
A vampires destiny
Langeweile… gab es etwas Schlimmeres, als das totale Desaster nichts, rein gar nichts zu tun zu haben? Langeweile, Eintönigkeit, Monotonie … es gab unzählige Wörter, die das beschrieben, was er gerade durchmachte, und doch sagten all diese Wörter nicht genug aus. Es fehlte ein Wort, dass das alles noch übertraf. Ein Wort, das dem Ganzen die Krone aufsetzte.
Spike konnte sich nicht daran erinnern, jemals so untätig gewesen zu sein, wie in der gesamten letzten Woche. Sein Vampirdasein war in seinem langen Unleben hin und wieder schon des Öfteren fade und eintönig gewesen. Das war ja nichts Neues und blieb auch kaum aus. Wenn man ein gewisses Alter überschritten hatte, hatte man alles mindestens schon einmal gesehen oder erlebt, aber diese letzte Woche in Sunnydale war nicht zu beschreiben. Dass sich seine Zehennägel nicht aufgerollt hatten, war schon fast unglaublich.
Es war einfach nichts los. Kein Dämon ließ sich blicken, kein Monster, das auf Terror aus war und auch kein schwachsinniger Zauberer, der sich einbildete, er könnte hier am Höllenschlund die Welt verändern.
Dabei hatte er so einiges versucht, um seiner Langeweile Herr zu werden und er wollte lieber gar nicht darüber nachdenken, was das alles gewesen war. Vor allem die Katastrophe in der Damenumkleidekabine einer Nobelboutique. Mann, Mann, Mann! Und dabei hatte er der verfluchten Frau doch nur die Geldbörse abnehmen wollen. Und was macht diese dumme Ziege? Klammert sich daran fest, als wäre sie der letzte Rettungsring auf der Titanic.
Aber das wollte er lieber schnell aus seinem Gedächtnis streichen. Es gab rühmliche Taten, auf die er gern zurückblickte, aber das war keine, an die er je erinnert werden wollte.
Die ganze Woche hatte er sich zurückgehalten, hatte fast die ganze Zeit in seiner Gruft herumgehangen, aber heute Abend war ihm der Kragen geplatzt. Wenn ihm schon nichts Aufregendes entgegenkam, dann würde er eben danach suchen.
Vor allem, da das Fernsehprogramm auch nur noch Mist war. Spike war für fast jede Kitschsendung zu haben, aber … die zehnte Wiederholung der Waltons brauchte auch er nicht. Genauso wenig wie die unzähligen, wirklich ätzenden, Gameshows, bei denen sich Kandidaten der Reihe nach zum Affen machten und es nicht einmal bemerkten. Sicher, hin und wieder hatte er für dieses Spektakel etwas übrig, ja, er fand es ganz amüsant, wie dämlich Menschen sein konnten, wenn sie sich anstrengten. Aber nicht einmal das konnte ihn heute aus seinem Stimmungstief holen.
Also was macht ein guter Vampir, der vor lauter Langeweile schon überlegt, seine Gruft endlich einmal gründlich zu putzen? Richtig! Er geht aus!
Sein erstes Ziel war die Magic Box gewesen. Ein kleiner Zauberladen, der dem Wächter der hiesigen Jägerin gehörte. Und dieser Zauberladen war der Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum ging, etwas Außerordentliches zu erleben. Für gewöhnlich hatten Buffy und ihre Freunde allerhand damit zu tun, die Stadt, ja sogar die ganze Menschheit, vor dem ewig lauernden Bösen zu bewahren. Doch heute? Heute stand das standhafte britische Wächterlein ganz allein in dem abgedunkelten Laden und machte große Augen, als er eintrat.
„Hm … ähm, hallo, Spike!", hatte er gesagt und sich die Brille poliert. „Was
kann ich für Sie tun?"
„Die Frage wollte ich eigentlich stellen", hatte er gebrummt und sich umgesehen.
„Wo sind die Jägerin und ihre zänkischen Freunde? Gilt es heute nicht die Welt
zu retten? Oder sind sie schon auf der Jagd und es hat mal wieder keiner für
nötig gehalten, mir Bescheid zu sagen?"
„Nun", hatte der Wächter gesagt und sich neugierig über den Tresen gebeugt. „Es gibt heute nichts Besonderes zu tun, deswegen ist Buffy mit Willow, Xander, Tara und Anya ins Kino gegangen." Er hatte die Augen verdreht. „Als gäbe es nicht genug zu tun. Die nächste Bedrohung steht bestimmt schon vor der Tür und ich könnte…" Dann hatte er sich selbst gebremst und beinahe entschuldigend mit den Schultern gezuckt. „Wie auch immer, das ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, warum Sie… Sie überhaupt hier sind."
„Kann ein Vampir nicht einfach mal in einen Zauberladen gehen?", hatte er schnippisch geantwortet, doch das Wächterlein hatte ihn nur wissend angesehen. „Schon gut, okay… mir ist langweilig und da ich keine Menschen mehr abschlachten kann, dachte ich, ich versuch es einmal mit ein paar Monstern. Sie wissen schon… auf der Seite des Guten…blah…blah…"
„Da kann ich Ihnen wohl nicht weiterhelfen", hatte Rupert Giles, der verknöcherte Engländer, genickt. „Laut Buffy ist Sunnydale so ruhig wie nie zuvor." Er hatte leise in seinen nicht vorhandenen Bart gemurmelt und ihn dann wieder angesehen. „Aber Sie können ihr Glück ruhig versuchen. Vielleicht treiben Sie ja ein paar Dämonen auf, die… nicht unbedingt der freundlichen Art entsprechen und sie dann…" Er hatte sich geräuspert und aufgesehen. „Sie wissen ja mittlerweile selbst, dass man dem Frieden über dem Höllenschlund nicht trauen darf. Buffy freut sich über einen freien Abend, auch wenn ich das nicht sonderlich gutheißen kann. Aber… wer hört denn schon auf einen alten Wächter?"
‚Wow’, hatte der Vampir gedacht. ‚Heute ist er ein beleidigtes Wächterlein. Ich sollte schleunigst von hier verschwinden.’ „Es ist also nichts los?"
„Nicht, dass ich wüsste", hatte Giles mit den Schultern gezuckt. „Aber möglicherweise wäre es nicht das Schlechteste, wenn Sie sich einmal umhören."
„Wir werden sehen", hatte Spike nur geantwortet und war aus dem Laden gestürmt. Nicht dass dem Wächter noch einfiel, dass er jemanden zum Sortieren seiner unzähligen Bücher brauchte. Das Schlimme daran war nämlich, das Spike, so verzweifelt er war, möglicherweise zugestimmt hätte.
*~*~*
Er hatte also die Magic Box hinter sich gelassen und war durch die Stadt gelaufen. Wie der Wächter, und vor ihm wohl die Jägerin, behauptete, war wirklich nicht sonderlich viel los. Von Dämonen gab es keinerlei Spuren und sogar Menschen waren kaum unterwegs. Also hatte er auch die Stadt hinter sich gelassen und die Parks durchstreift. In jede Höhle, in jedes Versteck hatte er hineingesehen, doch das Interessanteste, was er gefunden hatte, war ein alter Gummistiefel, den jemand an einen Baum gehängt hatte.
Aber so schnell gab ein Vampir nicht auf. So schnell ließ sich ein wahrer Big Bad nicht aufhalten. Und er war wahrhaftig böse. Oder er war einst böse gewesen… Wie auch immer, er hatte sich also ein neues Ziel ausgesucht. Und dieses Ziel war das Alibi. Die ruchlose Kneipe, die hauptsächlich von Dämonen besucht wurde und deren widerlicher Wirt fast immer für eine brauchbare Information gut war.
