
A cursed Christmas
Eve
Willow konnte es noch immer nicht fassen. Sie starrte ihre Gäste an, als wären sie nicht von dieser Welt. Es konnte einfach nicht sein. Durfte nicht sein! Warum hatten sie alle so gute Laune? Oder war das alles nur vorgetäuscht, damit sie sich nicht noch schlechter fühlte?
Es war das erste Mal, dass sie zu einem Weihnachtsessen eingeladen hatte und es war eine große Katastrophe. ‚Wie hat das nur alles so schief laufen können’, überlegte sie niedergeschlagen und ihre Stirn legte sich in tiefe Falten.
Channuka war gestern zu Ende gegangen und ihre Eltern hatten sich am frühen Nachmittag in einen, wie sie meinten, wohl verdienten Urlaub verabschiedet.
‚Ja, und ich hohle Nuss muss ja unbedingt Leute einladen’, überlegte sie verdrießlich. ‚Ein ruhiger Abend mit Oz wäre bedeutend einfacher und entspannter gewesen.’
Sie blickte Oz an, der ihr schräg gegenüber saß und sie konnte sehen, dass er wieder einmal ihre Gedanken erraten hatte. Er zwinkerte kurz, zuckte mit den Schultern und lächelte dann. Ganz so, als wollte er sagen, das alles nur halb so schlimm war.
Aber das war es nicht. Nicht für Willow. Sie hatte sich so auf Heiligabend gefreut. Eigentlich durfte sie es gar nicht, immerhin war es ein christliches Fest. Weihnachten. Ja, Weihnachten. Dem Fest war sie verfallen, war ihm hilflos ausgeliefert.
Sie liebte die festlich geschmückten Städte, die vielen beleuchteten Bäumchen, die überall in den Vorgärten leuchteten und die herrlich dekorierten Schaufenster der Geschäfte.
Oz hatte so manches Mal geschmunzelt, wenn sie wieder einmal wie angewurzelt vor einem bunt geschmückten Baum stehen geblieben war. „Einmal im Jahr gehörst du definitiv der falschen Religion an", hatte er immer gesagt und sie angelächelt.
‚Ja, und wie er lächeln konnte’, überlegte sie im Stillen und lächelte sachte vor sich hin. ‚Mit nur einem einzigen Blick ist er in der Lage, alles um mich herum verschwinden zu lassen. Wenn es doch heute auch so einfach wäre.’
Aber heute, gerade heute würde kein Lächeln der Welt irgendetwas ausrichten können. Es war furchtbar. Nein schrecklich. Eigentlich noch viel schlimmer. Und dabei hatte sie sich doch so angestrengt. Schon beim Einkaufen war alles daneben gegangen. Süßkartoffeln hatten sie nirgends mehr gehabt und Willow hatte auf normale umsteigen müssen. Tja, und ihr Vater hatte doch tatsächlich am Vormittag ihren Truthahn im Gefrierschrank gefunden und kurzerhand der Nachbarin geschenkt.
„Bis nächstes Jahr zu Thanksgiving ist er schlecht", hatte er Willow erklärt, die ihn fassungslos angesehen hatte.
‚Vielleicht hätte ich ihnen doch erzählen sollen, dass ich Besuch bekomme’, seufzte Willow und sackte noch ein kleines Stückchen weiter in sich zusammen. ‚Aber Dad hätte das niemals gutgeheißen. Er wäre furchtbar enttäuscht gewesen.’
Sie versuchte sich wieder auf ihre Gäste und deren Gespräche zu konzentrieren, aber es gelang nicht. Sie sah nur eine der liegen geblieben Servietten und schon dachte sie wieder nur an das Essen, das für sie ein wahres Desaster gewesen war.
Einen neuen Truthahn hatte sie nicht mehr auftreiben können, und das, obwohl sie in sechs verschiedenen Geschäften gewesen war. Und umdisponieren war auch nicht mehr möglich gewesen. Alle guten Bratenstücke oder ähnliches waren dann auch noch ausverkauft gewesen.
