
Teil 1
Schaurig kalt waberten Nebelschwaden über den Gottesacker, das fahle Licht des Vollmonds beleuchtete die Szenerie gespenstisch und Spike, der sich dicht an einen der großen Grabsteine gekauert hatte, lächelte beinahe grimmig. Das Wetter schien sich seiner Stimmung anzupassen, machte es ihm aber auch somit schwerer, die Umgebung vollkommen im Blick zu haben und er verzog missmutig das Gesicht.
Seitdem er nach Sunnydale zurückgekehrt war, waren eine Menge unheiliger Dinge geschehen. Dru hatte ihn nach über einem Jahrhundert verlassen, eine absonderliche Militärabteilung der Regierung hatte einen Chip in seinen Schädel implantiert, dank dem er nun keinen Menschen mehr angreifen konnte, und er hatte sich mehr oder weniger freiwillig der Jägerin angeschlossen.
Wenn er ehrlich zu sich war, dann musste er zugeben, dass es vollkommen freiwillig gewesen war. Aus reiner Langeweile heraus! Allerdings würde er das Buffy oder gar dem Wächter gegenüber niemals zugeben. Zugeben musste er jedoch, dass ihm dieses Ding in seinem Kopf zuerst arg zugesetzt hatte und eine Verzweiflung, die er, jedenfalls seitdem er ein Vampir war, nicht mehr kannte, hatte sich seiner bemächtigt. Doch auf die eine oder andere Weise hätte er einen Weg gefunden, sich zu ernähren. Immerhin kümmerte er sich nun auch wieder alleine darum, auch wenn er hin und wieder gerne als Bezahlung Blut von der Jägerin und ihren Kumpanen forderte.
Doch das gehörte eher zu einem Spiel. Hin und wieder musste er eben zeigen, dass er kein gezähmtes Schoßhündchen, sondern immer noch ein gefährlicher Vampir war. Er schockierte gerne und es machte ihm noch immer Spaß, den Abscheu in den Gesichtern der Menschen zu sehen, mit denen er mittlerweile mehr Kontakt hatte, als es ihm lieb war.
Er hatte sich an sein seltsames Leben gewöhnt, kam überraschend gut klar damit, ein Außenseiter in der Dämonenwelt zu sein, denn das versetzte ihn in die Lage, seine Wut und seinen Frust an anderen Dämonen auszulassen. Der einzige Knackpunkt war die Jägerin, für die er mehr empfand, als es gut für einen Vampir war. Doch bisher hatte sie es nicht bemerkt, oder aber nicht bemerken wollen. Und das war auch gut so. Bisweilen zweifelte er mehr an sich selbst, als jeder Außenstehende es je hätte tun können und zudem war es besser, ein solches Geheimnis für sich zu behalten, wollte man sich nicht vollkommen zum Gespött machen.
Heute jedoch war alles anders. Nun gut, nicht erst heute, doch so kleinlich wollte er nicht sein. Schon seit Tagen schwebte das Gefühl einer drohenden Gefahr über ihm, seine Nackenhärchen wollten sich gar nicht wieder anlegen und er spürte praktisch Augen auf sich ruhen, die ihn ständig und ununterbrochen beobachteten.
Tagelang, besser gesagt Nächtelang, war er mit dieser mulmigen Ahnung durch die Straßen von Sunnydale gelaufen, doch erst seit dem heutigen Tag hatte er das Gefühl, kurz vor dem Durchdrehen zu sein. Die Nervenanspannung in den letzten Tagen war zu groß gewesen und bisher hatte er es nicht geschafft, sich abzulenken. Geschweige denn herauszufinden, wer oder was diese Sinnesempfindung in ihm hervorrief!
Am Höllenschlund war es ruhig, nur ein paar Vampire trieben ihr Unwesen und diese stellten keine große Bedrohung dar. Sie waren jung, unerfahren und liefen praktisch in jeden Pflock, der ihnen vorgehalten wurde. Die Jägerin hatte er schon lange nicht gesehen, was wohl bedeutete, dass sie sich ein paar ruhige Tage mit ihrem neuen Freund, dem Soldaten, machte.
Spike seufzte grimmig, konzentrierte sich dann schnell wieder auf seine Umgebung. Er sollte jetzt weiß Gott nicht an Buffy denken oder an das, was sie mit diesem Riley anstellte. Es war dringend erforderlich endlich herauszufinden, was genau mit ihm nicht stimmte. Doch egal wie sehr er sich anstrengte, all seine Vampirsinne bis aufs Äußerste gespannt, er konnte keinen Feind entdecken.
„Okay", knurrte er und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Entweder ich drehe durch oder aber…." Er stockte, runzelte die Stirn und förderte eine Schachtel Zigaretten aus den Tiefen seiner Manteltasche hervor. Er lehnte sich an den Grabstein, zündete sich eine an und blies den Rauch in die Nebelsuppe, die dicht über dem kalten Boden des Friedhofs waberte.
Ein absurder Gedanke schoss durch seinen Kopf. Konnte dieses dämliche elektronische Irgendwas in seinem Schädel für dieses beklemmende Gefühl verantwortlich sein? Bisher hatte es ihn nur vom Töten abgehalten, zumindest was menschliche Wesen anging, aber hatte dieser Chip vielleicht Nachwirkungen, die sich erst jetzt äußerten? Wenn ja, dann musste er sich unbedingt noch dringender darum kümmern, ihn wieder loszuwerden.
Er verzog das Gesicht, schnippte den Zigarettenstummel weg und richtete seinen Mantelkragen auf. Er würde den Wächter fragen. Die einzige Instanz, die er freiwillig ansteuern würde. Der verdrehte Engländer würde ihm gewiss helfen, sogar dann, wenn er keine wirkliche Lust dazu hatte. Giles war einfach nicht der Mann, der ein Problem ungelöst in der Luft stehen lassen konnte. Ob er wollte oder nicht, er würde nicht eher ruhen, bis er wusste, was hier in Sunnydale vor sich ging.
Seufzend stieß sich Spike vom Grabstein ab, noch immer mit dem Gefühl, ununterbrochen beobachtet zu werden. Er hob die Hand, streckte seinem unbekannten Gegner den Mittelfinger entgegen und marschierte dann mit weit ausholenden Schritten durch die Nebelschwaden. Er würde schon herausfinden, ob sein Gehirn ihm Streiche spielte, oder er einen wahrhaftigen Feind hatte, der sich bisher nur noch nicht gezeigt hatte.
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Zufrieden seufzend stellte Rupert Giles, seines Zeichens Wächter der derzeitigen Jägerin, seine dampfende Tasse Tee auf den großen runden Tisch in der Magic Box. Der Zauberladen glänzte gerade durch die Abwesenheit jeglicher Kunden, doch das störte ihn nicht im Geringsten. Gewöhnlich lief sein Geschäft Aufsehen erregend gut, was wohl hauptsächlich daran lag, dass sich die Stadt direkt über dem Höllenschlund befand. Die Einwohner der Stadt ignorierten zwar gerne die seltsamen Vorkommnisse, die hier in Sunnydale an der Tagesordnung waren, doch versuchten bedeutend mehr Menschen als anderswo, sich durch Zauberamulette oder überhaupt die Zauberei zu schützen.
Sein Tag war bisher zu seiner vollkommenen Zufriedenheit verlaufen und er betrachtete wohlwollend seine neuen Schätze, die er bei einer Haushaltsauflösung nahe Los Angeles erstanden hatte. Gestapelt lagen die antik anmutenden dicken Bücher übereinander und da Ruhe am Höllenschlund herrschte und er auch sonst keine dringenden Verpflichtungen hatte, hoffte er, den Abend in aller Ruhe ausklingen zu lassen und sich durch seine neu erstandenen Werke zu blättern.
Anya, die gewöhnlich recht ungehalten war, sobald sich keine Kundschaft zeigte, war heute in die Abrechnungsbücher vertieft und Giles lächelte verhalten. Hin und wieder wirkte ihr Gebaren noch immer sehr befremdlich auf ihn. Überhaupt hatte er nie verstanden, wie eine ehemalige Rachedämonin, die schon über tausend Jahren auf Erden weilte, sich so für den schnöden Mammon interessieren konnte. Geschweige denn davon zu reden, dass sie sich ausgerechnet in Xander verliebt hatte.
Er schüttelte den Kopf. Das waren Gedanken, mit denen er sich jetzt nicht beschäftigen wollte. Er setzte sich an den Tisch und seine rechte Hand fuhr gedankenverloren über den ledernen Einband des oberen Werkes. Unverschämtes Glück war es gewesen, überhaupt auf die Annonce des Flohmarkts aufmerksam geworden zu sein. Durch blanken Zufall hatte er im Cafe das Gespräch zweier ältlicher Matronen aufgefangen, die sich hinter vorgehaltener Hand über einen, wie sie es nannten, verschrobenen alten Kauz unterhielten, der nun endlich das Zeitliche gesegnet hatte.
„Seine Enkel verkaufen jetzt seinen gesamten Hausstand?", hatte die Frau mit der großen Hakennase leise gefragt. „Und es steht sogar in der Zeitung?"
„Allerdings", hatte die andere geantwortet und zu Giles Missfallen eine Unmenge an Zucker in ihren Tee gerührt.
„Ich hätte das ganze Haus angezündet", hatte die erste wieder gemeint und sich geschüttelt. „Du weißt ja, dass ich aus unmittelbarer Nachbarschaft der Familie Montgomery-Smith komme und ich kann dir sagen, schon die Alten waren eine verschrobene Gesellschaft. Aber Jonathan war immer…", sie schüttelte sich wieder, „noch absonderlicher als der Rest der Sippe. Es hieß, er habe mit dem Teufel im Bunde gestanden", flüsterte sie und lachte auf. „Aber das glaube ich nicht. Sie waren einfach verrückt! Verrückt! Alle miteinander! Und es ist gut, dass er tot ist!"
Mehr hatte er nicht hören müssen. In aller Eile hatte er seinen Kaffee ausgetrunken und war in die Magic Box gestürmt, in der, wie jeden Morgen, sämtliche wichtigen Zeitungen der Stadt auslagen. Schon der Name Montgomery-Smith hatte ihn hellhörig werden lassen, doch zuerst hatte er den Namen nicht einordnen können. Als dann noch „Jonathan" dazu gekommen war, war es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen.
Die Familie Montgomery-Smith war wahrhaftig außergewöhnlich und er konnte es den Frauen nicht einmal verdenken, dass sie nur hinter vorgehaltener Hand zu sprechen wagten. Schon seit Jahrhunderten beschäftigten sich die Familienmitglieder mit allem Okkulten und waren berühmt und berüchtigt gewesen. Jonathan Montgomery-Smith hingegen war schon zu Lebzeiten eine wahre Legende, bekannt dafür, der Schwarzen Magie mehr als nur zugetan zu sein und ihm wurden Fähigkeiten zugeschrieben, von denen Giles nur hoffen konnte, sie entsprangen der Fantasie der Menschen.
Wieder fuhr seine Hand sachte über den Einband. Shelleys Buch der
Monstrositäten… ein wahres Unikum, dessen bloße Existenz er bisher stets
bezweifelt hatte. Zudem noch eine Handvoll schier unbezahlbarer Exemplare, die
er für einen Spottpreis erworben hatte. Offensichtlich hatten sich die späteren
Generationen der Familie Montgomery-Smith der Magie abgewandt. Anders konnte er
sich jedenfalls nicht erklären, dass sie alle Wertgegenstände des Hauses auf
solche Art und Weise veräußerten. In seinem Wagen stapelten sich noch Kartons
voller Zauberamulette, Dolche, Runensteine, Tarot-Karten, magischer
Schmuckstücke und weitere Bücher, die jedoch bei weitem nicht so interessant
waren wie die Exemplare auf dem Tisch.
Giles trank vorsichtig einen Schluck des heißen Tees, lächelte dann und klappte vorsichtig den schweren Lederdeckel des Buches auf. Heute würde er sich von nichts und niemandem ablenken lassen!
Keine zwanzig Sekunden später stürmte Spike in die Magic Box. Er hob kurz die Hand, um Anya zu begrüßen und ging dann rasch auf den Wächter zu, der keinen besonders glücklichen Eindruck machte. ‚Mir doch egal’, dachte Spike und baute sich breitbeinig vor ihm auf. „Giles! Ich brauche Ihre Hilfe!"
„Muss das unbedingt heute sein?", erkundigte sich Giles seufzend und sah auf. Er hatte überhaupt keine Lust, sich mit dem Vampir zu beschäftigen. ‚Wahrscheinlich hat er wieder Langeweile’, überlegte er missmutig. „Mir passt es heute wirklich gar nicht. Können wir nicht morgen…?"
„Nein! Es kann nicht warten", motzte der Vampir und schob trotzig das Kinn
vor. „Ich wäre kaum hier, wenn es nicht wichtig wäre und…."
Die Türklingel der Magic Box läutete Sturm, als die Jägerin hineinstürmte und
sofort auf ihren Wächter zueilte. „Giles, ich muss Sie sofort sprechen. Es ist
dringend." Sie sah Spike an und ihr Gesicht wurde ernst. „Was willst du denn
hier?" Doch dann schüttelte sie den Kopf. „Unwichtig!" Sie wandte sich wieder
ihrem Mentor zu. „Wie viele haben ihn verloren?"
„Verloren? Was?" Giles starrte seine beiden Besucher an und konnte es kaum
glauben. Der Tag hatte doch so schön angefangen und jetzt…. Er seufzte innerlich
und schalt sich einen schlechten Wächter. Immerhin war es seine Aufgabe, sich um
Buffy zu kümmern und das bedeutete auch, immer Zeit für sie zu haben. Er drängte
also den Wunsch nach Einsamkeit in den hintersten Winkel seiner Gedanken und
versuchte sich zu konzentrieren.
„Ich war zuerst da", schnaubte Spike wütend. „Stell dich hinten an!"
„Halt die Klappe", konterte Buffy und schob ihn unsanft zur Seite.
„Was hast du verloren?", Giles sprang auf und bremste seine Jägerin, die sich in ihrem aufgebrachten Zustand offensichtlich sofort auf Spike stürzen wollte. Eine Unterbrechung konnte er verschmerzen, nicht aber den Verlust einer seiner neuen Kostbarkeiten, die unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen würden, sollte es zum Kampf kommen.
Buffy funkelte Spike noch einmal zornig an, dann drehte sie sich Giles zu.
„Den Verstand. Wie viele Jägerinnen haben ihn verloren?"
„Ich verstehe nicht…", murmelte der Wächter und schüttelte den Kopf. „Wie kommst
du…? Warum…?"
Spikes Laune änderte sich schlagartig. Gerade eben war er noch wütend über die Störung gewesen, jetzt war er nur noch neugierig. Er zog einen Stuhl ab, setzte sich und lehnte sich zurück. Das konnte spannend werden und er wollte nicht ein Wort verpassen.
„Buffy, ich glaube nicht, dass du…", sagte Giles gerade einigermaßen verwirrt, nahm seine Brille ab und rieb sich die Augen. „Nicht, dass nicht hin und wieder eine Jägerin… aber ich glaube kaum, dass du…" Er setzte seine Brille wieder auf und hob verständnislos die Schultern.
„Seit Tagen geht das schon so!", schimpfte die Jägerin los. „Ständig habe ich das Gefühl beobachtet zu werden. Aber es ist niemand da! Niemand! Ich hab schon mit Willow darüber gesprochen und sie hat einen Zauber ausprobiert, der meine Feinde sichtbar machen sollte. Aber das hat nichts genutzt!" Sie holte tief Luft. „Also entweder ich drehe durch, oder aber irgendwer spielt mir üble Streiche." Sie fuhr herum und funkelte Spike erneut böse an. „Steckst du vielleicht dahinter? Irgendeins deiner makaberen Spielchen?" Eine ungeheure Wut hatte sich in den letzten Tagen in ihr aufgestaut und sie hatte nicht übel Lust, sich ein wenig an ihm abzureagieren.
„Hey", sagte er, hob abwehrend die Arme und schüttelte den Kopf. „Ich hab
nichts damit zu tun."
„Wer es glaubt", schnaubte Buffy, konzentrierte sich dann aber wieder auf ihren
Wächter. „Warum ist er überhaupt hier?", fragte sie schnippisch. Sie war
verwirrt und aufgeregt, zudem stinksauer und absolut nicht in der Laune, ihr
Seelenleben ausgerechnet vor dem Vampir auszubreiten.
Doch, noch bevor Giles auch nur ein Wort sagen konnte, stand Spike auf. „Er ist hier, weil er das gleiche Problem hat wie du!" Er reckte das Kinn vor und sah Buffy an. „Na, Slayer! Was sagst du jetzt?"
Teil 2
Absolute Stille durchflutete den Zauberladen und für einen Moment war es so ruhig, dass Giles glaubte, seinen eigenen Herzschlag hören zu können. Jedoch dauerte diese seltsame Unterbrechung nicht sehr lange und ihm blieb nicht einmal die Zeit, das eben Gehörte zu verdauen.
Anya sah offensichtlich ihre Chance gekommen und plapperte los. „Wir haben kaum noch Lurchaugen", sagte sie nach einem Blick auf ihre Vorbestellungen für den nächsten Tag. Wie fast immer interessierte es sie nicht, was rund um sie herum passierte. Jedenfalls nicht, wenn es um Geld ging, das ihr durch die Lappen gehen könnte. „Und wir werden wohl den Lieferanten für Spinneninnereien wechseln müssen. Barnes versucht mich über den Tisch zu ziehen. Er hat seine Preise schon wieder erhöht. Das zweite Mal in diesem Jahr! Aber das macht er nicht mit mir. Oh nein!"
„Nicht jetzt, Anya", sagte Giles, ignorierte das beleidigte Gemurmel der Ex-Dämonin und richtete seinen Blick wieder auf Buffy, die ihn ebenso verwirrt ansah, wie er sich fühlte. „Du fühlst dich beobachtet? Verfolgt? So, als wäre ständig jemand in deiner Nähe, den du allerdings nicht sehen kannst?"
„Ein unsichtbarer Gegner, der mir das Leben langsam zur Hölle macht", bestätigte Buffy und nickte. Sie sah Spike an, der sich wieder auf seinen Stuhl fallen ließ, mit seinem Feuerzeug spielte und es wieder und wieder auf- und zuschnappen ließ. „Und dir geht es genauso? Oder war das nur ein blöder Witz?"
„So was habe ich nicht nötig", murrte Spike mit abfälligem Gesichtsausdruck.
„Oder glaubst du, ich wäre freiwillig hier? Es wäre spaßiger, meinen Fußnägeln
beim Aufrollen zuzusehen!" Er machte eine abwinkende Handbewegung. „Mir gehen
diese unbekannten Geister, oder was immer sie sind, seit Tagen dermaßen auf den
Sender, dass ich…" Er setzte sich auf und beugte sich vor. „Lassen wir das. Ich
wollte deinen Wächter fragen, woran das liegen kann oder wer dahinter stecken
könnte. Für einen Moment hatte ich dieses fiese elektronische Ding in meinem
Schädel in Verdacht, doch da es dir ebenso ergeht…"
„Dieses fiese Ding sorgt dafür, dass du dich noch nicht in einen Staubhaufen
verwandelt hast", brummte Buffy, doch Spike hörte ihr gar nicht zu.
Er sah Giles unentwegt an. „Wenn die Jägerin die gleichen… Symptome hat, wird die Sache doch gleich wesentlich spannender."
„Hat sonst noch jemand diese… wie Spike es nennt… Symptome?", erkundigte sich Giles und verabschiedete sich gedanklich endgültig von seinen Neuerwerbungen. Er klappte Shelleys Buch der Monstrositäten wieder zu und seufzte lautlos. „Willow vielleicht?"
„Sie hat nichts davon gesagt", meinte die Jägerin und zuckte mit den
Schultern. „Allerdings war sie offensichtlich schwer enttäuscht darüber, dass
ihr Zauber nicht wirkte. Sie hat Stunden gebraucht ihn zusammenzustoppeln und …"
„Ja, verstehe", unterbrach Giles und wandte sich seiner Angestellten zu. „Wie
ist es mit dir? Oder Xander?"
„Uns geht es gut", nickte sie. „Auch wenn wir heute morgen zu spät dran waren, um unseren Guten- Morgen- Sex zu haben. Xander hat mir jedoch versprochen, es heute Abend wieder gutzumachen", lächelte sie in Gedanken versunken.
„Oh, ähm… ausgezeichnet", murmelte Giles, um eine Antwort reicher, die er nie hatte hören wollen. Er schüttelte den Kopf, setzte sich und trank einen Schluck Tee. Mittlerweile war er beinahe kalt, doch diese Geste half ihm dabei, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. „Ich selbst kann nicht von mir behaupten, in den letzten Tagen irgendetwas Merkwürdiges verspürt zu haben", sagte er nach einer Weile. „Wir können also davon ausgehen, dass nur du und … ähm, Spike betroffen seid."
„Soweit wir wissen", seufzte Buffy und ließ sich genervt auf einen freien Stuhl sinken. Diese Ungewissheit ging ihr auf die Nerven und sie wäre jetzt lieber durch die Straßen gelaufen und hätte nach dem Grund für ihre Empfindungen gesucht, anstatt stillzusitzen und womöglich gleich wieder in muffigen Büchern nach des Rätsels Lösung zu suchen.
„Seit wann geht das jetzt schon so? Wann hattest du die ersten… ähm, Anzeichen? Und wie genau äußern sie sich?", erkundigte sich der Wächter mit gerunzelter Stirn. Obwohl er verstanden hatte, was seine Jägerin meinte und ihre Nervosität deswegen sogar in gewisser Weise nachvollziehen konnte, so brauchte er doch mehr Informationen. Ein ungutes Gefühl, das Fehlen einer drohenden Gefahr reichte bei weitem nicht aus, um daraus logische Schlussfolgerungen zu ziehen.
„Montag Abend", platzte es aus ihr heraus. „Ich war gerade auf dem Campus auf
Streife, hab einen Vampir erledigt, der sich hinter dem Theater auf die Lauer
gelegt hatte und dann… urplötzlich war es einfach da." Wie um ihre Worte zu
bestätigen, machte sie eine ausholende Armbewegung. „Erst habe ich gedacht, es
würden sich weitere Vampire in der Dunkelheit verstecken, doch wir konnten
nichts entdecken." Sie zuckte mit den Schultern. „Riley hat mich begleitet und
…"
„…ihr habt eine Runde Körperflüssigkeiten ausgetauscht", unterbrach Spike sie
fies grinsend. Es reichte, den Namen dieses schrecklichen Lackaffen zu hören und
sofort flammte Wut in ihm auf. Er hatte Buffy oft genug mit diesem Army-Soldaten
beobachtet und wenn er könnte, wie er wollte, hätte sich dieses Thema bald
erledigt.
