
Afterglow
Lautes Gelächter dröhnte durch die Hotelhalle. Gläser klirrten in unregelmäßigen Abständen aneinander und laute Stimmen, die wild durcheinander sprachen, hallten durch den hohen Raum. Doch Angel bekam von all dem nichts mit. Wie gebannt starrte er auf Spike, lauschte seiner Stimme und blendete alle anderen Geräusche um sich herum aus.
Der blonde Vampir stand hinter dem Tresen, sang leise vor sich hin und blätterte dabei in einem Waffenkatalog. „Santa baby, just slip a sable under the tree, for me, bin an awful good…boy. "
Angel lächelte sanft. Sein Geliebter hatte wirklich eine fantastische Singstimme und er liebte es, ihm zuzuhören. ‚Aber ob ein Zobel das richtige ist?’, schmunzelte er verschmitzt. ‚Wahrscheinlich eher nicht.’
„Wovon träumst du denn schon wieder?", riss Spike ihn mit einem süffisanten Grinsen aus seinen Tagträumen. Er hatte seinen Katalog zur Seite gelegt, hatte den Tresen umrundet und Angel dabei unablässig beobachtet. Der dunkelhaarige Vampir hatte keine Miene verzogen und weiter ins Leere gestarrt.
„Ich habe nicht geträumt", brummte der Dunkelhaarige.
„Dann eben gegrübelt!"
„Ich habe auch nicht gegrübelt", fuhr Angel hoch und machte ein böses Gesicht.
„Wie auch immer", grinste Spike spöttisch, gab seinem Schatz einen flüchtigen Kuss auf die Wange und sah ihn lächelnd an. „Was meinst du? Gehen wir da rüber und mischen mit?"
Angel drehte sich herum, sah den Rest seiner Crew um einen riesigen und furchtbar bunten Weihnachtsbaum stehen und seufzte. „Das ist eigentlich nichts für mich, das weißt du genau."
„Aber ich habe gesehen, das Wes eine Flasche vierzig Jahre alten Whiskey gekauft hat", grinste Spike.
„Hm. Vierzig Jahre alten Whiskey sagst du?", wiederholte Angel und legte seine Stirn überlegend in Falten.
„Ach, komm schon. Weihnachten ist nur einmal im Jahr und wir Beide werden uns jetzt sinnlos betrinken!" Spike lachte und blinzelte ihm verschwörerisch zu.
„Dazu brauchen wir aber mehr als nur eine Flasche", erwiderte Angel und konnte ein leises Schmunzeln nicht verbergen.
„Wir fangen einfach mit dem guten Stoff an und arbeiten uns dann zu dem Fusel durch, der in dem Barfach für Kunden steht." Der blonde Vampir wackelte mit den Augenbrauen und nahm die Hand seines Geliebten.
„Ich verstehe überhaupt nicht, warum ihr unbedingt Weihnachten feiern wollt. Keiner von denen hat einen christlichen Glauben, zumindest nicht mehr so, wie es dafür sein sollte", brummte Angel und zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Und wir beide schon gar nicht", brummte er und zog seine Hand zurück.
„Es geht hier auch nicht darum, die Geburt von irgendwem zu feiern", nörgelte Spike. „Jedenfalls nicht für uns. Es geht darum, wieder ein Jahr überlebt zu haben. Darum, mit den Menschen zu feiern, die das ganze Jahr den gleiche Mist durchmachen wie wir. Und das, ohne völlig den Verstand zu verlieren."
„Manchmal vergesse ich, dass sie Menschen sind", gestand Angel. „Außer Lorne und Cordelia natürlich. Aber sie ja nur zu einem kleinen Teil."
„Gehen wir jetzt rüber, oder grübeln wir weiter?", fragte Spike und lachte laut. „Ach, komm schon!", meinte er leise, als der ältere Vampir finster dreinblickte. „Sonst bekommst du kein Geschenk von mir."
„Und wenn du mich noch länger ärgerst, bekommst du keins von mir!"
„Du hast mir ein Geschenk gekauft?", erkundigte der Blonde sich überrascht. Er wackelte mit den Augenbrauen und wippte gut gelaunt auf und ab.