Nur dass Willy heute auch nicht sonderlich viel zu tun hatte. Er saß mutterseelenallein in seiner abbruchreifen Kneipe und starrte in den Fernseher. Erst hatte er vorfreudig aufgesehen, als Spike die Wirtschaft betreten hatte, doch seine Vorfreude hatte sich schnell gelegt.
„Du bist es nur", hatte er gebrummt und laut geseufzt. „Und ich dachte, es käme endlich Kundschaft. Zahlende Kundschaft." Er hatte seine Hände gehoben. „Schon gut, schon gut. Ich will keinen Ärger mit dir." Er hatte sich lang gemacht, eine Flasche mit Spikes bevorzugtem Whiskey aus dem Board gezogen und sie zusammen mit einem Glas vor den Vampir auf die Theke gestellt. „Trink, aber lass meine Bude heute ganz. Ich habe wirklich keine Lust, schon wieder hinter dir aufzuräumen."
Spike hatte getrunken, aber auf das Glas hatte er dabei verzichtet. Tot oder nicht, der Dreck, der daran geklebt hatte, war mindestens drei Jahre alt. Natürlich hatte er versucht, den schmuddeligen Wirt auszuquetschen, versucht, ihm irgendwelche Neuigkeiten abzuringen, doch Willy hatte ihm glaubhaft versichert, dass er nichts über Neuzugänge in der Stadt wusste und nach einer guten halben Stunde war er wieder gegangen. Allerdings nicht, ohne sich vorher noch an Willys Whiskeyvorräten gütlich zu tun. Zwei volle Flaschen steckten nun in einer kleinen unscheinbaren Papiertüte, die er nach wie vor mit sich herumtrug.
„Was für ein ereignisreicher Abend", brummte er sarkastisch vor sich hin. „Da lohnt sich das Dämonendasein doch so richtig." Angenervt trat er gegen eine verbeulte Coladose, die irgendein halbstarker Jungendlicher auf die Straße geworfen hatte. Sie kullerte geräuschvoll über die Straße und er ging hinterher, gab ihr einen weiteren Stoß und beförderte sie so viele Meter weiter. „Und Fußballspielen war immer schon eins meiner Hobbys!", meckerte er mit verdrehten Augen.
Bei der Dose angekommen, holte er mit seinem Bein weit aus und gab ihr einen saftigen Tritt. Das dünne Blechding hob vom Boden ab, segelte quer über die Straße und traf mit einem leisen *Klong* etwas, dass sich im Gebüsch hinter einer hohen Mauer verborgen hatte.
„Aua", piepste eine leise, aber sehr durchdringende Stimme. „Wer war das?"
Einigermaßen neugierig wechselte Spike die Straßenseite, lehnte sich über die Mauer und versuchte in dem Wirrwarr aus Gestrüpp irgendetwas zu erkennen. „Ich war das", sagte er in die Dunkelheit. „Und wer will das wissen?"
Zuerst konnte er nichts Außergewöhnliches entdecken, doch dann erkannte er perlmuttfarbene Flügelchen, die an einem winzigen Wesen hingen. Beherzt machte er sich lang, packte das Wesen und knallte es auf die Mauer. „Was zum Geier bist denn du?"
Doch das kleine Wesen funkelte ihn nur wütend an. „Du hast mir schon wieder wehgetan. Das zweite Mal." Winzige giftgrüne Augen betrachteten ihn finster und es stemmte die spindeldürren Ärmchen wütend in die Hüfte. „Wie kannst du es wagen? Weißt du denn gar nicht, was ich bin? Nie zuvor hat es jemand gewagt, mich so zu behandeln!"
„Ja und?", lachte der Vampir und stupste dem Wesen mit dem Finger auf die Stirn „Was dagegen?", fragte er fies und schnipste dem geflügelten Ding mit dem Zeigefinger gegen die Nase, sodass es fast hintüber kippte. „Was?", grinste er fies. „War das jetzt das dritte Mal, dass ich dir wehgetan habe? Ich habe eine Menge Zeit und wenn du Lust hast, kannst du gerne mitzählen, wie oft ich das noch mache. Mal sehen, wie weit du kommst."
„Lass deine schmierigen Finger von mir", knurrte die Piepsstimme und Spike lachte.
„Wow, das klang unglaublich bedrohlich." Er schüttelte sich albern. „Guck mal, wie sehr ich mich schon vor dir fürchte."
Sein Zeigefinger näherte sich bedrohlich dem kleinen Wesen, doch diesmal war das Ding schneller. Mit seinen kleinen Händen umklammerte es seinen Finger und biss hinein.
„Au", knurrte Spike, holte aus und wischte das Wesen mit einem Schlag von der Mauer. „Mistvieh!", knurrte er, starrte wieder in das Gebüsch und schüttelte dann den Kopf. „Pffft", machte er und lutschte geistesabwesend an seinem Finger. „Langeweile hin oder her, mit so einem Ding wie dir brauche ich mich nun wirklich nicht abgeben."
Der Vampir warf einen letzten gehässigen Blick auf das Gestrüpp, dann machte er sich wieder auf den Weg. Er würde jetzt in seine Gruft gehen, den verdammten Fernseher wieder anmachen und hoffen, dass endlich etwas kam, das auch nur annähernd unterhaltsam war. Außerdem hatte er noch immer zwei Flaschen Whiskey, die ihm dabei helfen würden, diesen verfluchten Tag endlich hinter sich zu lassen.
Er war keine hundert Meter weit gekommen, da hörte er ein schwaches Geräusch dicht über sich. Er sah auf und zuckte gerade noch rechtzeitig zur Seite. Das geflügelte Wesen hatte einen schweren Stein auf ihn werfen wollen, doch nun kullerte der kleine Findling auf dem Bürgersteig umher und Spike sah wütend auf.
„Was willst du Mistvieh?", zischte er, wunderte sich aber im Stillen, wo das Flügeldings die Kraft hernahm, einen solch großen Stein überhaupt zu tragen. „Du willst dich doch nicht wirklich mit mir anlegen? Ausgerechnet mit mir?"
„Du hast mir wehgetan", fauchte das Wesen und spuckte Gift und Galle. „Und du hattest nicht einmal den Anstand, dich zu entschuldigen."
„Hah!", schnaufte Spike. „Ich habe es nicht nötig, mich bei Minizwergen zu entschuldigen!" Aus dem Stand sprang er hoch und benutzte seine Hand dabei wie einen Tennisschläger. Mit voller Wucht knallte er dem Flügelwesen vor das Gesicht und sah dabei zu, wie es durch die Luft segelte, gegen das Schaufenster eines Drugstores knallte und zu Boden fiel. „Das war es dann wohl", grinste er fies und ging weiter.
Einigermaßen zufrieden betrat er wenige Minuten später seine Gruft, stellte den Fernseher an und ließ sich auf seinen Sessel fallen. Er öffnete einen der mitgebrachten Whiskeyflaschen, warf den Deckel achtlos auf den Tisch und nickte, als die ersten Bilder eines uralten Vampirfilms auf dem Bildschirm auftauchten. „Geht doch", lächelte er und machte es sich gemütlich. So ließ es sich doch aushalten.
Was er nicht sah, war das kleine Wesen, das draußen mit abgeknickten Flügelchen auf der Fensterbank saß und ihn mit seinen funkelnden giftgrünen Augen beobachtete. „Wir sind noch nicht fertig miteinander", piepste es fast lautlos vor sich hin. „Noch lange nicht!"
