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Dunkelheit… Seine Bestimmung und auch sein Verderben. Wieder einmal hatte die Nacht den Kampf gegen das Licht gewonnen und er lehnte sich zurück, um in aller Ruhe nachzudenken. Sein Leben hatte sich in den letzten Jahren stark verändert und so manches Mal war er nicht sicher, ob es wirklich eine gute Veränderung war. Sicher, er kämpfte nun auf der Seite des Guten, aber einfacher war es nicht geworden. Er war gestorben und zurück auf die Erde geworfen worden, hatte geliebt, gelitten, wieder gekämpft und war erneut gestorben.
Die Jägerin schwirrte durch seinen Kopf, doch er wischte den Gedanken mit einem Stirnrunzeln beiseite. Es brachte nichts, wieder und wieder an sie zu denken. Sie war genauso unerreichbar wie ein lausiger Spaziergang in der Sonne und darum lenkte er seine Gedanken um.
Angel. Angel und seine verdammte Crew, die auf sonderliche Weise der der Jägerin glich. Menschen und Dämonen, die sich zusammengeschlossen hatten, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen. Der verfluchte Endkampf in L.A. hatte allen das Leben gekostet und er fragte sich oft, warum das Schicksal ihn erneut auf diese Welt gebracht hatte. Was war der Grund, warum gerade er zurückgekommen war? Bestand der Sinn seines Unlebens darin zu kämpfen, das Böse zurückzuschlagen, wo es nur ging? Oder gab es einen anderen Grund, warum gerade er überlebt hatte? Oder besser wieder lebte.
Er unterschied sich von Angel, auch wenn sie beide eine Seele gehabt hatten. Angel hatte gelitten, versucht, sein Unrecht wieder gut zu machen und war schlussendlich auch dafür gestorben. Er hingegen bereute weniger. Auch er hörte in schlimmen Stunden die anklagenden Stimmen der Menschen, denen er das Leben genommen hatte, aber er akzeptierte die Tatsache, dass ein Vampir nun mal genau das tat, um zu überleben. Und genau das war er. Ein Vampir. Ein Dämon der Finsternis, der nun verzweifelt einen Sinn für sein Leben suchte.
Über seine eigenen Gedanken erschrocken, riss er die Augen auf. ‚Pfffffft’, dachte er. ‚Das fehlt mir auch noch. Wenn das mit der Grübelei so weitergeht, dann ende ich tatsächlich noch wie Peaches!’
Er kramte Zigaretten aus der Manteltasche, zündete sich eine an und blies den Rauch in den Wind. Der Schiffsmotor dröhnte in die Nacht und das schwer beladene Schiff kämpfte sich durch den aufkommenden Sturm. Auf seiner Stirn zeichneten sich Falten ab, als er versuchte sich zu erinnern, wo er eigentlich gerade hinwollte. ‚Island’, fiel es ihm wieder ein und er zuckte mit den Schultern. Was genau er da wollte, konnte er nicht sagen, aber seit diesem verfluchten Fastweltuntergang war er unterwegs. Halb Europa hatte er gesehen und selbst den Norden Afrikas hatte er bereist. Beinahe konnte man glauben, er wäre auf der Flucht und vielleicht hatte seine Reise wirklich Ähnlichkeit damit. Nie blieb er lange an einem Ort und nicht einmal er wusste, wonach er suchte oder was ihn antrieb.
„Wir bekommen schweres Wetter", riss ihn die Stimme des Steuermanns aus seinen Gedanken.
„Hm", machte Spike und nickte. „Sieht danach aus." Er ließ seinen Blick über den Nachthimmel schweifen und genoss die Böen des Windes. „Aber ich glaube nicht, dass es sonderlich schlimm wird. Da habe ich schon ganz andere Vorzeichen gesehen, die ein wirklich schlimmes Unwetter ankündigen." Er bot dem Mann eine Zigarette an, die dieser dankbar annahm.
„Der Kapitän meint auch, dass wir ohne Schwierigkeiten in den Hafen einlaufen können. In ungefähr zwei Stunden werden wir anlegen." Er zog heftig an seiner Zigarette und das Ende glimmte hellrot auf. „Sind Sie eigentlich auf Urlaub? Ich weiß, es geht mich nichts an, aber für gewöhnlich reisen Menschen nicht unbedingt auf Frachtschiffen."