‚Würstchen’, grummelte sie lautlos vor sich hin. ‚Würstchen und Kartoffelpüree. Wirklich ein absolut schreckliches Weihnachtsessen. Aber immerhin habe ich noch Salat dazu gemacht’, versuchte sie sich zu trösten.
Ein helles, schepperndes Lachen riss sie aus ihren Tagträumen und sie schüttelte sich, da eine Gänsehaut über ihren Rücken jagte. Musste denn ausgerechnet heute ihre Tante Esther zu Besuch kommen.
‚Sie hatte doch genau gewusst, dass ihre Eltern heute abreisen wollten. Ausgerechnet heute! Die furchtbarste Person auf Gottes lieber Erde!’ Sie war, wie immer, schrecklich aufgetakelt, bunt angemalt (geschminkt konnte man das nicht mehr nennen) und erzählte ohne Unterlass von ihren Reisen quer durch die Weltgeschichte.
„Deine Tante ist echt witzig", flüsterte Buffy ihr zu und Willow starrte sie verständnislos an. „Was sie schon alles erlebt hat…unglaublich! Ist sie wirklich so oft verheiratet gewesen?"
"Oh ja", flüsterte die Rothaarige zurück. „Sechs mal. Sie hat noch jeden Ehemann unter die Erde gebracht." ‚Wie eine schwarze Witwe’, fügte sie lautlos dazu.
„Nicht schlecht", antworte Buffy und lachte über das ganze Gesicht. „Warum kommt sie nicht öfter?"
„Keine Ahnung", erwiderte Willow mit einem Schulterzucken. ‚Aber eigentlich bin ich auch ganz froh darüber. Vielleicht, ja, vielleicht findet man seine eigenen Familienangehörigen nie so lustig, wie andere es scheinbar tun.’
Plötzlich standen Xander und Cordelia vor ihr und verabschiedeten sich.
„Wirklich ein toller Abend, Willow", meinte er und lachte über das ganze Gesicht. „Das müssen wir nächstes Jahr unbedingt wiederholen."
Völlig perplex, die Welt nicht mehr verstehend, sah sie ihn an. „Aber… Das Essen… Es war furchtbar", meinte sie verdattert und blickte ihn entschuldigend an.
„Warum?", fragte Cordelia und lächelte. „Zumindest war es mal was anderes. Und der Kartoffelbrei war wirklich lecker."
„Danke", brachte die Rothaarige heraus und fand sich Sekunden später in Xanders Armen wieder.
„Frohe Weihnachten", murmelte er in ihr Ohr. „Nutze deine Zeit voll aus! Bis bald."
Das alles wurde immer verworrener und sie schaffte es nur kurz zu nicken. „Bis bald", krächzte sie, als auch Cordy sich von ihr verabschiedete. ‚Ich verstehe gar nichts mehr. Was für Zeit soll ich nutzen? Und wofür?’
Ehe sie sich versah, hatten sich alle verabschiedet und was das wunderlichste dabei war, sogar Spike hatte gelächelt. Er hatte gelächelt! Sie kannte ihn nun schon so lange, fast ihre komplette Schulzeit hindurch und grinsen hatte sie ihn oft gesehen, aber nie wirklich lächeln.
Oz und ihre Tante waren zusammen in der Küche, spülten das restliche Geschirr und räumten auf. Viel machen brauchte Willow nicht mehr, sie brachte die Tischdecke in den Wäschekorb und rückte die Stühle rund um den Esstisch zurecht. Gerade stellte sie die Dekoration zurück auf den Tisch, als die Beiden aus der Küche kamen und sich verabschiedeten
Willow konnte es nicht fassen. Sie starrte Oz fassungslos an. „Du willst gehen? Warum? Wieso? Eigentlich dachte ich…ähm… ich dachte du würdest heute bei mir übernachten", murmelte sie leise, darauf bedacht, dass ihre Tante sie nicht hören konnte.