Teil 2
Fast zwei Stunden später flimmerte der Abspann des Films über den Bildschirm, doch Spike bekam von all dem nichts mehr mit. Weder der alte Vampirstreifen noch die angefangene Flasche Whiskey hatten ihn wach halten können. Friedlich war er auf seinem Sessel in den dämmerähnlichen Todesschlaf gefallen, der einem Vampir zu Eigen war.
Träumen im herkömmlichen Sinne konnte er nicht, und dennoch tanzte er mit der Jägerin den Tanz, den beide so perfekt beherrschten. Wie immer in seinen Träumen, wenn es denn darin ums Kämpfen ging, ging er als Sieger hervor und nach einem harten, erbarmungslosen Kampf versenkte er seine Fangzähne in ihrer weichen Haut und riss ihr die Kehle auf.
Doch dann löste sich diese Illusion in Nichts auf, verwandelte sich in eine schwarze Leere, in der es nur eine leise schwache Stimme gab, die wieder und wieder die gleichen Worte von sich gab.
„Krötenlaich und Spinnenbein, Unglück, komm zur Tür herein. Pech soll an dem Mann nun kleben, ihm sei nimmer mehr vergeben."
Eine leise Stimme in seinem Hinterkopf warnte ihn, sagte ihm, dass es besser wäre, sofort die Augen zu öffnen, doch Spike schaffte es nicht, sie auch nur einen winzigen Spalt breit zu öffnen. Viel mehr schien es, als wäre er gefangen, als binde ihn etwas an seinen Schlaf.
Doch dann waren plötzlich sowohl die Stimme als auch das Gefühl des Ausgeliefertseins verschwunden und sein Unterbewusstsein gab Ruhe. Zurück blieb nur die schwarze Leere, die stumm und lautlos einen ruhigen Schlaf versprach.
*~*~*
„Das hast du nun davon", piepste das kleine geflügelte Wesen fast lautlos, das sichtlich Schwierigkeiten hatte, noch länger in der Luft zu bleiben. Etwas unsanft landete es auf dem Couchtisch und untersuchte seinen malträtierten, abgeknickten Flügel. Dann wandte es sich mit bitterem Gesichtsausdruck um, den Vampir fest im Blick. „Du hättest gut daran getan, mich nicht zu ärgern und zu verspotten. Von nun an wird das Pech an dir kleben wie die Fliegen im Netz der Spinne. Du wirst es dich nie wieder wagen, mir auch nur noch ein einziges Mal wehzutun."
Behände hüpfte das Wesen vom Tisch und lief geschwind durch die Gruft. Erst an der Tür wandte es sich ein letztes Mal um. Mit Wohlwollen und einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht betrachtete es ein letztes Mal sein Werk, dann krabbelte es durch den schmalen Spalt in der Tür, durch den es schon hereingekommen war, und verschwand in der Nacht.
Spike bekam auch davon nichts mit. Er drehte sich in seinem Sessel, suchte eine bequemere Schlafposition und hielt dabei noch immer eisern seine halb leer getrunkene Whiskeyflasche in der Hand. Ein zufriedenes Lächeln legte sich über sein Gesicht. Er war zurück in seinen Träumen. Illusionen, die ein anderes, ein besseres Vampirdasein verhießen und ihn wieder zu dem machten, was er in der Realität nicht mehr sein konnte. Zu einem wahrhaftig bösen Wesen, dass über die Menschheit herfiel und alles vernichtete, was ihm unter die Finger kam.
*~*~*
Mit einem pelzigen Gefühl auf der Zunge wachte Spike Stunden später auf und verzog angewidert das Gesicht. Vorsichtig und langsam ließ er seinen Kopf kreisen, lockerte die verspannte Nackenmuskulatur und gähnte herzhaft.
Er öffnete die Augen, streckte sich und besah sich grinsend die Whiskeyflasche in seiner Hand. „Womit man abends aufgehört hat, soll man doch am nächsten Morgen wieder anfangen, oder?", brummte er undeutlich vor sich hin und hob die Flasche an seinen Mund.
Doch statt der bernsteinfarbenen Flüssigkeit kullerte der Flaschendeckel in seinen Mund, den er am Abend zuvor nur lose aufgelegt hatte. Viel zu schlaftrunken, um das zu bemerken, versuchte er ihn herunterzuschlucken und machte große Augen, als ihm das Metallding in der Kehle hängen blieb.
Er sprang auf, ließ die Flasche fallen, die in tausend Scherben zerbarst, und versuchte mit spitzen Fingern den Deckel aus seinem Hals zu holen. Halb hüpfend, halb torkelnd lief er durch die Gruft, zwei Finger noch immer tief im Rachen.
Spike langte in seiner improvisierten Küche an, bereit ein Messer zu nehmen und sich die Kehle aufzuschneiden, als er den Deckel doch noch mit den Fingernägeln zu fassen bekam. Wütend riss er ihn raus und erwischte dabei mit der geballten Faust seinen Küchenschrank, der klappernd und scheppernd von der Wand fiel.
„Scheiße, verfluchte!", schimpfte er und warf den Metallverschluss fauchend an die Wand. „Shit, Fuck… Dreck, verdammter!" Er drehte sich um, besah sich das Malheur mit dem Schrank und trat wütend dagegen.
Doch so leicht gab sich der Schrank nicht geschlagen. Mit einem letzten verzweifelten Akt schwang er seine zersplitterte Tür auf, zermatschte den großen Zeh des Vampirs und brach dann ächzend endgültig zusammen.
„Mist, verdammter", schimpfte Spike, hob den verletzten Fuß hoch, um ihn zu untersuchen, wankte dabei bedenklich und stürzte dann so unglücklich, dass er seiner Mikrowelle einen Stoß versetzte, der sie über die Kante kippte und das Gerät abzustürzen drohte.
Mit einem Hechtsprung versuchte er sie abzufangen, stolperte dabei allerdings über den kaputten Schrank und fiel mit einem bitteren Grunzen lang auf die Nase. Die Mikrowelle hingegen tat ihm den Gefallen, fiel nur wie in Zeitlupe und landete mit einer stumpfen Ecke auf seinem Daumen, bevor sie zur Seite kippte und zerschellte.
Vollkommen fassungslos drehte sich Spike auf den Rücken, hielt die Hand mit dem verletzten Daumen hoch und besah sich das Dilemma. Der Daumen baumelte wie totes Fleisch herab und er verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. „Das kann doch alles nicht wahr sein, verflucht", murrte er leise und stand mit schmerzverzerrtem Gesicht vorsichtig auf.
Sein dicker Zeh brannte wie die Hölle und er wusste auch ohne Kontrolle, dass auch er gebrochen war. Vorsichtig und langsam humpelte er um die Couch herum und ließ sich fluchend darauf niedersinken. Mit der linken, unverletzten Hand fischte er eine Zigarette aus der Packung, die noch vom Abend vorher auf dem Tisch lag, und griff dann stöhnend nach dem Feuerzeug.
Doch da er nicht an das Hantieren mit Links gewohnt war, wollte das Sturmfeuerzeug ihm den Dienst verweigern. Also schüttelte er es einmal ordentlich und versuchte es dann erneut. Die daraus entstehende Stichflamme versenkte ihm die Augenbrauen und durch den Schreck ließ er das Feuerzeug fallen. Sofort stand seine halbe Couch in Flammen und er sprang auf, stieß dabei den Couchtisch um, der sofort nachgab und zerbrach, und griff nach seiner Decke, um die Flammen zu ersticken.