„Urlaub?", wiederholte Spike nachdenklich. „Ja, so kann man es wohl nennen." Er drehte sich um, lehnte sich mit dem Rücken an die Reling und sah den Steuermann an. „Wer lenkt das Schiff?", erkundigte er sich und lachte, als sein Gegenüber verschmitzt grinste.
„Der Sturm baut sich gerade erst auf. Ich habe dem Computer die ehrenvolle Aufgabe überlassen." Der Seemann lehnte sich vor und flüsterte verschwörerisch. „Der Kapitän ist gerade runter in den Maschinenraum, die zehn Minuten wollte ich für eine kleine Pause nutzen."
„Verständlich", meinte Spike und nickte gedankenverloren.
„Wie auch immer", meinte der Steuermann. „Ein Sturm ist niemals gut, aber in
der Nacht ist es schlimmer als am Tag, da man keinerlei Anhaltspunkte mehr sieht
und ich habe es schon oft erlebt, dass der Wind einen weit aus dem Kurs wirft.
Und das trotz all der Technik, die uns heute zur Verfügung steht. An Ihrer
Stelle würde ich jedenfalls in die Kabine gehen. Wir wollen doch nicht, dass Sie
noch über Bord fallen." Er schnipste den Zigarettenstummel in die höher
werdenden Wellen und grinste. „Jedenfalls ist meine Pause jetzt um und ich
sollte mich schleunigst auf den Weg machen. Ärger mit dem Kapitän… nein danke,
darauf kann ich gut verzichten." Er lächelte Spike an. „Einen schönen Abend
noch."
Spike hob zum Gruß die Hand und drehte sich wieder dem Wasser zu. ‚In die
Kabine’, dachte er belustigt. ‚Quartier wäre der passende Name.
Und das auch nur, wenn man es positiv sieht. Drecksloch wäre das Treffendste.’
Er stieß sich von der Reling ab und schlenderte langsam unter Deck.
Wahrscheinlich hatte der Seemann Recht. Auch wenn er keinerlei Angst hatte, über
Bord zu gehen… die Nacht war noch lang und bisher hatte er keine Bleibe in
Reykjavik. Vielleicht sollte er die übrige Zeit mit Schlaf nutzen.
******
Drei Stunden später schulterte Spike seinen Seesack und verließ über die klapprige Gangway das Frachtschiff, das ihn von Irland aus hierher gebracht hatte. Er marschierte durch den Hafen und steuerte das erstbeste Hotel an, in dessen Fenster eine flackernde Reklame aufblinkte. Zimmer frei, stand darauf geschrieben und er öffnete die Tür.
Ein dümmlich wirkender Mann stand hinter einer schäbig wirkenden Theke und blickte ihm entgegen. Die anfallenden Formalitäten waren schnell erledigt und es dauerte nicht lange, bis er ein abgenutztes und doch freundlich wirkendes Zimmer betrat.
Spike ließ sich auf das Bett fallen, das unter seinem Gewicht ächzte, und er überlegte, warum es ihn ausgerechnet nach Island verschlagen hatte. ‚Was will ich hier?’, fragte er sich. ‚Warum ausgerechnet hierher? Zu dem komischsten Volk Europas?’
Natürlich war Island nicht komisch. Aber es war das einzige Volk, das an Wesen aus anderen Welten glaubte. Feen und Trolle waren hier nichts Außergewöhnliches. Jedes Kind kannte Geschichten darüber und jeder glaubte an sie. Sogar beim Straßenbau wurde an diese Wesen gedacht und keinem würde es jemals in den Sinn kommen, ihre gewohnten Plätze zu verändern oder gar dem Erdboden gleichzumachen. Und wenn das bedeutete, dass eine gerade Straße auf einmal um einen großen Felsblock herumgeführt wurde, dann war das eben so. Keinen störte es und niemand regte sich darüber auf.
„Ich habe schon auf dich gewartet", hörte er eine leise, piepsige Stimme und er blickte sich erschrocken um. Das Zimmer war nicht gerade groß und der klapprige Kleiderschrank stand weit offen. Er war sicher, alleine zu sein, spürte kein fremdes Wesen in seiner Nähe und doch machte er sich lang und schaute unter das Bett. Aber da war nichts und so sprang er auf und öffnete die Tür, die zu dem kleinen Badezimmer führte. Aber auch das Badezimmer war leer.
