momentan noch in einer Besprechung."
„Ich verstehe", erwiderte Buffy und lächelte freundlich. „Sie haben nicht zufällig eine Tageszeitung für mich?", fragte sie einer plötzlichen Eingebung folgend.
„Selbstverständlich", antwortete Charles und deutete auf die kleinen Tischchen in der Hotelhalle. „Ich bringe Ihnen gleich eine! Vielleicht noch eine Tasse Tee?"
„Lieber einen Kaffee!", erwiderte sie und lächelte. Dann wandte sie sich um und suchte sich ihren Platz so aus, dass sie jeden Winkel der Hotelhalle im Auge hatte. Sie selbst wurde von einer hohen Säule geschützt und konnte so in aller Ruhe ihre Blicke schweifen lassen. Allerdings war es noch sehr früh und dementsprechend waren nur sehr wenige Gäste bereits auf den Beinen. Buffy blickte auf die große Standuhr und stellte fest, dass es noch keine sieben Uhr war. ‚Wow’, dachte sie. ‚Zuhause schaff ich es nicht einmal, mit einem Wecker vor sieben Uhr aufzustehen.’
Lange warten brauchte sie nicht, da kam Charles auch schon auf sie zugeeilt und überreichte ihr das Gewünschte.
„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun, Mam?", fragte er und Buffy konnte seine Angst förmlich spüren.
„Nein, danke", antwortete sie und nickte ihm aufmunternd zu. Sein Verhalten war unglaublich. Er hatte unbeschreibliche Angst und trotz allem bewahrte er eine Haltung, die ihr imponierte. Spike hatte ihr gesagt, dass seine Rasse nur zum Dienen da war und sie überlegte, ob er es hier wirklich besser getroffen hatte. Aber vielleicht lag es ihm auch einfach im Blut und er hätte keine bessere Stelle finden können, als hier in diesem Hotel.
Sie faltete die Zeitung auseinander und las den Leitartikel. Eigentlich hatte sie erwartet, dass er von Jack the Ripper handelte, aber sie wurde enttäuscht. Es ging nur um irgendwelche Verträge, die demnächst unterzeichnet werden sollten und sie zuckte mit den Schultern. Sie blätterte weiter und schüttelte den Kopf. Sie hatte gefunden, was sie suchte, aber es waren nur irgendwelche obskuren Zeugenaussagen und ein vernichtender Bericht, der die Arbeit der Polizeibehörden anprangerte.
„Es hat sich in hundert Jahren nicht viel geändert", murmelte sie leise vor sich hin. „Meckern kann die Presse heute immer noch genauso gut."
Eine Bewegung ließ sie aufblicken und sie erkannte Spike, der mit einem Tablett die Treppe hinaufeilte. Sie hielt sich eine Hand vor den Mund, um nicht laut loszulachen und schob dann ihren Sessel ein kleines Stückchen zurück. Sein Gesicht wollte sie sich nicht entgehen lassen, wenn er wieder herunter kam. Buffy nahm die Zeitung vom Tisch, hob sie vor ihr Gesicht und schaute rechts an ihr vorbei. Wenige Augenblicke später stürmte der Vampir wieder in die Halle. Er durchquerte sie, lief in den Speisesaal und sein Gesichtsausdruck sprach Bände, als er ihn wieder verließ.
Er baute sich vor der Rezeption auf und rief laut nach Charles. Der dämonische Hotelangestellte kam nur sehr vorsichtig aus seiner kleinen Nische und erkundigte sich leise nach seinen Wünschen.
„Haben Sie meine Frau gesehen?", fragte der Vampir laut und Buffy hatte alle Mühe, nicht in lautes Gelächter auszubrechen. Eigentlich hatte Spike den Schrecken verdient. Immerhin behandelte er sie wie ein kleines Mädchen, das nicht alleine auf der Straße spielen durfte.
Charles antwortete leise und deutete dann in ihre Richtung.
Der Vampir fuhr herum, ging dann langsam auf sie zu und baute sich vor ihr auf. „Das macht dir Spaß, oder?", zischte er.
Buffy versuchte, ihre Gesichtsmimik unter Kontrolle zu bringen und ließ die Zeitung sinken. „Was denn?", fragte sie so harmlos, wie sie konnte und lachte dann herzhaft, weil er sie bitterböse anfunkelte.
„Spike, ich brauche keinen Babysitter. Auch hier in dieser Zeit nicht", sagte sie dann sanft.
„Vielleicht nicht", gab er zu. „Aber du musst mich auch nicht regelmäßig zur Weißglut treiben", schimpfte er.
„Und du sollst mich nicht beschützen. Jedenfalls nicht so", fügte sie leise hinzu. „In Sunnydale machst du das auch nicht. Warum also hier?"
„Dort habe ich das auch schon gemacht", erwiderte Spike wütend. „Nur hast du
es nicht gemerkt", gestand er dann etwas leiser.
„Sicher wusste ich, dass du da bist", sagte Buffy ruhig. „Ich habe dich immer
gespürt, auch, wenn du dich nicht gezeigt hast."
„Hast du?", fragte er verblüfft und ließ sich in einen Sessel fallen. Er hatte
sich weitestgehend wieder beruhigt und sah ihr aufmerksam ins Gesicht.
Buffy nickte nur. „Aber das hier ist anders. Ich komme mir vor wie ein Kleinkind", erklärte sie ernst „Ich soll nicht aufstehen und herumlaufen, ich soll das Hotel nicht alleine verlassen und ich soll mich praktisch unsichtbar machen. Warum?", fragte sie ihn dann.
„Ich kann das nicht erklären", murmelte er leise. „Aber an unserem ersten Abend hier…in dem verfallenen Haus. Die enorme Präsenz des Bösen hat mich stutzig gemacht und ich versuche jetzt alles, um dich da raus zu halten."
„Aber das geht nicht", sagte sie leise und griff nach seiner Hand. „Es ist meine Aufgabe, mich solchen Wesen zustellen. Das weißt du genau."
„Ja. Nein. Ach, verdammt. Warum musst du dich auch noch um die Monster der Vergangenheit kümmern?", regte er sich auf.
Buffy stand auf. „Lass uns nach oben gehen", sagte sie sanft. „Ich bin sehr
gespannt, was du mir heute zum Frühstück mitgebracht hast."
„Du hast mich beobachtet?", fragte er ungläubig, funkelte sie böse an und stand
ebenfalls auf.
„Sicher", lachte sie. „Deswegen habe ich mich doch hier hingesetzt", erklärte sie ihm und hörte ihn leise knurren. „Komm", flüsterte sie und zog ihn in Richtung Treppe.
*****************
„Und du bist dir sicher, dass du soweit laufen kannst?", fragte Spike jetzt schon zum dritten Mal. Es war später Nachmittag und Buffy bestand darauf, das Hotel zu verlassen und sich im East End umzusehen.
„Genauso sicher wie du, dass der blöde Nebel sich nicht mehr lichten wird", erwiderte Buffy. „Ich muss hier raus", fügte sie dann leise hinzu. „Ich kann dieses Hotel und das Zimmer nicht mehr sehen."
„Was ist, wenn dein Knie nicht mehr mitspielt?", erkundigte er sich mit besorgter Miene.
„Oh Mann, Spike", nörgelte sie. „Ich kann laufen. Ich muss nur nach
Möglichkeit jeden Kampf aus dem Wege gehen. Einen Tag noch, dann ist die
Verletzung endgültig verheilt."
„Warum gehen wir dann heute Abend nicht ins Theater?", versuchte der Vampir
wieder, sie zu bremsen.
„Jetzt reicht es aber", zischte sie böse. „Du kannst dir dein dämliches Theater sonst wo hinschmieren", fauchte sie. „Ich gehe jetzt raus und, wenn du mich begleiten willst, dann kommst du einfach mit."
„Wow. Die Jägerin ist wieder da", lachte er und zog sie in eine Umarmung.
„Ich war nie weg", sagte sie und lächelte dann. „Ich habe nur eine kleine Pause eingelegt." Sie lehnte sich in seine Arme. „Und du bist dir wirklich sicher, dass der Dunst da draußen bleibt? Es ist noch über eine Stunde hell und ich will dich nicht als Staubhaufen wieder mit zurück in unsere Zeit nehmen."
„Du würdest meinen Staub mitnehmen?", fragte er grinsend und fing sich dafür einen Rippenstoß ein.
„Nach Möglichkeit will ich dich im Ganzen mitnehmen", sagte sie ernst und
küsste ihn. „Lass uns gehen. Ich brauche frische Luft."
„Ich kann das Fenster ganz weit öffnen", schlug er grinsend vor.
„Ja! Aber nur, damit ich dich leichter rauswerfen kann", erwiderte Buffy trocken. Gut, er versuchte sie aufzuhalten, aber da stand ihr der Sinn jetzt nicht nach. Er meinte es gut, aber sie wollte nach Hause. Zurück in ihre eigene Zeit und das so schnell es ging. Sie nahm ihren Umhang, legte ihn sich um die Schultern und öffnete die Hotelzimmertür. „Lass uns gehen", sagte sie und trat hinaus in den Korridor.
Vor dem Hotel hielt der Vampir eine Kutsche an, öffnete der Jägerin die Tür und half ihr beim Einsteigen. Er folgte ihr umgehend und setzte sich neben sie.
„Bevor ich das wieder vergesse", sagte sie leise. „Warum hast du uns den
Namen Doyle gegeben? Ich finde ihn schrecklich."
„In der ersten Nacht bin ich zufällig durch die Baker Street gekommen. Sherlock
Holmes hatte dort sein fiktives Zuhause und ich habe an Sir Arthur Conan Doyle
gedacht, deswegen", erklärte er grinsend.
