And once again
Laut krachend knallte die schwere Holztür gegen die Wand der Gruft und Spike hätte vor Schreck beinahe seine Tasse mit Blut fallen lassen, die er gerade aus der Mikrowelle genommen hatte.
„Verdammt, Slayer!", motzte der Vampir. „Kannst du die verfluchte Tür nicht einmal normal öffnen? Anklopfen wäre übrigens noch besser!"
„Macht der Gewohnheit", grinste Buffy hämisch und trat näher. „Gerade am Essen, wie ich sehe", fügte sie mit angewidertem Gesichtsausdruck hinzu.
„Ja! Und keine Lust, mich dabei von dir stören zu lassen. Kannst du nicht einfach wieder verschwinden? Was willst du überhaupt hier? Hat dir der verdammte Ausflug in die Höllendimension vor ein paar Tagen nicht gereicht?"
„Eigentlich schon", seufzte Buffy schwer. „Aber mehr als drei Tage Pause gönnt mir der Höllenschlund einfach nicht. Ich könnte deine Hilfe brauchen. Willow und Tara sind auf irgendeinem Hexenzirkel und Anya und Xander sind auch nicht da, also…"
„Also darf ich wieder ran", beendete der Vampir den Satz und schüttelte genervt den Kopf. Er setzte seine Tasse an die Lippen und trank sie in großen Zügen leer. „Für so einen Scheiß werde ich immer gebraucht. Aber, wenn kein bösartiges Mistvieh sein Unwesen treibt, sehe ich von euch Spinnern gar nichts."
„Was willst du eigentlich?", erwiderte Buffy sarkastisch. „Zum Monopolyspielen eingeladen werden?"
„Haha! Mit Sicherheit nicht", motzte Spike aufgebracht und streckte ihr seinen Mittelfinger entgegen. „Vergiss es!", lenkte er dann ein. „Welchen bescheuerten Dämon jagen wir dieses Mal?"
„Keine Ahnung", erklärte Buffy und zuckte mit den Schultern. „Giles hat noch nicht viel über ihn raus finden können. Groß, grün und abgrundtief hässlich. Also wie immer!"
Fast unmerklich schüttelte Spike den Kopf. ‚Warum tue ich mir das immer wieder an? Weil es ansonsten stinklangweilig wäre’, gab er sich selbst gleich die Antwort. ‚Besser irgendwelchen Dämonen den Kopf abreißen, als hier versauern!’
„Na dann! Los!", nörgelte er und zeigte auf die Tür. „Oder willst du hier Wurzeln schlagen?"
Zwei Stunden später liefen sie noch immer kreuz und quer durch Sunnydale, hatten allerdings von dem Dämon auch nicht die kleinste Spur entdecken können. Zwischendurch hatten sie zwei übermütige Vampire vernichtet, aber so langsam wurde Spike missmutig.
„Vielleicht sollte dein Wächter erst einmal etwas raus finden über diesen Dämon", meckerte er in dem Moment, in dem die Jägerin ihn in das dornige Gebüsch schupste, das den Weatherly Park einfasste.
„Psst", flüsterte Buffy und zeigte nach links, einen langen dunklen Weg hinunter. „Ich glaube, ich habe etwas gesehen!"
„Etwas?", knurrte Spike und zog sich einen langen Stachel aus dem Handgelenk. „Was etwas?" Er überließ seinem Dämon die Oberhand und folgte ihrer Handbewegung mit den Augen. Tatsächlich kam ein fast drei Meter großes Irgendwas schwankend immer näher.
Der Vampir runzelte, soweit es denn möglich war, seine zerfurchte Stirn. Irgendetwas ließ ihn stutzen und er überlegte fieberhaft. ‚Verdammt! Irgendetwas… Mist! Irgendetwas war an diesem Dämon…’
Mittlerweile war das große plumpe Ungetüm bis auf wenige Meter heran gekommen und Buffy machte sich bereit, ihn anzugreifen. Kaum war er an ihnen vorbei gegangen, sprang sie aus dem Gebüsch und trat dem riesigen Dämon im Sprung mit Kraft in seinen Rücken.
Plötzlich bekam Spike große Augen. Ihm war eingefallen, was er über die Dämonenrasse wusste und er sprang eilig aus seinem Versteck. „Slayer! Nicht! Das ist ein Bromlyin, der kann…"
Er kam nicht dazu, den Satz zu beenden. Er drehte sich wieder einmal rasend schnell um sich selbst und fiel schon wieder durch einen endlos langen Korridor aus Licht und Farben. ‚Verfluchte Scheiße! Nicht schon wieder’, knurrte er lautlos, bevor er das Bewusstsein verlor.
„Verfluchte Hölle", hörte Buffy als erstes, als sie wieder zu sich kam. Sie setzte sich auf, sah sich um und schüttelte ungläubig den Kopf. ‚Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. Nein. Nicht schon wieder!’
„Scheiße!", schrie Spike und baute sich vor ihr auf. „Hast du eigentlich nichts Besseres zu tun, als jede Woche in eine andere beschissene Dimension zu reisen? Und warum muss immer ich mit? Verflucht!"
‚Okay, das übliche Spiel! Erstmal anschreien’, überlegte die Jägerin und sprang auf. „Woher sollte ich denn wissen, dass der Mistdämon uns hierher verfrachtet? Du kanntest ihn doch scheinbar. Warum hast du nicht vorher was gesagt!", schrie sie aus Leibeskräften und blickte ihn finster an.
„Du hast mir ja keine Zeit gelassen. Oh verflucht! Und diesmal wissen wir nicht mal, wo wir sind!" Wütend stapfte der Vampir auf und ab, nörgelte und schimpfte ununterbrochen. „Wie kommen wir hier wieder weg?"
„Genauso wie das letzte Mal", erwiderte Buffy trotzig. „Da hat es funktioniert, warum also jetzt nicht?"
„Weil wir nicht wissen, wo wir sind", zischte Spike und blieb nur wenige Zentimeter drohend vor ihr stehen. „Das war ein Bromlyin, sie beherrschen die Magie, wie keine zweite Dämonenspezies. Er kann uns überall hinbefördert haben!"
„Was soll das heißen? Wir sind nicht in seiner Heimatdimension?"
„Mit Sicherheit nicht! Giles kann hundert Jahre suchen! Das Mistding war mit Sicherheit schlau genug, nicht seinen Kumpels die Jägerin nach Hause zu schicken! Das heißt, wir sind mal wieder irgendwo im Nirgendwo!"
„Toll, schrei mich ruhig weiter an. Das hilft auch nichts", maulte Buffy und verschränkte trotzig die Arme vor der Brust. „Eigentlich solltest du mir dankbar sein."
„Dankbar? Wofür?" Sichtlich überrascht beendete der Vampir sein Gemecker und blickte sein Gegenüber fragend an.
„Immerhin kannst du wieder in die Sonne", grinste Buffy und musste dann laut lachen.
„Ja! Wirklich ganz toll", erwiderte Spike und verzog genervt das Gesicht. „Wahrscheinlich gibt es hier auch wieder so unglaublich leckere Bestien wie in der anderen beschissenen Höllendimension."
„Du hast ja eben noch gegessen. Oder wie immer man das auch nennen soll. Du wirst schon nicht verhungern", grinste sie und sah sich um.
„Jedenfalls hat diese Dimension nicht so schreckliche Farben. Alles scheint genauso auszusehen wie bei uns. Das Gras ist grün, der Himmel blau und die Sonne rosa. Rosa? Na ja, fast wie bei uns!"
„Warum lachst du eigentlich die ganze Zeit, Slayer? Was zum Geier ist so witzig hier?"
„Ich habe keine Ahnung. Aber, wann immer ich dich zum Helfen hole, endet es in einer Katastrophe. Vielleicht ist es eine Art Galgenhumor. Vielleicht sind auch meine Nerven total überdreht. Ich weiß es nicht!"
„Wie auch immer", schnauzte er sie an. „Wir können hier keine Wurzeln schlagen. Wir müssen uns umsehen. Nach einem Unterschlupf und etwas zu Essen für dich suchen. Du weißt ja noch, Mac Donalds gibt’s hier nicht."
„In welche Richtung gehen wir?" Buffy sah dem missmutig blickenden Vampir an und hatte dabei alle Mühe, nicht wieder in Gelächter auszubrechen. Sie hatte wirklich keinen blassen Schimmer warum, aber sie musste sich sehr anstrengen, eine ernste Miene zu behalten. Die Lage, in der sie sich befanden, war beinahe aussichtslos und Buffy entschied, dass es sich tatsächlich um Galgenhumor handeln musste. Sie sah Spike dabei zu, wie dieser seine Hand schützend über die Augen legte und sich einmal um sich selbst drehte.
„Keine verdammte Ahnung", brummte er verdrießlich. „Alles sieht gleich aus. Viel Gras, ein paar Büsche und kilometerweit plattes Land."
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Buffy kam es so vor, als marschierten sie seit Stunden durch die immer gleich bleibende Landschaft. Ihre gute Laune war geschmolzen, wie Eis in der Sonne und sie fragte sich, ob sie hier jemals wieder wegkamen. ‚Dieses Mal hat Giles wirklich kaum Chancen, uns zu finden. Erstens weiß niemand, dass Spike und ich verschwunden sind und zweitens gibt es hunderte von Dimensionen.’
„Warum wechselst du jetzt die Richtung?" Die Jägerin war stehen geblieben und blickte den Vampir abwartend an.
„Das dahinten", meinte Spike und deutete mit einer weit ausholenden Geste nach links. „Das sieht wie ein Wald aus."
„Und was wollen wir mit einem Wald?"
Spike zuckte mit den Schultern. „Keine verdammte Ahnung. Aber so langsam kann ich kein Gras mehr sehen."
„Von mir aus", nuschelte Buffy undeutlich und ging in die angegebene Richtung. Dem Vampir war alles egal und ihr ging es ähnlich. So langsam war sie die saftigen Gräser satt.
„Verdammt! Was zur Hölle ist das?", fragte Spike, als sie sich dem Wald bis auf hundert Meter genähert hatten. „Das ist ja nicht auszuhalten!" Er hielt sich die Ohren zu und verzog das Gesicht.
Buffy hatte das Geräusch auch gehört, empfand es allerdings nicht halb so schlimm wie der Vampir. Es war ein lang gezogenes Fiepen, das immer wieder von schrillen Schreien unterbrochen wurde. Kurz entschlossen ging sie dem Geräusch nach.
„Können wir nicht in eine andere Richtung gehen?", hielt Spike sie mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht auf. „Mir platzen gleich die Trommelfelle."
„Es ist definitiv irgendwas Lebendiges und ich will wissen was." Unbeirrt lief sie weiter auf den Rand des Waldes zu und fand die Quelle des Lärms. Ein kleines pelziges Wesen hatte seinen Fuß unter einem umgekippten Baumstamm eingeklemmt und kam nicht von der Stelle.
„Jedenfalls ist das Vieh so erschrocken, dass es die Klappe hält", meinte Spike erleichtert und löste die Hände von den Ohren. Er legte den Kopf schräg und betrachtete das fremde Wesen aufmerksam.
Es war etwa fünfzig Zentimeter groß und hatte Ähnlichkeiten mit einer Mischung aus Chinchilla und Koalabär. Große Ohren und ein flauschiges Fell. Allerdings war dieses Exemplar mausgrau und zitterte vor Angst und Aufregung am gesamten Körper.
„Heb du den Baum an, ich nehme das Tierchen", bestimmte Buffy und zeigte auf das dicke Ende des Stammes.
„Sicher? Ich meine, der Teddybär kann auch lange Zähne haben und dir deinen verdammten Arm abbeißen."
„Wenn es mich beißt, beiß ich zurück", erwiderte sie trocken und ging vor dem Tierchen in die Hocke.
Spike hörte, wie die Jägerin beruhigend auf das Wesen einsprach und es schließlich umfasste. Er hob den Stamm an und ließ ihn fallen, nachdem Buffy mit dem Tier im Arme aufgestanden war.
„Verletzt scheint es nicht zu sein", erklärte sie und untersuchte die Pfote eingehender. „Da hat es aber Glück gehabt."
„Das wird seine Kumpels aber freuen", sagte der Vampir langsam und überdeutlich.
„Was für…? Oh…"
Hunderte der kleinen Wesen standen plötzlich um sie herum und Buffy blickte Spike an. „Was meinst du? Ob sie friedlich sind?"
„Wenn du ihren kleinen Freund jetzt runter setzt, vielleicht."
Sie bückte sich, setzte das fremde Wesen auf den Boden und sah mit Entsetzen, dass es langsam wieder an ihr hoch kletterte. Sie löste es von ihrer Hüfte und setzte es wieder auf dem Boden ab.