„Wir war es denn bei Ihnen?", warf sich Giles in die Bresche. Offenbar gierten die beiden geradezu nach einer Schlägerei und das wollte er nach wie vor verhindern. Er warf Buffy einen, wie er hoffte, beruhigenden Blick zu und beobachtete dann den Vampir, der das Gesicht verzog und wieder sein Zippo aufschnappen ließ.
„Auch Montag, denke ich", sagte Spike und zuckte mit den Schultern. Er überlegte einen Augenblick und nickte dann. „Jepp, Montag Abend. Ich bin auf dem Weg in die Stadt einem Dreyxl-Dämon begegnet. Wir hatten ein kurzes, recht nettes Intermezzo, bevor er sich in einen graugrünen Matschklumpen verwandelt hat."
„Nun denn", nickte Rupert Giles und runzelte wieder einmal die Stirn. „Offenbar hat es euch ungefähr zur gleichen Zeit erwischt, erklärt aber recht wenig." Er verstummte einen Augenblick und dachte angestrengt nach. „Ich kann nicht behaupten, jemals etwas Derartiges gesehen, gelesen oder gehört zu haben. Ich wüsste nicht einmal, wo ich mit meiner Recherche ansetzen sollte…"
„Ich denke, es ist wohl an der Zeit, dass wir erklären…", sagte eine helle, piepsende Stimme über den Köpfen der Anwesenden und Buffy und Spike fuhren sofort hoch.
„Was zum Teufel", fluchte der Vampir und auch die Jägerin nahm Kampfhaltung ein. „Wer oder was seid ihr?" Spike hasste derartige Überraschungen. Er hasste es, nicht Herr der Lage zu sein und mühte sich redlich, nicht seinem Dämon die Vorherrschaft über sich zu lassen. „Verflucht!"
Mehr und mehr kleine Wesen wurden sichtbar; ihre winzigen durchscheinenden Flügel bewegten sich lautlos, doch sie schnellten rasch in die Höhe, denn Spike war aus dem Stand abgesprungen und hatte einen von ihnen fast erwischt.
„Wir sind Euch nicht feindlich gesinnt", piepste wieder die Stimme und eins der Wesen löste sich aus der Menge und flog auf Giles zu. „Wir wollen keinen Schaden anrichten, sondern wir erbitten Eure Hilfe." Etwas dreißig Zentimeter vor dem Gesicht des Wächters schwebte das Wesen lautlos auf und ab und sein kleines Gesichtchen sah äußerst traurig aus. „Vielleicht war es falsch von uns, auf diese Weise mit Euch in Kontakt zu treten, doch wir wussten uns keinen anderen Rat."
Es waren Elfen. Kleine geflügelte Wesen, die in erdfarbene, einfache Sachen gekleidet waren. Zu hunderten kreisten sie unter der Decke des Zauberladens und machten dabei nicht das geringste Geräusch. Nicht einmal das Flügelschlagen war zu hören und auf ihren kleinen Gesichtchen zeigte sich Anspannung.
„Ich hab es doch gewusst", schnaufte Buffy, die sich schon wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Glücklich war sie nicht über diese Überraschung, jedoch erleichtert darüber, nicht den Verstand zu verlieren oder unter Verfolgungswahn zu leiden. „Wer seid ihr und was wollt ihr von uns?" Sie beobachtete die Menge über sich, ließ gleichzeitig aber auch Giles und das Wesen vor seinem Gesicht nicht außer Augen. Wirklich gefährlich wirkten diese Dinger nicht, aber man wusste ja nie….
„Elfen", sagte Giles, dem zumindest teilweise ein Licht aufging. „Es sind Elfen und da sie von Natur aus zu den Lichtwesen zählen, konnte auch Willows Zauber sie nicht ausmachen. Sie hat bestimmt nur nach bösen Wesen und Feinden gesucht und …"
„Die sind ja süß", sagte Anya und legte den Kopf in den Nacken, um besser sehen zu können. „Es ist schon ewig her, dass ich welche gesehen habe." Sie überlegte einen Moment. „Fast fünfhundert Jahre ist das jetzt her. In Italien oder so."
„Elfen", knurrte Spike. „Lichtwesen! Pah! Da hab ich allerdings andere Erfahrungen! Es gibt auch welche, die auf der dunklen Seite stehen und dort einen Heidenspaß haben." Er schnaubte verächtlich und seine Körperhaltung zeigte deutlich, dass er sich keineswegs beruhigt hatte.
„Aber nicht diese hier", erklärte Giles, rückte seine Brille zurecht und besah das winzige geflügelte Wesen vor sich genauer. „Diese hier gehören der guten Gattung an. Das sieht man schon an den durchsichtigen Flügeln", erklärte er und rief sein vorhandenes Wissen über die Wesen ab. „Bleibt nur die Frage, bei was wir helfen sollen? Elfen haben ihre eigenen Zauberkräfte und sind kaum auf unsere Hilfe angewiesen." Mit diesen kleinen Zauberwesen hatte er nur sehr selten überhaupt Kontakt gehabt und war fasziniert.
„Für gewöhnlich stimmt das", sagte die Elfe vor Giles Gesicht, drehte dann ab und landete auf dem Tisch. Sie setzte sich auf die Kante von Giles neuem Buch und ließ die Beine baumeln. „Ich gehe gerade ein großes Risiko ein", sagte sie und zeigte nach oben. „Wir alle. Ich hoffen jedoch, wir haben richtig entschieden, uns an euch zu wenden."
Spike sah aus, als würde er am liebsten einmal mit der flachen Hand ausholen und das geflügelte Wesen wie eine lästige Mücke zerquetschen. Doch er beherrschte sich. Seine Neugierde war geweckt und zum finalen Schlag blieb immer noch Zeit genug.
„Spuck es aus", forderte Buffy das kleine Wesen auf. „Ich will wissen, warum
ihr uns seit Tagen beobachtet und verfolgt." Sie warf einen kurzen Blick auf den
Vampir, sah Giles an und richtete dann ihren Fokus auf den Elfen. „Anders kann
man es kaum nennen! Gewöhnlich werden wir einfach gefragt, wenn jemand unsere
Hilfe braucht."
„Wir entschuldigen uns dafür", sagte die Elfe kleinlaut und in die Menge der
Wesen, die immer noch dicht unter der Decke herumflogen, kam Bewegung. Sie
verteilten sich auf den Regalen, setzten sich und verstummten. „Wir mussten
sicher sein. Sicher, ob wir euch vertrauen können und auch sicher, dass ihr die
Richtigen seid!"
„Die Richtigen wofür?", fragte Spike abschätzig.
„Das ist eine lange Geschichte", piepste die Elfe und seufzte schwer. „Doch zuerst muss ich mich vorstellen. Mein Name ist Sadie und meine Freunde und ich entstammen einer Sippe, die ihr Zuhause in den tiefen Wäldern Alaskas hat." Sie sah auf, zuckte dann mit den Schultern und drehte den Kopf. „Es wäre sehr nett von Euch, wenn Ihr Euch setzen könntet. Mir ist nicht ganz wohl dabei, diese Geschichte zu erzählen und noch immer bin ich nicht sicher, ob ihr…."
„Es tut dir und deinen Freunden keiner was", beeilte sich Anya zu sagen und setzte sich zurück auf ihren Platz. „Alle hier gucken bedeutend grimmiger, als sie wirklich sind. Sie werden bestimmt helfen." Sie sah Giles lächelnd an, zuckte zusammen, als sie seinen ernsten Gesichtsausdruck sah und zuckte mit den Schultern. „Was denn? Als hätte auch nur einer von euch jemals einem hilflosen Wesen seine Hilfe verweigert." Sie sah zu Spike. „Naja, alle außer dir."
„Darum geht es hier nicht", meinte Buffy und schüttelte den Kopf. „Wir wissen nicht einmal, um was es geht."
„Lass das kleine Viech doch erzählen, danach können wir immer noch entscheiden, ob wir die Fliegenklatsche holen oder sie mit der flachen Hand erschlagen", schlug Spike vor, setzte sich und verschränkte die Arme. „Also! Raus damit!"
„Unsere Königin, Aerona, wurde von den dunklen Elfen entführt." Das kleine
Wesen sah zu Giles auf, der sich ebenfalls wieder auf seinen Platz gesetzt
hatte. „Du wirst es wissen", sagte sie, „du bist ein Hüter der verschiedensten
Geheimnisse. Ohne unsere Königin ist das Überleben der ganzen Sippe gefährdet
und wir brauchen Hilfe. Dringend!"
„Warum wurde sie entführt?", fragte Spike und beugte sich vor. „Soweit ich mich
erinnere, hängt ihr Elfen nicht gerade an materiellen Gütern. Um Kohle kann es
also nicht gehen."
„Lass sie doch aussprechen", motzte Buffy, beugte sich dann ihrerseits vor und sah der kleinen Elfe ins Gesicht. „Erzähl weiter", forderte sie Sadie auf. „Warum wurde sie entführt und warum glaubt ihr, wir könnten helfen?"
„Aerona hat sich geweigert einer Hochzeit zuzustimmen. Tanavar von den
Dunkelelfen will das Geschick der Welt ändern, indem er alle Lichtelfen auf die
dunkle Seite zwingt. Viele kleine Stämme sind ihm schon zum Opfer gefallen, aber
Aerona hat sich dagegen gesträubt."
Leises Gemurmel wurde laut und Buffy sah, dass der Rest des Elfentrupps sich
aufgeregt unterhielt. Sie sah ihren Mentor an, schüttelte fast unmerklich den
Kopf und wandte sich dann wieder an die Elfe, die auf dem dicken Wälzer auf dem
Tisch saß. „Dir, besser gesagt euch, ist schon bewusst, dass ich die Jägerin
bin? Also, nicht das wir uns falsch verstehen. Es tut mir wirklich leid, dass
deine Königin entführt wurde… aber…."
„So einfach ist das nicht", seufzte Sadie und eine silberne Träne rann über ihre
kleine Wange. „Tanavar ist gefährlich. Noch bemerkt ihr auf dieser Welt die
Auswirkungen nicht. Aber wenn er weiter Sippe für Sippe unterwirft, dann wird
sich alles ändern. Auch hier bei euch. In eurer Welt!"
„Wovon redet sie da?", fragte Spike Giles und zog eine Augenbraue in die Höhe.
„Nun, das ist schwer zu erklären", murmelte Giles, nahm seine Brille ab und kaute gedankenverloren auf dem Bügel. „Elfen zeigen sich nur selten und doch sind sie allgegenwärtig. Ihr wisst sicherlich, dass sie auch Elben oder gar Albe genannt werden. Und der Name kommt nicht von ungefähr. Denkt nur an Albträume, dann wisst ihr, worauf ich hinaus will."
„Die dunkeln Vettern dieser Viecher sind also für böse Träume zuständig", brummte Spike und schüttelte den Kopf. „Ach nein, wie schrecklich aber auch."
„Sie missverstehen das", sagte Giles, setzte die Brille wieder auf und erhob sich. Er ging zu den Bücherregalen und für einen Moment wanderte sein Zeigefinger über die Buchrücken. „Hier ist es", sagte er, zog eins der Werke heraus und blätterte darin herum. Er legte das Buch auf den Tisch, sodass Buffy und Spike einen Blick hineinwerfen konnten und setzte sich wieder. „Es handelt sich nicht nur um schlechte Träume. Die dunklen Elfen haben die Macht, böse Gedanken in die Köpfe ihrer… nun, ähm… Opfer zu pflanzen. Sei es ein Diebstahl oder gar der Mord am Vater."
„Verstehe", nickte Buffy. „Je mehr dunkle Elfen es gibt, desto mehr Leute
drehen durch."
„So ungefähr", sagte Giles vage.
„Und sie haben tolle Ideen, diese Elfen", bestätigte Anya. Ich habe mir so einiges von ihnen abgeschaut, als ich noch im Rachegeschäft war."
Wie immer wurde die Ex-Dämonin ignoriert und Spike schüttelte den Kopf. „Das ganzen Hin und Her ist mir echt zu blöd. Ihr seid Elfen, ihr habt Zauberkräfte, ihr seid unsterblich."
„Nur solange wir nicht gemeuchelt werden", schluchzte Sadie und diesmal flossen die Tränen in Strömen. „Tanavar und die dunklen Elfen haben Hunderte von uns getötet und wir können uns kaum gegen sie verteidigen."
„Und was genau sollen wir dagegen unternehmen?", fragte Buffy.
„Ihr müsst mit uns kommen und Aerona befreien!"
Teil 3
Es war spät in der Nacht, als Giles leise seufzte und sich die müden Augen rieb. Anya hatte sich bereits kurz nach Ladenschluss mit der Begründung verabschiedet, sich von Xander nun die versprochene Belohnung abzuholen, und Giles, der beim besten Willen nicht noch mehr von dem Sexleben der beiden hören wollte, hatte sie praktisch aus der Ladentür hinausgeschoben. Buffy und Spike waren geblieben, mit ihnen eine Schar Elfen, die mittlerweile auch müde und erschöpft wirkten.
Sadie hatte ausführlich und sehr umständlich erklärt, warum Aerona, die Königin der Sippe, entführt worden war. Im Grund lief es darauf hinaus, das der dunkle Elf Tanavar die Macht an sich reißen wollte. ‚Wieder einer, der die Weltherrschaft für sich einfordert’, dachte Rupert Giles und gähnte hinter vorgehaltener Hand. ‚Und sei es nur die Elfenwelt.’ Ein altbekanntes Thema, und er wunderte sich manchmal, dass sich immer neue Hitzköpfe fanden, die es versuchten.
Aeronas Sippe war laut Sadie eine der größten überhaupt und Tanavar wäre seinem Ziel ein gutes Stück näher gerückt, hätte er die Königin auf seine Seite ziehen können. Noch stand sie auf der Seite des Lichts, durch die Vermählung mit einem Dunkelelfen würde sich das schlagartig ändern. Da sie sich jedoch offenbar standhaft dagegen gewehrt hatte, hatte er sie kurzerhand entführt, was unweigerlich zum Krieg zwischen den so ungleichen Sippen führen musste.
„Alles gut und schön", sagte Buffy müde. „Ich verstehe euer Problem und glaubt mir, ich bedauere euch sehr. Doch warum musstet ihr Spike und mich auf diese Weise ausspionieren? Giles hat immer ein offenes Ohr für Problemfälle, Willow wäre schlicht weg begeistert gewesen, hättet ihr euch an sie gewandt, und ich hätte gewiss auch nicht…."
„Wir brauchen mutige, starke Krieger", sagte Sadie leise. Die lange Diskussion hatte sie ermüdet und sie wirkte unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf. „Wir mussten uns persönlich überzeugen!"
„Verflucht! Verschwinde endlich!", schnaubte der Vampir, der langsam die Lust
verlor. Eine kleine Elfe, die sich ihm als Binea vorgestellt hatte, schien einen
Narren an ihm gefressen zu haben. Eine lange Zeit hatte sie sich kaum näher
herangetraut, doch irgendwann hatte sie ihre Scheu überwunden und war ihm auf
die Pelle gerückt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Entweder sie schwirrte
direkt um seinen Kopf herum oder aber sie setzte sich auf seine Schulter und
flüsterte ihm ständig irgendetwas ins Ohr.
„Du bist gar nicht so böse, wie du es jedem vormachst", sagte sie jetzt mit
ihrer glockenhellen Stimme. „Ich kann deine Aura sehen", kicherte Binea.
„Tiefschwarz in der Mitte, doch der Rand leuchtet hell und wird jeden Tag ein
kleines Stückchen größer."
„Wenn ich dir erstmal den Kopf abgerissen habe, wird sie wieder schön schwarz, wie sie sein soll", fauchte Spike, sprang auf und jagte hinter der Elfe her, die kichernd vor ihm flüchtete, Haken in der Luft schlug und lachte, wenn sie ihn ausgetrickst hatte.
„Spike!", riefen Buffy und Giles zeitgleich.
„Was denn?", murrte er brummig. „Soll mich das verdammte Viech halt in Ruhe lassen und nicht so einen Unfug daherreden!"
„Setz dich wieder hin", schnauzte Buffy ihn an, wartete, bis er sich wieder auf seinen Platz niederließ und sah dann zu Sadie. „Jetzt mal Tacheles! Was genau erwartet ihr von uns?"
„Wie schon gesagt, wir brauchen starke Krieger, die uns im Kampf gegen die Dunkelelfen unterstützen. Zahlenmäßig sind wir den Bösen überlegen", seufzte Sadie. „Noch jedenfalls! Doch wir beherrschen das Kämpfen nicht."
„Dann solltet ihr lieber den Soldatenheini mitnehmen, den die Jägerin seit Neuestem mit sich herumschleppt", murrte Spike trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. „Der hat diesen militärischen Scheiß voll drauf. In nicht einmal einer Woche werdet ihr in Reih und Glied stehen und salutieren! Nur die Bewaffnung sollte Schwierigkeiten darstellen. Ein Sturmgewehr müssten hundert von euch tragen!"
„Wir können den Geliebten der Jägerin nicht mitnehmen", erklärte Binea und lächelte Buffy an, die einen hochroten Kopf bekam. „Er wurde niemals vom Übersinnlichen berührt, so wie ihr beide. Er könnte unsere Welt nicht betreten."
„Also gut", sagte Giles erschöpft und stand auf. „Ich fasse das Ganze jetzt einmal zusammen. Ihr wollt Spike und Buffy mitnehmen, damit sie euch helfen, das Böse zu besiegen." Sadie nickte erleichtert, doch der Wächter ging nicht darauf ein. „So einfach ist das nur nicht. Buffy ist die Jägerin und es gibt gute Gründe dafür, warum sie ausgerechnet hier am Höllenschlund lebt."
„Das wissen wir", sagte die kleine Elfe leise. Sie stand von ihrem Sitzplatz
auf dem Buch auf und flog zu den Elfen hinüber, die sich noch immer auf den
Regalen tummelten. „Wir wissen, dass unsere Bitte nicht einfach zu erfüllen
ist", sagte sie, „doch ihr solltet auch die Auswirkungen auf eure Welt nicht
ganz außer Acht lassen, sollten wir und weitere Elfensippen den Kampf gegen das
Böse verlieren."
Eine nach der anderen Elfe wurde unsichtbar und schließlich war nur noch Binea
übrig, die auf Spike zuflog und ihn anlächelte. Sie warf ihm eine Kusshand zu
und verschwand, noch bevor er sie greifen konnte.
„Jetzt auch nur ein falsches Wort", drohte Spike und funkelte Jägerin und Wächter bitterböse an, „und ich schwöre, kein Chip der Welt kann mich davon abhalten, euch in Stücke zu reißen!"
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Der schwarze, mit dunklen Wolken überzogene Himmel lichtete sich langsam, wechselte in ein verwaschenes Dunkelblau und Giles lehnte seinen Kopf für einen Moment an die Einganstür der Magic Box. Er war hundemüde, komplett erschöpft.
Noch eine lange Zeit hatte er mit Buffy und Spike über den Hilferuf der Elfen gesprochen, das Für und Wider abgewogen, doch schlussendlich blieb ihnen kaum eine Wahl. Selbst wenn sie die Interessen der Lichtelfen außer Acht lassen würden, war die Gefahr, die von den Dunkelelfen ausging, nicht von der Hand zu weisen. Sie mussten sich um die Sache kümmern, koste es, was es wolle.
Spike hatte sich, wie nicht anders zu erwarten war, heftig dagegen gewehrt. „Bin ich denn verrückt? Was interessieren mich diese kleinen verdammten Biester? Sollen sie sich doch zum Teufel scheren! Ich bin ein Vampir, verdammte Hölle, nicht von der Heilsarmee!"
Und auch Buffy war nicht gerade glücklich über die Entscheidung, in den Krieg der Elfen eingreifen zu müssen. „Ausgerechnet mit Spike! Nein, auf gar keinen Fall! Wenn ich schon nicht Riley mitnehmen kann, dann jedenfalls Willow. Sie könnte mir eine große Hilfe sein! Immerhin ist sie eine Hexe!"
Giles drehte den Schlüssel, hörte das Schloss in der Ladentür des Zauberladens einrasten und schlurfte trägen Schrittes zu seinem Auto. „Ich werde langsam zu alt für diesen Mist", murmelte er leise vor sich hin. Er war zwar für sein Leben gerne Wächter, doch es wäre ihm lieber gewesen, derartige Probleme ließen sich bei Tage lösen. Die wenigen Stunden Schlaf, die er sich jetzt gönnen konnte, würden bei weitem nicht ausreichen, um ihn wieder komplett herzustellen. Und doch mussten sie reichen.
Anya würde wie immer pünktlich kommen und das Geschäft öffnen, darüber musste er sich keine Gedanken machen. Die Elfe Sadie jedoch würde gewiss nicht lange auf sich warten lassen, um eine endgültige Antwort einzufordern. Ihm behagte der Gedanke gar nicht, Buffy alleine ziehen zu lassen. Nun gut, sie war nicht wirklich alleine, denn Giles hatte Spike überreden können, doch mit auf die Reise zu gehen.
„Ich an Ihrer Stelle würde mir das Ganze gut überlegen", hatte er Spike gesagt. „Ich weiß, dass Sie als Vampir nicht unbedingt darauf aus sind, als Retter einer Elfenwelt gefeiert zu werden, doch Sie sollten nicht vergessen, welche Vergünstigungen diese Reise mit sich bringen könnte. Immerhin sind Elfen Zauberwesen und wer weiß, wofür es gut sein könnte."
Wie er nicht anders erwartet hatte, hatte es nicht lange gedauert, bis der Vampir zugestimmt hatte. „Er ist so vorhersehbar", murmelte Giles und startete seinen Wagen. „Man muss ihm nur eine Belohnung in Aussicht stellen und schon ist er kaum noch zu bremsen."
Was genau sich Spike als Entlohnung ausgemalt hatte, vermochte Giles nicht einmal erahnen, doch im Grunde war es auch egal. Er würde Buffy begleiten und man mochte über den Vampir denken, was man wollte, er war ein mächtiger, starker Kämpfer, der Buffy gewiss unterstützen konnte. Und Buffy würde schon dafür sorgen, dass er keinen Unsinn anstellte und die Situation in der Elfenwelt noch verschlimmern würde.
Willow, so hatte er als Wächter entschieden, musste in Sunnydale bleiben. Niemand konnte vorhersagen, wie lange die Jägerin unterwegs sein würde und Xander, Anya, Willow, mit all ihren magischen Kräften, und er selbst mussten die Ordnung am Höllenschlund solange aufrecht erhalten, wie es eben dauerte. Es würde eine anstrengende Zeit werden und er mochte gar nicht darüber nachdenken, was geschah, sollten ausgerechnet jetzt unerwartete Schwierigkeiten auftauchen.