„Das sage ich dir später", sagte Angel, lächelte hinterhältig und ging auf den Rest der Crew zu. „Jetzt gehe ich erstmal einen vierzig Jahre alten Whiskey trinken."
‚Mist, verdammter!’, dachte Spike. ‚Jetzt hat er mich schon wieder drangekriegt!’ Er sah auf den stattlichen Rücken seines Geliebten und ließ seinen Blick langsam tiefer wandern. „Aber dafür kriege ich dich nachher", murmelte er leise und ein breites Grinsen legte sich auf sein Gesicht.
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Nur äußerst widerwillig wurde Spike wieder wach. Sein Kopf brummte munter vor sich hin und er hatte den Geschmack von sandigen Waschlappen im Mund. Vorsichtig öffnete er ein Auge, bereute den Versuch sofort und schloss es schleunigst wieder. In seinem Schädel explodierte ein mittelgroßes Feuerwerk und er murmelte unverständlich vor sich hin.
„Auch wieder unter den Lebenden?", hörte er Angels Stimme, die vor Schadensfreude nur so strotzte.
„Lass mich in Ruhe. Mit dir rede ich heute kein Wort", nuschelte der blonde Vampir.
„Warum nicht?", erkundigte Angel sich überrascht.
„Ich habe kein Geschenk von dir bekommen!"
„Du warst viel zu betrunken, um das überhaupt zu merken", lachte der
Dunkelhaarige.
„Dafür bemerke ich es jetzt!". schimpfte Spike beleidigt.
Angel stand neben dem Bett und schmunzelte, als der Jüngere sich die Decke bis über beide Ohren hochzog. „Du hättest die Flasche Wodka ja nicht mehr unbedingt trinken müssen", sagte er, setzte sich auf die Bettkante und strich sanft über den verhüllten Rücken seines Schatzes.
„Es war aber kein Whiskey mehr da", murmelte Spike in sein Kissen.
„Man sollte meinen, dass vier Flaschen reichen!"
„Wir waren zu dritt", motzte der Blonde leise.
„Nicht wirklich", erwiderte Angel. „Wes hat sich nach dem vierten Glas verabschiedet und ich nach der zweiten Flasche." Langsam zog er die Decke herunter und streichelte zärtlich über Spikes Wange. „Du hast den Rest alleine erledigt", sagte er, beugte sich herab und küsste ihn flüchtig auf die Wange.
„Wow. Doch soviel. Dann hatte ich scheinbar mächtig Durst."
„So kann man das auch sagen", lächelte Angel. Seine Hand fuhr unter die
Bettdecke und dann langsam über Spikes Rücken. „Was meinst du? Bist du trotz des
Katers bereit, dich wieder in den Kampf zu stürzen?"
„Wenn du so weiter machst, nicht", murmelte Spike und rückte ein Stückchen näher an seinen Schatz. „Warum müssen wir überhaupt schon wieder raus? Es ist Weihnachten und selbst die idiotischsten Dämonen halten sich jetzt zurück. Ist es überhaupt schon dunkel?"
„Schon seit zwei Stunden", lachte Angel. „Und scheinbar haben sich ein paar Morloks gedacht, Weihnachten wäre eine gute Zeit, um Ärger zu machen. Wir müssen sie aufhalten, bevor sie weitere Dämonen in unsere Dimension holen." Er zog die Decke bis zu den Oberschenkeln seinen Geliebten herunter und gab ihm dann einen kräftigen Klaps auf das Hinterteil.
„Verdammt", fluchte der Blonde und fuhr hoch. Er hielt sich den schmerzenden Kopf und funkelte Angel böse an. „Das vorher hat mir besser gefallen", schmollte er und seufzte dann. „Wie eilig ist dieser Mist denn schon wieder?"
„Welcher Mist?", fragte der Dunkelhaarige verwirrt.
„Oh, Mann! Diese Morlok Chaoten!", schimpfte Spike.
„Wir sollten das schnellstens erledigen", sagte Angel und stand auf. „Ich
warte unten in der Halle auf dich."
„Gib mir zwanzig Minuten", brummte Spike und erhob sich ebenfalls. „Dann kann
ich noch unter die Dusche und wieder einen Vampir aus mir machen."
„Was bist du denn jetzt?", fragte der Ältere belustigt.