„Und was jetzt?" Wieder kletterte der kleine Bär an ihr hinauf und Buffy sah Spike verzweifelt an.
„Scheinbar hast du einen Freund fürs Leben gefunden", nuschelte Spike undeutlich. Er war umringt von kleinen pelzigen Wesen und er war sich noch nicht ganz sicher, wie er reagieren sollte.
„Oh…, guck mal!" Das flauschige Wesen, das langsam ihre Hüfte hochkletterte, wechselte seine Farbe. Statt mausgrau war es plötzlich knallig grün. Entschlossen griff sie zu, hob es hoch und hielt es in ihren Armen.
Ein kurzer Rundblick, und Spike erkannte, dass auch alle anderen seiner Genossen die Farben geändert hatten. Statt Einheitsgrau leuchteten sie jetzt in allen Regenbogenfarben.
„Grau gefielen sie mir besser", brummte er und versuchte das pelzige Wesen abzuwehren, das jetzt seine Beine hochkletterte. Er traute dem Frieden nicht und warf einen Blick zu Buffy, die sich vor Tierchen kaum noch auf den Beinen halten konnte.
„Zu knuffig", meinte die Jägerin und setze sich kurzerhand auf den umgekippten Baumstamm. Sie kraulte Eines nach dem Anderen und konnte sich kaum entscheiden, wem sie als nächstes Aufmerksamkeit schenken sollte.
„Jetzt stell dich nicht so an", grinste sie, als sie Spikes abwehrenden Bemühungen beobachtete. „Sie sind doch niedlich!"
„Ich bin ein Vampir, verdammt! Ich brauche nichts Niedliches!", brummte er, bückte sich dann und hob ein rosafarbenes Wesen auf. Er hielt es mit weit ausgestreckten Armen vor sich und beäugte es misstrauisch, dann zuckte er kurz mit den Schultern und setzte es sich auf die Hüfte. „Dann eben Teddybären", nuschelte er undeutlich und nahm den nächsten hoch. „Ob sie wohl schmecken?"
„Ich warne dich!", funkelte Buffy ihn an. „Wehe, du versuchst es auch nur einmal!"
„Wieder dieses Thema? Ich habe dir beim letzen Mal schon gesagt, dass auch du essen musst."
„Ja, und das habe ich auch nicht vergessen", erwiderte Buffy böse. „Aber keinen von diesen hier. Es wird noch andere Lebewesen geben, die du aussaugen kannst."
„Wie auch immer. Ich möchte nur wissen, was wir jetzt mit denen machen? Wir können sie ja wohl schlecht mitnehmen."
„Wohin denn mitnehmen?", antwortete Buffy mit einer Gegenfrage. „Wir wissen ja nicht einmal, wo wir sind."
„Vielleicht kann ich da helfen."
Erschrocken blickten sich Vampir und Jägerin nach der kratzigen fremden Stimme um. Am Waldrand stand eine in Lumpen gekleidete Person und sah sie argwöhnisch an. „Wer seid ihr?", krächzte der Mann und hielt einen Knüppel drohend vor sich. „Und woher kommt ihr?"
2
Etwas verunsichert über das plötzliche Auftauchen des verwahrlost wirkenden Mannes blickte Buffy Spike an, zuckte kaum merklich mit den Schultern und wartete auf eine Reaktion des Vampirs, die dann auch prompt folgte.
„Wer zur Hölle sind Sie? Und, was zum Henker machen Sie hier?"
„Wenn ich mich recht erinnere, habe ich zu erst gefragt", brummte der Fremde grantig und warf einen kurzen Blick auf Buffy. „Sie ist ein Mensch", meinte er und deutete mit dem Knüppel auf die Jägerin. „Du bist keiner!"
Buffy hatte genügend Zeit mit dem Vampir verbracht, um zu wissen, dass sie eingreifen musste, wenn die Sache jetzt nicht eskalieren sollte. Seine Körperhaltung veränderte sich und sah einem Raubtier, kurz vor dem Angriff, sehr ähnlich.
Kurz entschlossen stand sie, mit dem an ihr hängenden Tierchen vorsichtig auf, stellte sich in die Anlaufbahn des Vampirs und wendete sich dem bärtigen Fremden zu.
„Mein Name ist Buffy. Sein Name ist Spike und wir sind, ähm… erst seit Kurzem hier."
„Was macht ihr hier und wie seid ihr hier her gekommen?"
„Ich bin ein biestig böser Vampir und ein elendiger Dämon hat uns durch Raum und Zeit gebeamt", knurrte Spike giftig, ohne sein Gegenüber aus den Augen zu lassen.
Langsam und sehr vorsichtig, stets darauf bedacht, ihren pelzigen Ballast nicht zu verletzen, ging Buffy auf den Vampir zu und baute sich dicht vor ihm auf.
„Spike", zischte sie, da er ihr keinerlei Aufmerksamkeit schenkte und einfach weiter, über ihren Kopf hinweg, den Fremden anfunkelte.
„Er ist ein Mensch. Du kannst ihm sowieso nichts tun", flüsterte sie, nachdem sie ihm gegen das Schienbein getreten hatte.
Im ersten Moment reagierte der Angesprochene nicht, aber nach einem Blick auf sie, legte sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht.
„Mit den ganzen Kuschelteddies, die an mir kleben, sehe ich wahrscheinlich unglaublich böse aus, oder?", fragte er dann.
„Ja, unglaublich", erwiderte Buffy kopfschüttelnd, die Mühe hatte, noch eines ihrer Gliedmaßen zu bewegen. Sie war bevölkert von kleinen bunten Wesen. Eines davon kletterte gerade ihre Rücken hinauf und setzte sich auf ihre Schulter. ‚Krallen haben sie zumindest’, stellte sie fest und verzog das Gesicht.
Schwerfällig und sehr träge drehte sie sich um und wandte sich an den Fremden. „Ich denke, diese Teddies gehören dann wohl zu Ihnen?"
„Wohl eher umgekehrt", erwiderte der verwahrloste Mann.
„Bitte nicht falsch verstehen, aber wie wird man sie wieder los?"
Der Fremde gab merkwürdig glucksende Geräusche von sich und Buffy brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass es sich um Lachen handelte.
„Gar nicht", kicherte der Mann. „Ich habe den Hilferuf des kleinen Grünen gehört, aber scheinbar ward ihr schneller. Das, was an euch rauf und runter krabbelt, ist seine gesamte Familie. Ihre Art sich zu bedanken. Und erst wenn sie meinen, sie hätten euch genug zurückgegeben, werden sie verschwinden."
„Na wunderbar", maulte der Vampir, nahm das knuffig gelbe Tier, das gerade sein Bein heraufkletterte und setzte es in seinen Nacken. „Das war jetzt Nummer sieben. Wie viel Familie hat das Vieh noch?"
„Mit denen, die auf Ihrer Freundin herumkrabbeln, sollten es alle sein", erklärte der Fremde und kam langsam und vorsichtig näher. „Warum sind Sie hier?"
„Es ist, ähm…, so, wie Spike eben schon erklärte. Wir sind hier gelandet, weil wir gegen einen…"
„Ihr habt gegen einen Dämonen gekämpft. Sehe ich das richtig?"
Buffy hatte nicht gewusst, wie sie ihrem Gegenüber den Sachverhalt erklären sollte, aber scheinbar wusste er von Dämonen und dementsprechend nickte sie jetzt und sah ihn abwartend an.
„Ich verstehe", brummte dieser jetzt und nickte sachte mit dem Kopf. „Mein Name ist… Thomas Wellington", meinte er nach einer Weile und zuckte mit den Schultern.
Spike hatte sein Zögern, bevor er seinen Namen nannte, durchaus bemerkt. „Wie lange bist du schon hier?" ‚Wer seinen eigenen Namen kaum noch wusste, hatte ihn mit Sicherheit lange nicht mehr benutzt’, überlegte er.
„Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", erwiderte der Angesprochene und zuckte mit den Schultern. „Aber etwas über fünfzehn Jahre dürften es jetzt sein."
„Wie auch immer", murmelte Spike genervt. Ihm war das Geklettere auf seinem Körper langsam zu viel. „Was machen wir jetzt?"
„Ich an eurer Stelle würde mich einfach hinsetzen und abwarten", erklärte Thomas und ein hämisches Grinsen überzog sein schmuddeliges Gesicht.
„Warum sind jetzt eigentlich alle so bunt?", fragte Buffy und schwankte unter der Last der Teddybären hin und her. „Der kleine Grüne hier war doch erst schlicht grau und seine Kumpels waren überhaupt nicht zu sehen." Breitbeinig, wie ein Cowboy, der zu lange im Sattel gesessen hatte, watschelte sie auf den Baumstamm zu und ließ sich schließlich vorsichtig darauf nieder.
„Es ist eine Tarnung. Ähnlich eines Chamäleons. Und seine Familie war durchaus hier, ihr habt sie nur nicht gesehen."
„Sie sind also nicht plötzlich aufgetaucht?", hakte Spike nach.
Er wollte sichergehen, das auch wirklich nichts Unheimliches oder gar Gefährliches von den kunterbunten Tierchen zu erwarten war. Er sah Thomas bestätigend nicken und sah sich dann nach einem geeigneten Sitzplatz um.
Der Baumstamm schied aus. Eine ganze Reihe der knuddeligen Pelzwesen hatte es sich neben Buffy gemütlich gemacht und stupsten sie in unregelmäßigen Abständen mit ihren kleinen Nasen an.
Kurz entschlossen setzte Spike sich einfach auf den unebenen Grasboden. Dass es ein Fehler gewesen war, bemerkte er bereits wenige Sekunden später. Er war umringt von Tierchen, die auf ihn und über ihn hinweg krabbelten.
„Okay, der Grüne hat definitiv eine größere Familie, als gedacht", nuschelte er undeutlich.
Buffy musste lachen. Das Einzige, was von dem Vampir noch zu sehen war, war sein gebleichter Haarschopf. Sie wandte sich wieder dem Mann zu, der jetzt, lässig an einen Baum angelehnt, dastand.
„Wer oder was bist du?" Nach dem Unverständnis, das sie in seinen Augen sah, sprach sie weiter. „Du hast nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als Spike sich als Vampir vorgestellt hat und auch der Dämon, der uns hierher verfrachtet hat, hat dich nicht sonderlich verwundert."
„Ich bin… Nein, das ist nicht richtig. Ich war einmal sehr an Hexerei und schwarzer Magie interessiert", antwortete Thomas leise und zuckte verlegen mit den Schultern. „Und genau das hat mich schließlich auch hierher gebracht."
„Wenn du soviel magische Energie hattest, um hier zu landen", meinte Spike und schob einen orangefarbenen Bären aus seinem Gesichtsfeld. „Warum benutzt du sie dann nicht, um zurück zu gehen?"
„Ich hatte die Energie, oder besser gesagt die Macht, nicht. Mein Zauber ist furchtbar schief gegangen und seitdem hänge ich in dieser Welt fest."
„Gibt es noch mehr Menschen hier?", fragte Buffy und stellte erleichtert fest, dass die bunten Tierchen langsam, eines nach dem anderen, von ihr herunterkletterten.
„Nein, nicht das ich wüsste."
„Das ist jetzt unfair", maulte Spike. Er sah, dass an Buffy nur noch das kleine grüne Wesen hing, das sie gerettet hatten, während er selber kaum den kleinen Finger bewegen konnte. An jeder freien Stelle seines Körpers hing ein Teddybär und machte ihm sein Unleben schwer.
„Dich mögen sie scheinbar besonders gerne. Das kommt davon, wenn man immer so nett und hilfsbereit ist wie du", erklärte die Jägerin grinsend und kraulte dem Bärchen, das sich an ihre Hüfte krallte, die Ohren.
„Pffft", machte Spike und fauchte Sekunden später leise. „Jetzt reicht es aber wirklich! Das Rumkrabbeln ist schon schlimm genug, aber, wenn noch einer von euch es wagt, mich abzuschlecken, dreh ich durch!"
Thomas grinste über beide Ohren und auch Buffy hatte große Mühe, nicht in lautes Gelächter auszubrechen.
„Das sind deine verfluchten Viecher", schnauzte Spike und seine Augen schossen Blitze ab, während er den grinsenden Mann finster anblickte. „Also ruf sie endlich zurück!"
„Es sind nicht meine. Ich habe mich ihnen lediglich angeschlossen. Ich bin nicht ihr Chef oder so was. Sie machen, was sie wollen, wann immer sie es wollen."