„Es wird schon nichts passieren", murmelte er vor sich hin und fuhr durch die noch menschenleeren Straßen. „Es darf einfach nichts passieren", gähnte er und hielt auf dem Parkplatz vor seinem Appartement. Er stieg aus, erinnerte sich plötzlich an seine so wichtigen, neu erstandenen Bücher und winkte gedanklich ab. Nein, darum würde er sich jetzt nicht mehr kümmern. Sie lagen einigermaßen warm und sicher auf dem Tisch in der Magic Box und würden da hoffentlich auch noch liegen, wenn er ein paar Stunden später zurückkehrte.
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Buffy strampelte ihre Stiefel von den Füßen, zog ihre Hose aus und krabbelte in ihr Bett. Auf dem Heimweg ins Studentenheim hatte sich doch tatsächlich noch ein Vampir gezeigt, der unbedingt Streit hatte anfangen müssen. Dabei war sie auch so schon müde genug gewesen. Die vergangenen Tage, in denen sie sich verfolgt und beobachtet gefühlt hatte, waren blanker Stress gewesen und sie hatte nur wenig geschlafen.
Und die Tage, die ihr nun bevorstanden… darüber mochte sie noch gar nicht
nachdenken. Buffy zog die Decke bis hinauf zu den Ohren und schloss die Augen.
„Schlafen", murmelte sie leise. „Nur noch schlafen."
„Buffy? Bist du gerade erst heimgekommen?", schreckte Willow hoch und setzte
sich in ihrem Bett auf. „Alles okay mit dir?"
„Bin nur müde", murmelte die Jägerin unter ihrer Decke.
„Das kann ich mir denken. Immerhin ist es fast Zeit zum Aufstehen." Die Rothaarige strich sich verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht und gähnte herzhaft. „Hat Giles dir jedenfalls helfen können?"
„Jepp", murmelte Buffy träge. „Ich gehe demnächst die Elfenwelt retten."
„Elfen?", fragte Willow freudig. „Wie interessant. Hast du welche gesehen?"
„Können wir das später besprechen? Ich bin wirklicht total erledigt." Buffy
hatte keine Lust auf eine Unterhaltung. Sie wollte nur noch die Augen schließen
und endlich schlafen.
„Oh, sicher", murmelte Willow einigermaßen enttäuscht. Erdgeister interessierten sie ungemein, Elfen vor allen Dingen. Schon seit frühester Kindheit verband sie wunderbare Gedanken mit diesen kleinen Zauberwesen. Was bestimmt auch daran lag, dass Tinkerbell sie über Jahre begleitet hatte. Sei es auf Tassen, Kissen oder gar ihrer Kindergartentasche gewesen. „Schlaf schön", murmelte sie und stand leise auf. Sie würde sich gedulden müssen, aber früher oder später würde ihr Buffy schon alles Wissenswerte erzählen.
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Spike fühlte sich großartig. Endlich spürte er nicht mehr diese dauernde Last auf seinen Schultern und so schlenderte er gemütlich durch die Straßen. Einigermaßen gemütlich zumindest. Es würde nicht mehr lange dauern bis zum Sonnenaufgang und bis dahin musste er seinen sicheren Unterschlupf erreicht haben.
Er versetzte dem schmiedeeisernen Tor am Eingang des Friedhofs einen Tritt und es schwang laut quietschend auf. „Ich muss mir unbedingt noch etwas Gutes einfallen lassen", murmelte er leise vor sich hin. Es würde die Elfen einiges kosten, ihn für seine Dienste zu bezahlen. Immerhin war er nicht irgendein dahergelaufener Vampir. Er war der Big Bad! Ein Wesen der Nacht, das sich seit über hundertundzwanzig Jahren auf dieser Welt bewegte.
Bisher hatte er nur den Wunsch, diesen vermaledeiten Chip entfernen zu lassen, doch vielleicht waren sie dazu nicht in der Lage. Er hatte zu wenig Ahnung davon, wie stark die Zauberkraft dieser winzigen Wesen war, doch so wie es aussah, hatte er demnächst genügend Zeit es herauszufinden.
Er öffnete seine Tür, huschte nach einem letzten Blick auf den schnell heller werdenden Himmel ins Innere der Gruft und verschloss die Tür. Doch kaum hatte er auch nur ein paar Schritte gemacht, hatte er wieder das seltsame Gefühl beobachtet zu werden.
„Binea", flüsterte er leise und sein Gesicht verfinsterte sich. „Solltest du dafür verantwortlich sein, so kann ich dir nur raten, so schnell es geht zu verschwinden! Vielleicht bin ich dumm genug, euch in eurem bescheuerten Krieg zu unterstützen, ich habe bestimmt nicht versprochen, keiner von euch Elfen etwas zuleide zu tun. Sollte ich dich also erwischen, reiße ich dir mit Freuden den Kopf ab!"
Er wartete einen Augenblick und grinste hämisch, als sich das Gefühl in Luft auflöste. Ja, er würde noch eine Menge Spaß haben. Dafür würde er schon sorgen!
Teil 4
Der Wald war dicht und urwüchsig, wie Buffy es nie zuvor gesehen hatte. Kein menschliches Wesen hatte jemals Hand daran gelegt und nur Mutter Natur formte sein Aussehen. Gewaltige, meterdicke alte Bäume reckten ihre riesigen Kronen in den Himmel, morsche, umgestürzte Bäume versperrten den Weg, boten dafür jedoch kleinen Lebewesen Unterschlupf. Unbekannte, schaurig klingende Tierlaute hallten durch die Weiten des Terrains, doch nichts wirkte bedrohlich oder gar gefährlich.
Beinahe zwei Stunden liefen sie nun schon kreuz und quer durch das Gelände, obwohl eigentlich nur Buffy und Spike liefen. Schwer bepackt marschierten sie hinter dem Abholtrupp der Elfen her und dem Vampir war dabei deutlich anzusehen, wie wenig Lust er noch hatte, durch das Unterholz zu trampeln.
Willow und Giles waren maßgeblich am Transport der Beiden in die Wälder Alaskas
beteiligt gewesen, denn die Zauberkraft der Elfen reichte nicht aus, zwei so
große Gestalten wie ihre Besucher zu teleportieren. Gleichzeitig hatten sie aus
Angst vor Entdeckung einen Teil des Weges unterschlagen und den mussten sie nun
zu Fuß zurücklegen.
„Jetzt ist es nicht mehr weit", zwitscherte Binea, die es sich nicht hatte nehmen lassen, Spike persönlich abzuholen. Sie umkreiste ihn wie eine Motte das Licht und plapperte fast ununterbrochen. „Hab ich schon erwähnt, wie dankbar wir sind, dass ihr euch so schnell entschieden habt, uns zu helfen?"
„Nur ungefähr zwanzig Mal", brummte Spike und ärgerte sich, keine Machete mitgenommen zu haben. Hätte er vorher gewusst, dass er sich stundenlang durch einen Urwald quälen musste, hätte er garantiert eine eingepackt. „Ich hoffe mal für euch, dass es wirklich nicht mehr weit ist. In ungefähr einer halben Stunde geht die Sonne auf und als Staubhaufen kann ich nicht nützlich sein."
„Nur noch wenige Meter", sagte Sadie, die jetzt die Führung der Gruppe übernahm. „Und mach dir keine Sorgen. In unserer Welt kann dir die Sonne nichts anhaben."
„In eurer Welt?", erkundigte sich Buffy und blieb stehen. Sie rückte ihren großen Rucksack zurecht und verzog das Gesicht. Außer ein paar handlichen Waffen hatte sie nur Wäsche zum Wechseln eingepackt, doch langsam drückten sich die Tragegurte in ihre Muskulatur und der Rücken begann zu schmerzen. „Moment mal! Was für eine andere Welt? Ihr habt doch gesagt, dass ihr in den Wäldern Alaskas lebt. Und genau dort sind wir gerade."
„Eigentlich stimmt beides", erklärte Sadie. „Der Eingang in unsere Welt liegt
hier, verborgen in diesem schier endlosen Wald. Doch es ist eben nur der
Eingang. Ein Durchschlupf sozusagen, der in die Welt der Elfen führt. Es gibt
hunderte dieser Eingänge…"
„Lass mich raten", murrte Spike. „In Island gibt es eine Menge davon, richtig?
Deswegen bauen die Typen auch so seltsame Straßen, mit großen Kurven und
Abknickungen, weil ihr dort wesentlich präsenter seid als hier."
„Ach, davon habe ich gehört", meldete sich die Jägerin zu Wort. „Es gibt Orte, Steine und Bäume, die die Isländer für Eingänge in die Elfenwelt halten und deswegen nicht von der Stelle bewegen." Sie sah Spike an. „Deswegen wohl auch diese scheinbar sinnlosen Kurven in den Straßen."
„Das ist ein anderer Stamm", sagte Sadie und wirkte nicht gerade glücklich über den Vergleich mit der Sippe. „Unserer Meinung nach sollten die Elfen sich dort mehr zurückhalten. Die Menschen müssen nicht unbedingt von uns erfahren. Wir haben genügend eigene Probleme und müssen uns nicht auch noch um die Belange der menschlichen Anwohner kümmern."
„Wie auch immer", brummte Spike und ließ seinen großen Matchbeutel auf den Waldboden fallen. „So langsam geht mir dieser bescheuerte Wanderausflug echt auf die Nerven. Hätte ich vorher gewusst…"
„Wir sind doch da", lächelte Binea und schwirrte vor seinen Augen herum. „Dummerchen!"
Spike holte aus, doch Buffy packte seinen Arm und lenkte somit seine giftigen
Blicke auf sich. „Lass sie in Ruhe."
„Sag das ihr", knurrte er und seine Augen funkelten golden auf. „Dieses kleine
Vieh geht mir auf die Nerven und ich weiß nicht, warum ich ihr nicht mal eben
die spindeldürren Beine brechen soll."
„Weil du direkt vor dem Zugang zu unserer Welt stehst und ihn nicht siehst", meldete sich Binea wieder zu Wort, verzog das Gesicht und streckte ihre Zunge aus. Sie flatterte davon und ließ sich beleidigt auf einen niedrig hängenden Ast einer großen Zeder nieder.
„Ja, wir sind da", bestätigte nun auch Sadie und wandte sich an den Vampir. „Du hast bestimmt einen Vorrat … deiner bevorzugten Nahrung mitgebracht", sagte sie und versuchte ihr Gesicht nicht zu sehr zu verziehen. „Kannst du ihn uns geben?"
„Sicher könnte ich", murrte Spike, den Blick noch immer auf Binea gerichtet. Er war stinksauer auf dieses kleine Wesen und hoffte, es würde nun reichen und sie ließ ihn in Ruhe. „Doch warum sollte ich?"
„Wir werden dafür sorgen, dass er… frisch bleibt", sagte Sadie und dieses Mal gelang es ihr nicht, ihren Abscheu zu verbergen. Als Elfe war ihr jedes Geschöpf gleich viel wert und es missfiel ihr, wenn jemand sich an Lebewesen labte. Doch dieser Vampir war etwas Besonderes und vor allem brauchten sie seine Hilfe. Ein paar Elfen schwebten herbei und Spike zuckte mit den Schultern.
„Von mir aus", meinte er und kramte in seiner Tasche. Er förderte zwei Blutbeutel zu Tage, die ihm sofort abgenommen wurden, und ihm blieb nichts anderes übrig, als den Elfen dabei zuzusehen, wie sie damit durch ein Astloch in einem umgestürzten Baum verschwanden. „Netter Eingang", brummte er. „Vielleicht ein wenig klein."
„Ähm…", sagte nun Buffy, doch weiter kam sie nicht. Ungefähr hundert Elfen schwirrten plötzlich um sie herum, bildeten einen Kreis und hielten sich bei den Händen, während sie leise vor sich hinmurmelten. Vampir und Jägerin schrumpften, bis sie kaum größer waren als die Elfen selbst.
„Verdammte Hölle", schnaubte der Vampir, der sich neben einem Grasbüschel
wieder fand. „Ich reiß jedem von euch die Flügel einzeln aus, wenn ich nicht auf
der Stelle wieder…"
„Anders geht es nicht", sagte Sadie und landete vor ihm auf dem Waldboden. „Aber
ich schwöre dir bei meinem Leben, dass du deine normale Größe zurück erhältst,
sobald du die Elfenwelt wieder verlässt." Sie wandte sich Buffy zu, die
geschockt in den Himmel hinaufsah. „In Originalgröße würdet ihr unsere ganze
Welt in Schutt und Asche legen."
Vor sich hingrummelnd ließ Spike keine Sekunde aus, die anwesenden Elfen mit finsteren Blicken zu messen, dann seufzte er schwer und schüttelte den Kopf. „Einen Vorteil hat dieser Mist", meinte er. „Die beiden Blutbeutel können mich monatelang versorgen. Vorausgesetzt, ihr schafft es wirklich, sie frisch zu halten."
„Ich habe aber nicht die Zeit, mich hier monatelang aufzuhalten", sagte Buffy und sah an sich herunter. Die Proportionen waren gleich geblieben, jedenfalls soweit sie es überblicken konnte. Spike war immer noch einen guten Kopf größer als sie, die Elfen jedoch noch immer etwas kleiner und es war ein seltsames Gefühl, nicht immer den Kopf heben zu müssen. Buffy war nicht unbedingt groß und es war ihr schon in Fleisch und Blut übergegangen bei Unterhaltungen den Kopf zu heben. „Ich kann Giles, Willow und Xander nicht so lange alleine lassen", fuhr sie fort. „Wer weiß schon, was geschieht, wenn ich zu lange hier bin."
„Auch daran haben wir gedacht", erklärte Sadie und sah dabei zu, wie der
Abholtrupp der Elfen einer nach dem anderen in das Astloch verschwand.
Schließlich waren nur Buffy, Spike, Binea und sie selbst übrig und sie deutete
auf den umgestürzten Baum. „Lasst uns gehen!"
„Moment mal", meinte Buffy und blieb stehen. „Was heißt das, ihr habt auch daran
gedacht?" Sie machte sich Sorgen um ihre Freunde und es war wohl nicht zu viel
verlangt, die genauen Pläne der Elfen zu hinterfragen.
Lächelnd wandte sich die Elfe der Jägerin zu. „Ungefähr achtzig Elfen aus meiner Sippe haben ein wachsames Auge auf das Geschehen am Höllenschlund. Sie werden deinen Wächter und deine Freunde unterstützen, sollte es nötig sein. Aber was noch wichtiger ist, sie werden uns zu Hilfe rufen, sollte in Sunnydale die Hölle losbrechen. Auf jeden Fall werden sie uns unterrichten, sollte es nötig sein, dass die Jägerin an ihren Bestimmungsort zurückkehrt."
Buffy machte ein verdutztes Gesicht. „Oh, gut", nickte sie und schüttelte verwirrt den Kopf. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie sah Spike an, nickte ihm zu und deutete ihm an, auf den umgestürzten Baum zu klettern. „Trotzdem hoffe ich, wir können diesen Tanavar schnell aufhalten. Wohl ist mir nicht bei der Sache."
Der Rucksack drückte sich schwer auf ihren Rücken, während Buffy hinter Spike den Baum erklomm. In normaler Größe hätte sie sich einfach darauf setzen können, nun war es wie eine Felswand, die erklommen werden musste.
„Boah!", schnaubte Spike vor ihr. „Ich hab jetzt schon die Schnauze voll!" Vor dem Astloch blieb er stehen und wartete auf Sadie, die sich flügelschlagend neben ihm nieder ließ. „Dir ist schon klar, dass du uns den einzigen Vorteil genommen hast, den wir hatten? Unsere Größe! Und warum überhaupt muss ich laufen? Warum verpasst ihr uns nicht auch Flügel?"
„Weil wir gar nicht damit umgehen könnten", sagte Buffy und holte schwer atmend zu ihm auf. „Und die Größe war nie unser Vorteil, sondern unsere Kampferfahrung!"
„Wir werden euch helfen, so gut wir nur können", lächelte Sadie, dankbar für die Unterstützung der Jägerin. „Wir haben auch unsere Experten dran gesetzt, eine Möglichkeit für euch zu finden, uns in die Lüfte zu begleiten."
„Ja, ja", knurrte Spike. „Wie der Schlitten vom Weihnachtsmann. Nur von Marienkäfern gezogen."
„Ähm, so ähnlich", murmelte Sadie und wurde rot.
Buffy und Spike sahen sich an, zuckten mit den Schultern doch noch bevor einer der beiden etwas sagen konnte, kam Binea angeflogen und landete neben ihnen. „Wir müssen jetzt gehen", drängte sie. „Die Sonne geht auf und noch ist Spike in der Menschenwelt. Ich muss euch ja nicht sagen, was das zu bedeuten hat."
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Staunend blieb Buffy wenige Schritte hinter der Passage durch das Astloch stehen. Eine Welt, wie sie sich kaum hätte ausmalen können, tat sich vor ihr auf. Worte ließen sich kaum dafür finden und „fantastisch" drückte es nicht im Geringsten aus. Überall schwirrten geschäftige Elfen herum, lachten, kicherten und gingen scheinbar ihren alltäglichen Besorgungen nach. Sie sah einen kleinen Schuster, der vor seiner Werkstatt saß und winzige Korksohlen an Schuhe nagelte. Ein Schmied hämmerte auf seinem Amboss herum und kleine Elfenkinder tollten über die Wiesen. Buffy sah zu Spike, doch auch der Vampir schien sprachlos zu sein. Er hatte eine Augenbraue hochgezogen und beobachtete gespannt die Szenerie.
Allerdings räumte dieser Ausblick auch mit Vorurteilen auf. Elfen wohnten nicht in Pilzen, wie es auf Abbildungen gerne gezeigt wurde. Sie bauten runde Holzhäuser mit extrem schrägen Dächern, die an verwunschene Türme erinnerten. Zudem lebten sie nicht etwa auf Bäumen, sondern ihre Infrastruktur erinnerte an Dörfer aus dem Mittelalter. Es gab Gärten, die vor bunten Blumen nur so strotzten und auch Getreidefelder. So weit das Auge reichte, waren Häuser und Gärten zu sehen, des weiteren ein Grashügel, in dem Fenster steckten und Buffy überlegte, ob das wohl die Behausung der Königin war.
„Kommt mit", forderte Sadie ihre Gäste auf. „Ich zeige euch, wo ihr beiden die nächste Zeit wohnt. Und wenn ihr euch ein wenig ausgeruht habt, werde ich euch mit den wohl wichtigsten Elfen bekannt machen." Sie sah zu Binea und zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, wie ich es sonst sagen soll", beeilte sie sich zu sagen, denn in der Elfenwelt gab es nach der Königin keine spezielle Hierarchie. Alle Mitglieder waren gleichgestellt und jede Meinung zählte gleich viel.
„Schon gut", murmelte Binea beleidigt und Buffy fragte sich, ob die kleine Elfe wohl nicht zu den Wesen zählte, die besonders wichtig waren.
„Wer oder was ist hier wichtig?", erkundigte sich Spike, schulterte seinen
Matchbeutel und machte sich daran, den beiden Elfen zu folgen. „Ich hab nämlich
keine Lust, mich demnächst mit einem Ältestenrat oder sonst was
auseinanderzusetzen. Wir sind hier um zu helfen, nicht um zu diskutieren."
„Oh, er meint nicht, dass wir erwarten, dass ihr uns bedingungslos folgt", warf
Buffy schnell ein, denn die beiden Elfen sahen sie pikiert an. „Wir sind es nur
gewohnt, auf eigene Faust vorzugehen und …"
„Wir werden euch gewiss nicht aufhalten, sollte es unserer Sippe dienlich
sein", sagte Sadie und zog die Augenbrauen hoch. „Allerdings könnt ihr nicht
erwarten, dass wir euch bedingungslos in eine Schlacht folgen. Wir…"
„Wer sagt, dass wir euch mitnehmen?", fuhr Spike hoch. „Du hast es doch selbst
gesagt: Ihr habt nicht die geringste Kampferfahrung. Denkst du ernsthaft, wir
könnten eine Unterstützung brauchen, die keine ist?" Er schnaubte. „Ganz
ehrlich, ich kann mir Leichteres vorstellen, als ängstliche Elfen am Arsch
kleben zu haben, die nicht einmal wissen, wie man ein Schwert hält."
„Es gibt durchaus Elfen, die wissen, wie man ein Schwert hält", sagte nun
Binea, landete vor Spike und stellte sich ihm in den Weg. „Die Wachen der
Königin sind im Schwertkampf erfahren", sie senkte den Kopf „Doch die meisten
von ihnen wurden getötet, als Tanavar mit seinen Dunkelelfen einfiel und Aerona
entführte."
„Also sind wir wieder bei null", grinste der Vampir hämisch, umrundete die Elfe
und ging den Weg weiter hinunter in die Elfenstadt. Was Buffy im Sinn hatte,
wusste er nicht, aber er hatte nicht die Lust, sich mit harmlosen Wesen zu
beschäftigen und sie im Kampf zu unterweisen. Er würde sich den Mist hier einmal
ansehen und zusammen mit der Jägerin entscheiden. Er blieb stehen, wandte sich
um und sah Sadie an. „Wissen eure Feinde, dass ihr euch Hilfe geholt habt?"
„Ich denke nicht", erwiderte die angesprochene Elfe und runzelte die Stirn.
„Es ist natürlich durchaus möglich, dass Tanavar Spione ausgesandt hat, aber ich
garantiere euch, keiner aus unserer Sippe hat ein Wort darüber verloren."
„Gut", nickte Spike. „Dann haben wir das Überraschungsmoment vielleicht auf
unserer Seite. Das könnte hilfreich sein." Er sah die Jägerin an, die zustimmend
nickte. „Na dann los jetzt. Auf uns wartet eine Menge Arbeit!"
Teil 5
Auch in der Elfenwelt war die Sonne gerade erst aufgegangen und obwohl Buffy gedacht hatte, das Leben im Dorf wäre bereits in vollem Gange, wurde sie doch schnell eines besseren belehrt. Sie guckte aus dem krummen Fenster des Hauses, das Sadie ihr und Spike zur Verfügung gestellt hatte, besah sich das Treiben auf dem Dorfplatz und schüttelte den Kopf. „Unglaublich", murmelte sie leise, doch Spike hatte sie verstanden und kam näher.
Dicht hinter ihr blieb er stehen und blickte ebenfalls hinaus. „Was ist so
unglaublich an diesem Ausblick? Davon abgesehen, dass sich hunderte Elfen
draußen tummeln?"
„Schau dich doch mal um", sagte Buffy und wartete gespannt, ob ihm das gleiche
auffiel.
„Jede Menge Elfen, die die mehr oder weniger geschäftig umhereilen", meinte
er und zuckte mit den Schultern. „Wenn du mich fragst, sieht das hier nicht viel
anders aus als bei uns. Die Menschen treffen sich, unterhalten sich… Langweilig,
wenn du mich fragst."