„Oh je", scherzte Buffy. „Ich wusste gar nicht, dass du ein Fan von ihm bist." Sie boxte ihm spielerisch in die Rippen und grinste spöttisch. „Im Grunde ist es unwichtig, aber für das nächste Mal kannst du dir merken, dass der Name Summers auch tut", sagte sie dann und lachte. „Wo genau fahren wir hin?"
„Einfach erstmal ins East End. Meine drei Frauen haben sich als Nieten entpuppt. Eine ist an die siebzig, eine ist Putzfrau und wohnt in einem gänzlich anderen Viertel und eine ist eine stämmige Bardame in den Vierzigern."
„Dann kommen wir so wohl nicht weiter", seufzte Buffy und blickte aus dem
kleinen Fenster der Kutsche. Erkennen konnte sie nicht viel, nur hier und da mal
eine vorbeihuschende Person und sie wandte sich ihm wieder zu. „Konntest du
schon ein Ratsmitglied erreichen?"
„Ich selbst nicht", sagte Spike. „Aber der Auftrag ist raus und, wenn ich das
richtig verstanden habe, dann macht sich besagtes Mitglied schon an die Arbeit."
„Wie konntest du ihn so leicht überzeugen? Wenn ich das Giles erzähle, dann…
Lieber nicht. Es würde seinen Glauben an diesen Verein endgültig begraben."
„Andrew Mac Clane ist ein Spieler", brummte Spike. „Er kann Geld im Moment gut gebrauchen. Seine Gläubiger sind ihm schon auf den Fersen."
„Woher weißt du das alles bloß?", erkundigte Buffy sich. „Du hast doch selbst gesagt, dass du nach deiner Verwandlung nicht mehr lange in London warst."
„War ich auch nicht", sagte der Vampir. „Aber ich lebe schon einige Jahre länger und habe auch dem Anwesen des Rates einmal einen Besuch abgestattet. Ihn selbst habe ich dort nicht gesehen, dafür aber seinen Sohn, Sean, und man hört so einiges über die Familie. Also zählt man zwei und zwei zusammen und meistens passt es."
Die Kutsche hielt und die Beiden stiegen aus. Spike bezahlte den Fahrer und wandte sich dann Buffy zu, die am Straßenrand stand und ungläubig in die weiße Nebelwand starrte.
„Das gibt es doch gar nicht", meinte sie, als er neben ihr stand. „So einen dichten Nebel habe ich noch nie gesehen. Man kann keine zwei Meter weit sehen."
„Wir sind in London, Luv", lachte der Vampir. „Ein normales Wetter für diese
Stadt. Vor allem im November."
„Welches Datum haben wir eigentlich? Ich habe ganz vergessen, in der Zeitung
nachzusehen."
„Den sechsten", erwiderte Spike. „Wenn wir nur wüssten, an welchem Tag das
nächste Mal etwas geschehen wird."
„Hm", machte die Jägerin. „Was hältst du eigentlich von den Briefen des Rippers und den Graffitis an den Häuserwänden?"
„Wenn du mich fragst, dann ist das eine geschickte Irrführung. Unser Gegner ist nicht dumm und er wird alles tun, um im Verborgenen zu bleiben."
„Er macht das nur zum Spaß?", fragte sie verblüfft.
„Spaß hat er bestimmt daran. Aber er führt die Polizei auf eine Menge falsche
Fährten. Ich finde das sehr geschickt."
Er leitete sie durch die verwinkelten Gassen und Buffy fiel wieder der fürchterliche Gestank auf. ‚Du wolltest unbedingt raus’, überlegte sie. ‚Also musst du da jetzt auch durch.’
„Wo sind wir jetzt?", fragte sie einige Minuten später. Sie hatte das ungute Gefühl, beobachtet zu werden und wie in dem verfallenen Haus überkam sie eine Gänsehaut und auch das schlechte Gefühl breitete sich wieder in ihrem Magen aus. Sie warf einen kurzen Seitenblick auf Spike und merkte, dass er ebenso dachte wie sie. Er umklammerte ihren Arm und zog sie in die nächste Seitengasse.
„Whitechaple", raunte er ihr zu, hielt sich dann einen Finger vor den Mund und nickte leicht.
Buffy hatte verstanden und nickte ebenfalls. Sie drückten sich flach an die Wand und lauschten in die weiße Suppe. Mehrere Minuten verharrten sie vollkommen lautlos, doch so sehr sie sich auch anstrengten, einen Verfolger konnten sie nicht ausmachen. Schließlich zog der Vampir sie weiter und zusammen entfernten sie sich schnell von dem Ort.
„Hast du das auch gespürt?", fragte Spike einige Straßen weiter.
„Das war er, richtig?", antwortete sie mit einer Gegenfrage.
„Wenn du mich fragst, ja", erwiderte er und führte sie auf eine belebte Straße. Er pfiff auf seinen Fingern und winkte eine Kutsche heran.
„Du willst doch nicht schon wieder weg?", fragte sie entsetzt, als das Fuhrwerk direkt vor ihren Füßen anhielt.
„Wir können hier nichts ausrichten", sagte er und schob sie in das Innere.
„Du kannst kaum die Hand vor den Augen sehen und auch meine Sicht ist heute
nicht viel besser. Wir haben keine Ahnung, mit was wir es zu tun haben und wir
haben nicht einmal eine vernünftige Waffe." Er sah ihr fest in die Augen. „Ich
werde dich nicht verlieren. Nicht auf diese Art und Weise."
„Aber im Hotel erfahren wir auch nichts Neues", schimpfte Buffy und versuchte
ihn wieder aus dem Gefährt zu drängen.
„Buffy", sagte er und hielt sie fest. „Ich weiß, du willst zurück nach Hause. Aber nicht so. Das wäre unser Tod und das weißt du auch."
„Ich will aber nicht wieder tatenlos irgendwo herumsitzen", meckerte Buffy und ließ sich seufzend auf die Sitzbank fallen.
„Wir fahren nicht ins Hotel", sagte er, gab dem Fahrer kurze Anweisungen und setzte sich neben sie. „Ich habe eine Idee. Vielleicht hilft uns das weiter."
Teil 11
„Wo fahren wir eigentlich hin?", erkundigte Buffy sich und versuchte wieder aus dem kleinen Kutschfenster zu sehen. Langsam wurde es dunkel und durch die Nebelschwaden war beinahe nichts zu erkennen. Sie rieb ihre kalten Finger aneinander und sah den Vampir fragend an.
„Ich will gucken, ob eine alte Bekannte noch lebt. Dazu müssen wir aber raus nach Ealing", erklärte er und zog sie nah an sich heran.
„Und was machen wir dort?", fragte sie weiter und kuschelte sich eng an ihn. „Und was ist Ealing? Ein Stadtviertel?"
Er nickte. „Ich möchte Madame Sophie einen Besuch abstatten", meinte er und als Buffy ihn mit hochgezogenen Augenbrauen ansah, lachte er. „Nein, sie leitet kein Bordell oder ähnliches, auch wenn der Name dazu passen würde." Er lachte. „Sie ist so etwas wie eine Hexe", erklärte er. „Sie hat nicht soviel Macht wie zum Beispiel Willow, aber sie weiß Dinge, ohne sie zu wissen. Wenn du verstehst, was ich meine."
„Ja, ich denke schon", murmelte Buffy. „Woher kennst du sie?"
„Ich habe früher schon einige Male ihre Dienste in Anspruch genommen", sagte er leise und nahm ihre Hand. „Aber sie war damals schon uralt und ich bin mir nicht sicher, ob sie überhaupt noch lebt."
„Und was genau erwartest du von ihr?"
„Ich hoffe, sie kann mir einige Fragen beantworten. Oder zumindest versuche ich, mehr über den Ripper in Erfahrung zu bringen. Sie sieht die Dinge einfach vor ihrem geistigen Auge", meinte er dann. „Vielleicht kann sie mir sagen, was er für ein Monster ist."
„Du denkst also immer noch, dass er ein Dämon ist? Es gibt auch Menschen, die solche Gräueltaten vollbringen.", sagte die Jägerin und schüttelte sich. In der Kutsche war es zugig, überall pfiff ein eisiger Wind durch die Ritzen und sie stampfte mit den Füßen auf.
„Warte", meinte Spike. Er lehnte sich nach vorne, hob den Deckel der gegenüberliegenden Sitzbank hoch und zog eine Decke heraus. Er wickelte Buffy darin ein und die Jägerin kuschelte sich wieder an ihn.
„Meiner Meinung nach kann er nur ein Dämon sein", sagte er dann. „Man kann spüren, wie mächtig er ist. Und genau das macht mir Sorgen. Er ist mit Sicherheit kein Allerweltsdämon." Er küsste ihr sanft die Stirn.
„Dann erwartet uns ein harter Kampf", murmelte Buffy und lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Jetzt wird mir erst richtig bewusst, wie sehr ich mich auf Giles und meine Freunde verlasse. Sie sind immer da und helfen, vor allem mit Informationen."
„Na ja", lachte Spike. „Der Welpe hat eine Menge Mut, dass muss man ihm lassen. Er wirft sich in jeden Kampf, muss aber dafür auch oft gerettet werden. Er hat das untrügerische Talent, immer zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein."
„Ja, stimmt schon", lachte die Jägerin. „Aber selbst auf ihn möchte ich nicht verzichten. Und du darfst nicht vergessen, er ist der einzig wirklich normale Mensch. Er hat keine speziellen Fähigkeiten und dafür macht er seine Sache wirklich gut." Sie schwieg einen Moment. „Ob Giles schon versucht, uns zurückzuholen?"
„Versuchen wird er es", meinte Spike nachdenklich. „Aber ich denke nicht, dass es ihm gelingt. Wir werden erst zurückkönnen, wenn unsere Aufgabe hier erledigt ist."