„Das dachte ich auch. Aber ich glaube, die Nacht wird auch so anstrengend genug", erwiderte Oz ebenso leise und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.
Und bevor Willow noch fragen konnte, was genau er damit meinte, war er auch schon zur Tür hinaus. Auf dem Gehweg blieb er noch einmal kurz stehen, drehte sich um und lachte. „Ich wünsche dir viel Spaß!"
Sie hatte keine Zeit über das Gesagte nachzudenken, denn ihre Tante stand plötzlich neben ihr und zog sie in ihre Arme.
„Grüß deine Eltern schön von mir", meinte Esther und drückte noch ein wenig fester zu. „Ich ruf dich an, wenn ich zuhause angekommen bin."
Willow verstand gar nichts mehr. Sie starrte dem Auto ihrer Tante nach, bis die Dunkelheit die Rücklichter des Wagens verschluckte.
„Und das war es jetzt?", fragte sie sich und hatte Mühe die Tränen zurückzuhalten. „Das war alles? Ein furchtbares Essen, eine schreckliche Tante und dann alleine sein?"
So hatte sie sich den Abend wirklich nicht vorgestellt. Nicht in ihren schlimmsten Träumen! Mit hängenden Schultern drehte sie sich um, warf dabei die Haustür ins Schloss und sah sich um. Bis auf den Geruch der ausgelöschten Kerzen erinnerte nichts mehr daran, dass überhaupt jemand zu Besuch gewesen war. Alles war genauso ordentlich wie immer, alles wirkte still und verlassen. Einsam! Es war Heiligabend, noch keine zehn Uhr und sie war alleine.
Mit hängenden Schultern und feuchten Augen schlich sie die Treppe nach oben. ‚Und dann wünscht Oz mir auch noch viel Spaß’, schluchzte sie und wischte sich mit dem Handrücken die ersten Tränen weg, die über ihr Gesicht kullerten.
Sie öffnete ihre Zimmertür, knallte sie vor Wut laut scheppernd zu und warf sich auf ihr Bett. Irgendetwas knisterte und überrascht sah sie auf ihrem Kopfkissen einen Briefumschlag liegen.
„Der ist von Oz", stellte die erstaunt fest und riss den Umschlag auf. Schnell wischte sie sich noch einmal die Tränen aus dem Gesicht und öffnete mit zitternden Fingern, den zusammengefalteten Zettel.
Hallo mein Engel,
Ich kann mir vorstellen, dass du ein kleines bisschen verärgert bist, weil ich mich so schnell verabschiedet habe, beziehungsweise verabschieden werde.
Verzeih mir bitte, aber ich brauche den Vorsprung.
Punkt halb elf wird ein Taxi vor deiner Tür stehen. Der Fahrer weiß, wohin er dich bringen muss.
Aber ganz so einfach werde ich es dir dann doch nicht machen. Du magst Rätsel und du wirst ein paar davon lösen müssen, um mich zu finden.
Viel Spaß bei der Jagd meine Süße!
Ps. Vielleicht solltest du dir eine kleine Reisetasche mitnehmen, wenn alles so klappt, wie ich es möchte, wirst du ein paar Tage nicht mehr zu Hause sein.
In Liebe
Oz
Wieder und wieder las sie den Brief. Erst war sie zornig gewesen, aber so langsam verstand sie so einiges. Das was Xander über das Ausnutzen der Zeit gesagt hatte und auch, dass Oz ihr viel Spaß gewünscht hatte.
Ein Blick auf ihren Wecker, sagte ihr, dass sie noch eine knappe halbe Stunde Zeit hatte. Sie sprang vom Bett, kramte ihre Reisetasche heraus und begann eilig mit packen. Aufgekratzt packte sie alles wieder aus, nur um festzustellen, dass sie scheinbar an alles gedacht hatte.
„An alles, nur nicht an Waschzeug", stellte sie kopfschüttelnd fest und rannte ins Badezimmer.