Zwei Minuten später stand Spike mitten in seiner Gruft und sah sich sprachlos um. In nicht einmal einer Viertelstunde hatte er es geschafft, seinen halben Hausrat zu vernichten. „Was für ein Scheißtag", schimpfte er wütend, unterließ es aber, seiner Wut nachzugeben und kräftig aufzustampfen.
Sein Zeh, so weh er auch tat, würde heilen, das war nicht das Problem. Auch sein Daumen würde bald wieder wie neu sein, allerdings sollte er den lieber schienen. Die Knochen würden auch ohne Schiene heilen, aber wenn, dann sollte der Daumen auch wieder an der Stelle anwachsen, wo er hingehörte und nicht hinterher krumm und schief von der Hand abstehen.
Spike bückte sich langsam und durchsuchte die Trümmer des Couchtisches nach einem geeignetem Holzstückchen und fand schließlich eins, dass ihm passend erschien. Wie nicht anders erwartet hatte er sich bei der Aktion ein paar Splitter eingefangen, die er mit spitzen Zähnen wieder entfernte. Dann ließ er sich auf die Trümmer seines Sofas sinken und wunderte sich kein Bisschen, als auch das unter seinem Gewicht nachgab und er mit dem Hintern auf ein paar abgebrochenen, jetzt spitzen, Sprungfedern landete.
Sorgen machte ihm nur der Holzpfahl, der sich aus der Rückenlehne heraus in seinen Rücken gebohrt hatte und unweit des Herzens gelandet war. „Das wird ein Spaß", knurrte er und spuckte bitter aus. „Entweder ich habe den wirklich übelsten Tag meines Unlebens erwischt, oder irgendetwas stimmt hier nicht!"
Frustriert erhob er sich und setzte sich ein paar Meter weiter in der Mitte des freien Raums im Schneidersitz auf den blanken Steinboden. Er kontrollierte sicherheitshalber die Decke, konnte jedoch nichts Außergewöhnliches entdecken, das runterfallen konnte, und machte sich dann daran, den Holzpfahl auf seinem Rücken zu erreichen. Mit spitzen Fingern und größter Mühe gelang es ihm schließlich und er riss den langen Splitter heraus und pfefferte das Stück Holz an die Wand. Dann nahm er das Bruchstück vom Couchtisch und riss einen Streifen Stoff von seinem T-Shirt ab, um seinen malträtierten Daumen endlich zu schienen.
„Das wird ein verdammt langer Tag", murrte er wütend, unsicher, ob er überhaupt noch einmal aufstehen sollte. Doch wer außer ihm sollte das Desaster sonst aufräumen? Es würde ihm also nichts anderes übrig bleiben und so erhob er sich seufzend. „Willkommen in Sunnydale", knurrte er, als der Schmerz durch seinen Fuß und seinen Rücken schoss. „Willkommen am Höllenschlund, wo kein Tag ist wie der andere und immer etwas Neues passiert." Er spuckte aus, verzog das Gesicht und seufzte schließlich. „Scheiß Tag!"
*~*~*
Viele, wirklich grauenhafte Stunden später stand Spike vor dem Haus der Jägerin. Er konnte ihre Stimme hören, ebenso wie die von Dawn und Willow. Die drei Frauenzimmer schienen einen guten Tag gehabt zu haben, denn sie lachten und kicherten vergnügt und schienen eine Menge Spaß zu haben.
Der Vampir verzog das Gesicht. Sein Tag war alles andere als gut gewesen und er würde ihn nur allzu gern aus seinem Gedächtnis streichen. Doch so leicht war das Ganze wohl nicht zu bewerkstelligen und er wusste sicher, dass das keine Tollpatschigkeit oder ein einfacher, übler Tag war. Das, was ihm heute alles passiert war, passte auf keine Kuhhaut. Und er hatte in seinen hundertundzwanzig Jahren schon so manchen schlechten Tag gehabt. Ganz zu schweigen von dem, an dem ihn diese dämliche Regierungstruppe eingefangen hatte.
Er zögerte kurz, drückte dann den Klingelknopf und zischte, als dieser ihm einen Stromstoß verpasst. „Hah! Als hätte ich etwas anderes erwartet!"
Buffy, die ihm gutgelaunt und lächelnd die Tür öffnete, stutzte, und ihr blieb fassungslos der Mund offen stehen. „Was ist denn mit dir passiert?", fragte sie und runzelte beinahe besorgt die Stirn. „Ach du meine Güte. Unter welchen Zug bist du den gekommen?"
Der sonst so stolze Vampir bot ein Bild des Grauens. Sein linkes Auge blau unterlaufen und geschwollen, die rechte Augenbraue verbrannt und er hatte unzählige kleine, jetzt bereits verkrustete Wunden im Gesicht. Die größeren davon hatte er scheinbar mit einem Pflaster abdecken wollen, doch da er sein Gesicht im Spiegel nicht sehen konnte, hatte er nur die Hälfte der Verletzungen versorgt. Seine Hand, speziell sein rechter Daumen war bandagiert, er humpelte und seine sonst so stolze Haltung war wie weggeblasen. Seine Schultern waren herabgesackt und er bot ein Bild des Jammers.
„Irgendwelche Dämonen in der Stadt, von denen ich wissen sollte?", erkundigte sich die Jägerin und ging einen Schritt auf ihn zu. „Oder ist das irgendeine deiner abgedrehten Privatsachen, von der ich lieber nichts hören sollte?"
„Wirklich sehr witzig", knurrte Spike. „Aber ich bin nicht hier, um mich auslachen zu lassen. Ich brauche Hilfe und zwar dringend."
„Komm rein", sagte Buffy und winkte ihn heran, doch der Vampir schüttelte den Kopf.
„Es ist wahrscheinlich sicherer, wenn ich hier draußen stehen bleibe", brummte er undeutlich und hob trotzig das Kinn.
„Ach was", meinte Buffy und machte ihm Platz, damit er vorbeigehen konnte. „Was soll schon groß passieren? Du warst hunderte von Malen in unserem Haus. Also stell dich nicht so an. Wir sind sowieso alle in der Küche. Dawn und Willow backen Pizza."
Seufzend schob Spike sich an ihr vorbei, stolperte über eine liegengelassene Sporttasche und seine Stirn machte mit dem Pfosten des Treppengeländers Bekanntschaft. Er taumelte zurück und wurde gerade noch rechtzeitig von Buffy aufgefangen, bevor er die gesamte Garderobe herunterreißen konnte.
„Das könnte hier passieren", knurrte Spike die Jägerin an und hielt sich die Stirn. „Aber du hast es nicht anders gewollt. Wenn dein Haus gleich ein Schrotthaufen ist, dann gib nicht mir die Schuld daran." Er schnaufte und verzog das Gesicht. „Ich muss mit Willow sprechen und zwar dringend. Wenn einer helfen kann, dann ist sie das!"
Teil 3
„Hier", meinte Buffy und drückte Spike einen Eisbeutel in die Hand, den sie extra aus dem Eisfach geholt hatte. Sie waren mehr oder weniger gut in der Küche angekommen und Buffy war sich nicht ganz sicher, was sie von dem Vampir und seinem Gehabe halten sollte. Aber immerhin war er hier, weil er Hilfe wollte und dementsprechend würde er wohl schnell mit der Sprache rausrücken. Sie seufzte leise, fragte sich, ob sie das überhaupt wissen wollte und zeigte auf einen freien Platz am Küchentisch. „Setz dich."