Die Kutsche hielt und die Beiden stiegen aus. Spike bat den Kutscher zu warten und zusammen betraten sie einen wild wuchernden Vorgarten, der ein windschiefes kleines Häuschen einrahmte. Der Nebel war hier nicht ganz so dicht wie in der City und die Jägerin sah sich neugierig um.
„Das hatte ich mir anders vorgestellt", murmelte sie leise.
Spike lachte nur. „Warte es ab." Er klopfte an der derben Tür und wartete.
Es dauerte einige Momente, dann wurde die Tür einen Spalt breit geöffnet. „William, ich habe dich schon erwartet", krächzte eine heisere Stimme.
„Guten Tag, Sophie", lächelte der Vampir. „Dürfen wir hereinkommen?"
„Du hast eine Jägerin mitgebracht", schnarrte die Alte. „Was ist mit dir geschehen?" Sie öffnete die Tür ganz und Buffy zog scharf Luft ein.
Das, was ihr gegenüberstand, hatte mit einem menschlichen Wesen kaum noch Ähnlichkeit. Die Alte war verkrüppelt, ihr ganzer Oberkörper schien schief angewachsen und sie lehnte schwer auf einem Stock. Buffy blickte in die blinden Augen der Frau und schüttelte sich.
„Was denn, mein Kind?", krähte die Alte und gab glucksende Geräusche von sich. „Bin ich dir nicht hübsch genug?"
„Entschuldigung", murmelte Buffy und sah Spike fragend an. „Ich wollte nicht unhöflich sein…"
„Kommt rein", sagte die alte Frau und humpelte zurück in das dunkle Innere des Hauses.
Spike folgte ihr ohne weiteres, nur Buffy blickte sich vorsichtig um. Es war sehr düster in dem alten Haus, es roch modrig und nach vielen verschiedenen Gewürzen, die sie nicht einordnen konnte und sie hatte Mühe, sich ihre Abscheu nicht anmerken zu lassen.
„Ich will mit William sprechen", krächzte die Alte und ließ ihn vorgehen. „Allein!"
„Ich warte hier", sagte Buffy unsicher und setzte sich auf einen alten Hocker im Flur. Spike, der gerade durch eine Tür gehen wollte, drehte sich zu ihr um und zuckte entschuldigend mit den Schultern, doch sie winkte ab und nickte aufmunternd.
„Es wird nicht lange dauern", schnarrte die Alte und schloss die Tür.
Spike setzte sich auf einen abgewetzten Ledersessel und wartete geduldig, bis Sophie ebenfalls Platz genommen hatte.
„Du hast dich verändert", sagte sie und hielt schnuppernd die Nase hoch. „Du
bist nicht mehr der, den ich kenne."
„Ja", erwiderte Spike und lächelte. „Ich habe eine lange Reise hinter mir."
„Warum bist du hier?"
„Ich…Ich habe hier einen Auftrag", versuchte er zu erklären.
„Hm", brummte die Alte. „Soweit ich weiß, hast du immer so geredet, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Warum jetzt nicht?"
„Es hat sich viel verändert. Wie du schon sagtest, ich bin nicht mehr der, den du kanntest. Aber das, was ich wissen muss, ist wichtig. Kannst du mir helfen?"
„Du willst mehr über das Monster erfahren, das im East End sein Unwesen treibt.
Richtig?", krächzte sie und ihr Kopf sank ein kleines Stück herab. „Du hast dir
einen mächtigen Gegner ausgesucht. Bist du dir sicher, dass du ihn finden
willst?"
„Ich muss", erwiderte der Vampir ernst.
„Was ist mit der Jägerin? Du bist ein Vampir und sie… Warum liebst du sie? Was ist geschehen? Deine Aura hat sich gewandelt. Du scheinst ein ganz anderer zu sein als noch vor ein paar Jahren."
„Es sind mehr als ein paar Jahre vergangen", sagte Spike leise. „Zumindest
für mich. Ich weiß, dass du es verstehst."
„Ja, das tu ich", sagte sie und lachte krächzend. „Du musst auf sie aufpassen.
Es ist nicht ihr Kampf, der hier ausgefochten wird."
Der Vampir runzelte die Stirn. „Nicht ihr Kampf? Das verstehe ich nicht."
„Doch, ich glaube, dass hast du schon", erwiderte sie nickend. „Dein Gegner ist
fast unbezwingbar, er ist das Böse in Person und wenn ich dir einen guten Rat
geben könnte, dann würde ich dich weit fortschicken aus der Stadt. Aber ich
weiß, du wirst nicht gehen."
„Du hast Recht. Ich muss Buffy zurück in ihr Leben bringen. Wir müssen uns dem Monster stellen."
„Buffy?", krähte die alte Frau und Spike lachte.
„Ihr richtiger Name ist Elisabeth", erklärte er und schmunzelte. „Sophie, es hat sich viel verändert."
Ihre zittrige Hand wanderte über den Tisch, suchte und fand seine und sie fasste mit einer unglaublichen Kraft zu. „Das Monster, das ihr Jack the Ripper nennt, kommt direkt aus der Hölle. Du wirst all deine Kraft brauchen, um ihm gegenüberzutreten. Sie wird dir auf eine Weise helfen, die du dir im Moment nicht vorstellen kannst", sagte sie leise und deutete mit dem Kopf zur Tür. „Aber vielleicht…vielleicht wird es nicht reichen."
Sie machte eine Pause, atmete tief ein und seufzte dann laut. „William, dies ist das letzte Mal, dass wir uns sehen", seufzte sie dann. „Meine Zeit ist gekommen. Ihre noch nicht. Du musst aufpassen, sonst verlierst du sie."
„Vielleicht sollte ich sie wegbringen. Raus aus London", überlegte er laut.
„Das wird nichts ändern. Es würde den Lauf der Geschichte nur verzögern." Sie hustete erbärmlich. „William. Es ist nicht ihr Kampf und doch brauchst du sie."
„Das verstehe ich alles nicht", schimpfte der Vampir. „Wie finde ich dieses Monster und wie kann ich es vernichten? Verdammt!"
„Er wird euch finden", flüsterte sie leise und Spike sprang auf.
„Das muss ich verhindern! Sag mir, wie ich das verhindern kann!" Er trat nah an sie heran und beugte sich zu ihr runter. „Sophie, sag mir, wie ich das ändern kann. Ich kann ihr Leben nicht aufs Spiel setzen!"
„Es ist ihre Berufung", sagte die Alte sanft. „Sie hat es dir oft genug gesagt und in gewisser Weise hat sie Recht, wenn sie vor einer Verbindung mit dir zurückschreckt."
„Ich würde ihr niemals etwas antun", zischte er böse.
„Das weiß ich", antwortete sie beschwichtigend und tätschelte seine Hand. „Das
weiß ich doch. Aber… William. Das alles ist jetzt nicht wichtig. Jetzt musst du
dich um etwas ganz anderes sorgen." Sie seufzte wieder. „Ich werde langsam
schwächer und dieser Winter wird mein letzter sein. Mein Leben war lang und ich
habe mehr gesehen, als es mir manchmal lieb war."
Spike wusste nicht, was er sagen sollte und setzte sich leise wieder auf seinen Platz. „Kann ich irgendwas für dich tun? Im Moment habe ich die Möglichkeit, dir jeden Wunsch zu erfüllen."
„Nein. Auch das ist nicht wichtig" Sophie hustete wieder. „William", krächzte sie, nachdem der Anfall vorbei war. „Du warst immer etwas Besonderes. Du warst nie wie andere deiner Art und genau das ist jetzt der größte Vorteil, den du gegen das Monster hast. Er wird dich unterschätzen. Aber das wird der einzige Fehler sein, den er je macht und genau das musst du nutzen."
Ein erneuter Hustenanfall ließ sie innehalten. Sie lächelte. „Spike", sagte sie und ihr entstelltes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse. „Ich habe damals gedacht, deine Gefühle für deine verrückte Vampirfreundin wären stark gewesen. Ich habe mich geirrt."
„Buffy ist anders", sagte er leise. „Ich…"
„Du brachst nichts zu erklären. Es ist gut, wie es ist." Sophie gluckste wieder.
„Nur deine Haare…sie haben mir damals besser gefallen."
Spike grinste. Er wusste, dass Sophie seit vielen Jahren blind war, aber er konnte ihr nicht einmal jetzt etwas vormachen. Er war früher einige Male hier gewesen und nach manchen ihrer Vorhersagen, hätte er sie am liebsten getötet. Aber so langsam verstand er, dass sie damals schon gewusst hatte, dass sie sich wiedersehen. „Kannst du mir sagen, mit welchen Waffen ich das Monster töten kann?"
„Du brauchst keine speziellen Waffen", sagte Sophie und räusperte sich. „Ich muss mich jetzt ausruhen. Geht jetzt."
„Und du bist dir sicher, dass ich nichts Gutes für dich tun kann?", fragte der Vampir und stand auf.
„Nein. Alles kommt so, wie es muss", sie erhob sich schwer atmend und trat nah auf ihn zu. „William. Ich… Es wird nicht leicht und es wird dir alles und mehr abfordern", sagte sie leise. „Aber lass dich nicht von deinem Weg abbringen."
Spike nickte, und legte ihr dann seine Hand an die Wange. „Es war schön, dich wieder zu sehen. Ich werde dich…niemals vergessen."
„Auch du weißt, wann es Zeit ist", sagte sie leise und kleine Tränen rollten aus ihren blinden Augen. „Du musst jetzt gehen. Kümmere dich um…Buffy", lachte sie unter Tränen. „Meine Aufgabe ist jetzt erfüllt", murmelte sie dann leise und nickte. „Passt auf euch auf!"
Spike bedankte sich ein letztes Mal, verließ den Raum und blieb neben der Jägerin stehen. Unnötigerweise holte er tief Luft. „Wir können gehen", murmelte er leise. Buffy stand auf, er nickte und führte sie dann zu der wartenden Kutsche.