„Ist ja wirklich klasse! Besser geht’s kaum noch. Da hat mir die Dimension der Tarxis bedeutend besser gefallen!"
„Verstehe ich das jetzt richtig?", wandte sich Thomas an Buffy. „Reist ihr von Dimension zu Dimension?"
„Ähm…, eigentlich nicht", gab die Jägerin bereitwillig Auskunft. „Obwohl, so langsam werden wir gut darin. Erst letzte Woche waren wir in einer furchtbaren Welt."
„Und wie kommt ihr hier wieder weg?", fügte Tom hoffnungsvoll hinzu.
„Wir lassen uns retten. Das macht uns nämlich Spaß!", zischte Spike und versuchte krampfhaft die letzten drei Bärchen, die nach wie vor an ihm klammerten, zu lösen. ‚Ausgerechnet der rosafarbige will nicht! Ausgerechnet rosa!!’
„Steht dir wirklich gut", grinste Buffy, die seine Bemühungen durchaus bemerkt hatte. „Die Farbe steht dir wirklich ausgezeichnet."
„Und dir steht grün ausgezeichnet. Du weißt ja, wofür die Farbe steht."
„Was soll das denn jetzt heißen? Auf was, bitte schön, sollte ich denn wohl neidisch sein?"
„Auf alles! Mein gutes Aussehen zum Beispiel!"
Sprachlos starrte Buffy ihn an, dann brach sie in schallendes Gelächter aus. „Ja klar! Es gibt nichts Hübscheres als dich, vor allen Dingen in rosa!!!!"
„Wer hat hier was von hübsch gesagt", knurrte Spike wütend, stand auf und trat drohend einen Schritt näher auf sie zu.
„Du solltest wirklich ein Foto von dir machen lassen. Dann kannst du selber mal sehen, wie sehr dir die Farbe schmeichelt", giftete die Jägerin zurück und legte ein falsches Lächeln auf.
„Ähm,… kann ich euren Streit beenden? Ich hätte wirklich gerne eine Antwort auf meine Frage."
„Was für eine Frage?", fragten Vampir und Jägerin wie aus einem Mund und starrten sich dann böse an.
„Wie ihr hier wieder wegkommt?" Thomas warf vorsichtig einen Blick auf Buffy, deren Körperhaltung alles andere als gute Laune ausdrückte. „Wenn ihr erst letzte Woche in einer anderen Dimension ward… Also…ähm, irgendwie müsst ihr ja von dort wieder weggekommen sein."
„Wir haben einen verdammten Druiden entführt", erklärte Spike missmutig. „Aber so etwas scheint es hier nicht zu geben!"
„Einen Druiden?"
„Ja, oder Heiler oder Schamane. Keine verdammte Ahnung!", zischte der Vampir böse.
„Wir haben Hilfe von außen. Das heißt, man wird nach uns suchen", erklärte Buffy. „Es ist eine lange Geschichte. Ich werde versuchen, es zu erklären, irgendwann."
„Als ob du irgendwas erklären könntest", meckerte Spike und deutete mit der Hand eine wüste Geste an.
„Wie lange seid ihr Beiden eigentlich schon zusammen?", warf Thomas ein und duckte sich, nachdem beide Angesprochenen ihn mit ihren Blicken fast erdolchten.
„Mit so was bin ich nicht zusammen", schnauzte Spike. „Da wäre mir jede Schleimdämonin lieber!"
„Ja? Schleimdämonin? Glaubst du wirklich, ich hätte auch nur die geringste Lust mit so etwas eklig kaltem, halb verrottetem zusammen zu sein?"
„Halb verrottet? Ich? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Verfluchte Hölle! Du wirst mit Sicherheit eher verrottet sein als ich!"
„Stimmt", giftete Buffy zurück. „Du wirst Staub sein!"
Thomas warf Blicke zwischen den beiden Streithähnen hin und her, schüttelte dann den Kopf und setzte sich auf den umgekippten Baumstamm. ‚Es scheint, als wird es etwas länger dauern, bis ich meine Antworten bekomme.’
3
Spike schob einen tief hängenden Ast beiseite und ging, als Schlusslicht, hinter den Anderen her. Interessiert beobachtete er die vielen kleinen bunten Bärchen, die sich geschickt einen Weg durch das Unterholz bahnten. Kurz warf er einen Blick auf die Jägerin, die mit Thomas Wellington voranging und immer noch das kleine grüne Wesen mit sich trug, das sich nach wie vor an ihrer Hüfte festklammerte.
Er war zu weit entfernt, um der Unterhaltung der Beiden zu folgen. Aber die einzelnen Gesprächsfetzen, die zu ihm durchdrangen, sagten ihm, dass die Jägerin Thomas von der Dimension erzählte, in der sie vor nicht einmal einer Woche gewesen waren.
Mit Unbehagen dachte der Vampir an die letzte unfreiwillige Reise zurück und er hasste es. Hasste es, dass er immer und immer wieder in solche Schwierigkeiten reinrutschte. Ausgerechnet mit Buffy! Ausgerechnet mit dem Menschen, den er hassen sollte wie die Pest. Aber nein. Er hatte sich ihr und den bekloppten Möchtegerndämonenjägern angeschlossen. Und wie so oft verfluchte er die Initiative, dafür was sie ihm angetan hatten und dafür, dass ihm eigentlich kaum eine andere Wahl blieb. Und wieder einmal schwor er Rache. Irgendwann, ja irgendwann kam seine Zeit und dann würde er… ‚Oh ja!!!’
Spike hatte sich einigermaßen wieder beruhigt. Der verbale Schlagabtausch mit Buffy hatte ihm die Möglichkeit gegeben, Dampf abzulassen. Jetzt arbeitete sein Verstand wieder und er sollte nach einer Möglichkeit suchen, die sie aus dieser elenden Dimension wegbringen würde, anstatt noch länger seiner Rachgier zu frönen. Aber so sehr er sein Hirn auch marterte, es fiel ihm einfach nichts ein. Nicht einmal, wenn er Thomas magischen Fähigkeiten oder Nichtfähigkeiten hinzurechnete. Dieses Mal konnten sie nichts weiter tun, als darauf zu hoffen, dass der Wächter eine Möglichkeit fand sie zurückzuholen.
Seit mehr als zehn Minuten liefen sie jetzt durch diesen Wald und Spike wurde der Farbe von sattem Grün langsam überdrüssig. Sogar die Bärchen hatten ihre Farbe hier in diesem Dickicht verändert. Sie waren bei Weitem nicht grau, aber ihre Farbe war heller geworden, irgendwie durchscheinend. Selbst die rosa und gelben Tiere waren jetzt in der Lage, völlig in ihrer Umgebung zu verschwinden.
‚Wasser’, schoss es Spike plötzlich durch den Kopf. ‚Viel Wasser!’ Er beschleunigte seine Schritte, schob die wild wuchernden Sträucher beiseite und schloss zu den anderen Beiden auf. Gemeinsam traten sie auf eine große Lichtung und Buffy und Spike blieben verwundert stehen.
Eine Landschaft, geradezu paradiesisch, tat sich vor ihnen auf. Ein etwa drei Meter breiter Fluss floss über steinerne Kaskaden sachte dahin, eingesäumt von kleinen, mit roten Beeren übersäten, Büschen. Auf der anderen Seite des kleinen Stroms erstreckte sich eine ausgedehnte Graslandschaft, auf der Dutzende von Bäumen wuchsen, die die verschiedensten Früchte in den unterschiedlichsten Formen trugen. Am Ende der riesigen, saftigen Wiese reckte sich eine steile Felswand in den Himmel, die dem Gelände einen natürlichen Schutz bot.
Strirnrunzelnd begutachtete der Vampir die schroffe Felswand. Niemals zuvor hatte er so etwas gesehen. Normaler Weise baute sich ein Gebirge langsam auf. Durch kleine Anhöhen und Hügel, die schließlich in ausgewachsenen Bergen endeten. Dies hier allerdings war anders. Es schoss einfach in die Höhe und soweit das Auge reichte, war nichts anderes mehr zu sehen als schroffe Felskanten.
„Oh klasse", brummte er. „Wir haben ja auch schon so lange nicht mehr in einer Höhle gehaust."
„Höhle? Wieso Höhle?" Buffy hatte Mühe ihren Blick von der wunderschönen Landschaft zu lösen und sah ihn verdattert an.
„Dann guck mal, wo deine kleinen pelzigen Freunde hinlaufen!"
Genau das tat sie. Sie sah den bunten Tierchen dabei zu, wie sie über eine Anreihung größerer Findlinge huschten, die eine natürliche Brücke über den kleinen Fluss ergab. Ein Großteil der Bären lief bereits durch die saftig grüne Graslandschaft, geradewegs auf die mächtige Steinwand zu, während andere der kleinen Tierchen noch ihren Durst an dem klaren kühlen Wasser löschten.
„Ihr wohnt tatsächlich in Höhlen?", wandte sie sich an Thomas, der bisher wortlos neben ihr gestanden hatte.
„Ja, es bietet sich geradezu an. So klein die Eingänge von hier auch aussehen, so geräumig ist doch der Raum im Inneren."
„Hunger scheint ihr hier auch nicht gerade zu leiden", meinte Spike und deutete auf die Bäume. „Vorausgesetzt, die Früchte sind auch für Menschen genießbar."
„Das sind sie. Zumindest die meisten davon. Allerdings würde ich von den hellgrünen da drüben abraten", grinste er und deutete auf einen hoch gewachsenen Baum, der an der anderen Seite des Ufers stand.
„Warum? Was passiert, wenn man sie isst?", fragte Buffy neugierig und trat näher an den Rand des Flusses heran.
„Sie lösen Halluzinationen aus", lachte Thomas und kratzte sich verlegen am Kopf. „Glaubt mir, das war nicht so lustig, wie es sich vielleicht anhört."
„Was genau ist passiert?", fragte Spike neugierig.
„Nun, ähm… Ich habe die ganze Zeit eine Tür gesehen und ständig versucht, sie zu öffnen Als das nicht ging, habe ich versucht, sie einzurennen."
„Und was ist dabei so schlimm?" Buffy bückte sich, ließ sich das kühle Nass über die Hände rinnen und führte schließlich etwas davon an ihre Lippen. ‚Das letzte Mal war es süßlich, jetzt ist es leicht salzig’, stellte sie fest und stand auf.
„Schlimm wird es erst, wenn du wieder zu dir kommst und bemerkst, dass du so ungefähr hundert Mal gegen eine Felswand gerannt bist. Die Beulen und blauen Flecke hatte ich auch drei Wochen später noch."
Spike konnte sich ein höhnisches Grinsen nicht verkneifen. „Slayer, die hellgrünen solltest du unbedingt probieren. Ich pflück dir auch welche." Behände sprang er über die Findlinge auf die andere Seite und lief schnurstracks auf die Bäume zu.
Buffy nahm das kleine grüne Bärchen, drückte es mit grimmigem Gesichtsausdruck Thomas in die Arme und drehte sich um, um dem Vampir zu folgen.
„Das kannst du dir sparen", zischte Buffy und tat es Spike gleich. „Oder vielleicht sollte ich dich damit füttern!" Mit nur zwei Sätzen war sie drüben und eilte sofort hinter ihm her.
„Lass es sein", fauchte sie böse, als sie bei ihm angelangt war und der Vampir sich auf seine Zehenspitzen stellte, um an die unteren Äste des Baumes zu gelangen.
„Warum? Du rennst doch gerne gegen Wände. Und ich sehe dir dabei zu gerne zu!"
„Spike! Lass es!"
Nach einem Blick in ihre Augen grinste er spöttisch. „Oh, es ist schon wieder so weit. Wieder eine kleine Schlägerei?"
„Die du mit Sicherheit verlieren wirst", fauchte Buffy wütend. „Warum kannst du dich eigentlich nie normal benehmen?"
„Ich bin ein verdammter Vampir! Nach deinen Maßstäben kann ich nie normal sein, also, was willst du eigentlich von mir?"
„Stimmt. Ein verfluchter Vampir und ich frage mich, warum ich dich noch immer nicht zu Staub verarbeitet habe?"
„Oh nein! Nicht diese dämliche Leier wieder! Ewig diese Drohungen und dann kommt da wieder nichts nach!"
„Du legst es aber enorm drauf an", zischte Buffy und ihre Körperhaltung veränderte sich schlagartig. Jeder ihrer Muskeln war gespannt, fast so, als fehlte nur noch ein weiteres Wort, um sie losstürmen zu lassen.
Und genau das lieferte der Vampir hinterhältig grinsend. „Stimmt ja. Wenn du mich los wärst, könntest du mit deinem neuen Freund, dem Sauberkeitsfanatiker da drüben, so richtig schön kuscheln!"