„Das meine ich nicht", sagte Buffy und schüttelte den Kopf. „Schau doch mal
genauer hin. Du findest kaum einen freien Platz dort draußen, aber keine dieser
Elfen lacht. Nicht eine einzige, abgesehen von den Kids. Offenbar machen sie
sich Sorgen oder noch schlimmer, haben Angst."
„Das kannst du ihnen kaum verübeln", meinte Spike, wandte sich vom Fenster ab
und setzte sich auf einen der sorgsam gearbeiteten Stühle. Er lehnte sich zurück
und legte seine Füße auf den Tisch. „Gar nicht so übel hier", meinte er und sah
sich in seinem derzeitigen Zuhause um. „Hier kann man es aushalten."
„Mir ist Sunnydale lieber", sagte Buffy, wandte sich ebenfalls vom Fenster ab
und setzte sich ihm gegenüber. Das Haus war wirklich nicht schlecht, sorgfältig,
geradezu liebevoll eingerichtet und sogar die Betten waren durchaus brauchbar.
Was nicht besonders gut durchdacht war, dass ausgerechnet sie sich ein Haus mit
Spike teilen musste. Doch vielleicht hatten die Elfen nicht mehr freien Platz,
oder sie hatten nicht darüber nachgedacht.
‚Zumindest haben wir getrennte Schlafzimmer’, dachte Buffy mit Grausen und seufzte lautlos. Sie sah sich um und musste Spike insgeheim zustimmen. In einem solchen Haus ließ es sich durchaus aushalten, doch ihr war die Bequemlichkeit der eigenen Welt lieber. Geschweige davon, dass all ihre Freunde in Sunnydale waren. ‚Und Riley natürlich’, überlegte sie und dachte an den Mann, der erst kürzlich ihr Herz erobert hatte.
‚Nein’, stoppte sie sich selbst. Jetzt in Gedanken versinken war keine gute Idee und so konzentrierte sie sich wieder auf das Elfenhaus. Natürlich fehlten elektrische Geräte. Es gab keinen Toaster, keine Waschmaschine, kein gar nichts, und Buffy befürchtete, schnell vor allem die Kaffeemaschine zu vermissen.
Einen Moment sah Spike die Jägerin an, grinste dann hämisch und überlegte, wie er sie am besten ärgern konnte. Doch eigentlich hatte sie schon eine gute Vorlage gegeben und er musste nur zugreifen. „Verständlich, dass du lieber Zuhause bei all deinen Lieben bist. Oder sollte ich es anders sagen. Deiner neuen Liebe. Immerhin ist der Zinnsoldat ja nicht hier", grinste der Vampir hämisch und die Jägerin zog zornig die Augenbrauen zusammen. „Das neue Glück so plötzlich unterbrochen… wie tragisch!"
„Das geht dich einen Dreck an", sagte sie bestimmt, hatte aber keine Lust
sich aus der Reserve locken zu lassen. „Sag mal, meintest du das vorhin wirklich
ernst? Hast du vor, alleine gegen diesen dunklen Elfenkönig zu kämpfen? Ich
schätze mal, er schleppt eine ganze Armee mit sich herum und es wird nicht
einfach sein, nah genug an ihn heranzukommen."
„Bestimmt nicht", nickte Spike. „Er soll wohl eine Leibwache haben, die ihn
keine Sekunde aus den Augen lässt. Aber du kannst mir auch nicht sagen, dass es
dir in den Kram passt, eine Horde Elfen hinter dir herzuschleppen, die mehr
Angst hat als Vaterlandsliebe. Versteh das nicht falsch, sie sind auf ihre Art
und Weise mutig, immerhin haben sie versucht, diesen kleinen dunklen Drecksack
zu bekämpfen, aber es liegt ihnen einfach nicht im Blut. Sie wären bestimmt eher
hinderlich, als nützlich."
„Ich finde es schon seltsam, dass es gute und böse Elfen gibt", meinte Buffy und
zuckte mit den Achseln. „Aber warum auch nicht. Gut und Böse gibt es wohl
überall." Sie seufzte und schüttelte den Kopf. Sie hätte nichts dagegen
einzuwenden, wenn dem nicht so wäre, aber da das nur Wunschträume waren, würde
ihr nichts übrig bleiben, als auch weiterhin die Dunkelheit zu bekämpfen. Bis
ans Ende aller Tage!
Lachend schob Spike eine Keksdose mit dem Fuß an, entschied sich dann anders
und nahm die Beine vom Tisch. „Obwohl es hier ganz anders aussieht, erinnert es
mich doch an Zuhause. Auf seltsame, verdrehte Art und Weise." Er nahm den Deckel
ab und sah hinein. „Sogar welche drin", murmelte er und nahm einen Keks heraus.
„Auch einen?", fragte er und bot der Jägerin die Dose an.
„Nein", meinte Buffy und schüttelte den Kopf. „Was glaubst du, wann sie
wiederkommen? Sadie und all ihre Freunde meine ich."
„Keinen Schimmer", sagte Spike und runzelte die Stirn. „Mir graut ehrlich gesagt
davor, der ganzen Bande gegenüberzutreten. Je mehr Leute was zu sagen haben,
desto komplizierter wird der ganze Mist." Er sah Buffy an und deutete mit dem
Kopf zum Fenster. „Was hältst du davon, wenn wir uns auf eigene Faust umsehen?
Ich muss ja gestehen, ich hätte nichts gegen ein wenig Sonne auf der Haut
einzuwenden."
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Es dauerte nicht lange und Buffy bereute, auf Spikes Vorschlag, sich das Elfendorf einmal genauer anzusehen, eingegangen zu sein. Sie konnte kaum einen Schritt tun, ohne angestarrt zu werden. Elfen flogen zu Hauf von allen Seiten auf sie zu und oft genug stellten sie sich ihnen auch mitten in den Weg. Angesprochen wurden sie nicht und diese gespenstische Stille machte alles noch komplizierter. Offenbar wussten die kleinen Zauberwesen nicht, ob sie es sich wagen konnten, sie einfach anzusprechen und Buffy hätte nichts dagegen gehabt, die gleichen Fähigkeiten wie die Elfen zu haben, und sich einfach unsichtbar machen zu können.
Spike schien das ganze Tohuwabohu nichts auszumachen. Er war vielmehr damit beschäftigt, sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen. Fasziniert sah er zum Himmel auf oder streckte seine Hände aus, um das Schattenspiel seiner Finger auf dem Waldboden zu betrachten.
Die Jägerin indes hatte genug, sie wandte sich um, um schleunigst wieder in ihr Elfenhaus zu verschwinden, doch sie bekam unerwartet Hilfe. „Leute! Jetzt lasst unsere Gäste doch in Ruhe!" Es war Binea, die zur Rettung eilte. „Sie bekommen ja nicht einmal mehr Luft zum Atmen."
Doch so einfach war es nicht, die versammelte Menge auseinanderzusprengen. Im Grunde konnte Buffy ihnen diese Neugierde nicht einmal nachtragen. Die kleinen Zauberwesen hatten Angst; um ihre Königin und gewiss auch um ihr eigenes Leben. Es gab bestimmt hundert Fragen, die ihnen auf den kleinen Seelen brannten und sie erwartete, gleich alle beantworten zu müssen.
Binea hingegen gab sich so schnell nicht geschlagen. „Denkt an das Märchen von Aona und was ihr geschah", mahnte sie mit ernster Stimme und landete direkt vor Spike. „Ihr wisst, wovon ich spreche…"
Für Buffy vollkommen überraschend, waren es genau diese Worte, die den Massenauflauf auflöste. „Was ist das für ein Märchen?", erkundigte sie sich und sah dabei zu, wie die Elfen eine nach der anderen verschwanden.
„Es handelt von einer jungen und unerfahrenen Elfe, die sich zu weit in die Menschenwelt hinauswagt. Sie wird gefangen, in einen Käfig gesperrt und zur Schau gestellt." Binea hob andeutungsweise die Schultern und die kleinen Flügel zuckten im Gleichklang. „In dem Märchen geht es darum, dass niemand gerne für seine Andersartigkeit angestarrt wird."
„So kann man es auch sehen", meldete sich nun der Vampir zu Wort. Offenbar hatte er genug davon seine Hände ins Licht zu halten und sah nun von Buffy zu Binea. „Für mich heißt es eher: Halte dich von den Menschen fern, sie haben nichts Gutes im Sinn!"
Lachend wandte Binea sich um. „Das Märchen lässt auch diese Deutung zu. Aber so sind Märchen. Man kann ihnen stets verschiedene Auslegungen beimessen." Sie sah zu Buffy und verzog das Gesicht. „Ich hoffe, mein Volk hat euch nicht zu sehr erschreckt. Aber die meisten von ihnen haben noch niemals einen Menschen gesehen. Geschweige denn einen Vampir. Sie sind neugierig und gleichzeitig haben sie Todesangst." Sie holte tief Luft. „Die meisten meiner Sippe haben unsere Welt noch nie zuvor verlassen. Nur wenige Mutige trauen sich hinaus."
„Verstehe", nickte Buffy und unterdrückte ein Schaudern. Schon oft hatte es sie geärgert, dass die Menschheit nicht wusste, was sie Nacht für Nacht tat und sich stets im Verborgenen halten musste. Wenn sie allerdings überlegte, in Sunnydale genauso angestarrt zu werden, dann war es ein Segen, dass niemand etwas von der Existenz der Jägerin ahnte. „Wir wollten uns eigentlich nur ein wenig umsehen", sagte sie nun. „Allerdings haben wir nicht daran gedacht, welche Aufregung wir damit verursachen."
„Ihr dürft euch gerne frei bewegen", nickte Binea ihr zu, ließ aber Spike nicht aus den Augen. „Mein Volk hat sich bestimmt schnell an euren Anblick gewöhnt. Sie werden euch in Ruhe lassen, vor allem, wenn Janiel erst einmal zu ihnen gesprochen hat. Er ist ein weiser alter Elf und seitdem Aerona entführt wurde, wenden sich alle Elfen mit Sorgen und Fragen an ihn."
„Schön für ihn", brummte der Vampir und sah sich um. Ihm war schon wieder langweilig. „Wann genau werden wir denn euren Leuten vorgestellt? Ich habe absolut keine Lust, hier stundenlang tatenlos herumzurennen." Überhaupt hätte er es vorgezogen, auf das ganze Palaver zu verzichten und sich nur mit den Elfen zu beschäftigen, die wichtige Informationen hatten. Sei es die Truppenstärke der Dunkelelfen, oder wo genau sich Tanavars Behausung befand.
Doch Spike kam nicht mehr dazu, seine Gedanken laut auszusprechen. Urplötzlich ertönten durchdringende Waldhörner und wildes Kreischen und Gerenne beherrschten das Terrain. Der Himmel verfinsterte sich, als eine Horde Dunkelelfen in das Dorf einfiel und ein heilloses Durcheinander brach los. Elfen stoben in allen Richtungen davon, eilten in ihre Behausungen oder versteckten sich. Kinder weinten, schrieen nach ihren Eltern und Spikes Nackenhärchen richteten sich auf. So schnell hatte er nicht mit einem Kampf gerechnet, doch besser zu früh als zu spät.
Auch Buffy war sofort in Alarmbereitschaft. Sie zückte einen Dolch, den sie an ihrem Gürtel befestigt hatte, und nahm Kampfhaltung ein. Aber Binea drängte sie vom Weg. „Los! Versteckt euch!", zischte sie und zeigte auf eine Brücke, die über einen träge dahin plätschernden Bach führte. „Klettert darunter! Rasch!"
„Aber wir sind zum Kämpfen hier, nicht um Verstecken zu spielen!" Spike schüttelte abwehrend den Kopf. Verstecken? So etwas machte er nur, wenn er auf Beutejagd war, nicht aber, wenn Gefahr drohte. Wäre ja auch noch schöner!
Der Jägerin erging es nicht besser. Auch sie wollte protestieren, doch Binea drängte sie weiter. „Es ist zu früh. Sie dürfen euch nicht entdecken!" Erst als alle drei unter der Brücke kauerten, gab sie Ruhe. „Sie werden nicht angreifen", flüsterte sie ihren Besuchern zu. „Es ist nur ein Ausdruck ihrer Macht. Sie wollen uns zermürben. In unregelmäßigen Abständen fallen sie über das Dorf her, versetzen die Kinder in Todesangst und verschwinden wieder. Meistens landen sie nicht einmal, sondern ziehen nur mit Getöse am Himmel ihre Bahnen. "
Buffy jedoch hörte kaum zu. Wie gebannt starrte sie durch einen Spalt in der
Brücke und beobachtete das Treiben am Himmel. Die Dunkelelfen unterschieden sich
auch im Äußeren von ihren zarten Verwandten. Sie trugen ausnahmslos schwarze
Kleidung und auch ihre Flügel waren von dunkelgrauen Schlieren durchzogen. Zudem
schienen sie größer zu sein, als die Lichtelfen. „Hast du eine Armbrust
eingepackt?", wandte sie sich leise an Spike und der nickte.
„Allerdings werden die Bolzen bei weitem nicht reichen." Auch Spike starrte
gebannt nach oben und überschlug im Kopf, wie viele Gegner er bekämpfen musste.
„Wahnsinn", murmelt er leise, als er begriff, dass nahezu fünfhundert
Dunkelelfen gerade durch die Lüfte schwirrten. „Nein, die Bolzen reichen nie und
nimmer. Egal wie viele der Idioten wir abschießen, es wird kaum mehr als der
Tropfen auf dem heißen Stein sein."
„Das befürchte ich auch", nickte Buffy zustimmend. „Wir bräuchten mindestens
tausend Bogenschützen, die ihr Handwerk verstehen, um gegen diese Menge etwas
auszurichten." Dann wandte sie sich an Binea. „Wie lange wird diese
Machtdemonstration dauern?"
„Nur wenige Minuten", erwiderte die Elfe atemlos. „Sie fallen ein, machen einen
Höllenlärm und verschwinden wieder. Bis jetzt jedenfalls." Sie zuckte mit den
Schultern und auf ihrem Gesicht war Angst zu sehen. „Sollte sich Aerona noch
länger weigern, einer Vermählung mit Tanavar zuzustimmen, werden sie früher oder
später Gefangene machen, um den Druck auf sie zu erhöhen." Binea seufzte und in
diesem Laut lag so viel Verzweiflung, dass Buffy mitfühlend das Gesicht verzog.
„Wir werden das verhindern", sagte sie und sah zu Spike, der grimmig dreinblickte und nickte. „Ich weiß noch nicht wie, aber wir werden nicht zulassen, dass euch die Dunkelelfen das Leben zur Hölle machen."
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Das Spektakel am Himmel war genauso schnell vorbei, wie es begonnen hatte. Die dunklen Elfen zogen sich zurück und nachdem Buffy, Spike und Binea noch einige stille Minuten unter der Brücke verharrt hatten, kamen sie aus ihrem Versteck. Die meisten der Elfen waren längst in ihren Häusern verschwunden. Nur einige, die anderswo Deckung gesucht hatten, eilten jetzt über den Dorfplatz, um ihren Lieben in die Behausungen zu folgen.
„Die nächsten Stunden wird es recht ruhig sein", sagte Binea leise. „Es dauert immer ein Weilchen, bis sie sich wieder aus ihren Häusern trauen." Sie sah zu Spike und schreckte zurück. Seine Augen leuchteten golden und sein Kiefer mahlte. „Geht es dir gut?", fragte sie vorsichtig.
„Mir?", knurrte er und sah sie an. „Prächtig", brummte er. „Ich bin es nur nicht gewohnt, mich zu verstecken. Auch wenn es hier wohl sinnvoll war." Er wandte sich an Buffy. „Das wird ein hartes Stück Arbeit. Hast du irgendwelche Ideen, wie wir diesen Mengen gegenübertreten können? Armbrüste? Pfeil und Bogen? Das wird wohl nichts!"
„Was ist mit Zauberei?", schlug Buffy vor und sah Binea fragend an. „Ich kenne mich mit Elfen nicht aus, aber ihr beherrscht doch die Magie, oder nicht? Immerhin haben wir schon einige Kostproben eures Könnens erleben dürfen."
„Das Problem ist, das auch die dunkle Seite Magie beherrschen kann. Untereinander richtet sie nichts aus, ja, löst sich praktisch in Nichts auf. Nur außerhalb der Elfenwelt wirkt unsere Zauberkraft." Sie zuckte die Schultern. „Sonst wäre es vielleicht nicht ganz so schwer. Dann könnten sich die Mächtigsten messen und gewiss würden wir gewinnen. So aber…"
Teil 6
Das Treffen mit den ältesten oder wichtigsten Elfen war genauso, wie Spike es sich vorgestellt hatte. Langatmig und langweilig! Viel zu viele Meinungen wurden umständlich erklärt… jede Elfe schien etwas zum Thema zu sagen zu haben, doch entschieden wurde gar nichts. Obwohl eigentlich er eher die Beherrschung verlor, wirkte mittlerweile auch die Jägerin genauso genervt, wie er sich fühlte. Ihre Beine waren unter dem Tisch ständig in Bewegung und auch wenn sie nach außen hin perfekt und kühl wirkte, so hatte er sie doch längst durchschaut. Er gab ihr nur noch wenige Minuten, bis ihr endgültig der Kragen platzen würde.
Er selbst rettete sich mit Binea vor dem Ausflippen. Die Elfe hatte
offensichtlich entschieden, nicht mehr böse auf ihn zu sein und flirtete wieder
auf Teufel komm raus mit ihm. Sie war nicht tatsächlich Objekt seiner Begierde,
doch da sie jetzt im Vergleich zu ihm kein Winzling mehr war, konnte er sie als
Möglichkeit betrachten, sich ein wenig zu entspannen. ‚Oder so ähnlich’,
grinste er verwegen.
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Kurz vor Sonnenuntergang war Sadie mit einer kleinen Gruppe Elfen gekommen, um sie abzuholen. Sie hatten auf das Fliegen verzichtet und waren zusammen mit ihren Gästen durch das Dorf gelaufen, bis sie den Grashügel erreichten, indem eine Reihe von Fenstern eingebaut war. Spike kannte derlei Häuser und fand sie gar nicht so übel. Im Sommer blieb es weitestgehend kühl darin und im Winter schützte die dicke Erdschicht davor, dass es zu kalt im Inneren wurde.
Allerdings hatte sich Verwunderung in ihm breit gemacht, kaum das er das Gebäude betreten hatte. Es schien viel tiefer in die Erde zu ragen, als er je erwartet hatte und Sadie hatte ihm stolz erklärt, es habe mehrere Stockwerke.
„Hier im Erdgeschoss werden…", sie zuckte mit den Schultern. „Ihr würdet wohl Regierungsgeschäfte dazu sagen. Jedenfalls ist hier der große Thronsaal, in dem alle Belange des Volkes beraten und entschieden werden. Im oberen Stockwerk residiert Aerona mit ihrem Gestade und der Keller ist praktisch ein einziger großer Raum. Ehedem als Schutzraum gedacht, doch nicht mehr in Betrieb, da er kaum mehr als fünfhundert Elfen fasst." Wieder zuckte sie mit den Schultern. „Unsere Sippe ist stark angewachsen und zählt nahezu zweitausend Mitglieder. Und da keiner bevorzugt wird…"
„… flüchtet sich auch niemand mehr hinein", führte Buffy den Satz zu Ende. Sie sah sich enttäuscht um. Ein wenig mehr Pracht hatte sie in einer königlichen Behausung doch erwartet, hier gab es gar nichts. Die Wände waren aus rauem Stein und der Boden ähnelte Parkett, wie sie es von Zuhause kannte. Hier und da hingen große Spiegel an den Wänden, doch sie waren weniger Schmuck als dazu erdacht, dass Licht im Inneren zu verstärken.
Sie wandte sich Sadie zu, die sie, wie sie es nannte, zum großen Sitzungssaal führte. „Ehrlich gesagt, verstehe ich die Gründe für diese Besprechung noch immer nicht." Buffy zuckte mit den Schultern. „Ihr müsst euch doch schon beraten haben, bevor ihr uns um Hilfe gebeten habt. Warum also noch mal dieses ganze Prozedere?"
„Selbstverständlich haben wir uns vorher schon beraten", nickte die Elfe. „Es geht wohl auch eher darum, dass jeder seine Meinung kundtun kann. Doch wir haben die Anzahl der Elfen schon reduziert, die heute Abend anwesend ist. Es wird also nicht allzu lange dauern. Höchstens ein paar Stunden, denn es ist das Recht eines jeden Elfen, dass zu sagen, was er zu sagen hat."
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‚Und genauso war es gekommen’, dachte Spike und zwinkerte Binea zu. Eine reduzierte Anzahl Elfen… Sie konnten froh darüber sein. Hier im Sitzungssaal waren kaum dreißig Personen und sie saßen gefühlte fünf Stunden hier. Wenn jeder aus dem Volk seine Meinung sagen sollte… Spike mochte gar nicht darüber nachdenken. Er sah zu Buffy und grinste hämisch, als sie damit begann, mit den Fingern auf dem Holztisch zu trommeln. Lautlos zählte er rückwärts: „Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei…"
Die Jägerin stand auf. „Entschuldigt, wenn ich diese Besprechung unterbreche und verzeiht mir meine Offenheit, aber dieses ganze Theater ist vollkommen sinnlos." Trotzig sah sie den Elfen ins Gesicht. „Fakt ist, eure Königin wurde entführt! Fakt ist auch, dass ihr uns hierher gebracht habt, um zu helfen. Warum also kauen wir wieder und wieder den gleichen Kram durch?"
„Weil Elfen nun mal gründlich abwägen, bevor sie…"
Nun sprang Spike auf. „Das hat mit abwägen nichts zu tun", sagte er rüde und stellte sich neben die Jägerin. „Ihr habt eine Scheißangst, eine falsche Entscheidung zu treffen! Mag es daran liegen, dass euch für gewöhnlich Entscheidungen abgenommen werden, weil sie von einer höheren Instanz getätigt werden, sei es, weil ihr keinen Arsch in der Hose habt. Doch uns hängt dieses ganze Palaver hier", sagte er und zeigte auf seine Kehle.
Schnell mischte sich die Jägerin ein. Sie maß den Vampir mit einem finsteren Blick, doch im Groben und Ganzen stimmte sie ihm zu. „Wir sind bereits einen ganzen Tag hier. Ein ganzer Tag, der vergeudet wurde. Wir hätten längst das Dorf der Dunkelelfen ausspionieren können oder sonstiges." Sie holte tief Lust. „Ich bin die Jägerin und habe andere Dinge zu tun, als Urlaub in der Elfenwelt zu machen."
Lautes Gemurmel durchdrang den großen Raum, doch Spike beachtete es nicht. Er zupfte an Buffys Ärmel und deutete mit dem Kopf zur Tür. „Lass uns den Druck noch ein wenig erhöhen", flüsterte er ihr zu. „Entweder sie kommen uns hinterher und lassen uns machen, oder wir packen unsere Sachen und verschwinden."