„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist", brummte der Vampir, hielt sich mit der einen Hand den Eisbeutel vor die Stirn, und mit der anderen seine Schulter, die beim Durchqueren der Küchentür unsanft Bekanntschaft mit der Türzarge gemacht hatte. „Wenn du deine Möbel behalten willst, dann sollte ich das besser lassen. Unter mir bricht heute nämlich jeder Mist zusammen."
„Ach was", meinte die Jägerin mit einer wegwerfenden Handbewegung, setzte sich selbst auf den Stuhl und wackelte darauf hin und her. „Siehst du? Er hält. Also setz dich hin. So wie du ausschaust, hast du eine Pause mehr als nötig."
„Was ist denn los?", erkundigte sich Willow interessiert. Zusammen mit Dawn stand sie hinter dem Küchentresen, auf dem eine Menge Zutaten für eine gute Pizza verteilt waren. „Bist du… bist du in eine Schlägerei geraten?", fragte sie vorsichtig und sah Spike aufmerksam an.
„Keine Schlägerei", versicherte der Vampir und ruckelte an dem Stuhl, den Buffy ihm angeboten hatte. Mit einem leisen Seufzen setzte er sich darauf und atmete erleichtert ein, als der nicht sofort unter ihm zerbarst.
„Aber was ist dann passiert?", fragte nun Dawn und steckte sich ein Stück von der Paprika in den Mund, die sie gerade klein geschnitten hatte. „Du siehst aus, als wärst du unter einen Zug gekommen."
„Das Gleiche hat deine große Schwester eben auch schon gesagt", murrte Spike, versuchte sich anzulehnen und unterließ es dann doch. Seine Rippen taten einfach zu weh und mit Grausen dachte er daran, wie er alleine versucht hatte, seine verdammte Couch aus der Gruft zu wuchten. Das Mistding von Möbelstück hatte es ihm ordentlich gegeben, und ihn in der Tür festgeklemmt. Mehrere Minuten hatte er gebraucht, um sich zu befreien und im Stillen war er dankbar dafür, dass ihn niemand dabei gesehen hatte. Das hätte verdammt peinlich werden können.
„Nun mach das mal nicht so spannend und erzähl endlich, warum du aussiehst, als hätte dich ein Panzer überrollt", unterbrach Buffy seine Gedanken. Eigentlich war ihr so ziemlich schnuppe, mit wem oder was Spike mal wieder Ärger hatte. Aber sie war die Jägerin und vielleicht ging das Ganze sie ja doch etwas an. „Also", forderte sie ihn ein zweites Mal auf. „Wer hat dir die ganzen Verletzungen zugefügt?"
„Das war ich selbst", meinte Spike so leise, dass Buffy ihn kaum verstehen konnte.
„Das warst du selbst?", wiederholte sie und ihre Augebrauen schossen in die Höhe. „Warum machst du so was?" Verwirrt sah sie Willow und Dawn an, doch die beiden zuckten nur stumm mit den Schultern.
„War mit Sicherheit keine Absicht", fuhr Spike hoch. Wut flammte in ihm auf und er knallte den Kühlbeutel auf den Tisch. „Sehe ich etwa so aus, als würde ich mich aus reinem Vergnügen selbst verletzen?"
„Nun… ähm…", stotterte Buffy und sah ihn an.
„Natürlich nicht", sprang Dawn hilfreich ein. Sie umrundete den Tresen und klatschte dem Vampir freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „So was würdest du nie machen."
Einen Schmerzensschrei von sich gebend kam der Vampir hoch und schaute sie finster an. „Au! Verdammt!" Dawn hatte genau die Stelle getroffen, an dem der Holzpfahl, den die Couch abgeschossen hatte, in seinen Rücken eingetreten war.
„Bist du auch irgendwo nicht verletzt?" Dawn sah ihn halb hilflos, halb zerknirscht an und hob entschuldigend die Hände. „Ich wollte das nicht… wusste ja nicht, dass …"
„Schon gut, Krümel." Spike rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Es gab wirklich kaum eine Stelle, die nicht wehtat und er grunzte leise, als er schließlich eine Stelle fand, dich nicht zu sehr schmerzte, um länger darauf zu sitzen. Er seufzte theatralisch, machte sich lang und traf dabei mit seinem schweren Stiefel Buffys Fuß.
„Autsch", murmelte die Jägerin und Spike zog sofort hektisch seinen Fuß wieder zurück. Bei der Aktion traf er jedoch das Tischbein, das mit einem lauten Knacken nachgab und die Tischplatte so in Schräglage brachte, dass alles, was sich darauf befand, auf seinen Schoß rutschte. Auch Buffys Teetasse, angefüllt mit brühendheißer Flüssigkeit.
Laut brüllend sprang er auf, stieß dabei den Stuhl um, der sich sofort in seine Einzelteile zerlegte und prallte dann äußerst unsanft mit dem Rücken gegen den Küchentresen. „Scheiße! Mist! Verfluchte Hölle! Das geht den ganzen verdammten Tag schon so! Alles was ich anfasse, geht sofort kaputt. Und nicht nur das! Hah! Ich bringe mich auch jedes Mal fast um dabei!"
Voll in seiner Wut gefangen griff er nach einem Küchentuch, das auf dem Tresen lag und hörte noch Willows warnende Stimme. Aber da war es schon zu spät. Er hatte voll in die Klinge des Messers gefasst, dass Willow darauf abgelegt hatte.
Die unzähligen Schimpfworte, die darauf folgten, ließen sogar der Jägerin die Ohren rot anlaufen und so schnappte sie sich den Vampir und zerrte ihn durch die Verandatür nach draußen. Sie schleppte ihn auf den Rasen, platzierte ihn auf der Gartenbank und funkelte ihn unter zusammengekniffenen Augen finster an.
„Sitzen bleiben", befahl sie ihm unwirsch. „Beweg dich ja nicht von der Stelle!" Für einen Moment sah sie ihn kopfschüttelnd an; er tat ihr beinahe ein bisschen leid, so mitgenommen sah er aus. „Ich bin gleich wieder da. Ich hole eben Verbandszeug."
Undeutlich vor sich hinknurrend gab Spike irgendwelche undeutlichen Laute von sich. Nackte, kalte Wut machte sich wieder in seinem Inneren breit, bäumte sich in ihm auf wie eine Schlange und nur mit Mühe gelang es ihm, ihr nicht nachzugeben und alles in Kleinholz zu verarbeiten, dass ihm unter die Finger kam.
Doch er bremste sich, nuckelte an der Wunde seiner Hand und zählte still bis hundert. Würde er jetzt ausrasten, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er sich binnen weniger Minuten selbst in einen Staubhaufen verwandeln würde.
Allerdings wollte der Ärger nicht weichen und so ballte er seine Hände zu Fäusten. Er ignorierte den Schmerz, den die Schnittwunde und der gebrochene Daumen machten und ließ erst wieder locker, als seine Muskeln anfingen zu zittern.
Er hatte keinen blassen Schimmer, was mit ihm los war. Aber es war sonnenklar, dass das mehr als nur ein schlechter Tag war und er hatte auch so eine kleine Vermutung, wer dafür verantwortlich sein konnte.
„Krötenlaich und Spinnenbein, Unglück komm zur Tür herein. Pech soll an dem Mann nun kleben, ihm sein nimmer mehr vergeben!"
Dieses kleine, blöde und elende Sprüchlein schien in seinem Kopf festgewachsen und wann immer ihm etwas Schlechtes widerfuhr, schien ein kleines Männchen in seinem Kopf zu tanzen und eben dieses Sprüchlein aufzusagen. Es war wie in einer Endlosschleife und Spike hatte so langsam aber sich die Nase voll davon. Aber aufgeben? Hah! So schnell bestimmt nicht. Und sollte wirklich diese kleine geflügelte Wesen von gestern dafür verantwortlich sein… dann konnte es sich auf etwas gefasst machen!