Ein letztes Mal drehte er sich zu dem windschiefen Haus um und er meinte, eine leichte Bewegung hinter einem der Fenster wahrzunehmen. Er nickte, hob zum Abschied ein letztes Mal die Hand und kletterte in das Innere des Pferdefuhrwerks.
„Ist alles in Ordnung?", fragte Buffy leise und sah ihn aufmerksam an.
„Ja. Nein. Ach, verdammt!" Er seufzte und sah ihr tief in die Augen. „Ja. Es ist schon gut. Ich brauche nur einen Moment, um das Gehörte zu verarbeiten."
„Okay", sagte Buffy, wickelte sich wieder in die Decke und kuschelte sich, wie auf dem Hinweg, wieder eng an ihn. „Wenn ich dir helfen kann…"
Spike streichelte sanft über ihre Haare, sagte aber kein Wort. ‚Das tust du
mehr, als du auch nur im Entferntesten ahnst’, dachte er, beugte sich dann
zu ihr herab und küsste sie. ‚Mehr als du ahnst!’
Teil 12
Buffy nippte gerade an einem Glas Rotwein und blickte verstohlen hinüber zu Spike, der ihr gegenüber saß. Die ganze Rückfahrt zum Hotel hatte er geschwiegen und auch während des Essens hatte er nicht viel zu erzählen gewusst. Er schien tief in Gedanken versunken zu sein und Buffy überlegte schon, wie sie ihn zum Reden bringen sollte, als er sie endlich ansah.
„Möchtest du noch ein Glas Wein?", fragte er und sie schüttelte verneinend den Kopf.
„Danke, ich hatte genug."
„Immerhin hast du etwas gegessen", meinte er und blickte auf ihren Teller.
Es stimmte. Das erste Mal, seitdem sie hier war, hatte sie einigermaßen viel gegessen. Zumindest einmal etwas anderes als das Obst, dass Spike ihr regelmäßig mitbrachte. Sie hatte sich wieder einmal auf die Empfehlung des Obers verlassen und ein Filet bestellt, dass ihr ausnahmsweise gut geschmeckt hatte.
„Was hat Sophie dir gesagt, dass dich so beschäftigt?", flüsterte sie und sah ihn ernst an.
„Eine ganze Menge", erwiderte er und versuchte dann ein Grinsen, das allerdings gänzlich misslang. „Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll", meinte er dann und zuckte mit den Schultern. „Wirklich, etwas Genaues habe ich nicht erfahren. Sie hat mir eine Menge…", er stockte. „Ich glaube, es wird ziemlich heftig diesmal", sagte er dann und verzog das Gesicht. Sollte er ihr sagen, dass sie in Gefahr war? Sicher, sie war die Jägerin und im Grunde genommen daran gewöhnt. Aber Sophie hatte ihm einen Schrecken eingejagt und er wusste nicht, was er sagen sollte. Was, wenn er sie verlieren würde? Jetzt, wo sie endlich zueinander gefunden hatten?
„Weißt du jetzt, was für ein Dämon er ist?", hakte Buffy nach. So langsam ging ihr seine Sprachlosigkeit auf die Nerven und sie wollte mehr erfahren. Immerhin ging die ganze Angelegenheit sie auch etwas an.
„Nein. Laut Sophie entstammt er direkt der Hölle und demnach kann es nur ein Höllenfürst sein. Aber das ist unwichtig."
„Unwichtig?", fragte sie laut, sah sich um und sprach dann leise weiter. „Wie kann das unwichtig sein?"
„Lass uns in unser Zimmer gehen", sagte er und stand auf. „Ich werde dir alles erzählen."
Buffy nickte und stand ebenfalls auf. Das interessierte sie jetzt aber brennend. Wie konnten solche Informationen unwichtig sein?
***********************
„Er wird uns finden? Ach du … Warum ziehen wir dann nicht in ein anderes Hotel
um?" Buffy konnte nicht glauben, was der Vampir gerade erzählte. Warum nahm er
das scheinbar so gelassen hin, während sie fast die Wände raufkrabbeln könnte?
Spike saß auf dem Bett und blickte sie an. Er hatte ihr alles erzählt. Fast alles. Er hatte ausgelassen, dass sie sich in großer Todesgefahr befand, aber er hatte nicht gewusst, wie sie darauf reagiert hätte. Sie war die Jägerin und wahrscheinlich hätte sie beschlossen, sofort in den Kampf zu stürmen.
„Sophie meinte, es würde es nur verzögern, aber nicht verhindern."
„Und diese Alte weiß, worüber sie redet?", erkundigte Buffy sich und seufzte,
als er nickte.
Er griff nach ihrer Hand und zog sie zu sich. „Ja, das denke ich schon. Ich habe
mir auch früher schon von ihr Rat geholt und sie hatte immer recht."
„Das hatte ich mir anders vorgestellt", sagte sie leise, legte die Arme um seinen Hals und setzte sich auf seinen Schoß. „Und was machen wir jetzt? Einfach warten?"
„Ich hoffe immer noch auf Nachrichten vom Rat", sagte er dann. „Deswegen möchte ich jetzt auch noch einmal runter. Ich muss mit Charles reden und die Neuigkeiten weitergeben. Unser Spitzel im Rat muss wissen, nach was für einem Monster er suchen muss."
„Er muss wissen, dass Jack the Ripper nicht nur ein simpler Dämon ist, sondern direkt aus der Hölle entstammt?", fragte sie leise. „Glaubst du wirklich, dass er seinen Mund halten wird? Wenn er auch nur ein kleines bisschen an das glaubt, was er macht, dann wird er den Rat informieren"
„Und was denkst du, was der verstaubte Haufen Engländer dann macht?", antwortete er mit einer Gegenfrage. „Sie werden eine Menge Agenten losschicken und eventuell die aktuelle Jägerin hierher bestellen. Aber, bevor die hier ist…"
„Was will der Dämon überhaupt hier und wie ist er hierher gekommen? Ich meine, so einfach ist das nicht, sonst würde die ganze Welt von solchen Monstern verschluckt werden. Was hat ihn auf die Erde gebracht?"
„Das weiß ich nicht", sagte er sanft. „Dazu bräuchten wir wahrscheinlich deinen Wächter, um dafür eine passende Antwort zu finden."
„Ja, Giles. Er könnte jetzt helfen", seufzte Buffy. „Und Willow mit ihrer
Zauberei auch. Alle zusammen könnten wir ihn bestimmt aufhalten."
„Wir schaffen das auch alleine", sagte er ernst. Spike lehnte sich zurück auf
das Bett und zog sie einfach mit sich. „Ich hätte da einen Vorschlag",
schmunzelte er plötzlich. „Du lässt Wasser in die Wanne laufen und ich beeile
mich. Charles erträgt kaum weitere Schrecken und ich habe heute auch keine neuen
Aufträge für ihn. Außerdem kann ich dann noch eben… essen", grinste er und
küsste sie flüchtig. Er stand mit ihr auf dem Arm auf, drehte sie herum und
Buffy musste lachen.
„Was ist das jetzt? Eine Art Galgenhumor?"
„Vielleicht", gab er zu und lächelte dann verführerisch. „Aber die Wahrheit ist viel einfacher. Ich kann einfach nicht genug von dir bekommen." Er küsste sie stürmisch und setzte sie dann schnell ab. „Bevor ich hier gar nicht mehr rauskomme", flüsterte er heiser. „Sollte ich lieber jetzt gehen!" Er lachte, zwinkerte und verschwand aus dem Raum.
„Und ich weiß wieder, warum du mich so verrückt machst", sagte Buffy leise und drehte sich um. ‚Er will baden? Na gut, dass soll das heißeste Bad werden, das er je hatte’, lächelte sie verschmitzt und machte sich daran, sich auszuziehen.
**************************
Viele Stunden später lag Spike wach im Bett und hielt Buffy fest im Arm. Sie schlummerte friedlich, während er noch nicht eine Sekunde die Augen geschlossen hatte. Die Kirchturmuhr läutete viermal und er ärgerte sich. Er hatte vergessen, Sophie zu fragen, wann und wo der Ripper sie finden würde. Würde es hier im Hotel geschehen, oder draußen auf der Straße? Wie sollte er sich darauf vorbereiten, wenn er nicht wusste, wo und wann?
‚Verdammt’, schimpfte er über seine Dummheit, aber er hatte den Faden
verloren, als die alte Hexe ihm gesagt hatte, dass Buffy in großer Gefahr
schwebte. ‚Und, was zum Teufel, heißt, es ist nicht ihr Kampf? Wessen Kampf
denn dann?’, überlegte er und plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den
Augen. Es war sein Kampf! Die Prophezeiung war nicht für Buffy, sondern für ihn
gewesen!
„Das ist vollkommen unmöglich! Scheiße!", murmelte er fassungslos vor sich hin. ‚Das kann doch gar nicht! Welche Idioten haben einen Vampir für so eine Prophezeiung vorgesehen?’
„Spike?", murmelte Buffy leise. „Alles okay?"
„Ja, Luv. Alles in Ordnung. Schlaf ruhig weiter." Er strich ihr das Haar aus dem Gesicht, beugte sich über sie und küsste sie flüchtig. Im schummrigen Licht der Gaslampe sah sie noch zerbrechlicher aus als gewöhnlich und er konnte den Gedanken nicht ertragen, sie verletzt oder gar getötet zu sehen. Vor allem, wenn er auch noch die Schuld daran tragen würde.
Spike seufzte unhörbar. In Sunnydale war es schon schwer gewesen, sie bei ihren Kämpfen gegen das Böse zu beobachten, aber hier…in dieser Zeit? Nein! Es lag nicht an diesem verdammten Jahrhundert! Es hatte nie daran gelegen! Er hatte von Anfang an gespürt, dass dies hier nicht ihr Kampf war und es missfiel ihm, sie damit reingezogen zu haben.