‚Einbildung’, dachte er und schüttelte den Kopf. Er ging zurück in das Zimmer, setzte sich aufs Bett und stand wieder auf. Was sollte das eigentlich werden? Es war gerade mal Mitternacht. Wollte er die Nacht und den ganzen Tag hier herumhängen und grübeln? Über sich selbst erstaunt schüttelte er den Kopf. Er musste dringend etwas unternehmen, sonst endete er als Kopie von Angel und so beeilte er sich aus dem Zimmer zu kommen. Etwas streifte sein Ohr, er blieb stehen und seine Finger wanderten zu dem Körperteil, aber das merkwürdige Gefühl verflüchtigte sich genauso schnell, wie es gekommen war und er lief die schmale Treppe hinab in den Schankraum.
Der Wirt war einigermaßen erstaunt, ihn schon wieder vor sich zu sehen, doch er sagte nichts. Spike erkundigte sich, ob es eine Art Sperrstunde gab, doch der Angesprochene schüttelte den Kopf.
„Nein", sagte er freundlich. „Unsere Kundschaft besteht hauptsächlich aus Seemännern und deswegen ist die Tür Tag und Nacht offen. Man weiß ja nie genau, wann ein Schiff einläuft oder wieder abfährt."
Spike bedankte sich für die Auskunft und verschwand in die Nacht. Ziellos lief er durch die Straßen, blieb schließlich vor einer Bar stehen und öffnete die Tür.
„Tse! Das war klar. So ein Lokal musst du jetzt auch besuchen", hörte er die Stimme wieder, doch diesmal schien sie direkt aus seinem Kopf zu kommen und er kniff zornig die Augen zusammen. War er dabei durchzudrehen? Würde er wie Drusilla enden? Genauso durchgeknallt und wirklichkeitsfremd?
„Bestimmt nicht", versicherte er sich und setzte sich auf den ersten freien Barhocker. Er bestellte einen Whiskey und sah sich erstaunt um. Er hatte gar nicht bemerkt, wo er gelandet war und verschluckte sich beinahe, als eine nur spärlich bekleidete Frau auf ihn zutänzelte.
„Hallo, mein Süßer", säuselte die Fremde. „Wie wäre es denn mit uns beiden?" Sie wackelte mit der linken Augebraue und ihre Zunge fuhr aufreizend über ihre Lippe. Ihre Hand wanderte über seinen Oberschenkel und er schüttelte den Kopf. „Nur den Whiskey", brummte er. „Nur den Whiskey!" Sie zog beleidigt ab und Spike atmete unnötiger Weise tief ein.
„Ach, und jetzt kneifst du. Das hätte ich nicht von dir erwartet", sagte die
piepsige Stimme in seinem Kopf. „Ein großer böser Vampir…"
„Halt die Klappe", schnauzte Spike leise und goss sich den Inhalt des Glases in
den Mund. Er bestellte einen Zweiten, kippte ihn hinunter und bezahlte. Das war
nicht die passende Umgebung für ihn. Nicht heute Nacht. Nicht jetzt und nicht
hier!
Zurück auf der Straße blies ihm der noch immer stärker werdende Wind ins Gesicht und er lehnte sich gegen die Böen. Was zum Teufel hatte er sich dabei gedacht, ausgerechnet dieses Land zu besuchen? Was wollte er hier?
In seinem Kopf hörte er eine leise Stimme lachen. „Weißt du das denn nicht? Ich habe dich gerufen!"
„Ja", brummte er und zog das Wort gewaltig in die Länge. „Ich habe ja auch schon immer das gemacht, was andere von mir wollten!" Er verdrehte die Augen. „Und vor allem habe ich schon immer auf Stimmen gehört! Also, wer oder was auch immer du bist… verschwinde!"
„Noch nicht". Wieder dieses helle Lachen. „Meine Aufgabe ist noch nicht erledigt."
********
Ohne es bewusst gesteuert zu haben, hatten ihn seine Schritte zurück zum Hotel gelenkt und er stiefelte die Treppe wieder hinauf in sein Zimmer. Er zog seinen Mantel aus und warf ihn über das Bett. „Morgen nehme ich das erste Schiff, das dieses verdammte Land verlässt. Alles ist besser als hier!", schimpfte er vor sich hin.
„So schnell willst du gehen?", fragte die Stimme. „Und ich dachte, wir könnten noch miteinander spielen."