„Okay! Das reicht", motzte Buffy und verpasste dem Vampir einen Schwinger direkt unter das Kinn, der ihn mehrere Meter rückwärts beförderte.
‚Warum lass ich mich bloß immer auf diesen Mist ein? Ich kann nur verlieren’, überlegte Spike, stand auf und rieb sich das Kinn. ‚Macht der Gewohnheit!’, überlegte er und zuckte kurz mit den Schultern.
Er lachte die Jägerin noch einmal fies an, nahm Anlauf und machte sich auf den Schmerz in seinem Kopf gefasst, der mit absoluter Sicherheit gleich in seinem Schädel explodieren würde. Er rammte sie, stieß sie zu Boden und schlug, ohne lang zu überlegen, zu.
Ein teuflisches Lachen breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er realisierte, dass kein Schmerz kam. Wieder und wieder schlug er zu und sein Lachen wurde bei jedem Schlag breiter. Buffy, die auch bemerkte, das dieses Mal wohl etwas mehr nötig sein musste als gewöhnlich, kämpfte sich unter ihm weg, trat und schlug rund um sich und erwischte ihn hart am Oberkörper.
„Warum funktioniert dein verdammter Chip hier nicht?", schrie sie ihn an und trat ihm die Beine unter dem Körper weg.
„Keine verdammte Ahnung", fluchte Spike und rappelte sich wieder auf. „Aber diese Welt gefällt mir von Sekunde zu Sekunde besser." Wie ein Stier, der ein rotes Tuch sieht, lief er, Kopf vornweg, auf sie zu und riss sie von den Beinen.
Thomas, der noch immer auf der anderen Flussseite gestanden hatte, sah den Beiden sprachlos dabei zu. Erst wollte er, ganz Gentlemanlike, Buffy zu Hilfe eilen, doch jetzt war er sich nicht sicher, ob er überhaupt eingreifen sollte. Niemals zuvor hatte er eine Frau mit solchen Kräften gesehen und er starrte minutenlang einfach auf die beiden Kämpfenden. Schließlich schüttelte er den Kopf, sprang über die Steine, schritt langsam auf die Beiden zu und baute sich in sicherer Entfernung auf.
„Ich weiß zwar nicht genau, wie lange ich von der Erde weg bin, aber wenn sich da alle so benehmen wie ihr, dann möchte ich da auch gar nicht wieder hin!"
„Es benehmen sich nicht alle so", schnauzte Spike, der sich gerade aus einer Umklammerung löste. „Nur sie!"
„Das musst du gerade sagen", schimpfte Buffy und trat ihm gegen das Schienbein. „Du bist der Einzigste, der mich so böse machen kann."
„Wenn ihr Beiden kein Paar seid, solltet ihr vielleicht dringend eines werden", meinte Thomas, setzte das Bärchen ab und drehte sich ohne ein weiteres Wort um, um auf die Höhlen in der Felswand zuzugehen.
Buffy und Spike sackten schlagartig die Fäuste nach unten und sie sahen sich angewidert an. „Wie kommst du auf die bescheuerte Idee?", schrieen sie zeitgleich hinter Thomas her.
„Was sich liebt, das neckt sich", war seine einzige Antwort. Er drehte sich nicht einmal um sondern lief einfach unbeirrt seinen Weg weiter.
„Der hat sie wohl nicht mehr alle am Lattenzaun", meckerte Buffy leise und setzte das Tierchen wieder auf ihre Hüfte, das gerade ihre Beine hochkletterte.
„War wohl zu lange alleine", erwiderte Spike und blickte die Jägerin genervt an. „Wir Beide! Hah! Was Bekloppteres gibt’s ja gar nicht!"
„Dann sind wir ja jedenfalls dieses eine Mal einer Meinung", meinte Buffy, wischte sich das Blut von der aufgeplatzten Lippe und schritt beleidigt hinter Thomas her.
„Ja, aber auch nur dieses eine verfluchte Mal!" Spike straffte sich. Bürstete mit der flachen Hand einige Grashalme von seinem Mantel und ging dann langsam hinter ihr her. ‚Aber nur diese eine verfluchte Mal’!
4
„Was soll das heißen? Ich soll mir die Höhle mit den verlausten Bären teilen?", meckerte Spike aufgebracht und tippte sich mit den Fingern an die Stirn. „Hier gibt es nun wirklich genügend Höhlen. Ich habe keine Lust, wieder als Kletterbaum missbraucht zu werden!"
„So schlimm soll es wohl nicht werden", erwiderte Buffy und schüttelte genervt den Kopf. „Stell dich nicht immer so an!"
Sie waren an den Felswand angekommen und sahen den Bärchen dabei zu, wie diese behände die schroffen Steine erklommen und in kleinen Öffnungen verschwanden.
„Welchen Eingang muss ich nehmen?", wandte sich die Jägerin nun an Thomas, der ihr mit der Hand andeutete, den pelzigen bunten Tierchen zu folgen.
„Ganz egal, die Eingänge enden alle in der gleichen großen Kammer."
Buffy warf einen letzten wissenden Blick auf den knurrig wirkenden Vampir und entschied sich dann für den Höhleneingang, der ihr am nächsten war. Rasch kletterte sie die vier Meter hoch und schlüpfte, immer auf ihren neuen kleinen Freund achtend, durch den schmalen Eingang.
Sprachlos sah sie sich um. Die Höhle war riesig und Thomas hatte Recht, alle Eingänge führten hierher und wirkten jetzt wie Fenster, die den gesamten Raum ausleuchteten. Ringsum waren kleine Nischen, die scheinbar als Schlafkojen dienten und mit duftigem Heu angefüllt waren. Eigentlich wirkte das Ganze merkwürdiger Weise anheimelnd und sehr gemütlich.
Viele der kleinen Bärchen liefen geschäftig hin und her, während andere sich eng aneinander kuschelten und dösten. Kurz überlegte Buffy, ob wohl allen Tieren eine bestimmte Aufgabe zufiel oder ob jeder gerade das tat, was am Wichtigsten war? Sie blickte auf das kleine pelzige Wesen, das noch immer an ihr hing und kraulte ihn sanft hinter den Ohren. Scheinbar war es eingeschlafen, denn es bewegte sich kaum noch und gab leise brummende Geräusche von sich.
‚Ob ich das Tierchen jemals wieder loswerde?’, fragte sie sich im Stillen. ‚Werde ich es jemals wieder loswerden müssen? Suchen sie schon nach uns, oder haben sie uns noch gar nicht vermisst? Und wenn ja, werden sie uns jemals finden?’
Doch bevor sie sich völlig in düsteren Gedanken verlieren konnte, hörte sie, wie Spike unter ständigem Gemecker in die Höhle kletterte. Sie sah ihm beim Aufstehen zu und schüttelte ununterbrochen den Kopf.
„Es scheint so, als hätten wir dieses Mal die Rollen vertauscht", meinte sie und sah ihn verächtlich an.
„Was meinst du da denn schon wieder mit?", fluchte der Vampir und fegte sich den Sand von der schwarzen Jeans.
„In der letzten Dimension war ich die Genervte und du der Ruhige. Aber jetzt ist das irgendwie anders."
„Vielleicht, weil ich einfach keine Lust mehr habe, jede Woche in eine andere beschissene Dimension verfrachtet zu werden. Und! Ich habe Hunger!", nörgelte er munter weiter. „ Wenn ich dich nicht essen darf, die Bärchen nicht…Was dann? Das Schmuddelmonster da draußen mit absoluter Sicherheit erst, wenn er ein dreiwöchiges Bad genommen hat."
„Du wirst deine Finger von Thomas lassen!", warnte die Jägerin mit gepresster Stimme. „Und wehe du wagst dich auch nur an eines dieser kleinen kuscheligen, knuffigen Wesen…"
„Ich hab die Warnung auch beim ersten Mal schon verstanden", brummte Spike missmutig. Aber da er sich vollkommen bewusst war, dieses Mal seine kompletten Kräfte nutzen zu können, war diese Unterwürfigkeit nur vorgetäuscht. ‚Wir werden sehen!’, fügte er in Gedanken hinzu. ‚Wir werden sehen!’
Im Moment war er durchaus in der Lage, sich gegen die Jägerin zur Wehr zu setzen. In dieser verdammten Welt hielt nicht einmal die Sonne ihn zurück. Jetzt musste er nur noch abwarten, den richtigen Augenblick abpassen. Und darauf hoffen, dass diese kleinen Biester auch schmeckten.
„Wo bleibt der Verrückte?", fragte er jetzt Buffy, die ihn ununterbrochen angesehen hatte, fast so, als könnte sie seine Gedanken lesen.
„Ich weiß nicht", erwiderte sie und runzelte die Stirn. Noch immer ließ sie den Vampir nicht aus den Augen und betrachtete jede seiner Bewegungen argwöhnisch. „Wir können ja nachsehen!"
Genau in dem Augenblick, als Beide auf den nächstbesten Ausgang zusteuerten, krabbelte Thomas auf den Knien in die Höhle, ein kleines gelbes Bärchen fest an seinen Bauch gedrückt.
„Es hat sich verletzt! Es blutet", erklärte er hektisch, stand auf und eilte durch die Höhle, in einen der hinteren Winkel.
‚Blutet?’ Verwundert sah Spike ihm nach. ‚Ich habe überhaupt kein Blut gerochen’. Neugierig geworden schlenderte er hinter Thomas her, dicht gefolgt von der Jägerin, die ihn scheinbar nicht auch nur eine Sekunde aus den Augen lassen wollte.
Thomas hatte den Teddybären auf eine Art Tisch gelegt, der aus einfachen Steinen gebaut war, mit einer großen Deckplatte aus dem gleichen Material. Gerade im Moment spülte er die Wunde mit Wasser aus. Dann säuberte er sie mit einer Flüssigkeit, die in einem Behältnis, ähnlich einer Kalebasse, aufbewahrt wurde.
Buffy sah sich erstaunt um. Mehrere dieser Behältnisse standen in verschieden großen Felsnischen, alle versehen mit eingravierten Zahlen und Nummern.
„Was ist das hier?", fragte sie interessiert und nahm eine der Kalebassen in die Hand. Überrascht sah sie dann, dass alle umstehenden Bärchen wieder die Farbe änderten und genau wie das Bärchen, das von Thomas untersucht wurde, mausgrau wurden. ‚Mitleid’, stellte sie fest und kraulte das, nach wie vor, grüne Bärchen sanft. Scheinbar verschlief es den ganzen Trubel. „Ist das eine Art Krankenstation?"
„So kann man es nennen", erwiderte Thomas ohne aufzusehen. „Ich habe viele Heilkräuter und Pflanzen mit speziellen Eigenschaften gefunden", erklärte er leise und untersuchte die verletzte Tatze des Bären eingehend. „Irgendwie hat er sich den Fuß aufgeschnitten. Wahrscheinlich an einer der Felskanten. Es blutet aber kaum noch. Buffy, kannst du mir bitte die Flasche mit der eingeritzten IV darauf geben? Das Mittel wird die Wunde desinfizieren und zusammenziehen. Der Kleine hat viel Glück gehabt, ich brauche die Verletzung nur verbinden."
Spike trat näher an den steinernen Tisch und betrachtete die Szene eingehend. Er hörte immer Blut, konnte aber kein Aroma, der sonst so berauschend riechenden Flüssigkeit, auffangen. Blaue Flüssigkeit, keinesfalls vergleichbar mit irgendeiner Art irdischen Blutes, war alles, was er sah. Der Vampir legte den Kopf schräg, zuckte mit den Schultern und vermerkte geistig eine Notiz. ‚Okay, Bärchen nicht genießbar’, murrte er lautlos, sah dann zu Buffy und grinste sie hinterhältig an. Dann musste er eben umdisponieren.
Thomas hatte die Pfote des Tierchens verbunden und das kleine Wesen klammerte sich jetzt an seinem Arm fest. Auch viele der anderen Bärchen eilten jetzt auf ihn zu und kletterten, wie zuvor an Buffy und Spike, an ihm hoch. Er grinste Buffy einmal wissend an und setzte sich auf die nächste freie Stelle.
„Bei mir dauert die Klammeraktion allerdings nicht mehr so lange, wie bei euch. Sie sind mich ja auch schon gewohnt."
Buffy bestaunte die ganze Angelegenheit mit gerunzelter Stirn. Sie mochten ihn schon lange kennen, allerdings kletterten nun wirklich alle Bären, die in seiner Nähe waren, auf ihn und über ihn. Es dauerte nur Sekunden und von Thomas war nicht mal mehr sein schmutziger Haarschopf zu sehen.