„Spike", murmelte Buffy wieder. „Auch du musst schlafen. Meine Verletzung ist verheilt, aber wenn du nicht voll kampfbereit bist, hilft uns das auch nicht." Sie drehte sich in seinen Armen, strich ihm zärtlich über die Wange und zog ihn zu sich runter. „Wir schaffen das schon. Zusammen!"
„Ich dachte, du schläfst tief und fest", flüsterte er leise und küsste ihre Nasenspitze.
„Hab ich auch. Zumindest zwischendurch. Aber ich fühle deine Aufregung."
Buffy versuchte, sich aufzusetzen, doch er hielt sie fest. „Ich bin jetzt still. Fest versprochen", sagte er.
„Das ist etwas, dass du nicht kannst", lachte sie. „Was ist los mit dir?"
„Nichts. Ach, verdammt", schimpfte er. „Ich kann nicht so einfach schlafen. Ich
weiß nicht warum, aber irgendetwas macht mir große Sorgen."
„Doch, das weißt du sehr genau", sagte sie, befreite sich aus seiner Umklammerung und lehnte sich gegen das Kopfende des Bettes. „Ob du es nun glaubst oder nicht, ich kenne dich sehr genau", sagte sie und gähnte dann herzhaft. „Du machst dir nicht ohne Grund Sorgen. Was hast du mir verschwiegen?"
„Nichts", antwortete er sofort. „Wie kommst du darauf?"
„Spike, bitte. Du willst mich schützen, das weiß ich genau. Aber eigentlich bräuchten wir nicht mehr darüber reden. Ich bin die Jägerin, ob es mir gefällt oder nicht. Das wirst auch du nicht ändern können."
„Dieses Mal ist es aber nicht dein Kampf", sagte er so leise, dass sie ihn kaum verstand.
„Nicht mein Kampf?", wiederholte sie. „Du meinst… Du warst dafür
vorgesehen?", fragte sie erstaunt und zog die Augenbrauen hoch.
„Laut Sophie schon", erwiderte er und setzte sich neben sie. Er griff nach ihrer
Hand und hielt sie fest. „Ich weiß, das ist vollkommen bescheuert, aber ich habe
seit unserer Ankunft hier das Gefühl, dass du nicht hierher gehörst."
„Deswegen versuchst du also, mich aus allem raus zu halten?", fragte sie verblüfft.
„Versucht habe ich es, aber es ist mir nicht gelungen. Verfluchte Hölle!", schimpfte er.
„Im Grunde ändert es aber nichts", sagte Buffy sanft. „Sonst stehst du auf meiner Seite, dieses eine Mal ist es eben andersherum."
„Das ist aber nicht alles", murmelte er leise. „Du bist in großer Gefahr."
„Das bin ich immer. Das ist mein Job", sagte sie ernst.
„Ich weiß! Verdammt! Aber jetzt bin ich schuld."
„Nein, das bist du nicht und das weißt du auch. Zumindest solltest du das wissen. Wenn die Prophezeiung wirklich dich betrifft, dann… Du hast es dir nicht ausgesucht. Niemand tut das!" Buffy krabbelte ein Stück herab und kuschelte sich an seine Brust. „Wir werden es überstehen. Wir werden gewinnen. Nur aus diesem Grund hat man dich überhaupt ausgesucht."
„Wie kannst du das wissen?", fragte Spike und sog scharf Luft ein. Buffy verteilte viele kleine Küsse auf seinem Oberkörper und rutschte langsam immer tiefer. Er hielt sie fest und sie sah ihn an.
„Ich weiß es einfach", lächelte sie.
Spike sah auf sie herunter und schüttelte ungläubig den Kopf. „Buffy, verdammt! Wir können hier draufgehen!"
Die Jägerin seufzte, krabbelte ein Stück höher und setzte sich auf seine Oberschenkel. Ihr Finger malte Muster auf seine Brust und sie blickte ihm ernst in die Augen. „Seitdem wir hier sind, ist für mich irgendwie alles anders und ich habe mir etwas geschworen", flüsterte sie dann. „Ich werde hier nicht verrecken! Niemals! Ich weiß nicht, was mich noch erwartet oder wie lange ich noch leben werde. Aber hier sterbe ich nicht."
„Buffy, was passiert mit uns, wenn wir wirklich zurück in unsere Zeit kommen?", brach aus ihm heraus, was ihn schon lange beschäftigte. „Bin ich dann wieder der blöde Vampir, der dir wie ein Hündchen nachläuft?"
„Spike, ich…"
„Lass gut sein", erwiderte er zornig. „Ich habe es gewusst." Er versuchte sie von sich runter zu schieben, aber Buffy hielt ihn eisern fest.
„Das war wieder so eine Stelle, an der du besser weiter zugehört hättest, anstatt zu meckern."
„Vielleicht will ich es nicht hören, wie du mir ein vielleicht oder ein wir werden sehen erklärst", zischte er böse und versuchte wieder, sich zu befreien.
„So, entweder du hörst mir jetzt zu oder ich werde sauer", schimpfte sie böse und er sah sie herausfordernd an. „Darf ich jetzt sagen, was ich sagen wollte?"
„Ja", fauchte er und Buffy sah seine Augen gelb aufblitzen.
„Gut", sagte sie und hatte Mühe, nicht zu lachen. „Spike, ich weiß, dass es
nicht einfach wird. Aber ich bin das erste Mal seit langer Zeit wieder
glücklich. Mir geht es viel zu gut bei dir und ich fühle mich geborgen und
beschützt. Selbst für mich ist das nicht leicht, aber du verstehst wohl wie kein
Zweiter, wie ich mich fühle. Was auch immer meine Freunde sagen werden, sie
müssen sich damit abfinden."
„Du meinst das wirklich alles ernst, was du da sagst?", vergewisserte er sich und sah sie nicken. „Verfluchte Hölle", murmelte er und riss sie an sich. „Dir ist schon klar, dass ich dich nie wieder loslasse, oder?"
„Das will ich doch hoffen", lachte Buffy und küsste ihn. „Wenn du nichts dagegen hast…Ich würde gerne da weitermachen, wo ich aufgehört habe."
Und da er sie verständnislos anblickte, lächelte sie. Buffy rutschte tiefer, verteilte wieder viele kleine Küsse auf seinem Oberkörper und sah ihn fragend an. „Weißt du jetzt, was ich meine?"
„Ich glaube, es fällt mir gerade wieder ein", grinste der Vampir.
„Gut", lachte Buffy. „Dann kann ich…?"
„Immer", lachte er. „Immer!"
Teil 13
Zwei Tage waren nach ihrem Besuch in dem windschiefen Haus in Ealing vergangen. Tage, die sie fast durchgehend im Zimmer verbracht hatten. In denen sie unglaublich viel geredet und diskutiert hatten, aber auch endlos lange Stunden, die keinerlei neue Nachrichten gebracht und Beide schwer frustriert hatten.
Buffy stand vor dem Badezimmerspiegel und bürstete ihr Haar, bis es in sanften Wellen glänzend über ihren Rücken fiel. Ihre Stimmung war zwiegespalten. Zum einen genoss sie die unbeschwerte Zeit, die sie hier mit Spike verbringen konnte und zum anderen wollte sie nichts lieber als zurück nach Hause. Aber das bedeutete auch, dass sie sich Jack the Ripper stellen mussten und so langsam hatte der Vampir sie mit seinen Sorgen angesteckt.
Und nicht nur das, seine ewigen Warnungen hatten sie wütend gemacht und einmal war sie fast explodiert. Sie konnte seine Gefühle ja nachempfinden. Er fühlte sich schuldig, weil sie wegen ihm in Gefahr war, aber so einfach konnte man die ganze Situation nicht beschreiben.
Immerhin ging es ihr bei fast jedem Kampf so. Ihre Freunde unterstützten sie, wo sie konnten und das, ohne dazu berufen zu sein. Buffy kannte die Schuldgefühle nur zu gut. Jedes Mal, wenn Willow, Xander oder einer der anderen eine Verletzung davontrug, fühlte sie einen Kloß im Hals, der ihr das Sprechen unmöglich machen wollte.
Vielleicht war Spike ja wirklich der, den die Prophezeiung meinte, aber ohne Grund war sie nicht hier. Der rote Nebel hatte sie in der Gruft zusammengetrieben und erst, als sie Rücken an Rücken gestanden hatten, hatte ihre Zeitreise begonnen.
Buffy seufzte und legte ihre Bürste auf das kleine Bord über dem Waschbecken. Wenn sie doch nur endlich wüssten, wie der Dämon seine Opfer betäubte… Vielleicht würde es ihnen helfen, ihn zu vernichten. ‚Man müsste nur wissen, wie man sich dagegen schützen kann’, überlegte sie und zuckte missmutig mit den Schultern.
Giles fiel ihr ein und sie verzog das Gesicht. Er war mehr als nur ein Wächter. Er war ihr Mentor, ihr Freund und auch ein kleines bisschen Vaterersatz. Er hätte gewusst, was jetzt zu tun war. Warum hatte dieser dämliche rote Nebel ihn nicht auch mitgenommen? Wenn die Vorsehung Spike dazu auserkoren hatte… warum hatte sie ihm dann nicht einen wissenden Berater an die Seite gestellt?
Ein leichtes Lächeln überzog ihr Gesicht, als sie genauer darüber nachdachte. Wenn Giles wirklich mit zurück in der Zeit gereist wäre, wären Spike und sie niemals ein Paar geworden.
Die Jägerin gähnte herzhaft und verließ das Badezimmer. Sie hatten das Zimmer zwar kaum verlassen, aber geschlafen hatten sie nicht viel und sie musste lachen. Das wäre garantiert auch nicht passiert, wenn der Wächter in der Nähe gewesen wäre. Und wieder fragte sie sich, wie schwer es werden würde, sobald sie wieder zuhause waren.