„Keine Ahnung", murrte der Blonde. „Irgendwas zwischen einem Säufer und einem
Vollidioten."
„Den Säufer verstehe ich ja", sagte Angel und runzelte die Stirn. „Aber warum
Vollidiot?"
„Weil ich so bescheuert bin und dir schon wieder helfe", maulte Spike. Und das, obwohl ich kein Weihnachtsgeschenk von dir bekommen habe. Sogar Fred hat mir einen merkwürdigen Schal geschenkt."
„Du bekommst mein Geschenk schon noch", erwiderte Angel leise und seufzte dann. „Wir müssen nur erst…"
„…diesen bescheuerten Morloks in den Hintern treten", beendete Spike den Satz. „Ich weiß! Ja ja!" Ohne ein weiteres Wort zu sagen, schnappte er sich seine Sachen und verschwand im Badezimmer. Er war sauer und auch ein kleines bisschen beleidigt und Angel durfte das ruhig merken. Er hatte sich für Angels Geschenk (das dämliche Schwert des Aitvaros), beinahe ein Bein ausgerissen. Da konnte man doch erwarten, selbst ein Geschenk zu bekommen!
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„War es das jetzt?", fauchte Spike. Er blickte Angel böse an und untersuchte dann den Riss in seinem Mantel. Die Klaue eines Morloks hatte sich darin verfangen und ihn fast dreißig Zentimeter weit aufgeritzt.
„Ich denke schon", erwiderte Angel, wischte sich das Blut von der aufgeplatzten Oberlippe und sah sich das Schlachtfeld ein letztes Mal an. Der Kampf war hart gewesen und seine Lippe war nicht die einzige Blessur, die er davon getragen hatte. „Warum hast du eigentlich so schlechte Laune? Normalerweise macht dir ein solcher Kampf doch Spaß!"
„Für gewöhnlich vielleicht", meckerte Spike und drängte seinen Dämon zurück. „Aber heute? Nicht nur, dass Weihnachten ist… Nein! Jetzt ruinieren mir diese Mistviecher auch noch meinen Mantel!"
„Ich weiß, du hast ihn schon ziemlich lange", murmelte Angel und schob den Oberkörper eines Dämons von seinen Füßen. „Aber warum kaufst du dir nicht mal einen neuen? An dem Ding ist doch nichts mehr Original. Er besteht nur aus Flicken!" Und da Spike ihn wütend anstarrte, hob er abwehrend die Arme. „Hey, war nur ein Vorschlag."
„Ob Original oder nicht", motzte der Blonde. „Er gehört zu mir und das wird sich auch nicht ändern. Es wäre das gleiche, als wenn du das Grübeln aufgeben müsstest!"
„Erstens! Ich grübele nicht! Und zweitens, ist das etwas ganz anderes."
„Nein, ist es nicht", erwiderte Spike etwas sanfter. „Es gehört zu dir, wie der Mantel zu mir." Er machte eine kurze Pause. „Können wir jetzt zurück fahren?"
„Ja. Nein. Ja. Die Morloks lösen sich einfach auf. Hat Wes jedenfalls behauptet", meinte Angel und sah auf den leblosen Körper eines Dämons. „Aber zurück können wir noch nicht. Wir müssen noch kurz woanders vorbei."
„Wohin denn noch?", meckerte der Blonde gleich wieder los.
„In ein Lagerhaus", sagte der Dunkelhaarige leise und blickte schnell in eine andere Richtung.
„Noch ein verdammtes Lagerhaus", motzte Spike und untersuchte wieder den Riss im Ledermantel. „Und was zum Teufel sollen wir da?"
„Das weiß ich auch nicht so genau", murmelte Angel undeutlich, drehte sich schnell herum und ging zu seinem Auto.
‚Was zur Hölle war das denn jetzt?’, überlegte Spike und schüttelte den Kopf. Er sah ihm stirnrunzelnd hinterher und seufzte dann. ‚Der Abend ist eh gelaufen, also können wir auch gleich die nächste Schlägerei anzetteln.’
Sie fuhren eine Weile durch die ausgestorbenen Straßen und Spike kam es bald so vor, als wüsste der Ältere selbst nicht so genau, wo er eigentlich hin wollte. „Alles okay?", fragte er leise und legte seine Hand auf den Oberschenkel seines Schatzes.