Keine fünf Minuten später stand sie fertig angezogen an der Haustür und starrte erwartungsvoll auf die, im Dunkeln liegende Straße. Wenn der Fahrer pünktlich war, würde er in ein paar Minuten da sein. Lächelnd stellte Willow fest, dass sie nervös war. Ihr Magen kribbelte und ihre Finger waren schweißnass.
Das Taxi kam tatsächlich pünktlich, Willow griff nach der Tasche, hüpfte zur Tür heraus und sprang förmlich in den Wagen.
„Willow Rosenberg?", fragte der Fahrer und sah sie abwartend an. „Gut", murmelte er, nachdem sie genickt hatte und er drehte sich um, legte einen Gang ein und fuhr los.
Eigentlich hatte sie erwartet, der Fahrer wäre etwas gesprächiger oder hätte zumindest irgendeine Nachricht für sie. Stattdessen fuhr er wortlos durch die menschenleeren Straßen in Richtung Stadtmitte und hielt schließlich vor dem Kino. Er deutete ihr mit der Hand an auszusteigen und schüttelte ablehnend den Kopf, als sie ihn bezahlen wollte. „Alles schon erledigt", brummte er.
Augenblicke später stand Willow auf dem Gehweg und fühlte sie hilflos. ‚Was soll ich denn hier?’, überlegte sie und sah sich fragend um. Als fünf Minuten später noch immer nichts geschehen war, wurde sie langsam ungeduldig. Aber dann fiel ihr ein, dass sie Rätsel lösen musste, um Oz zu finden. Also sollte sie sich langsam mal nach Hinweisen umsehen.
Aber so sehr sie sich auch anstrengte, irgendwelche Hinweise konnte sie wirklich nicht finden. Und das, obwohl sie in jeder Ecke und freiem Winkel nach Nachrichten gesucht hatte. ‚Vielleicht ist es ja gar kein Brief’, überlegte sie. ‚Vielleicht muss ich nach was anderem suchen.’
Weitere fünf Minuten vergingen, aber auch jetzt konnte sie nichts finden. Außer den Filmplakaten gab es hier nichts Aufregendes. Sie stand vor den Schaukästen und besah sich die ausgestellten Plakate. Magic of the dance, Backdraft, Oceans Twelve und X-Men wurden angepriesen und plötzlich legte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht. ‚Einfacher konnte es bald nicht sein’, grinste sie und machte sich sofort auf den Weg.
Wenn man von dem ersten Film das erste Wort und von den anderen jeweils den ersten Buchstaben nahm kam man auf Magic Box. Dem Geschäft des etwas verschrobenen Bibliothekars der Highschool. Willow mochte ihn, weil er unglaubliches Wissen angesammelt hatte. Und Wissen war etwas, was sie immer interessierte.
„Ich wusste, du würdest es rausbekommen", begrüßte Giles sie freudestrahlend, als sie durch die Ladentür trat. „Es konnte gar nicht anders sein."
"Hallo", grinste Willow und stellte ihre Tasche auf den Boden. „Hat Oz hier etwas für mich hinterlassen?"
„Oh ja, das hat er", lächelte Giles und überreichte ihr einen Umschlag.
Neugierig riss sie ihn auf und fand einen Schlüssel. Nur einen Schlüssel, aber keinerlei Erklärung und seufzend nahm sie ihn heraus. Sie begutachtete ihn eine Weile und zuckte dann mit den Schultern. Es war mittlerweile fast elf Uhr und sie fragte sich, wie lange sie noch durch die Gegend laufen sollte.
„Da hätte ich allerdings mit einer schnelleren Reaktion gerechnet", meinte Giles und sah sie herausfordernd an.
„Es ist ein Schlüssel", meinte Willow und zuckte mit den Schultern. Und weil der Ex- Bibliothekar sie weiter anstarrte, sah sie noch einmal genauer hin. „Mit Nummern drauf."