„Wenn dann keiner etwas dagegen einzuwenden hat, werde ich mich hinlegen. Normaler Weise schlafe ich um diese Uhrzeit", meinte Spike und grinste hinterhältig. „Kann ich mich hinlegen, wo ich will, oder sind die Schlafplätze fest vergeben?"
„Du kannscht dir einen Platsch ausschuchen", brummte Thomas undeutlich und pustete sich das flauschige Fell aus dem Mund. „Das nehmen wir nicht so genau."
„Gut zu wissen", antwortet Spike und blickte sich nach der größten Nische um. Wenn er hier, in diesem Bärenzoo, schon schlafen sollte, dann bitte schön auch den geräumigsten Schlafplatz für ihn alleine.
Ein leichtes, siegreiches Lächeln umspielte seine Lippen und er zeigte an der Felswand hoch. In fast vier Meter Höhe war eine Felsnische, die durchaus seinem Geschmack entsprach. Sie war geräumig, nicht mit Bären bevölkert, war dafür aber auch nicht mit dem herrlich duftenden Heu ausgelegt.
„Ich nehme an, die hätte ich für mich alleine?"
„Ja, davon könntest du ausgehen!", erwiderte Thomas und man konnte sein hämisches Grinsen sogar hinter den Bärchen, die ihn bevölkerten, durchblitzen sehen.
„Warum könnte?", fragte Spike und zog die Augenbrauen hoch.
„Ob es dir nun gefällt oder nicht. Das kleine rosa Tierchen da", grinste Thomas und deutete mit einem Finger auf das kleine Wesen das schräg hinter dem Vampir saß. „Ich würde sagen, es hat dich als neuen Freund auserkoren!"
Buffy lachte und sah dabei zu, wie der Vampir sich mit der flachen Hand selber vor die Stirn schlug. „Ausgerechnet rosa!", konnte sie ihn unwirsch brummen hören.
„Das ist und bleibt deine Farbe. Ich hab es dir ja gleich gesagt!", grinste die Jägerin fies und ging ein paar Schritte rückwärts. Sie hatte seinen vernichtenden Blick aufgefangen und eigentlich keinerlei Lust, jetzt mit ihm eine Schlägerei anzufangen.
„Wenn das schon wieder losgeht", meinte Thomas tonlos. „Dann geht bitte raus. Ich hab keine Lust dazu, hier nachher wieder aufzuräumen, nur weil ihr euch wie kleine Kinder benehmt."
Spikes einzige Reaktion war ein trockenes Lachen und er zeigte mit der Hand auf Buffy. „Der redet von dir", stellte er klar und kletterte, ohne auf eine Antwort zu warten, die schroffe Felswand empor.
Die Jägerin, die sich eine Erwiderung einfach sparte, kraulte dem kleinen grünen Fellknäuel, das gerade erwachte und herzhaft gähnte, die Ohren. „Dann suchen wir uns Beide auch mal einen Platz, um uns auszuruhen", flüsterte sie leise und stupste dem Bärchen flüchtig auf die Nase. „Obwohl du ja eigentlich ausgeschlafen bist."
Schnell hatte sie einen passenden Platz gefunden und sie setzte sich auf das wohlriechende trockene Gras. Sachte und vorsichtig streckte sie ihre Beine aus und lehnte sich langsam zurück. Das knuddelige Tierchen nahm die Gelegenheit wahr und klammerte sich jetzt an ihren Bauch. Buffy lächelte und legte sich hin. Ganz sachte drehte sie sich auf die Seite, sodass sie die gesamte Höhle überblicken konnte.
Ein leises wohlwissendes Lächeln umspielte ihre Lippen. An der Felswand, die Spike vor einigen Minuten erklommen hatte, kletterten jetzt zwei Bärchen empor. Wie vorhergesagt, allerdings hatte das rosa Tierchen noch ein lilafarbiges als Begleiter. ‚Das soll mich ja jetzt mal wundern’, grinste sie und wartete gespannt auf die Reaktion des Vampirs, die mit Sicherheit folgen würde.
Kaum eine Minute später hörte sie ein unwirsches Brummen, leises Gemecker und schlussendlich lautes Fluchen. Eigentlich erwartete sie, dass der Vampir seinen Platz verlassen würde, um sich einen anderen Schlafplatz zu suchen, aber nichts geschah.
Kurz befürchtete sie das Schlimmste, doch dann erinnerte sie sich wieder an seinen angewiderten Gesichtsausdruck, als er das bläuliche Blut des verletzten Tieres gesehen hatte. Sie waren definitiv nicht essbar für ihn, also hatte er sich scheinbar seinem Schicksal ergeben und schlummerte jetzt friedlich zusammen mit seinen zwei neuen Freunden.
‚Und das ist etwas, was ich ihm noch sehr lange vorhalten kann’, grinste sie spöttisch. ‚Rosa!’
Teil 5
Unruhig warf Spike sich im Schlaf hin und her. Der harte Boden auf dem er lag, drückte und die zum Teil spitzen Steinchen, pressten sich in sein kaltes Fleisch. Er träumte, träumte von irgendetwas Bösem, Gefährlichem. Ruckartig setzte er sich auf, ein leichtes Schütteln des Kopfes und er überließ dem Dämon die Oberhand. Irgendetwas störte ihn, gehörte nicht hierher und er wollte sofort wissen, was es war.
Der Vampir kniff die Augen zusammen, überblickte die gesamte Höhle und nahm jede Kleinigkeit in sich auf. Buffy schlief. Seelenruhig in einer der vielen Nischen, mit dem grünen Bärchen auf dem Bauch. Und auch Thomas leises Schnarchen war zu hören. Sehen konnte Spike ihn nicht, denn er wurde noch immer von zu vielen kleinen pelzigen Wesen belagert.
Spike spitzte die Ohren. Draußen vor der Höhle konnte er leise Geräusche wahrnehmen, die er aber nicht zuordnen konnte. Wieder ließ ihn etwas aufhorchen und er setzte sich vorsichtig auf. Mit leicht angewidertem Gesicht schob er das lila Bärchen, das sich gerade im Schlaf gedreht hatte und sich jetzt eng an ihn kuschelte, ein paar Zentimeter von sich.
Lautlos stand er auf, machte einen großen Schritt über das rosa Tierchen und kletterte fast lautlos die schroffe Felswand herab. Ein kurzer Blick in die Runde und Spike war sich sicher, dass alle Anwesenden nach wie vor fest schlummerten. Kurz überlegte er, die Jägerin zu wecken, doch er verwarf den Gedanken schnell wieder. Immerhin wusste er noch gar nicht, ob es tatsächlich eine Gefahr gab, oder, ob nicht doch ein nachtschwärmendes Bärchen draußen lustig durch die Ebene trollte. Allerdings sagten ihm seine Nackenhärchen etwas gänzlich anderes.
Vorsichtig, einen Fuß vor den anderen setzend, durchquerte er die Höhle. Durch die vielen fensterähnlichen Eingänge drang genügend Licht, sodass er seine vampirischen Fähigkeiten kaum brauchte. Entweder war so etwas wie Vollmond, oder aber auf dieser Welt wurde es niemals richtig dunkel.
Ein kurzes leises Fauchen ließ ihn erstarren und eine Art der Gänsehaut legte sich über seinen Körper. ‚Gar nicht gut’, dachte er und schüttelte sich. ‚Das bedeutet Ärger!’ Nur wahrhaft Böses ließ seinen Körper so reagieren. Allerdings hätte er es vor einem Jahr noch mit Vorfreude realisiert. Jetzt und hier, in dieser Welt, war er sich nicht sicher, ob er sich freuen sollte.
So leise wie möglich krabbelte er auf allen Vieren durch den niedrigen Eingang, zwischendurch immer wieder eine kleine Pause machend, um zu lauschen. An der engen Öffnung angekommen, warf er einen vorsichtigen Blick nach draußen.
Wenn noch Blut durch seine Adern gekreist wäre, so wäre es bei diesem Anblick mit Sicherheit ins Stocken geraten. Gut vier Meter unter ihm schlichen die hässlichsten Raubtiere durch das vom Tau nasse Gras, die er jemals gesehen hatte. Sie strahlten eine Bösartigkeit aus, die selbst ihn verwunderte.
Die Untiere hatten die Figur einer massigen Raubkatze, ähnlich der eines Löwen. Doch diese Viecher waren mit Sicherheit doppelt so groß. Fell besaßen sie keines, nur eine straffe, eklig braune, fleckige Lederhaut, die sich über den sehnigen Körper spannte. Ihre Augen leuchteten in der Dunkelheit giftgrün und der Schädel war unbeschreiblich. Grauslich, widerwärtig, einfach abgrundtief hässlich. Auf gewisse Art deformiert, so als ob sämtliche Knochen gebrochen und falsch wieder zusammengewachsen waren. Riesige, geifernde Mäuler mit grobgezackten Reißzähnen und das Funkeln ihrer bösartigen Augen, ließ nichts Gutes erwarten.
‚Dagegen waren die Mistviecher aus der Tarxiswelt geradezu Schoßhündchen’, stellte Spike übellaunig fest. Wirkliche Lust sich mit denen anzulegen, verspürte er nicht. Er war auch nicht dumm genug anzunehmen, dass er es mit vier Bestien gleichzeitig aufnehmen konnte und dann den Kampf auch noch zu überleben.
Jetzt würde er sich erst einmal zurückziehen und weiterhin den Eingang im Auge behalten. Sobald das Schmuddelmonster von Mensch morgen früh aufwachen würde, hätte er so einige Fragen zu stellen.
Gerade im Begriff sich zurückzuziehen, schreckte er gerade rechtzeitig zurück, um dem geifernden Maul zu entkommen, das urplötzlich vor ihm auftauchte. Der Kopf des Vampirs war bei dieser Aktion hochgeschnellt und er hatte sich ihn an der niedrigen Felsdecke angeschlagen. Aber alles, was er denken konnte, war: ‚Das Vieh steht auf seinen Hinterbeinen. Verflucht! Es steht auf seinen verdammten Hinterpfoten!’
„Das wird noch lustig", hörte er Buffy leise flüstern, als er zurück in der großen Kammer war.
Spike blickte sich suchend um. Er hätte wissen sollen, dass sie ihn nicht aus den Augen lassen würde. Er sah, dass sie bäuchlings vor einem der höher gelegenen Eingänge lag und auf die Untiere starrte, die draußen lauerten.
„Das wird allerdings noch lustig", brummte er missmutig, tat es ihr dann gleich und wählte eines der oberen Fenster, das dicht neben dem der Jägerin lag. Wieder krabbelte er durch einen schmalen Eingang und wieder warf er einen vorsichtigen Blick nach draußen. Die Bestie, die ihn eben fast erwischt hatte, stand noch immer aufrecht und starrte leise knurrend in die Höhle. „Das wird mehr als lustig. Scheiße!"
Irgendwann hatte Buffy keine Lust mehr, noch länger auf die grauslichen Wesen herabzublicken und sie krabbelte zurück in die Höhle. „Zumindest sind wir hier sicher", meinte sie und blickte den Vampir an, der wieder damit beschäftigt war, sich Sand aus den Klamotten zu klopfen.
„Ja, sie sind einfach zu groß. Sie passen nicht durch diese verflucht kleinen Eingänge. Allerdings können wir froh darüber sein, dass sie so klein sind. Von den Kreaturen überrascht werden ist sicherlich spaßig!"
„Und du bist dir sicher, dass du nicht raus möchtest, um mit ihnen zu spielen?", fragte Buffy betont ernst.
„Nur, wenn du mitkommst", erwiderte Spike im gleichen Tonfall. „Ohne dich macht das nur halb so viel Spaß!"
Ob sie nun wollte oder nicht, sie musste lachen und hielt sich schnell eine Hand vor den Mund, um nicht die gesamte Mannschaft zu wecken. „Die sind tatsächlich noch widerwärtiger als die netten Haustierchen der Tarxis."
„Allerdings", brummte Spike und legte den Kopf schräg. „Ob die hier, auf dieser Welt, wohl auch so nette Vulkane haben?"
„Keine Ahnung, aber wir müssen unbedingt mit Thomas reden", meinte Buffy und nahm das kleine grüne Bärchen in Empfang, das so eben aufgewacht war und sofort auf sie zusteuerte.
„Ja, mal sehen, was Mr. Sauberkeitsfanatiker zu sagen hat."
„Warum reitest du eigentlich immer darauf herum? Er war hier ganz alleine, also war es egal, ob sein T-Shirt sauber ist, oder nicht."