„Ja. Nein. Ich weiß nur nicht…", brabbelte Angel und schaute stur geradeaus.
„Vielleicht war es eine blöde Idee."
„Was war eine blöde Idee?"
„Wir sind da", sagte Angel, ohne auf die Frage des Jüngeren einzugehen. Er parkte seinen Wagen, stieg aus und blieb vor einem großen Rolltor stehen. „Willst du nicht aussteigen?", fragte er verwirrt, da Spike ihm nicht gefolgt war, sondern immer noch im Wagen saß.
„Wenn du mir mal sagen würdest, was zum Henker ich da soll…"
„Rein gehen", erwiderte Angel, öffnete das Tor und verschwand in der Dunkelheit der Halle.
„Na super", zischte Spike und sprang aus dem Auto. „Du hast doch keine Ahnung, worauf du dich einlässt", schimpfte er und eilte seinem Geliebten hinterher. Gerade als er das Tor passierte, flammte das Licht in der Halle an und er verzog geblendet das Gesicht. Neugierig sah er sich in der Lagerhalle um, doch das einzige, was er sah, war ein schwarzer Ford Mustang.
„Frohe Weihnachten", hörte er Angel hinter sich murmeln und er sah sich verwirrt um.
„Was soll das Ganze?", fragte er kopfschüttelnd.
„Ich weiß auch nicht… War eben ein blöder Gedanke. Ich hätte es besser wissen müssen."
„Was hättest du besser wissen müssen?", fragte Spike nun komplett verwirrt.
„Na, dein DeSoto. Aber er war wirklich… Und überhaupt...Ich…"
Spikes Augen wurden groß. So langsam begriff er, was der Ältere gerade zu erklären versuchte und er drehte sich herum. „Der ist für mich?"
„Ja, ein 66er Ford Mustang Cabrio, nachtschwarz und mit einer Menge Chrom. Er ist kein DeSoto, aber deiner war wirklich nicht mehr zu retten. Ich habe es versucht…"
Der Blonde wirbelte herum, grinste über das ganze Gesicht und sprang seinem Geliebten beinahe in die Arme. „Du schenkst mir dieses Auto?", vergewisserte er sich und küsste seinen Schatz stürmisch, als dieser zustimmend nickte. „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", murmelte er fassungslos und hüpfte dann aufgeregt auf und ab. „Wo ist der Schlüssel?"
„Hier", meinte Angel und überreichte lächelnd das Gewünschte.
Spike nahm ihn in Empfang, eilte zu seinem neuen Wagen und sprang beinahe hinein. Er startete ihn, gab einige Male kräftig Gas und lachte dann. „Wow! Das nenne ich Sound!", schrie er, als er den Motor wieder hochjagte.
Angel lächelte erleichtert. Nach der Diskussion über Spikes Mantel war er sehr verunsichert gewesen. Er hätte wissen müssen, wie sehr der Blonde an seinen alten Sachen hing. Aber jeder Mechaniker der Stadt hatte abgewinkt, wenn er dessen alte Karre reparieren lassen wollte.
„Du grübelst ja schon wieder", riss Spike ihn grinsend aus seinen Gedanken.
„Gefällt er dir?"
„Er ist super", freute sich der blonde Vampir. Er trat nah an seinen Geliebten und seine Hand fuhr sanft über dessen Wange. „Ich liebe dich", murmelte er leise und küsste Angel dann stürmisch. „Und jetzt komm", flüsterte er, nachdem er den Kuss gelöst hatte. „Ich kenne da einen fantastischen Ort, an dem ein solcher Wagen eingeweiht werden muss."
„Und was für ein Ort ist das?", erkundigte sich Angel stirnrunzelnd.
„Einer, an dem man ungehindert wilden und hemmungslosen Sex haben kann", grinste der Jüngere und wackelte mit den Augenbrauen. Er griff nach dem Arm seines Liebsten und bugsierte ihn sanft in Richtung des Mustangs. „Und genau das werden wir machen." Er zog Angel in eine Umarmung. „Frohe Weihnachten", murmelte er leise und eroberte die Lippen seines Geliebten.