Ein leichtes Lächeln legte sich auf das Gesicht des Mannes, aber noch immer wartete er gespannt darauf, auf welche Schlussfolgerung sie kommen würde.
„Busbahnhof?", meinte Willow und sah ihn, zu ihrer Erleichterung, zustimmend nicken.
„Ich werde dich fahren", meinte er und deutete mit der Hand auf die Tür. „Komm, es ist schon spät."
Während der Fahrt versuchte Willow etwas über den Plan ihres Freundes herauszubekommen, aber Giles lächelte nur und schüttelte den Kopf.
„Dann würde es dir keinen Spaß machen", erklärte er und hielt vor dem großen Gebäude des Busbahnhofs. „Ich wünsche dir noch viel Glück", sagte er, als sie ausstieg. „Und frohe Weihnachten."
Willow konnte es nicht fassen. Mit solchen Rätseln hatte sie nicht gerechnet und schon gar nicht damit, dass sie die halbe Nacht durch ganz Sunnydale geistern würde. Aber es half ja nichts, außer sie bestellte sich nun ein Taxi und fuhr einfach wieder nach Hause. ‚Aber dann ist Oz bestimmt enttäuscht.’
Widerwillig betrat sie das Gebäude und suchte nach den Schließfächern. Ein letzter kurzer Blick auf den Schlüssel und sie öffnete das Fach Nummer 312. Sie fand, wie nicht anders zu erwarten, einen Umschlag. Willow öffnete ihn und fand diesmal eine handgeschriebene Nachricht.
Zwei Rätsel hast du bereits gelöst. Ich hoffe, dir macht es einigermaßen Spaß, denn sonst hätte ich jetzt ein schlechtes Gewissen, dich durch die Stadt zu jagen.
Lange dauert es nicht mehr, und glaub mir, du wirst für deine Mühe entschädigt werden. Hier drei kleine Rätsel für dich, die dich zu dem führen, zu dem du als nächstes musst.
Ich habe keine Füße
und geh doch auf und ab
und beiß mich immer tiefer ein
Zwar stand ich schon im Alten Testament
und als Gewicht bin längst ich abgeschafft,
Die Erste teilst du mit den Affen
Die andre stockt, wenn du willst gaffen;
Das Ganze nenn' ich ehrenwert,
Wenn's vielen dient und einen nährt.
Ein müdes Lächeln umspielte ihre Lippen, schon nach dem ersten Rätsel hatte sie gewusst, sie musste zu Xander. Die Lösungen waren einfach, zumindest für sie. Die erste war Säge, die zweite Lot und die dritte Handwerk, also nicht wirklich schwer.
Willow kramte ihr Handy aus der Jackentasche und wählte die Nummer ihres besten Freundes. Wirklich Lust, um noch weiter zu suchen, hatte sie nicht. Der Tag war anstrengend und furchtbar gewesen und so langsam verlor sie jegliche Lust. Aber sie wusste auch, dass Oz sich nicht umsonst solche Mühe gemacht hatte. Sie würde es also zu Ende bringen, auch wenn es ihr nicht gefiel.
„Willow", meldete sich der Dunkelhaarige lachend. „Ich habe schon auf deinen Anruf gewartet. Soll ich dich abholen? Ja?"
„Ich habe keine Ahnung", erwiderte sie wahrheitsgemäß. „Aber, ich denke mal."
„Ich bin in ein paar Minuten bei dir. Bis gleich." Xander unterbrach die Verbindung und Willow starrte ihr Handy an, fast so, als könnte es all ihre offenen Fragen beantworten. Sie hob ihre Reisetasche auf, setzte sich auf eine der Bänke, die den Wartenden zur Verfügung standen und betrachtete die schrecklich kitschige Weihnachtsdekoration, die überall im Gebäude angebracht war. Sie versuchte krampfhaft ihre Laune zu verbessern, aber es wollte ihr einfach nicht gelingen.