„Okay", nickte Buffy. Eigentlich hatte sie den Elfen nur ein wenig Dampf machen wollen, doch Spike hatte Recht. Wenn sie Unterstützung wollten, würden sie es sagen. Ansonsten würden sie noch heute diese Welt verlassen.
‚Giles wird nicht gerade glücklich darüber sein’, dachte Buffy, während sie Spike aus dem Gebäude folgte. ‚Und vielleicht ist es auch keine gute Idee, sich mit einer Elfensippe anzulegen, aber genug ist genug!’
„Verfluchte Hölle!", schimpfte Spike, kaum dass er das Gebäude verlassen hatte. „Gehen mir diese dämlichen Falter auf den Sender." Er zündete sich eine Zigarette an und blies den Rauch in den Himmel. Sofort stürzte eine der Wachen auf ihn zu, doch er grinste nur hämisch. „Nichtraucher, was?", fragte er, während sich sein Gesicht veränderte. Seine Stirn wölbte sich und seine Augen blitzten gefährlich auf. „Versuch doch, sie mir abzunehmen", grinste er und lachte, als die Wachelfe rückwärts stolperte. „Hab ich mir gedacht!"
„Muss das sein?", fuhr Buffy ihn leise an und zog ihn den Weg hinunter.
„Wollen die was von mir, oder ich von denen?", hielt er trotzig dagegen, lief aber mit ihr mit. „Diese verdammten kleinen Idioten! Was haben die gedacht? Dass wir hier rumlaufen und gar nichts tun?"
Genervt rollte Buffy mit den Augen, doch dann seufzte sie. „Vielleicht sollten wir wirklich unsere Sachen packen und verschwinden. Ich hab nicht die geringste Lust darauf, bei jeder Entscheidung, die ich treffe, einen solchen Aufstand aufzurufen." Sie dachte an Giles und wie einfach es mit ihm war. Pläne wurden stets gemeinsam ausgearbeitet und fertig. Kein Gerede, kein Palaver! Schlachtplan fertig… und los!
„Von mir aus", sagte Spike und zuckte mit den Schultern. Er trat seine Zigarettenkippe in den Waldboden und grinste. „Ich hab meinen Beutel nicht mal ausgepackt. Bin also reisefertig."
Doch so leicht war es für Buffy nicht. Das schlechte Gewissen plagte sie. Giles würde vor Schreck und Entsetzen umfallen, wenn sie ihm erzählte, wie sie sich den Elfen gegenüber verhalten hatte. Doch genug war genug! Sollte es wirklich so wichtig sein, diese Dunkelelfen aufzuhalten, dann mussten sie eben eine andere Möglichkeit finden, sie zu erledigen. Um die Königin dieser Sippe konnte sie sich dann allerdings nicht mehr kümmern.
„Brauchst du lange, um deinen Kram zu packen?", riss Spike sie aus ihren Gedanken. Sie waren an dem Haus angekommen, das die Elfen ihnen zur Verfügung gestellt hatten. „Ich hoffe nur…" Weiter kam er nicht. Hinter ihm waren drei Elfen gelandet, die alles andere als glücklich wirkten. Sadie, Binea und einer der Ältesten, der Janiel hieß.
„Es war nicht besonders höflich, uns einfach so stehenzulassen", schimpfte der Alte auch sogleich los und schüttelte den Kopf. „Wer sich in unserer Welt aufhält, sollte sich auch an unsere Regeln halten!"
„Moment mal, O…", fuhr der Vampir hoch, doch Buffy bremste ihn, bevor er das Wort „Opa" aussprechen konnte.
„Es tut mir leid, sollten wir euch beleidigt haben", sagte sie leise. „Doch wir sind nicht hier, weil wir darum gebeten haben. Ihr wollt unsere Hilfe, nicht wir die eurige." Sie redete sich in Rage. „Ich bin die Jägerin! Ich bin bereits einen ganzen Tag hier und unternommen wurde nichts. Nicht nur, dass ich einen ganzen Tag am College verloren habe, ich bin zudem nicht da, wo ich sein sollte!" Sie holte tief Luft und scherte sich auch nicht darum, dass Sadie und Binea verschämt zu Boden sahen. „Ihr wolltet meine", sie zeigte auf Spike, „unsere Hilfe! Wir hätten den Tag nutzen können! Zumindest hätten wir beide uns schon mal ein Bild von allem machen können! Und was machen wir stattdessen? Spazierengehen! Ist das die Art, wie Elfen diese Dinge angehen? Oder liegt es schlicht daran, dass ihr nicht gelernt habt, Entscheidungen zu treffen?"
„Unsere Königin trifft alle Entscheidungen", erwiderte Janiel heftig. Er hatte einen hochroten Kopf und seine Flügel zitterten aufgeregt. „Einfach unverschämt, wie ihr…"
„Es mag unverschämt sein", sagte Spike gelassen. „Aber wie eben schon gesagt, wir haben Besseres zu tun. Ihr solltet also jetzt ganz schnell eine Entscheidung treffen, oder wir sind weg."
Einen Moment herrschte Stille, dann erhob sich Janiel in die Luft und betrachtete sie finster. „Macht was ihr wollt, aber befreit unsere Königin!" Er rümpfte die Nase und flog ohne ein weiteres Wort davon.
Grinsend sah Spike ihm hinterher. „Schau an", meinte er. „Geht doch!"
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Eine lange Weile sagte niemand ein Wort, dann seufzte Sadie schwer. „Es ist nicht gut, die Ältesten aufzuregen. Sie sind in unserem Volk hoch angesehen und Janiel war einer der Befürworter, als vorgeschlagen wurde, die Jägerin um Hilfe zu bitten."
Müde und erschöpft schüttelte Buffy den Kopf. „Glaubt mir, es lag nicht in unserer Absicht, irgendwen aufzuregen oder zu brüskieren, doch wir gehen die Dinge nun mal anders an. Wir erledigen, was erledigt werden muss und fertig."
„Verstehe", nickte Sadie und seufzte wieder. „Es ist unsere Schuld. Wir hätten daran denken müssen, dass Menschen anders sind als wir." Sie sammelte sich und sah Spike an. „Wir werden noch immer für jegliche Unterstützung sorgen", sagte sie langsam. „Aber ich kann nicht mehr garantieren, dass alle Elfen folgen werden."
„Mir wurscht", brummte der Vampir. „Ich hab es schon einmal gesagt: Was nützen mir Elfen, die vor Angst zitternd an meinem Arsch kleben? Wir ziehen die Sache alleine durch!" Er zeigte auf Buffy. „Ich weiß nicht, wie sie das sieht, doch ich denke, ebenso wie ich. Wir verlassen uns lieber auf unsere Fähigkeiten, als auf Wesen, die nicht ein einziges Mal gekämpft haben."
„Wir sind nicht feige", rief Binea, die sich bisher zurückgehalten hatte.
„Das sagt auch niemand", sagte Buffy beruhigend. „Wir führen nun einmal gänzlich unterschiedliche Leben und in solchen Situationen…" Sie sah Binea an. „Lasst uns das jetzt vergessen. Diskussionen wurden heute schon genug geführt." Sie überlegte einen Moment. „Ich möchte morgen in aller Frühe aufbrechen, mir das Dorf der Dunkelelfen ansehen", sagte sie und überlegte. „Wie weit ist es entfernt und war überhaupt schon mal jemand von euch da?"
„Wir wissen, wo es ist", nickte Sadie. „Ich werde für Führer sorgen und auch
einen Weg finden, wie wir euch in die Luft bringen."
„Sicher nicht", sagte Spike und schüttelte den Kopf. „Wir fliegen auf gar keinen
Fall!"
„Aber es ist weit und zu Fuß ist es mindestens ein Tagesmarsch", sagte Binea.
„Es würde viel zu lange dauern…"
„Dann fliegen wir eben erst", rief der Vampir. „Doch wir sollten uns auf gar
keinen Fall zu nah heranwagen. Immerhin reden wir von Elfen. Sie werden einen
Angriff aus der Luft nicht für unmöglich halten."
„Allerdings", nickte Buffy. „Sie werden eine Menge Wachen postiert haben. Vielleicht kommen wir bedeutend näher heran, wenn wir uns durch den Wald anschleichen."
„Also gut", nickte Sadie und ihre Flügel setzten sich in Bewegung. „Ich werde sehen, was mir dazu einfällt." Sie schwang sich in die Luft und runzelte dann die Stirn. „Binea? Willst du nicht mitkommen?"
„Ich hatte Spike versprochen, ihm noch den Wasserfall zu zeigen", sagte sie
und wurde rot. „Es wird nicht lange dauern, dann komm ich nach."
Spike grinste und Buffy verdrehte die Augen. „Sieh zu, dass sie dir nicht alle
Kräfte raubt, bei eurer… Besichtigung", raunte sie ihm zu, winkte Sadie und ging
ins Haus. ‚Typisch für Spike’, dachte sie, schloss die Tür hinter sich und
schüttelte den Kopf. ‚Unglaublich!"
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Geraume Zeit später stapfte ein sichtlich gut gelaunter Vampir durch das
schlafende Elfendorf. Binea war wirklich… außergewöhnlich und er hatte ein paar
besondere Stunden mit ihr erlebt. „Schwebend", murmelte er und grinste. „Das war
mal was wirklich Neues!" Er betrat das Haus und lauschte. Offenbar schlief die
Jägerin tief und fest, denn er konnte ihre leisen, gleichmäßigen Atemzüge hören.
Natürlich hielt die Elfe einem Vergleich mit der Jägerin nicht stand, aber da er
Buffy nicht haben konnte… „Mal sehen, was die Tage noch so mit sich bringen!"
Teil 7
Der Morgen brach an und mit ihm zusammen kam schlechtes Wetter auf. Es
regnete in Strömen und hin und wieder grollte ein Donner durch die Luft. Im
Elfendorf selbst herrschte an diesem Tag Ruhe, wie Buffy nach einem Blick aus
dem Fenster bemerkte. Die Kids tollten nicht herum und auch die Erwachsenen
schienen lieber im Trockenen zu bleiben. Doch wer sollte es ihnen bei diesem
Klima verübeln? Buffy selbst hätte sich gewünscht, dass an diesem Tag das Wetter
besser mitspielen würde, doch wer wusste schon, was noch kommen mochte?
Überhaupt tobten heute in der Jägerin zwei verschiedene Gemütsbewegungen. Zum
einen war sie angespannt, weil sie nicht wusste, was auf sie zukam und sie sich
auf gänzlich unbekanntem Terrain bewegte, zum anderen war sie aufgeregt und
unternehmungslustig aus eben diesen Gründen. Schon seit Stunden war sie auf den
Beinen und versuchte einen Schlachtplan zu entwickeln. Doch es gab einfach viel
zu viele Unklarheiten und so wischte sie alles beiseite und nahm sich vor, alles
so zu nehmen, wie es kommen würde.
Spike hingegen schien einfach bester Laune zu sein und ließ es sich nicht nehmen, Buffy immer wieder unter die Nase zu reiben, wie aufregend sein Abend noch gewesen war. „Wirklich sehr bedauerlich, dass dein Zinnsoldat nicht hier sein kann", sagte er schleimerisch. „Dann würdest du bestimmt nicht so ein säuerliches Gesicht machen, wie gerade jetzt."
Allerdings hatte Buffy nicht vor, sich von ihm aus der Ruhe bringen zu lassen und deswegen ignorierte sie seine dummen Sprüche einfach. Überhaupt hatte sie sich vorgenommen, möglichst wenig auf seine herausfordernden Kommentare einzugehen. In Sunnydale hatte der verbale Schlagabtausch zwischen ihnen durchaus etwas Lustiges, hier war es einfach nur lästig und wenig sinnvoll. Doch ihr brannte noch immer eine Frage auf der Zunge.
„Sag mal", begann sie vorsichtig, denn er konnte ihre Frage durchaus falsch
verstehen. „Ist es nicht ein wenig gefährlich, sich mit einer Elfe einzulassen?"
„Eifersüchtig, Liebes?", erwiderte er auch prompt und lächelte. Er saß am Tisch
und nahm sein Frühstück zu sich, das ihm eine junge Elfe schlotternd gebracht
hatte.
„Ganz und gar nicht", brummte Buffy, denn er hatte genauso reagiert, wie sie befürchtet hatte. Doch sie wandte sich ihm zu und sah ihn herausfordernd an. „Ich sehe die Gefahr auch nicht unbedingt für dich, sondern eher für deine kleine Elfenfreundin." Sie runzelte die Stirn. „So winzig sie auch sind, ich glaube nicht, dass es Spaß macht, eine ganze Sippe von denen zum Feind zu haben."
„Warum sollte Binea in Gefahr sein, wenn wir…", er stockte, bremste und warf der Jägerin einen gekonnten Augenaufschlag zu. „Soll ich es laut aussprechen?"
„Mir ist egal, was für widerliche Sachen zwischen euch abgehen", erwiderte Buffy patzig. „Ich will nur nicht, dass dein Hunger übermächtig wird und du…"
„Elfen schmecken nicht", sagte er gelassen und trank geräuschvoll seine Tasse Blut leer.
„Ganz sicher?", fragte die Jägerin und stemmte die Hände in die Hüften.
„Allerdings", nickte er ernst und verzog dann das Gesicht, sodass ein hämisches Grinsen darauf zu sehen war. „Ich durfte gestern ein bisschen knabbern und…"
„Halt bloß die Klappe", unterbrach sie ihn rasch. „Das ist so widerlich! Davon will ich wirklich nichts mehr hören!"
„Ganz wie du meinst, Liebes", sagte Spike scheinheilig und stand auf. Er blickte an ihr vorbei aus dem Fenster hinaus und deutete dann mit dem Kopf in die Richtung. „Sadie hat sich wirklich etwas einfallen lassen. Unser Fortbewegungsmittel ist da!"
Buffy drehte sich neugierig um und fuhr sofort erschreckt zurück. Ein riesiges, braunes Auge starrte sie durch das krumme Fenster hindurch an und ihre Nackenhärchen richteten sich auf. „Was zum Geier ist das?", keuchte sie und ging ein paar Schritte zurück.
„Ein Fuchs, Liebes", grinste Spike, denn er hatte das Tier schon von weitem kommen sehen. „Du vergisst deine derzeitige Größe!"
„Was soll ein Fuchs…", begann die Jägerin verwirrt, doch da klopfte es schon an der Tür und sie verstummte.
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Wenige Minuten später zog Buffy die Kapuze ihres Anoraks über ihren Kopf und bestaunte den Fuchs, der sich auf das Geheiß eines jungen Elfen hin flach auf den mittlerweile durchweichten Boden gelegt hatte. Sie reichte ihm nicht einmal bis zum Schulterblatt und Unbehagen machte sich in ihr breit. All ihre Sinne schlugen Alarm, doch die drei Elfen, die daneben standen, wirkten vollkommen gelassen. Buffy jedoch konnte das Zwicken in der Magengegend nicht so einfach ignorieren. Bisher war sie in der Elfenwelt nur Wesen begegnet, die ungefähr gleichgroß waren, dieser Waldbewohner hingegen war gigantisch.
„Und du bist dir sicher, dass er nichts dagegen hat, uns als… Transportmittel zu dienen?", erkundigte sich die Jägerin bei Sadie.
„Wir haben ihn gefragt und er hatte nichts dagegen", erwiderte die Elfe schulterzuckend.
„Öhm… okay", murmelte Buffy und sah Spike fragend an. Konnte man einem Fuchs eine solche Frage stellen? Doch da Elfen auch zu den Naturgeistern zählten, war die Einfachheit dieser Antwort wohl nicht anzuzweifeln. Elfen konnten bestimmt mit Tieren in Kontakt treten. „Also gut", sagte sie. „Allerdings möchte ich noch einmal betonen, dass ich nicht die geringste Lust verspüre, als Appetithappen zu enden."
„Das werdet ihr schon nicht", sagte der einzige männliche Elf, der sie begleiten wollte, aufmunternd. „Albion ist mein Freund. Er würde niemals eine Elfe als Nahrung ansehen."
„Schön für deinen Freund", brummte Spike und befreite sich aus Bineas Umklammerung. Seiner Meinung nach übertrieb sie es ein wenig und er hasste Frauen, die ständig an ihm klebten. ‚Was denkt die Schnepfe sich eigentlich?’, dachte er brummig und stellte sich sicherheitshalber neben die Jägerin. ‚Einmal guten Sex und schon verbunden bis in alle Ewigkeiten?’ Er wandte sich wieder an den Elfen. „Corvin, richtig?", fragte er und sprach weiter, als der Elf nickte. „Er frisst also keine Elfen. Aber ist dir schon aufgefallen, dass wir beide nicht zu der geflügelten Sorte gehören? Oder müssen wir zur Tarnung jetzt welche tragen?"
„Albion weiß, um was es geht", erwiderte Corvin und lächelte sachte. „Er
kämpft auf unserer Seite und ist zudem der schnellste Läufer des Waldes. Er wird
euch in Windeseile ins Dorf der Dunkelelfen tragen."
„Ins Dorf wollen wir nicht", sagte Buffy schnell und wischte sich das
Regenwasser aus dem Gesicht. „Wir wollen es auskundschaften und keine
Kamikaze-Aktion starten." Dann klatschte sie in die Hände. „Auf geht’s! Das
Wetter wird nicht besser und wir sollten los, bevor wir alle bis auf die Knochen
nass sind!"
„Sagt die Frau mit der Regenjacke", brummte Spike und kletterte vorsichtig auf
den Rücken des Fuchses. Er war schon längst bis auf die Knochen nass. Sein guter
alter Ledermantel war einfach zu alt, um noch so viel Wasser abweisen zu können.
Er hatte Löcher und Risse, durch die die Feuchtigkeit ins Innere drang, doch im
Grunde machte es ihm nichts aus. Jedenfalls kam er so für einige Zeit von Binea
weg, die ihn unentwegt schmachtend ansah. ‚Mist, verfluchter!’, dachte er
und verzog das Gesicht. ‚Werde ich die verrückte Alte je wieder los?’
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„Nur Fliegen ist schöner", murmelte die Jägerin lautlos, der vom ganzen Auf und Ab des Fuchses langsam schlecht wurde. Er hielt sich in keiner Gangart, hüpfte hier und da, schlug Haken und rannte dann wieder wie ein Wahnsinniger durch den Wald, sodass sie oft genug den Kopf einziehen musste, um nicht im Gestrüpp hängenzubleiben. Überhaupt war dieser Ritt alles andere als angenehm. Breitbeinig konnte man nicht auf seinem Rücken sitzen, denn der gute Albion war schlicht zu breit dafür und bis jetzt war es Buffy nicht gelungen, eine einigermaßen bequeme Sitzposition zu finden.
Spike, der vor ihr saß, schien es nicht viel besser zu ergehen. Auch er wurde hin und her geschleudert, schaukelte von einer Seite auf die andere und hatte sich mit beiden Händen fest in das rötliche Fell festgekrallt. „Shit! Verfluchte Hölle!", schnaubte er, als er erneut einen dürren Ast ins Gesicht bekam, der sicherlich eine dicke rote Strieme hinterlassen würde. „Was für ein Dreck!"
„Ob es wohl noch weit ist?", murmelte die Jägerin und schloss die Augen. Doch da das die Übelkeit noch verstärkte, öffnete sie sie schnell wieder.
„Spürst du es denn nicht?", brummte Spike. „Ich kann diese verdammten Dunkelelfen beinahe riechen!"
‚Schön für dich’, dachte Buffy und war weit davon entfernt, irgendetwas anderes als ihren überschäumenden Magen zu spüren. „Dann halt das Vieh an. Ich lauf den Rest des Weges!"
Doch dafür benötigten sie Corvins Hilfe. Der Elf flog, ebenso wie Binea und Sadie, ein Stückchen über ihnen, reagierte allerdings sofort, als er Spike winken sah. „Brems dein Spielzeug", motzte der Vampir und wischte sich das Regenwasser aus dem Gesicht. „Wir steigen hier ab. Den Rest gehen wir zu Fuß!"
„Wollt ihr euch etwa alleine auf den gefährlichen Weg machen?", fragte Corvin ebenso entsetzt wie ehrfürchtig. So viel Mut würde er seinen Lebtag nicht aufbringen. „Es ist zwar nicht mehr weit, aber ihr kennt den Weg doch gar nicht und…"
„Glaub mir, Kumpel, den finde ich schon", sagte Spike und rutschte vom Rücken des Fuchses. Er wartete, bis Buffy neben ihm stand und grinste, als er ihr bleiches Gesicht sah. „Seekrank, Liebes?"
„So ähnlich", gab die Jägerin unumwunden zu und holte tief Luft. Sie wartete einen Moment und wandte sich dann an die drei Elfen, die abwartend ein paar Schritte weit weg standen. „Spike und ich gehen alleine", sagte sie bestimmt. „Und bitte glaubt mir, ihr tut uns keinen Gefallen, wenn ihr uns trotzdem folgt. Wir sehen uns um, und versuchen, so dicht wie möglich an das Dorf heranzukommen."
„Aber", versuchte es Binea und sah Spike beinahe flehentlich an. „Es ist viel
zu gefährlich, wenn…"
„Gefährlich wird es erst, wenn wir irgendwelche Hampelmänner mitschleppen
müssen, die keine Ahnung haben, was sie tun", sagte der Vampir kalt. „Sucht euch
ein trockenes Plätzchen, füttert den Wauwau… keine Ahnung! Macht einfach
irgendwas, aber versucht, nicht aufzufallen!"
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„Ach du heilige…", murmelte Buffy und kauerte dicht neben Spike in einem dichten Gebüsch. Sie hatten das Dorf der Dunkelelfen ohne weiteres gefunden. Seitdem sie nicht mehr auf dem schaukelnden Fuchs saß, spielten auch ihre Sinne nicht mehr verrückt und sie wusste schnell, was Spike meinte, als er sagte, er könne sie fast riechen. Die Aura, die das gesamte Dorf ausstrahlte, war düster und bösartig.
Es ähnelte dem der Lichtelfen sehr und hier war auch trotz des schlechten Wetters eine Menge los. Allerdings sah man wenig schwatzende Frauen und schon gar keine tollenden Kinder. Stattdessen jede Menge der schwarz gekleideten Dunkelelfen, die auf verschiedene Weisen für den Kampf trainierten. Es gab Schwertkämpfer, Stockkämpfer, Faustkämpfer, ein seltsames Ausdauertraining und sogar eine kleine Schule, in der der Nachwuchs herangezogen wurde. In der Luft schwirrten hunderte Elfen herum und Wachposten gab es so viele, dass sie kaum zählbar waren.
„Ich dachte, Sadie hätte gesagt, sie wären den Dunkelelfen zahlenmäßig überlegen", flüsterte die Jägerin entsetzt dem Vampir zu, der wie sie selbst ständig den Kopf drehte, um ja nichts zu verpassen.