Es klopfte an der Tür und sie drehte sich um. Spike war eben hinuntergegangen, um nach neuen Informationen zu fragen und dementsprechend war sie alleine im Zimmer. „Dämonen klopfen für gewöhnlich nicht", murmelte sie und sah an sich runter. Sie trug nur eines der Nachthemden, die Spike für sie ausgesucht hatte und einen Morgenmantel besaß sie hier nicht.
Wieder klopfte es an der Tür. „Mrs. Doyle", hörte sie Charles Stimme. „Ihr Mann schickt mich."
‚Was soll’s’, dachte Buffy. ‚Ich habe den armen Kerl schon so oft geschockt. Da kommt es auf ein weiteres Mal nicht mehr an.’
Lächelnd öffnete sie die Tür und erstarrte. Das Lächeln gefror innerhalb von Sekundebruchteilen und machte einem ungläubigem Gesichtsausdruck Platz. Vor ihr stand nicht Charles, sondern ein hünenhafter Fremder mit schwarzem Umhang und Hut, den er sich tief ins Gesicht gezogen hatte.
„Ah, Mrs. Doyle", sagte der Fremde und seine Stimme wurde bei jedem Wort dunkler. „Ich habe schon so lange nach Ihnen gesucht."
Buffy fühlte einen kleinen Stich und ihr wurde sofort schwarz vor Augen. Das letzte, was sie hörte, war ein lautes kehliges und abscheuliches Lachen. Dann sackte sie bewusstlos zusammen.
*************************
„Buffy", rief Spike in das scheinbar leere Zimmer. Das fand er jetzt gar nicht lustig. Wie konnte sie nach all seinen Warnungen einfach abhauen? Er war doch keine zehn Minuten unten gewesen! Musste sie denn schon wieder verstecken spielen?
Wütend öffnete er den Kleiderschrank, um seinen Gehrock herauszunehmen und stockte. Die Jägerin hatte drei Kleider und alle drei hingen im Schrank. Hektisch drehte er sich um. Die Badezimmertür stand weit offen und dort war sie auch nicht. „Scheiße", murmelte er leise. „Im Nachthemd soll sie wohl nicht…"
Ein Umschlag auf dem Bett ließ ihn stocken. „Verfluchte Hölle", schrie er und griff danach.
Ihr hattet doch nicht ernsthaft gedacht, Ihr könntet mir entkommen? Ich habe ihren wundervollen Duft der Angst in der Ruine vernommen. Ihn wahrgenommen, gespürt und genossen. Diese Frau ist etwas ganz Besonderes und sie wird meine Arbeit krönen.
Und du! Elender Zwerg von einem Vampir! Versuch erst gar nicht, uns zu finden. Du wirst ihr Leben nicht retten können!
Jack the Ripper
Spike fauchte laut und sein Gesicht verwandelte sich in eine abscheuliche Fratze. Er riss den Brief in Fetzen und schlug dann mit der Faust gegen die Wand. Das Blut, das aus den aufgeplatzten Stellen floss, steigerte seinen Zorn noch und er war drauf und dran, die Zimmereinrichtung zu zerlegen, als es an der Tür klopfte. Mit weit ausholenden Schritten lief er darauf zu, bereit, sich auf jeden zu stürzen, der davor stand und riss sie weit auf.
Charles sprang erschrocken einige Meter weit zurück, prallte an die gegenüberliegende Wand und starrte ihn angsterfüllt an. „Sir", krächzte er schließlich, als Spike ihn mit vor Wut zusammengekniffenen Augen am Kragen packte und in die Luft hob. „Ich habe eine Nachricht vom Rat der Wächter."
Spike ließ ihn fallen und streckte ihm wortlos die klauenbesetzte Hand entgegen. Seine rasende Wut schnürte ihm die Kehle zu und er brachte kein Wort über die Lippen. Charles rappelte sich auf, übergab das Gewünschte und lief dann, ganz im Gegensatz zu seiner sonst ruhigen Art, um sein Leben.
Spike öffnete das Kuvert, faltete den Brief auseinander und las.
Es kann sich nur um Belial handeln, stand in krakeliger Schrift darauf geschrieben.
Ich habe lange geforscht, aber nur dieser Höllenfürst kommt in Frage.
Belial ist der böse Geist der Dunkelheit, der Nichtsnutzigkeit und der Heillosigkeit. Er ist die Personifizierung der gottwidrigen Macht.
Belial wird über alle Menschen Macht ausüben, die am Tag des Weltengerichts verdammt werden und in die Hölle einziehen müssen. Er hat die Fähigkeit, seine Feinde zu betäuben, indem er giftige Dornen in die Haut seiner Gegner schießt. Allerdings macht er nur sehr selten davon Gebrauch. Für gewöhnlich liebt er es, die Qualen seiner Opfer in ihren Augen zu sehen.
Vernichten Sie ihn! Bei allem, was mir heilig ist!. Vernichten sie das Böse!
Andrew Mac Clane
Spike las die Mitteilung, zerknüllte sie dann und warf sie im hohen Bogen durch den Raum. Was sollte das jetzt noch helfen? Ihm war egal, wer oder was dieser Dämon war. Er würde ihn finden und ihn vernichten!
„Und wenn du Miststück von einem Höllenfürst Buffy auch nur angerührt hast, dann…dann!"
Er warf die Zimmertür schallend zu, durchquerte den Raum und riss sich mit nur einem Ruck Weste und Hemd vom Leib. Rasch entledigte er sich seiner Hose und der Schuhe und öffnete den Kleiderschrank.
Bisher hatte er nicht auffallen wollen, jetzt war es ihm egal und er zog seine alten Kleider über. Zum Schluss verschnürte er die schweren Stiefel und zog seinen alten Ledermantel über. Nur mit enormer Willensstärke gelang es ihm, den Dämon in sich zurückzudrängen und er warf einen letzten Blick durch das Hotelzimmer. Der verdammte Höllenfürst wollte Krieg? Gut, den sollte er bekommen!
Er rannte die Treppe hinab, bog dann ab und verschwand durch den Seiteneingang. Auf eine Kutsche verzichtete er, auch wenn sie im Dutzend vor dem Hotel standen. Er musste sich jetzt abreagieren, um nachher einen klaren Kopf zu haben und so rannte er seinem Schicksal entgegen.
Spike lief durch die dunklen Gassen, fauchte jeden giftig an, der es auch nur wagte, seinen Weg zu kreuzen und kam schließlich in Whitechaple an. Kein Nebel versperrte diese Nacht seine Sicht, aber er hatte keine Ahnung, in welche Richtung er sich wenden sollte.
„Verdammt! Verdammt! Verdammt", schrie er aus Leibeskräften und stürmte in den „White Dolphin". Er musste Mary Jane Kelly finden, und das sofort! Die heruntergekommene Kneipe war bis zum Platzen gefüllt und er fragte jeden, den er in die Finger bekommen konnte. Doch keiner konnte oder wollte ihm helfen. Ganz zu schweigen von den Gästen, die noch nicht betrunken genug waren, und bei seinem Anblick sofort das Weite suchten.
Stunden später stand er an eine Hauswand gelehnt und rauchte eine Zigarette. Zwischendurch schlug er immer wieder seinen Hinterkopf gegen den rauen Stein und redete mit sich selbst. „Denk nach! Verflucht! Denk nach!", schimpfte er.
Er war in unzähligen dieser schäbigen Gasthäuser gewesen. Hatte jeden gefragt, den er in die Finger bekommen konnte und dabei auch die ewigen Kopfschmerzen in Kauf genommen, die der Chip jedes Mal in ihm auslöste. ‚Sie müssen hier sein. Verdammt! Buffy soll sein krönender Abschluss werden, also wird er sich vorher diese Hure greifen. Denk nach!’
„Scheiße, bist du dämlich", schimpfte er dann mit sich selbst und schnipste den Zigarettenstummel in die Luft. „Du kannst diese Dirne vielleicht nicht finden. Aber du kannst die Jägerin finden!"
Er stieß sich von der Wand ab, hob fast schnuppernd den Kopf und machte sich erneut auf den Weg. „Das East End ist groß", murmelte er vor sich hin. „Aber es ist nicht groß genug, damit du Drecksack dich vor mir verstecken kannst."
Er lief kreuz und quer durch das dreckige Stadtviertel, hörte eine Turmuhr zweimal schlagen und beschleunigte seine Schritte. Langsam musste er sein Ziel erreichen, sonst würde ihm die Zeit weglaufen. In gut vier Stunden würde die Sonne aufgehen und dann hatte er für immer verloren. Er blieb einen Moment stehen, orientierte sich neu und ging dann weiter.
Er konnte Buffy förmlich spüren. Das war eine seiner besonderen Fähigkeiten, die ihm als Vampir mitgegeben worden waren. Gewöhnlich nutzte er eben diese besondere Befähigung, um einer Jägerin aus dem Weg zu gehen. Jetzt half sie ihm dabei, seine zu finden.
Spike stürzte um eine Kreuzung, stockte und drückte sich flach in einen Hauseingang. Am Ende der Straße patrouillierte einer der unzähligen Bobbys, die zusätzlich auf Streife waren. Er war schon einigen begegnet, hatte aber bisher allen aus dem Weg gehen können und ärgerte sich jetzt, dass er nicht weiterkam. Dieser hier war hartnäckig. Scheinbar hatte er sich von einer Frau becircen lassen, den er unterhielt sich angeregt und der Vampir konnte das leise Kichern einer weiblichen Person hören, die in einer der unzähligen Pforten stand.