*~*~*
„Was ist denn mit Spike los?" Dawn hob vorsichtig die Scherben der Teetasse auf und wandte sich Buffy zu. „Er sieht wirklich schlimm aus und ich habe ihn mittlerweile schon einige Male gesehen, wenn er bei euren Kämpfen verletzt wurde. Außerdem benimmt er sich heute merkwürdig."
„Er benimmt sich nicht nur heute so", murmelte Buffy und kramte einen Verbandskasten aus dem Küchenschrank. „Er ist immer merkwürdig. Aber das mag schlicht daran liegen, dass er ein Vampir ist."
„Aber irgendetwas stimmt nicht", meinte nun auch Willow und reparierte mit Magie Tisch und Stuhl. Dann nahm sie das Messer, mit dem Spike sich geschnitten hatte und legte es vorsichtig in die Spüle. „Es scheint fast so, als hätte ihm jemand einen Fluch auf den Hals gejagt", sagte sie überlegend und drehte den Wasserhahn auf, der das Blut wegwusch. „Man kann von Spike ja so einiges sagen", meinte sie dann und wandte sich wieder ihrer Pizza zu, „aber ungeschickt und tollpatschig ist er nicht unbedingt."
„Wir werden es erfahren", seufzte Buffy und befüllte eine Schüssel mit Wasser. „Auch wenn ich mir gar nicht sicher bin, ob ich es wirklich wissen will."
„Spike hilft dir auch immer", schimpfte Dawn und stemmte die Hände in die Hüften. „Und wenn ich das recht in Erinnerung habe, dann hat er dir so einige Male das Leben gerettet."
„Schon gut", schnaufte Buffy und verdrehte die Augen. Sie schnappte sich zwei trockene Küchentücher und eilte hinaus in den Garten.
„Sollten wir nicht lieber mitgehen?", fragte Dawn Willow.
„Gleich", nickte die Hexe. „Aber erst sollten wir unsere Pizza fertigmachen. Ich habe Hunger und so wie ich unser Glück kenne, werden wir zum Essen keine Zeit mehr haben, wenn Spike seine Geschichte erst einmal erzählt hat." Sie streute Käse auf den belegten Teigboden und sah Dawn an. „Nun komm schon", nickte sie der jüngsten Summers zu. „Buffy ist doch bei ihm draußen. Sie wird seine Wunden versorgen und sobald die Pizza im Ofen ist, gehen wir auch hinaus."
*~*~*
„Also gut", meinte Buffy und stellte alles Mitgebrachte neben den Vampir auf die Bank. „Wir sollten wohl mit der Schnittwunde anfangen." Sie sah ihn herausfordernd an und er seufzte und streckte ihr die Hand entgegen.
„Das ist wahrscheinlich vergebene Lebensmüh", brummte er unwirsch und zuckte zusammen, als Buffy die Wunde untersuchte. „Wenn das so weiter geht, dann kann man mich wahrscheinlich komplett in Gips eingießen."
„Gar keine schlechte Idee", versuchte die Jägerin einen Witz. „Vielleicht sollten wir dich in eine Art Ganzkörperkondom packen, dann kann dir nicht mehr ganz so viel passieren." Sie säuberte mit einem angefeuchteten Tuch die Hand und verband sie dann schnell. Dann sah sie in sein Gesicht. „Reißt du die Pflaster auf deinem Gesicht selbst ab, oder soll ich?"
„Warum?", fragte er, hob die Augenbrauen und fingerte auf seinem Gesicht herum.
„Weil mindestens sechs davon an der falschen Stelle kleben", seufzte Buffy. „Schon blöd, wenn man kein Spiegelbild mehr hat."
„Unwichtig", grunzte Spike und sah sie böse an. „Das sind alles nur kleine Wunden und sie bluten schon länger nicht mehr."
„Das kann ja sein", nickte Buffy nun gelangweilt und verdrehte die Augen. „Soll ich dir nun helfen, oder nicht? Dein Gesicht sieht aus, als wärst du durch eine Glasscheibe geflogen und wenn ich mich nicht irre, dann haben sich ein paar deiner Wunden entzündet. Was übrigens sehr merkwürdig ist für einen Organismus, der eigentlich tot ist." Sie wartete gar nicht erst auf eine Antwort, sondern riss eins der schief aufgeklebten Pflaster herunter."
„Au", zischte Spike und schlug ihre Hand weg. Dann ergab er sich seufzend und entfernte den Rest selbst. Er lehnte sich zurück, als Buffy mit der Jodtinktur näher kam und sah erst in den Baum über sich und dann in den Himmel, an dem der Mond langsam seine Kreise zog.
„Okay", sagte die Jägerin, wieder mit Spikes Hauptproblem beschäftigt. „Wer oder was hat dir einen Fluch auf den Hals gejagt?"
„Woher willst du wissen, dass es ein Fluch ist?", antwortete Spike mit einer Gegenfrage und verzog das Gesicht, als sie eine weitere der unzähligen Wunden mit der Tinktur bepinselte.
„Erstens, weil Willow so etwas vermutet und zweitens … was sollte es sonst sein? Dein Geschick wirst du wohl nicht an der letzten Kreuzung verloren haben." Sie grinste ihn schelmisch an, als er sie finster betrachtete. „Nun komm schon! Raus mit der Sprache." Ein letztes Mal betrachtete sie ihr Werk und musste sich das Lachen verkneifen. Er hatte nun so viele rote Punkte im Gesicht, dass es beinahe aussah, als hätte er die Masern.
Buffy verpackte alle gebrauchten Materialien wieder und kippte den Inhalt der Schüssel ins Blumenbeet. „Spike!", schimpfte sie, als er nach wie vor in den Himmel starrte. „Du bist hierher gekommen, weil du meine Hilfe wolltest. Von mir aus auch die von Willow. Aber wir können dir wohl kaum helfen, wenn du nicht einmal sagen willst, was dir passiert ist."
„Also gut", meinte er und suchte ihren Blick. „Ich habe gestern Abend ganz zufällig irgend so ein seltsames Wesen mit Flügeln getroffen. Keine Elfe", meinte er, als sie sich mit überkreuzten Beinen vor ihn auf die Erde setzte. „Elfen kenne ich, hab schon genug davon gesehen."
„Okay", nickte Buffy aufmunternd. „Wo und wie hast du es getroffen?"
„Mit einer verbeulten Coladose am Kopf", sagte Spike leise und Buffy brach in schallendes Gelächter aus.
„Das ist nicht dein Ernst", lachte sie und hielt sich den Bauch. „Mit einer Coladose? Am Kopf?" Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und versuchte sich zu beruhigen. „Warum?", erkundigte sie sich und verdrängte das Kichern, das unbedingt ihrer Kehle entweichen wollte.
„War keine verdammte Absicht", maulte der Vampir. „Es ist eben passiert." Er bedachte die grinsende Jägerin mit einem finsteren Blick und zuckte im nächsten Moment zusammen. Ein Apfel war mitten auf seinen Kopf gefallen und er fauchte leise. „War klar", schnaubte er böse und gab der Frucht einen Tritt.
„So klar war das gar nicht", meinte Buffy mit besorgtem Gesicht und sah der davon kullernden Frucht hinterher. „Der Baum, der hinter dir steht, ist nämlich gar kein Apfelbaum, sondern eine Zierkirsche."