Spike spürte etwas auf seinem Kopf und er schlug mit der flachen Hand zu. Laut schimpfte er auf, als er unter seiner Hand nichts als Haare und seinen Schädel spürte. „Verfluchte Hölle", zischte er und sah sich um.
„Daneben", lachte das Piepsstimmchen vergnügt.
‚Daneben?’, dachte Spike erstaunt. Also war das alles keine bloße Einbildung und diese verdammte Stimme kam auch nicht aus seinem Kopf. Was es auch war, es war ein Wesen, das ihn da malträtierte und wenn es ein Lebewesen war, dann konnte er es auch bekämpfen.
Wie zufällig trat er an den kleinen Tisch und griff nach der Tageszeitung, die dort zurückgelassen worden war. Er versuchte möglichst gleichgültig zu tun, ging auf das Fenster zu und zog den Vorhang zurück. Beinahe hätte er vor gespielter Gleichgültigkeit gepfiffen, aber eben nur beinahe. Spike blickte nicht nach draußen, er starrte in die stumpfen Scheiben und suchte nach einer Bewegung.
„Da gibt es nichts zu sehen", sagte das Stimmchen über seinem rechten Ohr. Spike holte mit der Zeitung aus, hörte, wie etwas getroffen wurde, durch die Luft sirrte und gegen die gegenüberliegende Wand prallte.
„Aua! Das hat wehgetan", schimpfte das Piepsstimmchen.
Doch diesmal war er auf der Hut gewesen. Er hatte ein milchiges Wasserglas gegriffen und über das kleine Wesen gestülpt, das auf dem Fußboden sichtbar wurde.
„Hey! Das ist gemein", zischte das Wesen, dessen Stimme jetzt wie mit Helium angereichert klang.
„Gemein? Gemein ist es, mich den ganzen Abend zu nerven!", knurrte der Vampir. Er schob die Zeitung unter das Glas und hob es hoch. „Wow! Eine Elfe", meinte er, nachdem er das fingergroße Wesen genauer betrachtet hatte.
„Ja, ich bin eine Elfe! Und jetzt lass mich hier raus!", schnaubte das kleine Wesen.
„Ganz sicher nicht", meinte Spike und stellte das Glas mitsamt seinem Zeitungsboden auf den Tisch. Er zog einen Stuhl heran, lehnte sich nach vorne und betrachtete das geflügelte Wesen eingehender. „Was zur Hölle willst du eigentlich von mir? Oder ist es bloßer Zufall, dass du ausgerechnet mir auf den Sender gehst?"
„Ich habe dir schon gesagt, dass ich dich gerufen habe", schmollte die Elfe und verzog ihr kleines Gesichtchen. Sie setzte sich auf die Zeitung, zog die Beine an und schlang ihre Arme um die Knie.
„Gerufen. Ja, schon klar", brummte Spike kopfschüttelnd. „Und was genau willst du von mir?"
„Lass mich hier raus und ich erzähle es dir", sagte die Elfe und lächelte verschlagen.
Schallendes Lachen war Spikes Antwort. Er schüttelte belustigt den Kopf. „So wichtig ist mir die Antwort nicht. Morgen verlasse ich dieses elende Land und du kannst dir sicher sein, dass ich garantiert niemals zurückkomme. Ich lass dich einfach unter dem Glas und du kannst darauf warten, dass der schmierige Wirt dich freilässt."
„Typisch Vampir", schmollte die Elfe. Doch dann reckte sie sich und sah ihn
geradewegs an. „Und dann? Was machst du dann? Wieder von einer Stelle zur
anderen zuckeln?"
„Selbst wenn… was geht dich das an?", motzte Spike und kniff die Augen zusammen.
„Es geht mich etwas an", erwiderte sie honigsüß. Dann sprang sie auf und trommelte mit ihren kleinen Fäustchen gegen das Glas. „Wie soll ich meinen Auftrag erfüllen, wenn ich hier drin gefangen bin?"
„Du hast einen Auftrag?", fragte Spike verwirrt. ‚Das wird ja immer schöner. Was für ein verdammter Auftrag, und von wem zur Hölle kommt er?’
„Das sag ich dir, wenn ich hier raus bin", erwiderte sie trotzig und verschränkte die kleinen Ärmchen vor der Brust.
„Hm", machte Spike überlegend. „Will ich das eigentlich wissen?", fragte er
laut und trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. „Nein. Ich denke nicht!"
„Du bist gemein", fauchte sie. „So behandelt man uns Elfen nicht!"