Spike warf einen Blick auf das Schild, das an einem der Häuser angebracht war und las den Namen der Straße. Millers Court / Dorset Street stand darauf und er wusste genau, hier war er richtig. Er konnte Buffys Nähe fühlen, ebenso wie die immense Präsenz des Bösen. Was er allerdings jetzt nicht brauchen konnte, war ein Polizeibeamter, der mit seiner Trillerpfeife die ganze Gegend weckte und sämtliche Polizisten der Gegend auf den Plan rief.
„Scheiße! Was mache ich jetzt?", überlegte er und versuchte, die Wut zu bändigen, die in ihm aufloderte. Er war seinem Ziel so nahe und wollte sich von so einer Widrigkeit nicht aufhalten lassen „Wenn dieser Idiot sich nicht bald vom Acker macht, dann breche ich ihm das Genick! Und scheiß auf die verdammten Schmerzen!", zischte er.
Spike konzentrierte sich auf Buffy und er seufzte erleichtert. Er konnte sie noch immer spüren und das bedeutete, sie war noch am Leben. Aber je länger er hier stand und nicht weiterkam, desto größer war die Gefahr, nicht mehr rechtzeitig bei ihr zu sein.
Doch das Schicksal war ihm wohlgesonnen. Fünf Minuten später hatte die Hure ihr Ziel scheinbar erreicht. Der Bobby zögerte zwar noch, aber sie zog ihn langsam, aber sicher in das Haus und Spike schaute wie gebannt dabei zu. „Verschwinde endlich", zischte Spike und sah den Bobby finster an. „Geh und hab deinen verdammten Spaß, aber lass mich meinen haben!"
Er atmete unnötiger Weise heftig ein und nickte mehrmals, als der Polizeibeamte endlich von der Straße verschwand. Er wartete eine weitere Minute und eilte dann, jeden Schatten ausnutzend, gebückt weiter. Vor dem Haus Nr. 13 blieb er stehen. Hier war er richtig und eine Gänsehaut überzog seinen gesamten Körper. Er spürte Buffy und den Dämon, aber der Geruch von frischem Blut übertönte alles. Einer Menge Blut.
„Das ist nicht Buffys", murmelte er erleichtert vor sich hin. „Er hat Mary Jane also erwischt. Ihr konnte ich vielleicht nicht helfen, aber meiner Frau wird er kein Haar krümmen."
Er drehte am Türknauf und zu seiner Verwunderung schwang sie weit auf. Spike sammelte seine Kräfte, holte ein letztes Mal tief Luft und versuchte, die Schwelle zu übertreten. Sofort wurde von einer unsichtbaren Wand zurückgeschleudert und er biss die Zähne aufeinander, um nicht laut loszubrüllen. Wie hatte er das nur vergessen können? Er stand vor dem verdammten Haus und er konnte es nicht betreten. Niemals hatte er eine Einladung erhalten und er konnte nichts weiter tun, als in das Dunkel des Hausflurs zu blicken.
„Verfluchte Scheiße", zischte er verzweifelt. „Was jetzt?"
Teil 14
Wütend lief Spike an der Hausfront auf und ab. Wie hatte er nur so dämlich sein können? Gerade im Begriff, gegen die Wand zu schlagen, stoppte er. Zuviel Lärm durfte er nicht machen, Belial sollte noch nicht wissen, dass er hier war. Wenn, dann sollte es eine Überraschung für den Höllenfürsten werden. Aber so langsam brauchte er eine Möglichkeit, ins Innere des Hauses zu gelangen. Die Zeit lief ihm davon und er hatte Mühe, vor Wut nicht laut zu schreien.
„Was denn, mein Süßer?", säuselte eine Stimme hinter ihm. „Lässt sie dich etwa nicht herein?"
Er unterdrückte mit Mühe seinen Dämon, fuhr herum und starrte in das schmutzige Gesicht einer betrunkenen Hure. „Ja, ich wollte …", murmelte er so leise wie möglich. Vielleicht war diese Frau seine Rettung. Er lächelte gespielt verschämt und sah auf seine Füße.
„Oh. Ein schüchterner Mann", lachte die Frau. „Das gibt es heute selten." Sie torkelte leicht und ihr Blick wurde schwammig. „Wenn du willst", lallte sie dann. „Dann nehme ich dich mit."
„Wohnst du auch in diesem Haus?", fragte er wie beiläufig und sie lachte.
„Ja, mein Süßer. Das ist das, was man mein Zuhause nennt", sagte sie und machte mit der Hand eine ausholende Bewegung.
Sie schwankte auf die Haustür zu, öffnete sie und drehte sich unbeholfen um. „Kommst du?", fragte sie und kippte beinahe hintenüber.
‚Sie ist bedeutend betrunkener, als es zuerst den Anschein hatte’, überlegte Spike und nickte dann schnell. „Sicher", sagte er leise." „Wenn du mich hineinbittest."
„Komm herein und fühl dich wie zuhause", lächelte sie schief und hickste laut. „Ich glaube, das letzte Bier war schlecht", lachte sie und amüsierte sich königlich über den Gedanken.
Spike schob sich grinsend an ihr vorbei, machte sich auf den Schmerz gefasst und schlug zu. Ein einzelner Faustschlag reichte und die schäbig gekleidete Person sackte zusammen, wie ein leerer Kartoffelsack. Er ignorierte die Explosion in seinem Kopf, fasste unter ihre Achseln und schleppte sie herein. Von so einer Nichtigkeit würde er sich jetzt nicht ablenken lassen.
Er atmete tief ein, ließ seinen Dämon wieder frei und eilte zu der Tür, die ganz sicher in Mary Jane Kellys Zimmer führen würde. Oh nein, er hatte nicht vor, sie einfach zu öffnen. Das war nicht seine Art. Er nahm Anlauf, rammte das Türblatt mit der Schulter und fiel polternd in das Innere.
Belial fuhr herum und er grinste spöttisch. „Ich habe es gewusst. Auch wenn du nur ein simpler, unwürdiger Vampir bist. Du gibst nicht auf."
„Du hast es erfasst", zischte Spike und sah sich um. Der Dämon hatte ganze Arbeit geleistet. Er hatte die Frau abgeschlachtet und ausgeweidet. Überall lagen ihre Innenorgane verstreut, Wände und Fußboden troffen vor Blut und das Herz der Dirne hielt der Dämon in seiner Hand. Buffy lag zusammengekrümmt auf dem Fußboden und rührte sich nicht. Wie durch ein Wunder hatte sie keinerlei Blutspritzer abbekommen und schien friedlich zu schlafen.
Spike musste sich beherrschen, um nicht sofort zu ihr zu eilen. Er knurrte und wandte sich wieder seinem Gegner zu. „Was hast du mit ihr gemacht?", schrie er.
Belial lachte und seine dunkle Stimme ließ die Luft im Zimmer dröhnen. „Bisher noch nichts. Aber es wird nicht mehr lange dauern. Sie ist etwas Besonderes. Sie wird die Erste sein, die ich nicht betäube, bevor ich sie langsam, Stück für Stück, aufschneide." Er grinste höhnisch, führte das Herz der Toten an seine Lippen und biss gierig hinein.
„Und du glaubst, du kannst mich damit schocken?", lachte Spike fies und schüttelte gelangweilt den Kopf. „Wenn das alles ist, dann hast du echt ein Problem."
Wieder lachte der Dämon. „Nicht?", fragte er lachend. „Dann vielleicht hiermit?" Er hob die Hand und aus einer kleinen Öffnung unter seinem Gelenk schossen Dornen hervor, die direkt in Spikes Gesicht landeten.
Diesmal war es der Vampir, der lachte. Er entfernte die Dornen, ließ sie achtlos auf den Boden fallen und legte den Kopf schräg. „Du hättest in deiner verfluchten Höllendimension bleiben sollen", knurrte er leise. „Ich bin ein Vampir. Mein Blut zirkuliert nicht und genau aus dem Grund kannst du dir deine kleinen Spielchen mit der Lähmung sparen."
Er schätzte die Weite bis zu Belials Standort und rannte los. Er nutzte das Bett der Toten als Sprungbrett und riss den Dämon von seinen Füßen. Allerdings nutzte der Überraschungsangriff nicht viel. Der Dämon warf ihn von sich, wie eine lästige Fliege.
„Ich habe dich gewarnt", fauchte Belial. „Du Wurm kannst mich nicht aufhalten!", schrie er und schlug mit Wucht in Spikes Magengrube.
„Das werden wir noch sehen", erwiderte Spike und rappelte sich auf. Er blickte sich suchend nach einer Waffe um und warf den nächstbesten Gegenstand, der ihm in die Finger kam.
Die Waschschüssel prallte gegen den Kopf der Bestie und Belial fauchte laut. „Das wirst du mir büßen", zischte er und schritt drohend auf Spike zu. Er griff nach seinem Mantelkragen, hob ihn daran hoch und schmetterte den Vampir gegen eine Wand. Sofort war er über ihm, und zerfetzte mit seinen Klauen dessen Brust.
Spike versuchte sich zu befreien, hatte aber keinerlei Chance, da er sofort wieder hochgerissen und gegen die nächste Wand geschleudert wurde. Er fühlte seine Rippen brechen und fluchte laut. Noch bevor er reagieren konnte, war Belial wieder über ihm. „Ich habe dich Wurm gewarnt", spuckte er ihm entgegen. Wieder riss der Höllenfürst ihn an seinem Mantelkragen hoch, ließ ihn sekundenlang baumeln und warf ihn ein weiteres Mal.
Spike landete dicht neben Buffy und er versuchte, zu ihr zu gelangen. Seine Rippen brannten bei jeder Bewegung wie die Hölle und er robbte langsam vorwärts.
„Willst du dich verabschieden?", hörte er Belials verächtliche Stimme hinter sich, doch er achtete gar nicht darauf. Buffy hatte ihre Augen geöffnet und er wollte nur noch eins. Zu ihr. Er fühlte einen mächtigen Tritt in die Hüfte und schloss von den Schmerzen überwältigt für einen Moment die Augen.