„Ob alleine oder nicht. Mal ehrlich. Nicht mal ein Vampir, der sich gerade aus seinem Grab schaufelt, ist so schmutzig. Ist ja ekelig", erwiderte Spike leise und schüttelte den Kopf. „Da müsste ich vor Hunger schon fast umkommen, als freiwillig in zehn Jahre alten Dreck zu beißen."
„Reagieren alle Vampire so, oder hast nur du diesen Sauberkeitswahn? So ganz verstehe ich es trotzdem nicht. In deiner Gruft liegt der Staub zum Teil Zentimeter hoch."
„Ich weiß nicht, ob alle so reagieren. Und! Staub interessiert mich nicht. Ich rede von persönlicher Hygiene!"
Und wieder einmal konnte sich die Jägerin ein Lachen nicht verkneifen. „Ich kann es nicht fassen", schnappte sie nach Luft. „Ein Vampir als Gesundheitsinspektor. Unglaublich!"
„Pffft", machte Spike beleidigt, warf einen letzten Blick auf die vielen Eingänge und kletterte dann behände die Felswand hinauf zu seinem Schlafplatz. Wie nicht anders erwartet, lagen jetzt beide Bärchen eng aneinandergekuschelt mitten in der Nische. Kurz war er in Versuchung, sein kleines Problem mit einem kräftigen Fußtritt zu lösen, doch er schüttelte nur genervt den Kopf und kletterte die Wand wieder herunter.
Die Jägerin hatte sich mit ihrem grünen Kuschelteddy wieder in ihre Nische zurückgezogen und Spike sah sich fragend um. Irgendwo musste es doch auch für ihn einen vernünftigen Platz zum Schlafen geben. Er grinste über das ganze Gesicht. ‚Warum nicht? Dann nehme ich eben das verdammte Heulager.’
Eine der großen Nischen war randvoll mit dem duftigen Material angefüllt und er steuerte kurzerhand darauf zu. Mit nur wenigen Handgriffen bereitete er sich ein Nachtlager und warf das überflüssige getrocknete Gras einfach in die Mitte der Höhle.
Er versicherte sich noch einmal, ob tatsächlich Ruhe herrschte, dann legte er sich hin. Spike fragte sich, ob, und wenn ja, wie sie diese Kreaturen bekämpfen sollten. Sie hatten nicht einmal eine verdammte Waffe. Irgendwann jedoch schlummerte er ein und schlief seinen todesähnlichen Schlaf.
Buffy versicherte noch ein Mal, ob Spike tatsächlich Ruhe gab. Auf keinen Fall wollte sie sich dafür verantwortlich fühlen, dass er ohne seinen Chip Menschen, oder wie in diesem Fall einen Menschen, verletzte oder gar tötete. Das Bärchen an ihrem Bauch schnurrte leise und sie kraulte ihm liebevoll die Ohren. Sollten sie diese Welt jemals wieder verlassen, würde sie das zutrauliche knuffige Tierchen vermissen.
Sie warf einen letzten prüfenden Blick auf die Eingänge der Höhle und schloss schließlich die Augen. Nur, um zehn Minuten später, zumindest fühlte es sich für sie so an, wieder geweckt zu werden. Spike stand vor Thomas, der gerade die ersten Anzeichen des Erwachens zeigte, und schrie ihn an.
„Was zur Hölle, sind das für Mistviecher und warum zum Teufel hast du uns nichts davon erzählt?", brüllte der Vampir und deutete mit der Hand auf die Ausgänge der Höhle.
Buffy sprang auf, stellte sich seitlich neben den Vampir um im Notfall eingreifen zu können, sagte aber kein Wort, da sie die Antwort selber gerne hören wollte.
„Was für… Oh… Sie waren also wieder da", meinte der Angesprochene und kratzte sich den Kopf. „Irgendwelche Raubtiere. Sie schleichen fast jede Nacht über die Ebene. Niemand von uns geht nach Anbruch der Dunkelheit raus, also…"
„Niemand? Ach so, klar! Was, wenn Buffy oder ich da rausgestiefelt wären? Verfluchte Hölle", motze Spike aufgebracht und aus seinen Augen schossen Funken.
„Ich habe nicht daran gedacht", nuschelte Thomas zerknirscht und blickte Buffy entschuldigend an. „Für mich gehören sie einfach dazu. Die ersten Nächte konnte ich wegen ihnen nicht schlafen. Aber sie sind zu groß. Sie passen nicht durch die Eingänge, also ist man hier sicher", versuchte er zu erklären.
„Wo sind die Bärchen?", fragte Buffy, die plötzlich bemerkt hatte, dass kein Anhängsel an ihrer Hüfte klammerte. Ein rascher Blick durch die Höhle ließ sie erkennen, dass nicht nur ihr grünes Tierchen fehlte, sondern keines der kuscheligen Wesen in der Höhle war. Kein Farbklecks weit und breit.
„Sie erwachen immer kurz vor Sonnenaufgang und verschwinden beim ersten Licht nach draußen", erklärte Thomas. „Es ist eine Art Ritual. Die ganze Bande sitzt jetzt im Fluss bei gegenseitiger Fellpflege."
„Da solltest du auch mal mitgehen", brummte Spike undeutlich, durchquerte die Höhle und blickte nach draußen. „Ich weiß ja, es gibt hier keine Spiegel. Aber auch ich habe seit 120 Jahren in keinen mehr gesehen und bin nicht mal halb so schmuddelig wie du!" Er blickte sich noch einmal mit abfälligem Gesichtsausruck um und verschwand dann nach draußen.
„Ist es wirklich so schlimm?" Thomas sah Buffy fragend an und nickte dann, als sie versuchte, eine Antwort zu finden. „Ja, es ist so schlimm", antwortete er sich selber. „Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich denke, der Vampir hat Recht."
„Du bist alleine hier", meinte Buffy leise. „Da kann man das schon mal vergessen."
„Nett, dass du das sagst. Aber Spike hat Recht. Auch wenn ich alleine hier bin. Ich hätte mehr auf mich achten müssen. Ich hätte…", nuschelte Thomas und stand auf. Ohne noch einen Blick auf die Jägerin zu werfen, verließ er die Höhle.
Buffy stand wie angewurzelt da. „Männer", murmelte sie und schüttelte den Kopf. „Irgendwo alle gleich!"
Teil 6
Buffy traute ihren Augen nicht. Das konnte jetzt nicht wahr sein. Durfte jawohl nicht wahr sein! Eines wusste sie ganz sicher, sie musste hier so schnell wie möglich weg. So rasch es nur ging! Und soweit es nur ging!
Nachdem Thomas die Höhle verlassen hatte, war sie alleine zurückgeblieben, hatte sich in ihre Nische verzogen und gegrübelt. Ob, und wenn ja, wie sie jemals wieder diese Welt verlassen würden. Sie hatte an ihre Mom, Dawn und Giles gedacht und sich gefragt, ob sie überhaupt schon vermisst wurden. Hatten die Anderen schon bemerkt, dass sie verschwunden war oder … Würden sie auch dieses Mal einen Weg zurück finden?
Bevor sie völlig in dunklen Gedanken versinken konnte, hatte sie energisch den Kopf geschüttelt und war sie aufgesprungen. Mit trüben Gedanken war sie die Felswand herunter geklettert und hatte sich auf den Weg zum Fluss gemacht. Erstens konnte auch ihr ein wenig Wasser nicht schaden und zweitens hatte sie Hunger. Sie musste Thomas unbedingt noch einmal fragen, welche der Früchte unbedenklich waren. Von den hellblauen wusste sie, aber vielleicht gab es noch andere Gewächse die merkwürdige Nebenwirkungen hatten.
Jetzt stand sie hier wie angewurzelt. Keine zwanzig Meter weiter saßen die vielen Bärchen im Fluss, kraulten sich gegenseitig das nasse Fell und putzten sich eifrig. Aber was sie am meisten schockierte: Nicht weit von den bunten Tierchen entfernt saßen zwei völlig unbekleidete Männer im Fluss, schrubbten sich mit irgendwelchen merkwürdig anmutenden Schwämmen und unterhielten sich angeregt.
Spike hatte sie als erstes bemerkt. Er war aufgestanden, hatte über das ganze Gesicht gegrinst und wie verrückt gewunken. „Los, komm. Ich weiß nicht warum oder wieso, aber das Wasser hat die Temperatur einer gemütlichen Badewanne." Und da Buffy sofort den Rückwärtsgang einlegte hatte, hatte er fies gelacht und ihr nachgerufen. „Was ist denn, Slayer? So schüchtern heute?"
Buffy war eiligst zwischen den Bäumen verschwunden. Sie hatte es nicht verhindern können, sie war knallrot angelaufen und jetzt war sie wütend auf sich selbst. Wieder einmal hatte Spike es geschafft sie aus der Fassung zu bringen und sie hasste ihn dafür. Schon so oft hatte er ihr das Leben zur Hölle gemacht und gerade heute…, gerade jetzt war es wieder einmal so gewesen. Am liebsten hätte sie ihn auf der Stelle gepfählt, in einen Staubhaufen verwandelt! Und warum war er in dieser Welt so anders? Er benahm sich kindisch, na ja, das war ja eigentlich nichts Neues, aber sein Sauberkeitswahn nahm merkwürdige Formen an. Zu Hause, also in ihrer Dimension, roch er doch so manches Mal arg nach… Gruft. Und hier? Buffy verstand es nicht. ‚Vielleicht verändert irgendetwas hier sein normales Verhalten. Immerhin funktioniert sein Chip hier auch nicht richtig’, überlegte sie noch immer schlechter Laune. ‚Aber, was auch immer es ist, es wird mich nicht daran hindern, ihn endgültig zu erledigen!’
Sie lief kreuz und quer durch die blumig duftende Landschaft, sah sich die vielen verschiedenen Pflanzen an und entschied sich, doch einfach eine der vielen verlockenden Früchte zu pflücken. Langsam aber sicher beruhigte sie sich wieder und sie atmete tief ein. Sie hielt die grüne Frucht in ihren Händen, nicht sicher, ob sie es wirklich wagen sollte, oder ob sie vielleicht doch erst Thomas fragen sollte. Sie dachte wieder an die beiden nackten Männer im Fluss und rein aus Trotz biss sie ein großes Stück heraus. Sie zuckte die Schultern. Es schmeckte leicht süßlich, war aber mit nichts vergleichbar, was sie kannte.
Buffy lief weiter, entfernte sich immer weiter von der sicheren Höhle, hatte aber sie keine Angst sich zu verlaufen. So lästig der ganze Jägerinnenkrempel manchmal auch sein mochte, eines war sicher. Sie würde den Weg zurück ohne Schwierigkeiten finden. Im Grunde brauchte sie sich dabei nicht einmal anstrengen, es ging einfach von ganz alleine.
‚Schön wäre es, wenn mir der Instinkt auch helfen würde, einen Weg zurück in unsere Dimension zu finden’, überlegte sie missmutig. Sie warf den Rest der Frucht in hohem Bogen über die nächsten Bäume und blieb nach wenigen Metern verwundert stehen.
Sie stand vor einer Art Teich. Auch wenn man die grauschwarze Masse mit absoluter Sicherheit nicht als Wasser bezeichnen konnte. Das Irgendwas blubberte langsam und träge vor sich hin und Buffy fiel der üble Geruch in die Nase. Irgendwie kam es ihr bekannt vor und plötzlich wusste sie, woran das Ganze sie erinnerte. „Erdöl", brummte sie selbstzufrieden. „Zumindest etwas, was dem sehr nahe kommt."
Merkwürdiger Weise veränderte sich die Landschaft direkt hinter dem Tümpel. Die saftige, urwüchsige Landschaft machte etwas Platz, dass Ähnlichkeit mit einer Mondlandschaft hatte. Eine Geröllwüste mit Kratern, vielen Felsblöcken und keinerlei Grün. Nicht einmal ein vertrockneter Strauch war zu sehen.
„Was hast du da Nettes gefunden", hörte sie eine wohlbekannte Stimme und mit zusammengekniffenen Augen drehte sie sich herum.
„Wow! Du bist ja schon wieder angezogen", keifte sie gehässig. „Was sollte das wieder?"
„Slayer, dass war mit Sicherheit nicht das erste Mal, dass du einen nackten Mann gesehen hast", grinste Spike und wackelte mit den Augenbrauen während er sich mit der Hand durch die nassen Haare strubbelte.
Sie erkannte auf den ersten Blick, dass dies ein Thema war, das er gerne ausführlicher diskutieren würde. Deshalb sparte sich Buffy jegliche Antwort und umrundete den Tümpel vorsichtig. Die Steine die darum herum lagen, waren locker und wackelig und sie hatte keine Lust, in dieser Brühe ein Vollbad zu nehmen.