„Tja", brummte Spike unzufrieden. „Die Lichtelfen werden drei oder vier Leutchen mehr haben!" Er war stinksauer. Es war schier unmöglich, gegen diese Menge an Elfen anzutreten und er wusste nicht, was Sadie und ihre bescheuerte Sippe sich dabei gedacht hatten. Buffy und er selbst waren ja durchaus effektiv, wenn es darum ging, ordentlich Schläge auszuteilen, aber so wie es jetzt aussah, würden sie es keine fünfzig Schritte weit in das Dorf schaffen.
„Lass uns weiter nach rechts", murmelte Buffy leise und zeigte auf einen hohen Baum, der stark von den Dunkelelfen frequentiert wurde. „Ich will mir das mal näher ansehen!"
„Warum?", fragte Spike, verdrehte die Augen und folgte ihr trotzdem. „Das hier ist total schwachsinnig! Ich hab ja nichts dagegen, hin und wieder mal einen auf die Fresse zu bekommen, aber das wird hier definitiv nicht reichen."
Buffy zuckte andeutungsweise mit den Schultern. Bisher hatte sie auch noch nichts gesehen, was sie aufmuntern konnte. Doch wenn sie schon einmal hier war, dann wollte sie auch alles sehen. Vielleicht fiel ihnen ja noch irgendwas ein, auch wenn sie das schwer bezweifelte. Sie war genauso mutlos wie Spike, auch wenn sie es nicht gerne zugab.
Rasch und präzise bewegte sie sich durchs Unterholz, stets darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden. „Dieser Tanavar scheint in dem Baum zu wohnen. Guck mal. Sie haben ihn ausgehöhlt."
„Noch eine von diesen tollen Überraschungen", murrte der Vampir fast lautlos. „Wir können nicht einmal erahnen, wie tief sie das Ding ausgehoben haben. Sie können diese dusslige Königin auch in der Wurzelgegend gefangen halten. Kannst du mir sagen, wie wir daran kommen sollen? Oder noch besser, erklär mir mal, wie wir überhaupt erst zu diesem bescheuerten Baum kommen!"
„Wenn ich das wüsste, wäre mir wohler", murmelte Buffy und schüttelte den Kopf. „Lass uns gehen. Wir haben alles gesehen, was wir sehen mussten."
„Ich hab viel zu viel gesehen, wenn du mich fragst", knurrte der Vampir
ungehalten, nachdem sie den Gefahrenbereich verlassen hatten. „Das gibt Ärger!
Dieser bekloppten Sadie werde ich mal gehörig den Marsch blasen! Was haben die
gedacht? Dass wir Superman oder Batman oder irgendein anderer dieser dämlichen
Superhelden sind? Die verdammten geflügelten Biester können sich unsichtbar
machen! Wir nicht!"
Buffy blieb stocksteif stehen und Spike konnte gerade noch bremsen, bevor er sie
umlief. „Vielleicht ist das die Lösung", sagte sie und schaute ihn an. „Sie
können sich unsichtbar machen! Wir nicht!"
„Und was soll das helfen?", murrte er. „Sie können keine Entscheidungen
treffen, können nicht kämpfen und was? Sollen wir sie zu Tausenden aufeinander
jagen? Und wer sagt, dass Dunkelelfen ihre hellen Kollegen nicht trotzdem sehen
können?"
„Ist ja gut", seufzte Buffy. „Trotzdem sollten wir das nicht ganz aus den Augen
verlieren!"
Teil 8
Im Gasthaus der Elfen war es still. Weder Buffy noch Spike sagten ein Wort und beide hingen ihren eigenen Gedanken nach. Das, was sie zu sehen bekommen hatten, hatte sie aus der Fassung gebracht und jeder brauchte einen Moment, um alles zu verdauen.
„Ganz ehrlich? Was haben wir eigentlich erwartet?", fragte Buffy Spike, der noch immer ein finsteres Gesicht machte. „Hast du gedacht, wir spazieren da hinein, verprügeln ein oder zwei Elfen und die ganze Geschichte ist erledigt?" Sie seufzte und sah aus dem Fenster hinaus auf das Treiben im Dorf. Der Regen hatte aufgehört und schlussendlich war doch noch so etwas wie Leben erwacht. Allerdings verhielten sich die meisten Elfen heute recht verhalten und sie konnte es ihnen nicht einmal verübeln.
Sicherlich hatten Sadie, Binea und Corvin allen erzählt, was im Wald vorgefallen war und Buffy schämte sich fast ein bisschen. Sie hatte so mutlos gewirkt, wie es eine Jägerin eigentlich niemals sein durfte. Doch bei der Übermacht der Dunkelelfen war ihr nichts mehr eingefallen und für einen Moment hatte sie aufgegeben. Doch der Kampfgeist steckte noch immer in ihr, und seitdem ihr Kopf ein wenig klarer war, suchte sie nach einer Lösung. „Haben wir gedacht, es ist ein Kinderspiel? Vielleicht waren unsere Erwartungen zu hoch."
„Natürlich nicht", knurrte er unwirsch und schüttelte den Kopf. Dann warf er die Hände in die Luft und sprang von seinem Platz am Tisch auf. „Keine Ahnung, was ich erwartet habe! Habe ich überhaupt etwas erwartet?" Er schnaubte. „Vielleicht ein wenig Verstand. Doch den lassen diese geflügelten Mistkäfer echt vermissen!"
Der Abend brach an und die beiden waren vollkommen alleine im Elfenhaus. Nach der wahrhaft bitterbösen Ansprache, die Spike am frühen Nachmittag auf die drei wartenden Elfen niedersausen lassen hatte, hatte es sich keine Elfe mehr getraut, sich an sie zu wenden. Nicht einmal Binea! Sie hatte den Vampir nur fassungslos angesehen, ihn toben lassen und war dann in Tränen ausgebrochen.
„Ihr werft das Handtuch?", hatte sie unter schweren Schluchzern gesagt. „Das
dürft ihr nicht. Ihr seid unsere einzige Hoffnung. Ohne euch schaffen wir es
nie, Aerona aus den Klauen der Dunkelelfen zu befreien. Tanavar wird nicht mehr
lange so zimperlich sein und ich mag nicht darüber nachdenken, was geschieht,
wenn…"
Der Vampir hatte sie nur finster angesehen und Buffy war schnell eingesprungen.
„Noch gibt hier niemand auf. Allerdings ist es schon heftig, was wir gerade zu
sehen bekommen haben." Sie zeigte auf sich, dann auf Spike. „Wir sind es gewohnt
zu kämpfen, doch gegen über tausend Gegner können wir nicht ohne weiteres
bestehen! Wir werden uns beraten müssen. Vielleicht haben wir brauchbare Idee
oder… was auch immer!"
„Verfluchte Hölle", hatte Spike geschnaubt. „Und jetzt hör auf zu flennen! Ist ja furchtbar! Ihr solltet eben gleich mit der ganzen Wahrheit herausrücken und einen nicht solch… irre Überraschungen erleben lassen." Er hasste weinerliche Frauen noch mehr wie welche, die einem ständig am Rockzipfel klammerten. Noch einmal würde er sich bestimmt nicht mit einem so durchgeknallten Wesen einlassen, wie Drusilla eins gewesen war. Diese ganzen überzogenen Emotionen. Da war es ihm lieber, einfach mal eine verpasst zu bekommen und fertig!
„Wir haben euch doch gebeten, uns im Kampf zu unterrichten", hatte Sadie eingeworfen. „Aber ihr habt doch darauf bestanden, es alleine machen zu wollen."
„Schuldzuweisungen helfen niemandem", hatte Buffy schnell gesagt und Spike hatte den Elfen seinen Mittelfinger gezeigt. „Lasst uns ins Dorf zurückkehren", hatte sie gemeint und die Schultern gezuckt. „Wir sind alle klamm und nass und überhaupt…"
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Noch immer rauschte Wut durch Spikes Adern und er fühlte sich betrogen. Dabei hatte keine der Elfen ihn angelogen. Sie hatten die Wahrheit nur nicht in allen Einzelheiten dargelegt und es wurmte ihn, blind darauf hineingefallen zu sein. ‚Selbst Schuld, du Blödmann’, schimpfte er mit sich selbst. ‚So was passiert eben, wenn man versucht, was Gutes zu tun!’
Er wanderte in der Wohnküche auf und ab, blieb hin und wieder stehen und schüttelte den Kopf. „Ich hab echt keinen Bock mehr auf den Scheiß", schimpfte er und sah Buffy an. Die Jägerin hatte sich ans Fenster gesetzt und starrte nach draußen. „Hey", motzte er und wartete, bis sie ihn ansah. „Erzähl mir mal, wie wir eineinhalbtausend Elfen nieder machen sollen! Schon irgendwelche göttlichen Gedanken?"
„Ich hab doch selbst keine Ahnung", schimpfte sie. Buffy hatte es langsam satt. Seitdem sie aus dem Wald zurück waren, hatte der Vampir nichts anderes getan, als zu meckern. „Jetzt hör endlich auf eine miese Stimmung zu verbreiten und lass uns lieber gemeinsam überlegen, was wir tun können!" Sie wandte den Kopf und starrte wieder in die Dunkelheit. „Ich glaube noch immer, der Schlüssel liegt in der Fähigkeit der Elfen, sich unsichtbar zu machen."
„Die Idee ist toll", motzte er weiter, ohne auf ihre Bemerkung einzugehen. „Wenn wir denn Leute hätten, die diesen Faktor nutzen könnten. Unsere Elfenfreunde würden sich ins Höschen machen! Mehr aber auch nicht!"
„Halt die Klappe, Spike", schnauzte sie ihn an und sprang auf. „Ich hab schon genug Sorgen, um mir jetzt auch noch über dein Gejammer einen Kopf machen zu müssen!" Sie rauschte an ihm vorbei, stieg die Treppe hinauf und verschwand in ihrem derzeitigen Schlafzimmer. „Idiot", murmelte sie und schlug die Tür hinter sich zu. Sie setzte sich auf ihr Bett und seufzte. „Wenn jedenfalls Giles hier wäre. Vielleicht würde ihm was einfallen."
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Mitten in der Nacht, Buffy hatte längst tief und fest geschlafen, stürmte der Vampir mit Getöse in ihr Zimmer. Nach kurzer Verwirrung kam in ihr der Wunsch auf, aufzuspringen und ihn an die Wand zu klatschen. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass sie nur ein dünnes Top trug und raffte die Decke an und über sich.
„Bist du irre, oder was?", fauchte sie und schob die vom Schlaf wirren Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Was soll denn der Mist?"
Doch der Vampir hatte offenbar nicht vor, sich von dem Gemecker der Jägerin aus dem Konzept bringen zu lassen. Er grinste in einer Tour. „Wir waren so dämlich…", begann er, doch Buffy bremste ihn.
„Hier ist nur einer dämlich!", motzte sie.
„Ach, halt die Klappe und hör einfach zu!" Ohne um Erlaubnis zu bitten, setzte er sich auf den Rand ihres Bettes und sah sie an. „Wir sind die ganze verzwickte Sache völlig falsch angegangen", erklärte er und grinste. „Dabei ist es so einfach!"
„Ich hau dir gleich „einfach" welche, wenn du nicht zum Thema kommst", drohte Buffy und rutschte ein Stück rückwärts. Ihr Aufzug war ihr unangenehm. Vor dem Vampir im Schlafzeug aufzutauchen, hatte ungefähr den gleichen Stellenwert, wie einen Regenwurm zu essen! „Hätte das nicht bis morgen warten können?"
„Verflucht, Slayer! Jetzt lass mich doch erzählen! Du wirst schon merken, wie wichtig es ist." Er holte unnötigerweise tief Luft und machte eine theatralische Pause. „Wie schon mal gesagt, wir sind die Sache vollkommen falsch angegangen. Wir haben dieses bekloppte Dunkelelfendorf gesehen, über tausend Gegner entdeckt und … wie soll ich sagen… Muffensausen gekriegt." Er hob die Hand und stoppte damit ihre drohenden Einwände. „Nenn es von mir aus, wie du willst. Du weißt schon, was ich meine!"
„Komm zum Punkt", schimpfte sie und rutschte noch ein kleines Stück weiter von ihm weg.
„Reg dich nicht so auf", brummte er und schüttelte den Kopf. „Also weiter! Warum haben wir… was auch immer bekommen?"
„Weil keiner von uns mal eben tausend Gegner besiegen kann", knurrte Buffy und wurde langsam aber sicher stinksauer. Bisher hatte er noch nicht ein Wort gesagt, das rechtfertigte, sie aus dem Tiefschlaf geweckt zu haben.
„Aber genau da liegt der Fehler", sagte er und sah sie herausfordernd an. „Siehst du es denn nicht?"
„Spike!", donnerte die Jägerin. „Spuck! Es! Aus!"
Er stand auf und seufzte. „Da hat man endlich mal einen Geistesblitz und niemand weiß ihn zu würdigen." Mit ernstem Gesicht baute er sich vor ihrem Bett auf, doch es dauerte nicht lange und er grinste wieder. „Was bedeuten tausend Mücken für dich?"
„Eine Menge Stiche und noch mehr blutiger Matsch in meinen Händen", funkelte sie ihn wütend an. „Genauso, wie du gleich Matsch bist, wenn du nicht endlich ausspuckst, was du eigentlich sagen willst!"
Doch der Vampir grinste noch immer und gab ihr die Möglichkeit, die letzte Frage sacken zu lassen. „Wir haben uns täuschen lassen", meinte er, „verwirren lassen von der Größe, die uns unsere werten Gastelfen aufgezwungen haben! Und genau da liegt der Fehler in unserem Denken. Immerhin ist unsere normale Größe unser einziger Vorteil, den wir den Idioten gegenüber haben. In voller Statur sind diese Dunkelelfen kaum mehr als Mücken für uns! Egal wie viele von ihnen auch herumflattern!"
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„Ein Kaffee wäre jetzt nicht schlecht", murmelte Buffy und dachte an Xander. Der Dunkelhaarige sorgte stets für das leibliche Wohl, schleppte Donuts und Kaffee an und ihr wurde schmerzlich bewusst, wie sehr sie ihre Freunde schon nach nur zwei Tagen vermisste. Doch sie wischte den Gedanken beiseite. „Noch besser wäre allerdings ein leckerer Cappuccino."
Buffy hatte Spike aus ihrem Zimmer geschmissen und sich angezogen. Eine Trainingshose und ein weites Shirt. Damit war sie wieder in die Wohnküche gezuckelt und hatte sich müde auf einen Stuhl gefläzt. Spike sah auch nicht gerade munter aus, hatte sie festgestellt, und seit ein paar Minuten sah er sie nur schweigend an. „Eine Cola würde auch reichen."
„Das wirst du wohl vergessen können", erwiderte er und zog die Brauen hoch. „Außer dieser furchtbaren Brühe, die sie auch noch Tee nennen, Wasser und Met scheint es hier nicht ganz viel zu trinken zu geben." Er lächelte süffisant. „Außer natürlich, du willst dir mit dem schrecklich süßen Zeugs die Birne wegballern."
„Eher nicht", erwiderte Buffy kalt. „Gerade heute sollte ich wohl einen kühlen Kopf bewahren. Auch wenn ich gestehen muss, dass mir bisher nicht viel Brauchbares eingefallen ist." Sie sah ihn an. „Hast du irgendwelche Ideen, die man in einen funktionierenden Plan verwandeln könnte?"
Zum ersten Mal, seitdem sie Sunnydale verlassen hatte, war sie dankbar für seine Anwesenheit. Vielleicht wäre sie früher oder später auf den gleichen Gedanken gekommen, doch das war unwichtig. Sollte es zum Kampf kommen, musste sie sich um ihn jedenfalls keine Gedanken machen und das wäre mit Willow, Giles oder auch Riley anders gewesen.
„Ideen? Eine Menge", nickte er. „Doch bisher ist alles noch wirr und passt nicht zusammen." Er stockte und runzelte die Stirn. „Hast du Weihwasser dabei?"
„Zwei, jetzt richtig kleine Flaschen", nickte sie und zog die Beine unter den Körper. „Warum? Glaubst du, es wirkt bei den Dunkelelfen? Ich hatte bisher keine Zeit es auszuprobieren."
„Es würde sie lähmen, aufhalten, aber nicht vernichten." Eigentlich war es nur eine Mutmaßung, doch da alle Dämonen und Wesen der Dunkelheit nicht vollkommen immun dagegen waren, erwartete er dies auch von den dunklen Elfen. Spike dachte nach. Er hatte Buffy verstanden, als sie meinte, die Flaschen seien nun richtig klein. Im Normalfall, sprich bei normaler Größe, hätten sie vielleicht für das ganze Dorf gereicht und er fragte sich, was passierte, wenn er die Elfenwelt mit den Fläschchen verlassen würde.
Eine lange Zeit saßen sie sich stumm gegenüber und an ihren Gesichtern war abzulesen, wie angestrengt sie überlegten. „Das geht so nicht", fuhr Buffy schließlich hoch. „Wir haben nicht die richtigen Waffen dabei, nicht die richtige Ausrüstung. Sobald sich auch nur vage etwas in meinen Gedanken abzeichnet, fällt mir ein, dass ich nicht das passende Werkzeug habe."
„Allerdings", murmelte Spike und lächelte flüchtig. Er hatte gerade eine richtig gute Idee gehabt, jedenfalls seiner Meinung nach. Doch das würde er nicht laut aussprechen, denn die Jägerin musste nicht alles wissen. Sie würde ihn sowieso wieder nicht verstehen.
Buffy runzelte die Stirn. „Vielleicht sollten wir unsere Elfen dazu holen", meinte sie. „Wahrscheinlich müssen wir Giles kontaktieren und eine Art Bestellliste aufgeben. Dafür brauchen wir ihre Unterstützung."
„Ich hab das Gefühl, wir sind schon längst nicht mehr alleine", sagte Spike und sah sich um. „Auch wenn sich unsere helfenden Elfen nicht zu zeigen trauen." Es war mehr ein Gefühl als wahrhaftes Wissen, doch er grinste breit, als eine nach der anderen Elfe sichtbar wurde. „Ganz schön voll die kleine Hütte hier", meinte er und sah Binea an, die direkt neben ihm stand.
Auch Sadie, Janiel, Corvin und ein paar Elfen, deren Namen sie nicht mehr wussten, hatten sich in der Wohnküche versammelt und wirkten jetzt ein wenig verschämt. „Wir haben Licht gesehen und weil sonst um die Uhrzeit schon das ganze Dorf schläft, haben wir gedacht, wir schauen mal…"
„Lass die Entschuldigung stecken", murrte die Jägerin beleidigt und fragte sich, ob sie jemals wirklich alleine gewesen war, seitdem sie das Elfendorf betreten hatte. „Jedenfalls erspart uns diese… Überraschung die ganze Erklärscheiße!" Sie sah Sadie finster an. „Sobald wir einen Plan entwickelt haben, schreiben Spike und ich eine Liste mit Dingen, die wir von Zuhause benötigen." Sie lächelte falsch. „Ach warte, das wisst ihr ja schon." Sie verzog das Gesicht und schob ihre schlechte Laune so gut es ging zur Seite. „Ich nehme an, es stellt keine Schwierigkeit dar, sie zu meinem Wächter zu bringen."
„Natürlich nicht", sagte Sadie leise, reckte aber das Kinn. „Ich werde persönlich dafür sorgen."
„Habt ihr schon Ideen, wie ihr Aerona aus den Kerkern der Dunkelelfen befreit?", wagte sich nun Janiel vor, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte.
„Bisher nicht", sagte Buffy. „Aber das wird sich jetzt ändern!"
Teil 9
Der Morgen dämmerte bereits, als Buffy zurück in ihr Bett kroch und die Decke bis über die Nase zog. Stunden um Stunden hatten sie und Spike zusammen mit den Elfen diskutiert, geplant und alles wieder über den Haufen geworfen. Irgendwann war ihr Haus aus allen Nähten geplatzt, denn mehr und mehr Elfen waren hinzugekommen und irgendwann hatten sie die Konferenz ins Freie verlegen müssen.
Spike hatte die Befürchtung gehabt, dass die Elfen wieder vollkommen unentschlossen reagierten, doch wie durch ein Wunder sagten alle nur ihre Meinung und berieten sich.
Schlussendlich war das Ganze dennoch zu einem Gelage verkommen, denn irgendeins der geflügelten Wesen war auf die Idee gekommen, ganze Fässer voll Met anzuschleppen. Allerdings hatten Buffy und auch Spike, was sie ihm hoch anrechnete, sich zurückgehalten. Scheinbar war auch ihm ein kühler Kopf lieber und so hatten sie das Meiste alleine mit Sadie, Binea und Janiel geplant.
Spike, wem auch sonst, würde die Aufgabe zufallen, ins Dorf der Dunkelelfen zu stürzen und dort für heillose Verwirrung zu sorgen. Was er dort anstellte, blieb ihm überlassen, doch er sollte ein möglichst großes Chaos veranstalten und dann dafür sorgen, dass ihm viele der dunklen Elfen in die Menschenwelt folgten. Unterstützt von ungefähr hundert Lichtelfen würde er dort ein wahres Schlachtfest veranstalten. Wenn es denn so funktionierte, wie sie es sich gedacht hatten.
Der Vampir hatte seine „Bestellung" bereits auf einen Zettel geschrieben und die Jägerin hatte ihn mit einiger Verwunderung gelesen. Giles würde die Dinge gewiss auftreiben und sie konnte Weihwasser, einen möglichst großen Jutesack und Feuerzeugbenzin verstehen, nicht aber, was sonst noch darauf stand. „Was willst du denn damit?", hatte sie ihn mit großen Augen gefragt.
„Ach", hatte der Vampir hinterlistig gegrinst. „Man weiß nie, wofür es gut ist und ein bisschen Spaß muss der Mist auch machen."
Buffy selbst hatte eine andere Aufgabe. Im Schutz der Dunkelheit und Spikes Ablenkungsmanövers würde sie mit den tapfersten Elfen in den hohlen Baustamm eindringen, der der Sitz des Dunkelelfenkönigs war. Die Elfen würden, wie abgesprochen, unsichtbar sein, und sie hoffte schwer, nicht auf allzu viel Gegenwehr zu treffen. Vielleicht gelang es ihnen sogar einigermaßen schnell, das Verlies der Königin zu finden, doch im Grunde bezweifelte Buffy das sehr. Es würde ein böses Hauen und Stechen werden und ganz bestimmt alles andere als einfach.
Tanavar wäre als finsterer Herrscher nicht so weit gekommen, wenn er nicht wüsste, was er tat. Es würden gewiss mehrere Wachmannschaften durch den Baum streifen, von der Leibwache des Königs ganz abgesehen. Und natürlich die ganzen Elfen, die sich dort noch tummelten: Gäste, Bewohner und schlicht das ganze Gestade des Königs.