„Ich schon", meinte er und grinste schief. „Ich habe da kein Problem mit. Ich
habe dir schon gesagt, dass ich morgen hier weg bin, also wen kümmert es?"
„Und was dann? Gaukelst du wieder in der Weltgeschichte herum? Ohne Plan und Sinn? Man hat dich zurück auf die Erde gebracht… aber nicht, damit du deine Zeit verschwendest. Allerdings frage ich mich langsam, warum alle so große Stücke auf dich halten und du diese Chance überhaupt bekommen hast? Wenn du mich fragst, dann hast du es nicht verdient!"
„Deine Meinung interessiert mich nicht", zischte er, langsam wütend werdend. „Was hat das tolle Schicksal denn diesmal für mich parat? Einen neuen Höllenschlund? Einen neuen Weltuntergang, der mit meinem Tod endet? Das wäre dann das vierte Mal!"
„Du hast nur wenig Vertrauen in das Gute", sagte sie leise. „Schade."
„Das Gute?", wiederholte er verächtlich. „Ich bin ein verdammter Vampir und das
werde ich immer bleiben. Mit oder ohne meine Seele. Ich habe hunderte von
Menschen getötet. Vielleicht tausende… also komm mir nicht mit so einem Mist!
Ich werde nicht ändern können, was in den letzten hundertzwanzig Jahren
geschehen ist und vielleicht will ich das auch gar nicht!"
„Also gut, du hast es nicht anders gewollt", schimpfte sie und machte ein verbissenes Gesicht. Sie kniff die Augen zusammen und ihre kleinen Händchen zitterten vor Anstrengung. Das Glas, das sie einschloss, zitterte und zerbarst schließlich in unzählige kleine Stücke. „Du hast es eigentlich nicht verdient, aber ich helfe dir trotzdem", sagte sie, schwirrte vor seinem Gesicht auf und ab und boxte ihn mit ihrem kleinen Fäustchen auf die Nase.
„Verschwinde einfach", schnaubte Spike und wischte sie mit einer Handbewegung weg.
„Nein, das werde ich nicht", beharrte sie. „Man hat mich dazu auserkoren, dich an den Ort zu bringen, an den du gehörst! Damit deine endlosen Reisen endlich ein Ende haben und du wieder das tust, wofür du da bist!"
„Und das wäre?", zischte er und spürte erschrocken, wie sich seine Umgebung
auflöste.
„Das siehst du gleich", sagte sie leise und ihre Stimme klang sonderbar weich. „Vielleicht bist du wirklich so gut, wie man sagt und vielleicht haben wir uns einfach auf dem falschen Fuß erwischt… Was immer auch jetzt passiert oder die Mächte mit dir vorhaben, ich wünsche dir alles Gute."
„Danke", murmelte er verwirrt. Dann wurde sein Umfeld wieder deutlicher.
„Spike?", rief eine überraschte Stimme. „Oh, mein Gott!"
Er spürte, wie sich Arme um ihn legten und bevor er reagieren konnte, sah er in ein strahlendes Gesicht. Das Gesicht der Jägerin, die ihn fest umklammert hielt und an sich drückte. „Ich habe es gewusst", sagte sie und lachte. „Ich habe es immer gewusst."
„Buffy?", fragte er vollkommen verdattert.
„Wer sonst?", lächelte sie, umfasste seinen Kopf mit den Händen und zog ihn zu sich herab. „Ich warte schon so lange", sagte sie leise. „Seitdem ich weiß, dass du zurück bist. Ich habe versucht dich zu finden, aber du bist immer zu schnell wieder abgetaucht." Ihre Stimme war nur mehr ein heiseres Flüstern und sie räusperte sich. „Willow hat mir schließlich geholfen und sich an alle Erdwesen gewandt, die sie erreichen konnte. Also…"
„…hast du mir diese furchtbare kleine Elfe auf den Hals gejagt", sagte er und seine Stimme klang härter als geplant. „Warum?" Die Frage blieb ihm fast im Hals stecken. Was war es diesmal? Ein Weltuntergang? Sollte er wieder den dummen Lakaien spielen, der wie ein wohlerzogenes Hündchen hinter ihr herzuckelte?
„Weil ich dich liebe", sagte sie sanft und bevor er sich versah, hatte sie ihre Lippen auf die seinen gelegt. „Nur aus diesem Grund. Ich liebe dich!"
Ende