„Kannst du mir mal sagen, wo du hin willst?", rief Spike ihr hinterher. Er stand noch immer an dem stinkigen Teich und warf kleine Steinchen in die schlammige Masse, die erst nach geraumer Zeit untergingen.
„Ich werde mich umsehen", rief die Jägerin, ohne sich umzudrehen. „Vielleicht finde ich ja irgendetwas Brauchbares. Geh du mal schön zurück und setz dich wieder in den Fluss. Mit ganz viel Glück kommt eine Riesenwelle und spült dich weg. Für immer!"
„Haha!", brummte Spike und eilte ihr dann doch hinterher. „Worüber regst du dich eigentlich so auf?", triezte er. „Es war doch nicht das erste Mal, dass du einen nackten Mann gesehen hast."
„Nein", motzte Buffy und blickte ihn finster an. „Aber das erste Mal, dass ich einen durchgeknallten Vampir mit Sauberkeitsfimmel im Sonnenlicht gesehen habe! Und glaub mir, der Eindruck hat sich für immer und ewig in mein Gedächtnis eingebrannt!"
„Durchgeknallt? Sauberkeitsfimmel? Wovon redest du eigentlich?"
„Davon, dass du dich in dieser Welt vollkommen verrückt benimmst. In Sunnydale interessierst du dich kein Bisschen für Sauberkeit! Und hier? Meckerst an Thomas rum… Glaubst du ernsthaft, die Bären fragen danach, wie er aussieht?" Buffy stemmte ihre Hände wütend in die Hüften. „Er ist der einzigste Mensch in dieser beschissenen Welt! Es interessiert niemanden, wie er aussieht!"
„Deswegen kann er sich trotzdem…"
„Halt bloß die Klappe! Du…du Waschbär! Du gehst mir damit dermaßen auf den Sender!", fauchte Buffy nun völlig außer sich. „Ich will von deinem Waschzwang nichts mehr hören!" Wütend drehte sie sich um und stolzierte in die Gerölllandschaft.
Ziemlich verdattert blickte Spike ihr hinterher. Wirklich verstehen konnte er sie nicht. ‚Aber eines ist sicher’, überlegte er. ‚Auch sie dürfte mal ein bisschen Wasser abbekommen. Von der schmutzigen Hose mal ganz abgesehen!’
Seit mehr als zehn Minuten liefen sie jetzt durch das unwirtliche Gelände und Spike putzte sich immer wieder den Staub, der durch ihre Schritte aufgewirbelt wurde, von der Kleidung. Plötzlich blieb er ganz unerwartet zurück. „Slayer!", rief er mit wackeliger Stimme.
Die Jägerin, die immer schneller geworden war, um von dem übergeschnappten Vampir wegzukommen, sah sich genervt nach ihm um, stutzte dann und ging ein paar Schritte auf ihn zu. „Was ist mit dir?"
Der Vampir stand in gebückter Haltung da und hielt sich den Kopf mit beiden Händen. „Ich habe keine verfluchte Ahnung", knurrte er und richtete sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. „Aber wenn ich noch einmal von Baden rede, dann pfähl mich!"
„Was ist denn nun? Keine Badewanne voll mit duftigem Schaumbad? Davon hast du mir doch die ganze Zeit vorgeschwärmt…"
„Auch von dir will ich kein Wort mehr über irgendetwas hören, das mit Wasser zu tun hat", brummte er leise und setzte sich auf einen größeren Felsbrocken. Sein Schädel fühlte sich an, als würde er gleich explodieren. „Mein Kopf… der Chip…", murmelt er leise und sackte dann lautlos in sich zusammen.
„Na super!", meckerte Buffy, nachdem sie sich zu dem leblos daliegenden Vampir heruntergebeugt hatte. „Wir sind am Arsch dieser verdammten Dimension und er wird bewusstlos!" ‚Und was mach ich jetzt?’, fragte sie sich und blickte sich hilfesuchend um. Ihn hier liegen lassen konnte sie nicht. Sie hatte keine Ahnung, ob hier irgendwelche Gefahren drohten, von denen sie noch nichts wussten. Ihr blieb nichts anderes übrig. Sie hievte ihn hoch und trug ihn schweratmend den Weg zurück, den sie gekommen waren.
Je näher sie dem stinkigen Tümpel kamen, desto mehr Leben kam in den bewusstlosen Körper des Vampirs. Er zuckte unkontrolliert und Buffy konnte ihn schließlich nicht mehr halten. Völlig außer Atem legte sie ihn ab, setzte sich tief nach Luft schnappend auf den sandigen Boden und wischte sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn.
Mehrere Minuten beobachtete sie sein merkwürdiges Gebaren, stand dann auf und beugte sich in dem Moment über ihn, als er die Augen aufschlug.
„Verfluchte Hölle", knurrte er leise und blickte sie verwundert an. Vorsichtig und mit schmerzverzehrtem Gesicht richtete er sich auf, lehnte sich an einen Felsbrocken und blickte sich beinahe verwundert um. „Was für eine beschissene Welt ist das?", brachte er dann mühsam hervor und schloss die Augen.
„Ich weiß es nicht", erwiderte Buffy einigermaßen erleichtert. „Aber scheinbar hast du hier so etwas wie eine magische Grenze. Anscheinend kannst du dich nicht sehr weit hinter diesem Tümpel bewegen", meinte sie und zeigte mit der Hand auf das Schlammloch, das einige hundert Meter weit entfernt war.
„Wirklich ganz toll", brummte er unwirsch. „Und dahinter mutiere ich wieder zum Waschlappen. Dieses Mal in der wahren Bedeutung des Wortes!"
Ob sie nun wollte oder nicht, Buffy musste lachen und fing sich dafür einen bitter bösen Blick des Vampirs ein. „Ich bin mir, ehrlich gesagt, nicht ganz sicher", grinste sie hinterhältig.
„Bei was bist du dir nicht sicher?", fragte Spike knurrig. Er versuchte sich weiter aufzurichten, ließ es dann bleiben und lehnte sich wieder gegen den Felsen.
„Was mir lieber ist. Also…, ich meine dich."
„Verflucht! Wovon zur Hölle sprichst du?", maulte der Vampir. Er hatte keine Lust auf irgendwelche dummen Spielchen und sein Gesichtsausdruck zeigte dies überdeutlich.
„Na ja, ob es mir lieber ist, dass du dich in einen Waschbären verwandelst oder, ob du mir bewusstlos nicht doch besser gefällst."
„Pffft…", machte Spike und verzog das Gesicht. „Schlepp mich einfach zurück in diesen Staubhaufen und lass mich da liegen! Vielleicht gibt es hier ein paar nette Geier, die dann den Rest für dich erledigen." Er stemmte sich mühsam hoch, stützte sich an dem Felsen ab und stand schließlich auf seinen eigenen wackeligen Beinen.
„Die Idee ist nicht schlecht", erwiderte Buffy und stand ebenfalls auf. „Aber meiner nicht würdig. Wenn, dann erledige ich dich so, wie es sich für eine Jägerin gehört."
Doch, anstatt dagegen anzuwettern, erwiderte Spike ernst: „Wenn ich nicht bald was zu beißen bekomme, wirst du genau das wohl müssen." Er blickte ihr noch einmal kurz in die Augen und ging dann langsam, einen Fuß vor den anderen setzend, auf den Tümpel zu.
Im ersten Moment starrte sie ihm sprachlos hinterher, im Zweiten stimmte sie ihm zu. Auch wenn es ihr nicht gefiel ihr letztes Bindeglied in ihre eigene Dimension zu verlieren, wusste sie doch, dass ihr vielleicht gar keine andere Wahl bleiben würde. Irgendwann würde der Hunger ihn soweit treiben jemand anzugreifen, und genau das durfte sie niemals zulassen. So merkwürdig wie er mit dem Chip reagierte, war auf dieser Welt einfach alles möglich.
Schweren Herzens stand sie auf. Der Gedanke daran ihn wirklich pfählen zu müssen gefiel ihr im Grunde überhaupt nicht. Buffy gab es nicht gerne zu, aber seit Spike sie im Kampf gegen das Böse unterstützte, war ihr Dasein als Jägerin leichter geworden. Er war der einzigste auf den sie nicht aufpassen musste, wenn es zu einem Kampf kam. Giles, Willow und die Anderen meinten es gut und Buffy war ihnen sehr dankbar dafür, dass sie nicht alleine in der Finsternis stehen musste. Aber sie lenkten sie auch oft ab. Manchmal zu oft.
Spike kämpfte wie besessen, gab immer das Äußerste und so manches Mal hatte Buffy sich gefragt, warum er es tat. Sie stritten, sie zankten und sie hassten sich, und doch vertraute sie ihm. ‚Zumindest in gewisser Weise’, überlegte sie sich.
„Das wird nicht einfach", murmelte sie dann leise und ging langsam hinter dem Vampir her.
Teil 7
Buffy hörte den gewaltigen Tumult, der scheinbar aus der Nähe der Höhle kam und sie eilte den Weg zurück, den sie gegangen war. Sie rannte über die Wiese und wunderte sich darüber, dass die Bärchen einen solchen Lärm veranstalteten. Spike konnte sie nicht hören, auch keine Kampfgeräusche. Buffy wischte im Lauf einen Ast zu Seite und sprang, jede Faser ihres Körpers kampfbereit, mit einem einzigen großen Satz auf die Ebene.
Wie angewurzelt blieb sie stehen und starrte auf das Spektakel, das sich vor ihr auftat. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff, dass der Lärm, den die Bärchen aufführten, wohl eine Art Gesang sein sollte und keine Gefahr ausdrückte. Die kunterbunten Wesen umrundeten Thomas, sprangen und kletterten an ihm hoch und liefen dann wieder wild durcheinander. Buffy fragte sich, ob dieses Verhalten normal war, oder ob es einen besonderen Anlass für das eigenartige Gebaren der Tiere gab.
Dann drehte sich Thomas zu ihr um und Buffy blieb vor Schreck beinahe die Luft weg. Auch, wenn Spike mit seinem Sauberkeitsfimmel nervte, dieses Mal hatte er Recht behalten. Thomas war beinahe nicht wieder zu erkennen. Sein verfilzter Bart war ab und auch das wirre Haar war abgeschnitten worden. Er war sauber und Buffy erschrak. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er Mitte vierzig oder älter sein musste. Jetzt aber musste sie sein Alter wohl eher auf Mitte Dreißig einordnen, wenn er überhaupt schon so alt war.
„Wo ist Spike?", fragte sie, um sich aus der Verlegenheit, die sie seltsamer Weise überfallen hatte, zu lösen.
„In der Höhle", erwiderte der Angesprochene und zuckte mit den Schultern. „Er sah angeschlagen aus, als er wieder kam. Er sagte, es ginge ihm nicht gut und er würde sich hinlegen."
„Buffy!", rief auf einmal eine laute, wohlbekannte Stimme und die Jägerin sah sich erschrocken um.
„Willow? Wie kommst du hier her?" Komplett verblüfft starrte sie die Hexe an, die jetzt langsam auf sie zukam. Allerdings ging Willow nicht, sie schwebte langsam auf sie zu.
„Göttin, bin ich froh, dass ich euch endlich gefunden habe!" Die Rothaarige lächelte und seufzte dann. „Ich habe die Hoffnung schon fast aufgegeben."
„Wie? …Was? …Warum?" Buffy war verwirrt. „Die Hoffnung aufgegeben? Wir sind doch erst einen Tag hier!"
„Einen Tag?" Jetzt war es an Willow, verblüfft dreinzuschauen. „Ihr seid seit drei Tagen weg!"
„Okay!" Die Jägerin zog das Wort in die Länge. „Scheinbar vergeht die Zeit in beiden Dimensionen unterschiedlich. Aber das erklärt immer noch nicht, warum du hier bist und wie du hier hergekommen bist."
„Ich bin nicht wirklich hier. Es ist ein Zauber, eine Illusion. Besser gesagt, eine Astralprojektion. Ich bin in der Magic Box. Giles und Xander…, wir alle haben lange gebraucht, den Bromlyin ausfindig zu machen und es hat noch länger gedauert ihn zur…ähm… Mithilfe zu bewegen."
Hinter sich hörte Buffy jemanden vernehmlich husten. „Oh. Entschuldige. Willow, das ist Thomas, er ist schon etwas länger in dieser Welt."
„Hi", meinte Thomas verlegen und grinste. „Nett, dich kennen zu lernen."