„Ich gebe dir eine Minute", lachte der Dämon höhnisch. „Schau deiner Liebsten noch einmal tief in die Augen. Es wird das letzte Mal sein."
Spike robbte weiter auf Buffy zu, blickte ihr in die Augen und erkannte darin einen Schmerz, der ihn fast um den Verstand brachte. Er vergaß die eigenen Qualen, fuhr mit seiner Hand sanft über ihr Gesicht und stellte erstaunt fest, dass sie ihn ansah. „Das ist dann wohl das Ende", murmelte er traurig. „Er ist zu stark für mich." Er wollte sich zu ihr herunterbeugen und ihr einen letzten Kuss auf die Stirn drücken, als er ihre leise krächzende Stimme hörte.
„Nein. Das ist er nicht", murmelte sie leise und ihre Augen wanderten in eine andere Richtung. „Er ist nicht zu stark für dich!"
Spike folgte vorsichtig ihrem Blick und sah den Dolch, den Belial benutzt hatte, um seine Opfer zu töten.
„Ich liebe dich", flüsterte Buffy und sah ihn ernst an. „Ich weiß, du schaffst es!"
Spike hörte ihre Worte, fing ihren vertrauensvollen Blick auf und nickte. Er würde es schaffen. Für sie. Für einen Moment schloss er die Augen, atmete hörbar tief ein und schoss in die Höhe. Er überrumpelte Belial mit seinem plötzlichen Angriff und der Höllenfürst taumelte erschrocken einen Meter zurück. Spike täuschte einen Ausfallschritt nach rechts an und schoss nach links auf den Dolch zu. Er sprang ab, landete und umklammerte das kalte Metall, das auf einem Tischchen neben dem Bett lag.
„Das war dein letzter Fehler", hörte der Vampir die eisige Stimme des Dämons und wurde in die Luft gerissen.
„Nein, deiner", spuckte er ihm entgegen und rammte ihm den Dolch bis zum Anschlag ins Herz.
Belial ließ ihn fallen und Spike taumelte einige Schritte. Er lehnte sich an den Bettpfosten und sah dabei zu, wie der Höllenfürst den Dolch brüllend aus seiner Brust riss.
‚Jetzt nur nicht nachlassen. Verdammt! Mach ihn fertig’, baute Spike sich auf und lief los. Er sprang auf den Rücken seines Gegners und riss wie wild an dessen Kopf.
Belial schrie aus Leibeskräften, versuchte sich zu wehren, aber die Wunde in seiner Brust hatte ihn geschwächt. Grünes Blut strömte in Fontänen aus seiner Wunde und der Höllenfürst taumelte mit seiner Last auf den Schultern rückwärts.
„Grüß die Hölle von mir", brüllte Spike und brach ihm mit einem letzten gewaltigen Ruck das Genick.
Leblos brach der Dämon zusammen und stürzte zusammen mit ihm zu Boden.
„Scheiße", murmelte Spike und krabbelte rückwärts von dem Monster weg. In der Ferne konnte er bereits die ersten Trillerpfeifen der Bobbys hören, die den Tumult bemerkt hatten und er rappelte sich mühsam auf. Neben Buffy ging er in die Knie, versuchte sie hochzuheben und suchte ihren Blick. Sie konnte sich noch immer nicht bewegen und er hob sie mit schmerzverzerrtem Gesicht in seine Arme.
„Wir müssen hier schleunigst weg", flüsterte er und stockte. Roter Nebel schoss wie eine Wand auf die Beiden zu, umhüllte sie und der Vampir schloss die Augen. Sie hatten es geschafft und er krallte sich an der Jägerin fest. Sie hatten es tatsächlich geschafft!
Die Landung war hart und er spürte Buffys bewegungslosen Körper, der auf ihm lag. Seine Rippen knirschten, als er sie langsam von sich schob und er schloss für einen kurzen Moment die Augen.
„Ich hole sie zurück! Ja, ich hole sie zurück!", hörte Spike die ernste Stimme des Wächters und er begriff, das hier in Sunnydale nur wenige Minuten verstrichen waren, seitdem sie ihre Zeitreise angetreten hatten.
Sofort schrie er los. „Verfluchte Hölle, kann uns mal jemand helfen?"
„Oh, Göttin", rief Willow überrascht. „Sie sind wieder da." Mit einer bloßen Handbewegung sorgte sie für genügend Licht und zusammen mit Giles kletterte sie zurück in die Kammer unter der Gruft.
„Was ist geschehen?", fragte Giles und blieb mit weit aufgerissenen Augen vor Spike stehen. Der Vampir sah furchtbar aus. Sein Gesicht war eine einzige blutige Masse, in seiner Brust klaffte eine große gezackte Wunde und auch sein linker Arm stand in einem merkwürdigen Winkel vom Körper ab. Buffy lag auf der Seite und bewegte sich nicht und sofort beugte er sich zu ihr herunter. „Sie lebt", seufzte er erleichtert und bemerkte dann das Nachthemd, dass sie trug. „Was ist geschehen?", fragte er verwirrt und hob Buffy in seine Arme.
„Wir müssen sie in ein Krankenhaus bringen", schrie Willow aufgeregt.
„Wo ist Spike?", murmelte Buffy undeutlich. Kaum hatte die Betäubung des Dämons etwas nachgelassen, hatte der rote Nebel sie wieder in eine Bewusstlosigkeit geworfen, die nur langsam von ihr wich.
„Er ist hier. Ich werde mich um ihn kümmern, sobald wir dich ins Krankenhaus gebracht haben", sagte Giles leise.
„Nein", erwiderte Buffy und versuchte sich zu bewegen. „Ich werde nicht ohne ihn gehen."
„Sei doch vernünftig", sagte Willow und nahm ihre Hand. „Ich werde auch solange bei ihm bleiben."
„Nein", rief Buffy. „Lasst mich sofort runter", schrie sie dann.
„Ist schon gut, Luv", sagte der Vampir dicht neben ihr. Er hatte sich aufgerappelt und stand jetzt schwankend neben dem Wächter.
„Nein, ist es nicht!" Sie spürte, wie ihre Kräfte zurückkehrten und sah Giles böse an, der sie noch immer auf dem Arm hielt. „Lassen Sie mich runter", sagte sie bestimmt.
Der Wächter schüttelte verständnislos den Kopf, stellte sie dann vorsichtig auf die Füße und hielt seine Arme ausgestreckt vor sie. Falls sie ins Straucheln geraten sollte, konnte er sie immerhin noch auffangen.
„Buffy? Was ist geschehen?", fragte die Hexe, doch die Jägerin reagierte nicht.
Buffy versuchte, ihre Beine zu benutzen, lächelte schwach und ging dann wackelig die wenigen Schritte auf den Vampir zu. „Du hast es geschafft", flüsterte sie leise. „Du hast es geschafft und mich nach Hause gebracht." Sie hielt sich an seinem Arm fest und lehnte sich vorsichtig an seine Brust.
„Ja, Luv", flüsterte er leise. „Aber nur, weil du mir geholfen hast."
„Aber ich habe nichts gemacht", sagte sie und taumelte leicht. „Dieser verfluchte Dämon hat mich völlig ausgeschaltet und ich bin erst in diesem…diesem furchtbaren Zimmer wieder wach geworden."
„Doch", erwiderte Spike und umfasste sie mit seinem intakten Arm. „Du hast an mich geglaubt. Nur deswegen habe ich es geschafft."
„Können wir das nicht woanders besprechen?", fragte Giles, der nicht wusste, was er von der Situation halten sollte. „Ihr Beide solltet dringend verarztet werden und ich möchte so schnell wie möglich erfahren, was überhaupt passiert ist."
„Ja" erwiderte Buffy und sah ihn an. „Bringen Sie uns nach Hause."
„Uns?", wiederholte Willow überrascht und hielt sich dann erschrocken die Hand vor den Mund.
„Ja, uns", erwiderte Buffy und ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Sie nahm die Hand des Vampirs und schritt langsam auf die Leiter zu. Kurz davor hielt sie an, sah zu ihrem Wächter, der noch immer reglos auf der Stelle stand und sie fassungslos anstarrte. Sie nickte ihm zu und sah dann ihre beste Freundin lächelnd an. „Es ist eine sehr lange Geschichte", murmelte sie leise. „Aber das Wichtigste sage ich euch jetzt schon. Spike und ich…, wir sind zusammen und nichts und niemand wird das ändern können."
„Lass uns gehen", sagte Spike leise und half ihr dabei die Leiter hinaufzusteigen.
„Wenn die beiden den Schock überwunden haben, werden sie auch kommen", lächelte Buffy, als sie oben angekommen waren und Willow und Giles immer noch bewegungslos in der Kammer standen.
„Und wenn nicht", grinste Spike mit seinem zerschlagenen Gesicht. „Meine Gruft ist nur ein paar Schritte weit weg." Er beugte sich zu ihr hinab. „Aber wenn du da erstmal drin bist, kommst du für Wochen nicht mehr heraus."
Buffy lachte. Sie hatte die Betäubung vollständig abgeschüttelt und stützte ihn nun. „Bei mir ist es viel schöner. Bei uns kommt jede Menge warmes Wasser aus der Wand. Es gibt was Leckeres zu Essen und wir haben etwas, das sich Strom nennt."
„Nein, wirklich?", fragte der Vampir gespielt ernst. „Hast du auch ein warmes, kuscheliges Bett, das ich die nächsten Tage nicht mehr verlassen muss?"
„Ja, das hab ich", erwiderte sie schelmisch und führte ihn zum Ausgang. „Und wir werden es eine lange Zeit nicht verlassen!"
„Sicher?", hakte Spike nach.
„Nein", lachte sie. „Aber wir werden es versuchen!"
Ende