Teil 4
Eine gute halbe Stunde später saß Spike noch immer auf der Summerschen Gartenbank und starrte mehr oder weniger übel gelaunt in den Nachthimmel. Willow und Dawn hatten ein Tablett hinaus in den Garten geschleppt und nun verspeisten die jungen Frauen in aller Seelenruhe ihre Pizza. Das Stück, das ihm angeboten wurde, hatte er dankend abgelehnt. Wahrscheinlich hätte er sich daran bloß einen Zahn abgebrochen oder noch schlimmer, er hätte sich vermutlich ein Stück seiner Zunge abgebissen.
„Also gut", murmelte Willow nun, putzte sich mit der mitgebrachten Serviette den Mund ab und sah zu Spike hoch, da sie im Schneidersitz vor der Bank saß. „Erzähl doch mal, was genau passiert ist."
„Was passiert ist? Hah! Lass dir das von der Jägerin erzählen. Ich habe keine Lust, mich hier noch einmal zum Affen zu machen." Er warf der Hexe einen giftigen Blick zu und starrte dann wieder hinauf zum Mond.
Willow runzelte die Stirn, sah von Dawn zu Buffy und zuckte mit den Schultern. "Ich dachte, du wolltest meine Hilfe"
„Spike hat mit einer Coladose Fußball gespielt und irgendein geflügeltes Wesen getroffen", grinste Buffy, die sich nicht verkneifen konnte, mit der Geschichte herauszuplatzen. „Und so wie ich ihn kenne, war das nicht alles. Aber ich finde es schon sehr lustig, dass ein so alter Vampir Fußball spielt…"
„Ich habe nicht gespielt", schnauzte Spike sie an. „Und schon gar keinen Fußball! Ich habe meinen verdammten Frust an der Dose ausgelassen. Das war alles!" Seine blauen Augen blitzten auf und er verzog das Gesicht, als die Jägerin grinsend zu ihm aufsah. „Was?", fauchte er aufgebracht. „Glaubst du, du bist die Einzige, die Mülltonnen durch die Gegend tritt, wenn sie sauer ist? Bei mir war es eben eine beschissene Dose. Und gezielt habe ich auf das Mistvieh auch nicht. Ich habe es nicht einmal bemerkt, bevor ich es getroffen hatte."
„Was für ein Wesen war das denn?", erkundigte sich nun Dawn und es war offensichtlich, dass sie einen drohenden Streit verhindern wollte. „Eine Elfe vielleicht?"
„Nein, keine Elfe", grunzte Spike. „Elfen kenne ich und die sind viel kleiner, als das, was ich gesehen habe." Er überlegte einen Moment und beschrieb dann, wie das Wesen ausgesehen hatte.
„Und du bist dir sicher, dass es leuchtend grüne Augen und perlmuttfarbene Flügel hatte?", fragte Willow sicherheitshalber noch einmal nach und sprach weiter, als er nickte. „Ich glaube, du hast… ein echtes Problem. Wenn du mich fragst, dann war das eine Fee."
„Eine Fee?", fragten Buffy und Dawn mit großen Augen.
„Mir doch schnurz", knurrte Spike. „Sag mir, wo ich sie finde, dann erledigt sich das schnell von alleine!"
„Du würdest sie doch nicht finden", meinte Willow und wandte sich dann ihren Freundinnen zu. „Normalerweise zeigen sich Feen nur sehr selten. Vor allem meistens nur den Menschen, den sie helfen wollen oder müssen." Sie sah zu Spike. „Bei dir war es wirklich nur ein reiner Zufall. Normalerweise zeigen sie sich nicht in ihrer Urform, sondern immer ähnlich dem, was man aus dem Märchen kennt. Ihr wisst schon, mit Kleidchen und Zauberstab und so weiter."
„Dann hat diese Fee Spike also einen Zauber angehängt weil sie… weil sie…"
„Sauer war", beendete Buffy den angefangenen Satz ihrer kleinen Schwester. „Ich denke mal, er wird sie ordentlich geärgert haben."
„Ganz genau", brummte Spike, dem keiner irgendwelche Aufmerksamkeit schenkte. „Und sie mich!"
„Schon klar", murrte Buffy. „Die böse Fee hat den lieben kleinen William geärgert. Einfach so!" Sie sah ihn abschätzend an und schüttelte den Kopf. „Vergiss es. Es ist passiert und wir sollten versuchen, es wieder geradezubiegen." Sie wandte sich Willow zu. „Du sagst also, es wäre kaum möglich sie zu finden?"
„Sehr unwahrscheinlich", nickte Willow. Sie stand auf und streckte sich. „Aber es gibt eine andere Möglichkeit. Ich muss nur ein wenig recherchieren."
„Und wie kann ich helfen?", brachte sich Dawn in Erinnerung.
„Du?", meinte Buffy. „Du kannst mit mir zusammen die Küche aufräumen, bevor Mom wiederkommt. Und dann solltest du in dein Bett verschwinden. Immerhin ist morgen ein ganz normaler Schultag."
„Das ist wieder mal typisch", meckerte die Dunkelhaarige und warf trotzig das
Haar zurück. „Ich bin aber kein Baby mehr. Ich könnte auch recherchieren und
überhaupt solltet ihr nicht immer so tun, als würde ich noch in den Kindergarten
gehen. Ich bin durchaus alt genug!"
„Das sehen Mom und ich anders", meinte Buffy schnippisch und stand auf. „Also
los jetzt." Sie sammelte alle gebrauchten Teller zusammen und stapelte die
Gläser auf dem Tablett und sah dann zu Dawn, die sich seufzend erhob.
„Ich mach das schon", fauchte Dawn und riss Buffy das Tablett aus der Hand. „Bleib du hier bei Spike, sonst fällt ihm gleich noch den Baum auf den Kopf!"
Der Vampir sah sicherheitshalber hoch, um sich zu versichern, dass genau das nicht passierte und grinste die Jägerin dann hinterlistig an. „Sie gehört definitiv zur Familie. Genauso schnippisch wie ihre große Schwester!"
„Lass es sein", fauchte Buffy ihn böse an. „Sonst komm ich auf die Idee, die Fee doch noch zu suchen und ihr dann dabei zu helfen, dein bescheidenes Leben noch schwerer zu machen."
*~*~*
Eine weitere halbe Stunde später saßen Willow, Buffy und ein sehr lädierter Vampir im Wagen, den sie sich von Buffys Mom geliehen hatten und fuhren hinaus in die Hügel, die Sunnydale umgaben.
Außer einem leisen, unverständlichen Gemurmel gab Spike keine Laute von sich. Er war sauer, denn wie nicht anders erwartet, war er nicht ohne neue Blessuren in das Auto gekommen. Beim Einsteigen hatte er sich so heftig den Kopf gestoßen, dass er für einen Moment Sternchen gesehen hatte und als die Jägerin die Wagentür zugeschlagen hatte, steckte seine Hand dazwischen.
Das Ergebnis der Aktion: Ein gebrochener Mittelfinger und üble Quetschungen an der restlichen Hand.
Außerdem schienen ihn Buffy und Willow gar nicht zu beachten. Die Hexe lenkte den Wagen mehr oder weniger langsam durch den Verkehr und Buffy las die Computerausdrucke, die die Hexe ihr überreicht hatte.
„Und du meinst, dass das funktioniert?", fragte sie nun und die Rothaarige nickte.
„Es funktioniert durchaus", meinte Willow. „Wir müssen nur diese alte Weide finden. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in den Hügeln schon einmal eine gesehen habe und die müsste alt genug sein."