‚Hoffentlich klappt alles’, dachte Buffy voller Zweifel und mit einiger Sorge um das Leben der Lichtelfen. Spike sollte ihr zur Hilfe eilen, sobald seine Aufgabe erledigt war, doch niemand wusste, wie lange das dauern würde. Sie seufzte leise und schloss die Augen. ‚Aber einen besseren Plan haben wir nicht!’
Sie drehte sich auf die andere Seite und seufzte. „Und jetzt muss ich schlafen, damit mir heute Abend nicht die Augen zufallen." Das war natürlich Unsinn, denn immerhin war sie die Jägerin und musste oft mit wenig Schlaf auskommen. Doch es gab eh nichts Besseres mehr zu tun und wie konnte man Zeit besser totschlagen? Ihr letzter Gedanke galt Riley, dann schlummerte sie friedlich ein.
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Buffy traute ihren Augen kaum, als sie, nachdem sie noch einmal ihren Plan mit Spike besprochen hatte, aus der Tür ihrer derzeitigen Behausung trat. Das ganze Dorf schien auf den Beinen, beziehungsweise Flügeln, zu sein. Überall schwirrten und summten Elfen durch die Luft und es war als Wunder zu betrachten, dass sie nicht andauernd zusammenstießen. Soweit das Auge reichte flogen Elfen, ganz zu schweigen von denjenigen, die auf das Fliegen verzichtet hatten und nun in einem wilden Durcheinander überall herumstanden.
„Was wird denn das?", fragte Buffy Sadie mit ungläubigem Blick. So viele Elfen hatte sie noch nie gesehen. Nicht einmal, seitdem sie und Spike diese Welt betreten hatten.
„Sie wollen alle mitkommen", erklärte die Elfe und reckte stolz einen abgebrochenen Ast, den sie offenbar als Knüppel benutzen wollte. Andere taten es ihr nach und ein heilloses Chaos an wirren Stimmen und lauten Schlachtrufen brach los.
Der Jägerin fehlten für einen Moment die Worte und sie wandte sich dem Vampir zu, der schlicht den Kopf schüttelte. „Das funktioniert so nicht!", sagte er. Allerdings hörte ihn bei dem Getöse kaum jemand und so sagte er zu Buffy: „Schau dir den bescheuerten Haufen Fliegen an. Sie wirken stark und mutig, aber sobald jemand laut „BUH!", ruft, machen sie sich vor Angst in ihre hässlichen Hosen!"
„Tja", brummte die Jägerin. „Und wer macht ihnen das begreiflich?" Sie seufzte, winkte Sadie heran und schob die verwirrte Elfe ins Innere des Hauses. Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, motzte sie das Zauberwesen ohne viel Federlesens an.
„Was soll denn dieser Mist? Ich dachte, wir hätten klar und deutlich gesagt, nur die mutigsten Elfen überhaupt mitzunehmen. Und was macht ihr? Wollt ihr euch in eine Schlacht stürzen? Mit Knüppel und Ästen bewaffnet?" sie schnaubte laut. „Also ehrlich! Ihr seid das Kämpfen nicht gewohnt und dann diese Truppe da draußen…" Sie stemmte die Hände in die Hüften und schüttelte den Kopf. „Wie viele von euch sollen bei diesem unüberlegten Angriff draufgehen?"
„Sie wollen doch alle nur helfen", erwiderte Sadie verblüfft, aber auch enttäuscht. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Jägerin deswegen böse wurde. Ganz im Gegenteil! Sie hatte gedacht, je mehr Elfen sie mobilisierte, desto schneller und einfacher würden sie den Kampf gegen die dunklen Elfen gewinnen. „Zum ersten Mal halten alle zusammen. Zum ersten Mal stellen sie sich freiwillig einem Kampf und…"
Buffy unterbrach sie, warf die Hände in die Luft und lehnte sich seufzend gegen eine Wand. „Glaub mir, Spike und ich rechnen euch das hoch an…. Tatsache aber ist, dass ihr uns so einen Überraschungsangriff unmöglich macht. Das wirft all unsere Pläne über den Haufen. Und eben diese Pläne sind schon mehr als vage. Ich werde nicht zulassen, dass sich dein Volk in einen Kampf stürzt, der als Massaker endet. Vor allem, wenn es uns nicht einmal etwas nützt!"
„Und was soll ich deiner Meinung nach jetzt tun?", schimpfte Sadie und ihre Flügel zuckten aufgeregt. „Soll ich sie nach Hause schicken? Überhaupt würde keiner gehen und…"
„Schieb mir die Schuld in die Schuhe", unterbrach Buffy ein weiteres Mal. „Sag ihnen, ich werde nicht einen einzigen Schritt tun, wenn wir nicht bei unserem Plan bleiben. Es wäre nicht einmal gelogen. So gehen wir auf keinen Fall!" Sie nickte Spike zu, der sich durch die Tür schob und sie schnell wieder verschloss. „Ich erkläre Sadie gerade, dass wir so nicht losziehen."
Er nickte nur kurz, zog einen Stuhl heran, drehte ihn um und setzte sich breitbeinig darauf. Dann wandte er sich an die Elfe, die vor Zorn und Entsetzen die Füße nicht still halten konnte und auf und ab lief. „Deine Leute haben wahrscheinlich allen Mut zusammen gesucht, den sie irgendwo finden konnten. Aber jetzt dürfen sie ihn wieder einpacken! Ich kämpfe nicht mit einem Haufen planloser Schwachsinniger!"
„So weit waren wir schon", murmelte Buffy und Sadie, die mittlerweile Tränen der Wut in den Augen hatte, stampfte laut mit dem Fuß auf.
„Es ist unsere Königin, um die es hier geht. Sie wäre stolz auf jeden
einzelnen von uns!" Sie schnaufte laut und warf Jägerin und Vampir bitterböse
Blicke zu. „Ich kann meiner Sippe nicht verbieten zu…"
„Und genau da liegt dein Denkfehler", fuhr Spike sie an. „Es geht nicht nur mehr
um deine Königin. Es geht um mein Leben und das der Jägerin! Wir beide", sagte
er und zeigte mit dem Finger erst auf sich und dann auf Buffy, „wir beide
wissen, was wir tun! Ihr wisst es nicht! Ihr werdet uns nicht helfen sondern
aufhalten und, wenn du es genau wissen willst, eure bekloppte Idee gefährdet
eure Königin gewaltig! Wir haben nicht die Zeit, Kindermädchen für tausend Elfen
zu spielen. Wir haben genug damit zu tun, einen Haufen Dunkelelfen
abzuschlachten!"
Die Diskussion wurde hitziger und dauerte noch einige Minuten an, dann
stapfte Sadie beleidigt aus der Tür.
„Ruft uns, wenn ihr so weit seid", rief Spike ihr hinterher und schüttelte den
Kopf. „Was für ein Affentheater", murmelte er und fingerte eine Zigarette aus
der Tasche. „Da wünscht man sich doch glatt zurück an den Höllenschlund!"
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Es dauerte eine lange Zeit, bis die Geräusche vor dem Haus schwächer wurden. Das Surren der Flügel wurde leiser und auch die aufbrandenden hitzigen Gespräche wurden nach und nach leiser. Erst hatte Buffy aus dem Fenster geguckt und zugesehen, doch nachdem sie mehrere wüste Gesten gesehen hatte, die gegen sie gerichtet waren, hatte sie sich zu Spike an den Tisch gesetzt.
Jetzt warteten sie nur noch gespannt und als langsam die Dämmerung einsetzte, klopfte es endlich an der Tür. Sadie kam herein und sah abgekämpft und müde aus. „Wir sind so weit", sagte sie und ging gleich wieder hinaus.
„Dann wollen wir doch mal sehen", meinte Spike, griff nach dem Schwert, das er bei Giles bestellt hatte und auch Buffy packte ihre Streitaxt. „Auf ins Getümmel!"
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Zu ihrer Erleichterung bemerkte die Jägerin, dass die Elfen sich nun mehr an den ausgetüftelten Plan hielten. Ungefähr fünfzig von ihnen hatten sich vor dem Haus versammelt und wenn sie sich nicht irrte, waren die meisten von ihnen die Wachen der Königin. Natürlich fehlten auch Sadie und Binea nicht, doch alle anderen hatten sich zurückgezogen.
„Geht doch", grinste Spike hämisch und schwang sein Schwert. „Dann können wir los!"
„Sind die Elfen, die Spike unterstützen sollen, an ihrem Platz?", erkundigte sich Buffy und ging auf Sadie zu.
„Allerdings", schimpfte die Elfe. Offensichtlich war sie noch immer böse.
Doch dann holte sie tief Luft und beruhigte sich. „Sie sind da. Macht euch keine
Sorgen. Und sie haben sich genau an eure Vorgaben gehalten."
Buffy nickte und klopfte der Elfe freundlich auf die Schulter. „Glaub mir, so
ist es das Beste." Dann sah sie zu Spike, nickte ihm zu und zusammen setzte sich
der Tross in Bewegung.
Am Rande des Dorfes saß eine Taube im Gras und wieder einmal wurde Buffy daran erinnert, wie klein sie im Augenblick war. Der Vogel war riesig und nur mit Unbehagen ließ sich darauf ein, ihn als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Spike half ihr hinauf auf den Rücken der Taube und kletterte dann behände hinter sie. „Kennst du dieses Märchen… Nils Holgersson? Jetzt weiß ich, wie er sich gefühlt haben muss!" Er grinste über das ganze Gesicht, doch dann wurde er ernst, denn der Vogel hob vom Boden ab und die kurze Reise begann.
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„Alle bereit?", fragte Buffy leise und sah sich um. Zusammen mit Spike und den Elfen versteckte sie sich im dichten Gebüsch um das Dorf der Dunkelelfen und beobachtete das Treiben. Die Elfen nickten der Reihe nach und eine nach der anderen wurde unsichtbar.
„Gut", nickte Buffy und wandte sich an den Vampir. „Das wird nicht einfach. Bist du sicher, dass du das alleine durchziehen willst?"
Spike lachte abfällig. „Wen soll ich deiner Meinung nach mitnehmen?" Doch
dann winkte er mit der freien Hand ab und blickte wieder zum Dorf, in dem ein
reges Treiben herrschte. „Hoffen wir einfach darauf, dass die meisten dieser
Deppen noch nie einen Vampir gesehen haben." Er drehte sich um. „Und ihr seid
sicher, dass der Eingang in unsere Welt dort hinten in den Felsen ist?"
„Ganz sicher", antwortete eine Stimme, in der eine Menge Stolz mitklang. „Ich
habe ihn selbst einmal ausprobiert. Es geht ein Stückchen bergab, dann in einem
Knick nach rechts und schon bist du draußen!"
„Also gut", nickte Spike und befreite seinen Dämon. Mit gelb aufblitzenden Augen sah er Buffy an. „Drück mir die Daumen oder was auch immer." Er schlich davon, doch es dauerte nicht lange und er brach mit wildem Geschrei durch das Gebüsch und rannte das Schwert schwingend auf den ersten Dunkelelfen zu, der seinen Weg kreuzte.
Der Elf starb, bevor er auch nur wusste, was ihm geschah und Spike jagte weiter, machte einen Höllenlärm und mähte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte.
„Wenn das mal gut geht", murmelte Buffy, doch dann wandte sie sich ab. Sie mussten sich noch einen langen Weg durch das Gestrüpp bahnen, erst dann würde auch sie sich zeigen müssen. Allerdings hoffte sie schwer, Spike würde lange genug von ihr ablenken, sodass sie genügend Zeit hatte, zumindest bis zum Sitz des Königs zu gelangen. „Auf in die Schlacht!"
Teil 10
Laute Warnrufe und schrilles Geschrei hallten über den Dorfplatz der Dunkelelfen, heilloses Durcheinander brach los und Spike, dessen Stimme vom andauernden Knurren und Fauchen schon ein wenig heiser war, mähte alles nieder, was in seine Reichweite kam.
Zuerst war es leicht gewesen, die dunklen Elfen zu schockieren. Offensichtlich hatten die meisten von ihnen niemals zuvor einen Vampir zu Gesicht bekommen und schon sein bloßer Anblick, sein von Furchen durchzogenes Gesicht und die spitzen Zähne reichten, um sie rückwärts taumeln zu sehen. Doch nun hatte der Kampfgeist sie geweckt und sie jagten mit jeder nur erdenklichen Waffe hinter ihm her.
‚So langsam muss ich in die Hufe kommen’, dachte er, köpfte einen Dunkelelfen mit einem ausholenden Schlag seines Schwertes und duckte sich einen Wimpernschlag später unter einer Mistforke hinweg, die ein Elf mutig in sein Gesicht rammen wollte. ‚Plan geglückt’, dachte er keuchend. So wie es aussah, war das ganze Dorf hinter ihm her und würde der Jägerin und ihren Kampfgenossen die Möglichkeit geben, das zu tun, was sie tun sollten.
Doch seine Kräfte schwanden langsam aber sicher und eine Pause wäre nicht die schlechteste Idee. So manchen harten Schlag hatte er einstecken müssen, einmal war er nicht schnell genug gewesen und einer der Elfen hatte es geschafft, ihm sein Kurzschwert in den Oberschenkel zu rammen. Die Wunde war nicht sonderlich tief, behinderte ihn jedoch bei Laufen und machte ihn somit langsamer. Was wiederum seinen Gegnern die Möglichkeit bot, ihn schneller einzuholen und sogar zu überholen.
Er blieb einen Augenblick stehen, orientierte sich neu und wollte gerade wieder los laufen, als ein Geräusch ihn stoppte. Die Luft über ihm surrte und Spike legte noch einen Zahn zu, als ein Rudel Dunkelelfen, bewaffnet mit langen Speeren, auf ihn niedersauste.
„Jetzt aber nichts wie raus hier", zischte er und boxte einem Gegner, der sich ihm in den Weg gestellt hatte, die krumme Nase platt. Den Durchgang in die Welt der Menschen konnte er schon vor sich sehen, als sich ein Wurfgeschoss, ähnlich einer Bola, um seine Unterschenkel wickelte und ihn stürzen ließ. Sekunden später waren die Elfen auch schon über ihm!
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Buffy konnte kaum glauben, was gerade geschah. Zusammen mit ihren unsichtbaren Kampfgefährten hatte sie das halbe Elfendorf umrundet, stets geschützt von Büschen und niedrigem Gestrüpp. Hin und wieder hatte sie noch einen Blick auf Spike werfen können, dessen seltsame Art von Mut sie einfach bewundern musste. Sich alleine gegen über tausend Widersacher zu stellen war der reine Wahnsinn, und vielleicht war es auch etwas Derartiges, das ihn veranlasst hatte, diesem verrückten Plan zuzustimmen.
Nun jedoch war er aus ihrem Blickfeld verschwunden, aber er hatte erreicht, was er erreichen wollte. Das ganze Dorf war auf den Beinen, besser gesagt Flügeln, und selbst die Wachen am Wohnsitz des Königs verließen nach und nach ihre Plätze, um sich dem Eindringling entgegenzustellen. „Gut gemacht, Spike", murmelte sie leise und drückte ihm die Daumen, gut aus der Sache wieder herauszukommen.
Doch dann wandte sie sich wieder ihrem Problem zu. Sie hatten nun den Baum erreicht, den sich der Dunkelelfenkönig als Wohnsitz ausgesucht hatte, doch verglichen mit ihrer Größe war er mindestens einen Kilometer hoch. Aber noch bevor sie sich fragen konnte, wie zum Teufel sie dort hinaufkommen sollte, fühlte sie unzählige Hände, die sie packten und in die Luft hoben.
‚Verflucht!’, dachte die Jägerin und versuchte den Impuls die Hände wegzuschlagen zu unterdrücken. Es war ein durchaus nicht angenehmes Gefühl, doch vor allem störte es sie, dass sie keinerlei Kontrolle hatte. Jedoch dauerte der Flug nicht lange und sie wurde sanft auf einem dicken Ast abgesetzt, der noch Deckung bot, aber nicht weit von dem Astloch entfernt war, dass die dunklen Elfen als Haupteingang in den Baum auserkoren hatten.
Sie ging hinter einem jungen Trieb voller Blätter in Deckung. „Aufpassen", zischte sie leise und hoffte, ihre Begleiter würden sie auch hören. Noch immer stürmten massenhaft Elfen aus dem Inneren des Baumes, alle schwer bewaffnet und mit grimmigem Gesicht. Spike hatte wahrhaft ganze Arbeit geleistet, denn mit einem weiteren Angreifer rechnete offensichtlich niemand. Als der Strom Krieger endlich abbrach, kletterte sie lautlos und doch rasend schnell auf das Astloch zu, spähte einen Moment vorsichtig hinein und stürmte dann ins Innere der Behausung. „Auf ins Getümmel", murmelte sie leise und war auch schon verschwunden.
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Langsam wurde die Situation brenzlig. Spike hatte unzählige Schläge und Tritte abbekommen, doch die Traube Dunkelelfen ließ sich kaum abschütteln. Dann keimte Wut in ihm auf. „Verfluchte Hölle", schnaubte er und brach dem nächstbesten Elfen das Genick. „Das liegt nur an dieser Gott verdammten Zwergengröße! Hätte ich meine normal Statur, wärt ihr alle nicht mehr als Fliegenschiss an der Wand!"
Er griff nach allem und jedem, brach Knochen, riss Gelenke aus ihrer Verankerung und machte auch nicht mehr davor Halt, seine Reißzähne zu benutzen. Mochten diese verfluchten Elfen nun schmecken oder nicht, eine zerfetzte Halsschlagader zeigte dennoch Wirkung! Schleppend befreite er sich, wobei ihn seine Gegner noch unfreiwillig unterstützten. Unzählige Dunkelelfen versuchten sich auf ihn zu stürzen und behinderten sich somit selbst, weil das Gerangel um ihn herum einfach zu groß war.
Spike packte sein Schwert fester, das er wie durch ein Wunder wieder gefunden hatte, und hieb sich, ähnlich wie mit einer Machete im Dschungel, den Weg frei. Viele tote Elfen später fand er eine Lücke in der Traube der Angreifer und brach durch. So schnell er konnte, raste er auf den Durchgang zur Menschenwelt zu, stürzte hinein und auch hindurch und landete mit der Nase voran auf dem muffigen Waldboden.
Die Lichtelfen, die ihn auf dieser Seite unterstützen sollten, hatten Wort gehalten und hatten ihm sofort seine sonstige Größe zurückgegeben. Spike rappelte sich auf, sah sich hektisch um und entdeckte das Versteck, das die Elfen für ihn angelegt hatten. Sie hatten es mit einer Reihe kleiner Steine gekennzeichnet und er stürzte darauf zu und wischte mit der Hand das darüber verstreute Laub beiseite.
Mit fahrigen, hastigen Bewegungen angelte er den Jutesack heraus, den er bei Giles bestellt hatte und stülpte ihn über den Durchgang in die Elfenwelt, und fing so rasend schnell hunderte von Elfen, die sich an die Verfolgung gemacht hatten.
Der Sack füllte sich rasch, das Summen der Flügel im Inneren erinnerte ihn an ein wildgewordenes Wespennest und Spike riss den Sack von der Öffnung, drehte ihn rasch am oberen Ende und verschloss ihn mit einem Strick. Noch immer flogen neue Dunkelelfen aus der Öffnung, doch um die musste er sich später kümmern. Lieber wäre es ihm natürlich gewesen, gleich alle Elfen im Sack zu fangen, doch früher oder später hätten sie den Rückweg angetreten und eben das musste er verhindern.
Mit der freien Hand wehrte er die Angreifer ab und suchte in dem Versteck nach dem Feuerzeugbenzin. Schließlich fand er es unter den welken Blättern und tränkte damit den Jutesack. Sekundenbruchteile später zückte er sein Feuerzeug und ließ es aufschnappen.
„Auf nimmer Wiedersehen", murmelte er, als der Sack Flammen fing und rasch lichterloh brannte. Ein hämisches Grinsen zeigte sich im Widerschein des Feuers auf seinem Gesicht und eben dieses Grinsen wurde nun diabolisch, als er wieder in das Versteck der Lichtelfen griff. „Zeit für ein bisschen Spaß", lachte er fies und packte den Tennisschläger fester.
Der erste Dunkelelf, den er traf, landete drei Meter weiter mit einem saftigen „Platsch" an einem Baumstamm und zerplatzte wie eine reife Orange. „Nicht schlecht", grinste er und nickte zustimmend. „So kann es weitergehen!"
Und ähnlich ging es auch weiter. Mehr und mehr Dunkelelfen erlagen seinen Schlagkünsten und das Summen der kleinen Flügel um ihn herum wurde leiser. Was allerdings auch daran lag, dass viele seiner nun für ihn winzigen Feinde wieder in die andere Welt hinüber flüchteten.
„Versteckt euch nur", rief er ihnen drohend hinterher. „Ich kriege euch schon! Jeden verdammten einzelnen von euch!" Er holte wieder aus und mit einer perfekt geführten Rückhand erwischte er gleich drei der Winzlinge, die alle das gleiche Ziel fanden: Die Felsen, in dem sich der Durchlass in die Elfenwelt verbarg!
Plötzlich hörte Spike Applaus und er fuhr herum. Die Lichtelfen, bisher unsichtbar und versteckt, hatten sich der Riege nach auf einem langen Ast aufgereicht und jubelten ihm frenetisch zu. Mit einem Grinsen verbeugte er sich und machte sich dann daran, die letzten verbleibenden Dunkelelfen niederzumachen.
Wenige Minuten später war seine erste Aufgabe erledigt und er warf den Schläger auf die Erde. „Los, los, Leute", rief er den Lichtelfen zu, die sich auch sofort in Bewegung setzten. „Beeilung! Die Jägerin braucht meine Hilfe!" Er schnappte sich sein Schwert und wenige Augenblicke später stürmte er, nun wieder in Elfengröße, durch den Durchlass zurück ins Chaos.
Wieder mähte er unzählige Dunkelelfen nieder, doch noch bevor er sich fragen konnte, wie er am schnellsten zur Jägerin gelangte, rissen Hände an ihm und hoben ihn in die Lüfte. Offenbar hatten sich die Lichtelfen entschlossen einzuspringen und nicht mehr tatenlos abzuwarten. „Dann mal los, Jungs", feuerte er sie an, obwohl er nicht einen einzigen sehen konnte. „Auf in die Schlacht!"
Während des kurzen Flugs sah er auf das Schlachtfeld hinab, dass sich unter ihm auftat. Offenbar hatten die Lichtelfen nur halb ihr Wort gehalten, sich nicht einzumischen. Gerade jetzt im Moment stürmte die ganze Truppe wieder mit Knüppeln und Mistforken bewaffnet ins gegnerische Dorf und er grinste. Das war eine Art Hilfe, die er und garantiert auch die Jägerin gebrauchen konnte.