Oz wollte ihr eine Freude machen, das war schon mal klar. Aber warum ging das nicht einfacher? ‚Er hat ja nicht gewusst, dass bei mir heute alles daneben geht’, überlegte sie und blickte wieder auf die große Wanduhr. Es war jetzt beinahe Mitternacht und sie wollte eigentlich nur noch eins, nach Hause, die Bettdecke über den Kopf ziehen und den furchtbaren Tag vergessen.
„Du siehst nicht gerade glücklich aus", stellte Xander fest, der plötzlich vor ihr stand.
„Doch, mir geht’s prima, nur ein bisschen müde", erwiderte Willow und versuchte ihr nettestes Lächeln.
"Na denn, komm. Ich bringe dich."
Xander hatte seinen Wagen direkt vor der großen Tür des Busbahnhofs geparkt und Willow warf ihre Tasche auf den Rücksitz. Viel Lust auf einen Unterhaltung hatte sie nicht und sie schwieg fast die ganze Zeit. Zwischendurch brachte sie ein gekünzeltes Lachen zustande, weil der Dunkelhaarige ständig versuchte sie aufzumuntern. Sie sah hinaus in die Finsternis und ihr Blick wanderte gelangweilt über die liebevoll gestalteten Gärten mit den vielen bunten Bäumchen und Lichtern.
„Kann es sein, dass du mich nach Hause bringst?", fragte sie plötzlich.
„Könnte sein", grinste Xander und bog in ihre Straße ein. Vor ihrem Haus blieb er stehen und lachte über ihr enttäuschtes Gesicht. „Viel Spaß, Willow."
Sie knallte die Wagentür zu, schmiss ihre Tasche vor die Haustür und öffnete diese böse schimpfend. Allerdings verstummte sie sofort, nachdem sie einen Blick in das Innere des Hauses geworfen hatte. Überall brannten Kerzen, Weihnachtsdekoration war im ganzen Wohnzimmer verteilt und in einer Ecke stand tatsächlich ein leuchtender kleiner Weihnachtsbaum.
‚Dafür hat er Zeit gebraucht’, lächelte sie erleichtert.
Oz kam aus der Küche, strahlte sie an und kraulte ein kleines mausgraues Kaninchen mit weißen Pfoten und Ohrenspitzen, das er in den Armen hielt.
„Frohe Weihnachten", flüsterte er, trat nah an sie heran und küsste sie flüchtig auf die Wange. Er drückte ihr das Kaninchen in die Arme und grinste breit.
Das Fell war flauschig und weich und sie konnte nicht anders, sie kraulte dem Tier sofort den Pelz und sprach beruhigend auf es ein, da es unruhig hin und her zappelte.
„Du kannst mir doch keinen Hasen schenken", meinte sie halb traurig und halb glücklich.
„Doch, kann ich. Ich habe das extra mit deinen Eltern abgesprochen", erwiderte Oz und nickte bestätigend. „Eigentlich wollte ich dir ein kleines Kätzchen schenken, aber deine Eltern wollten lieber etwas, das man in einem Käfig halten kann."
„Sie haben es erlaubt?", fragte die Rothaarige ungläubig und sah ihren Freund bestätigend nicken. „Danke schön. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll…Ich…"
„Mir reicht es völlig, wenn du dich freust", meinte Oz ein kleines bisschen verlegen, da er den feuchten Schimmer in ihren Augen bemerkt hatte.
„Das ist der schönste Tag meines Lebens", strahlte sie, drehte sich, mit dem Kaninchen im Arm, im Kreis und lachte. „Das schönste Weihnachten, das es jemals gab oder jemals geben wird!"
„Ich liebe dich", flüsterte Oz, strich ihr sanft über die Wange und zog sie dann nah an sich heran.
„Ich dich auch", flüsterte sie ebenso leise zurück und küsste ihn sanft. „Ich danke dir. Für den schönsten Tag in meinem Leben. Für Alles und einfach dafür, dass es dich gibt."
Ende