„Warum muss der Baum über hundert Jahre alt sein?", erkundigte sich Buffy, warf einen flüchtigen Blick ins Heck des Wagens, in dem der Vampir leise vor sich hingrummelte und wandte sich dann wieder Willow zu. „Oder liegt es an der Art des Baumes?"
„Es muss eine Weide sein und je älter sie ist, desto mächtiger ist der Zauber, der unter ihm gesprochen wird. Und da ich nicht weiß, wie böse die Fee war und wie stark ihr Fluch ist, sollten wir gleich mit dem mächtigsten Zauber beginnen." Sie sah kurz zu Buffy und zuckte mit den Schultern.
„Also sehe ich das richtig?", brummte nun Spike. „Wir suchen diesen Baum, ich stell mich drunter und du machst irgendeinen Hokuspokus, und der Spuk hat ein Ende?"
„Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn diesen so genannten Hokuspokus musst du alleine machen. Ich kann dich nur unterstützen", meinte Willow und bog nach rechts auf einen Feldweg ein. „Ich werde dich und deinen Zauber mit meiner magischen Kraft unterstützen. Es dürfte kein Problem sein."
„Hier", meinte nun Buffy und reichte einen Zettel nach hinten durch, den Spike lesen sollte.
Eine ganze Minute war es ruhig, dann meckerte der Vampir los. „Bin ich ein verdrehtes Rumpelstilzchen, oder was?", fauchte er, als er sich durchgelesen hatte, was er zu tun hatte. „Das kann jawohl nicht wahr sein. Also ehrlich… ich glaube, ihr spinnt. Das mache ich nie und nimmer!"
„Okay, Willow", meinte Buffy. „Dann können wir ja wieder umdrehen. Spike hat
keine Lust."
„Keine Lust? Hah! Hast du gesehen, was ich machen soll? Das kann doch nur ein
Witz sein!"
Die Jägerin verdrehte die Augen. „Was willst du eigentlich? Den Fluch loswerden oder nicht? Mir ist das doch egal, ob du dir jeden einzelnen Knochen im Leib brichst und die nächsten Jahre damit verbringst, dich von einer Höhle in die nächste zu verkriechen."
„Es sieht dich doch keiner", meinte Willow diplomatisch. „Es kann also nicht
so schlimm werden."
„Das sagst du", brummte Spike und sah wieder auf den Zettel in seiner Hand. ‚Super.
Wirklich ganz toll! Verfluchte Scheiße!’
*~*~*
Zehn Minuten später stand er vor einer uralten knorrigen Weide, die schon
bessere Tage gesehen hatte. „Scheiß drauf", brummte er, ging auf den Baum zu und
sackte augenblicklich mit einem dumpfen Grunzen bis zur Hüfte ein. Er war auf
die Decke eines Fuchsbaus getreten, die unter seinem Gewicht nachgegeben hatte.
„Ganz toll", brummte er, kämpfte sich aus der losen Erde frei und überhörte das
leise Gekicher hinter sich. Er wischte sich den Sand aus dem Mund und spuckte
aus. „Können wir jetzt anfangen, damit ich den Scheiß endlich hinter mir habe?"
„Von mir aus", meinten Willow und Buffy. Die Hexe baute sich auf einem etwas
höher gelegenen Stein auf und konzentrierte sich, dann sah sie zur Jägerin, die
sich auf einen alten Baumstumpf niedergelassen hatte. „Von uns aus kann es
losgehen."
„Ja, ja", grummelte Spike und sah ein letztes Mal auf seinen Zettel. „Wenn einer von euch das jemals jemandem erzählt, dann bringe ich euch um." Er hatte die Warnung so leise ausgesprochen, dass weder Willow noch Buffy ihn hören konnten, doch sie war durchaus ernst gemeint. Denn nichts, was er bisher gemacht hatte, war so lächerlich gewesen, wie das, was ihm jetzt bevorstand. „Scheiße", brummte er und holte unnötigerweise tief Luft. „Dann mal los."
Wie ein Kaninchen hoppelte er rund um den knorrigen Baumstamm, blieb alle drei Sprünge stehen und wackelte mit dem Hintern. „Hinterlistig und gemein, ja, das will ich nicht mehr sein. Edelmut und Tapferkeit, sollen von nun an meine Helfer sein."
‚Wer hat sich den Mist nur ausgedacht?’, dachte er grimmig und wackelte mit dem Hintern. ‚Wenn ich den in die Finger bekomme, dann … dann…’ Seine Verwünschung verhallte still und er hüpfte weiter. „Der böse Fluch, der auf mir liegt, für immer sei er nun besiegt. Niemals soll er wiederkehren und mein Leben mir erschweren!"
Nach drei Umrundungen blieb er knurrend stehen und fauchte die Jägerin an, die sich die Lachtränen aus den Augen wischte und krampfhaft versuchte, das Lachen zu unterdrücken. „War es das jetzt?" Er war ebenso sauer wie eingeschnappt. Er mochte gar nicht darüber nachdenken, was geschehen würde, wenn irgendjemand sein bescheuertes Gehabe gesehen hatte.
Buffy hob einen dicken Kiesel auf, warf ihn gezielt auf den Vampir und nickte, als dieser ihn locker mit seiner gesunden Hand fing. „Jepp, ich denke, das war es dann."
„Wird auch Zeit", maulte Spike, warf den Kiesel wütend auf die Erde und fegte dann an Willow und der Jägerin vorbei, krabbelte auf den Rücksitz des Wagens und schlug krachend die Tür hinter sich zu.
„Sah schon lustig aus, oder?", grinste die Hexe ihre beste Freundin an.
„Allerdings", lachte Buffy leise und drehte sich zum Wagen um. „Aber mal ehrlich, Willow, war das wirklich notwenig, um den Fluch zu brechen?" Sie grinste über beide Ohren. „Obwohl… Spike mit dem Hintern wackeln zu sehen… war wirklich… lustig."
„Natürlich war das nicht nötig", lächelte Willow verschmitzt. „Ich hab den Fluch schon von ihm genommen, als wir hier ankamen. Fee hin oder her, so schwer war das nicht."
„Dann war das ganze… Hinterwackeln… umsonst?", fragte Buffy verstört. „Warum…?"
„Weil ich es witzig fand und Spike gerne mal eine Lektion erteilen wollte. Er sollte sich nicht immer mit jedem und allem anlegen, dem er begegnet." Willow zuckte verlegen die Schultern und kicherte dann los. „Manchmal bin eben auch ich böse und er hat es mehr als verdient. Man legt sich nicht mit einer Fee an. Er ist über hundertzwanzig Jahre alt, er sollte es besser wissen."
„Wenn er das jemals rauskriegt…", versuchte Buffy doch Willow winkte ab.
„Wer sollte es ihm erzählen? Außer uns beiden weiß es niemand und darum ist das Geheimnis ziemlich sicher, oder?" Willows Augen funkelten belustigt und sie packte ihre beste Freundin am Arm. „Und jetzt komm. Wir sollten den schwer verletzten Hinterteilwackler nach Hause fahren, damit er sich verarzten kann."
Leise lachend nickte Buffy mit dem Kopf. „Weißt du was? Das ist eine der Geschichten, über die wir noch in vielen Jahren lachen können." Sie kicherte leise und schüttelte den Kopf. „So was habe ich dir gar nicht zugetraut."
„Tja", grinste Willow. „Genau deswegen kann ich mir so etwas auch ungestraft erlauben." Sie hakte sich bei Buffy unter und zusammen gingen sie auf den Wagen zu. „Und jetzt ab nach Hause. Heute Abend läuft noch Roger Rabbit im Fernsehen und den darf ich nach dem Auftakt keinesfalls verpassen!"