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Buffy war müde und erschöpft. Die Streitaxt, die sie nach wie vor schwang und mit der sie schon zahllose Gegner niedergestreckt hatte, wurde immer schwerer und sie fühlte ihre Muskeln erschlaffen.
Seitdem sie ins Innere der Königsbehausung eingedrungen war, hatte sie das Gefühl, komplett auf sich allein gestellt zu sein. Die Lichtelfen, eh in der Unsichtbarkeit verschwunden, hatten sich offenbar geschlossen auf den Weg gemacht, ihre Königin in den Weiten der dunklen Gänge zu finden. Ähnlich war es abgesprochen gewesen, aber eben nur ähnlich. Die mutigsten Krieger der Lichtelfen hatten sie eigentlich unterstützen sollen, doch das hatte man scheinbar vergessen.
Die Jägerin keuchte, und drückte einen Dunkelelfen an die Wand, der sie wütend anspuckte. „Okay, das war jetzt echt zu viel!", schnaufte sie wütend, gab ihm einen Stoß, der ihn an die Wand und sie selbst von ihm weg beförderte, und holte mit ihrer Waffe aus. Die Axt spaltete ihn in der Mitte und Buffy funkelte die Überreste böse an. „Das hast du jetzt davon!"
Doch schon packten Arme sie, viele Arme, und die Streitaxt wurde aus ihrer Hand gerissen. Sie kämpfte wie wild, doch ihr Widerstand schwand schnell, weil ihr einfach die Kraft fehlte. Dann hörte sie die Worte „Kopf runter" und sie tat sofort, wie ihr geheißen.
Spike stürmte in den schmalen, nur schwach beleuchteten Gang und erwischte mit nur einem Schwerthieb gleich zwei Dunkelelfen. „Siehst du scheiße aus", grinste er die Jägerin an, schirmte sie mit seinem Körper vor den Angreifern und ließ sie so wieder auf die wackeligen Beine kommen.
„Du nicht minder", konterte Buffy und hatte nicht Unrecht. Beide hatten viele Schläge einstecken müssen, bluteten aus mehreren Wunden und unzählige Schnitte und Schrammen zierten ihre Gesichter. Sie packte ihre Waffe, die zu Boden gefallen war, atmete tief durch und stellte sich dann neben Spike. „Dann wollen wir mal den Rest erledigen", sagte sie mit fester Stimme, die nicht zu ihrer körperlichen Verfassung passte.
„Jaaa", knurrte Spike und ließ seine gelben Augen aufblitzen. „Dunkelelfen abschlachten war immer schon mein liebstes Hobby!" Und Seite an Seite taten sie genau das. Sie töteten alles, was ihnen in die Quere kam und langten schließlich im Thronsaal an, wo Tanavar sich mit seiner Leibgarde verbarrikadiert hatte.
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„Eine kurze Verschnaufpause wäre nett", raunte Buffy Spike zu, der nur stumm nickte.
Doch dafür blieb den beiden keine Zeit. Die Wachmannschaft, die den dunklen König schützte, stürmte auch schon auf sie zu und die Jägerin hob fast widerwillig ihre Waffe. Doch als wäre ihre Erschöpfung nicht schon schlimm genug, verschlimmerte sich die Lage, indem die Dunkelelfen es ihren Artverwandten nachtaten und plötzlich unsichtbar wurden.
„Scheiße, verfluchte", keuchte Spike, und wurde seitlich gerammt. Er wirbelte sein Schwert durch die Luft, traf aber niemanden und der Jägerin erging es nicht besser. Auch sie schwang vollkommen nutzlos ihre Streitaxt und Tanavar lachte nur gehässig.
„Habt ihr wirklich gedacht, ich mache es euch so einfach?" Er hielt nun ebenfalls ein Schwert in Händen und erhob es drohend. „Niemand… wirklich niemand darf es sich wagen in mein Reich einzudringen und dann auch noch glauben, ungeschoren davonzukommen!"
Doch Spike winkte nur ab. „Hast du mal raus gesehen? Deine Armee hat mächtig an Größe verloren und ich würde fast behaupten, hier in deinem beschissenen Holzhaus lungert der Rest herum." Er wirkte lässig, spürte aber die Bedrohung dicht neben sich und schwang genau im rechten Moment sein Schwert erneut. Dieses Mal traf er ein Ziel und bevor er sicher war, gut getroffen zu haben, stach er ein weiteres Mal zu.
Auch Buffy mobilisierte ihre Jägerinnensinne und lauschte in die Stille. Es dauerte einige Sekunden, dann konnte sie die dunklen Elfen ebenso heftig spüren, wie sie gewöhnlich Vampire fühlte. „Ich habe echt keine Lust mehr auf diesen Scheiß", fluchte sie, machte einen Ausfallschritt und erwischte mit der Streitaxt einen unsichtbaren Gegner. „Wir erwischen euch sowieso! Ihr habt keine Chance! Also ergebt euch oder verschwindet auf Nimmerwiedersehen!"
Teil 11
Der Kampf im Thronsaal der Dunkelelfen gestaltete sich weit schwieriger, als Buffy sich das vorgestellt hatte. Nicht nur, dass sie erschöpft und müde war, ihrer Gegner erschwerten das Ganze noch dadurch, dass sie unsichtbar waren. Zudem war da noch der König der Elfen, Tanavar, der ständig schlaue Sprüche klopfte und sie, besser gesagt ihre Sinne, noch mehr verwirrte. Schon die Menge der Angreifer machte es fast unmöglich einen herauszufiltern und so zu treffen, dass er nicht wieder aufstand. Mit Spike im Rücken drehte sie sich ständig im Kreis, doch sie hatten beide schlimme Hiebe einstecken müssen und Buffy konnte Spike leise knurren hören.
Er verließ sich auf seine vampirischen Fähigkeiten, schien jedoch genau so
massive Probleme zu haben wie sie selbst und so langsam wurde es brenzlig. Sie
blutete aus einer großen Wunde am Arm und Spike hatte es an den Rippen erwischt.
Er beschwerte sich zwar nicht, sagte kein Wort, doch sie spürte, dass seine
Bewegungen langsamer wurden und weitaus weniger treffsicher waren wie noch vor
wenigen Minuten.
„Okay", schnaubte sie außer Atem. „Ich bin nicht so weit gekommen, um in dieser bescheuerten Elfenwelt draufzugehen!" Dann wurde es laut um sie herum und für einen Moment vollkommen verwirrt, stoppte sie und wandte sich an Spike, der genauso verdattert war.
Dann hörten sie eine leise Stimme neben sich. „Wir sind da", wisperte Binea. „Macht euch bereit."
Sofort nahmen sowohl Vampir als auch Jägerin wieder Kampfhaltung ein und es dauerte nur einen Wimpernschlag und sowohl Dunkel-, als auch Lichtelfen wurden sichtbar.
Das Geschrei wurde noch lauter und sofort stürmten die dunklen Elfen auf ihre Artverwandten los, die durch ihre Magie dafür gesorgt hatte, dass Buffy und Spike endlich Herr der Lage werden konnten. Die beiden Kämpfer warteten auch gar nicht lange, sondern attackierten trotz ihrer Erschöpfung alles, was in ihre Reichweite gelangte.
Tanavar tobte und schrie, sah sich und seine Truppe als Verlierer und rannte dann, das Schwert hoch erhoben, auf den Pulk der Lichtelfen zu, doch noch bevor er Sadie oder auch Binea erreichen konnte, warf Spike sich dazwischen. Der König der Dunkelelfen erwischte ihn mit einem Hieb seines Schwertes an der Schulter, doch der Vampir ließ sich nicht beirren.
Er verpasste dem Anführer einen massiven Schlag ins Gesicht, indem er den Ellbogen auf seine Nase rammte, warf ihn dann zu Boden und wälzte sich mit seinem ganzen Gewicht auf ihn. Sein Schwert hatte er längst fallen lassen und bearbeitete nun das Gesicht seines Gegners mit den Fäusten. „Verfluchte Hölle", zischte Spike und spuckte Blut. „So langsam hab ich Schnauze gestrichen voll", fauchte er und ließ seine Faust wieder niedersausen.
Tanavar hatte dem Vampir nichts entgegenzusetzen und musste sich Sekunden später hilflos auf die Füße reißen lassen. Er hatte nicht einmal die Chance, seine Wächter zu sich zu rufen, doch das erledigte Spike sogleich. „Stopp!", brüllte er und es dauerte nur sehr kurze Zeit, bis er die gesamte Aufmerksamkeit aller hatte, die noch aufrecht standen.
Buffy gehörte mehr oder weniger dazu, sie taumelte ein wenig und holte erleichtert Luft. Sie stützte sich auf ihre Streitaxt, ließ jedoch keinen Dunkelelfen aus den Augen, der noch Widerstand leisten konnte. Doch offensichtlich wussten sie nicht, was sie tun sollten. Wie auch? Spike hatte sein Schwert aufgehoben und hielt es dem König direkt an die Kehle.
„Der Spaß hat lange genug gedauert", schrie der Vampir und spuckte ein weiteres Mal Blut. „Wer jetzt noch Widerstand leistet, sorgt dafür, einen neuen König wählen zu müssen." Doch der Kampf war schon beendet. Jedenfalls der im Thronsaal. Draußen im Dorf wurde offenbar noch immer bitterlich gekämpft und Buffy suchte Spikes Blick. Sie deutete mit dem Kopf nach draußen und er nickte.
„Dann los", knurrte er, hielt seinen Gefangenen an der Schulter und verpasste ihm mit dem Knie einen Tritt in den Allerwertesten. „Beweg dich", schnauzte er ihn an. „Wir wollen all deinen schwarzen Kumpel doch erzählen, dass ihr Kampf sinnlos geworden ist." Dann wandte er sich den Lichtelfen zu. „Haltet die Idioten hier in Schach!", sagte er und sah dann zu Buffy. „Lass uns gehen!"
Ein kleiner Tross setzte sich in Bewegung, angeführt von Spike und seinem
Gefangenen. Dicht darauf folgten Buffy, Sadie und Binea, die vollkommen aus dem
Häuschen war. Sie beeilte sich zu Spike aufzuschließen und himmelte ihn an. „Du
hast es geschafft! Du hast es geschafft!"
„Noch ist es nicht vorbei", murrte er und obwohl er am Ende seiner Kraft war,
ging im die Lichtelfe mit ihrem aufgeregtem Gehopse furchtbar auf den Sender. Er
schob Tanavar schneller durch die dunklen Gänge und wartete dann am Eingang auf
Buffy, die sich müde neben ihn stellte. „Willst du, oder soll ich?" Er presste
das Schwert enger an Tanavars Kehle und wischte sich schnell das Blut aus dem
Gesicht.
„Mach du ruhig", murmelte Buffy und winkte ab. Sie hatte keinerlei Lust, jetzt auch noch herumzuschreien, denn darauf lief es unweigerlich heraus, wenn man sich Gehör verschaffen wollte. Sie lehnte sich wieder auf ihre Streitaxt und sah hinunter auf das Getümmel im Dorf. Die Lichtelfen hatten ganze Arbeit geleistet und viele ihrer Gegner zumindest kampfunfähig gemacht, doch noch immer tobten Kämpfe und um die zu beenden, erhob Spike nun seine Stimme.
„Schluss jetzt", brüllte er und seine Stimme hallte über das Dorf, das viele Meter unter ihm lag. „Genug gekämpft!" Er rüttelte an Tanavars Schulter, sodass der König der Dunkelelfen hin und hertaumelte und sofort wurde es im Dorf still. Alle, die noch die Kraft dazu hatten, sahen zu ihnen hinauf und es dauerte nur einen Wimpernschlag, bis die Lichtelfen anfingen zu schreien und den Sieg zu feiern. Sie stürmten auf den Baum zu und jubelten, doch Spike ließ den Rest der Dunkelelfen nicht aus den Augen.
Mit bangem Blick sahen sie zu ihm auf und er nickte Binea zu, die sich nun wieder neben ihn stellte und in Siegerpose die Hände in die Luft warf. „Dir ist schon klar, dass noch nicht Schluss ist?", fauchte er sie an und sie blickte ihn fragend an.
„Warum?", fragte sie, nahm die Hände langsam runter und sah zu Buffy, die mit den Schultern zuckte.
„Weil er noch lebt", sagte Buffy und hob müde den Arm. Sie zeigte auf den Elfenkönig, der mutlos die Schultern gesenkt hielt, und zuckte ein weiteres Mal mit den Schultern. „Wir sind hier, um ihn für immer aufzuhalten. Wenn wir ihn jetzt laufen lassen, dauert es nicht lange, bis er wieder Ärger macht."
„Soll ich es beenden?", fragte Spike und grinste unter all dem Blut in seinem Gesicht höhnisch.
Buffy gab stumm ihre Einwilligung und so wirbelte er Tanavar herum und riss ihm mit seinen messerscharfen Zähnen die Kehle auf. Dann gab er ihm einen Stoss und der König der Dunkelelfen trat seine letzte Reise an. Sie führte ihn auf den Dorfplatz, wo er mit gebrochenen Gliedmaßen liegen blieb und sich nicht mehr rührte.
Sadie und Binea holten hörbar Luft und starrten den Vampir fassungslos an. Vor allem Binea konnte kaum fassen, was sie gerade gesehen hatte. Eine solche Kaltblütigkeit hatte sie kaum für möglich erachtet, doch Spike lachte sie aus.
„Was hast du gedacht? Ich wäre ein gezähmter Teddybär?" Er lachte fies und ließ seine Augen aufblitzen. „Ich bin immer noch ein verdammter Vampir, Baby!"
Die beiden Elfen erhoben sich in die Luft und flogen schnell zu ihren Freunden hinunter ins Dorf. Spike sah ihnen kopfschüttelnd hinterher. „Spinner!"
Auch die Jägerin sah den beiden eine Zeit lang hinterher, dann wandte sie sich an ihren Kampfgefährten. „Binea scheint mächtig enttäuscht von dir zu sein. Ich will ja nichts sagen, aber ich glaube, die bist du wohl los", meinte sie und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als der Vampir sie finster ansah.
„Halt bloß die Klappe", drohte er, dann musste er lachen und schüttelte den Kopf. „Irgendwie scheine ich stressige Frauenzimmer anzuziehen", sagte er und zuckte müde mit den Schultern. „Aber noch mehr Drama brauche ich nun wirklich nicht." Er setzte sich an den Rand des Astloches und sah den feiernden Elfen zu. Einen Moment blieb er stumm sitzen, dann sah er wieder zu Buffy, die es sich neben ihm bequem gemacht hatte und nun ihrerseits das Treiben weit unter sich beobachtete.
„Müssen wir den Rest Dunkelelfen auch noch niedermachen? Oder lassen wir sie laufen?" Er wirkte ebenso müde wie Buffy und nickte, als sie den Kopf verneinend schüttelte. „Gut", brummte er. „Mir steht der Scheiß auch bis hier oben", sagte er und hielt sich die Hand über den Kopf. „Und ganz ehrlich, Slayer, wenn ich für den Rest meines Lebens nie wieder eine Elfe zu Gesicht bekomme, ist mir das mehr als Recht!"
„Glaub ich dir gerne", erwiderte sie und hatte dabei ganz ähnliche Gedanken im Kopf. „Ich denke, den Rest Elfen können wir laufen lassen. Ihre Anzahl ist stark dezimiert und wenn sie überhaupt je wieder zu alter Stärke auflaufen, so dauert es doch Jahre, bis sie uns wieder Ärger machen können."
„Am liebsten würde ich sofort von hier verschwinden", knurrte Spike, als eine Delegation Lichtelfen auf sie zuflog.
„Ganz deiner Meinung", sagte Buffy und stand mühsam auf. Sie ging hinkend auf Sadie zu, die weit weg von dem Vampir landete und den Eindruck machte, als hätte sie wirklich erst jetzt begriffen, wen sie da um Hilfe gebeten hatte. Doch das war der Jägerin egal. Kaum ein anderer hätte ihr so zur Seite stehen können, wie Spike es getan hatte und auch wenn sie es nie laut sagen würde, sie war ihm sehr dankbar dafür.
„Ihr habt es geschafft", sagte Sadie nun leise. „Aerona ist sicher nach Hause
gebracht worden und sie freut sich schon sehr darauf, euch kennenzulernen. Es
wird ein paar Tage dauern, bis sie vollständig genesen und auf den Beinen ist,
doch dann wird ein großes Fest euch zu Ehren gefeiert und…"
„Ganz toll", unterbrach die Jägerin und gähnte herzhaft. „Doch das werdet ihr
ohne uns feiern müssen." Sie deutete mit dem Kopf hinter sich, wo Spike immer
noch am Rand des Astloches saß. „Wir beide haben das schon besprochen und wir
haben beschlossen, noch heute Nacht nach Hause zurückzukehren."
„Heute noch?", fragte Sadie und sah betroffen zu ihren Begleitern. „Ihr seid
beide schwer verletzt und müsst euch erholen. Außerdem würde Aerona…"
„Erholen können wir uns auch in Sunnydale", unterbrach Buffy sie ein weiteres
Mal. „Und eurer Königin könnt ihr unsere besten Wünsche ausrichten. Doch für uns
ist es an der Zeit, zurückzukehren. Es wäre also ganz nett, wenn ihr uns in euer
Dorf zurückbringt, damit wir unsere Klamotten packen können."
„Die Zwergengröße nicht zu vergessen", warf Spike ein, der nun aufschaute und
fies grinste. „Ihr müsst noch ein paar eurer Truppe zusammentrommeln, damit wir
wieder wachsen." Dann erhob er sich und humpelte auf die Gruppe zu. „Und ruft
diese Transporttaube hierher! Ich werde garantiert nicht auch noch laufen!"
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Langsam drängte die Zeit, denn der Himmel lichtete sich bereits gemächlich. Buffy und Spike, beide zerschrammt und zerkratzt, verabschiedeten sich schnell von den Elfen, die sie zum Durchschlupf in die Menschenwelt begleitet hatten und schüttelten eine Menge kleiner Hände.
Sogar Binea hatte sich dazu aufraffen können, sie bis hierhin zu begleiten, doch
sie wirkte unsicher, ja beinahe so, als fürchtete sie sich mit einem Mal vor
Spike. Und der Vampir ließ es sich natürlich nicht nehmen, sie noch einige Male
hinterlistig anzufunkeln. „Glaub mir, ich bin dir wirklich nicht böse, wenn du
mich nie besuchen kommst", sagte er und seine Mundwinkel zuckten.
„Werde ich auch nicht", erwiderte Binea heftig und reckte stolz das Kinn.
Doch jetzt, wo er wieder eine menschliche Gestalt hatte, schmolz ihr Widerstand
schon dahin. Nahezu vergessen war das Entsetzen, das sie vor wenigen Stunden
gepackt hatte und sie blickte in seine blauen Augen. „Aber vergessen wirst du
mich auch nicht!"
„Ganz sicher nicht", grinste Spike und Buffy trat ihm auf den Fuß, damit er
nicht in lautes Lachen ausbrach. „Hey", schimpfte er, verstummte jedoch, als er
ihren finsteren Blick auffing. „Ist ja schon gut", murrte er und verzog das
Gesicht. „Und jetzt lass uns endlich von hier verschwinden! Meine Gruft und eine
gute Flasche Whiskey warten schon auf mich."
„Ja, es wird Zeit", nickte nun auch Buffy und winkte Sadie ein letztes Mal. Dann wurde es schwarz um sie herum und sie drehte sich um sich selbst. Doch bevor ihr endgültig schlecht werden konnte, lichtete sich die Dunkelheit und sie erkannte die Magic Box. Mit unsicheren Schritten bewegte sie sich langsam von der Stelle und wurde auch sogleich von Giles in Empfang genommen, der sie besorgt ansah.
„Alles okay", sagte sie und winkte ab. „Nichts, was ein ordentlicher Schlaf nicht wieder herstellen könnte." Trotzdem ließ sie sich widerstandslos zu einem Stuhl bringen und sank darauf nieder. „Wo ist Spike?", fragte sie.
„Wir haben ihn gleich in seine Gruft teleportiert", sagte er und Willow lächelte schwach.
„Hey", begrüßte Buffy die Freundin und sie erwiderte den Gruß.
„Schön, dass du wieder hier bist", sagte die rothaarige Hexe, wirkte jedoch
erschöpft. Sie ließ sich auf einen Stuhl neben Buffy fallen und seufzte. „Magie
kann furchtbar anstrengend sein. Man sollte nicht annehmen, dass es so
kräfteraubend ist, zwei Personen zu transportieren", murmelte sie und gähnte
herzhaft. „Gut, dass heute Samstag ist. Jetzt können wir uns jedenfalls sorglos
in unsere Betten werfen und schlafen."
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich es noch bis in mein Bett schaffe", murmelte
Buffy und lehnte den Tee ab, den Giles anschleppte. „Ich möchte nichts mehr. Nur
noch schlafen. Am besten eine ganze Woche."
„Aber es gibt soviel, was du mir erzählen musst", drängte der Wächter, doch dann
sah er ein, dass das Gespräch und all die Erklärungen warten mussten. „Also
gut", sagte er und kramte seine Autoschlüssel aus der Tasche. „Ich fahre euch.
Anya wird fuchsteufelswild, wenn sie den Laden nicht öffnen kann."
Buffy kämpfte sich hoch, ließ jedoch ihr Gepäck liegen. Anya würde es schon beiseite schaffen und auspacken konnte sie es später immer noch. Sie hakte sich bei Willow ein und zusammen gingen sie langsam durch den Zauberladen auf die Tür zu.
„Sag mir nur eins", meinte Willow und öffnete die Tür, deren Glocke hell läutete. „Sind Elfen so, wie ich sie mir vorstelle? Lieb und nett und hilfsbereit?"
„Auch", gähnte Buffy und quetschte sich auf den Rücksitz von Giles Wagen. „
Aber auch unentschlossen, langatmig und anstrengend." Sie lächelte träge und
lehnte den Kopf an. „Vielleicht solltest du Spike fragen. Er würde dir noch was
von liebestoll erzählen."
Willow fuhr mit weit aufgerissenen Augen zu ihrer besten Freundin herum, doch
die war bereits eingeschlafen. „Was soll das heißen?", fragte sie deswegen
Giles, der einstieg und den Zündschlüssel ins Schloss steckte.
„Das frag am besten ihn", murmelte Giles und beeilte sich aus der Parklücke zu fahren. Er hatte, wahrscheinlich ebenso gut wie Willow, verstanden, was das zu bedeuten hatte. Doch er verspürte keinerlei Lust, sich darüber mit ihr zu unterhalten. Ihm reichte es schon, dass er mehr von Anyas und Xanders Liebesleben wusste, als gut für ihn war. Mehr konnte auch ein Wächter nicht ertragen!