„Ganz meinerseits", meinte Willow und streckte ihre Hand aus. „Oh, das geht ja nicht", lachte sie dann und zog sie wieder zurück. „Wo ist Spike und was sind das für kleine knuffige kleine Wesen?" Sie deutete auf die bunten Bärchen, die noch immer über die Ebene tollten.
„Spike ist in der Höhle", meinte Buffy und deutete mit der Hand hinter sich.
„Und die Bärchen.., nun ja, es sind einheimische, sehr freundliche Tierchen. Ich
hab so viele Fragen. Wie geht es Dawn und meiner Mom? Ist alles okay zu Hause?
Drei Tage? Wieso…? Wann holt ihr uns zurück? Könnt ihr uns zurückholen?"
„Mal langsam an", lächelte die rothaarige Hexe. „Ich werde dir alles erklären
und ja, wir können euch zurückholen. Wir werden an einem Zauber für das
Dimensionstor basteln. Giles ist ihm schon auf der Spur." Sie wandte sich an
Thomas. „Ich nehme an, du willst auch zurück?"
Seltsamerweise antwortete der Angesprochene nicht sofort. „Ich weiß es nicht", murmelte er dann leise und kratzte sich verlegen am Kinn. „Ich hatte nie die Gelegenheit, darüber nachzudenken. Wer weiß, ob ich zu Hause in alte Gewohnheiten zurückfalle?" Er nahm eines der bunten Wesen auf den Arm, nickte den beiden jungen Frauen noch einmal zu und entfernte sich dann rasch in Richtung des Flusses.
„Was für Gewohnheiten?", fragte Willow und sah ihre Freundin an.
„Wir haben wohl Beide eine Menge zu erzählen", meinte Buffy und setzte sich ins Gras.
„Ich weiß nicht, wie lange ich hier bleiben kann", meinte Willow leise und setzte sich ebenfalls. „Und ihr meint, ihr wärt erst einen Tag hier. Das ist wirklich seltsam. Gut, dass ein langes Wochenende ist, sonst hätten wir dein Fehlen am College wirklich kaum erklären können."
„Und ich kann mir kaum vorstellen, dass schon drei Tage vergangen sein
sollen", erwiderte Buffy und kräuselte die Stirn. „Ist bei Euch alles in
Ordnung?"
„Ja, alles okay. Wir hatten nur ein kleineres Problem mit einigen Vampiren.
Nichts Außergewöhnliches!"
„Wie geht es meiner Mom und Dawn?"
„Alles in Ordnung", meinte die Rothaarige und lächelte. „Ich bin so froh, euch gefunden zu haben."
„Und wie genau hast du uns gefunden?", fragte Spike, der sich lautlos zu den Beiden gesellt hatte.
„Hey, Spike", meinte Willow und nickte. Dann sah sie hoch zur Sonne und
blickte dann wieder den Vampir an, der hämisch grinste.
„Red", brummte der Vampir ungeduldig und wartete gespannt auf ihre Antwort.
„Wir haben lange nach euch gesucht und dann ist uns dieser Dämon über den Weg
gelaufen. Wir hätten ihn fast vernichtet, aber Giles hat uns im letzten Moment
aufgehalten. Er hat uns erklärt, dass der Bromlyin Menschen in andere Dimension
schicken kann und er meinte, vielleicht sei genau das mit euch geschehen.
Allerdings hat es einige Zeit gedauert, ihn zur Mitarbeit zu überreden."
„Wie habt ihr ihn überredet?", erkundigte sich Buffy neugierig.
Willow murmelte unverständliche Worte und die Jägerin meinte zu sehen, dass ihre beste Freundin tatsächlich ein wenig rot wurde.
„Sagen wir es mal so, wir haben eine sehr empfindliche Stelle an ihm entdeckt und danach war er ausgesprochen hilfreich."
„Ihr habt ihn an den Eiern", grinste Spike und lachte dann schallend. „Wirklich eine ausgesprochen clevere Idee!"
„Ähm…ja…ich weiß nicht,…" Willow verhaspelte sich und Buffy hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht schallend loszulachen.
„Ich muss los", meinte Willow plötzlich. „Ich kann nicht länger hier bleiben", sagte sie und lächelte traurig. „Wir werden euch hier bald herausholen. Ganz bestimmt!" Kaum hatte sie den letzen Satz ausgesprochen, da war sie auch schon verschwunden.
„Gott sei Dank", murmelte Buffy, stand auf und wischte sich die Hände an der Hose ab.
„Es wird wohl nicht allzu lange dauern", sagte Spike und nahm mit einem Seufzen das lila Bärchen in Empfang, das gerade sein Bein heraufkrabbelte. „Wenn die Zeit wirklich so unterschiedlich vergeht, wird es wohl nur wenige Minuten dauern, bis wir von dieser elenden Welt wegkommen."
„Ich muss mit Thomas sprechen", sagte Buffy und grinste ihr Gegenüber an. „Aber du solltest dir wirklich überlegen, das Tierchen mitzunehmen. Es passt ausgezeichnet zu dir!" Sie verschwand, bevor der blonde Vampir eine passende Antwort geben konnte.
Buffy fand Thomas unter einem Baum sitzend. Einige der bunten Wesen hatten sich um ihn versammelt und er sah nicht einmal auf, als Buffy sich zu ihm runterbeugte.
„Alles in Ordnung?", fragte die Jägerin und musste eine geraume Zeit warten, bevor sie eine Antwort bekam.
„Ja. Nein. Ich weiß nicht…", murmelte Thomas leise und sah sie seufzend an.
„Welches Jahr haben wir?"
Buffy nannte ihm die Jahreszahl und er schüttelte den Kopf. „Dann habe ich ja
richtig gerechnet. Ich hätte es wissen müssen, schon an der Art, wir ihr
gekleidet seid."
„Was hättest du wissen müssen?", erkundigte sich die Jägerin verwirrt.
„Buffy, ich bin seit über 46 Jahren hier. Verstehst du nicht? Die Zeit
vergeht hier viel langsamer."
„Doch", erwiderte sie. „Das habe ich verstanden. Aber was willst du damit
sagen?"
„Ich komme aus einer völlig anderen Welt als du. Der Krieg war noch nicht einmal
zu Ende und ich… Ich glaube nicht, dass ich mich in deiner Welt jemals
zurechtfinden würde."
„Du willst hier bleiben?" Erstaunt hob Buffy die Augenbrauen. „Hier? In dieser Dimension?" Sie setzte sich auf den Boden und nahm das grüne Bärchen auf den Arm, das sich wie immer in ihrer Nähe aufgehalten hatte.
„Ja. Weißt du… Meine Mutter ist, wenn sie noch lebt, schon fast achtzig Jahre alt und ich glaube kaum, dass sie den Schock über meine plötzliche Wiederkehr überleben würde. Ich habe keine anderen Verwandten, niemanden, der sich überhaupt noch an mich erinnert." Er sackte ein kleines Stückchen in sich zusammen und wischte sich rasch eine Träne aus den Augen. „Ich kann nicht zurück. Außerdem brauchen die Bärchen mich." Er rutschte ein kleines Stückchen höher und lehnte sich an den Baum. „Es tut mir leid", murmelte er dann.
„Was tut dir leid?", fragte Buffy nun vollkommen verwirrt.
„Ich wollte dich nicht mit meinen Sorgen belasten", erwiderte Thomas und verzog das Gesicht.
„Das hast du nicht, aber du solltest es dir wirklich noch einmal gut überlegen", meinte sie dann und stand auf. „Hier bist du ganz alleine und auf der Erde… Du könntest ein ganz neues Leben beginnen."
Thomas seufzte und nickte. „Ich werde es mir überlegen", versprach er und er
sah Buffy an, die aufstand, um ihm die Möglichkeit des Alleinseins zu geben.
„Wann werden deine Freunde kommen, um euch zu holen?"
„Es wird nicht sehr lange dauern", sagte Buffy und nickte ihm aufmunternd zu.
„Bis gleich."
„Ja, bis gleich", murmelte Thomas und zog ein Bärchen auf seinen Schoß.
„Meinst du, er kommt mit?", fragte Spike neugierig und sah sich ununterbrochen um. Scheinbar konnte er es gar nicht erwarten, von hier wegzukommen.
„Ich weiß es nicht. Ich kann ihn schon irgendwie verstehen", erklärte die Jägerin und strich sich die Haare hinter die Ohren. „Vierzig Jahre ist eine lange Zeit und die Welt ist nicht mehr die, die er kennt. Aber, ob das ausreicht, um hier zu bleiben? Also, ich würde wahrscheinlich doch zurückgehen."
„Auf jeden Fall sollte er sich schnell entscheiden", murmelte Spike und deutete auf einen Punkt auf der Ebene. „Willow und Giles öffnen das Tor."
Buffy folgte seiner Handbewegung mit den Augen und sah auf einen kleinen goldenen Kreis, der sich rasch vergrößerte. „Thomas!", rief sie. „Es ist soweit!"
Das Dimensionstor war mittlerweile weit geöffnet und Spike konnte Giles, Willow und Xander sehen, die alle drei erleichtert lächelten. „Ich geh dann mal", meinte er und nickte Buffy zu. „Bis gleich!"
Buffy nickte ebenfalls und drehte sich dann Thomas zu, der jetzt langsam auf sie zuschritt. „Bist du bereit?"
„Ich habe mich entschieden. Ich werde hier bleiben. Ich kann nicht zurück", erklärte er leise und lächelte dann. „Das hier ist jetzt meine Welt und ich kann auch meine ganzen kleinen Freunde nicht alleine lassen."
„Ich verstehe", meinte Buffy leise und lächelte ihm dann aufmunternd zu. „Vielleicht… vielleicht schafft es Willow ja, irgendwann erneut ein Tor in diese Welt zu öffnen." Sie zuckte mit den Schultern. „Ich wünsche dir alles Gute!" Die Jägerin kraulte dem grünen Bärchen ein letztes Mal die Ohren und übergab es dann an Thomas. „Pass gut auf ihn auf", sagte sie leise.
Thomas nickte. „Ich verspreche es dir", meinte er. „Du musst los", sagte er dann und deutete auf das Tor, das ganz langsam kleiner wurde.
Buffy warf einen Blick darauf und sah Willow und Giles heftig winken. „Ja, es wird Zeit. Vielleicht sehen wir uns wieder. Bye", sagte sie und lief im gleichen Moment los.
Mit einem Hechtsprung rettete sie sich, denn das Tor schloss sich bereits. Das letzte, was sie von der fremden Dimension sah, war ein winkender Thomas.
„Er wollte anscheinend nicht mit", sagte Giles leise, der sicherlich von Willow aufgeklärt worden war.
„Nein, wollte er nicht", erwiderte Buffy und richtete sich auf. „Ist hier bei euch alles in Ordnung?" Sie musste sich dringend ablenken. Auch, wenn sie Thomas nicht wirklich gut kannte, so fiel es ihr doch schwer, ihn einfach zurückzulassen.
„Ja, alles okay", erwiderte Xander und grinste breit. „Welche Dimension steuert ihr nächste Woche an? Irgendwie scheint das ja euer neues Hobby zu sein."
„Gar keine", brummte Buffy missmutig. „Trotz Dämonen, Vampiren und sonstiger Monster gefällt mir diese Welt immer noch am besten." Sie setzte sich auf einen freien Stuhl. „Apropos Monster… Wo ist Spike?"
„Er sagte was von einer tiefer Schlammgrube und einem Haufen Dreck", meinte Giles und sah Buffy fragend an. „Kannst du da was mit anfangen?"
Buffy lachte lauthals. „Ja, das kann ich allerdings. Aber das ist eine lange Geschichte.
„Wir haben Zeit", erklärte Xander grinsend und setzte sich ihr gegenüber.
„Stimmt, die haben wir", erklärten auch Giles und Willow. Sie setzten sich ebenfalls an den runden Tisch und Giles griff nach dem letzten Donut, der in einer Pappschachtel auf dem Tisch lag.
Buffy lachte noch immer. „Also gut", meinte sie dann und begann mit einer sehr ausführlichen Erklärung. Auch wenn sie auf Reisen in eine fremde Dimension durchaus verzichten konnte, diese Welt würde sie niemals vergessen. ‚Lila`, schoss es ihr durch den Kopf und sie hatte Mühe, nicht wieder in lautes Gelächter auszubrechen. Das nächste was sie unbedingt machen musste, war in einem Spielzeuggeschäft einen lila Teddybären aufzutreiben. Spike ärgerte sie, wann immer er konnte. Nun würde sie den Spieß einmal umdrehen und sie würde jeden einzelnen Augenblick davon genießen. Bis zum bitteren Ende!